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Robert Heymann
Ein Junge liebt ein Mädel: Annemarie Land
Saga
Ein Junge liebt ein Mädel: Annemarie LandCopyright © 1932, 2019 Robert Heymann und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788711503775
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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1
Der Abend senkte sich auf ein stilles Städtchen nieder, in den winkligen Gassen brannten bereits die Laternen, als Gerhard Brausewetter durch das grosse, alte und wuchtige Tor schritt, das noch aus der Schwedenzeit stammte.
Er zog einen Zettel hervor und suchte die Adresse, die ihm sein ehemaliger Lehrherr aufgeschrieben hatte.
„Gasse zur alten Liebe“, murmelte der etwa Achtzehnjährige mit einem heimlichen Lächeln. „Nomen est omen — — jeder Name hat seinen tieferen Sinn. Ob mir hier eine Liebe aufblühen wird?“
Er zog die breitrandige Mütze tiefer und verwegener in die Stirne, nahm das Ränzel vom Rücken und schritt schnell quer über die „Hauptgasse“, über die soeben eine Strassenbahn fuhr — — ein alter Kasten, der kaum einige Menschen fasste, davor ein struppiges, gemütlich hinzottelndes Pferdchen.
Also hier war die „Alte Liebe“. Gerhard klingelte. Zwei Frauen sassen vor den Fenstern und tauschten ihre Vermutungen aus über den „Zugereisten“.
Die Besitzerin des Hauses war eine alte Dame, die schon die hohe Nachthaube mit den weiten Zipfeln aufgesetzt hatte und wie eine Ritterdame aus längst entschwundener Zeit wirkte.
Ja, Herr Friedrich Sturm hatte das Zimmer bereits für den jungen Herrn gemietet. Sie knickste ein wenig, während sie sprach, sie schaute dem Jungen verzückt in das frische Gesicht, sie war eine liebe, alte Jungfer mit vielen Idealen, die alle in die winzige Wohnung eingesponnen waren.
Gerhard machte es sich in seinem Zimmerchen bequem.
Für heute war es natürlich zu spät, noch in das Pastorhaus zu gehen, das eine Wegstunde von dem Städtchen entfernt lag.
Morgen!
Er stand am offenen Fenster, durch das die Abendluft den Duft des nahen Waldes trug, reckte die Arme hoch und sah mit brennenden Augen in dieses Meer von Grün. Unter ihm standen blutrote Rosen in vollerblühter Pracht. Schwertlilien, sattfarbige Kinder der Iris, schwellten neben der Germanica-Hybride. Das Leben lockte um ihn mit reifen Farben wie das hohe Lied der Verheissung. Er liebte die Natur über alles. Da erwachte seine Sehnsucht und flog weit über die Alltäglichkeit hinaus in ein anderes Leben, das ihm schon so nahe stand, in ein Leben der Wunder, ungezählter Erwartungen, stolzer Träume.
Noch ein letztes Hindernis — dann trat er durch das Tor der Verheissung.
Ein strahlender Morgen folgte dem in Schönheit gestorbenen Tage. Da machte sich Gerhard auf zu dem Pastor Winkelmann.
Als er in das schlicht aber gemütlich eingerichtete Studier- und Wohnzimmer des alten Mannes trat, erblickte er vorerst nichts als einen grossen Schrank mit Büchern und eine Lange Pfeife.
Der Pastor ging seinem Besucher entgegen und empfing ihn mit Wärme und Herzlichkeit.
„Ich habe von Ihrem Schicksal gehört, Herr Brausewetter“, begann er, den Jüngling ohne viel Umschweife auf einen der gepolsterten Sessel nötigend. „Wahrlich, Ihr Geschick hat meine volle Teilnahme gefunden! Wenn Sie sich mir anvertrauen wollen . . .“
„Aber, Herr Pfarrer,“ unterbrach ihn Brausewetter lächelnd, „ich muss Ihnen doch mit grösster Dankbarkeit entgegenkommen, wenn Sie sich solche Mühe mit mir machen wollen!“
Der Pastor musterte ihn wohlwollend, sah eine Weile prüfend in das scharfgeschnittene offene Antlitz des jungen Mannes, lächelte dann vor sich hin und meinte:
„Es gehört ein ungewöhnliches Mass von Energie zu dem Entschluss, den Sie gefasst haben! Und noch mehr: wahre, aufrichtige Liebe zu den Wissenschaften!“
,,Die habe ich“, entgegnete Gerhard einfach. Der Pastor nahm eine Prise aus der alten, mit Elfenbein verzierten Dose und sah nach der grossen Wanduhr.
„Es ist bereits halb neun, ich muss jetzt meine Kinderchen unterrichten. Wenn Sie um elf Uhr wiederkommen wollten, Herr Brausewetter, könnten wir gleich heute mit dem Studium beginnen.“
„Gut, Herr Pastor, ich bin völlig einverstanden.“
„Also — dann auf Wiedersehen. Übrigens . . .“ Winkelmann hielt Gerhard, der schon an der Tür stand, fest. „Haben Sie meine Tochter schon gesehen?“
„Nein, Herr Pastor.“
„Aber da muss ich doch gleich — nein, so eine Vergesslichkeit — Lieselotte!“ rief er in den Gang hinaus.
„Väterchen?“ klang es zurück.
„Komm’ einmal herein, mein Herzchen —“
Man hörte im Nebenzimmer ein paar Tassen klappern, dann einen leichten, graziösen Schritt, und unter dem Türrahmen stand Lieselotte.
„Hier stelle ich dir den neuen Freund unseres Hauses vor — Herrn Studiosus Gerhard Brausewetter“, sagte der Alte lächelnd und deutete auf den Gymnasiasten, der sich leicht verneigte. „Dies hier, Herr Brausewetter, ist Lieselotte, meine Tochter, die seit dem Tode meiner Frau mein Hauswesen führt und mich auf meine alten Tage grenzenlos verwöhnt.“
„Aber, Vater!“ verwies sie ihn lächelnd, den Fremden mit einem flüchtigen Seitenblick streifend. Dann trat sie auf ihn zu, reichte ihm die schmale Hand und sagte Leise:
,,Seien Sie willkommen!“
„Ich danke, gnädiges Fräulein!“
Er wollte einige Worte hinzufügen, aber sie hatte, ihm schon ihre Hand entzogen und war im Nebenzimmer verschwunden.
Mit einem Blick hatte er ihre Schönheit umfasst: schlanke Glieder, rehbraune Augen, die wohl etwas dunkler erschienen, als sie waren, und schweres, blondes Haar. Der pikante helle Teint ihres Gesichts, dem zartes Rot auf beiden Wangen gesunde Frische verlieh, wurde durch das rosa Kleid noch gehoben.
Als er die Tür öffnete, um ins Freie zu gelangen, steckte Lieselotte den Kopf durch den Türspalt.
„Wird Herr Brausewetter mit uns zu Mittag essen?“ fragte sie.
,,Natürlich, mein Herzchen“, sagte der Pastor.
„Also auf Wiedersehen“, lächelte sie schalkhaft und verschwand.
Gerhard ging die Landstrasse entlang. Die Höhen ringsum waren in einen leichten Dunst gehüllt, der feiner als ein Schleier war und Weinberge und Burgruinen in bläulichen Nebel sinken liess. Gerhard ging wie im Traum und dachte unausgesetzt an das liebliche Mädchen.
Wieder tauchte vor seinem geistigen Auge ihre schlanke Gestalt auf, er sah die wunderbaren Haare. Er musste an den schmalen, blendend weissen Hals und die feine, leidenschaftliche Linie um ihre Mundwinkel denken.
Seltsam, sann er. Ist es nicht wie ein Wunder, diese keusche Mädchenblüte in dieser weltverlorenen Einsamkeit?
Er hatte bisher keine Zeit gefunden, sich mit Frauen zu beschäftigen. Als er das Gymnasium verlassen, war er zu jung gewesen, um ähnlichen Gedanken nachzuhängen. Und dann hatte ihn der Ernst des Lebens ganz beansprucht.
Er lächelte mit leisem Spott über sich selbst, als er daran dachte, dass er doch nur ein Gymnasiast war! — —
Um elf Uhr fand er sich wieder bei Pastor Winkelmann ein. Der Alte sass bereits am Tisch.
„Ich denke, wir nehmen gleich Sophokles vor“, begann er, ganz geschäftig, dabei gemütlich über die Brillengläser schielend.
Gerhard vertiefte sich sogleich in den Unterricht. Aber jeden Moment ertappte er sich selbst dabei, wie er die Augen nach der gegenüberliegenden Tür richtete, in der Hoffnung, Lieselotte zu sehen.
Aber er hörte nur ein leises Singen wie Vogelgezwitscher.
Indessen verbreitete sich Pastor Winkelmann über Inhalt und Bedeutung der Dramen, über Sophokles als Tragödiendichter überhaupt, über die Harmonie seiner Charaktere . . .
Pastor Winkelmann hatte nichts von dem Schwung, den die Begeisterung verleiht. Er lehrte in einem schwerfälligen, dogmatischen Ton. Gerhard musste an seinen Ordinarius denken, an Professor Ebers, dem sie alle, die Wissensdurstigen wie die Gleichgültigen in derselben Liebe anhingen. Wie ganz anders konnte der über Sophokles reden!
Nicht jeder, ach, nur wenige besassen die Kunst, die Jugend und ihren Durst nach Schönheit, ihre Auffassungsgabe so zu verstehen wie Erich Ebers, den seine Schüler kurzweg den ,,Vogel“ nannten. Auf breiten Schultern sass sein mächtiger Kopf mit scharf geschnittener Nase, schmalen Lippen und tief in den Höhlen liegenden Augen.
Über der hohen Stirne trug er das Haar wie Federn zurückgelegt, und so erinnerte sein Gesicht tatsächlich an einen Vogel. Wenn aber seine Augen in Begeisterung glänzten, dann war es wiederum, als sähe man in die Augen eines Raubvogels.
Solche Gedanken gingen Gerhard durch den Kopf. Kein Wunder, dass er auf die Fragen seines Lehrers zerstreute Antworten gab und seine Geduld auf eine harte Probe stellte.
„Na, Brausewetter, mir scheint fast, Sie träumen?“ fragte Pastor Winkelmann und sah seinem Schüler erstaunt ins Gesicht.
Der fuhr aus seinem Sinnen auf. Aber die Uhr schlug eben ächzend zwölf und enthob ihn so der Antwort.
Lieselotte steckte den Kopf durch die Tür:
„Darf ich den Tisch decken?“
Pastor Winkelmann blieb in seinem Vortrag stekken, sah sich um und beeilte sich zu sagen:
„Gewiss, Lissy!“
Gerhard blieb am Tisch sitzen und sah Lieselotte zu, wie sie ein Tischtuch, Teller und Bestecke in das Zimmer trug.
Aber sie warf nur einen forschenden Seitenblick nach ihm, während sie geschickt und mit reizenden Bewegungen den Tisch deckte. Sie war jünger als Gerhard Brausewetter, siebzehn vielleicht, war aber hoch aufgeschossen und kräftig und konnte wohl für älter gelten.
Während der Mahlzeit sass sie schweigsam. Der Pastor plauderte über die alten Griechen; Gerhard aber war ein unaufmerksamer Zuhörer. Entweder hielt er den Blick auf seinen Teller gebannt, oder er sah zu Lieselotte hinüber. Sie hielt meist das Gesicht dem Fenster zugewandt, wo sich ihr Blick über die grünen Wiesen hinweg in der Ferne verlor.
Nach Tisch hielt Winkelmann sein gewohntes Schläfchen, Lieselotte verschwand, und der Gymnasiast ging in den Garten.
Seltsam — dachte er. Alle jungen Mädchen sind sonst ausgelassen und lachen viel. Er hatte Lieselotte noch nicht lachen hören. Er sah sie auch in den folgenden Tagen nicht lachen. Sie blieb immer ernst und ruhig, war auch viel sicherer in ihrem Benehmen als Gerhard. Der war plötzlich von einer unklaren Unruhe ergriffen worden. Umsonst nahm er frühmorgens die Bücher vor, stützte den Kopf zwischen die Fäuste und versuchte zu arbeiten.
Es ging nicht, es wollte nicht gelingen! Die Gedanken flatterten nach allen Seiten auseinander, bis er schliesslich die Bücher in eine Ecke warf und das Haus verliess, die Höhen hinaufstieg, der Sehnsucht nach, die immer in ihm lebte, die ihn nicht mehr verliess, seitdem er hierher gekommen war — eine grosse, gewaltige, unfassbare Sehnsucht, deren dunkle Stimme er noch nicht völlig begriff.
2
Es war eine kampfesreiche, schwere Zeit, die hinter dem Gymnasiasten lag. Sein Vater war Arzt in einem kleinen norddeutschen Landstädtchen gewesen, er hatte sich für seinen Beruf geopfert und war schliesslich fast ebenso arm gestorben wie damals, als er seine Praxis begonnen hatte.
Für seine Witwe, eine immer noch jugendlich schöne Frau, blieb kaum das Nötigste zurück. Das war eine düstere Zeit damals, als Gerhard aus dem Gymnasium nach Hause kam und ahnungslos in das Sterbezimmer seines Vaters geführt wurde. Noch drückender aber wurde das Leid um den Toten, als Frau Brausewetter mit ihrem Sohn die gänzlich veränderten Verhältnisse besprach.
Gerhard Brausewetter hatte Arzt werden wollen wie sein Vater — ein paar Jahre noch, und die Pforten des Gymnasiums hätten sich hinter ihm geschlossen. Das rührende und in seinen Ehrbegriffen fast spartanische Vorbild des Vaters hatte eine unauslöschliche Begeisterung für den ärztlichen Beruf in ihm wachgerufen.
Da, in dieser traurigen Stimmung eines nebeligen Novembertages, zerrann dieser Traum in nichts, da trat zum erstenmal die unbarmherzige Wirklichkeit in den Kreis der Vorstellungen dieses Jünglings, der bisher vor jeder Enttäuschung bewahrt geblieben war.
Die rasche Art des Entschlusses hatte er von dem Vater geerbt. Er sah ein, dass er unmöglich noch zwei Jahre hindurch seiner Mutter die Last finanzieller Opfer für ihn aufbürden konnte. Im Gegenteil: wenn nicht die Sorge den Lebenskreis dieser Frau verdüstern sollte, die er nicht nur als Mutter zärtlich liebte, der er fast eine scheue Verehrung entgegenbrachte, so musste etwas geschehen, um eine Katastrophe zu verhindern.
Nächte hindurch hatte damals Gerhard Brausewetter, in Nachdenken versunken, wach auf seinem Lager gelegen, bis er sich endlich den schweren Entschluss abgerungen hatte: das Gymnasium zu verlassen, mit allen Kräften zu versuchen, eine Lebensstellung zu erringen, die, mochte sie vorläufig noch so gering sein, ihn wenigstens selbständig machte; so dass die Mutter das Wenige, was sie besass, für sich allein aufwenden konnte.
Sie hatte zwar anfangs leidenschaftlichen Widerstand geleistet, aber die Verhältnisse wären stärker — bald, nachdem Dr. Brausewetter der Erde gegeben war, verliess sein Sohn das Gymnasium und trat bei einem angesehenen Kaufmann in Darmstadt, wohin Frau Dr. Brausewetter übersiedelte, in die Lehre.
Der Kaufherr Friedrich Sturm erfuhr bald, wie sich in einer kleinen Stadt eben Ungewöhnliches schnell herumspricht, von dem Schicksal seines Lehrlings, dem er besondere Sympathie entgegenbrachte. Einmal in seinem neuen Wirkungskreis, bot Gerhard Brausewetter alles auf, so schnell wie möglich vorwärts zu kommen, und erwarb sich so neben der Achtung auch das besondere Vertrauen seines Chefs, so dass er schon nach Ablauf eines Jahres in der Lage war, seiner Mutter kleine Beträge als Entgelt für Wohnung und Unterhalt zu geben.
Er schien sich mit seinem neuen Schicksal ausgesöhnt zu haben. In Wirklichkeit aber hatte er die Veränderung durchaus nicht überwunden. Er sah voll Bitterkeit der Zeit entgegen, wo seine ehemaligen Kameraden das Gymnasium verlassen und in ein neues, an Ehren und Würden reiches Leben eintreten würden, dessen Pforten ihm nun verschlossen waren. Der nüchterne Kaufmannsstand sagte ihm nicht zu; seine Ideale liessen sich nicht zügeln, und obwohl Friedrich Sturm alles tat, um sein Interesse für Zahlen und Geschäfte zu heben, hing Gerhard Brausewetters Sehnsucht nach wie vor an dem Verlorenen.
Da trat, nachdem er seit einem Jahr das Gymnasium verlassen, eine unerwartete Wendung ein. Ein entfernter Verwandter Frau Dr. Brausewetters war in Amerika ohne Nachkommen gestorben, und da sich Weitere Verwandte nicht nachweisen liessen, so fiel das beträchtliche Vermögen der Witwe des Arztes zu.
Gerhard Brausewetter war immer von neuem heimlich zu seinen Büchern zurückgekehrt; die plötzliche Veränderung rief wieder den flammenden Wunsch in ihm wach, nachzuholen, was er versäumt, zurückzukehren aufs Gymnasium und, wenn auch etwas später als seine früheren Kameraden, das Abitur zu machen.
Friedrich Sturm bedauerte tief, ihn ziehen lassen zu müssen. Er war jedoch gerecht genug, Brausewetters Entschluss zu billigen. Das grosse Geschäft in Darmstadt war nur eine Zweigniederlage des Hamburger Exporthauses, dem Sturms Bruder vorstand. Der Einfluss der Millionärsfamilie reichte weit; der Fürsprache und der Verwendung seines früheren Chefs hatte Gerhard es zu danken, dass er schneller, als er hoffen durfte, wieder im Gymnasium Aufnahme fand, nachdem er sich einige Monate in rastloser Tätigkeit für die Unterprima vorbereitet hatte.
Er zählte nun allerdings nicht mehr zu den Jungen, war ein grosser, schon stattlicher junger Mann von achtzehn Jahren, dem überdies die einjährige Selbständigkeit ein sicheres, unabhängiges Auftreten verliehen hatte.
Er errang sich ein günstiges Abgangszeugnis aus der Unterprima. Nun zeigten sich aber doch die Folgen der Überanstrengung. Er bedurfte dringend der Erholung, um so mehr, als er sich ja auch gleichzeitig von neuem für die Oberprima vorbereiten musste, wenn sein sehnsüchtiger Wunsch, ohne weiteren Zeitverlust das Abitur zu bestehen, in Erfüllung gehen sollte.
Friedrich Sturm, der Kaufherr, war ihm wieder behilflich. Er hatte sich eines alten Freundes aus der Zeit, da er selbst das Gymnasium besucht, erinnert, des Pastors Winkelmann in F., mit dem er stets in Verbindung geblieben war. Mit diesem hatte er wegen Gerhard Brausewetter mehrere Briefe getauscht. Der Pastor erklärte sich mit Vergnügen bereit, die Vorbereitung des jungen Mannes für die Oberprima zu übernehmen, und da die Gegend, in ihrer Stille und Schönheit vollauf Gelegenheit zur Erholung und Zurückgezogenheit bot, so war Gerhard Brausewetter mit seiner Mutter und dem Kaufherrn übereingekommen, die Ferien dort zu verbringen.
So war er dann bei Pastor Winkelmann gelandet!
3
Die Sonne stand hoch, in dem weichen Gras lagen die Strahlen wie geschliffene Diamanten. Die Bäume warfen dichte; schwere Schatten.
Gerhard Brausewetter trat in den Garten des Pfarrhauses, um Kühlung zu suchen. Er erging sich eine Weile unter den alten Nussbäumen, als ein leichter Schritt, das Klappern einer Giesskanne seine Aufmerksamkeit nach den Blumenbeeten lenkte.
Lieselotte stand zwischen den Blumen und begoss sie. Sie trug einen grossen breitrandigen Gartenhut, der bei jeder Bewegung über ihrem Kopfe zitterte. Wie sie so halb über die Rosen geneigt stand, ohne ihn zu bemerken, klopfte sein Herz höher beim Anblick ihrer jugendfrischen, liebreizenden Gestalt.
Er verharrte eine Weile schweigend, in Nachdenken und Betrachtung. Dann trat er näher.
Sie hob den Kopf und sah ihm entgegen. Der Schatten, den der Gartenhut über ihre Züge warf, hinderte ihn, die brennende Röte zu bemerken, die ihre Wangen überflutete.
„Sie sind schon hier, Herr Brausewetter?“ fragte sie lächelnd und fuhr fort, die Blumen zu begiessen. „Ich hatte Sie gar nicht bemerkt.“
„Ich sehe Ihnen schon eine Weile zu, Fräulein Winkelmann“, entgegnete er. Ein warmer Ton von Zärtlichkeit klang durch seine Stimme
Sie beugte sich wieder tiefer über die Giesskanne. „Warum nennen Sie mich Fräulein Winkelmann? Sagen Sie doch einfach Fräulein Lieselotte!“
„Das wagte ich nicht . . .“
„Warum nicht? Man nennt mich hier allgemein so.“
„Das mag sein. Aber für mich hat die Anrede doch besondere Bedeutung. Ihr Name besonderen Klang. Ich danke Ihnen, dass Sie mir gestatten, ihn immer auszusprechen, . . . ich möchte ihn immer hören, an nichts anderes denken . . .“
Sie schwieg eine Weile verwirrt, dann schlug sie die Augen, in denen ein Flimmern war, zu ihm auf:
„Ich glaube, mein Vater erwartet Sie, Herr Brausewetter —“, und indem sie rasch dem Hause zuging, schien sie der Unterhaltung ein Ende bereiten zu wollen.
Er folgte ihr.
„Fräulein Lieselotte — habe ich Sie aus dem Garten verjagt! Ist Ihnen meine Gegenwart lästig?“
Erschrocken blieb sie stehen, die braunen Augen sahen ihn vorwurfsvoll an: „Wie können Sie nur so etwas denken!“
„So betrachten Sie mich also nicht als Eindringling? Fräulein Lieselotte — bitte, sagen Sie mir: ich bin für Sie nicht nur ein Fremder, den das Geschick zufällig in das Pfarrhaus von F. verschlagen hat?“
Sie schüttelte hastig den Kopf, nahm die Giesskanne vom Boden auf und trat ins Haus, ohne ihm zu antworten.
Von nun an traf er sie fast täglich im Garten. Es war stillschweigendes Übereinkommen zwischen ihnen, und bald wurde aus den ersten, scheu geführten Gesprächen eine vertrauliche Unterhaltung. Sie fühlten beide, dass sie sich liebten — Gerhard wagte jedoch nicht, dies zu gestehen, noch weniger Lieselokke, es sich anmerken zu lassen.
An einem Abend blieb Gerhard viel länger als sonst im Pastorhause. Die Dunkelheit war bereits eingebrochen, Lieselotte drehte das Licht an. Der Pastor war in ein so angeregtes Gespräch mit seinem Schüler vertieft, dass er erst, als die Kuckucksuhr zehnmal schlug, erstaunt den Kopf hob und darauf aufmerksam wurde, dass er seinen Gast weit über die festgesetzte Zeit hinaus zurückgehalten hatte.
„Nun müssen Sie aber gleich nach Hause“, sagte er. „Ich mache mir wirklich Vorwürfe; Sie so lange aufgehalten zu haben! Werden Sie denn in der Finsternis den Weg ins Städtchen zurückfinden?“
„Warum denn nicht?“ gab Gerhard Brausewetter lächelnd zurück.
„Es ist kein Stern am Himmel, und die Landstrasse ist nicht beleuchtet. Wenn man nicht bestimmte Anhaltspunkte hat, geht man irre und gerät in die Felder oder in einen Graben.“
Da war nun allerdings guter Rat teuer. Zwar kannte Gerhard den Weg sehr gut, er hätte ihn bestimmt auch gefunden. Aber da Lieselotte ihm in den letzten Tagen ausgewichen war, hielt er sich für berechtigt, eine List anzuwenden.
„Ich fürchte allerdings, Herr Pastor, ich verfehle das Feldkreuz, wo die Landstrasse abbiegt. Ich kenne die Gegend doch zu wenig.“
„Nun, wenn Sie denken, kann Sie ja meine Tochter bis zum Kreuz begleiten . . . Lissy!“ rief er in den Gang hinaus.
„Ja, Väterchen!“
„Begleite Herrn Brausewetter bis zu dem Kreuz, wo der Feldweg beginnt, damit er den Weg ins Städtchen findet.“
Sie antwortete nicht.
„Lissy!“
Keine Antwort.
„Lissy! Kind!“
Alles blieb still.
„Sie ist etwas schüchtern“, meinte der Pastor lächelnd. „Sie müssen sie schon entschuldigen.“
„O,“ antwortete Gerhard gekränkt, „ich werde den Weg wohl allein finden; so schlimm ist das nicht, und schliesslich habe ich doch gute Augen.“
Er sagte das möglichst laut, damit Lieselotte, die sich gewiss im dunklen Nebenzimmer aufhielt, ihn hörte.
„Na, dann gute Nacht, Herr Brausewetter.“
„Gute Nacht, Herr Pastor . . .“
Draussen war alles still. Die Berge standen wie eiserne Recken, still und stumm.
Gerhard ging langsam durchs Dorf und liess den kühlen Nachtwind seine Stirne umfächeln.
Das tat gut.
Ihm war heiss vor Erregung, und quälende Mutlosigkeit befiel ihn.
„Habe ich sie gekränkt?“ dachte er, „oder spielt sie mit mir? Aber das sieht ihr so gar nicht ähnlich . . .“
Als er um die Ecke bog, wo als letztes das weisse Häuschen des Krämers lag und die Felder begannen, löste sich eine helle Gestalt aus der Nacht.
Ohne ein Wort ging sie neben ihm her.
„Fräulein Lieselotte!“ stiess er in freudigster Überraschung hervor. „Sie sind doch gekommen? Sie wollen mich begleiten?“
„Muss ich nicht?“ erwiderte sie mit verschleierter Stimme. „Sie werden ja sonst den Weg verfehlen.“
„Den Weg verfehlen — — ja, das wäre wohl möglich. Man ist so allein hier, weit und breit niemand zu sehen — eine solche Einsamkeit, eine solche Stille — — Fräulein Lieselotte — nur Sie und ich — und Sie sind mir nicht böse, nicht wahr? Sie haben mich in den letzten Tagen nicht gemieden, weil ich Sie irgendwie verletzt habe?“ Und als sie wortlos den Kopf schüttelte: „Fräulein Lieselotte — Lissy — ich habe mich so sehr danach gesehnt, Ihnen zu sagen — —“
„Still, still!“ wehrte sie ab. „Sprechen Sie nicht — — ich — —“
Aber für Gerhard gab es kein Halten mehr. „Ich muss sprechen, Lieselotte! Sie haben eben recht gehabt: ich fürchte, den Weg zu verlieren ohne Sie — bisher bin ich allein gegangen, immer geradeaus, ohne links und rechts zu sehen. Aber nun, seit ich Sie kennengelernt habe, Fräulein Lieselotte, erscheint es mir unmöglich, das Ziel, das ich mir gesteckt, allein zu erreichen, ohne die beseligende Kraft des Glaubens und der Liebe . . . und diese Kraft, Lieselotte, können nur Sie mit verleihen . . .“
Lieselotte erwiderte nichts. Sie schritt die dunkle Strasse schweigend neben ihm hin, die Nacht war lind, die Stille nur von dem eintönigen Zirpen der Grillen unterbrochen.
„Lieselotte!“ bat Gerhard, „wollen Sie mir nichts sagen? Haben Sie keine Antwort für mich?“
„Ich muss zurückgehen — Sie können den Weg jetzt nicht mehr verfehlen!“ stiess sie hastig, bebend vor Erregung hervor. Sie blieb stehen, wollte umkehren — aber Gerhard hielt sie fest.
„Nein, Lissy — ich lasse Sie nicht gehen, bevor ich nicht weiss — ach, Lissy, warum machen Sie es mir so schwer? Sollte ich mich so sehr geirrt haben? Empfinden Sie nichts, gar nichts für mich?“
Sie standen mitten auf der finsteren Strasse. Weit und breit Stille, Einsamkeit. Gerhard trat ganz nahe zu ihr. Scheu, mit gesenkten Kopf stand sie vor ihm, er fühlte den Duft ihres Haares, seine Augen umfassten sehnsüchtig und zärtlich ihre zarte, schmiegsame Gestalt.
Behutsam griff er nach ihrer Hand. Sie war kalt, leblos. Aber ihre Finger schlossen sich fest um die seinen, und plötzlich sah er in der Finsternis ihre Augen brennen, sah ihre roten Lippen leuchten — und da zog er sie an sich, mit einer stürmischen, leidenschaftlichen Bewegung und bedeckte ihr Haar, ihre Augen, ihren Mund mit den scheuen Küssen der ersten Liebe.
Wortlos liess sie es geschehen, wortlos lag sie in seinem Arm. Trunken vor Glück fragte er:
„Lissy — sag’ es mir: liebst du mich? Liebst du mich wirklich?“
Da schlang sie beide Arme um seinen Hals und stammelte, während ihre Augen sich im Übermass des Glücks mit Tränen füllten:
„Ja, Gerhard — ich liebe dich.“
„O, Lissy — liebe, süsse Lissy — weisst du, wie masslos glücklich du mich machst? Ich könnte — ach, was könnte ich nicht alles für dich tun! Die Sterne möchte ich dir vom Himmel herunterholen — mein liebes, schönes Mädel — —“
Ihre Augen strahlten ihn in unverhohlener Zärtlichkeit an. „Ich hab’ dich schon lange lieb, Gerhard — eigentlich, seit ich dich zum ersten Male sah — —“
Eine Bank stand am Wege. Gerhard warf Lieselotte einen bittender Blick zu. „Wollen wir uns ein wenig setzen? Ich habe dir so viel zu erzählen, Liebste — —“
„Ich müsste heim, Gerhard — Vater wird besorgt sein — —“
„Nur ein Weilchen, Lissy — ich bringe dich nachher nach Hause — ich lasse dich jetzt in der Nacht nicht allein gehen!“
„Und du, Gerhard? Du kennst ja den Weg nicht, du findest nicht ins Städtchen zurück!“
Gerhard lachte übermütig. „Glaubst du das noch immer, Lissy? Weisst du nicht, dass ich nur eine List gebrauchte, um allein mit dir zu sein? Ich bin den Weg so oft gegangen, dass es unmöglich ist, ihn zu verfehlen.“
Da musste auch Lissy lachen. Sie setzten sich auf die Bank. Gerhard war wie verwandelt, das Glück versetzte ihn in eine geradezu übermütige Stimmung.
„Ich könnte die ganze Welt umarmen, Lissy —“ er schlang den Arm um sie, und sie schmiegte sich zärtlich an ihn. „Weisst du, als ich in F. ankam, hatte ich schon eine Art Vorgefühl, dass mich hier etwas ganz besonders Schönes erwartet. Sag’ es mir noch einmal, Lissy, sonst kann ich es nicht glauben du hast mich wirklich lieb?“
„Über alle Massen lieb, Gerhard — —“ sagte sie leise.
Und wieder küsste er sie, selig, überglücklich.
Schweigend sassen sie dann nebeneinander, Gerhard hatte den Arm um die Schulter der Geliebten gelegt, ihr Kopf ruhte an seiner Brust.
Da fing Gerhard plötzlich an, leise vor sich hinzusingen, nach einer alten Melodie sang er ein Lied, dessen Worte ihm in den letzten Tagen immer wieder in den Sinn gekommen waren:
Ein Junge liebt’ ein Mädel
Ein Junge liebt’ ein Mädel,
Ein Mädel, ach, so sehr!
So’n Mädel ist im Städtel
Strassauf, strassab nicht mehr!
Es geht mit stolzen Mienen,
Die Beinchen schlank, die Waden rund,
Die Augen blank und rot der Mund.
Das Köpfchen voll Rosinen!
Ein Mädel liebť nen Jungen,
So’n rechten Sausewind.
Wenn der kommt angesprungen,
Hab’ acht, mein blondes Kind!
Er kommt mit stolzen Mienen,
Und wie er geht und wie er steht,
Hat er das Köpfchen ihr verdreht,
Das Köpfchen voll Rosinen!
Ein Junge liebt’ ein Mädel,
Ein Mädel, ach, so sehr!
So’n Liebe, gibt’s im Städtel
Strassauf, strassab nicht mehr!
Sie geh’n mit stolzen Mienen
Stets Arm in Arm und Tritt an Tritt,
Das hält hübsch warm und schadet nit
Den Köpfchen voll Rosinen!
4
Lieselotte hatte mit schalkhaftem Lächeln gelauscht. Jetzt hob sie das Köpfchen.
„Ein hübsches Lied!“ sagte sie. „Die Melodie kenne ich, aber den Text — —“
„Den hat ein Freund von mir verfasst“, fiel Gerhard lächelnd ein. „Ich hab’ das Lied oft gedankenlos im Kreise meiner Kameraden mitgesungen. Jetzt sind die Worte Wahrheit geworden — ich kann’s immer noch nicht fassen, dass du mich Sausewind liebst!“
Sie erhob sich und strich ihm leicht über das Haar.
„Du wirst dich langsam daran gewöhnen müssen, du lieber Sausewind, du!“ meinte sie lachend. Aber nun komm, wir müssen gehen.“
Arm in Arm gingen sie den Weg zurück, den sie eben gekommen waren. Sie sprachen jetzt kaum von ihrer Liebe — sie war ihnen etwas so Grosses, Schönes, dass sie vielleicht beide fürchteten, durch allzu viele Worte die Empfindungen ihrer Herzen zu stören.
Gerhard sprach von der kurzen Spanne Zeit, die ihn noch vom Abitur trennte.
„Wenn ich das Examen gemacht habe, Lissy, werden wir heiraten.“
Sie schmiegte sich eng an ihn und sagte schelmisch lächelnd:
„Dann bist du ja erst Student . . . dann dauert es noch einmal Jahre, bis du deinen Doktor gemacht hast. Vielleicht trittst du als Student in ein Korps ein — — das wäre ja zu komisch: ein verheirateter Fuchs!“ Sie lachte hell auf.
„So werden wir eben so lange warten, bis ich mir eine Lebensstellung errungen habe“, entgegnete er. „Was tut das, ein paar Jahre früher oder später? Ich habe jetzt ein Ziel im Leben — keine Stunde werde ich in Zukunft verlieren — nur arbeiten, vorwärtsstreben, um dich, mein köstlichstes Gut, sobald als möglich zu gewinnen!“
Hand in Hand gingen Sie die Dorfstrasse entlang.
„Fällt es dir schwer, Gerhard, das alles in dich aufzunehmen? Ich denke mit das schrecklich, tote Bücher zu studieren, all diese lederne Gelehrsamkeit behalten zu müssen!“
Gerhard schüttelte den Kopf.
„So ist das nicht, Lissy. Es kommt nur darauf an, wie man die Dinge ansieht. Sie sind sich ja nie gleich, und allem im Leben, sagt der Vogel, muss man erst aus seinem inneren Reichtum geben, um es schön zu machen.“
Lieselotte lachte.
„Der Vogel? Wer ist das?“
Gerhard erzählte ihr von seinem Ordinarius, Professor Ebers.
„Er ist unvergleichlich! Er lebt eigentlich immer in einer anderen Welt, aber er gibt uns so viel von diesem seinem Leben, dass wir gar nicht wie die andern merken, wie schwer eigentlich diese letzte Zeit des Gymnasiums ist, wo man doch mit aller Kraft nach Freiheit sucht und so gebunden ist.“
Sie standen vor dem Garten des Pastorhauses. Im Studierzimmer des Pastors schimmerte noch Licht.
„Vater wird sich wundern, dass ich so spät heimkomme —“
„Wir wollen ihm morgen sagen, dass wir uns lieben, Lissy —“; doch dann schüttelte er in einem plötzlichen, Entschluss den Kopf: „Nein, Lissy, ich habe es mir überlegt: wir wollen es deinem Vater nicht sagen. Noch nicht! Ich will erst deiner würdig sein, wenn ich vor ihn hintrete und mich zu meiner Liebe bekenne. Ich will erst etwas sein, etwas erreicht haben — —“
„Du hast recht, Gerhard.“ Auch Lieselotte war ernst geworden. ,,Vater würde mich vielleicht nicht ganz begreifen — er ist alt, Gerhard, und er sorgt sich um meine Zukunft — —“
„Deine Zukunft ist klar und hell, Liebste. Ich werde dich auf Händen tragen — ich werde dich verwöhnen und liebhaben — nichts Hässliches soll an dich herankommen, mein Mädel. Und du wirst auf mich warten, nicht wahr?“
„Ja, Gerhard. Ich hab’ dich ja lieb — —“
„Und nun — gute Nacht, Lissy:“ Er küsste sie zart, innig. ,,Träum’ von mir, Liebste — morgen sehen wir uns wieder — jeden Tag, vier Wochen lang!“
„Nur vier Wochen —“ sagte Lieselotte beklommen. „Dann fährst du weg — lässt mich allein — —“
„Wir werden uns schreiben, Lissy — oft, sehr oft. Ich weiss, du wirst tapfer sein, nicht wahr?“
„Ich will es versuchen —“
„Und jetzt haben wir noch vier Wochen des Beisammenseins vor uns — vier lange, wunderbare Wochen!“
Sie nickte zärtlich. „Und nun geh, Liebster. Es ist schon sehr spät. Wirst du dich auch wirklich nicht verirren? Ich mache mir Sorgen —“
„Das brauchst du nicht, Lissy. Gute Nacht, Liebes.“
„Gute Nacht —“
Sie öffnete das Gartentor, das leise in den Angeln knarrte, und eilte durch den Garten in das Haus. Gerhard lehnte am Zaun und sah ihr nach, bis die schmale, zierliche Gestalt hinter der schweren Eichentür des Hauses verschwunden war. Dann trat er den Heimweg an. — — —
Die vier Wochen flossen den beiden Liebenden viel zu schnell dahin. Frau Brausewetter mahnte den Sohn zur Abreise. In vierzehn Tagen würden die Ferien zu Ende sein, und es galt, sich für den letzten Kampf um das Abitur zu rüsten.
Auch Pastor Winkelmann liess Gerhard Brausewetter nur ungern ziehen. Er hatte ihn liebgewonnen in der Zeit, da er fast jeden Tag im Pfarrhause geweilt.
Schliesslich war aber doch der letzte Tag angebrochen. Die Sonne glühte. In weichem Glanz lag ihr Licht über den Höhen und den grünen Wiesen. Es war drückend schwül, kaum Sass von den Höhen ein linder Luftzug wehte, der etwas Kühlung brachte. Die Felder strömten einen heissen Atem aus, der von grellem Sonnenlicht durchflutet war.
Müde schlich der Fluss durch die Wiesen.
Gerhard stieg mit Lieselotte noch einmal hinauf in die Berge.
Die Wälder standen in jenem zarten, lächelnden Grün, das die Seele erheitert und dem Auge wohltut, nur stellenweise von melancholischen Bergschatten durchbrochen. Das Moos glich einem Teppich, der aus tausendfältigem Smaragd von geschäftigen Händen geschaffen schien, und tausend Stimmen, tausend Leben und tausend Liebe surrten, summten und brummten.
Eng aneinandergeschmiegt stiegen sie aufwärts, durch brennende. Ginsterbüsche und kniehohe Blumenfelder, über zackige Felsen und biegsames Strauchwerk.
„Liebster,“ brach Lieselotte das Schweigen, das beide umfing — „nun gehst du wirklich fort von mir — —“
„Aber, Lissy — ich komme wieder!“
„Und — wenn du nicht wiederkommst?“
„Mädel — glaubst du vielleicht, dass ich die Liebe, das grenzenlose Glück, das du mir geschenkt hast, wegwerfe wie eine welke Blume? Deine junge, wunderbare Liebe“
„Und wenn du es tätest — aus Schwäche?“
„Aus Schwäche? Wo ich mein Leben hergeben würde für dich? Das verstehe ich nicht, Lissy.“
„Du verstehst es nicht — jetzt nicht — aber vielleicht — nein, du sollst es nicht verstehen lernen. Du wirst mich also nie, niemals vergessen?“
„Nie, niemals, so wahr ich dich liebe!“
Sie waren auf dem Gipfel eines Hügels angelangt, von dem man Äcker und Wiesen, Wälder und Flüsse bis weit in die Ferne überblicken konnte. Schweigend setzten sie sich auf den schwellenden Moosboden, Gerhards Blick schweifte hinüber zu dem Dörfchen, an dessen Rand in Bäume eingebettet das Pfarrhaus lag.
„Immer wird dieses Fleckchen Erde für mich das schönste auf der Welt bedeuten“, sagte er inbrünstig. „Weil ich dich hier gefunden habe — —“
Lieselotte hatte die Hände um die hochgezogenen Knie gefaltet. „Wenn du nur nicht fortmüsstest,“ stammelte sie — „wenn ich dich nur hierbehalten könnte —“
Gerhard sah sie an. In ihren Augen funkelten Tränen. Sofort war er bei ihr, nahm ihren Kopf zwischen seine Hände. „Lissy — Lieb — sei doch vernünftig — sieh, es geht ja nicht anders —“
„Ich weiss —“ sie schluckte schwer, „und ich ärgere mich über mich selbst, Gerhard. Aber ich habe Angst — —“
„Angst? Wovor, Lissy?“
In einer Bewegung völliger Hilflosigkeit zuckte sie die Achseln. „Ich weiss es selbst nicht. Ich möchte ein fröhliches Gesicht machen, um dir den Abschied nicht zu erschweren — aber es ist eine merkwürdige Angst in mir, wie die Ahnung von etwas sehr Traurigem — ach, Gerhard — du wirst mir oft schreiben, nicht wahr? So oft es deine Zeit erlaubt? Und du wirst mich nicht vergessen?“
Sie schlang die Arme um seinen Hals, sie presste die tränenfeuchte Wange an die seine. Das sonst so stille, zurückhaltende Mädchen war heute von einer fieberhaften Erregtheit, die Gerhard unklar beunruhigte.
Er drückte sie zärtlich an sich, strich ihr immer wieder beruhigend über das heisse Gesicht. „Du kannst mir bedingungslos vertrauen, Liebste — ich habe dich lieb wie nichts sonst auf der Welt. Ich habe keinen andern Gedanken als dich — als unsere gemeinsame Zukunft. Komm, sei tapfer — fühlst du denn nicht, wie schwer es auch mir wird, von dir fortzugehen?“
Sie versuchte, ruhiger zu werden. Aber der Ausdruck von Angst mich nicht aus ihren Augen. ,,Wenn du nun andere Frauen kennen lernst, Gerhard — Frauen, die schöner und Klüger sind als ich — —“
Er verschloss ihr den Mund mit einem Kuss. „Sprich nicht weiter, Lissy — du darfst nicht so Sprechen! Hast du so wenig Vertrauen zu mir? Ach, Lissy, ich glaube, du weisst gar nicht, was du mir bist! Muss ich es immer wieder sagen? Du bist das Schönste, Kostbarste, das Heiligste in meinem Leben. Ich werde dich liebhaben, nur dich, solange ich atme. Genügt dir das?“
,,Schwöre mir, Gerhard, dass du nie eine andere Frau lieben wirst als mich — —“
„Ich schwöre es dir —“
Sie legte seine Hand an ihre Wange.
„Ich möchte lieber sterben, als deine Liebe missen“, sagte sie leise. „Ich möchte lieber Schande, Qual und Tod erdulden, als dich verraten — —“
Wortlos, erschüttert streichelte er ihr schimmerndes Haar.
Als sie hinabstiegen, war es Nacht. Heiliger Friede Tag über den Feldern, und durch die Wälder ging die Einsamkeit. Alles Leben schien aufgegangen zu sein im Schoss des Todes, alle Lautheit schien gestorben vor der Majestät des Traumes.
Die Luft war heiss, als das Tal sie aufnahm. Fern vom Dorf her erklang der letzte Glockenton, der die Menschen zum Gebet gerufen.
Bei den ersten Häusern machten sie halt. Von Pastor Winkelmann hatte sich Gerhard schon verabschiedet, denn sein Zug ging am frühen Morgen.
Nun blickten sie sich noch einmal in die Augen, reichten sich die Hände und nahmen sich wortlos zum letztenmal den Schwur der Treue ab.
„Lebwohl,“ sagte Gerhard, „lebwohl, Lissy — im Mai komme ich wieder — —“
„Im Mai — —“ wiederholte sie, schloss die Augen und liess den Kopf müde nach rückwärts sinken. Da umfasste er sie schnell, presste die Lippen auf die ihren, lange . . . dann riss er sich los und verschwand mit schnellen Schritten in der Nacht.
Sie war stehen geblieben und sah ihm nach. Längst hatte die Dunkelheit ihn aufgenommen, sie konnte ihn nicht mehr sehen, aber sie hörte, dass er vor sich hinsang — vielleicht, um den Schmerz der Trennung gewaltsam zu betäuben. Lauschend hob sie den Kopf, sie erkannte die Melodie: es war das Lied, das er damals gesungen, als er ihr seine Liebe gestanden. Und nun trug der Wind ihr die Worte zu; sie hörte seine Stimme, immer weiter verklingend:
Ein Junge liebt’ ein Mädel,
Ein Mädel, ach, so sehr!
So’n Liebe gibt’s im Städtel
Strassarf, strassab nicht mehr!
Sie geh’n mit stolzen Mienen
Stets Arm in Arm und Tritt an Tritt,
Das hält hübsch warm und schadet nit
Den Köpfen voll Rosinen!
5
Pastor Winkelmann bekam am nächsten Tag Besuch. Ein seltsamer Herr kam. An seiner Weste hing eine schwere goldene Kette, an den Fingern blitzten Brillanten. Sein Gesicht war breit, die Stirn niedrig, das dunkle Haar in der Mitte gescheitelt und kurz geschnitten. Die unruhigen, kleinen Augen verschwanden fast hinter dem Fett, das seinem Gesicht etwas Verschwommenes gab, das die Charakterisierung erschwerte.
Pastor Winkelmann schien ebenso erfreut wie erschrocken zu sein, als der Fremde anlangte. Lieselotte konnte nicht schnell genug für einen Imbiss sorgen, und bald schloss sich Winkelmann mit Harry Hillmann ein.
,,Sie haben mich ordentlich überrascht — es ist doch nichts Schlimmes vorgefallen?“
„Im Gegenteil, lieber Pastor, im Gegenteil! Mon dieu — da sagt man, wir Grossstadtmenschen hätten schlechte Nerven! Mut! Mut und Ruhe, alter Freund!“
Der Pastor kniff ein wenig die Lippen zusammen bei dieser vertraulichen Anrede. Er räusperte sich:
„Hm! Also kein Kurssturz? Kein Papier zurückgegangen?“
„Nee! Einhundertvierzig!“
„Für neunzig haben Sie gekauft?“
„Für neunzig. Aber ich sage Ihnen, sie steigen noch auf zweihundert!“
„Vielleicht sollte man doch jetzt verkaufen, Herr Hillmann! Der Betrag ist gross genug!“
„Verkaufen? Pastor, sind Sie von Sinnen? Wenn die Papiere zweihundertzwanzig stehen, verkaufen wir. Keinen Tag früher!
Pastor Winkelmann wischte mit dem Taschentuch über die Brille. Zweihundertzwanzig!
Er berechnete den Gewinn. Zehntausend Mark betrug sein Vermögen. Das war ein eisernes Kapital, das für Lieselotte reserviert war, wovon er nichts verlieren wollte. Es war auch nicht nötig, dass sie mehr bekam — aber was darüber ging, das gehörte seiner Gemeinde. Seit sieben Jahren wurde gesammelt und gespart — eine Lotterie zugunsten des neuen Kirchenbaues hatte ein kleines Stammkapital ergeben — um an Stelle der schon hundertfünfzig Jahre alten Kirche eine neue zu errichten.
Schon als Pastor Winkelmann sein Amt angetreten, hatte ihm sein Vorgänger sozusagen als heiliges Vermächtnis den Plan einer neuen Kirche hinterlassen. Der junge Pastor hatte die Idee mit Feuereifer aufgenommen, war aber über zehn Jahre lang nicht in der Lage gewesen, Tatkräftiges dafür zu tun.
Seit sieben Jahren nun sollte der Kirchenbau begonnen werden, aber die Gemeinde war arm, Missernten, Schädlinge in den Weingeländen hatten ihr mehrere Jahre nacheinander grossen Schaden zugefügt. Und doch musste ein neues Gotteshaus gebaut werden.
Winkelmann träumte davon Jahr um Jahr. Er besass einiges Talent zum Zeichnen — in früher Jugend war er zum Architekten bestimmt gewesen — und hatte in seinen Mussestunden daher schon die Pläne entworfen. Er sah den Turm vor sich, den neuen Turm mit der alten Glocke, deren Klänge seiner Gemeinde vertraut waren seit Generationen. Er sah die weissen Wände der Kirche mit den grossen, langen Fenstern, den neuen Altar, den Chor und die neue Orgel — denn eine neue Orgel war nötig, das stand fest. Pastor Winkelmann war kein zugreifender Mensch. Woran er aber einmal festhielt, davon brachte ihn niemand mehr ab. Er war auch zurückhaltend, doch für zweierlei scheute er keinen Gang, keine Anstrengung, selbst dann und wann eine kleine Demütigung nicht: wenn es seinen Armen oder seiner Kirche galt.
Vor zwei Jahren hatte Harry Hillmann in dem nahegelegenen Flecken mit seiner Familie den Sommer verbracht. Bei dieser Gelegenheit hatte Pastor Winkelmann den Berliner Bankier, der fast täglich mit seinem 100 PS-Wagen durch das Dorf gerast war, kennengelernt. Da hatte er sich einmal ein Herz gefasst und ihm von dem Projekt der neuen Kirche gesprochen. Harry Hillmann hatte zweitausend Mark gespendet und dann dem dankbar aufhorchenden Pastor gesagt:
„So kommen Sie Ihr Lebtag nicht ans Ziel, Herr Pastor! Sie mühen sich ab und mühen sich ab, die Gemeinde ist arm, die Zuschüsse reichen nicht — Sie müssen das Geld für den guten Zweck arbeiten lassen!“
„Wie das, Herr Bankier?“
„Legen Sie das Kapital, das bisher für die Kirche gesammelt wurde und das Sie verwalten, in meinem Bankhause an, lassen Sie das Geld zu sieben Prozent — was sage ich! Sie können es auf zehn, fünfzehn, zwanzig Prozent bringen — in meinem Hause arbeiten, und Sie sollen sehen — in fünf Jahren können Sie mit dem Kirchenbau beginnen!“
Pastor Winkelmann verstand von Geldgeschäften und Spekulationen ungefähr ebensoviel wie Bankier Hillmann von dem Beruf des Pastors.
Ein Unterschied war da freilich: Bankier Hillmann war sich über die Pflichten Winkelmanns wohl klar, aber auch über einen Fehler, den er besass: er wollte nie die schlechten Seiten der Menschen sehen. Erkannte er sie, so täuschte er sich geflissentlich darüber, und so kam er auch gar nicht auf den Gedanken, der Berliner Bankier könnte mit seinen Vorschlägen persönliche Vorteile verfolgen.
Seit zwanzig Jahren war Winkelmann kaum über die Gemarkung seiner Gemeinde hinausgekommen. Die Zeitungen, die er las, brachten wenig oder nichts von dem gewaltigen Wettkampf, der dort draussen im Reich, in dem grossen Berlin unter ungeheurer Anstrengung aller Kräfte tobte. Er wusste nichts von waghalsigen Spekulationen. Er sah nur die Erfüllung seines zwanzigjährigen Traumes: die neue Kirche!
Er sagte damals:
„Herr Hillmann, über das Geld, das meine Gemeinde mir anvertraut hat, darf ich, so gut und schön der Zweck auch ist, nicht nach Belieben verfügen. Aber ich selbst besitze zehntausend Mark. Das Geld ist teils ererbt, teils haben ich und meine verstorbene Frau es in mancherlei Entbehrungen für unsere Tochter Lieselotte erspart. Diese zehntausend Mark müssen dem Kinde erhalten bleiben. Was Sie aber damit verdienen können — wenn Sie wirklich so schön an unserer Gemeinde handeln wollen — das möchte ich zu dem Kapital legen, das für den Kirchenbau bestimmt ist.“
Herr Hillmann hatte die Unterlippe vorgeschoben und den Kopf gewiegt. Dann hatte er mit seinen kleinen, scharfen Augen, die die Menschen zu durchdringen schienen, den Pfarrer angesehen und schliesslich gesagt:
,,Gut, Herr Pastor. Wir sprechen später noch darüber!“
Das war vor zwei Jahren gewesen. Harry Hillmann hatte mit diesem Gelde, wie mit allen Einlagen seiner Kunden, waghalsig spekuliert. Mit Glück spekuliert, denn er zahlte fünfzehn, manchmal siebzehn Prozent, ja, er stellte mehr in Aussicht: Dass er nebenbei verlor, dass manche seiner Unternehmungen missglückten und dass die Kapitalien, aus denen er teilweise diese hohen Zinsen bezahlte, langsam dahinschwanden, darum wusste natürlich niemand.
Pastor Winkelmann hatte nicht einmal die Zinsen genommen. Er begnügte sich mit den Abrechnungen und schrieb jedes Jahr nach Berlin:
„Legen Sie die Zinsen zum Kapital.“
In ein paar Jahren würde sich das Geld verdoppelt haben. Dann konnte Hillmann schon mit Zwanzigtausend operieren. In Pastor Winkelmanns Phantasien wuchsen die Zahlen schneller noch als der gewagteste Zinsfuss sie vermehren konnte, und immer näher rückte die Erfüllung seines heissen Wunsches: die neue Kirche.
Da kam nun Harry Hillmann plötzlich ganz unangemeldet angereist. Gott sei Dank, es war also nichts zu befürchten! Denn heimlich fürchtete Pastor Winkelmann manchmal doch, es könnte mit den Abrechnungen Harry Hillmanns nicht ganz seine Richtigkeit haben. Nicht, dass er auf den Gedanken gekommen wäre, der Bankier könnte ihn absichtlich betrügen.
Aber er konnte sich doch täuschen! Es konnten Ereignisse eintreten, die stärker waren als er.
Harry Hillmann aber war in bester Laune. Er goss sich schon von der zweiten Flasche Wein ein.
Seit Gesicht war gerötet. Dass seine unruhigen Augen noch einen ruheloseren Ausdruck hatten als früher, entging Winkelmann.
„Wissen Sie, Pastor, dass wir über Nacht reich werden können?“
Seine Augen hatten einen fieberhaften Glanz.
Der Pfarrer lächelte.
„Wirklich?“
„Wirklich — — das sagen Sie, Pastor Winkelmann, als ob es sich rein um nichts handelte!“
„Was hätte ich davon, wenn ich reich wäre, Herr Hillmann? Meine Gemeinde würde mir dann eher misstrauen, als nach wie vor ihre Zuneigung bewahren. Ich vertrete Gott und bin bemüht, den göttlichen Gedanken meiner Gemeinde zu übermitteln, ihn wach zu halten Jahr um Jahr. Was sollte mir dabei der Reichtum?“
Harry, Hillmann blinzelte listig:
„Aber die Kirche, Herr Pastor!“
„Ja, die Kirche!“
Pastor Winkelmann legte die Hände ineinander, schloss ein wenig die Augen und lehnte sich in seinem Sessel zurück.
Die neue Kirche!
Harry Hillmann fuhr rasch fort:
„Hören Sie, lieber Pastor, ich habe Ihretwegen die Strapazen der Reise nicht gescheut und bin ohne weitere Veranlassung von Berlin nach F. gefahren. Das bedeutet doch immerhin etwas, nicht wahr? Dann der letzte Teil der Fahrt im Bummelzug und dann mit dem Wagen, das sind für einen Menschen, der gewohnt ist, täglich mit der Geschwindigkeit der Zeit in Wettbewerb zu treten, Opfer der Geduld.“
„Ich bin Ihnen auch sehr dankbar, Herr Hillmann“, entgegnete Winkelmann ehrlich. ,,Es muss Sie etwas ganz Besonderes hierher geführt haben . . .“
„Na freilich! Das ist es doch gerade! Haben Sie mich denn noch nicht verstanden, Pastor? Geld ist zu verdienen! Zu scheffeln ist das Geld! Zu verzehnfachen! Irgendwo da in Süddeutschland ist Kohle entdeckt worden. Ein Unternehmer hat begonnen, ein Bergwerk abzubauen, aber nicht das nötige Kapital zur Durchführung gehabt. Nun aber birgt das Bergwerk ungeheure Schätze. Heute sind die Kuxen billig zu kaufen! In acht Tagen, lieber Pastor, wenn erst die Grube richtig in Betrieb gesetzt wird und die Welt erfährt, welche Schätze da unten lagern, kosten sie doppelt so viel, und in vierzehn Tagen das Dreifache, ja, ich behaupte —“ hier schlug der Bankier mit der flachen Hand auf den Tisch, dass die Gläser zitterten, „ich behaupte, die Kuxen steigen auf das Vierfache ihres heutigen Wertes! Können Sie rechnen, Pastor Winkelmann, he? Begreifen Sie, wieviel man bei diesem Geschäft verdienen kann?“
„Ja, aber . . .“
„Kein Aber, lieber Pastor. Sie müssen Ihre Kirche bauen — entweder, oder. Trommeln Sie morgen Ihre Gemeinde zusammen, legen Sie ihr das Problem vor. Hillmann, derselbe, der lumpige zweitausend Mark gestiftet und so gerne mehr getan hätte, wenn die Zeiten nicht so schlecht wären, ist selber hier. Die Gemeinde soll das bis jetzt gesammelte Kapital in süddeutschen Kuxen anlegen. Ich werde die Sache vermitteln. Wieviel Kapital ist denn vorhanden, Herr Pastor?“
„Bis jetzt neunundachtzigtausend und etliche hundert Mark.“
„Wenig, wenig! Damit wollen Sie eine Kirche bauen? Wollen warten, bis das Geld auf den Schnekkenfüssen des heutigen Zinsfusses wächst? Darüber sinken Sie ins Grab, Pastor! Rechnen Sie sich doch aus, wieviel Sie in einigen Monaten verdienen könnten, wenn Sie meine Anregung befolgen!“
Pastor Winkelmann schwindelte es. Die Zahlen tanzten vor seinen Augen und nahmen rätselhafte Dimensionen an. Er schämte sich beinahe, Hillmann noch weiteren Widerstand entgegenzusetzen, der ihm als Starrsinn ausgelegt werden musste. Der Bankier hypnotisierte ihn förmlich. Es war auch zu verlockend . . . da würde man ja mit der Kirche schon bald beginnen können!
Winkelmanns Brust weitete sich und spannte sich vor tiefer Freude. Er sah das Gotteshaus wachsen und wachsen . . .
„Hier, meine Hand, Herr Hillmann. Die Gemeinde ist zwar vorsichtig — der Herr Bürgermeister wird wohl Unterlagen von Ihnen fordern —“
„Ist ja alles da. Ist ja da!“ Hillmann sah an dem Pfarrer vorbei. —
Am nächsten Tage trug Pastor Winkelmann in einer Versammlung des Gemeinderats das Projekt vor. Der Bürgermeister war auch nur ein einfacher Bauer. Aber so viel wusste er, dass dort oben in Berlin das Geld förmlich aus der Erde wuchs. Dass die Millionen kreisten und dass, wer es verstand, rechtzeitig aus diesem unversiegbaren, goldenen Brunnen zu schöpfen, märchenhaft reich werden konnte.
Schade, dass sein Kapital in Feldern und reichen Viehstand angelegt war! Spekuliert hätte er längst für sein Leben gern! Und was das auf der Deutschen Bank deponierte Geld für den Kirchenbau anbelangte — —
„Na,“ meinte er, mit seiner gewichtigen Stimme alle Bedenken übertönend, „na, wenn Herr Pastor Winkelmann die Sache für gut befindet, so ist gar nichts weiter dazu zu sagen. Der Herr Pastor hat doch sozusagen die Verantwortung, nicht wahr? Wir dürfen ihm getrost die richtige Beurteilung überlassen, er wird es wohl recht machen!“
Winkelmann wollte zwar einen Teil der schweren Bürde, die die Verantwortung auf ihn lud, noch abwälzen, denn so ganz sicher war er seiner Sache nicht, wenn er auch zu ehrenhaft dachte, um Hillmann zu misstrauen. Aber der Gemeinderat entschied einstimmig, dass man Bankier Hillmann das Geld anvertrauen wollte, weil Pastor Winkelmann es befürwortete.
So geschah es also. Hillmann reiste am selben Tag gegen Abend ab und hob die Summe von der Deutschen Bank ab.
Pastor Winkelmann hatte nun manche schlimme Stunde. Tage der Begeisterung und überströmenden Freude wechselten mit solchen tiefer Niedergeschlagen heit. Wenn das Gelb nun doch nicht ganz sicher angelegt wäre? Dann wären die unerhörten Anstrengungen der Gemeinde seit einem Jahrzehnt umsonst gewesen. Dann wäre das Geld der armen Leute, das sie, um Gott zu ehren, sich in harter Fron abgespart, durch seine Schuld verloren!
Aber nein! Hillmann sandte glänzende Berichte. Alles ging gut, die Papiere stiegen, die Verzinsung war vorzüglich. Wenn dann die Kirche einmal gebaut war, dann durfte Pastor Winkelmann auch daran denken, sein eigenes Kapital etwas zu vergrössern, um Lieselotte mehr zu hinterlassen, wenn er erst einmal das Zeitliche segnete. Denn das Kind war doch ganz hilflos, wenn er es einmal verlassen musste — aller Reichtum an Zärtlichkeit und Liebe, den Pastor Winkelmann besass, galt seiner Tochter, ihre Zukunft zu sichern, war sein sehnlichster Wunsch.
6
Gerhard Brausewetter hatte seiner Mutter nichts von seinem Erlebnis erzählt. Reifer war er zurückgekehrt, stiller, zielbewusster, froh und stolz.
Auch seinem besten Freunde Hans Scholl, den er in dem kleinen Auerbach, das idyllisch zu Füssen der Bergstrasse lag, besuchte, fiel die Veränderung auf. Wenn aber Gerhard Brausewetter stets mitteilsam gewesen war, wenn es nie etwas gegeben hatte, was er dem Freunde verheimlichte, so zeigte er sich hier allen Fragen, allem Forschen verschlossen.
Es war ein ganz bestimmter, kleiner Kreis von Gymnasiasten, die Freundschaft untereinander geschlossen hatten. Dazu gehörten Schleibitz, der Primus der Klasse, Körner, der mit seinem schwarzen Haar und dem ernsten Gesicht neben Brausewetter am ältesten aussah, und Theo von Falk, dessen Vater General war. Theo kam nach einigen Tagen ebenfalls nach Auerbach zu Besuch. Das gab Abwechslung und Ablenkung genug, so dass Gerhard sein Geheimnis mühelos wahren konnte.
Er beherrschte seine Freunde. Wenn er sprach, schwiegen alle. Aber die Liebe zu den Wissenschaften vereinte sie.
In Theo von Falk floss unverfälschtes Soldatenblut. Seit Generationen hatten die Falks den Rock der Könige von Preussen getragen, eine nicht geringe Anzahl des Geschlechts war auf schlesischen und französischen Schlachtfeldern verblutet.
Schwer biegsam, draufgängerisch, schnell zugreifend, so war der junge Falk ein hochaufgeschossener, die Kameraden überragender Jüngling mit hellen Augen, einer freien, kraftvollen Stirn und scharfgeschnittenem Kinn. Wo er auftauchte, da wurde es lebendig.
Das „Büffeln“ machte ihm mehr Schwierigkeiten als den andern, er wollte in die Reichswehr eintreten und Offizier werden wie sein Vater und sein Grossvater, und im Geiste lebte, er schon unter den Soldaten.
„Natürlich muss ich das Abitur machen, und ich mache es auch“, sagte er, als die drei Freunde in Garten des Schollschen Hauses beisammen sassen. „Vater will, dass ich dem Namen Falk in jeder Weise Ehre mache. Die Zeit, wo man als Draufgänger es zu etwas bringen konnte, ist vorüber, — sagt er oft. Heute regieren Geist und Genie die Welt. Ein Offizier ohne Abitur ist ein Nonsens. Ach, Herrgott, Kinder, wenn es wieder einen Krieg gäbe — was ist denn eigentlich ein Soldat ohne Krieg?“
„Pst, sprich Leiser“, sagte Hans Scholl. Seine Fröhlichkeit war mit einem Male tiefem Ernst gewichen. Er sah zum Hause Hin, und unwillkürlich wandten auch die Freunde den Blick.
Auf dem Gartenweg näherte sich langsam ein junges Mädchen, sie ging, in tiefes Nachdenken versunken, strich hier und dort liebkosend über eine Blume, einen Strauch, ohne sich anscheinend dessen bewusst zu werden, was sie tat, denn ihr Kopf war gesenkt, sie war völlig mit ihren Gedanken beschäftigt.
Die Freunde waren halb hinter einer Laube versteckt, und so bemerkte sie, die drei jungen Männer erst, als sie im Begriffe war, die Laube zu betreten.
Ein flüchtiges Rot huschte über ihre Wangen. „O, Verzeihung —“ sagte sie, „ich wusste nicht, dass du Besuch hast, Hans —“
Gerhard und Theo hatten sich rasch erhoben. Hans stellte die Freunde vor. „Und das ist meine Schwester Maria“, sagte er, und ein Ton von Zärtlichkeit schwang in seiner Stimme, den die beiden noch nie bei ihm gehört.
,,Gerhard und Theo bleiben ein paar Tage in Auerbach“, wandte er sich erklärend an die Schwester. „Wir fahren dann zusammen in die Stadt, sobald die Ferien zu Ende sind.“
„Lassen Sie sich nicht stören“, sagte Maria mit weicher, angenehm klingender Stimme. Sie wollte wieder in den Garten gehen, aber ihr Bruder hielt sie zurück:
„Du wirst doch nicht ausrücken, Maria? Meine Freunde beissen nicht.“
Sie lächelte. Es lag etwas unendlich Rührendes auf ihrem blassen Gesicht, das die Spuren eines geheimen Kummers trug.
„Das glaube ich schon. Aber Sie haben sich doch sicherlich so manches zu erzählen, und ich tauge, offen gestanden, nicht für fröhliche Gesellschaft.“
Sie liess sich aber doch bewegen, zwischen Falk und Brausewetter Platz zu nehmen.
Theo von Falk war plötzlich wie verändert. Er sprach kaum ein Wort, er starrte Maria fast ungezogen an, bis sie ihn ansah und er nun verwirrt die Augen senkte.
Aber auch Gerhard konnte den Blick nicht von ihr wenden. In dem dunklen Kleid bildete sie eine auffällige Erscheinung. Sie hatte schweres, kastanienbraunes Haar, das tief im Nacken zu einem Knoten gewunden war, ihre Hände waren sehr weiss und sehr klein, ihre Augen von einem leuchtenden Blau. Aber tiefe Schatten lagen um diese strahlenden Augen, und um den schmalen Mund zog sich eine steile Falte, die von Leid und Kummer erzählte.
Sie sass zwischen den Freunden und beteiligte sich in ihrer ruhigen, zurückhaltenden Art an der Unterhaltung. Brausewetter gab sich Mühe, sie zum Lachen zu bringen, der traurige Zug um ihren Mund berührte ihn geradezu schmerzlich. Aber es gelang ihm nicht, ihr ein frohes Lachen zu entlocken. Maria konnte nur lächeln, und dann war es eigentlich mehr der Ausdruck einer stillen Resignation.
Brausewetter sah zu Theo hinüber. „Was ist denn mit dir los, Theo? Eben noch hast du uns kaum zu Worte kommen lassen, und jetzt tust du den Mund gar nicht auf!“
Falk lächelte mühsam. Er kämpfte innerlich gegen etwas an, das sich plötzlich wie ein Bann über ihn legte. Zum ersten Male war er einer Frau begegnet, die einen so starken Eindruck auf ihn machte, dass er, der stets Lebhafte, Gesprächige, schweigsam wurde. Marias schwermütige Schönheit war ihm wie eine Offenbarung, ihre Traurigkeit, die sie älter erscheinen liess als sie war — sie mochte zwanzig Jahre zählen — bedrückte ihn.
Maria schien zu fühlen, dass ihre Gegenwart sich allmählich lähmend auf die Fröhlichkeit der drei Kameraden auswirkte. Sie erhob sich und reichte den beiden Gästen die Hand: „Leider ruft mich die Pflicht ins Haus zurück — aber ich sage Ihnen auf Wiedersehen, ich hoffe, Sie werden in der Zeit Ihres Hierseins unser Heim auch als das Ihrige betrachten.“
Nachdenklich blieben die drei zurück. Selbst Hans war gemessen, fast scheu geworden. — —
Die acht Tage, die Gerhard und Theo in Auerbach zu Besuch weilten, verbrachten sie nun fast ausschliesslich im Schollschen Hause. Maria hatte so lange gebeten und gedrängt, bis die Freunde auch die Mahlzeiten mit ihr und den Ihren einnahmen und sich völlig als Gäste des Hauses betrachteten.
„Ich würde Sie am liebsten bitten, aus Ihrem Hotel ganz hierher zu ziehen,“ sagte sie lächelnd, „aber leider sind wir im Platz etwas beschränkt — —“
Die Freunde lernten Maria immer besser kennen, sie blickten in der Folge mit einer geradezu schwärmerischen Verehrung zu der Schwester des Kameraden auf. Sie übte einen grossen Einfluss auf ihren Bruder aus. Er liebte sie mit hingebender Zärtlichkeit. Mochte vorfallen, was wollte, mochten Vater und Mutter vergeblich ihren Einfluss auf ihn geltend machen — ein Wort Marias genügte, ihn zu lenken. Dieser Einfluss der reinen und stillen Weiblichkeit, der in Marias Wesen begründet war, machte sich allmählich auch bei Theo von Falk bemerkbar. Er wurde nachdenklicher, stiller, und Gerhard überraschte ihn mehrmals in träumerischem Nachdenken.
Hans erzählte den beiden Freunden eines Tages, warum seine Schwester eigentlich so selten wirklich aus ganzem Herzen fröhlich war.
„Euch beiden kann ich es ja anvertrauen, ohne fürchten zu müssen, dass Maria, wenn sie es erführe, dies als Beleidigung auffassen könnte. Ihr werdet dann auch begreifen, warum ich ohne Unterlass arbeite und es manchmal geradezu mit der Angst zu tun kriege, es könnte mir zum Schluss noch etwas in die Quere kommen.
Maria ist verlobt, müsst ihr wissen, und hätte eigentlich schon vor drei Jahren heiraten sollen. Ihr Bräutigar war Offizier. Arm natürlich, ohne Aussicht, trotz seiner grossen Begabung schnell Karriere zu machen — und unsere Familie ist nicht reich. Was war da zu tun? Ich erinnere mich, solang ich lebe, an diese Zeit der Konflikte, der Aufregungen . . .“
„Der Mann, dem deine Schwester ihre Liebe geschenkt, hätte entweder in ferne Länder gehen oder den Säbel weglegen, arbeiten sollen!“ sagte Theo von Falk schroff.
Hans Scholl lächelte.
„Leicht gesagt, lieber Freund! Nach deinem Rezept hat Kurt auch gehandelt. Er hat seinen Abschied genommen und den kaufmännischen Beruf ergriffen. Das ist kein kleines Opfer, nicht wahr? Du wirst es am ehesten verstehen. Damit war es aber noch nicht abgetan. Nun kam erst die Zeit des Kampfes. Kurt musste sich hocharbeiten. Er hat Energie, er kann etwas, und die besten Aussichten waren vorhanden. Mein Vater konnte Maria Keine eigentliche Mitgift geben, aber er wäre imstande gewesen, ihrem Gatten jeden Monat so viel zuzuschiessen, dass sie sich zu einer günstigen Lebensstellung hätten emporarbeiten können.“
„Und warum — warum haben sie denn nicht geheiratet?“ fragte Falk stockend.
„Damals stand ich kurz vor dem Einjährigen“, fuhr Hans Scholl fort. „Die Frage war nun: gehe ich nach dem Einjährigen vom Gymnasium ab oder bleibe ich? Mein Beruf war eigentlich schon festgesetzt: niederer Post- oder Bahndienst. Ohne mich rühmen zu wollen — ihr misst, dass ich immer einer der Besten der Klasse war. Mein Ehrgeiz ging höher. Ich konnte es kaum verwinden, abgehen zu müssen, mich als Assistent herumschinden, während meine Kameraden, die mit mir auf einer Bank gesessen, nach einigen Jahren weiteren Studiums ganz, ganz andere Chancen haben sollten. Da lag ich dem Vater und Maria in den Ohren. Kurt ist ein lieber, guter Mensch. Schliesslich beschlossen meine Eltern im Einverständnis mit Maria und Kurt, dass die Hochzeit meiner Schwester um einige Jahre aufgeschoben werden sollte, damit ich auf dem Gymnasium bleiben konnte. Denn beides auf einmal: Maria einen monatlichen Zuschuss geben und die Kosten meines Studiums zu bestreiten — das konnte mein Vater nicht. Das Studium verschlingt viel Geld. Dann kommen die Universitätsjahre — Maria hat sich also für mich geopfert . . .“
„Das musst du an ihr gutmachen“, fiel Theo von Falk erregt ein. „Dein ganzes Leben lang musst du ihr dankbar sein.“ Er war blass vor Erregung, die einfache Erzählung des Freundes hatte ihn tief ergriffen.
„Das werde ich auch“, nickte Hans. „Jetzt kommt noch eine gefährliche Hürde, das Abitur. Dann geht es schnell vorwärts, und auch Kurt hat sich bis jetzt tapfer gehalten. Ich werde dann die letzten Semester bei meinem Schwager wohnen, der inzwischen Maria geheiratet haben wird. Wir werden uns einschränken, soweit es nur irgend geht, und ich werde nicht ruhen, bis meine Schwester so glücklich geworden ist, wie sie es verdient.“
Von nun an sahen Gerhard Brausewetter und Theo von Falk Maria Scholl wie eine Märtyrerin an. Sie zeigten ihr ihre Verehrung offenkundig, sie brachten ihr Blumen, halfen ihr bei der Pflege des Gartens und waren glücklich, wenn sie irgendwelche Besorgungen für sie erledigen konnten.
Bei Theo von Falk spielte noch ein anderes, unbewusstes Gefühl mit — eine tiefe, heimliche Zuneigung, die er sich aber selber nicht eingestand.
Gerhards Sehnsucht nach Lieselotte wurde durch den Umgang mit einer Frau wie Maria Scholl nur noch mehr gesteigert. Täglich schrieb er ihr in der Stille seines Hotelstübchens lange Briefe voll Zärtlichkeit und Liebe, fast täglich empfing er eine Nachricht von ihr.
Allmählich fiel es Theo von Falk auf, dass der Briefbote für Gerhard fast immer einen Brief oder eine Karte mitbrachte.
,,Wer in aller Welt schreibt dir so häufig?“ fragte er eines Tages. ,,Deine Mutter?“
Gerhard wandte sich ab, um seine Verwirrung vor dem Freund zu verbergen. „Ja — meine Mutter — und Freunde und Bekannte —“
Es tat ihm weh, Lieselotte verleugnen zu müssen. Wie gern hätte er sich zu seinem Glück bekannt, zu Lieselotte, auf deren Liebe er so unsäglich stolz war. Aber sie waren übereingekommen, ihre Liebe vorläufig vor aller Welt geheimzuhalten. Im geheimen fürchteten sie vielleicht, dass weder Frau Brausewetter noch der Pastor sehr glücklich über diese Verlobung sein würden — Lieselotte und er waren ja noch so jung, Jahre des Wartens lagen vor ihnen. Der Pastor hätte Lieselotte gewiss viel lieber schon bald in einer gesicherten Lebensstellung gesehen, er war alt, sein Leben neigte sich seinem Ende zu.
Aber Gerhard war voll guten Mutes. Lieselotte hatte ihm geschworen, auf ihn zu warten — sie würde ihr Wort nicht brechen.
„Kurt, Marias Verlobter, kommt in den nächsten Tagen“, verkündete Hans Scholl eines Morgens. „Er hat in diesem Jahr etwas später Urlaub genommen als gewöhnlich und will seine Ferien hier verbringen. Maria ist überglücklich, das könnt ihr euch denken. Ausserdem scheint er gute Nachrichten zu bringen — er will seine bisherige Stellung aufgeben, man hat ihm einen Posten in einem Bankhaus angeboten mit einem glänzenden Gehalt — vielleicht tritt dadurch eine Wendung in Marias Schicksal ein. Wenn sie nicht mehr von einem monatlichen Zuschuss meines Vaters abhängig sind, können die beiden ja endlich heiraten!“
Ja, Maria war überglücklich, das stellten die beiden Freunde fest, als das junge Mädchen sich später zu ihnen gesellte. Ein froher Glanz lag in ihren blauen Augen, sie unterhielt sich lebhaft wie noch nie mit ihnen, über ihrem ganzen Wesen lag es wie freudigste Erwartung.
Und einige Tage später — die drei Kameraden sollten demnächst von Auerbach abreisen, da die Gymnasialferien sich ihrem Ende zuneigten, — begegnete Gerhard Brausewetter der Schwester seines Freundes auf der Strasse.
Er war eben im Begriff, das Postamt zu betreten, um einen Brief an Lieselotte aufzugeben, als Maria um die Ecke bog.
Sie sah so schön aus wie noch nie, statt der dunklen Kleider, die sie bisher bevorzugt, trug sie ein helles, duftiges Sommerkleid, ein grosser weisser Hut warf seinen Schatten auf das schmale helle Gesicht. Die Wangen waren leicht gerötet, die Augen gross und strahlend.
,,Wohin, Fräulein Maria?“, fragte Gerhard, nachdem er sie begrüsst hatte. „Darf ich Sie begleiten?“
„Nein, Sie dürfen nicht“, gab sie fast übermütig zurück. ,,Heute nicht, Gerhard!“
Und als er sie verwundert ansah: „Ich hole Kurt vom Bahnhof ab — wir haben uns so lange nicht gesehen — — nicht wahr, Sie sind nicht böse, dass ich Ihre Begleitung ablehne — —“
„Aber ganz im Gegenteil!“ rief Gerhard. „Es ist ja nur selbstverständlich, dass Sie ihn allein begrüssen möchten!“
Er sah ihr nach, wie sie beschwingten Schrittes die Strasse weitereilte und betrat dann das Postamt.
Als er gegen Mittag in das Schollsche Haus kam, trat ihm Hans entgegen. Ein niedergeschlagener Ausdruck lag auf seinen Zügen.
„Komm in den Garten, Gerhard“, sagte er. „Da drin im Wohnzimmer herrscht trübe Stimmung. Maria weint . . .“
„Sie weint?“ Gerhard war aufs äusserste bestürzt. „Ich traf sie heute auf der Strasse, sie war in der glücklichsten Stimmung!“
,,Ach,“ sagte Kurt, während sie im Garten auf- und abgingen, „die Ärmste hat wieder einmal eine Enttäuschung erlebt. Nach Kurts letzten Briefen war sie voller Zuversicht, es sah wirklich so aus, als hätte die lange Wartezeit endlich ein Ende. Nun erzählt uns Kurt, dass er seinen alten Posten beibehält — es ist nichts aus der glänzenden neuen Stellung geworden.“
„Warum nicht?“
„Kurt hat über den Inhaber des Bankhauses, der ihn engagieren wollte, Erkundigungen eingezogen. Dieser Harry Hillmann, behauptet man, soll ein unsicherer Kunde sein. Er spekuliert in der waghalsigsten Weise, und man prophezeit ihm nichts Gutes. Kurt hielt es also für das Richtigste, gar nicht erst bei ihm anzufangen — es könnte ihm dann passieren, dass er in kurzer Zeit überhaupt ohne Stellung bleibt.“
,,Arme Maria!“ murmelte Gerhard mitleidig. „Wie wird sie diese neue Enttäuschung ertragen?“
„Mein Gott, sie sieht ein, dass Kurt vollkommen recht hat. Und wie ich Maria kenne, wird sie sich bald damit abgefunden haben, dass sie eben weiter warten muss, so wie es ja vorgesehen war. Sie ist das vernünftigste und opfermütigste Geschöpf, das ich kenne. Im Moment hat es sie ja überwältigt — sie hat sich zu sehr gefreut. Aber als ich eben das Zimmer verliess, gab sie sich schon krampfhafte Mühe, zu lächeln, um Kurt nicht unnötig, das Herz schwer zu machen. Er hat ja jetzt Ferien, und die will sie ihm nicht dadurch verderben, dass sie ihre Enttäuschung sichtlich zur Schau trägt.“
Hans hatte recht. Als Maria später am Arm ihres Verlobten in den Garten kam, hatte sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden. Zwar war nur wenig von jener strahlend glücklichen Maria übriggeblieben, der Gerhard auf dem Weg zum Bahnhof begegnet war. Aber sie war ruhig, sie lächelte, sie war sogar lebhafter und fröhlicher als sonst. Das mochte wohl die Anwesenheit ihres Verlobten bewirken, den sie drei volle Wochen lang nun täglich sehen konnte.
Hans Scholls Kameraden schlossen bald Freundschaft mit Kurt Beekmann; obwohl er bedeutend älter war als die drei Gymnasiasten, verstand er es, sich ihnen anzupassen, es zeigte sich, dass sie viele gemeinsame Interessen hatten, und sowohl Gerhard Brausewetter wie Theo von Falk fanden ihn sehr sympathisch und Marias Liebe zu ihm sehr begreiflich.
Ja, gerade Theo, der am Anfang ein Gefühl glühender Eifersucht auf den Verlobten Marias empfand, suchte zuletzt seine. Gesellschaft am häufigsten und bekannte offen, dass Kurt ein selten wertvoller und klardenkender Mensch sei.
7
Inzwischen war in dem Pfarrhause in F. nach Brausewetters Abreise durchaus noch keine Ruhe eingekehrt. Zwei Tage nachher kam ein verspäteter Sommergast nach F., der sogleich Besuch im Pfarrhaus machte.
Lieselotte öffnete ihm und führte ihn in das Arbeitszimmer ihres Vaters. Sie hatte ihn flüchtig angesehen, als er nach dem Pastor gefragt, und unwillkürlich hatte sie sich der Beschreibung erinnert, die Gerhard Brausewetter von seinem verehrten Professor gegeben.
Der Besucher hatte wahrhaftig einen Kopf wie ein Vogel. Er war hässlich, aber von jener Unschönheit, die sympathisch wirkt. Besonders seine hellen, gedankentiefen Augen waren schön und gaben dem Gesicht einen eigenen Glanz.
„Dr. Ebers ist mein Name“, sagte der Fremde, als Pastor Winkelmann eintrat. „Ich bin Gymnasialprofessor und habe die Absicht, die letzten vierzehn Tage der Ferien hier zu verbringen, um für ein kulturhistorisches Werk, das ich über diese Gegend schreibe, aus den wichtigsten Quellen zu schöpfen, die die Kirchenbücher bieten. Man sagt mir, Herr Pastor, Sie besässen eine bedeutende Bibliothek alter Werke, die sich mit der Geschichte Ihres Ortes befassten. Dürfte ich Sie wohl bitten, mir diese Quellen zugänglich zu machen und bei meinem Werk behilflich zu sein?“
„Aber mit grösstem Vergnügen, Herr Professor! Ich freue mich geradezu, auf diese Weise Abwechslung in dem täglichen Einerlei, das hier herrscht, zu finden. Betrachten Sie mein Haus als das Ihre und schalten Sie nach Belieben!“
„Dieses Entgegenkommen ist liebenswürdiger, als ich erwarten durfte“, erwiderte Professor Ebers.
Pastor Winkelmann schloss diesen ernsten Mann, der im Laufe des Gespräches tiefe, ehrliche Religiosität verriet, schnell ins Herz. Aus dem ersten, oberflächlichen Verkehr entspann sich schon in wenigen Tagen aufrichtige Freundschaft. Professor Ebers brachte die meiste Zeit im Pfarrhaus zu, las und schrieb oder unterhielt sich mit dem Pfarrer und Lieselotte.
Das junge Mädchen, das sich so natürlich und doch geistreich zu unterhalten wusste und eine aussergewöhnliche Belesenheit verriet, machte vom ersten Augenblick an auf Dr. Ebers einen tiefen Eindruck.
Lieselotte empfand eine besondere Sympathie für ihn, die in der warmen Schilderung, die Gerhard Brausewetter von seinem Ordinarius entworfen, wurzelte.
So gab sie sich freier, ungezwungener und liebenswürdiger gegen den Gast ihres Vaters, als sie es sonst vielleicht getan hätte.
Dr. Ebers war ein reifer, ruhiger, abwägender Mann. Aber doch ein Mensch von impulsiven Empfindungen. Ehe er es sich gewahr wurde, hatte er nach wenig Tagen schon wirkliche Zuneigung zu der Tochter des Pastors gefasst. Diese Liebe war um so überraschender, aber auch tiefer und leidenschaftlicher, als der Professor bis dahin nie eine ähnliche Empfindung gehabt hatte. Er missverstand Lieselottes freundliches Entgegenkommen und verwechselte ihre Aufmerksamkeit mit Zuneigung, glaubte, auch in ihr Liebe zu entdecken. Die Tage schwanden ihm hin wie ein Traum. Zufällig kam einmal das Gespräch auf Brausewetter.
„Wie? Mein Schüler Brausewetter war bei Ihnen, Herr Pastor?“ rief er ahnungslos in warmer Freude. „Mein Lieblingsschüler! Wie schade, dass ich ihn hier nicht mehr getroffen habe. Sehen Sie, Herr Pastor, den Jungen liebe ich! Ich bin aus ehrlicher Überzeugung Lehrer und mit ganzem Herzen bei meinem Beruf. Ist es da nicht natürlich, dass man dem seine besondere Zuneigung schenkt, in dem man die Früchte des Guten und Schönen, das man seinen Schülern ins Herz zu pflanzen sucht, am edelsten zur Reife kommen sieht?“
,,Das kann ich gewiss verstehen, Herr Professor“, entgegnete der Pastor, und Lieselotte warf ein, mit Mühe ihre Erregung verbergend:
„Nicht wahr, er ist ein vornehmer Charakter?“
„Das ist er . . . Wenn ihn auch unser Rektor anders beurteilt. Ich halte ihm die Stange, ich stehe zu ihm. Unser Rektor gehört zu jener Art von Pädagogen, die mit düsterster, mittelalterlicher Strenge diese helle, frohe Jugend zur Entfaltung bringen wollen! Die hinter jedem gesunden Lachen eine Verhöhnung der Klosterregeln des Gymnasiums erblicken. Mein Gott, es sind doch Männer, die mit einem Fusse schon in dem neuen, gewaltigen, grossen Leben da draussen stehen, in dem sie durch gesunde Anschauung allein bestehen können. Da muss man ihnen auch Freiheiten lassen, die sie mit Recht fordern dürfen. Man muss sie als Menschen nehmen, nicht als Kinder oder halbe Sklaven. Den Menschen, starke Menschen wollen wir doch am Gymnasium erziehen! Darum geben wir ihnen humanistische Bildung, um ihnen gleichzeitig auch die Ideale der Zeit, aus denen sie ihre Wissenschaft schöpfen, einzuprägen. Und die alten Athener waren keine Duckmäuser!“
Wenn Professor Ebers so sprach, dann war er wirklich schön. Dann erinnerte er in nichts an den Vogel, dem er sonst so ähnlich sah, und Lieselottes Augen hingen bewundernd, mit einem zustimmenden Lächeln, an seinen Lippen.
Er wandte sich dann meistens an sie, denn Pastor Winkelmann war nicht in allen Dingen seiner Meinung.
Lieselotte fühlte sich nach solchen Gesprächen mehr und mehr zu Dr. Ebers hingezogen. Dieser unabhängige Geist, dieser stolze Wille, der keinen freien Flug zu scheuen brauchte, weckte immer von neuem ein Echo in ihrem Innern. Nun begriff sie, dass Gerhard Brausewetter in solcher Begeisterung von diesem seinem Lehrer gesprochen. Sie konnte sich stundenlang mit Dr. Ebers unterhalten, bis allmählich ein feines Gefühl ihr sagte, dass die Worte des Professors, der Klang seiner Stimme in ihrer Gegenwart immer unsicherer wurden. Ganz leise veifte ihr die Erkenntnis, dass Dr. Ebers mehr für sie empfand als das Interesse des Lehrers zu seiner Schülerin.
Das wollte sie aber nur sein, und so hatte sie ihre Stellung zu ihm immer aufgefasst.
Über diese Erkenntnis erschrak sie aufs äusserste. Sie versuchte nun, sich ihm, soweit es möglich war, zu entziehen.
Er liess sich nie ein unbedachtes Wort entschlüpfen, aber sie fühlte, dass seine Liebe zu ihr mit jedem Tage wuchs, und sehnte den Tag herbei, wo er abreiste und diese Gefahr ein Ende nahm.
Dr. Ebers glaubte sich von ihr geliebt. Dass sie ihm neuerdings auswich, fand er nicht unnatürlich, erklärte es sich mit selbstverständlicher Verwirrung. Inzwischen aber rückte der Tag seiner Abreise heran. Am vorletzten Tage traf er Lieselotte im Garten. Sie sass unter dem grossen Birnbaum, der in der Mitte eines freien Platzes stand, und dessen Zweige an die Scheiben des Hauses pochten.
Als sie ihn kommen sah, beugte sie sich verwirrt und erschrocken tiefer über die Handarbeit. Nun musste sie die Stickerei in den Schoss sinken lassen und ihm die Hand reichen. Er führte ihre Fingerspitzen an seine Lippen, eine Begrüssung, die er sonst nicht pflegte. Sie entzog ihm ihre Hand. Er blieb vor ihr stehen.
Eine Weile bewunderte er ihre Geschicklichkeit im Sticken und sprach ein paar anerkennende Worte. Er versuchte, ihr eine Schmeichelei zu sagen, aber er brachte das nicht über sich. Es lag ihm ganz und gar nicht, das zu sagen, was er empfand. Er wäre sich selbst lächerlich vorgekommen und wäre wohl auch andern so erschienen. Und doch leuchtete diese Liebe zu Lieselotte in ihm, dem gereiften Manne, klar, rein und hell, war eine starke Leidenschaft geworden, die ihn völlig erfüllte — er durfte mit gutem Gewissen davon reden, Treue heischen.
Seine Worte beschränkten sich aber nur auf hingeworfene, zusammenhanglose Sätze. Es war etwas Peinigendes für Lieselotte in dieser Art. Sie fürchtete sich. In seinen Augen war ein heisser Glanz, wenn er sie ansah. Sie stand plötzlich auf, um sich mit einer Entschuldigung zu entfernen. Da sie ihm aber Auge in Auge gegenüberstand, ganz nahe, dass von dem Hauch seines Atems die Spitzen ihrer Stirnhaare sich leicht bewegten, da wurde sie ganz verwirrt, liess die Handarbeit zu Boden fallen, stotterte etwas und entfloh, bleich vor Furcht.
Dr. Ebers, sah ihr betroffen nach. Nur einen Moment. Dann nahm er auch dies für ein gutes Zeichen; sie hatte immer etwas Herbes in ihrer Art; es war etwas Sprunghaftes in ihrem Wesen, wenn sie erregt wurde.
Da Pastor Winkelmann gerade nach Hause kam, beschloss er, als Mann zum Mann zu sprechen.
Sie sassen beide bei einem Glas Wein im ersten Stock, auf einem kleinen Balkon, der nachträglich erst an das Pfarrhaus angebaut worden war, und dessen helles Holz von dem dunklen Mauerwerk sich abhob.
Der Blick schweifte hier frei über die Höhen. Es lag eine düstere Stimmung in der Natur. Der Himmel hatte sich umwölkt, und die Umrisse der Wälder verschwammen mit dem Horizont.
„Nun, Herr Dr. Ebers, missgestimmt heute?“ lachte Pastor Winkelmann. „Wohl, weil es ans Abschiednehmen geht? Oder sind Sie mit der Arbeit nicht zufrieden?“
Dr. Ebers stützte den Kopf in die rechte Hand und sah in die Ferne.
„O doch — mit meiner Arbeit bin ich zufrieden —“
Schliesslich legte er die Hand auf die des Pastors:
„Ich will Ihnen ganz ehrlich alles sagen. Vielleicht lachen Sie mich aus. Ich bin doch schon ein Vierziger! Nun, das Lachen ist eine gute Medizin.“
Er gestand Pastor Winkelmann seine Liebe zu Liese lotte, sprach auch von ihr selbst und wie er meinte, dass sie sein Geständnis aufnehmen würde. ,,Aber um es ihr selbst zu sagen, Herr Pastor, bin ich nicht mehr jung genug. Man hat in meinem Alter nicht mehr das Herz auf der Zunge.“
Darmowy fragment się skończył.