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Steinzeit-Astronauten



Reinhard Habeck

Steinzeit-

Astronauten

Felsbildrätsel der Alpenwelt

Fotos von Reinhard Habeck und Elvira Schwarz


GEWIDMET meinen Freunden und Kollegen der Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (A. A. S.), die nicht nur das Unbekannte durchleuchten, sondern kühn genug sind, das Bekannte zu bezweifeln.


Inhalt

Cover

Titel

Widmung

Vorwort von Erich von Däniken

Auftakt: Val Camonica ruft!

VERSTEINERTE GEHEIMNISSE

Die Entdeckung fantastischer Bilderwelten

Wer waren die Camuni?

Rätische Rätsel

Merkwürdige Musterbilder

Aberglaube oder Außerirdische?

KOSMISCHE KONTAKTE

Das Geheimnis der „Rosa Camuna“

Überirdisches Vermächtnis

Die Prä-Astronauten von Zurla

Das Comeback der Sternengötter

Stufen zum Kosmos

VERLORENES WISSEN

Sonnengötter in der Sackgasse

Die Magie der „Geisterberge“

Fliegende Häuser – Wohnstätten der Götter

Kunterbunte Multimediashow

Noch mehr Staunenswertes

Resümee

Mille Grazie!

Anhang

Impressum



Vorwort von Erich von Däniken

„Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht vor allem darin, dass Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern kann.“ Samuel Butler (1835 – 1902), brit. Schriftsteller u. Sprachforscher

Vor Jahrtausenden kamen die steinzeitlichen Menschen weltweit auf den gleichen Gedanken: Sie beschlossen, Zeichnungen und Ritzungen an ihre Fels- und Höhlenwände zu kritzeln. Diese Kunstform, von Völkern zelebriert, die nichts voneinander wussten, nichts voneinander wissen konnten, ist faszinierend. Was soll an langweiligen Felszeichnungen interessant sein? Sie existieren im fernen Jemen, in Brasiliens Dschungel des Mato Grosso genauso wie an den Küsten Südchiles. Von Hawaii bis Zentralchina, von Sibirien über die Sahara bis Südafrika kleben Bildergrüße aus der Vergangenheit. Es gibt sie in allen Teilen Europas, auf verlassenen Inseln irgendwo im weiten Pazifik, im eiszeitlichen Alaska wie in den glühenden Felswänden der Kimberley-Berge Australiens. Desgleichen im fernen Kalifornien, auf den Osterinseln oder im Industal von Pakistan. Wie viele Felszeichnungen und Ritzungen mag es weltweit geben? Es müssen Abermillionen sein. Und das Unheimliche daran sind die Motive.

Dass Steinzeitmenschen immer wieder Jagdszenen kritzelten, die Sonne, den Mond, Kreise, Strichmännchen und Handflächen darstellten, ist normal. Kurios wird es, wenn bestimmte Formen unisono mit den gleichen Attributen versehen werden, als ob eine Buschtrommel die Schwingungen über alle Kontinente getragen hätte: Die mit den Strahlen sind die Götter!

Drei Voraussetzungen bilden die Grundlage aller Forschung: Freiheit des Denkens, Gabe der Beobachtung, Sinn für Zusammenhänge. Dem möchte ich noch eine vierte beifügen: die Überwindung des Zeitgeistes. Wir müssen die Felsbildkunst nicht nur mit den psychologischen Argumenten von vorgestern interpretieren, sondern auch mit den Fragen unserer Gegenwart. Was beeinflusste die Menschen weltweit zu ähnlichen Motiven? Ein gemeinsames Erlebnis? Die Menge der Felszeichnungen im alpinen Val Camonica belegt: Hier wirkte keine Einzelperson. Das Mitteilungsbedürfnis muss die ganze Gruppe erfasst haben. Alle wünschten, beachtet zu werden – zu ihrer Zeit und darüber hinaus.

Reinhard Habeck nimmt die Botschaften der Vergangenheit ernst. Sein Beitrag zum Verständnis der Frühgeschichte ist wichtig. Es geht um vergleichendes Material, um das Erkennen von Denkmustern, die vor Jahrtausenden auf allen Kontinenten sichtbar wurden. Welche Erlebnisse prägten unsere steinzeitlichen Vorfahren? Was war die Triebfeder der jungen Religionen? Und daraus abgeleitet: Warum wurden wir, was wir sind?


Auftakt: Val Camonica ruft!

„Wer weiß, was in der Zeiten Hintergründe schlummert.“ Friedrich Schiller (1759 – 1805), meistgespielter Klassiker dt. Bühne

Waren die Götter Astronauten? Hatten unsere Vorväter Kontakt mit Besuchern von fremden Sternen? Eine ungeheuerliche Vorstellung! Das würde buchstäblich alles auf den Kopf stellen, was wir bisher über unsere Vergangenheit gelernt haben. Nur Fantasten können so etwas behaupten, heißt es oft. Vertreter etablierter Lehren lehnen solche Thesen kategorisch ab. Was aber, wenn unser Geschichtsbild Sprünge erkennen lässt, sich vieles womöglich ganz anders zugetragen hat, als die offizielle Lehrmeinung versichert?

Angenommen, Archäologen fänden in einem keltischen Grab den Knopf eines außerirdischen Raumanzugs: Würden die Gelehrten das Ding aus einer anderen Welt überhaupt erkennen und richtig zu deuten wissen? Wer klassifiziert etwas fehlerfrei, das es nach gängiger Auffassung gar nicht geben kann? Will man jedoch etwas Handfestes finden, das mögliche extraterrestrische Eingriffe im Altertum bestätigen könnte, bedarf es zweier mutiger Schritte. Erstens: die Möglichkeit, solche Kontakte in Betracht zu ziehen. Und zweitens: die Bereitschaft, nach Indizien zu suchen – in alten Überlieferungen, verstaubten Museumsdepots, verschütteten Kultstätten und an heiligen Plätzen oder irgendwo in unserem Sonnensystem! Was wäre mit der Entdeckung eines „regelwidrigen“ Artefaktes verbunden? Entsetzen? Vertuschung? Oder eine neue fantastische Perspektive für die Menschheit? Die Kontroverse um die „Astronautengötter“ und die Faszination des Unbekannten waren für mich Anreiz genug, das vorliegende Buch zu schreiben. Die zentrale Frage bei meiner Spurensuche lautete: Wo könnte es begründete Belege für eine vorgeschichtliche, überirdische Einflussnahme geben? Nicht irgendwo in fernen Ländern, sondern unmittelbar vor unserer Haustür?

Eine Zeitmaschine wäre für historische E. T.-Ermittlungen hilfreich. Damit ließe sich hautnah miterleben, was in grauer Vorzeit wirklich geschah. Wäre ich im Besitz eines solchen utopischen Vehikels, wüsste ich einen idyllischen Schauplatz in den Alpen, wo ich mich Hals über Kopf hinkatapultieren würde: ins neolithische Freilichtmuseum Val Camonica, eine ländliche Region in der italienischen Lombardei nordöstlich von Mailand. Was es hier an den Berghängen entlang des Südalpentales zu sehen gibt, ist schlichtweg gigantisch! Mit Hunderttausenden Graffiti ist Val Camonica das größte steinzeitliche Bilderbuch Europas, ja wahrscheinlich sogar der ganzen Welt.


Und mittendrin im Gewirr der Illustrationen: seltsame Felszeichnungen, die Talbewohner unverblümt mit „astronauti“ betiteln. Seit Jahrzehnten geistern sie in schlechter Fotoqualität oder dilettantisch abgezeichnet durch die grenzwissenschaftliche Literatur. Aber kaum einer hat sie persönlich zu Gesicht bekommen. Das machte mich stutzig, skeptisch und neugierig zugleich. Gewissheit konnten nur persönliche Recherchen vor Ort erbringen. Also begab ich mich auf die Jagd nach den legendären „Steinzeit-Astronauten“ im Val Camonica, sprach mit führenden Felskunstexperten, diskutierte mit Forschern gängige sowie alternative Denkmodelle und besichtigte Fundplätze, die touristisch noch gar nicht erschlossen sind.

Man könnte annehmen, die Felsbildkunst würde sich auf einige wenige Gebiete wie das Val Camonica beschränken. In Wirklichkeit ist aber die gesamte Alpenwelt mit Piktogrammen und Felsritzungen durchzogen. Viele Bildmotive sind eher Zufallsfunde, manche hat man wieder vergessen oder sie wurden von Vandalen und Umwelt zerstört, andere sind wiederentdeckt worden oder müssen noch entdeckt werden. Die wichtigsten Fundorte können besichtigt werden. Vorausgesetzt, man ist gut zu Fuß, weiß von ihrer Existenz und hat Kenntnis ihrer genauen Lage. Mein Streifzug zu den letzten Rätseln unserer Vergangenheit führte mich weiter zu prähistorischen Kultplätzen in Österreich und der Schweiz. Eine auffällig identische Symbolik lässt vermuten, dass es bereits in der Steinzeit Verknüpfungen zum Felsbildheiligtum in Norditalien gegeben hat. Das verraten die geometrischen Ritzungen in Carschenna im Kanton Graubünden genauso wie die seltsamen Felsgravuren von „Sonnenrädern“ und „Himmelsleitern“ in der Kienbachklamm im Salzkammergut oder das rätische Schrifträtsel am Schneidjoch in Nordtirol. Auch Südtirol mit den Dolomitensagen (und verblüffend ähnlich lautenden Legenden „fliegender Menschen“ und antiker Flugvehikel aus dem alten China) spielt bei der kosmischen Nachforschung eine bedeutende Rolle.

Bei der Erkundungstour begleitete mich – wie fast immer im letzten Jahrzehnt – meine Lebenspartnerin Elvira Schwarz aus Basel. Viele Fotos in diesem exklusiven Report stammen von ihr. Die wertvollste Stütze bei der „Alpen-Mysterytour“ waren ihre sorgfältigen Reisevorbereitungen und das fremdsprachliche Talent. Und natürlich vagabundiert man im Zweiergespann stets angenehmer und amüsanter zu geheimnisvollen Stätten. Was es an Strapazen, Entdeckungen, Kameramotiven und allerlei Staunenswertem zu erleben gab, davon erzählen die folgenden Seiten in Wort und Bild. Steinzeitliche Alpen-Astronauten? Unglaublich, aber wahr! Wer ihren himmlischen Fährten folgt, darf sich auf handfeste Überraschungen gefasst machen. Überzeugen Sie sich selbst!


VERSTEINERTE GEHEIMNISSE

„In ihrer ganzen Großartigkeit wird die vorgeschichtliche Zivilisation niemals erkannt werden; zu viel ist durch die Verwüstung der Zeit, durch menschliche Vernachlässigung und Vandalismus verloren gegangen.“

Richard Rudgley, britischer Ethnologe


Die Entdeckung fantastischer Bilderwelten
UNVERSTANDENES ERBE

Wohl jeder kennt den Sinnspruch „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Wenn wir diese Idee mit einer Drittelmillion multiplizieren, sind wir in Val Camonica gelandet. Das rund 70 Kilometer lange Tal liegt am südlichen Alpenrand in der Lombardei. Es erstreckt sich im Norden ab der Ortschaft Edolo, führt entlang des Flüsschens Oglio und mündet gegen Süden in den kleinen Iseosee zwischen Bergamo und Brescia. Hier begegnen Forscher und Wanderer auf Schritt und Tritt einem reich illustrierten Multiversum voller fantastischer Geschichten, Gedanken und Spiegelbilder des Lebens.

Der revolutionäre Geistesblitz schlug in der Alpenregion mit dem Ende der letzten Eiszeit ein, verbreitete sich über die Jahrtausende in immer komplexeren Formen und endete ziemlich abrupt mit der Zeitenwende. Die Urväter haben uns eine unbegreifliche Bilderflut an Wundern und Wissen hinterlassen. Diese Zeugen der Vorzeit wurden – fein eingeritzt – auf Steinplatten, Felswänden und Monolithen verewigt. Die einzelnen Motive sind oft nicht größer als wenige Zentimeter. Doch wer sie einmal entdeckt hat, kann sich ihrer Faszination nicht mehr entziehen. Als bevorzugte Themen wählten die Steinzeitkünstler einfache Abbilder des Alltagslebens, naturalistische Wiedergaben von Tieren, bewaffnete Krieger im Kampf und Szenen der Jagd. Solche Darstellungen sind unmissverständlich. Dagegen haben geometrische Bildersymbole und figürliche Begriffzeichen ihr Geheimnis bewahrt. Verwirrende Spiralen, Labyrinthe, Schlangenlinien, Rauten, Netz- und Zickzackmuster sowie einfache und mehrfache Ringe mit „Strahlenmustern“ – was war damit gemeint? Und wieso zeigen Felsbilder auf der ganzen Welt typologische Ähnlichkeiten mit der Galerie aus Val Camonica?


Val Camonica in der Lombardei: atemberaubende Landschaft entlang des Oglio

Erstaunliche Analogien: Val Camonica/​Italien; Narigua/​Mexiko; Ballygowan/​Schottland; Galicien/​Spanien; Lombo da Costa/​Portugal; Carschenna/​Schweiz (v.o.n.u.)

Dazu passt eine vor wenigen Jahren gemachte Entdeckung in der Wüste bei Narigua im mexikanischen Bundesstaat Coahuila. Hier fanden Archäologen rund 500 Felsen mit Abertausenden Abbildungen, darunter schwer deutbare, abstrakte Muster. Viele der Felszeichnungen (Petroglyphen) zeigen „Cup-and-Ring-Markierungen“. Es sind dies konzentrische Kreissymbole und Spiralen, die hierzulande „Schälchen“ oder „Näpfchen“ genannt werden. Der Durchmesser und die Anzahl der Ringe variieren. Erst 2012 haben Wissenschaftler begonnen, die mexikanischen Funde genauer zu erforschen. Dabei stellte sich heraus, dass der Großteil der Zeichen bereits vor etwa 6.000 Jahren – mutmaßlich von Nomaden – mit Steinwerkzeugen in die Felsen geschlagen wurde. Wenn die Datierungen stimmen, sind die Ringmuster, die bevorzugt als „Sonnenscheiben“ gedeutet werden, älter als die Ebenbilder aus der europäischen Vergangenheit. Da wird der Betrachter stutzig: Warum sind Abbilder aus Altamerika nahezu identisch mit den Motiven der Alpenwelt und ebenso mit Felsgrafiken auf den Britischen Inseln? Gleiches gilt für Fundstellen im spanischen Galicien oder der neolithischen Felskunst im nordchinesischen Helan-Gebirge. Kann das wirklich nur Zufall sein? Wer hat wen, wann beeinflusst? Und was war die Initialzündung für den globalen Schaffensdrang? Wir wissen es nicht.

Die zentrale Frage zur frappanten Analogie weltweit hinterlassener Felsbilder ist immer dieselbe: Was haben die kryptischen Vorzeitbilder zu bedeuten? Sind es frühe archetypische Ursymbole aus dem kollektiven Unterbewusstsein, was die Gleichartigkeit in vielen Erdteilen erklären würde? Oder, auch wenn der Gedanke gewiss fantastisch anmutet: Besaßen Priester und Schamanen des Altertums überempirische Begabungen, um Informationen über große Distanzen hinweg auszutauschen? Konnten verborgene Energien nutzbar gemacht werden oder besaßen Priester hellseherische Fähigkeiten, von denen wir heute keine Ahnung mehr haben? Was wissen wir hypertechnisierten Facebook- und Twitter-Menschen wirklich über die Anfänge unserer Zivilisation und die Zeiten davor?

HEXEN UND SPASSMACHER

Der Alpenraum ist übersät von schwer deutbaren Vorzeitspuren. Wir finden ein großes Bildgestöber vor allem in den französischen Seealpen (Monte Bégo), in den Schweizer Kantonen Wallis (Martigny sowie Saint-Léonard) und Graubünden (Carschenna, Bregaglia und Engadin), in den norditalienischen Provinzen Ligurien (Finale Ligure, Monte Beigua und Acquasanta), Piemont (Pinerolo, Monte Musinè und Eschental), in der ganzen Region Aosta, Trentino-Südtirol (Brixen, Meran, Altenberg und rund um den Gardasee) und auf österreichischem Gebiet in Tirol (Schneidjoch), in Oberösterreich (Kienbachklamm und Wurzeralm) sowie in der Steiermark (Notgasse).

Val Camonica in der Lombardei übertrifft jedoch alles. Die norditalienische Region gilt heute als das Mekka der Felsbildforschung schlechthin. Internationale Experten, begeisterte Forscher und entdeckungshungrige „Wandervögel“ lockt es alljährlich ins Camonica-Tal, das zum Weltkulturerbe zählt. Wie kam es dazu? Wer stolperte wann und wo über das erste prähistorische Kunstwerk? Welche Schlüsse wurden aus der Entdeckung gezogen?

Die erste schriftliche Erwähnung von Felszeichnungen reicht zurück ins Jahr 1650. Damals notierte der aus Nizza stammende Historiker Pietro Gioffredo in seiner Aufzeichnung „Histoire des Alpes maritimes“: „Mit Verwunderung und Staunen begegnen die Betrachter verschiedenen Steinen, alle von verschiedenen Farben, flache und schlüpfrige, die mit tausend Erfindungen gestaltet sind und geritzte Vierfüßler, Vögel und Fische darstellen, dazu mechanische, landwirtschaftliche und militärische Geräte, geschichtliche und fabulöse Geschehnisse verschiedenster Art …“ Der Gelehrte vermutete, dass es „Werke vergangener Jahrhunderte“ seien, und hatte auch eine Begründung für den Schaffensdrang parat: „Wahrscheinlich waren die Urheber dieser lustigen Scherze nichts anderes als Hirten und Schafzüchter, die sich so die Langeweile vertrieben …“

Schälchen und Zauberzeichen: Einst glaubte man, es seien Werke von Dämonen und Hexen.

Es stimmt, die Talbewohner haben sich im Mittelalter als Steinklopfer versucht. Sie ergänzten und „verschönerten“ aber nur die alten Zeichnungen ihrer Vorväter, die sie für „heidnisches Teufelswerk“ hielten. Es sollte noch Jahrhunderte dauern, bis die Felszeichnungen genauere Beachtung fanden und Gegenstand gründlicher Studien wurden.

SPURENSUCHE MIT „SCHNEEBALLEFFEKT“

Die Anfänge des 20. Jahrhunderts gelten als offizielle Entdeckerzeit. Einheimische machten auf die Vielfalt dargestellter Motive aufmerksam, die auf großen freigelegten Felsplatten sichtbar wurden.

Im Jahre 1909 prüfte der in Brescia lebende Schweizer Geograf Walter Läng die Fundplätze und entdeckte auf zwei Felsblöcken – „Massi di Cemmo“ genannt – weitere Ritzungen. Brieflich informierte er das „Nationalkomitee für Denkmalschutz“ von seinem bedeutenden Fund. Vergebens: Die Autoritäten zeigten kein Interesse und die Angelegenheit wurde vergessen. Als dann wenige Jahre später der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet wurde, kam es zur Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Es folgte die Katastrophe des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918). An eine systematische Untersuchung der archäologischen Schätze von Val Camonica war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Die Menschen hatten andere Sorgen.


Historisches Foto von Capo di Ponte

Ab 1929 blühte der Forschergeist wieder auf. Erste Felsbildstudien und Fachkongresse sorgten für mediale Aufmerksamkeit. Der Turiner Professor Giovanni Marro (1875 – 1952) lieferte dazu wertvolle Beiträge. Seine Pionierarbeit machte deutlich, dass man auf ein bisher unbekanntes Archiv der Menschheitsgeschichte gestoßen war. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs (1939 – 1945) wurde eine wissenschaftliche Aufarbeitung der spektakulären Funde erneut vereitelt. Abgesehen von zweifelhaften Althistorikern, die im Auftrag der Nationalsozialisten nach der „arischen Urheimat“ fahndeten, kümmerte sich niemand um die wundersame Bilderwelt des Val Camonica.

Erst Mitte der 1950er-Jahre überlegte das „Amt für Denkmalpflege von Altertümern und Kunstwerken“ der Lombardei, den ersten Nationalpark um die Hauptfundstelle Naquane zu errichten.

Mit dem 1964 gegründeten „Centro Camuno di Studi Preistorici“ (CCSP), initiiert von dem international renommierten Felskunstexperten Professor Emmanuel Anati, begann endlich die planmäßige Erfassung und Auswertung der Zeichnungen. Bis 1970 waren gerade mal 600 Plätze mit rund 25.000 Bildern bekannt. Fünf Jahre später zählte man bereits 130.000 prähistorische Figuren, und damit war klar, dass Val Camonica die bedeutendste und reichhaltigste in Europa bekannte Felskunstsammlung war. Inzwischen ist die Menge der mit freiem Auge nicht immer leicht zu erkennenden Zeichnungen auf rund 350.000 Bildwerke angewachsen. Viele liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, andere reichen vereinzelt bis ins Hochgebirge.

Allein in der Umgebung der Talmitte – rund um die Ortschaft Capo di Ponte mit den Nachbargemeinden Nadro, Cimbergo und Pasparado – gibt es an die 200.000 Gravuren. Ständig werden neue steinzeitliche Kunstwerke dem Erdboden entrissen. Teilweise lagen Fundstellen bereits frei, sind aber durch Verfall und Auflassung von Ackerland in den letzten Jahrzehnten wieder unter einer dicken Humusschicht begraben worden. Für manche Kunstwerke vielleicht besser so, denn es kommt immer wieder vor, dass Felsbilder dem Vandalismus zum Opfer fallen. Viele Ritzbilder, die in den 1930er-Jahren publiziert wurden, sind nicht mehr auffindbar. Wind und Witterung forderten ihren Tribut. Noch lange nicht sind alle gravierten Steinbuckel wissenschaftlich erfasst und dokumentiert.


1909 entdeckt: Graffiti-Felsen im Gebiet „Massi de Cemmo“



Eine der ältesten Darstellungen auf den gewaltigen Steintafeln zeigt einen Hirsch mit Halsband.

Hinzu kommt, dass vor allem im Nationalpark Naquane für Besucher Holzstege errichtet wurden, die zwar eine bequeme Besichtigung ermöglichen, aber viele Felsbilder uneinsehbar verdecken. Archäologen schätzen, dass im Val Camonica unter Moosen und Gestrüpp noch weitere Hunderttausende gezeichnete Strichmännchen und Ritzsymbole auf ihre Entdeckung warten!

Wo nahm alles seinen Anfang? Soweit bekannt, sind die ältesten Piktogramme im „Parco di Luine“, oberhalb von Darfo Boario Terme, erhalten. Sie sind rund 12.000 Jahre alt und stammen aus dem Paläolithikum, der Übergangszeit von der Alt- in die Mittelsteinzeit. Aus dieser Epoche sind im naturalistischen Stil vor allem Elche schemenhaft auf Felsen erkennbar. „Primitive Jäger“ sollen die Kunstwerke hinterlassen haben. Ein üppiges Tier mit dünnen Beinen, umgeben von konzentrischen Kreisen, fällt auf. Es ist auf einem großen Steinblock (im Park bezeichnet mit Nr. 6) abgebildet. Was überrascht: Der Vierbeiner scheint ein Halsband zu tragen. Ein seltener Bildbeleg für die frühe Domestizierung eiszeitlicher Wildtiere?

VOM SUMPF ZUM HEILIGTUM

Bevor es in der Alpenwelt zu ersten künstlerischen Impulsen kommen konnte, hatten sich gigantische Eismassen über Jahrmillionen durch das Val Camonica geschoben. Mit dem Einsetzen milderer Klimaverhältnisse und dem damit verbundenen Ende der letzten Eiszeit zogen sich die Gletscher zurück und hinterließen entlang der Berghänge riesige Steinmassive. Mutter Natur hatte die Felsen aus dunkelgrauem Permasandstein in flache, glatt polierte Tafeln verwandelt!


Val Camonica war das prähistorische Kreativzentrum der Alpenwelt. Was war die Triebfeder?

Wirklich einladend, um dauerhaft sesshaft zu werden, kann es in jenen Zeiten dort nicht gewesen sein. Das Eis war zwar weg, aber dafür prägten Schlamm und Morast noch Jahrtausende das Gesicht des Tales. Trotzdem siedelten sich prähistorische Menschen in der unwirtlichen Sumpflandschaft an, errichteten eigentümliche Pfahlbauten, die teilweise aus mehreren Stockwerken konstruiert waren, und begannen, Jagdtiere, symbolische Gebilde und geheimnisvolle Gestalten auf Felsplatten zu meißeln. Praktische Experimente zeigen: Die Gravierungen entstanden durch direkte Schläge mit Steinwerkzeugen, etwa Feuerstein, später durch Metallmeißel, seltener durch das Ritzen mit einem spitzen Instrument.

Wieso aber umspannt die kreative Tatkraft der Talbewohner einen ausgedehnten Zeitraum von Abertausenden von Jahren? Stile, Motive und Technik der Kunstfertigkeit hatten sich zwar laufend verändert, aber die Beständigkeit, mit der die Tradition der Felsbildkunst an einem Ort von Generation zu Generation weiter gepflegt wurde, ist außergewöhnlich. Was war die treibende Kraft für dieses beharrliche Kritzeln und Klopfen? Wozu diente die Felsbild-Galerie?

Es gibt keine einzige Gravur, die den Vorgang der Felsbildgestaltung darstellt. „Wir wissen nichts über die Einzelheiten der Zeremonien, die Momente, die aktiven und passiven Teilnehmer, die Autoren“, räumt der Archäologe Alberto Galbiati freimütig ein. Der Gründer des Nationalparks Archeocamuni in Capo di Ponte vermutet, dass das Tal einst ein „heiliger Kultplatz“ war, bei dem die mysteriöse Bildsprache nur von „Eingeweihten“ zu „bestimmten rituellen Festen“ ausgeübt wurde. Die wahre Bedeutung solcher Riten liegt aber genauso verborgen im Dunkel der Geschichte wie der anfängliche Grund und Zweck des rastlosen Arbeitseifers. „Heiliger Platz“ schön und gut: Aber wer oder was machte Val Camonica zum vorzeitlichen Heiligtum?

Denkt man an die größten christlichen Wallfahrtsorte wie Guadalupe, Lourdes oder Fatima, dann weiß man, warum seit vielen Generationen jährlich Abermillionen gläubige Menschen immer wieder zu diesen Stätten pilgern. Es sind Erscheinungsorte des Überirdischen! Den historischen Überlieferungen zufolge soll an diesen heiligen Plätzen die Gottesmutter Maria höchstpersönlich erschienen sein und Wunder bewirkt haben. Welch himmlisches Mirakel könnte also in der Steinzeit das fortlaufende Bedürfnis ausgelöst haben, eine gigantische Ansammlung archaischer Zauberzeichen auf Felsbildern einzukratzen?


Im ganzen Val Camonica zahlreich verewigt: Strichmännchen in Stein

Wer waren die Camuni?
EINE CHRONOLOGIE DER MEISTERWERKE


Die Entwicklung der Felskunst im Camonica-Tal erstreckt sich über mehr als zehn Jahrtausende. Die offizielle Zeitfolge nennt mehrere Schaffensperioden:

Altsteinzeit (um 8000 v. Chr. und eiszeitliche Epochen davor) Hier liegen die Ursprünge der Val-Camonica-Kunst. Aus dieser Periode sind einige hundert Darstellungen bekannt. Sie zeigen hauptsächlich naturgetreue Wiedergaben von Tieren, aber auch geometrische Einkerbungen wie Schlangenlinien und Kreise, die als Teil „magischer Riten“ interpretiert werden. Felsbildforscher gehen davon aus, dass das Tal zu dieser frühen Zeit bereits als „Kultort“ diente, aber noch nicht besiedelt war.

Mittelsteinzeit (um 8000 v. Chr. bis 5000 v. Chr.)

Gruppen nomadischer Jäger ziehen ins Tal und werden sesshaft. Die naturalistische Tradition der Felszeichnungen wird mit vereinfachten Formen und Symbolen fortgeführt.


Von der Altsteinzeit bis zur römischen Eroberung: unermüdliches Klopfen, Kratzen und Gestalten

Jungsteinzeit (um 5000 v. Chr. bis 2800 v. Chr.)

Technologische Neuerungen verändern das Leben der Bevölkerung. Es erfolgt der Übergang vom Jäger und Sammler zum Bauern und der Beginn der Landwirtschaft. Die Felskunst wird abstrakter. Ins Zentrum der Gestaltung rücken „betende“ Menschen mit erhobenen Armen, „anthropomorphe“ Mischwesen sowie „Götter-“ und „Sonnensymbole“. Viele Bilder zeigen Verwandtschaft zu den Megalithkulturen, etwa durch typische „Zickzack-Muster“, „konzentrische Kreise“ oder „Spiralen“.

Kupfersteinzeit (um 2800 v. Chr. bis 2000 v. Chr.)

Die Metalle werden entdeckt und deren Verarbeitung beginnt. Die Graffiti werden „symbolischer“, „schematischer“ und „komplexer“. Szenen vermitteln gesteigert einen erzählenden Charakter. Aus dieser Zeit stammen imposante Menhir-Steine mit astronomisch und religiös deutbaren Gravuren, darunter erste Abbilder von Wesen mit helmartigem Aufputz und „Strahlenkränzen“.


Bronzezeit (um 2000 v. Chr. bis 1000 v. Chr.)

Geräte, Webstühle, Waffen und Schmuck werden hergestellt, der Handel nimmt zu. Erstmals werden Pfahlbauten errichtet und auch in den Zeichnungen dargestellt. Die Felskunst offenbart neue Formen, darunter topografische Karten und netzartige Geometrie. Es finden sich zunehmend illustrierte „Mischwesen“, die als Verehrung von „Geistern“ und „Göttern“ interpretiert werden.


Eisenzeit (um 1000 v. Chr. bis zur römischen Eroberung)

Der Kontakt zu eingewanderten Völkern wie den Etruskern, Rätern und Kelten beeinflusst die Kunstwerke. Es ist die kreativste Schaffensphase mit den umfassendsten Zeichnungen. Neben realistischen Szenen des Alltags überwiegt die „magisch-mythologische“ Symbolik. Fast alle Felsbilder, die mit „Raumfahrern aus dem Kosmos“ assoziiert werden, stammen aus der frühen Eisenzeit.

Christi Geburt bis Mittelalter

Im Val Camonica entstehen nur mehr vereinzelte Felsbilder. Daneben finden sich einige römische Gravuren mit lateinischen Inschriften. Im Zuge der Christianisierung wurden viele prähistorische Zeichnungen mit christlichen Symbolen ergänzt oder überschrieben. Im Spätmittelalter war Val Camonica als „Valmasca“ (Hexental) gefürchtet. Eine Legende erzählt von „furchtbaren Kämpfen zwischen Hexen, Dämonen und Klosterleuten“.

Die meisten Graffiti entstanden in der Eisenzeit. Vereinzelte Motive stammen aus jüngerer Zeit, es gibt auch folkloristische Erinnerungen aus dem Mittelalter.

Folkloristisches Überbleibsel

Aus dieser finsteren Epoche hat sich ein seltsamer Brauch bis in die Gegenwart erhalten. In Andrista, einem der tiefsten Seitentäler des Val Camonica, wird alljährlich vor dem Dreikönigstag einem Ungeheuer gedacht, das angeblich einst in den Wäldern für Angst und Schrecken sorgte: der Badalisc. Diese mythische Kreatur soll eine Mischung aus Schlange und Ziege gewesen sein, hätte rot leuchtende Augen besessen, ein Riesenmaul und Hörner auf dem Kopf. Wenn heutzutage eine Person im Badaliscen-Kostüm durch die Dörfer der Gemeinde Cevo spaziert, begleitet von Menschen in Gruselkostümen, die mit rhythmischen Stockschlägen auf den Boden stampfen, dann fürchtet sich niemand mehr vor der Spukgestalt. Aber wie war das in früheren Zeiten? Niemand kann wirklich abschätzen, wie ernst unsere Ahnen den Einfluss überirdischer Kräfte genommen haben.

KULTUR AUS DEM NICHTS

Vor etwas mehr als hundert Jahren hatten Geschichtsforscher noch keine Ahnung von der prähistorischen Felsbildkunst im Val Camonica – ganz zu schweigen von den Urhebern. Heute wissen wir, es waren die Camuni (auch Camunni, Camunen oder Camunier genannt), die uns den Großteil dieser bebilderten Wunderwelt hinterlassen haben.

Ihr Machtbereich war regional begrenzt. Im Norden versperren noch heute hohe Gebirgsketten den Weg aus dem Tal. Und im unteren Teil des früher moorähnlichen Tales liegt der landschaftlich zwar bezaubernde Iseosee, der aber für den damaligen Verkehr doch recht hinderlich gewesen sein dürfte. Dennoch müssen die Camuni schon früh Handelskontakte mit der Außenwelt gehabt haben. Die Art der im Val Camonica verwendeten und bildhaft dargestellten Webstühle ist mit jenen aus dem antiken Griechenland identisch. Umgekehrt wurden im griechischen Mykene Waffen gefunden, die genau den Abbildern auf Felsplatten im Val Camonica entsprechen.

Das wirft viele Fragen auf. Das beginnt schon mit der Ungewissheit, wer die Camuni waren und woher ihre Kultur stammt. Vermutet wird, dass sie wie andere Völker in mehreren Etappen in die Alpen einwanderten, sich im Val Camonica ansiedelten und sich dann mit anderen alpinen Stämmen vermischten. Bis 16 v. Chr. beherrschten sie die Region und gaben dem Tal seinen Namen. Obwohl bereits Jahrtausende zuvor ihre Vorfahren, die Proto-Camuni, erstaunliche Schaffenskraft bewiesen hatten, waren die neuen Immigranten der Bronzezeit, und noch deutlicher jene der Eisenzeit, am fleißigsten.


Woher kamen die Camuni?

Das Monument „Tropaeum Alpium“ liefert den Schriftbeleg zum Alpenvolk der Camuni.

Belegt ist, dass im 3. Jahrtausend v. Chr. mit der Metallgewinnung und -bearbeitung neue Innovationen ins Land kamen, die die geniale Kreativität der Camuni beflügelten. Erst die Römer stoppten den regen Schaffenseifer. Als Legionäre die lombardischen Täler eroberten und ins Römische Reich eingliederten, übernahmen die Camuni die neue Kultur offenbar kampflos. Ihre schöpferische Leistung verlor allmählich an Bedeutung, bis sie schließlich ganz erlosch und in Vergessenheit geriet.

Vom „Camuni-Volk“ blieb fast 2.000 Jahre lang nur ein spärlicher Hinweis durch die Erwähnung bei römischen Gelehrten und einer Inschrift auf dem Siegesdenkmal zu Ehren Kaiser Augustus’. Die Überreste dieses 35 Meter hohen Monuments, genannt „Tropaeum Alpium“, sind in der französischen Gemeinde La Turbie (in unmittelbarer Grenznähe zum Fürstentum Monaco) zu besichtigen. Einer der Steine des Turms, die Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.) transkribierte, enthielt die Namen von 45 alpinen Völkern, die dem Römischen Reich unterworfen wurden – darunter der Stamm der Camuni. Es ließen sich keine beweiskräftigen Spuren ihrer einstigen Existenz finden – bis eben zur Entdeckung der Felsbilder im Val Camonica!

ALPINES MULTIKULTI

Folgt man antiken Geschichtsschreibern wie Strabon (63 v. Chr. bis 23 n. Chr.), dann waren die Camuni mit den „Raezikern“ verwandt, also mit den Rätern. Ihre Nachfahren leben heute in Trentino-Südtirol, Nord- und Osttirol, Venetien sowie in Gebieten des Schweizer Kantons Graubünden und in der Region rund um den Bodensee. Die Räter gehören zu den ältesten geschichtlich fassbaren Völkern im Alpenraum. „Allerdings steht gar nicht fest, ob sie überhaupt ein Volk waren“, schränkt der Historiker Eduard Gugenberger ein und ergänzt: „Vielleicht, so wird verschiedentlich gemutmaßt, handelt es sich bei ihnen bloß um einen ungeordneten Haufen unterschiedlicher älplerischer Gemeinschaften. Es ist schwer, sich ein klares Bild zu verschaffen. Antike Berichte über sie widersprechen einander ebenso grundlegend wie moderne wissenschaftliche Ausführungen.“

Bisher wurden im Alpenraum etwas mehr als 200 Wortfragmente entdeckt, die den antiken Rätern zugeschrieben werden. Sprachwissenschaftlich erforschte Personennamen und religiöse Begriffe lassen Ähnlichkeiten zur etruskischen Schrift erkennen. Eine Urverwandtschaft zwischen diesen Kulturen scheint wahrscheinlich. Schon um Christi Geburt bemerkt dazu Titus Livius, dass die Räter „verwilderte Etrusker“ gewesen seien, die „nichts vom Althergebrachten außer dem Klang ihrer Sprache, und den nicht unverfälscht, bewahrt haben“.


Etruskisch-camunische Inschrift

Die rätisch-etruskischen Gemeinsamkeiten zeigen wiederum Anklänge zu bisher rund 150 schriftlichen Felsgravuren im Camonica-Tal. Sie werden deshalb als „camunorätisch“ bezeichnet. Sucht man die zugehörige „Muttersprache“, wird es allerdings holprig. Die Glyphen erinnern an eine Variante des nordetruskischen Alphabets. Linguisten kombinieren daraus, dass die Camuni im letzten vorchristlichen Jahrtausend die Schrift von den Etruskern übernommen haben. Bewiesen ist das aber keineswegs. Ebenso rätselhaft bleiben die Inhalte der knappen Botschaften. Sprachforscher glauben, sie lesbar entziffert zu haben. Was das Geschriebene jedoch inhaltlich konkret bedeutet, weiß man nicht. Zu welcher Familie die camunische Sprache tatsächlich zu zählen ist, bleibt daher weiterhin ungewiss.


Camunisches Schrifträtsel auf einem Felsblock

Verblüffende Lebendigkeit: Zauberer, Priester oder ein mit Federn

geschmückter Tänzer?

Aus den vielen Details in der Felsbildkunst lässt sich aber nachvollziehen, dass die Camuni in enger Beziehung zu den Etruskern standen. Felszeichnungen, die Altertumsforscher als etruskische Dolche, Schilder und Helme identifizierten, belegen das einwandfrei. Woher allerdings die Etrusker kamen, wie ihr Volk und ihre Sprache um 800 v. Chr. entstanden sind, ist nicht weniger mysteriös als die „Gretchenfrage“ nach dem Ursprung oder der Überlagerung mit den Camuni. Die gängigste These zum Entstehen der etruskischen Kultur lautet: Einwanderer aus Kleinasien vermischten sich mit der Villanova-Kultur, die um 1000 v. Chr. im heutigen Gebiet der Toskana ansässig war.

KELTISCHES GEFOLGE

Es wird noch komplizierter: Archäologisch und sprachwissenschaftlich sind bei den Camuni Übereinstimmungen zur Fritzens-Sanzeno-Kultur nachweisbar. Einerseits ist dieser Volksstamm mit der keltischen Hallstattzeit verbunden, anderseits zählt er zur Familie der Räter. Gesichert ist, dass auf die Räter ein starker keltischer Einfluss wirkte und die Camuni wiederum rätische Kulturkontakte pflegten. Frühe Funde bei Fritzens nahe Innsbruck und bei Sanzeno am Nonsberg in Südtirol gaben dieser Kultur ihren Namen. Sie war im ersten vorchristlichen Jahrtausend im Raum zwischen Gardasee und der Gebirgsgruppe des Karwendels verbreitet. Das Gebiet war im Norden von keltischen Stämmen, südwestlich von den Etruskern und südöstlich von den Venetern umringt.

Der keltische Gott Cernunnos, abgebildet auf dem Naquane-Hügel

Aufmerksame Wanderer können im Val Camonica auf viele keltische Hinweise der Hallstattzeit stoßen. Ein Beispiel sind Abbilder menschenähnlicher Figuren mit Hirschgeweihen. Das auffälligste Motiv ist in Capo di Ponte auf dem Naquane-Hügel (Fels Nr. 70) zu sehen. Es zeigt eine gehörnte Gottheit, die ihre Arme himmelwärts streckt. Die Zeichnung soll um 500 v. Chr. entstanden sein und misst im Vergleich zu anderen Szenen imposante 90 Zentimeter. In der rechten Hand hält „der Gehörnte“ einen Dolch, während der Körper von einer schlangenartigen Kreatur umwunden scheint. Unmittelbar daneben ist eine um ein Drittel kleinere Gestalt eingraviert, ohne Kopfschmuck, aber ebenfalls mit erhobenen Armen. Die Szene weckt Erinnerungen an die biblische Geschichte von David und dem Riesen Goliath. Archäologen erblicken in den Hünen indes den keltischen Hirschgott Cernunnos. Er wird mit der jenseitigen Unterwelt und der irdischen Fruchtbarkeit assoziiert.

Seine berühmteste Ikonografie findet sich auf dem keltischen Gundestrupkessel, der 1891 in einem Moor in Jütland, einer Provinz im nördlichen Dänemark, entdeckt wurde. Das Gefäß besteht aus vergoldetem Silber und trägt Darstellungen von Menschen, Gottheiten und mythischen Tieren. Bedeutung und Herkunft der wertvollen „Opfergabe“ sind noch nicht geklärt. Beim Volk der Kelten, die in Westeuropa ab 800 v. Chr. andere Kulturen überlagerten, wiederholt sich das Dilemma fehlender eigener Chroniken. Die keltischen Wurzeln verlieren sich analog zum Schicksal der Räter und Etrusker im Nebel der Vorgeschichte.

Und die Camuni? Zumindest ihre Vertreter aus der frühen Eisenzeit könnten letztlich aus einem multikulturellen Völkergemisch hervorgegangen sein. Elementare Probleme bleiben dennoch bestehen. Wer waren die Ur-Camuni, die bereits Jahrtausende vor der künstlerischen Hochblüte in das abgesonderte Alpental zogen, um dann dem Steinkult des Bilderritzens zu verfallen? Und weshalb finden sich nur wenig materielle Gegenstände aus dem Lebensraum dieses alpinen „Geistervolkes“? Wo sind die Gräber der Künstler und ihre sterblichen Überreste?

Darstellung des Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup

Welche Geheimnisse liegen noch tief unter dem Erdreich vergraben? Vermutlich jede Menge. Das lässt auch eine Entdeckung in Cividate Camuno, etwa zehn Kilometer südlich von Capo di Ponte, erahnen. Sie führt zurück zum Siedlungsbeginn der Talbewohner. Archäologen stießen unter Schichten der Römerzeit überraschend auf kreisförmige Hüttenreste, die aus der Altsteinzeit stammen.

Halten wir fest: Trotz ihres überragenden Bilderarchivs wissen wir herzlich wenig über die Abstammung der camunischen Genies. Nur in einer Sache sind sich die Wissenschaftler einig: Kein anderes alteuropäisches Volk hat der Nachwelt ein Felskunsterbe von derart geschichtlicher Bedeutung, eindrucksvoller Vielfalt und künstlerischer Schönheit hinterlassen.


Das 70 Kilometer lange Tal wurde nach den keltisch-alpinen

Camuni benannt.


Rätische Rätsel
DIE ZAUBERKREISE VON CARSCHENNA

Ein schier unlösbares Rätsel der Archäologie sind Schalensteine. Es gibt natürliche Wannen, die durch Verwitterung und Auswaschungen entstanden sind. Kuriose Beispiele liegen in der Landschaft des mystischen Waldviertels in Niederösterreich herum, dort, wo gerne die Steine wackeln. Aber nicht diese Gletscherspuren sind gemeint, sondern künstlich von Menschenhand geschaffene, runde Vertiefungen im Fels. Die Entstehung der meisten Relikte wird in die Bronzezeit verlegt, es gibt aber vereinzelte Funde, die bis in die Altsteinzeit zurückreichen. Der Durchmesser der Schalen kann bis zu einem halben Meter betragen. Die meisten Markierungen sind hingegen nicht größer als ein, zwei Zentimeter. Oft sind diese Mulden, Schälchen oder Näpfchen mit Linien verbunden, treten mit anderen geometrischen Mustern auf oder stehen im Zentrum konzentrischer Kreise und Spiralen. Die Camuni im Val Camonica waren recht fleißig beim Hinterlassen dieser Geometrie. Dabei setzten sie das Schälchen gerne ins Zentrum von Ringmustern. Warum und wozu, bleibt spekulativ.


Zeichen im Naquane-Nationalpark: ein Schälchen, umgeben von zahlreichen konzentrischen Ringen


Blick in die unwegsame Viamala-Schlucht im Kanton Graubünden

Im Schweizer Ort Carschenna dreht sich alles im und um Kreise. Er liegt auf einer Anhöhe oberhalb von Domleschg im Schweizer Kanton Graubünden. Hier machte der Forstingenieur Peter Brosi 1965 eine überraschende Entdeckung: Unter einer Humusschicht kamen glatt geschliffene Felsrücken mit seltsamen Steingravuren zum Vorschein: konzentrische Kreise, Schälchen, Zickzacklinien, Kreuzsymbole, Sonnenräder, geometrische Muster sowie vereinzelte Motive von Mensch und Tier. Zunächst wurden zehn Felsplatten mit etwa 400 Einzeldarstellungen freigelegt. Sie sind im kleinen Umkreis von 600 Metern angereichert und liegen meist an einer nach Norden steil abfallenden Bergschulter. 1984 und 1996 wurden in unmittelbarer Nähe (Badugnas und Viaplana) noch zwei Felsen mit Ritzzeichnungen gefunden. Das lässt vermuten, dass sich unter dem Rasenteppich von Carschenna weitere Felskunstschätze verbergen könnten.


Die geheimnisvollen Felszeichnungen von Carschenna, oberhalb von Sils im Domleschg in der Schweiz

Die Altersbestimmung der Zauberzeichen fällt schwer. Es scheint mehrere Schaffensperioden gegeben zu haben. Im Vergleich mit Val Camonica wird der Ursprung in die späte Jungsteinzeit datiert (ca. 3. Jahrtausend v. Chr.) oder eher noch in die Bronze- und Eisenzeit (ca. 2000 v. Chr. bis Christi Geburt). Die „Visitenkarte“ der Räter ist erkennbar: Neben der dominierenden Kreissymbolik zeigen etliche Graffiti, darunter Reiterdarstellungen und Zeichen, die an eine „Schaufel“ erinnern, eine frappante Ähnlichkeit mit den Felszeichnungen der Camuni. Das kann kein Zufall sein. Es muss in der Vorzeit zwischen den Älplern in Carschenna und den Menschen des Camonica-Tales regen Kulturaustausch gegeben haben. Aber wo liegen die Wurzeln? Welche Motive sind die älteren? Im Rätischen Museum in Chur sind Kopien der Carschenna-Muster ausgestellt. Wer sie im Original besichtigen will, muss sich beeilen. Die Verwitterung lässt die ungeschützten Gravuren immer mehr verblassen. Sorgen bereiten zusätzlich neuzeitliche Kritzeleien, die das bedeutende Kulturerbe verunstalten.

Carschenna liegt auf 1.110 Metern Seehöhe nahe dem frühmittelalterlichen Kirchenkastell Hohenrätien über dem Eingang zur Viamala-Schlucht. Die Besichtigung der restaurierten Burganlage kostet einen kleinen Obolus, aber der steile Aufstieg zum aussichtsreichen Felsplateau lohnt sich. Wer die Fundstellen mit den Felszeichnungen lieber direkt ansteuern möchte, erreicht sie von den Ortschaften Thusis oder Sils über einen markierten Wanderweg in etwa einer Stunde. Die Gravuren liegen nahe beisammen, teils im Wald, teils auf einer kleinen Lichtung unterhalb einer Hochspannungsleitung.

Die ungewöhnlichste Zeichnung besteht aus drei konzentrischen Kreisen mit einem Näpfchen als Mittelpunkt. Zwei parallele Linien außerhalb der Ringe weisen zu einer Aushöhlung, die bei meiner Besichtigung mit Wasser gefüllt war. Was mich dabei amüsierte: Aus der „Vogelperspektive“ betrachtet, könnte man die Felsgrafik für den Grundriss des „Raumschiffs Enterprise“ halten. Die Verbindung der konzentrischen Kreise zum Wasserbecken ist bestimmt nicht zufällig gewählt. War Carschenna einst ein heiliger Kraftort, wo dem Lebensspender Wasser gehuldigt wurde?


Burganlage Hohenrätien, nahe den Felsbildern von Carschenna



Die Symbole von Carschenna: Dienten sie astronomischen und topografischen Zwecken?

Was die Zeichen wirklich bedeuten, wird kaum mehr zu klären sein. Archäologen sprechen vieldeutig von einem „Opferplatz für die Erdmutter“, „künstlerischen Ausdruck von Hirten“, „kultischen Platz für Riten“ oder „Darstellungen von Mond- und Sonnenkonstellationen sowie Gestirnen“. Der Geologe Markus Weidmann hat die Carschenna-Symbolik mit der Topografie umliegender Ortschaften verglichen und fand verblüffende Gemeinsamkeiten. „Vielleicht stellen die alten Felszeichnungen eine Art prähistorischen Katasterplan dar“, mutmaßt der Schweizer. Der Gedanke, dass Carschenna einst ein Schauplatz für topografische und astronomische Beobachtungen war, ist nicht so abwegig: Der im Ortsnamen enthaltene Begriff Carschen bedeutet auf Rätoromanisch „aufgehender Mond“!

UNGEKLÄRTE FELSINSCHRIFT

Im nördlichsten Teil der Brandenberger Alpen in Tirol, nahe der Grenze zu Bayern, erhebt sich das Rofan-Gebirge mit dem 1.811 Meter hohen Schneidjoch. In einer Felsspalte haben die Räter ihr ältestes Sprachdenkmal hinterlassen. Es befindet sich auf 1.500 Metern Höhe am Fuße einer senkrecht nach oben steigenden Felstafel, die „Steinberg“ genannt wird. Im Sommer 1957 kletterten die Tiroler Bergwanderer Walter Riedl und Franz Schmid im Achensee-Gebiet. Dabei entdeckten sie die kleine Höhle mit Inschriften. Genauer gesagt war es eine Wiederentdeckung. Die alten Schriftzeichen waren lange in Vergessenheit geraten und wurden vorher nie wissenschaftlich untersucht. Das gelang erst 1958 dem Sprachforscher Emil Vetter mit seiner Studie über „Die vorrömischen Felsinschriften von Steinberg in Nordtirol“.


Im Tiroler Rofan-Gebirge versteckt sich ein rätisches Geheimnis.


Quellgrotte nahe dem Schneidjoch


Etruskisch-rätische Inschriften

Die bis zu zwei Meter langen Schriftbänder sind in acht Zeilen festgelegt und bestehen aus über hundert Buchstaben, die jeweils etwa zehn bis 15 Zentimeter groß sind. Die meisten Texte werden dem nordetruskisch-rätischen Alphabet der La-Tène-Zeit (der zweite Abschnitt der europäischen Eisenzeit) zugeordnet. Starke Verwitterung, gewaltsame Beschädigungen und spätere Überschreibungen erschweren die Lesbarkeit. Sie erfolgt aus heutiger Sicht seitenverkehrt, nämlich von rechts nach links beziehungsweise von oben nach unten.

Der Arzt und Wissenschaftler Dr. Hans-Walter Roth aus Ulm in Baden-Württemberg brachte es ans Licht: Die Räter haben am Schneidjoch deutlich sichtbare Texte hinterlassen, aber es sind nicht die einzigen. Bei der Untersuchung der Felswand mit modernster digitaler Fototechnik, Laservermessung und Kontrastverstärkung konnte der Forscher etwa 200 weitere Gravuren nachweisen. Für Roth steht fest, dass das rätische Felsennest bereits in der Bronzezeit, wahrscheinlich sogar noch früher, ein bedeutsamer Rastplatz gewesen ist. Erst später hinterließen Etrusker, Räter, Römer, Kelten, Goten und Wanderer aus dem Mittelalter sowie der jüngeren Geschichte Spuren ihrer Anwesenheit.

Was lockte Menschen der Vorzeit den steilen Pfad hinauf zur Halbhöhle, die wie ein Dreieck in den Berg eingeschnitten ist? Archäologen vermuten ein altes Quellheiligtum, denn aus dem Felsspalt sprudelt Wasser. Vor der Kultstätte könnte sich ein Versammlungsplatz für Zeremonien befunden haben. Von einem Plateau davor ist heute nichts mehr zu bemerken. Es soll durch einen Felssturz vor mehr als drei Jahrhunderten zerstört worden sein. Könnten sich unter den meterdicken Steinplatten noch weitere noch unentdeckte Schriftgravuren befinden?

Die im Spalt geschützten textlichen Zeugnisse haben sich hinübergerettet in die Gegenwart. Man kann sie großteils entziffern, aber ganz schlau wird man daraus trotzdem nicht. Seit ihrer Entdeckung geben sie der Wissenschaft Rätsel auf. Die meisten Historiker deuten den Inhalt als Dank- und Weiheformel an den Gott Kastri für geschöpftes Wasser. Dieser himmlische Gebieter soll eine Schutzgottheit für Reisende gewesen sein, die dem etruskischen Kustur beziehungsweise dem griechischen Kastor entsprach. Der Forscher Eduard Gugenberger erkennt „eine dem etruskischen Apulu und griechischen Apoll verwandte Sonnengottheit“.

Eine umstrittene Übersetzung der rätischen Inschriften erläutert, dass mehrere Personen dem göttlichen Kastri geopfert haben. Da bis auf eine Ausnahme alles Frauennamen zu sein schienen, wurde spekuliert, ob das Schneidjoch im Altertum ein heimlicher Treffpunkt für Priesterinnen gewesen sein könnte. Die Deutung als Lobpreisung für Gott Kastor hält der an der Universität Wien tätige Linguist Dr. Stefan Schumacher indes für einen „Irrweg“. In seiner 2004 veröffentlichten Studie wird deutlich, dass die Namen als „Patronymika, also Vatersnamen“, entziffert werden können. Demnach sollen ein Mann namens „Kastrie Etuni“ und später seine Söhne rituelle Handlungen vorgenommen haben. „Welcher Art diese waren, wissen wir nicht“, räumt Dr. Schumacher ein, „die Inschrift nennt nur Namen, wie oder was sie welchen Göttern geopfert haben, wurde nicht aufgeschrieben.“ Um dem Räter-Heiligtum moderne Ergänzungskritzeleien zu ersparen, wurde es zum europäischen Kulturdenkmal erklärt und ist mit einem Gitter abgesperrt. Welchem Zweck diente also die Felsnische? War es ein Quellheiligtum, ein Opferplatz, eine spirituelle Stätte der Inspiration, ein Kultplatz der Fruchtbarkeit, ein astronomischer Beobachtungsposten oder ein Symbol für den Sitz der Götter? Wie die Götter- und Geisterwelt der Räter wirklich aussah, lässt sich nicht mehr feststellen. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen der rätischen Mythen. Bei einigen kurzen Texten fehlen selbst dem Sprachwissenschaftler die Worte: „Sie lassen sich zwar gut erkennen, es werden dabei aber Schriftzeichen verwendet, die man von keinem anderen Fund her kennt.“ Seltsam. Könnte die Vergleichsanalyse mit camunisch-rätischen Schriften und Felsgrafiken aus Val Camonica hilfreich sein?


Keltisches Schriftband: Weiheopfer, Götterhuldigung oder astronomisches Wissen?


Markanter Blickpunkt auf dem Weg zum Runenheiligtum: der 2.194 m hohe Guffert

AUFSTIEG ZUM SCHNEIDJOCH

Ostern 2014 in Tirol: Die Christenwelt feiert die Auferstehung ihres Erlösers, Osterfeuer bringen Segen, die Dorfkirchen sind mit Heiligen Gräbern geschmückt, bunte Lichtkugeln erhellen die Altarräume stimmungsvoll und überall duftet das Ostergebäck. Die Eiersuche entfällt. Mit Freundin Elvira entschließe ich mich, einen lang gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen: die Inspektion der rätischen Inschriften am Schneidjoch. Obwohl ich immer wieder gerne und oft im Tiroler Land verweile, viele Merkwürdigkeiten und Erscheinungsorte in meinen Büchern dokumentiert habe, gelang es mir in all den Jahren nie, eine Wanderung zum Schneidjoch zu realisieren. Diesmal sollte es endlich gelingen.

Wir reisen am Karsamstag von Innsbruck mit der Bahn nach Jenbach im Bezirk Schwaz. Von hier geht es per Bus hoch hinauf zum Achensee, der anmutig zwischen den schroffen Bergen des Rofans und dem markanten Karwendel liegt. Unser Quartier befindet sich auf über 900 Metern Seehöhe am hintersten Zipfel der Ortschaft Achenkirch. Die Sonne lacht. „Vor wenigen Tagen war die Landschaft noch mit Eis und Schnee bedeckt“, versichert die Vermieterin unserer Ferienwohnung. Wir erhalten Leihfahrräder und nützen einen spontanen Termin mit Gerald Siebenhofer. Der Revierleiter der Bundesforste kennt jeden Stein der Region. Er vertraut uns ausnahmsweise sogar den Schlüssel zum „Sesam, öffne dich!“ an, bezweifelt aber, dass wir die Felskerbe tatsächlich finden werden. Die Wandersaison beginnt erst im Mai, am Schneidjoch liegt noch meterhoch der Schnee und die Wetterbedingungen können in den Bergen schnell umschlagen. Wir sehen uns als Glücksritter, die das Abenteuer trotz berechtigter Skepsis wagen wollen. Ostersonntag: Die Glocken läuten. Unsere Rucksäcke sind gepackt, Proviant und Regenschutz haben wir dabei. Wir rechnen mit einem vierstündigen Aufstieg. In aller Herrgottsfrühe strampeln wir mit unseren Mountainbikes los Richtung Steinberg am Rofan. Nach wenigen Kilometern sind wir beim Parkplatz Köglboden angelangt. Hier folgen wir einem Forstweg, der entlang des Ampelsbaches als Geologie-Lehrpfad fünf Kilometer durch die wildromantische Schlucht führt. Als wir auf 1.200 Metern Höhe die Schneegrenze erreichen, geht es nur mehr zu Fuß weiter. Wir marschieren bis zu einer Weggabelung. Ein Schild weist zur „Gufferthütte“ (auf 1.465 Metern Höhe), die um diese Jahreszeit noch keine Gäste empfängt.


„Sesam-öffne-dich!“ dank Unterstützung der Österreichischen Bundesforste

Weit und breit keine Menschenseele. Wir halten uns am Pfad rechter Hand mit dem Hinweisschild „Steinberg“ und „Inschriften“. Vom Wanderweg ist nichts zu erkennen, alles ist schneebedeckt. Einen knappen Kilometer gilt es noch zu bewältigen. Teils im Schnee versinkend erreichen wir mühsam eine Weidefläche, Luderalm genannt, die in einem lang gezogenen Bogen zu einer markanten Felswand führt – dem Steinberg. Die letzten hundert Meter müssen wir eine Wasserfassung überwinden und im Zickzackkurs klettern. Trotz Frostwetter kommen wir Sonntagsforscher ordentlich ins Schwitzen. Dann erblicken wir erleichtert die Felsspalte hinter der Gitterabsperrung. Die Schriftzeugnisse sind bereits von außen gut erkennbar, aber nur dank des Türöffners war es uns möglich, selbst Gravuren im finsteren Winkel in Augenschein zu nehmen. Osterwunder sei Dank!

SIEBENGESTIRN, STIER UND EIN „STRAHLENPFERD“

Die Schriftzeichen in der kleinen Halbhöhle sind beeindruckend. Daneben erkennen wir Symbole, die uns bereits bekannt sind: sieben punktförmige, im Kreis angeordnete Markierungen. Die gleiche Darstellung findet sich auf der rund 4.000 Jahre alten Himmelscheibe von Nebra! Sie wurde 1999 in einer Steinkammer in Sachsen-Anhalt gefunden. Seit 2002 gehört sie zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Die Bronzeplatte gilt als eine der ältesten konkreten Himmelsdarstellungen. Eine darauf abgebildete Gruppe von sieben kleinen Plättchen wurde als Sternhaufen der Plejaden identifiziert, die zum Sternbild Stier gehören.

Wissen oder Kult? Die Frage stellt sich ebenso bei den berühmten Felsmalereien in der Höhle von Lascaux im französischen Département Dordogne. Vor 17.000 Jahren wurde das Höhlensystem mit Hunderten Tierdarstellungen in leuchtenden Farben ausgestaltet. Das gewaltigste Deckengemälde zeigt einen 5,5 Meter großen Auerochsen. Oberhalb seines Nackens befinden sich auf der Wand sechs Punkte, denen von Archäologen wenig Beachtung geschenkt worden war. Für den deutschen Astronomen Michael Rappenglück sind diese Flecken keine Verzierungen, sondern der Schlüssel zu einer astronomischen Interpretation der Malerei. Seiner Ansicht nach repräsentieren die Markierungen auch in diesem Fall die Plejaden. Das „Siebengestirn“ hätte hier nur sechs Sterne. Allerdings: In manchen Kulturen und historischen Darstellungen werden nur sechs Sterne zu den Plejaden gerechnet. Der Grund dafür ist der Stern Pleione. Er verändert seine Helligkeit in unregelmäßigen Abständen. In der Lascaux-Höhle ist der Stierkopf zusätzlich mit dunklen Punkten gesprenkelt, wobei ein größerer Punkt das Auge darstellt. Das kann kein Zufall sein, meint Rappenglück, denn auf alten Sternenkarten liegen die in einer klaren Winternacht für jeden Himmelsgucker gut sichtbaren Plejaden auf dem „Schulterblatt“ des Sternbildes Stier. Der Wissenschaftler entdeckte nach genauer Vermessung weitere astronomische Bezugspunkte, die verblüffend mit dem sogenannten „Sommerdreieck“ übereinstimmen. Es wird durch die Sterne Deneb, Vega und Altair gebildet. „Eine Karte des prähistorischen Kosmos“, glaubt Rappenglück. „Möglicherweise dienten die Bilder weniger magischen als ganz prosaischen Zwecken.“


Das Sternbild der Plejaden erinnert auffällig an eine Gravur im Tiroler Quellheiligtum.


Beispiele für frühe astronomische Kenntnisse: Konstellation der Plejaden, eingearbeitet in die bronzene Himmelsscheibe von Nebra und als Wandmalerei in der Höhle von Lascaux

Und am Schneidjoch? Liefern die Gravuren ebenfalls reale Anhaltspunkte dafür, dass der hohe Felsenpunkt als vorgeschichtliches Observatorium diente? Könnten die Gravuren und Inschriften als himmlische Wanderkarte enthüllt werden? Noch ein vertrautes Zeichen springt ins Auge: ein Halbbogen und darüber kurze parallele Striche, die wie ein „Strahlenkranz“ angeordnet sind. Ein göttliches Zeichen? Das Symbol ist weltweit bekannt. Eine fast identische Zeichnung findet sich als Geoglyphe auf einem Berghang in der Wüste von Nazca in Peru. Der „kleine“ Unterschied: Dort ist das „Strahlenmännchen“ zweihundertfach größer im Stein verewigt worden. Die Grafik am Schneidjoch misst gerade einmal zehn Zentimeter.

Daneben sind noch andere Punkte und Kerben eingraviert, teils überschrieben mit modernen Initialen und Jahreszahlen. Ob sie mit der „Strahlen“-Ritzung ein zusammengehöriges Motiv bilden sollten, ist nicht mehr klar erkennbar. Viele Archäologen deuten die Zeichnung als „Pferd mit Reiter“. Franz Mandl, Gründer des alpinen Forschungsvereins ANISA, zweifelt an dieser Auslegung. 2010 notierte er: „Beinahe alle Linien und Kerben sind in den letzten Jahren im Rahmen von unsachgemäßen Dokumentations- bzw. Forschungsarbeiten mehrfach mit Bürsten und scharfen Gegenständen gereinigt und mit Silikon und anderen Materialien abgezogen worden, was dem Original geschadet bzw. dieses zerstört hat.“ Nach der Einschätzung des Felskunstexperten fehlen der „Reiter-Darstellung“ wichtige Teile: „Weder der Reiter noch das Pferd sind klar zu erkennen.“ Franz Mandl erweitert den Interpretationsreigen und fragt: „Könnte der Bogen mit dem Strahlenkranz nicht ebenso ein Auge, ein Sexualsymbol oder die Sonne symbolisieren?“


Das „Strahlenpferd“ vom Schneidjoch


Detail der Rätselschrift aus der Felsspalte am Rofaner Steinberg

Wäre auch die Hypothese „Himmelsgott“ zulässig? Elvira und ich haben mehr gesehen, als wir uns erträumten. Wir sind fasziniert vom Vermächtnis der Räter und ihrer Vorfahren. Inzwischen ziehen am Horizont dunkle Wolken auf und uns wird schlagartig bewusst, dass wir noch einen langen Abstieg vor uns haben. Wir erreichen im strömenden Regen unsere Fahrräder und radeln geschwind zurück nach Achenkirch. Wir sind tropfnass, erschöpft, aber glücklich wieder in unserer Herberge angelangt. Diese Ostern werden uns unvergessen bleiben!

Mein Tipp für Nachahmer: Die Wanderschuhe und Mountainbikes erst mit Saisonbeginn im Lenz auspacken! Wem der Tagesausflug zum Schneidjoch zu beschwerlich ist, kann im Kellergeschoß des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum einen Gipsabdruck der rätischen Inschriften besichtigen. Ein Ersatz für Erlebtes und Gesehenes in der Natur ist damit freilich nicht gegeben. Da liegen im wahrsten Sinne des Wortes Welten dazwischen …


Merkwürdige Musterbilder
VOM HIMMELREICH ZUR MAGISCHEN SCHAUFEL

Einmal Himmelreich und zurück? Nichts leichter als das. Ein Ausflug nach Innsbruck genügt. Wer es romantisch liebt, leiht sich in der Tiroler Landesmetropole einen Drahtesel und strampelt etwa dreizehn Kilometer entlang des Innradweges Richtung Schwaz. Zwischen den Ortschaften Volders und Wattens stößt man rechter Hand auf einen bewaldeten, 643 Meter hohen Hügel. Er trägt den herrlichen Namen „Himmelreich“. Steil himmelwärts geht es in der Tat. Knapp eine halbe Stunde dauert die Wanderung zur Kuppe, auf der 1920 Siedlungsspuren der rätisch-keltischen Fritzens-Sanzeno-Kultur entdeckt wurden. Felsritzungen, die mit Val Camonicas Bilderwelt in Einklang zu bringen wären, gibt es nicht. Dafür geben die gut erhaltenen Fundamente aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert Anlass zum Staunen: die Reste von acht Bauwerken, eine Zisterne von mehr als zehn Meter Tiefe (in der Scherben und ein komplettes Pferdeskelett gefunden wurden) und ein Ringwall von 170 Meter Umfang.


Der Autor an der Pforte zum „Himmelreich“ in Tirol

Am Fundort wirken moderne Rohrgerüste, die über den Grundmauern aufgestellt wurden, etwas irritierend. Sie sollen eine räumliche Vorstellung der Häuser wiedergeben. Wie aber der Oberbau und die Dächer tatsächlich ausgesehen haben, bleibt der Fantasie überlassen. Das Charakteristische bei einer Räter-Heimstätte, „casa retica“ genannt, ist die rechteckige Unterkellerung. Von diesem Grundriss zweigt ein gewinkelter Korridor ab oder führt über eine Ecke als Treppe an die Oberfläche. Der Knick im schmalen Zugang ist kein willkürliches Bauelement, sondern wurde gezielt angelegt. Archäologen vermuten in dieser speziellen Konstruktion einen „Windschutz“.




Die Fundamente rätischer Häuser gleichen einem häufig vorkommenden Felsbildmotiv, der „magischen Schaufel“. Gravurenvergleich in Naquane und Carschenna: Zufall oder begründete Gemeinsamkeit?

Die Grundrisse rätischer Domizile erinnern an eine Schaufel mit Griff. Bei deren Anblick kam mir eine Assoziation: Dieses geometrische Symbol ist als Felszeichnung im Val Camonica und in Carschenna zahlreich abgebildet! Da diese Regionen im Einflussbereich der Räter standen, lassen sich daraus vielleicht Gemeinsamkeiten ableiten. Felsbildforscher bezeichnen das Rechteck mit Stiel als „Schaufel“, „Spaten“, „Spiegel“, „Palette“ oder „Paddel“. Es ist ungeklärt, ob damit ein realer Gegenstand gemeint war oder ein Symbol für Magie und Zauberkraft. Einer These zufolge war es ein Bronzeobjekt für den „Totenkult“. Abbildungen mit dem Zeichen wären demnach ein „Symbol des Todes“. Dazu passt eine archäologische Überraschung in der Tiroler Ortschaft Fließ aus dem Jahre 2012: In der untersten Schicht des Fußbodens einer eisenzeitlichen „casa retica“ war eine runde Grube ausgehoben, in der die Überreste eines Mannes begraben lagen. Er war im Haus in seitlicher Hockerstellung bestattet worden. Es ist die erste Grablegung dieser Art, in einem Gebäude, das offenbar zeitgleich bewohnt war. Liegen in den Kellern rätischer Stammsitze also noch andere Leichen versteckt? Waren es gar keine Wohngebäude im eigentlichen Sinn, sondern Tempel der Ahnen?

Doch zurück ins „Himmelreich“: Noch eine Entdeckung gibt Rätsel auf: Es wurden Gegenstände geborgen, die gemeinsam mit dem reichen Fundmaterial des Urnengrabfeldes Volders (aus der Zeit von 1200 – 800 v. Chr.) im Museum Wattens ausgestellt sind. Der interessanteste Räter-Fund ist allerdings nicht darunter. Er liegt gesondert in einer Vitrine des „Ferdinandeums“ in Innsbruck: eine keltische Goldmünze, 19 Millimeter lang und 15 Millimeter breit, auf der ein sichelförmiges Objekt mit darüber befindlichen sechs Punkten dargestellt ist. Altertumsforscher gaben dem Relikt den Namen „Regenbogenschüsselchen“. Es soll einen abgebildeten Halsschmuck zeigen, einen sogenannten „Torques“. Mich erinnert das Abbild allerdings eher an ein Himmelsschiff mit Sternkonstellation. Vielleicht erneut ein Abbild der Plejaden? Vergleichbare Motive lassen sich auch auf Felsbuckeln im Val Camonica aufstöbern. Die astronomische Deutung würde dem Fundplatz „Himmelreich“ alle Ehre erweisen.


Goldenes Kleinod vom „Himmelreich“, ausgestellt im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

URZEITSCHUHE FÜR „HÖHERE WESEN“

Berühmte Persönlichkeiten hinterlassen der Nachwelt gerne ihre „Autogramme“ in Form von Hand- oder Schuhabdrücken in Zement – besonders eifrig am Hollywood Boulevard in Los Angeles. Der moderne „Starkult“ ist eigentlich steinalt. Beim Streifzug durchs Val Camonica kann man auf prähistorische Handabdrücke im Stein stoßen, etwa am Fundplatz Crape in der Ortschaft Darfo Boario Terme. Sie werden als symbolische Darstellungen für Besitz, Eigentum und Unterschrift des Künstlers gedeutet. Das soll, sagen Archäologen, sich nicht nur auf Menschen beziehen, sondern ebenso auf „übernatürliche Wesen“. Ähnlich verhält es sich mit Konturen von Fußabdrücken, oder besser gesagt Schuhsohlen, denn Zehen sind nicht erkennbar. Diese Fußumrisse sind im ganzen Alpenraum verbreitet, aber vor allem im Val Camonica häufig anzutreffen. Archäologen interpretieren sie als „Sinnbild für die Präsenz, die Anwesenheit eines Menschen oder höherer Wesen“. Der Schweizer Felskunstforscher Ernesto Oeschger formuliert es so: „Es könnten Bitten an eine Gottheit gewesen sein. – ‚Komm herunter, hierher, wir benötigen Dein Wohlwollen.‘“


Felsbilder als Fußformen und Umrisse von Schuhen sind zahlreich im Alpenraumverbreitet. Waren es „Autogramme“ überirdischerWesen?

Die markanten Zeugnisse sind als flache Profile alleine oder gepaart dargestellt. Manche Grafiken sind beschriftet und weisen im Inneren menschliche Gestalten auf. Andere präsentieren deutliche „Absätze“ und „Bänder“, die nahelegen, dass die Talbewohner Schuhe getragen haben. So ungewöhnlich wäre das nicht. Seit im Jahr 1991 in den Ötztaler Alpen das Gletschereis eine Mumie freilegte, die „Ötzi“ getauft wurde, müssen Wissenschaftler verwundert eingestehen: Die Steinzeit war doch nicht so „roh“ und „primitiv“, wie bis dahin gerne behauptet. Ötzis Schuhe, nachweislich 5.300 Jahre alt, sind so optimal konstruiert, dass sie lange Märsche im Hochgebirge problemlos überstehen konnten. Sie wirken erstaunlich modern, haben im Innenteil ein Grasnetz, in das Heu als Kälteschutz hineingestopft wurde. Die Außenschuhe bestehen aus robustem Hirschleder mit Schuhbändern sowie Sohlen mit Profil. Ötzi und seine ausgeklügelte Bergausrüstung sind im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt.

Noch 200 Jahre älter als Ötzis Fußbekleidung ist ein gut erhaltener Lederschuh mit Schnürsenkeln, den Forscher 2010 in Armenien entdeckt haben. Den Altersrekord halten aber Sandalen aus Pflanzenmaterial, gefunden in einer Höhle im US-Bundesstaat Missouri. Sie sind nachweislich 8.000 Jahre alt! Die camunischen Schuhsohlen sind wesentlich jünger und stammen wahrscheinlich aus den Anfängen des ersten vorchristlichen Jahrtausends. Das ändert freilich nichts daran, dass die abgebildeten Fußformen zu den wunderlichsten Gravuren im Val Camonica gehören.

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Ograniczenie wiekowe:
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Data wydania na Litres:
22 grudnia 2023
Objętość:
329 str. 233 ilustracji
ISBN:
9783990404102
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