Czytaj książkę: «Kraftworte. Psalmen neu formuliert.»


Einstimmung
So hat Jasmin Sternkicker – Physio- und Körpertherapeutin, konfessionslos und gottoffen – zusammengefasst, was sie beim Lesen dieser „starken Stücke“ empfand. Sie hat damit wunderbar beschrieben, welche Kraft in den Psalmen liegt.
Es wird auf liebevolle Art bedeutungsloser: Was uns manchmal so sehr bedrängt, was uns gefangen nimmt und unseren Alltag bestimmt.
Es wird bedeutungsloser, weil es einen Platz hat, nicht verdrängt werden muss, aber auch nicht alles bestimmen darf. Es wird bedeutungsloser, weil es eingebettet wird. Ins Gespräch mit Gott als Quelle des Lebens.
So gewinnt das Andere Raum: Staunen. Offene Sinne für das Schöne und Gute. Dankbarkeit für das, was geschenkt wird und was wir uns nicht selbst geben können. Das, was uns guttut und uns zufließt aus der göttlichen Quelle.
Manche Worte gehen unmittelbar zu Herzen. Andere regen die Hirnzellen an. Oder bleiben zunächst fremd. Es sind Texte zum Schmökern, Mehrfach-Lesen, Weiterblättern, Locken-Lassen.
Wer etwas für bestimmte Lebenslagen, Tagesformen und Stimmungen sucht, findet am Ende ein Stichwortregister.
Es gibt so viel, was geschenkt wird.
Erfurt, Oktober 2020
Reiner Knieling
Kraftworte –
Ein Blick in die Werkstatt
Als Student habe ich mir Psalmen zu eigen gemacht. „To learn by heart“ heißt es im Englischen und das trifft es besser als „auswendig lernen“.
Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass es keine Einmalworte sind, dass Bibelworte sich öfter zu Wort melden und in verschiedenen Situationen Verschiedenes sagen. Da ist es gut, ein paar davon in sich zu tragen, dachte ich. Und ein Lehrer ermutigte uns mit einem Schmunzeln: „Woran soll Sie Gottes Geist erinnern, wenn Sie nichts im Kopf haben?“
So habe ich biblische Texte auswendig gelernt, auch Psalmen, nach der Lutherübersetzung. „Der HERR ist mein Hirte“ war mir schon aus Jugendzeiten vertraut. Jetzt kamen andere hinzu.
Die Worte haben sich festgesetzt. Haben ihre Kraft entfaltet. Haben mich ermutigt und getröstet, irritiert und neugierig gemacht.
Psalmen lernen, Worte kauen hat etwas Sinnliches. Spüren, was sonst unbewusst bleibt. Schmecken, was in der Seele ist. Einen Vorgeschmack auf das bekommen, was auch möglich ist und was noch werden könnte. Sich nicht zufriedengeben mit dem, was ist.
„Gott, du bist mein Gott. … Meine Seele dürstet nach dir … aus trockenem, dürrem Land“ (Psalm 63). Das ist immer wieder „mein Wort“ gewesen. Meine Seele hat sich so trocken angefühlt wie meine Kehle nach einer langen und heißen Bergwanderung. Ich habe mich nach Gott gesehnt. Ich wollte ihn spüren wie das kühle Pils in der ausgetrockneten Kehle. Der Psalm hat diese Sehnsucht lebendig gehalten. Er hat in Worte gefasst, was in mir war, und meiner Sehnsucht eine Richtung gegeben. Zu Gott hin.
Und die Worte haben mir geholfen, an Gott dranzubleiben, bis er sich wieder gezeigt hat. Bis er meinen inneren Durst gestillt hat.
Durch Menschen, die mich in den Arm nahmen. Durch überraschendes Glück im richtigen Moment. Durch eine neue Portion Gelassenheit im Umgang mit dem, was nicht gelöst war. Durch das Gefühl, wieder verbunden zu sein: mit Gott, mit meinem Ursprung, mit dem Leben, mit dem göttlichen Gegenüber, das zu mir steht.
„Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen“ (Psalm 103) ist auch so ein Satz, der mich lange begleitet. Und immer wieder andere Facetten entfaltet. Im Studium habe ich gelernt, dass „Seele“ auch mit „Kehle“ übersetzt werden kann. Dass nach hebräischem Denken die Seele dort ihren Ort hat, wo spürbar wird, wie bedürftig wir sind. Hunger und Durst werden durch die Kehle gestillt. Und der Atem fließt. Einatmen. Ausatmen. „Lobe den HERRN, meine Kehle.“ Viele Lieder wurden dadurch inspiriert. Einstimmen und mitsingen, das tut gut.
Diese Worte, in denen so viele Erfahrungen aus vielen Generationen verdichtet sind, haben ihre Kraft auch in meinem Leben entfaltet. Und umgekehrt: Mein Leben hat sich in ihnen entfaltet. Sie waren schon immer Kraftworte. Sie sind es auch für mich geworden. Manches „Werkstück“ in meinem Leben – der eine hilfreiche Satz in einem Gespräch, eine mutige Entscheidung, manches Buch etc. – wäre ohne sie nicht geworden.
Einiges von dem, was ich damals auswendig gelernt habe, hat sich verflüchtigt. Wurde nicht verwoben mit meinem Erleben. Hat keine Resonanz erzeugt und sich nicht mit Erfahrungen verbunden.
Anderes ist geblieben. Hat sich verankert und ist über die Luther-Übersetzung hinausgewachsen. Hat sich vermischt mit eigenen Worten; mit dem, wie ich es gerade erlebt habe. Irgendwann habe ich angefangen, die Psalmen so aufzuschreiben, wie sie gerade in mir waren. Teils Luther, teils eigene Formulierungen. Daraus sind mehr und mehr eigene Übertragungen und Neuformulierungen geworden und schließlich dieser Psalmenband.
Ich habe die Stücke so ausgewählt, dass sie die Vielfalt der Psalmen spiegeln. Fast alles, was grundlegend ist im Leben, ist ja zu finden in diesen uralten Gebeten. Und doch ist das 21. Jahrhundert etwas anderes als ihre Entstehungszeit vor 2.500 oder 3.000 Jahren. Unsere Zeit und ihre Lebensgefühle haben ihr eigenes Gepräge.
Sie unterscheiden sich auch von Luthers Aufbruch zwischen Mittelalter und Neuzeit.
So kraftvoll seine Sprache auch ist, wir haben unsere heutige Art zu reden und zu schreiben und brauchen Worte aus dem gegenwärtigen Erleben heraus: damit das Fremde vertraut werden kann; damit Annäherung möglich ist; damit Gottes Geheimnis Platz hat im eigenen Erleben. Und nicht plattgemacht wird von den tausend anderen Sachen, die sich so sehr in den Vordergrund drängen.
Manche „Stücke“ sind näher am biblischen Text, manche weiter davon entfernt. So ist das, wenn sich kraftvolle biblische Worte und eigenes Erleben verweben und am Ende nicht mehr ganz klar ist, welcher Faden woraus gesponnen ist und was genau er zum Gesamtbild beiträgt. Text ist Textur ist Gewebe. Aus lebendigen Worten. Gespeist aus dem eigenen Herzen, aus göttlicher Quelle, aus biblischen Vorlagen. Verwoben zu dem, was geworden ist.
Als „Bonus-Material“ sind ein paar Neuschöpfungen entstanden. „Neue Psalmen“ aus dem, was uns gerade bewegt, bedrängt und umtreibt. Nicht mit dem Anspruch, die Qualität biblischer Psalmen zu erreichen. Vielmehr mit dem Anliegen, gegenwärtiges Erleben zum Gebet werden zu lassen. Im Geist der alten und kraftvollen Gebete.
Ich habe die Psalmen gerahmt. Fünf Texte davor und fünf danach. Weil die Psalmen nicht im luftleeren Raum stehen, sondern Resonanzen sind darauf, dass Gott sich zeigt, von sich hören lässt, dann wieder unauffindbar erscheint. So habe ich Ur-Texte aus den ersten Büchern der Bibel gewählt. Schlüsseltexte vom Anfang. Es geht um Berufung, Sehnsucht und Segen. Das passt zur jüdischen Tradition, in der die Psalmen als Antwort auf Gottes Handeln verstanden werden, wie es die Tora bezeugt.
Auf die Psalmensammlung folgen Stücke aus dem Propheten Jesaja, der durch die Psalmensprache geprägt ist. Dort werden gesellschaftliche und politische Konsequenzen gezogen, die aus der Gebetshaltung der Psalmen erwachsen. Um Gottes heilsame Gegenwart geht es, um Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit. Es sind Worte, die Zuversicht stärken und ihre eigene Kraft entfalten.

Drei Anregungen
(1) Räume erkunden
Die Psalmen laden ein, Räume zu erkunden. Innere Räume. So, wie wir äußere Räume erkunden: Orte, Landschaften, Regionen. Sie laden uns ein, „umherzuspazieren“ und uns überraschen zu lassen. Die eigenen Resonanzen wahrzunehmen.
Sie sind eine Einladung, beides miteinander zu verbinden: die eigenen Erfahrungen und diese uralten, höchst aktuellen Kraftworte. Und zu schauen, wie beides längst ineinander verwoben ist. Sie sind eine Einladung, eigene Entdeckungen zu machen: Wozu locken mich diese Kraftworte? Womit beschenken sie mich? Wozu fordern sie mich heraus? Wie ermutigen und entlasten sie mich?
(2) Worte mitnehmen
Psalmworte sind Worte zum Mehrfachgebrauch. Worte zum Mitnehmen in verschiedene Situationen. Leben Sie mit einzelnen Worten, wenn Sie mögen. Vielleicht mit einem Satz eine Woche. Oder einen ganzen Monat. …

Achten Sie auf die Unterschiede und die verschiedenen Facetten in unterschiedlichen Situationen. Wie ist es jetzt? Und jetzt? Und jetzt? Was höre ich heute neu? Achten Sie auch auf die Zwischentöne. Und auf das, was sich erst nach einiger Zeit einstellt: die leisen Töne; das, was leicht zu überhören ist; was sich nicht in den Vordergrund drängt.
Notieren Sie Ihre Erfahrungen. Vielleicht in einem Tagebuch. Und wenn Sie mögen: Suchen Sie sich Menschen, mit denen Sie teilen, was Sie entdecken. Es ist ein echter Mehrwert, die Entdeckungen im Gespräch mit anderen zu verkosten und zu vertiefen.
(3) Eigene Sätze entstehen lassen
Lassen Sie Ihre eigenen Worte entstehen. Anregungen dazu finden Sie in diesem Buch: die Einladung, die eigene Sehnsucht zu formulieren oder zu notieren, „was Sie Gott schon immer mal sagen wollten“. Niederzuschreiben, was Sie von Gott halten, wenn Sie ganz ehrlich sind – oder sich einen Moment für die Frage „Wer bin ich?“ zu nehmen. Daraus können auch eigene Gebetssätze oder Ihr persönlicher Psalm werden.
Schreiben Sie, wie es kommt. Es muss nicht schön sein. Es muss nicht gut klingen. Ehrlich sein reicht: das eigene Herz ausschütten; was zum Vorschein kommt, Gott hinhalten und ihm überlassen; nicht lockerlassen, seine Gegenwart suchen, empfangen, was das Leben nährt.
Nehmen Sie sich Zeit. Lassen Sie sich beschenken.

SEGEN UND SEHNSUCHT

Suchbewegungen synchronisieren sich
Der Gegenwärtige mischte sich
in seine inneren Stimmen
Und er hörte den Ruf des Einen:
Mach dich auf
Dein Weg ist mein Weg
Lass hinter dir
was dir Heimat gibt
Die Landschaft
deine Familie und Freunde und Nachbarn
Lass hinter dir
was dir vertraut ist
Was dich wärmt
und was deinen Blick begrenzt
Mach dich auf
in neues Land
In einen Raum
der deinen Blick weitet
In eine Heimat
die genügend Platz hat für das, was in dir liegt
Und was sich entfalten will
Du wirst fruchtbar sein
Viele werden aus dir hervorgehen
Neue Gottesmenschen überall auf der Welt
Verbundenheit wächst
Suchbewegungen synchronisieren sich
Ich werde dich segnen
Als Kraft in deinem Herzen
Als Mut in deinen Entscheidungen
Als Orientierung auf deinem Weg
Ich werde dich segnen
Durch die Verbundenheit mit denen
die mit dir unterwegs sind
und die dir entgegenkommen
Segen wird hin- und herfließen
Gemeinsam werdet ihr Gott verehren
So wirst du geehrt werden
Als der, der du bist
Respekt und Anerkennung
werden dir zufließen und dich stärken
Wer dich segnet
zu dem fließt Segen zurück
Wer dir feindselig entgegen tritt und dich verflucht
wird ernten, was er sät
Die Segenskraft aber ist größer
Alle Menschen und Gruppen
und Völker auf Erden
werden durch dich gesegnet werden
Genesis 12,1-3

Gott in der Wüste treffen
M. – wie Mose oder wie Mensch – ist mit den Schafen unterwegs. Das Blöken der Tiere und die Stille der Wüste füllen die Tage. Sonst ist da nichts. Von einem kargen Ort zum nächsten ziehen sie. Schließlich kommen sie zum Gottesberg.
Da, auf einmal: Feuer. An einem Busch, der nicht brennt. M. ist gebannt. Mit aller Aufmerksamkeit in diesem Moment: Was hat es nur mit diesem Feuer auf sich?
Plötzlich hört er seinen Namen:
„Mensch. Mose!“
„Hier bin ich“, antwortet er.
Wieder die Stimme:
„Bleib, wo du bist. Zieh deine Schuhe aus.
Die Erde, die dich trägt, ist heilig.“
M. verhüllt sich. Irgendwie ist das unheimlich.
Noch einmal die Stimme:
„Ich höre die Schreie der Unterdrückten.
Ich sehe ihre Qualen. Ich spüre ihr Leiden.
Ich bin mittendrin und werde die Qualen beenden,
die Quäler in Schranken weisen.
Gefangene werden ihre Ketten abwerfen und
hinausgehen in ein freies Land. Ein fruchtbares Land.
Und du, Mose-Mensch, wirst hingehen
zu den Mächtigen und sagen:
‚Lass uns gehen. Lass mein Volk gehen.‘
Du meinst, du könntest das nicht.
Du könntest deine Stimme nicht erheben.
Lass deine Einwände stecken.
‚Ich bin da‘ ist mein Name.
Das ist Autorität genug. Und Energie.
Ich bin da. In jedem Moment.
In jeder Regung in dir.
Als Kraft für das nächste Wort.
Und den nächsten Schritt.“
Aus Exodus 3

Göttlicher Segen
Wir kommen an Orte
an denen Gott präsent ist
Wir gehen auf Wegen
auf denen Gott uns begleitet
Wir begegnen Menschen
in denen Gott wohnt
So segne dich der Gegenwärtige
dort, wo du hinkommst
So schütze dich der Kraftvolle
der in dir lebt und mir dir geht
So stärke dich der Gütige
durch Menschen auf deinem Weg
Es segne dich die dreieinige Gotteskraft
Vater, Sohn und Heiliger Geist
Numeri 6,24-26
Öffnet eure Herzen und Seelen zu Gott hin
Öffne deine Ohren
Du.
Und du.
Und du
Ihr.
Und ihr
Egal, wo ihr herkommt
Ganz gleich, welche Hautfarbe ihr habt
Öffnet eure Ohren
Zu Gott hin
Für seine kraftvolle Gegenwart
mitten unter uns
Und zwischen uns
Öffnet eure Ohren
für seinen Ruf aus der Zukunft
Öffnet eure Herzen
Lasst göttliche Liebe einströmen
Spürt die Wärme
Das Zarte
Die Kraft
Lasst sie einsickern
und fließen
Werdet liebesstark
Öffnet eure Seelen
Lasst eure Sehnsucht füllen
mit göttlicher Gegenwart
Lasst euren Hunger stillen
nach dem, was trägt
und euren Durst nach lebendigem Wasser
Verbündet euch
und richtet eure Energien
auf Gott aus
Lasst sie zusammenfließen
und kraftvoll werden
und die Welt heilsam verändern
Deuteronomium 6,4-5
Darmowy fragment się skończył.