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Christian Hennecke · Dieter Tewes · Gabriele Viecens
Herausgeber
Kirche geht …
Die Dynamik
lokaler Kirchenentwicklungen
Christian Hennecke Dieter Tewes · Gabriele Viecens
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Kirche
geht …
Die Dynamik lokaler Kirchenentwicklungen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über ‹http://dnb.d-nb.de› abrufbar.
© 2013 Echter Verlag GmbH, Würzburg
www.echter-verlag.de Umschlag: Peter Hellmund Umschlagbild: Gettyone Satz: Hain-Team, Bad Zwischenahn (www.hain-team.de) Druck und Bindung: CPI, Clausen & Bosse, Leck ISBN 978-3-429-03590-7 (Print) ISBN 978-3-429-04694-1 (E-Book PDF) ISBN 978-3-429-06093-0 (e Pub)
Inhalt
Christian Hennecke: Einleitung
Hinwege
Franz Weber: Ja, Kirche geht …
Valentin Dessoy: Kirche könnte gehen …
Weltkirchliche Wegerfahrungen
Jean Paul Russeil: Ein Weg des Glaubens in der Sendung der Kirche: die örtlichen Gemeinden
Gisèle Bulteau: Örtliche Gemeinden begleiten
Eric Boone: Aus- und Weiterbildung der örtlichen Gemeinden
Bischof Gilles Côtés SMM: Die Kirche zu den Menschen bringen!
Wegmarken
Hermann J. Pottmeyer: Der Wandel des Kirchenbildes im und nach dem II. Vatikanum
Christian Hennecke: Was meint Lokale Kirchenentwicklung – ein theologischer Werkstattbericht
Weggeschichten
Martin Piller, Marianne Reiser, Priska Blattmann: Wie hat sich die Kirche in Maria Lourdes, Zürich-Seebach, in den letzten 10 Jahren entwickelt?
Matthias Eggers, Christiane Kreiss, Cathrin Kuffner: Wolfenbüttel – Von Wegen lokaler Kirchenentwicklung
Marktplatz – Weg-Geschichten lokaler Kirchenentwicklung
Aufbruch
Alfons Vietmeier: Eine Vision gewinnt Gestalt – Merkmale der Kirche der Zukunft, vor Ort
Franz Weber: (Eindrücke und Rückblicke) – Wahrnehmungen und Ermutigungen
Schlusswort
Christian Hennecke: Kirche geht weiter – Schlusswort
Christian Hennecke
Einleitung
Das Symposion in Lingen war das dritte in einer Serie von theologisch-praktischen Vergewisserungen. Die Absicht und das Ziel wiesen in eine Richtung: Es ging darum, immer tiefer in eine weltkirchliche Lernbewegung einzutreten. Es ging präziser noch darum, theologisch zu reflektieren und zu vertiefen, was hinter der Erfahrung und Faszination des weltweiten kirchlichen Phänomens der „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ steckt.
Ein weltkirchlicher Aufbruch
In einem ersten Lernschritt war seit 2008 deutlich geworden, dass Kleine Christliche Gemeinschaften und kirchliche Basisgemeinschaften als Sozialformen gelebten Kircheseins einerseits ganz in der Linie einer geistlich-theologischen Rezeptionsbewegung des II. Vatikanischen Konzils liegen, der es um eine spirituelle Erneuerung aus dem Wort Gottes geht. Was weltweit Praxis geworden ist, und im Begriff des „gospel sharings“ (Bibelteilen – Gemeinschaft im Wort) einen Weg beschreibt, wie alle Christen im Raum der Gegenwart des Auferstandenen gemeinsam das Wort des Lebens „berühren“ können, konnte theologisch beschrieben und verantwortet werden im Rückgriff auf die Lehre der „loci theologici“ und damit den unterschiedlichen Erkenntnisorten und Erkenntniswegen Gottes. Damit war auch klar, dass die Kirche in ihrem Umgang mit der Schrift sich ergänzende Zugänge kennt. Das Bibelteilen findet so seinen Ort in den Prozessen der Ekklesiogenese, als „ecclesia ex auditu“ gewissermaßen, inmitten einem Gefüge der Schriftauslegung zwischen Exegese und öffentlicher Verkündigung.
Kleine Christliche Gemeinschaften tragen in ihrer Rezeptionsgeschichte im deutschsprachigen Raum einen ekklesiopraktischen Code in sich, der sie praktisch zu spirituellen Selbsthilfegruppen werden ließ. Sie traten in eine Lücke, die die an vielen Orten spürbare spirituelle Erschöpfung einer klassischen Gemeindegestalt ließ. Kleine Christliche Gemeinschaften scheinen so einer praktischen Interpretation der Communiotheologie verpflichtet, in der Communio verstanden wird als bergende Gemeinschaft, die dann aber zum einen leicht abgeschlossen ist – und die eigentliche Sendung draußen läßt. Genau diese Herausforderung ließ sich ja allüberall entdecken: Wieso ist nicht nur im deutschsprachigen Raum das Risiko so hoch, dass lokale Formen des Kircheseins ihre Sendungsdimension vergessen, wieso wurde in der deutschsprachigen Rezeption des Bibelteilens, aber auch in anderen Wegen wie der lectio divina, die Dimension des gemeinsamen Handelns ausgeblendet, oder doch einfach individualisiert?
Kirche in der Nachbarschaft
Genau diesen Fragen widmete sich das 2. Symposion im Jahr 2010: Unter dem Stichwort der „Rückkehr der Verantwortung“ wurde zum einen deutlich, dass die Rede von den Kleinen Christlichen Gemeinschaften nicht auf eine neue Kleinegruppenstruktur bestehender Gemeinden zielt, sondern auf eine Kirchenentwicklung, die sich als Gemeinschaft im Dienst an der Nähe des Reiches Gottes versteht. Was pastoraltheologisch mit der Rede von der „Pastoralgemeinschaft“ gemeint ist, kann hier praktisch entfaltet werden. Und genau das entspricht den Zeichen einer Zeit, in der Community-organizing und solidarische Nachbarschaftsinitiativen ganz gegen die Einschätzung depressiver Zeithermeneutik auf Potentiale der Solidarität und der Hingabefähigkeit verweisen, die häufig nicht gewürdigt werden.
Sind Kleine Christliche Gemeinschaften also nicht zuerst spirituelle Selbsthilfegruppen und verbleiben sie nicht im Dunstkreis selbstgenügsamer Gemeinschaftsfindung, dann geht es hier in der Tat um eine Neuausrichtung des Kircheseins am Ort – und damit um eine pastorale Vision und einen pastoralen Ansatz, der umfassender als vermutet Entwicklungsprozesse der Kirche fördern will, die auf eine praktische Alltagsrezeption prophetischer Intuitionen des II. Vatikanischen Konzils zielen.
Auf dem Weg zu einer Lokalen Kirchenentwicklung
„Your Germans have a further step to do“, so sagte uns schon im Jahr 2008 Estela Padilla, die Theologin des philippinischen Pastoralinstituts Bukal Ng Tipan. Sie hatte recht: Was wir rezepiert hatten, war eine Faszination und eine Sozialform. Was wir übersehen hatten, das war die theologische und ekklesiogenetische Architektur, die solche Entwicklung ermöglicht. Und in der Tat: Die weltkirchliche Faszination greift ja zu kurz, wenn sie Basisgemeinden und Kleine Christliche Gemeinschaften als Pastoralprodukt und Methode installieren will, ohne wahrzunehmen, dass dahinter langfristig angelegte Prozesse der Kirchenentwicklung standen, die in Diözesen und Kontinentalkirchen meist lange Anwege der Bewußtseinsbildung und pastoraler Bildungs- und Entwicklungsarbeit bedeuteten.
Es wurde uns immer deutlicher, dass es jeweils um einen inkulturierten Ansatz einer Kirchenentwicklung ging, der Grundwerte und Grundoptionen des II. Vatikanischen Konzils aufgriff, die 50 Jahre nach dem Konzil und angesichts der Umbrüche der Kirche im deutschsprachigen Raum neu zum Leuchten kommen wollen: Die Erfahrungen im Dialog mit dem französischen Bistum Poitiers ließen uns verstehen, dass die Taufwürde und die Orientierung an der Vertiefung der eigenen Taufexistenz notwendiger Hintergrund eines kirchlichen Neuaufbruchs vor Ort sind. Der asiatische Pastoralansatz (AsIPA), auf dem die Entwicklung Kleiner Christlicher Gemeinschaften in Asien ruht, entfaltet eine Kirchenkultur, die durch ein Höchstmaß an Partizipation gekennzeichnet ist. Durch die Begegnungen auf Exposurereisen wurde auch immer klarer, dass ohne eine achtsame Inkulturation dieser Kultur das Risiko ekklesialer Sonderwelten droht.
Resonanzen
Die Konsequenz lag auf der Hand: Weil es nicht um kirchliche Substrukturen in größeren Pastoralräumen geht – und schon gar nicht um eine spirituelle Gruppenbewegung, sondern um einen zu entwickelnden visionär orientierten und ekklesiopraktischen Pastoralansatz –, trat die Rede von Kleinen Christlichen Gemeinschaften zurück. In den Vordergrund trat die Entwicklungsdynamik der Kirche vor Ort. Wir fanden den Begriff der Lokalen Kirchenentwicklung.
Seit dem Jahr 2011 entwickelt dieser Begriff eine erstaunliche Dynamik im deutschsprachigen Raum. Auslöser sind Erfahrungen im Bistum Hildesheim, die in einer pastoralen Richtungnahme mündeten. Im Frühjahr 2011 veröffentlichte Bischof Norbert Trelle ein Hirtenwort unter dem Leitwort der Prozesse Lokaler Kirchenentwicklung und beschrieb darin wichtige Orientierungen im Blick auf eine Kultur des Kircheseins. Diese Kultur und diese Dynamik des Kircheseins genauer zu fassen, sie theologisch zu reflektieren und in Erfahrungen zu evaluieren, darum ging es beim Symposion in Lingen.
Es steht im Kontext einer erstaunlichen Resonanzbewegung: Die Erfahrungen bei Dekanatstagen und Tagungen, die Workshops und Summerschools, die wir in den letzten Jahren initiiert haben, die weltkirchlichen Pastoralexposure von Missio erlebten ein ungeheuer großes Interesse in Diözesen des gesamten deutschsprachigen Raums. Es verweist auf einen vorsichtigen Stimmungswechsel: von einer eher depressiven Ratlosigkeit hin zu einer vorsichtigen Hoffnung, vor allem hin zu dem Wunsch nach Neuorientierung. Das läßt sich ganz leicht an Zahlen ablesen: Das Symposion in Lingen wurde von Anmeldungen geflutet, und auch der im Februar 2013 stattfindende ökumenische Kongress Kirche2 war schon Monate vor Anmeldeschluss mit über 1000 Anmeldungen ausgebucht.
Wie Kirche geht
Auf diesem Hintergrund wollte das Symposion in zwei Richtungen die Linien weiter ausziehen und theologische Klärungsarbeit leisten. Dabei ging es zum einen darum, die sich weiter konturierende ekklesiologische Vision einer partizipativen Kirche zu konkretisieren: Wenn dieses Bild einer Kirche im Dienst am Reich Gottes farbig erfahren und beschrieben werden kann – und die weltkirchlichen Erfahrungen geben uns dabei eine gute Sehhilfe, um die eigene Entwicklung in diese Richtung zu entdecken –, dann geht es nun darum, tiefer von der Prozessdynamik zu lernen. Die Erfahrungen der pastoralen Entwicklung im Erzbistum Poitiers wie auch der Pastoralprozess in Papua Neuguinea ermöglichten tiefe Einblicke in Prozesse, die auch im deutschen Sprachraum an der Zeit sind.
Zum anderen aber standen anfanghafte Erfahrungen konkreter Pastoralprozesse im Mittelpunkt des Kongresses: Was in den vergangenen Jahren in Zürich und Wolfenbüttel gewachsen ist, verweist auf eine inkulturierte Lokale Kirchenentwicklung. Appetizer aus verschiedensten Pfarreien machten deutlich, dass „Kirche geht“.
Auf der Schwelle …
So sehr es wichtig ist, eine Vision immer neu zu vergegenwärtigen, damit die theologische Rückbindung an die große Tradition der Kirche vertrauensvolle und mutige konkrete Schritte auf dem Weg möglich macht, so sehr ist in Lingen deutlich geworden, dass die Kirche in Deutschland in Bewegung geraten ist, nicht chaotisch, sondern verheißungsorientiert. An vielen Orten wird sichtbar, dass Neues wächst. Zugleich aber tritt ein neuer Stil der Theologie hervor, der in Lingen anfanghaft zu spüren war. Theologie, Spiritualität und Ekklesiopraxis verbinden sich zu einem Gefüge: Das Teilen der Schrift, der Austausch der Glaubenserfahrungen, die Feier der Liturgie und das gemeinsame Nachdenken bilden ein Gefüge kirchlicher Erfahrung, die ja genau auch dem pastoralen Weg einer Lokalen Kirchenentwicklung entspricht.
Hinwege
Franz Weber
Ja, Kirche geht …
Ein persönliches und pastoraltheologisches Bekenntnis zur Dynamik lokaler Kirchenentwicklung
Geht Kirche wirklich? Wer „macht“, wer bewirkt, dass Kirche auch heute „geht“? Am Beginn dieses Symposions seien hier als erster Impuls zur Thematik dieses Symposions einige Gedanken formuliert, die biographischer und theologisch spiritueller Natur sind und die den Blick bewusst über den Horizont der katholischen Kirche in Deutschland in die Weltkirche hinein weiten wollen.
Nehmen wir zunächst für die gesellschaftliche Situation der Kirche im deutschsprachigen Raum nüchtern zur Kenntnis: Für viele Menschen hierzulande geht Kirche nicht mehr. Und sie ziehen daraus die Konsequenz, dass sie gehen, weggehen und austreten. Sie tun das mit Gründen, die sie konkret benennen, aus Enttäuschung, vielleicht auch verletzt, manche mit einer klaren Entscheidung, weil sie in dieser Kirche, wie sie lebt und erlebt wird, nicht die Gemeinschaft finden, die sie suchen, andere auch leichtfertig und leichtsinnig, ohne tiefere Motivation und häufig eben auch nur aus finanziellen Gründen. Bis in die Kernschichten unserer Pfarreien hinein sind Menschen von der Kirche enttäuscht, weil in ihr offensichtlich nichts weitergeht, weil diese Kirche nicht mehr geht, sondern steht, stehen geblieben ist. Diesen Eindruck haben viele, und das wohl nicht ganz zu Unrecht.
Das ist freilich nur die eine Seite der Realität unserer katholischen Weltkirche, zu der sich weltweit weit über eine Milliarde Menschen bekennt. Jedes Jahr kommen – rein statistisch gesehen – einige Millionen dazu. Es ist auch eine Tatsache, dass unsere Kirche für viele Menschen als Kirche vor Ort ganz konkret als ein Stück Heimat, als ein Ort von Lebens- und Beziehungskultur erfahren wird, als Gemeinschaft, die trägt, als Gestalt der Solidarität und der Hoffnung. Viele sagen es – in den Kirchen des Südens häufiger als bei uns: „Wir sind Kirche, katholische Kirche.“ „We are Catholics“, und sie sagen es etwa in Afrika, überzeugt und mit einem gewissen Selbstbewusstsein und nicht nur unter vorgehaltener Hand, nicht mit Scham und Minderwertigkeitsgefühlen, wie das bei uns nicht so selten der Fall ist. Sie entschuldigen sich nicht dafür, dass sie katholisch sind.
Unsere Kirche befindet sich bei näherem Hinsehen – weltweit gesehen – nicht in einem Niedergang, sondern in einem vielgestaltigen Prozess der Ekklesiogenese (Leonardo Boff), einer Gestaltwerdung von Kirche. Sie ereignet sich immer wieder neu, an alten und neuen Orten von Kirche, in Pfarreien, die sich vor allem in den Kirchen des Südens häufig als „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ verstehen, in neuen geistlichen Gemeinschaften, vor allem aber in unzähligen „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“, die – global gesehen – wahrscheinlich den „Normalfall von Kirche“ darstellen. Geht Kirche also doch?
Bekenntnis zur Möglichkeit und Zukunftsfähigkeit von Kirche
Auf der Basis meiner eigenen Begegnung mit ganz verschiedenen Sozialgestalten von Kirche und christlicher Gemeinde, die mir – und ich formuliere das bewusst gnadentheologisch – im Laufe meines Lebens geschenkt wurden, auf der Grundlage eines theologischen Kirchenbildes, das von neutestamentlichen Gemeindeerfahrungen, vor allem aber von der Kirchenvision des II. Vatikanischen Konzils geprägt ist, formuliere ich ein Credo, das meinen Glauben an die Zukunftsfähigkeit und Hoffnungsgestalt der Kirche zum Ausdruck bringt:
Ja, Kirche geht! Kirche ist unter ganz verschiedenen kulturellen, gesellschaftlichen und lebensgeschichtlichen Voraussetzungen, ja selbst unter – menschlich gesehen – unmöglichen Bedingungen möglich, weil Gott sie möglich macht, weil sein Geist Kirche als Gemeinschaft, als Gemeinde in Gestalt erfahrbarer communio stiftet und den Menschen Geistesgaben schenkt, die sie – wie in neutestamentlicher Zeit – zum Aufbau von Gemeinden vor Ort einsetzen.
Kirche lebt und wird am Leben bleiben, weil sie aus dem Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu lebt. Sie ist keine statische unveränderliche, sondern eine historische Wirklichkeit, die dem Lebensgesetz des Weizenkorns unterworfen ist. Ihre äußere Sozialgestalt muss immer wieder vergehen, damit neues Leben aufbrechen und für die Menschen Frucht bringen kann. Kirche ist auf ihrem Weg durch die Zeit nicht deshalb am Leben geblieben, weil sie unwandelbar, sondern wandlungsfähig war.
Dieses mein Credo, mein Kirchenbekenntnis kommt nicht zuerst aus historisch theologischen Einsichten, sondern hat seinen Sitz in meinem Leben als katholischer Christ, Ordensmann, Missionar und Theologe.
Ich habe Kirche und christliche Gemeinde in sehr verschiedenen Gestalten erlebt und wahrgenommen:
– In neun Jahren als Pfarrer in der Begleitung Kirchlicher Basisgemeinden im Nordosten Brasiliens und an der Peripherie von São Paulo.
– Im unmittelbaren Erleben von „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ bei Forschungsaufenthalten in Südafrika, Mosambik, Uganda, Kenia und Tanzania.
– In der Wahrnehmung und Erforschung verschiedener Gemeindeerfahrungen aus Asien in der Begleitung von Diplom- und Doktorarbeiten von Theologen aus verschiedenen Ortskirchen.
– In der Wahrnehmung der Entstehung von „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ und neuer Gemeindeerfahrungen im deutschsprachigen Raum, eine Entwicklung, die mich – gerade im Kontext der gegenwärtigen Glaubwürdigkeitskrise unserer Kirche und mancher ihrer Umstrukturierungsprozesse – hoffnungsvoll stimmt.
Das alles und vieles mehr lässt mich zur Überzeugung kommen, dass Kirche „auch heute geht“, dass sie aber dynamisch verstanden und gelebt werden muss, als pilgerndes Volk Gottes, das nicht kleingläubig aus Angst vor Glaubens- und Identitätsverlust wie gelähmt stehen –, sondern auf dem Weg bleiben und sich aus der Kraft des Geistes verändern und neu gestalten muss.
Theologische Grundlagen für ein dynamisches Verständnis von Ortskirche
Auf diesem Symposion wird mit Recht und theologisch legitim von der „Dynamik lokaler Kirchenentwicklung“ gesprochen, eine Redeweise, die nach meinem Verständnis ihre Basis in der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils hat. Diese Kirchenvision hat – bei aller bleibenden Bruchstückhaftigkeit – in der Weltkirche ihre Verwirklichung gefunden.
Unsere Kirche ist weltweit de facto nicht eine zentralistisch straff und hierarchisch organisierte internationale Institution, sondern eine multikulturelle Gemeinschaft von Teilkirchen und Ortsgemeinden, in denen sich die eine katholische und apostolische Kirche auf je verschiedene Art und Weise inkulturiert und sichtbar Gestalt annimmt. Nur so wird sie für Menschen verschiedener Völker und Kulturen erfahrbar und lebbar.
Katholizität, wie sie das Konzil versteht, bedeutet Einheit, aber nicht Uniformität. Das Marken- und Gütezeichen der katholischen Kirche ist ihre spannende und deshalb auch spannungsreiche Vielfalt. Das gilt vor allem für die Gemeindeentwicklung, durch die die eine katholische und apostolische Kirche vor Ort sehr verschiedene Sozialgestalten angenommen hat. Das ist theologisch legitim und pastoral lebensnotwendig.
Ohne hier die Einzelheiten der Ortskirchentheologie des II. Vatikanischen Konzils zu entfalten, sei nur darauf verwiesen, dass nach der Lehre des Konzils „diese Kirche wahrhaft in allen rechtmäßigen Ortsgemeinschaften der Gläubigen anwesend ist“ (II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche, n. 26).
Das Konzil hat dann in derselben Nummer der Kirchenkonstitution in einer prophetischen Vision auf eine Gestalt der Kirche hingewiesen, die inzwischen millionenfach Wirklichkeit geworden ist: „In diesen Gemeinden, auch wenn sie arm und klein sind oder in der Diaspora leben, ist Christus gegenwärtig“ (Kirchenkonstitution, n. 26).
Kraftvolle Bilder und Vergleiche für die Dynamik gegenwärtiger Kirchen- und Gemeindeentwicklung
Unsere Kirche ist nicht mehr das „Haus voll Glorie“, nicht die aus „ewigem Stein“ erbaute Festung und Trutzburg des Glaubens, die sicher, unnahbar und uneinnehmbar „oben“ auf einem Felsen thront: Sie ist pilgerndes Gottesvolk, die „unten“ bei den Menschen lebt und mit ihnen geht durch die Niederungen menschlicher Existenz. Dort, wo „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art“ (II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution, n. 1) zuhause sind, dort schlägt sie ihre Zelte auf, die man auch wieder abbrechen und anderswo aufbauen kann. Kirche bleibt nicht stehen, sie zieht mit. „Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die in Christus geeint auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden“ (ebd.)
Unsere Kirche ist nicht wie ein unbeweglicher Felsblock, an dem die Strömungen der Zeit vorbeifließen. Sie hat diese Strömungen als „Zeichen der Zeit“ zu erforschen und im Licht des Evangeliums zu deuten (vgl. Pastoralkonstitution, n. 4) und als Folge daraus auch ihre Gestalt zu verändern.
Unsere Kirche ist nicht ein mit Kanonen besticktes Kreuzzugsschiff, das ausläuft, um die Feinde des Glaubens zu besiegen. Sie ist aber auch kein Luxusdampfer, auf dem religiöse Bedürfnisse von wohlhabenden Individualisten befriedigt werden. So bequem darf Kirche nicht zu haben sein.
Kirche, wie sie sich heute vielerorts in der Weltkirche darstellt, ist eine „Kirche der Armen“, eine „Kirche der kleinen Leute“ und ist als solche oft recht armselig unterwegs.
Sie segelt meist auf unruhigen Gewässern. Sie bemüht sich Kurs zu halten, kämpft sich durch die Wellen und dreht sich manchmal im Kreis. Sie ist meist auf kleineren, und nicht immer sehr seetüchtigen Schiffen und Booten unterwegs. Aber sie nimmt doch die Schiffbrüchigen aller Art an Bord und verwirklicht vor allem dadurch eine Mission, die Jesus Christus ihr vorgelebt hat.
Unsere Kirche ist keineswegs überall „im gleichen Schritt und Tritt“ auf dem Weg, auch wenn manche in ihr das entschieden fordern. Sie marschiert nicht nach den Takten eines römischen Einheitsmarsches und funktioniert nicht auf Kommando einer zentralen Kirchenleitung.
Sie tanzt vor Ort nach den Klängen lokaler Gesänge und Musikinstrumente. Und sie tanzt oft in mehrfachem Sinn aus der Reihe. Sie nimmt die Lebensfreude und Lebenssehnsucht der Menschen wahr und feiert mit ihnen.
Sie hört aber besonders auch auf die vielen Schreie der Armen und Unterdrückten dieser Erde und macht sich zur Stimme derer, die keine Stimme haben. Sie hat ein Ohr für die lauten und leisen Töne menschlicher Not und Verzweiflung. Ihre Gemeinden vor Ort kennen diese Musik und machen sie zu Gottes Melodie und zu ihrer Kirchenmusik.
Unsere Kirche serviert die erlösende und befreiende Botschaft des Evangeliums und ihre Tradition des Glaubens nicht als Eintopf und Einheitsbrei. Sie verleiht ihrer Glaubensverkündigung durch die Verwendung lokaler Gewürze einen je eigenen Geschmack.
Geht Kirche noch? Ja, wenn sie zu den Menschen geht
Ja, sie geht nur dort in den Spuren Jesu, wo sie – wie er – zu den Menschen geht, wo der „Weg der Kirche der Mensch“ (Johannes Paul II.) ist. Kirche geht dort, wo sie bei Jesus Christus und seinem Evangelium in die Schule geht. Sie bleibt dort am Leben, wo sie am Leben bleibt, am Leben der Menschen dran bleibt. Wo sie sich vom Menschen entfernt, wird sie bedeutungslos und stirbt.
Wie das geht und vor Ort gehen kann, das leben uns in der Kirche von heute Millionen kleiner christlicher Gemeinschaften vor. Es ist gut, ja lebensnotwendig für die Kirche in Deutschland und im deutschsprachigen Raum, dass wir uns in der Kirchen- und Gemeindeentwicklung vor Ort im Vertrauen auf das schöpferische Wirken des Geistes Gottes etwas sagen lassen und neue Wege gehen. „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 2, 7) – diese siebenmal wiederkehrende Aufforderung und Ermutigung an die Gemeinden am Ende des 1. christlichen Jahrhunderts, wie sie uns in der Offenbarung des Johannes begegnen, sind auch Aufforderung und Ermutigung an dieses Symposion.
Was wir voneinander hören, was wir uns gegenseitig an lokalen Kirchen- und Gemeindeentwicklungen mitteilen, kann unserer Kirche „Beine machen“, bringt uns als Kirche zum Gehen. Verfallen wir aber nicht einem gemeindetheologischen praktischen Atheismus und Pragmatismus, in der wir unsere Kirche nur als das Ergebnis von Kirchendisziplin und Strukturreformen neu erfinden und „produzieren“ wollen, „etsi Deus non daretur“ – „als ob es Gott nicht gäbe“. Vergessen wir nie, dass in unserer Kirche nicht nur Menschengeist weht, sondern der Geist Gottes in ihr und in ihren Gemeinden am Werk ist, dass unser Bruder und Herr Jesus Christus – wie mit den Jüngern von Emaus – mit uns geht und zu uns steht. Ihm und seinem Geist verdanken wir letztlich die Dynamik lokaler Kirchenentwicklung.
Franz Weber, geboren 1945, ist Professor für interkulturelle Pastoraltheologie und Missionswissenschaft an der Universität Innsbruck. Als Combonimissionar verfügt er über eine reiche Erfahrung im Bereich der Kirchlichen Basisgemeinden in Lateinamerika, Asien und Afrika. Häufige Veröffentlichungen zum Thema. Grundlegend: Weber, Franz; Fuchs, Ottmar (2007): Gemeindetheologie interkulturell. Lateinamerika – Afrika – Asien. Mainz a. Rhein: Matthias-Grünewald-Verlag (= Kommunikative Theologie 9).
Valentin Dessoy
Kirche könnte gehen …
Kirche ist Organisation und „braucht Organisation um ihrer selbst willen“ (Lames 2012, 228). Als Organisation verkörpert Kirche symbolisch den Ursprung: Bekenntnis und Auftrag Jesu Christi werden in der Welt sichtbar. Zugleich verweist sie zeichenhaft auf das angebrochene Reich Gottes (vgl. Lames 2012). Erinnerung und Verweis auf Dauer zu stellen, ist die Kernfunktion von Kirche als Organisation.
Systemisch betrachtet, kann Kirche diese Aufgabe nur dann realisieren, wenn sie sich mit ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Umwelt koppelt. Kirchenentwicklung, die Entwicklung der Organisation Kirche, ist unabdingbar, sofern sich Gesellschaft verändert. Der vorliegende Beitrag fokussiert Kirche als Organisation, soll die Fremdperspektive eintragen. Basierend auf sozialwissenschaftlichen Konzepten und ausgehend von Erfahrungen aus kirchlichen Entwicklungsprozessen werden Kriterien skizziert, wie Kirche als Organisation in Bewegung kommen und bleiben kann.
1. Was passiert, wenn Kirche geht
Zunächst drei Vorbemerkungen zum Stichwort „gehen“, um die Grundrichtung zu skizzieren.
(1) Kirche entsteht
Für Kirchenmenschen ist es provokativ, für Systemiker dagegen selbstverständlich: Es gibt – für uns endliche Menschen könnte man einschränkend sagen – keine Wirklichkeit an sich.
Systeme, Wirklichkeit und damit auch Wahrheit im semantischen Sinn – jenseits logischer Widerspruchsfreiheit – entstehen, wenn Menschen sich im Kommunikationsprozess selektierend beobachten, wechselseitig aufeinander beziehen und ihrem Verhalten auf diese Weise Sinn zuschreiben (Luhmann 1993). So entsteht Kirche, so entfaltet sich Offenbarung. Wohlgemerkt, Kirche bzw. Offenbarung ist diese Kommunikation.
Wenn sich Getaufte auf den Weg machen und zusammenkommen, um ihre (Glaubens-)Erfahrungen auszutauschen und zu reflektieren, dann sind sie Kirche, betreiben sie Kirchenentwicklung und zeigen: „Kirche geht!“. Damit ist alles gesagt. Es geht um ein im Schwerpunkt verändertes Kirchenverständnis. Exemplarisch hierfür mag die Emmausgeschichte (Lk 24, 13–35) stehen. Das II. Vatikanische Konzil benutzt dafür die Bilder des pilgernden Gottesvolkes und der Communio, der lebendigen Gemeinschaft (u. a. LG 4).
(2) Kirche lernt
Sprache speichert Wissen. Daher lohnt ein genauer Blick auf das Wort „gehen“. Die Wortwahl ist Programm. Etymologisch geht das Verb „gehen“ auf die idg. Wurzel ĝhē[i] zurück, die „klaffen, leer sein, verlassen, [fort]gehen“ bedeutet. Ich kann nur gehen, wenn ich etwas verlasse, also los- oder zurücklasse.
Gehen hat viel mit „lernen“ zu tun. Das Verb „lernen“ leitet sich aus ahd. leisten ab und bedeutet ursprünglich „einer Spur nachgehen, nachspüren“. Lernen geht nur über „Er-fahrung“, ist also ein aktiver, selbstgesteuerter Vorgang. Wenn Kirche geht, macht sie (neue) Erfahrungen und dadurch lernt sie.
Gehen hat auch mit „führen“ und „leiten“ zu tun. Die idg. Wurzel leit[h] steht für „gehen, dahingehen“. Im ahd. und mhd. entspricht dieser Bedeutung das Wort „leiden“, erst unter christlichem Einfluss wird daraus „dulden, ertragen, Schmerz, Kummer empfinden“. Das Verb „leiten“ ist das Veranlassungswort zu „leiden“, bedeutet ursprünglich „gehen oder fahren machen“. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „führen“, dem Veranlassungswort zu „fahren“. Das also ist die Kernaufgabe von Führung und Leitung: Nicht von oben zu bestimmen, was zu tun ist, sondern in Bewegung zu bringen, Erfahrung zu ermöglichen, Lernen in Gang zu setzen und den Übergang zu gestalten.
(3) Kirche bleibt
Zurück zum Titel des Kongresses: „Kirche geht“. Der Titel lässt unterschiedliche Assoziationen zu. Zwei scheinen besonders prägnant und in unserem Zusammenhang von Bedeutung zu sein.
Die erste: „Kirche geht“ ist eine (generalisierende) Feststellung, ein Fazit: Kirche funktioniert! Das ist – selbst für den geneigten Beobachter – eine steile These. Die Realität sieht anders aus. Von außen hat man eher den Eindruck, dass sich die Kirche bei uns im fortgeschrittenen Stadium der Auflösung befindet. Ist man etwas näher dran, hört man von den Verantwortlichen, dass sie gerade nicht wissen, wie es geht. Aber alle wissen: Kirche (wie wir sie kennen) geht nicht mehr.
Die zweite Assoziation: „Kirche geht“ ist eine Beschreibung: Kirche macht sich auf den Weg, kommt in Bewegung, ist (schon) unterwegs. Die Aussage ist bescheidener, öffnet den Blick auf Zukunft hin. Sie verweist auf Aufbrüche, gemeinsame Wege und neue Erfahrungen. Unvollständigkeit und Ungewissheit, Irrwege und Sackgassen gehören mit ins Bild.
In der Verknüpfung beider Assoziationen liegt das Entscheidende: „Kirche geht nicht, wenn sie stehen bleibt“ also „Kirche vergeht, wenn sie bleibt (festhält)“, und umgekehrt, „Kirche bleibt, wenn sie geht“ oder anders „Kirche geht (funktioniert), wenn sie geht (loslässt)“. Der Satz „Kirche geht, wenn sie geht“ ist weder tautologisch, noch trivial. Er ist nicht tautologisch, weil „gehen“ Unterschiedliches bedeutet. Es ist wie im Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1–13): Kirche hat eine Zu-Kunft, Gott kommt auf sie zu, wenn sie sich auf den Weg macht. Und der Satz ist nicht trivial, weil der Mainstream anders gepolt ist: 90% der jährlich etwa 4,5 Mrd. Euro an Kirchensteuern werden in die Aufrechterhaltung des Status Quo gesteckt, in der Hoffnung, zu bleiben.
2. Warum es wichtig ist, dass Kirche jetzt geht
Die Kirche befindet sich – nicht ohne eigenes Zutun – in einer Situation, die sehr zeitnah entschlossenes Handeln erfordert.
(1) … um aus dem Funktionsmodus in den Lernmodus zu kommen
Organisationen sind Systeme, die auf Dauer ausgerichtet sind. Mit ihren Routinen sorgen sie dafür, dass Personen austauschbar bleiben und die Muster der Kommunikation reproduziert werden. In diesem Sinne sind Organisationen immer darauf ausgerichtet, stabil und funktional zu bleiben.
Zugleich stehen Organisationen mit ihren Umwelten im Austausch von Materie, Energie und Information. Ändern sich die Umwelten, müssen sich Organisationen verändern, indem sie sich mit den Logiken der relevanten Umwelten koppeln. Veränderung (Lernen) ist systemisch gesehen die Bedingung von Stabilität (Funktionalität).
Die große Herausforderung besteht dabei in der stetig ansteigenden Komplexität und Dynamik gesellschaftlicher Prozesse. Klaus Doppler formuliert das so: „Wir leben quasi in einem permanenten Ausnahmezustand. Das Leben in instabilen, turbulenten, unkalkulierbaren Umwelten ist die Normalität – und zwar aller Voraussicht nach auf Dauer“. In dieser Situation wird Lernen, also Gehen, immer wichtiger, zur Schlüsselkompetenz.
(2) … um den vorhandenen Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum zu nutzen
Die Kirche existiert seit zweitausend Jahren und hat sich dabei immer wieder grundlegend und umfassend verändert. Heute, unter den Vorzeichen der Postmoderne, tut sie sich damit besonders schwer. Sie hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten in ihrem Bemühen, den volkskirchlichen Status Quo zu erhalten, sehenden Auges immer tiefer in eine Sackgasse manövriert.
Die Folgen sind dramatisch: Die Kirche hat ihre Anschlussfähigkeit an die Menschen von heute weitgehend verloren. Die Auswirkungen sind unübersehbar, eine fortschreitende, generalisierte Dysfunktionalität.
Tempo und Dynamik der Veränderungen werden bis heute massiv unterschätzt. Mental und organisatorisch auf maximale Stabilität und Funktionalität programmiert, sehen sich die Akteure Umwälzungen gegenüber, die für die Kirche (bei uns) in absehbarer Zeit existenzbedrohend sein werden.
Noch sind hinreichend personelle, finanzielle und infrastrukturelle Ressourcen vorhanden. Noch gibt es substantielle Gestaltungsspielräume. Es bleibt allerdings nur noch wenig Zeit, bis das System umkippt.
(3) … um die vorhandene Kluft zur Umwelt nicht zu groß werden zu lassen
Übergänge in komplexen, dynamischen Systemen verlaufen sprunghaft, insbesondere dann, wenn ihnen eine lange Phase der Stabilität vorausgeht, die Organisation das Lernen verlernt hat, und sich gleichzeitig die Kontextparameter sehr stark und sehr schnell verändern.
Um lernen zu können, müssen Systeme von bestehenden Routinen abweichen und neue Wege erproben. Nur induktiv (experimentell) über „Versuch und Irrtum“ können innovative Lösungen gefunden werden, Lösungen, die einen Unterschied machen (vgl. Dessoy, Lames 2012). Abweichungen nützen der Organisation zwar auf Dauer, weil dadurch neue Lösungen gefunden werden können, die eine bessere Umweltpassung ermöglichen, wirken jedoch im Alltagsgeschäft zunächst immer als „Störung“ und erzeugen Stress.
Je größer die Kluft ist, die es zu überbrücken gilt, je größer und grundlegender also der Lernbedarf der Organisation ist, umso mehr muss aufgegeben werden, ohne bereits neue Lösungen gefunden zu haben. Ängste und Widerstände wachsen, der Druck, (kurzfristige) Lösungen nach bewährten Mustern zu generieren, steigt und die Wahrscheinlichkeit einer innovativen Anschlusskommunikation sinkt. Daher ist es so wichtig, dass Kirche jetzt geht. Aber wie?
3. Wie Kirche gehend gemacht werden kann
Damit keine Missverständnisse entstehen: Die folgenden Kriterien sagen nichts darüber aus, wie Kirche (operativ) gehen, also Pastoral in veränderter Zeit betrieben werden kann! An dieser Stelle geht es ausschließlich um die Frage, wie Kirche gehend gemacht werden kann, also um die organisatorisch-kulturellen Rahmenbedingungen, die erforderlich sind, damit Kirche innovativ werden, sich wirksam erneuern und in veränderten gesellschaftlichen Kontexten wirkungsvoll und nachhaltig bewegen kann (vgl. Dessoy 2012 [a]).
(1) Kriterium 1: Kirchenbild und Offenbarungsverständnis – Umkehr, Macht, Sinn
Erneuerung setzt die grundlegende Bereitschaft voraus, miteinander zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Der neutestamentliche Begriff dafür ist Umkehr, Metanoia (vgl. Lames 2003). Sie gründet in der Erkenntnis, dass es für uns Menschen keinen unmittelbaren Zugang zu absoluten Wahrheiten und damit auch keine endgültigen Lösungen gibt. Kirche und Offenbarung sind stets geschichtlich und kulturell vermittelt. Aber wie soll das gehen?
Für den Prozess der Neuformulierung und Validierung ihrer Botschaft und ihres Handelns kennt die Kirche aus ihrer Geschichte zwei Wege, die eng mit dem dazugehörigen Kirchenbild (vgl. LG 4) verknüpft sind: den diskursiven von unten nach oben (man denke an das Apostelkonzil in Apg 15,1–41) und den institutionellen von oben nach unten („Du bist Petrus, der Fels …“, Mt 16,18). Angesichts des fortschreitenden gesellschaftlichen Wandels und der damit einhergehenden Krise der Institutionen generell und der Institution Kirche im Besonderen scheint die dialogische Glaubensvergewisserung alternativlos, um den Anschluss nicht schon durch das Verfahren zu verlieren. Die frz. Religionssoziologin Danièle Hervieu-Léger nennt das „gemeinschaftliche Glaubensvalidation“ im Gegensatz zur vorherrschenden „institutionellen Glaubensvalidation“ (Hervieu-Léger 2004, 123 ff.).
Um in der Terminologie Luhmanns zu bleiben: Kirche kann sich heute für die Validierung und Plausibilisierung ihrer Botschaft und ihres Handelns nicht länger des Kommunikationsmediums der „Macht“ bedienen (vgl. Bucher 2008, 274–291). Sie versucht es bis heute, wie die Entscheidung zur Kirchenzugehörigkeit im Zusammenhang mit der Kirchernsteuer erneut gezeigt hat. Sie hat jedoch das Macht- und Wahrheitsmonopol längst verloren: Es interessiert einfach niemanden mehr! Die einzige Chance, sich in einer pluralen emanzipierten Gesellschaft zu Gehör zu bringen und Anschlusskommunikation wahrscheinlicher zu machen, ist, die Sinnhaftigkeit der Botschaft in heutiger Zeit jenseits abgedroschener Formeln in differenzierter Weise dialogisch zu ermitteln und darzustellen. Dazu müssen die Akteure diese selbst erst wieder neu entdecken, also umkehren, hingehen und lernen. Das setzt Demut voraus.
(2) Kriterium 2: Reformparadigma – langfristig, offensiv, missionarisch
Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Sie kommt aus einer langen Phase des Überschusses und der Massenproduktion. Auf dieser Folie folgen Kirchenreformen seit den 1980er Jahren einem festen Muster: Für eine schwindende Zahl von Gläubigen soll mit abnehmenden personellen und finanziellen Mitteln das überkommene Portfolio in traditionellen Bezügen möglichst flächendeckend aufrechterhalten werden. Die Reformen sind kurzfristig angelegt, defensiv motiviert und bleiben auf die Binnensicht beschränkt. Tradierte Produkte, nicht Bedürfnisse von Menschen sind das Kriterium. Der Mangel soll durch Zentralisierung, Konzentration und Verdichtung ausgeglichen werden.
Dieser Reformansatz ist gescheitert. Der Abbruch generalisiert und beschleunigt sich. Die Reformzyklen werden immer kürzer, die Spielräume immer enger. Die Kluft zwischen Kirche und Gesellschaft wird immer weiter, die ungelösten Fragen immer grundsätzlicher. Der erforderliche qualitative Sprung wird immer größer und die Lösungsansätze werden im Gegenzug vielfach noch defensiver. Eine weitere Verdichtung ist sinnlos. Das bisherige Reformparadigma führt die Kirche ins gesellschaftliche Abseits.
Kirchenreformen, die dem österlichen Sendungsauftrag (Mt 28,19) und den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht werden, erfordern ein Reformparadigma, das langfristig-strategisch, offensiv-missionarisch und experimentellwirkungsorientiert angelegt ist. Der qualitative Sprung: Kirche muss (neu) lernen, sich von der Zukunft her zu denken, Veränderung und Entwicklung als zentrale und bleibende Aufgabe zu verstehen. Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, wie die Menschen heute für die Frohe Botschaft und für die Mitarbeit am Reich Gottes gewonnen werden können (vgl. Dessoy 2010 [a]).
(3) Kriterium 3: Umweltstrategie – dialogisch, lebensweltorientiert, kleinräumig
Systeme überleben, wenn sie in der Lage sind, nachhaltig Umweltreferenz herzustellen. Die Kirche hat immer wieder kulturelle Gegebenheiten und gesellschaftliche Impulse aufgegriffen und in die bestehende Systemlogik integriert. In den ersten Jahrhunderten wurde die christliche Botschaft in unterschiedlichste Kulturen eingetragen. Durch Kopplung mit der Umwelt, die Transformation von Bildern und Begriffen, durch Reflexion und Normierung entstand der Kanon und in der Folge die kirchliche Tradition.
Durch fortschreitende Institutionalisierung und Traditionsbildung wurde der Spielraum für Variationen allerdings zusehends geringer. Exklusion und Assimilation entwickelten sich im Mittelalter zu den vorherrschenden Kommunikationsstrategien, um sich mit Unterschieden (Fremdheit) auseinander zu setzen und den erreichten Status Quo abzusichern.
Inzwischen hat sich Gesellschaft emanzipiert. Die Exklusionsstrategie ist wirkungslos, die Assimilationsstrategie versagt angesichts der zunehmenden Differenzierung und Dynamik gesellschaftlicher Prozesse. Stattdessen findet „Exkulturation“ statt, eine „wachsende (Selbst-)Distanzierung von kulturellen, ästhetischen und sozialen Erfahrungsräumen und Ausdrucksformen der Menschen“ (Spielberg 2008, 76, 417).
Kirche muss sich entscheiden, ob sie den Weg der Weiterentwicklung im Dialog mit der Gesellschaft gehen will oder den individualistisch und spirituell ausgerichteten Weg der Innerlichkeit und der Abgrenzung von Gesellschaft, der nicht selten doktrinäre Züge aufweist und in ein Nischendasein mündet. Kirchensysteme, die auf Dialog setzen, müssen realisieren, dass sie sich im Markt bewähren müssen, weil sich die Menschen in dieser Logik bewegen. Kirchliches Handeln (Botschaft, Kult, Praxis) muss dann auch – ähnlich, wie in der Frühzeit – dauerhaft und stetig kleinräumig und experimentell im Blick auf Lebenswirklichkeiten und ästhetischen Orientierungen transformiert werden.
Mission geschieht an Hecken und Zäunen. Sie wird nur funktionieren, wenn die Kirche ihre Umweltstrategie von Exklusion und Assimilation auf Inklusion und Differenzierung umstellt (vgl. Lames 2012).
(4) Kriterium 4: Produktstrategie – projekthaft, prototypisch, experimentell
Ein System kann nicht zugleich maximal funktionieren und optimal lernen. Produktivität und Lernen verlaufen antizyklisch. Wenn ein System lernt, funktioniert es nicht (optimal). Es wird viel ausprobiert. Lösungen sind pragmatisch. Entscheidungen gelten für begrenzte Zeit und können revidiert werden. Fehler bzw. Störungen sind erlaubt und willkommen. Prozesse, Ergebnisse und Wirkungen werden kommuniziert und evaluiert.
Ganz anders Systeme im Zustand hoher Funktionsfähigkeit, im Status der Massenproduktion: Output ist das Kriterium. Es liegen Routinen vor, die effizienzoptimiert sind. Störungen und Fehler sind lästig, müssen abgestellt werden. Am Fließband gibt es keine Möglichkeit, zurückzutreten, zu reflektieren, zu kommunizieren oder gar Änderungen vorzunehmen.
Die Kirche tut alles, um genau in diesem Modus zu bleiben. Wie soll sie da lernen? Die Prioritäten müssen neu justiert werden: Nicht Produktion und deren Steuerung, Innovation und Entwicklung werden gebraucht. Mindestens 2/3 der verfügbaren Ressourcen sind in die Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen zu investieren, die geeignet sind, bestehende Routinen zu stören, produktive Unterschiede hervorzubringen und Neukunden zu gewinnen. Die Pastoral der Zukunft ist experimentell: Ästhetische Differenzierung des Portfolios, innovative Projekte und prototypisches Arbeiten sind gefordert. Mit den Worten von Linus Pauling, dem zweimaligen Nobelpreisträger: „To have a good idea, you must have lots of ideas”.
Hierfür braucht es angemessene Lernarchitekturen, die Räume bereitstellen, in denen methodisch fundiert in einem geschützten Rahmen kreativ-divergent gedacht und systematisch experimentiert werden kann. Feedback-Schleifen dienen dazu, Wirkungen kontinuierlich zu evaluieren. Qualifizierte Entscheidungsprozesse stellen sicher, dass die Ergebnisse von Suchprozessen nicht versanden und gefundene Lösungen implementiert werden (vgl. Dessoy 2012 [b]).
(5) Kriterium 5: Sozialgestalt – dezentral, lose gekoppelt, multistabil
Komplexe, dynamische Umwelten erfordern Strukturen, die multistabil, also flexibel und beweglich sind. Demnach gilt die Struktur den Unternehmen heute lediglich als Mittel, um die jeweilige (Markt-)Strategie umzusetzen („structure follows strategy“).
Netzwerkstrukturen eignen sich in besonderer Weise, die Kopplung im System im Blick auf Prozesse bedarfsgerecht zu variieren. Nicht die Aufgabenträger und ihre Funktion sind der Ausgangspunkt, sondern die Kunden und die Prozesse, die gebraucht werden, um die Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Netzwerkstrukturen setzen auf dezentrale Ressourcenverantwortung und die Selbststeuerung autonomer Teilsysteme in Teams und Projekten. Sie fördern die horizontale Vielfalt (Differenzierung und Diversität) und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, über Abweichung vom Standard Innovationen hervorzubringen.
Die Kirche ist eine heterogene Mischorganisation, in der gleichzeitig unterschiedlichste Organisationsmodelle wirksam sind. Es besteht in der Vertikalen eine hohe formal-strukturelle Komplexität, die eine Vielzahl höchst langwieriger und redundanter Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse erforderlich macht. Das dient der Vereinheitlichung und der Stabilität, verhindert aber eine zeitnahe und flexible Anpassung an veränderte Umweltanforderungen. Das System ist strukturell fixiert (vgl. Dessoy 2010 [b]).
Angesichts der Krise reagiert die Kirche über weite Strecken nach altem Muster. Sie versucht, die Kopplung noch enger zu zurren, teils mit normativ-ideologischer („Hl. Rest“, „Leuchtender Berg“, „Biotope des Glaubens“) teils funktional-administrativer Begründung („bessere Steuerung“, „effizienteres Management“). In beiden Fällen wird Kompetenz nach innen und oben verlagert.
Das Gegenteil scheint angeraten: Die auf größtmögliche Stabilität und Funktionalität ausgerichtete Gestalt ist so zu transformieren, dass sie sich nachhaltig in einem dynamischen Umfeld bewegen kann, das maximale Flexibilität und Innovation erfordert. Kundennähe, Differenzierung und Beweglichkeit gewinnt Kirche dann zurück, wenn sie Strukturen und Prozesse im Binnenbereich dezentral organisiert, also ihre horizontale Komplexität erhöht, und zugleich ihre vertikale Struktur vereinfacht, sich im Overhead wesentlich schlanker aufstellt als bisher.
Die Kirche der Zukunft wird sich als Netzwerk multipler Kirchorte darstellen: Lose gekoppelte, autonome (selbststeuernde) Einheiten unterschiedlicher Formate („Gemeinden“) kooperieren in großen pastoralen Räumen prozess- und projektbezogen miteinander. Einzelne profilierte kirchliche Zentren bündeln die pastorale Arbeit inhaltlich und personell, richten Akteure und Aktivitäten auf das Ganze und die Einheit aus, schärfen exemplarisch das Profil von Kirche nach innen und außen und sichern ggf. eine knapp bemessene „Grundversorgung“ (vgl. Dessoy 2009, Kehl 2009). Wie aber geschieht hier Steuerung?
(6) Kriterium 6: Prozesse – rational, transparent, verbindlich
Lernprozesse in Organisationen setzen voraus, dass Basisprämissen und Regeln transparent und für alle Beteiligten gleichermaßen verbindlich sind. Sie können nicht einseitig und beliebig geändert oder außer Kraft gesetzt werden. Umgekehrt sind sie einem rationalen Diskurs zugänglich und (zumindest langfristig) veränderbar. Hierfür gibt es wiederum allseits bekannte und verbindliche Regularien.
In lose gekoppelten Organisationsformen gelten nur ganz wenige, übergeordnete Basisprämissen und Metaregeln. Die konkreten Spielregeln werden von den jeweils Beteiligten selbst mit Hilfe zeitlich befristeter, verbindlicher und überprüfbarer Vereinbarungen festgelegt. Steuerung geschieht cross-over über Kontrakte, nicht top-down über Vorgaben.
Das klingt trivial, ist jedoch für die Kirche eine besondere Herausforderung: Trotz anderer, hierarchisch-bürokratischer, synodal-demokratischer oder kooperativ-teamorientierter Traditionen (Dessoy 2010 [b]), ist sie in ihrem Kern durch eine monarchischfeudale, bisweilen absolutistische Form der Machtausübung geprägt (vgl. Gärtner, 2002). Kennzeichnend sind zwei Regeln:
– 1. Regel: Persönliche Beziehungen sind entscheidend. Regeln können sich jederzeit ändern – jenseits formaler Regularien und unabhängig vom eigenen Zutun. Durchgriff und Bestrafung an formalen hierarchischen Ebenen vorbei sind möglich etc.
– 2. Regel komplementär: Regeln und Vereinbarungen müssen nicht eingehalten werden, solange keine ernsthaften (öffentlichen) Störungen auftreten oder Machtinteressen anderer berührt werden. Die Folge ist ein ritualisiertes Muster „geplanter Folgenlosigkeit“: Man trifft sich, bespricht sich, vereinbart sich – und hält sich nicht daran.
Dieser Mechanismus lähmt das zentrale Nervensystem der Organisation durch einen kulturell und strukturell verankerten Überhang negativer Feedback-Schleifen. Veränderungsimpulse können sich nicht fortpflanzen und verstärken. Das macht das System hochgradig stabil.
Eine Kulturveränderung setzt gerade hier an: Ziele, Vorgehensweisen und Regeln der Zusammenarbeit sind transparent zu machen, operational zu beschreiben, verbindlich zu vereinbaren und konsequent zu überprüfen. Feudal-normative Eingriffe sind konsequent zu unterbinden. Das erfordert von den Beteiligten Mut, macht aber auf der anderen Seite auch sehr schnell deutlich, ob die Organisation in der Substanz und in der Führung bereit ist, die erforderliche Kulturveränderung mitzugehen.
(7) Kriterium 7: Führung – ermöglichend, unterstützend, emanzipatorisch
Organisationen, die sich in komplexen, dynamischen Kontexten bewegen, brauchen ein grundlegend verändertes (Rollen-) Verständnis von Führung und Leitung (vgl. Berkel 2008). Der Schwerpunkt verschiebt sich von der Organisation und Steuerung des Alltagsgeschäfts (dem klassischen Management) hin zur Begleitung von Innovations- und Transformationsprozessen. Der Manager der Zukunft ist „Systemarchitekt, Katalysator, Trainer und Spielführer, der die Mannschaft richtig einsetzt und zum Sieg führt“ (Doppler 2006, 33).
Wenn die Transformation von Kirche im Rahmen einer offensiv-missionarischen Reformstrategie auf maximale Einheit und maximale Selbststeuerung zielt, besteht die Kunst des Führens und Leitens darin, kontextuell-situativ zu erkennen, was die Menschen im jeweiligen System aus eigener Kraft und Kompetenz zu leisten in der Lage sind, um sie an dieser Stelle zu unterstützen, den nächsten Lernschritt im Sinne der kirchlichen Gesamtstrategie zu gehen.
In einem Szenario, das Kirche als Netzwerk multipler selbststeuernder „Kirchorte“ oder „Gemeinden“ begreift, sind kirchliche Führungs-/Leitungskräfte nicht in erster Linie für die operative Seelsorge oder deren Steuerung, sondern dafür verantwortlich, angemessene Bedingungen für lokale Lern- und Entwicklungsprozesse zu schaffen, also Differenzierung und Innovation durch größtmögliche Autonomie und Selbststeuerung zu ermöglichen. Modern formuliert: Die Kirche braucht zukünftig Führungskräfte, die sich als Coaches, also Spielertrainer, verstehen.
Die Grundregeln, an die sich F&L-Kräfte zu halten haben, sind vergleichsweise einfach. Es gilt, nichts zu tun, was der Übernahme von Selbstverantwortung im Wege steht oder diese verhindert, dagegen alles dafür zu tun, dass die Verantwortung für die Seelsorge, ihre Organisation und Weiterentwicklung vom jeweiligen System, also den Menschen selbst aufgrund ihrer Taufwürde, wahrgenommen wird (vgl. Dessoy 2010 [b], Schrappe 2012). Konsequent angewandt lösen diese Prinzipien natürlich zunächst massiven Widerstand aus. Auf Dauer haben sie eine durchschlagende emanzipatorische Wirkung.
(8) Kriterium 8: Personalpolitik – flexibel, charismenorientiert, leistungsbezogen
Monolithische Rollenarchitekturen und ein bürokratisches Amtsverständnis sind denkbar ungeeignet, flexibel kundenorientierte Prozessketten zu knüpfen und netzwerkartige Organisationsstrukturen aufzubauen. Moderne Unternehmen setzen daher auf flexible Rollenarchitekturen. Sie stellen umfangreiche Qualifizierungs-, Förder- und Anreizsysteme bereit, damit die Mitarbeiter/innen den Sinn eines besonderen Einsatzes erkennen können und ihre Potenziale abrufen bzw. weiterentwickeln.
Ganz anders in der Kirche: In traditioneller Logik hat der Priester mit Studium, Weihe und Beauftragung alles, was er zu seinem Dienst braucht. Sein Lernprozess ist abgeschlossen. Gleichwohl fehlt ihm zumeist das in der Praxis erforderliche Knowhow. In Personal- und Organisationsentwicklungsprozessen zeigt sich regelmäßig auf allen Ebenen ein tiefgreifender Mangel an strategisch-struktureller und systemisch-prozesshafter Wahrnehmungs- und Handlungskompetenz, also jene Fähigkeiten, die gebraucht werden, um auf Distanz führen und Entwicklungsprozesse gestalten zu können (vgl. Berkel 2008).
Das klassische Rollenverständnis („allen alles“) entfaltet mit der generellen Kompetenzzuschreibung („alle können alles“) und dem am einzelnen ausgerichteten Seelsorgeverständnis in dynamischen Kirchenumwelten eine fatale Wirkung: Die Mehrzahl der Priester ist massiv überfordert. Viele lösen den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit durch Komplexreduktion, durch Rückzug oder Krankheit. Die Verantwortlichen müssen akzeptieren, dass nur ein begrenzter Teil des Klerus geeignet (bzw. qualifizierbar) ist, die erforderlichen Veränderungen mitzugehen, geschweige denn dabei die Führung zu übernehmen. Bei haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen ist die Situation häufig umgekehrt: Ressourcen, Kompetenzen und Motivation sind vorhanden, können jedoch nicht angemessen eingesetzt werden.
Eine auf Innovation und Nachhaltigkeit ausgerichtete Personalpolitik setzt auf eine differenzierte und flexible Rollengestaltung/-architektur, einen charismenorientierten Personaleinsatz, eine strategisch ausgerichtete Personalentwicklung und eine leistungsbezogene Gratifikation (vgl. Schrappe 2012). Diese Prinzipien gelten gleichermaßen für die Arbeit mit hauptberuflichen wie mit ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter/innen.
(9) Kriterium 9: Kommunikation – wertschätzend, ermutigend, inspirierend
Eine Kultur der Erneuerung lebt von einer Kommunikation, die wertschätzend, ermutigend und inspirierend ist. Es gibt ein grundlegendes Vertrauen, dass man gemeinsam auf der Suche nach dem richtigen Weg ist. Abweichungen und Fehler sind erlaubt und erwünscht, um Unterschiede zu produzieren, neue Erfahrungen zu machen und neues Wissen zu generieren. Wer dies tut, macht andere stark, ganz im Sinne der Worte Jesu an Petrus: Stärke Deine Brüder! (Lk 22,32). Empowerment ist das Zauberwort.
Kirche, wie wir sie kennen, funktioniert traditionell und auch heute vielfach noch ganz anders. Normativ auf Erhalt programmiert, sind Transparenz und diskursive Differenz (trotz vieler anderslautender Bekundungen) nicht wirklich erwünscht. Kleinste Abweichungen werden bestraft, nicht gefördert, geschweige denn gezielt initiiert. Wenn Öffentlichkeit ins Spiel kommt, hört der Spaß auf, folgen Sanktionen, ggf. Exklusion. „Divide et impera“, isolieren und abstrafen, ist noch immer die Methode der Wahl. Umgekehrt werden kriminelle Machenschaften über Jahrzehnte hinweg systematisch gedeckt und vertuscht, um das „System Kirche“ zu schützen und bestehende Machtverhältnisse zu bewahren. Wen wundert es, dass die besten Köpfe auswandern?
Der Kirche muss es gelingen, ihre kulturgeschichtlich größte Stärke, die soteriologische Dimension ihrer Botschaft, die heilende und befreiende Kraft des Evangeliums wieder zu entdecken. Diesmal aber nicht im Gegenüber, sondern im Ringen mit sich selbst. Wenn ihr dies – Transparenz und Emanzipation nach innen – gelingt, und nur dann, wird sie ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Dann ist sie auch in der Lage, ihre Botschaft in moderner Gesellschaft zu bezeugen und zu plausibilisieren.
4. Fazit: Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten? (Lk 24,5)
Aus sozial- bzw. organisationswissenschaftlicher Perspektive kann gesagt werden: Kirche könnte gehen, wenn sie Raum zum Gehen lässt. Viele stehen in den Startlöchern. Einzelne Aufbrüche gibt es bereits. Potenziale und Ressourcen sind zuhauf vorhanden. Entscheidungen sind fällig – jetzt.
5. Literatur
Berkel, K.: Führen und Leiten in der Kirche, in: LS 2/2008, 75–79.
Bucher, R.: Neue Machttechniken in alter Gnadenanstalt?, in: V. Dessoy, G. Lames: „Denn sicher gibt es eine Zukunft“ (Spr 23,18). Strategische Perspektiven kirchlicher Organisationsentwicklung, Trier 2008, 274–291.
Dessoy, V.: Wie Kirche zu einer lernenden Organisation werden kann, in: LS 4/2012, 243–247 [a].
Ders.: Design Thinking – Organisationskultur und Innovationsmethode, in: Ders., G. Lames (Hrsg.), „Siehe ich mache alles neu“ (Off 21,5). Innovation als strategische Herausforderung in Kirche und Gesellschaft, Trier 2012, 184–200 (b).
Ders.: Die Reform reformieren. Strategisch denken und prozessorientiert handeln lernen, in: Diakonia 1/2010, 65–68 (a).
Ders.: V., Kirche in Zukunft führen und leiten, in: Ders., G. Lames (Hrsg.), „… und siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende!“ (Mt 28,20) Zukunft offen halten und Wandel gestalten. Strategisches Denken und Handeln in der Kirche, Trier 2010, 202–225 (b).
Ders.: Führen und Leiten von Pfarren. Differenzierte Rollenarchitektur in zukunftsfähiger Sozialgestalt, in: ThPQ 1/2009, 10–17.
Dessoy, V., Lames, G. (Hrsg.): „Siehe ich mache alles neu“ (Off 21,5). Innovation als strategische Herausforderung in Kirche und Gesellschaft, Trier 2012.
Doppler, K.: Führen in Zeiten der Veränderung, in: OrganisationsEntwicklung 1/2006, 28–39.
Gärtner, H. W.: Kirche als Organisation – (Leib Christi) aus organisationstheoretischer Sicht, in: Wege zum Menschen 54/2002, 373–388.
Hervieu-Léger, D.: Pilger und Konvertiten. Religion in Bewegung, Würzburg 2004.
Kehl, M.: Ekklesiologische Überlegungen zur pastoralen Neuordnung in den deutschsprachigen Diözesen. Vortrag beim Symposion: Die Kirche Jesu Christi, Vallendar 2009 (http://www.sankt-geogen.de/kehl/pdf/Kehl_Ekklesiologische_Ueberlegungen_ zur_pastoralen_Neuordnung_der_deutschspr_Dioezesen.pdf [01.10.2012]).
Lames, G.: Kirche ist Organisation – und anderes, in: LS 4/2012, 226–232.
Ders.: Metanoia – Kirche im Wandel – vom Krisenschema zum Entdeckungsschema in Kirche und Pastoral?, in: TThZ 4/2003, 255–267. Luhmann, Soziale Systeme, Frankfurt/M. 41993.
Schrappe, C.: Personalentwicklung im Bereich Seelsorgepersonal. Ein Schlüsselinstrument zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Kirche, Würzburg 2012.
Spielberg, B.: Kann Kirche noch Gemeinde sein? Praxis, Probleme und Perspektiven der Kirche vor Ort, Würzburg 2008.
Dessoy, Valentin, Dr. phil., Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Geschäftsführer von kairos. Coaching, Consulting, Training Mainz, Psychotherapeut, Familientherapeut (IFW), Trainer, Supervisor (BDP), Coach (BDP) und Organisationsberater; Schwerpunkte: Strategische Organisations- und Personalentwicklung, Führungskräfteentwicklung, Prozessoptimierung und Innovation; Autor und Herausgeber einschlägiger Veröffentlichungen in den Bereichen Führen und Leiten, Organisations- und Personalentwicklung, Mitherausgeber der online-Zeitschrift futur2. Kontakt: Gartenfeldstr. 3, D-55118 Mainz, Tel. +49 | (0)6131 | 9 45 46 57, E-Mail: info@kairos-cct.de, Web: http://www.kairoscct.de.Buch „Kirche geht“
Weltkirchliche Wegerfahrungen
Jean Paul Russeil
Ein Weg des Glaubens in der Sendung der Kirche: die örtlichen Gemeinden
[aus dem Französischen von Gabriele Viecens, Dipl.-Übers.]
„Damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10)
Einleitung
Zu berichten von einem Weg des Glaubens, dessen Grundlage eine klare pastorale Option für die Örtlichen Gemeinden in der Diözese Poitiers ist, das erfordert zuallererst einmal, den Kontext zu beschreiben. Und im zweiten werde ich dann auf die drei Fragen eingehen, die Sie mir im Vorfeld gestellt haben und dann noch kurz zusammenfassen.
I Im Kontext der Kirche in Frankreich
1. Der Brief der Bischöfe an die Katholiken in Frankreich (1996) ist Anruf an uns, zum Wesentlichen vorzudringen, was das Leben im Glauben ausmacht.
Für die Kirche Gottes in Frankreich ist der Brief der Bischöfe von 1996 an die Katholiken in Frankreich so etwas wie eine Zäsur: In der heutigen Gesellschaft den Glauben vorschlagen. Der Brief wendet sich an alle Getauften und geht von klaren Feststellungen aus:
„Wir können … die Augen nicht verschließen vor den besorgniserregenden Anzeichen eines Tiefstands religiöser Praxis, eines gewissen Verlustes der gemeinsamen christlichen Erinnerung, der Problematik der fehlenden nachfolgenden Generationen. Stellung und Zukunft des Glaubens selbst in unserer Gesellschaft sind in Frage gestellt.“
Der Brief präzisiert dann die pastorale und geistliche Haltung:
„Wir sind ohne Zögern bereit, uns als Katholiken in das kulturelle und institutionelle Gefüge der Gegenwart, das vor allem durch Individualismus und Laizismus gekennzeichnet ist, einzubringen. Wir lehnen jede Nostalgie nach vergangenen Epochen ab, in denen angeblich das Prinzip der Autorität unangefochten galt. Wir träumen nicht von einer unmöglichen Rückkehr zur so genannten Christentümlichkeit (chrétienté). (…) Kurz, wir meinen, dass die heutige Zeit für die Verkündigung des Evangeliums nicht weniger günstig ist als die vergangenen Zeiten unserer Geschichte.“ (I.1) „Selbst wenn die jetzige Situation zuweilen mühsam ist, so ist sie doch eine Chance, die wir nicht verpassen dürfen. Wir sind gehalten, gemeinsam zum Wesentlichen vorzudringen, zu dem, was unser Leben als Glaubende ausmacht und so noch entschlossener und radikaler Jünger und Zeugen des Gottes Jesus Christus zu werden.“
Die Kirche in Frankreich ist ganz klar eingeladen, den „Glauben vorzuschlagen“. Wenn wir aber den Glauben vorschlagen, so fordert uns das auch heraus, selber „an die Quellen unseres Glaubens“ zu gehen. Darin liegt auch die Herausforderung der beiden Synoden, die, in Einklang mit dem Kirchenrecht (CIC) seit 1983 stattgefunden haben.
2. Die Diözesansynoden sind Teil der Rezeption des Kirchenbildes des II. Vatikanischen Konzils in dem vom Kirchenrecht festgelegten Rahmen
Wir wissen, wie sich die Institution der Diözesansynoden im Kirchenrecht darstellt. Der CIC (Codex Iuris Canonici) von 1983 gibt den institutionellen Rahmen vor, wie Diözesansynoden abgehalten und gefeiert werden sollen (Kanon 460–468). So ist dieser Schritt der Diözese Poitiers – in Bezug auf die Weltkirche – im Einklang zu sehen mit dem Kirchenbild des II. Vatikanischen Konzils und seiner institutionellen Umsetzung gemäß den Normen des CIC von 1983. Es besteht aber genau so ein Einklang – in Bezug auf die Kirche in Frankreich – mit der Perspektive, die die Bischöfe in ihrem Brief „In der heutigen Gesellschaft den Glauben vorschlagen“ zum Ausdruck gebracht haben.
Die erste Diözesansynode unter der Leitung von Bischof Rozier wurde 1983 gefeiert und verkündet mit dem Leitwort „Wege des Evangeliums“. Die zweite Synode wurde 2003 unter der Leitung von Bischof Rouet gefeiert und verkündet mit dem Leitwort: „Diener und Dienerinnen des Evangeliums“. Unsere Erfahrung im Blick auf diese beiden Diözesansynoden erlaubt uns wirklich zu sagen, dass eine Synode die tiefe Natur der Kirche als Ort der Versammlung zum Ausdruck bringt; sie stellt sicher, dass die Meinung von allen gehört werden kann, weil alle repräsentiert sind; sie garantiert den Status des apostolischen Dienstamtes: Der Bischof beruft die Synode ein, steht der Versammlung vor und verkündet die synodalen Beschlüsse. Er verortet die Diözesankirche im konkreten menschlichen und kulturellen Kontext. Er ermöglicht Initiativen im Blick auf die Sendung der Kirche, das Heil des Evangeliums zu verkünden. So können wir sagen, dass wir die beiden Synoden als spirituelles Ereignis gelebt haben, welches das missionarische Bewusstsein einer Diözese herausbildet und ihre pastorale Ausrichtung im Glauben verwurzelt.
II Die langsame und geduldige Arbeit im Blick auf den Glauben: 3 Fragen
Der Ausdruck „Örtliche Gemeinden“ ist im Dekret des II. Vatikanums über Dienst und Leben der Priester (Presbyterorum ordinis) zu finden:
„Die Einzelgemeinde (communitas localis) darf darum nicht nur die Sorge für die eigenen Gläubigen fördern, sondern muss, von missionarischem Eifer durchdrungen, allen Menschen den Weg zu Christus ebnen. Ihre besondere Sorge gelte jedoch den Katechumenen und Neugetauften; sie sind schrittweise zur Erkenntnis und Führung eines christlichen Lebens zu erziehen.“ (6)
Der zweifache Horizont einer jeden örtlichen christlichen Gemeinschaft wird hier beschrieben: Zum einen geht es um das missionarische Bewusstsein der Kirche, die gesandt ist, das Evangelium „auf Augenhöhe“ zu verkünden, aber auch darum, Ort zu sein, wo Erziehung im Glauben stattfindet. Derselbe Konzilstext bekräftigt auch den Sinn der cura pastoralis, wenn er sagt:
„Die Hirtenaufgabe beschränkt sich aber nicht auf die Sorge für die einzelnen Gläubigen, sondern umfasst auch wesentlich die Bildung einer echten christlichen Gemeinschaft.“
Das Herz, die Mitte der Örtlichen Gemeinden in der Diözese Poitiers sind Taufwürde und die Sakramente der christlichen Initiation. Hier offenbart sich der Zusammenklang von Spiritualität, Theologie und Pastoral – ein Zusammenklang, der Nahrung ist für unsere Diözese schon seit den Zeiten ihres ersten bekannten Bischofs: der heilige Hilarius, Kirchenvater und Kirchenlehrer. In der Tat ist es so, dass der Ausgangspunkt seiner theologischen Reflexion der Glaube an die Taufe ist. Diese Verwurzelung in der Geschichte des Glaubens im Poitou weist auf eine Priorität hin: nämlich Ausbildung. In diesem Kontext kommt in der zweiten Diözesansynode deutlich zum Ausdruck, woraufhin die Örtlichen Gemeinden ausgerichtet sind:
„Der Geist der örtlichen Gemeinden ist vor allem ‚missionarisch‘. Jede Aufgabe wird anvertraut auf der Grundlage der christlichen Initiationssakramente, um so für das Evangelium Zeugnis zu geben. Aber jede Aufgabe, die einer Person anvertraut wird, entbindet die anderen Mitglieder der örtlichen Gemeinde nicht von ihrer je eigenen Verantwortung. Darüber hinaus ist die gesamte Kirche eingeladen, allen Menschen zum Nächsten zu werden: denn da, wo eine christliche Gemeinschaft lebt, da ist Kirche, da ist Christus (Mt 18,20).“
Dieses Zitat aus den synodalen Dokumenten gibt ein Echo auf die oben erwähnten Konzilstexte. Als nächstes möchte ich auf die drei Fragen eingehen, die Sie mir gestellt haben:
Auf dem Weg zu neuen Pfarreien
Die ersten synodalen Dokumente aus dem Jahr 1993 weisen darauf hin, dass neue Pfarreien errichtet werden können, aber es ist „dafür Sorge zu tragen, dass lebendige Gemeinschaften erhalten bleiben.“ Im gleichen Paragraph der synodalen Dokumente findet sich auch der Ausdruck „örtliche Gemeinde“, ebenso wie das Wort „équipe d‘animation“, d. h. eine örtliche Equipe, die die Lebendigkeit der Gemeinde fördert. Einige Monate nach der Verkündung der synodalen Akte durch Mgr Rozier wurde Mgr Rouet zum Bischof-Koadjutor ernannt. Er nimmt diese Termini wieder auf um die zugrundeliegende pastorale Orientierung zu bekräftigen, und die Dokumente der Diözesansynode von 2003 bekräftigen diese Perspektive noch einmal: „eine Untersuchung (…), mit dem Ziel, welche Möglichkeiten gegeben sind, die Pastoralsektoren, die sich aus örtlichen Gemeinden zusammensetzen, kirchenrechtlich in neue Pfarreien zu entwickeln“
Der neue Erzbischof von Poitiers – Mgr Pascal Wintzer – hat vor kurzem ein Dekret erlassen sowie einen Hirtenbrief geschrieben, in denen er noch einmal den Unterschied zwischen Pfarrei und örtlicher Gemeinde präzisiert. Die Pfarreien sind zu verstehen als „Gemeinschaft von örtlichen Gemeinden“. Die Zielrichtung wird von ihm ganz klar benannt: „Pfarreien für die Evangelisierung“. Die Schritte, die momentan unternommen werden, um Bezugspunkte und Wegmarken zur Vorbereitung dieser neuen Pfarreien herauszukristallisieren, die Art und Weise der Beratungen und die Art, wie Meinungen eingeholt werden – all dies ist klar synodaler Natur. So kann man sagen, dass der Horizont für die neuen Pfarreien schon seit 20 Jahren präsent ist, aber es brauchte vor allem auch noch den geduldigen Weg der örtlichen Gemeinden und ganz besonders das immer tiefere Verständnis der Taufgnade. Heute ist es möglich geworden, dass – im Rahmen der neuen Pfarreien – sowohl das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen und das pastorale Dienstamt der Priester zum Ausdruck gebracht wird vor dem Hintergrund der Sendung, die die Kirche allen anvertraut hat. Ich möchte das gern noch etwas präzisieren: Die Pfarreien sind weder der einzige Ort noch die einzige Weise, wo oder in der das Evangelium verkündet werden kann. Sie ist ein Ort „in der Vielfalt der Mission der Kirche“. Es gibt ja auch noch die apostolischen Verbände, geistliche Gemeinschaften, spirituelle Gruppen, Orte, wo Ausbildung und Erziehung stattfindet, Nächstenliebe geübt wird und noch weitere, verschiedenste Einrichtungen, die an der Sendung der Kirche teilhaben.
Gemeinsames Priestertum der Gläubigen und Dienstamt der Priester
Sie haben die Frage nach der Beziehung zwischen dem gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen und dem priesterlichen Dienstamt gestellt. Die Dokumente der Synode von 2003 (Diener und Dienerinnen des Evangeliums, Abs. 3211) zitieren zu diesem Punkt die dogmatische Konzilskonstitution Lumen Gentium 10:
„Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christiteil.“
In den synodalen Dokumenten heißt es dann weiter:
„Die grundlegendsten Glaubensartikel bringen immer dieselben wesentlichen Elemente zum Ausdruck: Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. Daher bekennen wir einen einzigen Herrn, Jesus Christus, einen einzigen Gott. (…) Die Verwendung der Konjunktion ‚und‘ lädt uns dazu ein, die Sakramente der christlichen Initiation und das Sakrament des Ordo nicht als alternative oder entgegengesetzte Sakramente anzusehen, sondern als einander zugeordnet.“
Unser Ansatz verortet konkret dieses Zitats aus Lumen Gentium 10 im Bekenntnis des trinitarischen und christologischen Glaubens. In der Tat kann man sagen, dass das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Priestertum des Dienstes „teilhaben am Priestertum Christi“. Dennoch gibt es einen Unterschied, der in der Quelle der Sakramente des Glaubens begründet ist: Einerseits qualifizieren die Sakramente der christlichen Initiation die örtlichen Gemeinden für die ihnen anvertraute Sendung; andererseits bevollmächtigt das Sakrament des Ordo zur cura pastoralis. Hier findet das chalzedonsiche Prinzip seine Anwendung: Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Priestertum des Dienstes sollen empfangen und gelebt werden, „ohne das eine mit dem anderen zu vermischen oder voneinander zu trennen.“ Das eine ist nicht das andere, aber das eine ist auch nicht ohne das andere: Der heilige Augustinus hat das sehr bemerkenswert formuliert:
„Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil.“
Das II. Vatikanische Konzil bezeichnet die Beziehung zwischen den Laien und den Hirten mit dem Adjektiv „vertraut“ – wie in einer Familie.
„Aus diesem vertrauten Umgang zwischen Laien und Hirten kann man viel Gutes für die Kirche erwarten. In den Laien wird so der Sinn für eigene Verantwortung gestärkt, die Bereitwilligkeit gefördert. Die Kraft der Laien verbindet sich leichter mit dem Werk der Hirten. Sie können mit Hilfe der Erfahrung der Laien in geistlichen wie in weltlichen Dingen genauer und besser urteilen. So mag die ganze Kirche, durch alle ihre Glieder gestärkt, ihre Sendung für das Leben der Welt wirksamer erfüllen.“ (Lumen Gentium 37)
Und im Blick auf die unterschiedlichen Realitäten in der Pastoral:
„(Das wirkt sich auf die Beziehung aus, die in der Kirche zwischen dem allgemeinen Priestertum und dem Amtspriestertum besteht.) Der Umstand, daß sie, obgleich sie sich dem Wesen nach unterscheiden, einander zugeordnet sind, schafft eine Wechselseitigkeit, die zum harmonischen Aufbau des Lebens der Kirche als Ort des geschichtlichen Vollzugs des von Christus gewirkten Heils beiträgt.“ (Pastores gregis 10)
Und im Blick auf die Priester:
„Schließlich stehen die Priester in einer positiven und anregenden Beziehung zu den Laien, denn ihre Gestalt und ihre Aufgabe in der Kirche ersetzen ja nicht das auf die Taufe zurückgehende gemeinsame Priestertum des ganzen Volkes Gottes, sondern fördern es, indem sie es zu seiner vollen kirchlichen Verwirklichung führen.“ (Pastores dabo vobis 17)
Eine solche Haltung erfordert ganz klar den Willen zu geschwisterlichem Dialog und pastoraler Unterscheidung im Hören auf das Wort Gottes; sie erfordert, das Wirken des Hl. Geistes zu erkennen und aufzunehmen, sich für die Vergebung Gottes und seine Barmherzigkeit gegenüber unseren menschlichen Schwächen zu öffnen; ein lebendiges Bewusstsein der Sendung der Kirche in unserer heutigen Welt, den Wunsch und Willen, das Evangelium zu verkünden. Ebenso erfordert es auch institutionelle Regelungen, um in der richtigen Weise die Grundlage für eine gesunde und fruchtbare Zusammenarbeit zu schaffen. Wenn wir die Würde der Laien hervorheben, die ihnen durch die Taufgnade geschenkt ist, qualifiziert das die Priester nicht ab, ganz im Gegenteil. Es gilt aber auch umgekehrt: wenn der Sinn und die Schönheit der pastoralen Verantwortung des priesterlichen Dienstamtes zum Ausdruck gebracht wird, qualifiziert dies die Laien nicht ab. In keiner Weise kann der Wert des einen den Wert des anderen mindern. Dass das eine zum anderen in einer rechten Beziehung steht, gründet nicht nur auf gesellschaftlicher Anerkennung oder der Aufgabenverteilung, entscheidend erscheint uns die Lehre von der Kirche als Communio. Die kirchliche Gemeinschaft setzt Gemeinschaft im Glauben voraus, und die Gemeinschaft in den Sakramenten des Glaubens. Dies kommt zum Ausdruck in der verschiedenartigen Teilhabe (participatio) an der einen Mission der Kirche. Eine solche Perspektive erfordert einen echten Weg der Umkehr (metanoia): Wir können das Gewicht unserer Gewohnheiten, unsere Zögerlichkeit, den eigenen Willen, unsere Widerständlichkeit gegenüber Veränderungen, die doch notwendig sind in einer Welt, die sich in einer tiefergreifenden Veränderungsphase befindet, nicht einfach ignorieren. Es geht um die Nachfolge Christi (sequela Christi) und um ein lebendiges Bewusstsein im Blick auf die empfangene Sendung. Der Dienst der Diözese am spirituellen Leben, die Begleitung der örtlichen Gemeinden, das Verfassen von Texten über die großen spirituellen und pastoralen Persönlichkeiten unserer Diözese tragen dazu bei, diesen Weg zu gehen.
Eine Vielfalt an Berufungen und Diensten
Sowohl das aufeinander Bezogensein und als auch die Abgrenzung der Laienberufungen und des priesterlichen Dienstamtes rufen nach neuen kirchlichen Lehrentwicklungen. Diese Herausforderung ist auch dogmatischer Natur, sie ist Konsequenz des II. Vatikanischen Konzils, aber auch Konsequenz des neuen kulturellen Kontextes, in dem Glaubensverkündigung heute stattfindet. Von daher gilt es auch wahrzunehmen, was die Wiedereinführung des ständigen Diakonats als eigener Grad des Sakraments des Ordo bedeutet (im Bistum Poitiers haben wir 40 Diakone und weitere 10 in der Ausbildung). Ebenso sind wir auch herausgefordert, die „anerkannten Laiendienstämter“ (Laien, die einen kirchlichen Sendungsauftrag haben) in den Blick zu nehmen, im Moment sind dies 75 Personen. Wenn wir die Pluralität der Berufungen in der Kirche anerkennen, so bedeutet das: Wir bezeugen, dass das Evangelium in jeder Kultur, in jeder menschlichen Situation, verkündet werden muss – als pfingstliches Ereignis, wo jeder die Botschaft in seiner eigenen Sprache hören konnte. Denn:
„Es besteht in der Kirche eine Verschiedenheit des Dienstes, aber eine Einheit der Sendung.“ (Apostolicam Actuositatem 2)
Was es braucht, sind tatsächlich neue kirchliche Lehrentwicklungen. Der Glaube ist weder eine Frage der Hierarchie von Privilegien, noch geht es darum, dass wir immer alles und für alle Zeiten genau so weitermachen müssten. Der Glaube ist vielmehr ein Weg, ein Risiko, das es einzugehen gilt: die Nachfolge Christi und ein Leben aus dem Evangelium. In der Kirche von Frankreich, und also auch in der Diözese Poitiers, müssen wir bei jeder Auswahl, die wir treffen, sehr genau die Konsequenzen bedenken, besonders auch aufgrund unserer geringen Mittel. In der französischen Gesellschaft, wo die Kirche kein offiziell anerkanntes Organ ist aufgrund der Trennung von Kirche und Staat, können wir nur handeln durch Menschen, die sich senden lassen. Dem widmen wir unsere ganze Kraft. Es geht darum, dass Menschen als Jünger, in der Nachfolge Christi ans Licht kommen und sein Evangelium bezeugen. Wesentliche Faktoren hierfür sind Katechese für alle Altersgruppen und der Katechumenat. So haben wir z. B. beschlossen, den Erwachsenen alljährlich die Möglichkeit der Firmung vorzuschlagen, wichtig ist auch die Pfingstvigil, denn all das betont unseren Wunsch, die Gaben des Heiligen Geistes, der das Volk Gottes lebendig macht, immer mehr ins Licht zu rücken. Im Blick auf die unterschiedlichen Gaben des Heiligen Geistes, lesen wir die Schriftstelle aus dem zweiten Briefes an Timotheus:
„Aus diesem Grund ermahne ich dich: entfache von neuem die Gnadengabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände.“ (2 Tim 1,6)
Indem wir uns durch den Geist Christi – wie von einem Feuer – ergreifen lassen, kann die Frohe Botschaft mutig verkündet werden in den Gegebenheiten der französischen Gesellschaft von heute. Es geht in der Tat um eine Form von Verzicht – Verzicht darauf, der Vergangenheit hinterherzutrauern, sich von der Gegenwart entmutigen zu lassen oder defätistisch in die Zukunft zu blicken. Nur so können wir das österliche Geheimnis Christi und die Gaben des Heiligen Geistes nach dem Plan Gottes des Vaters bekennen.
Schlussbemerkung: „Damit sie das Leben haben“ (Joh 10,10)
Wir kennen die Wege der Zukunft nicht im Voraus. Erst wenn wir sie gehen, können sich Wege für unsere Zeit eröffnen. Die örtlichen Gemeinden sind Teil dieser pastoralen Option. Ihre Bedeutung ist verwurzelt in der langen Glaubenstradition unserer Diözese und ihr Daseinsgrund zeigt sich in den Früchten, die sie bringen. Sie sind wie Worte der Frohen Botschaft, die sich demütig, aber sehr real so nahe wie möglich in das Leben der Menschen heute übersetzen. Sie sind auch so etwas wie ein Vorgeschmack auf eine Zukunft, die möglich ist. Sie regen Initiativen an, sie erwecken die Freude des Glaubens und des Hoffens und lassen sie wachsen. Sie sind wirklich Teil der Mission der Kirche und möchten Christus Jünger und Jüngerinnen schenken, die sein Evangelium in der Zeit von heute bezeugen.
Jean Paul Russeil ist Generalvikar des Erzbistum Poitiers. Er war Bischofsvikar und theologischer Berater von Erzbischof Rouet und gilt als einer der theologischen Architekten der pastoralen Entwicklung im Erzbistum Poitiers.
Gisèle Bulteau
Örtliche Gemeinden begleiten
[aus dem Französischen von Gabriele Viecens, Dipl.-Übers.]
Vorab möchte ich Ihnen eine kurze Erläuterung der örtlichen Equipen im Erzbistum Poitiers geben: Die pastorale Basiseinheit in unserem Bistum ist der Pastoralsektor mit einem verantwortlichen Priester; in einem Pastoralsektor gibt es mehrere örtliche Gemeinden.
Verantwortlich für eine örtliche Gemeinde ist die Basisequipe, zu deren wesentlichen Aufgaben es gehört, die Lebendigkeit dieser Gemeinde zu fördern. Jede Basisequipe setzt sich aus 5 Personen zusammen, die gerufen bzw. gewählt werden auf der Grundlage ihrer Taufwürde. Ihnen werden folgende Verantwortungen anvertraut: ein Verantwortlicher für die Pastoral mit koordinierender Funktion, ein Verantwortlicher für die materiellen Belange der örtlichen Gemeinde (diese Beauftragungen gehen aus Wahlen hervor). Dazu kommen drei Verantwortliche, die gerufen werden: für die Verkündigung des Glaubens, für das Gebet und das geistliche Leben und ein dritter, der sich um die Nöte der Menschen am Ort kümmert – „Nächstenliebe“. Jedes Mitglied einer Equipe hat den Auftrag, die ihr/ihm anvertraute Sendung Christi fortzuführen, aber nicht nur allein, sondern zusammen mit anderen Menschen aus der örtlichen Gemeinde.
1 Zuhören, begleiten, mit den Menschen auf dem Weg sein
Ich erinnere mich an den Moment, als der Bischof in einer Eucharistiefeier die Anerkennung der örtlichen Gemeinden verkündete. Das war ein großer Augenblick, eine Feier des Glaubens, der Freude, der Geschwisterlichkeit – ein Augenblick des Kircheseins. Während dieser Feier stellt der Priester, der den Pastoralsektor leitet, dem Bischof die Menschen vor, die gerufen sind, die örtliche Basisequipe zu bilden. Jedes einzelne dieser Mitglieder wird vorgestellt, so dass die versammelte Gemeinde jede und jeden wahrnehmen kann. Es kommen meistens auch die Bürgermeister der Zivilgemeinde. Gleichgültig, welcher weltanschaulichen Überzeugung sie auch sein mögen, so legen sie doch Wert darauf, bei diesen Ereignissen, die „Bürger“ der lokalen Bevölkerung betreffen, dabei zu sein.
Wir waren Zeugen für etwas, was man wirklich als eine Art „Wiedererweckung“ der Christen bezeichnen könnte. Christen, die auf Grund ihrer Taufe gerufen sind, die ihnen geschenkten Gaben und Talente in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.
Am Ende dieser Feier hat der Bischof mich vorgestellt und meine Sendung näher erklärt. Einige Wochen später ist dann der eine oder die andere auf mich zugekommen. Die ersten Fragen, die mir gestellt wurden, waren oft organisatorische Fragen.
2 Verstehen, geistlich unterscheiden und antworten
Sehr schnell waren es aber nicht mehr nur organisatorische Fragen, es kamen immer öfter Anfragen nach geistlicher Vertiefung.
Ich wurde gebeten, zu den verschiedenen Orten zu kommen, die Equipen dort zu treffen. Ich habe immer den verantwortlichen Priester darüber informiert, aber sehr oft war es auch der Priester selber, der mich bat zu kommen. Am meisten habe ich zunächst einmal zugehört. Es fällt auf, dass die Anerkennung und der Sendungsauftrag einer Equipe, auf der Grundlage des Vertrauens, die Christen sprach- und auskunftsfähig machte.
Mit der Basisequipe haben wir gemeinsam nach Antworten und Lösungsmöglichkeiten gesucht, oder ich habe die Fragen weitergegeben an betroffene diözesane Dienste. Eines möchte ich aber im Blick auf meine Aufgabe in der Begleitung der örtlichen Gemeinden noch einmal unterstreichen: Die mir übertragene Aufgabe war nicht eine Verantwortung als Teil der Hierarchie, sondern ein mir durch Anerkennung übertragenes Dienstamt.
Der Aspekt der proximité, den Menschen nahe zu sein – dies konkret zu leben hat mich Menschen entdecken lassen, die ein tiefer, lebendiger Glauben prägte, die aber vorher nicht daran gewöhnt waren, über ihren Glauben Auskunft zu geben und ihn mit anderen zu teilen. Sie waren für meinen Dienst der Begleitung sehr dankbar.
Dank dieser Menschen ist nach und nach christliches Leben neu ans Licht gekommen. Sie sind zu Akteuren, zu Subjekten geworden an den Orten, wo sie leben. „Wir haben schließlich das Recht, unser Christsein da zu leben, wo wir sind.“ – ohne dass man immer dazu aufgefordert wird, sich an andere Orte zu begeben (an einen zentralen Ort, in die Stadt, da, wo der Priester ist).
3 Keine örtliche Gemeinde ohne Priester
Der Begleiter der örtlichen Gemeinden ist meistens der Priester, der für den Pastoralsektor verantwortlich ist. Er wird zu jedem planmäßigen Treffen der örtlichen Equipen eingeladen und unterstützt Glaubensleben und missionarischen Eifer der engagierten Christen.
Die Gegenwart des Priesters ist Zeichen der Einheit aller örtlichen Gemeinden und Gruppen von Christen, die in dem konkreten Pastoralsektor leben. Er ruft die gemeinsamen Zielsetzungen immer wieder neu in Erinnerung und hält den Sendungsauftrag des gesamten Pastoralsektors im Blick. Keine örtliche Gemeinde kann sich selber genügen oder sich nur auf sich selbst beschränken.
Der Priester ermutigt und hilft den Christen ihren Glauben zu leben: in Gebetskreisen, durch Lesen und Teilen der Schrift. Er hilft ihnen, mit offenen Augen die menschliche Zerbrechlichkeit der Gemeinden wahrzunehmen: isoliert lebende Menschen, alte Menschen, Altenheime, Heime für Behinderte, Familien in Not, durch Gewalttätigkeit oder durch einen Trauerfall. Er unterstützt die Menschen im Glauben, vertraut ihnen, ohne ständig vor Ort zu sein oder alles selber machen zu müssen.
Menschen sind wichtiger als Strukturen. Eine lebendige örtliche Gemeinde zeichnet sich aus durch das Rufen von so vielen Menschen wie möglich: Du bist das, du kannst das, die Gemeinde braucht das, komm! Es gibt keine Christen, die nicht in der Lage wären, Frucht zu bringen. Niemand ist überflüssig. Jede und jeder Getaufte ist gerufen, die geschenkte Taufgnade anzunehmen. Der Dienst, den es in der Kirche für alle zu erfüllen gilt, gibt uns die Möglichkeit dazu. Der Geist, der jeder und jedem geschenkt ist, befähigt alle dazu, auf den Ruf des Herrn Antwort zu geben. Das Vertrauen, dass uns durch Gott geschenkt ist, lädt dazu ein, uns gegenseitig zu vertrauen.
Die örtlichen Gemeinden sind Wege des Glaubens für die, die sich auf diesen Weg einlassen.
In jeder örtlichen Equipe kann man von besonderen Zeiten des Lernens sprechen, das ist manchmal sehr mühsam. Zu lernen gilt es den Austausch, das Zuhören, sich einlassen auf die Meinung der anderen. Es geht darum, dass sich Solidarität entwickelt, indem wir gemeinsame Initiativen ergreifen. Jede örtliche Equipe ist so etwas wie ein Forschungslabor im Blick auf das Leben von Geschwisterlichkeit. Sie ist aber gleichzeitig auch konkretes und sichtbares Zeichen für die ganze Gemeinde, dass Geschwisterlichkeit möglich und Geschenk für alle ist.
Ein alter Mann von etwa 80 Jahren – er war der erste Pastoraldelegierte seiner Gemeinde und dies seit 6 Jahren – sagte:
„Ich war immer in meinem Beruf engagiert, auch in der zivilen Gemeinde … das ist auch in der örtlichen Gemeinde so weitergegangen. Aber jetzt, wo ich alt bin, entdecke ich, dass die Quelle für mein ganzes Engagement die Taufe ist.“ Und er fügt hinzu: „Was für ein Glück habe ich doch, dass ich diese Kirche kennenlernen durfte!“ Er ist also nicht nur ein alter Mann, sondern vor allem ein glücklicher Christ. Könnte es nicht auch so sein, dass das Leben der örtlichen Gemeinden eine immer stärkere Liebe zur Kirche hervorbringt?
4 Im Gehen des Weges entdeckt man die „Wirkfaktoren“ für den Sendungsauftrag
Die jährlichen Treffen der Priester und der Pastoraldelegierten jeder örtlichen Gemeinde mit dem Bischof und den Bischofsvikaren sind in ihrer Geschwisterlichkeit, ihrer Spiritualität und Kirchlichkeit wesentliche Grundlage. Das soll heißen, alle, Dienstämter und Dienerinnen und Diener des Evangeliums im Herzen der örtlichen Gemeinden, arbeiten zusammen, um die Sendung Christi fortzuführen.
Vorschläge für die Formation
Den Aspekt, ja, den Dienst der „Nähe“ zu leben ist ein „muss“ für alle Christen der Diözese, was auch immer ihre konkrete Verantwortung sein mag. Nach und nach haben sich neue, dezentrale Formen dafür entwickelt, wie z. B. geistliche Besinnungstage, angeleitet durch diözesane Einrichtungen oder aber auch die Klöster in der Diözese. Es gibt Schulungen für den Bereich der Glaubensverkündigung, für die Begleitung von Familien in Trauer, Initiativen, um das Lesen in der Schrift zu fördern, liturgische Fortbildungen …
Aber diesen Bereich werde ich Eric Boone überlassen, er wird von der Aus- und Weiterbildung durch das Theologische Zentrum berichten.
Zeiten der Relecture und Equipen, die unterstützend wirken
Als die ersten Basisequipen erneuert wurden, haben wir die Notwendigkeit gesehen, am Ende dieser Zeit noch einmal gemeinsam die zurückgelegte Wegstrecke anzuschauen, zu evaluieren. (Wir behalten hier das französische Wort Relecture bei, weil weder Evaluation, Deuten oder Anschauen genau das treffen, was die Bedeutung der Relecture ist).
Tatsächlich ist es oft so, dass Personen, deren Beauftragung zu Ende geht, zu allererst daran denken, wie sie Nachfolger finden können. Das Risiko dabei ist aber groß, dass es in der Tat nur dabei bleibt, jemanden zu rufen, der die anstehenden Aufgaben erfüllt und dass nicht deutlich wird, dass es vor allem um einen spirituellen und kirchlichen Schritt im Herzen der örtlichen Gemeinde geht. Wir können aber sagen, dass die Relecture die Norm vor jeder Erneuerung der Equipen geworden ist.
Die Relecture wird angeleitet von jemandem, der von „außen“ kommt. Es gibt auch eine Reihe von Arbeitsblättern, die in dem Handbuch für die örtlichen Gemeinden zu finden sind. Ziel der Relecture ist es, die Früchte im Leben der Gemeinde zu „ernten“. Wir könnten sie auch als „Überprüfung des Lebens“ im Licht des Wortes Gottes bezeichnen. Jedes Mitglied der Equipe sagt, was sich in ihnen bewegt hat, was sie entdeckt haben, ihre Freuden, ihre Schwierigkeiten und welchen Ruf Gottes sie darin erkennen. Oder auch: wie sind sie gewachsen, als Christ, als Christin. Das ist immer ein sehr starker Moment der Gnade.
(Es kann für manche Menschen auch schwierig sein, mit den anderen in der Equipe ihren Weg im Glauben zu teilen, ihre Zweifel, ihre Freuden. Da ist es Aufgabe des Verantwortlichen, hier Austausch zu ermöglichen.)
Diese Zeit des Teilens stärkt die örtlichen Gemeinden und lässt sie mit Vertrauen auf die Zukunft schauen. Sie bewirkt auch, dass der Wille gestärkt wird, auch jenen Menschen etwas zu geben und zuzutrauen, die wenig mit der Kirche zu tun zu haben scheinen, die aber Interesse zeigen. Es ist eine Chance für diese Menschen, eine Erfahrung im Glauben zu machen. Deshalb ist es unsere feste Absicht, an der „Kultur des Rufens“ in den örtlichen Gemeinden immer weiter zu arbeiten und sie zu vertiefen.
Der Priester, dem die örtliche Gemeinde anvertraut ist, ist fast immer bei der Relecture dabei und oft ist er der Erste, der über die Qualität der Glaubenszeugnisse staunt.
Jetzt möchte ich noch von den unterschiedlichen Verfahren erzählen, die es für die Erneuerung der Equipen gibt:
Angesichts der immer größer werdenden Zahl von örtlichen Gemeinden haben wir die Mitglieder der ersten Equipen, deren Beauftragung zu Ende gegangen ist, gebeten, jetzt ihrerseits die Gemeinden in ihrer Nähe zu unterstützen. Die Verfügbarkeit und Großzügigkeit dieser Personen ist bemerkenswert. In jeder der 14 pastoralen Räume (territoires) der Diözese können sich die Mitglieder der Basisequipen an diese Personen wenden und sie rufen. Sie sind wie große Schwestern oder große Brüder, Wegbegleiter, aber dies in guter Distanz und auf Augenhöhe mit den Engagierten in den örtlichen Gemeinden. Sie alle sind ehrenamtlich tätig und tun diesen Dienst aufgrund ihrer Taufe, nicht auf der Grundlage einer besonderen Dienstbeauftragung. Sie haben vielmehr in ihrer Relecture einen Ruf gehört, auf den sie jetzt antworten.
Sie versammeln Menschen, ermutigen, teilen ihre Erfahrung, erinnern an die Grundlagen und berichten, wenn nötig, den Bischofsvikaren, die vor Ort sehr präsent sind, von den Fragen, Schwierigkeiten und Wünschen. Man ruft diese Personen auch, wenn die örtlichen Gemeinden Schwierigkeiten haben oder wenn es Konflikte zu moderieren gilt.
Die Zeiten des Austauschs und der Fortbildung werden von dem Bischofsvikar, der für einen pastoralen Raum verantwortlich ist, vorgeschlagen.
Das Handbuch
Es wurde nach der Diözesansynode herausgegeben als Carta für der Leben der Diözesankirche. Dieses Handbuch ist ein Referenzpunkt, an dem man sich orientieren kann. In ihm wird immer wieder besonders auf die Option der Diözesankirche hingewiesen, eine missionarische Kirche zu sein.
Das Handbuch ist auch ein Werkzeug, das im Dienst an der Communio der örtlichen Gemeinden steht. Es wird den verantwortlichen Priestern und jeder örtlichen Equipe übergeben.
Wir sind auf dem Weg der Entwicklung von Pastoralsektoren zu neuen Pfarreien. Soweit wir das heute sagen können, bestärkt diese Entwicklung das Leben der Christen in den örtlichen Gemeinden, besonders ihre Sendung zu und mit den Menschen in ihrer Nähe. Sie bezeugen, so nahe wie möglich bei den Menschen, die Relevanz des Glaubens in der heutigen Zeit, indem sie sich in den Dienst aller stellen, besonders den der Kirche am weitesten Fernstehenden.
Einige Schlussbemerkungen
Kühnheit, Vertrauen, Geschwisterlichkeit, Hoffnung und die Sicherheit: Jesus Christus ist bei seiner Kirche „alle Tage bis ans Ende der Zeiten.“
Davon sind wir Zeugen. Das Evangelium spornt uns dazu ein, in den Dialog mit der Welt zu treten, so dass eine Kirche ins Leben kommen kann, die überzeugt ist, dass „der Dialog ihr apostolisches Amt kennzeichnen muss.“ (Ecclesiam suam 67)
Gisèle Bulteau ist lange Jahre pastorale Mitarbeiterin von Erzbischof Rouet gewesen. Sie ist auf diözesaner Ebene Begleiterin der örtlichen Gemeinden.
Eric Boone
Aus- und Weiterbildung der örtlichen Gemeinden
Die Erfahrung des Theologischen Zentrums des Erzbistums Poitiers
[aus dem Französischen von Gabriele Viecens, Dipl.-Übers.]
Das Theologische Zentrum von Poitiers, im Dienst an der Aus- und Weiterbildung des Erzbistums Poitiers, wurde 1974 gegründet auf Wunsch des damaligen Bischofs, Mgr Vion und seines Ko-Adjutors, Mgr Roziers. Die Errichtung dieses Zentrums erfolgte in einer sehr schwierigen Zeit für die Kirche in Frankreich, die sich in jener Epoche unendlich abmühte, Antworten zu finden auf die Fragen, die Folge der Ereignisse des Mai 1968 waren – und so war mit der Errichtung dieses Zentrums ein doppeltes Ziel verbunden:
Erstens: In einem Kontext, in dem viele Priester ihr Priesteramt aufgegeben haben, sollte denen, die blieben, eine solide Fortbildung ermöglicht werden und gleichzeitig sollten Laien ausgebildet werden vor dem Hintergrund einer Untersuchung, die die Bischöfe damals in Frankreich veranlasst hatten. Die Frage dieser Untersuchung lautete: „Sind alle verantwortlich in der Kirche?“
Im Kontext tiefgreifender Veränderungen im gesellschaftlichen Leben (die Stellung der Frau, der Jugendlichen, die Ölkrise …) ging es darum, ein echtes Interesse der Kirche an den gesellschaftlichen und politischen Fragen zu zeigen. Und diesen Punkt möchte ich noch präzisieren: Es ging dabei nicht um einen bloßen Schlagabtausch von schon von vornherein festgelegten Positionen, vielmehr wollte die französische Kirche auf der Grundlage der theologischen Quellen des Glaubens einen Dialog vorschlagen und sich an Diskussionen quer durch die Gesellschaft beteiligen.
Vierzig Jahre später können wir sagen, dass das Theologische Zentrum sich darum bemüht, dieser ersten Intuition treu zu bleiben und diese Zielsetzung in den örtlichen Gemeinden weiter zu verfolgen. Ich möchte verdeutlichen, wie wir genau diese Spur weiter verfolgen, wie die örtlichen Gemeinden damit umgehen, aber auch einige Herausforderungen unterstreichen.
Die Entwicklung des Theologischen Zentrums innerhalb der letzten vierzig Jahre
Als das Theologische Zentrum vor vierzig Jahren entstand, gab es natürlich schon Formen der Aus- und Weiterbildung in der Diözese. Schon seit Beginn der 60er Jahre des letzen Jahrhunderts war der Vorschlag gemacht worden, dass die Priester bei ihren Fortbildungen in Gruppen zusammenarbeiten sollten. In vielen Diözesen war es aber auch so, dass sich die Fortbildung der Laien an der der Priester orientierte, aber eher im Sinne einer vereinfachten Adaption. Die Laien befassten sich im Prinzip mit denselben Themen wie die Priester, allerdings hatten sie dafür weniger Zeit, es fehlte jegliche Vertiefung und alles, was als zu „technisch“ angesehen wurde, wurde einfach weggelassen. So gab es einen ganz deutlichen Unterschied zwischen der regelmäßigen Fortbildung der Priester und der der Laien.
Schon der Name „Theologisches Zentrum“ sollte diese Logik unterbrechen. Selbstverständlich war es sinnvoll, dass Priester weiter Abendveranstaltungen abhielten, bei denen sie ihre im Studium erworbenen Kenntnisse, besonders im Blick auf die Schrift und die Glaubenslehre, einsetzen konnten. Solche Abende waren äußerst erfolgreich, besonders im Blick auf die Bibelarbeit, denn es ging ja zum einen darum, wichtige Fortschritte in der Bibelforschung wahrzunehmen, aber auch Entwicklungen in der Theologie insgesamt. Vor allem ging es darum, sich zu den Sozial- und den Humanwissenschaften zu positionieren und Verknüpfungen herzustellen. Aber dabei waren alle Christgläubigen angesprochen, alle sollten befähigt werden, das Evangelium Jesu Christi in der Gesellschaft zu bezeugen. Es ging um eine Aufhebung eines fruchtlosen Auseinanderklaffens von Priestern und Laien. Die Ankunft von Ordensleuten im Bistum und ihr starkes Engagement in der Pastoral, hat ebenso dazu beigetragen, diese Kluft zu überwinden. Und ganz sicher sind unsere Bilder auch durch die ersten Ordinationen von ständigen Diakonen verändert worden.
Nach und nach ist die Diözese dazu übergegangen, Laien Verantwortung zu übertragen, ja anzuvertrauen, und es war die Aufgabe des Theologischen Zentrums, eine Form der Aus- und Weiterbildung für sie zu entwickeln und vorzuschlagen, die den Glauben stärkt und denjenigen zur Vorbereitung dient, die eine solche Verantwortung übernehmen.
Aus dieser Erfahrung der 80er Jahre entwickelte sich im Jahre 1991 eine strukturierte Ausbildung für die Dienstämter. Die Diözesansynode von 1993 hat diese Option bestätigt und die einzelnen Dienstämter in einer pluralen Perspektive aufgezeigt: natürlich die Priester, aber auch die Diakone und die durch Anerkennung übertragenen Laien-Dienstämter. Auf Anregung von Mgr Rouet wurde dann noch eine Reflexion über den bischöflichen Dienst hinzugefügt.
Gleichzeitig hat die Synode von 1993 aber auch die Einführung einer grundlegenden Ausbildung beschlossen, die einführen soll in das Geheimnis Christi, damit „das Ganze des menschlichen Seins verstanden und gelebt werden kann als Weg in die Nachfolge Christi in der Communio der Kirche“. Hier zeigt sich auch die Sorge um eine Ausbildung, die so nahe wie möglich am Leben der Menschen ist, mit einer starken missionarischen Perspektive, besonders auch im Blick auf Kinder und Jugendliche.
Diese Ausbildung findet seit 1994 statt in Form eines gegliederten Kurses über einen Zeitraum von zwei Jahren, in den Regionen, wo sie nachgefragt wird und in der Regel an einem Abend im Monat. Die für die Pastoral dieser Gebiete Verantwortlichen rufen Gruppen von 20 bis 30 Personen zusammen, das Theologische Zentrum macht einen inhaltlichen Vorschlag (natürlich immer mit einem sehr starken biblischen Akzent und einem Fokus auf den Konzilsdokumenten) und schickt dann Fachleute an die Orte, wo die Ausbildung stattfindet.
Darmowy fragment się skończył.