Czytaj książkę: «Akkulader»
RÜDIGER JOPE (Hrsg.)

SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
ISBN 978-3-417-22990-5 (E-Book)
ISBN 978-3-417-26958-1 (lieferbare Buchausgabe)
Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck
© 2020 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH
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Auge im Sturm © 1998 mc-peppersongs, Berlin
Richard Rohr, Vom wilden Mann zum weisen Mann © 2006 Claudius Verlag, München
Anselm Grün, Kämpfen und lieben © Vier-Türme-GmbH, Verlag,
Münsterschwarzach
Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen:
Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Weiter wurden verwendet:
Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen (NLB).
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH
Witten/Holzgerlingen (ELB).
Hoffnung für alle ® © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher
Genehmigung des Herausgebers Fontis – Brunnen Basel (Hfa).
Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen © 2011 Genfer
Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten (NGÜ).
Lektorat: Marcus Beier
Gesamtgestaltung: Dietmar Reichert, Dormagen
INHALT
VORWORT
1. ADAM
2. KAIN
3. ABEL
4. NOAH
5. ABRAHAM
6. ISAAK
7. JAKOB
8. JOSEF
9. MOSE
10. AARON
11. KALEB
12. JOSUA
13. SIMSON
14. SAUL
15. DAVID
16. MEFI-BOSCHET
17. SALOMO
18. JOASCH
19. JOSIA
20. JEREMIA
21. ELIA
22. HIOB
23. JONA
24. NEHEMIA
25. AMOS
26. HERODES
27. JOSEF
28. SIMEON
29. JOHANNES DER TÄUFER
30. JESUS
31. PETRUS
32. LUKAS
33. PHILIPPUS
34. RÖMISCHER HAUPTMANN
35. MATTHÄUS
36. VATER
37. JUDAS
38. PILATUS
39. SIMON VON KYRENE
40. NIKODEMUS
41. THOMAS
42. JOHANNES MARKUS
43. STEPHANUS
44. PAULUS
45. BARNABAS
46. KORNELIUS
47. SILAS
48. TIMOTHEUS
49. JAKOBUS
50. ARISTARCH
51. AQUILA
52. JOHANNES
ÜBER DIE AUTOREN
STICHWORTVERZEICHNIS
ANMERKUNGEN
[ Zum Inhaltsverzeichnis ]
VORWORT
ENERGIELEISTUNG
VATER-KIND-WOCHENENDE. In einem Kanu sind wir unterwegs auf der Fulda. Der Fluss führt leichtes Hochwasser. Vor uns Männern und Kindern tun sich rauschend einige Stromschnellen auf. Wird es uns gelingen, zwischen den Baumwurzeln und Felsbrocken unbeschadet hindurchzukommen? Mein achtjähriger Sohn kräht: »Wir Männer schaffen das!« Wir geben alles. Um uns herum gluckst, sprudelt und schäumt es. Es kratzt. Wir setzen kurz auf und hängen für Sekunden fest. Die Strömung drückt uns gegen den Stein. Wasser schwappt ins Boot. Ich brülle: »Links – und tauch das Paddel mit doppelter Intensität ein!«. Zentimeter um Zentimeter schieben wir uns aus der bedrohlichen Lage. Unterhalb der Stromschnellen wischen wir uns den Schweiß und die Wasserspritzer aus dem Gesicht. Die Jungs strahlen und jubeln und machen einen auf »Give me five!«. Eine Portion Glück und eine echte Energieleistung haben uns vor dem Kentern bewahrt.
Auch als Männer sind wir unterwegs auf dem Strom des Lebens. Manchmal fühlt sich das richtig gut an. Da ist das Ganze mehr sonnenbeschienener Genuss als durchnässter Verdruss. Doch zur Paddeltour des Lebens gehören auch die Stromschnellen. Nicht immer geht es dann so glimpflich ab. Das Kentern, das Absaufen, das Paddelverlieren, das Sich-im-Kreis-Drehen, das Leckschlagen, das Schimpfen und Schwitzen und ein Neuen-Anlauf-Nehmen gehört dazu.
KEINER IST PERFEKT
Da ist Mose. Von seiner Mutter als Neugeborener am Ufer des Nils ausgesetzt, wuchs er im ägyptischen Königspalast auf. Im Zorn tötete er einen ägyptischen Aufseher, der einen hebräischen Sklaven geschlagen hatte, und musste fliehen. Ausgerechnet an den Ort seines Verbrechens schickte ihn Gott zurück: Mose sollte sein Volk aus der Sklaverei befreien und ins gelobte Land führen. Mit der göttlichen Offenbarung am Dornbusch nahm sein Leben eine Wende: Vom ins Wasser Geworfenen wurde Mose zum Aus-dem-Wasser-Herauszieher, zur Führungsfigur, zum Retter.
David war tapfer im Kampf, musikalisch begabt, clever und schön. Mit Geduld und langem Atem brachte er es an die Macht. Doch diese steigt ihm zu Kopf. Die Frau eines Offiziers wird ihm zum Fallstrick. Er vertuscht seine Liebesgefühle mit einem Mord. Der Prophet Nathan konfrontiert David mit seiner Maßlosigkeit und sagte ihm Leid voraus. Und David? Er weicht dieser Wachstumsherausforderung nicht aus. Im Scheitern wird er reifer, weiser und demütiger.
»Akkulader« führt vor Augen: Die 52 vorgestellten biblischen Männer setzen dem Entweder-oder von Sieg oder Niederlage eine Vielfalt entgegen. Sie sind Hauptdarsteller, Nebenfiguren, Weicheier, Machos, Sieger, Verlierer, Alphatiere, Mutige, Zauderer, Großmäuler, Leisetreter, Aktivisten und Drückeberger. Sie zeigen uns: Gott hat die Größe, auch auf krummen Linien gerade zu schreiben. Keiner ist perfekt. Mannsein atmet immer auch etwas von Versuch und Irrtum, Bruchlandungen und Kentern, Nasswerden und Schreien, Schwächen und Schattenseiten. Es gilt, sich zu bewähren im Auf und Ab von Stärke und Schwäche, von Licht und Schatten, von Vertrauen und Angst, von Liebe und Hass, Um- und Irrwegen. Die skizzierten Männerfiguren halten uns einen Spiegel vor: Wir sind den Auseinandersetzungen und Konflikten nicht enthoben. Und selbst von Antihelden können wir etwas lernen.
MANNSEIN IST EIN WERDEN
»Akkulader« ist keine am Schreibtisch entwickelte Theorie, sondern eine im Alltagsvollzug durchlebte Praxis der 34 Autoren. Sie wollen uns mit den individuellen Draufblicken auf biblische Personen Lust machen aufs Mannsein und uns herausfordern, Energie aufzubringen, zum Paddel zu greifen, das Leben nicht einfach so passieren zu lassen, sondern zu gestalten, zu schwitzen, zu werden, zu reifen. »Akkulader« ist aber auch eine Aufforderung, sich auf das Abenteuer Mannsein einzulassen, die uns anvertraute Energie freizulegen und schließlich fließen zu lassen.
Anselm Grün schreibt: »Es kommt nicht darauf an, dass du alles perfekt machst, sondern dass du das Leben wagst. Es kommt nicht darauf an, keine Fehler zu machen. Verstecke deine Fehler nicht, sondern lerne an ihnen. Es ist nicht schlimm zu fallen. Aber bleibe nicht liegen. Stehe auf, wenn du gefallen bist. Wenn du kämpfst, wirst du auch wieder verwundet werden. Gehe deinen Wunden nicht aus dem Weg. Sie gehören zu deinem Weg. Sie befähigen dich gerade zur Liebe.«1
In diesem Sinne wünsche ich dir – allein oder euch in der Männergruppe – energiegeladene Fluss-Momente, mit anschließenden beglückenden »Give me five!«-Erfahrungen.
Dein Rüdiger Jope
Wetter/Ruhr, 1. März 2020
WIDMUNG
Der unbekannten Referendarin, die in der vierten Klasse meine Fantasiegeschichte aus dem Stapel Klassenarbeiten herausgriff, sie als besonders gelungen lobte und mich ermutigte, diese scheinbare Begabung nicht brach liegen zu lassen.
Meinem Mit-Zivildienstleistenden und Freund Uwe Heimowski. 1990 wurde er zum väterlichen Kopf einer Fünfer-Bande von Zivis. Er forderte und förderte meinen Charakter, Verstand, Gewissen und Glauben. Er ermutigte mich zu meinem ersten Artikel im Magazin PUNKT.
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01. ADAM – Vergeigt! – »Gott verleiht dem Menschen ein dickes Fell für den rauen Arbeitsalltag.« – Bibelstelle: 1. Mose 3,1-19
ADAM HAT’S VERGEIGT. Das Paradies stand offen, alles war möglich. Gott gab ihm nur eine kleine Regel, um ihn vor dem Bösen und dessen Folgen zu schützen. Doch Adam überschreitet die Grenze und isst von der verbotenen Frucht. Seine Motive sind unklar. Wir beobachten Passivität und Feigheit (Adam schweigt, während seine Frau in höchster Gefahr ist), wir ahnen Unzufriedenheit, Nie-genug-Haben und fehlendes Gottvertrauen (Adam widerspricht nicht, als die Schlange Gottes Gebot in ein falsches Licht rückt).
ADAM IST TYPISCH MANN
Wir könnten natürlich mit dem Finger auf ihn zeigen. Doch Vorsicht: Adam ist nicht nur der erste Mensch, er ist auch der typische Mann. Wir alle hätten es damals vergeigt und wir tun es bis heute, wenn uns die Versuchung an unseren Schwachstellen trifft. Passivität und Feigheit, Nie-genug-Haben und Unzufriedenheit prägen auch Adams Kinder. Was der Prophet Nathan zu David sagte, um seine Schuld aufzudecken, ruft uns auch diese Geschichte zu: »Du bist der Mann!« (2. Samuel 12,7).
Adam hat’s vergeigt. Nun ist das Paradies verloren. Alle Menschen nach ihm werden jenseits von Eden geboren und damit in eine Welt geworfen, die bereits von der Sünde beherrscht ist und unter ihrem Fluch steht (vgl. Römer 5,12-21). Die Folgen sind: »Dornen und Disteln«, »Mühsal« und »Schweiß« im alltäglichen Überlebenskampf (1. Mose 3,17-19).
Damit ist in bildhafter Sprache gut beschrieben, wie viele Männer ihre Arbeit erleben: mühsame Prozesse, aufreibende Konflikte, fragwürdige Entscheidungen, sinnfreie Vorschriften und obendrauf noch unnötige Rivalitäten und Sticheleien. An manchen Tagen ist der Fluch regelrecht zu spüren, der seit Adam über dem Berufsleben und Schaffen der Menschen liegt. Ein sauberer Schnitt zwischen Arbeits- und Privatbereich ist schwer. Denn wie schon die begriffliche Bezogenheit von Mensch (Adam) und Erde (Adamah) im Hebräischen zeigt, definiert sich der Mann – ob er es will oder nicht – meistens stark über sein Schaffen und Wirken.
GOTT BEKLEIDET DEN MENSCHEN
Wie gut, dass weder Adams noch unsere Geschichte damit endet, dass wir in eine verfluchte Welt hinausgestoßen werden. Stattdessen macht Gott Kleider aus Fellen und zieht sie den Menschen höchstpersönlich (!) an (vgl. 1. Mose 3,21). Was für ein schönes Bild für die zuvorkommende Gnade! Gott bekleidet und wärmt den Menschen, der nackt und schutzlos den Folgen seines Versagens ausgeliefert ist. Gott verleiht dem Menschen buchstäblich ein dickes Fell für den rauen Arbeitsalltag mit seinen Dornen und Disteln.
Und Gottes Gnade geht noch weiter. Durch Jesus Christus werden wir Adamskinder »mit allem geistlichen Segen« gesegnet (Epheser 1,3), obwohl und gerade weil wir in einer vom Fluch gezeichneten Welt leben. Wir sollen darum selbst segnen, nicht fluchen, schimpfen oder es den anderen heimzahlen (Römer 12,14; 1. Petrus 3,9). Dadurch bringen wir das verlorene Paradies zwar nicht zurück. Doch wir lernen und leben Barmherzigkeit und Vergebung, wenn wir oder andere Adamskinder es mal wieder vergeigt haben.
| Welche Dornen und Disteln in deinem Arbeitsumfeld sind besonders nervig? Worum willst du Gott bitten? Um ein dickes Fell, um den Mut, den Mund aufzumachen, oder um die Kraft, selbst etwas zu verändern? |
POWERBANK
In der Zeitschrift MOVO findest du viele Erfahrungsberichte, vor welchen Herausforderungen Männer wie du und ich stehen, wie wir sie anpacken und zum Segen werden können – im Beruf, in der Familie, in Freundschaften, in der Gemeinde und im Management des eigenen Lebens.
www.MOVO.net
DR. DIRK KELLNER
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02. KAIN – Vergleichen ist tödlich! – »Gebet verhindert Kurzschluss.« – Bibelstelle: 1. Mose 4,1-12
DAS ERSTE Gewaltverbrechen der Bibel! Bruder erschlägt Bruder. Mensch tötet Mensch. Bis heute millionenfach wiederholt sich das in allen Variationen. Gewalt durch Waffen, Fäuste, Blicke, Worte, Schweigen, Strukturen.
Leider füge ich dieser unendlichen Geschichte hin und wieder selbst ein Kapitel hinzu: Es läuft nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Wut kribbelt in meinem Innern. Die Spannung steigt wie bei einer überladenen Batterie, bis es zum Kurzschluss kommt. Schlagartig und kaum kontrollierbar wird zerstörerische Energie frei. Worte genügen. Sie richten Schaden an, den ich hinterher bereue.
DIE ANTWORTLOSIGKEITEN GEHÖREN ZUM MÄNNERLEBEN
Wie kommt es zu dieser »history of violence«? Kann ich als Mann aussteigen? Kains Geschichte gibt uns Antworten. Sie schildert einen Opfergottesdienst. Jeder der beiden Brüder gibt als Zeichen des Dankes etwas von dem zurück, was Gott geschenkt hat: Abel von den Tieren seiner Herde, Kain von der Ernte seines Ackers. Gott reagiert allerdings unterschiedlich. Abels Opfer sieht er gnädig an, Kains Opfer verweigert er.
Warum macht Gott diesen Unterschied? Diese Frage wird weder gestellt noch beantwortet. Man kann lange rätseln. Hat Kain nur minderwertige Gaben geopfert, Abel aber sein Bestes gegeben? Die spätere Deutung weist in diese Richtung (vgl. 1. Johannes 3,12; Hebräer 11,4). In der alttestamentlichen Geschichte bleibt diese Frage unbeantwortet. Vielleicht mit Absicht? So als wollte der Erzähler sagen: »Es gibt Ungleichheit und unfaire Situationen, die wir nicht erklären können. Gott schenkt dem einen ein lockeres Leben, den anderen mutet er ein schweres Schicksal zu. Die Warum-Frage ist von außen nicht zu beantworten!«
Stattdessen stellt die Bibel umso dringender die Wie-Frage: Wie gehst du, Kain, mit dieser Ungleichheit um? Wie reagierst du, Mann, wenn anderen etwas besser gelingt, wenn sie bevorzugt werden, wenn sie es scheinbar einfacher haben?
VERGLEICHEN VERHINDERT FREUDE
Vergleiche nicht! Denn es wird immer jemanden geben, der dich in den Schatten stellt. Robert Gernhardt hat dies sehr treffend in einem Gedicht ausgedrückt: Es ist immer einer begabter, berühmter, betuchter, beliebter, besser als du! Wenn du dich vergleichst, kannst du dich nicht mehr mit anderen freuen. Die innere Spannung wächst. »Warum er und nicht ich?« Es droht die unkontrollierte Entladung – vielleicht an einer ganz anderen Stelle in deinem Leben. Allzu oft entlädt sich der Frust über ungerechte Behandlung auf der Arbeit als aggressive Stimmung zu Hause.
Gott traut Kain und uns Männern zu, die Wut im Griff zu haben: »die Sünde [lauert] vor der Tür und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie« (1. Mose 4,7). Aus eigener Kraft können wir an diesem Anspruch nur scheitern. Doch ein Gebet zur rechten Zeit kann einen Kurzschluss verhindern.
| GEBET:Jesus Christus. Ich spüre Wut und Frust in mir. Ich fühle mich ungerecht behandelt. Einem anderen gelingt, woran ich scheitere. Beherrsche mich und lass die Spannung in mir nicht zu einer zerstörerischen Energie werden. Hilf mir, darauf zu vertrauen, dass du mich den richtigen Weg führst. Amen. |
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Das Gedicht »immer« von Robert Gernhardt lässt sich leicht im Internet finden. Prädikat: Sehr lesenswert.
Der Film »A History of Violence« erzählt, wie ein harmloser Familienvater jede Kontrolle verliert. Prädikat: Sehr sehenswert.
DR. DIRK KELLNER
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03. ABEL – Neidgeplagt – »Raus aus dem Angebermodus, rein in die Bescheidenheit.« – Bibelstelle: 1. Mose 4
VON ABEL wissen wir nur wenig. Abel (der erste Mensch mit Bauchnabel!) und sein jüngerer Bruder Kain opfern (vgl. 1. Mose 4). Beide haben etwas von Gott empfangen – seine Hilfe und seinen Segen bei ihrer Arbeit als Schäfer bzw. als Bauer. Davon wollen beide Gott etwas zurückgeben. Dankbarkeit bestimmt ihre Beziehung zu Gott. Warum Gott Abels Opfer annimmt und das Opfer Kains verwirft, bleibt im Bibeltext offen. Ging es um die Gaben an sich oder um die Herzenshaltung hinter dem Opfer? In der weiteren Erzählung kommt Kain jedenfalls nicht gut weg. Was war vorher geschehen?
NEID IST GEFÄHRLICH
Dann wird der gerechte Abel (vgl. Matthäus 23,35), der Gottes Anerkennung erfahren hat, zum Opfer des Neides und Zorns seines eigenen Bruders. Nein, Kain kann und will sich nicht mitfreuen! Er ignoriert Gottes Warnung und erschlägt bei nächster Gelegenheit seinen Bruder Abel. Bei solchen Brüdern braucht man keine Feinde! Sein Neid und Zorn setzen in ihm Energie für das Handeln frei, das aber verheerende Folgen hat. Schon mancher hat energisch das Unglück anderer und seinen eigenen Untergang vorangetrieben. Nach der Tat hat sich auch für Kain alles verändert. Gott zieht ihn zur Rechenschaft und er verliert alles. Mehr sagt die knappe Erzählung nicht. Wir wissen nicht, ob es Gespräche zwischen den Brüdern oder mit Gott gab.
Neid verzerrt und ist gefährlich: Neider sehen – oft nur selektiv – das Glück anderer, vergleichen mit ihrer eigenen Situation – oft ebenfalls nur in Auswahl. Sie gönnen anderen nicht, was sie selbst gerne hätten, aber scheinbar nicht haben, obwohl sie es vermeintlich verdient hätten: die gute Gesundheit, die gut aussehende, gesunde, gut verdienende und so liebevoll wirkende Ehefrau, die gelungene Karriere in der richtigen Branche, die Begabungen, Kinder bzw. die klugen und gut geratenen Kinder, den Wohlstand und die damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten.
NEID RAUBT ENERGIE
Wie klein und erbärmlich erscheint mein eigenes Leben im Vergleich zu XYZ! Neid engt den Blick ein, frisst Dankbarkeit und Freude auf, kostet Energie, vergiftet Beziehungen und Freundschaften – unter Brüdern, Freunden, Kollegen, Nachbarn usw. Ich kenne Neid. Ich sehe, was andere sind, können und haben – und was ich weder bin, kann noch habe. Ich sehe die Anerkennung, die andere bekommen und die mir verwehrt bleibt.
| Mir hilft immer wieder eine Strophe eines alten Kirchenlieds, die ich freilich nicht einfach herunterbete (und dann ist alles gut), sondern durchbuchstabieren muss. Paul Gerhardt dichtete im Jahr 1666: Lass mich mit Freuden ohn alles Neiden sehen den Segen, den Du wirst legen in meines Bruders und Nächsten Haus.Nicht gequälte Anerkennung, sondern echte Freude an Gottes Segen im Leben anderer (und in meinem eigenen Leben, wenn ich den Segen Gottes in meinem Leben denn sehen kann und sehen will und nicht nur neidisch auf die anderen blicke!) gibt mir Energie für mein eigenes Leben.Tipp die Verse ab, pinn sie dir an den Spiegel. Verinnerliche sie. |
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Der Neid anderer lässt sich nur bedingt vermeiden. Provozieren sollte Mann ihn allerdings nicht. Ich muss nicht alles, was ich bin, kann und habe (genauer: was Gott mir geschenkt hat!), vor mir hertragen und zur Schau stellen. Raus aus dem Angebermodus, rein in die Bescheidenheit. Stattdessen kann ich das, was ich bin, kann und habe, zur Ehre Gottes und zum Wohl meiner Mitmenschen einsetzen – geteilter Segen ist doppelter Segen.
CHRISTOPH STENSCHKE
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04. Noah – Energiegeladen – »Bis zur Vollendung des Schiffs reicht die Geduld Gottes.« – Bibelstelle: 1.Mose 6
NOAHS ENERGIE – das ist ganz großes Kino! In verheerend gottlosen Zeiten ist da einer, der Gnade vor Gott findet, ein frommer Mann, ohne Tadel, der mit Gott lebt (Vers 8-9). In 2. Petrus 2,5 lesen wir, dass Noah seine Beziehung mit Gott und sein Leben mit anderen geteilt hat: Er war ein Prediger der Gerechtigkeit und der gelingenden Beziehung mit Gott.
GEGEN DEN AUGENSCHEIN
Noah bekommt einen ganz großen Auftrag: Ein riesiges Schiff mit mehreren Decks soll er bauen. Gott weiht Noah in seine Pläne ein: Eine große Flut wird es geben; mit dem Schiff soll Noah mit seiner Familie und vielen Tieren überleben. Das ist definitiv jenseits aller Erfahrungswerte und der Komfortzone! Am Ende dieses großen Auftrags an Noah steht ein scheinbar lapidarer Satz: »Und Noah tat alles, was ihm Gott gebot« (Vers 22). Er lässt sich darauf ein – gegen seine eigene Kompetenz und bisherigen Erfahrungen. Ihm reicht es, dass der Gott, dem er bedingungslos vertraut, gesprochen hat.
Nach Gottes Vorgaben beginnt er auf trockenem Land, fernab von Flüssen oder dem Meer, das wohl größte Schiff seiner Zeit zu bauen. Über Monate, vielleicht Jahre, investieren er und seine Söhne alle Energie, alle Ressourcen und alle Zeit in dieses, nach menschlichem Ermessen, völlig sinnlose Projekt. Er tat es, weil es Gottes Auftrag war! Im Hebräerbrief 11,7 wird der Glaube Noahs hervorgehoben. Er handelt im Vertrauen auf Gott: »Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah.« Nein, weder die Flut noch ein großer Hafen noch viele tierische Passagiere waren in Sicht. Dennoch hat Noah auf Gottes Reden hin gehandelt und mit seinem Vertrauen und seinem Gehorsam Gott geehrt. Noah bleibt dran. Bis zur Vollendung des Schiffs reicht die Geduld Gottes. Das Schiff wurde fertig, die Flut kam und Noah wurde gerettet. Mit ihm fängt Gott neu an.
WISSEN, WAS ZU TUN IST
Woher nahm dieser Mann diese Energie? Noah kannte Gott und lebte mit ihm. Ihm wollte er gehorchen. Noah lebte tadellos vor seinen Mitmenschen. Und Noah hatte einen klaren Auftrag bekommen, den er ohne Wenn und Aber umsetzte. Er wusste, in wessen Diensten er stand und was zu tun war.
Keiner von uns soll und wird im Auftrag Gottes Schiffe in dieser Größe und an solchen Orten bauen, schon weil Gott versprochen hat, dass es keine Flut in diesem Ausmaß mehr geben wird. Aber das bedeutet nicht, dass Gott uns keinen Auftrag mehr gibt.
Heute haben wir einen anderen Auftrag: Wir sollen zuerst nach der Herrschaft Gottes trachten (Matthäus 6,33) und mit unserem ganzen Leben Gott verherrlichen (Epheser 1,14). Aus der lebendigen Beziehung zu Gott (»Noah wandelte mit Gott«), aus der Ausrichtung auf ihn, aus diesem Auftrag, aus meinem und deinem Gehorsam Gott gegenüber kommt die Kraft für unseren Alltag. Wir bleiben dran, tun, was richtig vor Gott und Menschen ist, und lassen uns nicht abbringen von anderen, die nur menschliche Möglichkeiten und ihre Erfahrungen kennen und sehen.
| FRAGEN:• Kommst du nur in die Gänge, wenn du alles sehen, verstehen, sich bis ins letzte vorstellen und die Bedingungen stellen kannst, oder reicht es, wenn Gott redet?• An welchem Projekt Gottes bist du in diesem Jahr dran?• Welches Projekt solltest du endlich mal angehen, statt vor dir her zu schieben? |
POWERBANK
Bei allem Vertrauen auf Gott war Noah nicht perfekt. In 1. Mose 10 lesen wir von seinem Weinberg und Vollrausch und einer problematischen Reaktion gegenüber seinen Söhnen. Vertrauen und Versagen liegen manchmal nah beieinander, auch bei uns. Ganz sicher ist, dass Gott treu bleibt, vergibt und immer wieder einen neuen Anfang ermöglicht. Das wiederkehrende Zeichen für dieses Versprechen ist der Regenbogen. Wo gibt es in dieser Woche in deinem Leben und Alltag Zeichen der Treue Gottes?
CHRISTOPH STENSCHKE
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05. ABRAHAM – Weil Glaube keine Heldentat ist – »Die biblischen Geschichten verzichten auf die ‚Delete-Taste‘«. – Bibelstelle: 1.Mose 12-25
MIT IHM fing alles an. Die Geschichte der Juden. Der Christen. Und der Muslime. Abraham, oder arabisch Ibrahim, ist der Stammvater Israels; auf ihn berufen sich die drei großen monotheistischen Religionen. Abraham, ein einfacher Viehhirte, der den Ruf Gottes vernahm und der sich auf den Weg machte aus Ur in Chaldäa, in ein Land, das Gott ihm und seine Nachkommen zum Eigentum verspricht: das verheißene Land Israel. Abraham, der an einem Tag große Siege errang, aber dann, kurze Zeit später, zitternd vor Todesangst gegenüber seinen Feinden die eigene Frau verleugnet. Abraham, der den Himmel besah und dem Gott Nachkommen versprach, groß wie die Zahl der Sterne, und der doch bis ins hohe Alter kinderlos blieb. Abraham, der mit seiner Magd die Ehe brach, weil die Frau an seiner Seite ihre Fruchtbarkeit verlor, und der damit einen Konflikt heraufbeschwor, der zwischen den Nachkommen Ismaels und Isaaks seit Jahrtausenden wütet und der sich in unserer Zeit immer weiter zuspitzt. Abraham, ein Kleingläubiger, den der Schreiber des Hebräerbriefes in der Retrospektive dennoch ein Vorbild des Glaubens nennt.
GOTT MAG ANTIHELDEN
Manchmal kommt es mir vor, als habe Gott eine besondere Vorliebe für »Antihelden«. Zumindest scheut sich die Bibel nicht, die großen Männer der Geschichte Israels von allen Seiten zu beleuchten und nicht einmal die missratenen Perspektiven unter einem Mantel des Schweigens zu verbergen. Die Autoren verzichten auf die »Delete-Taste«. Auch Abraham, der einzigartige Abraham, wird nicht zum strahlenden Helden stilisiert, sondern als ein Mensch mit all seinen Abgründen beschrieben.
Was hat ihn getragen, in seinen Höhen und Tiefen? Was hat ihn zu einem Mann des Glaubens werden lassen? Was ist sein Geheimnis? Über Abrahams Leben steht eine Verheißung, eine Zusage Gottes: »Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein« (1. Mose 12,2). Abrahams Geheimnis ist nicht, dass er einfach Abraham ist. Sein Geheimnis ist die Entscheidung Gottes, ihn, Abraham, auszuwählen, anzusprechen und mit ihm seine Geschichte zu schreiben. »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt« (Johannes 15,16), sagt Jesus seinen Jüngern, als er sie zu einem vertraulichen Gespräch auf die Seite nimmt, um sie auf seinen nahenden Tod vorzubereiten.
Eines dürfen wir wirklich verinnerlichen – aber das ist schwer, denn nur allzu schnell verkommt dieser Gedanke zu einer theologischen Floskel: Der Fixpunkt des Glaubens liegt nicht in uns selber, sondern außerhalb von uns, so wie der Anker des Schiffes Halt findet, wenn er nicht mehr an Deck, sondern am Meeresgrund liegt. Wer das begreift, der gewinnt eine immense Freiheit. Mein Glaube ist dann nicht mehr abhängig von meinem eigenen Zustand, von Sieg und Niederlage. Die Wellen können das Schiff zum Schwanken bringen, aber nicht zum Sinken. Abrahams Geschichte steht beispielhaft für einen Menschen, der sich wieder und wieder von Gott hat ansprechen lassen und der sich immer wieder neu auf den Weg gemacht hat. Ein Mensch wie du und ich.
| FRAGEN:• Welchen Menschen und Umständen verdanke ich meinen Glauben? Wie hat er angefangen? Was hat dazu geführt, dass ich ihn in schweren Zeiten oder trotz Versagen nicht verloren habe?• In einem Kinderlied heißt es: »Vater Abraham hat viele Kinder, ich bin eins von ihnen und eins bist du, und so preisen wir den Herrn.« Was verändert sich in meiner Wahrnehmung eines anderen Menschen, wenn ich mich und ihn als gemeinsame Kinder Gottes betrachte?• Und noch ein Kinderlied: »Geh, Abraham, geh, mach dich auf den Weg«. Wohin bin ich unterwegs, welche Richtung verfolgt mein Tag, meine Woche, mein Leben? Gibt es dafür einen Ruf Gottes? Bin ich sicher, oder ist es an der Zeit, innezuhalten und mich neu auszurichten? |
POWERBANK
Filmtipp: »Die Bibel – Abraham«,
Zweiteiler von 1993
UWE HEIMOWSKI

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06. ISAAK – Wie man trotz allem gesund leben kann – »Was für eine Horrorvorstellung: Dein eigener Vater, zückt ein Messer, um dich seinem Gott als Opfer darzubringen.« – Bibelstelle: 1. Mose 21-22
WIR WISSEN heute viel über PTBS, die posttraumatische Belastungsstörung. Sie »tritt als eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes auf. Die Traumata können von längerer oder kürzerer Dauer sein, wie z. B. schwere Unfälle, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen oder Kriegshandlungen, wobei die Betroffenen dabei Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit erleben und in Ermangelung ihrer subjektiven Bewältigungsmöglichkeiten Hilflosigkeit und Kontrollverlust empfinden.«2
GEFÄHRDETES LEBEN
Von allen biblischen Personen scheint mir niemand prädestinierter für eine PTBS als Isaak. »Schließlich kamen sie an die Stelle, die Gott Abraham genannt hatte. Dort baute Abraham einen Altar und schichtete das Holz darauf. Dann fesselte er seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Abraham nahm das Messer, um seinen Sohn als Opfer für den Herrn zu töten« (1. Mose 22,9-10 NLB).
Was für eine Horrorvorstellung: Dein eigener Vater fesselt dich, legt dich auf einen Altar und zückt ein Messer, um dich zu schlachten und seinem Gott als Opfer darzubringen. Da mischt sich Todesangst mit tiefster Enttäuschung und völligem Unverständnis. Ein solches Erlebnis wirst du dein Leben lang nicht mehr los, und eigentlich machst du angesichts eines solchen religiösen Fanatismus auch um Gott und seine Leute einen hohen Bogen.
Doch Isaak scheint von alldem unberührt. Wir wissen nicht viel über Isaak. Von allen Patriarchen des Alten Testaments ist sein Leben am kürzesten und unspektakulärsten berichtet. Es ist ein gutes Leben. Isaak ist erfolgreich, glücklich verheiratet und Vater von Zwillingen. Er scheint ziemlich gesund zu sein, auch was seinen Glauben betrifft.
Vielleicht wird bei der Auslegung der Geschichte mitunter übersehen, dass Isaak bereits 37 Jahre alt war. Also kein ergebenes Opfer, sondern ein erwachsener Mann, den sein alter Vater kaum ohne seine Zustimmung überwältigen konnte. Suizidal scheint er nicht gewesen zu sein. Vielmehr scheinen Isaak und sein Vater Abraham trotz der grotesken Situation, die wir Heutigen einfach nicht nachvollziehen können, von einem echten Vertrauen beseelt gewesen zu sein, dass Gott eine Lösung schafft. Woher nimmt Isaak dieses Vertrauen? Was macht ihn resilient gegenüber einer PTBS?
GELIEBTES LEBEN
Isaak ist ein Wunschkind. Seine Mutter liebt ihn über alles. Er ist von Kindesbeinen an religiös erzogen worden, als erster Jude wurde er am achten Tage beschnitten. Er ist der Träger einer Verheißung, die Gott der Familie gegeben hat. Wer mit einem solchen emotionalen Gerüst ausgestattet ist, den haut so schnell nichts aus der Bahn.
| FRAGEN:• Gibt es Übertragungen in meinem Leben? Schlechte Erfahrungen mit Menschen, Verletzungen, die mein Gottesbild geprägt haben?• Welche guten, heilsamen Erfahrungen stehen dem gegenüber? |
POWERBANK
Werde ein Erbsenzähler! Wenn die Seele verwundet ist, nimmt sie selektiv wahr. Wir beziehen negative Erfahrungen auf uns, verstärken diese, während wir positive Erlebnisse ausblenden. Man kann aktiv gegensteuern. Eine Zeit lang habe ich Erbsen gezählt: In meiner Hosentasche hatte ich einige Erbsen. Immer, wenn ich etwas erlebt habe, wofür ich dankbar war, habe ich eine Erbse in die andere Tasche gesteckt. Ich war erstaunt, wie schnell sich die eine Tasche leerte und die andere füllte – ohne den Erbsentrick hätte ich diese vielen tollen Momente glatt übersehen.
Ähnlich habe ich es beim Bibellesen gemacht: Mit einem Textmarker habe ich die positiven Aussagen über Gott und mit einem anderen seine Zusagen an mich herausgestrichen. Ich war sehr erstaunt, wie farbig meine Bibel wurde – und wie sich mein Gottesbild veränderte.
UWE HEIMOWSKI
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07. JAKOB – Segen für einen schiefen Typen – »Gott kämpft für dich!« – Bibelstelle: 1. Mose 32,23-32
JAKOB ist eine faszinierende Person. Ein Typ mit Ecken und Kanten. Ein raffinierter Geschäftsmann, der seinem hungrigen Bruder das Erstgeburtsrecht für einen Teller Linsen mit Spätzle abluchst. Ein listiger Mann, der mit leckerem, gefälschtem Wild und angeklebtem Fell seinen blinden Vater täuscht, sich als Erstgeborener ausgibt und den Familiensegen erschleicht. Jakob bekommt den Segen und der Haussegen hängt schief! Jetzt muss er fliehen. Jahrelang arbeitet er bei seinem Onkel Laban, der ihn seinerseits übers Ohr gehauen hat. Jakob revanchiert sich und tritt den Heimweg an. Vor der Rückkehr zu Esau kommt es zum Showdown: Jakob kämpft mit Gott (vgl. 1. Mose 32,23-32).
NEUER NAME, NEUES LEBENSPROGRAMM
Jakob kämpft am Flussufer des Jabbok und ringt mit einer unbekannten Gestalt. Aus dem Kontext wird klar: Es geht um Gott. Ein heftiges Hin und Her. Schließlich bekommt Jakob einen neuen Namen: »Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel« (1. Mose 32,29). Warum bekommt er einen neuen Namen? Aus Jakob dem Lügner wird Israel. Dies bedeutet wörtlich »Gott wird streiten/kämpfen«. Das macht mich sprachlos! Der Jakob, der alles in der Hand haben will (z. B. seinen Bruder Esau bei der Geburt – deshalb heißt er auch Jakob, wörtlich Fersenhalter), bekommt von Gott die Zusage: »Ich kämpfe für dich! Deine Sorge um deinen Bruder, der auf dich wütend ist; deine Angst um deine Frau und die Kinder kannst du an mich abgeben. Hab keine Angst, vertrau mir. Meine Kraft genügt!« Das ist stark – Gott schenkt Gnade und zeigt: Es kommt letztlich nicht auf meine Energie und Leistung an. Jakobs Weltbild bekommt in diesem Moment eine unerwartete 180-Grad-Wendung. Sein ganzes Leben lang hat er sich abgerackert und mit Händen und Füßen versucht sein Leben in die Hand zu nehmen und jetzt sagt Gott: »Ich kämpfe für dich.« Heute. Hier. Jetzt. Im Beziehungsalltag, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz mit dem anstrengenden Kollegen …
ENTLASTET UND VERÄNDERT
Das entlastet mich, weil ich mich selbst so oft verkämpfe. Ich will, wie Jakob, ein Macher sein und bemerke dabei gar nicht, dass ich keinen Zentimeter vorwärtskomme. Jakobs Leben ändert sich nach dieser Begegnung mit Gott: Er erkennt, dass er von Gott geliebt ist; dass sein Wert nicht davon abhängt, wie raffiniert und klug er ist. Löst das alle Probleme Jakobs? Nein. Aber es ändert seine Perspektive und lässt ihn erwartungsvoll auf Gott schauen.
| Nimm dir ein paar Minuten Zeit an einem ruhigen Ort und überlege, wo du in deinem Leben gerade Gottes Kraft und seine Weisheit besonders brauchst, z. B. am Arbeitsplatz, in der Ehe oder der Gemeinde. Bitte Gott dann, dass er sich der Sache annimmt, und sprich ein kurzes Gebet: Gott, du weißt, wie ich mit … zu kämpfen habe. Danke, dass du jetzt für mich streitest! Oder noch etwas plastischer: Nimm dir ein paar große Kieselsteine und schreib mit einem wasserlöslichen Stift deine Sorge drauf. Und dann mit viel Schwung ab damit ins Wasser! Gott kümmert sich – er wird für dich streiten! |
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Lesetipp: Wer in die ganze Jakob-Story eintauchen will, dem empfehle ich das Buch von Leo Bigger (Fontis).
ANDREAS SCHMIERER
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08. JOSEF – Versucht, aber integer – »Wie steht es um unsere Sexualität?« – Bibelstelle: 1. Mose 39,7
IHR VERHALTEN war klar! Sie wollte mehr. Potifars Frau hatte nicht nur ein Auge auf Josef geworfen, sondern ihrem Begehren deutlich Ausdruck verliehen: »Schlaf mit mir!« (1. Mose 39,7 HfA). Der Sklave Josef, der nach Ägypten verkauft wurde, kommt in eine brenzlige Situation. Potifar, der Finanzminister des Pharaos, hat ihn zum Verwalter seines Hauses bestimmt und jetzt soll er mit dessen Frau schlafen? Josef reagiert schnell: Nachdem die Frau zudringlich wird und ihm an die Wäsche will, versucht er zunächst, sie mit Worten abzuweisen. Als das nicht funktioniert, wirft er sein Gewand von sich und rennt davon. Für Josef ist klar: Er war zwar ein Arbeitersklave, aber er will nicht zum Sklaven der (fremden) Lust werden.
DER FLUCHT FOLGT GEFÄNGNIS
Mich beeindruckt, mit welcher Nüchternheit Josef die Situation durchschaut. Bestimmt war Potifars Frau schön, vermutlich sogar ziemlich hübsch. Aber Josef lässt sich davon nicht blenden. Er denkt nicht daran, wann er zum letzten Mal mit einer Frau zusammen war. Er erfindet auch nicht irgendwelche fadenscheinigen Ausreden wie »Einmal ist keinmal. Das ist doch nicht so schlimm!« Josef bleibt eine loyale und integre Persönlichkeit. Er schläft nicht mit der Frau seines Chefs, sondern ergreift die Flucht. Er weiß, welchen Schaden sein Verhalten zur Folge hätte: Er würde seinen Chef betrügen, dem er viel zu verdanken hat, und letztlich würde er gegen Gott sündigen (vgl. 1. Mose 39,9). Josef bleibt integer, obwohl ihn sein Verhalten später ins Gefängnis bringt.
Auch wenn ich im Alltag nicht in einem Palast in Versuchung geführt werde, so ist das Grundproblem doch auch heute dasselbe: Als Mann bin ich für visuelle Reize empfänglich und ein Klick im Internet, ein Kinospot oder ein Besuch im Freibad genügen, um viel nackte Haut zu sehen. Die Bibel spricht hier ein heikles Thema für uns Männer an: Wie steht es um unsere Sexualität? Welchen Stellenwert hat sie im Vergleich mit Gott? Josef achtet Gottes Gebot, dass Sexualität jenseits des eigenen Ehepartners keinen Platz hat. Dass Josef davonrennt, mag drastisch aussehen, aber vermutlich ist es genau das Richtige: Josef flieht, wo die Versuchung zu groß wird. Das will ich mir zum Vorbild nehmen und keinen zweiten Blick riskieren, wenn ich das nächste Mal auf diesem Gebiet versucht werde. Wenn es stimmt, dass unsere Gedanken von heute unsere Taten von morgen prägen und mitbestimmen, dann will ich Gott für das Geschenk der Sexualität danken und sie exklusiv im Rahmen der Ehe freudig erleben.
| CHALLENGE:Such dir einen guten, verschwiegenen Freund, mit dem du über das Thema sexuelle Versuchung sprechen kannst. Mögliche Fragen: Wo bin ich in einer ähnlichen Gefahr wie Josef? Wo sind meine Blicke und Gedanken bei anderen Frauen anstatt bei meiner eigenen? Wo bin ich als Mann versucht, mich an etwas zu vergreifen, was mir nicht gehört? Wie gehe ich mit dem Internet um? |
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Filmtipp: Die biblische Josef-Geschichte als moderner Spielfilm im 21. Jahrhundert auf DVD: »Der Träumer« (SCM Hänssler)
ANDREAS SCHMIERER
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09. MOSE – Vom Trauma zum Segenträger – »Der Name ist ein Makel. Er ist kein Adels- und Schönheitsprädikat.« – Bibelstelle: 2. Mose 2-3
MOSES START ins Leben würde man heute als frühkindliches Trauma bezeichnen. Augenfällig wird das Trauma besonders im Namen: Das Kind hat keinen; zumindest ist er uns nicht überliefert. Als das Kind aus dem Gröbsten raus ist und von seiner Mutter im Palast abgeliefert wird, bekommt er einen ägyptischen Namen verpasst: Mose – der aus dem Wasser Gezogene. Was für ein Makel! Mose war sicher alles andere als begeistert, wenn es hieß: Aus-dem-Wasser-gezogen – bitte reinkommen zum Essen. Der Name ist ein Makel. Das ist kein Adels- und Schönheitsprädikat. Mit diesem Namen wird der Junge jedes Mal an seine unsaubere, unklare, zweifelhafte Herkunft erinnert. Dieser Name prägt Moses Sein.
Ja, die inneren Wunden, die uns zugefügt wurden, die Makel, die über unserem Leben ausgesprochen wurden, können wehtun und schmerzen. Doch an Mose wird deutlich: Die Verletzung trägt auch den Kern eines großartigen Retters in sich. Gott hat nämlich die Größe, sich für seine Rettungspläne diejenigen herauszugreifen, die offensichtlich einen Sprung in der Schüssel haben, die erniedrigt worden sind, die sich zerrissen und unheil vorkommen. Die Heils- und Heilungsgeschichte Gottes kann aus »Aus-dem-Wasser-Gezogenem« »Aus-dem-Wasser-Zieher!« machen.
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