Czytaj książkę: «ACT in Klinik und Tagesklinik»

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Herausgeberin und Herausgeber


Prof. Dr. Nina Romanczuk-Seiferth ist Psychologische Psychotherapeutin (VT), Diplom-Psychologin und Supervisorin. Sie ist Professorin für Neurobiologie der Psyche und Neuropsychotherapie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und als leitende Psychologin und Psychotherapeutin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Campus Mitte, tätig. Sie verfügt über langjährige Erfahrung mit ACT als Therapeutin, Trainerin und Supervisorin und ist Mitglied der ACBS, DGKV und des ACT-Netzwerks Berlin-Brandenburg. Ihre Forschung fokussiert auf emotionale und motivationale Prozesse bei psychischen Erkrankungen und im Rahmen moderner Psychotherapieansätze. Zudem ist sie als Dozentin in verschiedenen Bereichen der Psychotherapie sowie der Neurowissenschaften und als Supervisorin im Einzel- wie Gruppensetting sowie für klinische Teams aktiv.


Dr. Ronald Burian ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberarzt des Bereiches Psychosomatik und Konsiliarpsychiatrie am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) Berlin. Sein klinischer Schwerpunkt lag viele Jahre im Bereich der Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Er engagiert sich maßgeblich im Aufbau von ambulanten und tagesklinischen Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit komorbiden psychischen und körperlichen Erkrankungen – insbesondere mit chronischen Schmerzerkrankungen, Diabetes mellitus und funktionellen Störungen. Seine Beschäftigung mit ACT entstand aus der Erfahrung, dass diese Therapie ein hervorragendes transdiagnostisches Fundament für darauf aufbauende störungsspezifische Interventionen bietet. Ronald Burian arbeitet seit 2011 mit ACT und ist Mitglied der ACBS und DGKV. Als peer-reviewed Trainer der ACBS leitet er zahlreiche ACT-Workshops in Deutschland und Europa.


Prof. Dr. Albert Diefenbacher ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er ist ehemaliger Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) Berlin sowie Leiter der Section on Consultation-Liaison-Psychiatry and Psychosomatics der European Psychiatric Association (EPA). Im Rahmen seiner klinischen Tätigkeit unterstützte und supervidierte er die organisationelle Implementierung unterschiedlicher praktischer ACT-Modelle in vollstationären und tagesklinischen Bereichen in der klinischen Regelversorgung im Rahmen eines Allgemeinkrankenhauses im Berliner Bezirk Lichtenberg und deren versorgungswissenschaftliche Erforschung.

Nina Romanczuk-Seiferth Ronald Burian Albert Diefenbacher (Hrsg.)

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-035641-2

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-035642-9

epub: ISBN 978-3-17-035643-6

mobi: ISBN 978-3-17-035644-3

Autorinnen und Autoren

Dr. rer. soc. Klaus Ackermann

Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut

Median-Klinik Wilhelmsheim

Wilhelmsheim 11

71570 Oppenweiler

E-Mail: Klaus.Ackermann@median-kliniken.de

Dr. phil. Barbara Annen

Diplom-Psychologin, Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin

Behandlungszentrum für Psychosomatik

Solothurner Spitäler AG, Psychiatrische Dienste

Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Baslerstr. 150

CH – 4600 Olten

E-Mail: Barbara.Annen@spital.so.ch

Dr. med. Herbert Assaloni

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Praxis Zum beherzten Leben

Bildungswerkstatt ACT

Lindstr. 39

CH – 8400 Winterthur

www.zumbeherztenleben.ch

E-Mail: herbertassaloni@bluewin.ch

Dr. phil. Charles Benoy

M.Sc. Psychologe, Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut

Zentrum für Psychotherapie und Psychosomatik

Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Wilhelm Klein-Str. 27

CH – 4002 Basel

E-Mail: Charles.Benoy@upk.ch

Dr. rer. medic. Kerem Böge

M.Sc. Psychologe

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Benjamin Franklin

Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health

Hindenburgdamm 30

12203 Berlin

E-Mail: Kerem.Boege@charite.de

Christine Brancato

M.Sc. Psychologin, Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin

Praxis Kronenmatt

Hauptstr. 62

CH – 4102 Binningen

E-Mail: Christine.Brancato@praxiskronenmatt.ch

Dr. med. Alexander Brümmerhoff

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

DRK Kliniken Berlin Westend

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Spandauer Damm 130

14050 Berlin

E-Mail: bruemmerhoffa@web.de

Dr. rer. nat. Nicole C. Bührsch

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Theodor Fliedner Stiftung, Fliedner Klinik Berlin

Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Markgrafenstr. 34

10117 Berlin

E-Mail: Nicole.Buehrsch@fliedner.de

Dr. med. Ronald Burian

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: R.Burian@keh-berlin.de

Dr. rer. hum. biol. Claudia China

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Mühlenbergklinik Holsteinische Schweiz

Frahmsallee 1-7

23714 Bad Malente

E-Mail: Claudia.China@drv-nord.de

Claudia Dambacher

Psychologische Psychotherapeutin (VT)

Hochschulambulanz für Psychotherapie, Diagnostik und Gesundheitsförderung

Habelschwerdter Allee 45

14195 Berlin

E-Mail: claudia.dambacher@fu-berlin.de

Dr. rer. medic. Marie Christine Dekoj

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Psychotherapeutische Praxis

Karlsplatz 6

89073 Ulm

E-Mail: m.c.dekoj@gmail.com

Prof. Dr. med. Albert Diefenbacher

MBA, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Benjamin Franklin

Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health

Hindenburgdamm 30

12203 Berlin

E-Mail: Albert.Diefenbacher@charite.de

Dr. med. Annegret Dreher

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

Klinik für Forensische Psychiatrie

Oderberger Str. 8

16225 Eberswalde

E-Mail: Annegret.Dreher@gmail.com

Emre Ergen

B.Sc. Psychologie

Technische Universität Berlin

Fachgebiet Ökonomie und Nachhaltiger Konsum

Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre

Marchstr. 23

10587 Berlin

E-Mail: Emre.Ergen@campus.tu-berlin.de

Andrea Flatow

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: A.Flatow@keh-berlin.de

Dr. sc. med. Vanya Gocheva

M.Sc. Psychologin, Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin

Praxis Qurateam

Steinenberg 23

CH – 4051 Basel

E-Mail: v.gocheva@qurateam.ch

Dr. rer. medic. Susan Gruber

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Theodor Fliedner Stiftung, Fliedner Klinik Berlin

Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Markgrafenstraße 34

10117 Berlin

E-Mail: Susan.Gruber@fliedner.de

Dr. med. Eric Hahn

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Benjamin Franklin

Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health

Hindenburgdamm 30

12203 Berlin

E-Mail: Eric.Hahn@charite.de

Steven C. Hayes, PhD

Foundation Professor, Behavior Analysis program

Department of Psychology / MS 296

University of Nevada

1664 N. Virginia Street

USA – Reno, NV 89557-0062

E-Mail: hayes@unr.edu

Mona Heinrich

Staatlich anerkannte Ergotherapeutin

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: M.Heinrich3@keh-berlin.de

Stefan G. Hofmann, PhD

Professor of Psychology

Department of Psychological and Brain Sciences

Boston University

900 Commonwealth Avenue, 2nd Floor

USA – Boston, MA 02215

www.bostonanxiety.org

E-Mail: shofmann@bu.edu

Cornelia Hörmann

Tanz- und Ausdruckstherapeutin (BTD), Heilpraktikerin (Psychotherapie), Heiltanzpädagogin

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: C.Hoermann@keh-berlin.de

Dr. phil. Patrick Jeger

Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut

PZM Psychiatriezentrum Münsingen AG

Hunzigenallee 1

CH – 3110 Münsingen

E-Mail: Patrick.Jeger@pzmag.ch

Julia Kilian

Diplom-Kunsttherapeutin, Yogalehrerin

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: J.Kilian@keh-berlin.de

Veronika Kuhweide

Diplom-Pflegefachfrau, Paar- & Familientherapeutin

Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie

Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Wilhelm Klein-Str. 27

CH – 4002 Basel

E-Mail: Veronika.Kuhweide@upk.ch

Sari Multamäki

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Vivantes Klinikum Am Urban

Dieffenbachstraße 1

10967 Berlin

E-Mail: sari.multamaeki@vivantes.de

Dr. Ray Owen

Consultant Clinical Psychologist, Health Psychologist

Health Psychology Service

Wye Valley NHS Trust

UK – Hereford

E-Mail: drrayowen@gmail.com

Mareike Samaan

M.Sc. Psychologin

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: M.Samaan@keh-berlin.de

Inga Pontow

M.Sc. Psychologin

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: I.Pontow@keh-berlin.de

Mareile Rahming

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Praxis für Psychotherapie

Regensburger Str. 34

10777 Berlin

E-Mail: kontakt@rahming-psychotherapie.de

Prof. Dr. rer. medic. Nina Romanczuk-Seiferth

Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Campus Mitte

Charité – Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health

Charitéplatz 1

10117 Berlin

E-Mail: Nina.Seiferth@charite.de

Dr. Graciela Rovner

PhD in Rehabilitation Medicine, Senior Pain Specialist

Physiotherapist

ACT Institutet Sweden

Trälåsvägen 13 A

SE-426 68 VÄSTRA FRÖLUNDA

SWE – Gothenburg

und

Karolinska Institutet

Department of Neurobiology, Care Sciences and Society – Section Physiotherapy

SWE – Stockholm

E-Mail: act@graciela.se

Katrin Schudel

M.Sc. Psychologin

Psychiatrie Baselland PBL

Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen ZfA

Bienentalstrasse 7

CH – 4410 Liestal

E-Mail: Katrin.schudel@pbl.ch

Ralf Steinkopff

Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Psychotherapeutische Praxis

Moosdorfstr. 3

12435 Berlin

E-Mail: steinkopff@web.de

Michael Waadt

ACT-Therapeut

insas Institut für Arbeit und seelische Gesundheit GmbH

Fäustlestr. 8

80339 München

www.insas-institut.de

E-Mail: waadt@insas-institut.de

Stefan Wagler

Diplom-Psychologe

Arndtstr. 30

10965 Berlin

E-Mail: stefan.wagler@mailbox.org

Dr. med. Maike Wolf

Fachärztin für Neurologie, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie

MVZ Ärztehaus am KEH mit Epilepsiezentrum gGmbH

Herzbergstr. 79

10365 Berlin

E-Mail: M.Wolf@keh-berlin.de

Inhalt

1  Autorinnen und Autoren

2  Teil I – ACT – eine Verhaltenstherapie der dritten Welle für Kliniksettings adaptieren

3  Einführung, Adaptierung und Implementierung von ACT im voll- oder teilstationären Kliniksetting

4 Nina Romanczuk-Seiferth, Albert Diefenbacher und Ronald Burian

5  Literatur

6  1 ACT als eine Form prozessbasierter Therapie

7 Steven C. Hayes und Stefan G. Hofmann

8  1.1 Prozessbasierte Therapie: Wie steht die ACT dazu?

9  1.2 Modelle der prozessbasierten Therapie

10  1.3 Die Zukunft der ACT als einer Form von PBT

11  1.4 Angenommen, PBT gehörte die Zukunft: Was würde das bedeuten?

12  Literatur

13  2 ACT-Basics – was Klinik-Teams wissen sollten

14 Marie Christine Dekoj und Mareile Rahming

15  2.1 ACT als therapeutisches Konzept einführen und die Grundlagen vermitteln – Einführung

16  2.2 Wie sind die wichtigsten Grundlagen der ACT in der Vermittlung an Teams in Kliniken und Tageskliniken?

17  2.2.1 Besonderheiten und Haltung in der ACT

18  2.2.2 Das Modell des »Hexaflex«

19  2.2.3 Kernprozesse und -kompetenzen in der ACT

20  2.3 Was ist das Wichtigste zur Vermittlung der Grundlagen der ACT in klinischen Teams? – Fazit und Ausblick

21  2.3.1 ACT und andere Therapieverfahren?

22  2.3.2 Einsatz der ACT auf verschiedenen Ebenen in der Klinik und der Station

23  Literatur

24  3 Implementierung von ACT als berufsgruppen-übergreifendes Therapiekonzept in klinischen Teams

25 Ronald Burian

26  3.1 ACT als therapeutisches Konzept im klinischen Setting implementieren – Einführung

27  3.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der Forschung

28  3.3 Wie sieht eine mögliche Implementierung aus? – Praktische Umsetzung

29  3.3.1 Planungsphase

30  3.3.2 Durchführung von Trainings und Schulungen

31  3.3.3 Phase der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung

32  3.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

33  3.5 Was ist das Wichtigste für die Implementierung von ACT in klinischen Teams? – Fazit und Ausblick

34  Literatur

35  4 Therapeutische InterACTion im Klinikalltag

36 Nina Romanczuk-Seiferth und Ronald Burian

37  4.1 ACT als therapeutisches Konzept im klinischen Alltag in konkreten Interaktionen umsetzen – Einführung

38  4.2 InterACTion: Wie sieht die Gestaltung alltäglicher Situationen nach ACT in Klinik und Tagesklinik konkret aus? – Praktische Beispiele

39  4.2.1 Die (teil-)stationäre Aufnahme

40  4.2.2 Die (erste) Visite

41  4.2.3 Vorbehalte gegenüber bestimmten Angeboten und Therapien

42  4.2.4 Die Mühen der weiten Ebene – Umgang mit Motivationstiefs

43  4.2.5 Vorbereitung der Entlassung bzw. Entlassmanagement

44  4.2.6 Hinweise für weiterführende praktische Beispiele

45  4.3 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

46  4.4 Was ist das Wichtigste für die InterACTion im klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

47  Literatur

48  Teil II – ACT im multiprofessionellen Klinikalltag

49  Multiprofessionelle Arbeit mit der ACT im voll- oder teilstationären Setting einer psychiatrischen oder psychosomatischen Abteilung – Überlegungen zum Kontext

50 Albert Diefenbacher, Ronald Burian und Nina Romanczuk-Seiferth

51  Literatur

52  5 Besonderheiten von ACT im voll- und teilstationären Rahmen

53 Charles Benoy, Barbara Annen und Patrick Jeger

54  5.1 Wozu die Arbeit mit ACT im stationären und teilstationären Rahmen? – Einführung

55  5.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zur Anwendung von ACT in einem stationären und teilstationären Behandlungssetting

56  5.3 Wie sieht die Behandlung aus? – Besonderheiten der ACT im stationären und teilstationären Rahmen, klinische Beispiele und Übungen

57  5.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

58  5.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

59  Literatur

60  6 ACT und ärztliches Handeln

61 Herbert Assaloni

62  6.1 Wozu das ärztliche Handeln mit ACT verbinden? – Einführung

63  6.2 Was wissen wir zur Evidenz eines an ACT orientierten ärztlichen Handelns? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

64  6.3 Wie sieht ein ACT-orientiertes ärztliches Handeln im klinischen Alltag aus? – Klinische Beispiele und Übungen

65  6.3.1 Subjektivierendes ärztliches Handeln

66  6.3.2 Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung – Patientinnen und Patienten mit einer ACT-Haltung begegnen

67  6.3.3 Umgang mit medikamentöser Behandlung aus ACT-Sicht

68  6.3.4 Psychische Flexibilität in der Arzt-Patient-Beziehung

69  6.3.5 ACT-Prozesse in der ärztlichen Haltung

70  6.3.6 Mit ACT auf die eigene Gesunderhaltung achten

71  6.4 Worauf ist bei der Anwendung von ACT im ärztlichen Handeln zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

72  6.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

73  Literatur

74  7 ACT als Fokus der Einzelpsychotherapie in der Klinik und Tagesklinik

75 Claudia China und Ray Owen

76  7.1 Wozu die Arbeit mit ACT im Einzelsetting in Klinik und Tagesklinik? – Einführung

77  7.2 Was wissen wir zur Evidenz zur Wirksamkeit von ACT im Einzelsetting? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

78  7.3 Wie sieht die Behandlung mit ACT im Einzelsetting in Klinik und Tagesklinik aus? – Klinische Beispiele und Übungen

79  7.3.1 Arbeit im Einzelsetting

80  7.3.2 Das A und O: Die therapeutische Beziehung

81  7.3.3 Funktionelle Analyse (FA) im ACT-Kontext

82  7.3.4 Therapieplanung im Einzelsetting: Fokus auf Möglichkeiten werteorientierten Handelns

83  7.3.5 Achtsamkeit – immer dabei

84  7.3.6 Defusion – bei evaluativen Gedanken auch immer dabei

85  7.3.7 Akzeptanz und Bereitschaft

86  7.4 Worauf ist bei der Anwendung von ACT im Einzelsetting zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

87  7.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

88  Literatur

89  8 Gruppentherapien nach ACT gestalten

90 Mareike Samaan und Claudia Dambacher

91  8.1 Wozu die Arbeit mit ACT im Gruppensetting? – Einführung

92  8.1.1 Ziele dieses Kapitels

93  8.1.2 Strukturierung von ACT-Gruppensitzungen

94  8.1.3 Die therapeutische Haltung

95  8.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zu ACT im Gruppensetting

96  8.3 Wie sieht die Behandlung nach ACT im Gruppensetting aus? – Klinische Beispiele und Übungen

97  8.3.1 Struktur der Gruppensitzungen

98  8.3.2 Erfahrungsorientierte Übungen im Gruppensetting

99  8.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

100  8.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

101  Literatur

102  9 ACTisch pflegen

103 Veronika Kuhweide und Andrea FlatowUnter Mitarbeit von Nina Romanczuk-Seiferth und Elizabeth Zimmermann

104  9.1 Wozu die Arbeit mit ACT in der Pflege? – Einführung

105  9.1.1 Das Pflegefach und therapeutische Methoden

106  9.1.2 Das Pflegefach und ACT

107  9.2 Was wissen wir zur Evidenz hinsichtlich der Pflege nach der ACT? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

108  9.3 Wie sieht die Pflege mit ACT konkret aus? – Praktische Umsetzung und Erfahrungen

109  9.3.1 Umsetzung von ACT in der Pflege in einer voll- oder teilstationären Behandlung

110  9.3.2 Erfahrungen zur ACT in der Pflege

111  9.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

112  9.5 Das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

113  Literatur

114  10 ACT ergo- und kunsttherapeutisch umsetzen

115 Mona Heinrich und Julia Kilian

116  10.1 Wozu die Arbeit mit ACT in der Ergo- und Kunsttherapie? – Einführung

117  10.1.1 Methoden der Ergotherapie und ACT

118  10.1.2 Methoden der Kunsttherapie und ACT

119  10.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

120  10.2.1 Evidenz zur Arbeit nach ACT in der Ergotherapie

121  10.2.2 Evidenz zur Arbeit nach ACT in der Kunsttherapie

122  10.3 Wie sieht die Behandlung nach ACT in der Ergotherapie und Kunsttherapie aus? – Klinische Beispiele und Übungen

123  10.3.1 Arbeit mit ACT in der Ergotherapie

124  10.3.2 Arbeit mit ACT in der Kunsttherapie

125  10.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

126  10.4.1 Das weiße Blatt als Barriere oder »Ich konnte noch nie malen«

127  10.4.2 Die Gruppenkonstellation

128  10.4.3 »Ergo-/Kunsttherapie – ist das die Bastelstunde?«

129  10.4.4 Der Kampf mit den eigenen Monstern oder der Weg zu mehr Flexibilität im Klinikalltag

130  10.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

131  Literatur

132  11 Anwendung der ACT-Prinzipien in der Physiotherapie: Das ACTivePhysio-Modell

133 Graciela Rovner

134  11.1 Wozu die Anwendung der ACT-Prinzipien in der Physiotherapie – Einführung

135  11.1.1 Warum ist es für Physiotherapeutinnen und -therapeuten wichtig, verhaltenstherapeutische Prinzipien zu verstehen? Ein Fallbeispiel für chronische Schmerzen

136  11.1.2 Prozessbasierte Physiotherapie mit ACT

137  11.1.3 Was macht es hilfreich für Physiotherapeutinnen und -therapeuten nach ACT bzw. mit ACTivePhysio zu arbeiten?

138  11.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

139  11.2.1 Die Herausforderungen

140  11.2.2 Physiotherapie und ACT

141  11.3 Wie sieht das Vorgehen nach der ACT und mit dem ACTivePhysio-Modell in der Physiotherapie aus – klinische Beispiele und Übungen

142  11.3.1 Einschätzung der Schmerzakzeptanz-Muster (Navigationsstile) – eine patientenzentrierte zweistufige Bewertung

143  11.3.2 Die drei Säulen des ACT-Triflex-Modells

144  11.3.3 ACTiveBODY: das physiotherapeutische Instrument zum Embodiment der drei Säulen des Triflex

145  11.3.4 Fallbeispiele aus der klinischen Praxis

146  11.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

147  11.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

148  Literatur

149  12 ACT in der Tanz- und Bewegungstherapie

150 Cornelia Hörmann

151  12.1 Wozu die Arbeit mit ACT in der Tanz- und Bewegungstherapie? – Einführung

152  12.1.1 Was ist Tanztherapie?

153  12.1.2 Tanztherapie und ACT

154  12.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

155  12.3 Wie sieht die Behandlung aus? – Praktische Umsetzung

156  12.3.1 Flexibilität

157  12.3.2 Hier und Jetzt – Achtsamkeit

158  12.3.3 Selbst-als-Kontext, Kognitive Defusion und Akzeptanz

159  12.3.4 Werte

160  12.3.5 Engagiertes Handeln

161  12.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

162  12.5 Das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

163  Literatur

164  13 Team- und Fallbesprechungen ACTisch gestalten

165 Katrin Schudel und Sari Multamäki

166  13.1 Wozu die Arbeit mit ACT in Team- und Fallbesprechungen? – Einführung

167  13.1.1 Besonderheiten von Fall- und Teambesprechungen nach ACT

168  13.1.2 Inhalte der Fall- bzw. Teambesprechung nach ACT

169  13.2 Wie sieht die Gestaltung von Team- und Fallbesprechungen mit der ACT aus? – Beispiele und Erfahrungsberichte

170  13.2.1 Abteilung 1: Fallbesprechungen in multiprofessionellen Teams mittels der ACT- Matrix

171  13.2.2 Abteilung 2: Fallbesprechung in multiprofessionellen Teams mit Hilfe des Hexaflex

172  13.3 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

173  13.4 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

174  Literatur

175  14 Die Arbeit mit ACT in der Supervision von klinischen Teams

176 Nina Romanczuk-Seiferth

177  14.1 Wozu die Arbeit mit ACT in der Supervision von klinischen Teams? – Einführung

178  14.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

179  14.3 Wie kann ACT zum Verständnis der Prozesse in der Supervision von klinischen Teams beitragen?

180  14.3.1 Die besonderen Herausforderungen des Einsatzes der ACT in der Supervision in klinischen Teams

181  14.3.2 Das Supervisionsmodell SHAPE

182  14.4 Wie sieht die Supervision von klinischen Teams mit ACT aus? – Praktische Hinweise und Übungen

183  14.4.1 Grundhaltungen und -fertigkeiten der Supervisorin oder des Supervisors in der Supervision nach der ACT

184  14.4.2 Die Supervision mit ACT-Perspektiven und -Kompetenzen anreichern

185  14.4.3 Anregungen zur Verwendung von ACT-Elementen und -Methoden in der Supervision

186  14.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

187  14.6 Was ist das Wichtigste für die supervisorische Praxis? – Fazit und Ausblick

188  Literatur

189  Teil III – ACT mit verschiedenen Menschen und Zielgruppen im Kliniksetting

190  ACT als transdiagnostischer Ansatz in der Anwendung auf spezifische Zielgruppen

191 Nina Romanczuk-Seiferth, Albert Diefenbacher und Ronald Burian

192  Literatur

193  15 ACT bei Depressionen und Burnout

194 Susan Gruber und Michael Waadt

195  15.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei Depressionen? – Einführung

196  15.2 Was wissen wir zur Evidenz? Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

197  15.3 Wie kann ACT zur Erklärung von Depressionen beitragen? – Ein prototypisches Störungsmodell bzw. Fallkonzept

198  15.4 Wie sieht die Behandlung aus? – Klinische Beispiele und Übungen

199  15.4.1 Achtsamkeitsbasierte Prozesse: Akzeptanz, Defusion, Gegenwärtiger Moment und Selbst-als-Kontext

200  15.4.2 Prozesse für Verhaltensänderung: Werte und Engagiertes Handeln

201  15.4.3 Kreative Hoffnungslosigkeit als zentraler Prozess der Arbeit mit ACT bei Depressionen

202  15.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

203  15.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

204  Literatur

205  16 ACT bei psychotischen Störungen

206 Kerem Böge, Emre Ergen und Eric Hahn

207  16.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei psychotischen Störungen? – Einführung

208  16.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Studien zu achtsamkeitsbasierten Therapien und ACT für psychotische Störungen

209  16.3 Wie kann ACT zur Erklärung von psychotischen Störungen beitragen? – Theoretische Konzeptualisierung und ein Beispiel

210  16.4 Wie sieht die Behandlung bei psychotischen Störungen aus? – Entwicklung des manualisierten achtsamkeitsbasierten SENSE-Projekts

211  16.4.1 Lernen durch Erfahrungen und deren Austausch – der »Inquiry«-Prozess

212  16.4.2 Rahmenbedingungen und allgemeine Merkmale des Gruppenprogramms

213  16.4.3 Darstellung der einzelnen achtsamkeitsbezogenen Module des Gruppenprogramms

214  16.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

215  16.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

216  Literatur

217  17 ACT bei Angst- und Zwangserkrankungen

218 Christine Brancato und Vanya Gocheva

219  17.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei Angst- und Zwangserkrankungen? – Einführung

220  17.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

221  17.3 Wie kann ACT zur Erklärung von Angst- und Zwangsstörungen beitragen? – Fallkonzeptualisierung nach ACT anhand von Fallbeispielen

222  17.4 Wie sieht die Behandlung von Angst- und Zwangserkrankungen aus? – Klinische Beispiele, Behandlungsideen und Übungen im stationären und tagesstationären Setting

223  17.4.1 Kontrolle als Problem – Therapiemotivation fördern

224  17.4.2 Defusion erlernen

225  17.4.3 Die Perspektive des Beobachter-Ichs einnehmen

226  17.4.4 Raum schaffen durch Akzeptanz

227  17.4.5 Verbunden im Hier und Jetzt

228  17.4.6 In Kontakt mit Werten kommen

229  17.4.7 Schritte in Richtung werteorientiertes Leben

230  17.4.8 Weitere Therapiemaßnahmen

231  17.4.9 Praxisrelevante Literaturempfehlungen

232  17.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

233  17.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

234  Literatur

235  18 ACT bei chronischen Schmerzen

236 Graciela RovnerÜbersetzung und Bearbeitung Ronald Burian

237  18.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei chronischen Schmerzen? – Einführung

238  18.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zu ACT in der multiprofessionellen Behandlung chronischer Schmerzen

239  18.3 Wie kann ACT zur Erklärung von chronischen Schmerzen beitragen? – Erfassung und Kategorisierung chronischer Schmerzen am Beispiel des »ACTiveRehab«-Modells

240  18.3.1 Schmerzakzeptanz als Mechanismus innerhalb der Behandlung (Mediator) und als ein Indikator für die Bedürfnisse in der Behandlung (Moderator)

241  18.3.2 Die Messung von Schmerzakzeptanz

242  18.3.3 »ACTiveAssessment«: Schmerzakzeptanz-Muster verwenden, um die individuelle Schmerzbewältigung sowie die Fähigkeit zu Verhaltensänderungen zu erfassen

243  18.4 Die Schmerzakzeptanz-Muster (Navigationsstile) und ihre Bedeutung für die Therapieplanung anhand klinischer Beispiele

244  18.4.1 Niedrige Schmerzbereitschaft und niedrige Aktivitätsbereitschaft (»Bedrohungs-Muster«)

245  18.4.2 Niedrige Aktivitätsbereitschaft und höhere Schmerzbereitschaft (»Ambivalenz-Muster«)

246  18.4.3 Hohe Aktivitätsbereitschaft und niedrige Schmerzbereitschaft (»Kampf-Muster«)

247  18.4.4 Hohe Aktivitätsbereitschaft und hohe Schmerzbereitschaft (»Sicherheits- und Wachstums-Muster«)

248  18.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

249  18.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

250  Literatur

251  19 ACT bei körperlichen Belastungsstörungen und Krankheitsängsten

252 Annegret Dreher und Inga-Marlen Pontow

253  19.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei körperlichen Belastungsstörungen und Krankheitsängsten? – Einführung

254  19.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zu ACT bei körperlichen Belastungsstörungen und Krankheitsängsten

255  19.3 Wie kann ACT zur Erklärung von körperlichen Belastungsstörungen und Krankheitsängsten beitragen? – Ein beispielhaftes Störungsmodell

256  19.4 Wie sieht die Behandlung mit ACT bei körperlichen Belastungsstörungen und Krankheitsängsten konkret aus? Klinische Beispiele und Übungen

257  19.4.1 Diagnostik und Zielklärung

258  19.4.2 Das Problem verstehen (individuelles Störungsmodell)

259  19.4.3 Typische therapeutische Arbeit nach ACT zu den sechs ACT-Kernprozessen

260  19.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

261  19.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag?

262  Literatur

263  20 ACT bei Abhängigkeitserkrankungen

264 Klaus Ackermann und Nina Romanczuk-Seiferth

265  20.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei Abhängigkeitserkrankungen? – Einführung

266  20.1.1 Psychische Flexibilität und das gute Leben – ACT bei Abhängigkeitserkrankungen

267  20.1.2 Der besondere Nutzen von ACT in der stationären Rehabilitationsbehandlung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen

268  20.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Wirksamkeitsnachweise zu ACT bei Abhängigkeitserkrankungen

269  20.3 Wie kann ACT zur Erklärung von Abhängigkeitserkrankungen beitragen und wie sieht die Behandlung aus? – Das Modell der psychischen Flexibilität und Interventionsaspekte

270  20.3.1 Werteorientierung statt Konsum- bzw. Abstinenzorientierung

271  20.3.2 Engagiertes Handeln anstelle von Suchtverhalten, Rückzug und Untätigkeit

272  20.3.3 Belastendes Erleben akzeptieren statt Erlebensvermeidung durch Konsum

273  20.3.4 Von der Fusion mit suchtbezogenen sprachlich-symbolischen Inhalten zur Defusion

274  20.3.5 Facetten eines flexiblen Selbst anstelle von Selbstentfremdung

275  20.3.6 Fähigkeit zur Gegenwartspräsenz anstelle von Zukunftsangst und Verstrickung in Vergangenes

276  20.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

277  20.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

278  Literatur

279  21 ACT zur Veränderung von maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern

280 Nina Romanczuk-Seiferth und Ralf Steinkopff

281  21.1 Wozu die Arbeit mit ACT zur Veränderung von maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern? – Einführung

282  21.1.1 ACT zur Veränderung von maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern, geht das?

283  21.1.2 Einführung in die Funktional-Analytische Psychotherapie (FAP)

284  21.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

285  21.2.1 Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zur Arbeit mit ACT bei maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern

286  21.2.2 Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zur Wirkung der Funktional-Analytischen Psychotherapie (FAP)

287  21.3 Wie kann ACT bzw. FAP zur Erklärung von maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern beitragen? – Einige Fallbeispiele

288  21.3.2 Was führt die Patientinnen und Patienten aus unserem Fallbeispiel in die Behandlung? – eine ACT-Perspektive

289  21.3.3 Was führt die Patientinnen und Patienten aus unserem Fallbeispiel in die Behandlung? – Ergänzungen aus der FAP-Perspektive

290  21.4 Wie sieht die Behandlung mit ACT bzw. FAP bei maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern aus? – Umsetzung im Stationsalltag

291  21.4.1 Anwendung von ACT im stationären und teilstationären Setting

292  21.4.2 Anwendung von Funktional-Analytischer Psychotherapie (FAP) im stationären und teilstationären Setting

293  21.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

294  21.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

295  Literatur

296  22 ACT in der Gerontopsychiatrie

297 Stefan Wagler und Nicole Bührsch

298  22.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei Älteren? – Einführung

299  22.1.1 Psychische Gesundheit im Alter

300  22.1.2 Der Mehrwert von ACT in der Behandlung Älterer

301  22.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

302  22.3 Wie kann ACT zur Erklärung und Behandlung von psychischen Erkrankungen im Alter beitragen? –Prototypische Fallkonzepte

303  22.3.1 Das SOK-Modell mit der ACT-Brille

304  22.4 Wie sieht die Behandlung aus? – Konkrete Empfehlungen und Übungen

305  22.4.1 Metaphern und Sprichwörter

306  22.4.2 Lebensrückblicksinterventionen im Kontext von ACT

307  22.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

308  22.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

309  Literatur

310  23 ACT mit Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen

311 Alexander Brümmerhoff und Nina Romanczuk-Seiferth

312  23.1 Wozu die Arbeit mit ACT bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen? – Einführung

313  23.1.1 Der Umgang mit unangenehmen Gedanken und Gefühlen

314  23.1.2 Eignung der Arbeit mit ACT bezogen auf das Alter der Kinder und Jugendlichen sowie das Behandlungssetting einer Klinik

315  23.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

316  23.3 Wie kann ACT zur Erklärung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen beitragen? – Beispiel externalisierende Verhaltensstörungen

317  23.4 Wie sieht die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit ACT im klinischen Rahmen aus? – Klinische Beispiele und Übungen

318  23.4.1 Die Einbindung des gesamten Behandlungsteams im stationären und teilstationären Rahmen

319  23.4.2 Beispielhafte gruppentherapeutische Übung zur Vermittlung ACT-spezifischer Kernprozesse bei Kindern und Jugendlichen

320  23.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

321  23.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

322  Literatur

323  24 ACT im psychiatrisch-psychotherapeutischen Konsiliardienst bei Menschen mit körperlichen Erkrankungen

324 Maike Wolf und Albert Diefenbacher

325  24.1 Wozu die Arbeit mit ACT im Konsiliardienst? – Einführung

326  24.1.1 Was ist Konsiliar- Liaison-Psychiatrie?

327  24.1.2 Die psychische Verarbeitung körperlicher Erkrankungen

328  24.1.3 Körperliche Krankheit und psychische Komorbidität

329  24.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

330  24.2.1 Psychotherapie im Allgemeinen im Konsiliar-Liaison-Dienst

331  24.2.2 ACT im Konsiliar-Liaison-Dienst

332  24.3 Wie kann ACT zur Arbeit im Konsiliardienst beitragen? – Alltägliche konsiliarpsychiatrische Fälle aus der Praxis

333  24.4 Wie sieht die Anwendung von ACT im Konsiliar-Liaison-Dienst aus? – Perspektiven aus der Praxis und Fallbeispiele

334  24.5 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

335  24.6 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

336  Literatur

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Teil I – ACT – eine Verhaltenstherapie der dritten Welle für Kliniksettings adaptieren

Einführung, Adaptierung und Implementierung von ACT im voll- oder teilstationären Kliniksetting
Nina Romanczuk-Seiferth, Albert Diefenbacher und Ronald Burian

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist ein modernes psychotherapeutisches Verfahren, welches auf Basis jahrzehntelanger Forschung im Bereich der kontextuellen Verhaltenswissenschaften von Steven Hayes und anderen Kolleginnen und Kollegen (Hayes et al. 1999) entwickelt wurde. Übergeordnetes Ziel ist es, therapeutische Interventionen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten so zu nutzen, dass mehr psychologische Flexibilität entsteht, die es Menschen in Belastungssituationen erlaubt, an die jeweilige Situation zu adaptieren bzw. mit dieser anders als bisher umzugehen. Hierzu steht die Förderung von Akzeptanz- und Achtsamkeitsprozessen, Werteorientierung sowie Verhaltensänderungsprozessen im Fokus der ACT.

Die ACT als psychotherapeutischer Ansatz wird zumeist der sogenannten »dritten Welle« der Verhaltenstherapie zugerechnet. Verhaltenstherapeutische Methoden »erster Welle« umfassen dabei klassisch behaviorale Ansätze, die vorwiegend auf die Modifikation von Verhalten mit psychologischen Mitteln abzielen. Als Methoden der kognitiven Wende oder der »zweiten Welle« werden solche bezeichnet, welche psychische Erkrankungen zudem durch die Veränderungen von kognitiven Inhalten, wie Gedanken, anstreben. Aktuelle Weiterentwicklungen der Verhaltenstherapie, die zudem emotionale, soziale sowie motivationale Prozesse in die psychotherapeutische Behandlung psychischer Erkrankungen einbeziehen, werden unter dem Begriff der Methoden »dritter Welle« subsumiert. Hierzu zählen einige Methoden, die auf ähnliche Konzepte wie die ACT und deren psychotherapeutische Anwendung, wie z. B. das der Achtsamkeit, zurückgreifen. Beispielhaft genannt sei hier die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT; Linehan 1993) für die Behandlung von Menschen mit sogenannter Borderline-Persönlichkeitsstörung. Vereinzelt wird diskutiert, ob beispielsweise achtsamkeitsbasierte Verfahren der »dritten Welle« überhaupt als eigenständige »Welle« abzugrenzen sind, oder nicht eher als eine Erweiterung der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie zu begreifen sind (z. B. Hofmann und Asmundson 2008). Ein zentraler Hauptunterschied zwischen der KVT der »zweiten Welle« und ACT wird jedoch deutlich, wenn wir beispielsweise den Behandlungsfokus im Zusammenhang mit Gedanken betrachten, welche als belastendend oder problematisch erlebt oder als »dysfunktional« eingeordnet werden. Während bei der KVT die kognitive Einsicht und eine inhaltliche Veränderung von Gedanken und Glaubenssätzen eine zentrale Rolle spielen, stellt die ACT eine erfahrungsfokussierte Methode dar, welche in diesem Beispiel das Verhältnis zu den eigenen Gedanken und den Umgang mit ihnen als relevant und daher im Vordergrund der Behandlung sieht.

Die ACT basiert in ihren philosophischen Grundlagen auf dem sogenannten Funktionalen Kontextualismus (siehe z. B. Gifford und Hayes 1999) und ist als therapeutischer Ansatz aus den kontextuellen Verhaltenswissenschaften heraus entstanden. Hier besonders auf Basis der sogenannten Bezugsrahmentheorie (https://contextualscience.org/what_is_rft, Zugriff am 20.08.2020). Die ACT ist entsprechend tief wissenschaftlich verwurzelt und gilt als die am stärksten evidenzbasierte Therapieform der dritten Welle (Hayes et al. 2005). Inzwischen existieren umfassende Studien zur Wirksamkeit von ACT bei Menschen mit verschiedenen psychischen Erkrankungen sowie bei anderen Zielgruppen (https://contextualscience.org/state_of_the_act_evidence, Zugriff am 20.08.2020).

Die ACT bietet sich gleichzeitig ganz besonders für eine Verwendung in stationären oder teilstationären Behandlungskontexten an: sie stellt ein transdiagnostisches Ätiologie- und Behandlungsmodell dar und ist daher auch auf sehr heterogene Zielgruppen und in der klinischen Alltagsversorgung anwendbar (z. B. Pleger et al. 2018). Die ACT umfasst zudem ein breites, flexibel handhabbares und primär auf die Förderung von Kernkompetenzen fokussiertes Methodenspektrum, was sich daher gut für eine teamweite oder -übergreifende Anwendung in multiprofessionellen Behandlungskontexten eignet. Ganz besonders relevant ist aber, dass die Arbeit mit der ACT in Kliniksettings auch die Chance auf einen Wechsel der Perspektive auf psychische Erkrankungen und deren Therapie birgt: in institutionellen Settings herrscht häufig eine eher defizit- bzw. symptom-fokussierte Sicht auf die Patientinnen und Patienten vor, entsprechend ist das Ziel der Behandlung die Beseitigung oder Linderung der Symptome einer Erkrankung. Die ACT hingegen legt den Fokus darauf, dass alle Menschen gleichermaßen von der Förderung jener Kernkompetenzen profitieren können, die mehr psychische Flexibilität im Umgang mit unterschiedlichsten Situationen ermöglichen, und so letztlich ein wertorientiertes Leben erlauben.

Ein weiterer Aspekt, der für die Implementierung von ACT spricht, ist, dass die Arbeit in Kliniksettings in der Regel durch eine hohe Arbeitsbelastung für das Behandlungsteam gekennzeichnet ist (z. B. Drupp und Meyer 2019). Studien konnten zeigen, dass die Förderung psychischer Flexibilität am Arbeitsplatz unter anderem dazu beiträgt, das Wohlbefinden des Personals zu steigern (vgl. Flaxman et al. 2013). ACT-basierte Behandlungsansätze für Patientinnen und Patienten kommen daher indirekt auch dem Gesundheitsfachpersonal zugute ( Kap. 14).

Die ACT zeichnet sich also sowohl durch eine starke empirische Befundlage als auch durch Grundprinzipien aus, die insbesondere in Kliniksettings einen vielversprechenden Perspektivwechsel in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit sich bringen können. Entsprechend werden ACT-basierte therapeutische Konzepte zunehmend im Bereich der Versorgung psychischer Erkrankungen angewandt und auch für die Angebote in psychiatrischen Krankenhäusern und Fachabteilungen adaptiert (Dambacher und Samaan 2020). Allerdings fehlt es noch an entsprechender Literatur, die den Besonderheiten dieses Behandlungssettings in der Anwendung der ACT Rechnung trägt und klinischen Teams wertvolle Hilfestellung bei der Entwicklung und Umsetzung ACT-orientierter Konzepte in Kliniksettings gibt. Dieses Buch möchte hier Abhilfe schaffen. Es richtet sich entsprechend an Personal in Gesundheitsfachberufen, welches im stationären und teilstationären Versorgungssystem arbeitet. Es beleuchtet die Anwendung der ACT in klinischen und tagesklinischen Bereichen aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Schwerpunkten und kombiniert dabei theoretische Erläuterungen mit konkreten, praktischen Anregungen für die eigene klinische Tätigkeit.

Wir haben unser Buch zu »ACT in Klinik und Tagesklinik« in drei Teile gegliedert. In einen ersten Teil mit Beiträgen zur Einführung, Adaptierung und Implementierung der Akzeptanz- und Commitment-Therapie in Kliniksettings, einen zweiten Teil zur konkreten multiprofessionellen Arbeit mit der ACT im voll- oder teilstationären Setting sowie einen dritten Teil mit Beiträgen zur Verwendung von ACT bei verschiedenen klinischen Indikationen und Zielgruppen.

In diesem ersten Teil wird es also um eine Einführung ins Thema »ACT in Klinik und Tagesklinik« und hilfreiche Perspektiven für die Adaptierung und Implementierung der Akzeptanz- und Commitment-Therapie in multiprofessionellen voll- oder teilstationären Kliniksettings gehen. Hierzu haben wir Beiträge mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengestellt. Im Detail geht es dabei um eine Einordnung der ACT im Kanon der prozessorientierten und evidenzbasierten Psychotherapien ( Kap. 1), um die Vermittlung der Grundprinzipien von ACT an klinische Teams ( Kap. 2), um die Implementierung von ACT als berufsgruppen-übergreifendes Therapiekonzept in klinischen Teams ( Kap. 3) sowie die therapeutische »InterACTion« im Klinikalltag ( Kap. 4). Viel Freude beim Lesen und Umsetzen!

Literatur

Dambacher C, Samaan M (2020) Akzeptanz- und Commitmenttherapie in der Gruppe. Weinheim: Beltz.

Drupp M, Meyer M (2019) Belastungen und Arbeitsbedingungen bei Pflegeberufen – Arbeitsunfähigkeitsdaten und ihre Nutzung im Rahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements. In: Jacobs K, Kuhlmey A, Greß S, Klauber J, Schwinger A (Hrsg.) Pflege-Report 2019. Berlin, Heidelberg: Springer.

Flaxman PE, Bond FW, Livheim F (2013) The mindful and effective employee: An acceptance and commitment therapy training manual for improving well-being and performance. Oakland, CA, USA: New Harbinger Publications.

Gifford EV, Hayes SC (1999) Functional contextualism: A pragmatic philosophy for behavioral science. In: O’Donohue W, Kitchener R (Hrsg.) Handbook of behaviorism. San Diego: Academic Press. S. 285–327.

Hayes SC, Masuda A, Bissett R, Luoma J, Guerrero LF (2005) DBT, FAP, and ACT: How empirically oriented are the new behavior therapy technologies? Behav Ther 35(1): 35–54.

Hayes SC, Strosahl KD, Wilson KG (1999) Acceptance and commitment therapy: An experiential approach to behavior change. New York, NY, USA: Guilford Press.

Hofmann SG, Asmundson GJG (2008) Acceptance and mindfulness-based therapy: new wave or old hat? Clin Psychol Rev 28(1): 1–16.

Linehan MM (1993) Cognitive-behavioral treatment of borderline personality disorder. New York, NY, USA: Guilford Press.

Pleger M, Treppner K, Diefenbacher A, Schade C, Dambacher C, Fydrich T (2018). Effectiveness of Acceptance and Commitment Therapy compared to a combination of CBT+: Preliminary Results. Eur J Psychiatry 32(4): 159–196.

1 ACT als eine Form prozessbasierter Therapie2
Steven C. Hayes und Stefan G. Hofmann
1.1 Prozessbasierte Therapie: Wie steht die ACT dazu?

Um menschliches Leiden zu lindern und menschliches Wohlergehen zu fördern, bedarf es leistungsfähiger konzeptioneller Hilfsmittel, die die menschliche Komplexität in eine überschaubare Anzahl von Teilaspekten aufgliedern können. In der verhaltenstherapeutischen und kognitiven Tradition begann dieses Unterfangen mit der Weiterentwicklung der in Tierversuchen identifizierten Prinzipien zu idiografisch (d. h. auf den Einzelfall bezogenen) nützlichen Funktionsanalysen. Davon erhoffte man sich eine Antwort auf die zentrale klinische Frage, die der inzwischen verstorbene Gordon Paul als Erster formuliert hatte: »Welche Behandlung, von wem durchgeführt, ist für diesen Menschen mit diesem spezifischen Problem am wirksamsten, in welchem Bedingungsgefüge, und wie kommt sie zustande?« (Paul 1969, S. 44).

Dies war ein vielversprechender Beginn, war aber nicht von Dauer. Damals war die Funktionsanalyse noch eher Kunst als Wissenschaft und beruhte in erster Linie auf direkten Kontingenzprinzipien. Die Daten, die man braucht, um wichtige Veränderungsprozesse zu identifizieren und diese mit verschiedenen Therapiebausteinen in Zusammenhang zu bringen, standen weitestgehend noch nicht zur Verfügung: Messungen waren noch unausgereift und wurden nur selten erhoben, Untersuchungen zu einzelnen Therapiebausteinen waren noch unüblich. Die Datensätze waren begrenzt und die verfügbaren statistischen Methoden eigneten sich nicht zur Analyse umfangreicher Längsschnittdaten. Klinische Theorien und Modelle waren unterentwickelt und die Grundlagenwissenschaften der Genetik und Neurobiologie, der Kultur-, Emotions- und Kognitionswissenschaft, auf denen sie beruhten, boten nur begrenzte Orientierungshilfe.

Als das U. S. National Institute of Mental Health (NIMH) beschloss, sein Programm für Angewandte Forschung an die dritte Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of the American Psychiatric Association (DSM-III) anzubinden, konnten auf dem Hintergrund dieser Schwachstellen Bedenken von frühen Verhaltens- und Kognitionstherapeutinnen und -therapeuten bezüglich des im DSM-III vertretenen Modells latent bestehender Krankheiten schnell ausgeräumt werden. Das an Syndromen orientierte Modell menschlichen Leidens des DSM-III setzte sich schnell durch. Die psychoanalytische Theorie als zentrales Organisationsprinzip wurde abgelöst von der Vorstellung, dass die Identifizierung von Clustern klinischer Zeichen und Symptome einen empirischen Weg eröffnen würde, die zugrunde liegenden Krankheitsprozesse zu finden, die zur Ausbildung dieser Merkmale führten. Dieser Wandel wurde weltweit spürbar, zum Teil auch deshalb, weil ein Großteil der weltweiten Finanzierung der Psychotherapieforschung vom NIMH kam.

In der psychiatrischen Nosologie ist eine psychische Störung formal definiert als »Syndrom, welches durch eine klinisch signifikante Beeinträchtigung der Kognitionen, der Emotionsregulation oder des Verhaltens einer Person charakterisiert ist, welche Ausdruck dysfunktionaler psychologischer, biologischer oder entwicklungsbezogener Prozesse sind, die der mentalen Funktionsfähigkeit zugrunde liegen« (APA 2013, S. 20). Nach dieser Definition sind Symptome Ausdruck zugrunde liegender und latenter Krankheitsbilder.

In den Jahrzehnten nach Veröffentlichung des DSM-III (1980) verfolgten Forscher im Bereich der Verhaltens- und kognitiven Therapien den Traum, eine evidenzbasierte Therapie zu etablieren, indem sie in randomisierten Studien standardisierte bzw. manualisierte Therapien für bestimmte Syndrome prüften (z. B. Thompson-Hollands et al. 2014). Es war gängige Praxis, für verschiedene psychische Störungen die Behandlung mit Psychopharmaka mit der einen oder anderen Form von kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) zu vergleichen. Kognitive und verhaltenstherapeutische Methoden schnitten relativ gut ab und entwickelten sich zur vorherrschenden Form der evidenzbasierten psychosozialen Versorgung bei einer Vielzahl von Störungen (Hofmann et al. 2012). Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Daten zur Erstellung von Behandlungsrichtlinien und Listen evidenzbasierter Therapien (EBT) verwendet. Diese wissenschaftlichen und politischen Errungenschaften hatten jedoch ihren Preis. Nahezu unabhängig vom Therapieerfolg war eine weitere Konsequenz die weltweit immer stärker biomedizinisch ausgerichtete Sichtweise menschlichen Leidens.

Die neue Frage, die Psychotherapieforscherinnen und -forscher zu beantworten versuchten – »Welches Verfahren ist das beste für die Symptome dieses Syndroms?« – vermochte die Bedürfnisse des Einzelnen, den jeweiligen Rahmen der therapeutischen Interventionen, die Spezifität der Vorgehensweisen, die Spezifität der Probleme und den Zusammenhang zu den Veränderungsprozessen nicht ausreichend zu erfassen. In diesem vom Kontext bereinigten Universum schnellte der Einsatz von Psychopharmaka in die Höhe und der Einsatz evidenzbasierter psychosozialer Methoden ging zurück, denn sobald Einigkeit darüber bestand, dass psychische Probleme Ausdruck einer latenten Krankheit seien, führte das Zusammenwirken von Marketinganstrengungen (beteiligter Akteure) und öffentlicher Meinung zu einer Kultur der Schlussfolgerung, dass am ehesten Medikamente eine zugrundeliegende Pathologie korrigieren könnten.

Das Fachgebiet sieht sich nach wie vor mit den theoretischen und praktischen Herausforderungen konfrontiert, die ein Ergebnis der jahrzehntelangen Vorherrschaft des DSM sind. Dadurch entwickelte sich ein eher an Techniken orientierter Ansatz – zu Lasten der Theoriebildung. Untersuchungen zu Mediatoren der Therapieergebnisse wurden zu wenig eingesetzt, und die funktionale Bedeutung von Veränderungsprozessen war oft nicht ausreichend bekannt. Die Auswahl von Behandlungsansätzen, die in Bezug auf bestimmte Modelle getestet wurden, war etwas eingeschränkt, so dass nicht auszuschließen war, dass die theoretische Evidenz durch dritte Variablen erklärbar war und dass die Behandlungsimplikationen nachgewiesener Prozesse weniger direkt sein könnten. Inwieweit philosophische Annahmen zutrafen, blieb weitgehend unerforscht oder wurde nur oberflächlich bearbeitet.

Dies änderte sich innerhalb der KVT schließlich, aus verschiedenen Gründen. Dazu gehörte das Aufkommen der sogenannten »dritten Welle« (Hayes & Hofmann 2018), die die traditionelle KVT stärker auf der Grundlage von Annahmen und Theorie in Frage stellte als nur bezüglich der reinen Therapieergebnisse. Im ersten Artikel, in dem der Begriff »dritte Welle« verwendet wurde, lag ein Hauptaugenmerk darauf, die KVT dahingehend zu ermutigen, sich mit »Fragen, Themen und Bereichen, die bisher vor allem von anderen Therapieschulen angesprochen wurden« (Hayes 2004, S. 658), zu beschäftigen, aber »aus wissenschaftlicher Sicht, mit einem Interesse an kohärenter Theorie, sorgfältig ausgewerteten Veränderungsprozessen und soliden empirischen Ergebnissen« (ebd., S. 660). Neuere Formen der KVT (z. B. Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie, dialektisch-behaviorale Therapie, metakognitive Therapie, Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), funktional-analytische Psychotherapie usw.) betonten solche Themen wie Emotion, Achtsamkeit, Akzeptanz, Selbst/Ich-Erleben, Metakognition, Beziehung, Aufmerksamkeitsflexibilität und Werte, von denen viele stärker auf das Verhältnis eines Menschen zu seinen Erfahrungen als auf den Inhalt der Erfahrungen selbst gerichtet waren. Dieser Zuwachs an neuen Aspekten führte zu einer Überprüfung der grundlegenden Prinzipien und Annahmen innerhalb der KVT selbst.

Wenige Jahre später wechselte auch das NIMH seinen Kurs und begann, biopsychosoziale Veränderungsprozesse viel stärker in den Vordergrund zu stellen (Insel et al. 2010). Als sich die Schwächen der DSM-Nosologie zeigten, stellten breit angelegte Modelle wie die ACT oder die Unified Protocol Therapie (Barlow et al. 2004) die Notwendigkeit syndrombasierter Therapieprotokolle weiter in Frage. Wir glauben, dass die Zeit nun reif ist für die Etablierung der Prozessbasierten Therapie (PBT) und ihrer neuen Grundsatzfrage: »Welche zentralen biopsychosozialen Prozesse sollten mit dieser Klientin oder diesem Klienten3 angesichts dieses Ziels in dieser Situation anvisiert werden, und wie können sie am wirksamsten und effizientesten verändert werden?« (Hayes & Hofmann 2018, Hofmann & Hayes 2019).

Therapeutische Prozesse sind die zugrundeliegenden Veränderungsmechanismen, die zur Erreichung eines angestrebten Behandlungsziels führen. Dabei handelt es sich um eine Reihe von theoretisch begründeten, dynamischen, fortschreitenden und mehrstufigen Veränderungen, die in vorhersehbaren, empirisch ermittelten Reihenfolgen ablaufen und auf die von den Klientinnen und Klienten festgelegten erwünschten Ergebnisse ausgerichtet sind. Diese Prozesse sind in Modelle integriert, die evidenzbasierte Verfahren oder Kernprozesse spezifizieren, welche diese Prozesse adressieren können. Wir sind der Ansicht, dass ein solcher prozessbasierter Ansatz der Schlüssel für die Zukunft der evidenzbasierten Versorgung ist. Konsensbasierte Diskussionsprozesse innerhalb der KVT sind zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen (Klepac et al. 2012).

Dieses Ziel ist an sich nicht neu. Die Fokussierung auf Prozess, Funktionsanalyse und individuelle Ziele war schon charakteristisch für die Anfänge der Verhaltenstherapie. Was sich geändert hat, sind die inzwischen verfeinerten Analyseinstrumente und die umfangreichere Wissensbasis, auf die man bei der neu aufgeworfenen Grundsatzfrage der evidenzbasierten Therapie nun zurückgreifen kann. Wir vertreten die Auffassung, dass PBT sich schnell zum entscheidenden Kern von KVT und EBT selbst entwickelt (Hayes & Hofmann 2018, Hofmann & Hayes 2019).

1.2 Modelle der prozessbasierten Therapie

KVT und EBT bieten eine Vielzahl von wichtigen therapeutischen Methoden und Prozessen für Klientinnen und Klienten wie Kontingenzmanagement, Stimuluskontrolle, Verhaltensausformung (shaping), Senkung des Erregungsniveaus, Aufmerksamkeitsflexibilität, Bewältigungstrategien (coping) und Emotionsregulation, Problemlösung, Verhaltensaktivierung, kognitive Flexibilität und Neubewertung, Defusion/Distanzierung, Auseinandersetzung mit inneren Glaubenssätzen, psychische Akzeptanz, Werte, Achtsamkeit, Motivationsstrategien u. ä. (Hayes & Hofmann 2018; vgl. Klepac et al. 2012). Wenn wir keine Modelle für DSM-Störungen erstellen wollen, brauchen wir eine relativ kleine Auswahl von therapeutischen Prozessen, die kohärent organisiert sind. In der Forschungsliteratur wurde für ein- bis zweihundert Konzepte und Maßnahmen festgestellt, dass sie auf ein breites Spektrum von Problembereichen anwendbar sind. Für Praktikerinnen und Praktiker ist eine so umfangreiche Liste wenig hilfreich. Stattdessen braucht es Modelle und Theorien, die Therapeutinnen und Therapeuten ihre Aufgabe vereinfachen.

Die benötigten Modelle müssen mehrere wesentliche Merkmale aufweisen (Hofmann & Hayes 2019). Im Folgenden sind die dazugehörigen Schlüsselbegriffe fett hervorgehoben, damit wir im nächsten Abschnitt ihre Anwendbarkeit auf die ACT überprüfen können.

In einer Ära der PBT müssen Modelle auf einige klar definierte philosophische Annahmen zugeschnitten sein und sich durch breite Anwendbarkeit bei verschiedensten Problemen, Zielen, Settings, Anwendungsformaten und Kulturen auszeichnen. Die im Modell erfassten Prozesse müssen Schlüsseldimensionen menschlicher Erfahrung berücksichtigen, darunter Kognition, Emotion, Aufmerksamkeit, Selbst, Motivation und Verhalten. Im Idealfall konzentrieren sie sich nicht nur auf die Beseitigung von Problemen, sondern auch auf die Herstellung von Gesundheit.

Die Psychologie ist eingebettet in andere Analyseebenen – in Physiologie, Genetik, soziale Prozesse und Kultur –, und auf der psychologischen Analyseebene sollten die Modelle an keiner Stelle fundierten Forschungsergebnissen auf anderen Analyseebenen widersprechen. Da die Psychotherapieforschung zu den angewandten Wissenschaften zählt, müssen psychologische Konzepte veränderbar sein und so gut mit dem Kontext verknüpft, dass sie klinisch Tätigen eine Orientierungshilfe bieten, um die veränderlichen Merkmale von aktueller Situation und Vorgeschichte aufzudecken, die zur Erreichung von Fortschritten in der Therapie genutzt werden können. Für die in einem Modell festgelegten Prozesse muss regelmäßig ihre Wirkung als Mediatoren und Moderatoren der Therapieergebnisse in einem weiten Anwendungsbereich nachgewiesen werden. Die Relevanz dieser Prozesse für die Erreichung der Therapieziele der Klientinnen und Klienten sollte in naturalistischen Längsschnittstudien nachgewiesen werden, und nicht nur durch übliche Therapieforschung. Da die angewandte Wissenschaft im zeitlichen Verlauf keine Fortschritte macht, wenn sie nicht mit einer lebendigen Grundlagenwissenschaft verknüpft ist, müssen im Laufe der Zeit alle Schlüsselkonzepte mit empirischen Untersuchungen von hoher Präzision und großer Bandbreite im Versuchslabor verbunden werden.

Modelle müssen Prozesse ausreichend priorisieren, um klare Handlungsempfehlungen für den Einsatz evidenzbasierter therapeutischer Kernmethoden zu liefern – mit anderen Worten, sie müssen Richtlinien für die Fallkonzeption und Funktionsanalyse liefern. Das Testen der Therapiebausteine und Kernprozesse selbst sollte umfangreich sein und sich als theoretisch kohärent erweisen, wobei wir es befürworten würden, über die typischen (»Markenzeichen«-)Techniken hinaus auch andere einzusetzen, sofern sie zum Modell passen. Um ein Beispiel aus der ACT und der traditionellen KVT zu nennen: angenommen, die kognitive Defusion ist ein positives Prozessziel und es hat sich beispielsweise gezeigt, dass kognitive Neubewertung dazu beiträgt, die Fähigkeit zur Defusion zu entwickeln, dann sollte es für ACT-Anwenderinnen und -Anwender nicht »gegen die Regeln« verstoßen, diese Methode als Mittel zur Veränderung des kognitiven Aspekts psychischer Flexibilität einzusetzen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Ansatz, der rein technisch definiert ist und keinen Bezug zu einer Reihe von überprüfbaren Veränderungsprozessen aufweist, keine Form von PBT sein kann. Wenn es jedoch bei bestimmten Vorgehensweisen Inkompatibilitäten aufgrund mangelnder Passung mit dem Modell gibt, sollten auch diese klar benannt sein – d. h. die Modelle sollten Regeln sowohl im Sinne von Empfehlungen als auch von Ausschlüssen (im Sinne von Do’s and Dont‘s) beinhalten.

Konzepte müssen nachweislich auf der Ebene des Einzelnen (Klientin/Klient) und nicht nur einer Gruppe anwendbar sein. Ebenso müssen sowohl Prozesse als auch Messsysteme idiografisch, d. h. auf Einzelfallniveau auf ihre Eignung geprüft worden sein. Dies bedeutet, dass es Belege für ihren Nutzen in der Behandlung geben sollte, also dafür, dass die kohärente Ausrichtung bestimmter Prozesse innerhalb des Modells zu besseren Ergebnissen führt als wenn eine solche Kohärenz nicht gegeben ist.

Modelle müssen verschiedene weitere Faktoren berücksichtigen: die Rolle der therapeutischen Beziehung, die Gestaltung des Settings, den kulturellen Hintergrund und die Wirkung bei verschiedenen Formaten des Behandlungsangebots (z. B. online). Schließlich haben wir noch die Argumentation eingeführt, dass die Dimensionen und Ebenen, mit denen sich das Modell befasst, in einer Weise zu berücksichtigen sind, die die Schlüsseldimensionen dessen, wie sich Systeme entwickeln – ausgiebige Variation, Auswahl und Bewahrung im Kontext – fördert. Oder in Begriffen ausgedrückt, die im therapeutischen Kontext geläufiger sind: In jedem Bereich ist es wichtig zu wissen, wie man Veränderungen herbeiführt, ihre Funktion bewertet und fördert, Gewohnheiten durch Übung und Integration größerer Handlungsmuster entwickelt und dabei sicherstellt, dass Veränderungen in das Leben der Klientinnen und Klienten passen und nachhaltig sind.

In dem Maße, in dem diese Merkmale vorliegen, ist ein Modell dafür geeignet, anzuzeigen, wie man PBT gestaltet. Ein solches Modell umfasst nicht nur die technischen Therapievorgaben an sich, sondern die Therapiebausteine müssen so eingesetzt und bewertet werden können, dass sie den Zielen, Stärken und der Kultur der Einzelnen oder des Einzelnen in seinem Leben, so wie es verläuft, jederzeit gerecht werden.

Wenn sich die klinische Wissenschaft in diese Richtung bewegt, dürfte es zu einem Rückgang von spezifischen Therapien kommen, die durch eine Reihe von Techniken definiert sind, zu einem Rückgang der breit angelegten Therapieschulen, zu einem Anstieg überprüfbarer Modelle, zu einem Anstieg der Untersuchungen zu mediierenden und moderierenden Faktoren, zur Entstehung neuer diagnostischer Verfahren auf Grundlage von Funktionsanalysen, zu einem Wechsel von nomothetischen zu idiographischen Ansätzen sowie zu einer Ausrichtung auf Prozesse, die modifizierbare Elemente spezifizieren. Diese Veränderungen könnten verschiedene Therapierichtungen, Settings und sogar Kulturen integrieren oder überbrücken.

1.3 Die Zukunft der ACT als einer Form von PBT

Wir haben sehr hohe Maßstäbe angelegt, welche Modelle von PBT erfüllen müssen. Wenn mehrere Modelle dies leisten können, ist es höchst sinnvoll, sie miteinander zu vergleichen und die zugrunde liegenden Modelle im Laufe der Zeit auf Grundlage dessen, inwieweit sie die oben genannten Kriterien erfüllen, zu modifizieren.

Dies ist nicht der geeignete Moment, um zu überprüfen, wie die ACT alle oben genannten Aspekte angehen könnte, und es würde an dieser Stelle auch den Rahmen sprengen. Da das vorliegende Buch jedoch die ACT behandelt, bietet sich ein kurzer Überblick darüber an, wie man auf diese Aspekte eingehen könnte. Ausgehend von den oben in Fettdruck hervorgehobenen Begriffen werden wir jeden der genannten Aspekte kurz beleuchten. Dies wollen wir in erster Linie deskriptiv und sachlich tun, ohne die Qualität der vorhandenen Evidenz zu bewerten, da es uns hier nicht darum geht, Schlussfolgerungen über ACT als eine Form von PBT zu ziehen. Vielmehr wollen wir denjenigen Leserinnen und Lesern eine grobe Orientierungshilfe bieten, die sich für die Schnittstelle zwischen Bereichen der aktuellen und zukünftigen Forschung und Praxis interessieren, die wichtig sind, damit diese Einschätzung erfolgen kann. Wir werden die verschiedenen Bereiche nacheinander kurz betrachten.

Philosophische Annahmen: ACT basiert auf funktionalem Kontextualismus. Dies wurde in mehreren Artikeln und Büchern beschrieben, so dass der Bedarf hierfür dem Anschein nach ernst genommen wurde (siehe z. B. Zettle et al. 2016).

Breite Anwendbarkeit: Es gibt etwa 250 randomisierte kontrollierte Studien zur ACT, und dies in einem sehr breiten Spektrum an Gebieten, darunter psychische Gesundheit, Drogenkonsum/Substanzmissbrauch, Gesundheitsverhalten, sozialer und Freizeitbereich (www.bit.ly/ACTRCTs, Zugriff am 13.10.2020).

Die wichtigsten Dimensionen menschlicher Erfahrung werden berücksichtigt: Jeder der sechs Prozesse psychischer Flexibilität bezieht sich auf eine Schlüsseldimension: Defusion (Kognition), Akzeptanz (Emotion), Jetzt (Aufmerksamkeit), Selbst-als-Kontext (Selbst), Werte (Motivation) und engagiertes Handeln (Verhalten). Festzustellen, ob dies in angemessener Weise geschieht, würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen.

Gesundheit herstellen: Im ursprünglichen ACT-Buch (Hayes et al. 1999) steht dazu: »Der ACT-Ansatz folgt einem Gesundheits-, nicht einem Krankheitsmodell« (S. 79). ACT-Studien haben sich regelmäßig auch mit Themen beschäftigt, die nicht »Probleme« sind, wie z. B. Sport, Arbeitseffizienz, Wohlergehen, Lebensqualität, Bewegung usw. (siehe www.bit.ly/ACTRCTs, Zugriff am 13.10.2020).

Analyseebenen: Es gibt nur wenige Untersuchungen, die die ACT mit neurobiologischen Reaktionen sowie der Genetik in Zusammenhang bringen. Es gibt zwar mehr Untersuchungen zu den Zusammenhängen zwischen Flexibilitätsprozessen und sozialen und kulturellen Aspekten, aber es werden eindeutig noch mehr benötigt.

Veränderbar: Alle sechs Flexibilitätsprozesse haben sich als modifizierbar erwiesen (Zettle et al. 2016), aber wir müssen noch mehr darüber herausfinden, warum Menschen unflexible Reaktionsmuster entwickeln.

Mediatoren und Moderatoren: In mehr als 50 Untersuchungen wurde Mediation oder Moderation durch Flexibilitätsprozesse in den verschiedensten Bereichen gefunden (siehe www.bit.ly/ACTmediators, Zugriff am 13.10.2020). Eine kleinere Anzahl von Untersuchungen konnte dies für KVT oder andere Methoden belegen (z. B. Arch et al. 2012).

Naturalistische Längsschnittstudien: Naturalistische Längsschnittstudien über mehrere Jahre haben die Rolle psychischer Flexibilität unabhängig von therapeutischen Interventionen untersucht (z. B. Spinhoven et al. 2014).

Grundlagenforschung: Die Untersuchungen zur Bezugsrahmentheorie (engl. Relational Frame Theory, RFT), die sich auf ACT-Konzepte beziehen, fallen in diese Kategorie (Zettle et al. 2016). Labortests für zentrale Flexibilitätskonzepte bieten auch hochpräzise, sehr umfangreiche Testmöglichkeiten.

Testen von Therapiebausteinen und Kernprozessen: Metaanalysen existieren für die in der ACT angewandten Kernprozesse sowie dafür, ob sie durch bestimmte Prozesse wirken (z. B. Levin et al. 2012).

Funktionsanalyse: Die Flexibilitätsprozesse in ihrer Gesamtheit wurden als eine Art der Funktionsanalyse vorgeschlagen, aber formale Vergleichstests dieser Nutzung des Modells sind begrenzt.

Jenseits von »Markenzeichen«-Techniken: Das ursprüngliche ACT-Buch (Hayes et al. 1999) lehnte eine rein technische Sichtweise von ACT ab. In einem Abschnitt darüber, warum die Ebene der Techniken nicht ausreicht, um Therapieerfolge zu erzielen, wollen die Autoren »ACT-Therapeuten ermutigen, Techniken hinzuzufügen« (S. 15), und merken an, dass »der erfolgreiche ACT-Therapeut die ACT in einer Weise durchführen muss, die mit deren Theorie und Philosophie im Einklag steht, nicht in einer Weise, die mechanistisch mit ihren Verfahren an sich übereinstimmt« (S. 16).

Regeln sowohl im Sinne von Empfehlungen und Ausschlüssen (bestimmter Vorgehensweisen): Von gemischten Botschaften wurde abgeraten (z. B. wird den Therapeuten nahegelegt, nicht gleichzeitig Akzeptanz und emotionale Kontrolle als Rational einer Exposition im Rahmen der ACT anzuführen), aber es gibt nur begrenzte formale Prüfungen dieser einschränkenden Bedenken.

Idiografische Belege: Zeitreihendesigns und Erfahrungsstudien wurden mit einiger Regelmäßigkeit in der ACT-Forschung verwendet.

Belege für den Nutzen in der Behandlung: Es gibt einige Forschungsarbeiten in diesem Bereich, die dafürsprechen (z. B. Levin et al. 2019), aber es werden noch mehr benötigt.

Weitere Faktoren: ACT-Forschung gibt es in allen zuvor genannten Bereichen (Zettle et al. 2016).

Zusammenhang mit der Entwicklung von Systemen: Die Konzepte von ACT und Bezugsrahmentheorie wurden mit evolutionären Prinzipien verknüpft (eine Übersicht findet sich in Wilson & Hayes 2018).

1.4 Angenommen, PBT gehörte die Zukunft: Was würde das bedeuten?

Wenn wir mit unserer Einschätzung richtig liegen, neigt sich die Ära der auf Syndrome zugeschnittenen Therapierichtlinien dem Ende zu und PBT wird allmählich zur allgemein anerkannten Vision von EBT. Das vorliegende Buch konzentriert sich auf die ACT, und die Botschaft an die ACT-Gemeinschaft scheint klar: Wenn PBT die Zukunft gehört, müssen ACT-Forscherinnen und -Forscher sowie Praktikerinnen und Praktiker die ACT als einen prozessbasierten Ansatz betrachten, der auf dem Modell psychischer Flexibilität basiert und nicht auf einer Richtlinie oder einer spezifischen Zusammenstellung technischer Methoden. Das ist für die ACT-Community keine neue Idee (Hayes et al. 1999), aber es definiert die »ACT« als ein funktionelles Etikett für therapeutische Methoden, die eng mit dem Modell der psychischen Flexibilität verbunden sind. Dies bedeutet, dass in der Forschung und Ausbildung zur ACT das Hauptaugenmerk auf Prozesse zu richten ist und Studien so konzipiert werden, dass sie sich noch stärker auf die therapeutischen Prozesse konzentrieren, die sich auf individueller Ebene identifizieren lassen und die etwas bewirken, wenn sie verändert werden, und dies unabhängig von der jeweils angewandten, spezifischen Technik.

Literatur

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Arch JJ, Wolitzky-Taylor KB, Eifert GH, Craske MG (2012) Longitudinal treatment mediation of traditional cognitive behavioral therapy and acceptance and commitment therapy for anxiety disorders. Behav Res Ther 50: 469–478.

Barlow DH, Allen LB, Choate ML (2004) Toward a unified treatment for emotional disorders. Behav Ther 35: 205–230.

Hayes SC (2004) Acceptance and Commitment Therapy, Relational Frame Theory, and the third wave of behavioral and cognitive therapies. Behav Ther 35: 639–665.

Hayes SC, Hofmann SG (Hrsg.) (2018) Process-based CBT: The science and core clinical competencies of cognitive behavioral therapy. Oakland, CA: New Harbinger.

Hayes SC, Strosahl K, Wilson KG (1999) Acceptance and Commitment Therapy: An experiential approach to behavior change. New York, NY: Guilford Press.

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Insel T, Cuthbert B, Carvey M, Heinssen R, Pine DS, Quinn K, Sanislow C, Wang P (2010) Research Domain Criteria (RDoC): Toward a new classification framework for research on mental disorders. Am J Psychiatry 167: 748–751.

Klepac RK, Ronan GF, Andrasik F, Arnold KD, Belar CD, Berry SL, Christofff KA, Craighead LW, Dougher MJ, Dowd ET, Herbert JD, McFarr LM, Rizvi SL, Sauer EM, Strauman TJ (2012) Guidelines for cognitive behavioral training within doctoral psychology programs in the United States: Report of the inter-organizational task force on cognitive and behavioral psychology doctoral education. Behav Ther 43: 687–697.

Levin ME, Hildebrandt MJ, Lillis J, Hayes SC (2012). The impact of treatment components suggested by the psychological flexibility model: A meta-analysis of laboratory-based component studies. Behav Ther 43: 741–756.

Levin ME, Haeger J, Cruz RA (2019) Tailoring Acceptance and Commitment Therapy skill coaching in the moment through smartphones: Results from a randomized controlled trial. Mindfulness 10: 689–699.

Paul GL (1969) Behavior modification research: design and tactics. In: Franks CM (Hrsg.) Behavior therapy: Appraisal and status. New York, NY: McGraw-Hill. S. 29–62.

Spinhoven P, Drost J, de Rooij M, van Hemert AM, Penninx BW (2014) A longitudinal study of experiential avoidance in emotional disorders. Behav Ther 45: 840–850.

Thompson-Hollands J, Sauer-Zavala S, Barlow DH (2014) CBT and the future of personalized treatment: A proposal. Depress Anxiety 31: 909–911.

Wilson DS, Hayes SC (Hrsg.) (2018) Evolution and contextual behavioral science: An integrated framework for understanding, predicting, and influencing human behavior. Oakland, CA: Context Press/ New Harbinger Publications.

Zettle RD, Hayes SC, Barnes-Holmes D, Biglan T (Hrsg.) (2016) The Wiley Handbook of Contextual Behavioral Science. Chichester, UK: Wiley-Blackwell.

2 Dieses Kapitel wurde eigens für dieses Buch in englischer Sprache verfasst, sachgerecht von Sabine Budnick ins Deutsche übersetzt und von Prof. Dr. Nina Romanczuk-Seiferth fachlich redigiert.

3 Entsprechend dem englischen Originaltext werden in diesem Kapitel Klientin bzw. Klient verwendet. Dies ist hier synonym zu sehen zu dem aufgrund der Fokussierung auf Kliniksettings in folgenden Kapiteln verwendeten Patientin bzw. Patient.

2 ACT-Basics – was Klinik-Teams wissen sollten
Marie Christine Dekoj und Mareile Rahming
2.1 ACT als therapeutisches Konzept einführen und die Grundlagen vermitteln – Einführung

Um in einem Klinikteam nach der Akzeptanz- und Commitment-Therapie arbeiten zu können – ob als Pflegekraft, Therapeutin oder Therapeut oder Ärztin oder Arzt – muss man nicht viele Bücher gelesen, viele Workshops besucht und zehn Jahre oder mehr praktische Erfahrung mit der Anwendung haben. Mit ACT zu arbeiten heißt vor allem, aus der Haltung von ACT heraus zu arbeiten und ein paar grundlegende Konzepte des Ansatzes verstanden zu haben, d. h. Orientierung zu haben. Haltung entsteht mit Orientierung und mit Erfahrung. Die Orientierung stellen wir hier vor – die Erfahrungen werden in der Praxis gesammelt.

In diesem Kapitel werden einige grundlegende Konzepte und Ideen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie zur Anwendung im Kliniksetting vorgestellt. Ziel ist es, das Wesentliche in der Arbeit mit der ACT und die therapeutische Grundhaltung zu vermitteln – die Förderung von Gegenwärtigkeit, Akzeptanz von innerem Erleben sowie Motivation und Commitment in Übereinstimmung mit individuellen Werten. Das Vorgehen ist diagnoseübergreifend und prozessorientiert. Dies wirkt auch auf die therapeutische Grundhaltung, die sich von anderen klassischen Therapieformen unterscheidet, da sie von einem Modell des Menschen ausgeht, das bei allen Beteiligten im therapeutischen Prozess Anwendung findet. Es wird ein grundlegendes Modell der ACT (das sogenannte »Hexaflex«) dargestellt und die einzelnen Elemente des Modells kurz und praxisbezogen vorgestellt. Ergänzt wird dies um einzelne Übungen. Mitglieder von Klinikteams mit unterschiedlichen therapeutischen Hintergründen und Erfahrungen sollen zudem angeregt werden, diese wirkungsvoll einfließen zu lassen.

Menschen, die Hilfe in Kliniken oder Tageskliniken suchen, stecken nach dem Verständnis der ACT fest: sie leiden, doch sie sind nicht kaputt. Ihnen ist der Kontakt zu ihren Werten und Zielen abhandengekommen oder ihr Leiden in Form von Gefühlen, Gedanken, Körperempfindungen und Verhaltensimpulsen steht der eigenen Orientierung im Leben im Weg. Auch sind Strategien im Umgang damit häufig nicht (mehr) hilfreich bzw. dienen langfristig nicht mehr dem, was die Betroffenen eigentlich im Leben wollen. Psychische Probleme bzw. klinische Diagnosen lassen sich entlang der folgenden Fragen beschreiben: Was will jemand? Worunter leidet sie oder er? Welche Funktion haben ihre oder seine Handlungen in Bezug auf die Orientierung und bezogen auf das Leid? Welche Fertigkeiten benötigt ein Mensch?

In der Arbeit nach ACT geht es vor allem um Fragen der Funktionalität und Zweckmäßigkeit:

• Wohin will ein Mensch?

• Was stellt sich ihr/ihm in den Weg?

• Ist das, was ein Mensch tut, nützlich für den Weg, den sie/er gehen will?

• Funktioniert das, was sie/er tut im jeweiligen Kontext im Sinne der individuellen Werte der Person?

Die Aufgabe von Behandlerinnen und Behandlern, Beraterinnen und Beratern bzw. eines Behandlungsteams besteht darin, Patientinnen und Patienten zu helfen, sich Bewusstheit bzw. Klarheit über ihre aktuelle Situation, über ihr Erleben damit und über ihre Orientierung zu verschaffen – zu wissen, wohin sie wollen –; ihnen zu helfen, die Hindernisse und (innere und äußere) Barrieren zu identifizieren und einen Umgang damit zu finden ( Abb. 2.1).


Abb. 2.1: Wechselwirkung von Commitment und Akzeptanz mit Einfluss von Achtsamkeit

Orientierung wird dabei vor allem im Rahmen von Werte- und Zielklärung erarbeitet, zur Identifikation von Barrieren und Hindernissen helfen achtsamkeitsbasierte Methoden und für den Umgang damit die akzeptanzorientieren Ansätze der ACT. Wie sich diese im Einzelnen beschreiben lassen und was sie beinhalten, wird im Abschnitt zum Basismodell »Hexaflex« vorgestellt, die einzelnen Prozesse und Kompetenzen mit Übungen im Abschnitt über die Kernkompetenzen.

Um als Team wirkungsvoll mit der ACT als therapeutischem Ansatz zu arbeiten, ist es hilfreich, ein gemeinsames Verständnis dazu zu entwickeln. Dies ist in der Arbeit im Team deutlich günstiger, als wenn nur einzelne Teammitglieder sich weiterbilden und Erfahrungen mit der ACT machen. Die ACT ist ein erfahrungsbasierter Ansatz, bei dem auch die Anwenderin oder der Anwender eigene Erfahrungen in die Nutzung einfließen lassen (sollte). Dazu braucht es das Erkunden und Erleben der Kernkompetenzen in ihrer Anwendung und in der Arbeit damit. Und: Konzepte wollen mit Leben gefüllt werden – ein Leben, das aus den Erfahrungen aller Teammitglieder vor dem Hintergrund individueller Vorerfahrungen und therapeutischer Orientierung besteht.

Medizinpersonal hat im Rahmen der eigenen Aus- und Fortbildung und der bisherigen klinischen Tätigkeit sicherlich bereits hilfreiche therapeutische Konzepte und Methoden kennengelernt und nach ihnen gearbeitet. Mit der ACT müssen diese nicht über Bord geworfen werden – ganz im Gegenteil: die ACT integriert verschiedene (v.a. psychotherapeutische) Ansätze und Methoden. Darauf wird am Ende dieses Kapitels näher eingegangen.

2.2 Wie sind die wichtigsten Grundlagen der ACT in der Vermittlung an Teams in Kliniken und Tageskliniken?
2.2.1 Besonderheiten und Haltung in der ACT

Wir sitzen alle im gleichen Boot. Dieses Bild stellt die Haltung der ACT auf einfache Art sehr eindrücklich dar. Alle Menschen sind immer wieder von Schmerz und Leid geplagt. Auch wenn dies unterschiedliche Ausmaße annehmen kann, manche Menschen eine Krankheit oder psychische Störung entwickeln und andere nicht, so ist die Grundlage doch dieselbe. Immer wieder sind wir in unseren Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen etc. gefangen und wollen unangenehme innere Ereignisse gerne loswerden. Anwenderinnen und Anwender der ACT vermitteln den Patientinnen und Patienten genau dies: Dass wir alle immer wieder kämpfen, dass das Lernen von Achtsamkeit, Akzeptanz und das Eingehen von Commitment für alle Menschen anstrengend ist und Übung erfordert. Diese Haltung ermöglicht es, intensiv mit Patientinnen und Patienten zu arbeiten und auf Augenhöhe auf den Prozess einzugehen. Die Erfahrungen, die Professionelle mit diesem Vorgehen machen dürfen, sind auch für sie selbst als Helfende immer wieder unglaublich bereichernd. Gemeinsam mit Patientinnen und Patienten kommen Helfende mit der ACT selber »ins Spüren«, d. h. zu erkunden, welche Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen präsent sind. Ziel ist es, bereit zu sein für die Wahrnehmungen der Patientinnen und Patienten und gemeinsam zu üben, offen und bereit zu sein für alle Empfindungen, die wir haben, und Neues zu entdecken. Wir sind gemeinsam offen, neugierig und mutig, etwas auszuprobieren. Auch wissen Helfende nicht von Anfang an, wo der Weg hinführt. Aber wir vermitteln in der Arbeit nach ACT, dass wir den Weg gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten gehen, was ein gemeinschaftliches Arbeiten ermöglicht. Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten hierzu beinhalten häufig, dass sie es als sehr unterstützend erleben, wenn Helfende nicht alles vorgeben und vor allem keine leeren Versprechungen machen. Oftmals sei es zu Beginn schwierig, sich darauf einzulassen, den Kampf gegen die unangenehmen inneren Ereignisse, Symptome, Beschwerden aufzugeben, der doch gut geübt und fast schon perfektioniert wurde. Vor allem aber die vermittelte Offenheit und die Augenhöhe in der Arbeit werden als wertschätzend empfunden (»Niemand, der mich von oben herab behandelt und meint er wüsste, was das Beste für mich ist«).

Um diese Haltung in der Arbeit mit ACT zu entwickeln ist es hilfreich, bei sich selbst zu hinterfragen, wie wir mit eigenen Schwierigkeiten umgehen. Und immer wieder selber zu üben, einen flexibleren Umgang mit diesen zu entwickeln. Dazu möchten wir hier an der Stelle einladen: Nutzen Sie die hier vorgestellten Übungen auch, um mit eigenen Problemen einen anderen Umgang zu erlernen. Fragen Sie sich immer wieder, wozu welches Verhalten dient. Ist es ein Kampf, um Probleme los zu werden? Oder dient das Verhalten dazu, sich für die eigenen Werte einzusetzen? Wenn wir uns immer wieder bewusst machen, dass auch wir auf den Pfaden gehen, die unsere Patientinnen und Patienten beschreiten, dann entwickelt sich ein anderes Verständnis und Offenheit. Die Haltung in der ACT kann so nicht nur für das Leben unserer Patientinnen und Patienten hilfreich sein, sondern auch für das der Helfenden.

2.2.2 Das Modell des »Hexaflex«

Ein Grundmodell des ACT-Ansatzes lässt sich mit der Form eines Hexagons beschreiben (vgl. Hayes et al. 2014; Abb. 2.2). Innerhalb des Hexagons sind die sechs Kernaspekte oder -prozesse miteinander verbunden und wirken im Sinne eines Netzwerkes wechselseitig auf- und miteinander – daraus ergibt sich der Begriff des »Hexaflex«. Sechs Prozesse bilden einen Rahmen für Erleben und Verhalten eines einzelnen Menschen oder auch eines menschlichen Systems (z. B. eines Behandlungsteams, einer Familie o. ä.). Mit Hilfe dieses Modells lassen sich menschliches Erleben umfassend beschreiben und Ansatzpunkte für Veränderung im Sinne von Behandlung und Therapie definieren. Zudem lassen sich verschiedenen Aspekte der Veränderung im Laufe eines therapeutischen Prozesses abbilden.


Abb. 2.2: Das »Hexaflex«

Im Zentrum, als übergeordnete Orientierung, und leitend für das therapeutische Vorgehen mit der ACT steht »Psychische Flexibilität«, d. h. »vollständigen Kontakt zum gegenwärtigen Augenblick als bewusstes menschliches Wesen und des Beibehaltens oder Veränderns von Verhalten im Dienste gewählter Werte« (Luoma et al. 2009, S. 466–467) – ohne Abwehr und Vermeidung. Dabei steht der Mensch voll im Leben so wie es ist – und nicht wie der Kopf sagt, dass es ist.

Das Konzept der psychischen Flexibilität lässt sich in der Arbeit in Kliniken und Tageskliniken auf verschiedenen Ebenen weiter ausdifferenzieren. Die mit dem Begriff verbundene humanistische Haltung kann als übergeordnetes Klinik-spezifisches Motto oder Leitmotiv ausformuliert werden. In spezifischen therapeutischen Settings wird psychische Flexibilität dann konkretisiert. Bspw. werden Einrichtungen zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen Abstinenz als Teil der Zielorientierung formulieren oder in Settings mit depressiven Patientinnen und Patienten wird Aktivierung zur Verbesserung von Lebensqualität angestrebt. Psychische Flexibilität wird in jedem Fall individualisiert: die Patientin oder der Patient formuliert (ggf. mit Unterstützung durch die Bezugstherapeutinnen und -therapeuten), was für sie oder ihn psychische Flexibilität ganz persönlich bedeutet und beinhaltet.

Wie psychisch flexibel jemand ist, wird dabei auf sechs Dimensionen beschrieben: Präsenz im Hier & Jetzt, Selbst-als-Kontext, Werteorientierung, engagiertes Handeln, Akzeptanz und Defusion. Ausprägungen von individueller Flexibilität lassen sich auf jeder dieser sechs Ebenen beschreiben:

Präsenz im Hier & Jetzt: Wie kann jemand bewusst wahrnehmen, wo die eigene Aufmerksamkeit gerade ist? Kann sie oder er die Aufmerksamkeit auf den aktuellen Moment in einer bestimmten Situation halten und diese mit allen Aspekten wahrnehmen?

Selbst-als-Kontext: Wie flexibel ist jemand darin, eigene Selbst-Konzepte wahrzunehmen und zu beschreiben? Wie bewusst darüber, dass es immer wieder auf die Perspektiven ankommt, aus denen wir diese Konzepte betrachten können und dass wir die Perspektiven wechseln können? Diese beiden Aspekte bilden eine Basis für das therapeutische Vorgehen, auf die im Behandlungsprozess immer wieder zurückgekehrt werden kann: Achtsamkeit. Ohne achtsame Präsenz und Selbst-als-Kontext können Werte und Handlungen nicht der aktuellen Situation, so wie sie ist, zugeordnet werden. Genauso müssen Gefühle, körperliche Empfindungen, Gedanken zunächst einmal bewusst wahrgenommen und benannt werden, bevor ihnen anhaltend und wirkungsvoll mit Akzeptanz begegnet werden kann oder das eigene Verhalten auf Veränderung ausgerichtet werden kann.

Werteorientierung: Sind jemandem die persönlichen Werte bekannt? Kann sie oder er Situationen und Handlungen nach individuellen Werten wählen? Und kann sie oder er immer wieder den Bezug dazu herstellen? Kann sie oder er Werte wählen und wechseln – je nach Situation, und sich gleichzeitig über das eigene Wertesystem bewusst bleiben?

Engagiert Handeln: Hat jemand ein ausreichend großes Verhaltensrepertoire, aus dem sie oder er konkrete Verhaltensweisen wählen kann – je nach Situation und Wert? Diese beiden Aspekte bilden den Commitment-Teil des Modells: Es geht um Orientierung, Motivation und Verhalten. Therapeutisch begleitet wird dies vor allem durch Werteklärung, Zielformulierung und Konkretisierung von Handlungsschritten im Rahmen von Plänen. In diesem Teil des Modells sind auch der Erwerb und das Training von Fertigkeiten verortet: soziale Fertigkeiten, Fertigkeiten im Umgang mit bestimmten Situationen, bis hin zu Expositionen, die ja vor allem die Hinwendung zur und Auseinandersetzung mit der angstbesetzten Situation beinhalten: aktiv und für andere sichtbar.

Bereitschaft, Offenheit: Wie zeigt sich Flexibilität in der Bereitschaft, Empfindungen und Gefühlen Raum zu geben, sie zu erleben, ohne dem Impuls nachzugeben, sie verändern zu wollen, sie zu kontrollieren oder zu bekämpfen?

Defusion: Wie flexibel kann jemand mit seinen Gedanken umgehen: sie wahrnehmen, ohne sofort auf sie zu reagieren, ohne ihnen zu folgen, sie sich abzukaufen? Wie sehr ist es einem Menschen möglich, sich von den eigenen Gedanken zu lösen, ohne sie zu bekämpfen oder zu kontrollieren? Wie sehr ist jemand in der Lage zu wählen, welchen Gedanken sie oder er folgt oder auch nicht? Bereitschaft und Defusion bilden den Akzeptanz-Teil der ACT. Hier kommen Menschen in Kontakt mit ihren inneren Barrieren. In der Behandlung geht es um einen hilfreichen Umgang mit diesen Barrieren, der dazu dienen kann, anzunehmen, was wir nicht verändern können, um dem folgen zu können, was wichtig für uns ist.

Alle sechs Kernaspekte bilden im Hexaflex ein Netz; keiner steht allein; alle Kernaspekte interagieren mit den anderen. Wenn ein Prozess in der Behandlung angestoßen wird, ist davon auszugehen, dass sich auch bei mindestens einem anderen Kernaspekt eine Veränderung einstellt. Daher ist es sinnvoll, alle gleichermaßen im Blick zu behalten und auch dazu ist das ACT-Hexaflex ( Abb. 2.2) ein hilfreiches Instrument.

Es kann zudem für das therapeutische Team hilfreich sein, dieses Grundgerüst der ACT immer vor dem eigenen inneren Auge zu haben, um selbst flexibel im Kontakt mit den Patientinnen und Patienten bleiben zu können – vielleicht sogar, es im Einzelkontakt oder in der Gruppe Prozess für Prozess zu erarbeiten. So steht ein gemeinsames Arbeitsmodell zur Verfügung, dass sowohl mit Kolleginnen und Kollegen als auch mit den Patientinnen und Patienten genutzt werden kann.

Übung »Fallkonzepte mit dem Hexaflex«

Beschreiben Sie einen Patienten oder eine Patientin anhand des Hexaflex-Modells und gleichen Sie Ihre Beschreibung mit denen Ihrer Kolleginnen und Kollegen ab. Ggf. können Sie das Modell miteinander ergänzen. Damit üben Sie, das Hexaflex präsent zu haben, und können es für eine erste Fallkonzeptualisierung, d. h. für die gemeinsame Behandlungsplanung, nutzen ( Kap. 13 und 14).

2.2.3 Kernprozesse und -kompetenzen in der ACT
Achtsamkeit mit Fokus auf Gegenwärtigkeit und Selbst-als-Kontext

Achtsamkeit als Konzept und Praxis hat in den letzten Jahren immer stärker Einzug in die Psychotherapie gehalten. Im Verständnis von ACT umfasst Achtsamkeit nicht nur die Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Es stellt vielmehr einen übergeordneten Begriff dar, ebenso wie der Begriff Akzeptanz. Beide Fertigkeiten umfassen die Kernprozesse der Defusion, Bereitschaft/Offenheit, Selbst-als-Kontext und Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment. In diesem Kapitel möchten wir Achtsamkeit als den Rumpf des Hexaflex vorstellen, um eine Grundlage für den achtsamen Umgang mit äußeren und inneren Prozessen zu geben. Das heißt eine Orientierung, wie mit Patientinnen und Patienten Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment herzustellen ist und das Selbst-als-Kontext entdeckt werden kann.

Nach Kabat-Zinn (1982) bedeutet Achtsamkeit, auf eine bestimmte Art und Weise aufmerksam zu sein: bewusst, in diesem Moment, nicht bewertend. Auch wenn diese und andere Definitionen weit verbreitet und geläufig sind, kommt es doch immer wieder zu Missverständnissen. Es geht bei Achtsamkeit weder um Entspannung per se, noch um angestrengtes Nachdenken über einen Sachverhalt. Auch ist Achtsamkeit nicht damit gleichzusetzen, alles ganz langsam zu machen. Und es handelt sich nicht um ein starres Übungsprogramm.

Was genau ist denn Achtsamkeit im Sinne von ACT? Es ist ein Prozess des Übens, unseren Geist im Hier und Jetzt zu verankern. Oftmals flüchten wir uns in angenehme Fantasien, wenn im Hier und Jetzt Unbehagen droht. Die Achtsamkeit kann uns helfen, im gegenwärtigen Moment zu bleiben, mit allen angenehmen und unangenehmen Anteilen, die dieser bietet. Und um Achtsamkeit zu üben, bedarf es keines neuen Termins im oft schon übervollen Terminkalender. Vielmehr können wir dies wie ein Spiel verstehen. Wir können uns einen kleinen Bereich unseres Lebens aussuchen, den wir für einige Zeit achtsam ausführen wollen. Zum Beispiel das Abendessen, die erste Tasse Kaffee am Morgen, wie wir ans Telefon gehen. Nach und nach können wir immer mehr Bereiche hinzufügen. Unser Geist bleibt dann immer häufiger im Hier und Jetzt.

In der Therapie ist es nützlich, spezifische Übungen mit Patientinnen und Patienten gemeinsam zu praktizieren. Zum Beispiel eine Übung zum Wahrnehmen des Atems und des Körpers in seiner jeweiligen Position. Dies gibt der Patientin oder dem Patienten einen Rahmen, sich dem Thema anzunähern und unter Anleitung erste Erfahrungen sammeln zu können. Auch können so direkt Schwierigkeiten besprochen werden und geeignetere Übungen genutzt werden. Jedoch ist die Übertragung in den Alltag sehr wichtig, damit die- oder derjenige versteht, wozu das Üben dienen soll. Denn Achtsamkeitsübungen sollen nicht einfach ein abzuarbeitendes Programm werden. Es ist wichtig, dass ein Verständnis entstehen kann, wozu diese Übungen auch außerhalb der Sitzungen dienen. Hierzu können kleine alltagsrelevante Übungen vereinbart werden. Zum Beispiel das bewusste Essen des Abendessens. Wenn Patientinnen und Patienten hierfür eigene Ideen einbringen, was sie achtsam ausführen könnten, kann dies unbedingt aufgegriffen werden. Eine mögliche strukturierte Übung ist die Zentrierungsübung nach Eifert & Forsyth (2009).

Zentrierungsübung nach Eifert & Forsyth (2009)

Leiten Sie die Patientin oder den Patienten dazu an, sich aufrecht hinzusetzen, Arme und Beine nicht zu kreuzen und die Augen sanft zu schließen. Zunächst lassen Sie die Aufmerksamkeit auf den Atem richten, der nicht verändert werden muss. Schließlich auf den Körper, die Berührungen mit dem Stuhl und dem Boden. In einem nächsten Schritt leiten Sie die Patientin oder den Patienten an, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und auch diese nur zu beobachten und nicht zu verändern. Abschließend laden Sie dazu ein, diese Haltung des Erlaubens und Akzeptierens auf den Rest des Tages zu übertragen und dann die Augen wieder zu öffnen.

Das bewusste, nicht bewertende Wahrnehmen von Atmung und Körper kann uns schließlich hin zur Wahrnehmung von unseren Gedanken und Gefühlen und schließlich zur Wahrnehmung von uns selbst führen. Unter dem Begriff Selbst-als-Kontext verstehen wir eine beobachtende Rolle unseres Selbst. Selbst-als-Kontext ist eine mögliche Perspektive, die wir auf uns selbst einnehmen können. Eine andere wird als Selbst-als-Inhalt oder das konzeptualisierte Selbst bezeichnet. Darunter verstehen wir die Geschichten, die wir über uns geschaffen haben; wer wir sind, was uns ausmacht. Aber auch Beurteilungen, Bewertungen, Gedanken, Gefühle, Regeln, Erinnerungen, Rollen (Bsp.: Ich als Therapeutin), d. h. verschiedene Rollen, die uns kennzeichnen und die wir einnehmen, und Konzepte, die uns ausmachen. Dies können positive oder negative Konzepte sein. Es ist hilfreich und auch nicht hilfreich, Selbst-als-Inhalt zu haben, je nach Kontext. Zum einen ermöglicht uns ein Konzept von uns selbst automatisierte Verhaltensweisen, je nachdem, welche Rolle wir innehaben. Immer wieder stecken wir jedoch in diesen Rollen und Konzepten fest. Ein achtsamer Umgang mit diesen bedeutet, sich bewusst zu werden, dass Gedanken und Gefühle vorhanden sind, ausgelöst durch die Auseinandersetzung mit einem unserer Selbst-Konzepte. Dies ist die Perspektive des Selbst-als-Kontext. Es handelt sich um eine stabile, sich nicht verändernde Perspektive, von der aus wir denken, fühlen und erinnern. Wir sind also nicht definiert über unsere Gedanken, Gefühle, Empfindungen und Erinnerungen, sondern vielmehr sind wir das Behältnis, das dies alles aufnimmt. Wenn wir diese Perspektive aktiv einnehmen, können wir uns von möglichen dominanten Selbstkonzepten lösen und uns bewusst machen, dass wir noch weitere Rollen und Konzepte innehaben. Und uns schließlich entscheiden, wie wir uns in der aktuellen Situation verhalten möchten. Aus dem Automodus eines Konzeptes herauszutreten gelingt nur, wenn ein Bewusstsein entsteht, dass wir in diesem Modus sind und dass dies nicht der einzige Modus ist, den wir haben. Dies heißt, wir können eine flexible Sicht auf uns Selbst einnehmen.

Zur Verdeutlichung des Selbst-als-Kontext sind zahlreiche Metaphern hilfreich. Das Ziel jeder dieser Metaphern liegt darin zu verdeutlichen, dass wir als Menschen mehr sind als der Inhalt (i.S.v. Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen, Konzepten, Rollen, etc.), der uns ausfüllt.

Hierzu kann die »Metapher der Tasse« (Hayes & Ciarrochi 2015) genutzt werden.

Metapher der Tasse

So wie wir Wörter aufnehmen, die uns beschreiben und kennzeichnen, so nimmt eine Tasse unterschiedliche Flüssigkeiten auf. Wir können Orangensaft in die Tasse gießen, aber das verändert nicht die Tasse. Wir können Milch in die Tasse gießen und die Tasse bleibt die gleiche. Wenn wir uns vorstellen, wir würden all die Eigenschaften, Rollen und Konzepte, die uns ausmachen, aufschreiben, ausschneiden und in eine Tasse stecken – würde das die Tasse ändern? Wenn wir alle positiven Dinge in die Tasse geben – würde das die Tasse ändern? Was, wenn wir alle negativen Dinge in die Tasse geben würden? Egal, was wir in die Tasse geben, die Tasse würde immer nur den Inhalt aufnehmen; sie würde sich nicht verändern. So können wir auch uns sehen: Wir können uns mit allen positiven und negativen Eigenschaften, Rollen und Gedanken anfüllen. Wir als Selbst können sie alle aufnehmen. In uns ist Platz für alles, was zu uns gehört.

Akzeptanz mit Bereitschaft und Defusion

Bereitschaft/Offenheit und Defusion sind zusammen mit Präsenz im Hier und Jetzt und Selbst-als-Kontext Kernkompetenzen des Akzeptanzteils der ACT. Akzeptanz meint das Annehmen des eigenen inneren Erlebens mit dem Bewusstsein, dass wir daran kurzfristig nichts ändern können und dass Kampf, Kontrolle und Vermeidung von Ängsten, Traurigkeit, Schmerzen und anderem leidvollem Erleben dieses nur verstärken.

Menschen erfahren Schmerz. Schmerz ist grundlegender Bestandteil menschlichen Erlebens. Ängste, Traurigkeit, körperliche Schmerzen und anderes unangenehmes (aversive) Erleben gehören zur natürlichen Erfahrung und ermöglichen erst Veränderung und Wachstum. Patientinnen und Patienten erscheinen häufig gefangen im Kampf, in der Vermeidung oder im Bemühen um Kontrolle über dieses natürliche Vorkommen von körperlichem und psychischem Schmerz: aus Angst vor der Angst werden Situationen und Orte nicht mehr aufgesucht, die Sorge um Schmerzen oder Körperempfindungen steht im Zentrum des Alltags, unangenehme/unangemessene Gedanken werden mit Zwangshandlungen neutralisiert, auf Traurigkeit und Niedergeschlagenheit wird mit Resignation und Rückzug von allen sozialen Beziehungen reagiert. Dem daraus erwachsenden Leid über den Schmerz hinaus begegnen wir mit der ACT mit einem anderen Vorschlag: Statt Kampf-, Vermeidungs- und Kontrollstrategien zu lernen und zu etablieren, laden wir dazu ein, das ursprüngliche, natürliche Leid zu akzeptieren: es bereitwillig mitzunehmen, es anzunehmen, Frieden damit zu schließen. Damit werden Ressourcen frei, um sich wieder mit wichtigen Dingen zu befassen. Bereitschaft geht also den Fragen nach: Wie sehr ist ein Mensch bereit und in der Lage, seinem inneren Erleben offen zu begegnen und es friedlich anzunehmen?

Wie können die Mitglieder von professionellen Behandlungsteams diese Fertigkeit fördern und mit Patientinnen und Patienten trainieren? Wie im privaten oder beruflichen Alltag werden auch im Klinikkontext immer wieder Emotionen aktiviert. Der Hinweis auf das Erleben auf dieser Erfahrungsebene ist schon hilfreich, um das Bewusstsein dafür zu schulen. Darüber hinaus können Sie mit etwas Zeit und Mitgefühl Menschen dabei begleiten, ihre innere Erlebniswelt zu entdecken: bei einem Gespräch die Gefühle erkunden, die jemand in Bezug auf seine Behandlungssituation erlebt, bei einem Spaziergang auf dem Klinikflur oder dem Klinikgelände, Anregungen geben, um das emotionale Repertoire in Reaktion auf Sinneseindrücke zu erkunden. Dabei ist es wichtig, selbst offen sowohl dem eigenen Erleben gegenüber wie auch dem Erleben der Patientinnen und Patienten gegenüber zu bleiben. Seien Sie Modell und geben Sie Ihren Patientinnen und Patienten damit die Möglichkeit zu erfahren, dass sie Gedanken und Gefühlen, auch Schmerzen nicht ausweichen müssen, um präsent und in Kontakt mit einem anderen Menschen sein und bleiben zu können.

Übung »Gefühlsreise«/»Hexaflex-Übung«

Unternehmen Sie mit Ihrer Patientin oder Ihrem Patienten an einem ruhigen Ort (Behandlungszimmer, Patientenzimmer) eine innere Reise zu den eigenen Gefühlen. Erkunden Sie gemeinsam den Ort, an dem jemand ein Gefühl besonders stark körperlich spürt. Lassen Sie die Patientin oder den Patienten sich diesen Ort vorstellen und erkunden. Ermutigen Sie, dabei zu bleiben, auch wenn der Schmerz spürbar bleibt, wenn Tränen fließen, indem Sie Worte wie »öffnen«, »weiten«, »Raum machen«, »hineinatmen« verwenden. Bleiben Sie an einem Punkt mit dieser Übung, bevor Sie sie beenden oder tiefer hineingehen, bis die Patientin oder der Patient bereit ist, im Empfinden zu bleiben (Harris 2011, S. 79 ff.).

Übung »Anker werfen«

Besonders bei sehr angespannten, erregten Patientinnen und Patienten kann es sinnvoll sein, die Sinnesempfindungen im Moment und die eigene Körperwahrnehmung zu aktivieren, um Dissoziationsneigung oder auch Hyperventilation zu mindern. Dazu lassen Sie Ihre Patientin oder Ihren Patienten sich aufrecht hinsetzen und stellen. Lassen Sie sie bzw. ihn den Kontakt zum Boden verstärken, indem sie oder er die Beinmuskeln anspannt. Orientieren Sie dann auf Sinneseindrücke: »Was sehen Sie jetzt? Was hören Sie jetzt? Können Sie meine Stimme/mich hier mit Ihnen wahrnehmen? Können Sie den Kontakt zu Ihrem eigenen Körper wahrnehmen (Hände ineinander verschränken, Hand auf die eigene Schulter legen, auf den Bauch)? Atmen Sie ein und aus und wieder ein, in einem ruhigen Rhythmus?« Fragen Sie kontinuierlich nach, wie präsent jemand in diesem jeweiligen Moment ist. Eine Skala von 1 bis 10 kann dabei hilfreich sein (Harris 2011, S. 268 ff.).

Menschen denken. Wir beschreiben, analysieren, bewerten, prognostizieren, wählen aus, usw. Unser Verstand hilft uns dabei, Eindrücke zu ordnen, zu sortieren, unsere Reaktionen zu benennen, Erklärungen zu finden, Voraussagen zu formulieren. All dies ist nützlich, um sich in der Welt zurechtzufinden und sich zu entwickeln. Doch diese Fertigkeit hat eine Kehrseite: der menschliche Verstand versucht dem inneren Geschehen mit den gleichen Strategien zu begegnen und wir sind so daran gewöhnt, uns darauf zu verlassen, dass dies hilfreich ist, dass wir alle inneren Kommentare unseres Verstandes für bare Münze nehmen. Im Allgemeinen können wir uns darauf verlassen, dass auf nicht hilfreiche Gedanken auch wieder hilfreiche folgen und wir in der Lage sind, auszuwählen, welche uns für das Verfolgen unserer Ziele und Werte dienlich sind.

Patientinnen und Patienten – d. h. Menschen, die meist bereits über längere Zeit in Krisen leben – können dies häufig nicht mehr. Sie versuchen mit ihrem Verstand (mitunter mitbedingt durch psychopathologische hirnphysiologische Prozesse), das Leiden zu kontrollieren oder zu mindern. Zu erkennen ist diese Verstrickung zum Beispiel daran, dass sie ohne sichtbare emotionale Beteiligung immer wieder das Gleiche berichten (»Geschichten, die Staub ansetzen«), reden wie einstudiert, »gefangen« erscheinen in ihren Gedanken, permanent begründen, warum sie sich einem aktiven Leben nicht zuwenden können (z. B. Angst, Schmerzen, kein Geld, arbeitslos, usw.), an Regeln festhalten, auch wenn sie einen hohen Preis für dieses Festhalten bezahlen, permanent über sich selbst und andere urteilen, »verschmolzen« erscheinen mit ihrer Vergangenheit oder Zukunft. All dieses verbale Verhalten beinhaltet Hinweise auf rigide Denkmuster: Sackgassen, Denkfallen, die in der Beständigkeit das Leiden verstärken.

Aus ACT-Perspektive ist es hilfreich, die so entstandene Verstrickung mit Gedanken (seien es Erinnerungen, Annahmen, Bewertungen, Befürchtungen) zu lösen. Diese Kompetenz wird Defusion genannt: die Distanzierung von Denkinhalten; das Bewusstsein darüber, dass Denken ein fortlaufender Prozess ist, der Änderungen unterliegt. Der Mensch kann seine Gedanken als Gedanken wahrnehmen und wählen, ob er einem Gedanken folgt oder nicht. Gedanken verursachen Handeln nicht (wie in älteren kognitiven Therapiemodellen beschrieben), sondern Gedanken geben (wie Gefühle auch) Impulse für Handlungen, denen wir nachgeben können oder auch nicht. Der Verstand produziert fortlaufend Gedanken, aus denen Menschen für ihr Handeln wählen können.

Übung »Situationen beschreiben«

Lassen Sie Patientinnen und Patienten Situationen, Gedanken über die Situation und Handlungen in der Situation getrennt voneinander beobachten und beschreiben. Dies trainiert die Fähigkeit, diese drei Ebenen von Situationswahrnehmung zu unterscheiden.

Übung »Post-Its«

Gedanken werden einzeln auf Klebezetteln notiert. Die Klebezettel werden für die Person sichtbar auf die Kleidung geklebt. Dann werden verschiedene Handlungen ausgeführt – die zum Teil den Gedanken entsprechen oder auch widersprechen oder auch etwas ganz anderes beinhalten. Die Person beschreibt ihre Erfahrungen, trotz bzw. mit den Gedanken-Klebezetteln zu handeln.

Commitment: Werteorientierung und engagiertes Handeln

Den Kampf aufzugeben, Schmerz und Leid anzunehmen, stellt eine große Herausforderung dar. Es ist daher wichtig zu wissen, warum wir uns dieser Herausforderung stellen und sie annehmen möchten. Eine einfache Bitte der Therapeutin oder des Therapeuten ist hierfür nicht ausreichend. Selbst wenn Patientinnen und Patienten pflichterfüllend Aufgaben in Angriff nehmen und neues Verhalten ausprobieren, so ist dies häufig nicht nachhaltig wirksam. Jeder einzelne benötigt eine Grundlage, die aus der eigenen Person selbst heraus entsteht. Dies beschreiben wir in der ACT mit Werten.

Unsere persönlichen Werte sind Dinge, die uns tief berühren. Die Dinge, die unserem Leben Bedeutung und Zweck verleihen und die Dinge, die wir aufrichtig genießen. Unsere eigenen Werte sind persönlich und einzigartig und können nicht richtig oder falsch sein; sie betreffen einfach uns. Werte kommen aus dem Herzen und sind nicht diskutabel. Unseren Werten zu folgen, bedeutet das zu tun, was für uns wichtig ist, unabhängig davon, ob andere Personen dies schätzen oder nicht. Unsere Werte können uns, wie die Sterne, auch durch raue See führen. Es bedarf Würde und Stärke, sich dafür zu entscheiden, sich mit schmerzhaften, schwierigen oder furchteinflößenden Dingen zu konfrontieren, im Dienst des für uns Bedeutsamen.

Wichtig ist dabei zu beachten, dass sich Werte von Zielen unterscheiden: Unsere Werte liegen unseren Zielen zu Grund, sind aber keine Ziele. Anders als Ziele können Werte nicht vollständig erreicht werden. Außerdem sind Ziele frustrationsgeleitet: weil wir in einem Zustand nicht zufrieden sind, streben wir nach anderem; da bedeutet auch, dass Ziele nach Erreichen immer neu gesetzt werden müssen. Werte sind, anders als Ziele, flexibel, wenn es zu Veränderungen in unseren Lebensumständen kommt. Unsere individuellen Werte bleiben bestehen, auch wenn Ziele sich ändern.

Wie können Werte erkundet werden? Dies kann in einem unstrukturierten Gespräch über die Dinge erfolgen, die bedeutsam und wertvoll für eine Person sind. Zum Beispiel ein Gespräch über die Familie oder Hobbies. Die Frage »Warum ist das wichtig?« führt uns zu den mit einzelnen Lebensbereichen verbundenen Werten. Der Einstieg in die Arbeit mit Werten gelingt oftmals am besten, wenn wir diese leicht nehmen und gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten neugierig erkunden, was wichtig für sie oder ihn ist und warum.

Eine geleitete Übung zum Entdecken von Werten nennt sich »Sweet Spot« und wurde von Harris (2013) entwickelt:

Übung »Sweet Spot«

Hierbei laden Sie die Patientin oder den Patienten dazu ein, sich an einen schönen Augenblick ihres oder seines Lebens zu erinnern. Es kann etwas ganz Alltägliches sein, wie der Kaffee am Sonntagmorgen oder etwas ganz Außergewöhnliches, wie die Hochzeit oder Geburt eines Kindes. Wichtig ist, dass es etwas Spezifisches, etwas Persönliches ist. Es ist oftmals hilfreich, wenn Sie zunächst einen eigenen schönen Augenblick beschreiben. Danach laden Sie ihr Gegenüber ein, die Augen zu schließen, und sich einen schönen Augenblick auszuwählen und schließlich ganz in diesen einzutauchen. Leiten Sie die Übung mit Fragen zum Erleben, wie z. B.: Was sehen Sie? Was spüren Sie? etc. Im Anschluss lassen Sie sich den schönen Augenblick beschreiben und explorieren Sie diesen gemeinsam weiter. Dazu können Fragen helfen wie: Was ist daran für Sie bedeutsam? Was war das Wertvollste in diesem Moment? usw.

Wenn wir individuelle Werte gefunden haben, können diese als Basis dienen für neues, verändertes, engagiertes Handeln. Das heißt, aktives und zweckgerichtetes Engagement in offenkundigem Verhalten, das dazu dient, in Richtung unserer Werte zu gehen. Eine Bereitwilligkeit zu entwickeln, hin zu unseren Werten zu gehen, mit allem was wir haben. Bildlich gesprochen könnte man sich den Zusammenhang folgendermaßen vorstellen: Wenn »Richtung Westen gehen« unser identifizierter Wert ist und »Meilensteine« die Ziele entlang dieses Weges markieren, dann ist engagiertes Handeln der Prozess, einen Fuß vor den anderen zu setzen, mit Bereitwilligkeit und dem Bewusstsein, dass steile Berge und furchteinflößende Flussüberquerungen unvermeidbar auftauchen werden. Die Rolle der Therapeutin oder des Therapeuten hierbei ist es, der Patientin oder dem Patienten zu helfen, Möglichkeiten der Verhaltensänderung zu entdecken, die mit werte-konsistenten Zielen verbunden sind, und dabei zu unterstützen, effektive Handlungen in Richtung der jeweiligen Werte auszuwählen.

Hierzu bedarf es konkreter Vereinbarungen: Pläne zur Tagesstrukturierung, Erlernen von sozialen Fertigkeiten, Aufbau von spezifischen Fähigkeiten (Skills) oder Konfrontationen kommen hier zum Einsatz. Beim Erlernen neuen Verhaltens überwiegt immer wieder das Gefühl, Verhalten nicht ändern zu können, da die Symptome (noch) zu ausgeprägt sind. Hier ist die Rückbesinnung auf die Wahrnehmung, Akzeptanz und Defusion wichtig. Es ist unser Verstand, der uns sagt, dass wir neues Verhalten nicht »können«.

Eine Übung namens »Tue nicht, was Du sagst« kann hierzu mit den Patientinnen und Patienten ausprobiert werden:

Übung »Tue nicht, was Du sagst«

Sagen Sie gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten laut den Satz: »Ich kann meinen rechten Arm nicht heben.« Es ist wichtig, dies ernst und voller Überzeugung auszusprechen. Dann bitten Sie die Patientin oder den Patienten, während dieser Satz weiter laut gesprochen wird, den rechten Arm zu heben und zu senken. Dies verdeutlicht, dass die Fähigkeit zu etwas besteht, auch wenn unsere Gedanken das Gegenteil behaupten.

2.3 Was ist das Wichtigste zur Vermittlung der Grundlagen der ACT in klinischen Teams? – Fazit und Ausblick

In den Abschnitten dieses Kapitels wurden Grundlagen der ACT komprimiert und für den Einsatz in Klinik-Settings vorgestellt und beschrieben. Die therapeutische Haltung und das grundlegende Konzept wurden anhand des Hexaflex-Modells dargestellt sowie die einzelnen Komponenten psychischer Flexibilität beschrieben, ergänzt um Übungen, die erste Erfahrungen mit dem Ansatz und seiner Anwendung mit Patientinnen und Patienten ermöglichen.

2.3.1 ACT und andere Therapieverfahren?

Die ACT ist ein integratives Therapieverfahren der so genannten Dritten Welle der Verhaltenstherapie, das bereits Konzepte unterschiedlicher Therapieansätze und Methoden beinhaltet und erweitert werden kann, solange sie dem Paradigma der ACT folgen: Je nach Kontext der Person sind diejenigen Strategien nützlich, die sowohl der Akzeptanz inneren Erlebens wie auch dem Verfolgen individueller Werte dienen. Somit bietet die ACT diverse Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden.

ACT und Achtsamkeitstechniken (vgl. Kabat-Zinn 1982) – Achtsamkeitsfertigkeiten gehören zur Grundlage der ACT. Sie bilden die Basis, auf der Akzeptanz und Commitment überhaupt erst möglich werden. Nur wenn wir wissen, was uns umgibt (sensorische Wahrnehmung) und welche Prozesse im Inneren ablaufen (mentale Wahrnehmung), können wir bewusste und selbstverantwortliche Entscheidungen darüber treffen, wohin wir gehen wollen. Wie bereits ausgeführt, bildet Achtsamkeit den »Rumpf« der ACT – zu Achtsamkeitsfertigkeiten kann zu jedem Zeitpunkt einer Behandlung zurückgekehrt werden, um sich anschließend Akzeptanz- oder Commitment-Prozessen zuzuwenden. Gleichsam beinhaltet Achtsamkeit bereits erste Akzeptanzfähigkeiten: um (sensorische und mentale) Ereignisse betrachten zu können, müssen sie (zumindest für einige Zeit) da sein dürfen. Einige ACT-Autoren gehen die einzelnen Komponenten psychischer Flexibilität bevorzugt aus Perspektive der Achtsamkeit an (Wilson & Dufrene 2008).

ACT und Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT, vgl. Linehan 1987) zur Emotionsregulation – ACT und DBT legen gleichermaßen Wert auf Fertigkeiten der bewussten Wahrnehmung innerer und äußerer Ereignisse als Grundlage für Veränderungsprozesse. In der DBT werden diese Fertigkeiten vor allem im so genannten »Skills-Training« vermittelt und ermöglichen es Menschen mit starker emotionaler Instabilität, erst einmal wieder wahrzunehmen, wo sie sind und was sie erleben. Die DBT legt den Behandlungsfokus auf Emotionsregulation als maßgelblichen Mechanismus, um Verhalten und Erleben zu verändern. Auch wenn sie einzelne akzeptanz-orientierte Fertigkeiten, wie etwa »Radikale Akzeptanz«, vermittelt. Die ACT hingegen fokussiert auf Verhaltensänderung, ohne dabei die Veränderung von Emotionen zum Ziel zu erklären, da dies allzu leicht in Kreisläufe der Erlebnisvermeidung führen kann. Dabei steht vor allem die Frage nach Funktionalität und Zweckmäßigkeit im Vordergrund, und setzt so den Umgang mit Emotionen (auf Verhaltensebene) immer wieder in Bezug zu individuellen Werten (vgl. Robin et al. 2012).

ACT ist ein Therapiekonzept, in das sich diverse Methoden integrieren oder sich miteinander kombinieren lassen. Wie aus der Praxis und dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bekannt, ist die Anwendung von ACT auch in Kombination mit psychodynamischen oder systemischen Methoden möglich und sinnvoll. Wichtig: aus der ACT-Haltung heraus gilt es, immer wieder den Fragen nach Funktionalität und Zweckmäßigkeit nachzugehen. Eine ACT-Haltung wird im Ausprobieren und Anwenden Schritt für Schritt entwickelt.

2.3.2 Einsatz der ACT auf verschiedenen Ebenen in der Klinik und der Station

In Kliniken lässt sich die ACT auf verschiedenen Ebenen der Behandlung in die multiprofessionelle Arbeit integrieren ( Abb. 2.3):

• Mit ACT als übergreifendem Stations- oder Abteilungskonzept mit einem gemeinsamen Vokabular und einem übergeordneten prozessorientierten Modell ist es möglich, sich über Behandlungskonzepte auszutauschen, gemeinsam Fallkonzepte zu erarbeiten und eine gemeinsame Evaluierung des Therapieverlaufs vorzunehmen ( Abb. 2.3, oben).

• Die ACT kann als Teil des methodenspezifischen Therapieangebots genutzt werden, z. B. in Form einer ACT-Gruppe oder Gruppenangeboten zu einzelnen Kernkompetenzen (z. B. Achtsamkeitsgruppe, Wertegruppe, o. ä.). Genauso kann sie in Einzeltherapien das vorrangige Behandlungskonzept darstellen, das Teil eines anderen integrativen Ansatzes sein kann ( Abb. 2.3, mitte).

• ACT-Interventionen können auch als Bausteine einzelner (psycho-)therapeutischer Angebote im Rahmen der bestehenden Einzel- und Gruppentherapien einfließen (z. B. einzelne Übungen oder Fragestellungen der Gruppengespräche). Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass Haltung und Orientierung mit den anderen Interventionen und dem grundlegenden Behandlungskonzept vereinbar sind ( Abb. 2.3, unten).

Ergänzend gibt es eine Reihe alternativer Möglichkeiten, die ACT in die therapeutische Arbeit in Kliniken zu integrieren. Wir empfehlen, sich im Team/mit den Kolleginnen und Kollegen immer wieder auszutauschen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Es gibt nicht »die ACT« – ACT ist ein Modell und


Abb. 2.3: Schematische Darstellung möglicher ACT-Bausteine in stationärer und tagesklinischer Behandlung (dunkelgraue Felder = ACT-Interventionen)

eine Sammlung von Methoden, die einer therapeutischen Intention folgt (Funktionalität und Zweckmäßigkeit) und variiert in der Anwendung abhängig von Kontext und beteiligten Personen.

Literatur
Zur Einführung in die Grundlagen der ACT

Eifert G (2011) Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT). Göttingen: Hogrefe.

Harris R (2011) ACT leicht gemacht. Ein grundlegender Leitfaden für die Praxis der Akzeptanz- und Commitment- Therapie. Freiburg: Arbor.

Luoma JB, Hayes SC, Walser RD (2009) ACT-Training Handbuch: Acceptance und Commitment Therapie. Ein Lernprogramm in zehn Schritten. 2. Aufl. Paderborn: Junfermann.

Wengenroth M (2017) Das Leben annehmen: So hilft die Akzeptanz- und Commitment- Therapie (ACT). 3. Aufl. Göttingen: Hogrefe.

Wengenroth M (2017) Therapie-Tools Akzeptanz- und Commitment- Therapie. Weinheim: Beltz.

Weitere Literatur

Eifert G, Forsyth JP (2009) Akzeptanz- und Commitment- Therapie für Angststörungen: Ein praktischer Leitfaden zur Anwendung von Achtsamkeit, Akzeptanz und wertgeleiteten Verhaltensänderungsstrategien. Tübingen: dgvt-Verlag.

Hayes S, Strohsal K, Wilson K (2014) Akzeptanz- und Commitment-Therapie: Achtsamkeitsbasierte Veränderungen in Theorie und Praxis. 1. Aufl. Paderborn: Junfermann.

Hayes LL, Ciarochi J (2015) The Thriving Adolescent: Using Acceptance and Commitment Therapy and Positive Psychology to Help Teens Manage Emotions, Achieve Goals, and Build Connection. Oakland, MA, USA: New Harbinger.

Harris R (2011) ACT leicht gemacht. Ein grundlegender Leitfaden für die Praxis der Akzeptanz- und Commitment- Therapie. Freiburg: Arbor.

Harris R (2013) Wer vor dem Schmerz flieht, wird von ihm eingeholt: Unterstützung in schwierigen Zeiten. ACT in der Praxis. München: Kösel.

Kabat-Zinn J (1982) An outpatient program in behavioral medicine for chronic pain patients based on the practice of mindfulness meditation: Theoretical considerations and preliminary results. Gen Hosp Psychiatry 4 (1): 33–47.

Linehan MM (1987) Dialectical Behavior Therapy for Borderline Personality Disorder: Theory and Method. Bull Menninger Clin 51: 261–276.

Luoma JB, Hayes SC, Walser RD (2009) ACT-Training Handbuch: Acceptance und Commitment Therapie. Ein Lernprogramm in zehn Schritten. 2. Aufl. Paderborn: Junfermann.

Robin CJ, Schmidt H, Linehan MM (2012) Die Dialektisch-Behaviorale Therapie, eine Synthese aus radikaler Akzeptanz und der Anwendung gelernter Fertigkeiten. In: Hayes S, Folette V, Linehan MM (Hrsg.) Achtsamkeit und Akzeptanz. Das Erweitern der kognitiv-behavioralen Tradition. Tübingen: dgvt-Verlag.

Wilson KG, Dufrene T (2008) Mindfulness for Two. An Acceptance and Commitment Therapy Approach to Mindfulness in Psychotherapy. Oakland, MA, USA: New Harbinger.

3 Implementierung von ACT als berufsgruppen-übergreifendes Therapiekonzept in klinischen Teams
Ronald Burian
3.1 ACT als therapeutisches Konzept im klinischen Setting implementieren – Einführung

Wer den Plan hat, ACT in einem klinischen Setting mit mehreren Berufsgruppen einzuführen, sollte dies mit der Bereitschaft für eine gemeinsame Expedition angehen.

Implementierung bedeutet mehr als die bloße Vermittlung von theoretischem Wissen an das Team. Eine gute Reiseplanung – mit Augenmaß und langem Atem – ist dabei der entscheidende Punkt. Wenn beispielsweise die Mitglieder des Teams in Workshops oder im Selbststudium etwas über ACT erfahren haben, bedeutet das eben noch lange nicht, dass die Umsetzung des Wissens in die Praxis gelingt. Und vor allem sagt die Theorievermittlung nichts über die Nachhaltigkeit der Unternehmung auf dem langen und mühsamen Weg »durch die Ebenen« der weiteren Reise des Teams aus.

Es gibt einige entscheidende Kriterien, die es wahrscheinlicher machen, dass die Expedition gelingt und der Ansatz in der Praxis greift. Diese sollen in diesem Kapitel daher näher erläutert werden:

Die Implementierung von ACT als berufsgruppen-übergreifendes Therapiekonzept in klinischen Teams gelingt besonders gut, …

• … wenn die Grundlagen leicht verstehbar vermittelt werden: dies hängt in großem Maß von der Fähigkeit und Bereitschaft der Trainerin oder des Trainers bzw. der Referentin oder des Referenten ab, die ACT-Inhalte so aufzubereiten, dass auch nicht-akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des therapeutischen Teams einen guten Zugang bekommen.

• … wenn das Therapiekonzept über rein verbale Interventionen hinausgeht und im praktischen Handeln und Verhalten der Teammitglieder im Patientenkontakt umsetzbar ist.

• … wenn es gelingt, mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich in die Implementierung einzubinden und sich die Last somit auf mehrere Schultern verteilt.

• … wenn es gelingt, dass die Einführung des Konzeptes von der Abteilungsleitung und den unmittelbaren Vorgesetzten befürwortet und mitgetragen wird.

• … wenn die Einführung des Konzepts als gemeinsame Erfahrung eines Teams spürbar wird und die Mitglieder des Teams Einfluss auf die Gestaltung des Prozesses nehmen können.

3.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der Forschung

In der Literatur finden sich bisher keine Studien, in denen die Effektivität von Maßnahmen zur Implementierung von ACT in multiprofessionellen klinischen Teams untersucht wird. Allerdings liegen evaluierte Manuale zu ACT-Interventionen am Arbeitsplatz vor. Deren Ziel ist es, durch »ACT-Training« Stressbewältigung, Sinnhaftigkeit und letztlich die psychische Gesundheit von Berufstätigen – vor allem in medizinischen, sozialen und pädagogischen Bereichen – zu verbessern (u. a. Flaxman et al. 2015). Für die Wirksamkeit dieser Interventionen finden sich zahlreiche Belege: So ließ sich zeigen, dass bei den Beschäftigten die subjektive berufsbedingte Belastung nach einem ACT-Training abnahm (Biglan 2016, Brinkmann et al. 2011), wobei dies in Abhängigkeit von bereits vorliegenden Beschwerden (»Burnout«) in unterschiedlichem Ausmaß gelang (Habibian et al. 2018). Weiterhin gibt es Hinweise dafür, dass sich durch einen veränderten Umgang mit Stress mittels ACT-Interventionen die Entwicklung von berufsbedingten Beschwerden (Depressivität, »Burnout«) präventiv reduzieren lässt. Diese erste Evidenz muss durch größere und multizentrische Studien in Zukunft noch untermauert werden (Frögely et al. 2015, Hayes et. 2004).

In einer randomisierten Pilotstudie über die Nachhaltigkeit der Umsetzung von ACT – sowohl im beruflichen Bereich, als auch für die persönliche psychische Gesundheit – fanden Luoma und Villardaga (2013) erwartungsgemäß, dass Follow-up Konsultationen im Anschluss an einen ACT-Einsteigerworkshop anhaltend und signifikant positive Effekte sowohl im professionellen als auch persönlichen Bereich erbringen.

Frederic Livheim, klinischer Psychologe am Karolinska Institut Stockholm (Schweden), berichtet über sein Vorgehen zur großflächigen Implementierung von »ACTraining« zur Bewältigung von Stress und zum Aufbau werte-orientierten Verhaltens. Seit 2008 wurden dabei laut Livheim Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen schwedischen Gesundheitseinrichtungen als Multiplikatoren geschult:

• Zunächst erfolgt die Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in einem 12-stündigen Einführungsworkshop, geleitet von erfahrenen ACT-Trainerinnen bzw. -Trainern.

• Fokus dieser Schulungen ist zunächst nicht ACT als Therapie sondern »ACTraining«. Das bedeutet die Anwendung der ACT für die eigene Stressbewältigung und Gesundheit am Arbeitsplatz.

• Mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Materialien schulen diese Multiplikatoren nun wiederum ihre Teams.

• Die Multiplikatoren und – je nach Bedarf auch die Teams – werden durch das Vorhalten von Supervision durch erfahrene ACT-Therapeutinnen und ACT-Therapeuten bzw. ACT-Trainerinnen und ACT-Trainer unterstützt.

• Wenn auf diese Art ACT-Wissen in den Teams eingeführt wurde, erleichtert dies sicherlich den Implementierungsprozess, wenn es nun – je nach Setting und Profil der Einrichtung – indiziert erscheint, ACT auch als Therapiekonzept für die Behandlung von Patientinnen und Patienten einzusetzen.

• Nach Möglichkeit erfolgt dazu jeweils zugehörige Begleitforschung.

(Frederic Livheim, persönliche Mitteilung, 2018)

3.3 Wie sieht eine mögliche Implementierung aus? – Praktische Umsetzung

Es ist sinnvoll, die Implementierung von ACT in drei Phasen einzuteilen. Bleiben wir bei dem Bild einer Expedition: Es ist klar, dass eine gemeinsame Reise gut vorbereitet sein will (1. Planungsphase). Ist dann alles geplant und vorbereitet, kann das Abenteuer beginnen und man macht sich auf den Weg – bereit für Entdeckungen und Erfahrungen (2. Workshops und Training). Das Ziel einer Expedition ist aber oft nicht nur das Erreichen eines bestimmten Punktes auf der Landkarte. Oft geht es darum, dass sich die Gruppe aufgrund der Expeditionserfahrungen neue Räume und Möglichkeiten erschließt und diese gemeinsam kontinuierlich weiter beforscht und ausbaut (3. Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung).

3.3.1 Planungsphase

In der Planungsphase ist es wichtig, sich klar zu machen, welchem Wert es dient, ACT als Therapiekonzept einzuführen: Wer möchte damit Was erreichen und Welcher Sinn ist damit verbunden? Ist zum Beispiel auf der betreffenden Station bislang gar kein gemeinsames Konzept vorhanden und soll die Einführung von ACT die verschiedenen Player im Team überhaupt erst zusammenführen? Oder gibt es bereits ein Konzept, mit dem aber Unzufriedenheit besteht, und mit ACT sollen die Behandlungsergebnisse verbessert werden? Geht die Initiative von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der mittleren Führungsebene aus oder wird die Implementierung von der Chefärztin oder dem Chefarzt der Abteilung oder auch von der Geschäftsführung des Krankenhauses gewünscht?

So kann also von Klinik zu Klinik oder von Station zu Station die Ausgangslage sehr unterschiedlich sein. In jedem Fall sind ein guter Plan und eine gute Kommunikation Grundvoraussetzungen für das Gelingen. Für diese Grundlagen können wir uns bei den Grundlagen des Projektmanagements bedienen.

Wie bei jeder Expedition ist eine gute Expeditionsleitung gefragt. Unabhängig davon, ob die Initiative zur Implementierung von einer einzelnen Therapeutin oder einem Therapeuten oder von der Chefetage ausgeht: Es macht sich bezahlt, wenn die oder der Hauptverantwortliche ein Kernteam zusammenstellt. Idealerweise sollte ein solches Kernteam aus 3–4 engagierten Teammitgliedern bestehen, welches dann den Prozess anführt. Zu Beginn des Projektes sind ein bis zwei Kick-off Sitzungen anzuraten, bei denen das Kernteam einen Plan entwirft, der folgenden Punkte berücksichtigt:

Klärung des Ziels und der Zielparameter

Eine gute und einfache Formulierung, was warum erreicht werden soll, ist hilfreich für die Klarheit eines jeden Teamprozesses. Diese könnte zum Beispiel so lauten: »Auf unserer Station soll ein multiprofessionelles ACT-Konzept etabliert werden. Damit soll erreicht werden, dass das gesamte Team therapeutisch an einem Strang zieht. Letztlich wollen wir damit den Patientinnen und Patienten gegenüber klarer in unserer Grundhaltung und unseren (therapeutischen) Vorschlägen werden, diese für die Patientinnen und Patienten nachvollziehbarer machen und die Behandlungserfolge nachhaltig verbessern.«

Zielparameter könnten zum Beispiel sein:

• Alle Mitglieder des Teams werden durch die Schulungsmaßnahmen erreicht und haben die Gelegenheit, die Grundlagen von ACT zu erfahren und zu verstehen.

• Alle Mitglieder des Teams sind imstande, ACT-Prozesse in der Behandlung der Patientinnen und Patienten anzuwenden, bzw. ACT in ihre bisherige Arbeitsweise zu integrieren.

• Eine Strategie zur erfolgreichen Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Implementierung von ACT liegt vor (z. B. regelmäßige Auffrischungsworkshops, Team-Supervisionen mit ACT-Methodik etc.).

Vielleicht klingt das zunächst etwas technisch. Aus der eigenen Erfahrung bisheriger Implementierungen von ACT in verschiedenen Teams lässt sich aber sagen, dass der bewusste Akt einer solch konkreten Zielklärung dem Team eine gute Struktur und Sicherheit bietet, welche letztlich den Erfolg der »Expedition« wahrscheinlicher macht. Zudem führt eine unterlassene oder sehr vage Zielklärung von Implementierungsprojekten nicht selten dazu, dass nach einer gewissen »Post-Workshop-Euphorie« eine wirkliche Praxisumsetzung der Inhalte kaum oder nicht erfolgt.

Klärung der Zeitvorgaben

Was soll bis wann erreicht werden? Welcher Zeitrahmen ist realistisch? Es ist günstig, sich einen Zeitplan aufzumalen, der in Form von »Meilensteinen« visuell aufzeigt, welche Etappen in welchem Zeitraum erreicht werden sollen. Anhand einer solchen Visualisierung kann geprüft werden, ob die Planung realistisch ist. Oft gelingt es auf diese Weise auch, Verzögerungen vorauszusehen (z. B. Ferienzeiten etc.) und die Planung daraufhin zu adjustieren.

Klärung der Beteiligten – Wer muss einbezogen werden?

• An welchen Positionen sitzen Entscheidungsträgerinnen und -träger, die informiert und involviert werden sollten?

• Welche Entscheidungsträgerinnen und -träger können potentiell als Unterstützung angesehen werden und wie kann es gelingen, diese Personen für das Projekt zu gewinnen?

• Wer könnte sich vielleicht gegen das Projekt stellen und welche Möglichkeiten gibt es, damit umzugehen?

• Wer ist von den Veränderungen betroffen? Wer gehört zum Team, wie kann das Projekt im Team am günstigsten kommuniziert werden und wie kann die Motivation und Bereitschaft gefördert werden, sich aktiv einzubringen?

ACT-Trainerinnen und -Trainer finden

Natürlich kann auch eine einzelne Therapeutin oder ein einzelner Therapeut innerhalb eines Teams mit heterogenen Therapieansätzen mit ACT arbeiten. Wenn aber ACT als multiprofessioneller Ansatz im ganzen Team eingeführt werden soll, steht oft die Frage nach einer geeigneten Trainerin oder einem geeigneten Trainer an. Hier ist die Homepage der Deutschsprachigen Gesellschaft für Kontextuelle Verhaltenswissenschaften (DGKV e. V.) eine gute Quelle (www.dgkv.net, Zugriff am 13.10.2020). Außerdem gibt es vielerorts regionale Netzwerke, in denen erfahrene ACT-Therapeutinnen und -Therapeuten bzw. ACT-Trainerinnen und -Trainer miteinander verbunden sind – auch hierfür lohnt sich ein Besuch der DGKV-Homepage. Dort stellen diese Netzwerke sich samt Kontaktadressen vor.

3.3.2 Durchführung von Trainings und Schulungen

Zur Einführung in die Akzeptanz- und Commitment-Therapie wird eine Vielzahl unterschiedlicher Formate angeboten. Diese reicht von halbstündigen Vorträgen über die Grundlagen von ACT bis hin zu einwöchigen »Bootcamps«.

ACT-Intro: 3 x 2 Tage

Eine häufig gewählte Form der gründlichen Einführung ist das Format von drei aufeinander aufbauenden, jeweils zweitägigen Workshops (»ACT- Intro«). Dieses Format wird von einigen Trainerinnen und Trainern und Ausbildungsinstituten angeboten und beinhaltet neben den theoretischen Grundlagen meist gute praxisnahe Interventionen. Zudem wird in den Intros oft Raum für selbsterfahrungsorientierte Übungen geboten, was sich günstig auf die Entwicklung der ACT-spezifischen therapeutischen Haltung auswirkt.

Typischerweise bestehen die zweitägigen Blöcke aus den folgenden Inhalten:

1. Einführung in die Grundlagen von ACT, Kennenlernen der Kernprozesse anhand des Hexaflex-Modells, Basiswissen über RFT und funktionalen Kontextualismus, erste praxisorientierte Übungen.

2. Vertiefung der Kernprozesse, Selbsterfahrungsorientierte Übungen, Kennenlernen von Metaphern und Gesprächsübungen im Rollenspiel.

3. Erstellen von Fallkonzepten, Arbeit an der therapeutischen Haltung in Form von selbsterfahrungsorientierten Übungen, Umgang mit schwierigen Situationen im Behandlungsprozess.

Je nach Zeitkontingent und organisatorischen Möglichkeiten (z. B. Vertretungsmöglichkeiten etc.) lässt sich ein solches Format auch für ein gesamtes Team organisieren.

ACT-Curriculum: 1 Tag plus 7 x 2 Stunden

Eine andere Form des einführenden Trainings ist ein Curriculum, das sinnvollerweise mit einem Einführungstag starten sollte und dann in jeweils kürzeren Blöcken weitergeführt wird. Dieses Format hat sich in klinischen Settings gut bewährt, da wiederholte zweistündige Fortbildungsblöcke oft recht gut in die Abläufe stationärer und tagesstationärer Teams integrierbar sind.

Die Inhalte des ACT-Curriculums sind dabei beispielsweise folgendermaßen verteilt:

1. Einführungstag: Grundlagen von ACT, RFT und funktionalem Kontextualismus, Vorstellung von Metaphern und einigen erfahrungsorientierten Übungen, Förderung der Teammotivation für die Beschäftigung mit ACT.

2. Es folgen sechs jeweils ca. zweistündige Workshops, in den je einer der sechs ACT-Kernprozesse im Vordergrund steht. Dabei werden selbsterfahrungsorientierte Übungen zum jeweiligen Kernprozess angeboten sowie praxisnahe Beispiele und Rollenspiele.

3. Ein abschließender zweistündiger Workshop zur Reflexion des Curriculums und zur Arbeit mit allen sechs ACT-Kernprozessen (sogenanntes »Hexadancing«)

Zwischen den Workshop-Einheiten sollten dabei jeweils mindestens zwei Wochen Abstand liegen, damit die vermittelten Inhalte von den Teammitgliedern im Alltag ausprobiert und geübt werden können.

Erfahrungen reflektieren

Eine besondere Wirksamkeit für den Praxistransfer ergibt sich, wenn stets zu Beginn der zweistündigen Workshops das gesamte Team darüber reflektiert, welche Erfahrungen die einzelnen Mitglieder dabei gemacht haben, bestimmte Übungen, Metaphern oder Interventionen auszuprobieren. Diese Reflexion kann z. B. mittels Zetteltechnik erfolgen, d. h. jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter bekommt 2–3 Klebezettel, auf denen er oder sie notiert, welche Intervention zum zuletzt vorgestellten Kernprozess er oder sie ausprobiert bzw. für die eigene Arbeit modifiziert hat.

Die Aufgabenstellung lautet z. B.: »Wie konnte ich Interventionen zum jeweiligen Kernprozess in meine klinische Arbeit einbringen?«

Die Trainerin oder der Trainer bereitet derweil einen Flipchart vor, auf der die einzelnen Berufsgruppen aufgeführt sind (z. B. Pflege, Ergotherapie, Ärzteschaft, klinische Psychologie und Psychotherapie etc.). Anschließend werden die Klebezettel am Flipchart sortiert und das Team schaut sich diese gemeinsam an. Jedes Teammitglied sollte ermutigt werden, kurz über eigene Erfahrung mit der Übung zu sprechen. Dabei wird deutlich, ob und wie die verschiedenen Berufsgruppen ACT in ihrer Arbeit anwenden können, und die Teammitglieder inspirieren sich in der Diskussion gegenseitig.

3.3.3 Phase der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung

Ist der Start der Expedition gelungen und ein Team hat gemeinsam eine Fortbildungsreihe zu ACT durchlaufen, folgen in dem Bild von einer gemeinsamen Reise nun die Mühen einer Wanderung durch die Ebene. Die Möglichkeiten der Gestaltung eines ACT-basierten Therapieplans und die Umsetzung von ACT-Interventionen durch die verschiedenen therapeutischen Berufsgruppen sind Gegenstand verschiedener Kapitel dieses Buches ( Teil II). Darüber hinaus ist es sinnvoll, ACT-Termini wo immer möglich in die Teamkommunikation zu übertragen. Dazu eigenen sich vor allem Teammeetings und Fallbesprechungen. Es ist wichtig, das gemeinsame Finden einer therapeutischen Sprache explizit zu machen, da dies anfängliche Probleme normalisiert, identitätsstiftend für das Team sein kann und den gemeinsamen Austausch über den Prozess fördert. Gleichzeitig sollten dabei der Alltagsbezug und die Allgemeinverständlichkeit der gemeinsamen Sprache im Blick behalten werden. Auch die Teamsupervision ist ein geeignetes Forum, das Arbeiten mit ACT im Team lebendig zu machen ( Kap. 14).

Zumeist gibt es im Team Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in besonderem Maße für die Implementierung verantwortlich fühlen und entweder besondere ACT-Expertise mitbringen oder sich im Laufe der Einführung angeeignet haben. Wenn es gelingt, dass diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich aktiv engagieren und in einer »train-the-trainer«- Funktion weitere Fortbildungen mit dem Team organisieren und auch gestalten, wird die Implementierung eine hohe Nachhaltigkeit haben. Beispielsweise lässt sich dies erfahrungsgemäß gut in Form von regelmäßigen ACT-Booster-Fortbildungen etablieren, z. B. »ACT-Werkstatt« genannt. Eine ACT-Werkstatt findet z. B. etwa alle 6–8 Wochen statt und dauert 1,5–2 Stunden. Im Mittelpunkt dieser selbst organisierten Workshops stehen stets verschiedene ACT-bezogene Themen, z. B.:

• Wie wende ich bewusst ACT-Interventionen an, um mit typischen schwierigen Situationen umzugehen?

• Wie können unterschiedliche Berufsgruppen Achtsamkeit in ihre praktische Arbeit mit Patientinnen und Patienten integrieren?

• Wie helfen uns Werteorientierung und Achtsamkeit, um selbst besser mit Stress und Frustrationen umzugehen?

• Wie lässt sich köperbezogene Arbeit mit ACT selbst erfahren (z. B. angeleitet von der Tanztherapeutin oder dem Tanztherapeuten)?

• Wie komme ich im Gespräch von einem Kernprozess zum anderen (so genanntes »Hexadancing«)?

3.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke
Über ACT reden statt ACT erleben

Einführungsworkshops laufen Gefahr, zu viel theoretische Fracht zu laden. Die Arbeit mit ACT beruht auf leicht fassbaren und wissenschaftlich fundierten Grundlagen der Verhaltenstherapie. Diese sollten vermittelt werden. Darüber hinaus ist jedoch die Arbeit mit ACT vor allem eine Arbeit mit der ACT-typischen Haltung, und diese lässt sich vor allem durch das Selbst-Erleben der Prozesse erarbeiten (Wie gelingt es mir selbst, im Augenblick präsent zu sein? Zu beobachten und nicht zu bewerten? Gelingt es mir, auch schwierige Gefühle anzunehmen? Welche Vermeidungsstrategien wende ich selbst an? An welchen Werten orientiere ich mich eigentlich selbst?). Für erlebensorientierte Übungen sollte in den Workshops mindestens ein Drittel der Zeit eingeplant werden.

Urlaubs- und krankheitsbedingte Ausfälle während der Fortbildungsphase

Ausfallzeiten sind in Teams nicht zu verhindern. Es ist daher anzuraten, Workshops z. B. zu filmen o. ä., damit Kolleginnen und Kollegen, die bestimmte Termine verpasst haben, diese auf Video nachverfolgen können. Eine weitere Möglichkeit sind Handouts, die z. B. die verwendeten Vorträge etc. enthalten, sowie Lesetexte aus ACT- Einführungsbüchern. Einige Lesetipps finden sich in den Literaturquellen am Ende dieses Kapitels.

Die Mühen der Ebene

Alle Übungen und Metaphern klappen besser in den Workshops als im direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten. Menschen, die von Beschwerden und Krankheiten belastet sind, haben oft große Probleme im flexiblen Umdenken, tun sich schwer, Unannehmbares zu akzeptieren und sich »einfach mal« auf ihre Werte zu besinnen. Das verpasst dem anfänglichen Enthusiasmus oft erste Dämpfer.

Was kann da helfen? Sich im Team gegenseitig zu unterstützen. Selbst zu akzeptieren, dass es sich eben schwer anfühlt, wenn man das, was man erreichen möchte, nicht – oder nur schwer – erreicht. Selbst zu defusionieren von dem Gedanken »Die/Der muss das ACT-Prinzip doch jetzt endlich knacken, sonst habe ich [als Therapeutin oder Therapeut] versagt«. Und immer wieder die Kraftquelle zu nutzen, sich auf die eigenen Werte zu beziehen: »Was ist mir an der Arbeit mit erkrankten Menschen wichtig? Wie will ich meinen Patientinnen und Patienten beistehen?«

Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mühe haben, ihren eigenen therapeutischen Ansatz mit ACT zu verbinden

Das C in ACT steht für »Commitment«. Oder eben auch »Choose« – wähle, welchem Wert du folgst, welchen Sinn du deinem Leben und Handeln gibst. Es würde daher dem Prinzip von ACT widersprechen, einer Person ACT »aufzuzwingen«. Der Erfahrung nach finden selbst Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jahrelang mit einer bestimmten Methode gearbeitet haben, relativ leicht Parallelen in der bisherigen Arbeit zu ACT und integrieren dann ACT-Prozesse in ihre bisherige Arbeitsweise. Schafft ein Team sich Möglichkeiten, sich immer wieder auf die gemeinsame Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit zu besinnen, z. B. durch ACT-basierte Intervision und Supervision, hat dies eine große integrative Kraft. Unterschiedliche Sichtweisen können dann nicht als trennend, sondern bereichernd erlebt werden.

Zudem gibt es zur Vertiefung dieser Fragen sehr lesenswerte Literatur zu den Verbindungslinien zwischen ACT und anderen Therapieverfahren: ACT und KVT, ACT und Psychodynamische Therapie etc. (siehe Literaturhinweise).

3.5 Was ist das Wichtigste für die Implementierung von ACT in klinischen Teams? – Fazit und Ausblick

Die Implementierung von ACT in ein klinisches Team ist eine spannende und inspirierende gemeinsame Expedition. Verschiedene Wege zu einem auf ACT basierenden, multiprofessionellen Konzept sind möglich. Einige werden in diesem Kapitel aufgezeigt. Im besten Fall bringt die gemeinsame Orientierung auf Sinnhaftigkeit und Werte im Arbeitsalltag den Teamgeist zum Blühen. Für die Implementierung von ACT empfiehlt sich jedoch neben methodischer Kompetenz der Beteiligten ein strukturiertes Vorgehen mit plan- und messbaren Zielen sowie die Bereitschaft für einen langen Atem in der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung des jeweiligen Teamkonzepts.

Literatur

Biglan A, Layton GL, Backen Jone L, Hankins M, Rusby JC (2013) The value of workshops on psychological flexibility for early childhood special education staff. Topics Early Child Spec Educ 32: 196–210.

Brinkborg H, Michanek J, Hesser H, Berglund G (2011) Acceptance and commitment therapy for the treatment of stress among social workers: a randomized controlled trial. Behav Res Ther 49: 389–398.

Flaxman P, Bond F, Livheim E (2015) Achtsam und erfolgreich im Beruf: Mit ACT die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz stärken. Paderborn: Junfermann Verlag.

Frögéli E, Djordjevic A, Rudman A, Livheim F, Gustavsson P (2016) A randomized controlled pilot trial of acceptance and commitment training (ACT) for preventing stress-related ill health among future nurses. Anxiety Stress Coping 29: 202–218.

Habibian Z, Sadri Z, Nazmiyeh H (2018) Effects of Group Acceptance and commitment therapy -based training on job stress and burnout among pediatric oncology and special diseases nurses. Iranian J Pediatr Hematol Oncol 8: 118–125.

Hayes SC, Bissett R, Roget N, Padilla M, Kohlenberg BS, Fisher G, Masuda A, Pistorello J, Rye AK, Berry K, Niccolls R (2004) The impact of acceptance and commitment training and multicultural training on the stigmatizing attitudes and professional burnout of substance abuse counselors. Behav Ther 35: 821–835.

Luoma JB, Vilardaga JP (2013) Improving therapist psychological flexibility while training Acceptance and Commitment Therapy: a pilot study. Cogn Behav Ther 42: 1–8.

Nützliche Quellen für Workshops (Auswahl)

Harris R (2011) ACT leicht gemacht. Freiburg: Arbor-Verlag.

Harris R (2014) Schwierige Situationen in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Weinheim, Basel: Beltz-Verlag.

Strosahl K, Robinson P (2016) In diesem Moment. Stuttgart: Trias-Verlag.

Wengenroth M (2017) ACT Therapie-Tools. Weinheim, Basel: Beltz-Verlag.

ACT und andere Therapierichtungen (Auswahl)

Ciarrochi J, Bailey A (2010) Akzeptanz- und Commitment-Therapie in der KVT. Weinheim, Basel: Beltz-Verlag.

McKay M, Lev A, Skeen M (2013) ACT und Schematherapie. Lichtenau: G.P. Probst Verlag.

Stewart JM (2012) Mindfulness, Acceptance and the Psychodynamic Evolution. Oakland, CA, USA: Context Press.

4 Therapeutische InterACTion im Klinikalltag
Nina Romanczuk-Seiferth und Ronald Burian
4.1 ACT als therapeutisches Konzept im klinischen Alltag in konkreten Interaktionen umsetzen – Einführung

Die meisten Lehr- und Praxisbücher zur Anwendung von ACT beziehen sich auf die Therapie in einer ambulanten Praxis als ein prototypisches psychotherapeutisches Setting: es sitzen sich Patientin bzw. Patient und Therapeutin bzw. Therapeut gegenüber und es wird miteinander gesprochen. Die Situation ist recht übersichtlich und zumeist gut strukturiert. Alles, was geschieht, spielt sich zwischen diesen zwei Personen ab. Die Therapeutin bzw. der Therapeut erklärt zu Beginn der Therapie das eigene Vorgehen und das Rational der Behandlung. Dann wird das gemeinsame Vorgehen erarbeitet. Meist ist auch die Anzahl der vorgesehenen Therapiestunden, also die »Therapiedosis«, klar umrissen. Die unmittelbare therapeutische Interaktion bleibt auch im Verlauf der Behandlung meist auf diese zwei Personen beschränkt.

Die therapeutischen Interaktionen gestalten sich im klinischen Rahmen zumeist komplexer: Die Patientinnen und Patienten haben im Therapieverlauf Kontakt mit mehreren therapeutisch arbeitenden Personen. Im besten Fall arbeitet das Stationsteam nach einem einheitlichen Therapie-Rational, aber manchmal eben auch nicht. Und selbst wenn ersteres der Fall ist, sind unterschiedliche Perspektiven und Haltungen zu ähnlichen Themen oder Problemstellungen der einzelnen Therapeutinnen und Therapeuten durchaus die Regel. Ähnlich wie in der ambulanten Einzeltherapie wird auch in der Klinik viel gesprochen, aber einige der Therapien haben auch erhebliche non-verbale Anteile, z. B. Musik-, Kunst- und Kreativtherapie, Ergotherapie, Tanz- und Bewegungstherapie usw. Je nach Profil der Klinik, Abteilung bzw. Station sind Umfang und Dauer der vorgesehenen Therapie zumindest bei Behandlungsbeginn nicht unbedingt festgelegt, vor allem im Akutbereich.

Ein weiteres wichtiges Merkmal stationärer und teilstationärer Behandlungen ist es, dass die Patientinnen und Patienten meist eine sehr hohe Symptombelastung aufweisen, z. B. akute Suizidalität, Wahnerleben, starke Konzentrationsstörungen usw. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen spielen häufig krankheits- und behandlungsassoziierte Gefühle und Verhaltensweisen, wie Resignation, Hoffnungslosigkeit, Ärger, ausgeprägtes Rückzugsverhalten bis zur sozialen Isolation oder starke Identifikation mit der Krankenrolle, eine wichtige Rolle. Oft suchen diese Patientinnen und Patienten in Kliniken und Tageskliniken nicht (nur) aus sich heraus und gezielt eine Behandlung auf – wie es bei ambulanten Patientinnen und Patienten mit höherem Funktionsniveau im Alltag häufiger der Fall ist – sondern »landen« gewissermaßen per Einweisung oder durch Vermittlung von Angehörigen und sonstigen Hilfspersonen in einer Klinik oder Tagesklinik, wo ihnen nun geholfen werden soll.

Um Ansatzpunkte und Ideen für die konkrete Umsetzung von ACT in zum Teil herausfordernden Situationen im klinischen Rahmen zu geben, wird in diesem Kapitel beispielhaft auf solche Situationen eingegangen, die aus der klinischen Erfahrung im stationären und teilstationären Alltag als »prototypisch« für Klinikbehandlungen angesehen werden können. Die Auswahl der Situationen hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern fokussiert auf bestimmte Situationen, die gehäuft auftreten und eine Schlüsselrolle für das Gelingen einer (teil-)stationären Behandlung spielen können.

4.2 InterACTion: Wie sieht die Gestaltung alltäglicher Situationen nach ACT in Klinik und Tagesklinik konkret aus? – Praktische Beispiele
4.2.1 Die (teil-)stationäre Aufnahme

Eine Klinikaufnahme stellt für viele Betroffene ein einschneidendes Ereignis dar. Ambulante Angebote haben bisher keine ausreichende Besserung gebracht oder waren nicht verfügbar, die Situation scheint ausweglos, die Patientin oder der Patient selbst und/oder das unmittelbare Umfeld weiß nicht mehr weiter. Der erste Kontakt mit dem therapeutischen Team der jeweiligen Abteilung oder Station – sei es zum Vorgespräch oder direkt zur Aufnahme – erfolgt meist über das Pflegepersonal. Seltener ist es, dass Patientinnen und Patienten direkt und als erstes die Ärztin bzw. den Arzt oder die Psychologin bzw. den Psychologen sprechen. Welche Berufsgruppe für den Erstkontakt zur Verfügung steht ist nicht entscheidend: die Haltung und das Vorgehen der ACT lassen sich berufsgruppen-übergreifend von Beginn an nutzen.

Praktische Hinweise für die Aufnahmesituation

Stellen Sie sich selber vor bzw. beim Erstkontakt mit einer Patientin oder einem Patienten dieselben Fragen, die Sie auch Ihrem Gegenüber stellen würden (siehe unten). Dabei ist es unerheblich, mit welchem Problem die Patientin oder der Patient zu Ihnen kommt oder welcher Interaktionsstil im Kontakt vorherrschend ist. Ziel ist, dass Sie Ihren inneren Kompass im Blick behalten:

• Wer oder was ist Ihnen wichtig? – Die Wertefragen bedeuten in diesem Fall z. B.: Was will ich dieser Person vermitteln, was soll sie durch den Kontakt mitnehmen?

• Welche (inneren) Barrieren tauchen auf? – Hier geht es um eigene schwierige Gedanken, Gefühle oder Körperwahrnehmungen, die im Kontakt mit der Person auftauchen (z. B. Irritation, Ärger, Ratlosigkeit etc.).

• Was tun Sie, um diesen inneren Barrieren aus dem Weg zu gehen oder dagegen anzukämpfen? – Unsere Reaktionen können sehr individuell und von Situation zu Situation verschieden sein, z. B. bei Irritation schneller zu reden oder in »Fachchinesisch« zu verfallen, bei Ärger kurz angebunden zu reagieren etc.

• Was tun Sie, um Ihren eigenen Werten zu folgen, auch wenn diese Barrieren präsent sind? – Dies kann darin bestehen, mit einem Wert für das eigene berufliche Handeln bewusst Kontakt aufzunehmen – z. B. »für Andere hilfreich sein« – und sein Verhalten daran auszurichten, z. B. sich der Körpersprache der Patientin oder des Patienten bewusst anzupassen, sich gezielt in die Perspektive der Person hineinzuversetzen und diese zu validieren, auch unter Zeitdruck ruhig zu sprechen etc.

Praktisches Beispiel

Schwester K. empfängt Herrn L. (74 J.), der wegen langjähriger Depression mit Rückzug und sozialer Isolation auf die Station aufgenommen wird. Schwester K. ist es wichtig, dass Patientinnen und Patienten sich auf ihrer Station willkommen fühlen. Sie möchte ihnen als Pflegekraft Unterstützung geben und Mut, den eigenen Weg wieder zu finden. Sie weiß, dass sie aufgebracht reagiert, wenn sie den Eindruck hat, dass Patientinnen und Patienten nicht »richtig mitmachen« wollen und dann anfängt zu argumentieren oder auf die Regeln zu pochen. Da dies aber nach ihrer Erfahrung oft zum Gegenteil des gewünschten Erfolgs führt, versucht sie, sobald sie dieses Verhalten bemerkt, bewusst einen »inneren Schritt zurück zu treten«, die Situation der Patientin oder des Patienten zu validieren und zu signalisieren, dass die Entscheidungsfreiheit bei ihr oder ihm liegt.

Schwester K.: Guten Tag, Herr L., willkommen auf unserer Station.

Herr L.: Ja, guten Tag.

Schwester K.: Sie sind zum ersten Mal hier bei uns?

Herr L.: (einsilbig) Ja.

Schwester K.: Ist es okay, wenn wir beide erstmal zusammen den Aufnahmebogen ausfüllen und dann zeige ich ihnen die Station?

Herr L.: Ich weiß nicht. Ich fühle mich zu nichts imstande. Kann ich mich nicht irgendwo hinlegen?

Schwester K. (Nimmt wahr, dass Ärger in ihr aufsteigt, sie diesen wieder loswerden will und dass sie den Impuls hat, Herrn L. streng zu sagen, dass der Bogen jetzt gleich ausgefüllt werden müsse. Ihre Erfahrung sagt ihr gleichzeitig, dass diese Reaktion sie ggf. von dem wegführt, was ihr in ihrer beruflichen Tätigkeit wichtig ist (etwa dem Wert, »hilfreich und wirksam sein«). Sie entscheidet sich deshalb bewusst dafür, zunächst den Kontakt zum Patienten zu verbessern. Dies gelingt oft z. B. durch Perspektivübernahme im Sinne einer validierenden Rückmeldung): Herr L., ich sehe, dass ihnen dies hier sehr schwerfällt. Es muss eine große Überwindung für sie sein, überhaupt hierher zu kommen.

Herr L.: Das können sie wohl glauben.

Schwester K.: Davor habe ich wirklich großen Respekt. Was hat ihnen denn geholfen, sich zu überwinden und trotz dieser Erschöpfung hier in Behandlung zu kommen?

Herr L.: Das weiß ich selber nicht. Ich glaube nicht wirklich, dass sie mir hier helfen können.

Schwester K.: Wenn ich mich in ihre Lage versetze, so fühlt sich das bestimmt sehr schlimm an, nicht zu wissen, was mich eigentlich hierher bewegt und auch nicht zu glauben, dass es Hilfe gibt.

Herr L. schaut überrascht, wirkt aber berührt und nickt.

Schwester K.: Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen?

Herr L. nickt erneut.

Schwester K.: Mir ist es wichtig, dass wir ihnen hier so gut wie möglich helfen. Auch wenn das bedeutet, dass wir erst einmal genau schauen müssen, wohin es eigentlich gehen soll, weil sie es selbst im Moment gar nicht mehr wissen. (Pause, der Patient hat Zeit zum Nachdenken, fühlt sich nicht überrumpelt!) Ich sehe auch, dass ihnen vieles sehr schwerfällt. Mein Vorschlag ist deshalb: lassen sie uns beide erst einmal mit dem Fragebogen anfangen. Das ist ein erster Schritt und wir schauen, wie weit wir kommen. Und sie signalisieren mir, wenn sie eine Pause brauchen, okay?

4.2.2 Die (erste) Visite

Wenn die erste Visite einer neu aufgenommenen Patientin oder eines Patienten von einer positiven Grundstimmung und einer engagierten Arbeitsatmosphäre geprägt ist, werden die Weichen in Richtung einer erfolgreichen Behandlung gestellt. Nur ist dies leider keineswegs immer der Fall. Oft werden in der ersten Visite z. B. Zweifel geäußert, ob der Schritt zu einer (teil-)stationären Behandlung wirklich richtig war oder ob die Klinik, Abteilung oder Station überhaupt die Geeignete sei. Im Behandlungsteam kann dies unterschiedlichste (innere) Ereignisse im Sinne von Gedanken und Gefühlen etc. auslösen: Menschen – in diesem Fall Behandlerinnen und Behandler – fühlen sich z. B. gekränkt, dass jemand die Vorzüge der angebotenen Behandlung nicht sieht, fühlen sich nicht gewürdigt und gesehen in ihrem Engagement zum Wohle der Patientinnen und Patienten oder fühlen Resignation und denken den Gedanken: »Wenn das schon so losgeht, kann das ja nichts werden« usw. Auch hier hilft es für das Gelingen der konkreten Beziehungsgestaltung und der Behandlung insgesamt sehr, sich dieser eigenen Gedanken und Gefühle im Hier und Jetzt bewusst zu werden, inne zu halten und ein entsprechend hilfreiches, wert-orientiertes Vorgehen zu wählen. Dazu können wiederum die vier ACT-Fragen aus Kap. 4.2.1. hilfreich angewandt werden ( Kap. 4.2.1).

Aus der klinischen Erfahrung hat es sich zudem hilfreich gezeigt, ganz bewusst den eigenen »Normwert« zu überprüfen und ggf. zu adjustieren: initiale Zweifel der Patientinnen und Patienten an der Behandlung und am klinischen Setting sind so häufig, dass man sie als »Normwert« ansehen kann, selbst wenn es dem eigenen Anspruch, Wunsch oder Selbstbild (vgl. Selbst-als-Kontext) widerspricht. Hierzu gehört, Gedanken wie »Die Patientin muss doch unsere Behandlung als große Chance für sich wahrnehmen« bewusst wahrzunehmen (vgl. Hier und Jetzt), Abstand zu dem Gedanken zu gewinnen (vgl. Defusion) und anzuerkennen, dass Patientinnen und Patienten an unserer Therapie zweifeln dürfen, auch wenn dies in uns unliebsame Gefühle oder Gedanken hervorruft (vgl. Akzeptanz). Dies ermöglicht, gelassener mit dieser Art Situationen umzugehen und uns auf das zu fokussieren, was uns und den Patientinnen und Patienten für die Behandlung wichtig ist (vgl. Werte) und gemeinsam in diesem Sinne zu handeln (vgl. Engagiertes Handeln) – von Anfang an »gemeinsam in einem Boot« zu sitzen.

Letzterer Aspekt ist eine besonders wichtige Komponente der ersten Visite bzw. der ersten Kontakte, nämlich die Verknüpfung der Behandlung mit handlungsleitenden Werten, d. h.: Was ist mir im Leben so wichtig, dass ich diese Behandlung und alles, was damit zusammenhängt, auf mich nehme? Selbst oder gerade wenn diese individuellen Werte – wie oft bei schweren psychischen Erkrankungen – zunächst nicht spürbar und präsent sind, ist es von großer Bedeutung für die anstehende Behandlung, die persönlichen Werte der Person von Beginn an zu fokussieren und zur Sprache zu bringen, da dies den Perspektivwechsel von einer Symptombeseitigung (vgl. Vermeidungsziel/Weg-Bewegungen) hin zu Vitalität und Lebenssinn (vgl. Annäherungsziel/Hin-Bewegungen) unterstützt.

Praktisches Beispiel

Die Patientin Frau H. (58 J.) erscheint zur ersten Visite bei Frau Dr. M., Frau H. ist wegen wiederkehrender Panikattacken in Behandlung gekommen. Die Attacken werden durch Brustschmerzen ausgelöst, die mit Ängsten verbunden sind, an einem Herzinfarkt zu sterben. Wegen der Heftigkeit der Panikattacken traut sich Frau H. seit einem Jahr nicht mehr, das Haus zu verlassen.

Dr. M.: Guten Morgen Frau H., was ist Ihnen wichtig, heute mit mir in der Visite zu besprechen?

Frau H.: Ach wissen Sie, ich weiß gar nicht so richtig… Ich bin ja jetzt schon den zweiten Tag hier und ich frage mich immer mehr, ob ich hier eigentlich richtig bin. Was soll mir das denn bringen?

Dr. M.: Das sind ja sehr wichtige Fragen, die Sie da beschäftigen. Gut, dass Sie die auch jetzt und hier ansprechen.

Frau H. nickt abwesend und knüllt mit verkrampften Händen ein Taschentuch zusammen.

Dr. M. (Nimmt wahr, dass die Patientin in ihrer Anspannung gar keinen richtigen Kontakt zum Gegenüber aufnimmt und entschließt sich deshalb, zunächst den ACT-Prozess »Präsent sein im Hier und Jetzt« zu adressieren): Diese Fragen werden wir gern gleich besprechen. Im Moment bemerke ich aber auch, dass Sie ziemlich angespannt scheinen. Können Sie mir denn sagen, wie es Ihnen gerade jetzt in diesem Moment geht?

Frau H.(scheint überrascht): Ja tatsächlich, ich krieg gar nicht so richtig Luft und meine Schultern sind auch total verspannt.

Dr. M.: Das kennen Sie sicher gut? Darf ich Ihnen etwas vorschlagen? (Frau H. nickt zustimmend) Wir können sicher viel effektiver miteinander reden, wenn Sie besser Luft bekommen und nicht so abgelenkt von den Verspannungen sind. Versuchen Sie doch zunächst bitte einmal, vor allem tief auszuatmen. Durch tiefes Ausatmen passt viel mehr Luft in die Lungen. Das Einatmen geht dann wie von selbst. (Dr. M. macht einige Atembewegungen gemeinsam mit Frau H., deren Atmung deutlich ruhiger wird) … Okay… Lassen sie uns jetzt noch einmal Ihre Fragen anschauen.

Frau H. nickt.

Dr. M.: Die eine Frage war, »Was soll mir das denn bringen?«, richtig?

Frau H. nickt.

Dr. M. (Nimmt bei sich den Impuls bewusst wahr, die Patientin durch Argumente von der Richtigkeit der Therapie überzeugen zu wollen. Aus Erfahrung weiß sie jedoch, dass dies oft nicht hilfreich im Sinne ihrer Werte als Behandlerin ist und fokussiert stattdessen den Beziehungsaufbau über Selbstoffenbarungen (über die eigenen Werte sprechen) und das Erfragen der Werte der Patientin): Die Antwort darauf ist auch mir wichtig: Ich möchte Sie gern unterstützen, etwas zu erreichen, was Ihnen wirklich am Herzen liegt. Wenn diese Behandlung Ihnen also helfen könnte: Was wäre dann anders als es jetzt ist?

Frau H.: Naja, meine Ängste wären weg.

Dr. M.: Okay, nehmen wir mal an, es würde Ihnen zumindest deutlich besser gehen mit den Ängsten – was würden Sie denn dann wieder tun, was Sie jetzt nicht mehr tun, weil die Ängste Sie so im Griff haben?

Frau H.: Ich könnte mich wieder frei bewegen, raus gehen. Einfach mein Leben leben.

Dr. M.: Das sind für mich sehr wichtige Sachen, die Sie da sagen. Wenn ich Sie richtig verstehe, ist Ihnen die Freiheit, sich zu bewegen, etwas Wichtiges. Und was es für Sie bedeutet, Ihr »Leben zu leben«, das ist für uns besonders wertvoll zu erfahren. Das setzen wir hier in der Therapie ganz oben auf die Rangliste, weil sich danach unsere ganze Therapie ausrichtet: Was Ihnen wichtig ist und was Ihnen am Herzen liegt… wo Sie wieder hinwollen. Wie klingt das für Sie, wenn ich das so sage?

Frau H. (nickt): Ich kann mir noch nicht richtig vorstellen, wie das funktionieren soll, aber ich will es versuchen.

4.2.3 Vorbehalte gegenüber bestimmten Angeboten und Therapien

Für Patientinnen und Patienten, die ohne Vorerfahrung mit stationären oder tagesklinischen Behandlungen in eine Klinik kommen, sind manche Angebote und Therapien, wie etwa die komplementären Therapien (Kunst- und Kreativtherapie, Ergotherapie, Tanz- und Bewegungstherapie oder Musiktherapie etc.), aber auch Psychotherapien, oft Neuland. So erschließt sich ihnen häufig der Sinn dieser Therapien nicht. Andere haben Probleme, sich auf die Inhalte bzw. die Methoden bestimmter Therapien einzulassen, sei es wegen Schmerzen, Antriebminderung oder aus Scham. Typischerweise auftretende Gedanken können z. B. sein: »Ich bin doch hier wegen meiner Ängste und jetzt soll ich basteln?«, »Sport? Ich war schon als Kind unsportlich und jetzt habe ich auch noch Rückenschmerzen, deswegen bin ich doch hier, also kommen Sie mir nicht mit Rumhüpfen und Purzelbäumen« oder »Ich brauche keine Seelenklempner, ich habe einfach zu viel gearbeitet« etc. Diese oder ähnliche Vorbehalte gegen bestimmte Therapien werden im klinischen Rahmen dann auch immer wieder direkt von Patientinnen und Patienten gegenüber dem Team formuliert, gerade zu Beginn der Behandlung. Gleichzeitig existieren im klinischen Rahmen häufig explizite oder auch weniger klare Regeln und Vorschriften zum Umgang mit Therapieteilnahmen und den Konsequenzen im Falle von Regelverstößen. Wie lässt sich also mit solchen Aussagen von Patientinnen und Patienten am besten umgehen, wenn wir auch hierbei nach der ACT arbeiten wollen?

Zum einen können die zuvor beschriebenen Strategien im Umgang mit aufkommenden Gedanken und Gefühlen bei den Teammitgliedern und zur eigenen Wertorientierung auch hier hilfreich sein. Zum anderen kann es sinnvoll sein, die im jeweiligen Team herrschenden Regeln zunächst genauer zu identifizieren und zu explizieren. Also etwa: Ist es verpflichtend, dass alle Patientinnen und Patienten am multimodalen Programm teilnehmen? Oder aber: Sollen die Patientinnen und Patienten frei wählen können, welche Therapieangebote sie wahrnehmen und welche nicht? Oder gelten individuelle Absprachen mit jeder Person, die sich in Behandlung begibt? Wie werden die Konsequenzen bei Abweichung von Absprachen gehandhabt? Im Anschluss können die explizierten Regeln sowie die Handhabung von Konsequenzen mit Blick auf die gemeinsame psychische Flexibilität des therapeutischen Teams geprüft werden, d. h. es kann etwa evaluiert werden, ob diese Regeln im Dienste der gemeinsamen Werte als Team stehen (Hin-Bewegungen unterstützen) oder primär der Vermeidung unangenehmer innerer Ereignisse dienen (Weg-Bewegungen darstellen).

Praktische Hinweise für den Umgang mit Therapieteilnahmen

Grundsätzlich ist es das Ziel im Rahmen der ACT, jede Person darin zu begleiten, ein selbstbestimmtes und an den eigenen, individuellen Werten orientiertes Leben zu führen – mit allen möglichen Widrigkeiten im Inneren und Äußeren. Es ist also letztlich nur sehr individuell zu entscheiden, inwiefern ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation eine Hin-Bewegung darstellt, d. h. den eigenen Werten näher bringt, oder als Weg-Bewegung einzuordnen ist, d. h. der Vermeidung unangenehmer innerer Ereignisse dient, und wie flexibel eine Person zwischen diesen möglichen Orientierungen wechseln kann. Gleichzeitig widerspricht es einem ACT-Ansatz aus der Erfahrung im klinischen Kontext nicht, Regeln aufzustellen, welche die Teilnahme am Therapieplan der Station unterstützen bzw. regeln sollen – idealerweise individuell angepasst an eventuelle körperliche Einschränkungen und/oder Art und Schweregrad der psychopathologischen Symptomatik. Im Gegenteil: Es den Patientinnen und Patienten von Anfang an vollständig zu überlassen, ihre Therapieeinheiten wert-orientiert selbst zu wählen, kann je nach Art und Schwere des Krankheitsbildes eine Überforderung darstellen. Nehmen wir z. B. eine schwer depressive Patientin, die von sich selbst fordert, »immer 150 % zu geben«, und Schuldgefühle im Zusammenhang mit ihrer Leistungsminderung im Rahmen der Depression empfindet. Hier wäre es kontraproduktiv, wenn das Team insbesondere zu Beginn darauf verzichtet, mit der Patientin Strategien zur Entlastung – auch in Bezug auf den Therapieplan – festzulegen. D. h. noch bevor die Erarbeitung von wert-orientierten Zielen das engagierte Handeln der Patientin hilfreich leiten kann. Ebenso wäre es voraussichtlich nicht hilfreich, z. B. bei einem Patienten, der im Rahmen chronischer Rückenschmerzen körperliche Aktivitäten fast vollständig vermeidet, die Teilnahme am Ausdauertraining von Anfang an komplett freizustellen. D. h. bevor im Rahmen der ACT die aversiven inneren Ereignisse, z. B. Gedanken wie »Das wird nicht auszuhalten sein«, genauer betrachtet wurden und die beobachtbaren Vermeidungen, z. B. Schonverhalten, im Sinne von Weg-Bewegungen von wichtigen Lebenszielen eingeordnet werden konnten.

Praktisches Beispiel

Frau K., eine Patientin mit chronischen Rückenschmerzen und seit Jahren bestehendem Vermeidungs- und Rückzugsverhalten, ist auf dem Weg zum Ruheraum, obwohl gerade das Nordic Walking-Training beginnt. Die Physiotherapeutin (PT) sieht sie und spricht sie an.

PT: Frau K., wo wollen sie denn hin, unsere Gruppe startet gleich.

Frau K: Ich will mich hinlegen, mir geht’s nicht so gut.

PT: Gibt´s denn etwas Besonderes?

Frau K: Nein, ich bin einfach erschöpft und der Rücken, sie wissen ja…

PT: Ja, ich weiß, Sie sind wegen der Rückenschmerzen hier. Ausdauersport ist ein sehr wichtiger Teil der Schmerztherapie, man weiß aus vielen Studien, dass Ausdauersport einen sehr positiven Effekt hat, sowohl auf das Lebensgefühl insgesamt, aber auch auf den Schmerz. Und Nordic Walking ist eine sehr schonende Ausdauersportart.

Frau K: Sie meinen, ich soll da mitlaufen, obwohl es mir nicht gut geht?

PT: Könnte das für Sie vielleicht einen Schritt in Richtung Ihrer Ziele darstellen: Wieder mobiler werden? Mehr am Leben teilnehmen?

Frau K.: Sie verstehen das nicht, ich bin so erschöpft.

PT: Das tut mir leid zu sehen, dass es Ihnen nicht gut geht. Ist es in Ordnung, wenn wir kurz gemeinsam schauen, was grad passiert?

Frau K. nickt.

PT: Nehmen wir mal an, Sie legen sich hin. Was wird dann kurzfristig mit dem Erschöpfungsgefühl?

Frau K.: Ich kann mich entspannen, es geht mir besser.

PT: Okay, das kann ich gut nachvollziehen und das ist Ihre Erfahrung. Hinlegen bringt kurzfristig Entlastung. Ist es das, was Sie häufig tun – sich hinlegen?

Frau K. nickt.

PT: Sie haben das in den letzten Jahren oft so gemacht. Und was ist Ihre Erfahrung? Hat es Sie dahin geführt, wo Sie hinwollen: Wieder mobiler werden? Mehr am Leben teilnehmen?

Frau K.: Worauf wollen Sie hinaus?

PT: Sind Ihre Schmerzen davon insgesamt weniger geworden? Fühlen Sie sich insgesamt fitter, haben Sie mehr Elan und Lebensfreude?

Frau K.: Nein, natürlich nicht, sonst wäre ich jetzt ja nicht hier.

PT: Okay, lassen Sie uns das kurz zusammen anschauen, was jetzt in diesem Moment passiert: Sie haben jetzt in diesem Augenblick die Wahl, etwas zu tun, weil es kurzfristig hilft, nämlich sich hinlegen, sich zurückziehen. Langfristig hat es Sie bisher nicht dahin geführt, wo Sie hinwollen. Sie können jetzt aber etwas zu tun, was Bereitschaft und Überwindung kostet – was aber langfristig helfen kann, sich wieder vitaler zu fühlen und mehr am Leben teilzunehmen, also dahin zu kommen, was Ihnen wichtig ist.

Frau K. wirkt einen Moment nachdenklich und zögert. Dann geht sie zur Garderobe und zieht sich ihre Trainingsjacke über.

Frau K.: Okay, ich kann´s ja mal versuchen.

4.2.4 Die Mühen der weiten Ebene – Umgang mit Motivationstiefs

Ein typisches Phänomen im Rahmen des Behandlungsverlaufs sind Schwankungen der Motivation. Aber woran genau erkennen wir, dass eine Patientin oder ein Patient sich nicht mit der Intensität für die festgesteckten, werte-geleiteten Ziele einsetzt, wie wir als Therapeutinnen und Therapeuten es für produktiv und angemessen ansehen? Klare Motivationstiefs oder auch andere Blockaden in der Behandlung entgehen dem therapeutischen Team kaum und löst dort eine Vielzahl inneren, meist aversiven Erlebens hervor. Meist sprechen schon die non-verbalen Reaktionen der Teammitglieder in den Teamrunden eine deutliche Sprache, z. B. in Form von Augenrollen oder dem Geräusch von vehement durch die Lippen ausgeblasener Luft, sobald der Name einer Person in einer Teamsitzung fällt.

Die Verhaltensweisen von Patientinnen und Patienten in Phasen geringer Therapiemotivation können dabei durchaus große Unterschiede aufweisen. Die meisten dieser Verhaltensweisen lassen sich den Vermeidungsstrategien zuordnen, die Russ Harris (2011) unter dem Akronym »DOTS« zusammenfasst:

• Dsteht für »Distractions«, also »sich ablenken«: am Handy spielen, während der Therapieeinheiten mit Mitpatientinnen plaudern etc.

• Osteht für »Opting out«: zu spät oder gar nicht in der Tagesklinik erscheinen, im Bett oder im Ruheraum verschwinden, wenn Therapieeinheiten angesagt sind etc.

• Tsteht für »Thinking«: sich in Grübelschleifen verlieren, in den Therapiesitzungen stets in der Vergangenheit bleiben und sich über erlebtes Unrecht beschweren, sich in Tagträumen oder Zukunftssorgen verlieren etc.

• Ssteht für »Substances«: Alkohol- oder Drogenrückfälle während der Therapie, aber auch Übergebrauch bzw. funktionaler Einsatz von Bedarfsmedikation etc.

Typischerweise kommt es zu Verärgerung, Frustration und Ratlosigkeit beim Team, sobald DOTS bei einer Patientin oder einem Patienten die Oberhand gewinnen. Wenn wir mit der ACT arbeiten, ist genau diese emotionale Reaktion des Teams ein wertvoller Hinweis. Was kann uns unsere Verärgerung Wertvolles über die Patientin oder den Patienten und unsere therapeutische Beziehung zu ihr/ihm mitteilen? Hier lohnt es sich also, genau hinzuschauen und den Kontext, z. B. anhand folgender zwei Aspekte, zu analysieren:

• Was will die Person selbst in der Behandlung erreichen? Was liegt ihr am Herzen? Was glaubt sie, was sich ändern sollte und wer etwas ändern sollte? Ist sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt bereit für eine Veränderung?

• Was wollen wir selbst bei dieser Person erreichen? Worum geht es uns, was liegt uns am Herzen?

Wenn ein Team diese beiden Seiten des jeweiligen Geschehens anschauen und mögliche Antworten formulieren kann, wird meist deutlich, an welchen Stellen Diskrepanzen vorliegen. Die Arbeit nach dem Ansatz der ACT bedeutet zudem, im Team die Bereitschaft für folgende Prozesse zu fördern:

• Das eigene Unbehagen wahrzunehmen (vgl. Hier und jetzt), das entstehen kann, wenn Patientinnen und Patienten sich in Bezug auf die Therapie nicht so verhalten, wie wir selber es gerne hätten.

• Dieses Unbehagen zunächst anzunehmen (vgl. Akzeptanz), ohne dem Impuls zu folgen, sofort zu reagieren und z. B. einen unmittelbaren Veränderungsdruck auf die Patientinnen und Patienten auszuüben.

• Bei der Wahrnehmung dieses Unbehagens zunächst einen Perspektivwechsel herzustellen: Was ist der Patientin oder dem Patienten wichtig (vgl. Werte) und wie geht sie oder er aktuell mit Barrieren um, was denkt und fühlt sie oder er in Bezug auf diese Barrieren und sich selbst etc.? (vgl. Akzeptanz, Defusion und Selbst-als-Kontext). Was ist mir selbst in Bezug auf meine Arbeit mit dieser Patientin wichtig, was liegt mir selbst am Herzen? (vgl. Werte)

• Aus diesem Perspektivwechsel heraus die nächsten Handlungsschritte abzuleiten (vgl. Engagiertes Handeln)

Praktisches Beispiel

In der Teambesprechung einer Tagesklinik kommt Herr N. zur Sprache. Herr N. ist wegen schlecht einstellbarem Diabetes mit schmerzhafter Polyneuropathie, Adipositas und einer langjährig bestehenden Depression seit drei Wochen in Behandlung der Einrichtung.

Ergotherapeutin: Also, bei mir macht er zwar mit, lässt sich aber lieber von mir die Aufgaben geben. Es kommt wenig eigene Initiative.

Physiotherapeutin: Na, das ist ja wenigstens etwas. Bei mir zieht er sich total raus. Zweimal hat er einfach gesagt, er muss sich hinlegen, statt zur Therapiestunde zu kommen. Einmal war er dabei und hat die ganze Zeit auf der Bank gesessen.

Schwester: Morgens kommt er meistens zu spät. Er sagt, er schläft schlecht und will auch früh erst mal nur Blutdruckmessen und dann was zur Beruhigung und gegen Schmerzen. Er scheint mir richtig fixiert darauf.

Ärztin: Ja, auch in der Visite können wir kaum was anderes besprechen, als Medikamente rauf und runter. Und Massagen will er. Da kann er richtig fordernd werden. Aber selbst nichts machen… Da geht er mir dann ganz schön auf die Nerven.

Psychologin (nimmt die Frustration des Teams wahr und geht zum Flipchart): Okay, ich spüre gerade eine Menge Ärger bei uns. Das ist ein wichtiges Zeichen, dass das, was wir wollen, nicht mit dem zusammenpasst, wie wir es angehen, richtig? (Einige im Team nicken). Was haltet ihr davon, wenn wir uns das mal gemeinsam anschauen und auf dem Flipchart zusammentragen, was hier grad vorgeht. Lasst uns einmal in einer ACT-Matrix zusammentragen, was wir über Herrn N. wissen und was wir beobachten können:

1. Was ist ihm wichtig und liegt ihm am Herzen?

2. Welche inneren Barrieren gibt es für ihn?

3. Wie geht er damit um? …

Im Folgenden trägt das Team eine kurze Fallkonzeption anhand einer ACT-Matrix zusammen ( Kap. 13), aus der deutlich wird, dass Herr N. in Vermeidungsverhalten verstrickt ist. Es wird offensichtlich, dass der Patient zum jetzigen Stand der Therapie vor allem weniger Beschwerden haben möchte: keinen Schmerz, weniger Angst und Sorgen, weniger Erschöpfung und Lustlosigkeit, und dass er offenbar annimmt, dies könne durch Medikation, Massagen und Ausruhen erreicht werden. Diese vermeintlichen Lösungsstrategien setzt er seit Jahren ein, ohne nachhaltigen Erfolg. Stattdessen sind sein Schmerzproblem und seine depressive Verstimmung nunmehr erheblich chronifiziert. Auf der anderen Seite zeigt die ACT-Matrix, dass das Team noch wenig über die Werte weiß, an denen Herr N. sich orientiert. Außerdem ist dem Team offensichtlich noch nicht ganz klar, mit welchen schwierigen inneren Ereignissen im Sinne von Gedanken, Gefühlen, Regeln und Selbstkonzepten Herr N. fusioniert ist. Es wird deutlich, dass der Druck und die Frustration vieler Teammitglieder daraus resultieren, dass das Team eine klare Idee hat, wo es bei Herrn N. hingehen sollte (z. B. sich mehr bewegen, Gewicht reduzieren, an Gruppenaktivitäten teilnehmen etc.), wohingegen der Patient sehr wahrscheinlich an einem anderen Punkt des Behandlungsverlaufs steht. Aus der ACT-Matrix leitet das Team folgende Schritte ab, die in den nächsten Tagen gemeinsam mit Herr N. angegangen werden sollen:

1. Bessere Klärung der Werte als Hilfe zur Motivation und auch für das bessere Verstehen des Patienten durch das Team

2. Verbesserung der Selbstwahrnehmung im Sinne von Achtsamkeit. Förderung der Wahrnehmung und Verbalisierung von Gedanken und Gefühlen bei dem Patienten.

Wenn es dem Team gelingt, Herrn N. bei der Klärung der Werte zu helfen und die Präsenz im Hier und Jetzt zu verbessern, können in den folgenden Wochen weitere Schritte folgen, wie etwa die Förderung der Bereitschaft zur Akzeptanz schwieriger Gefühle (Frustration, Lustlosigkeit, innere Unruhe) und Defusion von selbstentwertenden bzw. wenig hilfreichen Gedanken (»Ich kriege nichts auf die Reihe«, »Die Ärzte sollen mir endlich helfen«, »Es ist eh alles zu spät«).

4.2.5 Vorbereitung der Entlassung bzw. Entlassmanagement

Im Verlauf der Behandlung, aber besonders auch im Zusammenhang mit der Entlassung können bei Patientinnen und Patienten eine Vielzahl an aversiven Gedanken und Gefühle auftauchen, die es therapeutisch möglichst gut im Sinne der Behandlungsziele zu handhaben gilt. Dies ist im Allgemeinen wichtig, aber insbesondere bei längeren Aufenthalten in der Klinik oder Tagesklinik, bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen, bestehender Residualsymptomatik und hoher (interpersoneller) Funktionalität der Symptomatik zu berücksichtigen. Entsprechend geplant, gezielt und rechtzeitig ist das individuelle Entlassmanagement organisatorisch und therapeutisch zu gestalten.

Bei Patientinnen und Patienten spielen mit Blick auf die Entlassung aus der Klinik oder Tageklinik häufig verschiedene belastende Gefühle und Gedanken eine wichtige Rolle: dies können Ängste vor der Zeit nach der Entlassung sein, mit dem Übergang verbundene Verunsicherung und Ungewissheit, Traurigkeit aufgrund des nahenden Abschieds von Menschen, Sorge vor dem »Zurückfallen« in alte Muster, Angst vor erneuter Exazerbation der Symptomatik, Überforderungserleben, Scham- und Schulderleben rund um den krankheitsbedingten Ausfall bei Kontaktaufnahme mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern oder auch bei Wiederaufnahme länger brachliegender sozialer Kontakt etc.

Aus einer ACT-Perspektive ist es wichtig, dieses menschliche Erleben rund um die anstehende Entlassung bewusst wahrzunehmen und zu benennen, als valide zu markieren und anzunehmen und im Sinne von auftauchenden inneren Barrieren zu betrachten. Um dann schauen zu können, welche Handlungsimpulse daraus erwachsen und ob diese dann Handlungen im Sinne der Werte und Ziele der Patientin oder des Patienten unterstützen (Hin-Bewegungen) oder diesen im Wege stehen (Weg-Bewegungen auslösen). Eine direkte Adressierung möglicher belastender Gedanken und Gefühle und eine Handhabung derer vor dem Hintergrund der ACT-Kernprozesse ist also dringend anzuraten. Analog dazu lassen sich auch andere akute Belastungen, intensiv erlebte Zustände und Krisen der Patientinnen oder Patienten im Behandlungsverlauf im Sinne der ACT handhaben.

Praktisches Beispiel

Therapeutin Frau M. hat Frau Z. mit einer schweren psychotischen Symptomatik (ausgeprägtes Misstrauen, Schuldwahn) sowie einer schweren Zwangserkrankung (umfangreiche Schutzrituale, Kontaminationsängste, Waschzwänge etc.) über ca. sechs Monate behandelt. Der Verlauf war schleppend, die Behandlungserfolge begrenzen sich auf eine deutliche Entlastung und Begrenzung einer drohenden Ausweitung der seit Jahrzehnten bestehenden chronischen Symptomatik. Die Patientin kann zeitnah wieder in das ambulante Setting wechseln, wo bereits mehrere Hilfsangebote installiert sind, wie etwa eine betreute Wohnform und Wiedereingliederungshilfe. Die Patientin ist in der ersten Rücksprache zum Entlasstermin sehr aufgebracht und formuliert, sie könne jetzt noch nicht gehen und habe Angst vor der Verschlimmerung von Schuld- und Verfolgungserleben und dem Wiederauftreten suizidaler Gedanken.

Frau Z.: Sie verstehen das nicht, es ist wirklich unmöglich, dass ich Ende nächster Woche entlassen werden soll. Ich kann mir das nicht vorstellen.

Therapeutin Frau M.: Beschreiben Sie mir doch gerne einmal genauer, was in Ihnen im Moment vorgeht.

Frau Z.: Ich fühle mich doch morgens immer so schuldig und wenn ich dann aufstehe und in die Tageklinik komme, wird es besser. Wenn ich nicht mehr herkomme, werde ich liegenbleiben und mich quälen. Ich kann das aber auch keinem Betreuer sagen, die werden sich lustig machen.

Therapeutin Frau M.: Das heißt, Sie haben Gedanken wie »Ich kann nicht entlassen werden« und »Die Schuldgefühle werden wieder mehr werden« … und »Die Betreuer werden sich lustig machen«? Ist das richtig?

Frau Z.: Ja.

Therapeutin Frau M.: Was taucht noch auf?

Frau Z.: Ich denke, ich falle allen zur Last. Fühlt sich schlimm an.

Therapeutin Frau M.: Da ist ein Gedanken wie »Ich falle allen zur Last«, und ein Gefühl wie »schlimm«. So wie »nicht okay« oder »Scham«?

Frau Z. nickt.

Therapeutin Frau M.: Da ist es ja sehr verständlich, dass Sie den Gedanken haben »Ich kann nicht entlassen werden«, wenn wir berücksichtigen, dass Sie auch Gedanken haben wie »Die Schuldgefühle werden wieder mehr werden« oder »Die Betreuer werden sich lustig machen« oder dieses unangenehme Gefühl von »schlimm«, was auch auftaucht.

Therapeutin Frau M. (Nimmt wahr, dass sie den Gedanken hat »Vielleicht hast Du Dich nicht genug angestrengt, Du hättest mehr für Frau Z. tun müssen«, sowie den Impuls, den Aufenthalt erneut zu verlängern. Gleichzeitig kennt sie dies von sich als eine Weg-Bewegung, welche der Vermeidung des Gefühls, nicht zu genügen, dient. Sie fragt sich, was ihr in der Behandlung für Frau Z. wichtig ist, nämlich »unterstützend zu sein« und entscheidet sich, nach den Werteorientierungen der Patientin zu fragen und diese zu reaktivieren): Das heißt, es treten eine ganze Reihe Ereignisse in Ihrem Inneren auf, so wie innere Barrieren, die Sie ja auch an anderer Stelle schon kennengelernt haben. Wozu laden sie Sie ein, was empfehlen diese unangenehmen Gedanken und Gefühle?

Frau Z.: Na, dass ich unbedingt noch nicht gehen kann!

Therapeutin Frau M.: Ja, das verstehe ich. Wenn Sie sich an das erinnern, was Ihnen für sich und Ihr Leben wichtig ist … Erinnern Sie sich? Führt Sie dies dann in diese Richtung oder davon weg?

Frau Z.: Hm, das war unabhängiger werden, irgendwie selbstbestimmter. Da bin ich aber ja noch nicht.

Therapeutin Frau M.: Das kann sein. Ist es Ihnen denn wichtig, auch wenn Sie noch nicht dort sind?

Frau Z. nickt.

Therapeutin Frau M.: Und diesen unangenehmen Gedanken und Gefühlen zu folgen und in der Tagesklinik zu bleiben, würde Ihnen das dabei hilfreich sein? Unabhängiger und selbstbestimmter zu werden.

Frau Z.: Ja klar, weil ich dann irgendwann weiß, wie ich diese quälenden Gedanken loswerde.

Therapeutin Frau M.: Gut, dass Sie das sagen, das kommt mir bekannt vor. Sie haben ja schon viel Zeit und Mühe und Kraft investiert, um die Gedanken und Gefühle loszuwerden oder nicht zu spüren, die sie Sie schon so lange quälen…

Frau Z.: Ja, leider. Ich erinnere mich… bisher sind sie davon nicht weggegangen, nur zwischendurch.

Therapeutin Frau M.: Wie würde »unabhängiger und selbstbestimmter sein« denn mit Blick auf die Entlassung aussehen? Was brauchen Sie dazu, um sich in diese Richtung zu bewegen? Was braucht es auch im Umgang mit diesen unangenehmen Gedanken und Gefühlen, die ja ganz verständlicherweise auftauchen? Wie können Sie sie vielleicht in Richtung »unabhängiger und selbstbestimmter sein« mitnehmen? Denn es ist Ihnen ja wichtig, dort hinzukommen.

Frau Z.: Vielleicht könnten wir nochmal schauen, was ich alles gelernt habe und was funktioniert. Und mit wem ich darüber sprechen kann.

Therapeutin Frau M.: Sehr gerne.

Praktische Hinweise für das Behandlungsteam im Umgang mit herausfordernden Situationen rund um Entlassungen von Patientinnen und Patienten

Um selbst konsistent, klar und überzeugt aus therapeutischen Motiven heraus zu handeln, kann es für die Mitglieder des Behandlungsteams wichtig sein, die eigenen Motive im Umgang mit der Entlassung der betreffenden Person zu hinterfragen. Stellen Sie sich selber z. B. folgende Fragen (vgl. Kasten zu Kap. 4.2.1.):

• Welche möglichen unangenehmen Gedanken und Gefühle tauchen bei mir selber auf, wenn ich an die Entlassung der betreffenden Person denke?

• z. B. Angst, etwas übersehen zu haben, Enttäuschung über »unzureichende« Fortschritte und Resignation

• Wie habe ich bisher darauf reagiert? Wie bin ich diesen inneren Barrieren aus dem Weg gegangen oder habe dagegen angekämpft?

• z. B. den Aufenthalt immer weiter verlängern, abrupte Entlassung oder Passivität

• Wie möchte ich als Behandlerin oder Behandler sein? Welchem Wert gilt es in diesem Fall zu folgen? Was ist mir so wichtig, dass ich dieses unangenehme Erleben zugunsten der Behandlungsziele der Patientin oder des Patienten auf mich nehmen möchte? Wie kann ich dies konkret tun?

z. B. »Hilfreich und wirksam im Beruf sein« und »transparent sein«, d. h. Rücksprache mit Kolleginnen und Kollegen halten, gezielte Termine zur Entlassplanung vereinbaren, Patientinnen und Patienten die Motive im Zusammenhang mit den Behandlungszielen und dem Zeitpunkt der Entlassung mitteilen etc.

4.2.6 Hinweise für weiterführende praktische Beispiele

Weitere Anregungen und praktische Beispiele für Gesprächssituationen in ganz verschiedenen therapeutischen Kontexten finden sich in vielen Lehrbüchern und Praxisratgebern zu ACT. Besonders empfohlen seien an dieser Stelle folgende Quellen:

• Harris (2014) Schwierige Situationen in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie: Mit hohem Praxisbezug und sehr humorvoll beschreibt Russ Harris genau diejenigen Gesprächssituationen, die auch ihn immer wieder ins Schwitzen oder auf die Palme bringen. Mit großer Klarheit werden Wege aufgezeigt, wie wir uns stets aufs Neue aus den Verstrickungen lösen können.

• Vilatte, Vilatte und Hayes (2016) Mastering the Clinical Conversation: Eine Art klinische Gebrauchsanweisung für die »Relational Frames Theory« (RFT), bzw. auf Deutsch »Bezugsrahmentheorie«, die der ACT zugrunde liegt. Die für viele sehr kopflastige RFT wird in diesem Werk aus dem Sprachlabor heraus und direkt in den Therapieraum gebracht. Mit vielen Gesprächsbeispielen, die anschaulich und verständlich analysiert werden.

• Waadt, Martz und Gloster (2015) Arbeiten mit ACT: Ein Praxisbuch, in dem Therapeuten anhand spannender Fälle aus ihrer eigenen Praxis aufzeigen, wie sie persönlich mit den Klienten auf der Basis von ACT arbeiten. ACT wird hier nicht erklärt, sondern durch die Schilderungen direkt erlebbar.

• Burian R (2015) Der Stahlhelm des Sozialisten. ACT im Konsiliardienst bei Patienten mit körperlichen Erkrankungen: Ein Buchkapitel, in dem es praxisnah um die Anwendung von ACT-orientierten Interventionen außerhalb der typischen Indikation geht, nämlich im Rahmen von konsiliarischen Kurzkontakten bei Menschen mit körperliche Erkrankungen. Zu finden im o. g. Buch von Waadt et al. (2015): »Arbeiten mit ACT«.

4.3 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

Bei der Integration von ACT in typische therapeutische Interaktionen, d. h. in den klinischen Alltag, gilt – wie bei jeder anderen Form der Intervention –, dass die Behandlerin oder der Behandler Zeitpunkt und Art der Intervention gewissenhaft vor dem Hintergrund der Behandlungsziele zum gegenwärtigen Zeitpunkt prüft. Dabei kann die Frage hilfreich sein: »Wofür möchte ich gerade …?« oder »Wofür ist es hilfreich, wenn ich … mache?«

Mindestens genauso relevant kann es für das Behandlungsteam sein, die Integration neuer Perspektiven und Ansätze in der jeweiligen Situation auch vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen und Kompetenzen kritisch zu hinterfragen. Je akuter und krisenhafter eine Situation ist, desto eher finden Menschen Sicherheit, indem sie auf die bekannten und stark automatisierten Verhaltensmuster zurückgreifen. Das gilt für Patientinnen und Patienten wie für Behandlerinnen und Behandler. Dies bedeutet, dass die Anwendung und das Einüben von neuen Perspektiven und Herangehensweisen durch das Team sinnvollerweise immer in Situationen beginnt, die sich diejenigen gut zutrauen, wo eine mäßige Verstrickung in eigene schwierige Gefühle oder Gedanken besteht und/oder wo wechselseitige Unterstützung verfügbar ist. Beim Erwerb neuer Kompetenzen im klinischen Alltag und für die Gestaltung von alltäglichen Interaktionen mit Hilfe der ACT ist also auf eine ausreichende Balance zwischen der Bereitschaft, etwas Neues zu wagen, und einer Überforderung des Teams durch einen zu hohen Anwendungs- und Veränderungsdruck zu achten. Die Anwendung neu erlernter Interventionen »auf Teufel komm raus« kann in schwierigen Situationen, d. h. Krisen- oder Notsituationen, bei (noch) fehlender Routine entsprechend kontraproduktiv sein. ACT als therapeutisches Prinzip zu leben, heißt auch dahingehend flexibel zu sein, auf Altbewährtes zurückzugreifen oder auf eine Gelegenheit für eine ACT-Intervention zu verzichten, wenn es für den jeweiligen Kontext hilfreich und sinnvoll ist, d. h. in der Situation, für den betreffenden Patienten oder die betreffende Patientin und die jeweilige Behandlerin oder den Behandler. Gleichsam wächst die Erfahrung mit der Anwendung von ACT im klinischen Alltag fast automatisch mit der konkreten Anwendung von ACT im klinischen Alltag, so dass bei zunehmender Verinnerlichung der ACT-Kernprozesse durch das Teams immer mehr »InterACTion« möglich und hilfreich wird und dann mehr oder weniger spontan bei den verschiedenen Teammitgliedern in alltäglichen Interaktionen auftritt.

4.4 Was ist das Wichtigste für die InterACTion im klinischen Alltag? – Fazit und Ausblick

Die Arbeit im stationären und tagesklinischen Rahmen bietet generell eine Vielzahl an Möglichkeiten, das therapeutische Wirken nicht nur auf den Therapieraum zu beschränken. Dies gilt auch für die Arbeit mit ACT im klinischen Setting und kommt diesem Ansatz sehr entgegen, da es bei der ACT viel um Prinzipien zur Förderung psychischer Flexibilität geht, die Menschen im Allgemeinen betreffen und damit für viele alltägliche Situationen und Interaktionen relevant sind. Anhand der oben erläuterten Beispiele möchten wir dazu ermutigen, den klinischen Behandlungsrahmen und alle stattfindenden Interaktionen auch als Chance zum Vermitteln und (Vor-)Leben psychischer Flexibilität zu betrachten. Auch und gerade bei bestehender, teils hoher Symptombelastung der Patientinnen und Patienten.

Ein wichtiger Faktor der Anwendung und Förderung von ACT-bezogenen Kompetenzen und Fähigkeiten bei Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag, d. h. erfolgreicher InterACTion, sind die Teammitglieder und deren Verinnerlichung der Kernprozesse, die zu psychischer Flexibilität beitragen:

• Sind die Mitglieder des Teams offen und bereit für Gefühle, Gedanken und Körperreaktionen, auch wenn sie schwierig und unbehaglich sind? Dies ist eine Frage der Präsenz im Hier und Jetzt (Achtsamkeit) sowie der Bereitschaft und Akzeptanz.

• Macht sich das Team eigene Selbstkonzepte und Rollenerwartungen im Zusammenhang mit der Arbeit immer wieder bewusst und nimmt unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven auf sich selber ein? Dies ist eine Frage des Perspektivwechselns bzw. des Selbst-als-Kontext.

• Inwieweit machen sich die Mitglieder des Teams ihre eigenen Werte in Bezug auf die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten, aber auch miteinander, stets aufs Neue bewusst? Und lassen diese handlungsleitend sein? Dies ist eine Frage der Werteklärung, aber auch der Präsenz im Hier und Jetzt (Achtsamkeit).

• Kann das Team aus dieser Offenheit und Bereitschaft sowie den gemeinsamen Werten heraus, als Team und individuell Handlungsschritte ableiten, die in der direkten Interaktion mit den Patientinnen und Patienten hilfreich sind, um diese in ihrem Heilungsprozess (mit ACT gesprochen: ein sinnvoll gelebtes Leben führen) zu unterstützen?

Ziel der multidisziplinären Arbeit nach der ACT ist es, alle Teammitglieder in der Weiterentwicklung dieser Kompetenzen zu unterstützen, so dass die ACT-Prozesse sowohl in der InterACTion mit Patientinnen und Patienten als auch in der InterACTion der Teammitglieder untereinander wirksam werden und psychische Flexibilität im Dienste der Gesundheit und der Lebenszufriedenheit aller Beteiligten befördern können.

Literatur

Burian R (2015) Der Stahlhelm des Sozialisten. ACT im Konsiliardienst bei Patienten mit körperlichen Erkrankungen. In: Waadt M, Gloster A, Martz J (Hrsg.) Arbeiten mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Bern: Hogrefe Verlag. S. 241–275.

Harris R (2011) ACT leicht gemacht. Freiburg: Arbor Verlag.

Harris R (2014) Schwierige Situationen in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Weinheim, Basel: Beltz Verlag.

Vilatte M, Vilatte JL, Hayes SC (2016). Mastering the Clinical Conversation. New York: The Guilford Press.

Waadt M, Martz J, Gloster A (2015) Arbeiten mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Bern: Hogrefe Verlag.

Teil II – ACT im multiprofessionellen Klinikalltag

Multiprofessionelle Arbeit mit der ACT im voll- oder teilstationären Setting einer psychiatrischen oder psychosomatischen Abteilung – Überlegungen zum Kontext
Albert Diefenbacher, Ronald Burian und Nina Romanczuk-Seiferth

Es dürfte unbestritten sein, dass das therapeutische Milieu als »heilsame Umgebung« einen wichtigen Faktor für die Genesung der in psychiatrischen oder psychosomatischen Einrichtungen behandelten Patientinnen und Patienten darstellt. Das ist im Grunde allen Mitgliedern eines multiprofessionellen Teams klar: Alle gehen davon aus, dass man gemeinsam am Behandlungserfolg arbeitet und beteiligt ist. Dabei wird jedoch eher selten reflektiert, wie die unterschiedlichen Vektoren der Aktivitäten verschiedener Berufsgruppen in einer Art Kräfteparallelogramm zusammenwirken, um den Patientinnen und Patienten dabei zu helfen, sich in die geeignete Richtung zu entwickeln. Bereits an dieser Stelle wird klar, dass eine unterschiedliche (Selbst-)Einschätzung unterschiedlicher Professionen die jeweilige Wichtigkeit oder Rolle für den therapeutischen Erfolg, bei aller gegenseitigen Wertschätzung, unterschiedlich beurteilen können. Dabei kann der ärztliche Primat hinsichtlich der Behandlungssteuerung im Krankenhaus die Ärztin oder den Arzt unter Umständen durchaus überfordern: nämlich wenn bei einer Patientin oder einem Patienten gegen Ende der Behandlung sozialmedizinische Probleme (wie z. B. Gestaltung der Wohnsituation) deutlich in den Vordergrund treten, die Behandlung aber fälschlicherweise nun nicht dem Sozialdienst übertragen wird, sondern die Ärztin oder der Arzt (oder auch die Psychologin oder der Psychologe) in den Visiten nach wie vor einen primär medizinischen Ansatz verfolgt, da sie oder er sich einer Führungsrolle verpflichtet fühlt. Dies lenkt aber möglicherweise vom Ziel ab und beeinträchtigt den Erfolg der Behandlung.

Optimalerweise können hierbei auftretende Konflikte im Rahmen von Team- oder Fallsupervisionen besprochen und konstruktiv weiterentwickelt werden. Allerdings zeigt sich in der täglichen klinischen Praxis, dass die Bereitschaft zur Teilnahme an Supervisionen von Teammitglied zu Teammitglied oder auch von Team zu Team durchaus unterschiedlich sein kann: Vom begeisterten Einfordern externer Supervision bis hin zur Ablehnung einer solchen; oder wenn Letzteres wegen entsprechender Verpflichtung durch die Dienstvorgesetzte oder den Dienstvorgesetzten nicht gelingt, ein mögliches passives Teilnehmen an einer 90-minütigen Supervisionssitzung, was möglicherweise von der externen Supervisorin oder dem Supervisor nicht wahrgenommen oder nicht thematisiert wird.

Grundsätzlich gilt, dass Therapeutinnen und Therapeuten unterschiedlicher Professionen »verstehen müssen, dass sie nicht als Individuen arbeiten, sondern in sozialen und ökologischen Bezügen« und dass sich aus der »Gestaltung des sozialen Netzes (in der Klinik) […] auch unmittelbar therapeutische Ansätze« ergeben (Linden 2011, S. IX). Dieses Zusammenwirken wird zumeist erschwert, wenn die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedliche psychotherapeutische Ausbildungen oder grundsätzliche Einstellungen hinsichtlich der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen haben, die jeder und jede in einem individuellen Ansatz bei den Patientinnen und Patienten fruchtbar zum Einsatz bringen will. Im besten Fall sollte hier ein Abgleich in fallbezogenen Teambesprechungen (z. B. soziotherapeutische Sitzungen) stattfinden.

Beispielhaft sei hier auf eigene Erfahrungen mit der Implementierung von ACT zurückgegriffen: Überlegungen im Kontext der Einführung von ACT im zunächst teil-, dann auch vollstationären Bereich veranlassten uns dazu, dieses Problem durch Thematisierung in unterschiedlichen Formen unserer externen Supervisionen anzugehen. Dabei erscheint uns wesentlich, dass die Supervisionen explizit auf einer transparent gemachten Grundlage der Orientierung an ACT stattfinden. Interessant (und vielleicht auch beispielhaft) erscheinen uns etwa Erfahrungen im Bereich der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, und dabei vor allem auf einer Station für Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten bei demenziellen Erkrankungen. Hier gab uns die Zurückhaltung der ärztlichen Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten bei der Rotation auf diese Station den Anlass, diese Zurückhaltung näher zu erfragen. Dabei zeigte sich eine gewisse Scheu, sich mit dem auf dieser Station sichtbarer werdenden Thema des sich nähernden Lebensendes zu beschäftigen. Die Psychoanalytikerin Grete Bibring hat bereits 1956 die Problematik »junge Ärzte müssen sich um ältere Patienten (Elternfiguren) kümmern« unter folgendem Aspekt diskutiert: Möglicherweise führt es zu Konflikten, wenn nach gerade stattgefundener z. T. vielleicht konflikthafter Ablösung aus dem eigenen Elternhaus nun plötzlich die Elternfiguren auf einer kranken, geschwächten und hilfebedürftigen Ebene gewissermaßen zurückkommen und vermehrt Rücksicht einfordern (Bibring 1956). Ihr Ansatz war es, sich in Gruppenarbeit mit den in diesen konflikthaften Situationen entstehenden Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen auseinanderzusetzen (Kratz und Diefenbacher 2016).

Was hat dies nun mit ACT zu tun? Grundsätzlich gilt, dass gerade für die Arbeit mit Patientinnen und Patienten mit medizinisch nicht heilbaren (z. B. demenziellen) Erkrankungen eine Selbstreflexion über das eigene Lebensende hilfreich sein kann, was aber möglicherweise in einer an Leistungsfähigkeit und Jugendlichkeit orientierten Gesellschaft schwerfallen mag (Schindler-Marlow 2014). ACT als Haltung und Therapieansatz beinhaltet wesentlich auch die Diskussion von individuellen Werten in Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, und erscheint uns daher geeignet, gerade in diesem Setting einen offenen Umgang mit diesem Thema entwickeln zu helfen (Drossel und McCausland 2015, Burian 2015). Hierbei ist wichtig, dass es sich um einen teambezogenen Ansatz handelt, sodass insbesondere das Pflegepersonal sich einbringen kann und soll, welches schließlich 24 Stunden rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten arbeitet, die z. T. bei aller erlebten Gebrechlichkeit ein recht herausforderndes Verhalten zeigen können. Hier wird umsichtig und kritisch zu beachten sein, inwieweit bei einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege und auch anderen Berufsgruppen, die dauerhafte Arbeit mit dieser Klientel eine etwaige Überforderung darstellt. Es ist dann Aufgabe der Dienstvorgesetzten, gemeinsam zu erörtern, inwieweit der Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten für diesen speziellen Bereich eine Weiterentwicklung unterstützt (z. B. Validation; Romero 2019). Oder aber auch, inwieweit externe Beratung oder spezielle pflegerische Supervision in Angriff genommen werden muss (z. B. bei Organisationen wie »Pflege in Not«; www.pflege-in-not.de, Zugriff am 20.08.2020). Hier wird zudem deutlich, dass es sich bei der Implementierung eines solchen Ansatzes letztlich um den Beginn einer Organisationsentwicklung, eines Change-Managements handelt: Es geht nicht nur um die Einführung einer neuen Technik (ACT), sondern auch um die Entwicklung einer gemeinsamen Haltung des Teams mit gemeinsamen Werten, was dazu beitragen soll, dass die unterschiedlichen Vektoren auf der Station sich zu einem für die Patientinnen und Patienten nützlichen Parallelogramm bündeln lassen. Dies aber bedeutet, dass von Seiten der Dienstvorgesetzten und der Leitung der Abteilung auch die Bereitschaft vorhanden sein muss, ggf. – im Konsens zu entwickeln – eine Umstrukturierung der Station einschließlich Veränderung der Zuordnung (z. B. Arbeitsfelder) von Mitgliedern des dort bislang arbeitenden Teams vorzunehmen (Diefenbacher 2019). Idealerweise sind also alle Beteiligten, inklusive Dienstvorgesetzte und Abteilungsleitung, in einen werteorientierten Veränderungsprozess einbezogen (vgl. »Prosocial«-Prozesse; www.prosocial.world, Zugriff am 29.07.2019). Zudem kann der Prozess der gemeinsamen Klärung von Werten sowohl Schwierigkeiten (z. B. Ängsten vor Veränderungen, Widerwillen, Überforderungsgefühle etc.), als auch Phasen der Akzeptanzbildung und aktive Handlungen wie Umstrukturierungen und Umverteilung von Arbeitsfeldern nach sich ziehen.

Im zweiten Teil unseres Buches zu »ACT in Klinik und Tagesklinik« soll es um die Arbeiten mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie im multiprofessionellen Klinikalltag gehen. Hierzu haben wir Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven zusammengestellt. Zum einen finden sich in diesem Abschnitt Kapitel zur Arbeit mit der ACT aus Sicht unterschiedlicher Professionen, die an der Behandlung in Klinik und Tagesklinik beteiligt sind, im Detail die Ärzteschaft ( Kap. 6), die psychologische Psychotherapie ( Kap. 7 und 8), die Pflege ( Kap. 9), Ergo- und Kunsttherapie ( Kap. 10), Physiotherapie ( Kap. 11) und Tanz- und Bewegungstherapie ( Kap. 12). Anzumerken ist an dieser Stelle, dass hier die möglichen Perspektiven keineswegs vollständig sind, z. B. wären ebenso Beiträge zur Arbeit mit ACT aus der Sozialarbeit oder aus der Musiktherapie denkbar und spannend. Zum anderen enthält dieser Teil des Buchs Kapitel, die auf die Besonderheiten der Behandlung nach ACT im Gesamtsetting einer Klinik fokussieren ( Kap. 5) sowie auf die psychotherapeutische Arbeit in verschiedenen kliniktypischen Behandlungsformaten, wie Einzelpsychotherapie ( Kap. 7) und Gruppenpsychotherapie ( Kap. 8), und die Gestaltung von typischen Elementen der interdisziplinären Zusammenarbeit und Qualitätssicherung mit der ACT, wie Team- und Fallbesprechungen ( Kap. 13) bzw. Supervisionen von klinischen Teams ( Kap. 14), eingehen. Viel Freude beim Lesen und Umsetzen!

Literatur

Burian R (2015) Der Stahlhelm des Sozialisten – ACT im Konsiliardienst bei körperlichen Erkrankungen. In: Waadt M, Martz J, Gloster A (Hrsg.) Arbeiten mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Ein Fallbuch. Bern: Hogrefe. S. 241–274.

Diefenbacher A (2019) Aufbau eines Zentrums für Menschen mit intellektueller Entwicklungsstörung und psychischer Erkrankung in Berlin. In: Sappok T (Hrsg.) Psychische Gesundheit bei intellektueller Entwicklungsstörung, Ein Lehrbuch für die Praxis. Stuttgart: Kohlhammer. S. 495–501.

Drossel C, McCausland C (2015) Zu Hause ist dort, wo unsere tiefsten Ängste wegfallen können: ACT in der Begleitung Angehöriger von Menschen mit neurokognitiven Störungen. In: Waadt M, Martz J, Gloster A (Hrsg.) Arbeiten mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), Ein Fallbuch. Bern: Hogrefe. S. 97–129.

Kratz T, Diefenbacher A (2016) Geistesgegenwärtig behandeln, psychosomatische Medizin bei verwirrten Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen im demenzsensiblen Krankenhaus. In: Ehm S, Giebel A, Lilie U, Prönneke R (Hrsg.) Geistesgegenwärtig behandeln, Existenzielle Kommunikation, Spiritualität und Selbstsorge in der ärztlichen Praxis, Neukirchener Verlagsgesellschaft. S. 199–214.

Linden M (2011) Therapeutisches Milieu, Healing Environment in medizinischer Rehabilitation und stationärer Behandlung. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

Romero B, Geschke K (2019) Selbsterhaltungstherapie für Menschen mit Demenz. InFo Neurologie und Psychiatrie 21: 28–36.

Schindler-Marlow S (2014) Ärztinnen und Ärzte in NRW nehmen die Demenz in den Blick. Rheinisches Ärzteblatt 4: 22–24.

5 Besonderheiten von ACT im voll- und teilstationären Rahmen
Charles Benoy, Barbara Annen und Patrick Jeger
5.1 Wozu die Arbeit mit ACT im stationären und teilstationären Rahmen? – Einführung

Wenngleich in der psychiatrischen Versorgung ein breiter Konsens darüber besteht, möglichst ambulant vor stationär zu behandeln, ist die stationäre Behandlung weiterhin ein wichtiger Baustein in der allgemeinen psychiatrischen Versorgung und die Indikationen für intensivere integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungen in einem stationären oder teilstationären Setting sind unbestritten. Nicht nur in Situationen akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, sondern beispielsweise auch bei ausgeprägten Handlungsdefiziten, Einschränkungen in der globalen Funktionsfähigkeit, der Notwendigkeit kontinuierlicher Verhaltensbeobachtungen und/oder Alltagsbegleitungen sowie der Indikation zur akuten Entlastung des sozialen Umfeldes sind stationäre Behandlungen ausdrücklich indiziert und unverzichtbar (vgl. Benoy und Schumann 2015). Die ausgewiesene Stärke der teilstationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung liegt im Bereich des alltagsrelevanten Copings. Patientinnen und Patienten erlernen neue Verhaltensweisen, die sie in ihrem konkreten Lebensumfeld erproben und implementieren lernen. Die stationäre und teilstationäre Behandlung ist somit ein bedeutsamer Baustein der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung, in der die ACT zunehmend als therapeutische Grundorientierung Anwendung findet. Für ACT spricht zusätzlich zum evidenzbasierten Ätiologie- und Behandlungskonzept vor allem die transdiagnostische Herangehensweise, das flexibel handhabbare und primär auf die Förderung von Kernkompetenzen fokussierte Methodenspektrum sowie die übergreifende Anwendbarkeit auf unterschiedlichste und interdisziplinäre stationäre Behandlungskontexte (Benoy et al. 2015). Des Weiteren geht man davon aus, dass ca. 25–50 % der psychiatrischen Patientinnen und Patienten nicht in ausreichendem Maße von üblichen leitlinienkonformen Behandlungen profitieren und gerade diese sogenannten therapieresistenten Patientinnen und Patienten, die oftmals im stationären oder teilstationären Setting behandelt werden, von der alternativen ätiologischen und therapeutischen Herangehensweise von ACT profitieren können (vgl. Gloster et al. 2015).

5.2 Was wissen wir zur Evidenz? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung zur Anwendung von ACT in einem stationären und teilstationären Behandlungssetting

Die Studienlage bezüglich multimodaler stationärer psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsansätze ist ingesamt als dünn zu bezeichnen, was höchstwahrscheinlich auf die methodische Komplexität dieses spezifischen Forschungszweiges zurückzuführen ist. Die Literatur weist ausdrücklich auf diese Forschungslücke hin (vgl. Gaudiano und Herbert 2006), d. h. dieser Missstand geht über ACT-bezogene Ansätze hinaus. Die zunehmende Evidenz der ACT bei chronifizierten und therapieresistenten psychischen Erkrankungen (vgl. Clarke et al. 2014, Clarke et al. 2012, Gloster et al. 2015) lässt jedoch die Annahme zu, dass sich ACT-basierte Behandlungsangebote auch speziell für das stationäre Setting und die in diesem Setting behandelten komplexen psychischen Erkrankungen anbietet. Vereinzelte Studien unterstreichen bereits die positiven Effekte der ACT im stationären Setting. So scheint sie mit höheren Symptomregredienzen und geringeren Rehospitalisierungsraten bei Psychosen (Bach und Hayes 2002, Gaudiano und Herbert 2006, Tyrberg et al. 2017a) und besseren Therapieerfolgen im Vergleich zu bestehenden stationären Behandlungsangeboten bei Suchterkrankungen (Petersen und Zettle 2009, Svanberg et al. 2017, Thekiso et al. 2015) einherzugehen. Eine Beobachtungsstudie zu einem transdiagnostischen ACT-basierten stationären Setting für chronifizierte und therapieresistente Patientinnen und Patienten konnte zudem mittlere bis hohe Effektstärken bzgl. Symptomabnahmen und Verbesserungen der psychischen Flexibilität, Lebensqualität und des globalen Funktionsniveaus aufzeigen (Benoy et al. 2019). Auch konnte ein ähnlich positiver Effekt der ACT im Vergleich zu KVT im stationären Setting aufgezeigt werden (Pleger et al. 2018). Tyrberg et al. (2017b) weisen weiterführend ausdrücklich auf den Nutzen der ACT für die psychiatrisch-pflegerische Arbeit im stationären Setting hin. Wenngleich die Wirksamkeit der ACT im stationären Behandlungssetting somit noch nicht ausreichend belegt ist, gibt es bis dato bereits berechtigte Annahmen dazu, dass sich ACT als therapeutische Grundhaltung multimodaler, integrierter, stationärer, psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsansätze ausdrücklich anbietet. Auch das genaue Vorgehen im stationären Kontext ist bis dato unseres Wissens nicht beschrieben, was wir als Grundlage dafür nehmen, unsere Umsetzungen der ACT in drei unterschiedlichen stationären Einrichtungen im vorliegenden Kapitel zu beschreiben und zu reflektieren.

5.3 Wie sieht die Behandlung aus? – Besonderheiten der ACT im stationären und teilstationären Rahmen, klinische Beispiele und Übungen

Wie bereits vielfach beschrieben, versteht sich die ACT als flexibler und kontextabhängiger Ansatz. Auch für die stationäre Umsetzung der ACT gibt es kein rigides, vorgeschriebenes oder manualisiertes Vorgehen. Vielmehr versteht sich die ACT als übergeordnete Haltung und Vorgehensweise, die flexibel auf äußere und situative Kontexte angepasst werden kann sowie eine übergeordnete gemeinsame Sicht- und Denkweise ermöglicht. Setzt man sich mit der Frage auseinander, was die Besonderheiten der ACT im stationären und teilstationären Rahmen sind, so führt dies zwangsläufig zu der Frage, was die Unterschiede zu alternativen therapeutischen Ansätzen sind. Als wir uns als Autorenteam dieses Beitrags zur Ausarbeitung des vorliegenden Kapitels austauschten, mündete dies in zwei aus unserer Sicht relevante Fragestellungen, um die Besonderheiten der ACT im stationären und teilstationären Rahmen zu illustrieren: Welches sind die Gemeinsamkeiten unserer drei stationären ACT-basierten Behandlungsansätze? Und worin unterscheiden sich diese von anderen stationären therapeutischen Vorgehensweisen?

Im Austausch und der Diskussion dieser Fragen wurde ersichtlich, dass die Besonderheiten der ACT in einem stationären Setting nicht in den einzelnen Behandlungsbausteinen liegen und sie sich hier nicht speziell von anderen psychiatrisch-psychotherapeutischen Konzepten unterscheiden. Die Behandlungsprogramme können ganz unterschiedlich an das äußere Setting und die Bedürfnisse aller Betroffenen angepasst sein. Ein großer Vorteil der ACT liegt darin, dass es ein transdisziplinärer Ansatz ist, der somit auch über alle einzelnen Therapieangebote hinweg zum Tragen kommt, unabhängig davon, ob diese bereits bestehend sind und die ACT-Haltung sozusagen darübergestülpt wird, oder ob man bei der Konzeptualisierung einer neuen Abteilung einzelne Bausteine neu zusammensetzt. Zudem kann es sowohl auf Stationen mit einem eher interaktionellen und gruppentherapeutischen Fokus, als auch auf einer Abteilung mit einzeltherapeutischem Schwerpunkt gleichermaßen als therapeutische Grundausrichtung dienen. Bezüglich der einzelnen therapeutischen Bausteine wie z. B. Gruppentherapien, Bezugspersonenarbeit der Pflegefachpersonen, milieutherapeutische Angebote, der Physiotherapie, musik- oder aromatherapeutischen Inhalten usw. unterscheidet es sich nicht von anderen integrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Ansätzen, welche eine interdisziplinäre und ganzheitliche Behandlung avisieren.

Vielmehr scheinen die Unterschiede zu anderen therapeutischen Konzeptualisierungen und somit die Besonderheiten der ACT für stationäre und teilstationäre Settings in einer alternativen therapeutischen Haltung zu liegen. Diese spiegelt sich vor allem im Krankheitsverständnis, der therapeutischen Zielformulierung und der Behandlungsmethodik wider.

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Ansichten und häufigen Erwartungen von Patientinnen und Patienten und Behandlungspersonen in medizinischen Institutionen versteht die ACT Leiden nicht auf der Basis der Existenz psychiatrischer Symptome, die im Rahmen einer Behandlung sozusagen »wegtherapiert« werden müssen, sondern legt den Fokus auf persönliche verhaltensbezogene Funktionsanalysen und die zielgerichtete Förderung der Lebensqualität. Dies verändert auch das stationäre Behandlungsverständnis grundlegend. So wird in Folge einer gemeinsam gelebten Haltung durch alle involvierten Fachpersonen im stationären Rahmen nicht nur das Krankheitsverständnis der Patientinnen und Patienten verändert, sondern auch das Aufgabenfeld und das Behandlungsziel jeder Fachperson im interdisziplinären stationären Setting neu definiert. Wenn das ganze therapeutische Setting nicht darauf ausgelegt ist, Symptome »weg zu machen«, sondern gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten an ihren oder seinen werteorientierten Zielen zu arbeiten, wirkt sich dies in sehr bedeutsamer Weise auf die therapeutische Zusammenarbeit aus. So ist beispielsweise nicht eine Berufsgruppe für das (Weg)Behandeln eines spezifischen Symptoms zuständig, sondern das ganze interdisziplinäre Team und jede einzelne behandelnde Person sieht sich vielmehr mit der Fragestellung beauftragt, was sie im speziellen zur Zielerreichung beitragen kann bzw. wie sie die Patientinnen und Patienten dabei unterstützen kann, werteorientierter zu handeln, um sich ein erfüllteres Leben zu ermöglichen. In dieser Haltung begegnet man nicht nur den Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe, sondern auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Verantwortungs- und Aufgabenteilung wird flexibler und gemeinschaftlicher definiert. So ist beispielsweise nicht die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut für Schmerzen, die Psychiaterin oder der Psychiater für psychiatrische Begleitsymptomatik, die Pflegefachperson für die Tagesstrukturierung und die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut für belastende Erinnerungen zuständig, sondern alle sind gemeinsam beauftragt zu erarbeiten, wie die Patientin oder der Patient bei der Förderung werteorientierten Verhaltens unterstützt werden kann. Diese veränderte Sicht- und Herangehensweise und die damit alternative Haltung jeder unserer Fachpersonen und des ganzen Teams ist unser Ansicht nach die Besonderheit der ACT, worin sich auch stationäre Behandlungssettings maßgeblich neu gestalten. Um genauer zu illustrieren, dass die Besonderheit nicht im Inhalt oder der spezifischen Methodik, sondern in der Haltung liegt, illustrieren wir weiterführend drei Implementierungen stationärer ACT-Behandlungen in drei unterschiedlichen Schweizer Spitälern.

Beispiel 1: Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Im Jahre 2012 wurde in den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel eine offen geführte ACT-Abteilung geöffnet, welche sowohl im stationären als auch im tagesstationären Setting Menschen mit chronifizierten und therapieresistenten rezidivierenden Depressionen, Angst-, Zwangs- und somatoformen Störungen behandelt. Der Hauptbestandteil dieses Behandlungssettings sind tägliche transdiagnostische Gruppentherapien, welche aus vier wöchentlichen Blocks mit den Themen Akzeptanz- und Bereitschaft, stabiles Ich, kognitive Defusion sowie Werte und engagiertes Handeln aufgebaut sind. Ergänzt wird dieses gruppentherapeutische Angebot durch zwei psychotherapeutische ACT-Einzelsitzungen sowie ein wöchentliches pflegerisches Bezugspersonengespräch. Des Weiteren finden wöchentliche Psychoedukationsgruppen (z. B. Schlafhygiene, Frühwarnzeichen, Pharmakologie, Angehörigenarbeit), Meditations-, Achtsamkeits-, Aromatherapie-, Bewegungs- und tägliche milieutherapeutische Gruppen statt. Ein weiterer Baustein ist eine Basic-Body-Awareness-Gruppe, welche physiotherapeutisch geleitet wird, und das ACT-Konzept unserer Ansicht nach sehr gut ergänzt. Alle diese Angebote bestanden bereits zuvor als Behandlungsangebote in der Klinik. Durch eine intensive ACT-Schulung aller Berufsgruppen sowie hochfrequenten interdisziplinären Intervisionen, Supervisionen und Weiterbildungen wird das gemeinsame ACT-Krankheitsverständnis, der daraus resultierende Umgang mit Symptomen sowie die konsequente ACT-Haltung und Sprache gegenüber den Patientinnen und Patienten sichergestellt. Wenngleich auch pharmakologisch behandelt wird, gibt es keine ärztliche Visite. In wöchentlichen interdisziplinären Rapporten und Teamsitzungen tauscht sich das Team über nützliche Interventionen aus und bespricht jeweils den Bezug zu den werteorientierten Zielen der Patientin oder des Patienten. Die Fallkonzeptualisierungen werden jeweils mit Hilfe des ACT-Hexaflexes ausgearbeitet, in welchem das Leiden und die daraus resultierenden Behandlungsschwerpunkte und Interventionen ausgearbeitet werden. Im Laufe regelmäßiger Evaluationen des Behandlungskonzeptes hat sich jedoch der Umgang mit dem Hexaflex verändert. Zu Beginn war das Hexaflex auch in den direkten Kontakt mit den Patientinnen und Patienten integriert. Infolge der Erfahrung, dass dies zu Konfusionen oder zu ausschweifenden kognitiven Auseinandersetzungen bei vielen Patientinnen und Patienten führte, wurde das Hexaflex nach und nach aus der Behandlung zurückgezogen. Um vielmehr eine Haltung zu vermitteln – statt fälschlicherweise Strategien gegen Symptome erlebbar zu machen – bewegt sich die Arbeit hin zur Nutzung des sogennanten Triflex. Dieses integriert die ACT-Kernkompetenzen in drei Fertigkeiten (Präsent sein – Sich öffnen – Tun, was wichtig ist). Zusammenfassend wurde bei der Implementierung also auf Bestehendes zurückgegriffen und durch intensive interdisziplinäre Schulungen vor allem die Haltung, der Therapiefokus und die Sprache mit Patientinnen und Patienten an ACT angepasst.

Beispiel 2: Behandlungszentrum für Psychosomatik der Solothurner Spitäler in Olten

Im Behandlungszentrum für Psychosomatik der Solothurner Spitäler in Olten besteht seit 2011 ein offen geführtes, stationäres Angebot nach ACT zur Behandlung von psychosomatischen Krankheiten (z. B. chronische Schmerzstörungen), Traumafolgestörungen, Angststörungen und Depressionen mit im Vordergrund stehenden körperlichen Beschwerden sowie schwerer Adipositas. Der anfängliche, an der 2. Welle orientierte KVT-Ansatz wurde zunehmend in Richtung Achtsamkeit, Akzeptanz und Werteorientierung umorientiert und die ACT wurde durch die Klinikleitung als evidenzbasierte Behandlungsausrichtung festgelegt. Das interdisziplinäre Angebot besteht heute aus psychotherapeutischen Einzelsitzungen und störungsübergreifenden gruppentherapeutischen Sitzungen, Bewegungstherapie, medizinischer Kräftigungstherapie, Kunsttherapie, Sozialberatung sowie durch die Pflege geleitete, zweimal tägliche Achtsamkeitsgruppen, aromatherapeutische sowie milieutherapeutische Angebote und wöchentliche pflegerische Einzelgespräche. Weiterhin wird zur Ergänzung des ACT-Programms eine Einführung in MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction, Kabat-Zinn 2011) vermittelt. Das ganze Team bildet sich in der ACT durch Fortbildungen und Supervision weiter. Bereits beim Vorgespräch wird die therapeutische Herangehensweise nach ACT skizziert und die wichtigsten Behandlungselemente werden vorgestellt (Achtsamkeit, Orientierung am Wertesystem der Patientin bzw. des Patienten, neue Wege erforschen im Umgang mit den Beschwerden). Nach Eintritt findet in den ersten zwei Wochen die diagnostische Phase statt. Neben der störungsbezogenen Diagnostik nach ICD-10 wird eine ACT-spezifische Fallkonzeptualisierung anhand der ACT-Matrix (vgl. Polk et al. 2016) im Kernteam (Fallführende Psychologin bzw. Psychologe oder Assistenzärztin bzw. Assistenzarzt, Bezugspflegende oder -pflegender) mit der Patientin oder dem Patienten erarbeitet. Durch die Struktur der Matrix beginnt sich die Patientin oder der Patient damit zu beschäftigen, wie sie oder er bisher auf die eigenen Beschwerden reagiert hat, wie wirkungsvoll dies war und wie es sich auf die eigene Lebensführung ausgewirkt hat (vgl. Kreative Hoffnungslosigkeit, welche wir so jedoch nicht gegenüber der Patientin bzw. dem Patienten benennen). Es werden anhand dieser Analyse Ziele für den Aufenthalt entwickelt, die im Einklang mit den Wertigkeiten der Patientin oder des Patienten stehen. Wöchentliche, ärztlich geleitete Visiten, interdisziplinäre Rapporte und Intervisionen dienen der Prozesskontrolle und -steuerung sowie zur Besprechung medikamentöser Fragen. So wird beispielsweise in der Intervision die mit den Patientinnen und Patienten erstellte Matrix durch Beobachtungen und fallkonzeptuelle Gedanken vertieft, interdisziplinäre Ziele werden abgeleitet sowie die Arbeitsteilung im Team besprochen. In der vierwöchigen Behandlungsphase begleitet die Matrix die Patientinnen und Patienten, die durch die Teilnahme an einer ACT-Gruppe die sechs Kernprozesse (Defusion und Bereitwilligkeit, Kontakt zum gegenwärtigen Moment und stabiles Selbst, Werterichtungen und engagiertes Handeln) in praktischen Übungen erlernen. Das Gruppenmanual orientiert sich an dem Programm »Living with chronic pain« (Vowles und Sorrell 2007),wobei sich die adaptierte Version nicht nur auf körperlichen Schmerz, sondern auch generell auf psychische Leidenszustände bezieht. Die ACT-Prozesse sind keine Entitäten, sondern dienen der Vergrößerung der persönlichen Wahlfreiheit und Flexibilität. Um dies präsent zu halten, hat sich die Matrix als zentrales Arbeitsinstrument beim Team und den Patientinnen und Patienten gut etabliert. Das funktionale Denken kann so jederzeit in Form der »HIN oder WEG«-Frage aufgeworfen werden. In den letzten zwei Wochen liegt der Behandlungsfokus auf der Austrittsplanung. Im stationären bzw. teilstationären Rahmen umgesetzte neue Verhaltensmuster sollen im persönlichen Umfeld verankert werden, sodass es idealerweise zu einer längerfristigen und sich verstärkenden Kursänderung kommen kann.

Beispiel 3: Psychotherapiestation im Psychiatriezentrum Münsingen

Die Psychotherapiestation Münsingen (PTM) im Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) wurde 2015 mit dem Team einer allgemeinen Therapiestation entwickelt. Dieser Konzeptionsauftrag stand in dem Kontext, das gesamte Behandlungsangebot des PZM weiter zu spezifizieren und neben der psychiatrischen Akutbehandlung ein spezifisches psychotherapeutisches Behandlungsangebot für Depressionen, Angst-, Zwangs- und Traumafolgestörungen zu schaffen, sowohl für die psychiatrisch-psychotherapeutische Anschlussbehandlung von vorgängig akut behandlungsbedürftigen Patientinnen und Patienten, wie auch solche aus der ganzen Schweiz. Dazu wird mit jeder Patientin und jedem Patienten vor dem Eintritt ein aufwändiges Indikationsprozedere durchgeführt: Hier erfolgt zum einen eine (trans-)diagnostische Beurteilung. Zum anderen wird mit der Patientin bzw. dem Patienten ein Vorschlag für ihr bzw. sein individuelles Behandlungskonzept entworfen, wobei ihr oder ihm ACT als Therapiemethode vorgestellt wird und die Patientin oder der Patient auch die Möglichkeit erhält, die Station zu besichtigen und sich den Wochenplan erläutern zu lassen. Das Wochenprogramm umfasst neben diversen milieutherapeutischen Gruppen, die mehrheitlich von Pflegefachkräften durchgeführt werden, eine Achtsamkeitsgruppe, eine spezische ACT-Gruppe, eine Selbstsicherheitsgruppe, eine Psychoeduktionsgruppe sowie musiktherapeutische, bewegungstherapeutische, kunsttherapeutische und physiotherapeutische Gruppen. Daneben beinhaltet das Programm zwei psychotherapeutische Einzelgespräche, ein fachpflegerisches Bezugspersonengespräch, eine fachmedizinische Eintrittsuntersuchung und weitere medizinische und sozialarbeiterische Gespräche, je nach aktuellem Behandlungsbedarf. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten eine ACT-Schulung und eine regelmäßige externe ACT-Supervision wird angeboten. Eine Visite im klassischen Sinne wird nicht durchgeführt. Alle Patientinnen und Patienten werden aber regelmäßig oberärztlich vorgestellt und diskutiert. Die Station ist trial ärztlich, psychologisch und pflegerisch geleitet. Gegenwärtig beschäftigt sich das Team verstärkt damit, wie die Abläufe optimiert und Prozesse übersichtlich dokumentiert werden können, wie Kernteams (fallführende Therapeutin bzw. Therapeut und Bezugsperson) sich besser um die Patientin bzw. den Patienten herum koordinieren können und die Qualität der Gruppentherapien effizienter gestaltet werden kann. Die Fallkonzeptualisierung wird in erster Linie auf der Matrix aufgebaut, die für jede Patientin und jeden Patienten in den ersten drei Wochen erarbeitet werden soll. Als hilfreich ergänzend erlebt wird zudem die Arbeit mit Lebenslinien. Die Behandlungsplanung baut auf der Fallkonzeption auf, der GAS (Goal attainmentscaling, Kiresuk und Lund 1979) und der Pflegeplanung. Die Inhalte dieser Instrumente fließen in den so genannten »Interprofessionellen Rapport« ein. Dieses »Gefäß« ist über die ganze Behandlung mindestens fünfmal vorgesehen und stellt eine Plattform dar, in der für alle ersichtlich die Kernteams den Stand ihrer Arbeit mit der Patientin oder dem Patienten sowie die angestrebten nächsten Schritte beschreiben.

Gemeinsamkeiten der drei Praxisbeispiele

Ableitend aus diesen drei Darstellungen aus der Praxis lassen sich die Besonderheiten der ACT im stationären Setting gut veranschaulichen. Die Besonderheit von ACT im stationären und teilstationären Setting liegt eben nicht in den einzelnen Therapiebausteinen, den behandelten Diagnosen oder den Kontext-spezifischen Interventionen (z. B. ärztlichen Visiten). Auch kann der Implementierungskontext (Neuaufbau vs. Neuorientierung einer Abteilung) unterschiedlich sein. Die Besonderheiten der ACT liegen vielmehr im Verständnis, in der Haltung sowie der therapeutischen Sprache und dem therapeutischem Umgang mit psychischem Leiden. Dabei macht die ACT über die hierfür notwendige starke interdisziplinäre Zusammenarbeit, den Umgang auf Augenhöhe aller Beteiligten sowie die ständige Ausrichtung jeder Intervention an den spezifischen Werten der Betroffenen die stationäre Behandlung mittels ACT so besonders. Im Umkehrschluss sind es auch genau diese Aspekte, welche sich für eine erfolgreiche Implementierung von ACT in einem stationären Rahmen wichtig erweisen, und daher eine Besonderheit der ACT als Therapieansatz darstellen, wenn man diese in ein stationäres oder teilstationäres Setting zu übertragen beabsichtigt.

Diese Besonderheit in der Haltung gegenüber der Behandlung und den zu Behandelnden lässt sich unserer Erfahrung nach sowohl im interdisziplinären Team, wie auch direkt mit den Betroffenen sehr gut anhand einer Metapher veranschaulichen. Eine geeignete Beispielmetapher ist dem Kasten Praxistipp zu entnehmen.

Praxistipp: Metapher bzw. Demonstration »Die schwere Tasche« zur Veranschaulichung des Krankheitsverständnisses und des Therapierationals nach ACT4

Vorbereitung: Patientin bzw. Patient und Therapeutin bzw. Therapeut halten einen mit ein paar nicht zu schweren Gegenständen bepackten Rucksack. Dieser symbolisiert das Problem, das zum Aufsuchen einer Behandlung geführt hat. Fragt man in diesem Stadium, was die Patientin oder der Patient am liebsten damit machen würde, so wird meist geantwortet: wegwerfen, abgeben. Dann kann empathisch nachgefragt werden, wie gut das bisher funktioniert hat. Es wird nun zu einem Experiment eingeladen und mit der Frage: »Sind Sie dazu bereit?« das Einverständnis dazu geholt.

1. Instruktion: Die Tasche soweit wie möglich mit beiden Händen von sich weghalten. Wie fühlt das sich im Körper an? Die meisten Patientinnen und Patienten finden es anstrengend und ermüdend. Während des stationären Aufenthaltes wird versucht, etwas aus der Tasche auszupacken (symbolisiert durch Herausnehmen eines Gegenstandes) mit den vermutlich bekannten lösungsorientierten Methoden (z. B. mit Medikamenten, Fango etc.). Bei Aufnahme der Patientin oder des Patienten ist oft noch nicht bekannt, wie groß di eser Anteil sein wird. Wenn das Team nun aber zu viel Gewicht auf das Lösen und »Wegmachen« dieser Probleme legt, dann tut es unter Umständen das Gleiche, was die Patientin oder der Patient schon sehr lange versucht hat und was bislang offensichtlich nicht funktioniert hat. Denn auch wenn das Gewicht weiter von Derjenigen oder Demjenigen weg ist, das Wegdrücken ist dennoch kräftezehrend. Und darüber hinaus: Hat man die Hände frei für Tätigkeiten, die man gerne machen möchte? Wie wirkt sich das »weggehaltene Problem« auf zwischenmenschlichen Kontakt aus? Meistens halten die Patientinnen und Patienten die Tasche vor sich und können so ihr Gegenüber weniger gut sehen oder mit der Umwelt interagieren.

2. Instruktion: Wie kann ich es mir leichter machen, ohne etwas wegnehmen zu müssen? Gibt es andere Arten, die Tasche zu tragen? Meistens nehmen die Patientinnen und Patienten intuitiv die Tasche näher an den Körper, d. h. sie lassen mehr Berührung zu und die Tasche (das Problem) verschwindet aus dem Blickfeld. Sie nehmen das Problem zu sich, »nehmen es an«, was dabei hilft, den Begriff der Akzeptanz als aktives Verhalten, das Verständnis menschlichen Leidens sowie das Therapierational nach ACT erfahrbar zu machen.

5.4 Worauf ist zu achten? – Fußangeln und Fallstricke

Eine Erfahrung, die sicherlich viele Kolleginnen und Kollegen mit Erfahrungen mit der Arbeit nach ACT teilen werden, ist, dass die alternative Sichtweise und Haltung der ACT auch zu Konfusionen, Verwunderung oder Widerstand führen kann. Des Weiteren kann man sich auch und insbesondere im stationären Rahmen fragen, wie diese Haltung mit verschiedenen institutionellen, krankheitsbedingten und/oder persönlichen Kontexten vereinbar ist. Solche Situationen können sich bei erster Betrachtung wie ein Fallstrick oder eine Fußangel anfühlen. Einen möglichen Umgang mit solchen schwierigen und herausfordernden Aspekten der Implementierung von ACT in einem stationären Setting wollen wir daher im Folgenden näher erläutern.

Sollten Medikamente als »Wegmacher« nicht tabu sein auf einer ACT-Station?

Wie oben ausgeführt, ist eine medikamentöse Behandlung entlang der entsprechenden Leitlinien im klinischen Setting durchaus in den funktional-kontextualistischen Bezugsrahmen integrierbar und muss nicht in eine unreflektierte Kontroll- und Kampfstrategie münden. Denn damit bestünde die Gefahr, »mehr vom Gleichen« zu bieten, was die Fokussierung auf die Symptomeleminierung zusätzlich vergrößern würde. Um diese Hürde achtsam zu umschiffen, kann Flexibilität in der Wahl der Länge des Verhaltensausschnittes hilfreich sein: dient die Medikation kurzfristig einer Erleichterung (WEG-Bewegung), jedoch längerfristig der Ermöglichung einer HIN-Bewegung? Beispielsweise nimmt die Patientin oder der Patient eine analgetische Bedarfsmedikation, um mit einer Freundin einkaufen zu gehen. Aber manipuliert sie dann nicht zunächst die Intensität der Missempfindung, was auf eine mangelnde Bereitschaft und Offenheit gegenüber unangenehmen inneren Ereignissen verweist? Bereitschaft ist zwar definiert als eine »ganz-oder-gar-nicht-Entscheidung«, hingegen kann die geplante Aktivität sehr wohl an das jeweilige Befindlichkeitslevel angepasst werden, wie es die Metapher der Sprunghöhe verdeutlicht (Hayes et al. 2014, S. 334). Die Höhe des Sprungs ist wählbar, während der Sprung selbst dem Gesetz von »ganz oder gar nicht« folgt. Teils kann ein Ausweg aus diesem Dilemma auch die Verkleinerung des betrachteten Verhaltensausschnittes sein: Zunächst reagiert die Patientin oder der Patient in unserem Beispiel vermeidend, da sie oder er nicht bereit ist, mit diesen Schmerzen einkaufen zu gehen. Nach Einnahme des Medikaments und geringerer Belastung, entschließt sie oder er sich für eine Einkaufstour und ist nun bereit, den Schmerz mitzunehmen. Wir haben hier also viele kleine Momente der Wahl zwischen Kontrolle und Bereitschaft. Angesichts starkem Unbehagen mit Vermeidung zu reagieren, kann adaptiv sein. Das klinische Ziel ist es, diese Entscheidungsmomente herauszuarbeiten. Die Patientin oder der Patient lernt so eine bewusste Entscheidung zu treffen, anstatt im »Autopilotmodus« zu reagieren. Gerade bei starken Empfindungen, wie körperlichen Schmerzen oder schwerer depressiver Antriebslosigkeit ist es wichtig, sich zu fragen, wozu man heute bereit ist und was helfen kann, mit diesen unangenehmen Empfindungen zu sein und zu handeln. Die letzte Frage impliziert die Hinwendung zum erlebenden Selbst, welche durch Mitgefühl und achtsames Erkennen gekennzeichnet ist. So kann auch die Medikamenteneinnahme als Akt der Selbstfürsorge in einem werteorientierten Kontext geschehen. Beispielsweise können diese Erleichterungs- und Zentrierungsstrategien dann in den Notfallkoffer gegepackt werden.

Sind ärztliche Visiten hilfreich oder verstärken sie möglicherweise das medizinische »Weg-machen«-Verständnis der Patientinnen und Patienten?

Manche Kliniken führen ärztliche Visiten durch. Auch hier stellt sich die Frage, nach dem »Wozu«? Zur Sicherung der Behandlungsqualität, zur Evaluation der Fortschritte und frühzeitigem Erkennen von Problemen kann dieses Vorgehen sinnvoll genutzt werden. Jedoch besteht auch die Gefahr, dass es bei den Patientinnen und Patienten Erwartungen an eine passive Problemkontrolle (»Reparatur«) analog den somatischen Visiten schürt: »Wieso sind die Symptome immer noch so stark vorhanden, da muss es doch eine medikamentöse Strategie geben, die sie verschwinden lässt«. Für die beteiligten Fachleute besteht das Risiko, diesem Druck nicht standzuhalten und ihrerseits in eine passive Symptomkontrolle und Lösungssuche mit einzusteigen. Eine gute Schulung des ärztlichen Teams ist daher unerlässlich, um den Fokus auf der Funktionalität und auf Verhaltensaspekten zu halten. Damit dennoch mühsam errungene Fortschritte zu einem annehmenden und eigenaktiven Umgang nicht gefährdet werden, arbeiten manche ACT-Stationen beispielsweise analog mit (ober-)ärztlich geleiteten Gruppen und verzichten gänzlich auf ärztliche Visiten klassischer Art. Zur individuellen Beantwortung der Frage, ob bei der Implementierung von ACT in einem Team ärztliche Visiten eingeplant werden sollen, hilft es, sich achtsam und offen der Frage zu widmen, wem und wozu dies im Speziellen dient.

Was ist zu tun, um gemeinsam auf die Vermeidungen des Behandlungsteams zu achten?

Nicht nur bei den Visiten besteht die Gefahr, in eine unreflektierte Helfer-Rolle zu verfallen. Wenn eine Patientin oder ein Patient weinend und aufgewühlt in einer Therapiestunde reagiert, wie groß ist die Verlockung, möglichst schnell wieder »gute Gefühle« zu evozieren? Halten wir als Fachleute aus, dass sich die Patientinnen und Patienten phasenweise nicht gut fühlen? Die Erfahrung, dass die Hinwendung zu den (negativen) Gefühlen neue Erfahrungen schafft und neue Räume öffnet, kann diese automatische Tendenz der gemeinsamen Vermeidung eindämmen und die Bereitwilligkeit der Therapeutin bzw. des Therapeuten erhöhen. In Intervisionen und Supervisionen sollte daher immer wieder ein Augenmerk darauf gerichtet werden. Zudem kann bereits in der Implementierungsphase ein gemeinsamer Kontext festgelegt werden, in welchem sich alle Beteiligten achtsam dieser Frage zuwenden, z. B. in Teamsitzungen oder in der Supervision.

Wie geht man mit Regeln in einem nach der ACT gestaltetem Setting um?

In einer nach ACT arbeitenden Abteilung sind Augenhöhe, Eigenverantwortlichkeit und Wahlfreiheit zentrale Aspekte des Therapierationals. Denn gemäß dem ACT-Ansatz ist neben der Vermeidung für uns verbale Wesen das Befolgen rigider mentaler Regeln der zweite pathogene Mechanismus, der die Erfahrungsoffenheit einschränkt und zu Verhaltenserstarrung führen kann. Aber daraus darf nicht abgeleitet werden, dass Regeln per se schlecht und einschränkend sind. Genauso wie beim individuellen Umgang mit Regeln stellt eine nach ACT arbeitende Abteilung immer wieder die Frage, wozu die Regel gut ist. Dient sie der Patientensicherheit? Macht Sie das Leben des Personals leichter? Ist sie therapeutisch sinnvoll? Möchte man daran festhalten und folgt dabei den eigenen Werten? Trägt sie örtlichen Gegebenheiten Rechnung? Grundsätzlich gilt, dass starre Regeln Erfahrungsräume einschränken, und auf psychotherapeutischen Stationen möchte man genau diese Erfahrungsräume zulassen und systematisch nutzen, damit die Patientin oder der Patient Antezedenzen und Konsequenzen des eigenen Verhaltens erkennen und erleben kann. Regeln erleichtern gleichzeitig das Zusammensein und sichern den Umgang besonders für Patientinnen und Patienten in krisenhaften Lebensmomenten. Beispielsweise ist die Regel, dass man sich bei Ausgängen abmeldet, so sie denn individuell abgesprochen ist, für die therapeutischen Zusammenarbeit hilfreich und wichtig, und widerspricht dem ACT-Rational insofern nicht.

Das Finden einer gemeinsamen Sprache des Teams als Chance, aber auch Herausforderung – was ist wichtig?

Eine gemeinsame Sprache des Teams ist für die Orientierung der Patientinnen und Patienten zweifellos von eminenter Bedeutung. Dazu erweist es sich als hilfreich, im Team die wichtigsten Begriffe gemeinsam zu diskutieren und sich auf Bedeutungen und Wortwahlen zu einigen – gerade auch dort, wo in der Literatur etwas unterschiedliche Gewichte gelegt werden. Dieser Sprachgebrauch kann jedoch nicht in Stein gemeißelt werden. Jedes Team entwickelt fortlaufend eine eigene dynamische Prägung von Begriffen, je nach therapeutischen Anforderungen, strukturellen Sachzwängen und konzeptionellen Entwicklungen im Feld. Entscheidend dabei ist, dass sich für Team und Patientinnen und Patienten das Wesentliche – und damit ist die Haltung von ACT gemeint – als hilfreich und nützlich erweist. Damit diese Haltung als selbstorganisierter Prozess weiter entwickelbar bleibt und genutzt werden kann. Dabei dürfte es sich als hilfreich erweisen, an diesen »Geist« zu appellieren und ihn quasi einzufordern, damit eine lebendige und adaptionsfähige Teamkultur – im Gegensatz zu einer sektirerischen– erfahrbar und tragfähig werden kann. Als unterstützend hierfür hat sich gezeigt, wenn die Patientengruppen über laufende Auseinandersetzungen des Teams mit dem Konzept offen informiert werden. Diesen gesamten Prozess unterstützen Teamsupervision, Retreats o. ä. und die von der Leitung und dem Team als hoch prioritär gewichtete Bedeutung des Teams und einer gelebten ACT-Haltung.

Wie geht man ACT-isch mit Notsituationen und Kurzkontakten um, ohne die Vermeidung des Patienten oder der Patientin zu unterstützen?

»Nur ganz kurz, Frau Doktor: Ich muss mich gleich entscheiden. Sagen Sie mir doch, was ich antworten soll!« Die Delegation von Verantwortung ist in Gruppen von Patientinnen und Patienten weitverbreitet, wenn eine Entscheidung weh tut und die Fachperson doch vermeintlich allwissend ist. Für die betroffenen Fachpersonen ist es dann ebenso verlockend, ohne große Diskussion und mit »hoher Kompetenz« ein Problem rasch vom Tisch zu schaffen. Dies entspricht aber nicht der Grundannahme von ACT, dass wertegeleitetes Handeln selbstbestimmt sein soll. Die Investition von wenigen Minuten lohnt sich dann, d. h. kurz nachzufragen, wie die Patientin oder der Patient merken kann, dass sie oder er sich mit welcher Entscheidung zu welchem persönlichen Wert hinbewegen kann. Ähnlich kann auch zum Umgang mit Krisen argumentiert werden. Jede Krise beinhaltet das Potential, Fremdbestimmung aufzuzwingen. Diesem Impetus sollten ACT-orientierte Therapeutinnen und Therapeuten nicht blind folgen, sondern auch hier vorerst zurückmelden, dass diese Krisenhaftigkeit einen gewissen Druck überträgt, und dann z. B.zurückfragen, welche Handlungsoption für die Patientin oder den Patienten eine HIN-Option und welche eine WEG-Bewegung darstellt.

Wie kann das Team mit nachvollziehbaren Wünschen oder Vorwürfen der Patientinnen und Patienten umgehen?

Wir als Behandelnde möchten schlussendlich auch, dass es der Patientin oder dem Patienten besser geht. Umso schmerzlicher und kränkender kann einen eine Aussage wie »Aber ich komme doch in Behandlung, damit es mir besser geht…« treffen, was unreflektiert zu einem Gegenvorwurf (z. B. »Machen Sie nun doch endlich täglich ihre Achtsamkeitsübungen!«) führen kann. Damit ließe sich die Behandlerin oder der Behandler in der Regel aber selber auf eine WEG-Bewegung ein. Abhilfe schafft das achtsame Erkennen, dass auch wir immer wieder in derartige Fallen tappen können. Es ist schwierig, jeden Tag mit Leid konfrontiert zu sein. Wie gerne möchten Professionelle hilfreich sein und sehen, dass es der Patientin oder dem Patienten besser geht. Zudem werden die Behandlungsfortschritte mit Befindlichkeitsfragebögen geratet, d. h. schlussendlich kann der Druck bestehen, dass der Behandlungserfolg in der Statistik ersichtlich wird. Statt Selbstkritik empfiehlt sich für ACT-orientierte Behandlungsteams die eigene ACT-Praxis, d. h. etwa ein kurzer Bodyscan, um sich dem Moment gewahr zu werden, oder die Praxis von Selbstmitgefühl. Entlastend kann es zudem sein, der Patientin oder dem Patienten empathisch zu vermitteln, dass wir gerne seinen oder ihren Schmerz (oder Angst, Traurigkeit etc.) wegnehmen würden, dass dies aber leider aus der Erfahrung heraus nicht (vollständig bzw. langfristig) funktioniert und wir daher mit ihr oder ihm neue Wege des Umgangs erforschen wollen.

Was tun, wenn Behandelnde zu früh zu viel wollen?

Besonders am Anfang der Behandlung sieht die Patientin oder der Patient das Problem als erratischen Block und hat meist kaum Zugang dazu, dass die eigenen Konzepte über das Problem und die automatisierten Reaktionstendenzen etwas sind, was das Problem vergrößert. Gleichzeitig ist es nur menschlich, wenn Behandelnde auf raschen Fortschritt in der Behandlung hoffen, z. B. Akzeptanz der Patientinnen und Patienten für ihre Probleme »erwarten«, selbst wenn diese noch zu stark mit hinderlichen Gedanken fusioniert sind. Als eine Art »Fallstrick des Absolutismus« kann es daher therapeutisch hinderlich sein, in diesem fusionierten Zustand Akzeptanzbewegungen vorzuschlagen bzw. von der Patientin bzw. dem Patienten zu verlangen. Dies kann, selbst wenn konkrete Zielvorstellungen bei der Patientin bzw. bei dem Patienten vorhanden sind, diese unerreichbar erscheinen lassen. Patientinnen und Patienten könnten sich dann nicht ernst genommen, nicht verstanden oder gedrängt fühlen, was zu therapieschädigendem Verhalten, Therapieabbrüchen oder sogar zu suizidalen Handlungen führen könnte. Aus der Erfahrung ist es in einem frühen Stadium der Behandlung von Vorteil, wie beim Entwirren eines Wollknotens an mehreren Seiten anzusetzen und bereits alle drei Hauptprozesse (Präsent sein – Sich öffnen –Tun, was wichtig ist) einfließen zu lassen: Neben der »Kreativen Hoffnungslosigkeit« bereits Übungen zum Wahrnehmen im Hier und Jetzt anzubieten und dabei die momentane Erfahrung zunächst auf neutrale oder angenehme Körperempfindungen zu lenken. Hier können die im sogenannten Fokussing oft verwendeten Freiraumübungen (Päckchenpacken, guter Ort im Körper, Partialisieren; vgl. Kersig 2014) hilfreich sein. Es geht nicht von Anfang an um ein Wegschaffen der Probleme oder ein direktes Löschen der (teilweise langjährigen) Kontroll- oder Vermeidungsstrategien, sondern erstmal um ein Distanz- und Raumschaffen. Auch die Prozesse Werte und engagiertes Handeln können früh (und mit Fokus auf dem Hier und Jetzt) angewendet werden und den herausfordernden Prozess der Öffnung entlasten; eine von den Patientinnen und Patienten hierzu sehr geschätzte Übung ist beispielsweise die Bohnenübung (siehe Kasten). Von Beginn an alle Prozesse in den Therapieprozess einzubauen hilft somit, sich individueller den Möglichkeiten der Betroffenen anzupassen.

Suizidalität

Nach Chiles und Strosahl (2004) wird Suizidalität aus der ACT-Perspektive als Lösungsversuch für unerträgliches, unvermeidbares und unaufhörlich erlebtes Leid gesehen. Nur Menschen sind Kraft ihres Denkens in der Lage, Vorstellungen durch Bezugsrahmungen (Tod = kein Leiden) zu bilden. Die Herangehensweise ist hier, das momentane Leiden anzuerkennen, die Fluchtsuche des Kopfes mit Verständnis einzuordnen (z. B. »Das schlägt der Kopf vor«), aber empathisch auf die Konsequenzen mit Bezug zu den Werten der Patientin oder des Patienten hinzuweisen (z. B: »Dann verlieren Sie auch den Kontakt zu Ihren Kindern«) und vorzuschlagen, in der Therapie andere Umgangsmöglichkeiten mit dem Schmerzvollen zu erarbeiten. Äußern Patientinnen oder Patienten im stationären Rahmen drängende Suizidgedanken oder Suizidwünsche oder sind gar erste Planungsschritte eruierbar, so rückt für die Therapeutin oder den Therapeuten die ACT-Haltung mit sich selbst und der Umgang mit dem eigenen Erleben in den Fokus. Um sich selbst in solch akuten Situationen weiterhin offen, präsent und achtsam der Frage hingeben zu können, was nun das beste Vorgehen für die Patientin oder den Patienten und andere Betroffene darstellt – im Gegensatz zu eigenen Vermeidungsmotiven wie der Angst vor einer falschen Entscheidung oder der Fusionierung mit früheren Erinnerungen usw. – ist es für Fachpersonen wichtig, das ACT-Rational gleichermaßen auf sich selber anzuwenden.

Bohnenübung (Quelle unbekannt)

Die Geschichte handelt von einem Grafen, der ein Lebenskünstler par excellence war. Er trug stets Bohnen in der rechten Hosentasche. Passierten auch noch so kleine Dinge, die ihm wichtig und wertvoll waren, sein Herz berührten – sei es ein gutes Gespräch, die ersten Frühlingssonnenstrahlen oder eine gute Tasse Kaffee – so wanderte eine Bohne in die linke Hosentasche. Abends zählte er die Bohnen in der linken Tasche und durchlebte noch einmal den berührenden Moment. Und war auch nur eine Bohne gewandert, so hatte es sich gelohnt, den Tag zu erleben.

Über diese Übung lässt sich mit den Patientinnen und Patienten in ein Gespräch darüber kommen, was sie berührt und ihnen am Herzen liegt, sodass wir das Thema »Werte« einführen können. Gerne berichten die Patientinnen und Patienten dann immer wieder von ihren »Bohnenmomenten«.

5.5 Was ist das Wichtigste für den klinischen Alltag – Fazit und Ausblick

• Für den Einsatz der ACT im stationären psychotherapeutischen Setting spricht vor allem der flexible und störungsübergreifende Behandlungsansatz.

• Es gibt kein manualisiertes Vorgehen der ACT im stationären Setting und viele Implikationswege sind möglich, weshalb es als therapeutische Grundausrichtung in jeden Behandlungskontext integriert werden kann.

• Die therapeutische Grundhaltung (z. B. Krankheitsverständnis, therapeutische Sprache und Umgang mit psychischem Leiden) wird als Hauptmerkmal und Besonderheit der ACT hervorgehoben.

• Um diese Haltung möglichst in alle Bausteine der integrierten psychiatrischen Behandlung einzubinden, wird eine gemeinsame Schulung des gesamten interdisziplinären Behandlungspersonals empfohlen.

Literatur

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Vowles KE, Sorrell JT (2007) Life with Chronic Pain: An Acceptance-based Approach Therapist Guide and Patient Workbook. Unpublished Manuscript.

4 nach Marianne Lücking, anlässlich eines Workshops zu Chronischen Schmerzen in Winterthur, 2012.

6 ACT und ärztliches Handeln
Herbert Assaloni

»Achtsamkeit und Mitgefühl können in der Beziehung trainiert und kultiviert werden, sie fördern das Wohlbefinden und stärken die Resilienz von Ärztinnen und Ärzten, und tragen damit zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität bei.« (Ronald Epstein)

6.1 Wozu das ärztliche Handeln mit ACT verbinden? – Einführung

Die ärztliche Sozialisation in der Medizin kann es Ärztinnen und Ärzten schwer machen, den ganzen Menschen im jeweiligen Moment bewusst wahrzunehmen. Medizinerinnen und Mediziner sind darauf trainiert, Wissensinhalte abzurufen und allgemeingültige, von Personen und Situationen unabhängige Regeln anzuwenden, während sie auf der Suche nach Erklärungen, Diagnosen und störungsspezifischen Interventionsmöglichkeiten sind.

Patientinnen und Patienten kommen mit ihren Lebens- und Lerngeschichten und mit ihren jeweiligen sozialen Situationen in die ärztliche Behandlung, sie leiden an akuten, chronischen, unheilbaren oder lebensbedrohlichen Krankheiten und konfrontieren die Ärztin oder den Arzt nicht nur mit ihren Erwartungen und Sehnsüchten, mit ihrer Verzweiflung und ihrer Angst, sondern auch mit existentiellen, ethischen und spirituellen Themen wie Angst vor dem Sterben, Verlust, Behinderung, Umgang mit Fehlern und Sinnfragen. »Empathie-Distress« ausgelöst durch überwältigende Emotionen und das Leiden der Patientinnen und Patienten, innerer Druck durch Ansprüche an sich selbst und an die Rolle als Ärztin oder Arzt sowie äußere, strukturelle Einflüsse können ein flexibles werteorientiertes ärztliches Handeln erschweren, Burn-out und Arbeitsunzufriedenheit begünstigen.

Ärztliches Handeln erfordert eine flexible Aufmerksamkeit nach außen und innen, das Wahrnehmen subtiler eigener Regungen in der Begegnung mit den Patientinnen und Patienten, die mit dazu beitragen, auch intuitiv zu erfassen, woran die Person leidet und was sie braucht. Die Formulierung gedanklicher Annahmen und die Bereitschaft, Konzepte und Hypothesen auch wieder loszulassen, wenn sie sich als nicht hilfreich erweisen, die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einnehmen zu können und ein mitfühlender Umgang mit Leiden, sind ebenfalls wichtige ärztliche Fertigkeiten, die mit Hilfe von ACT trainiert werden können.

Reflexion

In der ACT fragen wir Patientinnen und Patienten häufig von Anfang an nach Werten, nach übergeordneten Handlungsmustern und nach Qualitäten, die für Jemanden persönlich wichtig sind. Vielleicht halten Sie beim Lesen hier selber einen Moment inne und fragen sich: »Welche Werte leiten mich in meinem Handeln als Ärztin oder als Arzt?« und »Welchen inneren Hindernissen und äußeren Schwierigkeiten begegne ich dabei?«

6.2 Was wissen wir zur Evidenz eines an ACT orientierten ärztlichen Handelns? – Empirische Daten und Stand der klinischen Forschung

Nach unserem Wissen liegen bislang keine Studien vor, in denen die Anwendung von ACT speziell durch Ärztinnen und Ärzte untersucht wird. Die Evidenzbasierung von ACT im Allgemeinen und Speziellen wird im vorliegenden Buch an jeweiliger Stelle ausführlich besprochen. Es existieren Adaptationen von ACT, die auch besonders für das ärztliche Handeln interessant sind: Kirk Strosahl und Patricia Robinson stellen in ihren Arbeiten zur »Fokussierten ACT (FACT)« eine Methodik vor, nach der ACT effizient in der Primärversorgung angewendet werden kann. Hier geht es vor allem um Kurzinterventionen zur Verhaltensmodifikation (Robinson et al. 2010). Viele Interventionen und die in FACT vertretene Grundhaltung sind durchaus auch auf das Kliniksetting wirkungsvoll übertragbar. Darüber hinaus gibt es in der Literatur einige Einzelfalldarstellungen, in denen ein an ACT orientiertes ärztliches Handeln beschrieben wird (Burian 2015, Assaloni 2013).

6.3 Wie sieht ein ACT-orientiertes ärztliches Handeln im klinischen Alltag aus? – Klinische Beispiele und Übungen
6.3.1 Subjektivierendes ärztliches Handeln

Ärztliches Handeln im Sinne einer Kunst meint nicht nur »behandeln« von Symptomen und Organen mit Medikamenten, chirurgischen Eingriffen und anderen medizinischen Maßnahmen, sondern auch »begleiten« der ganzen Person, die an Beschwerden oder einer Krankheit leidet. Gerade chronisches Leiden, das oftmals nicht »gelöst«, sondern nur durchlebt werden kann, erfordert Unterstützung beim Einüben von Akzeptanz, Befähigung zu Verhaltensänderung in kleinen Schritten, Ermutigung beim Aufbau einer gesunden Lebensführung, Vermittlung von Hoffnung und Begleitung bei der Sinnfindung und Werteklärung.

Reflexion

Denken Sie an eine bestimmte Patientin oder einen bestimmten Patienten, die oder der Sie gerade beschäftigt und fragen Sie sich: Mit wem habe ich es zu tun? Was sagt dieser Mensch und wie sagt sie oder er es? Wie sind Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Stimmlage? Welcher Mensch möchte sie oder er sein? Worunter leidet sie oder er? Was kann sie oder er gut? Was kann ich an ihr oder ihm wertschätzen? Wie erlebe ich mich im Kontakt mit ihr bzw. ihm? Welche Erwartungen richtet sie oder er auf mich? Wie will ich mit diesen Erwartungen umgehen?

Es braucht in vielen Fällen eine ärztliche Haltung, die den umfassenderen Kontext der Patientin oder des Patienten berücksichtigt, die Funktion der Symptome und des Verhaltens untersucht und dem Impuls widersteht, aus einem rein mechanistischen Verständnis heraus, lediglich am Problem orientiert, »symptomatisch« und »problemorientiert« zu (be-)handeln. Auch das »Nichts-Tun« und das Schweigen können ärztliches Handeln sein, bei denen eine mitfühlende, achtsame, akzeptierende Präsenz heilsame Kommunikation fördert und effektive Therapie unterstützt.

Erfahrungsgeleitetes-subjektivierendes ärztliches Handeln (Merl 2011) geschieht in der Begegnung mit einem leidenden, Hilfe suchenden Menschen. Dabei ist die aufmerksame Wahrnehmung der Patientin bzw. des Patienten auf sinnlich-körperlicher und nonverbaler Ebene genauso wichtig, wie die Selbstwahrnehmung der Ärztin oder des Arztes und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit flexibel pendelnd sowohl nach außen zur Patientin bzw. zum Patienten als auch nach innen, zum eigenen Erleben zu richten. Eine entsprechende Übung zum »Pendeln« von Aufmerksamkeit findet sich im folgenden Kasten.

Pendel-Übung

Laden Sie sich selbst ein, einen Moment innezuhalten, entspannen Sie alles, was Sie entspannen können, und richten Sie die Aufmerksamkeit auf die sinnliche Wahrnehmung in diesem Moment: Was sehen Sie, was hören Sie? Ist da ein Geruch, eine Tastempfindung, ein Geschmack? Beobachten Sie jetzt, wie die Luft durch die Nase einströmt, ihre Lungen füllt und dann wieder ausströmt. Erlauben Sie sich, sich zu öffnen für gegenwärtige Empfindungen in Ihrem Körper und achten Sie auf Ihren Geist: Ist Ihr Geist ruhig oder aktiv? Welche Gedanken können Sie wahrnehmen? Pendeln Sie dann mit frischer Aufmerksamkeit, mit »Anfängergeist« zum Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken zurück.

6.3.2 Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung – Patientinnen und Patienten mit einer ACT-Haltung begegnen

In Anlehnung an die Bindungstheorie (Bowlby 1988) ist es die Aufgabe einer therapeutischen Beziehung, eine sichere, haltende, fürsorgliche Umgebung bereitzustellen, die Vertrauen ermöglicht und Entwicklung fördert. Eine Umgebung, in der es möglich ist, sich schwierigen Erlebnisinhalten und Erfahrungen zuzuwenden, sie zu untersuchen und eine hilfreiche innere Beziehung dazu aufzubauen. Dies gilt auch für die »Arzt-Patient-Beziehung«, die Merkmale einer Bindungsbeziehung aufweist. Die Patientin oder der Patient vertraut sich der Kompetenz und Fürsorge der Ärztin oder des Arztes an, und wenn die Beziehung gelingt, ist der zwischenmenschliche Kontext Katalysator für Heilung und Veränderung und ebenso wichtig wie spezifische Behandlungsmaßnahmen durch Medikamente oder medizinische Eingriffe.

Menschen mit chronischen psychischen und psychosomatischen Erkrankungen haben oft lange Leidensgeschichten mit vielen erfolglosen Behandlungen hinter sich. Ihnen von Anfang an mit einer ACT-Haltung zu begegnen, könnte helfen, besser auf Funktion und Kontext der medizinischen Maßnahmen zu achten und Verstrickungen mit fusionierten Erwartungen, Erklärungsversuchen und Vermeidungsmanövern vorzubeugen. Die Frage nach den Werten, nach dem Menschen, der sie sein wollen, angesichts von Beschwerden und Leiden, kann den Fokus des ärztlichen Gesprächs und die Richtung der Behandlung verändern (Assaloni 2015). Konkret könnte eine Formulierung, welche diese Haltung vermittelt, so aussehen: »Ich sehe, dass Sie leiden und auch mir fällt es schwer, Sie leiden zu sehen. Am liebsten möchte ich etwas tun, was Ihr Leiden sofort wieder gut macht. Ich weiß aber, dass dies nicht so schnell geht, wie ich es gern tun würde. Dennoch möchte ich Ihnen helfen, weniger zu leiden, mit allem was mir zur Verfügung steht. Ich möchte gerne verstehen, was Sie bisher alles unternommen haben, um die Beschwerden loszuwerden. Können Sie mir bitte helfen nachzuvollziehen, wie die bisherigen medizinischen Maßnahmen funktioniert haben? Ich möchte auch verstehen, wie Ihr Leben aussehen würde, wenn das Symptom nicht mehr bestünde, was würden Sie dann gerne tun? Auf wen in Ihrem Leben hätte das Auswirkungen? Und wenn Sie noch etwas länger mit diesen Beschwerden leben müssten, welcher Mensch möchten Sie im Umgang damit sein? Welche Qualitäten sind Ihnen dabei wichtig?«

Fallbeispiel 1

Ein junger Mann kommt auf Empfehlung seines Arbeitgebers und seiner Familie, die ihn dazu drängen, sich medikamentös behandeln zu lassen. Dem sozialen Umfeld war aufgefallen, dass er sich mehr und mehr zurückgezogen hatte und häufig gekränkt auf Unstimmigkeiten in zwischenmenschlichen Situationen reagiert hatte. Er selbst leidet seit mehreren Monaten an Stimmungsschwankungen mit Verlust von Lebensfreude und Interessen, Angstgefühlen, erhöhter Reizbarkeit und innerer Unruhe mit Gedankenkreisen, insbesondere Gedanken, in denen es um die eigene Fehlerhaftigkeit und Wertlosigkeit geht. Der umgängliche und sozial gut eingebettete Patient, seine Angehörigen und Kolleginnen und Kollegen haben große Heilserwartungen an ein Medikament, das seine unangenehmen Gedanken und Gefühle beseitigen könnte. Die Diagnostik ergibt eine mittelgradige bis schwere depressive Episode begünstigt durch Konflikte in der Partnerschaft und Schwierigkeiten des Patienten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und einzubringen. So fällt es ihm zum Beispiel schwer, sich bei an ihn herangetragenen Erwartungen selbstfürsorglich abzugrenzen, und er erschöpft sich darin, es allen recht machen zu wollen, während sich Ressentiments aufbauen und körperliche Beschwerden in Form von Magenschmerzen und Kopfschmerzen zunehmen.

Der Patient äußert den Wunsch nach einer medikamentösen Behandlung. Der Arzt weiß jedoch, dass eine alleinige Medikation die Beschwerden zwar lindern kann, aber keinen längerfristig hilfreichen Lernprozess in Gang setzt. Dieser ist aber nicht nur bei der erfolgreichen Bewältigung der Depression hilfreich, sondern stellt auch einen Rückfallschutz dar, wenn die Medikation irgendwann auch wieder abgesetzt werden soll. So erfolgt nach eingehender Aufklärung über Vor- und Nachteile der Verwendung von Psychopharmaka eine Besprechung von kurzfristigen und langfristigen Zielen aus einer ACT-Perspektive. Es wird vereinbart, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und den Schwerpunkt auf die Beobachtung von Veränderungen im eigenen Erleben und Verhalten zu legen. Der Patient soll täglich aufschreiben, welche Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen er bemerkt, dazu die jeweilige Situation und wie er sich bei Auftreten von Symptomen gegenüber diesen verhält, d. h. wie er innerlich und äußerlich darauf reagiert. Mit dieser Intervention wird angeregt, Fertigkeiten zu trainieren, die psychologische Flexibilität fördern können: Selbst-als-Kontext, Defusion und Akzeptanz durch Beobachten, Benennen und verschiedene Perspektiven dazu einnehmen. In der wöchentlichen Besprechung können die Erfahrungen anhand des Protokolls evaluiert und auftretende Schwierigkeiten besprochen werden. Das Beobachten von Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen wird in den Sitzungen jeweils auch kurz eingeübt in Form von kurzen Achtsamkeitsübungen, z. B. die bewusste Wahrnehmung von Sinnesreizen in Alltagssituation (Kochen, Duschen, Spazierengehen etc.), und durch Fragen, die auf das Erleben im gegenwärtigen Moment abzielen, z. B. (Was merken Sie jetzt gerade? Was spüren Sie in Ihrem Körper? Was erleben Sie jetzt in diesem Moment, während Sie mir das erzählen?). Wichtig ist aus einer ACT-Perspektive vor allem auch die Frage nach der Zweckmäßigkeit der medikamentösen Behandlung und wie diese erkannt bzw. gemessen werden kann. Neben Reduktion der unerwünschten Symptome als mögliche nicht auszuschließende Nebenerscheinung werden der Umgang mit den Symptomen und damit mit sich selbst als weiterer Fokus der Behandlung thematisiert und die Frage nach Werten und wertekongruenten Verhaltensweisen gestellt. Diese Parameter und kleine Schritte in diese Richtung werden mit in das Verhaltensprotokoll aufgenommen. Der Patient wird auch angehalten, die Einnahme des Medikaments bewusst mit einer gesundheitsförderlichen Aktivität zu verbinden. In diesem Fallbeispiel hatte der Patient die Idee, jeweils vor Einnahme des Medikaments eine bestimmte Körperübung zu machen, die ihn stärkt und vitalisiert. Von der Ärztin oder dem Arzt verstärkt werden im Verlauf solche Verhaltensweisen, die im Sinne der ACT psychologisch flexibel sind: das Beobachten des inneren Erlebens aus einer Selbst-als-Kontext Perspektive (»Ich habe diesen Gedanken, ich bin mehr als dieser Gedanke, ich kann den Gedanken beobachten«), das Wahrnehmen und Benennen von Körperempfindungen (sich dem Erleben zuwenden, statt es automatisch abzulehnen und Widerstand zu entwickeln), das Protokollieren von innerem Erleben, Situationen und eigenen Verhaltensreaktionen (Erweiterung der Kontextsensitivität) und deren Konsequenz im Kontext eigener Werte (Förderung von funktionaler Kohärenz). Schwankungen der Symptome und Symptomreduktion im Verlauf werden zur Kenntnis genommen, jedoch nicht explizit verstärkt. Auf diese Weise kann das Medikament auf niedriger Dosis behalten und allfällige Nebenwirkungen können klein gehalten werden. Mit zunehmender Selbstwirksamkeit und Flexibilität entsteht beim Patienten von selbst der Wunsch, das Medikament wieder langsam auszuschleichen, obwohl weiterhin gelegentlich Symptome vorhanden sind.

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Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
29 lipca 2025
Objętość:
725 str. 60 ilustracji
ISBN:
9783170356436
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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