Czytaj książkę: «Begriffe der Psychologie»

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Der Autor

Prof. Dr. Rainer Maderthaner

lehrt an der Universität Wien und an der Fachhochschule Wiener Neustadt

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Angaben in diesem Fachbuch erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr, eine Haftung des Autors oder des Verlages ist ausgeschlossen.

1. Auflage

Copyright © 2021 Facultas Verlags- und Buchhandels AG

facultas, Universitätsverlag, Stolberggasse 26, 1050 Wien, Österreich

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.

Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Umschlagfoto: © Dr. After123 – iStock

Lektorat: Katharina Schindl, Wien

Satz: Ekke Wolf, typic.at, Wien

Druck: Friedrich Pustet, Regensburg

Printed in Germany

utb-Nummer 5715

ISBN 978-3-8252-5715-6 (Printausgabe)

ISBN 978-3-8385-5715-1 (Online-Leserecht)

ISBN 978-3-8463-5715-6 (E-PUB)

Online-Angebote oder elektronische Ausgaben sind erhältlich unter www.utb-shop.de.

Vorwort

Dieses Buch stellt eine Ergänzung zum UTB basics »Psychologie« dar. Die dortigen Kernbegriffe sind jeweils mit ihren Definitionen aufbereitet und ermöglichen dadurch ein rasches Nachschlagen und Lernen der zentralen Begriffe der Psychologie.

Die Begriffe sind in alphabetischer Reihenfolge angeführt und anhand der Begriffsdefinitionen im Buch erläutert. Sämtliche Verweise auf das Buch beziehen sich bereits auf die aktuelle, 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage von Maderthaners »Psychologie« (2021).

In diesem Nachschlagewerk werden die Kernbegriffe der Psychologie von A wie »abhängige Variablen« bis Z wie »Zwei-Komponenten-Theorie« anschaulich erklärt und definiert. Die Themen reichen von Methoden der Psychologie über Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Intelligenz, Emotion, Motivation bis hin zu Sexualität, Gesundheit und Krankheit. Die Ausgangsbasis für dieses Buch stellt das UTB »Psychologie« dar – Pflichtliteratur zum Aufnahmeverfahren Psychologie der Universitäten Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz.

Die »Begriffe der Psychologie« sollen ein rasches Auffinden zentraler Begriffsdefinitionen ermöglichen und sind somit eine wichtige Lernhilfe zum Buch, können aber auch unabhängig davon als Nachschlagewerk verwendet werden.

Wien, Februar 2021 Rainer Maderthaner

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Begriffe der Psychologie

A

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

Y

Z

Literaturverzeichnis

A

Begriffe im Überblick

abhängige Variablen • Abhängigkeit • Abruf von Wissen • Abrufmodus-Effekt • Abrufstörung • Abweichungsquotient • additive Farbmischung • Adipositas • Adrenalin • Affekt • Aggression • Agoraphobie • Ähnlichkeitsurteil • akademische Psychologie • Akkomodation • Akquisition • Akteur-Beobachter-Verzerrung • Aktivationstheorie • Aktivierung • Aktivierungsmanagement • Aktivierungssystem • aktuelles Wohlbefinden • akustische Wahrnehmung • Alkohol • Alternativhypothesen • altgriechische Seelenlehre • Amnesie • Amygdala • Analogietendenz • analytisch • ängstlich-ambivalenter Bindungsstil • Angststörungen • Ankerheuristik • Annäherung • Anpassungsheuristik • Anreize • Anstrengung • Anthropomorphisierung • Antidepressiva • Antipsychotika • Aposteriori-Wahrscheinlichkeit • Apriori-Wahrscheinlichkeit • Arbeitsgedächtnis • Arbeitsmotivation • Aristoteles • Arousal-Effekt • Artefakte • Artefakte bei Befragungen • Attraktivität • Attributionen • Audiogramm • Audiometrie • Auffälligkeit • Aufmerksamkeit • Aufnahme von Wissen • Augenbewegungen • Ausführung • Ausgangszustand • Ausprägungen • Autogenes Training • Automatisierungsphase • Autorität • Autoritätsgläubigkeit

abhängige Variablen (AV) siehe S. 62

Faktoren, welche die Auswirkungen des Einflusses symbolisieren, werden als abhängige Variablen (AV) bezeichnet, während Faktoren, denen innerhalb von Phänomenen ein Einfluss zugeschrieben wird, in den empirischen Sozialwissenschaften unabhängige Variablen (UV) heißen. Hypothetische Wirkungen werden in empirischen Untersuchungen mittels AVs charakterisiert, hypothetische Ursachen mittels → unabhängiger Variablen (UV).

Abhängigkeit siehe S. 119

Meint hier die psychische oder physiologische Abhängigkeit (»craving«) als Folge des Drogenkonsums. Die Abhängigkeit von Drogen oder anderen psychoaktiven Substanzen erklärt man sich durch ihre starke »Belohnungswirkung« auf das Gehirn sowie durch eine »Bestrafungswirkung« in Form von Entzugserscheinungen, wenn sie nicht mehr konsumiert werden.

Abruf von Wissen siehe S. 237

Die Wiedergewinnung des gespeicherten Wissens wird von mehreren Aspekten beeinflusst: dem → Abrufmodus-Effekt, dem → Retrieval-Cue-Effekt und dem → Schematisierungseffekt.

Abrufmodus-Effekt siehe S. 237

Effekt, der den → Abruf von Wissen beeinflusst. Hierbei handelt es sich um die Art, wie die gespeicherten Inhalte abgefragt bzw. angewendet werden; sie entscheidet über die zu erwartenden Gedächtnisleistungen. Dabei wird zwischen impliziter und expliziter Gedächtnisleistung unterschieden. Eine implizite Testung von Wissen bedeutet dessen Nutzung in der Wahrnehmung (z. B. durch Musterergänzen), im Denken (z. B. durch assoziatives Priming) oder im Verhalten (z. B. beim Signallernen, Fertigkeiten), womit also im weitesten Sinne seine Verhaltensumsetzung gemeint ist (z. B. Schachspielen, Gutachten erstellen, Sprechen einer Fremdsprache). Die explizite Testung von Wissen kann einerseits durch Wiedererkennen (»recognition«) erfolgen oder durch Wiedergabe (»recall«, Mandler, 1980). Es fällt leichter zu entscheiden, ob der Speicherinhalt einer Erfahrung auf eine neue Erfahrung zutrifft, als die Speicherung selbst zu reproduzieren (Bruce & Cofer, 1967): Bei bloßem Wiedererkennen von Speicherobjekten sind also im Allgemeinen höhere Leistungen zu erwarten als bei aktiver Wiedergabe, bei Letzterer kann ohne (»free recall«) oder mit (»cued recall«) leistungsverbessernden Erinnerungshilfen gearbeitet werden.

Abrufstörung siehe S. 215

Ursache für Vergessensprozesse: Auch wenn Wissensinhalte optimal aufgenommen und gut gefestigt sind, können sie oft nicht wiedergegeben werden. Dies ist dann der Fall, wenn zwischen Abrufinhalten (z. B. der Art der Fragen) und gespeicherten Wissensinhalten keine passenden assoziativen Verknüpfungen vorhanden sind. Ein gutes Beispiel dafür ist das »Tip-of-the-tongue« Phänomen, bei dem einem ein Wort »auf der Zunge liegt«. Am leichtesten gelingt der Abruf aus dem Gedächtnis dann, wenn der Kontexteffekt stark ist, das heißt, wenn zwischen der Situation des Einprägens und jener der Prüfung eine möglichst große Übereinstimmung der psychischen und physischen Merkmale gegeben ist.

Abweichungsquotient siehe S. 281

Ein altersrelativierter Abweichungsquotient wurde bereits von Lewis Terman (1877–1956) in seinem 1916 publizierten »Stanford-Binet-Test« eingeführt. Dieser bis heute gültige Quotient bezieht die Abweichung der individuellen Testleistung vom Mittelwert auf die Streuung aller Testleistungen der altersentsprechenden Bevölkerung:


Der Quotient wurde eingeführt, nachdem festgestellt worden war, dass ab dem frühen Erwachsenenalter bestimmte Intelligenzleistungen wieder abnehmen (z. B. analytisches Denken, »reasoning«, fluide Intelligenz) und daher der → Intelligenzquotient durch ein anderes Maß ersetzt werden musste.

additive Farbmischung siehe S. 153

Wird rotes, grünes und blaues Licht mit jeweils unterschiedlicher Intensität übereinander geblendet, lassen sich daraus alle Farbnuancen erzeugen, was man als additive Farbmischung bezeichnet.

Adipositas siehe S. 315

Von Adipositas (Fettleibigkeit) spricht man bei einem BMI (»Body-Mass-Index«) von mehr als 30.

Adrenalin siehe S. 299, 415

Stresshormon; wird vom Körper ausgeschüttet, wenn ein Lebewesen mit Stressreizen konfrontiert wird.

Affekt siehe S. 296

Eine kurzfristige, eher undifferenzierte Emotion wird als Affekt (»affect«) bezeichnet, eine langfristige, aber schwach ausgeprägte Emotion dagegen als → Stimmung (»mood«).

Aggression siehe S. 317, 385

Als Aggression bezeichnet man jene Motivation, die sich gegen Individuen oder Objekte richtet, um sie zu schädigen, während → Dominanz das Bedürfnis kennzeichnet, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen.

Agoraphobie siehe S. 407

Agoraphobien sind multiple Situationsängste wie Klaustrophobie, Höhen-, Reise- und Flugängste, Angst vor Menschenansammlungen. Agoraphobien gehen oft Panikanfälle voraus, die auch zu einer → Panikstörung chronifizieren können.

Ähnlichkeitsurteil siehe S. 269

Das Zustandekommen eines Ähnlichkeitsurteils ist nur scheinbar auf eine einfache Übereinstimmung in den Merkmalsausprägungen der Vergleichsobjekte zurückzuführen. Tversky (1977) konnte nachweisen, dass bei unterschiedlicher Gruppierung von Objekten diese als unterschiedlich ähnlich erlebt werden. Ebenso konnte er zeigen, dass man beim Ähnlichkeitsurteil stärker die Gemeinsamkeiten von Objekten beachtet, während beim → Unähnlichkeitsurteil die Unterschiede stärker gewichtet werden. Allgemein nimmt das Ähnlichkeitsurteil für zwei Objekte in dem Ausmaß zu, in dem ihnen gleiche Merkmale zugeschrieben werden und es ihnen an verschiedenartigen Merkmalen mangelt, wobei allerdings die Auffälligkeit und subjektive Gewichtung der Merkmale eine Rolle spielt (z. B. Intensität, Bekanntheit, Prototypikalität, Informationsgehalt).

akademische Psychologie siehe S. 22

Die Entwicklung der akademischen Psychologie begann vor etwa 150 Jahren und erfuhr in den letzten Jahrzehnten eine rasante Ausweitung in Forschung und Praxis.

Akkomodation siehe S. 139

Akkomodation ist die Scharfstellung des Netzhautbildes durch Kontraktion der Augenlinse, die bis zu einer Distanz von ca. drei Metern als Entfernungsindikator wirksam wird.

Akquisition siehe S. 227

Meint hier die Aufnahme von Wissen, eine Phase der Gedächtnisbildung. Entscheidend für die Gedächtnisleistung sind die Form, in welcher Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden (z. B. als Melodien, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken usw.), und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (z. B. Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw.). Jeder Enkodierung von Speicherinformation geht bereits eine Filterung voraus, die durch Gestaltbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches. Für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis können zumindest folgende relevante Effekte unterschieden werden: → Arousal-Effekt, → Distinctiveness-Effekt, → Positionseffekt, → Gliederungseffekt, → Elaborationseffekt und → Imagery-Effekt.

Akteur-Beobachter-Verzerrung siehe S. 337

Die Akteur-Beobachter-Verzerrung besteht darin, dass Personen, die aktiv in einen sozialen Prozess (z. B. eine Diskussion) eingebunden sind, ihr eigenes Verhalten eher durch Situationseinflüsse erklären, während Beobachter des gleichen Prozesses diesen eher durch Dispositionseinflüsse (Persönlichkeit, Einstellung, Motivation) verursacht sehen (Storms, 1973). Aus der Perspektive der Mitarbeiter (Akteure) werden somit eher Situationsinformationen (z. B. Arbeitsbedingungen) zur Interpretation von Misserfolgen herangezogen, aus der Perspektive des Vorgesetzten (Beobachters) hingegen eher Dispositionsinformationen (z. B. Unfähigkeit). Die Akteur-Beobachter-Verzerrung bewirkt auch Diskrepanzen in der Einschätzung der Handlungsfreiheit, indem etwa die Beobachter stärker als die Akteure vermuten, dass Letztere sich in Zukunft ebenso verhalten werden wie bisher (Nisbett et al., 1973), oder indem Vorgesetzte ihren eigenen Freiheitsspielraum wesentlich eingeschränkter sehen als ihre Untergebenen (Gurwitz & Panciera, 1975). Aus Kulturvergleichen kann der Schluss gezogen werden, dass zumindest zwischen Ost und West (»Kollektivismus« – »Individualismus«) ebenfalls unterschiedliche Tendenzen in der Ursachenzuschreibung existieren.

Aktivationstheorie siehe S. 300

Eine Emotionstheorie, die der Formatio reticularis im Hirnstamm eine emotionssteuernde Rolle zuschrieb.

Aktivierung siehe S. 170

Hier ist der Grad der Aktivierung des zentralen Nervensystems gemeint (engl. »arousal«). Wenn organismusinterne oder -externe Reize auftreten, die vermutlich oder tatsächlich Lebensrelevanz besitzen (z. B. Umweltveränderungen, Anblick von Nahrung, Schmerzen, Bedrohungen), erhöht sich das Niveau der allgemeinen Aktivierung im Zentralnervensystem und damit einhergehend die Intensität der neuronalen Informationsverarbeitung. Einen experimentellen Hinweis auf die lernfördernde Wirkung eines erhöhten neuronalen Aktivierungsniveaus liefert das »Brain-Trigger-Design« (Guttmann & Bauer, 1984), mittels dessen die Vorgabe von Lernmaterialien in Phasen erhöhter neuronaler Aktivierung um 25 % bessere Merkleistungen nachweisbar waren. Bei den meisten höher entwickelten Lebewesen befindet sich im Stammhirn ein entsprechendes → Aktivierungssystem, welches sowohl auf Veränderungen in der Umwelt (Wahrnehmungssituation) als auch auf Änderungen im Organismus

(Bedürfnislage) anspricht und eine Steigerung der Aktivierungslage im Zentralnervensystem auslöst (»Orientierungsreaktion«).

Aktivierungsmanagement siehe S. 109

Einem sinnvollen »Aktivierungsmanagement« für den Alltag kommt große Bedeutung zu, da die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen entscheidend von der Bewusstseinslage abhängt.

»Aktivierungsmanagement« | Maßnahmen gegen Müdigkeit:

Stark wirksam:

1. Koffeinhaltige Genussmittel (Kaffee, Tee, Softdrinks, Schokolade, Wirkung von 15 Minuten bis 5 Stunden)

2. Kurzschlafphasen (»Schläfchen«, die 10–15 Minuten, maximal aber 45 Minuten dauern sollten)

3. Kernschlaf (mindestens 4 Stunden Schlaf stabilisiert den Biorhythmus und fördert die geistige und körperliche Regeneration)

Begrenzt wirksam:

1. Nikotin (schnelle Aktivierungswirkung, je nach Dosis eventuell bis 30 Minuten; reduziert Schlafqualität)

2. Temperaturreduktion und Ventilation (nur bei Sauerstoffmangel effektiv)

3. Bewegungsübungen (maximal 30 Minuten wirksam)

4. Hintergrundmusik, Konversation u.Ä. (reduziert kurzfristig vorhandene Monotonie)

(Ergebnisse einer Untersuchung des U.S. Department of Transportation an Beschäftigen im Transportwesen; McCallum et al., 2003)

Aktivierungssystem siehe S. 171

Bei den meisten höher entwickelten Lebewesen befindet sich im Stammhirn ein entsprechendes Aktivierungssystem (engl. »activating system«), welches sowohl auf Veränderungen in der Umwelt (Wahrnehmungssituation) als auch auf Änderungen im Organismus (Bedürfnislage) anspricht und eine Steigerung der Aktivierungslage im Zentralnervensystem auslöst (»Orientierungsreaktion«). Eine elektrische Stimulation dieses Aktivierungszentrums bewirkt eine Verschärfung der Wahrnehmung, Steigerung der Aufmerksamkeit, Beschleunigung der Informationsverarbeitung und eine Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit, während eine Schädigung (z. B. als Folge von Encephalitis lethargica) oder Zerstörung (z. B. durch Verletzung) befristete bzw. dauerhafte Schlafzustände auslöst (Guttmann, 1972).

aktuelles Wohlbefinden siehe S. 375, 391

Gesundheit hat viel mit Wohlbefinden zu tun. Die subjektive Befindlichkeit des Menschen spiegelt jedoch nicht nur seinen physischen und psychischen Zustand, sondern auch seine soziale und ökologische Lebensumwelt wider. Während sich in Äußerungen zum aktuellen Wohlbefinden eher die momentan vorherrschenden Emotionen der Person niederschlagen, ist das → habituelle Wohlbefinden als Bewertung des Befindens über einen längeren Zeitraum hinweg, zumeist von kognitiven Einschätzungen der eigenen Lebenslage bestimmt (Abele & Becker, 1991).

akustische Wahrnehmung siehe S. 154

Wie die visuelle Wahrnehmung zählt auch die akustische Wahrnehmung zu den »Fernsinnen«, das heißt, sie vermittelt Informationen über körperferne Umweltbereiche. Sie dient somit einer frühzeitigen Orientierung und bahnt sehr effektiv (oft reflexartig) die Aufmerksamkeit durch »Richtungshören«.

Alkohol siehe S. 410

Die legale Droge Alkohol ist nicht zu unterschätzen, und zwar auch in ihren Folgewirkungen, wie Verkehrsunfällen, Arbeitsunfällen, Ehekonflikten oder Gewaltakten. Von Schädigungen dieser Art sollen etwa 10 bis 20 % der deutschen Bevölkerung betroffen sein. Bis eine bereits alkoholabhängige Person einer effektiven Therapie zugeführt wird, vergehen durchschnittlich sechs bis zehn Jahre. Die Sterberate ist bei Alkoholkranken verglichen mit der Normalbevölkerung um das Zweibis Fünffache erhöht (ebenso die Selbstmordrate).

Alternativhypothesen siehe S. 80

Da die praktische Bedeutsamkeit eines signifikanten Ergebnisses auch von dessen → Effektstärke abhängt, müssen abgesehen von der → Nullhypothese auch Alternativhypothesen statistisch getestet werden. Der Vorteil einer solchen Vorgangsweise besteht vor allem darin, dass man nicht nur vage auf »Überoder Unterzufälligkeit« von statistischen Ergebnissen schließt, sondern sogar die Wahrscheinlichkeit bestimmen kann, mit der die Daten für die Alternativhypothese sprechen.

altgriechische Seelenlehre siehe S. 17

• Zu einem Körper gehört nur eine Seele (die Seele kann den Körper kurzzeitig verlassen: Schlaf, Ekstase).

• Eine Seele kann nacheinander verschiedenen Körpern angehören – Seelenwanderung.

• Die Seele existiert nach dem Tode (des Körpers) weiter – Unsterblichkeit.

• Seelen können auch ohne Körper leben (z. B. auf der »Insel der Seligen«). Rohde, E. (1898/1980; zit. aus Schönpflug, 2000, 52)

Amnesie siehe S. 213

Gedächtnisverlust, der durch Verletzung, Krankheit, Drogenmissbrauch oder andere Gehirnbeeinträchtigungen hervorgerufen werden kann.

Amygdala siehe S. 301 f.

Diese paarigen Kerne des Zwischenhirns verarbeiten Informationen sowohl aus dem Körperinneren, aus der Umwelt als auch aus den Speichersystemen des Gehirns und sind daher für eine bewertende Istwert-Sollwert-Analyse von Erlebnissituationen besonders prädestiniert. Als Resultat dieser Analyse bewirken sie durch ihren Output an den Kortex (bewusst erlebte) positive oder negative Gefühlsregungen sowie bedürfnisgerechte Handlungsimpulse, außerdem sorgen ihre Verbindungen mit dem Hypothalamus und dem Hirnstamm für schnelle motorische, vegetative und hormonale Affektreaktionen.

Analogietendenz siehe S. 257 f.

Wenn sich für einen Aufgabentyp eine Lösung bereits bewährt hat, dann tendieren wir dazu, in ähnlichen Situationen wieder die gleiche Strategie zu verwenden. Dies oft sogar dann, wenn sich kein Erfolg damit einstellt oder wenn es einfachere erfolgreiche Vorgangsweisen gibt. Diese funktionale Gebundenheit an einen bestimmten Lösungsvorgang ergibt sich durch die Gebundenheit an eine spezielle Sichtweise der Problemsituation, bei der sich bestimmte Lösungsmethoden entweder sichtbar anbieten oder als bewährte Lösungsmethoden automatisiert sind. So beeindruckend manche Denkfehler auch sein mögen, die aus dieser Analogietendenz resultieren, so erspart doch immerhin die Bevorzugung bereits bewährter Problemlösestrategien unnötigen Aufwand und entspricht somit dem psychischen Ökonomieprinzip.

analytisch siehe S. 47

Hier ist die analytische Methode gemeint, bei der zur Aufklärung psychischer Phänomene diese in Einzelheiten zerlegt werden dürfen (z. B. Wahrnehmungen, Vorstellungen, Einstellungen, Emotionen, Motive). Es ist kaum zu bestreiten, dass mit dieser Methode in der Physik, Chemie, Biologie, aber auch in der Biologischen Psychologie, Wahrnehmungspsychologie, Lernpsychologie und Denkpsychologie bahnbrechende Leistungen erzielt wurden (s. etwa Anderson, 1996). Eine zergliedernde Forschungsmethodik scheint sich in der Psychologie immer dann zu bewähren, wenn Systeme untersucht werden, die in weitgehend autonome Untersysteme unterteilbar sind, welche miteinander entweder parallel oder seriell interagieren.

ängstlich-ambivalenter Bindungsstil siehe S. 421

Frühkindlicher Bindungsstil. In einer Labor-Testsituation nach Ende des ersten Lebensjahres – die Mutter verlässt für maximal drei Minuten den Raum, sobald eine fremde Person eintritt – wird das Verhalten des Kindes beobachtet und drei »Grundmustern« zugeordnet (Ainsworth et al., 1978). Ein Kind mit ängstlich-ambivalentem Bindungsstil (»insecure-anxious/ambivalent«) ist während der Trennung sehr verängstigt und wechselt nach Rückkehr der Mutter zwischen aggressiver Ablehnung und der Suche nach Nähe. Das Kind ist nach der Trennung ganz mit der Beziehung beschäftigt und unfrei für andere Aktivitäten (→ sicherer Bindungsstil, → vermeidender Bindungsstil).

Angststörungen siehe S. 407

Eine Angst ist dann unangemessen, wenn sie nicht situationsadäquat ist, überlange anhält, durch die betroffene Person nicht beeinflussbar ist und zu einer schweren Lebensbeeinträchtigung führt. Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Störungen, wobei etwa 50 % auf → Agoraphobien entfallen (multiple Situationsängste wie Klaustrophobie, Höhen-, Reise- und Flugängste, Angst vor Menschenansammlungen) und etwa 25 % auf → Sozialphobien (soziale Ängste, wie Angst vor bewertender Beobachtung, Konfliktoder Kontaktangst).

Ankerheuristik siehe S. 272

Heuristiken sind notwendige Instrumente unserer Denkökonomie, weil im Alltag kaum genug Information und Zeit für streng logische Urteile zur Verfügung steht. Eine viel verwendete und automatisierte Urteilsheuristik ist die Ankeroder Anpassungsheuristik (»anchoring«, »adjustment«). Wie aus der Bezeichnung hervorgeht, führt sie zu einer Anpassung von Urteilen an vorhandene Orientierungsrichtlinien. Dies mag zwar die Einschätzungsprozesse oft beschleunigen, stellt aber umgekehrt wieder eine Quelle für »kognitive Täuschungen« dar (z. B. Hell, Fiedler & Gigerenzer, 1993). Eine ankerbedingte Verfälschung von Urteilen kann mittels einer einfachen Multiplikationsrechnung demonstriert werden, sobald die Probanden nur fünf Sekunden Rechenzeit haben und ihnen nur eine grobe Schätzung des Ergebnisses möglich ist. Im diesbezüglichen Experiment von Tversky und Kahneman (1974) kamen die Versuchspersonen bei der Vorgabe von

8 × 7 × 6 × 5 × 4 × 3 × 2 × 1

auf ein mittleres Produkt von 2250 (»Median«), bei der Vorgabe der gleichen Zahlen, jedoch in ansteigender Reihenfolge

1 × 2 × 3 × 4 × 5 × 6 × 7 × 8

im Mittel nur mehr auf 512. In der ersten Bedingung bilden die Produkte der ersten Zahlen einen wesentlich größeren Anker (z. B. 8 × 7 = 56, 56 × 6 = 336 usw.) als in der zweiten Bedingung (z. B. 1 × 2 = 2, 2 × 3 = 6 usw.). Die erhebliche Unterschätzung des richtigen Ergebnisses, nämlich 40320, zeigt außerdem, dass arithmetische Reihen ähnlich wie exponentielle Funktionen in ihrer Entwicklung schlecht vorhergesagt werden können.

Annäherung siehe S. 302

Bei Panksepp (1998) steht die allgemeine emotionsbewirkte Verhaltensadaptation im Vordergrund (»Erwartungssystem«), die grundsätzlich entweder in einer Annäherung (»approach«) oder in einer Vermeidung (»avoidance«) von Umweltreizen besteht.

Anpassungsheuristik siehe S. 272

Siehe → Ankerheuristik.

Anreize siehe S. 312

Jene Signale, die auf Ziele oder Bedingungen hinweisen, die in der Umwelt angestrebt oder vermieden werden, nennt man auch positive oder negative Anreize. Wie stark sich ein Anreiz motivierend auswirkt und sich im Verhalten niederschlägt, hängt davon ab, welche Bedeutung dem angestrebten Zielzustand zugeschrieben und für wie wahrscheinlich sein Auftreten eingeschätzt wird.

Anstrengung siehe S. 323

Der Erfolg oder Misserfolg von Leistungen kann entweder personeninternen (Fähigkeit, Anstrengung) oder personenexternen Ursachen (Aufgabenschwierigkeit, Zufall) zugeschrieben werden (→ internale oder → externale Attribution).

Anthropomorphisierung siehe S. 17

Die Anthropomorphisierung bezeichnet eine Weltsicht, bei der hinter Naturereignissen Götter, Dämonen oder Geister mit menschlichen Eigenschaften vermutet werden. Sie dürfte Ängste reduziert und eine subjektive Handlungssicherheit geschaffen haben. Die Möglichkeit, sich in Götter, Geister oder auch Dämonen einzufühlen und mit ihnen auf diese Weise irgendwie zu kommunizieren, bot offenbar subjektive Chancen, ihre Unterstützung zu erflehen oder sie zu besänftigen.

Antidepressiva siehe S. 118

Antidepressiva sind Depressionsheilmittel (z. B. Lithiumcarbonat, Reboxitin, Imipramin, Fluoxetin).

Antipsychotika siehe S. 119

Antipsychotika sind Psychoseheilmittel (Neuroleptika, z. B. Chlorpromazin, Haloperidol, Phenothiazine, Clozapin).

Aposteriori-Wahrscheinlichkeit siehe S. 274

Die Wahrscheinlichkeit für eine Hypothese nach deren Revision aufgrund neuer Erfahrungen nennt man Aposteriori-Wahrscheinlichkeit p(H/D).

Apriori-Wahrscheinlichkeit siehe S. 274

Die Apriori-Wahrscheinlichkeit (Grundrate, p(H)) ist die Auftrittswahrscheinlichkeit der postulierten Gesetzmäßigkeit allgemein (z. B., dass eine Person überhaupt ein Lügner ist).

Arbeitsgedächtnis siehe S. 220 f.

In neuerer Zeit wird anstelle des Begriffs Kurzzeitgedächtnis eher das weitere Konzept Arbeitsgedächtnis (Computermetapher: Arbeitsspeicher) bevorzugt, in dem Informationen aus den Bereichen Wahrnehmung, Erinnerung, Emotion und Motivation zusammenfließen und entsprechend den aktuellen Handlungsanforderungen integrativ verarbeitet werden. Baddeley (1986) formulierte drei Komponenten des Arbeitsgedächtnisses, nämlich eine sogenannte zentrale Exekutive, die für die Kontrolle der Aufmerksamkeit (d. h. der selektiven Aktivierung bestimmter Bewusstseinsinhalte) verantwortlich ist, eine phonologische Schleife und einen visuell-räumlichen Notizblock, die Funktionen des akustischen bzw. visuellen Memorierens erfüllen (d. h. der absichtlichen Aufrechterhaltung von Bewusstseinsinhalten im Arbeitsgedächtnis).

Arbeitsmotivation siehe S. 322, 325 ff.

Die Arbeitsmotivation ist eine spezielle Form der → Leistungsmotivation und wird von Latham und Pinder (2005) als Ergebnis der Interaktion zwischen arbeitendem Individuum und seiner Arbeitsumwelt gesehen, und zwar abhängig von vielen verschiedenen Bedingungen. Um gute Prognosen für die Arbeitsmotivation von Personen erstellen zu können, müssen gleichzeitig persönliche (z. B. Bedürfnisse, Autonomie), soziale (z. B. Feedback) und physische Faktoren (z. B. Aufgabenart, Arbeitsplatz) einbezogen werden.

Aristoteles siehe S. 16

Einer der bedeutendsten Philosophen des Altertums, von dem wichtige Denkanregungen für die Analyse geistiger und emotionaler Prozesse ausgingen. Seine Schrift »De Anima« handelt von der Seele. Für die meisten frühen Kulturen und Naturreligionen bedeutete → Seele die Lebenskraft schlechthin, welche zum Zeitpunkt des Todes den menschlichen Körper verlässt. Seit Aristoteles wird dieses Lebensprinzip in den Lebewesen auch als »Entelechie« bezeichnet.

Arousal-Effekt siehe S. 227

Relevanter Effekt für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. Lern- und Einprägungsprozesse werden sowohl durch ein mittleres (tonisches) Aktivierungsniveau als auch durch Aktivierungsschwankungen bei der Informationsaufnahme gefördert (phasische Aktivierung). Insbesondere steigt die Wahrscheinlichkeit für die Speicherung von Bewusstseinsinhalten, wenn sie eine psychische Stimulation oder Aktivierung auslösen (Interesse, Aufmerksamkeit, Emotion, Motivation; Storbeck & Clore, 2008; McGaugh, 2018) und danach positive Konsequenzen (Aha-Erlebnis, Entspannung, Verstärkung, Lernpause) im Sinne einer zentralnervösen Desaktivierung nachfolgen (Kleinsmith & Kaplan, 1964). Dass manchmal bei aktivierenden Merkinhalten unmittelbar nach dem Lernen schlechtere Merkleistungen zustande kommen, wird mit dem Andauern eines intensiven Konsolidierungsprozesses erklärt, der offenbar einen sofortigen Zugriff auf die Speicherinhalte erschwert (»perseverative consolidation«).

Artefakte siehe S. 32, 84, 96

In Psychologie und Nachrichtentechnik steht dieser Ausdruck für verfälschte Ergebnisse.

Artefakte bei Befragungen siehe S. 32

•Unklarheiten in der Formulierung von Fragen (z. B. Mehrdeutigkeit, zu komplizierte Sätze)

•Fehlinterpretationen von Anweisungen (»Instruktionen«)

•Sequenzeffekte (Ermüdung, »Trainingseffekte«)

•Hawthorne-Effekt (sich beobachtet oder analysiert zu fühlen, erhöht zumeist die Leistungsbereitschaft)

•Mangelnde Bereitschaft zur Selbstenthüllung (bei privaten Inhalten)

•Motive zur Selbstdarstellung, Effekt der sozialen Erwünschtheit (bei Interviewpartnern einer Befragung einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen, sich nicht zu blamieren etc.)

•Befürchtung negativer Konsequenzen (Zweifel an anonymer Verarbeitung der Daten)

•Sponsorship-Bias (Vermutungen über die Absichten der Auftraggeber von Befragungen)

•Kontext-Effekte (z. B. Einfluss von Stimmungen)

•Urteilsheuristiken (pragmatische, zeitsparende und oft unlogische Art der Schlussfolgerungen)

•Anwesenheitseffekte (Beeinflussung des Antwortverhaltens durch anwesende Personen)

In Anlehnung an Bortz & Döring (1995).

Attraktivität siehe S. 149

Interessanterweise werden solche Gesichter als besonders schön empfunden, die aus vielen Fotografien mittels Computer als sogenannte → Durchschnittsgesichter erzeugt wurden (Rhodes, 2006), wobei die Ausmaße der einzelnen Gesichtsmerkmale (Augen, Nase, Mund, Stirn) und deren Abstände gemittelt sind. Eine besonders umfangreiche deutsche Untersuchung zur Attraktivität von Gesichtern (Braun et al., 2001; s. auch Carbon, 2010) hat darüber hinaus noch weitere Einflussfaktoren aufgezeigt, die für beide Geschlechter gelten: 1. Bräune und Reinheitsgrad der Haut, 2. ein eher schmales Gesicht, 3. geringer Fettansatz, 4. volle Lippen, 5. dunkle Augenbrauen und dunkle Wimpern (unabhängig von der Haarfarbe), 6. eher hohe Wangenknochen, 7. nur bei Frauengesichtern: eine Annäherung an das Kindchenschema (größere gewölbte Stirn, größere runde Augen, kleinere kürzere Nase, runde Wangen, kleines Kinn). Hinsichtlich der Auswirkungen der Attraktivität eines Gesichtes auf die Beurteilung der Persönlichkeit zeigte sich in der zuvor genannten Untersuchung ein massiver Vorurteilseffekt (→ Halo-Effekt): Attraktiveren Gesichtern wurde mit 60 bis 80 % Wahrscheinlichkeit auch eine positivere Eigenschaftsstruktur zugeschrieben (erfolgreicher, sympathischer, intelligenter, zufriedener, aufregender, kreativer…).

Attributionen siehe S. 323, 333

Im täglichen Leben bilden wir uns Attributionen, das sind Ursachenzuschreibungen. Als internale Attribution gilt, wenn ein Verhalten oder eine Leistung im Wesentlichen sich selbst zugeschrieben wird, wenn jedoch überwiegend andere Faktoren verantwortlich gemacht werden (Aufgabe, Situation), spricht man von externaler Attribution.

Audiogramm siehe S. 158

Ein Audiogramm gibt den Verlauf der akustischen Schwellen für die einzelnen Frequenzen grafisch wieder. Je nachdem, ob der Schall über Kopfhörer oder über einen Schwingkörper hinter dem Ohr verabreicht wird, kann auch der Ort einer Störung eingegrenzt werden (Außenohr – Mittelohr – Innenohr). Mittels Ableitung von Gehirnströmen von der Kopfhaut (»Evoked Response Audiometrie«, ERA) kann sogar bei Säuglingen und Kleinkindern eine sogenannte »objektive Audiometrie« durchgeführt werden, bei der allein auf Basis der elektroenzephalografischen Reaktion des Hörzentrums auf Töne das Hörvermögen beurteilt werden kann (s. etwa Guttmann, 1982).

Audiometrie siehe S. 158

Zur Prüfung der Hörleistung wird eine Audiometrie (»Schwellen-Audiometrie«) durchgeführt, bei der Töne verschiedener Lautstärke und Frequenz in zufälliger Abfolge dargeboten werden und von der Testperson identifiziert werden müssen.

Auffälligkeit siehe S. 332

Die Aufnahme von sozialen Informationen wird besonders durch die Aufmerksamkeitsausrichtung und die Auffälligkeit der Reize gesteuert. So etwa werden in Diskussionen Personen, die besser beleuchtet oder auffälliger gekleidet sind, häufiger beachtet und infolgedessen als einflussreicher im Diskussionsprozess angesehen (Taylor & Fiske, 1975). Auch sind seltene Ereignisse oder Merkmale im Allgemeinen auffälliger als häufige, sodass ihnen bei kognitiven Urteilen mehr Gewicht zukommt. Dies trifft insbesondere auf negative Personenmerkmale zu, die wahrscheinlich aufgrund der gesellschaftlichen Höflichkeitsregeln in Gesprächen seltener zum Ausdruck kommen und deshalb bei Personenbeschreibungen mehr Wirkung zeigen (»Negativitätsbias«). Die Auffälligkeit von Reizen wird aber natürlich nicht nur von äußerlichen Merkmalen oder deren Auftrittswahrscheinlichkeit bestimmt, sondern auch von deren subjektiver Bedeutung.

Aufmerksamkeit siehe S. 105

In der Psychologie werden oft jene Prozesse, auf die sich die Aufmerksamkeit richtet, als bewusst und alle anderen als neben-, unteroder unbewusst charakterisiert.

Aufnahme von Wissen siehe S. 227

Entscheidend für die Gedächtnisleistung ist die Form, in welcher Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden (z. B. als Melodien, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken usw.), und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (z. B. Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw.). Wie erwähnt, geht jeder Enkodierung von Speicherinformation bereits eine Filterung voraus, die durch Gestaltbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches.

Augenbewegungen siehe S. 150

Während wir ein Wahrnehmungsbild scheinbar ruhig betrachten, reizen die optischen Muster kaum länger als Bruchteile von Sekunden dieselben Netzhautbereiche; verschiedenartige unwillkürliche und willkürliche Augenbewegungen (»Drift«, »Nystagmus« und »Sakkaden«) erzeugen vielmehr laufend Veränderungen in der Bildprojektion. Sobald durch experimentelle Kunstgriffe ein stabiles Netzhautbild erzeugt wird – wie zum Beispiel durch Lähmung der Augenmuskeln oder durch Aufbringen eines Kleinstdiaprojektors auf die Haftschale eines Auges –, löst sich das optische Bild noch innerhalb von Sekunden auf und wird vom sogenannten »subjektiven Augengrau« abgelöst (Pritchard, 1972). Damit also von unserer Umwelt trotz ständiger Kopf- und Augenbewegungen ein stabiler visueller Wahrnehmungseindruck entsteht, muss das Gehirn die bewegungsbedingten Veränderungen im Bild kompensieren. Es verrechnet hierfür einerseits nervöse Signale aus dem Gleichgewichtsorgan (welches bei Extremreizungen optische Störungen auslöst, wie etwa Drehschwindel nach Walzertanzen) und nützt andererseits die neuronalen Begleitinformationen von willkürlich oder unwillkürlich ausgelösten Augen- und Körperbewegungen (so etwa erzeugt eine vorgetäuschte Augenbewegung durch seitlichen Druck mit dem Finger auf den Augapfel eine ruckartige Verschiebung des visuellen Bildes). Diese bewegungsorientierten Kompensationsleistungen sowie die Fähigkeit, bewegte oder statische Objekte kontinuierlich mit

den Augen zu fixieren, gewährleisten hauptsächlich der → optokinetische und der → vestibulookuläre Reflex (Pritzel et al., 2003).

Ausführung siehe S. 201

Begriff aus der → sozial-kognitiven Lerntheorie: Eine Verhaltensweise wurde durch Beobachtung innerlich (»latent«) gelernt (→ Erwerb) und tritt erst dann offen (»manifest«) zutage, wenn dafür Anreize und günstige Verstärkungsbedingungen vorhanden sind.

Ausgangszustand siehe 251

Der Ausgangszustand eines Problems wird durch den → Problemkenntnisstand (»initial knowledge state«) kognitiv abgebildet, die Transformationen vom Ausgangszum → Zielzustand in Form kognitiver Operationen (»mental operators«). Es muss ein mentales Modell über die gegebene Problemsituation konstruiert oder aus dem Gedächtnis abgerufen werden, anhand dessen die Übergänge vom Ausgangszustand zum Zielzustand geistig simuliert werden können (Wüstenberg, Greiff & Funke, 2012).

Ausprägungen siehe S. 61

Die verschiedenen Belegungen von Variablen nennt man ihre Ausprägungen oder – wenn diese aus Zahlen bestehen – ihre Werte.

Autogenes Training siehe 116, 426

Autogenes Training ist eine Entspannungstherapie. Entspannungs und → Hypnosetherapien bezwecken eine Harmonisierung der physiologischen und vegetativen Körperfunktionen, insbesondere eine Senkung des allgemeinen Aktivierungsniveaus und eine Senkung der Intensität emotionaler Aktivierungs- und Stressreaktionen.

Automatisierungsphase siehe S. 196

Beim Erwerb von Fertigkeiten können mehrere Phasen unterschieden werden. In der Automatisierungsphase laufen die Handlungen bereits ohne bewusste Kontrolle ab und werden immer schneller ausführbar. Die Zunahme des Lernerfolgs lässt sich wie bei den meisten Lernprozessen durch eine Potenzfunktion beschreiben.

Autorität siehe S. 348

Das Verhalten von Menschen kann auch durch verschiedene Arten sozialer Macht beeinflusst sein (in Anlehnung an French & Raven, 1959): soziale Macht durch Legitimität, Ressourcen, Wissen, Identifikation oder Zwang. Autorität ist das Ansehen aufgrund von sozialer Macht.

Autoritätsgläubigkeit siehe S. 346 f.

Wer als Autorität oder Experte auftritt, genießt im Allgemeinen größere Glaubwürdigkeit und hat entsprechend mehr Einfluss auf andere. Innerhalb von Organisationen wirkt sich zusätzlich die Höhe der Position in der Hierarchie positiv auf die Überzeugungsmacht einer Person aus. Bei dieser tendenziell beobachtbaren, jedoch individuell variablen Autoritätsgläubigkeit, handelt es sich offenbar um ein nützliches Prinzip der Meinungsanpassung, welches jedoch im sozialen Kontext durch Vortäuschung von Autorität und Erfahrung auch missbraucht werden kann.

B

Begriffe im Überblick

Basisemotionen • Bayes-Logik • Bayes-Theorem • bedingte Wahrscheinlichkeit • Bedürfnishierarchie • Bedürfniskomplementarität • Bedürfnispyramide • Bedürfnisse • Befragung • Begriffe • Begriffslernen • Behaviorismus • behavioristische Perspektive • Belohnungssystem • beobachterabhängige Urteilsverzerrungen • Beobachtung • Beobachtungslernen • Bestätigungsfehler • Bestrafung • Bestrafungssystem • Betroffenheit • Bewältigungsarbeit • Bewegungsparalaxe • Bewegungstäuschung • Bewertungsfunktion • Bewertungssystem • Bewusstsein • Bewusstseinslage • Bewusstseinszustände • Beziehungsabbruch • Beziehungsregeln • Bicameral Mind • Bindungsstil • Bindungsverhalten • binokulare Tiefenhinweise • Binomialverteilung • Biofeedback • biologische Perspektive • biologischer Rhythmus • biologischer Speicher • biopsychosozialer Ansatz • Biorhythmus • Bumerang-Effekt • Bystander-Phänomen

Basisemotionen siehe S. 308

Lange Zeit beschäftigte man sich mit der Frage, ob es eindeutige Abgrenzungen zwischen emotionalen Zuständen gibt bzw. ob man sogenannte Basis-, Primäroder Grundemotionen annehmen kann. Je nach theoretischem Ansatz ergaben sich zwischen zwei und über zwanzig solcher Basisemotionen, sodass manche Forscher die Sinnhaftigkeit derartiger Klassifikationen bezweifeln (Ortony & Turner, 1990). In mimischen Ausdrucksuntersuchungen jedenfalls wurden kulturübergreifend zwischen sechs und sieben Grundemotionen relativ übereinstimmend klassifiziert (Elfenbein & Ambady, 2002, 224): Glück/Freude (79 %), Trauer (68 %), Überraschung (68 %), Ärger (65 %), Ekel (61 %), Furcht (58 %) und Verachtung (43 %). Kulturintern sind die Werte zutreffender Emotionseinschätzung um etwa zehn Prozentpunkte besser. Ebenfalls als Grundemotionen vorgeschlagen wurden von verschiedenen Forschern Interesse, Schmerz, Mut, Verzweiflung, Schuld, Scham, Hass, Erleichterung, Bedauern, Neid, Enttäuschung, Zorn, Verwunderung und Hoffnung.

Bayes-Logik siehe S. 275

Wenn sich in Denk- und Schätzprozessen die im → Bayes-Theorem aufgezeigten Verhältnisse zumindest annähernd abbilden, spricht man auch von → statistischem Denken oder von Bayes-Logik (»Bayesian reasoning«).

Bayes-Theorem siehe S. 78

Das nach dem britischen Mathematiker und Geistlichen Thomas Bayes (1702– 1761) benannte Theorem erlaubt wahrscheinlichkeitstheoretisch korrekte Schätzungen über die Gültigkeit von Hypothesen:


p(H) ist die → Apriori-Wahrscheinlichkeit einer Hypothese, p(D/H) ist die → bedingte Wahrscheinlichkeit von Daten unter der Bedingung einer Hypothese und p(H/D) ist die Wahrscheinlichkeit für eine Hypothese nach deren Revision aufgrund neuer Erfahrungen, die man → Aposteriori-Wahrscheinlichkeit nennt.

bedingte Wahrscheinlichkeit siehe S. 274

Die bedingte Wahrscheinlichkeit p(D/H) ist die Wahrscheinlichkeit, mit der eine hypothesenkonforme Erfahrung bei Gültigkeit der Hypothese auftritt (z. B., wie wahrscheinlich es ist, dass ein Lügner lügt).

Bedürfnishierarchie siehe S. 313

Maslow (1943), ein Vertreter der Humanistischen Psychologie, wollte das Spektrum menschlicher Motivation nicht nur auf biologische oder überlebenswichtige Bedürfnisse beschränkt sehen, sondern bezog auch kulturelle und geistige Triebkräfte mit ein. Er postulierte eine Bedürfnishierarchie, gemäß der die unteren bzw. Basisbedürfnisse (»Mangelbedürfnisse«) weitgehend erfüllt sein müssen, bevor die höheren Bedürfnisse wirksam werden (»Wachstumsbedürfnisse«). Auch wenn der empirische Nachweis einer solchen Rangreihung kaum zu führen ist, entspricht diese doch der Alltagserfahrung und der Lebensweisheit, dass ohne ausreichende Befriedigung der vitalen Grundbedürfnisse sich die »höheren« Motive kaum entwickeln können.

Bedürfniskomplementarität siehe S. 354

Je weiter private Beziehungen fortgeschritten sind, desto bedeutsamer wird die Übereinstimmung in den Bedürfnissen (»Kompatibilität«) bzw. deren Verträglichkeit. Der populäre Spruch »Gegensätze ziehen sich an« dürfte nur dort stimmen (wenn überhaupt), wo durch den Partner bei weitgehender Bedürfnisübereinstimmung ein Ausgleich eigener Schwächen gewünscht oder erwartet wird. Wichtige partnerschaftliche Bedürfnisse, in denen Übereinstimmung erzielt werden sollte, sind Intimität, Ebenbürtigkeit und Vertrauen (Kelley & Burgoon, 1991).

Bedürfnispyramide siehe S. 313

Jene Motive, die in unterschiedlicher Stärke auch gleichzeitig vorhanden sein können, werden oft als → Bedürfnisse bezeichnet. Schaefer (1992) unterscheidet diesbezüglich physische (z. B. Nahrung, Freizeit), mentale (z. B. Liebe), soziale (z. B. Freunde) und Umweltbedürfnisse (z. B. gute Luft). Ein Beispiel für eine Klassifikation von Bedürfnissen hinsichtlich ihres Stellenwerts für das Überleben des Menschen ist die weithin bekannte Bedürfnispyramide von Maslow (1943; Maslow & Lowery, 1998). siehe → Bedürfnishierarchie.

Bedürfnisse siehe S. 312 f.

Motive oder Bedürfnisse sind mentale Repräsentationen (Vorstellungen) wertbesetzter zukünftiger Zustände, die angestrebt oder vermieden werden bzw. verhaltensregulierend wirksam sind.

Befragung siehe S. 32, 91

Die Befragung ist ein sehr häufig eingesetztes sozialwissenschaftliches Verfahren der Datenerhebung, welches in strukturierter Form auch einer statistischen Auswertung zugeführt werden kann. Da die verschiedenen Varianten der Befragung zu den häufigsten Methoden der Datengewinnung in den Sozialwissenschaften zählen, werden sie auch manchmal als deren »Königsweg« bezeichnet (Ebster & Stalzer, 2003). »Befragung bedeutet Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen. Durch verbale Stimuli (Fragen) werden verbale Reaktionen (Antworten) hervorgerufen: Dies geschieht in bestimmten Situationen und wird geprägt durch gegenseitige Erwartungen« (Atteslander, 2003, 120) Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von Befragungen ist der Grad ihrer Standardisierung. Hinsichtlich der Freiheitsgrade bei der Durchführung von Gesprächen mit Untersuchungspersonen unterscheidet man standardisierte, teilstandardisierte und nichtstandardisierte Befragungen (Interviews).

Begriffe siehe S. 197 f.

Begriffe sind mentale Repräsentationen einer bestimmten Konfiguration von Merkmalen, die mit einem Namen versehen sein können.

Begriffslernen siehe S. 263

Beim Begriffslernen sollen für Gruppen von Objekten, Situationen oder Prozessen jene Merkmale und Merkmalsrelationen herausgefunden werden, die ihnen gemeinsam sind. Der Prozess ist vergleichbar mit jenem in der → Inferenzstatistik, wo von Fällen mit variierenden Variablenausprägungen auf einen gesetzmäßigen Zusammenhang der Variablen geschlossen wird.

Behaviorismus siehe S. 24

Vor allem in den USA dominierendes wissenschaftstheoretisches Konzept, bei dem das Verhalten des Menschen durch einfache »Reiz-Reaktions-Modelle« erklärt wird. Etwa ab 1960 löste der → Kognitivismus (»Kognitive Wende«) den Behaviorismus ab. Das Verhalten des Menschen wird nun durch komplexe, hierarchische Regulationsprozesse eines kognitiven Systems erklärt, dem psychische Funktionen zugeschrieben werden (Interpretation, Klassifikation, Lernen, Denken, Urteilen etc.).

behavioristische Perspektive siehe S. 50

Ein auf das »objektiv« beobachtbare Verhalten (amerikan.: »behavior«) des Menschen (und von Tieren) ausgerichteter Ansatz, bei dem die gesetzmäßige Aufklärung von Reiz-Reaktions-Beziehungen im Vordergrund steht und der auf Aussagen über »innere« – bewusste oder unbewusste – Prozesse verzichtet.

Belohnungssystem siehe S. 302

Die neuronale Steuerung von Annäherungs- und Vermeidungsprozessen im Gehirn wird einerseits dem Belohnungssystem (Tegmentum, Nucleus accumbens, …) und andererseits dem → Bestrafungssystem (Zentrales Höhlengrau, Amygdala, Septum, Hippocampus,…) zugeschrieben. Angenehme Konsequenzen bzw. Belohnungen führen üblicherweise zu einer Fortführung bzw. späteren Wiederausführung des aktuellen Verhaltens (»behavioral activation system«), während negative Konsequenzen bzw. Bestrafungen dieses hemmen (»behavioral inhibition system«).

beobachterabhängige Urteilsverzerrungen siehe S. 82

Störeffekte in psychologischen Experimenten, engl.: »observer bias«; entstehen durch persönliche Motive und Erwartungen und sollten vonseiten der Forscherinnen und Forscher beachtet werden.

Beobachtung siehe S. 90

Die Selbst- und Fremdbeobachtung zählt zu den ältesten Forschungsinstrumenten der Psychologie. Die wissenschaftliche Beobachtung unterscheidet sich von jener des Alltags durch ihre Theoriegeleitetheit und Systematik. »Unter Beobachtung versteht man das systematische Erfassen von wahrnehmbaren Verhaltensweisen, Handlungen oder Interaktionen einer Person oder Personengruppe zum Zeitpunkt ihres Auftretens« (Ebster & Stalzer, 2003, 221). Grundsätzlich sollte die Beobachtung als Mittel der Informationsgewinnung in allen Untersuchungen zumindest begleitend eingesetzt werden, und auch die beschriebenen Gütekriterien von Tests sollten eigentlich für alle Datengewinnungsverfahren in der Psychologie gelten. So sind auch Beobachtungen einer Objektivitätsprüfung zu unterziehen, indem die Übereinstimmung verschiedener, unabhängiger Beobachterinnen oder Beobachter festgestellt wird.

Beobachtungslernen siehe S. 200

Albert Bandura (1965) zeigte auf, dass das Lernen am Modell bei Kindern die vielleicht wichtigste Lernform ist, besonders im Bereich des Sozialverhaltens. In einem berühmten Experiment geht es um die → Imitation aggressiven Verhaltens durch vierjährige Kinder. Jedes Kind sah zunächst einen Kurzfilm, in dem ein Erwachsener aggressive Verhaltensweisen und Verbalisierungen gegenüber einem aufblasbaren Stehaufmännchen zeigte. Die erwachsene Modellperson bekam dafür im Film entweder Belohnungen wie Limonade, Süßigkeiten und Lob, oder sie wurde getadelt und bekam einen Klaps, oder aber es folgten keine beobachteten Konsequenzen. Danach wurde jedes der Kinder mit der Puppe allein gelassen und hinter einer Einwegscheibe beobachtet. Nach der Beobachtung eines aggressiven Modells zeigten die Kinder viele ähnliche aggressive Verhaltensweisen und Kommentare (wobei Jungen allgemein aggressiver waren als Mädchen). Jene Kinder allerdings, die beobachtet hatten, wie das Modell für sein Verhalten bestraft wurde, zeigten deutlich weniger Aggressionen.

Bestätigungsfehler siehe S. 264

Eine deutlich ausgeprägte, wahrscheinlich für viele Fehlleistungen des Alltags verantwortliche Denkneigung betrifft die Bestätigungstendenz beim Prüfen von Hypothesen. Wenn wir allgemeine Aussagen (z. B. Meinungen, Vorurteile) im Kopf haben, testen wir üblicherweise positiv, das heißt, wir suchen Beispiele, die der Annahme entsprechen, und nicht Gegenbeispiele, die Chancen für eine Widerlegung böten. Wason (1960) konnte diesen Bestätigungsfehler (»confirmation bias«) auch bei einfachen Hypothesen über Gesetzmäßigkeiten in Zahlenreihen überzeugend nachweisen.

Bestrafung siehe S. 191 f.

Allgemein findet instrumentelles Lernen dann statt, wenn wiederholt eine bestimmte Situation wahrgenommen wird (»diskriminativer Hinweisreiz«; SD), in der bestimmte Verhaltensweisen (R) zu bestimmten Konsequenzen führen (K). Wenn die Konsequenz die Auftrittswahrscheinlichkeit des Verhaltens erhöht, spricht man von → Verstärkung, wenn sie die Auftrittswahrscheinlichkeit senkt, spricht man von Bestrafung.

Bestrafungssystem siehe S. 302

Die neuronale Steuerung dieser Prozesse im Gehirn wird einerseits dem → Belohnungssystem (Tegmentum, Nucleus accumbens,…) und andererseits dem Bestrafungssystem (Zentrales Höhlengrau, Amygdala, Septum, Hippocampus, …) zugeschrieben. Angenehme Konsequenzen bzw. Belohnungen führen üblicherweise zu einer Fortführung bzw. späteren Wiederausführung des aktuellen Verhaltens (»behavioral activation system«), während negative Konsequenzen bzw. Bestrafungen dieses hemmen (»behavioral inhibition system«).

Betroffenheit siehe S. 278

Untersuchungen zur → Risikowahrnehmung von Slovic, Fischoff und Lichtenstein (1980, 1985; Slovic, 1987) ergaben insgesamt 18 differenzierende Charakteristika zur Klassifikation von Risiken mit interessanten Rückschlüssen auf die Risikoeinschätzung in der Bevölkerung. Ein Merkmal, das mit erhöhter Risikoeinschätzung verbunden war, ist Betroffenheit (»known to exposed«): Ereignisse, die einen selbst betreffen können, erscheinen gefährlicher.

Bewältigungsarbeit siehe S. 430

Klaus Grawe extrahierte aus den als wirksam nachgewiesenen einzelnen Therapietechniken vier allgemeine, schulenübergreifende → psychotherapeutische Wirkfaktoren, die er als zukünftige Therapierichtlinien einer »Allgemeinen Psychotherapie« oder als Wirkkomponenten einer idealen »Psychologischen Therapie« (Grawe, 1998) empfahl. Als wichtigsten und größten Wirkfaktor identifizierte Grawe die »aktive Hilfe zur Problembewältigung«. Sie fördert in Problemsituationen die Selbstwirksamkeitswahrnehmung und hilft, Hilflosigkeit zu reduzieren. Selbstsicherheitstraining, Entspannungstraining oder Angstbewältigungstraining sind Beispiele dafür, wie durch Vermittlung psychologischen Wissens und entsprechender Strategien kritische Lebenssituationen besser gemeistert und neue, positive Erfahrungen gemacht werden können.

Bewegungsparalaxe siehe S. 139

Wir nützen für die Rauminterpretation die Bewegungsparalaxe, das ist die – geometrisch begründete – stärkere Verschiebung der Objekte im Vordergrund verglichen mit jenen im Hintergrund, wenn wir uns quer zu ihnen bewegen (z. B. beim Blick aus einem Zugfenster).

Bewegungstäuschung siehe S. 150

Da die Wahrnehmung von Bewegungen für höher entwickelte Organismen eine lebensrelevante Bedeutung besitzt, haben sich dafür im Laufe der evolutionären Entwicklung einige relativ starre – und deshalb auch täuschungsanfällige – Wahrnehmungsmechanismen herausgebildet. Eine solche Bewegungstäuschung, die bereits von den Gestaltpsychologen vor etwa hundert Jahren untersucht wurde, besteht darin, dass zwei in Nachbarschaft kurz hintereinander aufleuchtende Lichtpunkte als ein bewegter Punkt wahrgenommen werden (»Phi-Phänomen«). Diese Täuschung entsteht auch dann, wenn nicht Lichtpunkte, sondern Bildelemente ihre Position schrittweise von einer Darstellung zu anderen verändern, was bekanntlich die Voraussetzung für die Entwicklung der Filmtechnik war: Bewegte Szenen, die mit 24 Bildern pro Sekunde fotografiert wurden, lösen bei gleichermaßen schnell aufeinanderfolgender Darbietung einen natürlichen Bewegungseindruck aus.

Bewertungsfunktion siehe S. 252 f.

Wenn für einen Problemtyp keine sichere Lösungsstrategie verfügbar ist (»Algorithmus«), dann muss mittels → Heuristiken eine schrittweise Annäherung an Zielzustände versucht werden. Um allerdings einschätzen zu können, ob und wie stark man sich dem Ziel nähert, ist den Zuständen im Problemraum eine Bewertungsfunktion zuzuordnen (z. B. Einschätzung der Entfernung zu einem gesuchten Ziel, Chanceneinschätzung für einen Gewinn, Attraktivität einer Situation). Ein vom Prinzip her auch in der Mathematik und Statistik eingesetztes heuristisches Verfahren zur Optimierung von Zuständen ist die

»Methode der Unterschiedsreduktion«, bei der jener Pfad im Problemraum ausgewählt wird, der schrittweise mit der größten Bewertungszunahme verbunden ist.

Bewertungssystem siehe S. 172 f.

Das Aktivierungssystem stellt nur einen groben Regulationsmechanismus zur biologischen Bewertung von Lebensumständen dar, sodass sich in der Phylogenese komplexer Lebensformen (Säugetiere) bald auch ein differenzierteres zentralnervöses Bewertungssystem, nämlich das → limbische System (→ Amygdala), herausbildete. Dieses nimmt laufend einen Vergleich zwischen Ist- und Sollwerten im biologischen und psychischen Bereich vor und stellt fest, ob die gegebene Situation grundsätzlich eher als günstig oder als ungünstig einzuschätzen ist (Critchley & Garfinkel, 2018). Führt dieser Vergleich zu einem positiven Ergebnis, dann manifestiert sich dies subjektiv in einem positiven Gefühl (Zufriedenheit, Freude, Glück,…), verbunden mit der Tendenz, den vorhandenen Zustand aufrechtzuerhalten und die gerade ausgeübte Tätigkeit fortzusetzen oder in Zukunft zu wiederholen (z. B. Essen, wenn etwas gut schmeckt). Weichen jedoch die Istvon den Sollwerten zu stark ab, dann kommt es zu einem negativen Gefühl, wie etwa Unruhe, Angst oder Aggression, verbunden mit der Tendenz, den vorhandenen Zustand zu verändern und in Zukunft zu vermeiden. In die Bewertung der Situation fließt auch die Wahrnehmung des eigenen Aktivierungsniveaus und der körperlichen Empfindungen mit ein (Critchley & Harrison, 2013).

Bewusstsein siehe S. 103–106

Das Bewusstsein hat innerhalb der Psyche die besondere Funktion, den Output aus verschiedenen Systemen zu integrieren, den Transfer in Langzeitspeichersysteme zu bewirken und Informationen an psychische »Filterprozessoren« (z. B. Aufmerksamkeit) oder »Servomechanismen« (z. B. Sprachzentren) als modulare Informationsverarbeitungssysteme weiterzugeben. Als eine der wichtigsten Funktionen fällt dem Bewusstsein nach Mandler (1979, 78) »die Prüfung potenzieller Handlungsmöglichkeiten und die Bewertung der situativen Gegebenheiten« zu. Nach Solso (2005, 150) scheint das Bewusstsein »der hauptsächliche Prozess zu sein, mit dessen Hilfe sich das Nervensystem an neuartige, herausfordernde und informative Ereignisse in der Welt anpasst«.

Bewusstseinslage siehe S. 108

Mit Bewusstseinslage umschreibt man den Grad an bewusster Kontrolle psychischer Abläufe, der bei äußerster Konzentration im Wachzustand sein Maximum und im Tiefschlaf sein Minimum erreicht.

Bewusstseinszustände siehe S. 108–116

Als Bewusstseinszustände bezeichnet man Ausprägungen des Bewusstseins wie die Bewusstseinslage, Schlaf, Traum, Hypnose, Mediation und Zustände, die durch psychoaktive Medikamente und Drogen ausglöst werden.

Beziehungsabbruch siehe S. 358

Für das Scheitern romantischer Beziehungen (Liebesbeziehungen) führt Gottman (1998a, 1998b) vor allem vier Hauptgründe an, die zu einem Teufelskreis negativ dominierter Kommunikation führen:

•Tendenz zu Kritik (an der Person, nicht am Verhalten)

•Abwehr (z. B. von »Schuld«, Verantwortung, Einsicht, Selbsterkenntnis)

•Verachtung (z. B. Beleidigen, Beschimpfen, Spott, Sarkasmus)

•Abblocken (z. B. Schweigen, Zurückziehen, Mauern)

Der Wunsch, den anderen ändern zu wollen, führt häufig zu einem kommunikativen »Forderungs-Rückzug-Muster« (Malis & Roloff, 2006), welches häufig zur Verschlechterung in Partnerschafts- und Eltern-Kind-Beziehungen beiträgt. Um aber eine längerfristige erotische Partnerschaft erfolgreich aufrechterhalten zu können, ist nach Gottman (1998b) zumindest ein Häufigkeitsverhältnis von 5 : 1 zwischen positiven und negativen Verhaltensweisen nötig. Als Gründe für einen Beziehungsabbruch geben Frauen zu geringe Offenheit des Partners, zu wenig eigene Autonomie und einen Mangel an Aufgaben- und Verteilungsgerechtigkeit an, während Männer zu wenig »Romantik« im Zusammenleben beklagen (Baxter, 1986).

Beziehungsregeln siehe S. 357

Argyle und Henderson (1986) gehen in einer internationalen Studie der Frage nach, welche Beziehungsregeln für soziale Relationen (z. B. Arbeits-, Nachbarschafts-, Freundschafts- und Liebesbeziehungen) als die wichtigsten erachtet werden, und bezogen dafür Befragungspersonen aus vier Ländern ein (Großbritannien, Italien, Japan, Hongkong):

•Die Intimsphäre des anderen respektieren

•Vertrauliche Mitteilungen bewahren

•Den anderen nicht öffentlich kritisieren

•Während des Gesprächs immer wieder Augenkontakt halten

Häufige Verstöße gegen diese Regeln schwächen nach Meinung der Befragten eine Beziehung oder führen zu einem Beziehungsabbruch.

Bicameral Mind siehe S. 19

Julian Jaynes (Psychologieprofessor in Princeton) stellte aufgrund antiker Texte aus der Zeit von 3000 bis etwa 700 v. Chr. (Sumer, Babylon, Ägypten, Mayakultur,…) die Hypothese auf, dass die damaligen Menschen noch kaum über ein introspektives (sich selbst wahrnehmendes) Bewusstsein verfügt hätten, sondern nur über eine »bikamerale« Psyche. Darunter versteht Jaynes (1976/1993) eine relativ unabhängige Arbeitsweise beider Gehirnhälften, bei der die rechte Hälfte akustische oder visuelle Halluzinationen in die linke Gehirnhälfte projiziert, welche als »Stimmen« oder »Erleuchtungen« von Göttern interpretiert worden sein könnten. Jaynes bezeichnet solche halluzinierten »Götterstimmen« als neurologische Imperative, welche vielleicht erzieherische oder sittliche Anweisungen (soziale Kontrolle!) zum Ausdruck brachten.

Bindungsstil siehe S. 420 ff.

Der Bindungsstil ist ein besonders wichtiges Vorhersagekriterium psychischer Gesundheit einer Person. Die »Bindungstheorie« von Bowlby (1969, 1973, 1980) betont die evolutionäre Bedeutung des Bindungsbedürfnisses ab der Geburt bis ins Erwachsenendasein und beschreibt die Folgen positiver und negativer Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Feinfühligkeit der primären Bezugsperson (meist Mutter). Mary Ainsworth entwickelte ein standardisiertes Beobachtungsverfahren zur Identifizierung von bestimmten Verhaltensmustern, wie Kinder im Alter von 11 bis 20 Monaten auf eine Trennung von der Mutter reagieren (Ainsworth et al., 1978). siehe → Bindungsverhalten.

Bindungsverhalten siehe S. 420

Mary Ainsworth entwickelte ein standardisiertes Beobachtungsverfahren zur Identifizierung von bestimmten Verhaltensmustern, wie Kinder im Alter von 11 bis 20 Monaten auf eine Trennung von der Mutter reagieren (Ainsworth et al., 1978). In diesen Bindungsmustern (→ Bindungsstilen) drückt sich zum einen das Bindungsverhalten gegenüber vertrauten Personen aus und zum anderen eine Repräsentation der erlebten Beziehungen (»Inneres Arbeitsmodell« nach John Bowlby), einschließlich einer Repräsentation von sich selbst und den anderen (Selbstwertgefühl und Vertrauen; s. Zimmermann et al., 1995; Gallo & Smith, 2001).

binokulare Tiefenhinweise siehe S. 140

Eine lebenswichtige Wahrnehmungsfunktion ist die Transformation zweidimensionaler Netzhautbilder in eine dreidimensionale Interpretation der Wahrnehmungswelt. Aus der Wahrnehmungsforschung wissen wir, dass für die räumliche Interpretation von visuellen Eindrücken sowohl spezielle Hinweisreize in den flächigen Bildern als auch Rückmeldungen aus dem Wahrnehmungsvorgang herangezogen werden. → Monokular sind dabei jene Indikatoren, die auch einäugig wirksam werden, während die binokularen Tiefenhinweise nur über beide Augen zustande kommen. Ein physiologischer Mechanismus, der sich nur für die Einschätzung naher Distanzen (etwa bis zu zwei Metern) eignet, ist das Ausmaß der → Konvergenz der Augenachsen in Richtung eines fixierten Objekts. Je stärker die Augenachsen von der parallelen Ferneinstellung in eine konvergierte Naheinstellung überwechseln müssen, als desto näher wird das Objekt empfunden. Ein zweiter Hinweis auf die räumliche Tiefe eines Objekts stammt von den unterschiedlichen Perspektiven beider Augen bzw. von den in beiden Augen unterschiedlichen Netzhautbildern für nahe Gegenstände, was auch als → retinale Disparität oder als »binokulare Querdisparation« bezeichnet wird. Die etwas unterschiedlichen linksäugigen und rechtsäugigen Abbildungen naher Gegenstände werden vom Gehirn für die Berechnung einer Räumlichkeitsinterpretation genützt, was am Beispiel sogenannter »magischer Bilder« eindrucksvoll demonstriert werden kann. Diese und andere → optische Täuschungen lassen sich durch den Versuch des Wahrnehmungssystems erklären, flächige Darstellungen unter Heranziehung von Tiefenhinweisen räumlich zu interpretieren.

Binomialverteilung siehe S. 73

Die besondere Bedeutung der → Normalverteilung (oder »Gauß’schen Glockenkurve«) und der (mit ihr verwandten) Binomialverteilung in der Statistik ist darauf zurückzuführen, dass beide als Idealformen zufallsbedingter Verteilungsprozesse angesehen werden. Bei empirischen Variablen wird angenommen, dass sich ihre Werte aus einer wahren Komponente und einer zufälligen Fehlerkomponente zusammensetzen.

Biofeedback siehe S. 194

Als Biofeedback bezeichnet man die zumeist elektronische Registrierung und optische oder akustische Rückmeldung von physiologischen Reaktionen (z. B. Herzschlag, Blutdruck, Muskelspannung). Damit werden im physiologischen System Funktionsveränderungen trainierbar, die sonst nicht willkürlich steuerbar sind.

biologische Perspektive siehe S. 50

Bei dieser Forschungsausrichtung werden psychologische Phänomene hauptsächlich durch die Funktionsweise der Gene, des Gehirns, des Nervensystems oder anderer biologischer Systeme erklärt.

biologischer Rhythmus siehe S. 109

Viele Lebensprozesse werden vom Tag-Nacht-Rhythmus beeinflusst, sodass sich im Laufe der Evolution auch beim Menschen eine Art »innere Uhr« herausgebildet hat. Dieser → zirkadiane Rhythmus (Biorhythmus) reguliert die Wachheit des Organismus in Phasen von »zirka« einem Tag (lat. »dies«: Tag), genauer 24–25 Stunden (»Chronobiologie«). Die kleinen individuellen Abweichungen des → Biorhythmus vom realen 24-Stunden-Tagesrhythmus werden durch die verantwortlichen Steuerungszentren im Gehirn (Suprachiasmatische Kerne, Hypothalamus, Zirbeldrüse) aufgrund von Lichtwahrnehmungen und Tagesrhythmus (z. B. Essintervalle) korrigiert (Birbaumer & Schmidt, 2006). Bei regulärem Biorhythmus sinken in der Nacht die Körpertemperatur, die Atemfrequenz, die Herzrate, die Sauerstoffaufnahme und der Appetit, hingegen nehmen die Ausschüttung von Wachstumshormonen, die Schmerzempfindlichkeit, die Reaktionszeit und die Fehleranfälligkeit des Verhaltens zu.

biologischer Speicher siehe S. 210

Da zu speichernde Erfahrungen und Wissensinhalte umso größere Lebensrelevanz besitzen, je häufiger sie in Erlebnisfolgen vorkommen, lösen dichte Wiederholungen von Erfahrungen einen raschen Lernprozess aus. Tatsächlich lässt sich sowohl bei einfachen als auch bei komplexen Lernvorgängen (z. B. Silbenlernen, Addieren, mathematisches Beweisen, schriftstellerische Fertigkeit) der erzielte Lernfortschritt mittels einer positiven Potenzfunktion beschreiben (0,0 < Exponent < 1,0; Anderson, 2000). Dieses → Potenzgesetz des Lernens (»power law of learning«; Newell & Rosenbloom, 1981) besagt, dass erste Wiederholungen von gleichartigen Erfahrungen relativ schnell zur Einprägung führen und die nachfolgenden immer langsamer. In analoger Weise sollte die Löschung von »statistisch unnützen« Einprägungen erfolgen, das sind solche, die nicht durch besondere Speicherfaktoren, wie zum Beispiel durch Aktivierung oder Emotionalität gefestigt werden. Tatsächlich lässt sich bei vielen Lerninhalten auch der Vergessensprozess annähernd durch eine Potenzfunktion charakterisieren – nun aber mit negativem Exponenten (→ Potenzgesetz des Vergessens). Der biologische Speicher hat also die Tendenz, alles wieder zu löschen, was nicht permanent in seiner Lebensrelevanz bestätigt wird. Anderson (2000, 233) sieht die Ursache für diese schnelle Vergessensbereitschaft in der evolutionären Anpassung des Gedächtnissystems an die jeweilige »statistische Struktur der Realität«. Als Indiz für diese Annahme führt er die Themen in den Headlines von Zeitungen an, deren Wahrscheinlichkeit, an einem bestimmten Tag in der Zeitung vorzukommen, sich relativ exakt über die (negative) Potenzfunktion ihres Erscheinens in vorangegangenen Zeitungsausgaben errechnen lässt.

biopsychosozialer Ansatz siehe S. 401

Da unter Umständen auch »normale« Alltagsbedingungen oder bestimmte Extremsituationen zu außergewöhnlichen bzw. speziellen Bewusstseinszuständen (z. B. durch Hyperventilation, Alkoholgenuss, Fieber) oder irrationalen Verhaltensweisen führen und auch diagnostische Fehlinformationen vorliegen können, müssen nach dem sogenannten biopsychosozialen Ansatz schon bei der Diagnose, besonders aber bei der näheren Analyse von psychischen Störungen sowohl biologische, psychische als auch soziale Situationsbedingungen mitberücksichtigt werden.

Biorhythmus siehe S. 109

Viele Lebensprozesse werden vom Tag-Nacht-Rhythmus beeinflusst, sodass sich im Laufe der Evolution auch beim Menschen eine Art »innere Uhr« herausgebildet hat. Dieser → zirkadiane Rhythmus (Biorhythmus) reguliert die Wachheit des Organismus in Phasen von »zirka« einem Tag (lat. »dies«: Tag), genauer 24–25 Stunden (»Chronobiologie«). Die kleinen individuellen Abweichungen des Biorhythmus vom realen 24-Stunden-Tagesrhythmus werden durch die verantwortlichen Steuerungszentren im Gehirn (Suprachiasmatische Kerne, Hypothalamus, Zirbeldrüse) aufgrund von Lichtwahrnehmungen und Tagesrhythmus (z. B. Essintervalle) korrigiert (Birbaumer & Schmidt, 2006). Bei regulärem Biorhythmus sinken in der Nacht die Körpertemperatur, die Atemfrequenz, die Herzrate, die Sauerstoffaufnahme und der Appetit, hingegen nehmen die Ausschüttung von Wachstumshormonen, die Schmerzempfindlichkeit, die Reaktionszeit und die Fehleranfälligkeit des Verhaltens zu.

Bumerang-Effekt siehe S. 342

Bei einer stabilen und argumentativ gut abgesicherten Meinung ist der Akzeptanzbereich für eine mögliche Einstellungsveränderung wesentlich kleiner als bei instabilen Meinungen. Wird dieser Akzeptanzbereich bei Überzeugungsversuchen überschritten, dann verfestigt sich eher die ursprüngliche Meinung oder entwickelt sich sogar in die unerwünschte Gegenrichtung. Dieser Bumerang-Effekt (Hovland, Harvey & Sherif, 1957; Rhine & Polowniak, 1974), der durch überzogene, rhetorisch aufdringliche Manipulationsbemühungen (von wenig glaubwürdigen Gesprächspartnern) entsteht, lässt sich durch eine »Schritt-für-Schritt-Technik« unterbinden, bei der wiederholt nur kleine Einstellungsveränderungen in die intendierte Richtung bewirkt werden.

Bystander-Phänomen siehe S. 366

Darunter versteht man die Abnahme der Hilfsbereitschaft des Einzelnen in dem Ausmaß, in dem er andere potenzielle Hilfspersonen wahrnimmt. In ihrem Experiment zum Bystander-Phänomen luden Darley und Latane (1968) 72 Studierende ein, an einem Kommunikationsexperiment teilzunehmen. Die Personen saßen einzeln in Versuchsräumen und kommunizierten über Mikrofon und Kopfhörer mit verschieden vielen (fiktiven) anderen Personen über Studienprobleme. Sie bekamen hintereinander jeweils zwei Minuten Redezeit, jeder war nur von allen anderen Versuchsteilnehmern gemeinsam zu hören, nicht aber vom Versuchsleiter; wechselseitig war keine Kommunikation möglich. Nach dem ersten Durchgang wurde von einem Teilnehmer (per Tonband) ein akustisch deutlich erkennbarer epileptischer Anfall eingespielt, und es wurde die Zeit gestoppt, wie lange jeder andere Teilnehmer brauchte, um Hilfe zu holen, wenn er sich mit dem »Opfer« allein glaubte oder wenn er annahm, dass eine weitere Person mithörte, oder aber vier weitere Personen. Als etwa nach 60 Sekunden die Verbindung mit dem »Opfer« abbrach, hatten in der 2er-Gruppe 85 %, in der 3er-Gruppe 62 % und in der 6er-Gruppe nur 31 % der eigentlichen Versuchspersonen Hilfe organisiert.

C

Begriffe im Überblick

Cannon-Bard-Theorie • Chemorezeptoren • Chunks • Claqueur-Effekt • Coping • Copingkompetenz • Cortisol

Cannon-Bard-Theorie siehe S. 300

Die Cannon-Bard-Theorie ist eine Emotionstheorie, in der Emotionen als Vermittlungsprozesse zwischen Reizen und Reaktionen gesehen wurden, die im Wesentlichen vom Thalamus ausgehen.

Chemorezeptoren siehe S. 161

Chemorezeptoren (Glukose, pH-Wert) sind an der Körperwahrnehmung beteiligten Rezeptoren. So wie → Mechanorezeptoren, → Thermorezeptoren, → Propriozeptoren und → Nozizeptoren leiten sie Information über thalamische Zwischenschaltung in die Projektionszentren des Kortex (postzentrale Gehirnwindungen) weiter.

Chunks siehe S. 218

Chunks (engl. »chunk«: Brocken) sind assoziativ verbundene Konfigurationen von Einzelheiten. So etwa merkt man sich eine Autooder Telefonnummer etwas leichter, wenn man sie nicht als lange Ziffernfolge, sondern als Folge von zweioder dreistelligen Zahlen genannt bekommt (z. B. 478 – 23). Durch Bildung von Chunks (z. B. bei Zahlen: 222 – 567 – 369), für deren Zusammensetzung beliebige Gesetzmäßigkeiten gefunden werden können (Ähnlichkeit, Nähe, Zahlenrelationen,…), ergeben sich wesentliche Einprägungserleichterungen, und zwar auch dann, wenn die einzuprägende Kombination früher bereits in anderem Zusammenhang verknüpft war (z. B. »Nine Eleven« als Datum des Terroranschlags auf das World Trade Center).

Claqueur-Effekt siehe S. 368

Der Claqueur-Effekt ist ein aus Opernbesuchen bekanntes Phänomen, nämlich die Tendenz, sich im Zweifelsfall den Beifallskundgebungen anderer anzuschließen.

Coping siehe S. 415 ff.

Nach Folkman und Moskowitz (2004) versteht man unter Coping all jene Gedanken und Verhaltensweisen, die dazu eingesetzt werden, schwierige interne oder externe Situationsanforderungen zu meistern (»to manage«), nämlich solche, die als stressend eingeschätzt werden (Skinner & Zimmer-Gembeck, 2007).

Copingkompetenz siehe S. 417

Bereits in den 60er-Jahren wurde von Richard Lazarus eine Differenzierung vorgeschlagen zwischen → problemorientiertem Coping, bei dem die Problemsituation selbst verändert werden soll, und → emotionsorientiertem Coping, bei dem an den kognitiven, emotionalen und körperlichen Reaktionen angesetzt wird (s. Folkman et al., 1986). Sich bei Stress auf die Lösung des verursachenden Problems zu konzentrieren, hat dann Sinn, wenn es eine realistische Chance für eine Situationsveränderung gibt, das wäre zum Beispiel dann, wenn eine soziale Konfliktsituation durch kompetente Kommunikation geklärt werden kann oder eine psychisch belastende Berufssituation durch aktive Maßnahmen veränderbar ist. Untersuchungen zeigen, dass Personen, die zu einer Vermeidung problemorientierter Stressbewältigung tendieren (indem sie z. B. sich ablenken, Gefühle verbergen, Schuld abschieben), durch unvermeidbare Stressauslöser stärker psychisch und physisch belastet werden als jene, die sich den Anforderungen stellen (Folkman et al., 1986; Holahan & Moos, 1985; Maderthaner & Maderthaner, 1985).

Cortisol siehe S. 415

Cortisol ist ein Stresshormon, das immunsuppressiv, entzündungshemmend und energiemobilisierend wirkt. Die längerfristige Wiederholung von Stresssituationen, die nicht vorhersagbar oder kontrollierbar sind, führt zu einem hohen Niveau von → Katecholaminen (mit Anstieg von Herzschlag, Blutdruck, Blutzuckerspiegel) und Cortisol, woraus sich viele stressbedingte Gesundheitsprobleme erklären (Segerstrom & Miller, 2004; Gunnar & Quevedo, 2007; Abdallah et al., 2019).

D

Begriffe im Überblick

deduktives Denken • Deindividuation • Deindividuierung • deklarativ • Depression • Deskriptivstatistik • Diagnosesysteme • Diagnostik • Diskrimination • DistinctivenessEffekt • Dominanz • Door-in-the-face-Technik • Doppel-blind-Verfahren • Dreifarbentheorie • Drogen • Drogenkonsum • DSM-IV • Durchschnittsgesichter • dynamische Eigenschaften

deduktives Denken siehe S. 264

Eine Form des → Schlussfolgerns. »Logisches oder schlussfolgerndes Denken bezieht sich auf den Prozess, durch den der Mensch von schon Bekanntem zu weiterem Wissen gelangt.« (Anderson, 1996, 303) Fast immer können aus einem explizit formulierten komplexen Wissensbestand auch implizite (indirekt erschließbare) Wissensinhalte abgeleitet werden. Wenn man zum Beispiel weiß, dass Gehirnerkrankungen das geistige Leistungsvermögen beeinträchtigen können, und wenn Enzephalitis eine Gehirnerkrankung ist, dann weiß man, dass diese Erkrankung eine intellektuelle Schädigung hervorrufen kann. Während in der Logik korrekt durchgeführte deduktive Schlüsse (»Syllogismen«) immer wahr sind, trifft dies für »psycho-logische« Schlüsse nicht unbedingt zu.

Deindividuation siehe S. 364

Die Deindividuation bzw. → Deindividuierung ist ein Gruppeneffekt, nämlich der teilweise Verlust der eigenen Identität und der persönlichen Verantwortung, wodurch die Tendenz zu impulsiven, irrationalen und situationsgesteuerten Reaktionen steigt. Diese Reaktionsweise kommt vor allem beim Eindruck von Anonymität in einer Gruppe zustande, kann aber auch durch starken Stress oder durch Drogen ausgelöst werden (Postmes & Spears, 1998).

Deindividuierung siehe S. 364

Siehe → Deindividuation.

deklarativ siehe S. 224

Meint hier deklarative Gedächtnisinhalte, eine Komponente des → Langzeitgedächtnisses. Als deklarative Gedächtnisinhalte gelten (episodische) Erinnerungen und (semantisches) Wissen über Sachverhalte bzw. Fakten (»Gewusst was«).

Depression siehe S. 405

Als depressive Episode bezeichnet man einen Zustand, der durch Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessemangel, Ängstlichkeit, Unruhe, Konzentrationsschwäche, Hoffnungslosigkeit, Appetitmangel, Schlafstörungen, Schuldgedanken sowie negatives Denken gekennzeichnet ist. Die übliche Dauer, ab der ein solcher Zustand als depressive Störung diagnostiziert wird, ist ungefähr zwei Wochen (HFA-DB, 2016). Depressive Episoden treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern, in mehr als 50 % der Fälle findet man daneben noch andere mentale Störungen (z. B. Panik- und Angststörungen), die oft auch als Mitverursachung von Depressionen gesehen werden können. Unbehandelt dauert eine depressive Episode von einem halben (ca. 50 %) bis zu einem Jahr (ca. 70 %), wobei Pharmakotherapie die Dauer nicht verkürzt, sondern nur die Intensität der Symptome abschwächt. Die Rückfallrate ist für unbehandelte Fälle relativ hoch und beträgt für zwei Jahre zwischen 60 und 70 %. Als erfolgreiche Therapieformen bei Depressionen erwiesen sich besonders die Verhaltenstherapie, die interpersonale Therapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva.

Deskriptivstatistik siehe S. 72 f.

Die deskriptive Statistik bietet charakteristische, formelhafte Beschreibungen oder grafische Darstellungen für eine große Zahl von Fällen, Variablen oder Variablenrelationen an.

Diagnosesysteme siehe S. 402

Seit etwa 50 Jahren bedient man sich in der Psychiatrie und in der Klinischen Psychologie normierter Diagnosesysteme (z. B. DSM-IV). Als nachteilig an der Verwendung von Diagnosesystemen mag zwar die Gefahr von Stigmatisierungen oder Etikettierungen angeführt werden, doch klare, statistisch überprüfbare Diagnoserichtlinien erlauben es sowohl Therapeuten wie Forschern, präzise miteinander zu kommunizieren (Schneider & Margraf, 2003). Ein Vorteil ist auch die Möglichkeit einer Standardisierung der Befunderhebung mittels → diagnostischer Interviews und Checklisten (z. B. DIPS), womit die Güte (Objektivität, Reliabilität) von Störungsdiagnosen gesteigert wird (Margraf et al., 2017).

Diagnostik siehe S. 400 f.

Hier ist die Diagnostik → psychischer Störungen gemeint. Ob das Erleben oder Verhalten eines Menschen von Expertinnen und Experten als krankhaft eingestuft wird, hängt im Allgemeinen von vier Kriterien ab (Kryspin-Exner, 2006; Davis & Palladino, 2007), kann aber bei Bedarf in einem detaillierten Prozess der Diagnostik anhand von speziellen Diagnosesystemen noch genauer abgeklärt werden:

•Subjektiv empfundene Belastung (»Leidensdruck«)

•Behinderung bei der Bewältigung alltäglicher Lebenssituationen (»Beeinträchtigung«, »Dysfunktionalität«)

•Selbstgefährdung oder Bedrohung der Sicherheit anderer Personen (»Gefährdung«)

•Abweichung von gesellschaftlichen Regeln, Normen und Wertvorstellungen (»Irrationalität«, »Devianz«)

Diskrimination siehe S. 188, 191

→ Generalisation und Diskrimination sind hier Aspekte, die das instrumentelle Konditionieren als Lernform kennzeichnen: Die Prozesse der Verallgemeinerung und der Spezifizierung können sich auf die Situationen, auf die Reaktionen sowie die Konsequenzen beziehen. In manchen sozialen Situationen müssen zum Beispiel für die Auswahl eines erfolgreichen Verhaltens spezielle Bedingungen beachtet werden, für die eine gute soziale Wahrnehmung Voraussetzung ist. Ebenso können dem Erfolg enge Verhaltensgrenzen etwa im Sinne sozialer Kompetenz gesteckt sein. Aber auch angenehme Konsequenzen wirken auf manche Menschen nur in differenzierter Form (z. B. Lob nur, wenn nicht schulmeisterlich), während etwa Geld als generalisierter (erlernter) Verstärker gelten kann.

Distinctiveness-Effekt siehe S. 228

Einer von fünf relevanten Effekten für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das → Langzeitgedächtnis. Die Originalität (Einmaligkeit, Besonderheit, Eigentümlichkeit, Exklusivität) von Speicherinhalten bzw. deren Unähnlichkeit zu anderen Speicherinhalten ist eine Einprägungshilfe. Je markanter das Eigenschaftsprofil von Informationseinheiten subjektiv hervortritt, desto klarer (weniger verwechselbar) prägt sich dessen Inhalt im Gedächtnis ein.

Dominanz siehe S. 317

Das Bedürfnis, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen.

Door-in-the-face-Technik siehe S. 344 f.

Durch eine überzogene Bitte oder Forderung, die erwartungsgemäß von der angesprochenen Person abgelehnt wird, kann deren Bereitschaft für ein kleineres Entgegenkommen aufbereitet werden.

Doppel-blind-Verfahren siehe S. 83

Wird eingesetzt, um → Artefakte bei Experimenten zu reduzieren. Weder die Versuchspersonen noch die unmittelbar das Experiment betreuenden Forscherinnen und Forscher dürfen über die Art der experimentell gesetzten Einwirkungen Bescheid wissen.

Dreifarbentheorie siehe S. 153

Seit mehr als zweihundert Jahren ist bekannt, dass sich das gesamte Farbenspektrum durch Mischung von drei Grundfarben erzeugen lässt. Bereits in der Dreifarbentheorie von Thomas Young (1737–1829) und Hermann von Helmholtz (1821–1894) wurden drei Arten von Zapfen in der Retina (Netzhaut) vermutet, aufgrund deren unterschiedlich starker Reizung alle möglichen Farbvariationen wahrnehmbar sind. Tatsächlich entdeckte man später drei Zapfenarten (»trichromatisches Farbsehen«), die bevorzugt auf kurze (419 nm), mittlere (531 nm) oder lange Wellenlängen (558 nm) reagieren, sodass aus den jeweils zugeordneten Empfindungen »Blau«, »Grün« und »Rot« alle anderen Farbempfindungen kombiniert werden können.

Drogen siehe S. 116

Drogen wie z. B. Rauschgifte sind psychoaktive Substanzen, die besonders starke Auswirkungen auf das Bewusstsein haben und massive Erlebnisveränderungen herbeiführen können.

Drogenkonsum siehe S. 118 f.

Der Konsum von → Drogen führt zu psychischer oder physiologischer → Abhängigkeit (»craving«) oder zu Sucht. Kontinuierlicher Konsum einer Droge erhöht die → Toleranz, sodass immer größere Mengen benötigt werden, um den gleichen Effekt auszulösen. Bei Abhängigkeit von einem Stoff entsteht ein zunehmend unwiderstehlicher Drang danach, bei → Sucht bewirkt das Absetzen des Stoffes → Entzugserscheinungen. Bei manchen Substanzen (z. B. Kokain) kann bereits die einmalige Einnahme zur Sucht führen. Dass manche Drogen bei Jugendlichen eher rückläufig sind, zeigen einschlägige Umfragen zum Drogenkonsum, während hingegen die Gefährdung durch Internet- und Computerspielsucht zuzunehmen scheint (Spitzer, 2015) – zumindest für die männliche Jugend (60 % spielen häufig, nur 8 % der Mädchen; Kraus & Piontek, 2016). Die Wirkung psychoaktiver Substanzen ist bedingt durch die Produktion, Ausschüttung oder Hemmung von Neurotransmittern, also jenen Stoffen, die für die Übertragung elektrischer Impulse im Nervensystem verantwortlich sind. Das gesteigerte Bedürfnis nach psychoaktiven Substanzen (bei Abhängigkeit oder Sucht) erklärt sich nach derzeitigem Wissen durch ihre Wirkung auf das Belohnungssystem des Gehirns, wodurch über das Vorderhirn verhaltensverstärkende Effekte erzeugt werden (Pritzel et al., 2003).

DSM-IV siehe S. 402

Von der »American Psychiatric Association« (2006) herausgegebenes Manual, welches zwar ähnlich dem Diagnoseschlüssel der WHO ist, sich aber mehr als dieser um eine empirisch bestätigte, systematische und integrative Betrachtungsweise von Störungen bemüht (»multiaxiales Klassifikationssystem«). Kritisiert wird bei der neuen Fassung DSM-V (www.dsm5.org) eine noch immer geringe Validität der Diagnosen, eine nicht immer nachvollziehbare Vermehrung der Störungen sowie eine Nahebeziehung von Autorinnen und Autoren zu Pharmafirmen.

Durchschnittsgesichter siehe S. 149

Gesichter, die aus vielen Fotografien mittels Computer erzeugt wurden (Rhodes, 2006), werden als besonders schön empfunden, wobei die Ausmaße der einzelnen Gesichtsmerkmale (Augen, Nase, Mund, Stirn) und deren Abstände gemittelt sind.

dynamische Eigenschaften siehe S. 151

Ein aufschlussreiches Experiment von Johansson (1986) zeigt auf, dass im Gehirn nicht nur statische Muster für Objekte gespeichert sind, sondern auch dynamische Eigenschaften (mögliche Veränderungsmuster). Er befestigte schwach leuchtende Lämpchen an den »zwölf wichtigsten Gelenken« von Personen, die in schwarze Trikots gekleidet waren, und ließ sie durch einen völlig abgedunkelten Raum gehen oder miteinander tanzen. Wenn die gefilmten Lichtspuren Versuchspersonen gezeigt wurden, konnten diese innerhalb von Sekunden erkennen, dass es sich hier um Menschen in Bewegung handelt. Die dynamischen Eigenschaften von Objekten und von Situationen sind als Transformationsmuster im Wahrnehmungssystem gespeichert und können zur Identifikation von Objekten und zur Einschätzung von Abläufen genutzt werden.

E

Begriffe im Überblick

echoisches Gedächtnis • Effektstärke • Effektüberlagerungen • Eidetik • Eigendynamik • Eigenschaftsräume • Einprägen • Einschätzung der Geschwindigkeit • Einsicht • Einstellungen • Einstellungsähnlichkeit • Einstellungsänderungen • Einstellungsstabilität • Einstellungs-Verhaltens-Konsistenz • Elaboration Likelihood Model • Elaborationseffekt • Emotion • emotionsorientiertes Coping • Emotionsraum • Empirie • empirische Einheiten • empirisches System • Encoding-Specifity Principle • Endorphine • Enkodierung • Entfernung • Entspannungstechnik • Entspannungstherapien • Entzugserscheinungen • episodisch • Erbkoordinationen • Erblichkeitsschätzung • Erfolgsintelligenz • Erfolgslernen • Ergebniswissen • Erregungstransfer • Erwartung-Wert-Theorien • Erwerb • Ess-Brechsucht • Ethogramm • Ethologie • evolutionäre Perspektive • Exemplartheorien • Experimentalgruppe(n) • Expertise • explorativ • externale Attribution • Exterozeptoren • Extraversion • extrinsische Motivation

echoisches Gedächtnis siehe S. 217

Vom (akustischen) echoischen Gedächtnis (gehört zum → sensorischen Gedächtnis oder → Ultrakurzzeitgedächtnis) nimmt man an, dass es bis in den Sekundenbereich reicht, sodass es sich nur unscharf vom stabileren Kurzzeitgedächtnis abgrenzen lässt.

Effektstärke siehe S. 75

Als Effektstärke wird das Ausmaß des statistischen Effektes einer → Variablen auf eine oder mehrere andere Variablen bezeichnet.

Effektüberlagerungen siehe S. 67

Bei den meisten psychologischen Subdisziplinen ist für die Bestätigung von Gesetzen die Heranziehung wahrscheinlichkeitstheoretischer Überlegungen bzw. der Einsatz von Statistik notwendig. Neben der Multikausalität, die zu Effektüberlagerungen bei den untersuchten Phänomenen führt, ist hierfür noch ein weiterer Grund zu nennen (Steyer, 2003): die oft erhebliche Fehlerüberlagerung von Daten und Messwerten (Messfehler). Denn man ist in der Psychologie oft damit konfrontiert, dass Phänomene nur vage, verschwommen oder verzerrt registrierbar sind, und somit gezwungen, mittels statistischer Methoden die Messfehler oder Effektüberlagerungen auszufiltern und für Kennwerte oder Variablenbeziehungen Schätzwerte zu berechnen.

Eidetik siehe S. 217

Die Sonderbegabung weniger Personen, optische Wahrnehmungseindrücke auch noch nach vielen Sekunden detailreich aus der Vorstellung wiedergeben zu können, nennt man Eidetik oder → fotografisches Gedächtnis. Untersuchungen aus der Frühzeit der Psychologie lassen vermuten, dass diese Fähigkeit bei Kleinkindern stärker ausgeprägt ist als bei Erwachsenen und mit der Zunahme des begrifflichen Denkens verloren geht.

Eigendynamik siehe S. 252

Bei allen Problemlösungen, die Einflussnahmen auf Personen, technische Aggregate oder Gesellschaftssysteme beinhalten, ist auch die Eigendynamik dieser »Systeme« mit zu berücksichtigen. Diese bewirkt nämlich, dass bestimmte Zustände im System mit größerer Wahrscheinlichkeit angestrebt werden als andere (»Attraktoren«), sodass der Aufwand für Problemlösungen umso geringer wird, je besser es gelingt, die Eingriffe im System auf dessen Eigendynamik abzustimmen. Beim Menschen sind diesbezüglich seine angeborenen oder erworbenen Anpassungsmechanismen (z. B. Reflexe, Erbkoordinationen, Konditionierungen, Gewohnheiten) einzubeziehen sowie seine Tendenz zum Aufsuchen positiver Gefühlslagen (»Hedonismus«). Bei vielen menschlichen Problemlösungen muss trotzdem leider oft mit beträchtlichem Aufwand gegen die emotionale oder triebbedingte Eigendynamik (Wünsche, Ängste, Aggressionen, …) angekämpft werden. Die Neigung zum bequemen Auto erschwert zum Beispiel die Lösung von Verkehrsproblemen, der Hang zum Fernsehen oder Computerspielen behindert die Lösung schulischer Probleme, und Suchttherapien gelingen oft erst nach Entwicklung alternativer Befriedigungsmöglichkeiten.

Eigenschaftsräume siehe S. 210

Durch die Simulation von Eigenschaftsräumen im Kortex können Leistungen biologischer Speicher erforscht werden.

Einprägen siehe S. 208

Als biologischer Zweck des Lernens im Allgemeinen und des Einprägens von Wissen im Besonderen kann die Entwicklung organismusinterner Modelle von Lebensumwelten gelten, die damit besser vorhergesagt und kontrolliert werden können. Die Speicherkapazität des Gehirns wäre jedoch überfordert, wenn die gesamte über die Sinne einströmende Informationsmenge (ca. 109 bit/s; Keidel, 1963) dauerhaft eingeprägt werden müsste (das wären ca. 57,6 Terabyte an einem 16-Stunden-Tag). Es haben sich daher im Laufe der evolutionären Entwicklung im Nervensystem viele Filtermechanismen und Speicherstrategien herausgebildet, die auf eine sparsame und dennoch leistungsfähige Informationsverarbeitung abzielen. Diese besteht im Wesentlichen darin, dass aus den wechselnden Erscheinungsweisen unserer Wirklichkeit weitgehend konstante räumliche oder zeitliche Muster extrahiert werden, die in gespeicherter Form für die Selektion und Klassifikation von Ereignissen eingesetzt werden. Solche Muster betreffen Konfigurationen von Merkmalen (Gestalten), regelmäßige Aufeinanderfolgen von Reizen und Reaktionen bzw. Reiz-Reiz- und Reiz-Reaktions-Kombinationen (Konditionierungen), Ketten von Verhaltenselementen (Fertigkeiten) und abstrakte geistige Ordnungen (Begriffe, Schemata oder Schlussfolgerungen). »Gegeben ist jeweils die Erfahrung (also eine Teilmenge aller möglichen Erfahrungen der Realität), und gesucht (d. h. für den Organismus zu lernen) ist die für den Organismus beste Abbildung der Realität« (Spitzer, 1996, 58). Wie von McClelland, McNaughton und O’Reilly (1995) hervorgehoben wird, hat diese Zielsetzung starke Ähnlichkeit mit der Schätzung von Parametern (z. B. von Mittelwerten) in der Statistik.

Einschätzung der Geschwindigkeit siehe S. 152

Beim Erlernen von Fertigkeiten (Schreiben, Klavierspielen, Tennis, Jonglieren, Hochspringen etc.) müssen Verhaltenskomponenten zum richtigen Zeitpunkt ausgelöst und visuell koordiniert werden, wofür vor allem die korrekte Einschätzung der Distanz von Objekten wichtig ist. Für die Einschätzung der Geschwindigkeit sich nähernder Objekte (»time to contact«) – insbesondere in Situationen, bei denen kaum andere Tiefenhinweise zur Verfügung stehen und in denen schnell auf Reize reagiert werden muss (z. B. beim Bremsen im Verkehr, Fangen von Gegenständen, Landen von Flugzeugen) – scheinen jedoch nur die Größenveränderungen der sich nähernden Reize im Netzhautbild genutzt zu werden (Lee, 1976).

Einsicht siehe S. 259

Einsicht in ein Problem entsteht, wenn relevante Problembedingungen erkannt werden. Bereits in frühen gestaltpsychologischen Untersuchungen wurde auf das sogenannte »Aha-Erlebnis« hingewiesen, welches bei verschiedenen Aufgabenstellungen – offenbar durch Verbesserung der Einsicht in relevante Aspekte der Problemsituation – schlagartig zu einer Lösung führt.

Einstellungen siehe S. 337

Einstellungen sind kognitive oder emotionale Bewertungsergebnisse für Objekte, Personen, Tätigkeiten oder Situationen.

Einstellungsähnlichkeit siehe S. 354

Je mehr Einstellungsübereinstimmungen sich in einem Gespräch zwischen zwei Personen herausstellen, desto größer ist die resultierende wechselseitige Anziehung. Ausgenommen davon sind jene Persönlichkeitseigenschaften und Einstellungen, die man an sich selbst negativ beurteilt oder von denen man annimmt, dass sie zu Konflikten führen könnten.

Einstellungsänderungen siehe S. 341 ff.

Eine Einstellungsveränderung ist zumeist kein passiver Prozess, der einfach durch Berieselung mit Argumenten zustande kommt, sondern beruht wesentlich auf der Bereitschaft und der Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten. Nach

dem → Elaboration Likelihood Model (ELM) von Petty und Cacioppo (1986) kann die Motivation, sich mit Mitteilungen zu beschäftigen, sowohl über den zentralen Pfad (Interesse an den Inhalten) hervorgerufen werden als auch über den peripheren Pfad (Sympathie, Autorität, Rhetorik etc.). Einstellungsänderungen, die durch intensives Nachdenken zustande kommen (zentraler Pfad), sind gemäß dieser Theorie beständiger und verhaltensrelevanter als jene, die eher oberflächlich entstehen (peripherer Pfad).

Einstellungsstabilität siehe S. 341

Je extremer eine bestimmte Einstellung bei einer Person ausgeprägt ist – wie zum Beispiel stark emotional gefärbte Vorurteile oder Werthaltungen –, desto mehr Begründungen und desto gewichtigere Argumente werden dafür gefunden und desto größer ist daher im Allgemeinen die Einstellungsstabilität (Herkner, 1991). Bei einer stabilen und argumentativ gut abgesicherten Meinung ist der Akzeptanzbereich für eine mögliche Einstellungsveränderung wesentlich kleiner als bei instabilen Meinungen.

Einstellungs-Verhaltens-Konsistenz siehe S. 338

Je mehr eine Person bestimmten Einstellungen Bedeutung zuschreibt, je weniger sie sich sozial beeinflussen lässt und je mehr sie an die Durchsetzbarkeit ihrer eigenen Meinungen glaubt (→ internale Attribution), desto größer ist auch die beobachtbare Einstellungs-Verhaltens-Konsistenz bzw. desto mehr stimmt ihr Verhalten mit den geäußerten Einstellungen überein (s. etwa Herkner, 1991).

Elaboration Likelihood Model siehe S. 342

Nach dem Elaboration Likelihood Model (ELM) von Petty und Cacioppo (1986) kann die Motivation, sich mit Mitteilungen zu beschäftigen, sowohl über den zentralen Pfad (Interesse an den Inhalten) hervorgerufen werden als auch über den peripheren Pfad (Sympathie, Autorität, Rhetorik etc.).

Elaborationseffekt siehe S. 231

Relevanter Effekt für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das → Langzeitgedächtnis. Das bloße Wiederholen von Wissensinhalten, ohne darüber intensiver nachzudenken, ist als Lerntechnik heute veraltet. Craik und Lockhart (1972) heben die Bedeutung der »Tiefe der Verarbeitung« (»levels of processing theory«) für die Speicherung hervor und verstehen darunter das Reflektieren über die Bedeutung der Inhalte und über deren Anbindung an bereits aufgenommenes Wissen. Je mehr der gesamte Bedeutungsumfang neuer Information bewusst wird, je lebendiger die davon ausgelösten Vorstellungen sind und je mehr Assoziationen zu anderen Wissensinhalten geweckt werden, desto größer ist die Chance, dass diese Informationen langzeitlich abgelegt werden. Künstlich kann man die Elaboration des Stoffes in Experimenten etwa dadurch steigern, dass absichtlich falsch geschriebener Text korrigiert werden muss

oder dass ersucht wird, eigene Formulierungen für die aufzunehmenden Wissensinhalte zu bilden (Paraphrasieren). Eine spezielle Bedeutung hat dabei auch der Bezug zur eigenen Person. Je mehr Assoziationen die lernende Person von den Wissenseinheiten zu ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen herstellen kann, desto größer ist der → Selbstbezugseffekt und damit die Einprägungswahrscheinlichkeit für das jeweilige Lernmaterial.

Emotion siehe S. 295

Obwohl Emotionen eine tragende Rolle im Leben des Menschen spielen, sind sich die Forscherinnen und Forscher bis heute über eine allgemeine Definition nicht einig geworden, ebenso nicht über die Anzahl eventuell fundamentaler Emotionsqualitäten (z. B. Freude, Trauer, Zorn), über die genetische Veranlagung und kulturelle Universalität emotionalen Ausdrucks sowie über das Ausmaß des Einflusses von Emotionen auf kognitive Prozesse (LeDoux, 1995). In der psychologisch-wissenschaftlichen Terminologie wird Emotion häufig als Oberbegriff für eine wertende, integrative und komplexe Reaktion des Organismus auf eine gegebene Situation oder einen auslösenden Reiz verwendet. Lazarus (1991) schlägt eine »Cognitiv-Motivational-Relational Theory of Emotion« vor, die besagt, dass in einer Emotion sowohl Informationen über die Umwelt als auch individuelle Einschätzungen der Situation enthalten sind, wobei in Letzteren auch bedürfnisorientierte Ziele zum Ausdruck kommen. Insgesamt kennzeichnet also eine Emotion die momentane Person-Umwelt-Relation, die entweder als vorteilhaft oder als nachteilig empfunden wird.

emotionsorientiertes Coping siehe S. 417

Eine Form des → Copings. Bereits in den 60er-Jahren wurde von Richard Lazarus eine Differenzierung vorgeschlagen zwischen → problemorientiertem Coping, bei dem die Problemsituation selbst verändert werden soll, und emotionsorientiertem Coping, bei dem an den kognitiven, emotionalen und körperlichen Reaktionen angesetzt wird (s. Folkman et al., 1986). Emotionsorientiertes Coping ist vor allem dann angebracht, wenn die Belastungsfaktoren der Realität (zumindest momentan) nicht beseitigbar sind, wie etwa bei starken Schmerzen, chronischen Krankheiten oder persönlichen Verlusterlebnissen. Auf negative Emotionen (z. B. Angst, Aggression, Nervosität) kann entweder über deren kognitiven oder auch affektiven Anteil eingewirkt werden. Im ersten Fall lassen sich fehlentwickelte Kognitionen wie etwa übertriebene Bewertungen, unrealistische Befürchtungen und unerfüllbare Erwartungen aufdecken und in korrigierter Form neu einspeichern, ja sogar »einüben« (»kognitive Umstrukturierung«, Stressbewältigungstraining).

Emotionsraum siehe S. 298

→ Emotionen unterscheiden sich von rein kognitiven Bewusstseinsinhalten im Wesentlichen dadurch, dass sie entweder als angenehm oder als unangenehm erlebt werden und/oder mit einem überoder unterdurchschnittlichen Grad an zentralnervöser oder physiologischer Aktivierung verbunden sind. Im zweidimensionalen Emotionsraum ergibt sich daraus eine kreisförmige Anordnung der verschiedenartigen emotionalen Reaktionen (Russell & Barrett, 1999; Barrett et al., 2007). Ob tatsächlich die Angenehm-unangenehm-Bewertung sowie die Über- und Unteraktivierung als voneinander unabhängige Dimensionen des flächigen Emotionsraumes gelten können, oder ob nicht vielleicht Positivbewertungen und Negativbewertungen zwei unabhängig voneinander ablaufende Stellungnahmen mit manchmal ambivalentem Ergebnis sind, ist weitgehend ungeklärt (Watson et al., 1999).

Empirie siehe S. 56 f.

In der sozialwissenschaftlichen Forschung werden aus einer Vielzahl von Strukturen und Abläufen in der psychischen oder sozialen Realität – der sogenannten Empirie – jene Phänomene identifiziert, die Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchungen werden sollen.

empirische Einheiten siehe S. 59

Als empirische Einheiten kommen in der Psychologie beliebige statische oder dynamische Systeme infrage (z. B. Personen, Gruppen, Situationen, Abläufe), in denen sich psychische Gesetzmäßigkeiten äußern.

empirisches System siehe S. 57

In der psychologischen Methodenlehre unterscheidet man zumeist ein empirisches System, das die Forschungsdaten liefert, und ein → theoretisches System, das die Gesetze und Erklärungen zu formulieren gestattet, und bezeichnet die Vorgangsweisen, Methoden und Instrumente, die zwischen beiden eine Verbindung herstellen, als Korrespondenzsystem. Im empirischen System werden Phänomene menschlicher Erfahrung ausgewählt und in ihren konkreten Erscheinungsweisen (Tatsachen) verbal oder symbolisch (über Indikatoren) protokolliert.

Encoding-Specifity Principle siehe S. 238

Entsprechend dem Encoding-Specifity Principle von Tulving und Thomson (1973) werden Gedächtnisinhalte dann besser reproduziert, wenn in der Prüfsituation die gleichen Merkmale als Abrufhilfen herangezogen werden, die auch bei der Aufnahme der Information als deren Charakteristika wahrgenommen wurden (Meyer & Schvaneveldt, 1971). Dies kann man auch im Alltag beobachten, wenn man zum Beispiel beim Gehen in ein anderes Zimmer eine beabsichtigte Tätigkeit vergessen hat und sich bei der Rückkehr in die ursprüngliche Situation wieder daran erinnert. Besonders wirksame Retrieval Cues sind solche, die in enger logischer oder kausaler Beziehung zu den Merkinhalten stehen und bereits in der Einprägungssituation mit diesen assoziiert waren (Kenealy, 1997).

Endorphine siehe S. 162 f.

Endorphine sind körpereigene Opiate. Ihre Ausschüttung kann als körpereigene Schmerzbekämpfung angesehen werden, die bei Verletzungen oder großen körperlichen Belastungen (z. B. Marathonlaufen, Extrembergsteigen) eine Stimmungsaufhellung und größere Schmerztoleranz bewirkt (Corder et al., 2019).

Enkodierung siehe S. 227

Hier ist die Aufnahme von Wissen gemeint. Entscheidend für die Gedächtnisleistung sind die Formen, in denen Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden (z. B. als Melodien, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken usw.), und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (z. B. Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw.). Jeder Enkodierung von Speicherinformation geht eine Filterung voraus, die durch Gestaltbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches.

Entfernung siehe S. 146

Der Anblick von Gegenständen ändert sich mit der Tageszeit, Beleuchtung, Perspektive und Entfernung. Damit sie dennoch konstant als die gleichen identifiziert werden können, müssen ihre möglichen situativen Veränderungen in Helligkeit, Farbigkeit, Größe und Betrachtungswinkel bekannt sein. So kann das aktuelle Wahrnehmungsbild korrigiert werden. Durch diese Leistungen der → Wahrnehmungskonstanz werden entfernte Erwachsene nicht als Kinder gesehen, Bäume werden in der Dämmerung immer noch als grün erlebt, und bekannte Formen (z. B. Kreise, Rechtecke, Säulen) können trotz perspektivischer Verzerrung erkannt werden. Für die Größeneinschätzung von Gegenständen, deren absolute Ausdehnung nicht bekannt ist, wird die Größe des Netzhautbildes mit der geschätzten Entfernung (Tiefenwahrnehmung) in Beziehung gesetzt. Ein gutes Beispiel dafür ist die jedem aus eigener Erfahrung bekannte, bereits früh erforschte Mondtäuschung (Kaufman & Rock, 1972). Sie besteht darin, dass der Mond am Horizont um etwa 50 % größer erscheint als im Zenit. Dies ist damit zu erklären, dass er am Horizont aufgrund der dazwischen liegenden Landschaftselemente als weiter weg eingestuft wird als am Zenit. Je nachdem also, ob ein Objekt als eher nah oder als eher fern erscheint, wird es vergleichsweise als kleiner oder als größer eingeschätzt.

Entspannungstechnik siehe S. 418

Durch eine erlernte Entspannungstechnik (z. B. durch ein »Loslassen« der Muskeln nach Vortraining in Progressiver Muskelentspannung; Jacobson, 2006) kann physiologische Aktivierung in Stresssituationen reduziert werden.

Entspannungstherapien siehe S. 426

Entspannungstherapien und → Hypnosetherapien (Progressive Muskelentspannung, → Autogenes Training, Meditation, → Hypnose) bezwecken eine Harmonisierung der physiologischen und vegetativen Körperfunktionen, insbesondere eine Senkung des allgemeinen Aktivierungsniveaus und eine Senkung der Intensität emotionaler Aktivierungs- und Stressreaktionen.

Entzugserscheinungen siehe S. 119

Bei → Abhängigkeit von einem Stoff entsteht ein zunehmend unwiderstehlicher Drang danach, bei → Sucht bewirkt das Absetzen des Stoffes Entzugserscheinungen, die sich in Konzentrationsmangel, Schläfrigkeit, Unruhe, Niedergeschlagenheit, emotionaler Labilität, Schlafstörungen, Angstzuständen, Ungeduld, vermehrter Aggression, Herzrasen, Schwitzen, Gänsehaut, Zittern, Benommenheit, Erbrechen oder sogar in tödlichen Komplikationen äußern können.

episodisch siehe S. 225

Meint hier episodische Inhalte, eine Komponente des → Langzeitgedächtnisses. Episodische Inhalte (räumlich und zeitlich definierte Erlebnisse) werden überwiegend in den Assoziationszentren der rechten, semantische Inhalte überwiegend in jenen der linken Gehirnhemisphäre mit wesentlicher Beteiligung des Hippocampus vermutet, während das → limbische System eher für den Aufbau des Gedächtnisses und der frontale und temporale Kortex eher für den Abruf wichtig zu sein scheint.

Erbkoordinationen siehe S. 169

Erbkoordinationen (Angeborene Auslösermechanismen/AAM) sind reizabhängige Verhaltensprogramme, die nicht durch individuelle Erfahrungen erworben werden, sondern in einem bestimmten Alter des Lebewesens ausreifen. Als angeborener Auslöser darf das sogenannte Kindchenschema gelten (Lorenz, 1943), auf welches der Mensch (und andere Säuger) gefühlsmäßig reagiert (»süß«, »herzig«, »niedlich«) und mit »Pflegereaktionen« antwortet (z. B. streicheln, liebkosen). In Cartoons und bei Puppen werden die typischen Merkmale (relativ großer Kopf, große Augen, pummelige Gliedmaßen) zur Steigerung des Effektes oft übertrieben dargestellt.

Erblichkeitsschätzung siehe S. 287

Ausmaß des genetischen Einflusses auf ein Persönlichkeitsmerkmal.

Erfolgsintelligenz siehe S. 286

Das Konzept der Erfolgsintelligenz (»Theory of Successful Intelligence«) von Sternberg (1997) bezweckt eine besondere Annäherung der Intelligenzmessung an Alltagserfordernisse. Sie wird definiert als

•Fähigkeit, im persönlichen Rahmen innerhalb des soziokulturellen Kontextes Erfolg zu haben,

•als Begabung zur Nutzung eigener Stärken und zur Kompensation eigener Schwächen,

•und erfordert eine Balance zwischen analytischer (schulischer, akademischer), kreativer und praktischer Intelligenz.

Erfolgslernen siehe S. 190

Erfolgslernen (instrumentelles Konditionieren) ist eine Form des Lernens. E. L. Thorndike formulierte 1898 mit seinem »Gesetz des Effektes« (engl. »law of effect«) als Erster das Grundprinzip der → instrumentellen Konditionierung: Verhalten ändert sich durch den Effekt, den es auslöst, belohnende Konsequenzen stärken die Verhaltenstendenz, bestrafende Konsequenzen schwächen sie.

Ergebniswissen siehe S. 196

Die Abweichung des Verhaltensergebnisses vom Verhaltensziel wird auch als Ergebniswissen (»knowledge of result«) bezeichnet. Präzise Rückmeldungen darüber sind sehr wichtig für die Optimierung motorischer Fertigkeiten (»tuning«). Wenn dieses Feedback über die Zielerreichung verfälscht, ungenau oder verzögert ist, kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Lernprozess (Mazur, 2004).

Erregungstransfer siehe S. 308

Die mit einer Emotion einhergehende Aktivierung kann eine nachfolgende andere Emotion im Auftreten begünstigen oder intensiver erleben lassen. So kann ein intensives Angstgefühl in Aggression umschlagen, in einen Weinkrampf – bei Wegfall der Bedrohung – oder in übertriebenes Gelächter. Dieser Erregungstransfer konnte auch experimentell nachgewiesen werden (z. B. Cantor, Bryant & Zillmann, 1974): Probanden, denen emotional erregende, aber nicht witzige Geschichten zum Lesen vorgegeben wurden, fanden danach Witze und Cartoons amüsanter als jene, die davor gleichartige, aber weniger aufregende Geschichten gelesen hatten.

Erwartung-Wert-Theorien siehe S. 312

Wie stark sich ein Anreiz motivierend auswirkt und sich im Verhalten niederschlägt, hängt davon ab, welche Bedeutung dem angestrebten Zielzustand zugeschrieben und für wie wahrscheinlich sein Auftreten eingeschätzt wird. Die sogenannten Erwartung-Wert-Theorien postulieren, dass die Motivation – z. B. für eine finanzielle Entscheidung – aus dem Produkt Erwartung × Wert geschätzt werden kann. Die Motivation erreicht ihr Minimum, wenn entweder die subjektive Chance zur Erlangung des angestrebten Zustands oder dessen subjektiver Wert gegen Null geht.

Erwerb siehe S. 201

Begriff aus der → sozial-kognitiven Lerntheorie; eine Verhaltensweise wurde durch Beobachtung innerlich (»latent«) gelernt.

Ess-Brechsucht siehe S. 317

Die Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa) ist eine Essstörung. Essstörungen kommen vorwiegend bei jungen Frauen vor (Prävalenz: ca. 1–3 %) und können ebenfalls erhebliche Gesundheitsschäden verursachen (Untertemperatur, Haarausfall, Darminfektionen, Ausbleiben der Regel, Osteoporose, …).

Ethogramm siehe S. 85

Einen Katalog möglicher Verhaltensweisen in natürlichen Umweltbedingungen nennt man in der Verhaltensforschung Ethogramm, innerhalb dessen ein »behavior mapping« charakterisiert, wer was wo tut (Hellbrück & Fischer, 1999).

Ethologie siehe S. 168

Verhaltensforschung.

evolutionäre Perspektive siehe S. 50

Die evolutionäre Perspektive ist eine der häufigsten gegenwärtig in der Fachliteratur genannten Forschungsperspektiven der Psychologie. Die Struktur der Psyche sowie ihre Dynamik werden als Resultat der evolutionsgeschichtlichen Entwicklung des Menschen betrachtet, bei der das Verhaltensrepertoire (z. B. Erbkoordinationen, Ritualisierungen) durch Selektion und Mutation an die jeweiligen (frühmenschlichen) Umweltbedingungen angepasst und genetisch weitergegeben wurde.

Exemplartheorien siehe S. 199

Exemplartheorien sind Begriffsbildungsmodelle, die davon ausgehen, dass einzelne, häufig vorkommende reale Erfahrungen gespeichert vorliegen (z. B. Schwalbe, Buchfink,…) und dann gemeinsam zur oberbegrifflichen Kategorisierung (z. B. Vogel) von neuen Erfahrungen herangezogen werden.

Experimentalgruppe(n) siehe S. 81

Häufig wird in psychologischen Experimenten der (den) Experimentalgruppe(n) (Versuchsbedingungen) eine Kontrollgruppe (Kontrollbedingung) gegenübergestellt. Den Fällen der Experimentalgruppen sind solche Ausprägungen der unabhängigen Variablen (Ursachenvariablen) zugeordnet, von denen ein Effekt auf die abhängigen Variablen (Wirkungsvariablen) erwartet wird, während den Fällen der Kontrollgruppe Ausprägungen der unabhängigen Variablen zugeteilt sind, denen kein systematischer Effekt zugeschrieben wird. Diese Gruppe dient somit nur dazu, Veränderungen zu erfassen, die entweder auf natürliche Weise auftreten (Zeiteffekte, Gewöhnungsprozesse etc.) oder durch die experimentellen Umstände selbst zustande kommen, nämlich durch die künstliche Situation oder den Eindruck, beobachtet zu werden.

Expertise siehe S. 259 f.

Expertise wird durch Erfahrungsgewinnung über viele gleichartige Problemsituationen erworben. Der Hauptunterschied zwischen einem Laien und einem Experten bzw. einer Expertin besteht wohl darin, dass Letztere(r) über einen bestimmten Erfahrungsbereich eine große Anzahl von möglichen Zuständen und Veränderungsmöglichkeiten im Langzeitgedächtnis gespeichert hat.

explorativ siehe S. 34

Bei einem explorativen Verfahren geht es darum, an einem Pool gewonnener Daten unbekannte Zusammenhänge zwischen Variablen zu finden.

externale Attribution siehe S. 323

Der Erfolg oder Misserfolg von Leistungen kann entweder personeninternen (Fähigkeit, Anstrengung) oder personenexternen Ursachen (Aufgabenschwierigkeit, Zufall) zugeschrieben werden (internale oder externale Attribution). Als → internale Attribution gilt, wenn ein Verhalten oder eine Leistung im Wesentlichen sich selbst zugeschrieben wird, wenn jedoch überwiegend andere Faktoren verantwortlich gemacht werden (Aufgabe, Situation), spricht man von externaler Attribution.

Exterozeptoren siehe S. 159

Exterozeptoren sind Sinneszellen, die Informationen über die Außenwelt liefern (über Auge, Ohr, Nase).

Extraversion siehe S. 394

Extraversion ist eine Eigenschaft der Persönlichkeit, die offenbar alltägliche Ereignisse positiv empfinden lässt und befriedigende Sozialkontakte erleichtert (»Soziabilität«). Extravertierte Menschen fühlen sich häufiger wohl als andere.

extrinsische Motivation siehe S. 311, 324

Ist ein motiviertes Verhalten hauptsächlich von der Umwelt ausgelöst (z. B. durch Entlohnung, Strafandrohung, Bewunderung), spricht man von extrinsischer Motivation, ist es hingegen stärker durch die Einstellungen, Werthaltungen oder Stimmungen der Person bedingt (z. B. durch Interesse, Bewegungsdrang, ethische Normen), von → intrinsischer Motivation.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
346 str. 11 ilustracji
ISBN:
9783846357156
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
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