Czytaj książkę: «Bern ... aus einer anderen Sicht»

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Peter Baumgartner

Bern ... aus einer anderen Sicht

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Sainte-Maxime 21.12.2020

Der dritte Lebensabschnitt

«Haute Couture» in Sainte-Maxime

Isidor Habersack

Frédéric

Sankt Peter

Der 1. März naht

Das Intro zum Roman

Serge

Lukas Fisch

Pointe de la Calle

Die Welt ist aus den Fugen

Der Bundesrat

«Die grösste Nation» der Welt

Carla

Ein Besuch bei Bernard

Lupo

Eine Partie Pétanque

Der Dalai Lama

Louis

Der Generalsekretär

Gérard und François

Die Abschiedsfeier

Das Echo der Zeit

Arthur Cohen

Der Polizeidirektor

Ein neuerlicher Auftrag für Philippe

Sonderbeauftragter des Bundesrates

Karim

Giovanni

Dr. Frankenstein alias Dr. Jammer alias …

Hugo Klötzli

Claude

Fernweh

Fritz Loosli

Périgord

Klima

Thermisch-physikalischen und mechanischen Gedanken

Le Bugue

Loosli, der Millionär

Arcachon

Loosli?

Place du Tertre

Le Commissariat de Police

Der Brief an den Bundesrat

Frédéric

Loosli oder Klötzli?

Georges Dubois

«animam efflare»

Siegfried Lenz

Anfang oder Ende?

Impressum neobooks

Sainte-Maxime 21.12.2020

PETER BAUMGARTNER

Bern… aus einer anderen Sicht


Roman

IMPRESSUM

Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe.

© 2021 Peter Baumgartner, Bern/Schweiz

peter.baumgartner@bluewin.ch

ISBN

NO JUSTICE, NO PEACE

# Black Lives Matter

Den Inhalt dieses Buches verdanke ich meiner Fantasie. – Ähnlichkeiten mit toten oder lebenden Personen oder realen Ereignissen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Frédéric sass in seinem Zeitschriftenkiosk im Zentrum von Sainte-Maxime. Als Sitzgelegenheit stand ihm ein Dreibeinsessel zur Verfügung. Dieser war zwar nicht sonderlich bequem, verhinderte jedoch, dass er wieder einschlafen würde. Es war noch früh am Morgen und praktisch niemand anders war bereits auf den Beinen. Wie jeden Morgen gab ihm seine Frau eine Thermoskanne gefüllt mit frisch gebrautem Kaffee, eine Flasche Mineralwasser, zwei Sandwiches und einen Apfel mit auf den Weg. Dies musste bis am Abend hinhalten. Erst dann gab es eine warme Mahlzeit, welche den aufgestauten Hunger stillen konnte.

Die Auslieferdienste der Druckereien hatten ihre Ware wie jeden Morgen sorglos in eine Ecke geworfen, und es lag nun an Frédéric, hier Ordnung in das ganze Wirrwarr zu bringen. Er brauchte dafür gut und gern eine halbe Stunde; erst dann war er bereit, seine Kundschaft zu empfangen.

Noch während er die Jalousie zu seinem Zeitungsstand hochkurbelte, hörte er ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit daherkommen. Die Fahrtrichtung war von Osten her. Das Fahrzeug hatte gut und gern 60 km/h drauf, vielleicht auch mehr, und es musste sich dem Motorengeräusch nach um einen schweren Wagen handeln. Frédéric drehte sich in Richtung des Brummens und er erkannte einen schwarzen Mercedes mit zumindest zwei Personen drin. Er schüttelte den Kopf und er war nicht abgeneigt, dem Fahrer seinen «Stinkefinger» der rechten Hand zu zeigen; er liess es dann allerdings sein. – So ein Idiot, dachte er. Und noch während er seine Arbeit fortsetzen wollte, näherte sich ihm das vermutlich gleiche Fahrzeug noch einmal; dieses Mal allerdings von der anderen Richtung.

Etwa 50 Meter von ihm entfernt gab es einen fürchterlichen Knall, und ein Gegenstand – oder war es eine Person? – flog durch die Luft. Der Mercedes suchte mit quietschenden Rädern das Weite.

Der dritte Lebensabschnitt

Philippe wollte sich fortan in seinem dritten Lebensabschnitt voll und ganz dem Schreiben zuwenden. Geschichten zu schreiben war seine Leidenschaft, und er erhoffte sich natürlich, mit seinem Tun ein kleines Zubrot verdienen zu können. Er war davon überzeugt, dass seine Stories, auch wenn sie bewusst fiktional abfasst waren, eine breite Leserschaft ansprechen würden, jedoch sahen dies die angeschriebenen Verlagshäuser anders.

Samt und sonders erhielt er, wenn überhaupt, nur negativen Bescheid, und das Interesse an seinen Büchern war nirgendwo. Philippe war ernüchtert ob dieser Tatsache und er überlegte sich ernsthaft, seine «Schreibe» an den Nagel zu hängen. Dann aber sagte er sich wieder, dass er ja zu seinem Vergnügen schreibe und schon bald griff er von Neuem in die Tasten. Dieses Mal sollte es noch besser werden, dachte er.

Und noch während er diesen Gedanken nachhing, meldete sich eine Mailnachricht auf seinem Handy. Die Adresse kannte er nicht und er überlegte sich, ob er die Nachricht sogleich löschen sollte, hörte man heutzutage doch oft, dass mittels E-Mail Phishing betrieben werde und dies unliebsame Konsequenzen haben könnte. Auch mutete die Adresse doch recht eigenartig an:

ADK-NEW Verlag GmbH

Nach nochmaligem Überlegen öffnete er die Zuschrift dann doch und er erkannte, was die Abkürzung bedeutete: ADK-NEW steht für «Aus dem oder der kann noch etwas werden», und Philippe musste herzhaft lachen.

Philippe überflog kurz die Nachricht, legte sie dann allerdings zur Seite, und er wollte sich lieber wieder seiner Alltagsbeschäftigung zuwenden. Diese bestand darin, mit seinem Hund spazieren zu gehen. Heute wollte er einen ausgedehnteren Spaziergang machen und er zog sich dem Wetter entsprechend an. Es war saukalt, und Philippe musste sich warm anziehen. Mütze und Handschuhe durften nicht fehlen, und die wärmste Jacke im Schrank musste ihren Zweck erfüllen. Enrico waren die Temperaturen egal. Sein dichtes Fell schützte ihn nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor der Nässe; es schneite nämlich und dies mit einer Heftigkeit, wie es nur selten vorkam. Ein eigentlicher Schneesturm suchte die Gegend heim. Nichtsdestotrotz wollten die beiden sich der Herausforderung stellen und sie verliessen das Haus.

Philippe bereute seinen Entscheid jedoch schon nach kurzer Zeit und so signalisierte er seinem Hund umzukehren um nach Hause zurück zu gehen. Enrico, der eigentlich recht gut gehorchte, stellte sich allerdings auf taub und er genoss den Schnee mit allen Sinnen: da mussten «Engelsgeschöpfe» in die weisse Pracht gezaubert, Markierspuren hinterlassen und andere Artgenossen – und seien dies auch nur Schneehasen – aufgestöbert werden. Auf jeden Fall war für ihn die Zeit noch lange nicht gekommen, schon wieder umzudrehen; viel zu schön war es für ihn, sein Lieblingswetter voll und ganz zu geniessen.

Philippe wurde langsam ungeduldig, und seine Stimme wurde auch deutlich lauter. Aber auch das beeindruckte Enrico im Moment ganz und gar nicht. Solch leckeren Schnee hatte er schon lange nicht mehr gefressen und das wollte er sich nicht nehmen lassen. – «Du bekommst ja einen ganz kalten Bauch», so die mahnenden Worte von Philippe. Enrico liess sich jedoch nicht davon abhalten, abermals mit Wollust in die weisse Pracht zu beissen. Nach elendiglich langen Minuten bequemte er sich dann doch, seinem Herrchen zu folgen und den Rückweg unter die Pfoten zu nehmen. Aber auch auf dem Heimweg musste noch das eine oder andere sondiert und richtig eingeordnet werden, damit er zufrieden und vielleicht auch mit einer gewissen Genugtuung (?) seinen Spaziergang beenden konnte.

«Wer geht da eigentlich mit wem spazieren?», dachte Philippe laut und er war sich nicht mehr so sicher, wer hier «Ross» und wer «Reiter» war.

Zuhause angekommen sorgte Deborah dafür, dass sich Enrico nicht erkälten würde, und sie trocknete sein nasses Fell mit einem flauschigen Frottiertuch. Philippe musste selber schauen, wie er wieder zu einer annehmbaren Körpertemperatur kam. – Hund müsste man sein, ging ihm leise durch den Kopf. Immerhin hatte Deborah die Güte, ihm einen wärmenden Tee zuzubereiten und sie wollte für das Nachtessen besorgt sein. Es sollte ein feines Käsefondue mit gewürfeltem, frischem Brot geben.

Das Essen mundete vorzüglich, und Philippe erzählte Deborah vom E-Mail, welches er am Nachmittag erhalten hatte. «Und, hast du es schon gelesen?», so die neugierige Frage von Deborah. «Nein, noch nicht richtig. Warte ich lese es dir vor.»

p.b.@gmail.com

Sehr geehrter Herr Baumann

Gerne kommen wir auf Sie zu. Wir sind aufgrund Ihrer Übersendungen an die DNB in Leipzig auf Sie aufmerksam geworden und möchten Sie gerne näher kennenlernen. Ihre Bücher unter dem Titel «0060 – mit der Lizenz zum Altern» sprechen uns an, und wir könnten uns gut vorstellen, diese – vielleicht in einer gewissen abgeänderten Form – in unseren Verlag aufzunehmen. Unser Interesse gilt dabei auch Ihrer kritischen Haltung in Bezug auf die Revision der StPO in der Schweiz und die Konsequenzen hiervon. – Sie haben in Ihren Büchern mehrfach darauf hingewiesen.

Wir könnten uns vorstellen, dies als Aufhänger für Ihr Schaffen zu machen und gezielt immer wieder darauf hinzuweisen. Um dies bewerkstelligen zu können, bedürfte es allerdings einer umfassenden Einleitung, welche an das Thema heranführt. Hierfür müsste von Ihrer Seite etwas ausgeholt werden.

Sollten Sie an unserem Vorschlag interessiert sein, so bitte ich Sie, sich mit uns in Verbindung zu setzen; sei dies telefonisch oder schriftlich. Unsere Kontaktdaten finden Sie untenstehend.

Mit freundlichen Grüssen

ADK-NEW Verlag GmbH

Verlagsleitung

Isidor Habersack

Allgemeiner Kontakt:Telefon: +49 (0)61 09 .. ..-.Fax:+49 (0).. .. .. ..-..E-Mail: info@adk-new.de

PostanschriftADK-NEW Verlag GmbH…60311 Frankfurt am Main

«Das tönt aber speziell. Und wie willst du darauf reagieren?», so die zurückhaltende Frage von Deborah. «Das weiss ich auch noch nicht so genau. Aber vielleicht sollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wer weiss: vielleicht wird aus mir doch noch etwas.» Und Philippe musste abermals laut lachen.

«Haute Couture» in Sainte-Maxime

Der Winter war auch in Südfrankreich sehr streng, und eisige Temperaturen machten der Vegetation zu schaffen. Die Palmen sahen ob dem Dauerfrost traurig aus, und es galt zu befürchten, dass sie Schaden nehmen könnten. Solch kalte Temperaturen mussten sie in den vergangenen Jahren nie durchstehen. Auch andere Pflanzen wie etwa Oleander, Hortensien oder wilde Orchideen würden unter der Kälte zu leiden haben. Selbst für Kakteen dürfte das Wetter eine Herausforderung sein, hatte es zuvor doch über Tage hinweg geregnet und so viel Nässe stand ihnen nicht gut an. Letztlich musste befürchtet werden, dass selbst der Lavendel mit seiner unvergleichlichen Farbenpracht und dem lieblichen Duft Mühe haben wird, die Landschaft im Frühsommer wieder zu verzaubern.

Die Bewohner von Sainte-Maxime verbrachten die kalten Tage zumeist zuhause und sie versuchten ihr Haus oder ihre Wohnung so gut wie möglich warm zu halten. Touristen waren kaum auszumachen und schon gar nicht auf den Strassen. Wenn überhaupt, hielten sie sich in einem Bistro oder Restaurant auf und genossen dort ein wärmendes Getränk. Glühwein – auch in der schwedischen Variante mit dem Namen «Glögg» und einem guten Schluck Wodka «angereichert» – war begehrt; oder dann heisse Schokolade mit Baileys «verfeinert» war ebenfalls ein bevorzugtes Getränk. Die Einheimischen bevorzugten zumeist einen heissen Apfelpunsch – auch «Hot Mulled Apple Cider» genannt – und sie «verstärkten» ihn mit einem kräftigen Schuss Calvados.

Auch Bernard und Isabelle gönnten sich ein feinschmeckendes Getränk. Sie waren im Beisein von Désirée, der Schwester von Isabelle, und ihrem neuen Freund Francesco. Désirée lebte und arbeitete in Paris und sie wollte die Gelegenheit nutzen, ihre Schwester und ihren Mann wieder einmal zu besuchen. Beide, Désirée und Isabelle, waren einander nach wie vor sehr verbunden und sie freuen sich jedes Mal, wenn sie sich wieder einmal treffen konnten. Dieses Mal wollte Désirée zusammen mit Francesco etwas länger bleiben.

Désirée war von Beruf Kunstschmiedin und sie hatte es in ihrer Passion schon recht weit gebracht. Vor kurzem konnte sie einen Laden am ‘Place du Tertre’ im Montmartre Quartier in Paris eröffnen. Der Laden zog Touristen wie Einheimische gleichsam an und er galt für die Schickeria in Paris als Insider Tipp. Die Schmiedekunst von Désirée in Gold, Silber und Platin liess sich wirklich sehen, und da sämtliche Kunstwerke Handanfertigungen und Einzelstücke waren, liessen sie sich auch entsprechend gut für teures Geld verkaufen.

Francesco, mit den gleichen künstlerischen Genen ausgestattet, konnte sich ebenfalls nicht beklagen. Nach einer Schneiderlehre in Genua widmete er sich dem Modedesign. In einer renommierten Schule in Florenz eignete er sich hierfür das Handwerkszeug an. Schon kurz nach Abschluss seiner Ausbildung erhielt er eine Anstellung an einer «Haute Couture» in Paris. Namhafte Persönlichkeiten – männlichen wie weiblichen Geschlechts – trugen in der Zwischenzeit seine Kleider. Beide, Désirée und Francesco, hatten sich vor nicht allzu langer Zeit an einer Vernissage kennengelernt und waren sichtlich in einander verliebt.

Isabelle hatte sich bereit erklärt, für das Nachtessen besorgt zu sein. Sie wollte bewusst und der Jahreszeit entsprechend ein «rustikales» Menü wählen und sie entschied sich für eine «Saucisse de Toulouse»; eine Bratwurst, die nur in der Stadt Toulouse hergestellt wird und auch nur dort erhältlich ist, sofern sie das Gütesiegel “Label Rouge” trägt. Die Wurst wird aus Schweinefleisch hergestellt und wird gegrillt oder gebraten gegessen. Bernard hatte die Würste von einem Bekannten erhalten, welcher ihn vor allem in der Winterzeit regelmässig damit bediente. Dazu sollte es frischen, grünen Lauch, verfeinert an einer Rahmsauce, und ein schmackhaftes «Gratin dauphinois» geben. Den Wein zum Essen hatte Francesco mitgebracht und er hatte sich dabei nicht lumpen lassen. Ein Karton Friularo DOCG, Jahrgang 2014, sollte die Gastgeber erfreuen. Der Wein stammte aus der Region Venetien, der Heimat von Francesco und er sollte hervorragend zum vorgesehenen Mahl passen.

Die beiden Töchter von Bernard und Isabelle, Michelle und Danielle, waren nicht anwesend. Sie wollten sich im Beisein ihrer Freunde, Julien und Alain, wieder einmal danach erkundigen, wie es ihren Gerätschaften und ihren anderen Gebrauchsgegenständen in Valras-Plage ging. Michelle und Julien betreiben dort eine Surf Schule, die sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten nun doch recht gut anlässt. In den Wintermonaten hingegen war in Valras und dort vor allem in Valras-Plage in der Languedoc gelegen nicht viel los, und das junge Paar musste sich für die Wintermonate eine andere Beschäftigung suchen. Als ausgebildete Sportlehrer war dies für sie jedoch nicht allzu schwierig, und sie konnten diverse Aushilfsjobs in Toulon und Umgebung annehmen, welche ihnen halfen über die Runden zu kommen.

Auch für Danielle und Alain war es in der Winterzeit schwierig, ihre angestammte Tätigkeit auszuüben. Sie hatten es sich nämlich vorgenommen, in Sainte-Maxime einen Imbissstand zu betreiben und zu ihrer Freude lief das Geschäft schon ganz gut. Nur, in den kalten Monaten war es schwierig und zum Teil schier unmöglich oder gar nicht möglich, die Snackbar offen zu halten und dies nicht nur, weil die Gäste – vor allem die Touristen – ausblieben, sondern auch, weil das Arbeiten im Freien schlichtweg kein Vergnügen mehr bereitete. Also mussten auch sie schauen, wie sie die kalte Jahreszeit überstehen konnten. Glücklicherweise war dies auch für sie nicht allzu schwierig, und Danielle fand eine auf drei Monate befristete Anstellung im Headoffice ihrer früheren Arbeitgeberin der Firma Orange S.A. Alain hatte ebenfalls Glück und auch er fand bei seinem früheren Arbeitgeber, einem Barbetrieb in Sainte-Raphaël, «Unterschlupf».

Wohnen konnten alle vier im Haus von Isabelle und Bernard. Dieses war gross genug, und wenn man ein wenig Rücksicht aufeinander nahm, war dies kein Problem. Für Dissan war es eine helle Freude sein ganzen «Rudel» um sich herum zu haben!

Isabelle stand in der Küche und bereitete das Nachtessen vor, und Désirée leistete ihr dazu Gesellschaft. Die beiden Männer wendeten sich dem Cheminée zu und legten noch das eine oder andere Stück Brennholz nach, um im Esszimmer eine angenehme Temperatur zu haben. Auch waren die beiden Männer dafür besorgt, den Tisch zu decken und den ausgewählten Wein rechtzeitig zu öffnen, damit er seine ganze Pracht entfalten konnte. Vorgängig gönnten sich die beiden ein kleines Bier; ein «1664» der Brauerei Kronenbourg. Das Bier schmeckt wirklich sehr gut und in den Varianten Blanc und Rosé sagt es auch den Frauen zu.

Das Feuer loderte und es verbreitete eine angenehme Wärme. Bernard und Francesco hatten sich vorgängig noch nie getroffen und so war es an der Zeit, sich besser kennen zu lernen. Die beiden waren sich auf Anhieb sympathisch und sie erkannten verschiedene Gemeinsamkeiten, über die es so einiges zu diskutieren gab. Allem voran stand das politische Geschehen in Frankreich und somit das Wirken des derzeitigen Präsidenten.

Die jüngste Präsidentschaftswahl fand 2017 statt, und als Sieger der Stichwahl ging Emmanuel Macron hervor; er setzte sich mit rund zwei Drittel der Stimmen gegen Marine Le Pen durch. Die Amtszeit des Präsidenten in Frankreich war ohne Wiederwahl auf fünf Jahre begrenzt, womit bereits im nächsten Jahr wieder Wahlen anstanden. Sowohl Bernard wie auch Francesco glaubten allerdings nicht daran, dass sollte der amtierende Präsident sich nochmals der Wahl stellen, er diese auch für sich würde entscheiden können. Zu viel war in der Zwischenzeit geschehen und zu viel hatte sich für sie geändert.

Ursprünglich, als progressive soziale Bewegung unter dem Namen «En Marche !» von Emmanuel Macron gegründet, wollte Macron als unabhängiger Kandidat in den Wahlkampf steigen. Trotzdem löste sein Tun einiges aus und es verhalf ihm zum Sieg. Macron galt als Hoffnungsträger; heute jedoch, vier Jahre später, ist von der damaligen Euphorie wenig bis nichts mehr zu spüren. Die Alltagssorgen hatten die Franzosen eingeholt, und man durfte gespannt sein, wie sich der Wahlkampf für die nächsten Präsidentschaftswahlen abzeichnen wird.

Die Probleme in Frankreich sind allgegenwärtig, und die Protestbewegungen der ‘Gilets jaunes’ sind noch lange nicht vergessen. Dazu kommen die sozialen Unruhen in den Grossstädten Frankreichs und diese reichen von Fremdenhass bis hin zu Rassismus. Die Sicherheitskräfte stossen an ihre Grenzen, und die ewigen Kompetenzgerangel zwischen der ‘Gendarmerie’ und der ‘Police nationale’ sind der Sache auch nicht dienlich.

Frankreich braucht eine grundlegende Erneuerung: Das Land besteht schliesslich nicht nur aus der «Capitale» und der «Côte d’Azur»; die Landstriche dazwischen geben dem Land den besonderen Reiz und zu diesen gilt es Sorge zu tragen. So einfach dies tönt, so schwierig dürfte es sein, neue Wege zu beschreiten. – Marine Le Pen konnte für Bernard und Francesco hier nicht die Alternative sein.

Noch während sich Francesco und Bernard intensiv austauschten, gesellten sich die beiden Damen zu ihnen. Isabelle trug eine wohlgefüllte Platte mit Saucisson und Lauch, und Désirée servierte die Auflaufform mit dem fein riechenden Gratin. Die Teller waren schnell gefüllt und auch der gewählte Wein fand seinen Weg in die Gläser. Alle prosteten sich zu und genossen das köstliche Essen.

Es ist schon beeindruckend, wie leise es an einem Tisch zu und her gehen kann, wenn das Essen mundet, und man hungrig ist. Nach einer knappen Viertelstunde und einem «Nachschlag» kam das Gespräch dann doch wieder in Fahrt. Désirée erzählte von ihrem Geschäft in Paris und von ihrer Idee, das Ganze vielleicht noch etwas ausbauen zu wollen. Sie habe hier in Sainte-Maxime eine Lokalität gesichtet, von der sie sich vorstellen könnte, diese zu mieten und eine Filiale zu eröffnen. Der Name sollte der gleiche sein wie in Paris und wie folgt heissen:

Désirée Bertrand

L’art à la Française

Hingegen würde sie nicht so teuren Kunstschmuck wie in Paris zum Kauf anbieten, sondern eine breitere Kundschaft ansprechen wollen. Es würde ihr dabei vor allem darum gehen, interessierten Kundinnen und Kunden eine Freude zu bereiten und sie an ihrem Erfolg teilhaben lassen. Sie könne sich deshalb auch vorstellen, günstigere Materialien zu bearbeiten und sie auch von ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Anleitung herstellen zu lassen. Sie denke hierbei an Kork aus Portugal in Verbindung mit Edelstahl in verschiedenster Form. Die Einzigartigkeit müsste allerdings im Vordergrund stehen.

Isabelle und Bernard hörten interessiert zu und erkundigten sich nach der Örtlichkeit. Diese befinde sich am Place Victor Hugo, genau schräg vis-à-vis vom Zeitungsstand. Das Lokal stünde leer, und auf einer Affiche seien die Koordinaten des Vermieters vermerkt. Bernard wusste zu berichten, dass das Lokal tatsächlich zu mieten sei und er kenne auch den Eigentümer der Liegenschaft. Noch vor kurzem habe es dort einen Souvenirshop gegeben, jedoch seien die Auslagen zu wenig einladend gewesen, als dass sich das Ganze gelohnt hätte; zumeist billige Ware aus China, so wie man sie auch in jedem zweiten Supermarkt kaufen konnte. So der Kommentar von Bernard. Die Lage sei allerdings gut, und wenn der Mietpreis stimmen würde, dann wäre dies sicher eine Option.

Désirée ging sogar noch einen Schritt weiter und sie fragte Isabelle, ob sie allenfalls daran interessiert wäre, den Laden zu führen. Diese verneinte spontan, kam dann allerdings auf ihren Entscheid zurück und sagte, dass sie sich das gerne überlegen werde.

Auch Francesco fand die Idee grossartig und er sicherte Désirée seine Unterstützung zu. Mehr noch, er bot ihr an, Eigenkreationen von ihm in ihrem Laden zum Verkauf anzubieten und dies unter den gleichen Bedingungen und Vorstellungen wie Désirée sie habe. Es würde ihm dabei auch nicht darum gehen, möglichst viel zu verdienen, sondern Désirée in ihrem Vorhaben zu unterstützen und, sofern gewünscht, zu ergänzen. – Désirée gab ihrem Freund einen zärtlichen Kuss.

Den Abend verbrachten die vier in trauter Gemeinsamkeit. Bernard kam auf seinen «Type H» (Baujahr 1977) zu sprechen und er schwärmte vom vergangenen Sommer, wo er zusammen mit seinem Freund aus der Schweiz, Philippe, die Strassen von Sainte-Maxime unsicher gemacht habe. Sie seien mit ihrem Music Car von A nach B gefahren und hätten gefällige Musik in einer Lautstärke angepriesen, dass den Leuten Hören und Sehen vergangen sei; nein, in Tat und Wahrheit seien sie sehr wohlwollend empfangen und auch aufgefordert worden, wiederzukommen. Dieser Einladung seien er und Philippe natürlich gerne nachgekommen.

«Und wie sieht denn das Gefährt aus?», so die interessierte Frage von Francesco. «Willst du ihn sehen?» «Ma certo», und beide begaben sich sogleich in die nahe gelegene Garage.

«He, der Wagen sieht ja wirklich toll aus!», und Bernard liess den Sound erklingen. «Umwerfend, toll, einfach einzigartig!» Francesco kam aus dem Staunen und Schwärmen nicht mehr raus und er beglückwünschte Bernard und seinen Freund zu ihrer Initiative. Nun sollten die Temperaturen nur wieder wärmer werden, und dann wollten sie das Gleiche wiederholen. In der Abwesenheit von Philippe stünden ihm François und Gérard, ebenfalls zwei gute Bekannte aus Sainte-Maxime zur Seite und auch mit ihnen mache das Ganze nur Spass. – Francesco glaubte ihm das gern.

Die beiden Schwestern hatten sich in der Zwischenzeit weiter ausgetauscht und Désirée rühmte ihre Beziehung zu Francesco. Er sei einfach anders als andere «Franzosen» in Paris und lange nicht so überheblich und versnobt.

Er sei trotz seines grossen Könnens einfach geblieben und er stehe auch dazu, aus einfachen Verhältnissen zu stammen. Seine Eltern seien zwar in der Zwischenzeit verstorben, jedoch ziehe es ihn trotzdem immer wieder nach Venetien, um dort seine übrigen Verwandten zu besuchen. Sie habe ihn auch schon einmal dorthin begleitet, und die Familie sei wirklich sehr herzlich. Sie sei aufgenommen worden, wie wenn sie Francesco schon hundert Jahre kennen würde.

Bernard machte in der Folge den Vorschlag, dass er Désirée mit dem Besitzer der angesprochenen Liegenschaft zusammenführen könnte. Alsdann könnte sie vielleicht das Lokal von innen besichtigen, wüsste auch um die preislichen Vorstellungen des Vermieters und sie könnte sich so ein besseres Bild machen. Désirée nahm das Angebot gerne an, und Bernard wollte sich am nächsten Tag schlau machen.

Isidor Habersack

Philippe sass gesättigt in seinem Stuhl und er rühmte das Fondue seiner Frau. «So ein feines Käsefondue habe ich schon ewig lang nicht mehr gegessen und das knusprige Brot hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt», so der Kommentar von Philippe. Deborah schenkte ihrem Mann einen liebevollen Blick und sie genossen das Beisammensein.

Alsdann kam Deborah auf ein Thema zu sprechen, dass sie Philippe schon lange hatte kundtun wollen. Sie habe in ihrem Qi Gong Kurs eine Kollegin kennengelernt, welche eine kleine Gärtnerei in der Nähe ihres Wohnortes betreibe und wo sie mitwirken könnte. Sie würde dies eigentlich ganz gerne machen, habe sie doch schon so viel über Pflanzen und die Artenvielfalt gelesen, so dass sie ihr Wissen nun gerne in die Tat umsetzen wolle. Selbstverständlich müsste sie in der Gärtnerei mithelfen und auch im Laden aushelfen, aber dies würde sie gerne machen. Sie wolle einfach mehr draussen, in der freien Natur sein. Zudem habe die Kollegin ihr zugesichert, dass sie ihre Vorstellungen im Züchten, Hegen und Pflegen nach ihren eigenen Ideen umsetzen könne und dass sie ihre Produkte auch im Laden zum Verkauf anbieten könnte. Sie würde sogar etwas verdienen und am Erlös ihrer Zucht beteiligt sein. Sie würde dies wirklich sehr gerne tun.

Nun müsse Philippe allerdings wissen, dass, würde sie die Gelegenheit wahrnehmen, sie viel von zu Hause fort wäre und sich nicht mehr im gleichen Rahmen wie bisher um Enrico kümmern könnte. Es würde von ihr erwartet werden, dass sie doch an drei bis vier Tagen in der Woche in der Gärtnerei arbeiten würde und manchmal auch noch am Samstag und ausnahmsweise am Sonntag, wenn frisches Gemüse und Obst zum Verkauf bereitstünden. Trotzdem reize sie das Angebot sehr und sie interessierte sich nach der Haltung von Philippe in dieser Frage.

Philippe wusste, wie sehr Deborah der Natur verbunden war, und er konnte und wollte ihr ihren Wunsch nicht ausreden. «He, das ist eine schöne Idee. Mach das, wenn du Lust hast. Für Enrico werden wir eine Lösung finden und zumeist werde ich mich um ihn kümmern können.» - Deborah nahm die Antwort von Philippe gerne so entgegen und sie verbrachten den Rest des Abends bei leiser Musik aus dem Radio und einem feinen Gutenachttee für Deborah und einem kleinen Bier für Philippe. Alsbald war Bettens Zeit.

Am nächsten Morgen nahm Philippe nochmals das E-Mail von Isidor Habersack zur Hand und er überlegte sich, ob er ihn anrufen wollte. Nach einem zweiten Kaffee griff er zum Hörer und wählte die angegebene Nummer. «ADK-NEW Verlag, guten Morgen, wie kann ich Ihnen behilflich sein», so die sympathische Stimme auf der anderen Seite des Hörers. «Mein Name ist Philippe Baumann und ich möchte gerne Herrn Habersack spreche. Ich habe von ihm eine E-Mail erhalten und ich soll mich bei ihm melden.» «Bitte warten Sie einen Augenblick, Sie werden sogleich mit ihm verbunden.»

Und in der Tat meldete sich praktisch zeitverzugslos Isidor Habersack. «Ah, guten Tag Herr Baumann, schön, dass Sie uns anrufen. Ich habe Ihren Anruf erhofft. Es ist mir eine Freude, mich mit Ihnen unterhalten zu dürfen.» Ja, ganz so schwülstig hatte sich Philippe das Ganze nun doch nicht vorgestellt, aber eben, man war ja in Deutschland und dort sprach man wohl so – im Ausnahmefall.

«Hören Sie, Herr Baumann, ich habe Ihnen ein Angebot zu unterbreiten. Wir sind gerne bereit, Ihre bisherigen Veröffentlichungen unter dem Titel «0060 – mit der Lizenz zum Altern» … an den Mann oder die Frau zu bringen, und wir können uns gut vorstellen, dass Ihre Geschichten eine bunte Leserschaft anziehen werden. Trotzdem denken wir, dass wir den Titel noch etwas anpassen sollten und die Geschichten noch etwas «knackiger» rüberbringen sollten. Gerne würde ich das Weitere und die Details mit Ihnen hier vor Ort besprechen und ich bitte Sie deshalb, uns in den nächsten Tagen aufzusuchen; selbstverständlich kommen wir für Ihre Auslagen auf. Was halten Sie davon?»

Philippe musste einen kurzen Moment überlegen, sagte dann allerdings zu, und er wollte Herrn Habersack auch noch den genauen Termin seiner Reise mitteilen. Vorweg wollte er das Ganze aber mit Deborah besprechen.

Diese unterstützte ihn voll und ganz, und so kündigte er seinen Besuch im Verlagshaus für den nächsten Donnerstag an. Er wollte mit dem Zug reisen und kurz vor Mittag in Frankfurt sein, um am gleichen Tag wieder nach Bern zurückzukehren. Dies sollte mit den aktuellen Bahnverbindungen möglich sein.

Isidor Habersack war mit dem Vorschlag einverstanden und er teilte Philippe dies auch so mit. Er offerierte ihm sogar, ihn am Bahnhof abzuholen, damit sie gemeinsam noch ein kleines Mittagessen einnehmen könnten. Philippe verdankte das Angebot. Bis Donnerstag waren es nur noch zwei Tage.

In der verbleibenden Zeit wollten Philippe und Deborah Langversäumtes nachholen. Deborah wünschte sich ihr Arbeitszimmer neu einzurichten, und Philippe musste sich seinem Wagen zuwenden, brauchte dieser doch einiges an Aufmerksamkeit, zumal eine weitere Prüfung beim Strassenverkehrsamt bevorstand. Das Bedürfnis von Deborah war relativ schnell befriedigt und endete darin, dass das Pult in ihrem Arbeitszimmer mit demjenigen in Philippes Büro ausgetauscht wurde. Jetzt sah das Ganze für sie schon viel annehmbarer aus, und sie war Philippe dankbar, dass er Hand dafür geboten hatte. Beim Auto war es schon etwas schwieriger. Der Renault war in die Jahre gekommen, und Philippe wusste nicht, ob er in nochmals «durchbringen» würde. Für ein neues Fahrzeug hatten sie allerdings kein Geld. Also versuchte er sein Bestes und besuchte einen ihm bekannten Garagisten. Aber auch der rümpfte die Nase und meinte, dass es ein ‘Vabanquespiel’ sei. Wenn er wolle, versuche er, ihn durchzubringen. Er könne allerdings nichts versprechen. Philippe willigte ein und hoffte gleichzeitig, dass «die Götter» ihm gnädig sein werden.

Der ICE in Richtung Berlin traf pünktlich um 1108 Uhr in Frankfurt (Main) Hauptbahnhof ein, und Philippe wurde tatsächlich von Isidor auf dem Gleis 9 erwartet. Herr Habersack wollte sich zu erkennen geben und er teilte Philippe vorgängig mit, dass er eine grüne Zipfelmütze tragen werde. Auch werde er eine Zeitung unter dem linken Arm tragen. Die Erkennungszeichen waren für Philippe unübersehbar und so fanden sich die beiden sogleich.

Isidor Habersack war ein etwas rundlicher Mann von Mitte vierzig, nicht allzu gross, aber mit freundlichen Gesichtszügen. Er schlug Philippe vor, das Mittagessen in einem nahen gelegenen Restaurant einzunehmen und er schlug ihm hierfür die Gaststätte «Atschel» vor, welche bekannt war für feines Essen. Auch liege der Gasthof in unmittelbarer Nähe zum Verlag, den Philippe im Nachgang zum Mittagessen gerne besichtigen dürfe. Philippe nahm das Angebot dankend an und er konnte sich gut vorstellen, dass die Portionen, welche in der Gaststätte serviert werden, nicht für Kleinesser gedacht waren. Philippe war gespannt. Und tatsächlich! Beide entschieden sich für eine Schweinshaxe mit Sauerkraut und Kartoffelpüree, und die Haxe fand auf dem Teller kaum Platz. Nichtsdestotrotz mundete das Essen vorzüglich, und Philippe staunte ob sich selber, dass er praktisch alles verspeisen mochte. Der gewählte Riesling des Weingutes Dreissigacker in Bechtheim/Rheinhessen passte hervorragend zum Essen, und obschon es sich dabei um einen Weisswein handelte, war er von Isidor richtig gewählt. Die beiden wollten sich fortan mit dem Vornamen ansprechen und Philippe war dies nur recht.

Während des Essens beschrieb Isidor Philippe das Bundesland Hessen mit all seinen Kontrasten und er verschwieg natürlich nicht, dass Johann Wolfgang von Goethe aus Frankfurt stammte, und sein ursprüngliches Wohnhaus heute ein Museum sei.

Alsdann begaben sich die beiden ins Verlagshaus, welches in der Tat nur zwei Querstrassen von der Gaststätte entfernt lag. Das Haus war nicht sonderlich gross, befand sich die Druckerei doch etwas ausserhalb des Zentrums. Philippe lernte verschiedene Angestellte kennen und allesamt waren ihm sympathisch. Er konnte sich gut vorstellen, mit Isidor ins Geschäft zu kommen.

Isidor gab ihm nun seine Vorstellungen bekannt und er rühmte den Schreibstil von Philippe: einfach, aber aussagekräftig und unterhaltsam. So schätze Philippe sein Schreiben selber ein und er war sich bewusst, kein grosser Schriftsteller zu sein. – Einfach die Freude am Schreiben beflügle ihn, und er wolle eigentlich gerne weiterfahren, Ideen habe er noch genug; dies sein Kommentar.

Isidor skizzierte ihm nun seine Vorstellungen. Er habe die Lektoren bereits angewiesen, sich Gedanken zu machen. Auch den Werbetexter habe er beauftragt, Titelvarianten auszuarbeiten und erste Vorschläge seien ihm schon unterbreitet worden. Einer der Titel laute zum Beispiel wie folgt:

Unvorstellbar

… wie schnell selbst ein Polizeichef in Verruf geraten kann

… welche Abgründe sich auch bei einem Politiker auftun können

und

… was die Strafverfolger an ihre Grenzen stossen lässt

Für seine Mitarbeiter sei absolut denkbar, dass die Kurzgeschichten eins bis drei zusammengefasst und in einem Band erscheinen könnten. Auch hielten sie dafür, dass im Anschluss daran in einem zweiten Band das Thema «Unvorstellbar» weitergeführt werden könnte, beispielsweise mit folgenden Untertiteln:

Unvorstellbar

… wer hinter der Pandemie Covid-19 stecken könnte

und

… weshalb der Bundesanwalt in die Enge getrieben wurde

Natürlich seien auch andere Varianten denkbar, und der Vorschlag eines anderen Texters gefalle ihm ebenfalls gut und dieser laute wie folgt:

Dubiose Machenschaften

Die Bücher würden in einer Art Trilogie und Dilogie zusammengefasst und so auf den Markt gebracht. Seine Erfahrung habe ihn einfach gelehrt, dass sich Bücher im Umfang von 200 bis 300 Seiten besser verlaufen liessen als Erzählungen in Kurzform. Viel umfangreicher sollten die Romane dann doch wieder nicht sein, da sie ansonsten nicht gekauft würden.

Was aus seiner Sicht jetzt einfach noch fehle, sei eine «knackige» Einleitung, die den beiden Bände, oder wie das Erscheinen auch immer sein möge, beigelegt werden könnte. Das Thema sollte die Revision der Strafprozessordnung in der Schweiz sein mit all seinen Schattierungen, so wie Philippe es bereits angetönt habe, einfach noch ein wenig ausführlicher.

Philippe hörte seinem Gegenüber aufmerksam zu und er konnte oder wollte Isidor nicht widersprechen. Isidor hatte sich richtig gehend in Fahrt geredet und sein Enthusiasmus war deutlich spürbar. Selber konnte er die Vorschläge nachvollziehen und sie waren für ihn nicht aus dem «Tierbuch».

Isidor ging noch einen Schritt weiter und er offerierte Philippe gar eine «Schreibstube», wo er sich zurückziehen und sich dort voll und ganz der Arbeit zuwenden könnte. Sie hätten vom Verlag zwei Adressen, die sie hoffnungsvollen Schriftstellern unentgeltlich zur Verfügung stellen würden und eine davon befinde sich in der Schweiz, die andere in Südfrankreich. – Beides klang für Philippe verlockend.

Isidor zeigte Philippe ein Bild des einen Hauses, jenem in der Schweiz, und dieser war begeistert: klein, aber fein und genau das, was sich Philippe schon lange für sein Tun gewünscht hatte.

«Und wo befindet sich denn dieses Schmuckstück?», so die drängende Frage von Philippe.

«In St. Peter im Kanton Graubünden, etwa auf halber Distanz zwischen Chur und Arosa auf circa 1250 m ü. M. gelegen», so die Antwort von Isidor.

«Die Aussicht ist schlichtweg fantastisch und aus meiner Sicht unvergleichbar.» «Sieh nur», und Isidor zeigte Philippe ein weiteres Bild.

«Dies ist der Blick von der Terrasse aus; ist er nicht traumhaft?» Philippe war fasziniert und er sah sich bereits am Schreiben. Den Schlüssel zum Häuschen würde er von einem älteren Herrn im Dorf erhalten und er könne dort solange bleiben wie er wolle. Dies die wohlwollenden Worte von Isidor.

Philippe sah sich wie in einem Film und er konnte gar nicht glauben wie ihm geschah. Auf einmal schienen all seine Wünsche und Träume in Erfüllung zu gehen und er konnte es kaum fassen. – Beide, er und Isidor, kamen darin überein, dass sich Philippe das Ganze noch einmal überlegen soll und dass er dann Isidor seinen Entscheid bekannt gebe. Philippe wollte der Bitte gerne nachkommen.

Die Stunden vergingen, und Philippe konnte pünktlich seinen Zug heimwärts besteigen. Isidor begleitete ihn sogar auf den Bahnhof und sie winkten einander zu.

Frédéric

Bernard hatte den Termin mit dem Vermieter der Lokalität festgemacht, und so sollte Désirée noch im Verlauf des Nachmittags die Räumlichkeiten besichtigen dürfen. Sie war schon ganz aufgeregt, und natürlich wollte Isabelle auch mit dabei sein. Francesco wollte noch kurz etwas erledigen, und so stellte Bernard die beiden Damen dem Vermieter vor.

In der Zwischenzeit waren «die Kinder» von Valras-Plage zurückgekehrt, jedoch trafen sie niemanden im Haus an. Dies kam ihnen etwas seltsam vor, und so griff Michelle zum Telefon und versuchte ihre Mutter zu erreichen. Diese klärte sie auf und sagte, dass sie vermutlich in gut einer Stunde wieder zuhause sein werden. «Ah, schön, dann werden wir für uns alle etwas zu essen vorbereiten», und sie freuten sich bereits darauf, sich bald wieder zu sehen.

Bernard wollte mit Frédéric, dem Zeitungsverkäufer vom Kiosk nebenan, noch einen kleinen Schwatz machen. Er verabschiedete sich vom Vermieter und vereinbarte mit Isabelle und Désirée, dass er sie in gut einer halben Stunde wieder treffen werde. Bernard besorgte sich zwei Kaffee im nahe gelegenen Take Away und er wollte Frédéric damit erfreuen. Dies gelang ihm voll und ganz, waren die Temperaturen doch nach wie vor so, dass man sich nur mit einem warmen Getränk einigermassen bei Temperaturen halten konnte. «Eh ça va, mon cher?» «Oh, so lala. Wenig Kundschaft bei diesem Wetter, und trotzdem muss ich den Laden offenhalten.» So die Antwort von Frédéric. «Und was gibt’s Neues?» Dies die interessierte Frage von Bernard. «Pas grande chose.»

Heutzutage konnte man den Medien ja nicht mehr viel Neues entnehmen. Überall dieser Einheitsbrei, wo die einen den andern alles abschreiben und übernehmen, zumeist ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, ob die Angaben überhaupt stimmten. Vor allem, was das lokale Geschehen betraf, war weder dem «Var-matin» noch dem «midi-libre» für Bernard Brauchbares zu entnehmen. Da wendete er sich doch lieber an Frédéric, der wahrscheinlich der bestinformierte Bürger in dieser Kleinstadt war.

Und tatsächlich wusste Frédéric so einiges zu berichten: So seien an Silvester zwei Jugendliche von der Polizei angehalten worden, die einen Einbruch in die nahe gelegene Apotheke verübt hätten. Gestohlen worden sei zwar nicht viel, der Sachschaden sei aber doch beträchtlich. Frédéric wusste natürlich auch, um wen es sich da handelte und er nannte Bernard die beiden Namen. «So, der Sohn vom Bürgermeister», dies die erstaunte Antwort von Bernard. «Das wird ihn aber gar nicht freuen.» Auch ein Vandalen Akt gehe auf ihr Konto. Die Schmierereien am Rathaus müssten ebenfalls den beiden angelastet werden. Schliesslich habe er auch gehört, dass die Tochter des Bürgermeisters ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann habe und auch dies dürfte dem «Maître» ganz und gar nicht passen. «Ja ok, aber das kommt in den ‘besten Familien’ vor.» «Ja schon, aber wenn man den Bürgermeister so reden hört, dann passt dies schon nicht ganz in sein Weltbild, wo alles doch so gesittet und geordnet ablaufen soll.»

Bernard nahm dies so zur Kenntnis, und es kam ihm der folgende Spruch in den Sinn, von dem er nicht mehr so genau wusste, von wem er stammte – von ihm selber? – er wusste es nicht:

Das Leben ist manchmal schon eigenartig. Da denkt man, alles oder zumindest das meiste im Griff zu haben, und dann holt einem die Realität plötzlich wieder ein.

Er studierte diesen Gedanken noch ein wenig nach und wandte sich dann wieder Frédéric zu. «Und sonst? Nichts Weltbewegendes?»

«Nein, eigentlich nicht. Interessant für mich ist höchstens, dass man von dem Unfall, wenn es den ein Unfall war, nichts in der Tagespresse lesen konnte.» «Welchen Unfall sprichst du an?» «Ja, jenen vom 21. Dezember des letzten Jahres.» «Das sagt mir gar nichts.»

«Es war früh am Morgen. Ich hatte soeben die Jalousie zum Kiosk hochgezogen, als ein schwerer Wagen vom Hafen daher gebraust kam. Ich erkannte nicht viel. Es war noch zu dunkel. Im Wagen sassen vermutlich zwei Personen. Der Fahrer hatte einen massigen Kopf, den Beifahrer kann ich nicht beschreiben. Das Fahrzeug näherte sich dann kurz darauf von der anderen Seite, etwas flog durch die Luft und der Wagen – wahrscheinlich war es derselbe – fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Les Issambres weiter.»

«Ich weiss nicht, was durch die Luft geflogen ist. Vielleicht eine Mülltonne, vielleicht aber auch eine Person. Es gab auf jeden Fall einen Höllenknall. Das Fahrzeug war ein schwerer Mercedes. Da bin ich mir ziemlich sicher und wahrscheinlich war er schwarz oder vielleicht auch dunkelgrau. Das Nummernschild konnte ich nicht erkennen. Es ging zu schnell. Aber ich glaube nicht, dass es ein einheimisches war. Zwar hell, aber nicht so wie die Unsrigen.»

Die Polizei sei sodann vor Ort gegangen, aber er konnte nicht genau erkennen, um was es ging. Die Distanz sei zu gross gewesen. Sogar «les sapeurs-pompiers» seien dort gewesen, aber er könne auch dazu nichts sagen. Aufgefallen sei ihm einzig und allein, dass das Vorkommnis von niemandem angesprochen oder in den Zeitungen gar aufgenommen worden war. Es seien nun doch schon gut drei Wochen her und sonst werde über alle und alles geredet, nicht aber über diesen Vorfall. Er finde dies schon etwas eigenartig.

Bernard musste Frédéric recht geben, allerdings konnte er das Ganze nicht weiter mit ihm diskutieren, da Isabelle und Désirée bereits auf ihn warteten. «Ich werde mich auch einmal umhören und melde mich dann wieder.» - Dies die Abschiedsworte von ihm.

Zuhause angekommen roch es schon ganz verführerisch. Die «Kinder» wollten ihre Eltern und natürlich auch Désirée und Francesco mit einer «Winterspezialität» aus der Languedoc überraschen. Das Gericht trägt den Namen «Cassoulet» und ist ein Eintopfgericht bestehend aus weissen Bohnen, Speck, Schweinefleisch und Würstchen. Danielle hatte noch das Kochbuch ihrer Grossmutter und ihr Freund Alain war gelernter Koch, womit eigentlich nichts schief gehen sollte. Das Gericht brauchte gut und gern zwei bis drei Stunden bis es im Backofen fertig gegart war. In der Zwischenzeit bot sich die Gelegenheit, einen ausgedehnteren Aperitif zu geniessen und sich gegenseitig auszutauschen.

Francesco hatte in der Zwischenzeit einen wunderschönen Blumenstrauss organisiert, welcher er Isabelle überreichte. Wie er das gemacht hatte, entzog sich der Kenntnis von Bernard, und er war schlichtweg baff. Isabelle hingegen war dermassen entzückt, dass sie Francesco als Dankeschön einen kleinen Kuss auf die Wange drückte und ihm liebevoll die andere streichelte. Bernard wurde schon bald ein wenig eifersüchtig.

In Valras-Plage sei alles in Ordnung und all ihre Gegenstände, die sie für ihre Surf Schule brauchten, seien noch gut unter Verschluss. Jetzt gelte es eigentlich nur noch zuzuwarten, bis das Wetter wieder gastlicher werde und sie meinten, dass sie so gegen Ende Februar/Anfang März wieder vor Ort gehen würden, um die Saison, die ja schon mit Ostern beginne, zu eröffnen. Ostern lag dieses Jahr früh im Kalender und zwar bereits Anfang April.

Désirée und auch Isabelle berichteten von der besuchten Lokalität und sie kamen aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Dies sei genau der Laden, den sie gesucht habe, und er erfülle all ihre Vorstellungen. Der Mietzins sei für sie annehmbar und sie habe mit dem Vermieter bereits einen Vorvertrag abgeschlossen, vorweg einmal für ein Jahr, jedoch mit der Option auf weitere vier Jahre. Sie habe noch einen Vorbehalt angebracht, da sie wolle, dass ein ihr bekannter Architekt und ihr Innendekorateur von Paris das Geschäft kurz besichtigen sollten. Aber grundsätzlich denke sie, dass sie das Geschäft ebenfalls auf die Saison hin eröffnen könne.

Isabelle fügte an, dass, sollte es für Bernard nach wie vor stimmen, sie den Laden führen werde. Natürlich brauche sie noch eine Unterstützung, aber sie könne sich gut vorstellen, dass die Frau von Gérard, dem umtriebigen und eigentlich in Pension stehenden Journalisten vom Var-matin, sie unterstützen werde. Sie werde sie sobald wie möglich kontaktieren.

Bernard staunte ob all diesen Neuigkeiten und dies in solch kurzer Zeit. Er streichelte Dissan zärtlich über den Kopf und beide schauten sich gross an. «Wir beide werden hier die Stellung halten und euch mit Rat und Tat zur Seite stehen», so die versöhnlichen Worte von Bernard und er gönnte sich einen tollen Schluck des fein mundenden Weissweines, den sie zum Aperitif geöffnet hatten.

Schon bald war Essenszeit und alle acht begaben sich an den Tisch. Dieser war zum Glück gross genug, so dass sie Platz fanden. Die Schüssel mit Bohnen und Fleisch war riesig und als Teller sollten die Suppenteller herhalten, damit nichts verloren ging. Frisches Baguette begleitete das Mahl und selbst den Wein hatten die Kinder mitgebracht: Dieses Mal sollte es ein Mas Baux Soleil Rouge Jahrgang 2018 mit dezentem Barriquegeschmack sein.

Das Essen mundete allen vorzüglich, und auch der gewählte Wein passte bestens zu diesem rustikalen Essen.

Am nächsten Morgen wollte sich Bernard wieder einmal nach dem Befinden seiner Freunde in der Schweiz, Philippe und Deborah, erkundigen. Isabelle wollte sich mit der Frau von Gérard mit Namen Josephine treffen – alle sprachen sie jedoch nur mit dem Kurznamen «Josi» an –, um mit ihr ein allfälliges Mitwirken im neuen Laden zu besprechen. Isabelle liess Deborah und Bernard herzlich von ihr grüssen.

Gesagt, getan griff Bernard zum Hörer. Zu seinem Erstaunen hatte er Philippe sogleich am Apparat. «Salut mon cher, ça va?» «Oui, très bien et à toi?» «Ja, es geht mir auch sehr gut. Ich wollte einfach nur wieder einmal hören, wie es euch geht.» «Das ist denn nett», und so ergab sich einiges, worüber die beiden Freunde sich in der Folge austauschen konnten: das Wetter, die Ehefrauen, die Kinder und natürlich den «Type H». Dieser stand ganz oben auf der Traktandenliste!

«Ja, es geht ihm gut und er wartet nur darauf, bis wir ihn gemeinsam wieder in Gang setzen können», so die amüsierte Antwort von Bernard auf die Frage von Philippe. Er, Bernard, sei zwar in der Zwischenzeit noch ein-/zweimal mit Gérard und François «en tournée» gewesen, aber es sei schon nicht das Gleiche gewesen, wie mit ihm. Sie hätten einfach nicht den gleichen Musikgeschmack, und der von Philippe und ihm gefalle ihm schon viel besser. Er denke auch, dass die Zuhörer das gleich empfinden würden. Jedenfalls sei der Applaus viel verhaltener gewesen, als wo sie selber noch durch die Gassen gezogen seien. – «Philippe, wann kommst du wieder?» Dies die drängende Frage von Bernard.

«Gerne, schon bald mein Lieber, aber ich muss vorweg noch etwas erledigen», und Philippe schilderte Bernard seinen Besuch bei Isidor Habersack in Frankfurt. «Oh, das freut mich aber für dich. Und wie geht es nun weiter?» «Ja, ich glaube, ich werde zusagen und mich für kurze Zeit in die Berge zurückziehen. Danach käme ich sehr gerne zu dir, so auf Ostern hin, wenn es dir passt, und dann könnten wir gemeinsam wieder loslegen. Was hältst du davon?» - «Sehr viel. Ich kann es kaum erwarten.»

Beide liessen noch ihre Ehefrauen von sich grüssen und sie verabschiedeten sich voneinander.

Bernard wollte nun der Frage von Frédéric nachgehen und er wählte dazu die Nummer von François, dem ehemaligen und nun auch in Pension stehenden «Juge d’instruction» im Departement Var. «Salut François, was hältst du von einem «demi» im «Le Stéphano’s»?» «Sehr viel, ich bin schon unterwegs – haha.» «D’accord, à onze heures, ça joue?» «Parfait!»

Das Le Stéphano’s befindet sich im Herzen von Ste-Maxime, an der rue Paul Bert, und ist bekannt für seine feine Küche. In der Saison ist eine Tischreservation empfehlenswert, aber jetzt, bei diesem garstigen Wetter, sollte es kein Problem sein, bloss etwas zu trinken. Schon bald trafen sich die zwei und sie freuten sich, sich wiederzusehen.

Sodann kam Bernard auf die Feststellungen von Frédéric zu sprechen und er war erstaunt wie François reagierte: «Natürlich ist dort etwas passiert. Aber alle schweigen!» Und François holte in der Folge etwas aus.

Seinen Informationen zufolge sei am besagten Morgen ein Marokkaner namens Said über den Haufen gefahren worden. Zur Täterschaft könne er wenig sagen. Das Ganze sei offensichtlich «top secret» und keiner seiner Bekannten oder ehemaligen Weggefährten wolle sich dazu äussern. Es werde nur immer wieder hinter vorgehaltener Hand gesagt, dass man die «Black lives matter» Bewegung fürchte und man befürchte, dass sie auch auf Südfrankreich – und dort nicht nur auf Marseille – überschwappen könnte. Man habe einen Höllenrespekt vor dieser Bewegung, und der Song «Lean On Me» von Bill Withers sei in aller Munde.

Seit dem Film «Les Misérables» – zu Deutsch «die Wütenden»- aus dem Jahr 2019 sind Fremdenhass und Rassismus in Frankreich ein allgegenwärtiges Thema. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten und spielt in einer der Pariser ‘Banlieues’. Er erzählt von den schwierigen Lebensbedingungen der multikulturellen Bewohner und von der Arbeit der Polizei, welche sich mit alltäglicher Gewalt konfrontiert sieht.

Regisseur und Macher des Filmes ist Ladj Li, aufgewachsen in Paris und familiär herstammend aus Mali. Der Film sei ein Alarmsignal an die politischen Verantwortlichen, die gar nicht wüssten oder auch nicht wissen wollten, was in diesen Vierteln abgeht, so die Aussage von Li.

Bekanntlich rief der Mord an George Floyd 2020 in den USA weltweit heftige Reaktionen hervor, ganz besonders in Frankreich, denn die Umstände dieses Verbrechens erinnern an den Fall des jungen Adama Traoré vier Jahre zuvor. Der schwarze Franzose wurde von Polizisten zu Boden gedrückt bis er erstickte!

Trotz des offiziellen Demonstrationsverbotes kamen tausende von jungen Französinnen und Franzose am 2. Juni 2020 zusammen, um an der Seite des «Comité verité et justice pour Adama», gegründet von der Schwester des Verstorbenen, zu protestieren. Assa kämpft seit 2016 für eine juristische Aufarbeitung des Todes ihres Bruders.

Emmanuel Macron sagte damals, es sei „inakzeptabel, in einem Rechtsstaat von Polizeigewalt zu sprechen“, nach dem Motto: Wenn wir es nicht aussprechen, dann existiert es nicht! Dabei gäbe es über die französische Polizei, über ihre Methoden, über ihre Opfer viel zu sagen. Angefangen bei den Festnahmetechniken, wie dem Blockieren in Bauchlage, bis zu den LBD-Geschossen (Anm.: Hartgummigeschosse), durch die Menschen schwerwiegende Verletzungen erleiden.

https://fr.boell.org/index.php/de/2020/12/22/black-lives-matter-frankreich;

von Romy Strassenburg

Bernard war erstaunt ob der Fülle von Informationen, und der ‘Rosé’, den er und François tranken, fing an etwas schal zu schmecken. Das hätte Bernard nun ganz und gar nicht erwartet. Jedoch, so wie es schien, wird hier etwas unter den Tisch gekehrt und zwar, um unliebsamen Tatsachen nicht ins Auge sehen zu müssen. François hatte sich in seiner Einschätzung noch nie getäuscht. – Bedenklich, dachte Bernard, jedoch war das Ganze für ihn nach seinen jüngsten Erfahrungen nicht völlig aus der Luft gegriffen. Schon mehrmals musste er sich darüber wundern, wie seine ehemaligen Kollegen bei der Gendarmerie arbeiteten. Die Bilder im Fernsehen liessen ihn oftmals erschaudern.

Nach eher Belanglosem in der Folge wollten sich die beiden voneinander verabschieden. Sie liessen gegenseitig ihre Frauen grüssen und Bernard bat François darum, ihn doch auf dem Laufenden zu halten, sollte der nähere Informationen zum erwähnten Vorfall erhalten. François sicherte ihm dies zu.

Sankt Peter

Philippe erzählte Deborah von seinem Besuch in Frankfurt und wie er Isidor Habersack kennengelernt und wahrgenommen habe. Er erwähnte natürlich auch St. Peter, und auch die Möglichkeit, die ihm geboten worden sei, dort schreiben zu können. Er zeigte Deborah die Bilder vom Haus und der Gegend, welche er mit nach Hause genommen hatte, und Deborah war ganz begeistert. «Dann wirst du das wohl machen, so wie ich dich kenne, oder?» «Ja, ich denke schon, wenn es für dich stimmt.» «Kein Problem. Und wann willst du fahren?» «Vielleicht Anfang nächster Woche. Möchtest du mitkommen?» «Nein danke. Ich denke, dass ich mit Enrico hierbleiben werde. Aber das ist für mich kein Problem. Nutz die Gelegenheit. Ich mag sie dir gönnen!»

Philippe war dankbar für diese Reaktion und er freute sich auf die Reise und seinen Aufenthalt in den Bergen. Er wollte genügend warme Kleider und etwas Proviant mitnehmen; den Rest konnte er sicher vor Ort beschaffen, dachte er. Für den Weg dorthin musste er mit dem Auto rund drei Stunden Fahrtzeit einberechnen. Die Strassen waren zurzeit unproblematisch. Also nahm Philippe den Weg unter die Räder.

Die Reise verlief absolut problemlos, und Philippe traf kurz nach dem Mittagessen in Sankt Peter ein. Dort konnte er den Schlüssel für das Häuschen behändigen, und der nette, ältere Herr gab ihm auch noch die Bett- und Frottierwäsche mit auf den Weg. Das Haus war schnell gefunden, befand sich allerdings doch so abgelegen, dass man ohne Fahrzeug nur schwerlich dorthin kam. Über den Wiesen und Feldern lag leichter Schnee und die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt.

Philippe öffnete die Haustür, und ein muffiger Geruch drang ihm entgegen. Das Ganze erinnerte ihn an Höhlengeruch und ganz offensichtlich war schon lange niemand mehr in diesem Haus gewesen. Türen und Fenster waren fest verschlossen und liessen sich nur schwer öffnen. Auch aus dem Wasserhahn kam nur kaltes Wasser, der Boiler war offensichtlich vom Strom getrennt. Immerhin konnte er im Haus Licht machen, jedoch musste er sich zuerst einmal einigermassen zurechtfinden. Vor allem war es saukalt!

Philippe wollte als erstes für etwas Wärme sorgen und er erkannte schnell, dass dies nur über den Schwedenofen machbar war. Aber wo war das Holz? Das Haus verfügte über zwei Stockwerke: im oberen Stock waren eine Küche, ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und eine Toilette; im untern Stock, welcher relativ neu renoviert war, befand sich ein grösseres Zimmer mit integrierter Kochnische und ein Bad, allerdings ohne Toilette! Auf seinem Rundgang durch das Haus fand er nirgendwo Holz. Erst nachdem er sich nach draussen begeben hatte, erblickte er einen Holzstoss, welcher sich allerdings kalt und feucht anfühlte. Das dürfte eine Herausforderung werden, dachte er, und er nahm so viel Holz auf die Arme wie er tragen konnte und stieg die schmale Treppe zum Untergeschoss hinunter. Mit einer aufgesetzten Pfanne Wasser auf dem Gasherd versuchte er etwas Wärme zu «produzieren», jedoch war das Ganze hoffnungslos.

Also gab es nichts anderes, als den Ofen in Betrieb zu nehmen. Philippe gönnte sich dazu ein kleines Bier, welches er noch von zuhause mitgenommen hatte und er versuchte den Ofen durch Pusten und Blasen und mit viel gutem Zureden seinem Zweck zuzuführen. Die ersten Versuche scheiterten kläglich und erst nach gut einer Stunde und dem Verbrauch von unzähligen Streichhölzern und noch mehr Zeitungspapier zeigte sich langsam ein zartes Flämmchen im Ofen. Jetzt nur noch die Luftzufuhr richtig einstellen, dachte Philippe, dann sollte das schon werden … Und noch bevor Philippe seinen Gedanken zu Ende führen konnte, war es um die kostbare Flamme geschehen. Schei… ging es Philippe durch den Kopf.

In der Zwischenzeit hatte es angefangen zu schneien und dies mit einer Heftigkeit, wie Philippe es schon lange nicht mehr gesehen hatte. Flocken von riesiger Grösse reihten sich bunt auf- und nebeneinander und bäumten sich derart auf, dass schon bald weder die nahe gelegene Strasse noch sein Auto zu erkennen waren. Auch dunkelte es langsam ein, und Philippe hatte immer noch kein Feuer. Der Hunger machte sich bei ihm bemerkbar und so entschloss er sich, die mitgebrachten Spaghetti zu kochen. Als Beilage sollte es Tomatensauce aus dem Glas geben. Das war’s. Zum Glück hatte er noch daran gedacht ein paar Teebeutel und etwas Zucker mitzunehmen. Dies sollte sein Nachtessen sein.

Der Abend gestaltete sich alles andere als zufriedenstellend. Der Ofen liess sich nach wie vor nicht in Gang setzen und die Temperaturen im Haus waren so, dass man den Hauch sah; an eine wohltuende Dusche war schon gar nicht zu denken, brauchte der Boiler doch seine Zeit, um das Wasser zu erwärmen – immerhin hatte er den Schalter gefunden, um ihn in Betrieb nehmen zu können. Was Philippe jedoch ebenfalls zu denken gab, war die Tatsache, dass seine Essensvorräte schon aufgebraucht waren. Das kann ja heiter werden, dachte er und er schickte Deborah eine kurze SMS mit dem Inhalt, dass er gut angekommen sei und sich noch etwas zurechtfinden müsse. Er wünsche ihr eine gute Nacht und grüsse Enrico ebenfalls ganz herzlich. Auf die Details wollte Philippe im Moment nicht eingehen.

Die Nacht verbrachte er im Schlafsack. Diesen hatte er in weiser Voraussicht von zuhause mitgenommen und er konnte seiner Eingebung nicht genügend dankbar sein. In Militärmanier steckte er seine Kleider ebenfalls in den Sack und versuchte so etwas Schlaf zu finden.

Deborah ihrerseits hatte es sich in der Stube gemütlich gemacht und war daran, einen wohlriechenden Tee zu trinken. Enrico lag zu ihrer Seite und er genoss die Streicheleinheiten, die er ab und zu von seinem Frauchen in Empfang nehmen durfte. Deborah selber studierte ihrem erhaltenen Angebot nach, in der nahen gelegenen Gärtnerei mitwirken zu können, und sie war je länger je mehr davon überzeugt, dass sie dies tun wollte.

Die Nacht verlief für Philippe alles andere als erholsam. Andauernd erwachte er und es fröstelte ihn trotz des Schlafsackes. Auch der moderige Gestank im Haus war nicht seine Sache; er musste unbedingt den Ofen in Gang bringen, ansonsten er dem Häuschen wohl schon bald wieder den Rücken zuwenden würde. – Aber auch das wäre im Moment wahrscheinlich nicht ganz einfach, soviel Schnee wie auf den Strassen lag.

Die ganze Nacht hindurch hatte es geschneit und es lagen sicher gut und gern 50 Zentimeter Neuschnee, und es schneite noch immer. So konnte es im Bündnerland sein, jedoch hatte Philippe sich dies zu wenig überlegt. In Bern und Umgebung schneite es selten, und so ging er von diesen Wetterverhältnissen aus. Im Tessin und eben auch in Graubünden trafen jedoch oftmals ein Tiefdruckgebiet von Genua herkommend mit einem Kaltluftpfropfen zusammen und gemeinsam sorgten sie dann für das entsprechende Wetter.

Nach einer kurzen Dusche, die nun angenehm warm war, zog sich Philippe so gut wie möglich und dem Wetter entsprechend an und er wollte im Dorfladen «Nachschub» für seine Verpflegung holen. Er hoffte vor allem, dass der Laden offen hatte und dass er sich seinen Wünschen entsprechend mit Lebensmittel eindecken konnte. Der Weg dorthin würde eine halbe Stunde in Anspruch nehmen; der Rückweg mit Sicherheit eine Stunde. Vorgängig wagte er nochmals einen Versuch, den Ofen in Betrieb zu nehmen. Und siehe da: bereits beim zweiten Anlauf nahm das Holz Farbe an, und Philippe konnte schon bald weitere Scheiten nachlegen. Er wartete noch einen kurzen Moment bis er sicher war, dass der Schwedenofen seinem Namen gerecht wurde; sodann wollte er den Weg unter die Füsse nehmen. Ein aufgefundener Rucksack im Foyer des Hauses sollte ihm dienen, die Esswaren nach Hause zu tragen.

Nach mühsamem Stampfen durch den hohen Schnee, kam er endlich im Dorfladen an, und dieser hatte Gott sei Dank geöffnet. Einige andere Kunden, vor allem Einheimische, waren ebenfalls anwesend und alle unterhielten sich über das Wetter. Philippe nahm das, was in «gluschtete» in den Einkaufskorb und er gönnte sich auch noch zwei Flaschen Rotwein aus der Gegend. Der «Malanser», ein «Herrschäftler» aus dem «Heidiland», am Rhein zwischen Fläsch und Malans gelegen, ist wirklich vorzüglich und er würde Philippe für einiges entschädigen, auf was er bislang verzichten musste.

Nach elendiglich langen Minuten, um nicht zu sagen Stunden, war Philippe wieder zurück in seinem Häuschen. Die Temperaturen waren langsam so, dass man sich wohlfühlen konnte, und auch der muffige Gestank im Haus hatte sich zum grössten Teil verflüchtigt. Philippe versuchte nun seinen Laptop in Gang zu setzen und zu seinem Erstaunen funktionierte die WLAN-Verbindung auf Anhieb. Er gönnte sich ein Glas Malanser und fing an zu schreiben. Der Titel sollte wie folgt lauten:

Dabei könnte alles so einfach sein …

So um die Jahrtausendwende verfiel die Schweizer Politik in Aktionismus. Alles sprach von Organisierter Kriminalität und so durfte die Schweiz dem Mainstream natürlich nicht nachhängen. …

Jedoch schon nach kurzer Zeit musste er feststellen, dass er noch nicht so weit war, seine Gedanken richtig zu ordnen und aufs Papier zu bringen. Er war irgendwie noch zu aufgebracht und auch seine Finger waren nach wie vor zu klamm, um sie über die Tasten zu führen. Er setzte ab und gönnte sich ein zweites Glas des fein schmeckenden Weines.

Auf einmal sah er auf seinem Handy eine Nachricht, die ihn interessierte. Es war Isidor Habersack und dieser erkundigte sich nach seinem Befinden. Philippe antwortete postwendend und er tat ihm kund, dass er jetzt in St. Peter sei und mit dem Schreiben begonnen habe, dass dies wahrscheinlich aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde und er sich dann gerne wieder melden werde. Isidor wollte es sich allerdings nicht nehmen lassen und er wollte mit Philippe direkt sprechen und schon klingelte dessen Smartphone.

«Salut Isidor, wie geht es dir?» «Hervorragend danke und wie geht es dir? Hast du dich im Haus zurechtgefunden und ist alles zu deiner Zufriedenheit?» «Ja selbstverständlich», flunkerte Philippe und er erwähnte den grossen Schnee im Bündnerland. «Hör zu, Philippe. Ich lasse dir per E-Mail den Entwurf unserer Graphiker zukommen und ich finde die Idee wirklich toll, deine bisherigen fünf Geschichten in zwei Bänden als Roman zusammenzufassen und sie auf diese Weise herauszugeben. Schau dir doch bitte das Ganze einmal an und gib mir anschliessend Bescheid, was du davon hältst. Ich melde mich dann wieder. Bis bald. Ciao amigo.»

Philippe öffnete seine Mailbox und er sah sogleich das Cover der beiden Bände. Dieses sprach ihn auf Anhieb an, und er wollte Isidor das auch sogleich kundtun.

i.h.@gmail.com

Lieber Isidor

Die Umschlaggestaltung ist hervorragend und sie spricht mich voll und ganz an.

Auch kann ich mir sehr gut vorstellen, meine Geschichten in Romanform zu veröffentlichen und sie in dieser Form einer breiten Leserschaft zuzuführen.

Den gewünschten Begleittext zu den beiden Büchern sollte ich in den nächsten Tagen fertig gestellt haben und ich werde ihn dir sodann zukommen lassen. Gerne hoffe, dass er deinen Vorstellungen entspricht.

In der Zwischenzeit wünsche ich dir alles Gute und verbleibe mit den besten Grüssen

Philippe Baumann

Auch Isidor liess nicht lange auf sich warten und er antworte wie folgt:

p.b.@gmail.com

Lieber Philippe

Ich danke dir für deine freundliche und schnelle Rückmeldung und ich bin davon überzeugt, dass deine Bücher Anklang finden werden.

Das Lektorat ist in der Zwischenzeit auch schon so weit, dass ich dir das «Gut zum Druck» ebenfalls in den nächsten Tagen zustellen kann.

Was die Formalitäten betrifft, so bin ich mir sicher, dass wir uns finden werden: ein Drittel für den Autor, ein Drittel für den Verlag und ein Drittel für den Vertrieb und den Druck. – Gerne hoffe ich, dass du damit einverstanden bist.

Ich grüsse dich herzlichst und bis zum nächsten Mal.

Isidor

Nun musste Philippe sich aber ranhalten. Es sollte schliesslich nicht an ihm liegen, sollten sich Verzögerung in der Umsetzung des Projektes einstellen, und so griff er erneut zur Feder respektive in die Tasten.

Der 1. März naht

Isabelle traf sich in der Zwischenzeit mit Josi; diese aber war von ihrem Vorschlag nicht sonderlich angetan. Sie sei zu alt für solches und im Übrigen verstehe sie weder etwas von Verkauf und schon gar nichts von Kunstschmuck. Das Ganze wäre für sie nur eine Belastung, der sie sich nicht (mehr) aussetzen möchte. Hingegen, und jetzt kam Josi auf den Punkt, könne sie Isabelle ihre Tochter Rebecca bestens empfehlen. Diese sei gelernte Verkäuferin und habe bis vor kurzem in einem recht renommierten «Kunstladen» in Cannes gearbeitet. Der Weg dorthin sei ihr allerdings mit der Zeit zu beschwerlich geworden, worauf sie gekündigt habe. Sie sei zurzeit ohne feste Anstellung und sie könnte sich sehr gut vorstellen, dass sie eine solche Arbeit reizen würde.

Isabelle nahm dies gerne so entgegen und sie wollte sich sogleich mit Rebecca treffen, um mit ihr die Details zu besprechen. Bereits am nächsten Tag fand das Treffen statt, und Rebecca war voll der Freude. Ja, sie würde das sehr gerne machen und sie glaube auch, dass sie der Kundschaft etwas bieten könne. Sie sei aufgeschlossen, kommunikativ und offen für alles Neue und sie würde sich voll und ganz ins Zeug legen, um auch den Ansprüchen von Désirée gerecht zu werden.

Rebecca war eine sehr attraktive Frau von etwa 30 Jahren, und Isabelle konnte sich sehr wohl vorstellen, mit ihr zusammen zu arbeiten. Bernard würde wahrscheinlich wiederum sagen: wie kann einer wie der – Gérard – eine solch hübsche Tochter haben und erst noch so klug, sympathisch und unkompliziert, ging Isabelle durch den Kopf.

Isabelle ging mit grosser Genugtuung nach Hause und orientierte Désirée und Bernard über die geführten Gespräche. Désirée war begeistert und sie freute sich bereits jetzt über die künftige Zusammenarbeit mit ihrer Schwester. In der Zwischenzeit nahmen auch der Architekt und der Innendekorateur einen Augenschein im Laden und beide konnten die Lokalität nur rühmen. «Das ist wirklich ein super Standort, da musst du zuschlagen», so der Tenor der beiden. Und sie sicherten ihr zu, dass sie das Geschäft per 1. März eröffnen könne und zwar im «Corporate Design» wie jenes in Paris am «Place du Tertre». Francesco nickte gefällig, und es freute ihn, wie Désirée sich begeistern konnte: so fröhlich, glücklich und verspielt wie er sich seine Frau wünschte.

Désirée liess es sich nicht nehmen und sie wollte alle zum Nachtessen einladen. Sie schlug das «Kalmos», direkt am Meer, zwischen Sainte-Maxime und Les Issambres, gelegen, vor, von dem sie wusste, dass man dort ein hervorragendes Fischfondue aus dem Mongolentopf essen konnte. Alle waren hell begeistert, und der Tisch war schnell reserviert.

Bernard wollte am Nachmittag noch seinen Freund Gérard treffen und mit ihm die Story von Frédéric, ergänzt mit den Anmerkungen von François besprechen. Sie vereinbarten sich auf ein Bierchen im ‘Café Maxime’ an der ‘Avenue Charles de Gaulle’. «Salut mon cher, ça va?» «Oui, très bien et à toi?» - « Ja, es geht mir ebenfalls sehr gut, aber das, was ich nicht verstehe ist, dass du eine solch hübsche Tochter hast … haha.» «He, was soll das, das Gleiche könnte ich auch von dir sagen», und beide mussten lachen. Gérard wusste natürlich bereits, dass sich seine Frau und Isabelle getroffen hatten, und dass Josi ihr Rebecca als Mitarbeiterin empfohlen hatte. «Ich finde das ein tolle Idee und ich wünsche den beiden, Isabelle und Rebecca, nur das Beste.» So der Kommentar von Gérard. Bernard konnte dem nur beipflichten.

«Hör mal, Gérard. Weisst du etwas über einen Vorfall am 21.12.2020 am Place Victor Hugo, respektive etwa 50 Meter davon entfernt? Da soll sich ein Unfall zugetragen haben, von dem man nichts in der Tagespresse lesen konnte. Sagt dir das etwas?»

«Nur vom Hörensagen, aber nichts Konkretes.» «Doch, da muss etwas gewesen sein, das man totschweigen möchte. Ich habe mit François gesprochen, und er meinte, dass das Ganze «top secret» sei. Man habe offensichtlich Angst davor, dass etwas ans Licht kommen könnte, und dass dies die «Black lives matter» Bewegung auf den Platz rufen könnte.» «Ok, ich werde mich einmal umhören und auch Thierry vom midi-libre kontaktieren. Er hat ja bekanntlich gute Kontakte zur ‘Police nationale’ in Toulon.»

Thierry war Journalist bei dieser Regionalzeitung und der eine oder andere Polizist war ab und zu nicht abgeneigt, ihm Informationen zu stecken. Was die Gegenleistungen hierfür waren, wollten weder Gérard noch Bernard wissen. – Gérard versicherte Bernard auf jeden Fall, ihn auf dem Laufenden zu halten.

Bernard selber nahm noch einmal mit Frédéric Kontakt auf. Das Ganze liess ihm keine Ruhe. Er sagte ihm auch kurz, was er bis anhin in Erfahrung gebracht hatte, und er erkundigte sich danach, ob er allenfalls noch ein paar Details zum Vorfall liefern könne. Frédéric überlegte und er schüttelte den Kopf. Nein, er könne einfach nicht mehr sagen, das Ganze sei so schnell gegangen. Einzig, das Nummernschild sei ihm aufgefallen, da es sich nach seinem Dafürhalten nicht um ein französisches gehandelt habe.

«Wie hat das Nummernschild denn ausgesehen?» «Hell, und ich glaube, am Anfang waren die Buchstaben ‘BE’.» - «Das könnte ein deutsches Kennzeichen sein», so die Bemerkung von Bernard. BE steht in Deutschland für Beckum im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Aber auch in der Schweiz gebe es diese Abkürzung für Bern. «Schau mal: hat das Zeichen in etwa so ausgesehen?»


«Ja, könnte sei. Aber ich bin mir absolut nicht sicher.» «Und kannst du dich vielleicht an die Typenbezeichnung des Wagens erinnern?» «Wie ich schon gesagt habe, war es glaublich ein Mercedes. Vielleicht ein S oder B 300 oder 500, aber ich bin mir auch hier ganz und gar nicht sicher. Auf jeden Fall ein älteres Baujahr.» - «Vielen Dank Frédéric, ich werde dich weiterhin auf dem Laufenden halten.»

Der Jagdinstinkt bei Bernard war geweckt!

Das Intro zum Roman

Philippe unternahm einen weiteren Versuch, das «Intro» zu seinen Romanen zu schreiben, und dieses Mal lief es deutlich besser. Die Temperaturen im Haus liessen es auch zu, dass er seine Finger bewegen und wunschgemäss über die Tasten des Computers führen konnte. Erstaunlicherweise war die Einführung innert kurzer Zeit geschrieben, und Philippe war mit sich zufrieden. Er gönnte sich ein weiteres Glas der angebrochenen Flasche, und der Wein mundete ihm mit jedem Schluck besser. Der Schneefall hatte in der Zwischenzeit nachgelassen, und das Wetter zeigte sich von seiner freundlichen Seite. Die Sonne zeigte sich zwischen den Wolken und sie verzauberte die Schneelandschaft in ein Mosaik von Kristallen und Juwelen. Das Ganze glitzerte, und Philippe musste die Augen zukneifen, um die ganze Pracht der Natur wahrnehmen zu können. Einmalig, ging es Philippe durch den Kopf, und alle Gedanken vom Vortag waren schlagartig weg. Er begab sich ins Freie und genoss den Schnee wie ein kleines Kind. He, wie schön das hier ist; schade sind Deborah und Enrico nicht auch hier: das würde ihnen gefallen!

Seinen Text wollte Philippe am nächsten Morgen nochmals durchgehen und ihn anschliessend, sollte er nach wie vor ‘Ja’ dazu sagen können, Isidor zustellen. Jetzt aber wollte er sich etwas Feines zum Nachtessen kochen und er freute sich bereits darauf. Es sollte eine Rösti mit einer Bauernbratwurst geben und dazu einen feinen Tomatensalat. Die Zutaten dazu hatte er sich im Dorfladen gekauft.

Das Essen mundete Philippe bestens und er begab sich schon bald danach zu Bett. Natürlich legte er noch ein/zwei Scheiten Holz im Ofen nach und schon bald hörten die «Zaungäste» wahrscheinlich nur noch sein Schnarchen oder andere Urgeräusche.

Am nächsten Morgen war Philippe voller Tatendrang und als Erstes las er nochmals seinen Text durch. Er konnte nach wie vor «Ja» dazu sagen und er wollte ihn sogleich Isidor zukommen lassen.

i.h.@gmail.com

Hallo Isidor

Ich bin so weit, dir das Intro zukommen zu lassen. Du findest es in der Beilage. Nun bin ich gespannt, wie es weiter geht.

Ich grüsse dich ganz herzlich und wünsche dir alles Gute

Philippe

Beilage

Dabei könnte alles so einfach sein …

So um die Jahrtausendwende verfiel die Schweizer Politik in Aktionismus. Alles sprach von Organisierter Kriminalität und so durfte die Schweiz dem Mainstream natürlich nicht nachhängen. Bereits damals ging es darum, das Zusammenspiel von Bund und Kantonen zu überprüfen und konkrete Vorschläge für die künftige Zusammenarbeit auszuarbeiten. Es ging vor allem darum, die neuen Kompetenzen des Bundes – vorweg eben jene in den Bereichen Organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität – in die Tat umzusetzen. Selbstverständlich dienten dazu die Vorbereitungsarbeiten der beim Bund betroffenen Dienste.

Philippe war von allem Anfang an skeptisch, war doch die ins Auge gefasste Zentralisierung beim Bund aus seiner Sicht völlig unnötig, zumal die grossen Polizeikorps der Kantone bereits über eingespielte Strukturen verfügten, die sich bislang bewährt hatten. Nichtsdestotrotz wurden die Arbeiten an die Hand genommen und endeten, wie nicht anders zu erwarten war, im Sinn der Empfehlungen der Vorarbeiten des Bundes; dies sehr zum Missfallen von Philippe.

Er hätte es lieber gesehen, wenn die bestehenden Strukturen gestärkt worden wären, und nicht ein zusätzlicher Apparat aufgebaut wurde, welcher – aus seiner Sicht – nur weitere Schnittstellen brachte, die in aller Regel der Sache abträglich waren und effizienten Ermittlungen im Wege standen. Irgendwie fühle sich dann niemand so richtig verantwortlich und jeder könne dem andern die Schuld in die Schuhe schieben, so die Einschätzung von Philippe.

Trotzdem wurde in der Folge die Bundeskriminalpolizei (BKP) ins Leben gerufen und damit einhergehend musste natürlich auch die Bundesanwaltschaft aufgerüstet werden. Das hierfür notwendige Personal wurde vornehmlich aus den beiden «grossen» Kantonen rekrutiert und fehlte somit dort. – Gut, auf die eine oder andere Person konnte man vielleicht ja noch verzichten, und trotzdem war das Ganze aus der Sicht von Philippe unnötig.

Mit der Inkraftsetzung der neuen Strafprozessordnung per 1.1.2011 wurde dem ganzen Übel noch die Krone aufgesetzt. Man verabschiedete sich vom bisherigen Vieraugenprinzip, welches sich nach der Ansicht von Philippe sehr bewährt hatte, ging es dabei doch darum, unbedachte Untersuchungsrichter durch vorgelagerte Staatsanwälte in die Schranken zu weisen und dort korrigierend einzugreifen, wo Unerfahrenheit oder Mut fehlte. – Dies fiel fortan weg, womit der Mist geführt war.

Trotz aller Illusionen wurde also bis anhin Bewährtes über den Haufen geworfen und neues Terrain beschritten mit der Konsequenz, dass schon bald eine kluge Frau das Ganze wie folgt kommentierte:

… sie hielt dafür, dass wohl tatsächlich nicht alles zum Besten stehe, und es wahrscheinlich nicht verfehlt wäre, in der Strafverfolgung eine «Tiefenbohrung» - wie sie es nannte – zu machen. Die «Neuerungen» in der Strafverfolgung mit ihren Auswirkungen hätten wohl nicht nur Früchte gebracht, sondern eben auch Ungemach bis hin zu Frust und Missgunst.

Auch sei sie darüber erschrocken, wie leicht man heutzutage in der Schweiz verurteilt werde. Das «abgekürzte Verfahren» sei einfach verfehlt und die angeschuldigte Person habe gar keine Möglichkeit sich adäquat zu verteidigen. Schnell sei das Strafmandat ausgesprochen und dem «Straftäter» bliebe oftmals nur noch der Weg ans ordentliche Gericht.

Dies könne nun aber auch wieder nicht der Sinn und Zweck der Strafverfolgung sein, zumal dadurch nicht nur die ordentlichen Instanzen im Übermass «beübt» würden, sondern auch, weil den Beschuldigten das Grundrecht der «fairen Behandlung» vorenthalten würde. Man könne ja nicht von ‘Fair Trail’ sprechen, wenn nicht einmal Entlastungszeugen zur Sache einvernommen würden und dies sei offensichtlich heute gang und gäbe.

Auch sei ihr zu Ohren gekommen, dass die fachliche Qualität der Strafverfolger doch sehr unterschiedlich sei. Da sei es halt einfach schon gut gewesen, wenn ein erfahrener Staatsanwalt noch über die Sache geschaut habe und einem «Jungspund» auf die Sprünge geholfen habe.

Philippe war erstaunt ob der Offenheit von Frau … und er konnte ihr nur beipflichten. Woher sie all ihre Informationen hatte, wollte er gar nicht wissen; deckten sie sich aber doch grösstenteils mit dem, was er bislang selber mit auf den Weg bekommen hatte.

Unlängst musste er nämlich Folgendes zur Kenntnis nehmen:

Irgendwann im Herbst des Jahres MMXVIII geschah Unvorstellbares. Die Ausgangslage war leider umso trauriger, als sie der Wahrheit entspricht. Frau M und Herr X befanden sich auf dem Heimweg vom Ausgang. Kurz bevor sie zuhause ankamen, wurden sie von drei unbekannten Personen überfallen und ausgeraubt. Frau M wurde brutal zu Boden gemacht und mit Faustschlägen eingedeckt. Ihr Begleiter stand ihr nach Kräften bei, worauf die Angreifer die Flucht ergriffen. Die Geldbörse mitsamt den Ausweisen fehlte nach dem Angriff. Nun fragt man sich, was man in einer solchen Situation machen soll? – Die Polizei beiziehen? ... Nein, dann kommt alles nur noch viel schlimmer. Ja, wenn man alles im Voraus wüsste, dann ... Aber eben, man weiss es ja nicht im Voraus und vertraut auf das, was man einmal gelernt hat: Die Polizei – dein Freund und Helfer! Aber weit gefehlt.

Frau M alarmierte also die Polizei, welche auch vor Ort erschien. Nach der Täterschaft wurde kaum Ausschau gehalten, geschweige denn, dass man sich um das Opfer kümmerte. Nein: viel mehr wurde ihr herbeigerufener Freund gemassregelt und zu Recht gewiesen. Mit der Konsequenz einer Anzeige wegen Hinderung einer Amtshandlung.

Was wird hier gehindert und wo liegt hier eine Amtshandlung. – Die Täterschaft ist geflohen. Das Opfer gibt den Umständen entsprechend bereitwillig Auskunft und der Begleiter des Opfers steht noch unter Schock. Der Freund des Opfers kann seiner Freundin nicht beistehen, weil ihm dies von der Polizei verwehrt wird.

Dass man ob einer solchen Situation in Wut gerät, steht für mich ausser Zweifel und ist für mich auch mehr als nachvollziehbar. Wäre ich an dieser Stelle gewesen, so hätte ich mich wohl kaum unter Kontrolle halten können. Ja, auch das ist Polizeiarbeit. – Wo ist hier die Sozialkompetenz, wo die Empathie – von Einfühlungsvermögen mag ich hier schon gar nicht sprechen. Mehr falsch machen kann man meines Erachtens nicht. Und die Konsequenzen für den Freund des Opfers sind ebenso unermesslich, wie das Trauma, welches das Opfer durch den Überfall und das Verhalten der Polizei erfahren musste. – Schade, dass man solche Erfahrungen machen muss. Es gilt nur zu hoffen, dass die betroffenen Personen irgendwann einmal «gute» Polizeiarbeit kennenlernen werden. – Aber wahrscheinlich hilft hier nur noch beten ... womit Philippe nur das Gelassenheitsgebet des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr in den Sinn kam, welches wie folgt lautet:

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change, Courage to change the things I can, And wisdom to know the difference. Living one day at a time, Enjoying one moment at a time, Accepting hardship as a pathway to peace, Taking, as Jesus did, This sinful world as it is, Not as I would have it, Trusting that You will make all things right, If I surrender to Your will, So that I may be reasonably happy in this life, And supremely happy with You forever in the next. Amen.

Aber die Story geht noch weiter: Im gleichen Verfahren wegen «Hinderung einer Amtshandlung» erkannte der zuständige Staatsanwalt im Kanton Bern, dass zum Beweiswert der Zeugin zu sagen ist, dass diesbezüglich ebenfalls bereits an dieser Stelle eine klare Tendenz zu vermuten ist, da es sich doch bei ihr um die Freundin des Beschuldigten … handelt. Mithin erweisen sich die beantrag(t)en Beweismassnahmen vom Inhalt her der zu erwartenden Aussagen als offenkundig bzw. im Fall von Frau … weitgehend unerheblich. … Die Vornahme der beantragten Befragungen im Rahmen der Untersuchung erweist sich somit als (I)nhaltlich weitestgehend offenkundig und damit nutzlos und aus prozessökonomischer Sicht unnötig.

Die Verteidigung hatte hierauf wie folgt reagiert: Zuhanden des Dossiers und damit auch des beziehungsweise der zuständigen Gerichtspräsidenten / Gerichtspräsidentin halte ich lediglich fest, dass mein Mandant durch Ihre Formulierung in der Begründung dieser Verfügung sehr irritiert ist. Ohne jeglichen realen Anhaltspunkt führen Sie aus, hinsichtlich der Aussagen von Frau … sei eine klare Tendenz zu vermuten deshalb, weil es sich um die Freundin meines Mandanten handle. Diese Bemerkung gibt eine Vorbefassung wieder, die nicht widerspruchslos hingenommen werden kann. Überdies darf ich Ihnen aus Sicht der Verteidigung mitteilen, dass der Anspruch auf das Fragerecht gegenüber Zeugen beziehungsweise einem Anzeiger keineswegs bloss «formal» zu verstehen ist.

Selbstverständlich ging der Staatsanwalt auf die Replik des Anwaltes nicht ein. Er war sich hierfür wahrscheinlich zu gut. Auch seine mündliche Äusserung, dass der Anzeiger wohl «überschossen» habe, half ihm nicht, das Elend abzuwenden, wenngleich er es in der Hand gehabt hätte. – Hier hätte das ‘Vieraugenprinzip’ wahrscheinlich einiges verhindern können.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
241 str. 19 ilustracji
ISBN:
9783742770462
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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