Czytaj książkę: «MännerMutMacher»

Czcionka:

Michael Stahl | Rainer Zilly

MännerMutMacher

Hoffnungsvolle, emotionale Erlebnisse von Männern mit Ecken und Kanten

GloryWorld-Medien

1. Auflage 2021

© 2021 Michael Stahl | Rainer Zilly

© 2021 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Rev. Lutherbibel von 1984 entnommen.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat: Klaudia Wagner

Satz und Cover: Rainer Zilly, www.kreativ-agentur-zilly.de

Fotos: privat

ISBN (epub): 978-3-95578-388-4

ISBN (Druck): 978-3-95578-388-4

Inhalt

Vorwort | Michael Stahl

Vorwort | Rainer Zilly

Ein Christen-Abenteuer bei BILD | Daniel Böcking

Das Lebensretter-Schild | Johannes Berthold

MMMM – MännerMutMacherMaik | Maik Löwen

Das Leben ist nicht immer fair, aber … | Gerd Gugel

Wie ich vom Karriere-Tiger zum ErmuTIGER wurde | David Kadel

„Niemals werde ich dich heiraten!“ | Jabin Jäckle

Kann man davon leben? | Emmerich Adam

Millionäre guter Früchte | Werner May

Wenn Gott wirklich antwortet | Holger Zielonka

Im Trauma verloren – im Leben gefunden | Holger Harsch

Der Autor unserer Lebensgeschichte | Emmanuel Kyeremeh

Freiheit für andere | Frank Heinrich

Vom „Irgendwie-Überleben“ zum Vertrauen | Frederick Kammies

Leben, was Gott ins Herz gelegt hat | Dr. Tobias Mock

Autokauf!? | Karsten Sewing

Der väterliche Segen | Stefan Ackermann

Einer für alle, alle für einen | Harry Voß

Power-Connection | Thomas Fremdt

Neuer Job gefällig? | Björn Kapfer

Liebe – vom Entscheiden zum Fühlen | Robert Messer

Meine erträumte Freiheit – eine neue Männlichkeit | Lutz Langhoff

Der Barmherzige Samariter | Markus Sauermann

Der lange Weg aus der Finsternis | Armin Gritzan

Dieter – hinschauen oder wegschauen? | Wolfgang Gröber

Geschieden – will Gott mich noch gebrauchen? | Andreas Lange

Hart am Limit | Uwe Beck

Bart mit Herz – Herz mit Bart? | Christian Berger

„Aus dem wird nichts mehr!“ – außer mit Gottes Hilfe | Uwe Schall

Je und je geliebt | Tommy Bright alias Michael Albrecht

Laudatio für meine persönlichen „Abflussreiniger“ | Bernie Schlott

Mit kleinen Gesten dranbleiben | Jochen Stähle

Planetshaker | Albert Brückmann

Rambo & Co. – Der Traum vom Elitesoldat | Holger Reinhardt

Beten mal anders | Thomas Meier

Echte Männer | Michael Stahl

Wenn Gott wirkt und ich es verschlafe | Simon Trzeciak

Sich dem eigenen Schatten stellen | Jakobus Richter

Es ist nie zu spät für eine Kehrtwende! | Walter Stuber

Zurechtgerückt | Marco Derrer

Vom Rotlichtmilieu ins geregelte Leben | Sebastian Sander

Lebensmut durch Jesus und meine Freunde | Wolfram Holzner

Totale Kontrolle? | Nikolas Fischer

Sei mutig und stark | Martin Freitag

Von „Aus dir wird nichts“ zum Segensträger | Martin Heubach

Gnade im Zerbruch | Andreas Blum

Zurück ins Leben! | Manuel Lachmann

Gott wird dich nie aufgeben | Thiago Nikolas Da Silva Jardim

Ein Tag wie jeder andere … | Oliver Bodrogi

Die Bergstory | Niklas Finn Balli

Habe ich alles im Griff? | Jörg Wünsch

Prophetischer Paukenschlag | Dieter Göring

Zeit für Veränderung!? | Jürgen Frowein

Der Blaue Rudi und die Vergebung | Rudi Toppel

Hör auf zu denken, sonst bringt dich das um! | Daniel Knapp

Ich war selbst schuld | Daniel Gröber

Mein Absturz | Jens Wätjen

Berufung – von Level zu Level | Wilhelm Risto

Horchen und gehorchen | Rainer Zilly

Junge, pass auf dein Herz auf! | Simeon Spahr

Bergnotrettung | Eberhard von Holst

Erst wenn du schwach sein kannst, bist du stark | Nick Bolanz

MutMachWorte

Nachwort | Rainer Zilly

Über die Herausgeber

Liebe Männer,

und natürlich auch alle Frauen, die „heimlich“ mitlesen. Es ist mir eine Ehre, in diesen stürmischen Zeiten mit Rainer und vielen anderen Männern den zu bezeugen, der uns Ruhe, Trost und Halt mitten im Orkan schenken will und kann.

In all den Jahren meines Dienstes mit Männern, egal ob in Firmen, Suchthilfeeinrichtungen oder gar Gefängnissen, erlebte ich unzählige Male, wie schwer wir Männer uns tun, über Gefühle zu sprechen. Umso schöner, wenn Männer ihre kleinen und großen Erlebnisse mit anderen teilen, ja, einen Teil ihres Herzens offenbaren, damit andere Männerherzen berührt werden.

Mitten in der Bearbeitung dieses Buches verunglückte mein Freund Achim schwer und kämpfte wochenlang um sein Leben. Der Unfall hat auch mein tägliches Leben verändert. Nicht mehr die aktuellen Inzidenzwerte unseres Kreises beschäftigten mich jeden Morgen, sondern ob Achim die Nacht überlebt hatte. Das war wieder einer dieser Stürme, die uns urplötzlich erwischen.

In dem alten Häuschen, in dem ich aufwuchs, gab es keine Türklingel. Wenn Besuch kam, klopfte er an die Tür und sagte: „Ich bin es!“ Dieser kleine Satz war Erkennungs- und Vertrauenszeichen.

Sterbende, die ich besuchte, begrüßte ich oft mit „Ich bin es!“, und wenn ich meine 88-jährige demenzkranke Tante besuche, flüstere ich nicht selten in ihr Ohr: „Ich bin es!“

Dieser Satz war es auch, mit dem Jesus seinen Freunden auf stürmischer See begegnete. Und „Ich bin es!“, lautete seine Antwort, als man ihn fragte, ob er der Sohn Gottes sei. Dasselbe sagte er schließlich im Garten Gethsemane zu denen, die ihn suchten, um ihn zu verhaften.

Ich wünsche euch allen so sehr, dass ihr dem ICH BIN ES in diesem Buch begegnet, ihn besser kennen und lieben lernt und in ihm den Frieden findet, den diese Welt nicht geben kann.

Als Rainer mir das Cover zu unserem Buch präsentierte, kämpfte ich mit den Tränen und war mehr als nur erstaunt und berührt: Ein Mann auf einer Leiter. – Mein Freund Achim war von einer Leiter mehrere Meter in die Tiefe in einen Treppenschacht gestürzt.

So wie ich Achim kenne, wird er eines Tages wieder eine Leiter hochsteigen, im Bewusstsein, auch wieder abstürzen zu können. Doch was ist wahres Leben? Kein Risiko einzugehen und in Angst zu erstarren? Das Leben ist dazu da, um es zu leben – mit allem was dazugehört – in liebevoller Beziehung mit Gott, seinem Nächsten und sich selbst.

C.S. Lewis schrieb zum Thema „Angst vor der Atombombe“ (ihr könnt anstelle der Atombombe gerne auch etwas anderes einsetzen): Wenn diese Atombombe uns zerstört, dann soll sie uns dabei erwischen, wie wir sinnvolle und gütig Dinge tun – beten, arbeiten, unterrichten, lesen, Musik hören, die Kinder baden, Sport treiben oder mit unseren Freunden bei einem Schoppen plaudern.

Wir sollen nicht zusammengekauert wie verängstigte Schafe über die Atombombe nachdenken. Die Bombe mag unseren Körper zerstören, unseren Geist darf sie nicht beherrschen.

So soll auch uns nicht die Furcht beherrschen, sondern das personifizierte Leben.

Gott segne euch und eure Lieben, und seid gewiss, ICH BIN ES ist immer da.


Herzlichst,

Euer Michael Stahl

Hallo du!

Klasse, dass genau du dieses WUNDERbare Buch in Händen hältst.

Es war mir eine große Ehre, diese Mut machenden Geschichten zu sammeln und sie als Erster zu lesen – Geschichten, die mein Herz ansprechen, mich weinen lassen und zugleich ermutigen, die mir zeigen, wie Gott durch ganz verschiedene Männer Geschichte schreibt.

Wie oft lese ich von Siegertypen und Helden; von Männern, denen alles gelingt, die scheinbar nie versagen, bei denen es richtig glatt läuft. Doch ich feiere es, wenn gerade Männer Gefühle zeigen; wenn sie sich öffnen und über ihre Schwächen und Fehler, ihr Versagen, ihre Verluste, Nöte, Krankheiten und noch vieles mehr authentisch berichten.

Vielen, vielen Dank euch Autoren dafür! Das ist mutig und ermutigend! Denn ich selbst bin so ein Mann, der Ecken und Kanten hat, der Freude und Trauer erlebt, bei dem einiges richtig gut läuft und anderes total schief geht. Ich brauche und liebe immer wieder solche ehrlichen MännerMutMacher!

Danke Jesus, du bist der Sieger und Held in diesem Buch – alle Ehre gehört dir!

Und nun: Lass dich inspirieren, ermutigen,

erfreuen, begeistern, herausfordern …


Dein Rainer Zilly

P.S.: Egal, wie die Umstände in deinem Leben aussehen, setze dein Vertrauen auf den lebendigen Gott!

Ein Christen-Abenteuer bei BILD

Zwei Jahre lang hatte ich mein Christ-Sein mehr oder weniger geheim gehalten. Nach meinem Bekenntnis zu Jesus und zum Glauben im Jahr 2013 hatte sich für mich innerlich alles neu sortiert – aber kaum einer hatte es mitbekommen.

Ich war offensichtlich auch nicht besonders scharf darauf gewesen, allen in meinem Freundes- und Kollegenkreis zu erzählen, dass mir nun Jesus Christus wichtiger geworden war als alles andere auf der Welt. Das hätte wohl zu Diskussionen geführt, zu Konflikten. Stellvertretender Chefredakteur von BILD und neuerdings auch Jesus-Nachfolger – das klang erklärungsbedürftig. Vielleicht spielte auch die Angst vor Spott eine Rolle.

An einem Abend im April 2015 kam dann der Impuls: Steh auf!

Sprich deine Gottesliebe offen aus! Schreib sie auf!

Auslöser dafür war das Morden der ISIS-Terroristen, das damals seinen Höhepunkt hatte. Es zehrte an mir, dass da Menschen im Namen ihres angeblichen Glaubens unfassbares Grauen anrichteten. Und ich haderte, weil mein Glaube eine so andere, so liebevolle Rettungsbotschaft beinhaltete – aber sie kaum noch Gehör fand im Schatten dieser verirrten, vermeintlichen Gotteskrieger.

Es war schon spät an diesem Abend. Nach 23 Uhr. Ich saß auf dem Sofa und meinte, Gottes Forderung innerlich zu hören, zu spüren: Tu etwas zu meiner Ehre!

Ich wollte nicht.

Der gesellschaftspolitische Kommentar war nicht meine Stamm-Disziplin bei BILD. Mit einem Rums meinen privaten Glauben bei BILD öffentlich zu machen – davor hatte ich Bammel. Was würden Kollegen sagen? War das nicht völlig unangemessen für einen Vize-Chefredakteur?

Doch egal, wieviel ich betete und es hinauszögerte – das Drängen blieb. Die vielen Bibelverse kamen mir in den Sinn, in denen es heißt, dass wir uns nicht fürchten sollen, und in denen wir dazu aufgefordert werden, mutig zum Glauben zu stehen. Paulus schreibt zum Beispiel:

„Zu dieser Botschaft bekenne ich mich offen und ohne mich zu schämen, denn das Evangelium ist die Kraft Gottes, die jedem, der glaubt, Rettung bringt“ (Römer 1,16 NGÜ).

Ich war damals noch sehr grünschnabelig im Glauben. Längst hatte ich nicht alles kapiert, was in der Bibel steht (und habe es bis heute nicht). Aber ich hatte mir vorgenommen, das, was ich verstanden hatte, auch umzusetzen. Ich wollte mein Gottvertrauen trainieren, indem ich nicht nur auf meinen eigenen Kopf und meine eigenen Gefühle hörte, sondern anfing, mich im Gebet zu überprüfen: Gab es da einen Impuls? Oder gab es einen Satz in der Bibel, der mich in die eine oder andere Richtung schickte?

In diesem konkreten Fall war es (damals nicht zu meinem Vergnügen) ziemlich eindeutig: Bibel und Gebet stimmten überein, dass es richtig und wichtig ist, für die Botschaft von Jesus einzustehen und sie nicht unter den Teppich zu kehren. Sicher, ich hätte mich freuen können über diese Klarheit. Über die Behaglichkeit, von Gott auf einen Weg gestupst zu werden. Habe ich aber damals nicht. Zu groß war die Unsicherheit vor den Folgen. Dennoch begann ich, meinen Text zu schreiben: „Warum ich mich heute als Christ outen will.“ (Er lässt sich auch heute noch leicht via Google finden).

Lang und breit formulierte ich mein kleines Glaubensbekenntnis. Machte mein Ziel, ein Nachfolger von Jesus zu sein, öffentlich. Versuchte, aus den biblischen Aufträgen Aufforderungen abzuleiten in einer Zeit, in denen Terror und Morden, Flucht und Vertreibung so allgegenwärtig waren. Mein Fazit war: „Der Glaube an Gottes Liebe, Gnade und Vergebung ist kein Problem, sondern unsere Chance.“

Tief in der Nacht schickte ich diesen Text an meinen Chefredakteur – und hatte keine Ahnung, was passieren würde. Doch noch ehe ich eingeschlafen war, kam die Antwort: „Super. Machen wir so!“ Und am nächsten Tag ging der Text bei BILD.de online.

Was danach passierte, hat mein Leben verändert.

Ich trug den innerlichen Kloß aus Ungewissheit und Zweifel noch mit mir herum, als mir die ersten Reaktionen aus dem Internet entgegen trudelten. Ob ich Drogen genommen hätte, wurde ich gefragt. „Typische BILD-Hetze“, kommentierte jemand. „Na, das wird ja heiter“, dachte ich.

Doch im Laufe des Tages drehte es sich. Der Text war auf der BILDHomepage bereits weiter nach unten gerutscht, doch die Kommentare wurden immer mehr. Ein Bistum schrieb auf Twitter von einem „erstaunlichen Bekenntnis“ und bedankte sich. Immer häufiger kamen Sätze wie „Danke für den Mut!“ Mutig? Ich? Fühlte sich nicht so an.

Und plötzlich war von „Ermutigung“ die Sprache. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mir war ja gar nicht klar gewesen, was genau Sinn und Zweck meines Artikels sein sollte. Ich wollte von der Gottes- und Nächstenliebe in dieser zerrütteten Zeit erzählen. Das Wort „Ermutigung“ hatte keine Rolle in meinen Überlegungen gespielt.

Inzwischen kamen die Kommentare im Sekundentakt. Ich bekam Mails von Kolleginnen und Kollegen, die sich ebenfalls bedankten. Auch Menschen, die mit dem Glauben nichts am Hut hatten, nickten mir zu und sagten Sätze wie:

„Ist zwar nicht mein Ding. Aber Respekt, dass du dazu stehst.“

Die Stunden nach diesem Artikel haben mich überwältigt. Es war kein Rausch. Es fühlte sich noch immer etwas unangenehm an, plötzlich mit so etwas „Privatem“ dermaßen im Fokus zu stehen. Es folgten Interview-Anfragen; es gab Berichte auf christlichen Portalen; insgesamt sammelte der Artikel über 19.000 Reaktionen im Netz.

Kurz darauf meldete sich ein Verlag und fragte an, ob ich nicht ein Buch schreiben wolle über meinen Weg zum Glauben. Ich, der unsichere Glaubens-Anfänger, sollte plötzlich ein Buch schreiben, Vorträge vor Gemeinden halten, in Talk-Shows auftreten. Nichts hätte mir noch kurz davor ferner liegen können. Nichts hätte ich mir weniger zutrauen können. Doch ich hatte meine Lektion gelernt. Ich sagte alles zu. Wieder nahm ich die Bibel als meinen Ratgeber. Wieder überprüfte ich die Antworten auf meine inneren Fragen im Gebet.

Ich hatte lernen dürfen, dass es keinen Grund gibt, sich für den Glauben an Jesus zu schämen. Dass es natürlich auch Gegenwind gibt, aber dass Gott und die Christen mich nicht allein lassen. Und (das ist es, was für mich den Weg im Glauben so abenteuerlich macht): Gottvertrauen bedeutet nicht, dass mir plötzlich alles gelingt oder so kommt, wie ich mir das wünsche. Aber ich darf darauf vertrauen, dass Gott es zu seiner Ehre nutzen wird. Und das wiederum schenkt mir inneren Frieden, Kraft und Zuversicht. Und es macht mir Mut, es wieder und wieder zu wagen.


Daniel Böcking | Jg. 1977 | verheiratet | 4 Kinder | Berlin | 20 Jahre lang BILD, zuletzt stellvertretender Chefredakteur, seit Januar 2021 Chefredakteur Agentur StoryMachine | www.storymachine.de

Das Lebensretter-Schild

Es war im Frühjahr 2013. Eigentlich war es eher noch Winter, denn die an mir vorbeiziehende Landschaft auf der Autobahn war grau in grau. Schneeregen, eingeschränkte Sicht, das monotone Kratzen der Wischblätter auf der Frontscheibe meines Wagens.

Außenstehende hätten mich damals als „Erfolgstypen“ beschrieben: Verheiratet, einen wundervollen Sohn, das Hobby zum Beruf gemacht (ich war international erfolgreich mit meiner Band, hatte einige hunderttausend CDs verkauft und ein volles Auftragsbuch in meinem eigenen Tonstudio), war keine drei Jahre zuvor deutscher Vizemeister im Säbelfechten geworden und auf sämtlichen Partys und Veranstaltungen ein gern gesehener und unterhaltsamer Gast.

In Wahrheit aber lag damals meine Ehe bereits in Trümmern, und ich befand mich aufgrund von Depressionen und Panikattacken seit geraumer Zeit in psychotherapeutischer Behandlung. Der Untergang der Schallplatten- und CD-Industrie klopfte schon bedrohlich an die Tür, und die Digitalisierung der Tontechnik (für jedermann im kleinen Home-Studio realisierbar) würde meine Tätigkeit als Produzent zukünftig auch nicht gerade erleichtern. Sportlich hatte ich meinen Zenit längst überschritten, und meine Hoffnung ruhte nun darauf, mich zum Fachsportlehrer mit Schwerpunkt Sportfechten ausbilden zu lassen.

So fuhr ich, wie schon so oft in den letzten zwei Jahren, die rund vierhundert Kilometer nach Bad Karlshafen, wo die Ausbildung in regelmäßigen Abständen in Wochenend-Blöcken stattfand.

Obwohl ich damals schon längst Christ war und viele positive Erfahrungen und Erlebnisse mit meinem Gott gemacht hatte, war ich an einem Punkt angelangt, an welchem ich einfach nicht mehr weiterwusste. Wer sich unter dem Begriff „Schwermut“ etwas vorzustellen vermag, kann vielleicht ein wenig nachvollziehen, wie es in meinem Herzen aussah.

Einige Tage zuvor hatte ich nachts eine Panikattacke gehabt, die ich rückwirkend nur so beschreiben kann:

Ich lag wach im Bett und fühlte aus der Ferne eine schwarze Riesenwelle auf mich zurollen. Ich wusste, dass sie mich kurz darauf erreichen und erfassen würde. Sie würde mich überrollen und in tiefste Tiefen ziehen, um mich dort zu ersticken.

Mein Herz hämmerte bis unter meine Schädeldecke und ich lag schweißgebadet in den zerwühlten Decken. Meine damalige Frau und unser Sohn waren übers Wochenende in Dresden bei den Schwiegereltern, und ich hatte Besuch vom Keyboarder meiner Band, welcher im Stockwerk unter mir auf der Gästecouch schlief. Er war der Engel, der mich in dieser Nacht gerettet hat, als ich ihn panisch mitten in der Nacht aufweckte, um mit mir auf den Morgen zu warten, bis sich die Panikattacke verzogen haben würde. Ich weiß im Nachhinein nicht, was passiert wäre, wenn ich in dieser Nacht alleine gewesen wäre. Vielleicht haben mich nur das Gespräch und das Zusammensitzen mit meinem Freund damals vor Schlimmerem bewahrt …

Doch nun zurück zu meiner Fahrt nach Bad Karlshafen zur Fachsportlehrer-Ausbildung:

Die dunkle Landschaft zieht an mir vorbei. Der Schneeregen hat noch zugenommen und fordert meine volle Konzentration beim Autofahren. Das Radio habe ich längst ausgeschaltet; die nichtigen Diskussionen und die seichte Musikberieselung rauben einem ja noch das letzte bisschen Nerv …

Was mache ich hier eigentlich? Was wartet auf mich, und wohin möchte ich eigentlich? Warum ist plötzlich alles so dunkel für mich? Und warum kann nicht alles wieder hell, freundlich und positiv sein, wie es früher doch mal war?

Warum lässt Gott mich durch diese schwere Zeit gehen? Früher konnte ich doch auch mit ihm sprechen und mit ihm zusammen immer eine gemeinsame Lösung finden. Warum muss ich diese Prüfung erdulden? Weiß Gott denn nicht, dass ich kein Hiob bin? Wenn er mich wirklich kennen würde, müsste er doch wissen, dass ich niemals so stark sein werde, um das alles weiter zu ertragen.

Schlafen, schlafen ... Ruhe und Frieden ... das wäre jetzt so wunderschön!

In diesem Moment weiß ich keinen Ausweg mehr. Ich stelle mir vor, wie einfach es wäre, den Gurt zu lösen, auf 200 km/h zu beschleunigen und gegen den nächsten Brückenpfeiler zu fahren … Wie schmerzlos es wohl wäre, frontal mit einem entgegenkommenden LKW zu kollidieren … Oder eine Flasche Schnaps zu trinken und im Vollrausch von einem hohen Gebäude zu springen … Halt!

Herr Jesus – du siehst meine Gedanken und weißt um meine Nöte. Du warst schon in manch dunkler Stunde an meiner Seite, hast mir Engel geschickt, die mich aufgefangen und getragen haben. Du siehst auch jetzt meine Gedanken und weißt, welche destruktiven Ideen mir durch den Kopf schwirren. Schicke mir ein Zeichen – irgendetwas, das mich davon abhält, meine Fantasien hier und jetzt in die Tat umzusetzen!

Sei DU jetzt bei mir!!!

Ich habe bei vielen Anlässen berichtet, was in diesem Augenblick passierte. Manch einer hat gelächelt; viele haben gelacht. Wieder andere haben den Vorfall analysiert und gemeint, dass es halt einfach verrückte Zufälle gibt. Mancher war berührt; einige haben geweint.

Im Moment der tiefsten Dunkelheit in meinem Leben – dort auf der Autobahn, im Schneeregen – tut sich links plötzlich eine Lichtung auf. Darauf eine riesengroße Werbetafel. Unzählige Scheinwerfer erhellen die Worte:

ICH HALTE DICH!

– Dein Gott

Ich weiß nicht, wer diese Tafel mit der Anzeige hat bestücken lassen, aber eines weiß ich: Gott selbst hat mir diese Nachricht an diesem schicksalsschweren Abend auf die Lichtung gesetzt. Genau in dem Augenblick, als ich nicht mehr weiterwusste. In dem Moment, als ich nicht mehr alleine weiterlaufen konnte, hat er mir zu verstehen gegeben, dass er mich halten und tragen wird. Dass er das schon immer getan hat und es immer weiter tun wird!


Johannes Berthold | Jg. 1974 | verheiratet | 3 Kinder | Pfinztal | Produkt- & Artist-Relations-Manager | www.illuminate.de

MMMM – MännerMutMacherMaik

Gott sagt: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch (Hesekiel 36,26) – Das war 2017 mein Taufspruch, und ich durfte es auch so erleben: Jesus gab mir ein neues Herz und einen neuen Geist, der mein Wesen und mein komplettes Leben veränderte.

Schon früh ging ich zur Förderschule für Lernbehinderte, wo ich auch viel gemobbt wurde und oft als Hippie-Schüler, Baumschüler oder als Taugenichts bezeichnet wurde. So wurde mir schnell alles egal. Scheißegal. Ich hatte kein Lieblingsfach – außer Sport.

Mit dreizehn Jahren zog ich mir die ersten Flaschen Bier rein, als gäbe es kein Morgen mehr, und mit vierzehn rauchte ich das erste Mal Cannabis. Bob Marley war mein täglicher Musikrhythmus; ich hörte Reggae und hing ab wie ein Faultier. Der Gruppenzwang, aber auch die Neugier brachten mich dahin, mit fünfzehn dem Teufel komplett die Hand zu reichen, und so zog ich weiße Kristalle durch die Nase. Ich schoss mich auf andere Planeten, um von der Realität nichts mehr mitzubekommen.

Mit den Drogen und allem, was damit einhergeht, versklavte ich mich einer Macht, die man nicht mehr so einfach loswird. Die Drogen waren eine Ersatzbefriedigung für das, was mir kein Mensch geben konnte: Liebe. Nicht nur meine Seele, sondern auch mein Körper fing an, sich durch die Drogen zu zersetzten. Mit vierzehn erlitt ich das erste Mal Krampfanfälle. Mein „Ausbrechen“ war am Ende meine Gefangenschaft.

Im Drogensumpf begann meine kriminelle Karriere: Aggressionen, geringe Hemmschwelle, Diebstahl, Sachbeschädigungen … Durch die ganze Beschaffungskriminalität bekam ich mit 22 Jahren meine erste Haftstrafe und musste nun für ein Jahr und sieben Monate hinter Gitter. Dort, im Jugendstrafvollzug Regis-Breitingen, lernte ich 2011 das Blaue Kreuz kennen – und damit auch eine neue Hoffnung für mein Leben. Nicht nur die Seelsorge fand mein Interesse, sondern auch eine Mitarbeiterin des Blauen Kreuzes. Von meiner Seite war es Liebe auf den ersten Blick. Aber Irene sagte mir schnell, dass es nichts mit uns wird. Trotzdem spürte ich nun eine Wärme hinter den kalten Mauern und Stahlgittern.

Das Blaue Kreuz führte mit uns Gruppen- und Einzelgespräche und auch Besinnungsfahrten durch. Bei einer Besinnungszeit entschied ich mich für den Herrn Jesus Christus, und dazu kann ich nur jedem Mut machen: es war die beste Entscheidung in meinem Leben! Du kannst mit ihm nur dazugewinnen. Er wurde zum Zentrum meines Lebens.

An dem Tag, als ich aus meiner Haft entlassen wurde, fuhren mich Irene, Dieter und mein Vater nach Elbingerode – zu meiner ersten Drogenlangzeittherapie. Durch den frühen Beginn meiner Drogengeschichte und den jahrelangen Konsum waren mein Denken, Fühlen und Handeln so verstört, dass ich psychisch am Boden war. Insgesamt machte ich elf Entgiftungen, drei Langzeittherapien und wohnte in drei verschiedenen

Einrichtungen (betreutes Wohnen für psychisch kranke und suchtkranke

Menschen). Zwischendurch habe ich echt nicht mehr an das lebenswerte Leben geglaubt. Ich musste täglich zehn verschiedene Medikamente nehmen, angefangen von den Depot-Spritzen gegen die Psychosen, bis hin zu Antidepressiva, Pillen gegen Manie und Epilepsie. Ich fühlte mich wie eine Laborratte, war aufgeschwemmt durch die ganzen Medikamente und wog mit 24 Jahren 122 Kilo …

Ich zog nach Berlin, fand jedoch auch dort nicht das große Glück. Die nächsten Jahre waren geprägt von Rückfällen, Obdachlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. In Berlin machte ich meine dritte und letzte Langzeittherapie. Es war gut, denn ich setzte mich mit mir und meinem Leben noch einmal komplett auseinander.

Am Ende der letzten Therapie nahm ich wieder Kontakt mit Irene auf, wir verliebten uns, und so verschlug mich die Liebe 2017 nach Leipzig. In der ersten Zeit in Leipzig war ich arbeitsuchend, was durch meine Diagnosen nicht so einfach zu ändern war. Als Epileptiker mit einer fünfzigprozentigen Schwerbehinderung, einer Lese-Rechtschreibschwäche, dazu noch vorbestraft … was will man da noch groß dranhängen?


Aber einer liebte mich immer so sehr, und das durfte ich dann erfahren. Jesus zeigte mir, dass er alle meine Fehler, all das Miese zu etwas Gutem drehen konnte: Er machte aus meinem Mist Dünger.

Eine Ausbildungsstätte nahm mich trotz meiner ganzen Vorgeschichte an, sodass ich eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer plus Realschulabschluss machen konnte. Und nun bin ich seit dem letzten Jahr im Blauen Kreuz Leipzig e.V. fest angestellt, gehe regelmäßig in den Knast, wo ich selber gesessen habe, mache den Jungs Mut. Ich mache Suchtberatung, Seelsorge, Hausbesuche sowie Sucht- und Gewaltprävention an Schulen. Die ganzen negativen Erfahrungen sind nun eine Hilfe für meinen Dienst und der Zugang zu den Menschen, die ebenfalls im Leben gescheitert sind. Das Blaue-Kreuz-Team wurde zur Familie für mich. Und ich erlebe hier so viele Wunder.

Ich durfte die Frau, in die ich mich 2011 verliebt hatte (und die damals nein sagte), nach sieben Jahren heiraten. Es ist für mich so eine Gnade, zu erleben, dass Gott es gut mit mir meint. Allein, dass ich gesunde Kinder habe, selbst noch am Leben bin und ein lebenswertes Leben führen darf. Dass ich meine Berufung leben kann, beim Blauen Kreuz zu dienen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten. Ich bin so dankbar!

Ich möchte dir Mut machen, dich heute auf Jesus einzulassen; es ist nie zu spät, neu anzufangen und dich für das Leben zu entscheiden. Das Leben wird nicht leichter, doch du kannst stärker werden. Hoffnung und Kraft sind sehr wichtig: Hoffnung zu haben, dass es besser wird, und die Kraft durchzuhalten, bis es da ist.

Jesus sagt: Wer mich liebt, richtet sich nach dem, was ich gesagt habe. Auch mein Vater wird ihn lieben, und wir beide werden zu ihm kommen und für immer bei ihm bleiben (Johannes 14,23, HFA).


Maik Löwen | Jg. 1990 | verheiratet | 3 Kinder | Leipzig | Mitarbeiter des Blauen Kreuzes Leipzig e.V. (Suchtarbeit, Seelsorge, Gefangenenarbeit, Sucht und Gewaltprävention an Schulen ...)

Das Leben ist nicht immer fair, aber …

Im November 2016 entschied ich mich an einem Männerwochenende: Ich nehme an einem Muskathlon teil.

Ein Muskathlon ist ein Spendenlauf: Man meldet sich an und entscheidet sich für eine der Disziplinen: Halbmarathon (21 km), Marathon (42 km), Ultramarathon (63 km), Ultrawalk (63 km) oder Mountainbike (120 km). Dazu sammelt man 10.000 € Spenden für eine Hilfsorganisation. Man ist dann eine Woche in dem Land, in dem der Muskathlon stattfindet und schaut sich die Arbeit der Hilfsorganisation vor Ort an. Außerdem nimmt man am Muskathlon teil. Alle Kosten bezahlt der Teilnehmer aus eigener Tasche.

Zu Hause angekommen, erzählte ich meiner Frau und meiner 8-jährigen Tochter von meiner Anmeldung. Meine Tochter sagte: „Papa, du bist verrückt und total durchgeknallt.“ Recht hatte sie, denn ich hatte in meinem Leben nie wirklich Sport getrieben – und dann gleich so eine Herausforderung!

Klar war, dass ich im Jahr 2017 teilnehmen würde. Es standen zwei Termine und Orte zur Auswahl: Ruanda im Mai und Indonesien im Oktober, beide mit dem Kinderhilfswerk Compassion. Ich wollte nach Indonesien, denn da bliebe mir mehr Zeit, um die 10.000 € Spenden zu sammeln. Das schien für mich im Vorfeld die größte Hürde zu sein.

Am nächsten Tag hatte ich aber den Eindruck, ich solle meine Familie in die Entscheidung mit einbeziehen. Wir sprachen darüber, dann sagte meine Tochter: „Papa, du musst nach Ruanda.“ Ich fragte: „Warum?“ Meine Frau antwortete: „Weil Afrika näher an Europa liegt als Asien.“

Meine Antwort war: „Okay, das wird aber spannend, 10.000 € in 185 Tagen zu sammeln.“ Dadurch wurde die Hürde noch größer. (Was ich damals nicht wusste, Indonesien hätte nicht funktioniert.)

Ich habe mich dann für Ruanda im Mai 2017 und die Disziplin 120 km Mountainbike angemeldet, danach angefangen zu trainieren und auf den Weg gemacht, um Spenden zu sammeln.

Am Anfang fiel es mir nicht leicht, darüber zu reden, und ich bin auch nicht immer auf offene Ohren gestoßen. Aber wenn eine Tür zuging, dann blieb ich nicht stehen, sondern ging weiter, und woanders tat sich eine neue auf. Am 4. Advent war bereits über die Hälfte der Summe zusammen. Ich befürchtete, der Spendenzug würde irgendwann anhalten. Doch er hielt nicht an.

Eine Geschichte aus dieser Zeit: Es ist Heiligabend, wer eine 6 würfelt, darf ein Geschenk auspacken. Meine Tochter überreicht mir ein Geschenk. Als ich schüttle, sind Metallgeräusche zu hören und ich dachte, ob sie mir wohl Schrauben eingepackt hat? Beim Auspacken kam zu meinem Erstaunen Geld heraus. Meine Tochter sagte voller Stolz: „Papa, das ist mein Beitrag, um dich nach Ruanda zu bringen.“ Ich war zu Tränen gerührt, und ehrlich gesagt habe ich immer noch keine Ahnung, wie sie so eine Summe erreichte.

Noch im Dezember buchte ich den Flug, bezahlte das Hotel und schloss eine Reiserücktrittsversicherung ab. Ich dachte, wenn etwas Unvorhergesehenes kommen sollte, dann ist nicht das ganze Geld futsch.

Bereits Mitte Januar waren die 10.000 € überschritten. Ein echtes Wunder. Im Vorfeld hätte ich so etwas nie für möglich gehalten.

Drei Tage später bekam meine Frau die Diagnose Krebs. Ich dachte, ich sei im falschen Film. Sofort hatte ich die Krebsstorys meiner Eltern vor Augen. Paps verstarb 11 Monate nach der Diagnose 2012 und Mutter zwei Monate nach der Diagnose 2013.

Am nächsten Tag saß ich am PC und schaltete nach einiger Zeit ERF

POP ein, was ich nur hin und wieder mache. Es lief das Lied King of My Heart von Kutless. In dem Lied ist die Rede davon, dass der König meines Herzens der Wind in meinem Segel sein soll, der Anker in den Wellen, dass er es gut mit mir meinte und mich nicht im Stich lassen würde. Es passte perfekt in die Situation und gab mir Mut und Hoffnung. Ich machte es zu meinem Handy-Klingelton und wusste einfach, dass sich das Schicksal meiner Eltern bei meiner Frau nicht wiederholen würde. Die schwere Last blieb trotzdem.

Dazu fielen mir noch zwei Sätze ein:

- Das Leben ist echt nicht immer fair, aber Gott meint es immer gut.

- Gott gibt uns nicht immer das, was wir wollen, aber alles, was wir brauchen.

Zu meiner Frau sagte ich: „Schatz, ich habe keine Ahnung, wie tief das Tal ist, wie weit der Weg ist, aber eines Tages werden wir dahinten auf dem Berg sein, uns auf eine Bank setzen, eine Flasche Limo trinken und alles wird vorbei sein. Lass uns einen Tag um den anderen nehmen und uns keine Sorgen um das Morgen machen, denn das wird uns die Kraft für das Heute rauben. Gemeinsam werden wir es schaffen.“

Dazu sagte ich noch: „Ich werde hier an dieser Stelle den Muskathlon nicht aufgeben. Ich kümmere mich um dich und um unsere Tochter, und wenn dann noch Zeit ist, trainiere ich. Was im Mai ist, wissen wir heute nicht.“

Wir fuhren zusammen zu den Besprechungen in die Klinik, aber es kam alles ganz anders, als uns die Ärzte gesagt hatten: Der Krebs war nicht gutartig, sondern bösartig; nicht eine OP war nötig, sondern zwei; nicht nur eine Hormontherapie, nein, Chemo mit anschließender Bestrahlung kamen dazu. Das volle Programm. Aber jedes Mal, wenn eine schlechte Nachricht kam, kam auf der anderen Seite eine Spende oder ein Mut machendes Wort an – das gab mir neue Kraft.

An unserer Tochter ging das nicht spurlos vorbei; es hat sie sehr beschäftigt. Sie hatte Angst, die Mama zu verlieren. Es waren viele Gespräche, tröstende und Mut machende Worte nötig.

Die beiden OPs waren überstanden und es war Anfang Mai. Wir gingen zusammen ins Krankenhaus, um die bevorstehende Chemotherapie zu besprechen. Ich erzählte den zuständigen Ärzten von meinem Muskathlon. Die Antwort: „Wir können darauf keine Rücksicht nehmen; Sie haben die Termine zu nehmen, die sie bekommen.“ Beim Blick auf die Termine sehe ich: Die erste Chemo ist eine Woche vor Abflug nach Ruanda und die zweite erst, wenn ich wieder zurück bin.

Der Tag der ersten Chemo ist da, und meine Frau verträgt sie gut. Gott sei Dank! Ein paar Tage später bekomme ich auch die Freigabe von ihr, nach Ruanda fliegen zu dürfen.

Vier Tage vor Abflug ist die 12. Patenschaft für ein Kind von Compassion vermittelt, und zwei Tage vor Abflug betete ein Mann des Gebetskreises aus unserem Dorf, dass noch jemand 120 € überweist. 20 Minuten später bekomme ich eine WhatsApp-Nachricht: 20.000 € sind voll für den König. Da hatte einer den Sturm, der über uns hinwegfegte, benutzt, um aus 10.000 € über 20.000 € zu machen.

Einen Tag vor Abflug sagte meine inzwischen 9-jährige Tochter zu mir: „Papa, du kümmerst dich jetzt um die Kinder in Ruanda, und ich kümmere mich hier um die Mama.“ Wow, die Worte haben mich sehr berührt. Ich konnte mit ruhigem Herzen nach Ruanda fliegen. Freunde hatten ihre Hilfe angeboten, solange ich weg bin; aber es wurde keine einzige Hilfe nötig.

Das Größte für mich in Ruanda war, nach 7 Stunden und 45 Minuten sowie 120 Kilometern und über 1800 Höhenmetern ins Ziel zu fahren, mein Patenkind in den Arm zu nehmen und den Jungen auf mein Fahrrad zu setzen. Alle Schmerzen und Anstrengungen waren vergessen. Mit der Gewissheit, das Richtige getan zu haben, und mit dankbarem Herzen kam ich aus Ruanda wieder. Das Erlebte gab mir neue Kraft und Mut für den weiteren Weg.

Vom 3-wöchigen Chemo-Rhythmus ging es in den Wochen-Rhythmus. Ich kann mich noch gut erinnern: Es war

Mitte Oktober gegen Ende der Chemotherapie. Ich saß an meinem Schreibtisch, schlug meine Bibel auf, las Matthäus 11 und blieb am Vers 29 hängen. Da spricht Jesus zu seinen Jüngern: „Ich meine es gut mit euch!“ (HFA Gerechtigkeitsbibel) Was für Mut machende Worte mitten in unsere Situation hinein!

Mir liefen die Tränen herunter, denn da stand Jesus selbst hinter mir. Er legte mir die Hand auf die Schulter und sprach: „Mach dir keine Sorgen! Ich meine es gut mit deiner Frau, ich meine es gut mit deiner Tochter und ich meine es gut mit dir.“ Die Worte gaben mir neue Kraft und Mut, die letzten Stücke des Weges noch zu gehen.

Nach der Chemo kam dann die Bestrahlung und im Januar 2018 die Reha. Diese Zeit war noch einmal sehr herausfordernd. Tochter, Schule und Job, alles unter einen Hut zu bringen. Aber mit den Worten und der Gewissheit im Rücken, dass er es gut meint, ging es.

Es ist Palmsonntag 2018, ein herrlicher, warmer Frühlingstag mit strahlender Sonne. Unser Dorf liegt auf einem Hügel; für mich ist es „der Berg“, denn von allen Seiten aus geht es hoch. Ich mache mit meiner Frau einen Spaziergang. Wir setzen uns auf den fast höchsten Punkt auf eine Bank. Ich hole aus meinem Rucksack zwei Gläser und gieße Zitronenlimonade ein. Wir trinken sie und haben dabei Tränen in den Augen. Wir danken Gott, dass er uns da durchgeführt hat. Gott sei Dank, bis zum heutigen Tag ist sie krebsfrei.

Das Leben ist echt nicht immer fair, aber Gott meint es immer gut mit dir! Gib niemals auf ! Steh auf !


Gerd Gugel | Jg. 1967 | verheiratet | 1 Tochter| Stockach-Gomaringen | Fertigungsmeister

Wie ich vom Karriere-Tiger zum ErmuTIGER wurde

Ich bin 1991 Christ geworden – alter Schwede, ist das lange her! Aber was heißt Christsein eigentlich ganz genau, fragen mich Freunde ab und zu. Nun, ich habe mich vor vielen Jahren entschieden, ganz bewusst ein Leben mit „Gott an meiner Seite“ zu leben. Die beste Entscheidung meines Lebens, über die ich mich bis heute jeden Tag aufs Neue freuen kann – als ob ich im Obelix-Style in einen Zaubertrank voller Freude gefallen wäre. Wie sich das anfühlt? Das könnt ihr nachlesen: im Neuen Testament in Apostelgeschichte 2 Vers 25, wo beschrieben wird, was ein Herz wirklich fröhlich macht.

Und trotzdem hatte ich einige Aufs und Abs in den ersten Jahren meines Christseins, weil ich meine „wahre Identität“ erst noch finden musste. Was es mit der Bedeutung der Identität auf sich hat, möchte ich hier genauer erklären.

Ich lese immer wieder mal Umfrage-Werte bezüglich „Glauben in Deutschland“, und es sind immer so zwischen 65 und 70 % der Deutschen, die scheinbar an einen Gott glauben. Unglaublich eigentlich, wenn man sieht, wie viel Angst wir Deutschen trotzdem noch haben, sodass der Begriff „German Angst“ inzwischen schon weltweit ein Stigma und eine Beschreibung für unser ängstlich-deutsches Gemüt ist. Ich habe gelernt, dass „an Gott zu glauben“ und ihm wahrhaft „nachzufolgen“ zwei völlig verschiedene Dinge sind.

In all den Jahren meines Christseins seit 1991 durfte ich zwar viel Gutes erleben, aber ich hatte oft das Gefühl, nicht wirklich „frei“ zu sein. Und irgendwie ging es mir viel zu langsam voran in meiner beruflichen Entwicklung und auch im Privatleben. 2008 ist dann etwas passiert, das mein Leben tatsächlich komplett veränderte. In einem Gespräch mit Gott (ja, ich erlebe, dass ER nicht nur hört, sondern auch antwortet) fragte mich Gott (ausgelöst durch eine Predigt von Joyce Meyer) ganz deutlich, ob ich denn wüsste, wer ich vor Gott sein solle? Ob ich mir meiner Identität, wie er mich haben möchte, bewusst sei?

Schwierige Frage! Wenn ich dich jetzt fragen würde: „Was ist deine Identität? Wer möchtest du sein im Leben?“, hättest du darauf sofort eine Antwort? Es ging sogar noch tiefer. Je länger ich darüber nachdachte, was ich Gott und mir selber antworten würde, hatte ich das Gefühl, dass der springende Punkt in der Formulierung lag. „Wer willst du sein im Leben?“ ist eine andere Frage als „Wer sollst du sein im Leben?“ Denn das Letztere beinhaltet ja die Vorstellung, dass Gott einen konkreten Plan für mein Leben hat und eine ganz klare Vorstellung davon, wie er sich „diesen David“ (meine Wenigkeit) ursprünglich in seiner „besten Version“ ausgedacht hatte.

Um es abzukürzen: Nach einigen Tagen intensiven Nachdenkens und einiger Gespräche mit Gott hatte ich eine Art Selbst-Erkenntnis. Worauf Gott wohl viele Jahre gewartet hatte, war meine bewusste Entscheidung, ein ganz bestimmter Menschen-Typ zu werden, welcher die „wahre Nachfolge Jesu“ beschreibt: EIN ERMUTIGER!

Als ich mich 2008 ganz bewusst dafür entschied, meinem Egoismus den Kampf anzusagen und viel mehr Energie darauf zu verwenden, andere Menschen zu ermutigen und ihnen Hoffnung zu bringen, anstatt mich ständig nur um meine Karriere und mein Ego zu kümmern, da passierten plötzlich die verrücktesten Dinge. Nicht nur, dass ich auf einmal beruflich viel mehr Erfolg hatte, als je zuvor, nein, ich hatte plötzlich eine Leichtigkeit in allem, was ich tat, weil nun der Druck weg war, es mir und allen beweisen zu müssen.

Das ist ein großes Problem in Deutschland, dass wir uns viel mehr nach der Anerkennung anderer sehnen, als dass wir uns fragen, was Gott wohl von uns denkt. Diese Sucht nach Anerkennung lässt den einen zum Workaholic werden und den anderen zwölfmal am Tag sein Instagram und Facebook checken, ob das letzte Selfie auch genügend Likes (!) bekommen hat. Unsere Gesellschaft suggeriert uns ständig, dass wir nicht gut genug sind und dass wir jeden Tag etwas zu beweisen haben, wenn wir mithalten wollen im Gedränge nach Anerkennung und Vorzeige-Erfolgen.

Als ich mich entschied, ein Ermutiger zu werden, habe ich mich damit auch gleichzeitig ent-

schieden, aus diesem Teufelskreis und Hamsterrad des Beifall-Suchens auszusteigen. Mein Fokus liegt nun täglich darauf, wie ich Gott und den Menschen dienen kann – anstatt mich, wie viele Jahre lang, täglich zu fragen „Worauf habe ich denn heute gerade Bock?“


Dieses Leben nach dem Lustprinzip hatte ich 2008 satt – weil es einfach nie genug (!) war. Mein Herz schien damals ein großes Loch zu haben, durch das alles hindurchfiel, was ich mir holte, um vermeintlich glücklich zu sein. Wenn ich nun morgens aufstehe, habe ich seither ein bestimmtes Ritual: Ich sage spätestens beim Duschen, wenn ich einigermaßen bei klarem Verstand bin: „Gott, ich will DIR heute dienen! Du darfst mich gebrauchen, wenn du heute jemandem durch mich etwas Gutes tun willst!“

Mit dieser Aussage startet mein Tag, und ich könnte euch sehr viele Mutmach-Geschichten erzählen, die ich durch diese neue Haltung erlebt habe. Vor einem Jahr zum Beispiel hatte ich eine Frau zum Coaching bei mir, die es durch diverse Krankheiten und familiäre Probleme nicht einfach hatte. Einige Wochen nach ihrem Besuch rief ich sie an, um mich zu erkundigen, ob das Coaching ihr geholfen habe, gezielt Schritte in die Veränderung zu machen, und wie es ihr denn ergangen sei.

Sie sagte mir am Telefon, dass es ihr gut ginge und sie sehr fleißig an ihrem Verkaufsprogramm arbeite (sie ist solo-selbstständig), sie jedoch oft frustriert sei, weil ihr alter PC ab und zu so krass abstürze, dass schon einige Male der komplette Text eines ganzen Arbeitstages verschwunden sei!

„Waaaaas?“, reagierte ich am Telefon. „Du schreibst sieben Stunden und dann ist das am nächsten Tag weg??!!“ „Ja, genau!“, antwortete sie.

In diesem Moment hatte ich sofort den Impuls, ihr zu helfen und fragte sie, was denn ein PC, den sie sich vorstelle, kosten würde. Sie habe einen bestimmten Laptop vor Augen, doch habe sie für dieses Modell nicht das Geld, erklärte sie mir. Der nächste Impuls, den ich bekam (von oben – so arbeitet Gott mit seinen Ermutigern), war, ihr finanziell zu helfen: „Würde es dir helfen, wenn ich dir 500 € ausleihe?“ Ihre überraschte und freudige Reaktion: „Eeeeecht jetzt?“ „Klar, ich helfe dir gerne“, war meine Antwort. Doch kaum hatte ich es ausgesprochen, da wurde auch schon der nächste göttliche Impuls in mein Ohr geflüstert, und ich verstand sonnenklar diese Worte: „David, schenk ihr die 500 €!“

Ich muss dazu sagen, dass ich kein wohlhabender Mensch bin; welcher

Künstler in Deutschland ist das schon? Noch dazu bin ich gebürtiger Schwabe mit einer großen Leidenschaft für Schottland. Deswegen musste ich kurz schlucken, aber die Basis und Voraussetzung des Ermutiger-Daseins für Gott basiert ja zu 100 % darauf, dass ich Gott vertraue, dass er sich um mich kümmert und mich mit allem top versorgt, wenn ich mich um seine „Menschlein“ kümmere. Guter Deal finde ich. Kann man nachlesen in Matthäus 6,33 (HFA). Da heißt es: „Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen.“

Also sagte ich ihr: „Weißt du was, ich glaube, ich schenke dir die 500 € einfach!“ Ich weiß nicht, ob ihr schon mal erlebt habt, wie es sich anhört, wenn eine Frau am Telefon vor Freude ausrastet, aber ich glaube, ich hatte noch Tage später einen schweren Tinnitus im Ohr!

Gesagt getan, ich überwies ihr das Geld sofort. Doch einige Minuten später, als ich auf die Uhr schaute und daran dachte, dass meine Frau Helena bald nach Hause kommen würde, hatte ich plötzlich das Szenario vor Augen, wie sie sich meine Geschichte anhören würde und mich dabei entsetzt anschaute. „Waaas? 500 €? Du weißt schon, dass wir keine Millionäre sind … Und du kennst die Frau doch gar nicht!“ Ein Glück, dass meine Frau mich liebt und obendrein noch ein großes Herz hat, sodass sie nur positiv auf meine verrückte Aktion reagierte und cool sagte: „Super! Gut gemacht! Ich freu mich, dass du ihr helfen konntest.“ Um meine Großzügigkeit zu rechtfertigen (was ich gar nicht gemusst hätte) sagte ich: „Weißt du Helena, ich glaube, dass Gott uns das sowieso doppelt zurückgibt, weil er es liebt, wenn man Menschen großzügig hilft!“

Danach wurde nicht mehr darüber gesprochen. Das Leben ging weiter und einige Tage vergingen, bis ich plötzlich mit offenem Mund und aufgerissenen Augen an meinem PC saß. Ich war gerade dabei, eine Überweisung online zu tätigen und stolperte beim Checken des Kontostands über einen mysteriösen Geldeingang von exakt 1.000 €. Ein Mann, den ich erst einmal im Leben gesehen hatte, hatte mir das Geld überwiesen und dazu geschrieben, er habe den göttlichen Impuls bekommen, mich in meiner Arbeit mit genau diesem Betrag zu unterstützen.

Unfassbar! Ich weiß noch, wie ich an diesem Tag durch die Wohnung schwebte – nicht wegen des Geldes, sondern weil ich wieder einmal erleben durfte, wie treu Gott ist, und wie sehr er es liebt, uns mit kleinen Fingerzeigen bewusst zu machen, dass er uns sieht und es belohnt, wenn wir seinen geliebten Menschen unsere Aufmerksamkeit und Empathie schenken.


Solche Erlebnisse machen mir Mut, diesen Weg des Ermutigers immer weiterzugehen, um noch mehr solcher verrückter Abenteuer mit Gott zu erleben. Diese Art zu leben, macht mich wirklich glücklich, weil es nichts Erfüllenderes gibt, als Menschen zu überraschen, ihnen eine wirkliche Freude zu machen und zu sehen, wie sie aufblühen, weil man sich

ernsthaft für sie interessiert und ihnen zur Seite steht. Genau so sollte eigentlich unser aller Leben funktionieren, denn ich bin überzeugt, dass Gott sich die Menschen ursprünglich als Wesen ausgedacht hat, die erst dann die wahre Freude des Lebens entdecken, wenn sie füreinander da sind!

Jesus hat uns damals in einer seiner Reden ganz bewusst ein Lebens- und Erfolgsgeheimnis verraten, das jedoch nur wenige Menschen in unserer zunehmend gleichgültiger werdenden Gesellschaft erkannt haben: „Geben macht glücklicher als Nehmen!“

David Kadel | Jg. 1967 | verheiratet | 1 Kind | Aachen | Inspirations-

Trainer | www.davidkadel.de, www.fussball-gott.com Sein neues Mutmach-Buch „WIE MAN RIESEN BEKÄMPFT“, www.wiemanriesenbekaempft.de

„Niemals werde ich dich heiraten!“

Ihre Worte waren klar und deutlich. Ich hatte damit auch schon gerechnet. Sie war ja erst 16 und ich 19 Jahre alt. Wir kannten uns seit neun Tagen, und ich hatte jüngst eine schmerzliche Trennung hinter mir, weshalb ich mir eigentlich vorgenommen hatte, erst mal keine Frau zu „daten“. Ich wollte lieber persönlich wachsen. Aber diese Gelegenheit konnte ich nicht verstreichen lassen. Seitdem ich sie neun Tage zuvor zum ersten Mal gesehen hatte, als sie die Treppenstufen der Bibelschule hochgekommen war, hatte ich mich komplett an ihre Schönheit verloren. Dabei war ich doch einer der Leiter des Missionseinsatzes in der Ukraine, und wir hatten die Regel, dass während dieser Zeit keine Dates stattfinden dürfen. Ich hatte Gott jeden Tag der letzten Woche darum gebeten, mir ihr Gesicht vor den inneren Augen zu löschen und sie aus meinen Gedanken zu entfernen, aber es hatte einfach nicht geklappt. Und dann hatte ich die verrückte Idee, ihr einfach zu sagen, dass sie die Frau ist, die ich heiraten würde.

Ich hatte mir mal eine Liste mit allen Punkten gemacht, die eine Frau erfüllen sollte. Darauf stand unter anderem, dass sie Gott lieben solle und bereit sein, ihm zu dienen. Außerdem sollte sie blond sein und noch einiges andere. Und dann war sie aufgetaucht.

Nach neun Tagen des Missionseinsatzes also bat ich sie um ein Gespräch, in dem ich ihr einen Heiratsantrag machte, jedoch gleichzeitig betonte, dass ich momentan noch keine Beziehung will, sondern erst einmal persönlich wachsen möchte. Wie vom Donner gerührt schaute sie mich an. Damit hatte sie nicht gerechnet. Ohne nachzudenken und mit klarer Entschlossenheit gab sie mir einen Korb.

Wir freundeten uns trotz dieses seltsamen Erlebnisses an und begannen, zwei Jahre lang wöchentlich jeweils zwei Stunden zu telefonieren. Ich nahm mir von Anfang an vor, ihr niemals ein Kompliment zu machen. Ich wollte, dass Gott mir ihr Herz zuwendet. Nicht noch einmal wollte ich eine zerbrochene Beziehung mit allen Konsequenzen erleben. Also sagte ich mir: „Lieber Single bleiben, als eine Beziehung, die Gott nicht gewollt hat.“

Ich betete jeden Tag für sie und versuchte, ihr Gesicht aus meinen Gedanken zu löschen. Aber es gelang mir nicht. Im Gegenteil, mein Verlangen nach ihr wurde sogar noch stärker.

Dieser Prozess ging über zwei Jahre so weiter. Sie lernte meine Freunde kennen und ich ihre Familie. Wir gingen zusammen mit unserem Freundeskreis in verschiedene Urlaube und besuchten uns ab und zu. In den zwei Jahren sprachen wir kein einziges Mal darüber, ob wir jemals irgendwie in einer Beziehung sein würden.

In dieser Zeit betete ich sehr viel zu Jesus und sagte ihm, wie sehr ich mir wünschte, dass sie meine Frau würde. Immer sprach ich aber: „Herr, dein Wille geschehe und nicht meiner. Wenn ich eine andere Frau oder gar keine heiraten soll, dann ist das gut so.“

Im Jahr 2011 traf ich mich mit ein paar Freunden, um „prophetisch zu malen“. Das bedeutet, dass wir auf einem Blatt Papier ein Bild malen, von dem wir glauben, dass es vom Geist Gottes inspiriert wurde. Wir setzten uns also in einem Kreis zusammen. Dann stellten wir einen Timer, und jeder malte einfach drauf los, was gerade so in seinem Kopf war.

Nach 30 Sekunden gaben wir alle unser Blatt an unseren linken Nachbarn weiter. Das ging so lange, bis am Ende jeder sein ursprüngliches Blatt wieder in den Händen hielt. Ich war sprachlos. Auf meinem Blatt sah ich einen Bergsteiger, der einen sehr steilen Berg hochkletterte, um an einen Baum mit reifen Früchten zu gelangen. Jedoch lag vor ihm eine düstere Gewitterwolke, die den Aufstieg erschwerte. Anschließend jedoch war auf dem Bild ein Sonnenaufgang und ein Vogel zu sehen, sowie eine Hand, die dies alles geführt hatte. Und genau so kam es auch. Mein Wunsch nach dieser Frau war so anstrengend, wie in dem Bild beschrieben. Aber es war auch Hoffnung darin.

Gott sprach auch noch auf andere Weise zu mir. Einmal sagte ich im Gebet zu Gott, dass diese Frau für mich wie ein Schiff ist, das gerade in einer Werft gebaut wird und irgendwann in das „große Meer der Ehe“ vom Stapel gelassen wird.

Im Jahr 2011 kam ein Freund zu mir und meinte, Jesus habe ihm ein prophetisches Bild für mich gegeben. Er sah ein Schiff am Horizont, das Kurs auf eine Insel hielt. Im Frühjahr 2012 kam ein anderer Freund und sagte, der Herr habe ihm ein Bild für mich gezeigt, in dem ein Schiff auf eine Insel zusteuere und schon ganz nah sei.

Ende August 2012 sprach meine Angebetete mich an und fragte mich, ob ich denn noch irgendwelche Gefühle für sie hege. Ich antwortete ihr, ich würde sie immer noch heiraten und noch genauso lieben wie damals, als ich sie nur neun Tage kannte. Sie wiederholte ihre Worte von damals und meinte, sie würde mich niemals heiraten, sondern einen anderen Mann. Sie war zu dem Zeitpunkt allerdings in keiner anderen Beziehung.

Zwei Monate später meinte sie außerdem, dass sie weniger Kontakt mit mir wünsche und wir nicht mehr regelmäßig miteinander sprechen sollten. Das war wohl die angekündigte dunkle Gewitterwolke in diesem prophetischen Bild. Es war schrecklich. Ich fühlte mich elend und floh ins Gebet. Dort warf ich Jesus mein Herz hin und flehte um Hilfe. Er solle mir doch meine Gefühle für sie wegnehmen.

Doch Ende des Jahres sagte mir Gott, dass ich sie heiraten werde. Über Neujahr machte ich mit einem guten Freund in der Slowakei für eine Woche Urlaub. Jedes Jahr nehmen wir uns diese Zeit zum Gebet und Gespräch.

Ich war alleine im Hotelzimmer und kniete weinend neben dem Bett. Ich betete: „Sag mir jetzt endlich, ob ich diese Frau heiraten werde – ich halte es nicht mehr aus! Du weißt doch schon, was passieren wird.“ So hatte ich vorher noch nie gebetet, denn meine Erfahrung war, dass Jesus mir immer auf meine Fragen antwortete, und ich hatte Angst, dass er nein sagen würde. Doch ich musste es jetzt wissen. Am selben Abend lief ich noch alleine an der Donau entlang und sprach mit Jesus. Plötzlich hörte ich eine leise Stimme in mir, die einfach nur sagte: „Ja, du wirst sie heiraten.“

Im April 2013 kam eine Freundin zu mir. Sie meinte, Jesus habe ihr ein Bild gezeigt, in dem ich ein Schiff mit einem großen Tau zu mir heranzog. Ich stand dabei auf einem Dock und das Schiff war schon im Hafen.

Eine Woche später bat meine Angebetete um ein Gespräch mit mir. Sie wolle mich persönlich am Abend treffen. Ich erschrak. Wollte sie etwa noch mehr Abstand von mir? Ich ging sofort ins Gebet und fragte den Herrn, was das soll. Er beruhigte mich mit seinem überwältigenden Frieden und sagte: „Heute wirst du den Lohn für deine Geduld erhalten. Jetzt bist du bereit.“

Wir trafen uns am Waldrand auf einer Bank. Ich rechnete mit allem. Sie redete nicht lange um den Brei herum und meinte direkt: „Mir ist es nun klar geworden: Du bist der Mann, den ich heiraten will.“

Es bleibt noch zu erwähnen, dass sich in den Jahren zuvor bei mir vieles verändert hatte. Über Jahre hinweg war ich süchtig nach Pornografie gewesen. Jesus hatte mich davon befreit, und so ging ich ohne diese Sucht in die Beziehung. Außerdem hatte ich mich sehr wenig um mein Äußeres gekümmert. Ich trug viel zu große Shirts, ließ meinen Bart wild wachsen und hatte lange Haare. Ich dachte mir, meine zukünftige Frau solle sich eher in mein Inneres verlieben als in mein Äußeres. Diese Annahme erwies sich rückblickend als problematisch. Ich erkannte erst im Nachhinein, dass Frauen eben auch Wert auf äußere Schönheit legen, auch wenn sie noch so gute Christen sind. Vor allem war es aber die Selbstablehnung, von der ich frei wurde, und ich fing an, mich selbst attraktiv zu finden. In diesem Zuge achtete ich mehr auf Körperhygiene und schöne Kleidung. Sehr zum Wohlgefallen meiner jetzigen Frau, mit der ich nun schon drei Kinder habe und seit sechs Jahren verheiratet bin.


Jabin Jäckle | Jg. 1991 | verheiratet | 3 Kinder | Bad Bergzabern | Hauptamtlicher Leiter CVJM Praiseland e.V., www.praiseland.de / zertifizierter Coach für Männer, www.encori.de / Theologiestudent / Vorsitzender der Freizeitarbeit Heart of the Kingdom e.V.

Kann man davon leben?

Es war schon irgendwie lustig und traurig zugleich – der Moment, wenn wir unsere Briefe abholten. Als junger Kerl besuchte ich eine Bibelschule, und wir waren immer gespannt auf die Post: „Ist etwas für mich dabei?“ Damals waren das noch so richtige Briefe aus Papier.

Weißt du, was viele zuerst taten, wenn sie einen Briefumschlag bekamen? Sie hielten ihn erst einmal gegen das Licht. Warum das? Genau!

Um zu sehen, ob ein Geldschein durchschimmert!

Das war mein erster persönlicher Eindruck davon, wie es aussieht, wenn man von Spenden lebt. Es kamen weitere Geschichten hinzu, die ich jetzt nicht alle erzählen will: Geschichten von verschuldeten Missionaren, die auf Pump ihre Flugreisen „finanzierten“, oder von „Vollzeitlern“, deren Gebetsleben sich vor allem um das Geld drehte. Eines war mir klar: „Du wirst nie von Spenden leben!“

Wir machen jetzt einen Sprung von über 20 Jahren. Inzwischen hatte ich eine fünfköpfige Familie, und einige ungewöhnliche berufliche Wege lagen hinter mir. Wieder einmal stand ich vor einer beruflichen Weggabelung und wusste nicht, wie es weitergehen würde. Klar, Gott hatte bestimmt einen Plan, aber: „Wie sieht der aus?“

Es war eine Phase von mehreren Monaten, in der ich viel Zeit im Gebet verbrachte, um herauszubekommen, wie es weitergehen sollte. Kleiner Tipp am Rande: Wenn du nicht mehr weißt, wie es weitergeht, bete so lange, bis du es herausgefunden hast!

Ich machte mir so meine Gedanken und erinnerte Gott daran, dass ich zu fast allem bereit sei, außer zu einem: von Spenden zu leben. Von mir aus wieder eine Firma gründen, notfalls einen Job annehmen – Hauptsache, ich kann davon meine Familie ernähren! Tja, und wie es halt so oft ist bei Gott: Er hat ganz andere Pläne und Gedanken als wir …

Ich will es mal so ausdrücken: Gott hat mich „weichgekocht“. Denn was kam am Ende dieser längeren Gebetsphase heraus? Du ahnst es vermutlich schon: Ich sollte von Spenden leben!

Gott gab mir 2004 die Vision einer christlichen Männerzeitschrift, die Männer ermutigen sollte „online mit Gott“ zu gehen und „online“ zu bleiben – denn das ist noch viel schwieriger. Der Clou dabei: Die Zeitschrift sollte nicht verkauft, sondern verschenkt werden. Es sollte ein Dienst sein, der nichts kostet und den sich deshalb jeder leisten kann. Gott versprach, dass er sich um die Finanzen – auch um uns als Familie – kümmern würde.

Wow! Das haute mich um. Eine Männerzeitschrift? Von Spenden finanziert? Wir als Familie auch von Spenden leben? Entweder hatte ich mich ordentlich „verhört“ – oder Gott hatte gesprochen. Aber das kann man am besten herausfinden, indem man erst einmal tut, was man gehört hat! Also fing ich an, ein Zeitschriftenkonzept zu entwerfen, Freunde zu kontaktieren, die Vision mit ihnen zu teilen und einen Trägerverein zu gründen.

Ich kratzte für die Erstausgabe Ende 2004 meine Ersparnisse zusammen und brachte die erste Ausgabe heraus. Ob sie sich wohl refinanzieren würde? Wenn nicht, hätte ich ein echtes Problem! Aber Gott war treu – wie immer – und ich hatte mich nicht verhört. Die Herstellungskosten kamen über Spenden wieder herein, und ein Spenderkreis aus Freunden unterstützte uns als Familie. Die ersten Schritte waren getan!

Es war für mich damals fast peinlich, wenn mich jemand fragte: „Wer steht denn hinter der Zeitschrift? Welcher Verlag oder welche Organisation?“ Ich sagte dann etwa: „Niemand Großes, nur ich und ein kleiner Verein.“

Aber diese Antwort gefiel Gott gar nicht. Ich bekam ein richtig schlechtes Gewissen. Es war, als ob Gott zu mir sagen würde: „Niemand Großes steht hinter der Zeitschrift? Bin ich nicht groß genug?“ Gott hatte mal wieder Recht, nicht ich. Für die Aussage „niemand Großes“ musste ich echt Buße tun!

Manchmal kam auch die Bemerkung: „Adam online ist ein Ein-MannBetrieb, oder?“ Nein, ganz und gar nicht! Adam online ist dann schon eher ein „Ein-Gott-Betrieb“! Außerdem kommt jede Ausgabe nur durch die Mitwirkung von Mitarbeitern, Autoren und Dienstleistern zustande – und nicht zuletzt durch die Spender.

Manche fragen mich bis zum heutigen Tage: „Was machst du sonst außer Adam online?“ Das kommt dann immer mit dem Unterton: „Na, das kann ja wohl nicht alles sein, und davon allein kann man ja wohl nicht leben!“ Sorry, aber wer so fragt, hat keine Ahnung! Wenn Gott dir eine Vision oder eine Berufung gibt und dein Herz dafür brennt und du einen entsprechenden Dienst startest, dann ist das doch keine Freizeitbeschäftigung! Ich erkläre dann immer, was an Adam online alles dranhängt und dass die gedruckte Zeitschrift ja nur ein Teil des Dienstes ist, zu dem auch Online-Medien und andere Dienstleistungen gehören.

Krass war auch, als meine Mutter mich noch vor etwa zehn Jahren fragte: „Wann wirst du endlich anfangen, etwas Ordentliches zu arbeiten?!“ Ordentlich arbeiten, das bedeutet für sie, so zu arbeiten wie mein Vater früher: als Angestellter in einer Bank, mit einem festen Gehalt und klar geregelten Arbeitszeiten.

Mit Adam online gehen wir jetzt ins 17. Jahr. Der Dienst lebt immer noch von Spenden, ich auch. Manche fragen mich: „Kann man davon leben?“ Dann sage ich in der Regel: „Na ja, eigentlich nicht, wenn man es genau durchrechnet. Aber Gott schafft es doch irgendwie!“ Ich habe es niemals bereut, damals auf Gott gehört zu haben und ihm alles zuzutrauen.

Kann man von Spenden leben? Ja, wenn das dein Weg ist, den Gott dir zeigt. Gott hat viele Möglichkeiten, uns zu versorgen. Er kann dir einen tollen Job geben, er kann dich eine erfolgreiche Firma gründen lassen – oder dich eben über Spenden versorgen. Aber es ist immer Gott, der dich versorgt, dass wollen wir nie vergessen. Ihm kannst du alles zutrauen.



Emmerich Adam | Jg. 1960 | verheiratet | 3 Kinder | Gießen | Diplom-Theologe, Chefredakteur von Adam online | www.adam-online.de

Millionäre guter Früchte

Du bist schon ein Millionär an guten Früchten.

Was, ich? Ja, du! Wie ist das gemeint?

Ich will von zwei solchen Millionären erzählen:

Mitte der siebziger Jahre musste ich mich beruflich neu orientieren und entschloss mich, Heilerziehungspfleger zu werden. Ich besuchte deshalb ein Zentrum für geistig Behinderte. Einer der dortigen Zivis führte mich durch das Zentrum. Als ich ihm von meiner Entscheidung erzählte, schüttelte er den Kopf und meinte, dass wir doch gar keine Heilerziehungspfleger mehr bräuchten. Was wir denn bräuchten, fragte ich ihn – keine Ahnung, warum ich ihn für kompetent hielt. Aber er antwortete knapp: Psychologen. – Und mir wurde klar: Ich studiere Psychologie.

Zwar überlegte ich mir das noch gründlich und holte auch Rat ein, aber den ersten Impuls hatte mir der Zivi gegeben. Und die Merkwürdigkeit der Führung setzte sich fort: Ich hatte einen Beratungstermin beim Arbeitsamt. Der Berater erklärte, dass ein Psychologiestudium mehr Statistik als praktische Ausbildung sei. Dann fragte er mich, ob ich noch an seiner persönlichen Meinung interessiert sei. Ich stimmte zu, und er erzählte mir, dass er früher Jesuitenpriester gewesen sei (er war wegen seiner Heirat Berufsberater geworden). Er wolle mir einen Satz des Ordensgründers, Ignatius von Loyola, mit auf den Weg geben:

„Wir müssen das tun, was in unserem Herzen ist.“

In dem Moment riss der Himmel für mich auf, die grauen Wolken waren weggepustet. Vorher war ich noch niedergedrückt, weil ich nicht wusste, was ich mir selbst noch zutrauen konnte. Aber plötzlich kam die alte Kraft zurück, Hoffnung und Entschlossenheit, es noch einmal zu wagen, an die Universität zurückzukehren.

Der „namenlose“ Zivildienstleistende hatte sicher keine Vorstellung, was er mit seiner so dahingesagten Bemerkung ausgelöst hatte. Und auch der Berufsberater weiß wohl nicht, was die Frucht seines Rates geworden ist. Trotzdem ist das „Früchtekonto“ beider angewachsen.

Auch du bist ein Millionär an guten Früchten, von denen du die meisten gar nicht kennst. Sie bleiben unsichtbar, alle diese Impulse, die du schon gegeben hast, mit ihren Auswirkungen. Darauf kannst du vertrauen.

Ich möchte eine „statistische Hochrechnung“ anstellen:

Ohne dich zu kennen, traue ich dir am Tag vier solche „unreifen“ Bemerkungen zu, wie die des Zivis, und außerdem sechs „reife“, wie die des Berufsberaters. Das ergäbe zehn Impulse pro Tag, 3650 im Jahr, und auf zehn Jahre hochgerechnet 36.500 Impulse. Wow!

Trotzdem noch ein weiter Weg zum Millionär. Ok, was sagt denn Jesu dazu?

Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht, einiges hundertfach, einiges sechzigfach, einiges dreißigfach (Matthäus 13,8 Luther 1984).

Mit anderen Worten: Unser Leben ist gesegnet; mindestens dreißigfach. Dann kommen wir schon auf über 1 Million: 36.500 x 30 = 1.095.000!


Bei mehr als zehn Jahren und mehr als dreißigfachem Segen wären wir schon auf dem Weg zum Früchte-Milliardär.

Aber das ist noch nicht alles! Die Netzwerkforschung nach Christakis/Fowler beschreibt das Gesetz der drei Schritte, einfach ausgedrückt: Was wir unseren Freunden mitteilen, teilen sie wieder ihren Freunden mit, und diese wiederum ihren Freunden. Erst dann versandet eine Botschaft. Wenn wir schon unsere direkten Früchte nicht mitbekommen, wieviel weniger die der zweiten und dritten Reihe von Freunden?

Wir sind nicht nur Reben an Jesus, dem Weinstock, sodass wir reichlich Frucht bringen (vgl. Johannes 15,5), sondern es gehen auch „Ströme lebendigen Wassers“ von uns aus, egal wo wir sind (vgl. Johannes 7,38) – nicht aufgrund unseres eigenen Verdienstes und nicht, damit wir das merken und uns besonders fühlen, sondern damit die Liebe Gottes die Menschen erreicht. Ich habe einen Freund, der glaubt, wenn er einen Supermarkt betritt, dass Jesus (in ihm) jetzt diesen Supermarkt betritt. Und es ist wahr!

Wir bitten Gott tagtäglich um seinen Segen. Sollte er diese Bitte nicht erhören? Oder nur ein oder zweimal im Jahr? Er wird es tun! Du willst ja etwas bewirken im Leben. Dazu hat Gott uns geschaffen, als Mitgestalter. Gott ist treu, selbst wenn wir untreu sind bzw. abgelenkt, müde, krank …

Als ich das vor ein paar Jahren einmal lehrte, kam ein Mann auf mich zu: Vor über 25 Jahren hatte ich ihm einmal einen Gebetseindruck mitgeteilt, dass Gott ihm ein Haus mit einem Torbogen geben möchte. Und ein paar Jahre später hatte er dieses Haus gefunden und wohnte noch darin. Außerdem hatte er damals gerade sein Studium abgeschlossen, und ich hatte ihm einen Tipp für eine Arbeitsstelle gegeben, wo er immer noch glücklich arbeitete. Von alldem hatte ich keine Ahnung; es waren zwei von meinen Millionen unsichtbaren Früchten sichtbar geworden.

Dies erzählte ich einige Wochen später in einem anderen Seminar, und schon kam die nächste Frucht daher. Eine Frau hatte vor fast drei Jahrzehnten von mir gehört, dass ich einen bedrohlichen Hund in Jesu Namen verscheucht hatte. Das hatte sie nie vergessen. Vor fünf Jahren war sie als Ausbilderin in Albanien in den Hügeln mit ihren Schülern spazieren. Man hatte sie schon vor den wilden Hunden dort gewarnt. Und tatsächlich kam einer angerannt. Ihre albanischen Schüler brachten sich schnell in Sicherheit, und sie war nun ganz allein mit dem Hund konfrontiert. Da gebot sie dem Hund in Jesu Namen zu weichen. Dieser drehte sich sofort um und suchte die Flucht.

Man erfährt nur selten etwas von den eigenen „unsichtbaren Früchten“. Aber ich fange an zu glauben, dass ich ein Millionär unsichtbarer Früchte bin und hoffe, dass ich auch dich dazu ermutigen konnte.

Gesegnetes Leben

Hunderttausend Vögel jährlich nisten still und heimlich in meinen von Gott

abgezählten Haaren

Spatzen, Amseln, Tauben, Raben mal ein Specht, zwei Störche auch ein Adler, sogar Möwen wühlen sich ihr Nest

Sie alle fliegen wie die Bienen dann voller kleiner Samenkörner an den Beinen in ihr Irgendwo

in Gottes weitem Land

Ich dagegen kämme mir die Haare schaue in den Spiegel

mit wachsendem Vertrauen

Ziehe in meine Tage um Gott zu ehren in dem

was mir vor Füßen liegt


Werner May | Jg. 1949 | verheiratet | 6 Kinder | Würzburg | Dipl. Psychologe, Autor, Herausgeber e-Magazin www.gehaltvoll-magazin.de, Dozent im In- und Ausland, 25 Jahre 1. Vorsitzender der IGNIS-Akademie für Christl. Psychologie

Aktuelles Buch: Das Verbindende Nein, www.ignis.de/shop

Wenn Gott wirklich antwortet

Ich war schon immer überzeugt, dass es einen Gott geben musste. Als Kind hatte ich mit ihm geredet, wenn es mir nicht gut ging.

Doch nach sechs Jahren katholischem Internat, Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre, wollte ich mit dem Thema „Gott“ nichts mehr zu tun haben. Diese Zeit war von strengen Regeln, harten Strafen und ständigem Druck geprägt gewesen. Am Ende dieser Internatszeit verbrannte ich mit ein paar Freunden feierlich unsere Bibeln und Gesangbücher.

Wieder zu Hause, wollte ich mein Leben nur noch in vollen Zügen genießen. Die Haare wurden länger, die Musik rauer. Nach kurzer Zeit war ich in der Heavy-Metal-Szene angekommen! Das Motto „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“ wurde zu meinem Lebensinhalt. Ich wollte um jeden Preis leben, einfach frei sein, meine wahre Identität finden! Dafür habe ich quasi alles mitgenommen, was geht. Die harten, ekstatischen und motorischen Beats der Rockmusik und ihre (meist satanischen und gottesfeindlichen) Texte übten immer mehr Macht über mich aus.


Während ich mich anfangs noch mit Bands wie Metallica, AC/DC und Böhse Onkelz begnügte, wurde der Musikstil später immer krasser. Bands wie Sepultura (Beerdigung) und Slayer (Mörder) gaben mir ein unglaubliches Gefühl von Selbstbewusstsein. Gepaart mit Drogenkonsum, hatte dies alles zur Folge, dass meine Leistungen in der Berufsschule massiv sanken und ich das ein oder andere Mal mit der Polizei in Konflikt geriet.

Doch während dieser Zeit fing auch Gott an, bei mir anzuklopfen, zum Beispiel durch einen Autounfall, bei dem ich während der Fahrt unter Alkohol eingeschlafen war und auf einem Acker landete. Wie durch ein Wunder passierte mir nichts! Auch geriet ich unter Alkohol und Drogen mehrmals in Polizeikontrollen, doch waren die Polizisten wie blind und ließen mich weiterfahren.

Und das dickste Ding war schließlich, dass der Staatsanwalt ein Verfahren gegen mich einfach einstellte. Ich war mit einem nicht angemeldeten bzw. unversicherten Auto unterwegs gewesen, hatte das Kennzeichen manipuliert, mir einen Beinahe-Frontalcrash und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geleistet. Wie konnte es nun sein, dass ich nicht zur Verantwortung gezogen wurde? Irgendjemand schien mich zu schützen, jemand, der mich zum Nachdenken bringen wollte.

Alle die Dinge, von denen ich mir Freiheit und Erfüllung erhoffte, hatten mich stattdessen zunehmend im Griff! Ich war kein bisschen frei, sondern leer, unglücklich und einsam!

Ich interessierte mich wieder für das Übernatürliche. Es musste doch mehr geben? Durch das Beschäftigen mit Gläserrücken, Kartenlegen, Geisterbeschwörung usw. machte ich dann tatsächlich übersinnliche Erfahrungen, die mich anfangs total faszinierten.

Doch es dauerte nicht lange, bis ich immer öfter Alpträume hatte, tagsüber Angstzustände und Verfolgungsängste. Wenn sich Gegenstände bewegten oder ich Dinge voraussehen konnte, fand ich es nun nicht mehr lustig! Und plötzlich dachte ich permanent an meinen eigenen Tod! Die Geister, die ich gerufen hatte, wurde ich nun nicht mehr los!

Es kam mir vor, als wäre ich der einzige Mensch, der diese geheime Welt wahrnahm! Egal, wem ich mich anvertraute, keiner nahm mich für voll, jeder belächelte mich! Ich war kurz davor durchzudrehen!

Dann, als ich gefühlt am tiefsten Punkt angelangt war, erinnerte ich mich wieder an Gott. Aus tiefstem Herzen schrie ich zu ihm: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, wenn du da bist, dann hilf mir bitte, ich kann nicht mehr!”

Nach einem anstrengenden Arbeitstag lief ich über eine große Wiese zu meiner Wohnung, das Gewicht meines Rucksacks auf der Schulter und meinen Kopf nach unten gesenkt! Plötzlich lag etwas direkt vor meinen Füßen. Es war ein kleines Kreuz aus Pappe, mit Worten darauf: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! (Jesaja 43,1 ELB).

Es war, als würde der lebendige Gott vor mir stehen! Die Worte fielen direkt in mein Herz! Ich war überwältigt und berührt! Gott selbst hatte mir geantwortet! Es war einfach übernatürlich! Eine unglaubliche Ehrfurcht ergriff mich, und ich fing an zu weinen. Trost und Hoffnung begannen mich zu erfüllen … Ich betete weiter: „Und jetzt? Was soll ich tun? Wie geht es weiter?”

Einige Tage später war ich in der Stadt. Mitten auf dem Marktplatz stand ein Bus, der als Café ausgebaut war, mit der Aufschrift LEBEN IST MEHR. Ich ging zu meinem Auto, doch es war seltsam: Ich konnte einfach nicht einsteigen. Es war, als würde eine Stimme sagen: „Geh zu dem Bus!“ Er zog mich an wie ein Magnet.

Ich schlich um den Bus herum. Es war mitten im Sommer, die Stadt war voll mit Leuten. Auf einmal sah ich durch die Menschenmenge hindurch einen jungen Mann, auf den ich irgendwie fixiert war. Auch er lief durch alle die Leute direkt auf mich zu.

Er hieß Markus, gehörte zu dem Café-Bus und war Christ. Ich ließ mich auf ein fünfstündiges Gespräch ein! Markus stellte mir eine Tasse Kaffee hin, auf der stand:

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen (Jeremia 29,14 LUT).

Wow! Ich war sprachlos! Gott selbst hatte mich hierhergeführt.

Markus war der Erste, der mich ernstnahm. Anhand der Bibel zeigte er mir, dass es diese unsichtbare Welt wirklich gibt. Und er sprach von Jesus. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen und mein Herz war ganz weit offen! Ich wusste auf einen Schlag:

„All das ist wahr!”

An diesem Tag noch lud ich Jesus in mein

Leben ein und den ganzen Schutt und Dreck meines bisherigen Lebens bei ihm ab! Ich bekam ein neues Herz, ein neues Leben! Eine unbeschreibliche Erleichterung, tiefe Freude und Geborgenheit erfüllten mein Herz! Ich hatte Frieden mit Gott gefunden! Ich muss nicht mehr ziel- und orientierungslos durch das Leben stolpern!

Ich möchte dir Mut machen: Gott antwortet, wenn wir nach ihm fragen und ihn suchen! Nicht irgendeine unpersönliche Kraft oder ein höheres Wesen, Gott ganz persönlich! Sei mutig und vertraue ihm! Dein Leben wird zum wahren Abenteuer, wenn du es wagst! Jesus wartet auf dich. Worauf willst du noch warten?


Holger Zielonka | Jg. 1976 | verheiratet | 3 Kinder | Ravensburg | Heilerziehungspfleger

Im Trauma verloren – im Leben gefunden

Es kann viel passieren in einem Leben. Theoretisch kann man sich auf alles vorbereiten. Und dann passiert es doch – das Unerwartete.

Es war das Jahr 1991. Die Geburt unserer zweiten Tochter, Daniela, war nicht einfach. Die Ärzte nannten das in ihrem Fachjargon „Sturzgeburt“. Zuerst kam der Geburtsprozess nur sehr schleppend voran, und dann ging alles zu schnell. Meine Frau erlitt einen sehr hohen Blutverlust mit lebensbedrohlicher Ausdehnung. Die Ärzte handelten schnell, und dadurch wurde die Situation zu einem guten Ausgang gedreht.

Was damals nicht gedreht werden konnte, war das Trauma, in das ich gestürzt war. Ich stand in dem Kreissaal, und ein überwältigendes Gefühl von Hilflosigkeit überflutete mich – die Angst vor dem Verlust meiner Frau und die Ohnmacht, nichts an der Situation ändern zu können.

Mit Jesus hatte ich seit 1988 eine lebendige Beziehung. Er war mir in dem Jahr persönlich begegnet, so wie damals den Jüngern nach der Auferstehung. Wir hatten längere Zeit miteinander gesprochen. Und dennoch stand ich nun mit diesem Gefühl der Gottverlassenheit tief in meiner Seele da. Mein Herz war wie betäubt. Da verstand ich im Kern den Satz „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Es ist ein erschütterndes Gefühl, aus dem man nicht fliehen kann.

Nachdem sich die Situation äußerlich beruhigt hatte, kam die Hebamme mit Daniela auf mich zu. „Wollen Sie Ihre Tochter auf den Arm nehmen?“, fragte sie mich. „Danke, kein Bedarf!“, war meine harte und ablehnende Antwort. Mein Verstand wusste zwar, dass Daniela für den Verlauf der Geburt nicht verantwortlich war. Aber meine zutiefst verletzte Seele und mein verlassenes Herz sprachen andere Gedanken aus. Der Schock und die innere Erstarrung waren meine Schutzreaktion. Der Körper schaltete auf „Funktionsmodus“ um, und ich funktionierte nur noch über den Verstand.

Dieser Zustand hatte leider ein Problem zur Folge: Ich war nicht mehr beziehungsfähig gegenüber Daniela. Aus meinen Emotionen heraus warf ich ihr vor: „Was hast du meiner Frau angetan! Das hat sie nicht verdient, und es ist nicht fair!“ Ich war nicht fähig, diese Emotion zu verdrängen. Die Beziehungslosigkeit zwischen Daniela und mir wurde zu einer permanent vorhandenen Mauer. Meine Frau litt unter diesem Umstand, aber sie machte mir keinen Vorwurf und klagte mich nicht an; sie verstand.

Auch nach einem halben Jahr hatte sich mein emotionaler Zustand noch nicht geändert. Ich hatte das Trauma in mir verkapselt. Keiner kam da heran, auch Jesus nicht, denn beim Öffnen dieser Kammer hätte ich mit offenem Visier dagestanden. Eine Aufarbeitung und die Verarbeitung der Wut auf das Leben hätte mir den „Sinn“ für das Leben genommen, denn dazu war meine Wut geworden!

Dann musste nachträglich ein operativer Eingriff bei meiner Frau vorgenommen werden. Während sie im Krankenhaus war, passierte es.

Ich brachte Daniela und ihre ein Jahr ältere Schwester abends ins Bett. Beide schliefen in einem Zimmer. Die Nacht verlief ruhig und ohne Probleme. Am nächsten Morgen beim Aufwachen hatte ich vor meinen inneren Augen den Schriftzug: „Daniela ist tot!“ Es war eine absolute Gewissheit, ohne jeden Zweifel! Ein weiteres Trauma ...

Ich stand auf und ging leise ins Kinderzimmer. Es war alles ruhig, die ältere Schwester schlief. Dann hob ich die Kinderbettdecke von Daniela hoch. Sie lag mit blauem Gesicht und heraushängender Zunge auf dem Bauch. Es war glasklar, sie war tot!

Erneut schaltete mein innerer Mensch in den erwähnten Funktionsmodus. Ich verließ das Zimmer und rief meine Eltern an. „Könnt ihr bitte die ältere Schwester in einer halben Stunde abholen?“ Auf die Frage „Warum?“ gab ich keine Antwort. Der nächste Schritt war das Aufwecken und Anziehen der älteren Schwester. „Daniela schläft noch. Oma und Opa holen dich jetzt ab. Sie passen auf dich auf.“ Meine Eltern kamen und nahmen sie mit. Ich ließ sie nicht in die Wohnung. Danach informierte ich den Notarzt. Meine Emotionen befanden sich erneut in einer Erstarrung (der Fachausdruck dafür ist „frozen state“, übersetzt „Totstellreflex“). Und wieder konnte ich der Situation nicht entfliehen.

Der Notarzt versuchte Daniela zu reanimieren, ohne Erfolg. Bei der

Obduktion wurde der Todeszeitpunkt auf Mitternacht festgelegt. Die

„Reanimation“ eines Menschen ist eine entwürdigende Handlung. Der Notarzt holte den toten Körper aus dem Bett. Er drückte und kniete sich darauf, bis die ersten Knackgeräusche auftraten.

In den Folgejahren, bis vor etwa sechs Jahren, war ich unfähig, in einen Trauerprozess einzutreten. Was ich nach wie vor spürte, waren Wut, Enttäuschung, Schuld und die unbeantwortete Frage „Warum?“. In mir reifte die Erkenntnis, dass mein Leben so nicht weitergehen durfte! Ich wollte wieder leben: in innerer Freiheit, in Versöhnung mit meiner Biographie – auch bezüglich der dritten und behinderten Tochter. Ich wollte in innerer Gemeinschaft mit meiner Frau leben und in Versöhnung mit dem lebendigen Gott.

Mein Weg führte mich zu einer Verhaltenstherapie bei einer Psychotherapeutin. Meine Versuche mit christlicher Seelsorge im Vorfeld waren fehlgeschlagen. Warum? Zu schnell kam der im Kern richtige und gut gemeinte Ausspruch: „Lege es an das Kreuz. Gib es an Jesus ab. Lade das Schuldgefühl ab!“

Die Verhaltenstherapie half mir, hinzusehen und meine Emotionen bewusst wahrzunehmen, die Gefühle auszuhalten und die tief empfundene Schuld auszusprechen. Und schließlich konnte ich mich mit mir selbst und meiner Biographie aussöhnen! Auch die Beziehung zu meiner Frau erfuhr eine tiefgreifende Heilung. Bezüglich der Beziehung zu dem dreieinigen Gott erlebte ich ihn neu als Vater in meinem Herzen. Er zeigte und schenkte mir seinen Frieden, der über alle Vernunft hinausgeht. Das habe ich erlebt!

Heute bin ich ein fest in mir und in der Gottesbeziehung gegründeter Mensch. Vergebung, Barmherzigkeit, Gnade, die Wahrnehmung meiner eigenen Person und die von anderen sowie eine neu gewonnene Liebe zu Menschen und zum Leben sind meine neue Lebensqualität. Die herzliche, tiefe Vaterbeziehung zu Gott gibt mir Hoffnung, Zuversicht und den Glauben an neue Perspektiven für jeden Menschen.

Meine Überzeugung ist: Jeder im Herzen zur Veränderung bereite Mensch kann auch Veränderung erleben! Es kann seine Zeit dauern. Prozesse sind notwendig. Manchmal sind sie auch schmerzhaft. Ich möchte Menschen zu dieser Bereitschaft verhelfen, ohne ihnen meine Lösungen überzustülpen. Der betroffene Mensch ist selbst Teil der Lösung. Das Problem liegt im „System“ und nicht in dem Menschen selbst. Deshalb kann eine tragfähige Lösung nur aus dem Betroffenen selber kommen.

Meine Lebenswunden sind heute vernarbt wie die Wundmale von Jesus, aber sie bluten nicht mehr! Es kann keine Verbitterung, Wut usw. mehr eindringen. Die Narben erinnern mich, und gleichzeitig ist eine unendliche Dankbarkeit gegenüber Gott da. Meine Tochter ist in meinem Herzen. Eine positive Traurigkeit kommt ab und zu auf, aber darüber freue ich mich. Sie zeigt mir: Ich vergesse nicht!

Deshalb setze ich mich für Menschen ein!


Holger Harsch | Jg. 1967 | verheiratet | 3 Töchter (eine verstorben) | Aalen | Lebensberater | www.lebensberatung-ostalb.de

Der Autor unserer Lebensgeschichte

Ich habe mich gefragt, ob es etwas Besseres gibt, als nur ein spannendes Buch zu lesen oder zu hören. Tatsächlich ist mir etwas eingefallen, und zwar den Autor selbst kennenzulernen und ihn Schritt für Schritt auf seinem Weg bis zum fertigen Buch zu begleiten. Ich stelle mir das richtig spannend vor!

Ich kann mir denken, dass es dich genauso faszinieren könnte, vor allem, wenn es um die realste Geschichte geht, die du dir vorstellen kannst: deine persönliche Lebensgeschichte! Stell dir vor du dürftest den Autor deines Lebens kennenlernen. Welcher Autor? Sind wir nicht selbst die Autoren unserer Geschichte?

Ich möchte dir schildern, wie ich das erlebe:

Seit vielen Jahren schreibe ich Tagebuch. Der Auslöser war ein Einsatz in Rostock. Ich wollte Gottes tägliches Wirken festhalten. Eigentlich erwartete ich spektakuläre Dinge, wie z. B. Heilungen oder Bekehrungen, aber es verlief ganz anders. Meine Einträge beschrieben oft normale Begegnungen mit Menschen, welche wenig von Gott wussten, und erzählten auch von peinlichen Momenten. Am Ende des Einsatzes hatte ich viele kleine Geschichten zu Papier gebracht, und obwohl die meisten davon unseren „stinknormalen“ Alltag beschrieben, entdeckte ich Gottes wunderbare Handschrift darin. Damals war ich so begeistert, dass ich meinen Alltag weiterhin in Tagebüchern festhielt. Ich weiß, das ist nicht „jederMANNs Sache“! Für mich persönlich ist es eine meiner liebsten Beschäftigungen.

So habe ich Gottes Handschrift in meinem Leben entdeckt und wie sie meine Geschichte auf wundersame Art und Weise gestaltet. Je mehr ich mein eigenes Leben verfolge und aufschreibe, desto deutlicher wird das. Gott selbst ist der große Geschichtenschreiber – der mich ins Schreiben meiner Lebensgeschichte mit hineinnimmt. In der Bibel macht er nichts anderes. Mit einzelnen Menschen schreibt er Geschichte, welche Auswirkungen für den engen Bekanntenkreis, für ein ganzes Volk und letztendlich für die ganze Welt hat. Gott schreibt Weltgeschichte, und du und ich sind Teil davon. Ja, wir dürfen diese sogar mitgestalten. Was für ein Privileg!

Je tiefer ich das erkenne, desto mehr liebe ich es, den großen Geschichtenschreiber in den kleinen und unscheinbaren Dingen zu entdecken und mir so meinen Alltag wertvoll zu machen.

Beim Schreiben vor ein paar Tagen tauchte beispielsweise die Frage in mir auf, für was ich Sportwissenschaften studiert hatte. Auslöser war die E-Mail einer ehemaligen Mitstudentin. Sie arbeitete mittlerweile in der Sportbranche, wie viele andere Mitstudenten auch. Ich selbst konnte mir damals nicht so richtig vorstellen, im Sportsektor zu arbeiten und machte mich auf die Suche, wie es weitergehen könnte. Über „Umwege“ bin ich an die Evangelische Missionsschule Unterweissach gekommen und mache nun eine Ausbildung zum Jugendreferenten.

Es wird also noch ein paar Jahre länger dauern, bis ich arbeite, mehr als mir lieb ist. Wieso hatte sich der Verlauf meiner Geschichte so drastisch geändert, und wo wird sie nun hinführen? So kam es, dass ich in meinem Tagebuch meinen Gefühlen nachging.

Immer wieder erinnert Gott mich daran, dass es einfach unsinnig ist, meine Geschichte mit anderen zu vergleichen. In den meisten Fällen scheinen die anderen besser abzuschneiden, und ich bin mal wieder entmutigt und stelle Gottes Wege in Frage. In solchen Momenten hilft es mir immer wieder, mich daran zu erinnern, dass wir schon einige Kapitel Lebensgeschichte geschrieben haben. Mal ging ich aus Angst, einen falschen Weg einzuschlagen, keinen Schritt weiter. An einem anderen Punkt ging ich ein Risiko ein und stellte im Nachhinein fest, dass Gott meine Wege irgendwie doch vorbereitet hatte. So ist das mit den Geschichten – man kann meistens nur erahnen, wo es hingehen könnte.

Das begeistert mich an Lebensgeschichten, und deshalb würde ich auch gerne deine Geschichte hören. Egal wo du stehst, was du erlebt oder (noch nicht) erreicht hast … deine Geschichte lohnt sich, gehört zu werden. Und solange der große Geschichtenschreiber noch am Schreiben ist, wird deine Geschichte weitergehen.

Wenn du dir schon mal überlegt hast, Tagebuch zu schreiben, dann möchte ich dich dazu ermutigen, damit anzufangen. Es ist egal, ob du das jeden Tag machst, einmal die Woche oder einmal im Monat. Falls du nicht so gerne schreibst, verfasse ein Audio, mache eine Bilderkollage etc. Wie du Gottes Wege mit dir reflektierst, ist dir überlassen, es wird sich auf jeden Fall lohnen.

Ich will dich dazu ermutigen, die kleinen und oft unbedeutenden Geschichten deines Alltags wahrzunehmen, denn in diesen wirst du den Autor deiner persönlichen Geschichte entdecken. Ja, du wirst Gottes Handschrift in deinem Leben mehr und mehr erkennen.


Emmanuel Kyeremeh | Jg. 1995 | ledig | Weissach im Tal | Schüler (Evang.

Missionsschule Unterweissach)

Freiheit für andere

Ende Juni 2014 erreichte mich eine ganz und gar unerwartete Nachricht, bei der ich nicht anders konnte, als ein paar stille Tränen zu verdrücken: „Die vietnamesische Gewerkschafterin Do Thi Minh-Hanh ist freigelassen worden!“ Für solche viel zu seltenen Momente arbeiten wir bei Parlamentarier schützen Parlamentarier und im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Deutschen Bundestag. Und ich war mitbeteiligt, dass es dazu kommen konnte. Was für ein überwältigendes Gefühl! Doch der Reihe nach.

Der Einsatz für Gefangene gehört bereits jahrzehntelang zu meinem Leben. Bis ich Bundestagsabgeordneter wurde, habe ich mich dabei weder als Politiker noch als Aktivist gefühlt. Es hatte sich einfach so ergeben. Meine Eltern hatten mich schon in ziemlich jungen Jahren auf ihre Reisen hinter den „Eisernen Vorhang“ nach Rumänien oder in die DDR mitgenommen. Natürlich lernte ich dort Leute in meinem Alter kennen. Als unser Freund Manni von der Securitate verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurde, ging ich mit auf eine Demonstration vor der rumänischen Botschaft in Köln, auf der wir seine Freilassung forderten. Dass wir uns für ihn einsetzten, ermutigte wiederum eine ganze Reihe Mitglieder in Mannis Gemeinde, die Prozesse gegen Christen zu besuchen. Leise betend saßen sie fortan hinten im Gerichtssaal. Das war gelebte Solidarität. Viele der Angeklagten wurden durch diese Unterstützung ermutigt. Mich hat das beeindruckt. Oft sind es die kleinen, scheinbar unbedeutenden Gesten, die anderen Menschen in bedrängten Situationen Kraft geben. Dafür reicht es zu signalisieren: Du bist nicht allein, ich bin für dich da. Denn für einen Gefangenen beginnt Freiheit, wenn er weiß: Ich bin zwar weggesperrt, aber nicht vergessen.

Anfang der 1980er-Jahre hatte ich einen Brieffreund in der DDR. Lange und schon gar allzu offene Briefe verboten sich von selbst, weil wir wussten, dass alle Briefwechsel zwischen West und Ost kontrolliert wurden. Die Stasi las sozusagen mit. Aber alleine der Kontakt an sich war wertvoll. Er schlug für uns beide eine Brücke in das jeweils so ganz andere Deutschland.

Manchmal erfordert der Einsatz für Menschen in schwierigen Situationen Mut, aber im Großen und Ganzen hat es mich nicht viel gekostet. Mir scheint es so, dass wir uns viel zu oft abschrecken lassen, weil wir unsere Möglichkeiten für zu klein halten. Oder wir warten vergeblich auf die Gelegenheit zu der einen ganz großen Aktion. Dabei ist das Wichtigste nach meinem Dafürhalten, dass wir einfach nur die kleinen Chancen ergreifen, die sich uns auf unserem Weg bieten. Nicht Strohfeuer, sondern Glut, kein kurzfristiger Aktionismus, sondern Kontinuität – wenn ihr versteht, was ich meine.

Beruflich hatte ich lange Zeit mit Mathematik oder Technik geliebäugelt, aber ich entschied mich schließlich für ein Studium der Sozialarbeit. Über das Café der Heilsarmee in Freiburg führte mich mein Weg zwölf Jahre in die „Heilse“ nach Chemnitz. Von Anfang an habe ich mich für die Vorgänge im Stadtteil interessiert und mich eingemischt, wenn ich die Chance sah, dass etwas besser werden könnte. Mir war gar nicht bewusst, dass das schon als „politisch“ angesehen werden kann. Irgendwann trat ich in die CDU ein, weil ich spürte, dass mein Engagement dadurch möglicherweise wirkungsvoller werden könnte. Kurz darauf entschied ich mich, für den Bundestag zu kandidieren. Eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen. Dass ein völliger Newcomer überhaupt von der Basis nominiert wird, ist die absolute Ausnahme. Und ich habe es tatsächlich geschafft, das Direktmandat für meine Partei in Chemnitz zurückzugewinnen. All das kommt einem Wunder gleich.

Als Bundestagsabgeordneter habe ich nun eine ganze Reihe von Möglichkeiten, für die Freiheit von Gefangenen zu kämpfen. Das sehe ich als Privileg und als Verpflichtung zugleich. Der öffentliche Einsatz von uns Parlamentariern hat für die vietnamesische Gewerkschafterin MinhHanh einen Unterschied gemacht.

Als Mitglieder des Menschenrechtsausschusses bekommen wir regelmäßig Informationen zu politischen Gefangenen. Immer wieder kommt es auch zu Besuchen von deren Freunden oder Angehörigen im Deutschen Bundestag, wo die Besucher uns Abgeordneten die jeweilige Lage der Betroffenen schildern.

Anfang 2014 wendete sich die Menschenrechtsorganisation VETO! an uns. Sie bat um einen Gesprächstermin mit Abgeordneten für die Mutter von Frau Minh-Hanh und gab uns in einem Brief folgende Hintergrundinformationen: Frau Do Thi Minh-Hanh, geb. 1985, ist Buchhalterin in der vietnamesischen Provinz Lam Dong. Schon im jungen Alter von 16 Jahren engagiert sie sich für die „Opfer der sozialen Ungerechtigkeit“, die sich gegen die unrechtmäßige Beschlagnahmung ihrer Grundstücke und Häuser wehrten. Später tritt sie in das Komitee zum

Schutz der Arbeiter in Vietnam ein. Nach einem von ihr mitorganisierten Streik in einer Schuhfabrik in der südvietnamesischen Provinz Tra Vinh wird sie Anfang 2010 verhaftet und im Oktober wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Rechtsbeistand zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sie wird im Gefängnis mehrmals gefoltert und brutal misshandelt, nur weil sie kein Geständnis ablegen will. Der Haftort von Frau Minh-Hanh wechselt ständig, um Besuche zu erschweren. Dadurch kann sie kaum von ihrer Familie mit Lebensmitteln versorgt werden, was jedoch für sie als unterernährte Gefangene lebensnotwendig ist.

Der Menschenrechtsausschuss nahm die Bitte von VETO! auf und lud Frau Minh-Hanhs Mutter in den Bundestag ein. Eine bewegende, aufrüttelnde Begegnung. Da der Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in dem ich ebenfalls Mitglied bin, bald darauf eine Reise nach Vietnam plante, versprach ich der Mutter, während meines Aufenthaltes einen Besuch bei ihrer Tochter zu beantragen. Die Aussichten waren gering, in den Jahren davor hatte kein einziger europäischer Abgeordneter ein vietnamesisches Gefängnis besuchen dürfen. Doch mir war bewusst: Auch wenn das Treffen nicht zustande kommen würde, war allein der Antrag auf diesen Besuch eine politische Botschaft. Die vietnamesischen Behörden würden erfahren: Wir schweigen nicht!

Die erste Antwort bekam ich vor Ort: Abgelehnt, es sei nicht möglich, die Gefangene zu treffen. Am nächsten Morgen kommt die überraschende Kehrtwende: Mir wird die Erlaubnis erteilt, die junge Frau im Gefängnis zu besuchen. Die Gesprächsatmosphäre ist positiv, Frau Minh-Hanh berichtet sehr offen. Sie spricht über Gewalt, die ihr persönlich zugefügt wurde. Am Ende des Gesprächs übergebe ich ihr in einem unbemerkten Moment meine Visitenkarte mit einer schnell hingeworfenen Nachricht und verspreche ihr zum Abschied, ihren Fall auch öffentlich zur Sprache zu bringen. Das tat ich mit einer Pressemitteilung.

Um ehrlich zu sein: Meine Hoffnung, dass dieser Besuch und die Pressemitteilung zu einer baldigen Freilassung führen könnten, war nicht allzu groß. Doch es ist allemal besser, einen Strohhalm zu ergreifen, als tatenlos zuzusehen. Und hatte nicht der Besuch selbst schon jeder Wahrscheinlichkeit widersprochen? Als dann nach ziemlich genau zwei Monaten die Nachricht von Do Thi Minh-Hanhs Freilassung eintraf, war das einer der Gänsehautmomente in meiner Zeit im Deutschen Bundestag.

Ich mache es kurz: Frau Minh-Hanh wollte nach Österreich ausreisen, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Zunächst bekam sie ein Visum, wurde aber am Flughafen erneut verhaftet. Im Dezember 2015 hielt ich bei meiner Rede im Plenum zum Schutz von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern ein Bild von ihr in die Höhe. Ich war überrascht, welche Kreise diese Rede zog.

Wenige Tage danach schrieb mir ein vietnamesischer Menschenrechtsaktivist, dass er mit einigen anderen eine kleine Aktion zu meiner Rede gemacht hatte: Sie wurde ins Vietnamesische übersetzt und durch ein Interview mit mir ergänzt.

Lange Rede, kurzer Sinn, mittlerweile hat mich Frau Minh-Hanh im Bundestag besucht. Ich kann es kaum beschreiben, was mir das bedeutet. Ganz klar, mein Einsatz war nicht der einzige Grund, warum Frau Minh-Hanh freigelassen wurde. Besonders Michael Brand, Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und Pate von Frau Minh-Hanh bei „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ hat sich ebenfalls stark engagiert. Neben guter Zusammenarbeit braucht es eben doch viel Vorbereitung, damit ein Wunder geschehen kann. Viel wichtiger als „das Wunder zu feiern“ ist mir jedoch, dass wir den Mut haben, das anzupacken,

was uns vor die Füße fällt. Nicht jedes Mal etwas Neues versuchen, sondern kontinuierlich in dieselbe Kerbe schlagen. Wenn dann „eine Frau Minh-Hanh“ dabei herauskommt, umso besser! Das wünsche ich uns zwar, aber darauf kommt es letztendlich nicht an.

Zum Abschluss möchte ich noch betonen: Mir geht es ganz und gar nicht darum, dass sich jeder von euch für Gefangene engagiert, ich möchte euch aber Mut machen, das anzupacken, was ihr vor euren Füßen findet.


Frank Heinrich | Jg. 1964 | verheiratet | 4 Kinder, 6 Enkelkinder | Sozialpädagoge, Theologe und direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Chemnitz | www.frankheinrich.de

Eine ausführlichere Darstellung der Ereignisse um die Freilassung von Frau Do Thi Minh-Hanh findet sich in meinem Buch „Frank und Frei: Warum ich für die Freiheit kämpfe".

Darmowy fragment się skończył.

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
26 maja 2021
Objętość:
330 str. 101 ilustracji
ISBN:
9783955784881
Właściciel praw:
Автор
Format pobierania:

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