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Wie aus dem Ei gepellt ...

Erzählungen, Märchen und Gedichte zur Osterzeit

Band 7

Martina Meier (Hrsg.)


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Impressum

Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR

Mühlstr. 10, 88085 Langenargen

Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2021.

Herstellung und Lektorat: CAT creativ - cat-creativ.at

Coverillustration mit einem Bild von © sidliks - Adobe Stock lizenziert

ISBN: 978-3-96074-410-8 - Taschenbuch

ISBN: 978-3-96074-411-5 - E-Book

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Inhalt

Wir haben da ein Problem

Wer hoppelt durchs Krankenhaus?

Fröhliche Osterzeit

Das Osterflugzeug

Der Osterhase ist ein Hund

Ostern 2021

Kommissar Pfote

Der Osterhase

Eine nächtliche Überraschung

Oh weih, ein Ei!

Zu faul, um ein Osterhase zu sein!

Ein Ostermorgen

Die Versammlung der Osterhasen

Zwei Osterhasen

Wie groß ist unsere Welt?

Lieschen lädt zum Osterfest

Gemeinsam schafft man alles!

Ostern, Ostern, so friedlich und schön

Das Ostern

Ostern

Auf alle Fälle: bunte Pelle!

Wegen Schneefalls abgesagt

Osterträume

Osterhasenmoral

Kürbislinas erstes Ostern

Der falsche Osterhase

Mein Nachbar, Herr Haas

Das schwarze Herz

Das eckige Ei

Ostern in Gefahr

Der echte Osterhase

Hopsi muss sich entscheiden

Ein besonderes Ostergeschenk

Ein Ostertraum

Im Osterparadies

Flip, der kleine Osterhase

Der Tag der Reiter

Wie Weihnachten ins Osterhasenland kam

Meine erste Osternacht

Die Hühner sind weg!

Sag mal, wo kommst du eigentlich her?

Sonnenfarben

Osterhase in Not

Im Frühling

Der Osterhase - ein Geocacher?

Die Bremer Ostermusikanten

Ostern

Wir sind alle nur Hasen

Frühling und Ostern

Der Osterhase mit dem gebrochenen Bein

Frühlingsmorgen

Osterhas, das macht Spaß

Gefüllte Eier

Das tierische Wunder

Ostern

Der echte Osterhase

Die beste Osterüberraschung

Identitätskrise

Schneehasen

Das andere Osterei

Hilfe für Freddy

Osterhase in Not

Wie der Hase zum Osterhasen wurde

Das Wunderei

Wer versteckt die Ostereier?

Omas Ostern

Nicht nur Jungs können Osterhasen sein

Prinz Kringel und der Ersatzosterhase

Das Osterei

Kunterbunte Überraschung

Flocke rettet Ostern

Ostern

Das letzte Osterei

Anti-Schlacht-Plan der Osterhasen und Osterhäsinnen

Wer glaubt, der findet

Die Ostermaus

Die Osterüberraschung

Easterrabbitland

Der Osterhasen-Job

Im Auftrag des Osterhasen

Das Osterfest in Gefahr

Das getupfte Häschen

Das Osterhasennest

Ein Oster-Rondell

Mein kleiner Bruder

Toni auf Osterreise

Zu Ostern im neuen Haus

Die Nacht meines Lebens

Der Weihnachtshase

Die O(ster)lympischen Spiele

Die Geschichte von Klein Muck

Otto rettet Ostern

Eastazon Inc.

Osterhasen gibt es doch!

Der Traum vom Osterhasen

Meister Adebars Rettungsflug

Ostern bei den Schaustellern

Das Osterei

Ein schöner Tag in den Osterferien

Dasy Lechner ... wie aus dem Ei gepellt

Ei, von Anfang an

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Wir haben da ein Problem

Ostersonnabend

Das Telefon klingelt. „Ja, bitte, guten Tag.“

„Guten Tag Ihnen auch. Hier spricht der Osterhase.“

„Und hier spricht die Weihnachtsfrau, Ehefrau des Weihnachtsmannes, wenn Sie der Osterhase sind“, kicherte nun die Frau.

„Doch, doch, liebe Frau, Sie sind mit dem Osterhasen verbunden. Ich heiße Hans. Und wie heißen Sie, bitte?“, wollte jetzt der Osterhase wissen.

Die Frau wurde ernster. Ein wenig merkwürdig war der Anruf schon. Auf dem Telefon, wo sie sonst immer vor dem Annehmen des Gesprächs lesen konnte, wer sie anrief, erscheint diesmal nur Unbekannt. „Ich heiße Jule“, sagte sie.

„Dann sind Sie die Mutti von Juliane, stimmt’s?“

„Ja, das stimmt“, bestätigte sie.

„Es ist nämlich so“, begann jetzt Hase Hans am anderen Ende der Telefonleitung, „wir haben da ein Problem. Sie wissen wahrscheinlich, dass zum Osterfest viele, viele Osterhasen eingesetzt sind, die Ostergeschenke zu verstecken. Bei der großen Anzahl an Erwachsenen und Kindern kann das ein Hase allein nicht mehr schaffen. Und nun ist seit gestern Abend der Hase, der für Ihr Gebiet eingeteilt ist, er heißt übrigens Schlappohr, krank. Schlappohr hat tatsächlich schlapp gemacht, er hat sich sein Vorderpfötchen verknackst und kann morgen keine Eier verstecken. Wir haben leider keinen Ersatz für Schlappohr gefunden. Alle Osterhasen sind eingesetzt, keiner kann für ihn einspringen und seinen Dienst übernehmen. Aber: Weil er am Ostersonntag-Morgen nicht überallhin die Körbe mit den Ostereiern gleichzeitig schleppen könnte, hatte er gestern Abend schon die Geschenke, von allen Erdenbürgern unbemerkt, zu ihnen gebracht und an einer Stelle versteckt. Auf dem Heimweg ist ihm dann das Unglück passiert. Wenn ich Ihnen gleich sage, wo er die Eier untergebracht hat, könnten Sie dann morgen früh schnell vor dem Aufstehen von Juliane die Eier im Haus verstecken?“, bat der Osterhase Hans. „Ich rufe Sie dann auch am Ostermontag an und erkundige mich, ob es geklappt hat.“

„Ja, lieber Osterhase, das mache ich. Gute Besserung für Schlappohr! Und wo sind die Ostereier abgelegt?“, wollte Jule jetzt wissen.

„Vielen, vielen Dank. Die Ostereier liegen ...“

Knacks, knirsch. Aus. Die Telefonleitung war ruhig. Nur noch ein Freizeichen-tut-tut-tut war zu hören.

„Na, das ist ja herrlich, kann ja morgen früh lustig werden“, dachte sich Julianes Mutti und war jetzt auf den Ostersonntag ganz gespannt. Wo würde sie die Eier wohl finden?

Ostersonntag

Jule konnte in der Nacht zu Ostersonntag genauso schlecht schlafen wie ihre Tochter Juliane. Juliane, weil sie auf die Ostergeschenke vom Osterhasen gespannt war, und Jule, weil sie das Versteck des Osterhasen vor Tochter Juliane entdecken wollte. Sie musste doch die Eier überall erst verteilen. Das hatte sie dem Osterhasen am Telefon schließlich versprochen.

Also stand sie ganz früh auf. Sie schlich ins Wohnzimmer. Dort hob sie jedes Kissen an, klappte jede Schranktür auf, drehte alle beweglichen Teile um. Aber es war nichts zu finden. Sie ging in die Küche, den Flur, die Kammer. Aber auch hier: Nichts, rein gar nichts war zu finden. Nicht ein Osterei, geschweige denn ein ganzer Korb mit Ostereiern oder Geschenken für Juliane.

Jule wurde langsam ungeduldig, denn bestimmt würde ihre Tochter Juliane gleich wach werden und nach den Eiern suchen wollen. Und sie hatte selbst noch nicht ein Ei entdeckt.

Und da kam sie tatsächlich. Juliane kam im Schlafanzug aus ihrem Kinderzimmer. Sie tat dabei so, als wäre sie gerade aufgewacht und sei eigentlich noch ganz müde. Aber ihre Mutti erkannte schon, dass Juliane eine ganze Weile wach gewesen sein musste. Ihre Augen sahen gar nicht mehr so müde aus, wie sie tat.

„Mama, was suchst du denn? Ich kann dir doch helfen“, sagte sie.

„Ach weißt du, Juliane ...“ Weiter kam sie nicht.

„Du suchst bestimmt danach, ob dir der Osterhase etwas gebracht hat. Du bist bestimmt auch so gespannt wie ich“, fiel ihr Juliane ins Wort. „Ich helfe dir. Und wer das erste Osterei gefunden hat, der darf bestimmen, was wir heute machen.“ Und schon fing sie an, an den gleichen Stellen im Zimmer zu suchen, an denen ihre Mutti schon geschaut hatte. Aber sie fand ... nichts.

Um nicht den ganzen Ostersonntag im Schlafanzug mit Ostereiersuchen zu verbringen, berichtete Jule ihrer Tochter Juliane vom gestrigen Anruf des Osterhasen. Sie sagte ihr, dass der Hase Schlappohr ein krankes Beinchen habe und deshalb heute nicht kommen konnte, er aber am Freitag unbemerkt die Ostergeschenke schon gebracht habe. „Er hat sie hier bei uns irgendwo versteckt, aber als mir der Telefon-Hase sagen wollte, wohin die Eier gelegt wurden, war die Leitung abgebrochen“, berichtete Jule.

Und nun stehen sie da. Sie fanden einfach das Versteck nicht. Und sie konnten auch selbst nicht beim Osterhasen anrufen. Auf dem Telefon erschien ja keine Telefonnummer, nur Unbekannt.

„Jetzt bleibt nur noch, uns heute einen schönen Tag zu machen und auf morgen zu warten. Da will sich ja der Osterhase wieder melden und fragen, wie wir die Eier gefunden haben.“

Juliane nickte zwar zustimmend, aber ein wenig traurig war sie schon. „Ostern ohne Ostereier, na das ist ja eine schöne Pleite“, dachte sie. Sie schlug vor, am Nachmittag ins Kino zu gehen, da gab es einen lustigen Osterhasen-Zeichentrickfilm.

Ihre Mutti stimmte zu und dann machten sie sich beide ein tolles Frühstück. Jede aß ein bunt angemaltes Ei und ein frisches Toastbrot mit Butter und Marmelade. Und ein leckerer Joghurt schmeckten Jule und Juliane ebenfalls.

Ostermontag

Gleich nach dem Frühstück klingelte das Telefon. Unbekannt leuchtete auf dem Apparat. „Das kann nur der Osterhase sein“, dachte Jule. Sie meldete sich: „Hier ist Jule.“

„Und hier ist der Osterhase“, kam sofort die Antwort. „Darf ich fragen, ob Sie das Versteck gefunden haben?“

„Dürfen Sie, lieber Osterhase, gern fragen, aber die Antwort lautet: nein, nicht gefunden!“

Der Osterhase erschrak, er wurde ganz ruhig. „Na, das ist ja ein Ding. Nicht gefunden. Da wird ja auch Juliane ziemlich traurig gewesen sein.“

„Das können Sie wohl laut sagen. Juliane war nicht nur ziemlich traurig, sie war sehr traurig. Und nun raus mit der Sprache, wo hatte Schlappohr die Ostereier versteckt?“

Der Osterhase schluckte und holte tief Luft. Er traute sich nicht so recht, das Versteck zu nennen. „Also Schlappohr sagte mir nach seiner Rückkehr, dass er die Eier im ... Papiermüllkasten vor der Tür abgelegt hat. Da brauchte er ja nicht erst ins Haus. Und weil der Kasten nicht ganz voll war und oben noch Platz war, dachte er, das wäre ein gutes Versteck.“

„Nee, nee, ich fasse es nicht. Oben im Papiermüllkasten, weil da noch Platz war. Mannomann, Schlappohr. Bleib bitte noch am Telefon, Osterhase. Ich flitze schnell raus zum Kasten und schaue nach.“ Jule legte das Telefon ab und machte sich auf, um im Müllkasten zu schauen.

Keuchend kam sie wieder herein. „Da haben wir aber noch mal Glück im Unglück, mein lieber Osterhase. Draußen ist noch alles vorhanden. Morgen ist nämlich unser Papiermülleimer-Abholtag, da wäre alles mit in den Müllwagen geschüttet worden. Das wäre ja eine schöne Pleite. Nee, nee aber auch.“

Der Osterhase bat für das Tun seines Kollegen Schlappohr vielmals um Entschuldigung. Und er versprach, dass im nächsten Jahr alles wieder so ablaufen wird wie früher. Für heute wünsche er noch einen schönen Ostermontag. Jule und Juliane hatten – nach dem merkwürdigen Beginn – trotzdem schöne Ostertage. Und die beiden hatten etwas erlebt, was nicht jedem geschah. Das muss sie unbedingt Oma und Opa berichten.

Charlie Hagist wurde 1947 in Berlin-Steglitz geboren. Nach Grund- und Oberschule absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Während seiner Tätigkeit in der Personalabteilung des Hauses bildete er sich zusätzlich zum Personalfachkaufmann (IHK) weiter. Ehrenamtlich war er als Richter am Amtsgericht Berlin-Tiergarten, am Sozialgericht Berlin und danach am Landessozialgericht Berlin tätig. Charlie Hagist ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt seit Beginn seines Vorruhestandes in Dallgow-Döberitz.

*

Wer hoppelt durchs Krankenhaus?

Der Startschuss schrillte in seinen empfindlichen Ohren. Da der Boden stellenweise gefroren war, rissen die Pfotenballen ein. Aber Hoppel war das egal. Hoppel war ein Profi. Zu lange hatte er auf diesen Tag hingearbeitet. Nichts konnte ihn aufhalten. Im Zickzack schoss der karamellbraune Hase über die Wiese und hängte seine Freunde ab. Nur Mümmelnase, ein kräftiger Schlappohrhase, konnte mit ihm mithalten.

„Du wirst gewinnen“, keuchte sein Freund. Der Neid brachte seine Stimme zum Klirren.

Ein freudiges Zittern durchlief Hoppels Körper, sodass er beinahe den Sack mit den Ostereiern fallengelassen hätte.

Wie viele Minuspunkte das gewesen wären? Dabei lag Hoppel in Führung. Man hatte alle Anwärter auf den Titel Osterhase des Jahres gleichzeitig losgeschickt. Eine fünfköpfige Jury aus allen Teilen des Waldes würde am Ende des Tages den Gewinner verkünden. Auch wenn er schon feststand. Punkte gab es für Schnelligkeit und die ausgeklügelten Verstecke.

„Was ist das?“ Hoppels milchweiße Ohren deuteten nach rechts.

„Ein Fehler“, belehrte ihn sein Freund. „Du weißt, dass wir nicht in Gebäude reingehen dürfen.“

Ungehalten zwirbelte Hoppel an seinen Barthaaren.

Aber das würde bedeuten, dass die Zweibeiner dort niemals Ostereier finden würden. Nein, das konnte er nicht zulassen! Entschlossen hoppelte er los – raus aus der Hasenversammlung – rein in … was war das hier? Mit seinen Hasenzähnen schleifte er den schweren Sack hinter sich her. Warme, stickige Luft strömte dem Feldhasen entgegen. Zum Glück war er so klein. Nachdem die Drehtür ihn ausgespuckt hatte, schlitterte der Fellball über den rutschigen Boden. Seine Krallen fanden keinen Halt. Mit angelegten Ohren huschte Hoppel verunsichert weiter. Hier waren so viele Zweibeiner. Aber sie waren alle beschäftigt, rempelten sich gegenseitig an und wirkten gehetzt. Die Weißkittel übersahen ihn einfach.

„Ein Polytrauma kommt gleich herein!“, verkündete eine langbeinige Ärztin.

Aufgeschreckt sauste Hoppel davon. Seine Pfoten trugen ihn weg von dem Tumult und stattdessen auf eine ruhigere Station. Pädiatrie stand in großen Buchstaben über dem Türrahmen. Gerade als der Hase überlegte, die Flucht zu ergreifen, schwang die Tür auf. Umständlich hopste das schokoladenbraune Nagetier hindurch. Durch die Vorhänge fiel Licht herein, das seine Nase wie flüssiges Gold glänzen ließ. Er musste sich beeilen. Es war schon fast Morgen. Bald würden die Kinder anfangen zu suchen. Wobei er das Gefühl hatte, dass die Kinder sich hier nichts mehr von Ostern erhofften.

Etwas schlich sich in den Blick des Hasen, das über sein Alter und seine Natur weit hinausging. Dann würde er eben Letzter werden. Hauptsache er bescherte den Kindern hier ein unvergessliches Osterfest. Geschickt versteckte Hoppel die Eier. Zuerst auf dem Gang, dann wagte er sich in die Zimmer. Schließlich blieb ihm nur noch zu warten. Die Morgenvisite rollte heran, bestehend aus einem Stationsarzt und einer weiteren Ärztin, sodass sich der Hase flach an die Wand presste.

Plötzlich wurden Kinderstimmen laut. Angestrengt trat ein Mädchen auf den Flur und hielt ein gesprenkeltes Ei in ihren Händen. Weitere Kinder kamen. Zögerndes Lächeln verwandelte sich in breites Grinsen. Die Weißkittel waren ratlos, als ihnen die Kinder plötzlich die herrlichsten Sachen entgegenstreckten. Sauerstoffflaschen wurden hochgehoben, Matratzen ausgeschüttelt und Krücken inspiziert. Köpfe drehten sich, Stühle wurden gerückt und die Kinder halfen sich gegenseitig. Ein Junge, der kaum stehen konnte, wurde rechts und links unter der Schulter gepackt und zusammen fanden sie ein besonders hübsches Nest. Hoppel wusste, dass es Zeit war, zu gehen. Außerdem wusste er, dass er nicht der Osterhase des Jahres werden würde. Aber er hatte es geschafft, dass sich in ein paar Herzschlägen die ganze Station verwandelt hatte.

Sophie-Christine Feige, Jahrgang 1997, wurde in Bayern geboren. Neben ihrem Medizinstudium in Wien widmet sie sich leidenschaftlich dem Schreiben.

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Fröhliche Osterzeit

Fröhliche Ostern!

Die bunten Grußkarten

rechtzeitig abschicken

Ostern vor der Tür

freudige Erwartung

selbst der Frühjahrsputz macht Spaß

Das Üben macht die Meister

ein Mädchen verziert

Ostereier im Malbuch

Ostersonntagmorgen

frische Frühlingsblumen

auf dem Frühstückstisch

Osternester warten

die kleinen Langschläfer

als Frühaufsteher

auf Ostereiersuche

die kleinen Entdecker

so früh schon so emsig

verspätetes Glück

vom Christkind gewünscht

im Osternest gefunden

geniales Versteck

heuer erst gefunden

ein Osterei vom Vorjahr

den echten verpasst!

Als Trost der Osterhase

aus Schokolade

was will man noch mehr?

Beim Osterspaziergang

Hasen und Lämmer geseh’n

ein Osterwunder

den Kindern schmecken

hartgekochte Eier

toller Osterbrauch

auch im letzten Duell

ist ihr Ei heil geblieben

Ostern ohne Oma

getröstetes Mädchen

freut sich auf Weihnachten

Wolfgang Rödig, geboren in Straubing, lebt in Mitterfels, hat bisher etwa 400 seiner Texte in Anthologien, Literaturzeitschriften, Tageszeitungen und Kalendern veröffentlicht.

*

Das Osterflugzeug

Jedes Jahr am Abend vor dem Ostersonntag versuche ich, wach zu bleiben, denn ich möchte einmal im Leben den Osterhasen sehen. Aber gelungen ist es mir noch nie. Immer schlafe ich ein, und dann bin ich am nächsten Tag enttäuscht, egal wie viel Schokolade ich bekomme. Aber das sollte sich ändern. Dieses Jahr war es das beste Ostern, das sich ein Mensch nur vorstellen konnte. Und das kam so:

Ich wollte wieder einmal nicht einschlafen, aber ich wusste, dass es mir nicht gelingen würde. Wie immer. Als ich gerade aufgeben wollte, weil ich merkte, dass ich müde war, hörte ich ein lautes Scheppern aus dem Garten. Dann ertönte ein: „Verdammt! Welcher Trottel hat denn eine Gießkanne hier hingestellt?“

Schlagartig war ich hellwach und sauste an die Terrassentür. Da stand er – in Hülle und Fülle. Wortwörtlich, denn der Osterhase schien nicht gerade unterernährt. Er starrte mich einen Moment lang an, dann rannte er weg. Oder er versuchte es, denn er fiel erneut über die Gießkanne.

„Mist“, rief er. Dann sah er mich an. „Ich bin sicher, das wirst du für dich behalten. Ich muss jetzt weiter. Komm mit, du musst mir helfen, ich hab schon genug Zeit verloren!“

„Ach, ich bin nicht so der Fan von großen Spaziertouren“, winkte ich ab.

Der Osterhase lachte. „Wer sagt denn was von einer Spaziertour? Wir fliegen mit dem Flugzeug, was meinst du denn?“ Er zeigte auf ein altes Klapperflugzeug, das jeden Moment zusammenbrechen konnte. „Hast du gedacht, ich würde im Morgengrauen rumhoppeln und Eier verstecken, die ich in einem Korb habe?“

„Äh, nee, natürlich nicht, ich bin ja nicht blöd“, murmelte ich, aber in Wirklichkeit hatte ich genau das gedacht.

„Eigentlich fliege ich mit diesem Ding überallhin.“ Er klopfte auf das Flugzeug. „Und werfe Schokolade in alle Gärten. Nur bei euch ist die Schoko danebengegangen und ich musste landen. Dabei bin ich über die blöde Gießkanne gestolpert. So, aber jetzt los, wir haben genug Zeit verplempert.“ Er stieg ein und winkte mir, auch zu kommen.

Es wurde ein riesiger Spaß. Wir flogen über alle Teile der Welt und warfen überall Schokolade runter. Auch ich durfte es ein paarmal tun. Das beste Osterfest aller Zeiten!

Bis wir nach Afrika kamen. Dort saß ein Mädchen auf dem Boden und weinte. Der Osterhase landete und sprang auf afrikanischen Grund. „Na, was ist mit dir?“, fragte er. „Was dir auch fehlt, ich kann es dir geben.“

Das Mädchen seufzte. „Eine Sache kannst du mir nicht geben: Dass ich nicht mehr auf dem Feld arbeiten muss.“ Und es weinte wieder.

Der Osterhase überlegte lange. Dann sagte er: „Vertrau mir, wenn du morgen aufwachst, musst du nicht mehr arbeiten.“ Dann flogen wir weiter.

„Müssen wir nicht noch dafür sorgen, dass das Mädchen nicht mehr arbeiten muss?“, fragte ich erstaunt.

„Habe ich schon“, antwortete der Hase.

Als der Osterhase mich wieder absetzte, fragte ich: „Wirst du mich nächstes Jahr wieder abholen?“ Er versprach es, dann flog er mit einem Juchzen davon. Ich rannte ins Haus und schlief glücklich ein.

Mia Loibl wurde 2010 geboren, lebt in Landsberg am Lech und besucht seit 2020 das Ignaz-Kögler-Gymnasium. Neben dem Schreiben liest und klettert sie gerne und spielt Gitarre.

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Der Osterhase ist ein Hund

Der Osterhase ist eine Prominenz,

doch in diesem schönen Frühjahr

macht er recht wild einen flegeligen Lenz,

einen Ostereier-Fauxpas!

Da verschenkt er doch alle Ostereier,

als der Ostersonntag schon naht,

auf ’ner häsischen Familienfeier

ganz ungeniert, sorglos und smart.

Ist dieser Hase noch zu akzeptieren?

Im Garten suchen die Kinder,

während die Hasen Schokolade probieren,

aber keines wird zum Finder.

Plötzlich meldet sich ein ganz großes Talent,

ein Suchhund mit ’ner Spürnase,

sicher man so ein tolles Tier bereits kennt

und entlarvt den Osterhasen.

Die Ostereier werden freigegeben,

der Osterhase wird beschimpft.

Der Suchhund jetzt auf Osterhasenwegen

hüpft, wenn auch mancher die Nas’ rümpft.“.

Maren Rehder schloss ein Studium der Fächer Kunst, Kunstgeschichte, Evangelische Theologie, Pädagogik und Soziologie ab. Schon als Kind wurde sie wegen ihrer Ideen besonders geschätzt – mit dem Schreiben begann sie erst im Erwachsenenalter. Neben Kurzgeschichten und anderen Texten widmet sie sich der Lyrik.

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Ostern 2021

Voriges Jahr war alles anders,

statt Eier suchte man offene Baumärkte.

Lockdown im ganzen Land,

in dem nicht einmal Schule stattfand.

Auch in KiTas war zu lesen:

„Notbetreuung für Schlüsselberufe“

Homeoffice hieß es für alle anderen,

mit Kindern, die dazwischen renn’.

Und dieses Jahr, was wird da?

Andreas Rucks: 1979 in Stollberg/Erzgebirge geboren, stellvertretender Leiter einer Kindereinrichtung in Aue-Bad Schlema. 2005 veröffentlichte er sein erstes Buch „Träume und Realität – poetische Texte“. Seitdem sind zahlreiche Texte in Anthologien veröffentlicht worden. Herausgeber des Kochbuches „Essen im Schulprojekt- mit vollem Bauch lernt es sich besser“ (2009). Wohnhaft ist er in Schwarzenberg OT Bermsgrün bei seiner Familie (2 Söhne). 2015 Herausgeber des Buches „Die Straßennamen der Stadt Aue – einer Stadt mit vielen Bezeichnungen“. 2020 wurde „Menschen für Texte begeistern – Schreiben macht Spaß“ veröffentlicht.

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Kommissar Pfote

Ungefähr eine Woche vor Ostern geschah das Unglaubliche. Und das kam so:

In einer warmen Frühlingsnacht schlich plötzlich ein Schatten durch den Garten der Familie Osterhase. Durch ein offenes Fenster drang er ins Haus ein. Er ging geradewegs aufs Schlafzimmer des Osterhasen zu. Vorsichtig packte er den schlafenden Hasen, knebelte ihn und steckte ihn in seinen Sack. Dann rannte er leise zurück in seine Höhle.

Als der Osterhase erwachte, steckte er in einem Eisenkäfig. „He!“, rief er. „Lass mich sofort hier heraus, ich muss nach Hause, Ostereier bemalen!“

„Das wirst du schön bleiben lassen“, sagte der Dieb, der Fuchs vom Steinbruch. „Als ich Kind war, hast du mir einmal keine Ostereier gebracht und das nur, weil ich ein Huhn von dir gestohlen und gebraten habe! Deshalb will ich mich jetzt an dir rächen. Dieses Jahr wird kein einziges Kind Ostereier bekommen!“

„Aber das geht doch nicht. Die lieben Kinder sind doch alle brav, sie haben ein Recht auf Ostereier!“

„Nein!“, rief der Fuchs, drehte sich um und verließ den Bau.

Inzwischen blieb das Verschwinden des Osterhasen nicht unbemerkt. Seine Frau hatte es als Erste bemerkt, als sie ihm das Frühstück ans Bett bringen wollte. Sofort rief sie Kommissar Pfote, den einzigen Polizisten im Osterhasendorf, an.

Dieser beruhigte sie: „Ich werde den Osterhasen schon finden.“ Er machte sich gleich auf den Weg und entdeckte im Garten Spuren des Einbrechers, die aber leider auf der Straße nicht mehr zu sehen waren. Auf einem Feldweg, der in den Wald führte, entdeckte er noch weitere Spuren. Sie führten in die Höhle am Steinbruch. Doch als Kommissar Pfote sich heranschleichen wollte, um die Gegend auszukundschaften, stürzte er in eine Falle.

Der Fuchs kam aus seiner Höhle und lachte hämisch: „Hähähä! Da wollte wohl ein kleiner Polizist unseren Osterhasen befreien! Nein. Du bleibst schön bei mir. Genau wie der Osterhase.“ Mit diesen Worten band er dem armen Kommissar mit einem Seil die Pfoten und steckte ihn zum Osterhasen in den Käfig.

Familie Osterhase war beunruhigt, als sie bis abends immer noch nichts vom Osterhasen gehört hatte und der Kommissar auch nicht zurückgekommen war.

„Es wird ihm doch wohl nichts passiert sein?“, meinte Frau Osterhase besorgt. „Ich glaube, wir sollten uns selbst auf den Weg machen, die beiden zu suchen!“

Die Osterhasenmama, der kleine Tim und seine große Schwester Paula liefen los. Auch sie fanden die Spuren im Garten und kamen bis zur Höhle.

„Psst!“, flüsterte Paula. „Hier ist schon jemand in eine Falle vor der Tür getreten.“

„Das war wahrscheinlich der Kommissar“, erwiderte Frau Osterhase leise.

Sie warteten, bis es dunkel wurde.

„Tim, du guckst durchs Fenster, ob die Luft rein ist, dann schleichen wir hinein und befreien die beiden. Alles klar?“

„Ja!“, kam es leise zurück.

„Los geht’s“, flüsterte der kleine Hase, dann schlichen sich alle durch einen Hintereingang in den Fuchsbau. Es war schon dunkle Nacht und der Dieb war bereits in seiner Kammer verschwunden. Die Hasen tappten durch die Finsternis, bis sie einen Käfig entdeckten.

„Wer ist da?“, wisperte eine Stimme. Das war der Osterhase.

„Wir sind es“, flüsterte seine Frau. „Wir kommen, um euch zu befreien!“

Paula entdeckte an einem Haken an der Tür den Schlüssel zum Käfig. Schnell befreite sie die beiden Gefangenen aus ihrer misslichen Lage. Leise und auf Zehenspitzen liefen sie zum Haus der Familie Osterhase zurück.

„Jetzt können wir dieses Jahr doch noch Ostern feiern!“, rief der Osterhase und Kommissar Pfote nickte eifrig.

Am nächsten Tag kam der Fuchs, der seinen Fehler eingesehen hatte, reumütig angeschlichen. Er entschuldigte sich und bat seine Hilfe an, die der Osterhase gerne annahm. Dank dem Fuchs wurden die Eier dieses Ostern noch schöner als all die letzten Jahre zuvor, denn er war künstlerisch sehr begabt.

Emma Gänzler, 9 Jahre, Gestratz/Brugg, Deutschland

*

Der Osterhase

Der Osterhase hat gar Bange

und stellt sich selbst die eine Frage,

wo nur, wo nur sind alle meine Eier hin?

Es ist verzwickt und macht kein’ Sinn,

die Kinder ja sie warten doch

und so verschwindet er ins Loch.

Er grübelt, grübelt und überlegt,

wo hab ich sie nur hingelegt?

Er ist gar ratlos und erregt,

das Osterfest, es muss bestehen.

Und plötzlich fällt es ihn doch ein,

die hab ich doch, schon längst verteilt.

Die habe ich ja schon längst versteckt,

Oh weh, die hab ich selber nicht entdeckt.

Andrea Voigt: Geb. 23.05.1980, ledig, lebt in Berlin. Sie hat bereits mehrere Gedichte veröffentlicht und 2018 die Urkunde von der Hessische Ministerin Priska Hinz für den Kreativwettbewerb „So wollen wir Leben!“ erhalten.

*

Eine nächtliche Überraschung

„Ada, mir ist kalt.“

Ada runzelte die Stirn und machte im Kopf einen Strich. Zehn. Zehnmal dieser Satz. Sie hatte sich gesagt, dass sie beim zehnten Mal etwas sagen würde – etwas anderes als: „Mir auch.“ Oh, sie hatte sich sogar ausgemalt, was sie sagen würde. Etwas über Gerechtigkeit und Arbeitsbedingungen. Etwas über Männer und Privilegien. Etwas über – na ja. Es war kalt. Und es war rutschig. Scheiß Schnee.

„Mir auch“, sagte sie.

„Wie viele Häuser haben wir noch?“ Karl war schon drei Jahre ihr Partner für diese ganz besonderen Missionen, aber es hatte immer noch nicht gereicht, die Liste richtig zu lesen. Ada hätte große Lust, Beschwerde einzureichen, aber das war auch ein Risiko. Lieber die Karotte in der Pfote als den Adler auf dem Bau ... oder so.

„Achtzehn, Karl. Achtzehn ganze Häuser, über alle drei Viertel verteilt. Wir müssen uns etwas beeilen, es wird nicht ewig dunkel bleiben.“

Das mit der Sonne war tatsächlich die größte Gefahr. Seit der großen Krisenkonferenz vor vier Jahren hatte Gaia zwar versprochen, den Sonnenaufgang zumindest am Ostersonntag etwas zu verschieben, aber wirklich merkbar war das nicht. Sie hätte doch der Gewerkschaft beitreten sollen, und wenn es sie noch zwei Nüsse mehr gekostet hätte.

Ada blickte auf den Zettel. Familie Meier war als Nächstes dran. Immerhin das war gut. Sie hatten diese Nacht schon sieben oder acht Meiers abgelaufen. Alle das gleiche, zweistöckige Einfamilienhaus mit dem Garten hinten dran. Zwei Autos davor. Die Tür war natürlich gut gesichert, da war kein Durchkommen. Es gab aber immer ein Fenster, was gekippt war. Oft war es das zum Keller. Ihre unerkannte Einstiegsmöglichkeit.

Und auch beim Haus dieser Familie Meier sah Ada das verräterische Kellerfenster.

Von Adas rechter Seite her kam wieder dieses Geräusch, der untrügliche Vorbote für Nummer 11: eine schwer zu beschreibende Mischung aus Stöhnen und Schnaufen. Gott, jetzt würde sie wirklich etwas sagen, sie würde ...

„Julia! Komm schnell her, da draußen ist der Osterhase!“ Die quäkende Stimme schien von oben zu kommen. Ada spitzte blitzschnell ihre langen Löffelohren, wie immer, wenn sie im Dunkeln etwas erkennen wollte. Natürlich ein sinnloser Reflex, der die Stimme nur noch schriller machte. Aus einem Zimmer im zweiten Stock des Hauses schimmerte Licht, das hatte sie immerhin schon gesehen.

„Julia, beeil dich!“

„Was schreist du so herum, Tom? Es ist mitten in der Nacht.“ Das musste Julia gewesen sein. Ebenfalls noch ein Kind.

Ada erkannte endlich die Gefahr. Von Erwachsenen gesehen zu werden, war kein großes Drama. Erwachsene glaubten eher an einen besonders lebendigen Traum oder daran, dass sie versehentlich Drogen genommen hatten, als dass gleich zwei Osterhasen mit hundert Eiern im Gepäck vor ihrer Haustür standen. Das hier aber waren Kinder. Kinder waren etwas anderes. Warum sonst sollten sie nachts kommen?

Sie zog Karl – der wie eigentlich immer nichtsnutzig herumstand – am rechten Ohr. Im Garten standen Gebüsche. Da mussten sie rein, und zwar schnell. Ada hoppelte los und Karl folgte ihr, mehr verwirrt als alarmiert. Sie waren keine Sekunde zu früh, denn gerade in dem Moment, als sie sich hinter den Gebüschen in den Schnee warfen, trat neben die kleine, menschliche Figur im erleuchteten Zimmer eine etwas größere.

„Tom, du nervst. Ich sehe gar nichts und mir ist kalt.“

„Doch, da war der Osterhase! Ich hab ihn genau gesehen. Vielleicht waren es auch zwei. Die sind da zum Gebüsch gehüpft.“ Die kleine Figur, wohl Tom, zeigte auf ihr Versteck.

„Man, du bist manchmal so ein nerviger Bruder. Den Osterhasen gibt es doch gar nicht. Das ist Papa, der versteckt immer die Eier.“

„Das stimmt nicht!“, rief der Junge. „Ich beweise es dir!“

Ada sah, wie er einen langen Stab hervorholte und auf sie richtete. Dann wurde sie geblendet. Der verdammte Junge hatte eine Taschenlampe. Sie hörte, wie Karl und Julia gleichzeitig aufschrien. „Da sind ja tatsächlich zwei Hasen!“, rief Julia. „Und was haben die denn an? Ich dachte, Hasen tragen Fell.“

„Natürlich tragen wir Fell, Mädchen. Aber wenn du die ganze Nacht bei der Kälte Eier austragen sollst, ziehst du auch einen Mantel über“, dachte Ada. Sie mussten hier weg, denn die beiden neugierigen Kinder machten sich auf, zu ihnen nach draußen zu kommen. Und von Karl war keine Hilfe zu erwarten. Er blickte sie einfach nur mit großen, hilflosen Augen an.

Dann hörte sie die Tür vorne aufgehen. Sie hatten zu lange gewartet. Hinter ihnen war der Garten, umgeben von einer dichten, gefrorenen Hecke. Kein Durchkommen. Vor ihnen hörte sie die Kinder um die Ecke des Hauses laufen, ihnen den Fluchtweg abschneidend. Sie waren gefangen.

Angst kroch Adas frierenden Körper hoch. Sie hatte gehört, was mit Hasen geschah, die von den Menschen gefangen wurden. Sie hatte von Käfigen gehört und vergammelten Salatblättern – und natürlich vom Braten. Sie hatte das alles als Nonsens abgetan, aber jetzt, in der eiskalten Nacht, kamen ihr die Gedanken nur zu realistisch vor. Warum hatte sie sich hierfür gemeldet? So gut waren die Zulagen weiß Gott nicht und sie hätte auch nach Italien gekonnt, um nach Füchsen Ausschau zu halten. Gott, warum war sie jetzt nicht in Italien, wo es zwanzig Grad wärmer war?

Da tat Karl etwas Kluges, wahrscheinlich das einzige Mal in den letzten drei Jahren, und natürlich war es ein Versehen. Er zitterte so sehr, dass eines der Eier aus seinem Korb auf ihren Fuß fiel. Es tat weh, als es sie erwischte.

Es tat weh!

Sofort griff Ada in ihren Beutel und nahm eines der Eier. Sie zielte auf die beiden Kinder, die keine zehn Schritte mehr entfernt zu ihnen pirschten. Sie warf – und traf. Das Mädchen heulte auf und hielt sich den Kopf.

„Los Karl! Wirf so hart du kannst! Wir müssen sie verscheuchen.“ Sie hatte mit Widerworten gerechnet, aber Karl griff schon in seinen Beutel und feuerte los. Ei um Ei schossen sie in die Richtung der Kinder, die um die Wette zu kreischen schienen. Gerade als Ada dachte, sie würden sich tatsächlich zurückziehen, begannen die Kinder, sie mit dicken Schneebällen zu bewerfen. Und verdammt – für Kinder zielten sie gut. Schnee zu Ostern. Gott, wie sie das alles hasste. Einige Minuten tobte die seltsame Schlacht, dann realisierte Ada, dass sie keine Eier mehr hatten. Die Kinder näherten sich langsam ihrem ausweglosen Versteck. Sie würden als Braten enden, das war ihr Ende. Gerade als sie zu weinen begann, hörte sie, wie sich die Gartentür öffnete. Ein offensichtlich wütender Mann stürmte heraus.

„Was zur Hölle macht ihr beiden bitte hier draußen? Es ist mitten in der Nacht!“

Die Kinder erstarrten. „Papa, wir haben zwei Osterhasen gefangen. Aber sie bewerfen uns mit Eiern. Hilf uns!“

Der Vater aber war ein Erwachsener. Oh, Ada würde ein Leben lang dankbar sein, dass er ein Erwachsener war. Anstatt hinter ihrem Gebüsch zu gucken, stapfte er auf die Kinder los und zog sie hinter sich her in Richtung der Gartentür. Dabei sah er die Eier auf dem Boden und ihre dreckige Kleidung. Er schimpfte mit ihnen, wie Ada noch nie einen Menschen hatte schimpfen hören. Wie sie nur auf die Idee gekommen seien, nachts mit Eiern herumzuwerfen.

Ja, was für eine blöde Idee.

„Aber Papa“, sagte da noch der Junge, als sie schon an der Tür angekommen waren. „Was ist denn jetzt mit den Osterhasen?“

Der Vater antwortete, während er die Tür ins Schloss fallen ließ: „Bei eurem Verhalten kommt der Osterhase garantiert nicht mehr dieses Jahr!“

Und verdammt, wie recht er damit hatte.

Stefan Süshardt

*

Oh weih, ein Ei!

Oh weih, ein Ei!“

„Das gibt’s doch nicht!“

„Das gibt’s ja wohl, wenn ich es dir doch sag’!“

Hase und Huhn starrten auf das kleine Ding,

das sich gar nicht regte.

Nicht rund, nicht eckig, vom Hühnerschiss noch etwas fleckig.

So lag es da, das kleine Wunder.

„Und da ist noch jemand drin?“, fragt der Hase staunend.

„Dürfte ziemlich klein sein, der Geselle.“

„Klein, süß und meins“, gurrte das Huhn stolz mit Blick auf die Pelle.

Der Hase kriegte große Augen, es zuckte eins der langen Ohren.

„Huhn, es ist doch Ostern!“

Er griff danach ganz unverfroren und schob es in sein weiches Fell.

Das Huhn, perplex, gackerte erstürmend auf,

doch der Hase bremste es in seinem Lauf.

„Wir wollen es woanders hüten, dein allererstes Ei“, meint er

mit sanftem Blick

„Damit ihm nichts geschieht am Osterfest.“

Und so bauten die beiden sich ein neues Nest.

Osterhas’ und Osterhuhn mit neuem Leben,

so etwas sollt’s jedes Ostern geben!

Alexandra B. Schopnie lebt mit ihrem Partner in Schleswig-Holstein. Mit einem Studium der Pädaogik und Soziologie ist sie von Natur aus neugierig auf den Menschen, Geschichten und das Leben.

*

Zu faul, um ein Osterhase zu sein!

In den Tagen vor Ostern ging es immer hoch her in der Hasenwerkstatt. Schließlich mussten für die Kinder jede Menge Ostereier bemalt werden. Alle Hasen hatten Spaß dabei und bepinselten eifrig Ei für Ei. Nur einer, Berti, hatte gar keine Lust dazu. Er fand Ostereier bemalen einfach doof.

Noch bevor die Sonne aufging, klingelte der Wecker im Schlafsaal. Alle Hasen sprangen fröhlich aus dem Bett. Berti dagegen zog sich widerwillig die Bettdecke über den Kopf.

„Los, Berti, komm aus den Federn. Wir haben noch viel zu tun bis Ostern“, riefen seine Kameraden.

„Lasst mich in Ruhe, ich bin müde“, murrte Berti.

„Na komm, es gibt noch viel Arbeit für Osterhasen.“

„Ihr sollt mich in Ruhe lassen!“, gab Berti ärgerlich zurück. „Ich will sowieso kein Osterhase sein.“

„Es ist eine Ehre, ein Osterhase zu sein. Aber stimmt, ist nichts für faule Hasen“, schimpften die Hasen wütend und ließen ihn allein.

„Endlich Ruhe“, dachte Berti und schlief weiter.

Erst als die Sonne in den Schlafsaal schien, kroch Berti aus dem Bett. Er packte seinen Rucksack voll mit Essen und suchte sich ein schönes Plätzchen. Auf dem Hügel, bei der großen Eiche, legte er sich in die Sonne.

„Bei einem so schönen Wetter soll ich in der Werkstatt schuften“, dachte Berti, „da pfeif ich auf die Ehre, ein Osterhase zu sein.“ So faulenzte Berti den ganzen Tag, schlief in der Nacht unterm Sternenhimmel und faulenzte am nächsten Tag weiter.

Erst am späten Nachmittag schlenderte er zum Haus. Der Hunger trieb ihn heim, denn sein Rucksack war leer gegessen. Als er an der Werkstatt vorbeikam, stutzte er. Um diese Zeit war es ungewohnt still. Waren sie etwa schon fertig? Vorsichtig kletterte Berti auf die Bank und lugte durch das Werkstattfenster. Tatsächlich, niemand war da. Doch es standen noch so viele Kisten mit weißen Eiern herum. Berti kratzte sich am Ohr. Hier stimmte etwas nicht. Er lief weiter zum Haus. Kaum hatte er die Tür geöffnet, hörte er schon lautes Husten und Schniefen.

Seine Tante Hilde kam gerade mit einer großen Teekanne aus dem Schlafsaal. „Ah Berti, schön, dass du dich auch einmal blicken lässt? WIR haben hier eine Katastrophe und DU liegst irgendwo faul herum“, schimpfte sie empört.

„Katastrophe? Welche Katastrophe?“, wollte Berti wissen.

„Hörst du es denn nicht? Deine Kameraden sind alle krank und übermorgen ist Ostern. DAS ist die Katastrophe“, jammerte Tante Hilde.

Berti kratzte sich am Ohr, zuckte mit den Schultern und meinte: „Na ja, Katastrophe? Dann gibt es halt dieses Jahr mal keine bunten Ostereier.“

Tante Hilde war entsetzt: „Keine Ostereier! Ostern ohne Ostereier. Berti, du solltest dich schämen. Denk einmal an die traurigen Kinder, wenn keine bunten Ostereier im Nest sind. Du taugst wirklich nicht zum Osterhasen.“

So wütend hatte er seine Tante Hilde noch nie gesehen. „Ich will ja auch gar kein Osterhase sein“, erwiderte Berti beleidigt.

„Das sieht dir ähnlich! Was bist du nur für ein fauler, nichtsnutziger Hase?“, schimpfte seine Tante weiter, als sie zur Küche ging.

Betroffen schlich Berti in den Schlafsaal und legte sich unbemerkt ins Bett. Seine kranken Kameraden lagen dick eingemummt in Wolldecken und mit fiebrig roten Köpfen in ihren Betten. Obwohl er sowieso kein Osterhase sein wollte, ärgerte es Berti doch, was Tante Hilde zu ihm gesagt hatte.

In der Nacht war er plötzlich von weinenden Kindern umringt. Sie hielten ihm anklagend ihre leeren Osternester entgegen. Ein kleines Mädchen stellte sich vor Berti und schaute ihn besonders traurig an: „Heute ist Ostern! Du bist doch ein Osterhase. Warum hast du uns keine Ostereier gebracht?“

Berti wusste nicht, was er sagen sollte. Er wollte nicht zugeben, dass er lieber faul in der Sonne lag, als Ostereier zu bemalen. Das Weinen der Kinder wurde immer lauter: „Warum? Warum?“, schrien sie. Berti hielt sich die Ohren zu. Er wollte nur noch weglaufen, doch er konnte nicht. Seine Beine waren wie festgewachsen.

Erschrocken wachte Berti auf und schaute sich im Schlafsaal um. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. „Dem Himmel sei Dank, es war nur ein Traum“, stellte Berti erleichtert fest. Er legte sich wieder hin, doch er konnte nicht mehr einschlafen. Kaum schloss er seine Augen, sah er das Mädchen vor sich mit ihrem leeren Osternest. Ihr Blick war der traurigste Blick, den Berti je gesehen hatte. Das konnte er nicht ertragen. Berti wälzte sich hin und her. Schließlich stand er auf und schlich leise aus dem Schlafsaal.

Am nächsten Morgen ging es allen Hasen schon viel besser. Die Hausmedizin von Tante Hilde hatte wahre Wunder vollbracht. Noch etwas schwach auf ihren Beinen machten sich die Hasen auf zur Werkstatt. Als sie die Tür öffneten, blieben sie wie angewurzelt stehen. Die Hasen dachten, sie träumen. In der Ecke reihten sich, ordentlich aufgestapelt, Kisten mit vielen bunten Ostereiern. Nur noch zwei Schachteln mit weißen Eiern warteten darauf, bemalt zu werden. Zu ihrer Überraschung lag Berti auf dem Werkstatttisch und schlief. Er war von oben bis unten mit bunter Farbe bespritzt.

„Berti? Das kann doch nicht wahr sein. Hat etwa unser fauler Berti Ostereier bemalt?“, riefen die Hasen.

Berti blinzelte verschlafen auf seine Kameraden. „Ihr seid ja wieder gesund“, freute er sich.

„Ja, Tante Hildes Hausmedizin schmeckt zwar scheußlich, wirkt aber Wunder“, antworteten die Hasen. „Aber sag mal, warst du das? Wie hast du das bloß geschafft?“

Berti hopste vom Tisch und grinste stolz: „Ja, das war ich! Ich habe eine neue Maltechnik erfunden. Damit sind die Eier ruck zuck farbig und es macht viel mehr Spaß. Ich zeige es euch.“ Berti legte eine Reihe weiße Eier nebeneinander auf den Tisch. Dann nahm er den Pinsel, tauchte ihn in blaue Farbe, holte aus und spritzte mit Schwung die Farbe über die Eier. Genauso machte er es mit roter und gelber Farbe. So wurden aus den weißen Eiern im Nu bunt gesprenkelte Ostereier.

Die Hasen jubelten: „Das ist genial! Berti, du bist ja ein Genie. Wir müssen nur noch die letzten Eier bemalen und dann können wir die Ostereier verteilen. Das schaffen wir locker bis morgen.“

Plötzlich stand Tante Hilde in der Werkstatt und fragte staunend: „Was ist denn hier passiert?“

„Du wirst es nicht glauben, Tante Hilde, das alles hat unser fauler Berti gemacht. Er hat Ostern gerettet“, lobten die Hasen. Berti kratzte sich verlegen am Ohr. Sein Gesicht war ganz rot angelaufen.

Tante Hilde freute sich: „Na, da schau her. Nun ist aus unseren faulen Berti doch noch ein Osterhase geworden.“

Michaela Kapsalis, Garching/Alz, schreibt gerne Kurzgeschichten und Lyrik. Sie hat bereits in verschiedenen Anthologien veröffentlicht.

*

Ein Ostermorgen

Ich kleines blaues Glockenblümchen stehe hier vor einem Haus.

Eines Morgens, früh im Frühling, kommen viele Kinder raus.

Denn vor Kurzem hat ein Hase bunte Eier hier versteckt.

Ein kleiner kecker Hase

mit langem Ohr und zuckender Nase.

Tage zuvor hat er sich ins Zeug gelegt.

Eier bunt bemalt, mit Herzen und Sternchen,

und danach den Boden gefegt.

Davor war er bei den Hühnern im Stall.

Dort hat er die Eier her.

Denn die Hühner freuen sich über seinen Besuch immer sehr.

Nun seh’ ich, kleines Glockenblümchen,

Häschens Werk voll Freude zu.

Denn die Kinder finden vor dem Finden keine Ruh.

Zora, 14 Jahre aus Tübingen, Deutschland.

*

Die Versammlung der Osterhasen

A

Heute.

Nicht irgendwo, sondern in unserer Nähe! Das gibt es! Kein Zweifel! Wir Menschen wissen ja alle gar nicht so richtig, was es auf der Welt gibt. Vieles bekommen wir eh nicht mit, weil die Wahrnehmungsfähigkeit eines Menschen eingeschränkt ist. Auf die Intelligenz eines Menschen sollte man sich auch nichts einbilden.

Jeder Einzelne lebt innerhalb von Grenzen, die selten oder gar nicht überschritten werden können. Er huldigt gern der Vorstellung von seiner Freiheit, aber oft bleibt es nur eine Vorstellung!

B

Vorabend des Karfreitag. Ostern stand vor der Tür! Das war die ureigenste Zeit für die Osterhasen in Deutschland. Sie versammelten sich alle hier, vor Ort!

„Nichts ist unmöglich, es kommt auch immer wieder dazu!“, riefen einige von ihnen. Sie hatten Schlappohren und hoppelten über das niedrige Gras, was vor Tagen noch gemäht worden war. Dies hier war ein öffentliches Gelände – bestens geeignet für Versammlungen. Beauftragte Menschen, normale Bürger, waren für die Pflege des Geländes zuständig. Sie waren zuverlässig. Ihnen konnten die Osterhasen jederzeit vertrauen – dafür wurden diese Bürger allerdings auch gut bezahlt. Eine begehrte Berufstätigkeit … in der Welt der Menschen zählte das Geld noch am meisten.

Darauf hatten sich die Osterhasen eingestellt. Eben dies war für sie am wichtigsten: sich auf die Menschen, ihre Bedeutung für die Welt, ständig neu einzustellen. Das geschah für die Augen und Ohren der meisten Menschen jedoch unauffällig – fast unsichtbar. Wenn es gesehen und gehört wurde, so wurde es nicht erkannt, zumindest falsch interpretiert. Die Menschen waren begrenzt!

C

Heute Abend hatten sich alle Osterhasen auf diesem wunderschön weitläufigen Wiesenplateau versammelt. Das Wetter war regnerisch. Es war aber nicht besonders kühl. Man würde sich wohlfühlen können. An zwei Imbissständen, die am Rande des Plateaus standen, konnte sich stärken, wer es wollte. Die Häuser der Bürger waren eher weit entfernt. Man sah hier nur ganz selten einmal einen Bürger spazieren. Der Coronavirus, das große Menschheitsproblem seit dem letzten Jahr, war allerdings nicht mehr ganz so präsent unter den Menschen.

Die Bürger hatten sich vom Plateau und den unmittelbar angrenzenden Flächen ringsherum schon vor Jahren verabschiedet, sodass sich die Osterhasen an den Osterfeiertagen frei fühlten, um zu tun, was unbedingt zu tun war. Sie trugen viel Verantwortung. Sie waren des Denkens fähig – und ihr Handeln war ohne innere Hemmungen. Denn sie wussten ja genau, warum sie hier waren und wo die erreichbaren Ziele lagen! Um es einmal abstrakt zu formulieren.

In der Tat, es ging um die Eier. Immer ging es um sie – für die Menschen in rauen Mengen. Die Eier hatte jeder der versammelten Osterhasen dabei. Die Körbe waren voll mit Eiern jeder Couleur. Viele waren gar kunstvoll bemalt worden. Einige trugen bunte Aufkleber mit Symbolen und Logos. Es war schön anzusehen. Die Osterhasen waren auf diese Eier sehr stolz, unterhielten sich angeregt über das Thema Verteilung und Verstecken der Ostereier im Rahmen der Osterfeiertage in Deutschland und Europa!. Jeder dieser besonderen Tiere, da allein für diese Feiertage ausgebildet und berufen, wusste viel zu diesem Thema, hatte alles dazu völlig verinnerlicht und sprach stets aus vollster Überzeugung. Es herrschte freie Meinungsäußerung.

Menschen waren Menschen. Osterhasen waren Osterhasen. Jede Art war für sich selbst interessant und wichtig, es gab zwischen ihnen aber offensichtliche Unterschiede.

Menschen bauten Häuser, arbeiteten meistens, hatten Familien und all das. Sie begründeten Staaten und Gesellschaftsordnungen. Die Osterhasen-Deutschgemeinde, wie sie sich nannte, war extrem eigen. Wenn sich die Osterhasen einmal im Kalenderjahr trafen, zielten ihre Gespräche nie auf die Lebensbedingungen zuhause ab, nein, es ging um die Eier!

Es war bemerkenswert: Jeder der anwesenden Osterhasen hatte auch dieses Jahr seine eigenen Ostereier für die Versteckaktionen in den Waldgebieten, auf den Privatgeländen und in den Wohnungen der Bürger mitgebracht. Sie sollten dieses Jahr eher unbefangen die Ostereier suchen, ihre … wichtigen, bunten, tollen!

Aus vollem Herzen riefen nun viele von den Versammelten: „Hurra, die Osterhasen sind da!“ Und alle applaudierten. Jetzt war auch für dieses Jahr der Anfang gemacht!

D

Menschen können den Osterhasen eigentlich nicht gut helfen.

Aber brauchen sie überhaupt von irgendwem Hilfe?

Die Lebens-Aufgabenstellung, die sie haben, ist unzweifelhaft klar: Ostereier verstecken, damit sie von Menschen gesucht und gefunden werden. Sobald die Osterhasen auf ihrer jährlichen Versammlung auf diese Aufgabenstellung eingestimmt worden sind, dann geht es auch schon los. Sie sind voller Vorfreude – schwärmen in alle Himmelsrichtungen aus. Die Begeisterung ist groß! In ihren Gesichtern steht sie geschrieben.

Zu dieser Lebens-Aufgabenstellung: Alle bekannten und pflichtbewussten Osterhasen sind bestrebt, jeder für sich in einer großen Eigenverantwortung, die Ostereier so gut zu verstecken, dass sie die Menschen, insbesondere die Kinder in den Familien, finden können, jedoch nicht finden müssen! Das ist tatsächlich nicht so ganz einfach. Manch Kind hat damit so seine Probleme. Es ist dafür meist viel Ausdauer erforderlich. Für die Kinder ist die Suche nach den Ostereiern immer wieder eine Herausforderung, wenn auch eine freudvolle Herausforderung.

Also die Osterhasen schwärmen aus, verstecken ihre Eier, und dann können sie zügig zum nächsten Haus weiterziehen. Erstaunlich ist, dass dies von den Menschen kaum beachtet wird – es geschieht im Zwischenraum von Aufmerksamkeit und Nicht-Aufmerksamkeit. Wie sonst könnte das Verstecken der Ostereier möglich sein?

Würden die Menschen die wahrhaft aktiven Osterhasen nicht einfach … nun ja: fangen und einsperren!? Das wäre zumindest zu befürchten. Sie schlachten und verspeisen gerne Tiere.

Deshalb hat einer, den wir von da oben kennen, dafür Sorge getragen, dass die Osterhasen sind wie sie sind. Wir nennen ihn Gott, aber nur ein Teil der Menschheit anerkennt ihn als Wesen, welches über allen Menschen und Tieren ist – und auf sie gestaltend Einfluss nehmen kann, wenn er es will.

Das alles hat Tradition in vielen Gesellschaften auf der Erde. Die Familien nehmen sie, besonders in Europa, sehr ernst. Dieser festen, schönen Tradition wird seit vielen Jahrzehnten gefolgt. Auch und gerade die Deutschen reichen sie von Generation zu Generation weiter, als gäbe es im Frühling eines jeden Jahres gar nichts Wichtigeres und Schöneres als so ein Ostereier-Suchen. Und diese Feiertage, an denen arbeitsfrei ist! Welcher Bürger hat nicht gerne auch mal frei? Die Stimmung ist dann irgendwo zwischen feierlich und fröhlich.

Die Osterhasen brauchen von niemandem Hilfe, außer von dem, der sie geschaffen hat …

Alle freuen sich auf das Osterfest!

Kay Ganahl: Jahrgang 1963 mit dem Lebensmittelpunkt Solingen/NRW, von Beruf Diplom-Sozialwissenschaftler und Schriftsteller, begann in jungen Jahren, sich mit Literatur, Politik und Philosophie auseinanderzusetzen, so dass es selbstverständlich war, diese Interessen mit dem Studium der Sozialwissenschaften an den Universitäten-Gesamthochschulen Wuppertal und Duisburg weiter zu verfolgen. Dort studierte er in der Studienrichtung Politische Wissenschaft schwerpunktmäßig politische Theorie und Philosophie, Ideengeschichte sowie Sozialphilosophie (Nebenfächer Soziale Arbeit/Erziehung und Psychologie).

*

Zwei Osterhasen

Was ist das denn für ein Hase,

der da spricht solch’ ein Gefasel?!

Eier hat er keine an Bord,

hält dafür einen Sprechrekord.

Quatscht mit seinen langen Ohren,

obwohl der Has’ hat geschworen,

dass er Ostereier versteckt,

bis Suchende sie hab’n entdeckt.

Nun ist es anders gekommen,

der Has’ selbst hat sie genommen,

einige auch privat verschenkt,

was sich dieser Hase wohl denkt?!

Jetzt hoppelt er mit leerem Korb,

entschuldigt sich an jedem Ort.

Doch ein Kakaoproduzent

auf die Schnelle noch jemand’ kennt.

Ein andrer Has’, das ist der Clou,

springt ein als Osterhas’ im Nu,

besitzt ein Schokoeidepot,

und macht daraus jetzt alle froh.

Nun gibt es Ostern doch noch ’was,

jene, die woll’n, finden’s im Gras,

oder es liegt an einem Baum,

hängt vor dem Haus am Gartenzaun.

So fortan zwei Osterhasen

die Ostereier austragen.

Auch wenn der eine mal nicht kann,

vertritt der andre ihn sodann.

Aber eines ist sonnenklar,

das war kein gutes Eierjahr!

Nur weil der eine half geschwind,

freuen die Leut’ sich wie ein Kind.

Maren Rehder schloss ein Studium der Fächer Kunst, Kunstgeschichte, Evangelische Theologie, Pädagogik und Soziologie ab. Schon als Kind wurde sie wegen ihrer Ideen besonders geschätzt – mit dem Schreiben begann sie erst im Erwachsenenalter. Neben Kurzgeschichten und anderen Texten widmet sie sich der Lyrik, speziell der Naturpoetik. Im Rahmen naturkundlicher Lehrwanderungen trägt sie eigene Gedichte im Alten Botanischen Garten Kiel vor.

*

Wie groß ist unsere Welt?

„Papi?“, fragte Sammy, nachdem die Hasenmutter eine Schüssel mit saftig grünen Salatblättern auf den Tisch gestellt hatte. „Wie groß ist eigentlich unsere Welt?“

Der Hasenvater verschluckte sich an einem Salatblatt und hustete, bis ihm die Tränen aus den Augen liefen. Er trank einen Becher Wasser, atmete mehrmals tief durch und räusperte sich. „Wie kommst du denn auf diese Frage?“

„Wir hatten gestern Erdkunde in der Schule“, antwortete Sammy, „und unser Lehrer Alfons meinte, dass die Welt riesengroß sei. Stimmt das?“

„Na ja“, antwortete der Hasenvater und rieb sich die Nase, was er immer tat, wenn er nicht genau wusste, was er sagen sollte. „Die Wiese gehört dazu, der ganze Wald und dahinter geht die Welt noch ein Stückchen weiter.“

„Das ist alles?“

„Dein Vater wollte sagen, dass er nicht genau weiß, wie groß die Welt ist“, mischte sich die Hasenmutter ein. „Hasen haben ein bestimmtes Revier und leben dort. Viel mehr bekommen sie von der Welt nicht zu sehen.“

„Ach so“, entgegnete Sammy. „Ich möchte trotzdem die ganze Welt kennenlernen!“

„Nun ist aber Schluss mit dem Unsinn!“, rief der Hasenvater ärgerlich und schlug mit der Pfote auf den Tisch. „Du kannst mir morgen bei der Ernte helfen. Da besteht die Welt aus einem Löwenzahnfeld mit vielen jungen Blättern. Das ist eine sinnvolle Tätigkeit, die uns allen zu einem vollen Magen verhilft. Jetzt nimm die Teller und bringe sie in die Küche!“

Sammy stand auf, sammelte das Geschirr ein und stellte es ins Spülbecken.

Der Lehrer Alfons hatte auch erzählt, dass es Schneehasen gibt, die ein weißes Fell haben. Aber Sammy traute sich nicht mehr, seinen Vater danach zu fragen.

Am nächsten Morgen lief Sammy schon früh zu seinem Freund Nick, der ganz in der Nähe wohnte. „Hast du deine Eltern auch nach der weiten Welt gefragt?“

Nick schüttelte den Kopf. „Sie waren überhaupt nicht begeistert, und Vater will sogar mit dem Lehrer Alfons sprechen. Er soll die Häschen nicht auf dumme Gedanken bringen, sondern ihnen zeigen, was im Leben wirklich wichtig ist.“

„Und was ist wirklich wichtig?“

Nick zuckte mit den Schultern und beide lachten.

„Du, Nick“, sagte Sammy plötzlich. „Wie wäre es, wenn wir beide losziehen, um ein Stück von der Welt zu entdecken. Ich würde so gern einen Schneehasen treffen.“

„Meinst du das wirklich?“, fragte Nick und blickte seinen Freund überrascht an. „Ich hatte heute Nacht genau denselben Gedanken.“

„Hör zu! Heute muss ich bei der Ernte helfen, doch morgen packen wir unsere Rucksäcke und gehen los. Nur wir beide. Wie findest du das?“

„Großartig!“, rief Nick und grinste über das ganze Gesicht. „Wir suchen den Schneehasen. Aber was werden unsere Eltern sagen?“

„Wir erzählen ihnen, dass wir einen Ausflug machen“, antwortete Sammy, „das ist nicht gelogen.“

Die Sonne stieg hinter den Bäumen hervor, als sich Sammy und Nick vor dem Hasenbau trafen. Sammy kannte den Anfang der Strecke von den Spaziergängen, die sein Vater mit ihm manchmal unternahm und auf denen sie sich spannende Geschichten erzählten. Aber dieses Mal war er mit Nick unterwegs, und das war etwas ganz anderes.

Die beiden Freunde erzählten sich Witze und lachten. Ab und zu aßen sie eine Karotte, damit der Rucksack leichter wurde, und sie liefen immer weiter, bis sie den Wald erreichten. Sammy blickte zum Himmel. Dunkle Wolken hatte die Sonne verdrängt, und es begann zu regnen. Die beiden Hasen kauerten sich unter eine große Eiche. Sie hatte viele Äste und Blätter und schützte die beiden vor der Nässe. Die Abenddämmerung brach allmählich herein, aber der Regen hörte nicht auf, und so gab es für die beiden Hasen keine Möglichkeit, ein besseres Nachtquartier zu suchen.

„Im Hasenbau ist es viel wärmer“, stellte Nick fest, nachdem er vergeblich versucht hatte, die herabfallenden Wassertropfen zu zählen. „Außerdem ist es dort nicht so nass.“

„Wer redet denn so laut mitten in der Nacht?“, fragte plötzliche eine tiefe Stimme über ihnen.

Die Häschen zuckten zusammen und legten sich flach auf den Boden. Es raschelte in den Blättern der Eiche, ein Uhu kam herabgestiegen. Er setzte sich auf einen der unteren Äste und betrachtete die beiden Abenteurer neugierig.

„Zwei junge Hasen gehen im Dunkeln spazieren“, sagte er und wackelte bedächtig mit dem Kopf. „Ich an eurer Stelle würde lieber im Hasenbau schlafen. Was macht ihr eigentlich hier so spät?“

„Wir suchen den Schneehasen“, rief Nick mutig, „und wir suchen ihn so lange, bis wir ihn finden.“

Da lachte der Uhu so heftig, dass der Ast, auf dem er saß, wackelte. „Um den Schneehasen zu treffen, müsste selbst ich viele Tage und Nächte fliegen. Bis dahin ist es weit, sehr weit. Was ist denn so besonders an einem Schneehasen, dass ihr unbedingt einen sehen wollt?“

Die beiden Häschen überlegten.

„Er hat ein weißes Fell“, meinte Sammy schließlich.

„Richtig“, erwiderte der Uhu. „Er hat ein weißes Fell und ihr habt ein braunes Fell. Der Schneehase lebt in einem Land, wo es eine Menge Schnee gibt und der Winter viele Monate dauert. Das weiße Fell dient dem Schneehasen als Tarnung, damit ihn seine Feinde nicht so leicht erkennen. Das ist alles.“

„Das ist alles?“, wiederholte Sammy erstaunt und blickte Nick an.

„Ja“, antwortete der Uhu, breitete seine Flügel aus und flog in die Nacht, um Mäuse zu jagen.

Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne. Der Wind hatte die Regenwolken weggeblasen, und es schien ein richtig schöner Tag zu werden. Nick und Sammy hatten kaum geschlafen und waren nass geworden, weil der Regen während der Nacht durch die Blätter tropfte. Außerdem dachten sie über die Worte des Uhus nach.

„In einem Land, in dem es so kalt ist, möchte ich nicht leben“, sagte Nick nach einer Weile.

Sammy schüttelte den Kopf. „Ich auch nicht“. Die beiden liefen langsam weiter und schwiegen.

„Du Sammy“, begann Nick, „wir haben jetzt schon einiges von der Welt gesehen. Ich glaube, ich würde gern umkehren.“ Einen kurzen Moment fürchtete er, Sammy würde ärgerlich werden, weil er schon so früh aufgeben wollte. Doch das war nicht der Fall.

„Ich dachte gerade an die Hasenmutter und den Hasenvater“, erwiderte Sammy. „Sie werden sich Sorgen machen, und eigentlich sollte ich ihnen in den nächsten Tagen wieder bei der Ernte helfen.“

Ein Rabe saß auf einem Zaunpfahl und beobachtete die zwei. „So, so, die beiden Wanderer haben Heimweh. Wisst ihr eigentlich, dass bald die Osterzeit beginnt? In der Rabenschule habe ich gelernt, dass alle Hasen mit Begeisterung ans Werk gehen, um den Menschen auf der ganzen Welt eine Freude zu bereiten. Sollen die Osternester dieses Jahr leer bleiben? Wollt ihr den Kindern erzählen, dass ihr keine Zeit hattet?“

Die Häschen sahen sich an.

„Ich glaube, ich will jetzt sofort nach Hause!“, riefen beide gleichzeitig.

Der Rabe schlug mit den Flügeln. „Geht über die Steinbrücke da vorn, dann weiter geradeaus und am Waldesrand rechts einbiegen. Den Rest des Weges findet ihr selbst. Viel Glück!“

Die beiden Hasen sausten los. Sie hasteten über die Brücke, bis sie den Wald erreichten, bogen rechts ab, wie der Rabe es ihnen geraten hatte, und rannten so lange, bis sie am Hasenbau ankamen.

„Na, du kleiner Ausreißer“, sagte die Hasenmutter, als sie Sammy abends ins Bett brachte. „Ist die Welt so groß, wie der Lehrer Alfons behauptet?“

„Ja, Mama, die Welt ist riesengroß. Aber darauf kommt es eigentlich gar nicht an. Ich weiß jetzt, dass hier mein Platz ist. Ich möchte bei euch und meinen Freunden leben. Das ist mir viel wichtiger.“

Volker Liebelt, geboren 1966, Öhringen, Bankkaufmann, hat über 40 Geschichten in Anthologien veröffentlicht. Nach „Keiner spielt mit mir“, „Die Rosenkönigin“ und „Ein neuer Freund“ ist das die 4. Ostergeschichte mit den Hasen Sammy und Nick für die Reihe „Wie aus dem Ei gepellt – Erzählungen, Märchen und Gedichte zur Osterzeit“.

*

Lieschen lädt zum Osterfest

„Ostern, das wird in diesem Jahr ein Knüller“,

so sprach neulich Lieschen Müller.

„Die ganze große Sippe lad ich ein,

das wird ’ne tolle Feier sein.“

„Lieschen, das ist nett von dir,

selbstverständlich kommen wir

mit Oma, Opa und Hanno, dem Hund“,

das tat die liebe Tante Irmchen kund.

„Aber eins, das darfst du nicht vergessen,

Hanno, der braucht hochwertiges Fressen,

Oma und Opa sind weniger anspruchsvoll,

einfache Hausmannskost wäre ganz toll.“

Aus Wuppertal schreibt Vetter Hans:

„Wie wäre es zu Mittag mit einer Gans?“

Und Hanni berichtet: „Mein Neuer isst vegan.

Also nichts Tierisches für diesen Mann.“

Nachbarin Ute fühlt sich sogleich gestört,

meckert, als sie von diesem Feste hört,

so kommen Wünsche, Tipps, Beschwerden.

„Was wird das für eine Feier werden“,

denkt Lieschen und: „Das kann nicht sein,

keinem fällt etwas zu Ostern ein,

Auferstehung, Frühlingserwachen,

Ostereier suchen, Spaziergang machen.“

Niemand äußert: „Kann ich behilflich sein,

ich backe eine Torte, bringe eine Kiste Wein.“

Und Lieschen ahnt im Voraus schon:

„Auch Ostern ist Undank der Welten Lohn.“

Margret Küllmar, geb. 20.06. 1950, aufgewachsen auf einem Bauernhof in Nordhessen, nach der Schule Ausbildung in der Hauswirtschaft, dann Lehrerin an einer Berufsschule, jetzt im Ruhestand, schreibt Kurzgeschichten und Gedichte. Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien und von drei eigenen Lyrikbänden.

*

Gemeinsam schafft man alles!

„Oh nein, oh nein, oh nein!“, ruft der Hase völlig aufgelöst. „Das darf doch wohl nicht wahr sein! Nicht jetzt! Es müssen doch noch alle Eier versteckt werden, damit sie am Ostersonntag auch von den Kindern aus dem Veedel gefunden werden können!“

Der Hase ist den Tränen nahe, als der Erpel um die Ecke gewatschelt kommt. „Ist alles in Ordnung bei dir, Hase?“, fragt er mit besorgter Stimme. „Ich habe dich aufschreien hören. Hast du dir wehgetan?“

„Nein, das Gott sei Dank nicht! Aber bleib ja weg, Erpel! Ich habe gerade einen Bescheid bekommen, dass ich mich wahrscheinlich irgendwo mit dieser Menschenkrankheit angesteckt habe. Und jetzt muss die ganze Hasenfamilie vorsorglich in Quarantäne.“

„Wann sollst du dich denn angesteckt haben?“, fragt der Erpel irritiert. „Du bist doch hauptsächlich in deinem Bau gewesen und hast die ganzen Eier mit deinen Kindern und deiner Frau für Ostern angemalt, oder nicht?“

„Ja, keine Ahnung, wie das passieren konnte“, klagt der Hase wimmernd. „Jedes Tier weiß doch, dass man sich zurzeit besser von den Menschen fernhält!“

„Mhhh“, brummt der Erpel zustimmend, geht schnell ein paar Schritte zurück und schnappt sich ein Blatt vom Boden, was er sich sofort vor den Schnabel hält. „Das sind wirklich keine guten Neuigkeiten!“

Der Hase würde am liebsten aus Verzweiflung anfangen zu weinen. Der Erpel merkt dies und sagt liebevoll: „Ich weiß, wie furchtbar das jetzt für dich sein muss, aber sei dir versichert, ich werde dir helfen.“

Der Hase atmet tief durch, nickt dem Erpel dankend zu, strafft den Rücken und verkündet optimistisch: „Also, die Eier sind so gut wie fertig und desinfizieren können wir sie draußen vor dem Bau. Aber jetzt die Frage: Wie sollen sie verteilt werden? Es sind auch nur noch zwei Tage, um dieses Unterfangen zu planen und umzusetzen.“

Da kommt dem Erpel eine Idee. „Weißt du was, Hase? Ich frag mal meine Frau, die Ente. Die kennt doch jeden hier im Veedel. Bestimmt fällt ihr eine Lösung ein.“

„Oh ja, das ist ein guter Einfall!“, erwidert der Hase ganz aufgeregt. „Und ich gehe jetzt mal zu meiner Frau und gestehe ihr die neu eingetroffene Situation. Wünsch mir Glück, Erpel, dass sie mir nicht den Kopf abreißt.“

„Ich drücke dir die Flossen, Hase!“, sagt der Erpel aufmunternd, da er sich das Gewitter, welches seinen Freund erwartet, schon sehr gut vorstellen kann. „Und, ach ja, vielleicht sollte ich vorerst auch nicht mehr in eure Nähe kommen … hast du noch das alte Walkie-Talkie? Dann funke ich dich an.“

„Sehr gut mitgedacht! Soll doch noch mal jemand sagen, deine Frau sei klüger als du“, schmunzelt der Hase.

„Ja, ja. Sehr witzig“, antwortet der Erpel lachend und watschelt, so schnell er kann, runter zum Rhein und ab nach Hause.

„Liebste, Liebste bist du daheim? Wir brauchen unbedingt deine Hilfe!“, ruft der Erpel schon von Weitem.

„Pscht, pscht, pscht, du weckst die Kinder!“, flüstert die Ente. „Ich bin so froh, dass sie endlich alle schlafen.“ Und als die Ente ihren Mann so betrachtet, bemerkt sie, dass er etwas blass um die Nase ist und fragt Böses ahnend: „Was ist passiert? Wobei bedarf es meiner Hilfe? Und wer ist wir?“

Schnell, aber umfassend berichtet der Erpel von den eingetroffenen Ereignissen am Hasenbau.

Die Ente guckt ihren Mann nicht gerade erfreut an und fragt sofort: „Hast du genug Abstand gehalten?“

„Ja, und ich habe mir sofort ein Blatt vor den Schnabel gehalten!“, erwidert er zufrieden mit sich selbst, dass ihm das eingefallen war. „Hast du vielleicht eine Idee, wie wir dem Hasen helfen können, um das Osterfest der Menschenkinder zu retten?“

„Mhhh, lass mich mal kurz nachdenken“, grummelt die Ente. „Wer ist den gut in Logistik und Transport?“

Da räuspert sich der Erpel, um zum Sprechakt anzusetzen, und hört, wie seine Geliebte einschreitend sagt: „Ne, ne, ne, das, was du sagen willst, geht nicht auf.“

„Woher weißt du, was ich sagen will?“, fragt der Erpel aufmüpfig. Die Ente guckt ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und erwidert amüsiert: „Och, Erpelchen, ich bin nun schon so lange deine Frau, ich will dir die Illusion ja nicht rauben, aber ich weiß immer, was du sagen willst.“ Zur schnellen Versöhnung verpasst sie ihm einen dicken Schmatzer und fügt triumphierend hinzu: „Ich weiß es! Wir fragen die beiden Königinnen!“ Der Erpel versteht nicht so schnell, wen seine Frau damit meint, sodass diese weiter ausführt: „Na, die Ameisen- und die Bienenköniginnen. Ich werde ihnen das Problem schildern und sie fragen, ob sie nicht in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein paar ihrer Soldaten abstellen können, die dann die Eier verstecken sollen. Und die Spinnen könnten für die Bienen kleine Netze bauen, in welche die Eier gelegt und somit gut transportiert werden können. Und bei den Ameisen dürften diesbezüglich ja gar keine Schwierigkeiten auftreten, da sie alles auf dem Rücken tragen können.“

Erstaunt guckt der Erpel die Ente an und gluckst: „Du bist wirklich die klügste Frau von allen! Was ein toller Plan!“

Sie errötet ein wenig, findet ihren spontanen Einfall aber auch genial. „Dankeschön, mein Liebster“, flötet sie. „Ich würde sagen, wir machen es jetzt so: Du berichtest dem Hasen schon mal und passt auf die Kinder auf, während ich mit den beiden Königinnen und den Spinnen spreche. Dann gucken wir uns die Feinheiten des Plans gemeinsam an und legen Straßen und Routen fest.“

„Perfekt!“, ruft der Erpel und beginnt damit das Walkie-Talkie zu suchen, während sich die Ente auf den Weg macht.

Bereits zwei Stunden später steht fest, dass alle, sowohl die Oberbefehlshaberinnen mit ihren Untergebenen als auch die Spinnen, dem Hasen helfen möchten, ein schönes Osterfest für die Menschen, zu zelebrieren.

Am darauffolgenden Tag treffen sich alle Beteiligten per Walkie-Talkie-Konferenz, um die Einzelheiten abzusprechen und den Ablauf durchorganisieren.

„Gut“, sagt die Ente in die Sprechmuschel. „Wie abgemacht übernimmt der Hase heute Nacht per Funk die Koordination der Ameisen- und Bienenarmeen. Zuvor werden die Eier vor dem Hasenbau zur Sicherheit vom Erpel und mir gereinigt, sodass sich auch keine möglichen Krankheitserreger verteilen können. Die Spinnen bringen ihre Netze ebenfalls zum Bau, sodass die Bienen die Eier mühelos fliegend verteilen können. Hat noch jemand Fragen?“

Da meldet sich die Ameisenkönigin und sagt in ihrer etwas barschen Art: „Vernünftig wäre es natürlich, wenn meine Soldaten den inneren Zirkel des Veedels mit Eiern versorgen, da diese ja alles schleppen müssen. Es dürfte ja kein Problem sein, dass die Bienen die weiteren Strecken mit ihrer Flügelkraft zurücklegen.“

„Ich denke, das lässt sich so gut machen“, sagt die Bienenkönigin sofort ganz diplomatisch. „Es ist nämlich so, dass ich die stärksten meiner Männer für diese Aufgabe gestern Abend bereits ausgewählt und diese von ihrem heutigen Dienst befreit habe, sodass alle ausgeschlafen und fit sein werden.“

„Das klingt so fantastisch!“, freut sich der Hase. „Ihr seid echt die Besten. Wie kann ich mich je dafür revanchieren?“

„Ach“, erwidert der Erpel schnell, „erst mal gucken, dass heute Abend alles klappt. Und wir wissen doch alle, dass sich immer eine Möglichkeit ergibt, seinen Freunden ein anderes Mal genauso beizustehen.“

„Das stimmt!“, pflichtet die Ente ihrem Mann bei und ergänzt: „So, jetzt sollten sich aber alle noch mal ausruhen und dann treffen wir uns um Punkt null Uhr heute Nacht am Hasenbau.“

Gesagt, getan.

Alles funktionierte reibungslos, sodass die Menschenkinder am Ostersonntag fröhlich und ausgelassen Eier suchen und finden konnten.

Pela Nehring, geboren 1984 in Köln. 2010 erwarb sie einen Magister in Philosophie, Germanistik und Theologie an der Universität zu Köln. Zudem absolvierte sie eine Ausbildung als „Systemischer Coach und Change Manager“. Die Beschäftigung mit sozialen Phänomenen und deren Auswirkungen ermöglicht es ihr, nah am Puls der Zeit zu sein.

*

Ostern, Ostern, so friedlich und schön

Ostern, Ostern, grasgrün und königsblau,

Schokolade und Ostereier sind doch niemals grau.

In März und April freue ich mich,

denn den Osterhasen erwarte ich.

Ostern, Ostern, kirschrot und safrangelb,

ich finde mein Osternest draußen beim weiten Feld.

Die bunten Blumen rundherum

machten über Nacht im Wachstum einen großen Sprung.

Ostern, Ostern, mit Schleifen und Buntpapier,

ich freue mich auf unsere Feier und noch viel mehr.

Ich seh’ doch da sogar noch den Hasen

und bekomme aufgeregtes Herzrasen.

Osterhase weiß oder grau,

ich sehe jetzt den Hasenbau.

Die Zeit der Ostereier ist gekommen,

nun ist die ganze Familie bei uns willkommen.

Ostern, Ostern, mit Blütenstaub und Honigtau,

für mich geht’s plötzlich ab in den unbekannten Hasenbau.

Ich folge den langen Löffeln in ein magisches Zuhause,

dort blühen die schönsten Tulpen, Hyazinthen

und Kräuter für Waldmeisterbrause.

Ostern, Ostern, mit Streifen und Punkten,

hier ist alles getaucht in strahlende Farben und sprühende Funken.

Ein cremiger Schokoladenfluss windet sich durch sein Reich,

Die Auswahl an Keksen, Torten und Waffeln ist mehr als zahlreich.

Ostern, Ostern, so friedlich und schön,

zurück im Kreis der Familie

können wir uns hoffentlich alle bald wiedersehen.

Oskar Julius Hoffmann ist 8 Jahre alt und besucht die 3. Klasse der Grundschule Niederkaufungen. In seiner Freizeit spielt er Fußball und Gitarre, liest viel und schreibt gern Geschichten.

*

Das Ostern

Es war einmal an einem Ostersonntag in einem Hühnerstall, da legte eine Henne ein Ei. Doch das Ei rollte aus dem Stall und blieb auf der Wiese liegen. Am Abend jedoch wurde das Ei von einem Hasenpärchen gefunden. Sie nahmen es mit in ihren Hasenbau zu ihren Kindern und passten darauf auf.

Ein Jahr später am Ostermontag schlüpfte aus dem Ei ein Wesen: Es hatte den Körper eines Hasen, Flügel wie ein Vogel und weißes Fell mit bunten Tupfen.

„Was ist das?“, fragte ein Hasenkind den Hasenvater, der das Ei geborgen hatte.

„Nun ... ja, das ist, das ist ein …“, setzte der Vater zur Antwort an.

„Es ist ein Ostern!“, beendete das Häschen Lissi.

„Nun ... ja, ich denke, so können wir es nennen“, stimmte der Hasenvater zu.

„Hallo, Ostern!“, begrüßten die Hasenkinder das Mischwesen im Chor.

„Hallo“, piepste das Ostern schüchtern zurück.

So wuchs das kleine Ostern bei der Hasenfamilie auf, lachte mit den Häschen, mümmelte mit ihnen Möhren und freundete sich immer mehr mit Lissi an. Doch die Hasenkinder aus anderen Familien hänselten es, sobald es den schützenden Bau verließ: „Pah, mit deinem bunten Fell bist du ja gar nicht getarnt!“, und: „Mit deinen Flügeln siehst du aus wie ein Suppenhuhn!“, riefen sie und so zog sich das kleine Ostern immer mehr zurück.

Ein Jahr später, in der Nacht vor Ostermorgen, kam der Osterhase zu der Wiese, wo die Hasenfamilien wohnten, und rief: „Hasen, kommt her, ich brauche eure Hilfe!“

Sofort scharrten sich alle Bewohner der Wiese um ihn, nur das kleine Ostern, das den Osterhasen sehr bewunderte, blieb schüchtern und ängstlich im Bau zurück.

„Was ist los, Osterhase?“, wollte Lissi, die das Ostern nur ungern zurückgelassen hatte, wissen.

„Meine Osterhühner haben ihre Eier nicht früh genug gelegt und ich kann erst jetzt mit Anmalen beginnen“, antwortete der Osterhase besorgt.

„Wir helfen dir!“, riefen die Hasen im Chor.

Also brachte der Osterhase alle Häschen und ihre Eltern in seine Osterwerkstatt und sie malten fleißig Eier an. Der Morgen graute bereits, als sie endlich alle Eier angemalt hatten.

„Oh, nein!“, rief der Osterhase besorgt. „Nie und nimmer kann ich all die Eier verteilen, bevor es hell ist, und ihr könnt mir nicht helfen, weil die Eier von einem Ostertier wie mir versteckt werden müssen!“

„Ich weiß Rat!“, rief Lissi aufgeregt. „Das Ostern kann dir helfen!“

„Es ist bestimmt ein Ostertier und kann fliiiiiiegen!“, stimmte ihr Bruder Peter zu, der oft mit dem Ostern und ihr gespielt hatte.

„Dann bringt mich zu ihm!“, forderte der Osterhase entschlossen.

Und so brachten Lissi und Peter ihn zu ihrem Hasenbau. Vorsichtig kroch Lissi herein und rief das Ostern: „Ostern, komm, du hast Besuch!“

„Was, Besuch für mich?“, fragte das Ostern ungläubig und hoppelte aus dem Bau.

„Hallo, Ostern“, wurde es mit sanfter Stimme vom Osterhasen empfangen. „Du bist ein ganz besonderes Tier, nämlich ein Ostertier, und musst mir beim Eierverstecken helfen. Würdest du das tun?“

„Wer? Ich?“, fragte das Ostern verdattert.

„Ja, du“, bestätigte der Osterhase, worauf das Ostern ihm, begleitet von einem Freudenschrei, in die Pfoten sprang.

Von diesem Tag an half das Ostern dem Osterhasen stets zur Osterzeit, die Eier zu verstecken, niemand hänselte es mehr und es wurde von vielen bewundert.

Und wenn ihr eines Ostertages eine bunte Feder bei euren Ostereiern findet, so könnt ihr sicher sein, dass das Ostern da war.

Das Gedicht zur Geschicht’

Huch, was huscht da übers Gras,

ein kleiner, weißer Osterhas’?

Ist bunt getupft, hat Federkleid,

macht sich zum Eiverstecken bereit.

Husch! Da fliegt es plötzlich weg,

zu einem andren Eiversteck.

Und so denk’ ich jedes Jahr:

Hurra, das Ostern, das war da!

Ina Schneider ist 11 Jahre alt und schreibt gerne Geschichten. Außerdem zeichnet sie gerne. Ina besucht die 6. Klasse des Inda-Gymnasiums in Aachen.

*

Ostern

Vor Aufgang der Sonne

steht sie am Bach,

schöpft schweigend Wasser.

Ostara, die Göttin des Frühlings.

Noch bevor der Hase

die Grube verlässt,

um Eier zu legen,

lässt sie ihn trinken

vom heilkräftigen Nass.

Albae paschales.

Ostara – Eostre.

Niemand hat’s gesehn’.

Man wird die Eier

suchen müssen.

Eva Beylich, geboren 1957 in Schorndorf, wohnhaft in Tübingen; Pädagogin und Krankenschwester; Studium in Tübingen und Nottingham. Veröffentlichte bisher in vielen Büchern Gedichte und Kurzgeschichten; Mitglied in der Künstlergilde in Esslingen, im Schriftstellerinnenverband in Wien und im Ammerbucher Künstlerverein KVArt; Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (Leipzig). Veröffentlichungen seit 2006 bis heute im Internet und bei verschiedenen Verlagen, u.a. Brendle Verlag Bisingen 2006, Künstlergilde Esslingen 2011, Czernik Verlag Speyer 2011/2012, Herbert Utz Verlag München 2010, Elbverlag Magdeburg 2011.

*

Auf alle Fälle: bunte Pelle!

Unter meines Hunds Gewinsel

und der Hühner Krähgeschrei

hol ich aus dem Stall ein Ei,

und ich greif zu meinem Pinsel.

Keiner soll zu Ostern darben.

Rote Rübe, Zwiebelschale,

ja, mit deren Hilfe male

ich in vielen bunten Farben.

Zeichne hier ein kleines Huhn,

dort ein flinkes Häschen,

eines Ferkels Näschen

lässt mich auch nicht länger ruh’n.

Und ich mal mit Saus und Braus,

denke an was and’res nicht,

bis das Ei mir just zerbricht.

Damit ist mein Ostern aus!

Heinz-Helmut Hadwiger: Richter in Ruh und Dichter dazu, aus Linz in Österreich.

*

Wegen Schneefalls abgesagt

Lukas stand am Fenster und drückte sich an der Scheibe die Nase platt. Seit Stunden schneite es nun schon und kein Ende war in Sicht. Große, dicke Flocken schwebten sacht zur Erde und deckten das Blumenbeet, das Klettergerüst mit den Schaukeln und der Rutsche und auch den restlichen Garten mit einer weißen Decke zu. Die Krokusse waren längst versunken und auch die Märzenbecher, die erst seit paar Tagen ihre Köpfchen aus der Erde gestreckt hatten, waren bereits eingeschneit. Es wirkte wirklich hübsch, musste Lukas zugeben, doch es war einfach der falsche Augenblick für Schnee, denn morgen war Ostersonntag.

Susi tapste ins Wohnzimmer und stellte sich zu ihm. „Was schaust du?“, fragte sie ihn, denn sie reichte noch nicht zum Fenster hinauf.

Lukas war schon sieben und ging bereits in die erste Klasse Volksschule. Er war mächtig stolz auf seine Rolle als großer Bruder und er nahm sie sehr ernst. Er hatte sich vorgenommen, seine kleine Schwester immer zu beschützen, sie vor Kummer zu bewahren und sie niemals zu belügen. Gerade bei zuletzt Genanntem tat er sich nun schwer. Wie sollte er Susi schonend beibringen, dass Ostern morgen ausfallen würde, denn der Osterhase würde unmöglich Susis Schnuller finden?

Vor einigen Wochen hatte Lukas begonnen, ihr Geschichten zu erzählen, der Hase spielte darin eine wesentliche Rolle. Er hatte sie frei erfunden, denn so richtig wusste er auch nicht, ob er noch daran glauben sollte oder nicht. Sein Klassenkamerad Hannes hatte ihn damit aufgezogen, als er erfahren hatte, dass sich Lukas auf das Fest und die Geschenke freute, die der Osterhase bringen sollte. Mit ernster Miene erklärte sein Freund dann vor allen anderen Mitschülern, dass es dieses Fabelwesen ebenso wenige geben würde wie den Nikolaus, das Christkind oder die Zahnfee. Alle hatten gelacht und Lukas hatte sich furchtbar schlecht dabei gefühlt. Zusammengesunken saß er an seinem Platz, grübelte darüber nach, was er soeben gehört hatte, und wollte es einfach nicht wahrhaben.

Er war noch nicht so weit, er wollte noch nicht erwachsen werden und den Glauben an die Märchen seiner Kindheit verlieren. Eisern hielt er daran fest, und um sich selbst davon zu überzeugen, dass sie stimmten, hatte er begonnen, Susi diese Geschichten zu erzählen.

Besonders mochte seine Schwester die Erzählung über die Babyhäschen, die Kinder des Osterhasen.

„Jedes Jahr im Frühling, wenn alles nach einem langen Winterschlaf wieder zu sprießen beginnt, sich der Sonne entgegenstreckt und zu neuem Leben erwacht, dann werden auch die kleinen Wildtiere geboren“, berichtete Lukas und skizzierte die Welt mit seinen Worten, bunt und prächtig, in Susis Fantasie.

„Aufgeregt hoppeln sie dann über das Feld, erkunden neugierig ihre Umgebung wie die Wälder und Wiesen, schnuppern an den ersten Blumen, die bereits blühen, und verköstigen die Früchte der Natur. Besonders lieben sie den frischen Klee und Karotten.“

Susi saß mit offenem Mund daneben, ihre Augen strahlten, als sie ihrem Bruder zuhörte. Ob dies alles der Wirklichkeit entsprach, wusste Lukas nicht genau, doch seine Mutter sagte immer zu ihm, er sollte viel Gemüse, besonders Karotten essen, damit er keine Brille bräuchte. Wenn er dann schmollend die Unterlippe vorschob und das Essen von einer Seite am Teller auf die andere schob, hakte sie immer nach: „Hast du denn den Osterhasen schon mit Brille gesehen?“

Und Lukas erwiderte dann automatisch, denn er kannte ihre Beweisführung bereits auswendig: „Nein, denn er isst brav sein Grünzeug und hat deshalb so gute Augen.“

Susi verschonte er damit, denn er hatte ein anderes Ziel vor Augen. Er fand, dass sie mit drei Jahren inzwischen zu alt für den Schnuller war. Behutsam erfand er diese kleinen, aber harmlosen Notlügen, um sie zu überzeugen, dass die Babyhäschen den Lutschi dringender als sie benötigten.

„Weißt du denn, was der kleine Hoppel macht, wenn er sich sein Pfötchen stößt?“, hatte er sie gefragt und sie hatte heftig den Kopf geschüttelt, während sie aufmerksam lauschte.

„Er nimmt es in sein kleines Mäulchen und nuckelt daran, so wie Menschenkinder es tun, wenn sie sich verletzen.“

„Ganz schön haarig“, lachte Susi, doch sie erkannte recht schnell, worauf ihr Bruder hinauswollte.

„Würde es Hoppel helfen, wenn er meinen Nini haben könnte?“, erkundigte sie sich nach einiger Weile mit ernstem Tonfall.

Seit sie sprechen konnte, hieß ihr geliebter Schnuller so, denn sie konnte das Wort damals noch nicht richtig aussprechen. Mittlerweile war es in ihrem täglichen Sprachgebrauch verankert und auch ihre Eltern nannten ihn so.

„Gewiss“, nickte Lukas und ergänzte, „wir könnten ihn dem Osterhasen mitgeben und er bringt ihn zu den Häschen.“

Diese Idee hatte sich bei Susi nun zu einem innigen Wunsch entwickelt, täglich fragte sie, wann denn nun endlich Ostern sei.

Und nun stand Lukas am Fenster und musste ihr schweren Herzens erklären, dass es morgen kein Fest geben würde, Hoppel nicht den Schnuller bekam und sie als Dankeschön vom Osterhasen keine Belohnung erhielt – wegen Schneefalls abgesagt.

Susi kletterte auf die Bank und sah nach draußen. „Oh nein“, rief sie zu nah an Lukas Ohr, sodass er glaubte, sein Trommelfell müsste platzen.

„Was machen wir denn jetzt?“ Verzweifelt fiel sie ihm um den Hals und schluchzte. So sehr hatte sich seine Schwester schon darauf gefreut, dem kleinen Häschen eine Freude zu machen, und insgeheim hatte sie gehofft, auch den Osterhasen dabei persönlich zu treffen.

In ihrer Fantasie war er ein hübscher brauner Hase mit keck dreinblickenden Augen und einem süßen rosa Stupsnäschen. Sein kleines Schwänzchen war flauschig weiß und erinnerte an einen Wattebausch. Traurig blickte sie nochmals nach draußen.

Da hatte Lukas einen Einfall. „Komm mit, hilf mir, einen Weg durch den Garten zu schaufeln. Der Osterhase kann dann ungehindert zu uns und er wird auch den Schnuller finden.“

Eifrig zogen sie sich an, liefen nach draußen und machten sich an die Arbeit. Abends, bevor es dunkel wurde, stellte Susi ein kleines Körbchen in die freigeräumte Wiese. Sie hatte es mit rosa Bändern geschmückt, einige Karotten hineingelegt und oben auf ihren geliebten Nini.

Am nächsten Morgen, als Lukas und Susi erwachten, war ihr erster Weg sofort ins Freie. Doch was sahen sie denn da: Winzige Pfotenabdrücke waren im Schnee zu sehen, die mussten dem Osterhasen gehören, denn das Körbchen war verschwunden. Stattdessen saß an dieser Stelle eine hübsche Puppe mit rosa Feenflügeln und einem pinken Kleidchen.

Überglücklich drückte Susi das Spielzeug an sich und sagte dann zu Lukas: „Schade, dass wir den Osterhasen nicht gesehen haben, aber ich bin sicher, Hoppel wird genauso viel Freude haben wie ich mit dem Geschenk.“

S. M. Syrch: 1982 geboren in Wien, aufgewachsen in Niederösterreich, Studium der Betriebswirtschaftslehre, Technisches Sicherheitsmanagement und Umweltmanagement in Wien. Mitglied im Verband Österreichischer Textautoren. 2021 erscheint der Debütroman „Mini-Me auf Kreuzfahrt“. Seither mehrere Veröffentlichungen in Sachzeitschriften und Anthologien. Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Roman. Sie lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Niederösterreich.

*

Osterträume

Jeder Mensch hat in seinem Leben einen Traum.

Ich träume davon, dass Ostern wie damals wird.

Damals, am vorletzten Ostern, war noch vieles anders als heute.

Der Hase sprang mich an, den mir Oma mitbrachte.

Heute kommt die Oma nicht mehr zu Besuch.

Aus Respekt vor uns – vor mir und meiner Familie.

Ein ganz schlimme Zeit, in der eine Berührung zur Sehnsucht wird.

Und die Sehnsucht zur Trauer,

weil wir uns aus Respekt nicht sehen können.

Ostern soll alles anders sein, als es an Weihnachten war.

Wir werden uns alle wiedersehen.

Denn das ist mein Ostertraum, den ich seit Weihnachten träume.

Opa und Oma in den Arm zu nehmen.

Ihnen zu sagen: Ich habe euch lieb,

ich werde euch niemals loslassen.

Denn das sind die Osterträume der Menschen ...

und der Kinder, wenn sie an Oma und Opa ihren Halt finden.

Jürgen Heider wurde 1989 in Karaganda (Kasachstan) geboren. Heute lebt er mit seiner Familie in Freiburg. Seit seiner Geburt hat er eine Körperbehinderung. Deshalb besuchte er von 1997 bis Sommer 2009 die Esther-Weber-Schule für körperbehinderte Schüler in Emmendingen-Wasser. Vom Sommer 2007 bis Sommer 2009 absolvierte er das zweijährige Berufsvorbereitungsjahr. In diesen zwei Jahren konnte er viele praktische Erfahrungen für seine berufliche Zukunft sammeln und hat je ein Praktikum bei der „Badischen Zeitung“ in Emmendingen und der „Zypresse“ Freiburg gemacht.

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Osterhasenmoral

Herr Osterhase ist geschafft,

Eier zu legen, kostet Kraft.

Und die bunten Eier gar

sind mühevoller noch, fürwahr.

Frau Osterhase wird nervös,

ist ihrem Mann allmählich bös’.

Denn wegen all dem guten Zweck,

ist seine Hasenkraft nun weg.

Weil er jetzt stets nur müde ist,

sucht sie ’nen „Wachen“, der sie küsst.

Und die Moral von der Geschicht:

Übertreib die Arbeit nicht.

Carola Cursio: ist 73 Jahr alt, wohnt in Nürnberg und ist im Ruhestand. Gearbeitet hat sie als Sachbearbeiterin bei einer Bank. Lesen und Reisen gehört zu den Dingen, die sie nicht missen möchte. Sie kocht gerne mediterran, auch zusammen mit ihrem Mann, und trinkt gerne ein Glas guten Rotwein. Gedichte schreiben macht ihr Freude und sie hat schon drei in der Anthologien veröffentlichen dürfen.

*

Kürbislinas erstes Ostern

Kürbislina wird von ihrer Freundin Glöckchen geweckt. „Aufstehen, wir haben Ostern“, sagt sie.

Sofort ist Kürbislina wach und strahlt ihre Freundin an. „Ostern?“ Kürbislina hat schon viel von diesem Fest gehört. Wo die Menschen in den Wald kommen, um Eier zu suchen. Aber da sie bis jetzt zu dieser Zeit immer geschlafen hat, ist es für sie nicht möglich gewesen, dieses Fest mitzuerleben. Und das Jahr zuvor waren die beiden Herzensschwestern eher damit beschäftigt gewesen, ihre beiden Völker wieder vereinigen. Doch dieses Jahr wollen sie jedes Fest der jeweils anderen miterleben.

Schnell waschen sich die beiden und laufen den schmalen Gang im Inneren des Baumes nach oben, um zu den Ästen zu gelangen. Die Sonne hat schon viel Schnee geschmolzen. Einzeln blitzen Krokusse, Maiglöckchen und Tulpen durch das weiße Kristallmeer. Im Gegensatz zu Glöckchen friert Kürbislina nicht, sie ist an die Kälte gewöhnt. „Da ist das so ein Osterei?“, fragt sie schließlich aufgeregt.

„Ja“, sagt Glöckchen und zeigt etwas weiter unter einen Busch. „Und schau, da hat der Osterhase auch ein kleines Geschenk hingelegt.“

„Wie weiß er eigentlich, welches Kind danach greifen wird?“

„Er sagt, es ist magisch. Sobald ein Kind das Geschenk in den Fingern hält, wird es Inneren sein Wunsch hineingezaubert.“

Mit großen runden Augen sieht Kürbislina ihre Freundin an. „Du kennst den Osterhasen?“

Glöckchen sieht ihre Freundin verwundert an. „Warum ist das so seltsam?“

„DEN OSTERHASEN?“

Wieder nickt Glöckchen.

„DAS IST COOOOL“, quiekt Kürbislina aufgeregt.

„Er kommt immer zu Oma, wenn er hier im Wald fertig ist.“ Hibbelig tritt Glöckchen von einem Bein auf das andere und kichert – so aufgeregt kennt sie ihre Freundin nicht. „Lass uns etwas Schokolade bei den Menschen stibitzen.“

„Und dann, sehe ich ihn dann?“

„Später“, sagt Glöckchen. „Schnell, sonst kommen die Menschen und danach ist alles weg.“ Sie pfeift, der schrille Ton hallt zu den Baumwipfeln hinauf. Kürbislina weiß, das Glöckchen ihre Freundin, die Amsel, ruft, die sie zum Waldboden bringen soll.

Da kommt der schwarze kleine Vogel mit dem orangen Schnabel schon auf sie zu.

Mit Schokoeiern und Gummitierchen, so viel sie in ihren kleinen Armen tragen konnten, sitzen sie bald wieder auf dem Ast und beobachten die Menschenkinder, wie sie auf dem Boden umherkrabbelten, um Geschenke und Süßkram zu finden.

„Aber da liegt doch eines, warum sieht das Mädchen es nicht?“, will Kürbislina wissen.

Glöckchen schluckt das Stückchen weiße Schokolade hinunter, was zuvor zu einem Schokoküken gehörte, und will es erklären, da hören die beiden eine amüsierte Stimme hinter sich.

„Ein Zauber, dass jedes Kind nur eines bekommt. Oder für ganz brave ein zweites Nest.“

Langsam dreht sich Kürbislina um. Da steht ein brauner Hase wie ein Mensch auf ihrem Ast. Seine Nase zuckt und es sieht so aus, als würde er lächeln. Auf dem Rücken trägt er einen Rucksack.

„Das ist Benny, der Osterhase.“

Weit reißt Kürbislina ihre Augen auf, sie kann ihn einfach nur anstarren. Kann das wirklich der Osterhase sein?

Glöckchen steht auf. „Das ist Kürbislina, meine Herzensschwester.“

„Ich weiß“, sagt der Osterhase sanft.

Kürbislina schluckt. „Schon fertig?“, fragt sie ihn, als wenn es alltäglich wäre, den Osterhasen zu treffen.

„Nein, aber ich habe euch hier oben gesehen und wollte Hallo sagen.“ Er zieht seinen Rucksack ab. „Und ich habe etwas für dich, Kürbislina.“

„F...f...für mich?“ Ihre Stimme ist ungewohnt schrill vor Aufregung.

Der Osterhase kennt sie und hat ein Geschenk für sie. Kürbislina hat das Gefühl, gleich vom Ast zu fallen.

Lachend holt der Hase eine kleine Box hervor und hält es auf seiner weichen Pfote vor sie hin. „Ja, für dich.“ Eine orange Box funkelt im Sonnenlicht mit einer grünlichen Schleife.

„Nimm schon“, sagt ihr Freundin und schubst Kürbislina leicht an.

Vorsichtig greift sie danach. Ihr erstes Geschenk zu Ostern und das auch noch persönlich vom Osterhasen. Kürbislina kann ihr Glück nicht fassen, am liebsten würde sie ihn ganz fest an sich drücken. Aber sie bringt nur ein „Danke“ heraus.

„Gerne.“

Bevor Kürbislina das kleine Paket fest an sich drücken kann, ist die Stelle, an der der Hase stand, leer. Immer wieder geht ihr Blick zwischen dem Geschenk in ihrem Arm und dem Platz, an dem der Osterhase stand, hin und her.

„Mach schon auf“, feuert ihre Freundin sie an.

Kürbislina geht in die Knie. Ihre Finger zittern, als ein kalter Wind durch kahle Äste fegt. Langsam zieht sie an dem grünen Schleifchen und öffnet den Deckel. Inmitten von Gras liegt ein kleiner Stoffhase, der aussieht wie der, den sie gerade vor sich stehen hatte. Im Silber des Deckels ist ein Kürbis eingraviert und daneben steht: Frohe Ostern, dein Freund Benny.

Luna Day wurde 1982 in Wertingen geboren und wuchs in Augsburg auf, wo sie immer noch mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie durch Harry Potter und Roll-Play-Games. Sie tippt Kindergeschichten, aber auch Fantasy- und Liebesgeschichten. www.lunadayautorin.com.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
12 listopada 2025
Objętość:
272 str. 5 ilustracji
ISBN:
9783960744115
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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