Czytaj książkę: «Die Krimizimmerei»

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Die Krimizimmerei
Spannende Kurzgeschichten für Kinder
Band 3
Martina Meier (Hrsg.)

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Impressum:
Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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© 2020 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstraße 10, 88085 Langenargen
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchausgabe erschienen 2020.
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.
Cover gestaltet mit einem Bild von viktoriagam – Adobe Stock lizensiert
Lektorat: Redaktions- und Literaturbüro MTM
ISBN: 978-3-86196-866-5 - Taschenbuch
ISBN: 978-3-96074-303-3 - E-Book
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Inhalt
Der Einbrecher
Rache ist süß
Der kleine Detektiv
Kommissar Kartuschke und ein Fall, der sich gewaschen hat!
Die verschwundenen Schularbeiten
Die räuberischen Feen
Das Verbrechen um Niklas Wilson
Die Birnenfälscher
Die verschwundene Zeugin
Rätsel um den Mitternachtsdieb
Entführung in der Birkmanstreet?
Entführung in Hollywood
Der Süßigkeiten-Dieb
Die gelöschte Welt
Die tödlichen Klippen
Der gestohlene Pokal
Wenn Liebe zum Verhängnis wird
Die verschwundene Kette
Der gestohlene Diamant
Die mysteriöse Entführung
Land der Bösen
Der akrobatische Dieb
Ein gestohlener Pokal
Träume
Der Feuerteufel
Kommissar Horn löst jeden Fall
Die geheimnisvollen Masken
Angriff in der Mumiengruft
Kriminalfall in Blütenbach
Rache ist teuer
Drajo, Trio und die Goldene Flamme
Rosie
Ben
Die drei Spürnasen und die verschwundenen Tiere
Der geheimnisvolle Alex
Die vertauschten Schularbeiten
Max, Andreas und der verschmutzte Fluss
Detektivbüro Flinke Schnauze: Die Super-Lupe
Escaperoom: Die verschwundene Brieftasche
Tina, Robin und der Spieledieb
Die verschwundene Prinzessin Beatrice
Die gestohlenen Hunde – Detektiv Lex Luther ermittelt
Eine tödliche Safaritour
Officer Jim: Montevideo
Der Traumfänger
Die alte Burg
Die geheimnisvolle Tür
Der Blutstein
Mord oder Unfall, das ist hier die Frage ...
Die Chilis in geheimer Ferienmission
Wer ist der wahre Täter?
Der Besserwisser
Wenn der Chef-Vampir dich zur Leiche freigibt
Der Nordgipfel lebt
Der verfälschte Einbruch
Syloff in Gefahr
Der Erpresserbrief
Pony-Diebstahl
Versteckter Raub
Schulärger
Gestohlen
Die leblose Frau
Laborprobendiebstahl
Gangster Hiltrude
Das Ostfriesenrätsel
Nelly wurde gestohlen
Traumberuf Detektiv
Die gestohlenen Kinder
Sherlock Holmes der Zweite
Die manipulierte Kochshow
Fotos, Gemälde und ein Krimi
Die Black Jackets
Mission T.d.P.
Dalmatiner auf Spurensuche
Der verschollene Diamant
Herr Gurkenzahn wurde entführt
Die zwei Punkte .. und das grüne Amulett
Die Pferde-Detektivinnen
Der Schokoladendieb
Lucys Geheimnis
Eine unerwartete Falle
Der verschwundene Saphir
Der Dieb im Elfenreich
Das entführte Kind
Leo und Mara werden Detektive
Die verschwundenen Sportsachen
Tatort Rieskratermuseum
Der gestohlene Hund
Die Detektivbande Foom ermittelt
Die Zeitmaschine
Die Entführung des Türmers
Der Gelddieb
Inspektor Schlauschwanz und die geklauten Möhrchen
Schattendetektivtagebuch
Mord in Italien
Der verschwundene Sieger
Im Wald des Schicksals
Die Suche nach der verschwundenen Frau
Unsere Schreibwettbewerbe für Kinder und Jugendliche
Unser Buchtipp
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Der Einbrecher
Jetzt sitzt Axel bereits seit zwei Wochen in diesem – zugegeben – nicht sehr kuschlig wirkenden Krankenhaus. Was ihm fehlt, weiß er selbst nicht mehr genau, Ärzten und seinen Eltern hat er nie wirklich zugehört, als sie ihm die Situation erklären wollten. Eines weiß aber Axel mit felsenfester Überzeugung. Er hält es einfach nicht mehr aus in diesem tristen Zimmer, die einzige Dekoration, die das gänzlich in Weiß gehaltene Zimmer aufhellt, ist der bunte Blumenstrauß aus Plastik, der einsam auf einen kleinen Hocker gestellt wurde.
Axel ist kein Junge, der sich leicht unterkriegen lässt, auch wenn er geschwächt ist und sich manchmal vor Magenschmerzen krümmt – von einem Klinikum lässt er sich nicht langweilen. Und so fasst Axel einen Beschluss: Er verlässt seine weiße Zelle und sucht nach etwas Abwechslung. Na, wenn er nur gewusst hätte, in welches Abenteuer sich da noch stürzen würde ...
Axel war klug genug, sich heimlich in Alltagsklamotten zu werfen, um weitgehend unbemerkt durch die eintönigen Gänge der unüberschaubar großen Klinik zu schlendern. Alles, was der Junge eigentlich wollte, war, einen Weg nach draußen zu finden, etwas spazieren gehen und rechtzeitig zurückkehren, noch bevor jemand sein Wegbleiben bemerke und ihn suchen ging. Der Plan hätte ja sogar aufgehen können, hätte er sich nicht schon nach wenigen Minuten verlaufen. Jetzt raste er schon förmlich durch die Gänge, versuchte, einen kühlen Kopf zu bewahren und ja nicht aufzufallen.
Was jetzt? Jemanden fragen?
Das kam für den mutigen Axel definitiv nicht infrage, schließlich nahm er alles selber in die Hand und ließ sich sehr ungern helfen. Ihm zugutekam das Glück, dass an diesem Dienstag ungewöhnlich wenig los war und er sich so keinem großen Publikum aussetzen musste. Er durchlief Dutzende Türen, hastete durch etliche Gänge, aber kein Ausweg war in Sicht. Die Informationstafeln an jeder Ecke waren auch nicht sehr hilfreich, zu kompliziert die ganzen Wegbeschreibungen. Diese blöde Erwachsenensprache!
Es könnte oft so viel einfacher sein, sich zu verständigen ...
Und dann geschah das, was er erst nicht glauben wollte. Am anderen Ende eines weiteren Korridors stand plötzlich ein in einen riesigen Mantel gehüllter Mann, auf seinem Haupt ein kaffeebrauner Hut mit gigantischer Krempe, mit dem Rücken zu Axel. Als ob das nicht schon verdächtig genug gewesen wäre, hielt der groß gebaute Mann ein Messer, nein, ein Skalpell in seiner linken Hand. Woher er das hatte? Er hatte es offensichtlich geklaut ... Die mysteriöse Gestalt schaute sich zwar um, vergaß aber, nach hinten zu schauen – ein großes Glück für Axel. Allgegenwärtig dachte dieser nämlich nur noch eines: „Verfolgen!“
Axel war ein Meister im unauffälligen Verfolgen, dachte er zumindest. Er ging dem Mann hinterher, Gang für Gang, und dachte, nicht bemerkt worden zu sein, doch dann bliebt der Mann ganz plötzlich stehen und unserem Junior-Detektiv gefror das Blut in den Adern. Ob ihn seine Schritte, die vielleicht doch nicht so leise gewesen waren, wie er gedacht hat, verraten hatten?
Der Mann drehte sich ganz langsam um. Zum Vorschein kam ein durch eine große Sonnenbrille verhülltes Gesicht, die Hutkrempe bis in die Stirn gezogen. Ein grauer Stoppelbart wuchs rund um den ungewöhnlich roten Mund des Unbekannten, der sich jetzt mit langsamen Schritten auf Axel zu bewegte, während unser mutiger Patient in Jeans und T-Shirt wie angewurzelt noch immer auf haargenau demselben Platz stand.
Der Fremde vermochte eine ganz gewisse Kraft auszuüben, eine, die Axel zu versteinern wusste. Doch dann kam der rettende Gedanke. „Lauf!“, schoss es ihm durch den Kopf, während der Koloss bereits die Hand, in der er das Messer hielt, hochhob. Eine Verfolgungsjagd begann, die der geschwächte Axel sicherlich nicht für sich hätte entscheiden können, wäre da nicht plötzlich ein ordentlicher Aufprall und ein metallenes Klirren zu hören gewesen. Unser verzweifelter Axel blieb zwar stehen, konnte sich aber unter keinen Umständen umdrehen.
Stille.
Diese wurde von einer warmen, aber sehr tiefen Stimme unterbrochen „Axel Juranek?“
Wusste der gefährliche Unbekannte etwa auch schon, wie Axel hieß? Reflexartig drehte sich der mutige Junge um und ... erblickte den im Mantel umhüllten Mann auf dem Boden, überwältigt von einem Polizisten, hinter dieser Szenerie eine Krankenschwester mit einem weiteren Polizisten.
„Wir haben ihn überwältigt, stellen ihn an der Wache ab“, raunte der zweite Polizist in seine Jacke. „Glückwunsch, kleiner Ausreißer.“
Axel konnte nur staunen.
„Dank dir sind wir einer heißen Spur auf die Schliche gekommen.“
Die Sonnenbrille des Fremden wurde vom ersten Polizisten abgenommen, erboste, tiefblaue Augen schauten Axel erzürnt an. Schließlich brach Axel zusammen, die Besinnung verlierend ...
Später sollte sich herausstellen, dass der Fremde Markus Achter war, ein von der Polizei gesuchter Verbrecher, berüchtigt für seine gefährlichen und fahrlässigen Taten, etwa ein geplanter Mord an einem der Ärzte in einer unscheinbaren Klinik, an einem ebenfalls so ordinären Dienstag ...
Ernad, aus Linz, Österreich
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Rache ist süß
Krachend schlug die Schlafzimmertür zu. Benji Joel Klows Schädel brannte wie Feuer, denn Taro, sein Opa, hatte ihm zuvor einen kräftigen Schlag mitten ins Gesicht verpasst, bevor er ihn rückwärts zu Boden stieß. Benji Joel Klow hatte nämlich seit zwei Tagen den Haushalt nichts mehr gemacht. Nun lag er da wie ein toter Vogel, der aus dem Nest gefallen war, und bewegte sich kaum. Der fahle Mondschein sickerte durch das Dachfenster und im Mondlicht konnte man deutlich den großen Lindenbaum im Garten erkennen. Da ertönten zwölf Glockenschläge der Kirchturmuhr.
Ding, Dong, Ding, Dong … Es war Mitternacht. Irgendwo draußen hörte man ein leises Rascheln und der Wind blies durch das offene Fenster und ließ es klappern. Es war bitterkalt.
Nachdem er sich von dem Schrecken erholt hatte, stand Benji Joel Klow langsam auf. Er taumelte rückwärts über den knarrenden Holzboden und stolperte dabei aus Versehen über etwas Hartes. Benji Joel Klow rappelte sich blitzschnell wieder auf und landete direkt in dem Ehebett, das einmal seinen Eltern gehört hatte. Seine Mutter Lilith Antong wurde nämlich aufgrund psychischer Probleme in eine Irrenanstalt eingewiesen und saß dort schon 13 lange Jahre, und das nur, weil sie so um ihren verstorbenen Ehemann Livian Klow trauerte, der wegen eines schweren Autounfalls gestorben war.
Benji lag immer noch mucksmäuschenstill im Bett und rieb sich den Schädel. „Hoffentlich keine Gehirnerschütterung oder Schlimmeres“, jammerte er leise vor sich hin.
Plötzlich krachte die Eingangstür ins Schloss. „Wer kann das um die Zeit noch sein?“, fragte sich Benji ratlos.
„Wo warst du, Yara?“, brüllte Taro.
Entsetzt wirbelte Yara zum Wohnzimmer herum. Dort saß Benjis Opa Taro gemütlich ihn einem Armsessel. In der rechten Hand hielt er seinen Kaffee und trank genüsslich ein paar Schlückchen, wobei ihm ein bisschen auf sein Hemd tropfte. In der linken Hand hielt er seinen schwarzen, alten Gehstock. Taro starrte Yara mit großen Augen an. Irgendwie sah es so aus, als würde er sie gleich auffressen. Mit seinem dicken, roten Pullover und seiner weiten, schwarzen Schlabberhose sah er aus wie ein zusammengefallener Sack.
Yara schluckte. Sie suchte nach einer Ausrede, doch sie brachte kein einziges Wort heraus. Schließlich war sie es nicht gewohnt, angeschrien zu werden, und sie hatte auch ein wenig getrunken.
„Du kannst in Benjis Zimmer übernachten, ich denke, er schläft schon, aber ihr könnt euch ja morgen kennenlernen. Wir reden morgen wieder und ich werde es deinen Adoptiveltern weiterleiten, dass du so lange unterwegs warst! Übrigens, sein Zimmer ist gleich um die Ecke, dann die Treppe rauf.“
„D…daankke“, stotterte Yara. Sie war völlig überrascht, dass Taro so launisch sein konnte.
Benji hatte alles belauscht, doch wer war diese Person? Langsam wurde es ihm ein bisschen unheimlich, schließlich würde in wenigen Sekunden irgendeine fremde Person in seinem Zimmer schlafen. Benji beschloss, einen Plan auszudenken, doch dafür war es zu spät. Langsam, ganz langsam bewegte sich die Türklinke und die Tür glitt auf.
Im Mondschein konnte er ein wunderschönes Mädchen mit vielen Locken erkennen, aber Benji hatte trotzdem riesige Angst, denn wer wusste schon, was diese Person mit ihm anstellen würde. Also schloss Benji die Augen und tat so, als schliefe er schon längst. Sekunden später war er so müde und kaputt, dass er tatsächlich tief und fest einschlief.
Morgens um sechs Uhr rüttelte der Wecker die beiden unangenehm aus dem Schlaf. Yara gähnte laut und stand langsam und müde auf. Benji streckte und reckte sich, und da er noch nicht richtig wach war, erschrak er zuerst, als er Yara sah.
Sie jedoch griff gleich ein und räusperte sich: „Keine Angst, ich werde dir das alles erklären.“
„Allerdings, das solltest du“, antwortete Benji verängstigt.
„Du musst mir aber versprechen, dass du dich nicht erschreckst, verstanden?“, fragte Yara.
„Verstanden“, äußerte sich Benji.
„Also, machen wir es kurz. Unsere Eltern, Lilith Antong und Livian Klow haben uns getrennt. Du bist mein Zwillingsbruder Benji!“, erklärte Yara ganz ruhig und einfühlsam.
Eine halbe Minute war vergangen und Benji konnte es immer noch nicht fassen, dass er eine Schwester hatte – und noch dazu eine Zwillingsschwester. Aber was wäre, wenn Yara lügen würde, was, wenn sie und Opa Taro unter einer Decke steckten? Diese und noch viel mehr Fragen rasten Benji in Sekunden durch den Kopf.
Fest entschlossen blickte er zu ihr hoch und erklärte: „Wenn du meine Zwillingsschwester bist, musst du auch am selben Tag geboren sein, es tut mir leid, aber ich kann dir erst glauben, wenn …“
Ohne zu zögern, holte sie ihren Reisepass heraus und unterbrach ihn: „Natürlich, das kann ich völlig verstehen, an deiner Stelle hätte ich auch totale Angst. Hier, schau, 19. Juni 2004 wie du, oder?“
Benji war baff. Es stimmte alles bis aufs kleinste Detail. Das Datum, der Geburtsort N.Y.C., einfach alles. Das war seine Schwester, seine Schwester, die er seit 13 Jahren nicht gesehen hatte. Auf einmal schwirrte ihm eine Frage durch den Kopf.
„Du Yara?“, fragte er wissbegierig.
„Ja“, nuschelte sie.
„Weißt du eigentlich, warum Mum und Dad uns getrennt haben?“, erkundigte sich Benji.
Yara hatte sich gerade umgezogen, kam nun zu Benji, setzte sich auf die verknuddelte Bettdecke und fing an zu erzählen: „Ja, meine Adoptiveltern haben mir alles an meinem Geburtstag vor zwei Tagen erklärt. Früher sagten sie immer, meine richtigen Eltern wären bei einem Autounfall gestorben und ich hätte keine Verwandten mehr. Ein Teil davon stimmte ja, Livian, unser Dad, ist ja bei einem Autounfall gestorben, doch der Rest war völliger Schwachsinn. Als ich an meinem 13. Geburtstag von meinen Adoptiveltern erklärt bekam, dass Lilith, unsere Mum, in einer Irrenanstalt ist und dass ich einen Zwillingsbruder in L.A. habe, bin ich völlig ausgerastet, habe die Telefonnummer von unserem Opa Taro herausgefunden, ihn angerufen und gefragt, ob es okay wäre, wenn ich euch mal besuchen würde. Dann bin ich mit dem nächsten Flieger nach L.A. geflogen. Taro wusste schon Bescheid, bevor ich angerufen habe, doch er hat dir nie etwas erzählt, oder?“
„Nein“, verkündete Benji, „hat er nicht.“
„Ich hatte nie die leiseste Ahnung, dass es dich gibt. Meine Adoptiveltern haben mir dann erzählt, dass unsere Eltern gar nicht wussten, dass es Zwillinge werden, und als wir dann kamen, wurde es ihnen zu viel und sie gaben ein Kind zur Adoption frei. Schließlich kamen sie ja nicht einmal mit einem Kind zurecht, und als Dad starb und Mum in die Irrenanstalt musste, gaben sie dich an Opa Taro weiter. Sie alle beschlossen, es mir am 14. Geburtstag zu erzählen, weil ich dann schon alt genug wäre. Ich kann es einfach nicht fassen, dass sie uns getrennt haben. Ich bin so wütend auf unsere Eltern“, fauchte sie.
„Das kann ich ja verstehen. Ich bin auch total wütend auf Taro und unsere Eltern, aber sieh es doch mal so. Wenigstens haben wir uns jetzt kennengelernt und nicht erst in zehn Jahren oder später“, erwiderte Benji.
„Ja, du hast ja recht, Bruderherz. Gehen wir ins nächste Café, trinken einen heißen Kakao mit extra viel Schlagsahne, das ist nämlich mein Lieblingsgetränk? Dann können wir uns die ganzen Geschichten erzählen, die wir erlebt haben“, meint Yara.
„Ja, ich liebe Kakao und Schlagsahne! Ich kenne ein gutes gleich um die Ecke, da war ich mit Mum immer am Sonntagnachmittag, als es ihr noch besser ging“, entgegnete Benji.
Die beiden rannten um die Ecke in das Café, bestellten für jeden drei Portionen heißen Kakao mit extra viel Schlagsahne und plauderten den ganzen langen Tag bis zum späten Abend hin. Seit diesem Tag schworen sich die beiden, sich nie mehr trennen zu lassen, egal, was passieren würde, denn sie würden die dicksten Freunde, die man sich nur vorstellen könnte.
Gegen neun Uhr abends schloss das Café und Yara und Benji mussten nach Hause. Als sie aus dem Café rauskamen, war es schon stockdunkel, eiskalt und sehr nebelig, dabei war es erst Juni. Sie liefen rasch die engen, kleinen Gassen entlang und bogen dann um die Ecke. Außer ein paar Autos, die auf der Straße fuhren, und den Bäumen, die im kalten Wind rauschten, war nichts zu hören.
Plötzlich flackerte das Licht von ein paar Straßenlaternen und die beiden konnten gerade noch sehen, wie eine dunkle, unheimliche Gestalt neben ihnen durch die Lichter huschte. Die Person hatte schwarze Kleidung an, dunkles, gelocktes Haar und in der rechten Hosentasche konnte man die Umrisse einer Pistole erkennen. Im Licht der Straßenlaternen erschien es, als bestünde dieser Mensch nur aus Nebel. Yara und Benji blickten noch einmal nach hinten, und als die Gestalt die beiden plötzlich bemerkte und ihnen folgte, rannten Yara und Benji, so schnell sie konnten, in die Richtung ihres Schlosses. Sie bogen um die Ecke ab und da schrie Yara unerwartet auf: „Aaaahhhhh!“
Benji drehte sich hektisch um. Yara war gestolpert. Sie saß am Boden wie ein verkrüppeltes Irgendetwas und umklammerte ihren Fuß. „Ich denke, er ist gebrochen!“, stammelte Yara.
„Komm, Yara, streng dich an! Wir müssen weiterlaufen, wenn uns diese unheimlich gruselige Gestalt mit der Pistole erwischt, dann sind wir dran!“, quasselte Benji hilflos.
Yara versuchte vergeblich, aufzustehen, doch sie fiel immer wieder hin. Benji unterstützte sie verzweifelt an den Armen, aber sie kamen nur ganz langsam voran. Nun waren es geschätzt nur mehr zehn Meter, bis die furchtbare Gestalt sie eingeholt hatte. Benji nahm Yara huckepack und rannte mit ihr los. Nach wenigen Sekunden war Benji schon im Garten seines Opas angelangt. Er rannte durch die Autowerkstatt und knallte die Türe hinter sich zu. Sie waren in Sicherheit! Eines wussten sie jetzt schon, dass diese Figur nichts Gutes im Schilde führte.
Später, als sie sich beruhigt hatten, saßen sie mit ihrem Opa Taro auf der gemütlichen Couch und aßen Pommes mit Ketchup zum Abendessen. Die schwarz gekleidete Person mit der Pistole in der rechten Hosentasche hatten sie schon längst wieder vergessen. Sie plauderten über die Eltern der Zwillinge.
Neugierig fragte Yara: „Opa Taro, weißt du eigentlich, wie unser Dad Livian ausgesehen hat?“
„Ja, und zwar bis ins kleinste Detail. Wisst ihr, euer Vater war mal im Gefängnis, er hat nämlich jemanden unschuldigen und nur aus Lust gefoltert und dann ermordet. Und ich habe ihn an die Polizei verraten. Nun hasste er mich und sagte, es gäbe Rache, doch bis jetzt ist nichts passiert. Aber seht es euch selbst an“, nuschelte Opa Taro und übergab ihnen ein Fotoalbum von Livian.
Yara und Benji flitzten blitzschnell in ihr Zimmer und schlugen das verstaubte Fotoalbum auf. Auf der ersten Seite stand:
Fotoalbum von Livian-Peter Klow.
Das Papier war schon so dreckig und verstaubt und die Schrift so verschnörkelt, dass es sehr schwer zu entziffern war. Keiner der beiden hatte gewusst, dass Livian mit zweitem Namen Peter hieß. Sie blätterten weiter, sahen viele nette, dunkelhaarige Livian-Peters, doch auf einer Seite fanden sie die Sterbeurkunde von Livian Peter. Sie waren kurz davor, weiterzublättern, als Yara zufällig etwas ins Auge stach.
„Sie mal da!“, sagte sie und las lauthals vor: „Sterbeurkunde von Livian-Peter Klow. Sterbedatum: Kann man nicht genau sagen, vermutlich der 17. Juni 2005, Grund: Im Moor mit Auto versunken, Leiche war nicht auffindbar.“
Benji brachte nur ein paar Worte heraus und stotterte: „Ddd…as heißt also unser Ddd…aad könnte iiiii…mmer noch leben?“
„Haarnadelscharfgenau“, bemerkte Yara.
Benji drehte das Buch um und da fiel plötzlich ein Blatt Papier heraus. Es war ein Zeitungsartikel. Eine Vermisstenanzeige aus dem Jahre 2005. Die Schlagzeile war:
Wer hat diesen Mann gesehen?
Darunter klebte ein Bild von einer schwarzen Gestalt. In der rechten Hosentasche konnte man die Umrisse einer Pistole erkennen und die Person trug schwarze herabfallende Kleidung. Genauso hatte der Mann ausgesehen, den sie heute gesehen hatten.
Eine lange Weile fragten sie sich, wer diese Gestalt nur sein konnte. Dann liefen sie schnell sie die alte und fast zusammenbrechende Treppe runter und waren auf dem Weg ins Wohnzimmer, um zu fragen, ob Opa Taro mehr über diese Gestalt wusste. Schon kurze Zeit später hörten sie einen Schuss. Mutig, aber erschrocken schlichen sie den weißen, langen Korridor entlang. Es ertönte noch ein Schuss und kurze Zeit später noch einer. Zum Schluss schrie jemand so schrill, dass es ihnen eiskalt über den Rücken lief und sie Gänsehaut bekamen.
Langsam gingen sie den Gang weiter entlang und blickten um die Ecke. Was sie sahen, ließ sie blass werden. Yara war die Mutigere von beiden. Sie hielt Benji an der Hand und rannte um die Ecke und kniete sich hin und klagte: „Nein, nein, nicht Taro, nicht Taro!“ Vor ihnen lag Taro tot auf dem Wohnzimmerboden. Er lag da, seine Augen waren weit geöffnet. Von der brüchigen Decke tropfte Wasser herab und ihm strömte Blut aus seinem Hinterkopf. Taro fühlte sich kalt an und sein Herz pochte nicht mehr. Blut überschwemmte den Wohnzimmerboden. Jeder, der Opa gekannt hatte, wusste, dass er nicht besonders gläubig gewesen war und deswegen auch nicht an die Hölle und den Himmel glaubte. Doch irgendwie sah es jetzt so aus, als würde seine Seele in den Himmel steigen.
Obwohl es erst gestern gewesen war, dass Yara Opa Taro kennengelernt hatte, kam es ihr so vor, als kannte sie ihn schon ihr ganzes Leben. Ein leichter Strahl wie von einem roten Scheinwerferlicht drang durch das Fenster auf die Leiche. Es war Vollmond. Blutvollmond.
Yara, immer noch mit Benji an der Hand, trauerte um ihren Opa. Tränen über Tränen platschten auf den blutverschmierten Wohnzimmerboden nieder. Benji lehnte sich über seinen Opa, als er dabei etwas Hartes, Langes hinter Opa Taros Kopf bemerkte. Benji zog es hervor und zeigte es Yara. Es war eine Pistole. Eine schwarze, lange Pistole. Er nahm sie in die Hand und untersuchte, ob irgendetwas Verdächtiges auffiel. Doch er konnte nichts finden.
Schritte unterbrachen die Stille. Wenige Sekunden später tippte jemand Yara auf die Schulter. Sie wollte schreien, doch eine unsichtbare Hand schien ihren Hals zu würgen, sie brach kein Wort über die Lippen, also atmete sie zweimal tief ein und aus und drehte sich dann blitzschnell um.
Inzwischen hatte auch Benji gemerkt, was passiert war, und drehte sich um. Yara fiel in Ohnmacht. Benji konnte sie gerade noch halten und legte sie sanft auf den Teppich, der im Flur lag. Er beschloss, nicht gleich in Panik auszubrechen. Doch dann geschah etwas unglaublich Komisches.
Die Person griff nicht an oder tat sonst irgendetwas in der Art, sondern fiel rückwärts zu Boden und krächzte nur kaum hörbar: „BENJI JOEL!“
Benji traute sich nicht, eine Bewegung zu machen. Zum Glück kam nun Yara wieder zu sich und ging zu Benji hinüber. „Lebt er noch?“, fragte sie.
„Ich glaube nicht“, antwortete Benji. Benji blieb ganz plötzlich der Mund offen und er starrte nur auf einen Punkt.
„Was ist denn, Benji?“, fragte Yara verzweifelt.
Lautlos zeigte er mit nur einem Finger auf die Jackeninnenseite des Mannes, denn ein kleines Stückchen der Jacke war umgeklappt, als die Gestalt umfiel. Dort stand in einer kleinen Ecke gut sichtbarer und von Hand geschriebenen Buchstaben: J.P.K..
Und als sie in der stockdunklen Nacht durch das Fenster plötzlich einen Regenbogen erkennen konnten, wussten sie: Das war nicht das Ende ...
Anja, 12 Jahre, aus Götzis, Österreich.
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Der kleine Detektiv
Am 13.1.1916 – angeblich ein Unglückstag –, schlich mal wieder der kleine Ganove Paul in der kleinen elften Gasse linkisch herum. Dieses Mal war es ein Schmuckdiebstahl, die Betroffene war Frau Müller. Sie war schon alt, also umso besser für Paul. Frau Müller rannte ihm hinterher, doch Paul kam davon.
Zwei Monate später
Paul war immer noch nicht geschnappt. Unser berühmter Mr Sherlock Holms versuchte sein Glück – doch kein Ergebnis. Doch da gab es ja noch den kleinen Detektiv Max. Max war schon zehn Jahre alt.
Eines Tages fragte Max seine Eltern: „Bitte, bitte, bitte kann ich den Dieb fangen?“
Seine Eltern lachten: „Ha hi, hi, hi, hi, hi du ... du ... du und ein Dieb haha, haha, da kann man ja aber wirklich nur lachen hahihohohohoho. Du wirst keinen Dieb fangen.“
Seine Mutter sagte: „Oh! Schon so spät! Wir müssen los.“ Seine Mutter gab ihm noch einen dicken Schmatzer auf die Wange und dann gingen sie.
Somit war Max ganz allein zu Hause. Und da es jetzt ja auch keinen Papa gab, der ihm verbieten konnte, den Dieb zu fangen, machte sich Max auf die Suche nach Paul, dem kleinen Ganoven.
Max ging noch mal zum Tatort.
Und siehe da, Paul versteckte sich hinter einem Busch. Er schien traurig zu sein.
Max fragte: „Was ist denn los Paul?“
„Na ja ... ich will gar kein Dieb mehr sein“, sagte Paul.
Max antwortete: „Dann sei halt kein Dieb mehr.“
„Und wie bekomme ich dann etwas zu essen und zu trinken?“
Max gab Paul etwas Taschengeld von letzter Woche.
„DANKE!!!“ Paul strahlte innerlich.
Fünf Tage später
Max’ Eltern kamen von ihrer Fortbildung zurück. Paul und Max waren nun die allerbesten Freunde und alle lebten glücklich bis ans Ende der Zeit.
Sophia, 8 Jahre, aus Heilbronn, Deutschland.
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Kommissar Kartuschke und ein Fall, der sich gewaschen hat!
Kommissar Kartuschke überquerte das Gelände der Sonnenblumen-Grundschule. Am Eingang begrüßte die Direktorin ihn spitz. Er ließ den Kopf hängen und dachte „Oh nein, die strenge Frau Tulpengrün, das ist ja wie früher!“
„Tut mir leid“, murmelte er kleinlaut.
Sie erwiderte nichts, drehte sich auf dem Absatz um und ging in die Schule. Der Kommissar folgte ihr eilig und fragte: „In welcher Klasse ist es denn passiert?“
„In der Klasse 3b! Aber dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art, auch aus der 4d und der 3a gab es in den letzten Wochen unerfreuliche Nachrichten. In der 1c wurden sogar während der Pause die Stühle umgeworfen und etliche Pausenbrote entwendet.“
Kommissar Kartuschke fragte: „Sicher kein Schülerstreich?“
Frau Tulpengrün wies ihn streng zurecht: „Erstens hast du doch wohl bei mir gelernt, in ganzen Sätzen zu sprechen, und zweitens: Wäre es ein Schülerstreich gewesen, hätte ich dich nicht gerufen!“
Sie kamen vor einem Klassenraum an. An der Tür stand in sehr ordentlicher Schreibschrift: Klasse 4b. Die Direktorin wandte sich dem Kommissar zu: „Wir vermuten den Täter in dieser Klasse. Der Schüler Max Paukenschlag fällt schon seit Längerem durch unangemessenes und störendes Verhalten auf.“ Sie betraten das Zimmer. Ein Junge malte gerade ein Bild an die Tafel, alle anderen Kinder machten ruhig ihre Aufgaben. Frau Tulpengrün zeterte: „MAX PAUKENSCHLAG! SOFORT AN DEINEN PLATZ!“
Kommissar Kartuschke zuckte heftig zusammen. So war er oft von Frau Tulpengrün zurechtgewiesen worden: Sie war nämlich seine frühere Klassenlehrerin gewesen.
„Wie oft habe ich dir nun schon gesagt, du sollst nicht an die Tafel malen? Und was ist das überhaupt?“
Max sah der Lehrerin frech ins Gesicht. „Das sollen Sie sein, Frau Rosenblau!“
„MAX, setz dich an deinen Platz, ich habe mit dir zu reden“, befahl die Direktorin streng. Max schüttelte den Kopf. Frau Tulpengrün wandte sich an die Klasse: „So, jetzt ab in die Pause.“ Alle Kinder rannten nach draußen, unter ihnen auch Max. „Max, du bleibst hier! Ich möchte dir jemanden vorstellen.“
Der Junge blieb stehen und kam zu ihnen herüber, aber nicht, ohne einige Schüler anzurempeln. „Und?“, fragt er.
„Max, das ist Kommissar Kartuschke. Ich habe ihn eingeladen und er soll wie du ihn ganzen Sätzen sprechen!“, erklärt Frau Tulpengrün.
„Hallo Max, ich bin Kommissar Kartuschke. Deine Lehrerin hat mich eingeladen“, sagt er freundlich und streckt Max die Hand hin.
„’n langweiligen Tag“, nuschelte der Junge. Frau Tulpengrün sah ihn mit hochgezogenen Brauen an und schüttelte den Kopf. Der Junge fragte. „Und wieso soll ich jetzt mit diesem Mann reden, Frau Lilienrot?“
„Weil du vielleicht mehr über die unschönen Diebstähle und Verwüstungen in den Klassen unserer Schule weißt. So kann kein Schüler lernen, Füller verschwinden, Radiergummis und Schuhe ebenso!“, erwiderte die Direktorin.
Max Paukenschlag sagte: „Na und, dafür kann ich ja nix.“
Kommissar Kartuschke fragte ihn: „Wo warst du denn zum Beispiel, als in der letzten Woche in der 1c der Klassenraum während der Pause verwüstet wurde?“
Max wurde blass: „Beschuldigst du etwa mich?“
Ernst blickte der Kommissar ihn an: „Na ja, wie ich dich hier gerade so kennenlerne, spricht ja viel dafür. Im Übrigen erwarte ich, dass du mich ab jetzt siezt. So, und nun erzählst du mir, wo du letzte Woche gewesen bist!“
Max stammelt: „Entschuldigen Sie, ich muss überlegen … letzte Woche war ich krank. Frau Tulpengrün, Sie haben doch die Entschuldigung meiner Mutter bekommen?“
Zum ersten Mal wirkte die Direktorin verlegen: „Äh, tja, nun das ist eine unschöne Situation …, aber ich fürchte, der Junge hat recht.“
In dem Moment hörten sie unter dem geöffneten Fenster ein lautes Rascheln. „Pst!“, flüsterte Kommissar Kartuschke. „Das könnte unser Täter sein, wir ertappen ihn auf frischer Tat!“
Alle drei schlichen auf leisen Sohlen zum Fenster und sahen erwartungsvoll hinaus ... und sahen … einen Waschbären, der gerade auf einem Pausenbrot herumkaute. Unter seiner Pfote lugte ein Bleistift hervor. Der Kommissar begann zu lachen. Der Waschbär erschrak, sah zum Fenster und ergriff die Flucht, das Pausenbrot nahm er allerdings mit.
„Da haben wir ja den Übeltäter. Ich befürchte nur, dass hier die Polizei nichts ausrichten kann. Sie, liebe Frau Direktorin, verständigen am besten den Tierschutzverein und lassen sich beraten, was in so einem Fall zu tun ist.“
Max wollte sich gerade leise davonschleichen. „Max!“, rief der Kommissar. „In Zukunft benimmst du dich wohl besser, damit wir uns möglichst nicht wiedersehen.“
Frau Tulpengrün guckte säuerlich auf die Stelle, an welcher der Waschbär seine Schätze gehortet hatte. „Max, da habe ich dir unrecht getan, bitte entschuldige.“
Max grinste erleichtert.
„Aber die Aufgaben, die du heute nicht gemacht hast, wirst du trotzdem bis morgen nachholen! Verstanden?“
Max’ Grinsen erlosch.
Der Kommissar zwinkerte ihm zu und sagte: „Das war ja mal ein Fall, der sich gewaschen hat!“
Jette, 10 Jahre, aus Oldenburg, Deutschland
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Die verschwundenen Schularbeiten
Frau Kluge, die Lehrerin der 4c, kam in die Klasse, legte ihre Tasche auf den Lehrertisch und fing mit dem Unterricht an. „Guten Morgen, Kinder, heute bekommt ihr eure Schularbeiten zurück. Ich habe es gestern noch geschafft, sie zu korrigieren“, sprach die Lehrerin. Sie öffnete ein Fach des Lehrertisches, doch sie konnte die Tests nicht finden. Dann schaute sie in ihre Lehrertasche, doch da waren sie auch nicht. Die Kinder guckten schon verwirrt, dann sagte Frau Kluge: „Ich kann die Prüfungen nicht finden. Sie sind verschwunden.“
Alle waren geschockt. Wie konnten 22 Schularbeitenhefte einfach verschwinden? Die Lehrerin grübelte und flüsterte noch etwas von einem Schlüssel, dann setzte sie den Unterricht fort und meinte, sie würde der Sache auf den Grund gehen.
In der Hofpause liefen alle Kinder in den Garten. Lisa und Lana gingen zu einem Platz, an dem sie gemütlich sitzen konnten, dort plauderten sie: „Ich kann noch immer nicht glauben, dass unsere Schularbeiten einfach jemand aus unserer Klasse gestohlen hat.“
„Ich auch nicht. Dabei war ich schon so gespannt, welche Note ich haben würde.“
Plötzlich stand vor den Mädchen eine junge, schöne, braunhaarige Dame, die einen braunen Mantel anhatte. Sie räusperte sich und begann zu reden: „Hallo, ich bin die Schwester von Frau Kluge und würde gerne zu ihr. Könnt ihr mich hinbringen?“ Die Freundinnen begleiteten sie zu ihrer Lehrerin und gingen dann wieder.
„Hallo Kathrin, danke, dass du so schnell gekommen bist. Also die Schularbeiten, die unsere Klasse geschrieben hat, wurden gestohlen und ich bin mir sicher, dass es jemand aus der Klasse war. Anders kann ich mir das nicht erklären“, meinte Isabella zu ihrer Schwester.
„Nichts zu danken, ich bin immer gerne für meine kleine Schwester da. Also fangen wir an. Du hast mir am Telefon schon drei Verdächtige genannt, die werden wir nach der Reihe zu uns holen und sie befragen. Fangen wir mit Nico an.“
Als der Junge hereinkam, setzte er sich schüchtern vor die beiden Damen und wurde von der Privatdetektivin gefragt: „Wo warst du gestern nach der 5. Stunde?“
„Ich war draußen im Schulhof und habe mit Lea Verstecken gespielt“, meinte er ängstlich.
Der Nächste war Leon. Ihm wurde die gleiche Frage gestellt und seine Antwort war: „Ich bin aufs Klo gegangen, und als ich rauskam, habe ich den Lukas gesehen. Ich habe ihn dabei beobachtet, wie er die Schularbeiten und das Blatt mit den Noten, das Frau Kluge im Schreibtischfach hatte, in seinen Rucksack eingepackt hat und davongelaufen ist.“
Also wurde Lukas geholt und ebenfalls befragt: „Ich bin gleich nach Hause gegangen und meine Mutter kann das bestätigen.“
„Der Fall ist gelöst“, erklärte die Detektivin selbstbewusst.
Am nächsten Tag musste Leon die Schularbeiten zurückgeben und die Kinder fragten verblüfft: „Wie seid ihr dahintergekommen, dass es Leon war?“
„Nico, Leon und Lukas hatten ein Motiv, weil sie eine schlechte Note geschrieben haben. Deshalb kamen sie infrage, aber Nico und Lukas hatten ein wasserdichtes Alibi und Leon nicht. Und wer andere beschuldigt, macht sich immer auch selbst verdächtig.“
Amina, Graz, Österreich
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Die räuberischen Feen
Ganz in Schwarz gekleidet waren die kleinen Feen Brietta, Fiona und ihre Freundinnen, als sie im Morgengrauen vor einem Haus standen. Geräuschlos flogen sie durch das offenstehende Fenster des rosafarbenen Hauses in der Rosenallee.
„Wir machen alles, wie besprochen!“, flüsterte Brietta noch, bevor alle auf das teure Klavier in der Mitte des Wohnzimmers flogen. Der riesige schwarze Flügel war ein Steinway und Sons-Flügel. Die Feen verteilten sich unter dem Klavier und an den Seiten. Dann hoben sie es mit vereinten Kräften hoch und fingen an, langsam auf die Tür zu zufliegen. Da Feen das hundertfache ihres eigenen Gewichtes tragen können, war es leicht für sie, das Klavier zu transportieren. Außerdem kam noch dazu, dass Brietta, Fiona und ihre Freundinnen professionelle Räuber waren. 366 Klaviere hatten sie schon gestohlen und für teures Geld verkauft.
Nun also sollte der Steinway des Komponisten Elrik Johannsen gestohlen und verkauft werden. Aber erst einmal mussten sie das Klavier aus dem Haus bekommen.
Sie waren fast an der Tür angelangt, als eine andere Tür knarrte. „Was passiert hier?“, schrie ein aufgebrachter Elrik Johannsen.
Abrupt drehten sich die Feen um und starrten den, nur in Pyjama gekleideten, Herrn Johannsen an. Herr Johannsen starrte mit weit aufgerissenen Augen zurück.
Da ergriff Fiona das Wort. Sie war eine zarte, blondhaarige Fee mit zu vielen Sommersprossen auf dem Gesicht. „Feen, Abflug!“, rief sie und zusammen flogen sie weiter, doch Herr Johannsen hielt sie auf.
„So geht das nicht!“, rief er. „Das ist mein Klavier. Was wollt ihr überhaupt damit?“
Brietta und Fiona tauschten einen Blick aus. Der Mann sah nicht so aus, als ob er sie verhaften lassen würde, also antwortete Brietta: „Wir verkaufen Klaviere, um Geld zu machen.“
„Sind alle Feen Räuber?“, fragte Herr Johannsen erschrocken. Er hatte gedacht, dass Feen eher hilfsbereit seien.
Fiona schüttelte den Kopf. „Nein. Wir sind eigentlich Hausfeen, aber niemand will uns für sich arbeiten lassen, weil alle denken, dass wir nichts können. Deswegen sind wir Räuber geworden.“
Verwirrt runzelte Herr Johannsen die Stirn. Er schaute sich in seinem Haus um. Überall lag Staub, die Pflanzen waren eingegangen und der Essenstisch war schmutzig. Herr Johannsen hatte einfach keine Zeit, sauber zu machen, weil er als Komponist so viel zu tun hatte. Innerhalb von Sekunden formte sich eine Idee in seinem Kopf. „Wie wäre es damit, wenn ich euch einstelle?“, fragte er. Fiona und Brietta schauten sich verwundert an. Das hatte ihnen noch nie jemand angeboten. Brietta rief laut: „Besprechung!“
Sofort bildeten die Feen einen Kreis und flüsterten. Kurz darauf drehten sie sich um. „Wir nehmen das Angebot an.“
Da freute sich Herr Johannsen. „Aber ihr lasst mein Klavier jetzt hier, oder? Und hört auf zu stehlen?“
Fiona nickte. „Ja. Jetzt haben wir ja wieder eine Aufgabe.“
Gleich darauf machten sich die Feen daran, das Klavier wieder an seinen Platz zu bringen, und fingen dann sofort an, Staubwedel zu holen und zu putzen. Sie teilten sich auf. Ein paar kümmerten sich um die Pflanzen, noch ein paar putzten und die restlichen reinigten den Tisch. Bald darauf wurde es hell und das Haus war so sauber, dass alles glitzerte und funkelte. Herr Johannsen freute sich sehr und machte gleich eine Teeparty mit den Feen, mit ganz viel Kuchen.
Marie-Sophie, 15 Jahre, aus Dresden, Deutschland
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Das Verbrechen um Niklas Wilson
Leise und langsam schlich ich durch den Flur. Mia war dicht an meiner Seite. Ich guckte sie an. Sie öffnete die Tür. Ein kalter Lufthauch zog uns entgegen. Wir hörten ein leises Wimmern. Das musste er sein. Lautlos schritten wir vorwärts. Da saß er, zusammengekauert in der Ecke und kaum ansprechbar. Meine Schwester war sofort bei ihm. Sie löste ihm die Fesseln. Plötzlich drang ein Geräusch an unsere Ohren. Wir hielten den Atem an. Ich zog Niklas und Mia hinter ein Regal. Die Tür knackte. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Ein Gesicht erschien in der Tür.
Eine Jungenstimme fragte sanft: „Niklas, bist du hier?“
Mia neben mir atmete erleichtert auf.
Wieder fragte die Stimme des Jungen: „Ist da jemand?“
Ich war erstaunt, die Stimme klang sehr entschlossen und nicht gerade ängstlich. Mia trat ins schwache Licht, ich wollte sie zurückziehen, doch da war es schon zu spät. Auch Niklas trat jetzt vor. Die Stimme zeigte sich nun auch im Licht. Er war ungefähr in unserem Alter, hatte kurze braune Haare und wunderschöne tiefblaue Augen.
„Simon?“, fragte Niklas etwas aufgeregt, jedoch auch erleichtert. Ich erschrak – Mia hatte einen Revolver an der Schläfe. Ich drückte meinen Körper an die Wand und kniff die Augen zusammen. Mir stockte der Atem.
Ich hatte oft einen großen Angstschub durch ein Erlebnis in meiner Kindheit. Viele aufgeregte Männerstimmen drangen an mein Ohr, es klang wie ein Flüstern. Mir wurde schwindelig und ich bekam starke Kopfschmerzen. Ich hielt mir die Ohren zu und stürzte auf den Boden. Ich wurde ohnmächtig. Eine weiche Berührung löste mich aus meiner Starre. Mein Körper zitterte vor Kälte.
Da hörte ich Simon fragen: „Ist alles in Ordnung?“
Ich bewegte mich nicht. Er meinte daraufhin: „Oh Gott, du bist ja ganz bleich!“ Er nahm meine Hand und half mir auf.
„Ein paar Männer haben Mia und Niklas weggebracht“, sagte er entsetzt. Wir traten einen Schritt vor das Regal. Alles war dunkel. Mein Fuß war eingeschlafen, er schmerzte. Schließlich wagten wir es bis zu der Tür. Simon machte mir eine Geste, dass er vorgehen würde. Ich nahm jedoch seine Hand, hielt ihn zurück und sagte daraufhin: „Wenn, dann gemeinsam!“ Er lächelte mich an. Meine Wangen fingen an zu glühen. Er zog mich mit.
Als wir eine Weile den Gang entlanggelaufen waren, fragte mich Simon: „Du bist Lisa, die zweieiige Zwillingsschwester von Mia, oder? Ich bejahte. Wir liefen schweigend weiter. Wenn ich ihn anguckte, lächelte er nur freundlich zurück. Irgendwann fing er an zu kichern. Warnend legte ich meinen Finger auf die Lippen, er machte ein ernstes Gesicht. Ich schmunzelte und dreht dabei meinen Kopf weg. Jetzt kam der Moment – der Gang endete an einer schweren Eisentür. Hinter der Tür waren leise Stimmen zu vermuten.
Nach einer Weile gab mir Simon ein Zeichen. Ich nickte und drückte die Klinke. Es passierte nichts. Wir begaben uns weiter in den Raum. Hier standen überall Kessel. Da saßen Mia und Niklas. Simon und ich stürmten sofort los. Wir banden Mia und zum zweiten Mal an diesem Tag auch Niklas die Fesseln auf. Meine Schwester fiel mir in die Arme. Wir hielten uns eine Ewigkeit fest. Ich löste mich. Dann schlug ich vor, dass wir die Bande nicht einfach so davonkommen lassen sollten. Die anderen stimmten mir zu.
Wir entwickelten einen Plan. Mia und Niklas stellten sich hinter die Tür. Simon und ich suchten Sachen zusammen, die die Umrisse zweier Menschen darstellten. Wir bauten die Dinge an der Stelle auf, an der die beiden vorhin gesessen hatten. Zum Schluss legten wir die Decke wieder darüber. Wir gingen hinter zwei Kisten in Deckung, doch dann stoppte ich. Was sollten wir machen, wenn wir sie hatten? Konnte es sein, dass es noch andere Leute hier in dem Gebäude gab? Ich gab den anderen Bescheid.
Mia rannte los, um unseren Onkel zu holen, der war Polizist. Ich hingegen fühlte mich dieses Mal stark. Ich konnte eine Gruppe führen und stand nicht einfach so da. Simon nahm den Platz von Mia ein. Die Männer kamen. Als sie ein Stück nach vorne gegangen waren, schlugen die Jungs die Tür zu und schlossen ab. Die Männer kamen auf mich zu. Wie konnten wir nur vergessen, dass diese mich auch entdecken konnten?
Ich rannte zu der anderen Tür, es ertönte ein Knall, ein Schuss hatte sich gelöst. Er streifte mein Bein. Ich schlug die Tür hinter mir zu und brach in der Kammer zusammen. Es hämmerte gegen die Tür. Mein Kreislauf explodierte.
Als ich wieder aufwachte, hörte ich besorgte Stimmen: „Ich hatte einen Schuss gehört, hoffentlich ist Lisa nichts passiert.“ Das war doch Simon. Es kratzte an der Tür. Simon stürmte mir entgegen und umarmte mich erleichtert. Er lächelte mich an. Ich humpelte gestützt mit ihm zusammen nach draußen. Die Gangster saßen in vielen Polizeiautos verteilt. Unsere Eltern waren auch da und rannten auf mich zu.
Später erfuhr ich noch, dass Niklas aus einer Familie stammte, die ein Betriebsgeheimnis hütete, und dass der Grund für seine Entführung war. Von nun an waren wir vier ein unzertrennliches Detektivteam.
Luise, 11 Jahre, aus Berlin, Deutschland

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Die Birnenfälscher
In Waldkirchen am Birnbach wohnte Lisa Wandbach. Heute kam Lena Wischenreiher zu Lisa. Am Nachmittag kamen Birnenverkäufer. Die Typen sahen sehr komisch aus, fast wie Chinesen. Lena und Lisa kauften Birnen, gleich zwei Kisten. Zum Abendessen probierten sie die Birnen. „Sie schmecken scheußlich!“, sagte Lisa. Auch Lena verzog das Gesicht. Plötzlich wusste Lena, was da vor sich ging.
Lena sagte zu Lisa: „Hey Lisa! Ich weiß, wer das war. Die Typen habe ich schon mal an der Birnenallee am Birnbach gesehen.“
„Ja, stimmt. Lena, das sind unreife Birnen. Sie sind Birnenfälscher. Wir müssen uns auf die Lauer legen und mehr über sie herausfinden.“ Lisa und Lena stiegen auf die Räder und fuhren zum Supermarkt. Dort sahen sie, dass zwei Kisten Birnen nur die Hälfte kosteten. Jetzt waren sie ganz sicher, dass es Betrüger waren. Dann ging es zur Polizei. Eine junge Polizistin sagte: „Ich gehe mit euch zu der Birnenallee am Birnbach. Dort beobachten wir sie.“
Als Lena, Lisa und die Polizistin Silke am Birnbach bei der Allee waren, suchten sie ein Versteck. Sie entschieden sich, hinter die Hecke zu kriechen. Als es dunkel wurde, wollten die drei nach Hause gehen. Doch da sahen sie plötzlich Scheinwerfer in der Dunkelheit. Schnell huschten sie in ihr Versteck zurück. Der Lieferwagen hielt. Nun stiegen die Birnenverkäufer aus. Sie pflückten unreife Birnen. Silke fotografierte jeden der Männer und schrieb das Autokennzeichen auf.
Am nächsten Morgen holte Silke die Mädchen bei Lisas Eltern ab. Sie berichtete ihnen: „In der Polizeiwache wurde mir erzählt, dass in der Birnenallee am Birnbach von Herrn Grünspecht Birnen gestohlen wurden.“
Am Abend kamen die Birnenfälscher wieder zur Birnenallee. Lena, Lisa, Silke und Herr Grünspecht saßen auch jetzt hinter der Hecke. Hinter einer Mauerer warteten auch schon andere Polizeibeamte. Silke und ihre Kollegen schnappten sich die Betrüger und verhafteten sie.
Letizia, 7 Jahre, aus Eichstätt, Deutschland
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Die verschwundene Zeugin
Es war 11:00 Uhr abends. Ich konnte nicht einschlafen. Plötzlich hörte ich einen lauten Schrei aus dem Nachbarhaus. Ich erschrak fürchterlich, doch ich war zu neugierig, um einfach weiter im Bett liegen zu bleiben. Deshalb stand ich auf und schaltete die Nachttischlampe an. Vorsichtig schaute ich aus dem Fenster und konnte draußen einen Lichtkegel erkennen, der von einer Taschenlampe stammte. Er leuchtete hin und her, doch dann hielt er plötzlich inne und leuchtete direkt in meine Richtung. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, welche Angst ich hatte! Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich war ganz starr vor Schreck. Doch trotzdem schaffte ich es irgendwie, die Polizei zu rufen.
Kurze Zeit später ertönte ein Martinshorn. Doch sie waren zu spät. Die unbekannte Person mit der Taschenlampe war natürlich sofort abgehauen, als sie die Sirene gehört hatte. Sie hatte ein Auto am Straßenrand geparkt, in das sie reingesprungen und davongebraust war. Blöderweise war es zu dunkel und ich konnte das Kennzeichen nicht erkennen. Nur eines wusste ich: Das Auto war ein roter Porsche gewesen.
Ich begleitete die Polizeibeamten zum Tatort und erzählte ihnen, was ich beobachtet hatte. Die Haustür war aufgebrochen und überall lagen Glasscherben. Die Polizisten fanden davor Fußabdrücke, währenddessen untersuchten die anderen das Haus von innen. Im Wohnzimmer entdeckten sie eine blutige Leiche. Ich schwankte. Schnell hielt ich mich an einem Regal fest, um nicht umzukippen. Meine Knie zitterten und ich wurde blass im Gesicht. Ein Polizist hatte bemerkt, dass es mir nicht gut ging, und brachte mich zurück nach Hause.
Am nächsten Morgen trat ich heftig in die Pedale. „Nur noch ein paar Meter“, murmelte ich. Endlich, ich war da! Vor mir stand ein großes Backsteingebäude mit vielen Türmen, die hoch in die Luft ragten. An der Seite stand ein Schild: Bergschule.
Ich schob mein Rad zu den Fahrradständern und wollte es anschließen. „Wo ist denn jetzt mein Fahrradschlüssel?“, fragte ich mich halblaut und wühlte in der Tasche. In diesem Moment ertastete ich etwas aus Metall. Ich zog den Gegenstand aus der Tasche und atmete erleichtert auf. Mein Fahrradschlüssel war ganz nach unten in die Tasche gerutscht. Als ich endlich das Rad angeschlossen hatte, ging ich in das Gebäude hinein und dann die vielen Treppen nach oben. Ich stöhnte laut, als ich endlich oben angekommen war. Danach klopfte ich an einer der Holztüren.
Ich lauschte. Keine Antwort. Alles still.
Langsam drückte ich die Klinke herunter. Ich sah einen großen Raum mit vielen Tischen und Stühlen. Aus den Fenstern konnte man die riesengroße Schulwiese sehen. Hinter dem Pult stand eine Tafel und an den Wänden hingen bunte Bilder. Das war der Klassenraum der 8a. Ich setzte mich auf einen der Stühle und schaute auf die Uhr. „Gleich 8 Uhr“, dachte ich.
Immer mehr Kinder strömten in die Klasse. Es gongte, aber statt Frau Andersen kam der Direktor rein und ging nach vorne zum Pult. Er räusperte sich. Augenblicklich wurde es mucksmäuschenstill. „Wie ihr bedauerlicherweise wisst, ist eure Klassenlehrerin Frau Andersen vor Kurzem verstorben. Die Polizei ermittelt noch“, meinte der Direktor.
Ein Raunen ging durch die Klasse, manche schauten erschrocken und andere verängstigt. Nur ich wusste genau, wovon er sprach. Der Direktor redete weiter: „Deshalb bekommt ihr einen neuen Klassenlehrer. Darf ich vorstellen? Herr Rötke.“
Die Tür öffnete sich und ein blasser Mann mit einem schwarzen Anzug kam herein und stellte sich neben den Direktor. Streng schaute er sich im Klassenzimmer um und musterte die Schüler. Als er mich anblickte, zog er eine Augenbraue hoch. Ich wurde knallrot, denn ich hatte heute Morgen in der Aufregung ganz vergessen, meine Schuluniform anzuziehen. Stattdessen hatte ich einen einfachen Pulli mit einer Jeans angezogen. Nach einer Weile verabschiedete sich der Direktor und wir blieben mit unserem neuen Klassenlehrer zurück.
„Schlagt bitte im Mathebuch die Seite 104 auf“, sagte Herr Rötke.
Nach einem anstrengenden Schultag ging ich nach Hause und machte meine Hausaufgaben. Da fiel mir plötzlich ein, dass ich noch meine Zeugenaussage auf dem Polizeipräsidium machen musste. Also machte ich mich auf den Weg dorthin. Dort wurde ich gleich von einem Kommissar mit vielen Fragen bombardiert, die ich nicht wirklich beantworten konnte.
Auf dem Rückweg musste ich durch eine dunkle, verlassene Gegend, wo jede Menge Zigaretten und anderer Müll herumlagen, doch plötzlich raschelte es in einem Gebüsch. Ich hielt die Luft an. Dann fragte ich verängstigt: „Ist da jemand?“
Das Rascheln verstummte. In diesen Moment ertönte ein gehässiges Gelächter.
„Jetzt reicht es mir!“, schrie ich dem Gebüsch entgegen. „Zeigen Sie sich oder ich rufe die Poli...!“ Weiter kam ich nicht, denn eine vermummte Gestalt sprang aus dem Gebüsch und stürzte sich auf mich. Die Gestalt fesselte mich und stopfte mir einen Knebel in den Mund. Ich bekam keine Luft mehr und selbst wenn, konnte ich jetzt keinen einzigen Ton herausbringen. Danach wurde ein Sack über mich gestülpt und die vermummte Gestalt trug mich zu einem Auto. Es war stockdunkel in dem Sack und ich wurde hin- und hergeschleudert. Die Gestalt packte mich in den Kofferraum des Autos und fuhr los.
Mama wurde langsam unruhig. Sie hatte schon seit Stunden versucht, mich auf meinem Handy zu erreichen, aber immer ging nur der Anrufbeantworter an. Sie probierte es noch einmal.
„Tut, tut, tut … Ihr Gesprächsteilnehmer ist zurzeit leider nicht erreichbar, bitte versuchen Sie es ein anderes Mal.“
„Da stimmt doch was nicht“, murmelte Mama, „Sophie wollte doch nur ihre Zeugenaussage machen, aber das dauert doch nicht zwei Stunden.“
Papa versuchte, sie zu beruhigen: „Bestimmt kommt sie gleich.“
In diesem Moment klingelte das Telefon. Mama nahm ab: „Hallo, Andrea Schulze am Telefon, wer sind Sie?“
Eine tiefe Stimme sprach: „Wenn Sie Ihre Tochter wiedersehen wollen, müssen Sie 100 000 Euro zahlen.“
Mama wurde blass. „Die Übergabe ist morgen um 11:00 Uhr vor der alten Fabrik und keine Polizei, sonst werden Sie Ihre Tochter nie wieder sehen, verstanden?“
Mama flüsterte leise: „Ja.“
Dann legte die Person am anderen Ende der Leitung auf. Die Gedanken wirbelten in ihrem Kopf herum und sie hatte große Angst um mich.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Papa besorgt. „Und wer hat überhaupt angerufen?“
Mama fing an zu weinen: „Sophie wurde entführt und wir sollen 100 000 Euro bezahlen!“
Papa war starr vor Schreck. „Was?“, fragte er entsetzt.
„Und das bis morgen“, ergänzte Mama.
In derselben Zeit saß ich eingesperrt in einer alten Garage, die sich auf einer verlassenen Baustelle befand. Ich schluchzte, Tränen rannen über meinen Wangen. Der Entführer hatte mich aus dem Sack gelassen und den Knebel aus meinem Mund genommen. Nun hockte ich einsam und allein in einer Ecke der Garage.
„Schreien ist zwecklos! Hier ist weit und breit kein einziger Mensch!“, rief mir der Entführer entgegen und schloss die Garagentür ab. Plötzlich fiel mir ein, dass ich die Stimme irgendwoher kannte, aber woher? Da fiel es mir wieder ein …! Aber warum hatte er das getan?
Im gleichen Moment beschlossen meine Eltern, die Polizei zu informieren, obwohl das strengstens verboten war. Aber sie sahen keine andere Lösung, wie sie so viel Geld in dieser kurzen Zeit auftreiben sollten. Deshalb griff Papa zum Telefon. Nach wenigen Minuten kam die Polizei und sie heckten zusammen einen Plan aus.
Der Abend kam und es wurde immer dunkler, nur ein leichter Lichtstrahl schien durch den Türspalt hindurch. Mir war kalt und ich hatte Hunger und Durst. Spinnen krochen über die Wände und ich hörte lautes Rascheln, das von Ratten kam. Das war sehr unheimlich, aber irgendwann schlief ich trotzdem ein.
Am nächsten Tag wurde ich unsanft aufgeweckt, in dem mir ein Knebel in den Mund gesteckt wurde, ein Sack über den Kopf gezogen und in den Kofferraum gebracht wurde. Ich hatte panische Angst! Die Übergabe ging los …
Mama und Papa fuhren ebenfalls los, nach einer Weile sahen sie die alte Fabrik. „Hoffentlich geht es Sophie gut“, dachte Mama. Dann parkten meine Eltern auf einem Parkplatz, der neben der Fabrik lag. Sie stiegen aus und gingen einen Kiesweg entlang. Schließlich bogen sie nach rechts ab. Vor ihnen stand die alte Fabrik: Sie war ganz heruntergekommen und sah so aus, als würde sie jeden Moment umkippen. An allen Seiten war sie mit Graffiti besprüht, deshalb konnte man nicht erkennen, welche Farbe sie früher hatte. An einer Engelsstatue, die vor der Fabrik stand, blieben Mama und Papa stehen. Sie schauten sich um, ob jemand sie beobachtete, aber es waren nur die Polizisten, die sich rund um den Übergabeort versteckt hatten. Als meine Eltern sich sicher waren, dass niemand anderes sie beobachtete, zog Papa einen weißen Briefumschlag aus seiner Brieftasche. Er steckte diesen in die Hand des Engels, blickte sich noch einmal um und verließ schweigend mit Mama das Gelände.
Endlich war es soweit. Um 11 Uhr kam ein Mann den Kiesweg entlang. Er war sehr blass und trug einen schwarzen Anzug. Der Mann steuerte genau auf die Engelsstatue zu. Davor blieb er stehen und nahm dem Engel den weißen Briefumschlag aus der Hand. Er öffnete ihn und lugte hinein. Dort drinnen lagen viele Geldbündel, aber es waren gefälschte. Der Mann grinste zufrieden, anscheinend hatte er es nicht bemerkt. Schnell machte er den Briefumschlag wieder zu und wollte sich aus dem Staub machen, doch kaum hatte er einen Schritt gemacht, sprangen die Polizisten aus den Verstecken und umzingelten ihn.
Der eine Polizist legte dem verdatterten Mann Handschellen um: „Sie kommen jetzt bitte mit aufs Polizeipräsidium.“
Der Mann stammelte: „Ich habe doch nichts getan!“
„Jaja“, meinte der Polizist nur und fragte: „Wo ist Sophie Schulze?“
Da sah der Mann endlich ein, dass er keine Chance mehr hatte. Er seufzte und sagte: „Sie ist im Auto.“ Als der Mann dem Polizisten das Auto beschrieben hatte, wurde er mit einem Streifenwagen zum Präsidium gefahren. Die anderen Polizisten hatten sich in der Zwischenzeit auf die Suche nach dem roten Porsche gemacht und fanden ihn am Straßenrand. Sie durchsuchten das ganze Auto und fanden mich schließlich im Kofferraum. Die Polizisten nahmen den staubigen Sack herunter und den Knebel aus dem Mund. Danach durchschnitten sie meine Fesseln und fragten, ob es mir gut ginge. Ich war so erleichtert, dass sie mich gefunden hatten, und vergaß dabei, auf die Frage zu antworten. Dann brachten sie mich wieder nach Hause zu meinen Eltern.
Am nächsten Morgen wachte ich verschlafen auf. Ich ging hinunter zu meinen Eltern und setzte mich an den Esstisch. „Guten Morgen“, sagte ich und gähnte. Gestern hatte ich meinen Eltern noch lange erzählt, was alles passiert war und wir waren fast die ganze Nacht wach geblieben. Ich nahm die Zeitung und blätterte darin herum. Plötzlich erstarrte ich:
Lang gesuchter Verbrecher gefasst
Eine Lehrerin aus der Bergschule ist einem Heiratsschwindler auf die Spur gekommen, dafür musste Sie mit ihrem Leben bezahlen. Herr R. hat bei der Frau A. kein Geld im Haus gefunden, deshalb ist er auf die Idee gekommen, das Nachbarkind Sophie S. zu entführen und Lösegeld zu fordern. Bei der Übergabe hat die Polizei ihn festgenommen und das Kind wurde wohlbehalten zu den Eltern zurückgebracht.
F. Schreber
Amalya, 11 Jahre, aus Reinbek bei Hamburg, Deutschland
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Rätsel um den Mitternachtsdieb
Kapitel 1 Der Umzug
Es war Schulende. Der Gong ertönte. Die drei Schwestern Lou, Lisa und Mia folgten dem Schülerstrom hinaus aus der Schule und waren bester Laune. Sie liefen zur Bushaltestelle und warteten dort auf den Bus. Mia fragte ihre Schwestern: „Wie lange dauert das denn noch?“
Lou antwortete: „Keine Ahnung! Der Bus verspätet sich doch immer.“
„Beruhigt euch, da kommt er doch schon“, sagte Lisa in dem Moment. Alle drei Mädchen stiegen ein und suchten sich einen Sitzplatz. Drei Stationen später stiegen sie aus. Durch den kleinen Park gingen sie nach Hause. Als die Mädchen an der Eingangstür klingelten, surrte diese und die drei traten ein. Da ihre Eltern mit ihnen im fünften Stock wohnten, fuhren sie mit dem Fahrstuhl hinauf. Die Mutter erwartete sie schon mit nervösem Blick an der Wohnungstür.
„Hallo, ihr drei, seid ihr hungrig?“, fragte ihre Mutter.
Mia antwortete: „Ja, ich habe riesigen Hunger.“ Also folgten alle drei Schwestern der Mutter ins Esszimmer. Es gab Schnitzel und Pommes mit Ketchup.
Lisa guckte auf den Tisch und rief empört: „Hey, warum gibt es keine Mayonnaise! Wart ihr etwa nicht einkaufen?“
„Darauf wollen wir ja gerade hinaus“, sagte die Mutter.
„Dass ihr keine Mayonnaise gekauft habt?“, fragte Lisa.
Der Vater antwortete: „Wir haben entschieden, dass wir in drei Tagen auf einen Bauernhof in Bayern ziehen, weil ich dort eine sehr gute Stelle als Tierarzt angenommen habe. Eure Mutter wird mich unterstützen.“
Entsetzt sprangen die Schwestern auf und Lou fragte: „Das soll wohl ein Witz sein, oder?“
Mia sagte: „Heute ist doch nicht der 1. April. Also veräppelt uns nicht!“
Die Eltern schüttelten die Köpfe und der Vater sagte: „Das ist kein Scherz, wir ziehen wirklich um.“
„Was? Warum? Wieso?“, riefen die Mädchen durcheinander und liefen in ihre Zimmer. Sie verließen sie den ganzen Tag nicht mehr. Selbst zum Abendessen kamen sie nicht in die Küche.
Am nächsten Tag klopfte die Mutter an die Tür der Schwestern und bat sie darum, ihre Sachen zu packen. Doch sie antworteten nicht. Auch in den nächsten Tagen ließen sich die drei nur noch kurz zum Essen blicken.
An dem Tag des Umzugs waren alle früh wach, denn die Möbelpacker wollten schon um halb acht kommen. Beim Frühstück war es still, nur Musik hörte man aus dem Radio. Drei Stunden später war alles verladen und die drei Geschwister fanden, dass die Wohnung sehr leer aussah. Als die Familie ins Auto stieg, blickten alle noch einmal traurig ihr altes Zuhause an. Dann fuhren sie los.
Nach einer langen Fahrt kamen sie endlich auf dem Bauernhof an. Weit und breit war niemand zu sehen, nur ein paar Hühner liefen auf dem Hof herum. Mia sagte: „Hier ist es ja total einsam.“
Lina drehte sich um und erwiderte: „Ist das das Einzige, was euch dazu einfällt?“ Die Eltern warteten auf eine Antwort, doch sie kam nicht. Zu fünft stiegen sie aus und besichtigten ihr neues Zuhause. Das Wohnhaus war im Vergleich zu ihrer alten Wohnung sehr groß. Die Tür war weiß gestrichen und hatte kleine Fenster, durch die man hineingucken konnte. Die Wände des langen Flurs waren beige gestrichen, was den Raum noch größer erschienen ließ.
Es wurde bereits dunkel und alle beeilten sie sich, das Gepäck für die erste Nacht aus dem Auto zu holen. Da es schon spät war, nahmen die Schwestern sich Decken und Kissen und machten sich in einem der vielen Zimmer ein Nachtlager. Sie legten sich hin und kurze Zeit später schliefen sie erschöpft ein.
Als die Mädchen am nächsten Morgen aufwachten, schien die Sonne. Sie gingen hinunter und sahen ihre Mutter den Tisch decken. Ein paar Minuten später kam auch ihr Vater und setzte sich zu ihnen an den Tisch. Nach einem ausgiebigen Frühstück sprangen die drei Kinder von ihren Stühlen auf, denn sie wollten den Hof nun genauer unter die Lupe nehmen. Zuerst sahen sie die Hühner, die noch immer frei herumliefen. Zum Glück war der gesamte Hof eingezäunt, sodass sie nicht weglaufen konnten. Danach gingen sie zu den Schweinen und in den Kuhstall. Dort sahen sie kleine Kälbchen in einem Laufstall. Die Kleinen liefen auf wackeligen Beinen umher. Zur Mittagszeit traf der neue Pfleger ein, der sich als Carlo Klinker vorstellte. Er sollte sich um ein Dutzend Pferde kümmern, die sich auf dem Hof befanden. Unter den Pferden befand sich auch ein pechrabenschwarzes, teures Rennpferd namens Lando. Carlo machte einen netten Eindruck, unterhielt sich mit ihnen und machte sich dann gleich an die Arbeit. Der restliche Tag verging wie im Fluge, weil es noch so viel zu entdecken gab. Nach diesem aufregenden Tag fielen die Schwestern abends erschöpft in ihre Betten und schliefen schnell ein.
Kapitel 2 Der Diebstahl
Mitten in der Nacht hörten sie ein schrilles Wiehern. Mia, Lisa und Lou standen leise auf und liefen zum Fenster. Zum Glück waren die Jalousien oben und das Fenster geöffnet, sodass sie ungehindert auf den Hof gucken konnten. Da entdeckten sie einen Menschen. Die Person schien bemerkt zu haben, dass sie beobachtet wurde. Der Fremde war schwarz gekleidet und hatte eine Taschenlampe in der Hand, die er vor Schreck fallen ließ, als er bemerkte, dass die Mädchen am Fenster verschwunden waren.
Kurz darauf stürmten die Schwestern aus der Haustür. Sie sahen nur noch einen schwarzen Transporter, der in Richtung Landstraße davonfuhr. Mia lief ins Haus, um ein Taschentuch zu holen. Sie hatte eine Taschenlampe entdeckt, auf der sie keine Fingerabdrücke hinterlassen wollte, da es ein Beweisstück sein könnte.
„Warum hast du ein Taschentuch geholt?“, fragte Lou.
Mia antwortete: „Ich möchte keine Fingerabdrücke hinterlassen.“
Lisa sagte: „Gute Idee!“
Vorsichtig hob Mia die Taschenlampe mit dem Taschentuch hoch und packte diese in eine Plastiktüte. „Komm, wir gucken mal, ob es den Tieren gut geht!“, schlug Lou vor. Sie gingen zu den Ställen und bemerkten, dass eine Box leer war. Lando war verschwunden.
„Oh nein!“, rief Lisa. „Wir müssen die Polizei alarmieren.“ Die drei rannten ins Haus und weckten ihre Eltern. Diese zogen sich eine Jacke über und liefen ihren Kindern hinterher in den Pferdestall, denn sie wollten es mit eigenen Augen sehen.
Im Stall erschraken die Eltern. Der Vater rief mit seinem Handy die Polizei an, aber sie waren an der neunten Stelle in einer Warteschleife. „Mist! Wir sind an neunter Stelle in der Warteschleife“, rief er.
„Leg ja nicht auf!“, mahnte die Mutter.
„Das ist gerade passiert!“, erwiderte Thomas.
Lina murmelte etwas, das man nicht verstand. Dann schlug Mia vor: „Wir könnten doch auch versuchen, den Fall zu lösen.“
„Stimmt!“, sagte Lou. „Wir haben ja die Taschenlampe des Diebes.“
Da die Mutter so müde war, hörte sie nur noch mit halbem Ohr zu, nickte und verschwand im Haus. Thomas sagte: „Ihr solltet auch langsam wieder ins Bett gehen. Es ist schon kurz nach Mitternacht und morgen ist ein anstrengender Tag.“
Kapitel 3 Die Ermittlungen
Am nächsten Morgen waren die Mädchen schon früh wach und radelten mit dem Fahrrad und dem Beweisstück ins Dorf zum Polizeirevier. Dort schlossen sie die Fahrräder an. Im Laufschritt gingen Mia, Lisa und Lou zur Tür und traten ein. Ein freundlicher Herr mittleren Alters begrüßte sie herzlich. Die Geschwister erzählten alles, was in der vorherigen Nacht passiert war.
„Gute Arbeit!“, sagte der Mann, der sich als Kommissar Pranzer vorstellte. Der Polizist sagte. „Tut mir leid, wir können nur noch nach Fingerabdrücken gucken. Bestimmt ist der Dieb schon über alle Berge.“
Mia fragte: „Können Sie denn gar nichts mehr tun, was uns helfen könnte?“
„Nein, können wir nicht. Mir fällt gerade leider nichts mehr ein“, antwortete Herr Pranzer.
„Mmh“, murmelte Mia nachdenklich. Kommissar Pranzer sagte:
„Ich werde die Taschenlampe in unserem Labor schnell auf Fingerabdrücke untersuchen lassen. Bitte folgt mir.“
„Klar“, riefen die drei im Chor. Sie folgten dem Kommissar zu einer großen Tür, die nur über einen Code zu öffnen war.
„Tut mir leid, aber hier dürfen nur Beamte rein. Ihr könnt dort drüben auf den Stühlen Platz nehmen“, entschuldigte sich der Polizist. Kurz darauf verschwand er mit samt der Taschenlampe hinter der Tür.
Eine Viertelstunde später tauchte der Polizist wieder auf und erklärte: „Ich habe die Fingerabdrücke von einem Schwerverbrecher gefunden. Er heißt mit Nachnamen Klinker.“
„Moment“, sagte Lisa, „heißt so nicht unser Pferdepfleger?“
Lou fragte: „Wie heißt er denn mit Vornamen?“
„Richard“, antwortete der Kommissar.
„Puh“, sagte Lisa, „unser heißt Carlo.“
Herr Pranzer sagte: „Vielleicht hat er sich mit einem falschen Namen ausgegeben. Das tun viele Verbrecher.“
„Das kann ich mir nicht vorstellen, er war so nett“, erwiderte Mia.
„Nee, ich auch nicht“, sagte Lou.
Dann fuhren die drei wieder nach Hause. Auf dem Weg meinte Lisa: „Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr macht es Sinn, dass sich Carlo mit falschem Namen ausgibt.“
„Stimmt schon“, pflichtete Lou ihr bei.
In der Auffahrt sahen sie ihren Vater, der versuchte, einen Hühnerstall zu bauen, und ihre Mutter, die die Hühner einfangen wollte, was ihr nicht so gut gelang. Als die beiden die Mädchen entdeckten, fragen sie: „Wo wart ihr denn? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!“
„Wir waren auf dem Polizeirevier und haben dort die gefundene Taschenlampe abgegeben und sie untersuchen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass die Lampe einem Verbrecher, der viele Diebstähle begangen hat, gehört“, erklärte Lisa.
Mia ergänzte: „Der Verdächtige, der Lando entführt hat, heißt Richard Klinker. Außerdem haben wir den Verdacht, dass unser Pferdepfleger der Dieb sein könnte, da er auch Klinker mit Nachnamen heißt und sich mit falschen Vornamen ausgegeben haben könnte.“
„Glaubt ihr etwa, dass Carlo der Dieb ist?“, fragte der Vater ungläubig.
„Vielleicht ist es auch ein Verwandter“, sagte Lina.
„Kann schon sein“, meinten die Schwestern.
„Und was ist, wenn er mit seinen Verwandten unter einer Decke steckt? Oder wenn er doch selbst der Dieb ist?“, fragte Mia.
Lou fügte hinzu: „Es kann aber auch sein, dass er überhaupt nichts damit zu tun hat.“
Lisa rief ungeduldig: „Bevor ihr noch mehr Fragen stellt, sollten wir etwas über ihn herausfinden.“
„Stimmt!“, antworteten ihre beiden Schwestern. Die Mädchen fragten ihre Eltern kurz entschlossen nach der Adresse des Pflegers. Die Eltern gaben ihnen die Adresse mit der Bitte, nichts Unüberlegtes zu tun. Sie seien ja schließlich nicht die Polizei und es könnte gefährlich werden. Sie erlaubten ihnen aber, kleine Erkundungen zu machen.
Kapitel 4 Der Dieb
Neugierig und aufgeregt schnappten die Mädchen sich ihre Fahrräder und radelten zu der genannten Adresse: Krügerweg 22. Dort angekommen, sahen sie ein offenes Fenster und erkannten schnell ihre Chance. Wie auf Kommando schmissen sie ihre Räder ins Gras und sprinteten zum Fenster. Da es ein kleines Badezimmerfenster war, mussten sie sich hindurchquetschen.
Ratlos blickten sie sich im Raum um. Leise machte Lou die Tür auf, natürlich mit Gummihandschuhen. Die hatten sie sich vorsorglich angezogen. Mia schaute Lou über die Schulter hinaus in den Flur. Lautlos trat Lou in den Flur und ihre Schwestern folgten ihr. Plötzlich hörten sie ein Quietschen. Panisch blickten sie sich um. Da bemerkte Lisa, dass das Badezimmerfenster zugegangen war.
„Oh, oh. Das Fenster ist zugefallen“, flüsterte sie.
Mia antwortete: „Er kann noch nicht Feierabend haben. Wir wissen doch, wann er nach Hause kommt. So spät ist es auch noch nicht. Ich schätze mal halb drei.“
„Genau“, pflichteten die beiden ihr bei. Also teilten sie sich auf und verschwanden in verschiedenen Räumen. Mia stieß auf sein Arbeitszimmer. So leise wie möglich rief das Mädchen seine Schwestern, die gleich darauf aufgeregt hereinschlichen. Mia hatte bereits einige Schubladen geöffnet. Jetzt flüsterte Lisa neugierig: „Wir müssen die Schubladen durchsuchen. Eine von uns kann sich ja nach geheimen Dingen umsehen, die anderen nach Briefen, Rechnungen oder gestohlenen Dokumenten.“
„Und wer soll sich nach den geheimen Fächern umsehen?“, fragte Mia interessiert.
Lou sagte: „Na die, die fragt.“
„Toll“, erwiderte Mia.
Einige Zeit später hatten sie immer noch nichts Besonderes gefunden. Deswegen zog Mia gelangweilt ein Buch aus dem Regal und schaute sich die Titelseite an. Währenddessen öffnete sich das Regal. Mia bemerkte dies erst, als das Regal schon ganz offen war. „Wow“, entfuhr es ihr. Da Lou und Lisa sie gehört hatten, gingen sie zu ihr und staunten nicht schlecht.
Langsam gingen die drei in den geheimen Raum hinein, immer darauf vorbereitet, dass eventuell etwas passieren könnte. In diesem Zimmer reihten sich die Bücherregale noch mehr aneinander als im vorherigen Zimmer. Den dreien verschlug es die Sprache. Alle Regale sahen sauber und gepflegt aus, außer einem alten Wandschrank. Er stach sofort ins Auge. Mutig näherten sich die Schwestern dem Schrank. Erst jetzt sahen sie zwei Löcher auf Augenhöhe. Neugierig versuchte Lisa, die Tür zu öffnen ... vergebens.
„Mist“, rief sie. Lou entdeckte ganz unten eine kleine Schublade und öffnete sie. Zum Vorschein kam ein riesiger Schlüssel.
Lou flüsterte: „Mal gucken, ob der Schlüssel in das Schlüsselloch passt.“ Vorsichtig steckte Lou ihn hinein und drehte ihn um. Da sahen sie zwei Säcke gefüllt mit Hafer und zwei mittelgroße Kartons mit vielen kleinen Löchern.
„Ich frag mich, was hier drin ist?“, fragte Lisa, hob einen Karton vom Schrankboden auf und beschwerte sich, dass er so schwer war. Sie wuchtete den Karton auf einen Tisch. Aus ihm kam ein dumpfes Wau. Geschockt und mit zitternden Händen öffnete sie den Karton und ein kleines Labradorwelpengesicht schaute sie an.
Die drei Schwestern riefen im Chor: „Oh wie niedlich!“ Vorsichtig hob Lisa den Welpen hoch und hielt ihn sich vors Gesicht. Er schlabberte sie freudig ab. Mia hob den zweiten Karton hoch, stellte ihn neben den anderen, öffnete ihn und heraus blickte ein schwarzes Katzengesicht mit weißen Ohren. Das Kätzchen sprang in Mias Arm. Auf einmal hörte Lou eine Autotür, die zugeschlagen wurde. Der Welpe fing an zu knurren.
„Oh, oh, ich glaube, Carlo kommt!“, flüsterte Lou. So schnell es ging, nahm sie die leeren Kartons und packte diese zurück in den Schrank. Panisch griff sie nach dem Schlüssel und schloss ab. Die beiden Tiere steckten sie vorsichtig in ihre Rucksäcke. Nun rannten die Schwestern aus dem Geheimraum. Dabei hätten sie fast vergessen, das Buch wieder ins Regal zu stellen. Eilig verließen sie das Arbeitszimmer. Jetzt hörten sie auch schon Stimmen von der Treppe, die zur Haustür führte. Das spornte sie noch mehr an, sich zu beeilen. Da bemerkten die Schwestern, dass sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen würden, durch das Fenster zu klettern, und flohen in die Besenkammer. Auf einmal wurde die Tür der Besenkammer aufgemacht. Die drei Schwestern zitterten vor Angst, entdeckt zu werden, und versteckten sich, so gut wie möglich, hinter den Putzmaterialien. Der Pfleger griff nach einem Besen und schloss die Tür wieder. „Puh!“, sagte Lou deutlich hörbar.
Die Tür öffnete sich wieder. Diesmal kam eine etwas rundliche Frau hinein. Sie hatte gräuliches Haar, das zu einem Dutt gebunden war. Viele Haarspangen hielten einzelne Strähnen auf ihrem Kopf. Die Frau trug ein geblümtes Kleid unter einer weißen Schürze, die bestickt war. Sie bewegte sich ruckartig, um den Besen zurückzustellen. Dabei verlor sie eine Haarspange. Diese landete genau vor Mias Knie. Mit zitternden Händen griff Mia nach der Spange und legte sie neben sich. Als die Frau wieder hinausging, waren die Schwestern sehr erleichtert. Doch dann hörten sie einen Schlüssel, der herumgedreht wurde.
„Oh nein!“, rief Lisa.
Lou sagte: „Ich glaube, wir haben keine andere Wahl, als um Hilfe zu rufen.“
„Leute, kann ich jetzt auch mal mitreden“, meinte Mia. Sie stand auf und steckte die Haarspange ins Schlüsselloch. Mit einem Klick sprang die Tür auf. Erleichtert spähten die Mädchen durch den Spalt. Im Flur war niemand zu sehen. Auch die Badezimmertür stand sperrangelweit offen.
Lou zischte: „Los, im Moment ist niemand zu sehen.“ Leise huschten die drei ins Badezimmer. Zum Glück stand das kleine Fenster wieder offen, sodass sie ungehindert nach draußen klettern konnten. Die Katze schnurrte. Wahrscheinlich genoss sie die frische Luft. Die Mädchen sprinteten zu den Rädern. So schnell sie konnten, fuhren Lou, Lisa und Mia vom Haus weg. Während der Fahrt schaute Lisa sich kurz um und entdeckte, wie Carlo in sein Auto stieg.
„Schneller“, schrie Lisa den anderen zu. Die Geschwister legten noch einen Zahn zu. Schon nach ein paar Minuten sahen sie den Hof. Sie rasten auf den Bauernhof, schmissen ihre Fahrräder ins Gras und liefen ins Haus. Die drei stellten vorsichtig ihre Rucksäcke ab. Behutsam setzen sie den Welpen und das Kätzchen auf das Bett und fingen an, die beiden zu streicheln. Auf einmal klopfte es an der Tür.
Kapitel 5 Ärger
Die Mutter kam herein und sagte: „Carlo möchte mit euch sprechen.“ Verwirrt fügte sie noch hinzu: „Von wem sind denn die Tiere?“
„Die haben wir im Wald gefunden. Wahrscheinlich wurden sie ausgesetzt“, meinten die drei.
„Oh wie schrecklich“, sagte die Mutter.
„Können wir sie behalten“, bohrten die Schwestern nach.
„Werden wir sehen. Aber beeilt euch, Carlo soll nicht ewig warten“, erwiderte die Mutter.
„Wir gehen ja schon“, sagte Lou. Nervös stiegen sie die Treppe hinunter, öffneten die Haustür und traten auf den Hof. Carlo stand vor den Ställen. Er sah nicht wirklich erfreut aus. Wütend fing er an zu reden: „Was hattet ihr in meinem Haus zu suchen? Was wolltet ihr dort? Ihr seid eingebrochen. Das muss euch klar sein.“
Unsicher sagte Mia: „Wir waren noch nicht mal dort, sondern im Wald und haben diese Tiere gefunden.“
„Das glaube ich euch nicht“, erwiderte Carlo.
„Doch, musst du aber!“, rief Lisa.
„Muss ich nicht, denn ich habe sie mir gestern gekauft“, schrie Carlo voller Wut.
Lou explodierte. „Du mieser Kerl, du hast die Tiere im Wald ausgesetzt, wo sie ganz auf sich allein gestellt waren, bis wir kamen.“ Eine kleine Notlüge.
Kaum hörbar murmelte Mia: „Und wenn schon, in den Kartons im Schrank hätten sie auch nicht wirklich lange überlebt.“
„Ihr miesen Gören von Einbrechern, ihr wisst genau, wo ihr die Tiere herhabt. Gebt sie mir sofort wieder zurück oder eure Eltern erfahren die Wahrheit“, zischte Carlo bedrohlich.
Lisa lachte: „Was denkst du, wem sie wohl glauben würden, dir oder ihren Töchtern?“ Voller Wut machte er „Grrr“ und stapfte davon. Die drei taten es ihm gleich und zogen dabei Grimassen.
Kapitel 6 Falsche Fährte
Lisa, Mia und Lou zogen sich in ihr Zimmer zurück, um sich zu beratschlagen. Lou fing an zu sprechen: „Ich bin mir jetzt gar nicht mehr so sicher, ob Carlo der Täter ist. Vielleicht sollten wir mal in Erfahrung bringen, ob es noch andere Personen mit dem Nachnamen Klinker in der Nähe gibt.“
„Tolle Idee“, meinte Lisa. Mia holte ihr iPad heraus und tippte darauf herum. Nach kurzer Zeit sagte sie: „In dieser Stadt gibt es noch andere Verdächtige mit den Namen Klinker.“
„Richard Klinker hat ja Lando gestohlen. Außerdem gibt es noch Stina Klinker und Emil Klinker. Emil sitzt aber gerade im Gefängnis.“
„Aha, interessant!“, bemerkte Lou.
Lisa meinte: „Dann könnten nur Richard und Stina Klinker unter einer Decke stecken, wenn sie überhaupt etwas miteinander zu tun haben.“
„Hallo, begreift ihr es denn nicht?“, rief Mia. „Es gibt keinen Carlo Klinker als Verbrecher. Also kann er es nicht gewesen sein.“
„Oder er gibt sich mit falschen Namen aus“, schrie Lou aufgeregt.
„Vielleicht, vielleicht auch nicht“, erwiderte Lisa.
„Aber wieso waren dann die Tiere in Carlos Haus?“, fragte Lou.
„Vielleicht hat er sich die beiden wirklich gekauft und nur noch keinen Schlafplatz für sie“, überlegte Lisa laut.
Mia fragte: „Also heißt das jetzt, dass er unschuldig ist?“
„Ich finde, es passt jetzt gar nicht mehr ins Bild, dass er Lando gestohlen hat“, meinte Lou.
„Er hat sich wohl doch nicht mit falschem Namen ausgegeben. Im Internet findet man auch gar nichts über einen Verbrecher namens Carlo Klinker“, sagte Lisa nachdenklich.
Lou fragte: „Steht dort, wo Stina und Richard Klinker wohnen?“
„Ja, hier steht, dass sie in der Tannenallee 46 wohnen“, erwiderte Mia.
Lisa schlug vor: „Na dann lasst uns mal dort hinfahren.“
Schon sprangen sie auf, stürmten nach draußen und fuhren los. Nach einer circa 15-minütigen Fahrt bogen die drei in die Tannenallee ein. Sie guckten nach rechts und sahen die Hausnummer 28. „Ich glaube, wir müssen noch ein bisschen weiterfahren, bis wir zur Hausnummer 46 kommen“, meinte Lou.
Schließlich gelangten sie ans Ende der Tannenallee und wunderten sich, warum die letzte Nummer die 40 war. „Das kann doch gar nicht sein“, sagte Mia verwirrt. Sie hatte die Idee, an einem der anderen Häuser zu klingeln und zu fragen, ob es überhaupt eine Nummer 46 in der Tannenallee gäbe. Als sie in der Nummer 40 klingelten, öffnete ihnen eine mittelalte Frau. Die Schwestern schätzten sie auf Ende dreißig.
Die Frau sagte etwas überrascht: „Oh, wer seid ihr denn?“
Mia antwortete: „Ich heiße Mia und neben mir stehen meine Schwestern Lisa und Lou. Wir wollen nur fragen, ob Sie Stina und Richard Klinker kennen.“
„Sie wohnten im Haus Nummer 38 und waren eigentlich ganz nett. Doch dann stellte sich heraus, dass Richard ein Verbrecher ist. Er war für einige Zeit im Gefängnis, ist aber schon wieder entlassen. Im Moment wohnen sie, glaube ich, im Krügerweg 22“, erklärte die Frau.
„Vielen Dank! Sie haben uns sehr geholfen“, sagte Lou eilig.
Kapitel 7 Des Rätsels Lösung
Sofort rannten Lou, Lisa und Mia zu ihren Fahrrädern und fuhren los. Aufgeregt stieß Mia hervor: „Wisst ihr, was das bedeutet? Krügerweg 22? Carlo ist doch Richard!“
Lisa guckte auf ihre Uhr und sah, dass es schon halb sechs war. Sie rief: „Carlo hat schon seit einer halben Stunde Feierabend. Wir müssen uns beeilen.“
Mia und Lou verstanden sofort, dass sie so schnell wie möglich zu Carlo fahren mussten. Es waren nur noch ein paar Meter bis zum Haus, als sie Carlo mit einem schwarzen Hengst sahen, den er zu einem Pferdetransporter führte. Ein paar Sekunden später entdeckten sie auch eine Frau, die ungefähr genauso alt war wie Carlo. Sie hielt einen Welpen und ein Kätzchen im Arm. Neben ihr standen zwei Reiseboxen für die Tiere. Schnell fuhren die Mädchen hinter eine Hecke. In der Zwischenzeit sagte die Frau, vermutlich Stina, zu ihrem Mann: „Richard, wir werden mit den Tieren richtig viel Geld verdienen.“
Mia flüsterte: „Sie haben den Welpen und das Kätzchen aus unserem Zimmer gestohlen. Ich habe einen Plan. Hört gut zu. Zwei von uns stellen sich auf die Straße und versuchen, den Weg zu versperren. Sie ist ja schmal. Die andere ruft die Polizei an.“
„Gute Idee!“, meinten Lisa und Lou.
Kurz darauf meldete sich Lisa wieder zu Wort: „Ich werde mich auf keinen Fall auf die Straße stellen.“
Mia erwiderte: „Gut, dann hätten wir uns ja schon aufgeteilt.“
„Stopp!“, rief Lou. „Wie soll man denn an Richard und Stina vorbeirennen? Die schnappen uns doch sofort.“
Mia antwortete: „Ich werde mich auf die Seite stellen, zu der sie losfahren. Wenn sie eingestiegen sind, kommen sie ja nicht an mir vorbei. In der Zwischenzeit wirst du dich auf die andere Seite stellen und ihnen den Weg versperren. Dann kommt hoffentlich schnell die Polizei.“
Lisa hatte ihr Handy schon gezückt und wählte 110. Mia lief auf die Straße und Lou folgte ihr. Nun schien Richard Mia bemerkt zu haben und rief empört: „Geh da weg, wir fahren jetzt los!“
Nun lehnte sich auch Stina aus dem Fenster und rief triumphierend: „Wir können auch umdrehen. Du kannst dich ja nicht zerteilen.“
Richard drehte den Wagen und wollte losfahren, als ihm plötzlich Lou fröhlich zuwinkte und die Straße blockierte. Ratlos guckten die beiden Diebe sich an. Auf einmal hörten sie in der Ferne Polizeisirenen. „Mist!“, rief Richard wütend und stieg gemeinsam mit seiner Frau aus dem Auto, um zu Fuß zu flüchten. Doch schon parkten zwei Polizeiautos das Fahrzeug zu und versperrten ihnen den Fluchtweg. Nach und nach kamen immer mehr Polizeiwagen. Nun trat auch Lisa hinter der Hecke hervor. Die Polizisten nahmen Stina und ihren Mann fest.
Kommissar Pranzer kam zu den Mädchen und sagte: „Gute Arbeit! Bitte kommt doch morgen mit euren Eltern fürs Protokoll aufs Revier.“
Die drei nickten eifrig, stiegen auf die Fahrräder und fuhren fröhlich nach Hause.
Am nächsten Vormittag traf die Familie auf dem Polizeirevier ein und wurde freundlich begrüßt. Ein Mitarbeiter sagte zu ihnen: „Erzählt doch mal die ganze Geschichte.“
Abwechselnd erklärten die Schwestern alles haargenau. Der Polizist notierte sich alles. Nun kam auch der Kommissar und fragte, ob er mit den Eltern alleine sprechen könne. Thomas und Lina folgten ihm ins Besprechungszimmer.
Herr Pranzer sagte: „Wir würden Ihren Töchtern gerne eine Belohnung zukommen lassen. Dabei dachten wir an das Kätzchen und den Welpen, die sie gefunden und so sehr ins Herz geschlossen haben.“
Die Eltern waren damit einverstanden und bedankten sich dafür. Schnell erklärten sie ihren Töchtern, was sie besprochen hatten, und die drei freuten sich sehr. Laut beratschlagten sie, wie sie die beiden nennen wollen. Dabei einigten sie sich auf Lucky für den Welpen und Milli für das Kätzchen.
In den nächsten Tagen halfen sie viel auf dem Hof und beim Auspacken der Umzugskartons. Sie waren glücklich, dass sie einen richtigen Fall gelöst hatten, und freuten sich auf die nächsten Wochen, in denen sie hoffentlich schnell neue Freunde finden würden.
Lara, Lilli, Carlotta, aus Reinbek bei Hamburg, Deutschland
*
Entführung in der Birkmanstreet?
Spät in der Nacht – um 1.00 Uhr – konnte man in der Birkmanstreet klickende Geräusche hören. An Hausnummer 13 konnte man zwei vermummte Gestalten erkennen. Sie machten sich an der Haustür zu schaffen. Mit einem Dietrich! Da, die Tür ging auf. Die zwei Personen gingen rein. Von drinnen konnte man ein Poltern hören. Nach zehn Minuten kamen sie mit einem prall gefüllten Sack wieder raus. Im Sack bewegte sich etwas.
Ich schreckte hoch. War ich doch tatsächlich über meinem neuen Krimi An der Südküste gefangen eingeschlafen. Ich, Liv Morales, zehn Jahre alt. Ich liebte Krimis!! Na ja, kein Wunder, dass ich eingeschlafen war. Ich hatte bis um 1.00 Uhr nachts gelesen. Da fiel mir mein Traum wieder ein. Es war das gewesen, was in meinem Buch stand. Merkwürdig!!! Ich schaute auf meinen Wecker. Natürlich mit Sherlock Holmes drauf. Er war der coolste Meisterdetektiv überhaupt. Es war fünf vor halb sieben. Mama würde gleich reinkommen und mich wecken. Ich ließ mich auf mein Kopfkissen fallen.
„Rise and shine“, tönte da auch schon Mamas Stimme. Ich setze mich wieder auf. Mama war Englischlehrerin und weckte mich jeden Morgen mit dem Satz „Rise and shine“, was so viel bedeutete wie: „Raus aus den Federn!“
„Ja, ja“, sagte ich, stieg aus dem Bett und ging ins Bad, um mich anzuziehen.
Als ich runter zum Frühstück ging, saßen Papa und Mama schon am Tisch. Ich füllte mir Cornflakes in eine Schüssel und goss Milch darüber. Als ich aufgegessen hatte, ging ich nach oben, putzte mir die Zähne, um dann anschließend wieder runterzugehen, mir Jacke und Schuhe anzuziehen, mir meinen Helm aufzusetzen, mich aufs Fahrrad zu schwingen und zur Schule zu fahren. Jeden Morgen dasselbe. Ich wünschte, es würde mal ein Verbrechen geschehen, das ich dann mit meinen beiden besten Freundinnen Mia Magwill und Lola Smith lösen könnte. Oder dass wir mal zu dritt mit unseren Eltern nach Brighton in die Ferien fuhren. Brighton war übrigens die Stadt, in der auch hauptsächlich mein Krimi spielte. Apropos Ferien: Heute war der letzte Schultag vor den Ferien. Ich war in der Schule, ging zum Fahrradständer und schloss mein Rad an. Wie gesagt: jeden Morgen dasselbe. Ich sah Mia und Lola, die beieinanderstanden und redeten. Ich ging zu ihnen.
„Also! Was ist jetzt mit der Überraschung?“, fragte Mia und ich verstand nur Bahnhof.
Mia erklärte: „Lola hat uns und unsere Eltern für die Ferien in ihr Ferienhaus in Brighton eingeladen. Wir würden morgen losfahren. Hättest du Zeit?!“
Ich war total verwirrt, weil ich ja gerade auf dem Fahrrad darüber nachgedacht hatte. „Ernsthaft?!“, fragte ich darum unsicher und guckte auch genauso. Aber dann sagte ich: „Ja klar habe ich Zeit!!! Aber so was von.“
Es klingelte so wie jeden Morgen genau um 8.00 Uhr. Das würde sich bald ändern.
„In Brighton spielt auch mein Krimi“, sagte ich.
„Cool!“, antwortete Lola. „Vielleicht können wir dort auch einen Verbrecher fassen.“
Wir gingen rein. Die Schule wollte ewig nicht enden. Als sie dann vorbei war, fuhr ich sofort nach Hause. Ich erzählte meiner Mutter von der Neuigkeit und die rief sofort Lolas Eltern an. „Ah, ok“, hörte ich meine Mutter in den Hörer sagen und: „Alles klar! Dann bis morgen früh.“
Ich jubelte innerlich. Als Mama aufgelegt hatte, auch äußerlich. „Jippie!!!“, rief ich aus voller Kehle und rief Mia an. Tut … Tut … Klingeling. „Es geht!“, rief Mias Stimme aus dem Hörer.
Mir platzte fast das Trommelfell, und als wir schließlich auflegten, klingelte immer noch ihre Stimme in meinen Ohren. Ich packte in Rekordgeschwindigkeit meine Sachen. Als mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, stürmte ich auf ihn zu, um ihm alles zu erklären, aber er wusste schon Bescheid. Mama hatte ihm eine SMS geschrieben. Als ich mich fertig machte, um ins Bett zu gehen, dachte ich über die nächsten Tage nach. Es würde sehr spannend werden, das wusste ich, und darum konnte ich auch nicht schlafen. Ich las einfach An der Südküste gefangen weiter.
Im Sack bewegte sich etwas. Die Gestalten hauten mit dem Sack ab. Detektiv Clark musste hinterher und so schlich er den Gestalten nach.
„Wo gehen sie bloß hin?“, fragte sich Mr Clark.
Sie gingen Richtung Strand. Und tatsächlich: Am Steg war ein kleines Boot festgemacht. Die Gestalten stiegen ein und brausten davon. Clark sah noch ein anderes Boot, stieg ein und fuhr hinterher. Die Gauner fuhren auf eine Felseninsel, die sogenannte Riff. Auf der Riff war ein großer Leuchtturm. Innen brannte Licht. Clark machte sein Boot fest und schlich zum Leuchtturm. Da knackte es in der Nähe. Mr Clark versteckte sich. Eine Gestalt kam zum Leuchtturm. Knack. Clark war auf einen trockenen Ast getreten … Der Kopf der Gestalt fuhr herum. Das Gesicht war von einer Kapuze verdeckt. Sie schaute genau auf den Busch, hinter dem er sich versteckt hatte. Die Gestalt ging in den Leuchtturm.
Nach einer Minute ging Clark hinterher. „Hey! Mein Handy!!!“, rief Mr Clark. Jemand hatte ihn überwältigt und ihm sein Handy aus der Tasche geklaut. Er wurde in eine dunkle Kammer gesperrt. In der Ecke war der Sack, den die Typen geklaut hatten … Er bewegte sich …
„Rise and shine!“ Mamas Stimme weckte mich am nächsten Morgen. Mist, ich war eingeschlafen. Das konnte doch nicht wahr sein! Ich verfluchte mich innerlich. Moment mal – ich hatte schon wieder das geträumt, was in meinem Buch stand. Ich rief Lola an.
„Hallo hier ist Mary Smith“, meldete sich am anderen Ende die Stimme von Lolas Mutter.
„Könnte ich bitte Lola sprechen?“, fragte ich sie. „Es ist wichtig.“
Mrs Smith rief: „Lola, Liv ist dran.“ Und zu mir: „Einen Moment.“ Ich wartete … und wartete ... und endlich, nach gefühlt einer Stunde: „Hallo Liv! Was ist?“
„Wo wohnt ihr genau in Brighton?“, fragte ich.
„Birkmanstreet 15. Warum?“
„Waas?! In meinem Krimi wurde eingebrochen und rate mal, wo!“
Schweigen am anderen Ende der Leitung.
„13, Birkmanstreet 13! Jetzt kommst du.“
„Krass!“, hauchte Lola. „Oberkrass!“
„Ich ruf Mia an und erzähle ihr alles“, sagte ich. „Bis später!“
Als wir endlich in die Birkmanstreet in Brighton einbogen, las ich die Hausnummern 1, 3, 5, 7… Da vorne, war da nicht Blaulicht? Und wirklich, vor Hausnummer 13 stand ein Polizeiauto. Das mit jeden Morgen dasselbe nehme ich zurück.
Mia und Lola waren auch schon da und schauten gespannt der Spurensicherungen zu, wie die Beamten die Türklinke samt Schloss mit Grafitpulver einpinselten.
„Hi!“, rief ich.
„Hi!“, riefen die beiden wie aus einem Mund zurück.
„Voll spannend!“, sagte Mia, als ich bei den beiden stand.
„Wäre das nicht ein Fall für uns?“, fragte ich plötzlich.
„Ein Fall?“, wiederholte Lola. „Für uns?“
„Ja!“ Mias Augen leuchteten, als sie das sagte.
„Also los!“, seufzte Lola. Wir gingen zu einem Polizisten, der anscheinend der leitende Kommissar war. „Hallo“, sagte er freundlich, „Was kann ich für euch tun?“
„Wir …“, fing Lola zögernd an, „… wir wollten Sie fragen, was genau passiert ist.“
„In der Nacht von gestern auf heute wurde hier eingebrochen.“
Ich hakte nach: „Wurde etwas entwendet?“
„Nein, aber jemand.“
„Könnte Sie das bitte noch einmal auf Hochdeutsch übersetzen?“, bat Lola.
„Natürlich. Jemand wurde entführt.“
„Heiliger Jesus!“, sagte Lola. Sie redet oft so ein Zeug mit Jesus und so weiter, weil sie abergläubig war.
„Ich bin übrigens Kommissar Blacktry. Und wer seid ihr?“
„Ich bin Liv Morales. Und das sind Mia Magwill und Lola Smith.“
Mr Blacktry machte sich wieder an die Arbeit.
Wir setzten uns auf eine Bank. „In der Nacht von gestern auf heute habe ich geträumt, dass in der Birkmanstreet 13 eingebrochen wird. Exakt das steht auch in meinem Krimi. Das ist doch merkwürdig, oder?“, sagte ich.
Mia sagte: „Allerdings!“
„Ich habe noch etwas geträumt, was in meinem Buch steht! Ich lese es euch einfach vor: Die Gestalten hauten mit dem Sack ab …“
Als ich fertig gelesen hatte, staunten Mia und Lola nicht schlecht. „Krass“, sagte Mia.
„Oh mein Gott!“, sagte Lola und sprach Gott so aus, als würde sie ihn anbeten.
„Ok“, sagte Mia, „das bedeutet, dass irgendein Detektiv jetzt in irgendeinem Leuchtturm eingeschlossen ist.“
„Oh Mann“, sagte Lola.
„Nicht oh Gott?“, konterte ich.
„Ha ha ha“, lachte sie tonlos.
Die Polizei fuhr wieder weg und wir drei schauten uns im Haus um. Nichts. Nicht der geringste Hinweis. Nicht einmal ein winziger Fingerabdruck. Doch dann rief Lola: „Leute, ich glaube, hier ist was!“
„Was denn?“, riefen Mia und ich und liefen ins Schlafzimmer, wo Lola gerade ein blutverschmiertes Kopfkissen hochhielt. Uns blieben die Münder offen stehen.
„Okay“, sagte ich schließlich, „wir nehmen den Bezug mit.“
„Warum hat die Polizei das nicht gesehen?“, fragte Mia.
Lola sagte: „Die Tür war abgeschlossen. Ich habe sie mit einem Dietrich geknackt.“
„Die Polizei hätte das doch auch gekonnt. Merkwürdig!“
„Da hast du recht“, sagte Lola.
Wir gingen raus und zurück in Lolas Zimmer. Dort schrieben wir auf, was wir bisher herausgefunden hatten. Dabei fiel mir auf, dass das alles fast genauso in meinem Buch passiert war und ich das alles auch noch einmal geträumt hatte. Das sagte ich auch Mia und Lola. „Das heißt“, sagte Mia, „dass jetzt auf irgendeiner Insel in irgendeinem Leuchtturm irgendein Detektiv eingesperrt ist.“
„Ach nee!“, sagte Lola.
„Hey, nicht streiten!“, wies ich die beiden zurecht.
„Jaja …“, sagte Mia.
„Jaja heißt: Leck mich am A…“, sagte Lola.
„Ich weiß“, maulte Mia.
Wir beschlossen, unsere Ermittlungen draußen fortzusetzen. Vor der Haustür starrte ich hinter die beiden, denn da war … ein Hundehaufen. Nein, Scherz, da lag ein Bonbonpapier. Klartext Leute: Was da war, raubte mir den letzten Nerv. Es war eine verhüllte Gestalt. Die anderen beiden drehten sich langsam um. Ich wollte weglaufen, doch ich war wie gelähmt. Ich erholte mich von meiner Schockstarre, doch komischerweise lief ich nicht weg.
Ganz im Gegenteil: Ich ging sogar auf die Gestalt zu. Mit einer unerwarteten Bewegung riss ich der Gestalt die Kapuze vom Gesicht. Es war … Tom aus unserer Klasse. Tom, in den Lola so verknallt war. Das gab es doch nicht.
„Ernsthaft?!“, fragte Mia.
Was wollte der denn hier?! Lola sagte gar nichts. Dafür wurde sie rot. Ich drehte mich um und zog mit Mias Hilfe Lola von Tom weg. Wir wollten jetzt nur noch zurück zu unseren Eltern. Sie erzählten uns, dass wir einen Ausflug zur Steilküste machen würden. Daraufhin gingen wir in Mias Zimmer und recherchierten im Internet: An der Steilküste gab es drei Leuchttürme, die noch in Betrieb waren, und zwei, die es nicht mehr waren. Diese zwei schauten wir uns im Netz genauer an. Der eine war ziemlich heruntergekommen, doch der andere würde sich bestimmt gut als Versteck eignen. Er stand versteckt an einer Steilküste namens Cliffs of Mystery.
„Da fahren wir morgen hin!“, sagte Lola.
„Perfekt“, stimmte ich zu.
Am nächsten Tag ruderten wir an den Cliffs of Mystery mit einem kleinen wackeligen Ruderboot zu diesem Leuchtturm. Angekommen, schlichen wir uns langsam an. Die Tür stand einen Spaltbreit offen. Wir gingen rein.
„Hil…“ Lola wurde überwältigt.
„Aaah …!“ Mia auch! Ich rannte, doch zu spät. Wir wurden in ein Verlies gesperrt. „Mein Handy“, hörte ich Mia rufen. „Kein Netz!“, kam kurz darauf ihre Stimme aus dem Dunkeln.
„Ich habe eine kleine Taschenlampe“, rief Lola und bald darauf erschien ein kleines Licht.
„Toll“, meinte ich ironisch.
„Leute, da hinten ist jemand“, sagte Mia.
„Hallo!“, erklang eine Männerstimme.
„Guten Tag“, sagte eine Frauenstimme.
Lola leuchtete in die Ecke, aus der die Stimmen gekommen waren. Dort saßen ein Mann und eine Frau. „Wer sind Sie?“, fragte Lola. Der Mann hielt uns eine Visitenkarte hin:
Privatdetektiv Jansen
Schnell, erfolgreich, diskret
Ich löse jeden Fall
Tel. 369/07652409
Da meldete sich die Frau zu Wort: „Ich wurde entführt. Normalerweise wohne ich in der Birkmanstreet 13.“
Mia und ich schauten uns an. „Vor unserer Tür hier steht keine Wache, aber der Schlüssel steckt“, sagte ich.
„Mr Jansen, geben Sie mir die Zeitung in der Ecke und Mia, du gibst mir deine Haarspange!“
Kurz darauf schob ich die Zeitung unterm Türschlitz durch und stocherte mit der Haarspange im Schloss. Es klirrte. Ich zog die Zeitung wieder herein – darauf lag der Schlüssel. Wir schlossen die Tür auf. „Ich habe einen Plan“, sagte ich, „ich schreie: Wir sind frei, anschließend verstecken wir uns, dann kommen die beiden Gestalten und wir locken sie in die Kammer, in der wir gefangen waren. Wir stoßen die Tür zu und drehen den Schlüssel um. Fertig.“
„Und wie willst du sie da rein locken?“, fragte Lola.
Ich stotterte: „Keine Ahnung …?“
„Wir überraschen sie und schubsen sie in die Kammer“, schaltete sich der Detektiv ein.
Gesagt, getan.
Es funktionierte tatsächlich und wir konnten die beiden Entführer dort einsperren, wo wir selbst gerade noch gefangen gewesen waren. Wir stiegen ins Boot und ruderten, so schnell es ging, zurück zur Küste. Endlich konnten wir die Polizei verständigen, die die beiden Entführer im Leuchtturm festnahm. Es waren Tom und sein bester Freund Mike! Aus einer Laune heraus hatten sie sich überlegt, genau dasselbe zu machen, wie es in dem Buch beschrieben wurde, das ich gerade las.
Was für ein Abenteuer! Davon würde ich bestimmt noch oft meinen Kindern und Enkelkindern erzählen. Doch jetzt hieß es erst mal: Ferien machen in Brighton – wir drei: Mia Magwill, Lola Smith und ich, Liv Morales.
Katie, aus Wohltorf, Deutschland
*
Entführung in Hollywood
Lilly und Flo waren Zwillinge, sogar eineiige Zwillinge. Sie wohnten in einer schönen Villa mitten in Berlin und freuten sich schon riesig auf den nächsten Tag, denn sie würden mit ihren Eltern nach Hollywood fliegen und dort in dem berühmten Film Hanni & Nanni mitspielen. Es war schon spät am Abend, als Flo und Lilly immer noch in ihren Zimmern saßen und andauernd durchgingen, ob sie auch wirklich alles gepackt hatten.
„Lilly, Flo, ihr müsst ins Bett, damit ihr morgen ausgeschlafen seid“, hörten sie ihre Mutter von unten aus der Küche rufen.
„Langsam werde ich auch schon müde“, gähnte Flo und gab es auf, zum zehnten Mal zu kontrollieren, ob sie auch wirklich alles gepackt hatten. „Gute Nacht“, sagte sie und legte sich wie ihre Schwester schlafen.
In der Nacht konnte keine der beiden Schwestern gut schlafen. Beide wälzten sich unruhig hin und her. Sie waren sehr aufgeregt. Was würde sie wohl erwarten? Hoffentlich würden sie auch alles auf Englisch verstehen können. Und dann der ganze Text, den sie lernen mussten. Zum Glück wurde es bald hell.
Der Wecker klingelte. Beide schreckten aus ihrem Schlaf. Schnell sprangen sie aus ihren Betten und zogen sich um. Sie klappten ihre Koffer zu und rasten zusammen die Treppe hinunter zu ihren Eltern, die in der Küche standen, Proviant einpackten und sich leise unterhielten. Als Flo und Lilly die Küche betraten, schauten ihre Eltern kurz auf.
Ihre Mutter fragte: „Na, habt ihr gut geschlafen?“
Ein leises Murmeln war zu hören.
„Also“, sagte ihre Mutter Alexandra, „wahrscheinlich seid ihr viel zu aufgeregt, um jetzt was frühstücken zu können. Wir schnappen uns unsere Sachen, fahren mit der S-Bahn zum Flughafen und frühstücken dort. Was haltet ihr davon?“
Lilly antwortete mit einem leisen: „Das ist gut.“
Endlich am Flughafen angekommen, suchten sich alle vier einen Platz im Café. Es gab leckere Croissants und Baguette-Brötchen. Als alle fertig gefrühstückt hatten, löste Mathias Flugtickets und alle warteten gespannt auf das Flugzeug nach Hollywood.
Endlich ging es los. Flo und Lilly hatten die Sitzplätze direkt nebeneinander. Jeder Platz hatte einen Fernseher und die beiden guckten den Film SING. Als endlich in der Ferne ein Teil von Hollywood zu sehen war, jubelte Lilly: „Hollywood, wir kommen.“
„Ja, und außerdem freue ich mich auf unser Hotel. Endlich der erste Urlaub, ohne dass wir uns mit unseren Eltern ein Zimmer teilen müssen!“, sagte Flo.
Kurze Zeit später war das Flugzeug gelandet. Flo und Lilly standen mit ihren Eltern in der Menschenmenge, die sich immer weiter zum Ausgang drängelte. Jetzt nur noch die Koffer holen und dann raus hier. Draußen warteten sie auf den Bus mit der Nummer 835. So hatte Mister Roman von der Filmagentur es ihnen gesagt. Der Bus kam und brachte sie ins Hotel.
Lilly schloss die Zimmertür auf und die beiden Schwestern stürmten in das Zimmer. Jede ließ sich auf eines der beiden Betten fallen. Die Betten waren sehr weich. Die Mädchen fingen an, ihr Hotelzimmer zu erkunden. Sie räumten ihre Schränke ein und schauten bei ihren Eltern im Zimmer gegenüber nach. Auch die Eltern waren sehr zufrieden.
Am Abend nach dem Abendessen fielen beide Mädchen erschöpft in ihr Bett und schliefen sehr schnell ein. Am nächsten Morgen wachten die beiden Zwillingsschwestern fast zeitgleich auf.
„Guten Morgen!“, sagte Lilly und streckte sich.
„Heute ist unser erster Tag am Set!“, jubelte Flo.
Lilly und Flo sprangen aus den Betten und gingen zu ihren Eltern. Auch ihre Eltern waren schon wach. Lilly fragte: „Um wie viel Uhr müssen wir heute am Set sein, Mama?“
„Gegen 13 Uhr“, antwortete ihr Mutter Alexandra.
Lilly und Flo gingen zurück in ihr Zimmer und zogen sich um. Nach dem Frühstück nahm die Familie ein Taxi, das sie zum Set bringen sollte. Endlich hielt das Taxi an und Mathias bezahlte. „Kommst du, Lilly?“, fragte ihre Mutter.
Flo sagte: „Ähm, ich bin Flo und nicht Lilly.“
Flo und Lilly hatten sich gleich angezogen. Selbst ihre Eltern konnten sie nicht gut unterscheiden. Endlich waren sie am Set angekommen und sie sahen schon Tausende von Leuten.
„Gleich müsst ihr euch vorstellen“, sagte Alexandra.
„Ich kann aber kein Englisch“, nörgelte Flo.
„Du wirst ja wohl sagen können: Hello, my name is Florentine. Oder etwa nicht?“, meinte Lilly. Schon hatten sie den Tresen erreicht und der Mann, der hinter ihm stand, sagte: „Hello, I am Mr. Roman, I am the Chef from the Set. You must be Flo and Lilly, right?“
„Kannst du ihn fragen, ob er auch deutsch sprechen kann?“, fragte Lilly ihre Mutter.
Mr. Roman sagte: „Au ja, ich spreche auch deutsch. Keine Sorge, alle Leute hier vom Set sprechen einigermaßen deutsch. Schließlich ist das hier ja eine deutsche Filmproduktion“.
„Können Sie Flo zu mir sagen? Das mag ich lieber“, fragte Flo.
Mr. Roman antwortete: „Du kannst auch du zu mir sagen. Und außerdem nenne ich dich gerne Flo. Jetzt werde ich euch Frau Schneider vorstellen. Sie kommt aus Deutschland und arbeitet hier am Set. Sie wird immer für euch da sein und euch alle Fragen beantworten.“
Sie gingen durch einen langen Korridor in einen großen Raum, in dem eine Frau auf sie wartete. „Das muss Frau Schneider sein“, dachten die Zwillinge.
„Hallo“, begrüßte die Frau sie höflich. „Ich bin Frau Schneider. Ihr müsst die Zwillinge Florentine und Lilly sein. Nennt mich einfach Wilma. Soll ich euch das Set mal genauer zeigen? Mr. Roman muss zurück zum Tresen, denn bald werden die anderen Mädchen für den Film ankommen. Freut ihr euch schon?“
Flo und Lilly nickten.
Frau Schneider zeigte ihnen alles, auch das Internat Lindenhof, in dem der Film spielen sollte. Kurze Zeit später trafen die anderen Mädchen ein, die im Film die besten Freundinnen von Flo und Lilly – also Hanni und Nanni – spielen sollten. Flo würde Hanni und Lilly Nanni spielen. Alle Mädchen stellen sich vor. Insgesamt waren sie zu siebt. Die anderen fünf Mädchen hießen: Lena, Charlotte, Maja, Cleo und Emilia. Jetzt mussten alle wieder nach Hause. Am nächsten Tag würden die Dreharbeiten beginnen.
Nachdem das Taxi sie zurück ins Hotel gebracht hatte, verbrachten die Zwillinge fast den ganzen Tag in ihrem Hotelzimmer, um ihren Text zu lernen. Als es langsam Abend wurde und Lilly und Flo Abendessen gegessen hatten, legten sie sich schlafen. „Gute Nacht“, sagte Flo und Lilly gähnte. Beide waren schon aufgeregt wegen des nächsten Tages am Set. „Hoffentlich vergesse ich meinen Text nicht“, dachte Flo noch. Doch da war sie schon eingeschlafen.
Am nächsten Morgen konnten die beiden vor lauter Aufregung fast nichts essen. Mit dem Taxi fuhren sie zum Set. Die anderen Mädchen waren alle schon da. Mister Roman erklärte gerade, wie der Tag ablaufen würde. Die Eltern verabschiedeten sich von ihren Kindern. „So, und wir fangen jetzt an, girls!“, sagte Mister Roman und ging mit schnellen Schritten den Korridor entlang. Die Kinder mussten joggen, um ihm folgen zu können. Langsam näherten sie sich einem Raum, den Mister Roman vorsichtig betrat. Die Mädchen standen hinter ihm und blickten sich neugierig und erstaunt um.
Was war hier denn los? Die Möbel waren alt und zum Teil auch kaputt, und in einer Ecke lagen viele Scherben! Es waren die Überreste eines Spiegels. Als Lilly etwas genauer hinschaute, entdeckte sie an einer Scherbe etwas Blut! Außerdem lag ein Portemonnaie auf dem Boden – der Inhalt war verschüttet. Lilly konnte einen Ausweis entdecken zwischen all den Sachen. Auf dem Ausweis war ein Foto eines freundlich wirkenden Mannes. Neben dem Bild stand der Name Moritz Merkur. Der Rest war nicht mehr zu erkennen, denn auch er war blutverschmiert.
„Was ist denn hier passiert?“, platzte es aus Emilia heraus. Emilia war ein großes Mädchen mit braunen Haaren und ganz vielen Sommersprossen.
„Das weiß ich auch nicht“, antwortete Mr. Roman erschrocken. „In diesem Raum sollten wir eigentlich unsere erste Szene proben. Ich rufe jetzt die Polizei.“ Er drückte hastig ein paar Tasten auf seinem Handy. „Mister Snake, gut, dass ich Sie gleich erreiche. Hier ist Mister Roman. Kommen Sie bitte schnell zu uns an das Set. Irgendetwas stimmt hier nicht mit unserem Kameramann Mister Merkur!“
„I´m back in a minute!“, antwortete Mister Snake, der auch tatsächlich schon kurze Zeit später mit zwei Kollegen am Set auftauchte. Mister Snake hatte eine Glatze und eine krumme Nase. Lilly fiel auf, dass alle Polizisten bewaffnet waren. Bis jetzt hatten sich die Mädchen alle noch ganz ruhig verhalten, aber langsam wurden sie unruhig. Was hatte das alles zu bedeuten? Was war hier passiert? Hatte das etwa irgendetwas mit den Dreharbeiten zu dem Film zu tun? Auch Mister Roman war sehr nervös. Er schüttelte den drei Polizisten inzwischen zum zweiten Mal die Hand.
„So, can we see the Tatort.“
Alle betraten das Zimmer. Einer der Polizisten, ein ziemlich dicker Mann, der schrecklich schwitzte, setzte sich gleich auf das zerschlissene Sofa. Sofort fuhr Mister Snake ihn an: „Are you crazy? Du könntest wichtige Spuren verwischen!“ Erschrocken stand der Polizist auf.
„Das macht alles einen sehr komischen Eindruck“, flüsterte Flo ihrer Schwester Lily ins Ohr. „Wie redet dieser Mister Snake mit seinem Kollegen? Und warum ist der Dicke so unprofessionell und setzt sich einfach auf das Sofa?“ Auch Lily kam das alles sehr merkwürdig vor.
„So, Mister Roman, ich möchte Sie jetzt bitten, please leave us alone. We will start mit den Ermittlungen und wollen not gestört werden!“ Er schrie fast, sodass alle etwas eingeschüchtert den Raum verließen.
„Girls, es tut mir really leid, dass unsere Dreharbeiten so anfangen. Ich weiß wirklich nicht, was hier los ist. Ich rufe jetzt eure Eltern an, damit sie euch wieder abholen. Morgen hat sich dann hoffentlich alles geklärt und wir können dann endlich anfangen, zu arbeiten.“ Mister Roman begann, die Eltern der Kinder anzurufen, und die ersten Mädchen wurden auch schon bald abgeholt. Nur die Eltern von Flo und Lilly würden wohl etwas länger brauchen. Sie waren in der Zwischenzeit nach LA gefahren, um zu shoppen. Also blieben die beiden bei Mister Roman.
Plötzlich erschien der dicke Polizist und guckte sehr grimmig. „Where is the Toilette?“, fragte er unfreundlich.
„The Toilette is …“ Lilly zeigte auf eine sehr schmale Tür und fragte sich, ob der Dicke wohl da durchpassen würde. Flo wiederum nutzte den Moment und schaute durch die offene Tür auf den Tatort. Sie sah, wie Mister Snake auf genau dem Sofa saß, auf dem auch der Dicke vorhin gesessen hatte. Dafür hatte er aber von Mister Snake ordentlich Ärger bekommen. „Irgendetwas stimmt hier überhaupt nicht“, sagte sie zu Flo, die jetzt hinter ihr stand. Aber bevor die beiden weiter über das alles nachdenken konnten, hörten sie die fröhlichen Stimmen ihrer Eltern: „Halloho! Wir sind ja so gespannt: Wie war denn alles?“
„Das erzählen wir euch später…“, sagten die Zwillinge wie aus einem Mund. Sie verabschiedeten sich von Mister Roman und verließen das Set.
Als Lilly und Flo wenig später wieder im Hotel waren, erzählte Flo genau, was sie durch die offene Tür gesehen hatte. „Was ist da nur passiert? Ich habe das Gefühl, dass wir da auch ermitteln müssen. Auf Mister Snake ist da eher kein Verlass. Der macht einen sehr merkwürdigen Eindruck.“
„Ja, du hast recht! Außerdem können wir ohne Mister Merkur sowieso nicht drehen. Schließlich ist er der Kameramann.“ Langsam entwickeln sie einen Plan …
Am nächsten Morgen brachen die Zwillinge schon früher als nötig wieder zum Set auf. Ein Taxi fuhr sie dorthin. Ihre Eltern wollten sich die Stadt angucken. Als sie am Set ankamen, trafen sie gleich auf Mister Roman. „Wir sind schon etwas früher hier, weil wir mein Handy suchen wollen. Ich glaube, ich habe es gestern hier irgendwo verloren, ok?“, fragte Flo.
„No problem“, antwortete Mister Roman, „wir sehen uns dann später. Ich hoffe, dass wir heute ungestört arbeiten können.“
Flo und Lilly liefen über das Gelände in der Hoffnung, dass ihnen irgendetwas Verdächtiges auffallen würde. Aber da war nichts. Mist! „Hey, hörst du das auch?“, flüsterte Lilly auf einmal. „Da ist doch was!“ Jetzt hörte es auch Flo. War es ein Wimmern? Die beiden schlichen in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Sie entdeckten ein kleines Holzhäuschen auf dem Gelände – gut versteckt hinter mehreren Bäumen. Das Geräusch wurde immer lauter. Vorsichtig öffneten sie die Tür zu dem Häuschen und erschraken! In dem Häuschen saß Mister Merkur! Er war gefesselt und geknebelt. Die Zwillinge befreiten ihn sofort.
„Endlich!“, seufzte Mister Merkur. „Danke, dass Ihr mich befreit habt! Ich sitze hier schon seit zwei Tagen!“
„Was ist denn bloß passiert?“, wollten die Mädchen wissen.
Da begann Mister Merkur zu erzählen: „Ich saß ganz gemütlich auf meinem Sofa und las die Zeitung, als plötzlich ein Mann in meinen Raum gestürmt kam. Er trug Polizeikleidung, zog seine Pistole aus dem Gürtel und rief: Hände hoch, oder ich schieße!, und rannte dann auf mich zu. Ich wusste nicht, was passiert war, dafür ging alles viel zu schnell, deshalb nahm ich nicht die Hände hoch. Er kam immer dichter und dichter. Ich dachte schon, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Der Mann fesselte mich und trug mich nach draußen durch einen Seitenausgang hier in den Schuppen. Er zog seinen Schuh aus und steckte mir seine stinkende Socke in den Mund, damit ich auch ja nichts sagen konnte. Der Mann brachte mir mittags etwas zu essen, aber das war es dann auch. Na ja, und dann habt ihr mich gefunden …“
„Wie genau sah dieser Polizist denn aus?“, fragte Flo und klang sehr besorgt.
„Er hatte eine krumme Nase und eine Glatze“, antwortete Mr. Merkur.
„Das glaube ich jetzt nicht. Die Beschreibung passt doch genau auf Mister Snake! Ich fand ihn von Anfang an etwas komisch“, schimpfte Lilly.
Flo meinte: „Auf jeden Fall müssen wir uns einen Plan überlegen. Aber wir können ja schlecht einen Polizisten überführen.“
„Ich habe eine Idee: Wir sagen Mr Snake, dass wir Sie gefunden haben, und führen ihn einfach hierher. Sie sind aber draußen und wir machen die Tür hinter ihm zu. Wir schließen ab und holen die Polizei. Nein, er ist ja selbst Polizist. Hm, außerdem brauchen wir Beweise“, stellte Lilly fest.
„Da hätte ich aber einen Beweis“, sagte Mister Merkur. „Als er mich entführt hat, hat er hier irgendwo eine Kamera angebracht. Wenn wir Glück haben, hat er auch aufgenommen, wie er mich gefesselt hat. Dann könnten wir ihn sozusagen mit seinen eigenen Waffen schlagen.“
„Dann lasst uns suchen!“, rief Flo.
Alle drei machten sich sofort auf die Suche. Und da die Hütte nicht sehr groß war, hatten sie die Kamera tatsächlich schnell gefunden. Mister Merkur entdeckte sie in einer Ecke. Er drückte ein paar Knöpfe und auf dem Bildschirm war Mister Snake zu erkennen, wie er sich gerade von dem gefesselten Mister Merkur verabschiedete. „Ganz schön dumm für einen Polizisten! Aber gut für uns. Und trotzdem ist mir völlig schleierhaft, warum er mich entführt hat!“, sagte Mister Merkur.
„Das erklärt er uns am besten gleich selbst“, rief Lilly. „Wir müssen ihn jetzt irgendwie hierher lotsen. Verstecken Sie sich so lange hier in der Nähe?“
Die Zwillinge rannten sofort los. Irgendwie gelang es ihnen, Mister Snake davon zu überzeugen, ihnen nach draußen zu folgen. Sie sagten lieber nichts von dem Schuppen, weil sie nicht wollten, dass er Verdacht schöpfte. Stattdessen erzählten sie von einem Unfall und dass sie schnell Hilfe benötigten. Die Mädchen näherten sich langsam mit Mister Snake dem Schuppen. Aber die beiden konnten deutlich spüren, dass Mister Snake langsam misstrauisch wurde.
„And where is dieser Unfall?“, fragte er mürrisch.
In dem Moment, in dem die Mädchen schon befürchteten, dass Mister Snake das Weite suchen würde, kam Mister Merkur aus seinem Versteck gesprungen und stürzte sich von hinten auf Mister Snake. „Warum haben Sie mich entführt, Sie Mistkerl?“, schrie Mister Merkur.
„Let me go! Sie tun mir weh!“, schrie Mister Snake zurück.
„Erst geben Sie hier vor den Mädchen zu, dass Sie mich entführt haben. Aber ein bisschen zackig! Sonst werde ich Ihnen richtig wehtun!“
„Au!“, jaulte Mister Snake auf. „I muss dringend mal wieder irgendetwas vorweisen können. I wanted to kidnap you, um Sie nachher selbst zu retten. Es sollte ja nur für one day sein. Aber dann kamen these Dreharbeiten dazwischen und these furchtbar neugierigen girls. Unbeleavable! Ihr habt wohl zu viele Drei-!!!-Geschichten gehört, what?“, sagte Mister Snake, der noch immer stöhnte, weil Mister Merkur ihn im Schwitzkasten hatte.
„So, das hätten wir im Kasten“, freute sich Lilly, die die ganze Beichte von Mister Snake mit ihrem Handy aufgenommen hatte.
„Oh no, you stupid cow“, zischte Mister Snake, der das gar nicht gemerkt hatte. Er hatte außerdem nicht bemerkt, dass inzwischen nicht nur der Dicke dazugekommen war, sondern sich auch die anderen Mädchen in der Nähe versammelt hatten. Alle konnten kaum glauben, was sie da zu sehen bekamen.
„Hier“, sagte Mister Merkur zu dem Dicken, „ich schenk Ihnen Ihren Boss. Bringen Sie ihn aufs Polizeirevier. Sie haben genug mitbekommen, oder?“ Der Dicke wusste nicht recht, was er sagen sollte, legte Mister Snake aber schließlich Handschellen an und führte ihn ab. „Gebt mir eine kurze Pause, Mädels. Und dann drehe ich mit euch den besten Film ever!“, rief Mister Merkur sichtlich erleichtert und umarmte Flo und Lilly.
Alle klatschten spontan Beifall, und während Mister Merkur sich zurückzog, mussten die Zwillinge noch einmal alles ganz genau erzählen.
Catalina, aus Reinbek bei Hamburg, Deutschland
*
Der Süßigkeiten-Dieb
Als Franzi nach der Schule nach Hause ging, wollte sie sich Süßigkeiten kaufen. Doch als sie vor dem Laden stand, war dort überall Polizei. Im Süßigkeitenladen Feinkost Kranichstein war eingebrochen worden. Franzi war Detektivin. Sie schrieb eine SOS-SMS an ihre Freunde Kim und Marie. Sie nannten sich auch Die drei Detektivinnen. Die drei hatten schon über 60 Fälle gelöst. In der SOS-SMS stand:
Außerplanmäßiges Klubtreffen
Morgen 13:00 Uhr bei uns im HQ.
FRANZI
Am nächsten Tag um 13:00 Uhr trafen sich die Freundinnen wie abgemacht. Franzi erzählte aufgeregt: „Also, als ich gestern Nachmittag nach Hause ging, wollte ich mir Süßigkeiten kaufen ...“
Kim unterbrach sie. „Mmmhh lecker.“
„Ja, aber lass mich bitte ausreden. Also, als ich bei Feinkost Kranichstein ankam, war dort überall Polizei. Es war eingebrochen worden. Herr Kranichstein, also der Ladenbesitzer Uli Kranichstein, kam zu mir und fragte mich, ob wir für ihn ermitteln könnten. Und jetzt kommt ihr!“, beendete Franzi ihre Erzählung.
„Wir haben einen neuen Fall!“, sagte Kim und war außer sich vor Freude. Sie konnte es einfach nicht fassen, dass sie endlich wieder einen Fall hatten – seit zwei Monaten den ersten. Kim verputzte die ganze Schüssel Zimtsterne, die vor ihr auf dem Tisch stand. Marie sagte: „Es klingt sehr lustig.“ Sie lachte. „Die drei Detektivinnen und der Süßigkeiten-Dieb.“
Dieses Mal lachten auch Franzi und Kim. „Schluss! Werden wir wieder sachlich!“, sagte Kim.
„Also lasst uns loslegen!“, rief Franzi.
Aber Marie hielt sie auf: „Halt, eins fehlt noch!“
„Was denn?“, fragte Franzi verblüfft.
„Erstens …“, fing Marie an, Franzi guckte auf, sie begann wieder: „Franzi eins, Kim zwei, Marie drei ...“ Sie legten die Hände aufeinander, schrien: „Power!“ Dann warfen sie die Hände in die Luft.
„Der Powerspruch hat mal wieder geholfen“, sagte Kim und atmete durch.
„Ja“, stimmte Franzi zu.
„Also, worauf warten wir noch?“, fragte Marie.
Ein paar Minuten später schwangen sich die Mädchen auf ihre Räder und fuhren zu Feinkost Kranichstein. Als sie dort ankamen, erwartete Uli sie schon. Er wollte gerade loslegen, da unterbrach Kim ihn und stotterte: „Können wir reingehen? Ich werde gleich zum Eisklotz!“ Franzi und Marie stimmten ihr zu.
„Ok, kommt mit“, sagte Uli.
„Also erzählen Sie bitte ganz genau, was passiert ist!“, sagte Franzi.
„Los geht es. Als ich gestern Morgen so gegen 8:00 Uhr den Laden öffnete, klebte ein Zettel an der Kasse, auf dem stand: Wenn Sie den Laden heute nicht geschlossen, halten, komme ich wieder! Hochachtungsvoll: der Schokidi.“
„Haben Sie den Zettel noch?“, fragte Kim.
„Ja, klar. Hier bitte. „Ich erzähle schon mal weiter. Ich dachte, dass das nur ein schlechter Scherz sei, und habe ganz normal weitergearbeitet. Als ich dann nach der Mittagspause wieder hier war, sah ich, dass meine Fensterscheibe eingeschlagen war. Ich lief sofort dorthin und guckte, was da los ist. Da sah ich, dass die ganze Schokolade geklaut war. Ich stürmte dann ganz schnell zur Kasse und sah, dass das ganze Geld, ungefähr 500 €, gestohlen waren. Ich stürzte zum Telefon und rief die Polizei. Doch da ging keiner ran. Ich landete in einer Warteschleife. Als die Polizei dann eintraf, kam Franzi. Ach, toll, dass ihr so schnell kommen konntet.“ Uli beendete seine Erzählung.
Franzi überlegte laut: „Vielleicht können wir ja Fingerabdrücke auf dem Brief finden. Und dann sollten wir auch noch die anderen Läden fragen, ob sie etwas gesehen haben.“
„Gute Idee!“, sagte Kim.
„Lasst uns loslegen!“, rief Marie. „Eins ... zwei ... drei ...“ Man hörte ein leises Klatschen. „Power!“, riefen sie.
Ein paar Minuten später standen die drei im ersten Laden.
Als sie alle Läden abgeklappert hatten, schimpfte Kim: „Was für ein Reinfall. Keiner hat was gemerkt und gesehen.“
„Hoffen wir, dass wir bei den Fingerabdrücken mehr Glück haben“, schlussfolgerte Marie.
Nachdem sie mit dem Fahrrad wieder ins HQ gefahren waren und den Zettel nach Fingerabdrücken untersucht hatten, waren sie noch enttäuschter als davor. Keine Fingerabdrücke!
„Wir haben nichts: keine Fingerabdrücke und keine Hinweise sonst“, sagte Marie enttäuscht.
„Doch, doch, doch. Uli hat doch eine Überwachungskamera“, schrie Kim.
„Kim, du bist genial“, rief Franzi.
„Los, worauf wartet ihr noch“, sagte Marie, als sie schon halb durch die Tür gerannt war. Sie schwangen sich auf die Räder und fuhren wieder zu Uli.
„Stimmt, die Kamera. Daran habe ich gar nicht gedacht“, sagte Uli aufgeregt. Er gab ihnen das Video und die drei verabschiedeten sich. Es war schon spät und sie wollten sich noch das Video anschauen.
Auf dem Video war aber nur Herr Kranichstein zu sehen. „Warte mal, Uli hat doch gesagt, dass die Mittagspause von 12 bis 14 Uhr ging. Hier ist Uli aber um 12:30 Uhr zu sehen. Da er aber gesagt hat, dass er in der Mittagspause nicht im Laden war, kann Uli das hier nicht sein“, beendete Kim aufgeregt ihr Gespräch.
„Ich schlage vor, dass wir uns morgen um 12 Uhr wieder treffen. Hier im HQ. Es sind ja Ferien“, sagte Franzi. „Ja, das passt“, stimmten ihr Kim und Marie zu. „Ich muss jetzt aber wirklich los, mich um Finn kümmern!“, sagte Marie und ging.
„Ich auch. Sonst gibt es wieder Stress mit meiner Mutter“, erwiderte Kim und ging dann auch. Als Kim zu Hause war, schrieb sie in ihr Tagebuch:
Kim Jülich, 21:30 Uhr, 13.2.2019
Geheimes Tagebuch Kim Jülich
LESEN STRENGSTENS VERBOTEN
Ach Michi, jetzt haben wir uns schon drei Wochen, vier Stunden und 36 Minuten nicht mehr gesehen. Ich vermisse dich so sehr ...
„So, das reicht jetzt“, sagte Kim, „speichern und neue Datei – Detektiv-Tagebuch.“
Wir haben endlich wieder einen neuen Fall. Uli wurde überfallen ... Morgen um 12:00 Uhr wollen uns wieder treffen.
Am nächsten Tag um 12 Uhr kam Marie mal wieder zu spät. Dreißig Minuten später fuhren die drei zu Feinkost Kranichstein und fragten Uli, ob er einen Zwillingsbruder habe. Er verneinte. Also war es wahrscheinlich ein Fremder, den sie auf dem Video gesehen hatten.
„Wie wollen wir jetzt vorgehen?“, fragte Franzi.
„Igitt!“, rief Marie. „Was ist das?“ Sie zeigte auf den Boden. Dort lag eine tote Maus mit einem zusammengerollten Zettel im Maul. Franzi hob die Maus hoch, zog den Zettel aus dem Maul und rollte ihn aus. Darauf stand:
ICH FORDERE 2000 EURO LÖSEGELD FÜR DIE SCHOKOLADE.
„Der Zettel lag hier direkt vor dem Laden. Das heißt, er war für Uli bestimmt“, sagte Kim. Sie rannten wieder in den Laden.
Herr Kranichstein seufzte: „Oh nein, 2000 Euro, die kriege ich niemals zusammen.“
„Wir müssen jetzt leider los. Wir haben noch ein wichtiges Treffen“, sagte Franzi.
Als die drei eine halbe Stunde später im HQ saßen, sagte Kim: „Also, als wir dort angekommen sind, lag die Maus noch nicht dort. Das heißt, die Maus muss zwischen 13 und 13:05 Uhr dorthin gelegt worden sein.“
„Die Kamera hat wahrscheinlich was aufgezeichnet“, schrie Marie.
„Nicht schon wieder los“, meckerte Kim, ging dann aber doch mit Franzi und Marie zu den Fahrrädern. Sie fuhren wieder zu Uli. Doch der musste sie enttäuschen: „Tut mir leid, die Kamera ist kaputt.“
„Das kann doch gar nicht sein! Was ist denn passiert?“, schimpfte Marie.
Uli sagte: „Das weiß ich auch nicht so genau. Die Kamera war von einem Tag auf den anderen Tag kaputt.“
„Ok, los, lasst uns wieder zurückfahren“, sagte Franzi.
Als sie wieder im HQ waren, rief Kim: „Irgendwie kommen wir nicht voran.“
„Vielleicht sollten wir den Laden mal observieren?“, dachte Franzi laut nach.
Kim sprang auf. „Ja, super Idee! Wollen wir uns morgen um 10 Uhr vor dem Laden treffen?“
„Ja“, sagten Franzi und Marie im Chor.
Als sie sich am nächsten Tag um 10 Uhr vor dem Laden trafen, suchten sie sich ein Versteck. Es kam ein Kunde nach dem anderen. Aber es passierte nichts Besonderes. Die drei wollten schon gehen, als Uli in den Laden kam.
„Wie kann das sein? Uli ist doch die ganze Zeit im Laden!“, sagte Kim aufgeregt.
„Wir müssen da rein“, schrie Franzi, „ich habe irgendwie das Gefühl, dass wir mächtig reingelegt werden.“
Die drei stürmten in den Laden und Uli stotterte: „Es ist nicht so ... also ...“
„Du wurdest gar nicht beklaut, oder?“, unterbrach Marie ihn.
Uli sagte: „Ihr habt recht. Ich habe einen Zwillingsbruder und hinter all dem steckt ein ausgeklügelter Plan.“
„Ich rufe jetzt die Polizei“, sagte Kim.
Als die Polizei drei Minuten später eintraf, führte sie Uli und seinen Bruder ab. Am nächsten Tag trafen sich die drei im Café LOMO und Kim sagte: „Lasst uns auf unseren gelösten Fall anstoßen!“
Da sagte Kim: „Die drei Detektivinnen sind gut! Die drei Detektivinnen sind besser! Die drei Detektivinnen sind unschlagbar!“
Sie lachten.
Anna, aus Reinbek bei Hamburg, Deutschland
*
Die gelöschte Welt
Bevor es hier gleich um Leben und Tod geht – wortwörtlich gemeint –, erkläre ich erst mal, wer ich bin. Ich bin Davin Barkart und gehe auf die Schule Sherlock Holmes. Wieso diese Schule so heißt, fragt ihr euch jetzt sicher. Ganz einfach: Sherlock Holmes hat die Schule erfunden. Wo waren wir noch einmal stehen geblieben? Ach so! Bei meinen Freunden und Freundinnen. Mein bester Freund ist Thomas Müller, mein anderer Freund ist Maik Kosma und dann natürlich noch Emil Kassemaile, mein größter Fan. Ihr müsst wissen: Ich bin ein Detektiv. Mit meiner Detektei habe ich schon ganz viele Fälle gelöst. Meine Freundin heißt Jule Mosental und wir sind schon seit zwei Jahren zusammen. Aber ich rede jetzt schon so lange, dass wir jetzt langsam anfangen sollten! Sonst verpasst ihr ja noch das Wichtigste. Habe ich jetzt alles gesagt? Ach so, ich bin 17 Jahre alt. Dann geht jetzt in euer Zimmer, legt euch aufs Bett und hört oder in meinem Fall lest weiter, denn jetzt geht es los!
Ich ging wie an jedem Morgen zur Schule. Mit Ranzen auf dem Rücken ging ich durch das große Eingangstor und blickte auf die kleinen Türmchen, die schönen langen Säulen und wusste wie jeden Tag: Diese Schule war genau die richtige für mich! Die Schüler sprachen aufgeregt miteinander. Ich drängelte mich an ihnen vorbei und fragte Thomas, wieso alle so aufgeregt seien.
„Es gibt ein neues, richtig cooles und unschlagbares Computerspiel, bei dem man gegen Riesen kämpfen und Hexen besiegen muss und chatten kann. Und Maik hat es erfunden!“, sagte Tom begeistert.
Nach der Schule ging ich wieder nach Hause. Auf dem Weg sah ich noch Maik. Er sah völlig fertig aus. Er lief mir entgegen und stoppte abrupt vor mir.
„Hilfe, Hilfe! Hilf mir! Mein Computerspiel wurde von jemandem gelöscht!“, sagte er aufgebracht. „Du musst den Täter finden!“
„Ja, ja. Wem gefällt denn dein Erfolg nicht?“
„Max Jasis, Moritz Garteses und Paul Jakobise.“
„Aha, dann gehe ich mal zu Max.“
Zehn Minuten später:
„Hallo Max. Ich habe gehört, dass du eifersüchtig auf Maik bist.“
„Ja, das bin ich. Aber ich würde deshalb nie so etwas tun! Außerdem war ich heute total im Lernstress, ich hatte gar keine Zeit dazu.“
Danach:
„Hallo Moritz. Ich habe gehört, dass du eifersüchtig auf Maik bist.“
„Meinetwegen kann man es auch so nennen. Ich kann ihn nicht ausstehen, er kann mich nicht ausstehen. So ist es eben. Es kann nicht alles immer im Leben perfekt sein. Aber lass mich jetzt in Ruhe. Ich habe echt bessere Sachen zu tun, als hier so doof herumzustehen.“
Am Ende:
„Hallo Paul. Ich habe gehört, dass du eifersüchtig auf Maik bist.“
„Eifersüchtig? Ne! Ich freue mich für ihn. Ist echt eine coole Sache, was er da erschaffen hat. Mir macht das Spiel echt Spaß. Schade, dass es jetzt irgendwie nicht mehr funktioniert. Hättest du unbedingt ausprobieren müssen. Der echte Knaller ist das. Diese coolen Riesen und die Hexen erst. Oh, ist ja schon gleich sechs. Tut mir leid, ich muss jetzt noch zum Fußball. Aber viel Glück bei der Gangsterjagd.“
Ich wusste eigentlich schon, wer der Täter war und wollte ihn auch stellen, als plötzlich Jule kam. „Hallo Davin. Ich habe dich ja lange nicht gesehen. Bist du mal wieder an einem neuen Fall dran?“
„Ja“, sagte ich. „Aber wieso störst du mich? Ich wollte gerade zu Max gehen. Also, bitte entschuldige mich.“
Jule wurde sauer und ging eine Sekunde später.
„Hallo Max, ich will dich nur etwas fragen. Wieso hast du Maiks Spiel zerstört?“
„Was habe ich bitte gemacht?“
„Du hast Maiks Spiel zerstört! Leugnen ist zwecklos. Du hast dich nämlich damit verraten, dass du wusstest, dass Maiks Spiel kaputt ist.“
Im gleichen Moment fing Max an zu weinen. „Ich wollte ihm alles heimzahlen! Aber es war doof von mir, ich weiß.“
Max hatte alles gestanden, konnte jetzt aber von der Schule fliegen. Damit war ein weiterer Fall erfolgreich gelöst. Und nicht nur das. Mit Jule versöhnte ich mich auch wieder.
Ende gut, alles gut.
Jetzt könnt ihr wieder aufstehen und fühlt euch wie neu. Schönen Tag noch und spielt schön.
Frederike, 10 Jahre, aus Oberhausen, Deutschland
*
Die tödlichen Klippen
Lucy öffnete die Tür und ging weiter in den Besprechungsraum der Agentenagentur. Ihr Chef erwartete sie schon. „Ich habe einen neuen Auftrag für dich. Du wirst dein Leben riskieren müssen, wenn du es aber schaffst, wirst du gut belohnt.“
Lucy antwortete: „Ich nehme den Auftrag an, niemand kann mich aufhalten.“ Sie machte sich sofort auf den Weg. Lucy wusste nicht, auf was sie sich da einließ. Durch die Dunkelheit konnte sie fast nichts sehen, trotzdem ging sie so vorsichtig, dass keiner sie hätte hören können. Lucy schlich in ein kleines Dorf, wo, wie man ihr gesagt hatte, die Gang ihr Quartier hatte. Plötzlich gellte ein Schuss durch die Nacht. Lucy schreckte hoch, ein Geräusch ganz in der Nähe. Sie ging in Kampfposition, auf alles bereit.
Langsam, ganz langsam drehte sie sich um, als sie eine eiskalte Klinge an ihrer Kehle spürte. „Niemand kann uns finden, und wenn doch, wird er auf den letzten Metern von uns empfangen werden.“
Obwohl Lucy kaum atmen konnte vor Angst, zwang sie sich, zu sprechen: „Tut mir leid, aber niemand kann mich gegen meinen Willen töten.“
Die Antwort klang amüsiert: „Oh, dann werde ich das wohl jetzt erledigen müssen. Letzte Worte?“
„Nett, mal mit dir geredet zu haben.“ Mit einem Ruck befreite Lucy sich, schlug dem Angreifer das Messer aus der Hand und zog zwei Pistolen heraus.
Der Junge ließ ein kaltes Lachen hören. „Na wenn das so ist, wir sehen uns dann bald wieder.“ Dann verschwand er im Schatten.
„Oh ja, wie werden uns bald wiedersehen“, dachte Lucy.
Wochen waren nach dieser Begegnung vergangen. Bisher war Lucy allen Quellen gefolgt – und alle Informationen waren falsch gewesen. Gerade flog Lucy über ein Meer. „Auch wenn ich jetzt weiß, dass der Junge einer der Black Fires gewesen ist, bringt mir das bei meiner Suche nicht viel.“
„Wir sind angekommen, ich lasse dich jetzt raus“, sagte der Flugkapitän. Sie war nicht gerade begeistert, sprang aber aus dem Helikopter. Vorsichtig ließ Lucy sich schließlich nach der Landung die Klippen runter, als sie ganz unten, wo das Wasser gegen die Steine klatschte, einen Eingang sah. All die Mühen hatten sich gelohnt, hier war das Quartier der Black Fires. Es lag sehr gut versteckt. Nur wenn man genau hinschaute, konnte man sehen, dass da ein Eingang war. Sie kletterte weiter dem Eingang entgegen, doch auf einmal hielt sie erschrocken inne: Vor dem Eingang standen ein paar schwarz gekleidete Männer, die alle ein Messer in der Hosentasche hatten. Lucy versuchte, sich im Schatten zu halten, und kletterte weiter. Sie dachte an die Begegnung mit dem Jungen. Er hatte gesagt, dass sie sich bald wiedersehen würden.
Wenn sie weiter wollte, musste sie erst an den Schwarzjacken vorbei. Sie machte sich selber Mut, indem sie flüsterte: „Du schaffst das und kommst an den Schwarzjacken vorbei!“
„Oder auch nicht!“, sagte die gleiche Stimme wie die vor ein paar Wochen auch.
Lucy drehte sich um und sah den Jungen, dem sie vor ein paar Wochen schon begegnet war. Es stimmte, was der Junge gesagt hatte. Sie sahen sich noch einmal mal. Das fand Lucy allerdings nicht so toll. Der Junge fing an, den Männern etwas zuzurufen: „Hey Leute, hier besucht uns jemand! Kommt mal her!“
Die Schwarzjacken liefen zu ihm. Einer von ihnen begrüßte Lucy sehr freundlich: „Hi, du alte Sau! Ich glaub, du bist ’ne Agentin! Durchsucht sie!“
Die Männer suchten Lucys ganze Klamotten ab und leider fanden sie ihren Ausweis. Sie schauten ihn sich erst mal alle an. Dann sagte einer von ihnen, dass, wenn sie sie freilassen würden, ihr Versteck auffliegen würde.
Lucy musste zusehen, wie die Männer einstimmig beschlossen, sie zu töten. Einer von ihnen, der stärkste, hielt sie die ganze Zeit fest. Bei den anderen Männern hätte sie es geschafft, sich irgendwie zu befreien, doch bei diesem bulligen Typen schaffte sie es nicht. Die Männer brachten sie in die Höhle. Immer weiter rein, bis sie vor einer Tür stehen blieben. Die Tür sah aus wie eine ganz normale Holztür, doch was sich da hinter verbarg, konnte Lucy sich schon denken. Einer der Männer schloss die Tür auf und da stand ein großes Holzbrett an die Wand gelehnt. Einer der Schwarzjacken nahm sie und zerrte sie zum Brett und fesselte sie daran.
Auf einmal stand ein Mann in der Tür. Er war halb vom Schatten bedeckt, aber man sah, dass er eine Axt in der Hand hatte. Er lief auf Lucy zu, stellte sich über sie und holte aus.
Als die Axt ihren Hals berührte, dachte sie ihren letzten Gedanken: Sie bereute es eigentlich gar nicht, dass sie Agentin geworden war. Man hatte ihr am Anfang ja gesagt, dass einhohes Risiko bestand und sie ums Leben kommen könne.
Und das passierte in diesem Moment. Und da sie gestorben ist, lebt sie heute nicht mehr.
Linn, 9 Jahre, aus Troisdorf, und Eva, 10 Jahre, aus Königswinter, Deutschland
*
Der gestohlene Pokal
Es war Nachmittag und die Sonne strahlte vom Himmel. Heute war ein besonderer Tag. Die Zwillinge Tom und Leo freuten sich auf das Fußball-Pokalfinale am Abend in ihrem Heimstadion. Die Zeit bis dahin wollten sie sich mit einem spannenden Buch vertreiben. Kommissar Milo und seine drei Spürnasen waren ihre liebsten Krimihelden. Tom und Leo waren selbst auch richtige Detektive und lösten gern Rätsel.
Tom fragte Leo: „Soll ich Papa fragen, ob wir jetzt schon fahren?“ Ihr Papa arbeitete im Stadion und hatte einen Schlüssel.
„Ja!“, antwortete Leo. Er war schon so aufgeregt und konnte es kaum mehr erwarten bis zum Anpfiff.
„Papa, fahren wir bitte jetzt schon zum Stadion?“, fragte Tom.
„Wenn ihr wollt“, sagte Papa.
„Ja, wir wollen! Hurra!“, riefen die zwei gleichzeitig wie aus einem Mund. Sie stiegen ins Auto und fuhren los.
„Ich freue mich schon so auf das Finalspiel“, sagte Leo.
„Wer wohl gewinnen wird und den großen Pokal bekommt?“, meinte Tom nachdenklich.
„Warum bist du so nachdenklich Tom?“, fragte Leo.
„Wir lesen so gern Detektivbücher. Es wäre toll, wenn wir einmal einen echten Kriminalfall lösen könnten“, meinte Tom.
Sie konnten nicht viel darüber nachdenken, denn sie waren schon am Parkplatz angekommen. Die drei stiegen aus dem Auto und gingen zum Stadion. Ein Mann kam ihnen entgegengelaufen. Er stotterte aufgeregt: „Herr Stern, gut, dass Sie kommen! Es ist etwas Schreckliches passiert! Der Pokal … der Pokal … er wurde gestohlen! Wir müssen das Finale absagen!“
„Können wir bei der Suche helfen?“
„Ja gerne, jede Hilfe zählt!“, sagte der Mann etwas erleichtert. Ihr Papa meinte: „Tom und Leo, so könnt ihr nun in einem echten Fall Detektive sein. Aber passt gut auf!“
„Das machen wir, versprochen!“, rief Tom voller Freude. Leo freute sich genauso.
Die Zwillinge beschlossen: „Papa, ruf bitte die Polizei und halte draußen nach einem Verdächtigen Ausschau!“
„Okay, das mache ich!“, sagte Papa.
Als die Brüder im Stadion waren, sahen sie ein Podest. „Dort muss der Pokal gestanden haben!“, meinte Leo. „Dann suchen wir dort erst mal nach Hinweisen.“ Aber sie fanden nichts Verdächtiges.
„Hm … dann müssen wir eben das ganze Stadion durchsuchen“, grübelte Tom.
„Ich kann euch bei der Suche nach Hinweisen helfen!“, hörten die beiden eine Stimme hinter ihnen rufen. Es war der Platzwart. Er war gerade mit dem Mähen des Rasens fertig geworden. „Am besten fangen wir in den Kabinen an“, meinte er.
„Danke!“, sagten Tom und Leo und folgten ihm hinterher. Als sie bei den Spielerkabinen waren, öffnete der Platzwart die Tür und die Zwillinge gingen hinein. Aber auf einmal war die Tür hinter ihnen zu und es klickte, das Schloss war versperrt.
„Oh nein! Der Schuft hat uns eingesperrt!“, rief Tom aufgebracht. Leo blickte sich um und sah ein Gitter an der Wand. Leo ging ein Licht auf. „Der Lüftungsschacht, das ist es! So kommen wir hinaus!“
„Ja, und wenn der Platzwart den Pokal gestohlen hat, dann flüchtet er jetzt. Wir schneiden ihm draußen den Weg ab. Mach mir eine Räuberleiter, Leo!“ Tom war jetzt ganz aufgeregt. Er löste das Abdeckgitter und öffnete den Schacht. Drinnen war es muffig und stank nach alten Socken und Schweiß. Tom zog seinen Bruder hoch und sie krabbelten den Schacht gerade aus entlang. Als sie am Ende des Schachts ankamen, war dort wieder ein Gitter. Tom drückte es mit seinen Füßen auf.
„Es ist ziemlich hoch!“, meinte Leo etwas verängstigt. Er war nicht so mutig wie Tom und vorsichtiger. Plötzlich hörten sie ein Knattern und ein Traktor kam unter ihnen angefahren. Es war der Platzwart. Auf dem Anhänger war ein großer Haufen Gras.
„Komm! Das ist unsere Gelegenheit, wir springen hinunter!“ Tom holte tief Luft und sprang. Leo biss die Zähne zusammen und folgte seinem Bruder. Sie streckten ihre Köpfe vorsichtig aus dem Gras.
Leo flüsterte: „Autsch! Ich habe mir den Popo angehauen.“ Da sahen die beiden ihren Papa mit einem Polizisten in der Nähe stehen. Genau in dem Moment, als der Platzwart mit seinem Traktor an den beiden vorbeifuhr, sprangen die Zwillinge auf und schrien: „Haltet den Platzwart!“ Papa und der Polizist reagierten sofort und stellten sich ihm in den Weg. Der Polizist durchsuchte den verdächtigen Mann. Papa, Tom und Leo den Traktor und den Anhänger. Und da fanden sie unter dem Gras versteckt den gestohlenen Pokal!
Tom und Leo erzählten alles ganz genau dem Polizisten und Papa. Und diese lobten die zwei mutigen Burschen. Der Platzwart erzählte weinend: „Ich war früher ein guter Fußballspieler. Ich hätte vor Jahren den Pokal gewonnen. Nur wegen einer Fehlentscheidung ist es nicht geschehen. Ich wollte mir holen, was mir zusteht. Deswegen habe ich ihn gestohlen.“ Der Polizist legte dem Platzwart die Handschellen an.
Zum Schluss sagte Tom: „Leo und ich lösen jeden Fall als Team!“ Er klatschte seinem Bruder in die Hand. Alle lachten erleichtert auf.
Beim Fußballspiel durften die Zwillinge mit Papa auf der Ehrentribüne sitzen. Der Präsident des Vereins sagte stolz: „Danke Jungs! Ihr habt unser Finale gerettet!“
Jakob W., 10 Jahre, aus Salzburg, Österreich

*
Wenn Liebe zum Verhängnis wird
Was ...? Wo bin ich? Und was sind das für Handschellen an meinen Handgelenken? Das Atmen fiel mir schwer, wo war mein Asthmaspray? Ich hörte Schritte, eiskalte Angst durchfuhr meinen Körper! Ich fragte mich, wie lange ich hier wohl schon saß. Die Schritte kamen immer näher und die Tür zu meinem Raum ging auf! Ich sah einen Mann, er hatte einen Ausweis an der Brust, dort stand so etwas drauf wie Kriminalpolizei.
Der Mann fragte mich: „Sind sie Frau Goldinger?“
„Ja“, antwortete ich.
Er befreite mich von den Handschellen und half mir auf, anschließend legte er mir seine Jacke um meine Schultern. Mir taten alle Körperteile weh und ich musste die ganze Zeit über husten. Überall hatte ich blaue Flecken. Der Polizist hob mich auf den Arm, ging zum Auto und gab mir mein Asthmaspray, bevor ich noch in Ohnmacht fiel. Anschließend half er mir in sein Polizeiauto.
„Au, mir tut alles weh!“
„Es wird alles gut! Ich bringe Sie jetzt in ein Krankenhaus, auf der Fahrt erkläre ich dann alles.“
Wir fuhren los.
„Frau Goldinger, Sie sind gekidnappt worden und dann wurde Ihnen Schlafmittel gegeben, daraufhin haben Sie einen Tag lang geschlafen und nun haben wir Sie gefunden. Leider war niemand außer Ihnen im Haus. Aber dieses Haus gehört einem Jens Böbner. Frau Goldinger, kennen Sie einen Jens Böbner?“
„Nein, der Name sagt mir nichts.“
„Okay, haben Sie denn irgendwelche Feinde?“
„Sie müssen wissen, mein Lebensgefährte ist Anwalt und hat manchmal Konflikte mit anderen Leuten. Aber wirklich schlimm war es noch nicht.“
„Okay, wir sind da, Sie müssen sich darauf einstellen, dass meine Kollegen noch einmal vorbeikommen und Ihnen ein paar Fragen stellen. Ich bringe Sie noch rein, werde dann aber auch gehen.“
„Ist gut.“
Dann wurde ich in das Krankenhaus gebracht, dort stand ein unheimlicher Arzt. Der Polizist dachte sich wohl nichts dabei und der Arzt brachte mich in ein Krankenzimmer. Leider ging der Polizist, ich fand ihn sehr nett, denn in seiner Nähe fühlte ich mich sicher. Der Arzt war komisch, er sah nicht aus wie ein Arzt und verhielt sich auch nicht so. Auf einmal stieß er mir etwas in den Bauch, nahm mich über die Schulter und dann war alles weg ...
Ich wachte in einem schwarzen Raum auf, ich hatte Schnittwunden an meinem Bauch und meinen Beinen. Dieser Schmerz ...
„Oh Gott“, dachte ich mir und ich schrie, so laut wie es ging: „Hilfe! Ist da jemand, bitte! Ich brauche Hilfe, hört mich denn keiner?“ Ich fühlte mich sehr schwach und dachte, ich wäre am Ende der Welt und das ganz allein.
Da hörte ich Stimmen, vielleicht zwei Männerstimmen. Sie stritten sich über etwas. „Wir müssen sie noch vor Sonnenuntergang hier rausschaffen, Bruno!“
„Nein Jens, sie ist die perfekte Geisel. Die Bullen haben sie schon einmal gefunden! Hier in deinem Schuppen werden sie sie niemals finden!“
Aber ja, ich war in einem Schuppen! Aber was für eine Geisel? Da hatte ich eine geniale Idee! Ich rief so laut, wie es ging: „Hey macht die Tür auf! Ich werde mir etwas antun!“
Blitzschnell ging die Tür auf und zwei Männer standen dort. Der eine sagte: „Nein! Bitte nicht! Ich erkläre Ihnen alles!“ Ich wollte wissen, was sie mir zu sagen hatten. Aber auf einmal hustete ich ganz fürchterlich! Es war die Aufregung, es war zu viel auf einmal, dann kippte ich um.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder zu Kräften kam. Ich war in einer Küchenstube, mir gegenüber die zwei Männer. Jetzt wollten sie mir alles erzählen: „Frau Goldinger, Sie hatten einen Asthmaanfall. Wir haben Ihnen ihr Asthmaspray gegeben und Sie in die Küche transportiert. Wir wollen Ihnen nichts Böses. Wir sind beide Apotheker und wollen, dass jeder Mensch ein schönes Leben hat.“
„Deswegen haben Sie mit einem Messer auf mich eingestochen?“
„Ja, wir haben Ihr Haus tagelang observiert, aber Sie sind nie aus Ihrem Haus gegangen. Aber letztendlich haben wir Sie, vermutlich auf dem Weg nach Hause, erwischt.“
„Aber warum das alles?“
„Ich hatte vorhin gesagt, dass jeder Mensch ein schönes Leben haben soll, auch wir zwei! Unser Job läuft in letzter Zeit nicht sehr gut. Ihr Lebensgefährte ist ein sehr reicher Mann und wir dachten, er wäre aufgebracht und wir wollten Lösegeld, aber er hat sich nicht einmal für Sie interessiert!“
„Nein, das kann nicht sein. Er liebt mich.“ Am liebsten wollte ich im Boden versinken. Das konnte doch nicht sein! Ich wusste nicht mehr, was ich glauben sollte. Warum war er dann schon seit vier Jahren mein Lebensgefährte, wenn ich ihm egal war?
„Wir werden Sie noch bei uns behalten.“
„Nein! Ich will nach Hause zu meinem Lebensgefährten!“
„Sie bleiben hier!“
Plötzlich hustete ich wieder ganz fürchterlich.
Ich wachte auf und fragte mich, wo ich war. Im nächsten Augenblick wusste ich, ich hatte wieder einen Asthmaanfall hinter mir. Auf einmal sah ich einen großen Spalt unter der Tür. Ich wusste, ich war im Schuppen. „Mist, die Tür ist abgeschlossen.“ Ich guckte durchs Schlüsselloch und sah, dass der Schlüssel steckte. Als ich mich im Schuppen umguckte, entdeckte ich eine Zeitung. Ich nahm sie mir und ging zur Tür, schob sie unter der Tür hindurch und nahm mir eine Haarspange aus meinen Haaren, steckte sie durchs Schlüsselloch und der Schlüssel fiel auf die Zeitung. Ich dachte mir: „Jetzt darf der Schlüssel nur nicht von der Zeitung rutschen!“ Doch ich schaffte es. Ich schloss die Tür auf und rannte raus, aber dann packte mich jemand und schüttelte mich ...
Ich wachte auf und merkte, dass alles nur ein Traum war. Mein Lebensgefährte Werner war da und umarmte mich. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich hatte das Gefühl, der Traum wollte mir etwas sagen. Aber was?
Ich ging nach unten. Irgendwann kam ich auf die Idee, Werners Namen in einer Internet-Suchmaschine einzugeben. Und tatsächlich wurde ich fündig, auf der Homepage der Polizei war ein Foto von Werner, darunter stand dick gedruckt:
WERNER ACHSENBECK, HOCHSTAPLER GESUCHT!
Mieser Trick: Lässt seine Partnerinnen nach Jahren mit Schulden zurück! Nutzt seine Opfer gnadenlos aus.
Ich traute meinen Augen kaum und wollte Werner ausfragen, doch plötzlich wurde mir bewusst, dass ich vier Jahre lang mit einem Hochstapler unter einem Dach gewohnt hatte, der womöglich Schlimmes im Schilde führte! Das war zu viel für mich. Ich rannte zum Telefon und sagte so leise, wie es nur ging: „Hallo, hier ist Anke Goldinger und ich kenne Werner Achsenbeck, ich lebe seit vier Jahren mit ihm in einem Haus. Ich wollte nur sagen, dass er zu Hause ist und Sie bitte ganz ganz schnell kommen sollen! Wir wohnen in der Reichenbachallee 17.“
10 Minuten später ...
Ich sah aus dem Fenster, dreizehn Polizeiautos umzingelten unser Haus, jemand sagte durch ein Megafon: „Werner Achsenbeck, bitte kommen Sie aus dem Haus und ergeben sich. Wir wissen, dass Sie da drinnen sind.“
Werner rief nur: „Anke, hast du die gerufen? Wieso hast du das gemacht? Du bist die erste Frau, die ich wirklich geliebt habe und mit der ich alt werden wollte!“
Die Haustür wurde aufgebrochen und ein Trupp von Polizisten stürzte sich auf Werner.
Am nächsten Tag ging ich um 6:30 Uhr joggen und blieb an meiner Lieblingsbrücke stehen. Ich erinnerte mich, wie ich als kleines Mädchen über diese Brücke gerannt war und Freudensprünge gemacht hatte. Diese Zeit war leider vorbei ...
Marlene und Sina, beide 11 Jahre, aus Oldenburg, Deutschland
Darmowy fragment się skończył.