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Martin Becker

DIE BIBEL - entbrutalisiert

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Gottes Spaziergang im Paradiesgarten

Auf der Suche nach Lösungen

Der anders Denkende

Die eigene Wahrheit

Die Projektionen auf andere Menschen

Das Messen mit zweierlei Maß

Der beleidigte Gott

Die Erklärungen der Welt

Die göttliche Inspiration

Luzifer und die Schöpfung aus dem Nichts

Die Vertreibung aus dem Paradies

Die Korrekturen am Menschen

Die Gebote der Verehrung

Wie der Mensch Gott erschuf

Als Gott noch der Dämon war

Das Wirken Jesu

Jesu Geburt

Jesu Stammbaum

Die Versuchung Jesu

Du sollst deinen Nächsten lieben

Jesu Jüngerinnen

Frauenfeindschaft in der Bibel

Der verratene Sohn

Jesus, das Opfer der Sünden

Die letzten Worte Jesu

Jesu Auferstehung

Das Jüngste Gericht

Die Zeit für Ehrlichkeit

Die Bedeutung des Lebens

Schlussbemerkung

Zitate und Verweise

Impressum neobooks

Inhaltsverzeichnis

DIE BIBEL

Entbrutalisiert

Martin Becker


Impressum

Texte: © Copyright by Martin Becker 2021

Umschlag: © Copyright by Martin Becker 2021

Selbstverlag: MB-Projekt Final Design UG

Münchner Straße 27

82256 Fürstenfeldbruck

final.design.projekt@gmail.com

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

(ich erlaube mir das freundschaftliche „Du“)

es gehört sich natürlich, dass ich mich zuerst bei Dir kurz vorstelle, bevor wir eine gemeinsame Zeit in diesem Buch verbringen:

Ich bin 1957 in Afrika geboren und habe die Jugendzeit als Pfarrersohn in einer kleinen Gemeinde in Süddeutschland verbracht.

Beten, Singen, Bibel lesen, Kirchgang, Kindergruppen leiten, Losung lesen, auf Gebetserhörungen warten, Glocken läuten: Das volle Programm.

Alles gehörte zu meiner Grundausbildung als anständiger Pfarrersohn, und ich kenne die Bibel mehrfach in- und auswendig – vor und zurück.

Doch mit einem „Hä?“ fing alles an: „Wie kann das sein?“

Nicht die Fragen waren dumm, sondern die Antworten.

Mit 20 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten und habe mich natürlich, getreu meiner kindlichen Prägung, bis ins Alter weiterhin mit dem christlichen Glauben beschäftigt.

Doch dieses Mal nicht als Gläubiger, sondern als Atheist mit fundiertem; theologischem Basiswissen.

In diesem Buch greifen wir tief in die Bibel ein, in die christliche Lehre und in die Kirche.

Der Finger auf der Wunde tut weh, aber er macht bewusst, dass dort Heilung notwendig ist. Von alleine passiert das nicht.

Meine Kritik soll den christlichen Glauben nicht zerstören, jedenfalls nicht komplett.

Sondern sie soll Ungereimtheiten aufdecken, sie beim Namen nennen. Sie soll aufräumen, bereinigen, ausbügeln, den Geist heben, nach Lösungen suchen.

Die Frage heißt:

Warum ist Bibel heute immer noch so steinzeitlich, gnadenlos und brutal? Schizophrenie im Standardwerk einer Religion der Liebe.

Es ist an der Zeit, die Bibel zu entbrutalisieren.

Also, in diesem Buch tut sich was. Jetzt heiß es:

Runter mit der rosa Brille, - Besen her, - Keller aufräumen.

DIE BIBEL: Entbrutalisiert

Freundliche Grüße,

Martin Becker

Gottes Spaziergang im Paradiesgarten

Vielleicht kennst Du diese Stelle in der Bibel:

„Und sie hörten die Stimme Gottes des HERRN, der im Garten ging, da der Tag kühl geworden war.“

(1. Mose 3,8)

Das ist die Stelle, als die Schlange Eva im Paradies überredet hatte, von der verbotenen Frucht zu essen. Eva gab Adam auch etwas zum Probieren, und ausgerechnet dann kam Gott auf seinem Spaziergang vorbei und erwischte sie.

Danach warf er alle drei achtkantig aus dem Paradies.

Fällt Dir etwas an dieser Geschichte auf?

Ich erzähle mal diese kleine Szene mit meinen Worten, um das Ausmaß dieses Satzes zu verdeutlichen:

„Der Sündenfall (nacherzählt):

Adam und Eva hatten gerade vom Apfel abgebissen, hörten, dass Gott herankam, und sie schämten sich. Schadenfreude auf Seiten der Schlange.

Gott war gerade bei seinem kleinen Abendspaziergang, um sie zu besuchen.

Endlich war die Tagessonne nicht mehr so heiß, so dass es eine gute Zeit war, sich im Paradiesgarten entspannt die Beine zu vertreten.

Als Gott die beiden sah, wie sie sich schämten, stellte er sie zur Rede und war sogleich ganz schrecklich erbost. Schließlich hatte er ja, bevor er seinen gemütlichen Abendspaziergang begann, nicht die geringste Ahnung, was die beiden angerichtet hatten.

Er hatte zuvor nicht den geringsten, blassen Schimmer, dass sie von den Früchten des Baums der Erkenntnis zwischen Gut und Böse tatsächlich essen würden.

Sie waren zwar erst nach der Einnahme der Frucht imstande, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, aber sie hätten ihm vorher ja einfach nur gehorchen müssen, sonst nichts.

Zwar wäre Gott selbst durchaus rechtzeitig dazu in der Lage gewesen, diese Situation zu verhindern und die beiden wirkungsvoll vor ihrer Sünde zu schützen, indem er statt des Baumes zum Beispiel einen Kaktus aufgestellt hätte, oder dass er die Früchte übelriechend oder bitter sein ließe.

Er hätte den Baum auch vorher durch die Cherubim mit bloßem, hauendem Schwert bewachen lassen, wie er es dann später tat. i

Das hat er nicht getan. Auf diesen Gedanken war er nicht gekommen. Oder doch?

Er stellte selbst den verlockenden, Früchte tragenden Baum im Paradies auf. Er drohte Adam und Eva die Todesstrafe an, davon zu essen, und er nahm billigend in Kauf, dass sie es trotzdem taten.

Mit schauspielerischem Talent, vermeintlich völlig entsetzt darüber, dass sie ihm nicht gehorchten, verurteilte er sie auf der Stelle zur fristlosen Entlassung.

Er war ihnen dabei noch gnädig, denn eigentlich hätte er sie, gemäß Androhung, sofort töten müssen.

- Ende des freien Nacherzählung - “

Drei Dinge fallen mir auf:

1. Entweder hatte Gott wirklich keinen blassen Schimmer, was zuvor passiert war, dann war sein Spaziergang ahnungslos und ehrlich, sein Entsetzen aufrichtig, und er kann überhaupt nicht in die Zukunft schauen.

2. Oder er konnte selbstverständlich schon vorhersehen, was die beiden anstellen würden, dann hatte er seinen abendlichen Spaziergang nur vorgetäuscht, und er hat sich die kommenden Worte bereits gedanklich zurechtgelegt, in der Absicht, sie gleich ganz fürchterlich zusammenzustauchen und sie achtkantig aus dem Paradies zu feuern.

3. Dass er einen Früchte tragenden Baum im Paradies aufstellte, im Wissen um das nachfolgende Vergehen, zeigt die planende Absicht, alle drei sowieso rausschmeißen zu wollen.

Im Fall eins, wenn Gott nicht in die Zukunft schauen konnte, und er stellte gleichzeitig einen verlockenden Baum ungeschützt im Paradies auf, dann handelte er obendrein grob fahrlässig. Gott, ein nachlässiger Schussel?

Seine Unfähigkeit, in die Zukunft zu schauen, sehen wir noch später, weil ihn die Sünden der Menschen ergrimmte. Diese Emotion ist einem prophetisch Befähigten unbekannt.

Wenn Gott nicht in die Zukunft schauen konnte, war er auch nicht in der Lage vorherzusehen, dass er ein paar Tausend Jahre später sein eigenes Religionskonzept mit der Erscheinung Jesu komplett umkrempeln würde.

Wie wollte er auch voraussehen, dass die Kirche heute krampfhaft eine Lösung aus der alten, verkorksten Geschichte sucht und feststellt: So geht es nicht weiter?

So geht es nicht weiter.

Wie will Gott mit solch einer Ahnungslosigkeit vorausgesehen haben, dass er eines Tages mit all seinen Heiligen im Himmel leben wollte?

Kennt er denn überhaupt die Gesetze der Physik? Weiß er denn überhaupt, auf welcher Galaxie der Himmel sein wird?

Wenn Gott nicht in die Zukunft schauen kann, dann ist dies das Ende seiner Religion. Du kannst aufhören weiterzulesen.

Such Dir was Neues. Wie wäre es mit Astrophysik?

Im Fall zwei, wenn Gott einen gemütlichen Abendspaziergang vortäuschte, in der Absicht, ganz erschreckt zu tun und die beiden achtkantig aus dem Paradies zu feuern, dann ist das eine richtig fiese, arglistige Täuschung.

Der Abendspaziergang wäre ein Zeichen einer planenden, hinterhältigen Absicht für eine Tat, die er sowieso vorhatte zu tun, nur mit dem Dreh, nicht selbst an dem Hergang Schuld zu haben, sondern seinen drei Geschöpfen die Schuld zu geben.

Sollte dieser Fall zwei richtig sein, dann stellt sich die Frage nach Gottes Psychogramm. Wer hat das aufgeschrieben?

Wer a.) solch einen Text in die Bibel hineinschreibt und vor allem, wer b.) diesen Text als göttliche Inspiration zum Dogma erklärt, der ist sowas von Kilometer weit weg vom Erfassen der Größe eines göttlichen Wesens, dass „Steinzeit“ die richtige Umschreibung dafür ist.

Der Fall drei ist ein Zeitvertreib, den sich der in die Zukunft blickende Gott hätte ersparen können. Warum hat er Adam, Eva und die Schlange nicht von vornherein außerhalb des Paradieses erschaffen?

Wer etwas erschafft im Wissen um den Ausgang, der erschafft bereits das Ende.

Gott hätte das Ende gleich erschaffen können und sich und den anderen einen Haufen Zeit, Energie und Ärger ersparen können. Er hätte Adam und Eva gleich in der Wüste aufwachsen lassen und die Schlange als beinloses Reptil erschaffen können.

Es sei denn er hatte Spaß daran, Leute zu quälen.

Das ist Arglist. So geht kein Schöpfer mit seinen Kreaturen um …jedenfalls kein liebender Schöpfer.

Diese Geschichte im Paradies ist so unwürdig, so kleinkariert, so kleinbürgerlich, so hinterlistig.

Niemals wollte man sich einen solchen Gott als Schöpfer vorstellen. Nie würde ein solcher Charakter der Größe eines Gottes würdig sein.

Dieser Charakter ist ausreichend für eine Märchenfigur, wo der böse Wolf die drei kleinen Schweinchen frisst, aber dies ist kein Charakter eines Schöpfers.

Lieber Christ, Du kennst bestimmt das Ausmaß des Universums. Für Dich ist es bestimmt ein großes Wunder, dass Gott diese unendliche Größe der Milliarden von Sonnen erschuf, nicht nur unsere Erde.

Wenn Du Gott die Kapazität zumutest, eine solch unendliche Größe zu erschaffen, glaubst Du dann wirklich, er geht im Garten spazieren, weil der Abend kühl geworden ist? Glaubst Du wirklich daran, dass er seine drei Geschöpfe achtkantig aus dem Paradies wirft, weil sie ihm einmal nicht gehorcht haben?

So klein kann man garnicht denken.

Doch das ist alles nicht so schlimm.

Schlimm ist, dass diese Geschichte im heiligen Buch der Bücher steht. Schlimm ist diese Gnadenlosigkeit, mit der Gott Tabula Rasa macht, weil ihm nicht gehorcht wurde.

Schlimm ist diese Brutalität in der Bibel.

Noch schlimmer ist, dass die christlichen Kirchen diese Geschichten nicht schon längst aus Ihrem Bibelwerk herausgeschmissen haben. Gibt es denn keine Produkt- Qualitätskontrolle?

Ist es denn nicht möglich, dass ein Prüfgremium einen Bericht verfasst, der besagt: „OK, das müssen wir verbessern“?

Das Allerschlimmste ist, dass die katholische Kirche die Bibel als Dogma erklärt hat, als absolut wahr, als göttlich inspiriert.

Ungefiltert.

Klar. Sie musste es tun. Schließlich hat Jesus selbst es so bestimmt:

„Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.“ (Matth. 5, 18-19)

Wer an einen einzigen Passus der Bibel nicht glaubt, wer dem Dogma widerspricht, der wird aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgestoßen.

Ist das Liebe? Ist das die Religion, die zu einem liebenden Vater im Himmel betet?

Es handelt sich also nicht um eine kleine, belanglose Geschichte in der Bibel, über die Du geschmeidig hinwegschauen kannst. Nein.

Alle christlichen Kirchen haben sich mit der Bibel den Charakter Gottes zu eigen gemacht. In sämtlichen Variationen der christlichen Glaubensgemeinschaften und Sekten kann der Charakter Gottes genau so nachgelesen werden.

Und alle wissen: Ein offizieller Widerspruch ist nicht möglich.

Am schlimmsten trifft es die Katholische Kirche mit ihren Dogmen.

Die christlichen Kirchen sitzen in der Falle.

Alle.

Du denkst, damit ist schon alles vorbei? Nein. Jetzt fängt es erst richtig an. Es gibt noch Aber- Dutzend weitere Stellen, die Dich dazu bringen könnten, dass Du Gott vielleicht bald für einen fiesen, gemeinen, krankhaften Psychopathen halten wirst.

So etwas, liebe Bischöfe und Priester, gehört nicht in die Bibel. So einen alten Käse muss nicht von den Kanzeln gepredigt werden und am wenigsten, den Kindern in der Sonntagsschule erzählt werden.

Es ist mal dringend notwendig, die Bibel zu bereinigen, sie zu entbrutalisieren.

Die Menschen haben es schon längst begriffen, dass das, was in der Bibel steht, so abgefahren weltfremd ist, dass es einfach nicht mehr gedruckt werden muss.

Die Gläubigen haben es schon längst begriffen, dass sie die Institution Kirche krampfhaft an Inhalte der Bibel klammert, die schlicht ergreifend falsch und überhaupt nicht mehr zeitgemäß sind.

Die meisten Gläubigen haben sich bereits längst ein „Cherry- Picking“ Religions- Gebilde erschaffen, das die schönen Bibelstellen zitiert, und die unschönen Stellen einfach ignoriert.

Sie suchen sich die Rosinen aus dem Kuchen heraus und lassen den Rest stehen.

Natürlich glauben sie an alles in der Bibel, aber die Mechanik heißt: Aus dem Bewusstsein ausblenden.

Doch heute funktioniert das Prinzip nicht mehr. Der Zugriff auf sämtliche Informationen der Menschheit ist heute mit einem Daumenwisch möglich.

Nicht alle Menschen sind so naiv, wie früher. Was die Priester von den Kanzeln predigen, ist heute prüfbar.

Konnten sie noch zu Moses- Zeiten die 10 Plagen in Ägypten mit dem Wirken Gottes erklären, so wissen sie heute (jedenfalls die meisten), dass AIDS keine Strafe Gottes ist, für die sexuelle Ausrichtung der Homosexuellen.

Aber so einfach wollen wir uns das nicht machen. Wir blicken tiefer hinter die Kulissen.

Wir werden sehen, was die Kirche aus der Botschaft der Bibel gemacht hat, und wir werden verstehen, warum sie heute am Abgrund steht.

Nein, sie steht nicht am Abgrund. Sie ist bereits einen Schritt weiter.

Gehen wir einmal ganz zurück an den Ursprung. Schauen wir uns einmal die Bibel genauer an.

Davon handelt dieses Buch.

Bitte beachte auch die Zitate im Anhang. Wie sie auf den ersten Blick erscheinen, so erschreckend sind sie auch: Sie stehen tatsächlich so geschrieben.

Und denke nicht, ich würde aus dem Zusammenhang heraus zitieren. Leider nein. Es steht genau so in der Bibel.

Wir lernen Simon kennen, den Bibelschreiber.

Der Mann, stellvertretend für weitere hundert andere Geschichtenschreiber, aus deren gemeinsame Werke die Bibel zusammengestellt wurde.

Wir stellen uns also einen solchen Simon vor, als einen unter vielen: Alter Mann mit Bart, geboren ca. 1.500 vor Christus, für seine Zeit sehr gebildet, angesehen, gut situiert, guter Geschichtenerzähler. Er konnte schreiben, war kommunikativ, hatte ungefähr 4 Frauen und 12 Kinder.

Als Ziegenzüchter hatte er viel Zeit und konnte sich seinem Hobby widmen, Schriften zu schreiben. Er hatte einen störrigen Esel, den er öfters schlagen musste, zwei faule Diener, die auch ihre Dresche bekamen und einen lauten Sohn. Manchmal schlug er diesen auch – frecher Bengel.

Überhaupt war Simon cholerisch veranlagt und brüllte ab zu unbeherrscht herum.

Seine Schriften wurden im Tempel aufbewahrt, da sie von Gott erzählten. Später wurden sie für eine Reise in Tonkrügen versiegelt und vergessen. Irgendwann einmal fand man diese Schriften, fanden sie toll und stellten die Werke zusammen, als Heilige Schrift.

Die Bibel besteht aus Hunderten von solchen einzelnen Dokumenten, welche als „Vulgata“ im Konzil von Trient 1546 als Gesamtwerk und als echte Bibelfassung bestätigt wurde.

Nicht Gott scheint also, wegen seiner regelmäßigen Wutausbrüche, dieser krankhafte Psychopath zu sein, sondern die vielen, vielen Simons, die ihre Esel schlugen, und die versuchten, irgendwas über Gott zu schreiben.

Und dennoch: Die katholische Kirche hat im 1. Vatikanisches Konzil 1870 unter Papst Pius IX die Irrtumslosigkeit der Bibel als Dogma festgelegt.

Die Bibel, ein Sammelsurium alter, überlieferter Schriften, wurde von der Kirche als absolut wahr deklariert.

Wahr. Punkt.

Keine Diskussion.

Entsprechend sind Berichte über Gottes Ausschweifungen keine Erzählungen von irgendwelchen alten Bibelschreibern. Nein. Gott war so. In ihren Augen war alles real.

Eine verzwickte Sache.

In diesem Buch werden wir uns also auch dem Psychoramm von Simon, dem Bibelschreiber widmen.

Die Krankhaftigkeit in Gottes Psyche zeigt sich eigentlich an den Geschichtenerzählern, die die geistige Kapazität nicht hatten, ein göttliches Wesen zu begreifen.

Das zieht sich durch, über das Neue Testament hinaus, bis hin zum depressiven Gemetzel im Jüngsten Gericht.

Wir werden aber parallel immer wieder darauf achten, was die Kirche dazu sagt, oder gesagt hat.

Das Problem der Päpste ist heute, dass sie sich selbst als unfehlbar erklärt haben:

Der Papst ist Stellvertreter Christi auf Erden und Nachfolger Petri. Unter Papst Pius IX. wurde im Ersten Vatikanischen Konzil 1870 die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet.

Problem dabei: Was die Alten verkündet haben, kann ein neuer nicht mehr widerrufen. Keine Chance. Sackgasse.

Wir zählen die Toten, die durch Anweisungen der Kirche ermordet wurden. Wir sehen die Verbrechen an die Menschheit, den Frauenhass, die Raffgier und das Messen mit zweierlei Maß.

Dass die Kirche heute am Rande des Abgrunds steht, ist eine Folge zweitausend Jahre alter Fehlentscheidungen, Verbrechen und Dummheit.

Die Gläubigen der Kirche haben gelernt, dass man Gott um Vergebung bitten kann, mit ein paar geopferten Ziegenböcken, und dann könnte man die Sache als erledigt ansehen.

Doch die Kirche trägt eine Schuld an der Menschheit. Das können Gläubige sich selbst nicht vergeben. Gott auch nicht. Diese Schuld kann nur von der Menschheit selbst erlöst werden.

Die Kirche hat noch nicht ein einziges Mal um Vergebung gebeten. Sie hat zwar Galileo Galilei begnadigt, aber nicht um Vergebung gebeten.

Die Kirche hat noch nicht ein einziges Mal die Menschheit um Vergebung gebeten, für die Opfer der Inquisition, für Kreuzzüge, für die Hexenverbrennungen und für den Beistand der Mächtigen in deren Kriegszügen und Raubmorden.

Die Kirche hat nicht ein einziges Mal die Menschheit um Vergebung für die Opfer des Missbrauchs gebeten, den die Priester an Kindern verübt haben, oder immer noch verüben(?).

OK, Kardinal Marx ist zurückgetreten, Papst Franziskus hat den Kindesmissbrauch in das Kirchenstrafrecht eingegliedert. Es wurden Fehler eingestanden, aber sie wurden nicht bereinigt. Sie wurden bis heute nicht erlöst.

Aus dem päpstlichen Erste- Hilfe Kasten wurden ein paar Pflaster herausgeholt und die ersten Wunden abgedeckt (kaschiert), aber nicht wirklich grundlegend bereinigt.

Wenn der von Gott als einziger Gerechte im Brand von Sodom und Gomorrha benannte Lot seine beiden Töchter missbrauchen darf, ja, dann ist doch alles in Ordnung oder nicht?

Kein Papst hat dies bisher verurteilt, niemand hat bisher diese Stelle aus der Bibel gelöscht.

Priester, die Kinder missbrauchen, haben doch ein von Gott vollständig autorisiertes Vorbild.

Kindesmissbrauch wurde von der Katholischen Kirche bisher dem 6. Gebot unterworfen: Du sollst nicht ehebrechen.

Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochsen, Esel noch alles, was sein ist. 5. Mose 5.21

Ääh, ja natürlich: Deines nächsten Kindes auch. – steht aber nicht explizit drin.

Das ist die bisherige Rechtsprechung der Römisch Katholischen Kirche. Heute steht Kindesmissbrauch im katholischen Strafgesetzbuch – endlich, nach 10 Jahre langen Diskussionen.

Priester, die Kinder missbrauchen, dürfen aber nicht einfach in die Buchhaltung versetzt werden, sondern sie müssen fristlos entlassen und der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben werden – ohne weitere Diskussionen. Das wäre eine echte Bereinigung.

Wir wollen aber hier nicht die Verbrechen der Kirche aufzählen, sondern wir werden den Verursacher betrachten, nämlich die Bibel.

Was steht in der Bibel genau, und warum steht es heute noch drin?

Warum glaubt der Gläubige daran, und warum wehrt er sich nicht dagegen?

Auf der Suche nach Lösungen

Wenn wir um diese Schwächen in der Bibel wissen, wie können wir uns verächtlich über sie stellen und sie verurteilen?

Wären wir selbst in der Lage, es besser zu schreiben? Hätten wir denn selbst die Kapazität, ein göttliches Wesen zu begreifen, um angemessen darüber zu schreiben?

Wir wollen also nicht meckern, sondern nach Lösungen suchen.

Dieses Buch behandelt also vier Themen parallel:

 Das Psychogramm der Bibelschreiber

 Das Kuddelmuddel und die Brutalität in der Bibel

 Die Selbstgefälligkeit der christlichen Kirchen

 Die Gläubigen und ihre Glaubenssätze.

Weil jedes Thema das andere bewirkt, lassen sie sich nicht voneinander trennen.

Dieses Buch übt Kritik und liefert Denkanstöße. Wer Kritik nicht ertragen kann, der kann nichts verändern.

Wer wirklich etwas verändern möchte, der müsste vielleicht mal kurz die rosa Brille abnehmen.

Im Jahre 2019 sind mehr als eine halbe Million Menschen (= 570.000) aus den beiden deutschen Kirchen ausgetreten. Die Kassen sind leer. Die Bischöfe kämpfen einsame Verteidigungs- Kämpfe, zu erklären, dass nicht alle Priester Pädophile sind.

Sie suchen verzweifelt nach Lösungen, um die rasant schwindende Zahl der Mitglieder zu stoppen.

Haltet durch, liebe Christen.

Wenn Ihr bereit seid, den Keller aufzuräumen, dann müsst ihr auch in den dunklen Ecken putzen.

Doch das geht nicht, indem man mittelalterliche oder sogar steinzeitliche Sittlichkeit aufrechterhält, sondern indem man Licht ins verstaubte Dunkle bringt.

Es ist nicht einfach auseinanderzuhalten: Was ist göttlich, und was hat unser Bibelschreiber Simon als göttliches Wesen begriffen und niedergeschrieben?

Die Kirche hat den vielen Simons die göttlichen Wutausbrüche abgenommen und genauso gehandelt, wie sie ihn beschrieben und wie es ihr damaliges Weltbild war.

Doch in dem Moment, indem das alles niedergeschrieben wurde, blieb das alte Weltbild fixiert. Es wurde durch Abschriften, Übersetzungen und kleinen Ergänzungen zwar modifiziert, aber die Sintflut bleibt die Sintflut, und daraus entstand die Rechtfertigung der Kirche, Ketzer und Hexen zu foltern und zu ermorden.

Der Geist der Steinzeit hat sich durch die Niederschrift bis in das 21. ste Jahrhundert ungefiltert fortgesetzt.

Und jetzt gucken sich alle Bischöfe verblüfft an und fragen sich, warum die Gläubigen das nicht mehr haben wollen.

Die Gläubigen sind nicht mehr so bekloppt, wie früher.

Sie wollen das nicht mehr haben.

Der strafende Gott hat ausgedient. Es ist vorbei. Die Geschichten von der Sintflut, von Sodom und Gomorrha und vom Turmbau zu Babel will keiner mehr den Kindern erzählen, der sie zu friedlichen, selbständigen und intelligenten Menschen erziehen will.

Die Gläubigen haben sich vor einigen Jahrhunderten bereits eigene Religionsfiguren geschaffen und schoben sie dem großen, strafenden Gott vor.

Maria und die unendlich vielen Heiligen. Sie sind für Fürbitten zuständig: „Liebe Maria, sag doch mal bitte Deinem Mann, er soll uns vor der Pandemie verschonen.“

Genauso, nur mit etwas anderen Worten, schallt es in allen Kirchen, rund um die Welt.

Warum braucht eine Religion Fürbitter? Weil der Häuptling nicht zurechnungsfähig ist, weil er ausrastet und wütend ist, und weil er zu gewaltig ist, um sich um die kleinen Sorgen der Gläubigen zu kümmern.

Natürlich haben die Priester es längst begriffen und den Menschen Feste geschaffen, um ihre Heiligen zu feiern. Sie haben ihnen Kirchen und Kapellen gebaut, damit sie sie dort anbeten können.

Heute ist das Bild des strafenden Gottes nahezu verschwunden. Der „liebe Vater im Himmel“ ist die heutige Figur. Heute kann man ihn mit den Kindern zum Gute- Nacht Gebet direkt ansprechen. Er tut ja nichts. Die Heiligen haben mehr oder weniger ausgedient. Marias Junfernhäutchen interessiert keinen mehr.

Doch es steht noch in der Bibel. Es wird noch von der Kirche interpretiert und gepredigt.

Die Kirchen haben am System weiterhin nichts verändert. Sie sind noch auf dem alten Stand.

OK, die Evangelische Kirche, die freien Kirchen und Sekten haben mit den Heiligen nicht mehr viel zu tun. Aber Moses ist heute immer noch die Einstiegsfigur in der Bibel, und er zerbricht immer noch die silberne Tafel mit den Zehn Geboten, nachdem Gott seinen Zorn so mal richtig austoben ließ. ii

Und Moses streitet sich immer noch mit Pharao, wessen Gott wohl die besten Plagen verbreiten kann. iii

Über diesen Stand sind die anderen Kirchen allesamt noch nicht heraus. Der Kleingeist Simons hängt noch bis heute in der gesamten, christlichen Religion fest.

Der anders Denkende

Eine persönliche Erfahrung, zu meiner eigenen Person: In den vielen Jahren, in denen ich Menschen kennen lernte, die anders dachten als ich, wurde mir eins klar:

Sie ändern sich nicht.

Viele, gläubige Christen versuchten mir zu beweisen, dass es einen Gott gibt, oder sie versuchten zumindest darzulegen, dass es ihn geben müsste, solange ich ihnen nicht das Gegenteil beweisen könnte.

In den vielen, vielen Jahren war ich der Meinung, ich könnte mit Intelligenz und missionarischem Eifer Menschen von meinem Standpunkt aus überzeugen.

Ich lebte immer im Glauben, ich könnte Menschen meinen Standpunkt aufzeigen und sie würden mir irgendwann einmal zustimmen und ihre Meinung ändern.

Falsch.

Menschen sind nicht so.

Menschen lassen sich nicht überzeugen. Es gibt Mechanismen im menschlichen Geist, die auf jeden Fall verhindern, dass sich ein Glaubenssatz verändert, wenn er einmal gebildet wurde.

Du wirst als gläubiger Christ dieses Buch zu Ende lesen können und genau wissen, dass Gott Dich liebt. Du wirst sagen: Mensch, wie gut hat der Becker das alles zusammengetragen und mir meinen Glauben wieder einmal bestätigt.

Als Atheist wirst Du sagen: Na bitte, wusste ich‘s doch. Wie gut hat der Becker das alles zusammengetragen und mir meinen Nicht-Glauben wieder einmal bestätigt.

Egal, was Du jemandem sagst. Der Mensch filtert jede Information nach seinem Verständnis. Der Mensch findet immer und in jedem Fall einen Weg, eine Information so zu verstehen, wie sie ihm persönlich am besten passt.

Andere Informationen dringen erst überhaupt nicht in das Bewusstsein vor.

Jahrelang stand ich diesem schützenden Mechanismus gegenüber, wie eine Robbe, die gegen die Brandung am Ozean ankämpft.

Doch das ist nicht richtig. Meine Überzeugung ist nichts wert. Sie ist nur eine unter vielen.

Menschen denken nicht falsch. Sie denken anders.

Manche davon ziemlich schräg. Man denke nur an die jüngste amerikanische Geschichte und die Polarisierung ihrer politischen Gesellschaft in zwei Lager.

Jede der beiden Gruppen blickt entsetzt zu den anderen hinüber und ist vollständig davon überzeugt, dass die andere Seite falsch denkt.

Obama konnte während seiner Amtszeit (gefühlt) nicht einen einzigen Republikaner davon überzeugen, wie gut das demokratische Weltbild ist, und Trump konnte in seiner Amtszeit keinen einzigen Demokraten davon überzeugen, wie toll republikanische Werte sind.

Beide Präsidenten zeigten jeweils einen völlig unterschiedlichen Führungsstil und beide wurden jeweils von der eigenen Seite geliebt und von der anderen Seite gehasst.

Wenn ein Glaubenssatz steht, dann ist er erst wandelbar, wenn er von allein fällt. Ein Mensch kann seinen Glaubenssatz erst dann verändern, wenn es vollkommen in sich zusammenbricht.

Ein Gläubiger wird erst dann zum Nichtgläubigen, wenn ihn ein Zweifel dazu bringt. Das wird in der Regel nie passieren, denn er ist immer derjenige, der betet und der glaubt, irgendjemand höre ihm dabei zu.

Er erwartet keine Antwort. Zuhören reicht ihm. Das kann er sein Leben lang so durchhalten.

Ebenso ist es auch mit dem Nichtgläubigen. Es gibt nicht die geringste Naturerscheinung, die nicht physikalisch erklärt werden kann. Es gibt also keine Wunder, nur Zufälle. Wozu also zweifeln, wozu braucht es einen Gott?

Der eigene Glaubenssatz kann nur dann verändert werden, wenn die eigene Nase blutet.

Glaubenssätze sind so wunderbar vom menschlichen Geist geschützt, da muss die Nase erst gegen Beton schrappen, bevor diese verändert wird. Und manchmal denkt man sich: Diese Nase ist wirklich härter als Beton.

Dies ist der Grund, warum Überzeugungen nichts nützen, nur eigene Erfahrungen. Du kannst zwar von Deiner eigenen Erfahrung berichten, und ein kluger Mensch hört Dir vielleicht auch zu, aber jeder Mensch muss seine Erfahrungen selbst machen.

Die eigene Wahrheit

Auf der Suche nach Lösungen nach mehr Klarheit im christlichen Konzept, muss ich zuerst einige besondere, psychologische Aspekte ansprechen.

Die Psyche des Menschen ist ungeahnt vielschichtig. Als Resümee lässt sich sagen: Du trägst die ganze Zeit immer Deine Vergangenheit mit Dir herum.

Eines der größten Eigenschaften des Menschen ist der Umgang mit der eigenen Wahrheit. Du wirst niemals erleben, dass Menschen alle eine gemeinsame Wahrheit auch als solche verstehen.

Jede Wahrheit ist unterschiedlich.

Das, was wir sehen, hängt davon ab, wie wir es betrachten (… wollen).

Völlig egal, was Du siehst. Alles, alles, alles wird von Dir zuerst in Deinem Geist bewertet und beurteilt, bevor Du es in Dich aufnimmst.

Du bringst alle Deine Erfahrungen in jede Betrachtung mit hinein, Deine Kindheit, Deine Traumata, Deine Träume, Deine Stimmungen, Deine Intelligenz und Dein Lebens- Umfeld.

Jedes Sonnenlicht, jeder Windhauch, jeder Regentropfen auf Deiner Haut wird von Dir so empfunden, wie Du bist.

Das, was Du bisher erfahren hast, das ist Deine jetzige Empfindung, und das ist Deine jetzige Wahrheit.

Du bringst Deine Freude mit, Deinen Streit, Deine Konflikte, Deine Sorgen. Wenn Du etwas ansiehst, wenn ein Mensch zu Dir spricht, wenn ein Vogel am Himmel zwitschert – alles, was Du siehst, egal was:

Du schaust zuerst in Deinen eigenen Spiegel.

Zuerst siehst Du Dich selbst an, und dann siehst Du das, was Du sehen willst. Und erst dann proklamierst Du Deine eigene Wahrheit.

Deine Wahrheit bist immer Du selbst.

Jede Wahrheit, die Du für richtig hältst, ist der Blick in Deinen eigenen Spiegel.

Ich nenne Dir ein Beispiel:

Fünf Personen sehen eine Wolke:

Nummer 1 sagt: “ Oh, wie ist das wunderschön!“

Nummer 2 sagt: “ Lass uns reingehen, gleich regnet es.“

Nummer 3 sagt: “ Ich habe Angst, ein Gewitter kommt.“

Nummer 4 sagt: “ Das alles hat Gott gemacht.“

Nummer 5 sagt: “ Interessant, wie sich Kondensat in solch einer Höhe halten kann.“

Dieses Beispiel lässt sich beliebig fortführen, und es zeigt, dass jede Lebenssituation bei den Menschen stets unterschiedliche Reaktionen hervorruft.

Wenn Du dieses Beispiel fortführen würdest, könntest Du feststellen, dass kein Bereich des Lebens ausgenommen werden kann, der nicht von den Menschen unterschiedlich betrachtet, interpretiert und mit unterschiedlichen Gefühlen behaftet wird.

Ich nehme als Mensch Dinge anders wahr als ein anderer, und für mich ist das die richtige und wahre Ansicht. Meine Art zu denken ist gesteuert. Sie wird geleitet durch Erfahrungen und Muster.

Mein Bewusstsein spielt sich im Kopf ab.

Ich bin geprägt. Meine Kindheit, meine Jugend, meine Familie, meine Erfahrungen, meine Welt. All das prägt mich und leitet meine Gedanken und meine Gefühle.

Diese Prägung aus früher Kindheit geht bis ins hohe Alter hinein. Du kannst Dich nicht dagegen wehren.

Ich bilde meine Erfahrungen aus meiner Erlebniswelt.

Immer bin ich es selbst, als Mensch, der die Situation bewertet, und dazu nehme ich meine eigenen Muster als Grundlage.

Beispiele gibt es unendlich viele: Erfahrungen, Konditionierungen, Familiengeschichte, Sorgen, Ängste, Aggressionen, Fähigkeiten, Konfliktlösung und vieles mehr.

Ich selbst bin es, der den Sonnenuntergang zu einem schönen Farbenspiel macht, zu einem Fingerzeig Gottes, oder zur Ankündigung auf eine gruselige Geisternacht.

Wie lange meine Zündschnur ist, bis ich aus der Haut fahre: Das ist nicht der andere, das bin ich. Noch nicht einmal das: Es ist meine Konditionierung und die Prägung aus meiner Kindheit.

Der menschliche Geist ist dazu fähig, seine Umwelt so zu betrachten, wie sie für ihn richtig erscheint. Sie erscheint ihm so, wie er sie sich selbst eingerichtet hat.

In dem Moment, in dem Du das verstehst, kannst Du Dich vom Streit mit anderen befreien. Vorher nicht. Vorher bist Du das Opfer Deiner Konditionierung.

Jeder Mensch trägt seine eigenen Wahrheiten mit sich herum. Jede Wahrheit hat seine Berechtigung und ist der anderen Wahrheit gegenüber in gewisser Weise gleichwertig.

Niemand hat das Recht zu sagen: „Meine Wahrheit ist wahrer als Deine“.

„In gewisser Weise“ bedeutet nicht, dass ich die andere Meinung einfach akzeptieren muss.

Ein Walfänger findet es in Ordnung, Wale zu jagen. Ein Henker findet es in Ordnung, den Hebel umzulegen. Ein brasilianischer Bauer findet es in Ordnung, Urwald in Brand zu setzen. Natürlich geht ein Mörder nicht straffrei aus, bloß weil er das für richtig hält.

Nur, Deine Wahrheit ist für Dich gültig, nicht für andere.

Wenn Du den anderen wirklich verstehen willst, dann gehe erst einen Kilometer weit in seinen Stiefeln.

In Gottes Stiefeln möchte ich eigentlich nicht so gerne herumlaufen. Wir müssen 3 Charaktere Gottes voneinander unterscheiden: 3 Wahrheiten

1. Gottes Wahrheit

2. Die Wahrheit der Bibelschreiber

3. Die Wahrheit der christlichen Kirche

Gehen wir einmal völlig wertfrei davon aus, Gott würde existieren. Alles würde nach seinem Drehbuch verlaufen: Er erschuf die Welt und sorgte dafür, dass der Andromedanebel und die Milchstraße sich so langsam aneinander annäherten, so dass sie in ca. 2 Milliarden Jahren aufeinandertreffen.

Vier oder fünf Tage später erschuf er Adam, Eva und die Schlange, und irgendwie gab es Stress, was auch immer passiert ist, am siebten Tage standen die drei vor dem Tor des Paradieseingangs und guckten sich betroffen an.

Unser braver Simon, angenommen, er hätte glaubwürdige Informationen über die wahren Begebenheiten, würde die ganze Geschichte niederschreiben. Er konnte nicht anders, er schrieb die Geschichte so, wie er sie verstanden hat.

Er hatte gerade zuvor seinen Esel geschlagen und seinen ältesten Sohn geohrfeigt und benutzte, wie hätte er es auch anders können, sein eigenes Weltbild, sein eigenes Gerechtigkeitsbewusstsein und seine eigene Logik, um das alles so zu beschreiben, bis er zufrieden damit war.

Die Kirchengelehrten, brave, gläubige Mönche, schrieben die alten Schriften in Dutzenden von Generationen ab und fanden zum Beispiel, dass die Dreieinigkeit Gottes sich so toll anhörte, dass dies in die Bibel reinmusste, bis endlich die Vulgata einen Schlussstrich unter den Wildwuchs der Abschriften setzte und die finale Version herausgab.

Martin Luthers deutschsprachige Übersetzung und King James englische Übersetzung zeigen im Vergleich den Unterschied, was Wortwahl und Sprachnuancen alles ausmachen können.

Und der arme Priester auf der Kanzel liest das alles seiner Gemeinde vor, und die versteht nur das, was sie imstande ist zu verstehen, nämlich:

Die Frau war es. Sie hat Adam verführt.

Die Projektionen auf andere Menschen

Ein weiterer Punkt, im Hinblick auf Verhaltensweisen im Umgang zwischen Menschen ist der: Ich projiziere mir meine Mitmenschen.

Beispiel: Ich kenne da jemanden, und ich frage mich: Warum ist dieser Mensch so offensichtlich, unglaublich unsympathisch, dass ich ihn so abgrundtief schrecklich finde, und trotzdem hat er eine Riesen- Anhängerschaft an Fans, die ihn bejubeln? (Ich nenne hier keine Namen.)

Sind seine Fans vielleicht genauso schrecklich? Nein.

Die Antwort lautet: Ich erschaffe ihn mir.

Der andere kann nichts dafür. Ich bin derjenige, der ihn so erschafft, dass ich ihn absolut nicht ausstehen kann. Sobald ich sein Bild sehe, stellen sich bei mir alle Nackenhaare auf. Sein Gesicht, seine Stimme, dein Blick. Es gibt überhaupt nichts, was ich an ihm mag.

Und im Gegenzug dazu sehe ich einen anderen Menschen, den halte ich für total toll. Seine Mundwinkel beim Lächeln, die Art, wie er einen Satz beendet, seine kleine Zahnlücke. Wie wunderbar ist es, einen solchen Menschen zu kennen, und sich vom Sonnenschein seines Lächelns beleuchten zu lassen?

Es ist genau, wie im vorherigen Kapitel beschrieben, die eigene Wahrheit: Nicht dieser Mensch ist es, den ich betrachte: Ich bin es, der sich selbst über ihn ansieht. Ich erschaffe ihn mir für mich. Er kann überhaupt nichts dafür und ein anderer hält ihn für genau das Gegenteil.

Ich trage ein Riesen-Paket an Konditionierungen mit mir herum, sehe einen Menschen und urteile sofort über ihn: „Liebe auf den ersten Blick.“

Ich erzählte zu Beginn die Geschichte von Gottes Spaziergang im Paradiesgarten. Der eine, der diese Geschichte unvoreingenommen liest, hält Gott für total menschlich und niedlich, väterlich und fürsorglich. Wunderbar, ein Gott der spazieren geht.

Der andere (ich zum Beispiel) sieht seine Absicht, seinen Plan, sein finsteres Vorhaben und hält ihn für einen ganz fiesen, abgebrühten Typ.

Nicht er ist derjenige, der so ist: Ich bin es, der ihn sich so erschafft. Mein eigener Widerstand kommt von mir. Meine ganze Vergangenheit sagt zu mir: Dieser Typ ist ein Drecksack. Aber vielleicht ist er in Wirklichkeit ein menschlicher, niedlicher, väterlicher und fürsorglicher alter Mann. Wäre doch möglich.

Wieder sind meine eigenen Muster im Spiel. Wieder einmal rastert mein Gehirn frühere Erfahrungen ab, die ich mit einem oder mehrere anderen Menschen hatte. War sein Lächeln fies oder freundlich? War ich ihm unterlegen? Konnte ich mich gegen ihn wehren? Wie ist mein Bauchgefühl, wenn diese Erfahrungen wieder in mir hochkommen?

Manche Menschen sind so wunderbar fern von jedem bösen Gedanken, dass sie in allem und in jedem eine positive Seite finden. Es kommt einem vor, dass die Sonne allein nur für sie strahlen will.

Und andere sind so verhaftet damit, das Negative zu sehen, dass ihnen auf dem Weg aber auch wirklich nichts Positives begegnen will, egal, wie sehr sie danach Ausschau halten.

Wohlbemerkt: Die Projektion geht von mir aus. Der anderes hat nichts damit zu tun.

Ich muss wissen: Wenn ich jemanden betrachte, dann betrachte ich mein eigenes Spiegelbild.

Also gut: Ich versuche, über meinen eigenen Schatten zu springen und nehme mir vor: Ich lege meine Vorurteile gegenüber dieser Person ab.

Dann kann ich sagen: Nehmen wir zum Beispiel Donald Trump, USA Ex- Präsident.

Er hat eine raue Schale, aber einen weichen Kern. Er ist, na ja, also, mitteilungsbedürftig. Er mag es, mit Menschen zu kommunizieren, und er ist aktiv kommunikativ. Seine Aktionen sind in gewisser Weise eckig und kantig, sagen wir mal unbeholfen. Wegen seines schwachen Selbstwertgefühls treten seine Emotionen oft ungefiltert aus ihm heraus.

Oder ein anderes Beispiel: Nehmen wir Gott:

Er hat eine raue Schale, aber einen weichen Kern. Er ist, na ja, also, mitteilungsbedürftig. Er mag es, mit Menschen zu kommunizieren, und er ist aktiv kommunikativ. Seine Aktionen sind in gewisser Weise eckig und kantig, sagen wir mal unbeholfen. Wegen seines schwachen Selbstwertgefühls treten seine Emotionen oft ungefiltert aus ihm heraus.

Die Ähnlichkeit der egomanischen Psyche ist rein zufällig.

Na gut, bei manchen Leuten muss man wirklich sehr genau hingucken, um den weichen Kern zu finden, aber es funktioniert.

Das Messen mit zweierlei Maß

Auf unserer Suche nach Lösungen gegen das Zusammenbrechen des Christentums, stoßen wir auf zahlreiche, menschliche Eigenschaften, die wir zuerst verstehen müssen, bevor wir das Buch der Bücher aufschlagen:

Es ist das Messen mit zweierlei Maß.

Das Verurteilen der anderen und das Begnadigen der eigenen Schuld – für die gleiche Sache.

Wir werden in den folgenden Kapiteln mehrfach auf diese Eigenschaft stoßen. Sie macht selbst vor Gott nicht halt, darum können wir sie als göttliche Eigenschaft ansehen.

Zum Beispiel: Sünden vergeben

Petrus fragte Jesus, wie oft er einem sündigen Bruder vergeben sollte. Jesus sagte: 490 Mal. iv

Und wie sieht das der Chef? Was? Keine Chance. Trotz Bitten Moses, das Volk zu verschonen strafte sie Gott wegen einer selbst gebauten Götzenstatue v

Wenn Moses zu Zeiten der Pharaonen lebte, liegt zwischen diesen beiden Zitaten ein Zeitraum von geschätzt 1.500 Jahren. Ja gut, wirst Du sagen: Man wir doch wohl in 1.500 Jahren seine Meinung ändern können.

Gott und Jesus konnten sich innerhalb dieser Zeit ja nicht miteinander absprechen. Da kann es schon mal Widersprüche geben.

„Falsch“, sagt der Papst: „Gott und Jesus sind eins. Und der Heilige Geist auch. Alle drei sind eins.“

Das ist seit Anno 675 ein Dogmavi. Schließlich ist das Christentum nach eigenem Verständnis eine monotheistische Religion und kein griechischer Olymp, (abgesehen von 6.650 Heiligen und Seligen, inklusive der Jungfrau Maria, sowie 7.400 Märtyrern und zigtausend Engel.) vii

Theoretisch dürfte es keinen Widerspruch zwischen Gott und Jesus geben, weder inhaltlich noch zeitlich.

Wir werden sehen, dass es sehr viele inhaltliche Widersprüche gibt.

Zeitlich gesehen, entsprechen 1.500 Jahre im Zeitraum von 14 Milliarden Jahren seit der Entstehung des Universums dem Verhältnis von 3,38 Sekunden zu einem Jahr. Das entspricht bei einer Lebenszeit von 80 Menschenjahren die Zeit von 9 Minuten.

Also, wenn Gott in 1.500 Jahren seine Meinung grundlegend ändert, dann ist das so, als wenn Opa Otto dies innerhalb von 4,5 Minuten macht.

Gott hat Städte in Brand gesetzt, Menschen und Tiere ertränkt, Meere in Blut getaucht, erstgeborene Kinder umgebracht und er sagte: „Du sollst nicht töten.“

Der Mensch sagt: „Das machst Du doch selbst.“

Gott antwortet: „Das ist was anderes.“

Jesus sagt: „Du musst Deinem Bruder 490 Mal vergeben.“

Selber sitzt er aber eines Tages voller Zorn als Lamm Gottes auf dem Thron des Jüngsten Gerichts, „am Tage des Zorns“, um die Sünder abzustrafen. viii

Das Messen mit zweierlei Maß ist eine göttliche Eigenschaft. Warum soll der Mensch anders sein? Menschen umzubringen ist doch Gottes Handwerk.

Hitler hat es getan, sowie Stalin und Mao, die Katholische Kirche hat es getan. Infolge davon sind durch den Einfluss Hitlers 18 Millionen Menschen gestorben, und durch den Einfluss der Katholischen Kirche 10 Millionen.

Die Kirche selbst hat die 50.00 Hexen nicht umgebracht. Sie wurden oftmals durch ordentliche Gerichte verurteilt, weil die Menschen abergläubig waren. Die Kirche hat aber die Hexenmorde und die Inquisitionen maßgeblich zu verantworten, weil sie die Angst und den Aberglauben an den Teufel geschürt haben.

Der Dominikanermönch Heinrich Kramer beschrieb in seinem Bestseller das als „Hexenhammer“ bekannte Buch, woran man Hexen erkennt, wie man sie foltert und wie man weitere Namen von ihnen erfährt, um auch diese zu verfolgen. Heinrich Kramer war ein fanatischer Inquisitor, der im gesamten (heutigen) süddeutschen, österreichischen und Schweizer Gebiet umherreiste, um Hexen zu jagen.

Nummer 5 der 10 Gebote: „Du sollst nicht töten.“ Punkt.

Kein: … außer bei Hexen, …oder bei Ketzern, …oder in Kreuzzügen, …oder für Segnungen in irgendwelchen Kriegen.

„Du sollst nicht töten“ galt natürlich nicht für Inquisitoren. Das war etwas anderes. Die Rechtfertigung der Richter, Kreuzritter und Inquisitoren war die Bibel. Steht ja alles drin.

Wenn dort die Sünde mit dem Tod bestraft wurde, warum dann nicht gleich so? Sie waren ja nur die Erfüllungsgehilfen Gottes.

Im Sinne der Erfüllungshelfer gibt es keinen Unterschied, ob ein Nazisoldat Zyklon B in die Schächte der Gaskammern geschüttet hat, oder ob ein Henker die Hexen so lange folterte, bis sie zugaben, gehext zu haben.

Die Anstiftung zum Verbrechen verantworten auch diejenigen, die sich die Finger dabei nicht schmutzig gemacht haben.

Die Katholische Kirche trägt maßgeblich und bis heute noch die verantwortliche Schuld durch Anstiftung und Zulassen der zahlreichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Will die Kirche heute den Menschen gegenüberstehen und ihnen etwas von Religion und von Liebe und Vergebung erzählen, dann muss sie zuerst den Besen nehmen und ab in den Keller.

Einen anderen Weg gibt es nicht.

Der beleidigte Gott

Wenn unser Bibelschreiber Simon schon Gott als gemütlichen, gebrechlichen alten Mann darstellte, der im eigenen Garten zur Abendsonne spazieren ging, weil der Tag kühl wurde, dann fällt es uns auf den ersten Blick schwer, göttliches Wesen darin zu erfassen.

Wenn Gott die Erde, die Sonne und das gesamte Universum erschaffen hat und dann aber unter der Hitze der eigenen Sonne leidet, um in ihrem geschwächten Schein spazieren zu gehen, dann kommt mir das vor, wie eine optische Täuschung, so wie Touristen, die sich mit dem schiefen Turm zu Pisa fotografieren lassen und alberne Groß- und Klein Spielchen machen.

Wenn Gott die Sonne erschafft, dann ist es die Sonne, die unter seinem Antlitz schwitzt, nicht umgekehrt.

Wenn Gott das gesamte Universum erschafft, dann ist seine Ausrichtung den Menschen gegenüber souverän, nicht emotional, und vor allem ist er psychisch gefestigt.

Ein solcher Gott braucht keine Anerkennung. Er geht nicht herum und twittert:

„Gell, das habe ich doch schön gemacht, oder? Was sagt Du? Habe ich das nicht toll gemacht? Na, komm schon: Sag doch: Ich bin schon echt toll, gell?“

Nein. Ein Gott braucht kein Lob.

Ein Gott braucht keine Glocken, die für ihn läuten, er braucht keinen Dank und keine Lobpreisung. Seine kleinen Kreaturen müssen ihn nicht ständig loben, wie toll er ist und sie müssen ihm nicht ständig die Ohren voll heulen.

Wenn Gott die schöpferische Kapazität hat, die Milchstraße mit dem Andromeda Nebel ganz langsam zu verbinden, dann ist es ihm völlig egal, ob Du andere Götter neben ihn hast.

Sorry, lieber Christ, kennst Du die ersten 4 Gebote?

2. Mose, Kapitel 20; Du sollst…:

1 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

2 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen

3 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen

4 Gedenke des Sabbattags, dass Du ihn heiligest.

Ist das nicht traurig?

Gott schrieb 10 Botschaften an seine Geschöpfe, (kurz nachdem er es so eingerichtet hat, dass die Milchstraße ganz langsam auf den Andromedanebel zufliegt), damit sie ein besseres Leben haben, damit sie glücklich sind und in Frieden leben und sterben.

Vier davon sind allein dafür da, dass er gelobt wird.

Das sind nicht nur Gebote, nein, das sind bei Gesetzesbruch Todsünden, die nicht nur im Jüngsten Gericht abgestraft werden, sondern gleich in den nächsten 4 Generationen:

„… Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen.“

Kann das sein? Kann ein Gott eifersüchtig sein, oder gar beleidigt?

Wer sind wir Menschen, die a.) solchen Gedanken einem Gott zuordnen und b.) sich einem solchen Gedanken unterordnen?

Beleidigt sein, als göttliche Eigenschaft?

Wir können uns ja bereits gut vorstellen, wie solch ein Bibeltext in die Vulgata eingeflossen ist: Irgendwelche alten Schriften, gefunden über einen autoritären Religionsführer Moses, der im Zuge der Völkerwanderung dafür sorgte, seinem Dorf ein neues Zuhause zu geben.

Er konnte die Autorität, die er selbst nicht hatte, ganz inkognito auf eine andere Autorität schieben, damit das Volk sich nicht gegen ihn erheben konnte und ihm eifrig in der Spur folgte. Ein toller Trick.

Doch uns interessiert die Frage: Warum muss Gott beleidigt sein?

Beleidigung beinhaltet, wie das Wort schon sagt, den Begriff „Leid“.

Bin ich beleidigt, dann hat mir jemand ein Leid zugefügt. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn mich diese Beleidigung nicht treffen könnte. Ich könnte mich darüber hinwegsetzen, das Gegenüber anlächeln und die Sache auf sich beruhen lassen.

Wenn ich also gemäß dem 3. Gebot den Namen des Herren missbrauche, dann könnte Gott, der Schöpfer der Milchstraße und des Andromeda Nebels, lächeln und die Sache auf sich beruhen lassen. „Kleine, dumme Menschen …“

Bei einer Beleidigung aber, leidet Gott. Er hält dieses Leid möglichst lange in Erinnerung aufrecht, damit er auch möglichst lange daran zehren kann.

Wer nach dem 3. Gebot Gottes Namen missbraucht, der kommt in die Hölle, und seine Nachfahren bis zur 4. Generation werden heimgesucht. (Also, auf Deutsch: Ihnen widerfahren schlimme Dinge.)

Eine Generation hatte früher vielleicht 20 Jahre. Das heißt, dass Gott mindestens 80 Jahre lang nach dem Missbrauch seines Namens immer noch so beleidigt sein muss, dass er sich an den Nachfolgern dafür rächt. (Wehe, aber einer von ihnen würde seinen Namen auch missbrauchen, dann würde die Strafe für die darauffolgenden 4 Nachfolge- Generationen von vorn anfangen.)

Wenn also meine kleine Tochter so lieb ist, dass sie niemals in ihrem Leben den Namen Gottes missbrauchen würde, würde ihr Sohn (mein Enkel) noch darunter zu leiden haben, dass mein Opa (sein Ur-Ur-Großvater) einmal lästerlich geflucht hat.

Beleidigung hat mit Leid zu tun.

Ein Gott, der sagt: „Mimimi, der hat mich verhänselt“, und das 80 Jahre direkt nach der Tat und danach sowieso als ewige Höllenstrafe am großen Jüngsten Gericht, der hat ein wirklich, wirklich schwaches Selbstwertgefühl.

Behalte bitte immer im Hinterkopf: Es war der jungsteinzeitliche Simon, der ihm diese Eigenschaft gab.

Beleidigt Sein kann auch Dominanz bedeuten.

Ich kann auch beleidigt sein, um dem anderen gegenüber Macht zu demonstrieren. „Ich spreche so lange nicht mehr mit Dir, bis Du Dich bei mir entschuldigt hast.“

Gott sagt: „Du darfst erst wieder ins Paradies, wenn Du mich wieder lieb hast“.

Doch, das setzt voraus, dass ich mich selbst daran erinnern muss, dass ich leide und warum.

Eine Erinnerung ist immer nur ein Gedanke.

Ich gebe Dir mal ein Beispiel:

Es gibt zwei Räume, in einem Raum befindet sich ein Stuhl, der andere Raum ist leer. Du sitzt auf dem Stuhl im ersten Raum.

Dann stehst Du auf und gehst hinüber in den zweiten, leeren Raum, und Du kannst den Stuhl nicht mehr sehen. In Deiner Erinnerung ist dieser Stuhl jedoch noch im Nachbarraum vorhanden. Die einzige Realität zu diesem Stuhl besteht nur noch in Deiner Erinnerung.

Deine Lebenserfahrung sagt Dir zwar, dass der Stuhl noch immer im Nachbarraum vorhanden ist, aber Dich selbst betrifft er nicht mehr. Die Frage ist: Was ist dieser Stuhl in Bezug zu Dir? Die Antwort lautet: Nichts. Der Stuhl befindet sich gerade jetzt in Deiner Erinnerung, nicht in Deiner Realität.

Ich kann nur so lange beleidigt sein, wie die Erinnerung den Status des Leids aufrechterhält. Auch wenn die Vergangenheit nur noch ein Gedanke ist und sich nur noch im Kopf abspielt, bleibt das Leid fortbestehen.

Ich denke Leid. Die Beleidigung ist fort und übrig bleibt das Jammern um vielleicht einen verletzten Stolz, der eigentlich schon vorher verletzt war, sonst gäbe es das Leid nicht.

Oder ich denke Leid, weil ich meinen Willen nicht gekriegt habe. Ich habe auf den anderen Zwang ausgeübt. Der hat nicht darauf reagiert und jetzt bin ich beleidigt.

Ein Gott, der straft, ist mit Mustern aus der Vergangenheit behaftet. Er ist mit den Erinnerungen aus der Vergangenheit verklebt und kann den augenblicklichen Zustand nicht als Realität wahrnehmen. Wenn Gott straft, lebt er in seinem Kopf, genau wie ich als Mensch, aus seiner Erinnerung heraus.

Und wieder kann ich die Frage an Gott stellen: Welchen Bezug hat die Sünde des Menschen zu Dir? Die Antwort lautet wieder: Keinen. Die Sünde ist vorbei. Sie ist Erinnerung. Übrig bleibt das Aufrechterhalten des Leids, des Stolzes oder der Macht.

Dies sind menschliche Eigenschaften, keine göttlichen. Ein beleidigter Gott würde verletztes Leid und enttäuschten Stolz in sich tragen, oje, wie kleinlich. Das wäre absolut undenkbar.

Aber es ist nett, sich zankende Götter im griechischen Olymp vorzustellen - für diejenigen die etwas einfacher gestrickt sind.

Das Jüngste Gericht ist das große „Traraa“ eines beleidigten Gottes.

Wäre sein Stolz oder sein Zwang zuvor im Gleichgewicht, wäre er überhaupt nicht beleidigt, und er könnte sein großes Zeremoniell mit den sieben Büchern und zwölf Reitern und dreiköpfigen Drachen einfach vergessen und die Leute willkommen heißen, die ihn besuchen.

Wir Menschen im christlichen Abendland müssen schon etwas beschämt zu Boden blicken: Unsere gesamte Gesellschaft, fast ein Viertel der Erdbevölkerung, ist seit Jahrtausenden darauf aufgebaut, nicht ein göttliches Wesen anzubeten, sondern irgendein gekränktes Waschweib.

Wir kommen noch darauf zu sprechen, an was oder an wen Gott sich eigentlich überhaupt rächen will: Wenn Du tot bist, muss Deine Seele für Dich geradestehen.

Diese hat aber kein Gehirn oder keinen USB- Stick, um Deine Erinnerungs- Daten irgendwohin abzuspeichern.

Die Erklärungen der Welt

Die Religionsmechanik

Der Begriff „Religionsmechanik“ soll hier eingeführt werden, um darzulegen, wie eine Religion unter bestimmten Voraussetzungen funktioniert.

Religion unterscheidet sich von Philosophie durch die Verehrung einer höheren Wesensart. Religion ist eine Form einer Erklärung der Welt. Sie erklärt eine Welt außerhalb der Wahrnehmung der fünf Sinne.

Wissenschaftler tun sich leicht: Eine Theorie wird aufgestellt. Z.B. über die Entstehung der Welt. Ist diese schlüssig, werden Argumente gesucht, sie zu kippen. Hält sie den Gegenargumenten Stand, wird sie beschlossen, ansonsten fallen gelassen und eine neue Erklärung gesucht.

Gläubige tun sich etwas schwerer: Ein Glaube wird aufgestellt. Z.B. über die Entstehung der Welt. Es werden andere Menschen gesucht, die auch daran glauben. Jeder Gedanke, der diesem Glauben widerspricht, wird mehr oder weniger freundlich verworfen.

Der Glaube wird behalten und beschlossen. Danach sind die Gläubigen dauerhaft damit beschäftigt, ihren Glauben gegen Unglauben zu verteidigen.

Gläubige und Ungläubige kämpfen aber auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Sie werden sich nie auf der gleichen Ebene begegnen.

Aber wir haben damit kein Problem.

Wir gehen in diesem Buch vollständig auf die Bibel ein und nehmen sie einfach mal für bare Münze.

Die Stellschrauben der Religionsmechanik

Wir untersuchen ihre Religionsmechanik, wie sie funktioniert, und wir suchen nach den „Stellschrauben“, die mit wenigen Drehungen die Mechanik verändern oder sogar verbessern könnten.

Als Vergleich nehmen wir einmal die Gewalt in der Bibel. Ein großes Thema.

Moses hatte ca. 1.500 v. Christus einen sehr strengen und rachsüchtigen Gott dargestellt. Voller Zorn und Strafe. Wenn der loslegte, dann verwandelten sich Meere in Blut.

Die gleiche Religion, der gleiche Gott, nur 1.500 Jahre später kommt Jesus hinzu und sagt: „Du sollst deinen nächsten lieben wie Dich selbst.“

Jesus drehte ein bisschen an der Stellschraube der Religionsmechanik herum und siehe da: Der Stil änderte sich sofort. Es bedurfte keiner großen Veränderung in der Mechanik. Diese hatte aber eine unglaublich hohe Auswirkung.

Die große Anhängerschaft der heutigen Christen finden das total gut. Ein Gott der Liebe, eine Religion der Liebe und Vergebung. Das lässt sich wunderbar aufbauen, und man kann den Kindern zum Abendgebet Geschichten erzählen, bei denen sie deutlich besser einschlafen können als zuvor.

Dass Gott diese Stellschraube nicht so gut fand und sie wieder zurückgedreht hat, werden wir später noch sehen. Aber für uns ist das wunderbar zu beobachten, dass es funktioniert.

Eine Erklärung der Welt ist bei Wissenschaftlern ein offenes System. Jeder kann etwas zu diesem System beitragen und neue Theorien entwickeln. Darwin zum Beispiel kam daher mit Evolution und schüttelte das bis dahin gängige Weltbild durcheinander.

Lösungen werden gefunden oder bleiben so lange offen, bis sie gelöst oder gelöscht werden. Dass bis heute noch keine Dunkle Materie nachgewiesen wurde, bleibt so lange eine ungeklärte Theorie, bis jemand kommt und sie bestätigt oder sie widerlegt.

Die Erklärung der Welt ist bei der Religion ein abgeschlossenes System. Jede dieser Erklärungen funktioniert für sich selbst.

Die „Funktion“ oder die „Mechanik“ einer Religion ist nur dann wirksam, wenn die Erklärung der Welt ein in sich geschlossenes System ist. Wie bei einer Eizelle.

Begriffe wie Gott und Sünde, unsterbliche Seele, ewiges Leben, Paradies, Wiedergeburt usw. wirken nur innerhalb dieses geschlossenen Systems, das sich durch sich selbst erklärt.

Gott manifestiert den Gehorsam. Je stärker der Panzer der Schildkröte ist, umso härter beißt sich der Fuchs die Zähne aus. Jede Abweichung ist Sünde und wird bestraft.

Die Seele ist dem Körper zugeordnet. Darin enthalten sind: Name, Persönlichkeit, Erinnerung. Eine Seele lebt ewig und kann nach dem Tod des Körpers, entsprechend der Größe einer bestimmten Mengeneinheit der Sünden bestraft oder belohnt werden. Das ist das geschlossene System der christlichen Religion.

Alles erklärt sich durch sich selbst und verweist gegenseitig aufeinander. Das System ist abgeschlossen.

Wir vergleichen andere Religionen, die sich mehr oder weniger durch die Einstellung ihrer Stellschrauben unterscheiden.

Im Islam und im Judentum finden sich deutlich höhere Anteile an Schicksal, Autorität, Nahrungsbeschränkungen und Anbetungsrituale als im Christentum.

Hindus sind deutlich geselliger und die Seele kann mehrere Kontrollschleifen durchlaufen. Die Buddhisten haben die göttlichen Personen ein wenig heruntergeschraubt und machen ebenfalls verstärkt auf Kontrollschleifen.

Die Ägypter konnten sich die Trennung von Körper und Seele noch nicht so richtig vorstellen und brauchten einen Alleskleber (die Mumifizierung) um beides zusammenzuhalten. Die Römer und die Griechen hätten eigentlich gleich die lustige Kneipe nebenan als Himmel hernehmen können.

Der Wert einer Seele

Wir bleiben bei den Stellschrauben und nehmen zum Beispiel die unsterbliche Seele. Sie findet sich in nahezu allen Religionen.

Ihre gesamte Anzahl ist noch nicht ganz klar. Wie sieht das bei den Tieren aus? Haben sie auch eine unsterbliche Seele? Gibt es Karma- Vermischungen?

Wie sieht das bei Wiedergeburten aus? Ist die Summe der Seelen begrenzt oder kommen neue hinzu? Bei einer Anzahl von 1,3786 Milliarden (2020) Indern, die durch Wiedergeburt auf die Erde kamen, müsste es diese Zahl ja eine Generation zuvor schon gegeben haben. 1980 lebten aber nur 699 Millionen Inder auf der Welt. Es kamen also in 40 Jahren 679,6 Millionen neue Seelen hinzu. Woher kamen sie? Gibt es neben der Wiedergeburt auch eine Neugeburt?

Vom Zeitpunkt an, als sich der frühe Mensch vom Affen trennte, lebten bis heute etwa 108 Milliarden Menschen der Gattung Homo Sapiens Sapiens auf der Erde. 6% davon leben aktuell heute.

Die Gesamtanzahl der unsterblichen Seelen beläuft sich also entweder auf 108 Milliarden, oder bei Wiedergeburt auf derzeit 7,77 Milliarden (März 2020), oder wenn Tiere auch unsterbliche Seelen haben, gegen unendlich.

Im Christentum hält sich der Andrang der Seelen im Himmel in Grenzen, da die andere Hälfte in die Hölle geht. Gott und Satan können sich also die Seelen teilen.

Im 3 Buch Mose wird ganz genau erklärt, wie Gott mit den Sünden der Menschen umgeht. Es wird unterschieden zwischen:

- unwissend begangene Sünden

- aus Versehen begangene Sünden

- Verschulden einer Missetat

Alle drei Kategorien sind fällig für die Hölle. Das alles lässt sich natürlich auch durch Brandopfer tilgen.

Im Prinzip sind unwissend begangene Sünden aber strafbar. Zum Beispiel begeht ein Eskimo, der seines nächsten Weib begehrt, weil er die Bibel nicht kennt, eine unwissend begangene Sünde. Diese wird mangels Brandopfer auch bestraft. Doch bei den Eskimos gibt es keine Ziegen, die das wieder wett machen könnten.

In der Bibel steht nicht, ob ein geopferter Schlittenhund auch als Ausgleich zu einer unwissend begangenen Sünde gilt.

Das bedeutet aber, dass die große Masse an Seelen doch wegen Unwissenheit und Aus- Versehen begangener Sünden zum Satan in die Hölle kommt, so dass es dort ziemlich eng wird. Ganz zu schweigen von denen, die sich der Sünden sowieso absichtlich schuldig gemacht haben.

Das macht, gemäß Offenbarung, die Zahl der 144 Tausend ix im Himmel schon deutlich mehr Sinn und es verbleiben 108 Milliarden Minus 144.000 = 107.999.856.000 für die Hölle.

Die Zeugen Jehovas nehmen die Zahl 144 Tausend sehr ernst, die anderen christlichen Varianten sind da etwas wohlgesonnener, was die Zahl der Himmelsbewohner nach dem Tod angeht.

Bleiben wir bei den 144 Tausend. Diese ist so schriftlich festgehalten: Das macht 0,00013% der Menschen, die in den Himmel kommen, das sind 750.000 Höllenopfer für 1 Himmelsbewohner, bzw. 1,3 pro 1.000.000.

Gott erschuf also bisher insgesamt 108.000.000.000 Menschen, damit 107.999.856.000 ewig in der Hölle schmoren sollen.

Gibt es eigentlich noch irgendjemanden, der Gott einen lieben Gott nennt? Ich wollte nur mal gerne fragen.

Die christliche Religionsmechanik liegt bezüglich der Feinjustierung der Stellschraube bezogen auf den zu erwartenden Erfolg immerhin noch 20,7 Mal höher, als bei einem Sechser im Lotto, der bei 0,0000064%, bzw. bei 1:15,5 Millionen liegt.

Das heißt, es lohnt sich mehr, Christ zu sein, als Lotto zu spielen.

Die Frage bleibt aber, wozu dieser unglaublich große Aufwand? Auf beiden Seiten.

Gott muss Buch führen, um alle Sünden gegeneinander aufzurechnen, wie viele davon durch Brandopfer getilgt wurden oder einfach nur durch Vergebung und wie viele durch Bekehrung. Diese Menge muss wieder an die Zahl 144.000 angepasst werden, das heißt, dass manche Sünden doch wieder höher geahndet werden müssen, weil die gewünschte Anzahl der Himmelsbewohner noch nicht erreicht ist.

Und die Menschen? Wie viele Worte zur Kommunikation sind notwendig, bis ein Bauherr ein Haus gebaut hat - vom Architekten über den Maurer, Zimmerer, Elektriker bis hin zum Dachdecker? Und wie viele Worte benötigt eine Kathedrale?

Allein wie viele christlichen Kirchen wurden mit wie vielen Worten auf der Welt gebaut?

Wie viele Worte hat die Bibel, und wie viele Menschen haben diese Worte gelesen, zitiert, kopiert, ausgelegt und gepredigt?

Wenn man für jedes christlich geprägte Wort, 1 mm Wegstrecke zurücklegen würde, dann kämen wir zusammengenommen wohl locker mehrfach zur Sonne und zurück.

Das waren nur die Worte. Jetzt berechne mal das geflossene Geld in Tonnen Gold, die Anzahl Gebete, umgerechnet in Tropfen Wasser, oder die getöteten Menschenleben in Länge gemessen an der Anzahl des Erdumfangs.

Das Ausfüllen eines Lottoscheins ist, bezogen auf den gesamten, menschlichen Energieaufwand des Einsatzes, doch erheblich geringer, als in den Himmel zu kommen.

Die Leuchtkäfer- Religion

Eine Erklärung der Welt bedarf der Einhaltung gewisser Regeln.

Dies ist zwar kein Handbuch für Religionsstifter, im Prinzip aber, ist das nicht so schwierig:

Ich gebe Dir ein Beispiel:

Das, was unser Leben ausmacht, der Odem, die Seele, das ist nicht greifbar und doch irgendwie vorhanden, denn wir unterscheiden uns von einem Stein durch Stoffwechsel, und von einer Tiefseequalle durch die Handhabung eines USB- Sticks. Irgendwie leben wir und sind tot, wenn wir sterben.

Wenn wir sterben, ist die Energie weg, und der Körper wird kalt. Ein schrecklicher Gedanke, und ich tue mich schwer, dies bei der Gute-Nacht Geschichte meinem Kind zu erklären.

Meine Erklärung der Welt stolpert.

Fragt mich das Kind:

„Wo ist sie hin?“

„Wer?“

„Na, die Energie?“

„Die Wärme?“

„Nein, die Seele.“

Schnell habe ich eine Antwort parat. Ich lass mich doch nicht provozieren.

„Ist doch klar: Sie lebt weiter.“

„Aber wo? Wo lebt die Seele weiter?“

„Mein liebes Kind, ich werde es Dir erzählen. Pass mal auf:

Jedes Mal, wenn ein Mensch stirbt, dann schwebt seine Seele auf eine schöne Sommerwiese nach Sonnenuntergang. Dann kommen die kleinen Engel, wie Leuchtkäfer und nehmen diese Seele auf. Sie verbinden sich mit ihr und schweben über die warme Sommerwiese und leuchten und blinken, mit tausend anderen Seelen, ganz still, ganz leise.“

„Und weiter?“

„Nichts weiter. Das wars. Vielleicht kommen sie morgen wieder.“

„Das war eine doofe Geschichte.“

Das reicht nicht. Das ist zu wenig. Diese Geschichte reicht gerade mal aus für 1x Gute-Nacht, aber dann ist sie fertig.

Daraus kannst Du keine Religion machen. Es muss schon mehr sein.

Wir brauchen deutlich mehr Action.

„Die Seele darf überhaupt nicht sterben.“

„Also gut.“

„Und jemand muss darauf aufpassen.“

„Wann?“

„Wenn ich schlafe.“

„Wer?“

„Jemand, der ganz stark ist.“

„Also gut.“

„Dann fange ich von vorne an:

Auf einem großen Baum, mitten auf einer großen Sommerwiese, da lebt ein freundlicher Waldgeist mit einem langen Bart. Er hat eine Zauberflasche mit Seifenblasenwasser, und jedes Mal, wenn er in sein Seifenwassersieb bläst, dann entstehen tausend kleine Seifenblasen und der Wind trägt sie davon.

Und jedes von ihnen trägt eine kleine Seele zu den Babys, die gerade geboren werden. Und wenn sie platzen, legt sich eine kleine Seele zu einem Baby und verbindet sich mit ihm. Sie bleiben zusammen, ein Leben lang.

Und wenn der Mensch nach einem langen Leben stirbt, dann kommt die Seele zurück zum Waldgeist auf die Wiese unter dem Baum, und kleine Leuchtkäfer kommen und verbinden sich mit der Seele und sie blinken und leuchten die ganze Nacht.“

„Jede Nacht?

„Jede Nacht, natürlich. Klar. Schlaf schön, mein Kind.“

Perfekt, jetzt habe ich eine schöne Religion beisammen, und jetzt muss ich nur noch an den Stellschrauben drehen, um sie zu perfektionieren:

Dies ist der Moment, an dem der gesamte Vorspann dieses Buchs zusammengefasst wird zu einem großen Orchester der Religionsmechanik:

Meine persönliche Wahrheit, meine Projektionen, mein Spiegel, mein Leiden, meine tiefen, zerrissenen Psychosen, meine abgrundtiefe Boshaftigkeit. Jetzt bin ich Simon, der steinzeitliche Bibelschreiber.

Ich check jetzt mal für Euch die christliche Religion:

Mein Name ist Simon. Beruf Bibelscheiber. Handbuch für Religionsstifter, Teil 1:

Ich kann leider nicht anders, ich bin abgrundtief böse und fies. Deshalb drehe ich meine Stellschrauben in Richtung Sünde, Gehorsam, Verbot, Strafe, Schuld.

OK, alles hoch. Gecheckt. Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein, geistige Freiheit. Runter damit. Auf Null. OK, vielleicht doch auf Nullkommaeins.

So, jetzt kommt erstmal der Rausschmiss aus der Sommerwiese. Passt. Das Böse, Finsternis, Rache, Hölle, Todesengel. Alles hoch. Ein Böser muss her. Die Sumpfkröte.

Uups, vielleicht war das doch zu viel? Stellschraube runter. Jesus muss her. Bisschen Liebe und Vergebung.

Nee, war doch nix. So ein Weichei! Wieder hoch damit.

Innenpolitisch muss man noch bisschen schärfere Grenzen ziehen: Frauenfeindlichkeit, Hexenverbrennungen, Unterdrückung, Ketzerverfolgung, Kritiker umbringen: Alles hoch.

Ein Katholik kennt keinen Schmerz.

Und jetzt kommt das große Finale: „Tataaaa!“ Schnell noch eine Botschaft auf Twitter und ab geht’s.

Die große Parade. Alle sind da. Alle marschieren auf. Der Tag des Zorns – das Jüngste Gericht. Herrlich! Ich bedanke mich bei mir, dass ich mich selbst erschaffen habe.

Fertig ist die Religion Simons, des Bibelschreibers.

So geht’s. So baut man Religionen. Der Rest sind viele Worte und ein dickes Buch.

Jetzt bist Du dran: Bau Dir Deine eigene Religion. Handbuch für Religionsstifter Teil 2.

Fang mal mit der Sommerwiese an und dann dreh einfach an den Stellschrauben. Woran willst Du drehen? Was setzt Du hoch, was setzt Du runter? Probiere es einfach aus. Es muss Dir selber gefallen.

Bist Du richtig, herrlich fies, wie Moses? Oder bist Du auch nur so ein Weichei, wie Jesus? Du kannst entscheiden.

Vielleicht gefallen Dir die Stellschrauben der Liebe und der Vergebung? Wie gefallen Dir Großmut und Väterlichkeit? Wie wäre es, das Böse und die Strafe auf null zu setzen?

War ja nur ein Vorschlag.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
201 str. 2 ilustracji
ISBN:
9783753190693
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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