Czytaj książkę: «Traumschloss im Wald»

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edition lichtland

© edition Lichtland

edition Lichtland

Stadtplatz 4, 94078 Freyung

Deutschland

Gestaltung:

Edith Döringer, Melanie Lehner

1. Auflage 2013

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlags zulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

ISBN: 978-3-947171-35-4

ISBN der gebundenen Ausgabe: 978-3-942509-27-5

www.lichtland.eu


Marita Haller

Traumschloss im Wald

Das ehemalige Schloss der

Freiherrn Poschinger von Frauenau

Mit Erinnerungen der Schlossbewohner

und warum es 1959 schweren Herzens

abgerissen werden musste.

Am Hang des Rachels steht mächtig und stolz, ein Schloss, umgeben von Tannenholz. Es schaut hinab in die grüne Au, und grüßt das Kirchlein der lieben Frau.

Heimatlied

Egon Löfflmann 1957

geboren 1931 in Frauenau

Vorwort

Schloss Oberfrauenau als einst weithin sichtbares architektonisches Wahrzeichen und Sitz meiner Familie kenne ich nur noch aus Erzählungen und von Fotos. Als ich 1971 zur Welt kam, war das Schloss bereits zwölf Jahre abgebrochen. Umso bedeutender ist vorliegendes Buch, das Geschichte und Geschichten, Zeitzeugenberichte und bislang verschollen geglaubte Fotodokumente sammelt, dem einst imposanten Gebäude ein Denkmal setzt und damit zur Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes beiträgt.

Leider musste mein Großvater Hippolyt Freiherr Poschinger das durch die Kriegsfolgen schwer beschädigte Schloss 1959 abtragen lassen – eine mutige und emotional bestimmt sehr schwierige Entscheidung, der ich großen Respekt zolle, hat er doch im Sinne unserer Familie, der Glasmanufaktur wie des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs gehandelt.

Marita Haller danke ich für ihr großes Engagement und die jahrelangen akribischen Recherchen, die diesen Band erst möglich machten. Ich wünsche dem Buch eine große und interessierte Leserschaft.


Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau

Inhalt

TRAUMSCHLOSS IM WALD DER FREIHERRN POSCHINGER VON FRAUENAU

Der Erbauer des Schlosses

Das Traumschloss im Wald

Der Edelsitz wird zum Übungsprojekt

Die Sprengung des großen Turms galt als „Attraktion“

AUFZEICHNUNGEN VON JOSEF SEDLMEIER

Fast schon makaber

Technische Schlossdaten

Schäden an der Schlossanlage

Bericht des Bayerwald Boten vor dem Abbruch

Bericht der Bayerischen Waldzeitung nach dem Abbruch

HOCHSTEHENDE GÄSTE BESUCHTEN DAS SCHLOSS

Dann soll’n se ihren Dregg alleene mach’n

Kennen Sie mich? Ich bin Ihr König!

Die Zwieseler Kunstmalerin Betty Heldrich

Weitere Einträge im Gästebuch der Freiherrn Poschinger

WAS ALTE WANDERFÜHRER ÜBER DAS SCHLOSS ERZÄHLEN

WAS DIE SCHLOSSBESITZER ERLEBTEN

Geburtstagsfestschießen

Der Spionage verdächtigt

Nachkomme der Hl. Elisabeth

UNENTBEHRLICHE SCHLOSSGEISTER

Die gute Kammerjungfer Lina

Der treue Diener Franz Glas

ERINNERUNGEN VON EHEMALIGEN SCHLOSSBEWOHNERN

Erzählungen von Marianne Ruderer

Das Leben im Schloss zwischen 1948 und 1955

Die Reithalle war scheusam

Das Leben auf dem Schloss im Winter

Mit dem Schlitten über die Freitreppe

Die Wäsche wurde im eisigen Bach gewaschen

Um ein Haar ertrunken

Ein riesiger Adventskranz und Teufelsmasken

Das Leben auf dem Schloss im Sommer

Vergissmeinnicht zum Muttertag und rote Lichter zur Maiandacht

Aus den Steckdosen sprühten Funken

Der Rösselmann und d’Hodern-Kathl

Erntezeit

Stock gegen Unrat

Es wird still im Schloss

Die Zimmer hatten eigene Namen

Die Bediensteten wohnten im Dachgeschoss

Das Schloss

Erzählungen von Gert Abram, Haan

Das Schloss, so wie wir es vorfanden

Meine Mutter fuhr Moped

Furcht einflößende Kreuzottern

Faschingsfreuden

Dampfwalze in Not

Eisstockschießen bei Flutlicht

Motorradunfall beschert gebrochenes Bein

Holzhacken und Holzscheidl knien

Wasserbecken zur Schlossversorgung

Die Turbine brummte Tag und Nacht

Reithalle und Plumpsklo

Obstklau mit Panik

Versteckspielen

Skispringen

Rehe und Hirsche auf Nahrungssuche

Eis sägen

Millwegerl

Feuerwehrübung

Erinnerungen von Barbara (Betty) Hoffmann (+), Frauenau

Erinnerungen von Familie Nachlinger, Frauenau

Erinnerung von Mathilde Bauer, Griesbach-Zwiesel

Erinnerungen von Fini Hackl, Frauenau

Erinnerungen von Christa Steger, Riedlhütte

Erinnerung von Margarete Dötsch, Zwiesel

Erinnerung von Katharina Resch, Spiegelau

Erzählungen von Franz Kerschbaum, Frauenau

Stinkende Geißböcke

Der König von Montenegro

Der Ochsenknecht Keilhofer

I war liaba a Kua

In der Not reich beschenkt

Trinksüchtige Männer wurden bestraft

Die geizige Schlossherrin

Der Wald hat Ohren

Die krampfige Sau

Eine tote Sau als Alibi

ERINNERUNGEN VON STEPHAN FREIHERR POSCHINGER, FRAUENAU

Prunk und Pracht

Nacht des Schreckens

Die neuen Schlossbewohner

Vom Gewissen geplagt

Kunstobjekte im Holzhauer Unterkunftshaus

Lustige Erinnerungen

Erste Erfahrungen mit dem Kindermädchen

Skispringen

Spielplatz im Schlossgang

DIE HÜTTENHERREN ZU FRAUENAU

EHEMALIGE BEWOHNER

WEITERE SCHLOSSANSICHTEN AUF POSTKARTEN

SCHLOSS INNENAUFNAHMEN MIT VERANDA

LEBEN RUND UM DAS SCHLOSS IN FOTOS

PLÄNE SCHLOSSANLAGE

AUTORIN

NACHWORT

Anmerkungen


Traumschloss am Rachelhang – Postkarte Sammlung Monika Nachlinger


Katasterplan vom Neubau des Schlosses aus dem Jahr 1876: Schloss mit Gewächshaus, Verbindungsgang, Stallung, Remise, Kutscherwohnung, Schlosshof und Vorplatz-Vermessungsamt Zwiesel

Traumschloss im Wald
der Freiherrn Poschinger von Frauenau

Einst stand am Rachelhang ein prunkvolles „Märchenschloss“. Schon von weitem sah man es aus dem dunklen Wald herausragen. Selbst Monarchen hat es einst beherbergt. Das Schloss war die Krönung der seit Jahrhunderten äußerst erfolgreich arbeitenden Glashüttenherren von Poschinger, deren Stammsitz noch heute in Frauenau ist. Das Schloss wurde Opfer der schweren Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als Arbeitsplätze kostbarer waren als luxuriöser Besitz.

Der Erbauer des Schlosses

Der Bauherr des Schlosses war Georg Benedikt II. Reichsritter und Edler von Poschinger2. Schon mit 19 Jahren musste er das Erbe seines Vaters antreten, denn dieser war in der heutigen Kreisstadt Regen durch einen tragischen Unfall mit der Postkutsche ums Leben gekommen3. Georg Benedikt II. war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er erwarb sich große Verdienste u.a. um die Verkehrserschließung des Bayerischen Waldes durch die Eisenbahn und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Aufschwung der Glashütten im Zwieseler Winkel.

Der dynamische Reichsrat wohnte im eher schlichten Herrenhaus der Familie, das um 1750 im einfachen Barockstil erbaut worden war. Durch außerordentlich erfolgreiches Wirtschaften nach dem großen Windwurf von 1870 und nach Spekulationsgewinnen aus Wertpapieren gelangte er zu den Mitteln, die es ihm ermöglichten, sich am Hang des Berges Rachel ein Traumschloss zu erbauen.


Reichsrat Georg Benedikt II. von Poschinger (1845 bis 1900) – Pastellbild von Betty Heldrich, Zwiesel/München – Archiv Poschinger

Das Traumschloss im Wald

10 Jahre lang – von 1875 bis 1884 – dauerte der aufwendige Bau des vornehmen Wohnsitzes. Schon die Erstellung des großen Baugeländes am steilen und dicht bewaldeten Rachelhang war äußerst mühsam und kostspielig. Architekt Dr. Albert Schmid aus München, der auch an Entwürfen für die Schlösser des „Märchenkönigs“ Ludwig II. beteiligt war, erarbeitete die Pläne für das im Prunkstil der Neurenaissance erschaffene und eingerichtete dreitürmige Schloss. Zahlreiche Erker und Gauben bestimmten das Gesicht des Gebäudes. Der stolze Schlossbesitzer hielt sich im Schlosshof einen ausgewachsenen Wolf als „Wachhund“.


Beilage zum Operat 106 / 1879: Schlossanlage mit Freitreppe, Verbindungsgang zum Gewächshaus, Stallung, Remise (Wirtschaftsgebäude), Kutscherwohnung, Schlosshof und Vorplatz – Vermessungsamt Zwiesel


Text auf Planentwurf 1876 von Architekt Dr. Albert Schmid, München – Archiv Poschinger „Das genaue Höhenmaß ist in Natur nochmals zu bestimmen, weil die Gangbelege um den Anschlag höher als die Zimmerparqurts zu liegen kommen. Den 15. Januar 1876.“

Kunstmaler Ludwig Lesker4 aus München, der im Jahr 18855 im Auftrag von König Ludwig II. auch das Treppenhaus von Schloss Herrenchiemsee malerisch gestaltete, zeichnete ebenso in Frauenau für die eindrucksvollen Deckengemälde und die großen Wandbilder verantwortlich. Massive Holzpaneeldecken, Parkettböden und massive Flügeltüren aus Holz zierten zudem das Innere des Prachtbaus. Bauleute aus Italien fertigten Treppen aus farbigem Marmor. Fast in jedem der hohen Räume befand sich ein offener Kamin oder ein Kachelofen.


Fontäne Schloss Oberfrauenau, nach Schloss Linderhof die zweithöchste von Bayern – Archiv Poschinger


Innenansicht Festsaal – Sammlung Helmut Schneck, Frauenau

Um das Schloss herum legte der königliche Hofgärtner Carl von Effner einen prächtigen Naturpark mit seltenen Laub- und Nadelbäumen an. Das Prunkstück des Gartens war jedoch eine Fontäne, die nach Schloss Linderhof die zweithöchste in Bayern gewesen sein soll. Die alte Allee, die zum einstigen Schloss führte, beeindruckt noch heute.

Von diesem Prunkbau aus arbeitete der unvermählt gebliebene Adelige unermüdlich für seine Glashütten und den umfangreichen Gutsbesitz. Im Jahr 1900 kam es kurz vor Weihnachten erneut zu einem tragischen Unfall in der Familie. Der erst 55-jährige Schlossherr wurde im eingezäunten Poschinger Hirschgarten von seinem zahmen, aber brunftigen Wapitihirsch getötet. Makaber: Es war sein Lieblingshirsch. Georg Benedikt II. liegt im Mausoleum im Friedhof von Frauenau begraben. Dieses würdige Grabmal hatte ihm sein Bruder und Nachfolger Eduard Ferdinand von Poschinger6 errichten lassen.


Kirche mit Mausoleum der Herren von Poschinger; Postkarte gelaufen 1935 – Sammlung Alois Grassl

Dessen Sohn Eduard Georg Benedikt Reichsrat Poschinger von Frauenau7 – verheiratet mit Elisabeth Gräfin von Bray-Steinburg – erweiterte die Schlossanlage mit einem hohen und hellen Sommersaal im eher schlichten Stil und mit einem wunderbaren Wintergarten8. Die Pläne für die Erweiterung waren bereits unter dem Schlosserbauer entstanden. Im Archiv der Freiherrn Poschinger liegen entsprechende Pläne aus dem Jahr 1882 vor. Eduard Georg Benedikt ließ zudem im Jahr 1925 von Architekt Büttner aus München eine Kapelle mit Familiengruft9 erbauen10 und stattete dieses Gotteshaus seinerzeit mit wertvollen Gemälden aus der Rokokozeit aus. Zusätzlich zu Kachelöfen und offenen Kaminen bekam später das Schloss eine mit Holzkohle befeuerte Zentralheizung.


Mausoleum heute, davor Stephan Freiherr Poschinger – Foto Marita Haller


Schlossanlage erweitert – Archiv Poschinger


Plan für Schlosskapelle 1925 –Architekt Büttner, München – Archiv Poschinger


Eduard von Poschinger gemalt von Carl von Marr – Archiv Poschinger


König Ludwig III. mit Hippolyt von Poschinger (Bub links) – Archiv Poschinger

Der Reichsrat war ein ausgezeichneter Kunstkenner und auch ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Seine besondere Leidenschaft galt alten Skulpturen, die er zahlreich im Schloss aufgestellt hatte. Erst unter diesem Reichsrat wurde das Schloss eine Stätte reicher Gastfreundschaft. Die Poschinger feierten prunkvolle Feste, bei welchen auch gekrönte Häupter wie König Ludwig III. von Bayern und Friedrich August König von Sachsen zu Gast waren11. Adelige Herrschaften, Personen aus der Kunstszene und der Wissenschaft sowie der Wirtschaft und Politik ließen sich gerne im Schloss verwöhnen. Im Dezember 1930 übertrug Eduard Georg Benedikt seinem ältesten Sohn Senator Hippolyt Freiherr Poschinger von Frauenau12 das Gut. Dieser Hüttenherr hatte die Bürde das Glashüttengut durch den 2. Weltkrieg zu führen.


Hippolyt Freiherr Poschinger – Archiv Poschinger

Hippolyt von Poschinger kam in diesem Prunkschloss zur Welt. Es muss ein Schock für ihn gewesen sein, als er am Ende des Krieges (1945) eines Nachts gezwungen wurde, mit seiner Familie das Schloss zu verlassen, um Platz für die Besatzungstruppen und später für die Zwangseinquartierten zu machen. Die Familie zog wieder in das alte Herrenhaus in Oberfrauenau. Nur wenige Tage blieben den Poschinger, um wenigstens Teile ihres Eigentums in das neue, sprich alte Domizil schaffen zu lassen. Baron Hippolyt von Poschinger soll das einstige Traumschloss nie mehr betreten haben. Über das alte Herrenhaus sagte er später immer: „hier in diesem bescheidenen Haus…“.

Die Behebung der Schäden und vor allem auch die anschließende Instandhaltung dieses mächtigen Baus hätten ein Vermögen verschlungen, ohne dass das Schloss wirtschaftlich hätte genutzt werden können. Investitionen in Glashütte und Forst hatten für den Besitzer Vorrang. Als auch der Rettungsversuch gescheitert war, das Schloss an den Staat zu verkaufen, ja selbst zu verschenken, entschloss sich Hippolyt von Poschinger, sein Geburtshaus abbrechen bzw. sprengen zu lassen. Diesen einstigen Prachtbau, das Symbol für äußerst erfolgreiches Wirtschaften der Familie, zu einer Ruine verfallen zu sehen, brachte der stolze Hüttenherr vermutlich nicht über sich.


1959 Sprengung des 32 m hohen Turmes – Sammlung Josef Sedlmeier

Der Edelsitz wird zum Übungsprojekt

Nach Erhalt der erforderlichen Abrissgenehmigung stellte Senator Hippolyt Freiherr Poschinger den einstigen Prachtbau dem Gebirgspionierbataillon 8 aus Degerndorf am Inn als Übungsprojekt zur Verfügung. Unter dem Kommando von Josef Sedlmeier aus Frauenau, der damals Hauptmann und Kompanie-Chef war, traf am 15. Juni 1959 die 50 Mann starke Truppe im Glasmacherort ein.

Ab dem 16. Juni 1959 wurde es in der sonst so friedlichen Waldlandschaft laut. Zwölf Wochen lang schallten Kompressoren, Bohr- und Abbruchhämmer, Motorsägen, Planierraupen und die Detonationen von Sprengladungen durch das Frauenauer Tal. Der Kommandant führte gewissenhaft Buch über die Arbeiten. In der Zeit des „Kalten Krieges“ versetzte dieses Unternehmen die tschechischen Nachbarn in höchste Alarmbereitschaft. Eine Bundeswehreinheit so nah an der Grenze war ihnen nicht geheuer. Laut Sedlmeier störten die Tschechen die Funkverbindungen der Truppe, so dass ständig die Funkfrequenz geändert werden musste.

Für das Bataillon war der einstige Palast ein hervorragendes Übungsprojekt. Der fachgerechte Abbruch bot alle Möglichkeiten des pioniertechnischen Einsatzes. Auf die Erhaltung des Baustoffes wurde größter Wert gelegt. Das ausgebaute Material sollte für weitere Übungszwecke – zum Beispiel den Bau einer Brücke – verwendet werden. In der Degerndorfer Kaserne, in der Nähe der Wendelsteinbahn bei Rosenheim, finden sich noch heute Teile des einstigen Prachtbaus wie beispielsweise die schönen Kassettendecken und die schweren Holztüren. Die Granitsteine des Treppenaufganges wurden in die Mauerumfriedung beim heutigen Gutsgasthof in Oberfrauenau eingebaut.

Die Sprengung des großen Turms galt als „Attraktion“

Die Hauptattraktion des Kirchweihfestes, am 15. August 1959, war die Sprengung des 32 Meter hohen mittleren Turms. Über die Sprengung existiert ein Amateurfilm13. Einige spitzbübische Soldaten hatten den Frauenauern am Stammtisch erzählt, dass der stattliche Koloss mit Hilfe eines Spezialgeräts vom Fundament abgeschnitten und durch zwei Hubschrauber zum Wallfahrtsort Altötting geflogen würde, wo er ein neues Domizil erhalten sollte. Ob es einige Bürger gab, die auf diesen Scherz hereinfielen, ist nicht bekannt. Auf alle Fälle haben sich viele Frauenauer am Ort des Geschehens eingefunden, um das einmalige „Spektakel“ nicht zu verpassen.

Die Reithalle wurde ebenfalls gesprengt und zwar so fachmännisch, dass das Holzgerüst komplett und nahezu unversehrt stehen geblieben war und nur die Bausteine und einige Bretter am Boden abgeladen waren. Insgesamt verbrauchte man für das Projekt 750 kg Sprengstoff. Die Planierraupenfahrer rechneten 410 Betriebsstunden ab, bis sie die angefallenen 8500 m3 Schutt abtransportiert, in die offenen Keller geschüttet oder auf dem Gelände verteilt hatten. Trotz der schwierigen Arbeit gab es keine schwerwiegenden Unfälle.


1959 Sprengung Reithalle – Sammlung Josef Sedlmeier

Die Soldaten hatten sich während ihres Aufenthaltes gut in die Frauenauer Gemeinschaft eingebracht. Es wurden Fußball-Freundschaftsspiele und Sängerfeste abgehalten. Am Tage des Abmarsches winkten viele Frauenauer in Freundschaft dem Gebirgsbataillon nach. Einige Soldaten vermählten sich nach ihrem Arbeitseinsatz mit einheimischen Mädchen.

Von dem imposanten Gebäude ist heute nur die Kapelle mit der Familiengruft der Familie von Poschinger, die am hinteren Ende des rechten Seitentraktes angebaut war, stehen geblieben. Die mit Bauschutt zugefüllten Schlosskeller werden von einer Blumenwiese abgedeckt. Wasserkanäle und das Staubecken auf der Bergkuppe hinter dem Schloss erinnern noch an die Zeit, als sie Wasser für die Fontäne bereitgestellt hatten.


Schlosskapelle mit Gruft der Freiherrn Poschinger auf dem eingeebneten Schlossplatz – Foto Marita Haller 2013

Aufzeichnungen von Josef Sedlmeier


Kommandant Josef Sedlmeier, er leitete den Abbruch – Foto Marita Haller 1999

Über den Abbruch des Schlosses hat Hauptmann und Kompanie-Chef Josef Sedlmeier gewissenhaft Buch geführt:

Am 15. Juni 1959, um 9 Uhr, setzte sich die Marschkolonne mit 30 km/h von Degerndorf, über Rosenheim, Haag, Altötting, Eggenfelden, Landau, Deggendorf, Zwiesel, nach Frauenau in Bewegung. Die Zusammensetzung des Kommandos war folgende: 2 Sanitäter, 2 Köche, 1 Schmied, 1 Schweißer, 8 Zimmerer, 1 Unteroffizier für Sicherheit, 1 Unteroffizier für Materialnachweis, 1 Dachdecker, 2 Spengler, 2 Funker, 7 Maurer, 8 Schreiner, 1 Schlosser, 6 Hilfskräfte, 1 Kompressorwart, 2 Männer zur Überführung der Planierraupe und 1 Installateur. Das Kommando Frauenau in einer Stärke von 47 Mann war verpflegungsmäßig dem Standort Bogen14 angegliedert.

Die Übernachtung in Frauenau war in Zelten vorgesehen. Dafür wurden 47 Schlafsäcke ausgegeben.

Als Übungsobjekte zur Verfügung gestellt waren das Schlossgebäude Hausnummer 107 a und b, einschließlich dem südlichen Anbau, genannt Gartensalon, und der Pferdestall Haus Nr. 107 c, einschließlich dem daran angebauten so genannten hinteren Pferdestall. Nicht zur Verfügung gestellt waren die Schlosskapelle 107 k und das Reitschulgebäude 107 qu. Nach Abbruch der zur Verfügung gestellten Gebäude wurde das Gelände vertragsgemäß einplaniert. Die Arbeiten mussten spätestens bis zum 31. Dezember 1959 fertig gestellt sein. Die Kosten für die Abbrucharbeiten hatte der Auftragnehmer zu übernehmen. Dieser Auftrag diente zur Förderung der Ausbildung der Truppen der Bundeswehr.


Beginn Abbruch 1959 – Sammlung Josef Sedlmeier


Abbruch 1959 – Sammlung Josef Sedlmeier

In seinem Bericht vom 16.9.1959 notierte Sedlmeier (Auszug):

„12 Wochen lang waren Gebirgspioniere aus Degerndorf ‚Schlossherren‘, wenngleich sie in dieser Zeit nicht bestrebt waren ‚ihren‘ Besitz zu mehren, sondern zu zerstören. Das im Bayerischen Wald nahe des Eisernen Vorhanges gelegene Schloss Oberfrauenau war von seinem Besitzer Senator Freiherr Poschinger dem Gebirgsbataillon 8 als Übungsprojekt für Spreng- und Stoßtruppaufgaben zur Verfügung gestellt worden. Das in den Jahren von 1875 – 1884 im Stile der Neurenaissance erbaute Schloss wirkte ehemals mit seinen prächtigen Außenanlagen wie ein in den Waldfrieden verwunschenes Märchenschloss. In den Nachkriegsjahren des 2. Weltkrieges jedoch diente es zunächst als Unterkunft für die Besatzungsmacht und für ein deutsches Arbeitskommando und später als Wohngebäude für Heimatvertriebene. So kam es, dass an dem sonst wohlgepflegten Bau immer größere Schäden entstanden und der Besitzer nach der Freigabe des Gebäudes 1959 eine Instandsetzung als zu kostspielig und unrentabel erachtete (...)“.

Josef Sedlmeier berichtete weiter, dass die Mannschaften bereits einen Tag nach ihrer Ankunft in Frauenau mit den Arbeiten begonnen hatten. Ganz begeistert erzählte er, dass Gerüste gebaut werden mussten und in „schwindelnder Höhe“ die Balken – bis 12 m Länge – ausgebaut und abgeseilt worden sind. Mit Zange und Nageleisen seien diese von Nägeln befreit worden, damit sie für weitere Objekte wieder einsetzbar waren. Das Schloss wurde überwiegend abgetragen, zum Teil wurde aber auch gesprengt. Humorvoll schrieb Sedlmeier in das Tagebuch:

„Nicht bestimmt konnte die Staubmenge werden, die jeder Angehörige des Kommandos schluckte, sie war aber nicht unbeträchtlich, wenn man den Bier- und Limonadenverkauf des eingeteilten Gerätewartes aufmerksam verfolgte. Messbar war die gute Stimmung des Kommandos an den guten Arbeitsleistungen, beide sanken nur bei schlechtem Wetter.“

Das Verhältnis zur Bevölkerung sei überaus gut gewesen, notierte Sedlmeier und ergänzte: „Da besonders die Mädchenwelt ihr Herz für die Uniform entdeckt hatte, kam es zu einer natürlichen Rivalität zwischen den Bürgern mit und ohne Uniform. In selten vernünftiger Weise wurde diese auf dem Fußballplatz bei Freundschaftsspielen mit anschließenden Kameradschaftsabenden beigelegt und begraben.“ Erheiternd wirkte in diesem Zusammenhang die Feststellung einer älteren Dame, die meinte: „Öfter müssten Soldaten kommen, damit unsere Burschen wieder wach, aufmerksam und galant werden!“

Fast schon makaber

10 Jahre lang hatte es gedauert, bis die neue Schlossanlage in ihrer ersten Ausführung fertig gestellt war. Nur 12 Wochen dauerte es, bis sie abgebrochen und die Baustelle eingeebnet war.


Zeltstadt in Frauenau des Gebirgspionierbataillons 8 aus Degerndorf – Sammlung Josef Sedlmeier

Technische Schlossdaten

Bevor der Abbruch vonstatten ging, wurde die Schlossanlage vom Kommando genau vermessen und beschrieben. Josef Sedlmeier notierte am 25.9.1959:

Das Schlossgebäude, ein im Stile der Neurenaissance gebautes, massives Gebäude. An einen Mittelbau (rechteckiger Grundriss, 14 m x 20 m) schlossen sich zwei Seitenflügel (Grundriss 22,70 m x 11,90 m) an. Außerdem wurde der Mittelbau von zwei kleineren und einem großen Turm flankiert. Zahlreiche Erker, Gauben und Ausbauten bestimmten das weitere Gesicht des Gebäudes. Die Höhe bis zur Traufe betrug 11,50 m und die Firsthöhe 15,50 m. Die beiden kleinen Türme erreichten eine Gesamthöhe von 28 m, während der große Turm 32 m maß.

Der Gartensalon, ein rechteckiger Anbau (11,90 m x 20 m) mit einer Traufenhöhe von 5,75 m und einer Firsthöhe von 6,75 m.


Abbruch des Schlosses; zu sehen sind die Wandmalereien im Festsaal – Sammlung Josef Sedlmeier

Der Wintergarten, ein Ruinengebäude von rechteckigem Grundriss (40 m x 11 m), das rückwärts von der Schlosskapelle abgeschlossen wurde, deren angebaute Erker und Galerien ebenfalls abgebrochen wurden.

Das Kutscherhaus, mit hinterem Pferdestall, Grundfläche insgesamt 310 m2.

Die Reithalle wurde am letzten Tag der Übung gesprengt, da der Bauzustand äußerst schlecht war und durch den Abbruch des Kutscherhauses dessen Stützwirkung verloren gegangen war. Um Unfällen vorzubeugen, wurde durch die Sprengung die Reithalle zum Einsturz gebracht“.

Auf diese Arbeit ist Josef Sedlmeier noch heute besonders stolz, denn die Männer hatten es geschafft, dass nach der Sprengung der Reithalle nur die Steine am Boden lagen, die Dachbalken jedoch keinen Schaden erlitten hatten.


Schlossabbruch 1959 – Sammlung Josef Sedlmeier




Schlossabbruch 1959 – Sammlung Josef Sedlmeier

Nach Sedlmeier waren rund 8500 m3 Schutt verschoben, eine Gesamtfläche von 8000 m2 einplaniert und mit einer Humusschicht abgedeckt worden. Es wurden 740 Bohrlöcher gebohrt.

Die gesamte Arbeitszeit betrug 12 Wochen, bei einer Stärke des Kommandos von durchschnittlich 20 Mann. An 69 Arbeitstagen wurden insgesamt 11 600 Arbeitsstunden geleistet.

Schäden an der Schlossanlage

Josef Sedlmeier bestätigte folgende Schäden an der Schlossanlage15 „die keinesfalls mit geringem Aufwand hätten behoben werden können“:

Die Amerikaner, die im Schloss gewohnt haben, hatten der Überlieferung nach teils große Zerstörungswut gezeigt. Sie hatten zum Beispiel die freiliegenden Wasserleitungen im Haus angeschossen, so dass das Wasser in den Räumen über die Wände herunter gelaufen sei. Durch den Frost sei dann im Winter der Putz von den Wänden gefallen. Gegen die Kälte hatten sie Parkettböden und sogar Chippendale Möbel herausgerissen, zerbrochen und im Schloss verbrannt. Auch das Archiv sei geplündert worden. Der Wintergarten und der Verbindungsbau zur Schlosskapelle seien völlig „demoliert“ gewesen. Die Reithalle mit den angrenzenden Teilen des Kutscherhauses waren später einsturzgefährdet.

Für eine Sanierung und Wiederherstellung der Liegenschaft sei nach Sachverständigen die Kalkulation im Millionenbereich gelegen.

Walther Zeitler und Herbert Wolf schreiben in ihrem Buch „Bayerischer Wald in alten Fotos“16:

„Nach dem letzten Krieg zogen zuerst amerikanische Soldaten, dann eine Kompanie ausländischer Kriegsgefangener und schließlich 130 Heimatvertriebene aus dem Osten in das Schloss ein. Als es dem jetzigen Chef der Familie Poschinger, dem langjährigen Präsidenten des Bayerischen Senats, Hippolyt Freiherr Poschinger von Frauenau, zurückgegeben wurde, war es praktisch unbewohnbar und mit vertretbaren Mitteln nicht mehr herzurichten. Eine Bundeswehrpioniereinheit sprengte schließlich das Schloss, das heute sicherlich eine Attraktion wäre.“

Bericht des Bayerwald Boten vor dem Abbruch17

„Oberfrauenauer Schloß Übungsobjekt für Gebirgspioniere Schloßkapelle nach dem Abbruch letzte Ruhestätte der Familie von Poschinger

Frauenau. Was die Frauenauer gar nicht glauben wollten, wird nun doch Wirklichkeit: In dieser Woche beginnen die Abbrucharbeiten des einstmals stattlichen neuen Schlosses von Oberfrauenau. Von Reichsrat Georg Benedikt II. Poschinger von Frauenau in den Jahren zwischen 1875 und 1884 erbaut, wurde es in den ersten Jahren nach 1945 durch Besatzung und Einweisung völlig ruiniert, so daß eine notwendige völlige Restaurierung des Schlosses für den heutigen Besitzer und Nachfahren, Senator Hippolyt Freiherr Poschinger von Frauenau, keineswegs mehr tragbar erschien. Das Schloß wurde unentgeltlich einem Gebirgspionierbataillon der Bundeswehr als Übungsobjekt zur Verfügung gestellt.



Schlossabbruch 1959 – Fotos Josef Sedlmeier

Die Frauenauer sind in den vergangenen Tagen mit einiger Wehmut zu „ihrem Schloß“ hinaufgewandert, um das einstmals prächtige, heute schon fast zur Ruine gewordene Gebäude noch einmal zu besichtigen; Erinnerungsfotos wurden geknipst, und in den Familien erzählten die Alten von den herrlichen Zeiten, als das Schloß noch in einer märchenhaften Parklandschaft stand, der Hirschgarten lebte und die Poschingers in den großartig ausgestalteten Räumen residierten. Heute steht es in einer schönen Waldlandschaft, die die einstige gepflegte Atmosphäre noch erahnen läßt, dem Gebäude aber sieht man auf den ersten Blick an, wie schwer ihm mitgespielt wurde. Im Grunde steht vom Schloß nur mehr die arg ramponierte Außenfassade. Die Inneneinrichtung ist völlig verkommen, in die gelben Außenmauern haben die Besatzer als Erinnerung ihre Namen eingekritzelt: „Ch. Killroy was here, from Chicago“, kann man noch recht deutlich lesen.“

Bericht der Bayerischen Waldzeitung nach dem Abbruch

Die Bayerische Waldzeitung – Tageszeitung für die Stadt Zwiesel und den mittleren Bayerischen Wald, Amtsblatt für den Landkreis Regen – berichtete 1959 über den Abbruch wie folgt:

„Schloß Oberfrauenau ist verschwunden – Frauenau. Der Glasmacherort zeigt seit einigen Wochen äußere Spuren eines Garnisonsortes. Überall sieht man neben den Feriengästen und Einheimischen auch Angehörige der Bundeswehr. Es sind Pioniere, die von ihrem Standort Degerndorf bei Rosenheim für einige Wochen nach Oberfrauenau abkommandiert wurden, und da haben sie eine Aufgabe erfüllt, die dem Glasmacherort ein weithin sichtbares Kennzeichen genommen hat, nämlich das Schloss Oberfrauenau. Seit 8 Tagen ist der Majestätische Bau an den dunklen Wäldern des Rachelhanges verschwunden. Am Kirchweihmontag wurde der letzte große Turm gesprengt, den sich die Gebirgsjäger zum Schluss der Abbrucharbeiten aufgehoben haben. Nur noch die Kapelle mit der Familiengruft, die am hinteren Ende des rechten Seitentrakts angebaut war, ist stehen geblieben und wird in nächster Zeit mit einer entsprechenden Fassade versehen werden. Dort aber, wo der weitläufige Schlossbau und die Reithalle gestanden haben, werden die aufgerissenen Erdmassen planiert und bepflanzt, sodaß die Kapelle in einigen Jahren einsam inmitten des ruhigen Rachelwaldes stehen wird.


Bericht in der Bayerischen Waldzeitung über den Abbruch des Schlosses 1959 ohne Foto – Stadtarchiv Zwiesel

So hat denn das Schloss Oberfrauenau keine 100 Jahre überdauert. Im Jahre 1873 wurde der Bau dieses Schlosses begonnen. Der Münchner Architekt Dr. Albert Schmid erstellte die Pläne. Das Schloß wurde im Stil der Neurenaissance erbaut und eingerichtet, mit 3 mächtigen Türmen und einer klar gegliederten Fassade versehen, einer Reithalle, prächtigen Gartenanlagen und einem großen Hirschpark ringsum. Der Bauherr des Schlosses war Georg Benedikt II. Poschinger von Oberfrauenau, der mit 19 Jahren das Erbe seiner Ahnen übernommen hatte. Unvermählt starb er im Jahre 1900 an den Folgen von Verletzungen, die ihm sein Lieblingshirsch beigebracht hatte. Das Schloß diente bis zum Jahre 1945 der Familie von Poschinger als Wohngebäude. Dann wurde es von den amerikanischen Besatzungsmächten als Truppenunterkunft benützt und anschließend für zahlreiche Flüchtlingsfamilien zur Wohnstätte.

Der jetzige Besitzer von Oberfrauenau Senator Hippolyt Poschinger von Frauenau ließ das um 1750 erbaute alte Herrenhaus neu gestalten, um es als Wohnstätte für seine Familie zu benützen. Als heuer im Frühjahr die letzten Flüchtlinge aus dem mittlerweile schwer ramponierten Schloss ausgezogen sind, entschloss sich der Besitzer zum Abbruch des stolzen Gebäudes, und dieses Werk ist nun von einer Pioniereinheit vollbracht worden. Schloß Oberfrauenau gehört der Vergangenheit an. Sicherlich werden spätere Generationen noch immer sprechen von diesem Prachtbau an den dunklen Waldhängen des Rachels.“


Schlosskapelle nach Abbruch des Anbaus; sie erhielt eine neue Fassade – Sammlung Josef Sedlmeier

Hochstehende Gäste besuchten das Schloss

Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und der Kunstszene ließen sich gerne im Schloss verwöhnen. Am 2. August 1921 weilte der letzte König im Königreich Bayern, König Ludwig III.18, zusammen mit seinem Schwiegersohn Graf Georg von Preysing-Moos bei Reichsrat Eduard Benedikt Freiherr Poschinger. Es war eine der letzten Reisen des Königs, bevor er am 18. Oktober 1921 verstarb.

Der älteste Sohn von Prinzregent Luitpold war von 1913 bis 1918 König von Bayern. Bei der Novemberrevolution proklamierte Kurt Eisner am 7. November 1918 den Freistaat Bayern und erklärte König Ludwig III. für abgesetzt. Der damals 76-jährige Monarch flüchtete zunächst mit einem kleinen Gefolge. Er reiste durch Ostbayern, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz, bis er letztendlich am 13. November 1918 in Anif bei Salzburg eine Erklärung unterzeichnete, die die Wittelsbacher Herrschaft in Bayern beendete19. Ludwig Graf von Holnstein, der Hofbeamte, der seinerzeit diese Erklärung formulierte, begleitete den König in den Bayerischen Wald und auf das Schloss in Oberfrauenau. Auch er trug sich gleich neben der Unterschrift des Königs in das Gästebuch der Freiherrn von Poschinger ein. Auf der gleichen Seite finden wir auch die Unterschrift von Theo Freiherr Trennberg sowie von dem Lungenspezialisten Dr. Ulrich Eisenlauer. Letzterer war der Leibarzt des Königs.


Gedenktafel für König Ludwig III. am KönigsSteig – Foto Marita Haller


Originalunterschrift von König Ludwig III. im Gästebuch – Archiv Poschinger


König Ludwig III. vor dem Schloss 1922 – Archiv Poschinger

Darmowy fragment się skończył.

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221 str. 203 ilustracji
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9783947171354
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