Czytaj książkę: «SkyDancing Tantra»

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Das Buch

Die Erfahrung eines universellen Bewusstseins erlebte und lehrt Margot Anand seit mehr als 30 Jahren. In dieser Autobiographie schildert sie wie Tantra und Sex sie zu spirituellem Erwachen führten. Ihr begegneten die verschiedensten Meister und sie tauchte ein in die uralte tibetische Praxis des Tantra. Ihre humorvoll geschilderten Erlebnisse mit Partnern begeistern und laden zu Selbstversuchen ein.

Die Autorin

Margot Anand schrieb mehrere Tantra Bestseller, die in vielen Sprachen übersetzt wurden. Außerdem produziert sie DVDs, Videos, und Audios. Sie gründete die Skydancing Institute in Europa und in den USA, die regelmäßig Seminare und das von ihre entwickelte Training in Ekstase und Liebe anbieten.

Margot Anand

SkyDancing Tantra

Von sexueller Ekstase

zu spirituellem Erwachen

Übersetzt von Elke Keilhofer-Schmidt


Über die Autorin

Margot Anand, die weltweit führende Expertin des Tantra ist eine international anerkannte Autorin, Referentin, Lehrerin und Kursleiterin. Ihre Bestseller The Art of Sexual Ecstasy, The Art of Sexual Magic, The Art of Everyday Ecstasy, Sexual Ecstasy: The Art of Orgasm und The Sexual Ecstasy Workbook haben sich weltweit mehr als eine Million Mal verkauft. Ihr Lehrstil ist eine einzigartige Synthese aus französischem erotischem Humor, amerikanischem Pragmatismus und indischer Mystik. Ihre heilende, entspannte, fröhliche und leidenschaftliche Atmosphäre wird in ihren Workshops sehr geschätzt.

Neben ihren Büchern gibt es auf 3 DVDs eine pädagogische Dokumentation, Margot Anandʼs Secret Keys to the Ultimate Love Life. Es ist eine detaillierte Tantra-Auffrischung samt einigen unterhaltsamen neuen Twists für diejenigen, die mit ihren klassischen und zeitlosen Techniken vertraut sind. Die neuesten Lehren von Frau Anand sollen eine ganz neue Generation an Fans inspirieren.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat Frau Anand das Training in Ekstase und Liebe entwickelt und gelehrt, eine Methode der Heilung, mit der die Sexualität auf ihr ultimatives Potenzial gesteigert werden kann: die Ekstase. Sie ist auch die Gründerin von neun weltweiten SkyDancing Tantra Instituten, einem neuen Ansatz für das Tantra, oder „Neo-Tantra“. SkyDancing Tantra ist wahrscheinlich der bestmögliche Weg zur sexuellen Glückseligkeit für westliche Liebespaare.

Frau Anands Fähigkeit, die Lehren des Tantra über den Bereich des Schlafzimmers hinaus in den Alltag zu bringen, ist ihr Markenzeichen. Sie ist auch Vorreiterin einer neuen Methode, „Yoga of Living“, in der sie Menschen bei der Gestaltung expressiver Lebensstile begleitet.

Eine weitere der visionären Schöpfungen von Frau Anand sind die Spiritworks, deren Mission es ist, Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen und die Menschen auf spirituelle Pilgerreisen mitzunehmen, auf denen sie direkt zum Wohlergehen der lokalen Urbevölkerung beitragen können.

Frau Anand ist in vielen nationalen (CNN, CNBC, ABC) und internationalen Fernseh- und Radioprogrammen aufgetreten und wurde als Hauptrednerin auf vielen renommierten nationalen und internationalen Konferenzen präsentiert, darunter der Association of Humanistic Psychology; Association of Transpersonal Psychology, den Body & Soul Conferences des Omega Institute; auf der Outside the Box Conference der Young Presidentsʼ Organization; und des National Institute for the Clinical Application of Behavioral Medicine.

Die Rednertätigkeit von Frau Anand ist vielfältig. Sie sprach über das Thema „Sex, Macht und Politik“ auf der Konferenz des State of the World Forum 1998 – einem Treffen hochkarätiger internationaler Führungskräfte. Ein Jahr später, auf der State of the World Forum Konferenz 1999, stellte sie ein Expertengremium aus Dr. Jean Houston, Dr. Dean Ornish, Dr. Deepak Chopra und Marianne Williamson zum Thema „Meditation, Power und Politik“ zusammen und leitete es. Sie ist Mitglied der Fakultät bei den Seminaren und Konferenzen von Dr. Deepak Chopra und hat bei den jährlichen Retreats von Dr. Dean Ornish für Herzpatienten Kurse gegeben. Frau Anand hat im Rahmen von Tony Robbins „Ultimate Passion“-Workshop für Paare in den Fidschis unterrichtet. Mr. Robbins nannte sie „die weltweit führende Expertin auf dem Gebiet des Tantra“. Sie trat auch mit Dr. Jeffrey Mishlove im PBS-Programm „Thinking Allowed“ auf.

Frau Anand gab für zahlreiche renommierte Publikationen wie das Wall Street Journal, Time, Conscious Life, The Washington Post, New Age Journal, Cosmopolitan Magazine Interviews oder wurde in ihnen zitiert.

In Frankreich geboren und aufgewachsen, erwarb Frau Anand ihren Abschluss an der Sorbonne in Paris. Sie verfügt über eine umfassende Ausbildung in Gestalttherapie, hinduistischem und buddhistischem Tantra (sie hat bei mehreren spirituellen Meistern studiert, darunter dem großen Mystiker Osho in Indien), Bioenergetik, Massage, Meditation, Arica und Integralyoga.

Frau Anand ist auch eine begabte Malerin und Sängerin und man kann sie online unter www.margotanand.com auf ihrer Website besuchen.


Danksagungen

Eine große Zahl an Freunden und Mentoren trug zur Entstehung dieses Buches bei, darunter Anand Subhuti, mein Redakteur, der mich so gut kennt, dass er gegen meinen Widerstand darauf bestand, dass ich Ihnen die Geschichte meiner ersten Tantra-Gruppe nicht vorenthalte.

Zudem unterstützte mich der Schriftsteller und Herausgeber Doug Childers bei der Aufzeichnung vieler Abenteuer meines Lebens. Ich bin all meinen Freunden dankbar, die verschiedene Kapitel überprüft und hilfreiche Anmerkungen gemacht haben, insbesondere Bud Hart, Anodea Judith, Deborah Anapol, Stella Resnik, Laurent Lacoste, Brian Kelly, Terry Bigio, Emma Saunders, Marie Bee, David Cates und Jean Francois Gervet sowie viele andere.

Zutiefst dankbar bin ich für die Inspiration, die mir der Besuch von Lorin Roche gegeben hat. Sie ist die Autorin von The Radiance Sutras, einer Neuübersetzung des Vijnana Bhairava Tantra, einer wichtigen tantrischen Lehre, die im 11. Jahrhundert n. Chr. in Indien populär war. Lorin trat gerade zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben, nämlich als ich mit dem Schreiben dieses Buches begonnen hatte. Sie inspirierte mich, die Kunst des ekstatischen Schreibens und Rezitierens zu fühlen, zu verinnerlichen und zu feiern. Die Sutras sangen durch mein Wesen und inspirierten mich beim Schreiben. Dank Lorin habe ich die Freude am „Tanzen mit Worten“ wiederentdeckt.

Diese Abenteuer hätten nicht das Licht der Welt erblickt ohne die profunde Kraft, die mir durch Osho Rajneesh und Ma Prem Kaveesha in Indien, Adyashanti in den USA und zuletzt Aaravindha Himadra in Europa vermittelt wurde. Jeder dieser großartigen Lehrer hat einen vergessenen Aspekt meines Seins ans Licht gebracht, der wiedererweckt werden musste, ähnlich als ob ein Zen-Meister mich mit einer Kopfnuss wachgerüttelt hätte. Jeder dieser großen Lehrer flüsterte auf seine ganz eigene Weise meiner Seele zu: „Erinnere dich!“ Das Gleiche gilt für die engagierte Unterstützung meiner tantrischen Liebhaber und Partner. Ihr habt verstanden, dass es mir in meinen Forschungen nicht nur um mich selbst ging, sondern darum, unsere Kultur für neue Möglichkeiten zu sensibilisieren.

Im Vordergrund stand die Idee, Sexualität mit Spiritualität zu verbinden, ohne den Ballast religiöser Tabus und ohne Schuldgefühle. Ihr habt mir geholfen, frei zu sein. Natürlich gilt mein Dank auch meinen Eltern, für all die Liebe und moralische Unterstützung, die sie mir während meiner schriftstellerischen Laufbahn zuteilwerden ließen. Buddha Padmasambhava und seiner Gefährtin Dakini Yeshe Tsogyal, der ersten SkyDancer, die mich mit ihren geheimnisvollen Darbietungen inspiriert haben, sowie Meister Dilgo Khyentse Rinpoche gehört mein tiefster Respekt. Lassen Sie mich auch meine Verbundenheit mit allen SkyDancers zum Ausdruck bringen. Sie haben nicht davor zurückgescheut, die schwierige Aufgabe zu übernehmen, das SkyDancing-Tantra und das Love and Ecstasy Training zu erlernen und zu lehren.

An all die vielen Teilnehmer dieser unglaublichen Programme: Ich bin froh, dass ihr dazu beitragt, die Weisheit dieser Lehre zu verbreiten, ob in eurem persönlichen Leben oder als Lehrer. Mögen wir alle weiterhin im Himmel tanzen. Last, but not least, meine aufrichtige Anerkennung an den „Guru zwischen meinen Beinen“. Sie ist eine fantastische Lehrerin, die mich immer wieder auf eine großartige Reise mitnimmt.

Inhaltsverzeichnis

Umschlag

Das Buch/ Die Autorin

Titel

Die Autorin

Danksagungen

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1 Enthüllungen einer Jungfrau

Die Praxis: Das Dasein genießen

Kapitel 2 Das Dunkle und das Tiefe

Die Praxis: Das Dunkelheits-Retreat

Kapitel 3 Offenbarungen auf Acid in Shambhala

Die Praxis: Erkundung natürlicher Highs

Kapitel 4 Liebe auf den ersten Blick

Die Praxis: Die Fesseln der Bindung kappen

Kapitel 5 Der kosmische Witz

Die Praxis: Werde locker

Kapitel 6 Meine erste Tantragruppe

Die Praxis: Die Fähigkeit, Glückseligkeit zu kultivieren

Kapitel 7 Kommen mit Gott

Die Praxis: Ehre den Augenblick des Orgasmus

Kapitel 8 Der Guru zwischen meinen Beinen

Die Praxis: Hören Sie auf Ihren Guru

Kapitel 9 YabYum Initation

Die Praxis: Sex in Meditation verwandeln

Kapitel 10 Geheimnisse der orgasmischen Reaktion

Die Praxis: Integration von Sex und Meditation

Kapitel 11 Tantra: Der Schatten und das Licht

Die Praxis: Atishas Herzmeditation

Kapitel 12 Das Erwachen

Die Praxis: Der Kreislauf der Glückseligkeit

Appendix 1

Appendix 2

Appendix 3

Nachwort

Andere Werke von Margot Anand

Skydancing Tantra Institut Deutschland

Fußnoten

Impressum

Einleitung

Dieses Buch ist das Ergebnis einer langen Suche und ein Wegweiser für alle, die sich sowohl in sexueller Hinsicht als auch in spiritueller Weise ein erfülltes Leben wünschen. Der Versuch, diese beiden Aspekte zusammenzubringen, machte mich dreißig Jahre lang zur „Glücksritterin“, die nach einem verborgenen Schatz in ihrem Geist, ihrem Körper und ihrer Seele suchte.

In diesem Buch werden Sie all das lernen, was Sie schon immer wissen wollten, und auch das, was Sie nie zu fragen gewagt haben. Ich werde all die Geheimnisse lüften, die ich nie teilen wollte, die Eskapaden, die Abenteuer, Wendepunkte und Durchbrüche auf meinem Weg vom Sex bis hin zum spirituellen Erwachen.

„Wie hast du das Tantra für dich entdeckt?“, fragen mich viele Leute.

„Als ich meinen ersten Orgasmus hatte“, antworte ich dann, und das ist die Wahrheit.

Als ich das erste Mal Liebe machte, war das eine kosmische Offenbarung, eine direkte Übertragung der Erleuchtung des Geistes, die ich eine „sexuelle Erleuchtung“ nannte.

Es war eine so phänomenale Erfahrung, so weit jenseits meiner kulturellen und weltanschaulichen Sichtweise, dass ich nach einem Weg suchen musste, diesen flüchtigen Vorgeschmack der Gnade dauerhaft in mein Leben zurückzubringen. Ich machte mich daran, den Zusammenhang zwischen Sexualität und Spiritualität zu verstehen. Es wurde zur Mission meines Lebens. Die Suche wurde zu einer lebenslangen Aufgabe.

Jetzt, nach so vielen Jahren, habe ich dieses Buch geschrieben, um Antworten auf die Fragen zu geben, mit denen ich mich damals konfrontiert sah und die mir seitdem so viele Leute gestellt haben:

 Was ist Tantra? Gibt es einen spirituellen Zusammenhang mit der sexuellen Erfahrung?

 Was passiert, wenn wir gegen die Regeln der Mainstream-Gesellschaft verstoßen und unkonventionell leben?

 Brauchen wir einen spirituellen Lehrer?

 Was braucht eine Frau wirklich, um ihre multiorgastische Natur vollständig zu erkennen?

 Was bedeutet es für einen Mann, ein tantrischer Liebhaber und Lehrer zu sein?

 Was passiert, wenn wir mit zwei Partnern gleichzeitig schlafen?

 Was ist eine tantrische Initiation?

 Was ist Erwachen?

Um Antworten zu finden, werde ich Sie einen Blick hinter die Kulissen meines tantrischen Dramas werfen lassen. Ich werde einige unerhörte Episoden enthüllen, die meine Entwicklung und die Wiederentdeckung des SkyDancing-Tantra tief und nachhaltig beeinflusst haben.

In jedem Kapitel habe ich versucht, drei Komponenten miteinander zu verknüpfen:

1 Ein wahres Abenteuer, das ein Schlüsselmoment in meiner sexuellen und spirituellen Entwicklung und auch in meiner Entwicklung als Lehrerin des Tantra war.

2 Überlegungen zu diesem Abenteuer und die Frage: „Was habe ich daraus gelernt?“

3 Eine kurze und einfache Übung, um Ihnen, dem Leser, einen Weg zu zeigen, wie Sie in Ihrem eigenen Leben von diesen Erfahrungen profitieren können. Wichtig zu erwähnen ist, dass dies kein Tantra-Lehrbuch ist. Ich habe fünf Bücher mit Tantra-Übungen verfasst und es ist an der Zeit für etwas Neues.

Wenn Sie Ihre Tantra-Übungen vertiefen möchten, lesen Sie bitte meine vorherigen Bücher, die eine gründliche und detaillierte Anleitung für die persönliche Tantra-Praxis enthalten.

In diesem Buch lade ich Sie ein, von ganzem Herzen in meine exotische und erotische Saga einzutauchen. Dieses Buch wird Sie über das hinausführen, was die meisten Menschen beim Sex für möglich halten – oftmals auch in schockierende, unvorstellbare Bereiche, wie es das Tantra zu tun vermag.

Um die Grenzen des sexuellen Unwissens zu sprengen, bedarf es einer starken rebellischen Seite, die keine Angst davor hat, der Führung des „Gurus zwischen den eigenen Beinen“ zu folgen. Ich weiß, dass mein Sexzentrum eine Stimme hat – und ich habe gelernt, auf sie zu hören.

Meine Arbeit polarisiert. Lassen Sie mich eine kleine Geschichte dazu erzählen.

Wenn ich in ein Flugzeug einsteige und mich setze, fragt mich die Person neben mir: „Was machen Sie beruflich?“

„Ich bin Schriftstellerin“, antworte ich.

„Ach, wirklich? Worüber schreiben Sie?“, fragt mein Sitznachbar dann.

Worauf ich antworte: „Nun, ich habe ein Buch namens The Art of Sexual Ecstasy geschrieben.“

Schon in dem Moment, in dem ich das sage, weiß ich, dass die betreffende Person entweder für den Rest der Reise nicht mehr mit mir sprechen wird oder nicht aufhören wird, Fragen zu stellen und mir intime Geheimnisse anzuvertrauen.

Auch wenn einige Geschichten in diesem Buch unglaublich klingen, habe ich sie nicht erfunden. Sie sind wirklich passiert. Ich erzähle sie, weil ich glaube, dass jede Geschichte eine Botschaft der Weisheit enthält, nicht nur für mich selbst, sondern auch für andere. Zusammengefasst dienen diese Abenteuer als Sprungbrett, von dem aus man, in die Erfahrung von Liebe, Sex und Erwachen eintauchen und entdecken kann, wie alles miteinander verbunden ist.

Darüber hinaus schreibe ich einer inneren Berufung folgend, mich dafür einzusetzen, dass die sexuelle Unwissenheit beseitigt und das Leid, das aus ihr resultiert, gelindert wird. Ich erzähle in einer lockeren chronologischen Reihenfolge. Doch wie Sie sehen werden, fühlt sich jede Geschichte an, als ob sie jetzt gerade passiert, so dass ich Sie leichter auf die Reise mitnehmen kann.

Als ich mir die einzelnen Geschichten in Erinnerung rief, war diese mehr emotionaler als sachlicher Art. Deshalb liegt mein Fokus nicht so sehr auf der Chronologie, sondern mehr auf den Auswirkungen, die jedes Ereignis auf meine Wahrnehmung der Realität hatte. Letztendlich ging es auch darum, ob die Geschichte mich inspirierte, sie mit anderen zu teilen.

Die Reise beginnt in Paris, wo ich aufgewachsen bin – mit dem berühmten ersten Mal und einer mystischen Erfahrung, die meinem Leben einen neuen Sinn gab.

Es geht weiter mit meiner Entscheidung, nach London zu ziehen, um humanistische Psychologie zu studieren, und endet mit einem einwöchigen Experiment mit Reizentzug, das mich zu der entscheidenden Frage führt: „Wer bin ich?“

In New York erlebe ich meine erste LSD-Reise. Ich stoße auf etwas, was den Eindruck eines vergangenen Lebens im perfekten tantrischen Reich von Shambala, der Wohnstätte der Götter erweckt.

Von dort aus nehme ich am legendären Woodstock-Festival teil und erlebe die Geburt einer liebevollen, wilden amerikanischen Gegenkultur. Während eines Zen-Meditationsabends treffe ich auf einen attraktiven afrikanischen Jazzmusiker, es ist Liebe auf den ersten Blick. Wir leben zusammen. Ich besuche die Arica Mystery School und entdecke den Mystiker Oscar Ichazo.

Nach vielen Jahren und einer herzzerreißenden Scheidung führt mich das Leben nach Indien, wo ich Osho begegne, einen Meister der ,verrückten Weisheitʻ und einen großen Lehrer. Osho verdanke ich einige mächtige Erkenntnisse, von denen eine die Weitergabe des kosmischen Lachens ist – das Geschenk, mich selbst als von meinen egoistischen Besorgnissen losgelöst zu erleben, mit Hilfe der Fähigkeit, über sie zu lachen.

Osho lädt mich ein, die ersten Tantra-Gruppen in seinem Ashram zu leiten, die die sexuellen Tabus und die ungehemmte sexuelle Freiheit erforschen, um die Menschen von Scham, Schuld und Angst zu befreien. Diese radikalen Erfahrungen bilden eine Basis des Vertrauens und der Stärke für meine eigene spätere Lehrtätigkeit.

Als Nächstes beginne ich zu reisen und leite Tantra-Gruppen in Europa und den Vereinigten Staaten. Unterwegs finde ich mich in einem sexuellen Dreier wieder, was mir einen tiefen Einblick gibt, warum das weibliche Geschlecht vom männlichen Geschlecht unterdrückt wurde und in vielen Ländern immer noch wird.

In meinem Bestreben, anderen zu helfen, überwinde ich mich, eine „Yoni-Heilungs“-Sitzung zu demonstrieren. Dies führt zu einer spektakulären Freisetzung von Wut im Kali-Stil, gefolgt von einem tiefen Gefühl der Befreiung.

Diese Arbeit wird der erste Zyklus meines Trainings in Ekstase und Liebe (TEL), das sich auf die sexuelle Heilung konzentriert. Ich treffe einen erfahrenen Yogi. Zusammen erforschen wir in einer Vollmond-Zeremonie die Umwandlung des sexuellen Orgasmus in Glückseligkeit durch die Praxis der tantrischen YabYum-Meditation, die der dritte Zyklus des TEL wird, und den Namen Riding the Wave of Bliss trägt.

In Kalifornien arbeite ich mich durch alle verfügbaren Lehren zum Thema Orgasmus. Ich beschreibe diese Praktiken und wie sie mir die Inspiration gaben, eine Methode zu entwickeln, um Männer und Frauen gleichermaßen zu ehren. Dies wird der zweite Zyklus des TEL: die Entwicklung der multiorgasmischen Reaktion.

Die drei Stufen meiner Ausbildung sind abgeschlossen und meine Arbeiten werden immer bekannter und verbreiten sich rasch. Jetzt ist es an der Zeit, die dunkle Seite des Tantra zu beleuchten und zu versuchen, Antworten und Lösungen für die folgenden Fragen zu finden: Warum missbrauchen so viele tantrische Lehrer ihre Macht? Warum nutzen sie ihre Position um ihre Anhänger und Schüler auszunutzen? Welche Lösungen, um das zu verhindern, gibt es?

Schließlich beschreibe ich im letzten Kapitel des Buches meine persönliche Erfahrung der spirituellen Initiation und eines unerwarteten Erwachens.

Abschließend möchte ich sagen, dass wir alle Glücksritter sind. Wir alle haben Momente großer Freude und höchster Erkenntnis erlebt. Sei es beim Yoga, beim Hören großartiger Musik, in der Liebe, bei der Geburt unserer Kinder – jedes Leben ist von Höhepunkten gekrönt.

Aus diesen besonderen Momenten heraus beginnen wir unsere Suche nach einer Methode, einem Lehrer, einem geografischen Ort, einem Partner, einer Situation, die diese erhabenen Momente wiederaufleben lässt. Geduldig entfernen wir die Schleier der Unwissenheit, die das Licht unserer Seele verbergen. Wir trinken mehr von der Wahrheit und schauen tiefer in das Netz des Lebens und erkennen, dass wir dafür verantwortlich sind, die Realität zu erschaffen, nach der wir streben, und dann, nachdem uns dies gelungen ist, anderen zu helfen, die auch durstig sind.

Die Weitergabe der Lehren meines tantrischen Weges an Tausende von Menschen auf der ganzen Welt hat mir die Möglichkeit gegeben, unsere gemeinsame menschliche Bestimmung aus erster Hand zu erfahren.

Ich hoffe, Sie werden erkennen, dass sich meine Bedenken, meine Fallstricke, meine Schwierigkeiten und meine Suche nicht sehr von Ihrer eigenen unterscheidet. Ich hoffe, dass Sie von dieser tantrischen Saga unterhalten und inspiriert werden und dass sie einen Sinn für das Heilige in Ihr Liebesleben und einen Geschmack des Erwachens in Ihr spirituelles Leben bringt.

Kapitel 1
Enthüllungen einer Jungfrau

Zum ersten Mal in meinem Leben tanzte ich in den Armen eines Prinzen. Aber es war nicht mein Prinz. Das Orchester spielte einen Walzer, und die Geigen umwarben die Tänzer mit romantischen Crescendi. Aber diese Romanze war nicht meine Romanze.

Die Kulisse war exquisit. Vergoldete Spiegel zierten die Wände des eleganten Ballsaals und reflektierten die herumwirbelnden Tänzer. Hunderte von weißen Rosen und Orchideen in prunkvollen Marmorvasen schmückten jede Ecke des Raumes. Mein Begleiter, Prinz Hubert de Polgnac, ein junger Mann Mitte zwanzig, hielt mich fest um die Taille gefasst, als er mich wiegenden Schrittes auf die Tanzfläche führte.

Er hatte eine hohe Stirn, eine aristokratische Nase und widerspenstige braune Locken. Seine blauen Augen strahlten und er zeigte ein schelmisches Lächeln, als wolle er ein Geheimnis lüften. Er flüsterte mir zärtliche Worte zu. Ganz offensichtlich war er verliebt.

Ich war fast achtzehn Jahre alt, eine wohlerzogene, attraktive Debütantin in einem langen, eleganten Kleid mit sich bauschenden Röcken von Christian Dior.

Ich führte das goldene Leben einer jungen Dame der höheren französischen Gesellschaft, die dazu erzogen worden war, reich zu heiraten. Meine Bestimmung war es, mich mit einer guten Familie mit Ruhm, Ansehen und den entsprechenden monetären Mitteln zu verbinden. Meine Mutter, selbst eine Contessa und eine Grande Dame, hatte dafür gesorgt, dass ich auf diese Rolle bestens vorbereitet war.

Als ich mich umsah, bemerkte ich, wie magisch, wie perfekt dieser Abend war, und doch schien alles so unwirklich. Ein mysteriöser Teil in mir fühlte sich komplett fehl am Platz. Mein Magen krampfte sich zusammen – ein vertrautes Gefühl, als ob etwas in mir wollte, dass ich weglaufe, als ob ich auf der falschen Bühne stünde, mich im falschen Stück befände.

Egal wie gut ich die Rolle spielte, meine Seele gehörte nicht hierher. Insgeheim gehörte mein Herz dem anderen Paris, dem Paris der Nacht mit seinen dunklen Gassen, in denen Prostituierte ihre Reize feilboten, Betrunkene sich stritten und Künstler der Muse hinterherjagten. Natürlich zeigte ich in dieser High-Society-Umgebung mein anmutigstes Lächeln, insgeheim aber sehnte ich mich danach, aus dem goldenen Käfig auszubrechen.

Meine Flucht hatte bereits begonnen. Heimlich führte ich ein Doppelleben. Um Mitternacht bat ich höflich um Erlaubnis, „nach Hause zu gehen“. Leider rief Hubert seinen Chauffeur und stieg selbst mit in das Auto ein. Ich gab dem Chauffeur eine andere Adresse – und fuhr nicht nach Hause. Das wusste natürlich niemand.

Ich sagte, ich sei bei meiner Tante zu Besuch.

Das war eine glaubhafte Ausrede. Von jungen Debütantinnen wurde erwartet, dass sie ein ehrenhaftes, jungfräuliches, wohlbehütetes Leben im Schoße ihrer Familien führten. Diejenigen, die eine gute Partie machen wollten, hielten sich an die Spielregeln. Aber mich interessierte das nicht. Ich hatte andere Pläne.

„Meine Eltern haben uns morgen Abend zum Abendessen ins Maxim eingeladen“, sagte Hubert und nahm meine Hand. „Bist du frei?“

„Ja“, sagte ich, „ich würde mich freuen.“

Das Maxim war das eleganteste Restaurant in ganz Paris. Warum diese Einladung? Was wäre, wenn es ein erster Schritt in Richtung eines Heiratsantrags wäre?

Einen solchen Antrag konnte ich keinesfalls annehmen, aus einem einfachen Grund: Ich war in jemand anderen verliebt: in Richard, meinen verrückten, wilden, unkonventionellen amerikanischen Maler und Flamencogitarristen. Jede Faser meines Wesens begehrte ihn. Eine Berührung seiner Hand jagte mir Schauer über den Rücken. Zwischen uns prickelte es immens. Doch er gehörte weder zu meiner Welt noch war die Leidenschaft, die er in mir entfesselte, in ihr erlaubt.

Der Chauffeur hielt vor dem Gebäude an der 52 Avenue Foch. Ich hatte Glück, denn dies war eine der schönsten Alleen in Paris. Es handelte sich offensichtlich um eine gute Adresse. Die Geschichte mit meiner Tante war durchaus überzeugend. Nach einer platonischen, aber zärtlichen Umarmung verließ ich den Prinzen und ging durch die imposante Haustür des Gebäudes in Richtung Aufzug. Ich stoppte und sah mich um. Die Straße draußen war leer. Huberts Auto war weg. Auf Zehenspitzen schlich ich zu einer Tür auf der Rückseite der Eingangshalle mit der Aufschrift „Porte de Service“ und trat in ein schmales, graues, eher schmutziges und unansehnliches Treppenhaus, das zu den Quartieren der Diener hinaufführte.

Die Treppe bis in den siebten Stock hochzusteigen ohne Aufzug, war eine gewisse Herausforderung. Ich trug ein langes weißes Ballkleid und ich musste unbedingt vermeiden, dass auch nur der kleinste Fleck auf die wogenden Falten des langen Rockes gelangte. Nichts durfte mein Geheimnis verraten.

Ich ging bereits ein großes Risiko ein. Ich sollte um Mitternacht zu Hause sein. Vater wartete wahrscheinlich schon auf mich, um sicherzugehen, dass ich pünktlich war. Unvorstellbar, ich käme zu spät nach Hause in einem weißen, beschmutzten Kleid.

Die Röcke raffend stieg ich die Treppe hoch, langsam und ohne das leiseste Geräusch. Mit jeder Stufe, die ich erklomm, schlug mein Herz schneller.

Wie immer beschlich mich das dumpfe Gefühl, „der Oger“, mein mächtiger, patriarchalischer Vater, der Hüter meiner Jungfräulichkeit, der wie ein Falke über die Aktivitäten seiner Tochter wacht, während er selbst viele Nächte damit verbrachte, Mädchen in meinem Alter zu verführen, schliche direkt hinter mir.

Ich war mir der Heuchelei der Welt, in der ich aufgewachsen war, schmerzhaft bewusst. Ich erlebte sie zu Hause, beobachtete, wie meine Mutter, die aufrechte, perfekt elegante Contessa, die Stellung hielt und die Ehre der Familie bewahrte, während mein Vater tagsüber die Rolle des tadellosen Diplomaten spielte, nur um bei Nacht zu einem wild Feiernden und Frauenhelden zu werden. Ich beobachtete, wie meine stolze, stille, pflichtbewusste Mutter nachts allein dasaß, die schnurrende Katze auf ihrer Brust, während mein Vater durch das Pariser Nachtleben tanzte. Das war der Moralkodex, nach dem sie lebten. So sollte es in einer Welt sein, die von mächtigen Aristokraten geprägt war. War ich bereit, dem Club beizutreten?

Mit jedem Schritt die Hintertreppe hinauf schien es mir, als würde ich die Tyrannei meiner gesellschaftlichen Klasse und die Unterdrückung des Patriarchats ein Stück weiter hinter mir lassen. Ja, ich hatte wie ein Gefangener in meinem eigenen Zuhause gelebt, nicht gesehen oder geliebt, für das, was ich war, sondern für das, was ich in der Schule leistete, wie ich mich anzog, wie perfekt ich die Rolle der „guten Tochter“ spielte und wie ich meine Aufgaben erfüllte. Das Leben bis dahin bestand aus einer langen Reihe von Regeln und sorgfältig erlerntem Verhalten, die als unsichtbarer Kodex der gesellschaftlichen Ordnung befolgt werden mussten. Ich kannte noch keine andere Welt, aber ich wusste, dass ich in dieser Welt nicht mehr gefangen sein wollte.

Vor mir lag das Unbekannte, das Versprechen auf ein neues Leben. Ich wurde von dem Gefühl getrieben, dass ich mich beeilen musste, dorthin zu gelangen, dass dieser Moment von größter Bedeutung war. Mit jeder Stufe, die ich erklomm, schien ich eine neue Welt voller Freiheit und Leidenschaft zu erobern.

Schritt für Schritt kletterte ich empor, die graue, verborgene Welt derer, die so hart arbeiteten, um dem Willen anderer zu dienen, hinter mir lassend. Ich umschlang mein Cinderella-Kleid und fühlte einen Schauer der Angst. Vielleicht würde ich am Ende einen hohen Preis für meine Freiheit bezahlen. Würde ich auf die Straße geworfen und dazu gezwungen werden, an einem solchen Ort zu leben, in einem winzigen Dachzimmer, ohne Geld?

Noch eine Stufe. Dann endlich, stand ich vor Richards Studentenwohnung. Ich öffnete die Tür und da stand er. Als ich ihn ansah, überflutete mich eine so große Freude, dass ich kaum aufrecht stehen konnte. Ihn zu sehen, war wie direkt in die Sonne zu blicken.

„Ich fühlte, dass du kommst!“, sagte er, öffnete seine Arme weit und umarmte mich. Ich bin nach Hause gekommen, sagte ich mir. Ich kann meine Sorgen ruhen lassen und die Herrlichkeit auskosten, geliebt, bewundert, angenommen zu werden, und ich kann all das von Herzen zurückgeben.

Richards winzige Wohnung war ein umgebautes Dienstmädchenzimmer – klein, aber hell. Ich war schon oft dort gewesen, um seine Gesellschaft zu genießen, seinen leidenschaftlichen Flamenco-Serenaden zuzuhören und mich in seinen Armen auszuruhen. Bis dahin hatten wir geflirtet und uns geküsst, aber ich hatte mich nicht ausgezogen und er hatte meine Grenzen respektiert.

Jedes Mal, wenn ich bei ihm zu Hause war und mich in seine Arme kuschelte, wuchs die Sehnsucht in mir nach Freiheit und Aufbruch. Aber auch die Angst vor dem Zorn meines Vaters. Warum konnte ich nicht das Beste aus beiden Welten haben: nach außen hin die wohlerzogene Debütantin und hinter den Kulissen eine ungehemmte Frau? War die Verkostung verbotener Früchte nicht das ultimative Abenteuer?

Ich spürte es gewiss in jenem Moment, als ich Richards Geruch einatmete: eine Mischung aus Farbe, Tabak und dem Schweiß eines Mannes, der vom Leben begeistert war. Sein Geruch war so sinnlich. Er öffnete seine Arme, ließ mich los und trat ein paar Schritte zurück.

„Lass mich dich ansehen“, sagte er.

Ich setzte das „hübsch-lächelnde“ Gesicht auf, das ich beim Ball zur Schau gestellt hatte, drehte mich herum und präsentierte mein Kleid. Warum fühlte ich mich in seiner Gegenwart so erhitzt und schüchtern? Bei den anderen fühlte ich mich nie so. Ich versuchte ihn mir im Smoking, als meine Begleitung auf dem Ball vorzustellen. Wie gerne hätte ich ihn dort an meiner Seite gehabt, anstatt mich zwischen zwei Welten hin- und hergerissen zu fühlen. Aber er hatte weder den Namen noch die familiäre Herkunft, das Geld oder die Manieren. Dafür war er sexy und so viel amüsanter.

„Du bist wunderschön“, sagte er. „Eine majestätische Jeune File Bien Rangée.1

Er knickste, lachte und gab mir einen Kuss, der durch meinen Körper direkt in meine Lenden fuhr.

Er bot mir Wein an. Ich bat um Wasser. Er hieß mich hinzusetzen, spielte Gitarre und sang Flamenco-Serenaden, während er mir tief in die Augen sah. Ich sang mit ihm. Nach und nach begannen wir ein Duett im Flamenco-Stil, mit leidenschaftlichem Klagen und Stöhnen, wie zwei spanische Liebhaber, die sich aus der Ferne nach einander sehnen.

Wir waren wie zwei Instrumente, die sich vor einem Konzert auf die richtige Tonhöhe einstimmen. Jedes Mal, wenn wir einen gemeinsamen Ton erreichten und ihn auf eine Melodie ausdehnen konnten, wurden unsere beiden Stimmen eins, unsere Energien wurden freigesetzt in dieser spielerischen Vereinigung unserer Seelen. Richard war so aufgeweckt und leidenschaftlich, ich fühlte mich erregt und sehnte mich danach, ihn zu berühren.

Ich hatte ihm noch nicht gesagt, dass ich spätestens um Mitternacht zu Hause sein musste und es bereits zu spät war. Als ob er meine Gedanken oder mein Herz lesen könnte, legte er seine Gitarre beiseite und nahm meine Hand.

„Kannst du heute Nacht bleiben?“, fragte er.

Ich war überrascht. Er wusste, dass ich nach Hause musste. Das war bisher immer der Fall gewesen. Doch plötzlich erschien mir diese neue Idee unwiderstehlich reizvoll. Eine Nacht weg von zu Hause, jenseits von Regeln, jenseits von Grenzen.

„Vater würde mich umbringen“, sagte ich.

„Er muss es nicht wissen“, antwortete er.

„Was meinst du damit?“

„Nun, geh den Weg zurück, auf dem du hergekommen bist“, antwortete er.

„Das könnte funktionieren“, sagte ich. „Wir haben auch zu Hause eine Dienstbotentreppe. Ich könnte sie benutzen.“

Nach weiterer Diskussion einigten wir uns auf ein Szenario, bei dem ich um 6:00 Uhr morgens zu Hause sein würde. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn ich aufflöge. Inshallah, wie man im Nahen Osten sagt: „Ich legte es in die Hand Gottes.“

Dann entspannte ich mich. Er nahm mich in seine Arme, aber das Korsett meines Kleides war straff und eng. Also fing er an, den Reißverschluss zu öffnen, während er mich küsste. Ich ließ es zu. Langsam, Kuss um Kuss, Liebkosung um Liebkosung, öffnete er geschickt mein Kleid vollständig und zog es bis zu meiner Taille herunter. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich so nah bei einem Mann stand, während ich so spärlich gekleidet war. Wir zeigten in meiner Familie unsere Zuneigung nicht durch körperliche Berührungen. Meine Eltern umarmten sich nicht vor mir. Jetzt weckte dieser Kontakt eine solche Sehnsucht in meinem Körper, als wäre ich mein ganzes Leben lang durstig gewesen und hätte es nicht gewusst.

Als seine Hände über meine Haut glitten, fegte seine sanfte Berührung Jahre der Verunsicherung hinweg. Seine Zärtlichkeit heilte das Gefühl, „vor Gericht“ zu stehen, beobachtet und bewertet von meinem Vater, dem Familienanwalt. Auch von meiner Mutter wurde ich selten umarmt oder berührt – sie hatte schon längst jeglichen körperlichen Kontakt aufgegeben. Ich war traurig, weil ich bei meinen Eltern lebte. Ich liebte sie, und es war diese Liebe, die es so schmerzhaft machte, bei ihnen zu sein. Meine Seele fühlte sich in ihrer Gesellschaft erstickt. Die Emotionen konnten nirgendwo hin: Ich wusste nicht, was ich mit ihnen machen, wie ich sie ausdrücken sollte.

Durch das Streicheln von Richards Hand wurde all dies gelöscht, geheilt, wieder in Ordnung gebracht. Ich ertrank in Richards lächelnden Blick. Da war so viel Akzeptanz in seinen Augen, dass ich das Gefühl hatte, dass nichts Böses im Herzen dieses Mannes lauern könnte. In seinen Armen war ich sicher. Ungeachtet der Vorhaltungen, die mir zu Hause drohten, konnte ich nur meinem Herzen und meinem Körper folgen, und beide wurden zu ihm hingezogen, näher, tiefer, alle Gedanken, alle Belange der Zukunft hinter sich lassend. In diesem Moment war das alles, was zählte.

„Ich liebe dich“, flüsterte er.

„Ja“, sagte ich, „und ich liebe dich.“

Diese Worte. Wir hatten sie in jedem Lied gehört, im Radio, im Kino. Aber jetzt gehörten sie uns. Sie meinten: „Du bist derjenige, mit dem sich meine Seele und mein Körper verbinden wollen.“

Die Freude, die sich in meinem Herzen ausbreitete, ließ mich entspannen und jeden letzten Rest von Zögern vergessen. Als ich meinen Kopf zum Fenster, neben dem Bett, auf dem wir lagen, drehte, sah ich einen runden silbernen Mond hereinscheinen.

„Heute Nacht ist Vollmond“, flüsterte Richard, seine Lippen näherten sich meinen. „Es ist unsere Nacht.“

Ich konnte seinen Atem schmecken. Seine Lippen legten sich an meine und sein Mund öffnete sich, genau wie meiner, und unsere Zungen trafen sich und wir tranken tief voneinander. Meine Wirbelsäule begann zu zittern und zu beben, als der Kuss einen elektrischen Reflex auslöste und ein Stromstoß meinen Rücken hinunter bis zu meinem Kreuzbein jagte. Jetzt wusste ich, dass es kein Zurück mehr gab. Ich hatte mein ganzes Teenagerleben lang auf diesen Moment gewartet und über die Umstände, die Zeit und die Art und Weise fantasiert, wie ich eine Frau werden würde.

Nun würde ich endlich auf diese so genannte kostbare Jungfräulichkeit verzichten, kostbar zumindest in den Augen meines Vaters, da er es liebte zu wiederholen: „Denk immer daran, bleibe Jungfrau, bis du heiratest, sonst verlierst du den Respekt der Männer.“ Was für ein lästiger Zustand, dieses Bemühen, eine Jungfrau zu sein, um die Anerkennung anderer zu erlangen. Wozu sollte ich schließlich den Respekt eines anderen brauchen? Ganz sicher war meine Selbstachtung genug.

Mit jedem köstlichen Kuss erwachte in mir etwas Unbekanntes und Mächtiges. Jede Liebkosung war eine Offenbarung, eine Befreiung. So wie Richard das Kleid von meinem Körper gestreift hatte, so durchbrach seine liebevolle Berührung den Schutzpanzer, der mein Herz abschnürte, heilte es und löste den Knoten in meiner Seele.

Plötzlich ein Zögern. Ich wusste, warum: Bis jetzt hatte ich einem anderen Mann gehört. Meinem Vater. Es war mein Vater, der mich mit sechzehn Jahren in das Pariser Nachtleben eingeführt hatte. Es war mein Vater, der mich zum Tanzen in die Diskotheken mitgenommen hatte. Wenn wir seine Freunde trafen, wies er mich an, ihn bei seinem Namen Boris zu nennen. Er wollte nicht, dass jemand wusste, dass ich seine Tochter war. Er mochte es, wenn die Leute dachten, ich wäre seine Freundin. Darin lag etwas Ungesundes und Einschüchterndes, und im Laufe der Jahre war Vater ungewöhnlich beschützend und besitzergreifend geworden, als wäre ich „sein Eigentum“, fast eine zweite, jüngere Frau.

Richard fuhr fort, mich auszuziehen. Ich erkannte, dass ich das gleiche Kleid trug, das ich auf meinem ersten Debütantinnenball getragen hatte, als Vater, mürrisch und schlecht gelaunt, seine „jüngere Frau“ offiziell in die Gesellschaft und in die Gesellschaft anderer Männer entlassen musste.

Es war eine prestigeträchtige Angelegenheit gewesen. Sie hatte im Palais de Versailles stattgefunden, der prächtigen Residenz von König Ludwig dem XIV., le Roi Soleil, dem „Sonnenkönig“. Als wir im majestätischen Innenhof von Versailles ankamen, stiegen wir aus der Limousine und traten auf einen roten Teppich. Wir schritten zwischen zwei Reihen Ehrengardisten hindurch, die im vollen Ornat auf ihren Pferden saßen. Das Schwert in der Hand (sabre au clair) salutierten sie der, zu dieser raren Gelegenheit komplett versammelten besseren Pariser Gesellschaft, „tout Paris“. Schließlich wurde ich Prinzessin Marie de Bonaparte, der Urgroßnichte Napoleons höchstpersönlich, vorgestellt und knickste.

In gewisser Weise waren es dieses Debütantinnenleben, dieser Abend, dieser Moment des Betretens des verheißungsvollen Landes der High Society, die Richard zusammen mit dem langen Ballkleid langsam von meinem Körper abstreifte. Der Kaiserin wurden die Kleider ausgezogen, ihre Nacktheit wurde langsam enthüllt.

Richard ließ sich Zeit. Ich mochte diese Langsamkeit. Ich konnte seinen Respekt spüren. Er wusste, dass ich noch Jungfrau war. Er wollte die Dinge nicht überstürzen. Ich konnte mir die Zeit nehmen, die ich brauchte, um jeden Schritt zu erspüren und meinen Körper daran zu gewöhnen. Oh, mein Körper stand in Flammen. Ich wollte ihn. Ich wollte ihn sofort. Ich wollte ihn schon seit Monaten. Mein Problem bestand darin, dass ich, als die Intensität unserer Erregung zunahm, in einige ziemlich unangenehme, aber aufschlussreiche Rückblenden verwickelt wurde, als ob seine Küsse die Erinnerung an einige der traumatischsten Ereignisse meines Lebens wachriefen. Vielleicht war unser Paarungsritual wie ein Seelentrip, eine Katharsis.

Ich stürzte mich tiefer in das Auf und Ab unserer Liebkosungen. Dann streichelte er meine Brüste, küsste meine Brustwarzen. Es war das erste Mal, dass jemand das tat. Lustschauer liefen meinen Bauch hinab. Ich atmete tiefer, ließ mich treiben und ließ es geschehen. Alles fühlte sich gut an, aber ich hatte Angst und war aufgeregt. Ich konnte spüren, wie sich mein Körper ausdehnte, verlangte, sich öffnete.

Dann zogen sich die Schlingen der Angst enger um mich zusammen und alles verkrampfte sich. Doch da umschloss er meine Brüste mit seinen Händen und flüsterte: „Ich liebe dich“, und wieder ließ mein Körper los, ließ sich davontragen von einem Strom heißer, fließender Energie. Das Herz schlägt schneller, das Blut rauscht, die Atmung geht stoßweise. Jede Zelle vibrierte und tanzte, als ob sie mit Strom aufgeladen wäre, und pulsierte vor Erwartung.

Dann zog Richard seine Kleider aus und schmiegte sich nackt an mich. Ich spürte seine Haut an meiner, seinen Geruch und sein Geschlecht, hart an meinem linken Oberschenkel. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es sich in mir anfühlen würde. Plötzlich war ich zurückhaltend. Was ist, wenn es wehtut?

„Lass uns langsam machen“, flüsterte ich. Richard hielt mich fest. Ich erlebte eine weitere meiner schmerzhaften Rückblenden.

„Warte mal, ich habe Angst“, flüsterte ich.

„Es ist okay“, antwortete er. „Ich bin hier. Ich liebe dich. Alles ist in Ordnung. Wir müssen nicht weitergehen. Es gibt nichts zu tun, nichts, wohin wir gehen müssten.“

Ich gehe von der Schule nach Hause. Ich bin ungefähr elf Jahre alt. Es ist gegen fünf oder sechs Uhr abends, und der Herbst geht in den Winter über. Das Tageslicht verblasst schnell. Ich spüre jemand in meinem Rücken. Ich gehe schnell um die Ecke und betrete mein Haus. Ein Mann folgt mir. Ich steige in den Aufzug und drücke den Knopf für den vierten Stock, aber bevor der langsame, alte Fahrstuhl sich in Bewegung setzt, ist der Mann da, drückt die Aufzugstür auseinander und tritt ein. Die Fahrt nach oben beginnt. Ich schaue auf den Boden und tue so, als wäre alles in Ordnung. Der Mann lässt seinen Aktenkoffer fallen, öffnet seinen Mantel, öffnet seinen Hosenschlitz und holt seinen Penis heraus.

Zweiter Stock: Sein Geschlechtsteil ist hart und zeigt bedrohlich auf mich. Ich bin wie versteinert. Der Aufzug ist klein, geeignet für maximal drei Personen. Ich drücke mich in eine Ecke, aber ich kann nicht weiter zurückweichen.

Dritter Stock: Er kommt näher, keuchend, mit einem irren Ausdruck in seinen dunklen Augen. Ich merke, dass das Einzige, was mich jetzt noch retten kann, darin besteht, jemand auf meine Lage aufmerksam zu machen. Ich beginne, aus tiefster Kehle zu schreien, so laut, dass der Perverse zusammenzuckt. Meine Schreie hallen ununterbrochen durch den Aufzugsschacht.

Vierter Stock: „HILFE! VERGEWALTIGUNG! AU SECOURS! A LʼAIDE!“ (Zu Hilfe!) Jetzt ist der Bann gebrochen, der Mann hat Angst. Der Aufzug hält an, er stürzt hinaus und ich laufe die letzte Treppe hinauf zu unserer Wohnung, betend, dass er mir nicht folgt. Das tut er nicht. Ich läute an der Tür, als gäbe es kein Morgen.

Meine Mutter kommt, erzürnt über den Lärm. Ich rase ins Wohnzimmer und breche zusammen. Mein Herz schlägt. Ich bin so verängstigt, schwitzend, steif gefroren. Noch ein paar Minuten und sein steifes Ding hätte mich umbringen können. Was für eine Waffe! Zu denken, dass es das ist, was Jungs mit Mädchen machen. Wie seltsam. Ich brauche Schutz. Vater wird mich beschützen. Er kommt rein.

„Was ist los hier?“, verlangt er zu wissen. Ich kann noch nicht sprechen. Schließlich erzähle ich. Ich weine. Ich bin mir so sicher, dass Vater mich jetzt endlich festhalten und mir Trost, Zuflucht und Sicherheit bieten wird.

Zu meinem Erstaunen lächelt er, als ob er von der Geschichte amüsiert wäre. Er wischt sie fast beiseite. Er tut so, als wäre es keine große Sache. Ich fühle mich ungeliebt, unverstanden, wieder allein. Es gibt niemanden bei mir zu Hause, der sich um mich kümmert.

Vorsichtig rückte Richard näher und die Rückblende verblasste. Als er mich festhielt, fühlte ich, dass ich endlich den Schutz erhielt, den ich nie bekommen hatte. Ich tauchte aus der Trance auf und behielt die unangenehme Erinnerung für mich. Ich erkannte, dass meine einzige Hoffnung, diese alten Traumata zu heilen, darin bestand, mich dem Vergnügen dieses Moments hinzugeben und mein Herz offen zu halten. Vergiss alles andere. Vertraue. Atme. Unbeabsichtigt stolperte ich über einen Weg der Heilung, den ich später als Teil meiner Arbeit weiterentwickeln würde und der zu einem der Eckpfeiler meines gewählten Handwerks werden würde: das Vergnügen zu begrüßen, tief zu atmen und den Empfindungen zu erlauben, das Denken zu vergessen.

Als Richard und ich sanft begannen, uns zu liebkosen und zu streicheln, entführte uns das Verlangen jenseits allen Denkens, ließ uns die Vergangenheit weit hinter uns lassen. Richard schob sich zwischen meine Oberschenkel, kniete dort nieder und sah mich anbetend an. Unter seinen Blicken dahinschmelzend, öffnete ich meine Arme und zog ihn zu mir. Er lag auf mir, sein starker, erigierter Penis gegen meinen Schambereich pressend. Als er meinen Körper mit Küssen bedeckte und meine Atmung tiefer und wilder wurde, brach ein Damm und eine Hitzewelle strömte hinab zwischen meine Beine, bis dahin, wo alles feucht wurde und wartete. Er berührte mich an dieser Stelle, und ich wollte ihn so sehr, dass nichts mich davon abhalten konnte, mich zu öffnen.

In der Intensität unserer Bewegungen verwischten sich die Emotionen, die Angst, die Sehnsucht, die Aufregung. Dafür erwachte etwas anderes in mir, eine so neue Empfindung, dass ich sie nicht begreifen konnte, ein Gefühl, leicht nach oben gehoben zu werden, über meinen Körper zu schweben.

Richard war zärtlich doch stark erregt. Sein Geschlecht kam immer näher, schob sich tiefer zwischen meine Beine. Etwas gab in mir nach, dort unten, Tränen flossen, und sein Penis schob sich tiefer und brannte wie eine Klinge, die die Vergangenheit durchschneidet. Was mich bis zu diesem Moment gefesselt hatte, wurde zu einem Damm, der brach und die Lebens- und Liebessäfte zum Fließen brachte, und die Unbesiegbarkeit unserer Freiheit kam zum Vorschein, die auf dem Grund meines Seins ruhte.

Wieder küsste und streichelte Richard mich und die Lust und das Vergnügen wuchsen und wuchsen. So vereinigten wir uns. Immer tiefer und tiefer drang er in mich. Ich wusste nicht, wo ich endete und er begann, wer er war, außerhalb von mir. Er wurde ich, wir verschmolzen, wild, größer werdend als das Leben, sich ausdehnend, anschwellend, pochend, zusammen atmend. Mein ganzer Körper kribbelte, Zellen pulsierten, flüssiges Licht durchströmte golden meine Glieder, während ich immer höher und höher stieg, angefüllt mit so viel Liebe und erotischer Lust. Eine wilde Energie rief, weinte, lachte, sang die Kraft des Orgasmus, das Lied des Lebens. Es war so heilsam, endlich wild zu sein.

Dann hob ich ab. Etwas noch nie Dagewesenes geschah. Ich verlor die Kontrolle, war vollkommen überwältigt, es war, als würde ich in den Weltraum katapultiert. Mein ganzes Wesen begann sich aufzulösen. Ich befand mich inmitten eines Strudels von Chaos, Aufregung, Lust, Erzittern und Erbeben, Schreien, eines nahenden Höhepunktes, bis plötzlich das Leben wie eine Flutwelle durch uns hindurchbrandete und wir den Höhepunkt erreichten.

Zeitgleich fiel alles von mir ab, als wäre ich ein schöner Ballon, der in den Himmel schwebt und leise über die Erde gleitet, leicht, weit weg – von allem.

Unerwartet herrschte eine intensive Stille, als ob der sexuelle Orgasmus ein Katapult gewesen wäre, um Energie und Bewusstsein über Zeit und Raum hinaus in ein Reich glänzender Strahlkraft und des Friedens zu schleudern. In diesem Moment war von dem „Ich“, das ich vorher gekannt hatte, nichts mehr übrig. Alle Gefühle von Schmerz und Trauma, alle Konflikte und Sehnsüchte hatten sich in Luft aufgelöst. Es existierte dort keine Person, die „Margot“ oder einen anderen Namen hätte tragen können. Dieses „Ich“ war verschwunden und war zu reiner Weite geworden. Mein Bewusstsein war irgendwie über alles hinausgetragen worden, was ich in diesem Leben je gekannt oder geschmeckt hatte.

„Es“ navigierte in einem leuchtenden Feld, in dem alle Dinge zu einem Ganzen miteinander verbunden waren. Kein Wesen war von irgendeinem anderen getrennt, auch nicht der Himmel von der Erde. Ich berührte und schmeckte und badete in jenem unendlichen Geist, der nie geboren wurde und nie sterben wird. Ich transzendierte die Zeit. Der Orgasmus hatte mich über den Körper hinaus in das Reich des reinen Bewusstseins projiziert, und ich wusste ohne jeden Zweifel, dass meine wahre Natur Freiheit war – und diese Freiheit existierte jenseits der Regeln der Gesellschaft, der Gebote meiner Eltern, jenseits dessen, was ich in der Schule gelernt hatte, oder jeder anderen Erfahrung. Ja, meine wahre Natur war reines, unberührbares, unveränderliches Bewusstsein, das Teil der göttlichen Schöpfung war, ein Geheimnis, im Wesentlichen nicht benennbar.

Erstaunlicherweise brauchte ich einen Orgasmus, um dorthin und noch darüber hinaus zu gelangen.

In diesem gesegneten Moment wusste ich, dass ich eins war. Dass ich Gott bin. Ein immenses Gefühl der Dankbarkeit breitete sich in meinem Herzen aus, als ich in den Armen meines Geliebten lag. Diese Weite, dieses leuchtende Gewahrsein erfüllte mich mit Freude und der Leichtigkeit einer Wahrheit, die immer da gewesen, aber vergessen worden war. Ich hatte das Licht berührt, das ich war, bevor ich mich in diesen Körper inkarnierte, zu dem ich nach dem Verlassen dieses Körpers zurückkehren würde. Ich wusste es damals und würde es nie wieder vergessen.

Für eine Weile ruhten wir uns aus, bis das schrille Klingeln von Richards Wecker unsere Schläfrigkeit durchbrach und mich daran erinnerte, dass es Zeit war, in mein bisheriges Leben zurückzukehren. Mein Leben vor der Befreiung, vor der „Entjungferung“. Die neue „Frau“ musste zurückgehen und die Jungfrau spielen.

Langsam stand ich auf und zog mein Kleid an. Es würde komisch aussehen, wenn ich um 5:00 Uhr morgens in einem Ballkleid durch die Straßen wandern würde, also brachte mich Richard zur Taxistation. Eine letzte Umarmung und ich war auf mich allein gestellt. Ich würde das nächste Manöver perfekt durchführen müssen. Ich erreichte die Eingangstür meines Elternhauses und folgte unserem Plan. Ich nahm die Dienstbotentreppe und raffte mein weißes Kleid hoch, damit es nicht beschmutzt wurde. Leise, langsam, heimlich drehte ich den Schlüssel im Schloss und hoffte, betete, dass niemand mich hörte. Zum Glück funktionierte es. Ich war in Sicherheit!

Was ich gelernt habe

Wenn Sie denken: „Das liest sich wie ein romantischer Roman, den Sie am Flughafen kaufen, um sich die Zeit auf einem langen Flug zu vertreiben“, dann kann ich nur zustimmen. Doch zufällig ist es wahr – jedes Wort davon. Dieses Ereignis wurde zu einem Wendepunkt in meinem Leben. Ich fragte mich, ob es angebracht war zu denken, dass ich in diesem Moment der Erleuchtung Gott begegnet war. Eine interessante Antwort auf diese Frage fand ich in Shantaram, dem Buch von Gregory David Roberts:

„Willst du damit sagen, dass Licht Gott ist?“

„Nein“, antwortete er. „Ich glaube nicht, dass Licht Gott ist. Ich denke, es ist möglich, und es ist vernünftig zu sagen, dass Licht die Sprache Gottes ist. Das Licht mag der Weg sein, auf dem Gott zum Universum und zu uns spricht.2

Auf jeden Fall war dieser kosmische Orgasmus, wie ich ihn jetzt nenne, in meinem Leben von einzigartiger Bedeutung, denn seit dieser Erfahrung weiß ich ohne Zweifel, dass Sexualität für mich die Tür zur Spiritualität ist. Ich weiß, dass beides eng miteinander verbunden ist – und das offenbarte mir eine neue Welt der unendlichen Möglichkeiten.

Es gibt einen Orgasmus des Körpers und einen Orgasmus des Geistes. Vereint man beides, bedeutet das reine Glückseligkeit. Für mich ist es der Beweis, dass „Gott Orgasmen hat“. Seither weiß ich, dass Vergnügen und Glückseligkeit kein Luxus sind, sondern die Belohnung derer, die es wagen, ihrer Wahrheit zu folgen, jenseits der anti-ekstatischen Einstellungen, die Gesellschaft und Erziehung in unserem Gewissen verankert haben.

Diese Nacht der Offenbarung geschah zum Teil, weil ich mich bewusst dafür entschieden hatte, die Regeln zu brechen. Ich blieb die ganze Nacht von zu Hause weg, ohne Rücksicht auf die Folgen, und ich bot meine Jungfräulichkeit dem Göttlichen dar. Das war es definitiv wert.

Die Rebellion gegen meine Eltern und die Gefahr, entdeckt zu werden, machten den Moment des verbotenen Vergnügens noch intensiver. All diese Faktoren führten zu einem unvergesslichen Erlebnis der Befreiung.

In dieser Nacht habe ich mir geschworen, dass ich mein Leben, alsbald ich das gesetzliche Alter der Unabhängigkeit erreicht habe, nach meinen eigenen Regeln leben werde. Einen Schwur, den ich bis heute gehalten habe.

Diese Nacht war auch in weiterer Hinsicht bahnbrechend für mich. Aufgrund dieser schönen ersten sexuellen Erfahrung vertraute ich dem Sex, vertraute meinem Körper, und fühlte mich darin bestätigt, dass Männer großartige Liebhaber sein können. Ich hatte eine positive Prägung erfahren. Später, als ich mit Menschen auf der ganzen Welt arbeitete, wurde mir klar, welchen großen Einfluss die erste sexuelle Erfahrung auf das Leben haben kann. Ich bin Richard dankbar, dass er so ein makelloser Shiva ist.

Aber es gab ein Geheimnis in dieser Erfahrung, und es dauerte dreißig Jahre, bis ich es verstanden hatte. Ich erzähle diese Geschichte später in diesem Buch. Meine erste Liebe führte zu meinem ersten Orgasmus, der sich als Sprungbrett zu etwas viel Stärkerem und Überwältigendem erwies. Ich erlangte einen Bewusstseinszustand, der jenseits des Körpers und seiner angenehmen Empfindungen liegt, zu meiner Überraschung sogar jenseits des Gefühls der Intimität mit meinem Liebhaber.

Stellen Sie sich dieses Paradoxon vor: Wir hatten so lange auf diesen Moment gewartet, es hatte sich wie eine Ewigkeit angefühlt. Wir waren so begierig, doch als wir uns durch die Tür des Orgasmus bewegten, verschwanden er und ich auf der anderen Seite und wurden – unwichtig.

Wie erstaunlich! Es waren nicht unsere Körper, nicht unsere Sinne, nicht die Tatsache, dass wir ein Mann oder eine Frau waren, nicht unsere Verliebtheit, die zählten. Was wir erlebten, war universell, expandierend, grenzenlos, zeitlos.

Diese Erfahrung, wie ich später entdecken sollte, ist Tantra. Es ist das Verweben von Energie und Bewusstsein, das uns zu unserer wahren Natur führt, die unendlich und ewig ist, die Licht ist.

Es mag für die meisten Liebenden unerreichbar erscheinen, aber diese Art von Erfahrung ist nicht so ungewöhnlich, wie es erscheinen mag. Als Lehrerin für Tantra habe ich Tausende von Menschen darin eingeführt und angeleitet, ihre Sexualität zu erforschen, und ich weiß, dass viele Menschen im Moment des Orgasmus einen Blick auf meditative Zustände erhaschen, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint, der Geist still und geräumig wird und körperliche Empfindungen über die Grenzen des Körpers hinaus zu expandieren scheinen.

Was in meinem Fall ungewöhnlich war, war, dass alles auf einmal geschah: mein erster Geliebter, meine erste sexuelle Erfahrung, mein erster Orgasmus und mein erster Blick auf das reine Bewusstsein.

Damals hatte ich keine Ahnung, wie so etwas passieren konnte. Später wurde mir klar: Es bedarf keines vorherigen Trainings, um sich dem Vergnügen und den ekstatischen Erfahrungen hinzugeben und diese Zustände als Meditation willkommen zu heißen, losgelöst vom physischen Körper. Es erfordert einfach Gelegenheit, Mut und das Verständnis, dass jeder von uns ein orgastisches Wesen ist mit unendlichem orgastischem Potenzial.

Warum Mut so wichtig ist?

Weil die Entscheidung, sich der Erforschung der Geheimnisse der sexuellen Energie zu widmen, vielleicht nicht einfach zu realisieren ist. Es kann alle Arten von sozialen Barrieren geben. Sie können in einer Beziehung mit jemandem sein, der nicht an einer solchen Erkundung interessiert ist. Sie sind vielleicht besorgt über Ihren Ruf, Ihre Nachbarn, Ihren Job, Ihre Familie, Ihre Kinder.

Es kann viele potenzielle Hindernisse geben, die es zu überwinden gilt. Dazu gibt es keine einzige, vorgefertigte Lösung, die für alle gilt. Ich kann Ihnen zum Beispiel nicht sagen: „Verlassen Sie diese Frau! Finden Sie einen anderen Partner! Nehmen Sie an diesem Tantra-Workshop teil! Schließen Sie dich dieser Gruppe an!“ Es liegt an uns selbst, als Individuen, aus der eigenen Situation heraus, Wege zu finden, die uns dazu führen, unser Potenzial als ekstatische und orgastische Wesen zu erreichen. Ich verbrachte Jahrzehnte damit, nach der Glückseligkeit des kosmischen Orgasmus dieser ersten Nacht zu suchen. Das war es, was mich dazu motivierte, Tantra zu erforschen.

Tantra beginnt damit, der Führung des Seins zu folgen, sich zeigen zu lassen, wie man wachsam wird und präsent für das, was einen Vorgeschmack von Spiritualität in das Liebesleben bringt. Auf diese Weise wird Sexualität zum Sakrament – ein Sakrament, das zum inneren Heranreifen des Erwachens zu sich selbst beitragen kann. Dies ist der Beginn der Suche. Dies ist das große Abenteuer auf dem Weg zur Glückseligkeit.

Die Praxis: Das Dasein genießen

Besondere Anlässe, Überraschungen, unerwartete und gefährliche Situationen. Sie alle haben etwas gemeinsam. Sie verschaffen uns eine kraftvolle Erfahrung des Lebens hier und jetzt, wobei unsere Aufmerksamkeit auf diesen, den gegenwärtigen Moment gerichtet ist.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie gehen eine vertraute Straße in Ihrer Nachbarschaft entlang, wobei Sie innerlich so mit einem Problem beschäftigt sind, dass Sie weder merken, wo Sie sich befinden, noch Ihre Umgebung wahrnehmen oder den Spaziergang an sich genießen.

Sie biegen um die Ecke und plötzlich finden Sie sich von Angesicht zu Angesicht mit einem großen schwarzen Bären wieder. Plötzlich steht alles still. Alle seelischen Besorgnisse sind vergessen. Sie sind erschrocken, verblüfft, erfüllt von einer Mischung aus Angst, Neugierde und Abenteuer. Ist der Bär freundlich? Ist er gefährlich? Eines ist sicher: Diese unerwartete Situation hat Ihre ganze Aufmerksamkeit und Energie spontan in das Hier und Jetzt transferiert – in diesen einen gegenwärtigen Moment.

Bergsteiger erleben das gleiche Phänomen der totalen Präsenz auf eine andere Weise. Sie bringen sich in gefährliche Situationen, in denen sie sich keine Ablenkungen erlauben können – das wäre einfach zu riskant.

Mein erstes Mal mit Richard hatte eine ähnliche Qualität. Alles war so riskant, so unbekannt, so aufregend, so voller Wunder. Ich hatte keine andere Wahl, als jeden Moment präsent zu sein.

Präsenz ist eine magische Alchemie in dem Sinne, dass sie in beide Richtungen wirken kann. So wie eine spannende Situation Präsenz erzeugt, so kann auch die totale Präsenz eine gewöhnliche Situation spannend machen. Erfahrene Meditierende wie Zen-Meister kennen dieses Geheimnis. Sie sind in der Lage, ihre ganze Aufmerksamkeit auf einen einfachen, gewöhnlichen Vorgang zu richten, beispielsweise eine Tasse Tee zu trinken und ihn so in einen heiligen Akt zu verwandeln.

Mit dieser Idee im Hinterkopf lade ich Sie dazu ein, sich in der Kunst zu üben, präsent zu sein, während Sie Sex haben. Ich schlage nicht vor, dass Sie dies zu einer allgemeinen, kontinuierlichen Aktivität machen, die einen langen Zeitraum umfasst, denn wenn Sie kein erfahrener Meditierender sind, werden Sie wahrscheinlich bald Ihre Übungen vergessen.

Treffen Sie vielmehr die Entscheidung, sich für kurze Zeit auf einen bestimmten Aspekt des Liebeslebens zu konzentrieren. Genießen Sie beispielsweise die zarte Liebkosung der Hand Ihrer Geliebten auf Ihrem Rücken. Erlauben Sie, sich auf dieses Gefühl einzulassen, sich darauf zu konzentrieren. Ganz ohne zusätzliches mentales Gepäck, ohne zu bedenken, was ihr Partner von Ihnen erwartet oder was Sie als Nächstes tun sollen.

Eine weitere Gelegenheit bietet der erste Moment, in dem Sie sich von jemandem sexuell angezogen fühlen, wenn Sie das erste Kribbeln sexuellen Verlangens wahrnehmen. Widerstehen Sie der Versuchung, gedanklich in die Zukunft zu eilen und sich vorzustellen, was folgen könnte. Genießen Sie stattdessen dieses Gefühl um seiner selbst willen. Fühlen Sie es. Kosten Sie es völlig aus. Reiten Sie auf der Welle Ihres Atems bis zum Ursprung Ihres Vergnügens. Spüren Sie es in jeder Zelle Ihres Körpers. Bleiben Sie bei Ihrer Atmung.

Dies kann hilfreich sein, da das Atmen immer eine „Hier und Jetzt“-Erfahrung ist, so dass das Bewusstsein für den Atem Ihnen helfen kann, im jetzigen Moment zu bleiben. Lassen Sie Ihr Gewahrsein Zeuge der Erfahrung dieses Augenblickes sein, ohne zu erwarten, dass mehr passiert, ohne zu antizipieren, was als Nächstes passieren wird. Entspannen Sie sich. Suchen Sie nicht nach etwas. Erwarten Sie kein Ergebnis. Seien Sie bei dem, was ist. Präsenz ist der Schlüssel zu einer lebendigen, dynamischen Existenz.

So wie ein Verlangen auftaucht,

Und du nimmst sein Aufleuchten wahr, den Glanz,

Verlasse sein Spiel, und bewahre deine Achtsamkeit

An diesem klaren und glänzenden Ort,

an dem alle Wünsche entspringen.3

Kapitel 2
Das Dunkle und das Tiefe

Wozu das Ganze? Die Frage kam aus einem Dutzend verschiedener Richtungen. Fast jeder bei Quaesitor, einem Institut für persönliche Entwicklung in London, war überzeugt, dass eine Woche, in der er nichts tat, Zeitverschwendung wäre. Obwohl wir uns als mutige Entdecker sahen, die sich einer Reise der Selbstverwirklichung verschrieben hatten, rümpften die meisten die Nase und schüttelten den Kopf.

Es war eine typisch westliche Einstellung. Wir waren bereit, alles zu tun: unseren Körper über die Grenzen von Schmerz und Belastbarkeit hinaus zu quälen, uns gegenseitig in Begegnungsmarathons anzuschreien, bei Gestaltübungen in die Haut unserer Mütter und Väter zu schlüpfen. Aber wir waren nicht bereit, nichts zu tun.

Paul Lowe war jedoch entschlossen, das, was er als „sensorisches Entzugsexperiment“ bezeichnete, durchzuziehen. Als Direktor von Quaesitor war er gerade von einem Besuch in Indien zurückgekehrt, wo er sich mit Gurus, Sadhus und heiligen Männern getroffen hatte, und es war mir klar, dass er ein anderer Mensch geworden war.

Der Mann mit der englischen steifen Oberlippe war mit höflichen Manieren von London aus aufgebrochen. Zurückgekehrt war er mit einem Gefühl für Intensität, Wildheit und – ja – Tiefe. Er war etwas auf der Spur, so viel konnte ich sehen. Als er vor uns saß, gekleidet in ein bodenlanges Gewand, mit seinem langen Tolstoi-Bart und einem humorvollen Funkeln in seinen Augen, und uns geduldig das neue Experiment erklärte, konnte ich ein Ja in meinem Herzen spüren. Ich wollte es tun.

Schließlich war dies die Motivation gewesen, die mich von Paris nach London geführt hatte, ich wollte meine innere Welt erkunden. Nach zwei Jahren Psychologie-Studium an der Sorbonne fühlte ich mich frustriert von trockenen akademischen Theorien über die Funktionsweise des menschlichen Geistes. Ich wollte aus erster Hand wissen, was in meinem Geist und in meinem Körper vor sich ging.

Quaesitor, ein Institut, das Kurse über die neuesten Methoden der experimentellen, humanistischen Psychologie anbietet, versprach mir genau das. Also zog ich nach London und schrieb mich in einen neunmonatigen Kurs ein.

Die Idee des sensorischen Entzugs war für mich nicht neu. Ich hatte gerade The Center of the Cyclone gelesen, ein Buch des amerikanischen Neurowissenschaftlers John Lilly, in dem er beschreibt, wie er einen Isoliertank baute – einen abgedunkelten, schalldichten Tank mit warmem Salzwasser, in dem er stundenlang schwamm. Er benutzte den Tank, um zu untersuchen, was mit seinem Verstand geschah, wenn er keinen externen Input bekam.

Am Ende hatten sich acht Personen bei Quaesitor, darunter ich, für diese „außerschulische Aktivität“ angemeldet, zusätzlich zu unserem regulären Studienprogramm.

Pauls Vorschlag basierte auf dem, was er in Indien gelernt hatte: Eine Woche lang sollten wir uns jeder Form von sensorischem Input verwehren. Dies sollte das englische Äquivalent zum Sitzen in einer Höhle im Himalaya sein.

Unsere Anweisung war, als Gruppe mit Paul in ein Hotel an der englischen Küste zu reisen. Dort sollte jeder ein Einzelzimmer nehmen, Fensterläden und Vorhänge schließen, Augenbinden und Ohrenstöpsel anbringen und sich eine Woche lang mit nichts beschäftigen, nichts tun. Jeden Tag würde uns ein Mitarbeiter des Hotels Wasser und ein Kilo Trauben bringen. Das war alles, was wir essen oder trinken würden.

Ich fühlte mich bereit. Ich wusste, dass dieser Rückzug mir in einer radikalen Art und Weise die Möglichkeit bieten würde, meiner Seele gegenüberzutreten, ohne meinen persönlichen Dämonen ausweichen zu können. Ich wusste nicht, wie diese „Dämonen“ aussehen würden, aber ich spürte, dass dieses psychologische Ausgrabungsprojekt, das tief in meiner inneren Welt schürfen würde, eine Auseinandersetzung mit ihnen erforderte.

Ich wusste auch, dass ich als Westlicher endlos von der Außenwelt abgelenkt war und wirklich keine Ahnung hatte, wer dieses „Ich“ in meinem Inneren in Wahrheit sein würde. Vielleicht war es an der Zeit, dies herauszufinden.

Schwierigster Teil meiner Abreise aus London war der Abschied von Jakov Lind, einem bekannten österreichisch-britischen Schriftsteller, der in den letzten Monaten mein Liebhaber gewesen war. Am Ende spielte Jakov unerwartet eine wichtige Rolle bei meinem Rückzug. Die Erfahrung wäre ohne seinen überraschenden Beitrag nicht vollständig gewesen, also muss ich noch etwas Hintergrundwissen liefern, um ihn vorzustellen.

Jakov und ich hatten uns ein paar Monate zuvor in Paris getroffen. Ich aß eines Tages im Speisesaal von La Coupole, einer der größten Pariser Brasserien zu Mittag. Das Restaurant ist ein Treffpunkt für Schriftsteller, Künstler und Philosophen, die sich dort allesamt mit einem signierten Bild an den Wänden verewigen.

Ich war dort mit dem Literaturdirektor eines französischen Verlages verabredet und genoss den neuesten Klatsch über die Pariser Literaturwelt, während ich saftige Austern schlürfte und die illustren Gäste beäugte. Als ein kräftiger Mann an unserem Tisch vorbeiging, blickte mein Freund plötzlich auf und rief: „Jakov!“ Der Mann blieb stehen, sah uns beide an und lächelte. Er hatte einen dicken Schnurrbart, strähniges Haar und war von mittlerer Größe, mit einem leicht vorstehenden runden Bauch. Er war mindestens dreißig Jahre älter als ich – eindeutig nicht jemand, den ich jemals als potenziellen Liebhaber in Betracht ziehen würde. Nicht eine junge Frau wie ich. Nicht nach meiner wunderbaren Affäre mit Richard, der leider in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt war, um sein Studium fortzusetzen.

Richard und ich hatten zusammengewohnt und eine Wohnung in Paris geteilt, nachdem ich kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag aus dem Haus meiner Eltern ausgezogen war. Ich hatte mein Psychologiestudium an der Sorbonne begonnen, als wir noch ein Liebespaar waren, und es war schwer für uns gewesen, uns von unserem symbiotischen Studentenleben zu verabschieden.

Jakov hatte leuchtend grüne Augen mit einem so schelmischen Funkeln, als ob er beim Anblick gleichzeitig meinen Geist entblößen und meinen Körper entkleiden würde, tief durchdringend und provokant.

Wir schüttelten uns die Hände und sofort spürte ich einen starken Magnetismus zwischen uns. Ich vergaß meinen Begleiter neben mir und konnte nicht aufhören in diese grünen Augen zu starren, während Jakov ebenfalls wie festgeklebt stehenblieb. Es folgte Stille. Es gleicht einem Klischee, wenn ich sage: „Ich hatte noch nie zuvor so etwas empfunden“, aber exakt so war es. Ich hielt den Atem an, und mein Herz schlug so schnell, dass ich davonlaufen wollte.

Nach einem langen Moment holte uns die Höflichkeit ein. Wir setzten die Begrüßung fort, Jakov reichte mir seine Karte, ich gab ihm meine Telefonnummer und kurz darauf verabschiedeten wir uns.

Bald darauf begann ein koketter Tanz zwischen Jakov und mir. Er rief jeden Tag an und akzeptierte kein Nein als Antwort. Obwohl ich nicht gerade für ältere Männer schwärmte, fand ich Jakov unwiderstehlich. Bald gab ich nach und wurde seine Geliebte.

Zu meiner Überraschung erwies er sich als wahrer Künstler, wenn es um das Liebesspiel ging. Er führte mich über meine Grenzen hinaus. Er forderte mich auf, die dunklen, geheimen Ecken meines sexuellen Wesens zu betreten. Tabus waren für ihn nur eine Gelegenheit, verbotene Freuden zu erkunden, was die Tür zu neuen erotischen Dimensionen öffnete.

Jakov lebte in London, und so war er natürlich sehr erfreut über meine Entscheidung, von Paris nach London zu ziehen, um am Quaesitor-Institut zu studieren. Er war aufgeschlossen und immer bereit, mich dabei zu unterstützen, den nächsten Schritt auf meinem Weg zur Selbstfindung zu tun. Er war mit vielen Pionieren des Human Potential Movement persönlich bekannt, darunter John Lilly, Alan Watts, dem Zen-Mystiker, und R. D. Laing, dem radikalen Psychiater und Autor des wegweisenden Buches Knoten.

Jakov verstand die Bedeutung des Experiments des sensorischen Entzugs und hatte kein Problem damit, dass ich sieben Tage lang in einem Hotelzimmer am Meer verschwinden würde. „Ich rufe dich an, wenn es vorbei ist“, sagte er, als er mich zum Abschied küsste.

Der Rückzugsort, das Hotel am Meer an der Küste von Suffolk, war leer. Das Wetter grau. Das Meer roch nach Sole, Seegras und feuchter Natur. Das Hotelpersonal, zunächst überrascht von unserem seltsamen Experiment, akzeptierte bald, dass wir „eine neue Form von Yoga und Meditation“ erforschten, und war mehr als glücklich darüber, uns Wasser und Trauben zu servieren, da dies ihre Arbeitsbelastung stark reduzierte. Sie waren neugierig, freundlich und als Engländer natürlich immer höflich.

Ich ging in mein Zimmer, packte meine Kleider aus, machte mich fertig und warf einen letzten langen Blick auf die felsige Küste und den Ozean unter meinem Fenster. Dann zog ich meine Augenbinde über, steckte meine Ohrstöpsel ein und das Experiment begann.

Nun, hier bin ich. Ich liege auf meinem Bett und warte, wie die Figur in Becketts Stück, auf Godot. Liege hier und warte. Nur auf was? Durch meine Ohrstöpsel dringen dumpfe Geräusche von dem Teilnehmer nebenan, der auf und ab zu gehen und Shakespeare-Verse zu rezitieren scheint:

Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde!

Sonst füllt mit toten Englischen die Mauer.

Es scheint, dass mein Nachbar noch nie die Erfahrung einer Meditation gemacht hat. Er denkt, dass er sich die ganze Zeit beschäftigen muss. Aber wir werden hier für, oh mein Gott, EINE WOCHE sein! Das sind einhundertachtundsechzig Stunden voll von nichts. Keine Gerüche, keine Berührung, kein Essen, kein Licht, und wenn mein Begleiter nebenan es satthat, den Barden zu rezitieren, auch keine Geräusche.

Um sich nicht von der Zeit, die vor mir liegt, entmutigen zu lassen, richte ich meinen Blick auf die positive Seite. „Was ist der angenehme Aspekt dieses Experiments?“ Genau das frage ich mich und beschließe, diesen Moment als willkommenen Urlaub zu begrüßen. Nichts zu tun, keine Arbeit zu erledigen, zu entspannen. Bei jedem Ausatmen lasse ich meinen Körper tiefer in das Bett sinken.

In der Tat, das Einzige, was mich interessiert, ist, etwas über die Natur des Bewusstseins und den Prozess des Erwachens herauszufinden. Wenn nur dieser flüchtige Moment der Transzendenz, der sich mir bei meiner ersten Liebesnacht in Paris mit Richard offenbarte, stabilisiert werden und zum Dauerzustand gemacht werden könnte, zum allgegenwärtigen Hintergrund aus Licht, zum Leuchten in meinem Wesen!

Hier ist er wieder, der spirituelle Ehrgeiz: Die Sehnsucht nach den Gipfeln und der Versuch, die Täler zu ignorieren, sich an die Höhen zu klammern und die Tiefen zu leugnen. In der Vergangenheit zu wühlen, um die Gegenwart zu verlagern.

Ich entspanne mich immer mehr und konzentriere mich für einen Moment auf die simple Normalität des Liegens auf meinem Bett. Dann kommt mir ein anderer Gedanke in den Sinn.

„Erinnerst du dich, was mit John Lilly passiert ist“, fragt mein Verstand?

Ich hatte gerade „Das Zentrum des Zyklons“, das von Lillys Experimenten mit sensorischem Entzug handelte, gelesen. In diesem Buch erzählt er, wie er sich nach Stunden in seinem Isolationsbecken fühlte, wie sein Bewusstsein von seinem Körper weggetrieben wurde, über der Erde schwebte und zwei Engelswesen begegnete, die ihn durch viele Ebenen des Zweifels und der Angst in das Licht des reinen Bewusstseins führten.

Ich gehe davon aus, dass auch ich solche Geistführer treffen werde. Wenn sie zu John Lilly gekommen sind, werden sie sicher auch für mich erscheinen. Ich fange an, sie zu rufen, sie zu visualisieren und verbringe Stunden mit mentaler Akrobatik, um „die Geistführer anzuziehen“. Sie erscheinen nicht.

Frustriert begreife ich, dass ich mich von dieser Erwartungshaltung lösen muss. Ich konzentriere mich auf meine Atmung und versuche „einfach zu sein“.

Doch das Thema Geistführer hat sich nicht erledigt, bald manifestiert sich eine neue Stimme, diesmal scheint sie etwas strenger. Spontan erinnert sie mich an eine meiner Lehrerinnen aus dem Kindergarten, die mich wegen eines Vergehens tadeln.

„Warum versuchst du, die Erfahrung eines anderen zu kopieren?“, fragt die Lehrerin in mir. „Du bist nicht John Lilly. Warum solltest du die gleichen Führer haben? Lass das, sei DU selbst!“

Leicht gesagt, aber nicht so leicht getan. Ich möchte wirklich diese Geistführer treffen. Es scheint, dass ich mich von etwas verabschieden soll, was ich noch nicht einmal gefunden habe, sich aber direkt um die nächste Ecke befindet. Hartnäckig setzt sich die Idee durch: Ich muss einen Lehrer, einen Liebhaber oder irgendjemanden finden, der mir hilft, in diese schwer fassbaren ekstatischen Zustände zu gelangen.

„Ach, du willst also immer noch Miss Seligkeit sein und guten Zeiten nachjagen?“, sagt meine innere Lehrerin. „Nun, das kannst du vergessen. Denke daran, dass Lilly auf LSD war, also zählt nicht, was er erlebt hat. Wenn du Drogen nimmst, kannst du sechshundert Führer haben, die alle mit Karten und Kompassen bestückt sind, die alle wie die Kellner im La Coupole gekleidet sind und die Marseillaise singen.“

Ich kichere über die lächerliche Vision, die ich geschaffen habe, und gebe zu: „Okay, sie hat recht.“ Vielleicht lauert in dem Wunsch nach Führern das Gefühl, nicht gut genug zu sein, um dieses Ziel alleine zu erreichen. Diese Erkenntnis macht es etwas einfacher, die Führer loszulassen – die sowieso nie gekommen sind.

An der Tür klopft es, aber ich muss nicht öffnen. Es ist einer der Hotelbediensteten, der wie verabredet Wasser und ein Kilo Trauben bringt, unsere Ration für die Woche. Es muss also Abend sein.

Der Umgang mit dem Bewusstsein und seinen Anforderungen ist mühsam, und ich beginne zu ahnen, dass die „Dämonen“, die ich auf dieser Reise treffen werde, keine gruseligen Bösewichte mit Hörnern und Schwanz sind. Nein, sie sind viel alltäglicher. Es sind Gefühle wie Ungeduld, Frustration, Langeweile, Verlangen. Die Dinge, die mich rastlos halten, immer auf der Suche nach etwas, was nicht hier ist, aber woanders.

Ich stehe aus meinem Bett auf, taste blind herum, berühre Wände und Türen und schaffe es, ins Badezimmer zu gelangen. Zum Waschen meines Gesichts nehme ich die Augenbinde ab, halte meine Augen aber geschlossen und putze dann meine Zähne. Zurück ins Bett und schlafen.

Gerade als ich wegdrifte, erscheint ein Gesicht. Ich habe diese Person noch nie zuvor gesehen. Er scheint Ostasiate oder Inder zu sein. Er hat große, runde Augen, blickt amüsiert, unendlich sanft und sagt: „Die Ekstase ist bereits in dir. Du brauchst nicht draußen nach ihr zu suchen.“ Dann verschwindet die Erscheinung.

Das ist gigantisch. Ich denke an die vielen Male, in denen ich nach einem Lehrer, einem Führer, einem Liebhaber gesucht habe. Jemanden, der mir eine Anleitung gibt, die mir den Zugang zur Glückseligkeit verschafft. Ich war mir sicher, das Rezept irgendwo draußen in der Welt zu finden.

Jetzt kann ich diese Idee fallenlassen. Dieser Bote, wer auch immer er sein mag, hat mir gerade gesagt, dass alles, was ich suche, hier ist, direkt vor meiner Nase. Sogar noch näher: in meinem Gehirn, meinem Körper.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist es für mich offensichtlich, dass mir ein Übungsplan dabei helfen wird, die Meditation zu vertiefen. Also beginne ich damit, mich zu dehnen und Yoga-Asanas zu machen. Dann meditiere ich. Daraufhin esse ich Trauben. Dann lege ich mich auf mein Bett, tue nichts und beobachte, wie sich mein Gedankenkarussell immer weiterdreht.

Im Laufe der Stunden werde ich von der uninteressanten, sich ständig wiederholenden und automatischen Natur meines inneren Dialogs gedemütigt. Meine Gedanken bewegen sich wie eine Wüstenrennmaus in ihrem Laufrad, wiederholen die gleichen Geschichten, beanspruchen die gleiche Aufmerksamkeit, beackern die gleichen „Probleme“: meine Beziehungen zu Männern, Geldsorgen, eine vage Sehnsucht nach Glück und jede Menge unerledigter Dinge. Zusammen erzeugen sie eine familiäre mentale Atmosphäre, die den Stimmungen meiner Kindheit entspricht und mich zurück zu den Begegnungen, Gedanken und Gesprächen im Haus meiner Eltern führt.

Bald fühle ich Ärger aufbrodeln. „Will mir mein Verstand sagen, dass sich im Grunde nichts geändert hat, seitdem ich ein Kind war?“, frage ich mich. Dass ich ein soziales Klima, eine Denkweise von meinen Eltern übernommen habe und jetzt dazu verdammt bin, diese für den Rest meines Lebens endlos zu wiederholen?

Diese Idee behagt mir ganz und gar nicht. In meinem jugendlichen Enthusiasmus hatte ich mir immer vorgestellt, dass mein Verstand ein origineller Fundus an Brillanz sei, voller glitzernder Edelsteine der Weisheit, Einsicht und Erleuchtung.

„Jetzt sieh ihn dir an!“, sage ich verächtlich. „Eine rostige alte Maschine, die Jahr für Jahr die gleichen alten Gedanken produziert!“

Ich ringe jetzt mit meinem Verstand. Ein Teil von mir sagt zu meinen Gedanken: „Lasst mich in Ruhe! Ihr habt kein Recht, hier zu sein. Ihr seid ein Ärgernis. Geht weg!“

Der Kampf in meinem Kopf währt den ganzen Tag. Ich bemerke, dass ich die Gegenwart meines Verstandes ablehne, er sich aber noch energischer in den Vordergrund drängt, und komme zu einer weiteren Erkenntnis: Ein Teil meines Verstandes ringt mit dem anderen, so dass jede Vorstellung, dass der Verstand irgendwie geleugnet oder weggeschoben werden kann, absurd ist. Wer will ihn wegschieben? Der Verstand!

Es ist auch ein wenig unfair von mir, so auf meinen Verstand loszugehen. Schließlich managt er meinen Zeitplan, vereinbart Termine, hilft mir neue Dinge zu lernen.

„Ich habe einen Job zu erledigen“, erklärt er. „Ich muss mich um dich kümmern und dich beschützen. Hör auf mich!“

Trotzdem, frage ich mich: Gibt es eine Erfahrung außerhalb des Verstandes? Und da fange ich an, mich für die Lücken zwischen den Gedanken zu interessieren.

Das ist etwas Neues, und ich denke stundenlang darüber nach, liege im Dunkeln auf meinem Bett, tue nichts außer gelegentlich aufzustehen, mich zu dehnen, ins Badezimmer zu gehen, einen Schluck Wasser zu trinken und an einer Traube zu kauen.

Der Verstand scheint die Lücken zwischen meinen Gedanken nicht zu verstehen. Er kann nicht mit ihnen umgehen. Ein seltsamer Gedanke kommt mir in den Sinn: Vielleicht weiß er nicht einmal von ihnen! Schließlich, wenn er von einer Lücke wüsste, dann würde diese Lücke zu einem Gedanken an eine Lücke werden und sofort aufhören, eine Lücke zu sein! Ha!

Ich mag diese neue Entdeckungsreise. Ich beobachte die Lücken und merke, dass sie nicht lange andauern, denn sobald eine Lücke entsteht, kommt der nächste Gedanke und füllt sie auf.

Die Stunden vergehen. Ich langweile mich schließlich mit diesem Spiel mit den Gedanken und Lücken, und die Ungeduld kommt mit Nachdruck zu mir zurück. Das ist, wie ich sehe, meine größte Herausforderung, dieses ständige nagende Gefühl, dass noch mehr passieren muss.

Vielleicht hat es etwas mit meiner Geburt zu tun. Ich wurde mit Hilfe einer Zange geholt. Meine Mutter konnte nicht fest genug pressen, also zog mich der Arzt mit einer Zange heraus, die meinen Kopf umfasste. Auch heute noch, wenn etwas nicht schnell genug in meinem Leben passiert, fühlt sich ein Teil von mir an, als würde ich ersticken.

Am nächsten Morgen wache ich auf, wasche mich, mache meine morgendlichen Übungen und setze mich auf mein Bett. Ich weiß, dass es eine Wiederholung von gestern sein wird: Gedanken und Lücken, ein kontinuierlicher Strom inneren Verkehrs mit ein paar leeren Stellen. Es fühlt sich wie Routine an. Langeweile wird heute das dominierende Thema sein.

Plötzlich habe ich die Vision, auf einer Cocktailparty zu sein. Die ganze Familie ist da. Wir halten Champagnergläser in unseren Händen. Die Familienmitglieder wünschen mir alles Gute und bemerken, dass ich ihrer Meinung nach die Situation aus der falschen Perspektive betrachte.

Mein Vater sagt: „Liebling, du hast den falschen Blickwinkel! Es ist das, was man im Leben tut, was zählt!“ Er erklärt weiter, dass Erfolg durch Leistung, durch „Tun“ gemessen wird und dass „Sein“ nur ein Spiegel dafür ist, inwieweit man seine Ziele erreicht.

Er scheint sich so sicher zu sein, dass es fast schon nervtötend ist. Als Nächstes kommt Mama. Zu meinem Erstaunen sagt sie: „Hör nicht auf deinen Vater, Liebes, genieße deine Sinnlichkeit, während du jung bist. Hebe dir die Meditation für später auf.

Jeder lebende Verwandte und Vorfahre besucht mich und teilt mir seine Meinung mit. Mir ist klar, dass ich dieses Irrenhaus verlassen muss. Ich habe Cocktailpartys sowieso noch nie gemocht und auf einmal ist er da: der Heureka-Moment. Das ist es!

Bis jetzt habe ich meinen Verstand wie einen Feind behandelt, warum ihn nicht als Verbündeten anerkennen, der versucht zu helfen. Ja, jeder Gedanke ist ein Ausdruck meines Verstandes, der versucht zu helfen. Ich muss mich bei ihm bedanken, wann immer er mir Gedanken und Bilder liefert. Ich darf ihn NICHT bekämpfen.

Jetzt sehe ich die amüsante Seite meiner inneren Cocktailparty. Diese Stimmen sind immer da, in meinem Unterbewusstsein, und bestimmen, wie ich sein sollte, was ich tun sollte, wie man meditiert, wie man liebt. Sie wünschen mir alles Gute. Sie wissen Bescheid. Sie haben Erfahrung. Sie haben das alles vor mir ausprobiert.

Diese „Maya“, diese Illusion von familiärer Unterstützung, ist überzeugend, denn sie beginnt, wenn wir sehr klein sind. Jeder versucht, uns zu helfen, uns zu beraten, uns zu sagen, was wir tun sollen. Es wird zur Gewohnheit, anderen zu folgen, und wir vergessen, dass wir einzigartige Individuen sind – dass wir unsere eigene innere Stimme entdecken, darauf hören und uns selbst treu sein müssen.

Ich danke meinen Verwandten für ihre guten Absichten und verabschiede mich von ihnen und genieße die Leichtigkeit, jetzt, da ich nicht mehr gegen meinen Verstand kämpfe. Der Tag vergeht schnell, am Abend gleite ich in einen angenehmen Zustand zwischen Wachen und Schlafen. In diesem ruhigen Zustand wird mein Atem langsamer, bis er fast verschwindet, dann kommt der Schlaf, mit seiner Decke des Vergessens, die alles überzieht.

Am Morgen wache ich mit dem dringlichen Gedanken auf, dass etwas sehr Wichtiges passiert ist, gerade als ich einschlief. Was war es? Ah, ja, der Atem. Was ist damit? Verlangsamen Sie ihn und sehen Sie, was passiert.

Noch halb im Schlaf beginne ich zu beobachten, wie weit ich es schaffe, „nicht zu atmen“, indem ich meine Atmung tatsächlich sehr flach halte. Am Ende glaube ich zu ersticken, zu ertrinken. Es ist unangenehm. Ein Teil von mir will schneller atmen, mehr Luft schlucken, aber wenn der Atem flacher wird, setzt eine Art „Alpha-Wellen“-Gehirnzustand ein. Ich fühle mich immer entspannter und allmählich werde ich von dem Gefühl überwältigt, im Raum zu schweben, sorglos selig und doch sehr wach und aufmerksam für das, was geschieht.

Durch diese „Alpha-Atmung“ bekomme ich einen Vorgeschmack auf das, was ich später von mehreren Yogis und Mystikern hören werde: Meditation führt zu einem glückseligen, zeitlosen Zustand – man kann ihn Samadhi oder Nirvana nennen, in dem man kaum noch atmen muss.

In diesem Niemandsland fühlt es sich an, als wäre ich auf einen Berg gestiegen. Die Luft ist dünner, der Körper leichter. Tatsächlich ist kein Körper zu spüren, nichts.

Die letzten Tage des Rückzugs sind leuchtend und leicht. Meistens bin ich in der Lage, bei der weichen, langsamen Atmung zu bleiben. In diesem Zustand kann ich den Gedanken zusehen, die mir durch den Kopf gehen, ohne dass ich mich in ihnen verfange, und einfach danke sagen und weitermachen, wobei ich immer an dem reduzierten Atmen festhalte.

Tag für Tag besuche ich die „Lücke“, die nun zu einer leuchtenden, einladenden Weite geworden ist – ein allwissender, wohlwollender Raum der Weisheit. Ich entdecke das Darshan4, wie sie es im Osten nennen. Ein höheres Selbst, das beobachtet, wie alles geschieht. Ich kann jede Frage stellen, und sofort enthüllt sich mir die kluge Antwort, die wirkliche Lösung. Mir fällt ein, dass mich ein Londoner Magazin gebeten hatte, einen Artikel über die Erfahrung dieses Retreats zu schreiben.

Das Schreiben in Englisch ist nicht einfach für mich, meine Muttersprache ist Französisch. Nun stelle ich mir die Frage: Wie schreibe ich den Artikel? Zu meinem Erstaunen schreibt er sich von einem tiefen Ort in meinem Inneren heraus wie von selbst: Satz für Satz, Lektorat eingeschlossen. In der Weite jenseits der alltäglichen Betriebsamkeit des Geistes ist alles verfügbar. Die Grenzen sind aufgehoben. Ein unendliches kreatives Potenzial wird offenbart. Ich werde das nicht vergessen.

Die Tage vergehen. Ich verliere jegliches Gefühl für die Zeit, aber ein gewisser intuitiver Sinn sagt mir, dass der Rückzug bald vorbei sein wird. Eines Tages wird es passieren. Es gibt keine Eile. Ungeduld hat sich in die Akzeptanz dessen, was ist, aufgelöst.

Schließlich, eines Morgens, ertönt ein Gong in der Ferne, dann höre ich ein Telefon klingeln und eine Stimme den Anruf entgegennehmen. Es klopft an der Tür und ich spüre eine sanfte Berührung an meiner Schulter. Als ich meine Ohrstöpsel entferne, sagt ein Hotelmitarbeiter zu mir: „Das Retreat ist vorbei. Jemand ist für Sie am Telefon.“

Es ist Jakov. Woher wusste er, dass gerade jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, mich anzurufen? Niemand hat ihm gesagt, wann das Retreat enden würde. Ich atme tief und langsam ein. Mein Geliebter hat auf die Sekunde genau gewusst, wann er anrufen soll.

Ganz sanft sagt er: „Wie geht es dir, Liebes? Ich will dich sehen. Ich habe eine Dinnerparty bei mir zu Hause geplant. John Lilly, Alan Watts und R. D. Laing werden dort sein. Sie sind gespannt darauf, dich zu treffen.“

Die sinnliche Wirkung seiner tiefen Stimme, die Zärtlichkeit in ihr, weckt plötzlich ein Gefühl der Sehnsucht. Ich werde von einer schmerzlichen, überwältigenden körperlichen Sehnsucht erfüllt. Sieben Tage lang lebte ich wie eine Nonne im Kloster – ohne Berührung, ohne Liebe, ohne Zärtlichkeit. Ich war „beschäftigt“ auf der Suche nach etwas in meinem Inneren, aber zwischenzeitlich hat sich mein Körper isoliert und vergessen gefühlt. Ich will diesen Mann wieder neben mir spüren.

Instinktiv aber schrecke ich davor zurück, zu einer Dinnerparty mit einer Schar schillernder Gäste zu gehen, die alle darauf warten, meine Geschichte zu hören. Es fühlt sich an, als wäre man der Truthahn bei einem Thanksgiving-Abendessen, von dem sich jeder etwas nehmen kann.

Watts und Lilly sind meine Helden, meine Vorbilder, aber ich brauche eine Akklimatisationszeit und die vertrauten Anblicke und Geräusche von zu Hause.

„Danke, Jakov“, flüstere ich ins Telefon. „Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin, Menschen gegenüberzutreten. Ich war so tief in meinem Inneren. Ich brauche Zeit. Lassen wir es offen.“

Jakov besteht darauf, liebevoll, aber entschlossen. „Komm“, sagt er. „Dieses Treffen ist wichtig und ich will dich sehen.“

Später, zurück in London, beschloss ich, zu dem Dinner zu gehen. Ich zog ein einfaches weißes Kleid an, um die Reinheit zu bewahren. Kein Make-up. Mein blondes Haar ließ ich locker über meine Schultern fallen. Dann meditierte ich, um zu sehen, ob ich aus mir heraus zugestimmt hatte, oder nur, um Jakov zu gefallen.

Ein Taxi brachte mich zu Jakov. Dort angekommen bezahlte dieser den Fahrer und nahm mich an die Hand. Seine Wohnung in Regentʼs Park war ein alter umgebauter Pferdestall mit dunklen Balken, erfüllt von rustikaler Gemütlichkeit, die durch ein gemütliches Feuer im Kamin verstärkt wurde. Manuskripte, Schreibmaschinen und Bücher bedeckten zwei Schreibtische, auf der anderen Seite waren fünf Personen um einen langen ovalen Tisch versammelt. Im Raum wurde es komplett still, als ich hereinkam.

Jakov führte mich zu einem freien Platz und setzte sich rechts neben mich. Zu meiner Linken saßen John Lilly und seine Frau Antoinette. John hatte ein sommersprossiges Gesicht mit einer langen Nase, durchdringende blaue Augen und eine dicke graumelierte Mähne. Er wirkte weise, seine Frau Antoinette bezauberte mit einem warmen Wesen. Sie hatte lockiges, kurzes schwarzes Haar, dunkle Augen und einen hellen Teint mit leuchtenden rosa Wangen.

Als Nächstes stellte Jakov mir Alan Watts vor, der als einer der Pioniere der spirituellen Ost-West-Revolution gilt und den Zen-Buddhismus in die Vereinigten Staaten brachte. Alan paffte zufrieden an seiner Pfeife. Er war in seinen Fünfzigern, klein von Statur, mit braunen Augen, harmonischen Gesichtszügen und einer dominanten Präsenz. Darauf folgte Hector, ein Arzt, der eine Ausbildung bei Ida Rolf, der Erfinderin der Tiefengewebsmassage, absolviert hatte und eine der führenden Persönlichkeiten an der Arica School of Mysticism in New York war. Neben ihm saß Ronald Laing, Psychiater und Autor. Ich hatte ihn kurz vor meinem Retreat getroffen und er hatte mich enthusiastisch bei dem unterstützt, was er „ein Grabungsexperiment in deinen inneren Wahnsinn“ nannte.

Stellen Sie sich die Szene vor: Ich saß da am Tisch und hatte eine ganze Woche lang kein einziges Wort gesprochen. Die bloße Vorstellung, das Geschehene zu beschreiben, fühlte sich befremdlich an.

Während ich sprach, fühlte es sich gut an, unter Kartografen zu sein, die Erfahrung in der Navigation durch die Zonen und Schichten des menschlichen Bewusstseins hatten. Als ich geendet hatte, ermutigte mich Alan Watts, bei dem Gefühl des „Nichtwissens“ zu bleiben.

„Du hast die Vergangenheit und die Zukunft fallen lassen“, sagte er. „Bleib an diesem Ort der Gegenwart des Unbekannten. Bleib in diesem Moment. Ich werde dich dort treffen. Wir werden hier spielen.“

In der Tat, das haben wir. Kurz darauf reisten wir gemeinsam durch New Mexico und erlebten viele großartige Momente, die mich später in meiner Arbeit als Psychotherapeutin inspirierten.

John Lilly erklärte, dass die Reise, die ich während des Retreats unternommen hatte, zu einer Erforschung der verschiedenen Ebenen der Evolution führen könnte, die ich durchlaufen hatte, bevor ich eine menschliche Person wurde.

„Die Bestätigung deiner Reise durch andere Kartenmacher der inneren Welten ist hilfreich und kostbar“, fuhr er fort. „Sonst ist man allein und einsam. Ohne Zustimmung ist man unsicher, verloren.“

Ich antwortete: „Ich erwartete, dass die Führer auftauchen würden, so wie sie es für dich taten, aber stattdessen wurden mir andere Räume offenbart.“

John warnte mich: „Selbst wenn wir denken, dass wir wissen, wissen wir nicht wirklich.“ Dann erinnerte er mich an seine Aussage im Zentrum des Zyklons: „In der Region des Geistes wird, innerhalb gewisser Grenzen, die durch Erfahrungen und Experimente gefunden werden müssen, das wahr, was man für wahr hält. Diese Grenzen sind weitere Formen des Glaubens, die zu überwinden sind. In unserem Gedankenraum gibt es keine Begrenzungen.“

„Ja, aber es ist schwer, das zu akzeptieren und zu vertrauen“, antwortete ich.

Hector Prestera kommentierte, dass wir, solange der Körper Spannungen in sich trägt, die den Fluss der menschlichen Energie blockieren, nicht zu unserem vollen Potenzial erwachen können.

Ich versuchte mir vorzustellen, zehn Sitzungen extensiver Körperarbeit über mich ergehen zu lassen, Rolfs primäres Betätigungsfeld. Es erschien mir jenseits meiner Schmerzgrenze. Ich ahnte nicht, dass mir genau das sechs Monate später in New York passieren würde, zusammen mit Hector.

Ronald Laing sagte, dass wir auf dem spirituellen Weg alle durch eine „dunkle Nacht der Seele“ gehen müssen, in der wir uns ohne Karte in unbekanntem Gebiet verirren.

„Einige Leute schaffen es nicht, zurückzukommen. Deshalb müssen wir hingehen und sie dort treffen, wo sie sind“. Damit erklärte er seine radikale Herangehensweise, scheinbar genauso verrückt wie ein Verrückter zu werden, sich in seine Welt zu begeben und dort Freundschaft zu schließen, um ihn zu heilen und zurückzubringen. Einige Jahre später, als wir während des Woodstock-Festivals ein paar durchgedrehte Menschen zurückholen mussten, würde ich mich an Laings Worte erinnern.

Später, nachdem alle Gäste gegangen waren, fand mein Körper in den liebevollen Armen von Jakov in die Welt der Sinne zurück. In dieser Nacht entdeckte ich die Erotik der Langsamkeit und der völligen Entspannung. Jakov nahm sich die Zeit, in meinen „geheimen Garten“ einzudringen, ruhte in mir, wartete und bewegte sich wieder. Erst ganz am Ende erwachte mein inneres Feuer, und die Leidenschaft verlangte nach Bewegung. Ich hatte keine Ahnung, dass dieser Ansatz Jahre später als tantrische Praxis namens Slow Sex immens in Mode kommen würde.

Was ich gelernt habe

Dunkelheit-Retreats mit vollständigem Reizentzug sind heute keine Seltenheit mehr. Mantak Chia, der taoistische Meister, führt sie zum Beispiel in seinem Tao Center in der Nähe von Chiang Mai, Thailand, durch. Er behauptet, dass das Gehirn nach einigen Tagen im Dunkeln verschiedene Biochemikalien herstellt, darunter ein „spirituelles Molekül“, das auf natürliche Weise transzendente Erfahrungen universeller Liebe und Mitgefühl ermöglicht.

Jasmuheen, der umstrittene in Australien geborene „Atmungsaktivist“, bietet solche Retreats an und auch die Oneness University in Andhra Pradesh, Südindien, hat sie in ihre Programme aufgenommen.

In den frühen siebziger Jahren, zu der Zeit, als wir in dieses Experiment eintauchten, hatte allerdings noch niemand in der Psychologieabteilung der Sorbonne oder in den neu gegründeten Zentren für Humanistische Psychologie in London von etwas Ähnlichem gehört. Einige Menschen hielten solche Experimente sogar für gefährlich und warnten davor, dass wir verrückt werden könnten.

Für mich bleibt diese Woche an der englischen Küste eine der eindrucksvollsten Erfahrungen meines frühen spirituellen Lebens. Es war das erste Mal, dass ich Quality Time mit mir selbst auf solch fokussierte und intensive Art und Weise verbrachte.

Im Laufe des Dunkelheit-Retreats wurde mir klar, dass die Ekstase weder ein Ziel ist, das es zu erreichen gilt, noch dass sie durch geheime mystische Lehren erreicht werden kann. Nein, die Ekstase ist bereits hier, in uns, und wartet nur darauf, enthüllt zu werden. Sie ist für jeden in jedem einzelnen Moment verfügbar.

Während meines Retreats erhaschte ich nur einen flüchtigen Einblick. Erst während der letzten Tage in der Ruhe und Gelassenheit der Alpha-Atmung verstand ich, dass Frieden entsteht, wenn ich mich nicht danach sehne, dass der gegenwärtige Moment anders ist, als er ist.

Indem ich nicht darum kämpfte, dieses oder jenes zu verbessern oder zu erreichen, wurde ich frei, all dem zu begegnen, was ist, in diesem Augenblick. In den Momenten, in denen ich friedlich auf dem Kissen saß und langsam atmete, fand ich mich in einer tiefen Zufriedenheit wieder. Ich sah, dass alles „was ist“ für sich allein vollkommen ist – und ich darin vollkommen bin.

Seitdem habe ich diese einfache Wahrheit tausend Mal vergessen und bin den Verlockungen endloser Wünsche erlegen. Nichts in unserer Kultur lehrt uns, uns mit dem zufriedenzugeben, was ist.

Im Gegenteil, wir werden in Versuchung geführt, immer wieder dazu verführt, neue Bedürfnisse zu entdecken, die befriedigt werden müssen, neue Wünsche, die erfüllt werden müssen, um endlich „glücklich“ zu sein.

Damit komme ich zum häufigsten Einwand, an solchen Experimenten teilzunehmen: Wir denken, dass wir einfach keine Zeit dafür haben.

Seien wir ehrlich: Die meisten von uns haben nicht die Zeit zum Sein! Wir laufen herum wie kopflose Hühner, mit To-Do-Listen, die länger sind, als wir realistisch annehmen können, sie jemals abzuarbeiten. Wann immer ich mir mehr Zeit für mich selbst nehmen wollte, war da diese Stimme: „Du musst verantwortungsbewusst sein, deine Miete bezahlen, dies und das tun.“

Hier ist die von mir entwickelte Strategie: Ich nehme mir drei Tage frei, aber ich verspreche, danach erledige ich alles, was zu tun ist. Vielleicht muss ich einen zusätzlichen Helfer in mein Leben einladen oder meinen Assistenten bitten, Überstunden zu machen. Danke für die Warnung. Ich werde mich nicht im Stich lassen.

Das Ergebnis: Ich habe mir die Zeit genommen und es gab keinerlei Probleme. Das nächst Mal habe ich die Zeit von drei Tage auf eine Woche verlängert, bald auf einen Monat oder auf drei Monate ausgedehnt. Es ist alles nur eine Frage der Vorbereitung und Verhandlung – und der Entwicklung neuer Strategien zur Bewältigung der Arbeit. Alles ist machbar.

„Was ist mit den Rechnungen, die bezahlt werden müssen?“, wird jemand fragen. Nun, wie wäre es, wenn Sie Ihre Ausgaben reduzieren und jemand suchen, der Ihre Wohnung in der Zwischenzeit mietet? Denken Sie daran, wo ein Wille ist, ist normalerweise auch ein Weg.

Heute sagen mir immer mehr Freunde: „Wir haben uns ein Sabbatical genommen. Wir konnten den Stress nicht mehr ertragen.“

Die Gründe für ein spirituelles Retreat sprechen für sich. Es bietet die Chance, sein wahres Wesen zu berühren, die Quelle des Seins, herausfinden, wer man wirklich ist – jenseits der Egopersönlichkeit. Dazu kommt der Eindruck einer neuen Freiheit, man begreift, dass man nicht die Person sein muss, die andere in dir sehen wollen.

Vielleicht erkennen wir auch, dass die meisten unserer religiösen und moralischen Überzeugungen wie die heiligen Kühe sind, die in den Straßen Indiens leben. Sie sind da und nagen an unserer Energie, weil wir sie für wahr halten. Sie kontrollieren und begrenzen uns, und wir sind uns dessen nicht einmal bewusst. Aber sie sind nicht heilig; sie sind eine Illusion.

Einige Beispiele: „Wir sind mit der Erbsünde geboren“, „Wir sollten nicht zwei Liebhaber zur gleichen Zeit haben“, „Eine Frau muss Jungfrau bleiben, bis sie heiratet“, „Meine Eltern waren arm, also werde ich arm bleiben“.

Wir machen ein Retreat, um zu erkennen, dass die meisten von uns in einer anti-ekstatischen Gesellschaft leben, die uns zwingt, gegen den Strom der Glückseligkeit zu schwimmen, der genau hier, unter der Oberfläche, liegt.

Ein Retreat ist der nächste Schritt. Es geht nicht nur darum, dass wir uns auf uns selbst besinnen müssen, um entspannt und nicht mit der Welt identifiziert zu sein. Wir müssen den Schlüssel finden, um in dieser inneren Ruhe zu bleiben, um diese innere Loslösung von allem zu stabilisieren, was uns im Stresszustand hält.

Die Praxis: Das Dunkelheits-Retreat
Die Vorbereitung

Bevor Sie „in sich gehen“ und Ihr Retreat starten, sollten Sie festlegen, wie lange dieser Rückzug dauern wird. Beginnen Sie mit einem Tag, später erweitern Sie ihn auf drei Tage und so weiter.

Schalten Sie alle elektronischen Geräte aus. Sie haben sich zu einer schwierigen Sache entschlossen: den Ausstieg aus dem Netz unserer kollektiven globalen Technosphäre, die durch das Internet, Mobiltelefone, Computer, Fernsehen, Radio, Zeitungen usw. gespeist wird.

Wir verfangen uns in diesem Netz, denken, Informationen bringen Erleuchtung. Dem ist nicht so. Also lassen Sie die Finger davon, nur für eine Weile. Es ist an der Zeit, in Ihren natürlichen Zustand zurückzukehren und Ihrem Nervensystem eine Pause zu gönnen.

Nun, der Deal ist, dass Sie den Rückzugsraum während der ganzen Zeit nicht verlassen. Das ist Ihre heilige Verpflichtung.

Was Sie brauchen

Bevor Sie beginnen, besorgen Sie sich eine Augenbinde und Ohrstöpsel, Decken, viele Kissen, Früchte und Wasser. Stellen Sie sicher, dass Ihr Raum Vorhänge, Jalousien oder Rollläden zur Verdunklung hat. Wichtig ist auch eine Toilette in der Nähe.

Reinigen Sie den Retreat-Raum. Verbrennen Sie Weihrauch, lassen Sie Glöckchen erklingen und singen Sie heilende Klänge, um alte Energien zu vertreiben, die dort noch verweilen könnten, wie z. B. die Stimmung, als Sie deprimiert waren oder schlechte Nachrichten erfuhren oder letzte Woche einen Streit dort hatten.

Beseitigen Sie das alles. Verabschieden Sie sich schließlich von Ihren Lieben.

Wie Sie sich zurechtfinden

Hier ein paar hilfreiche Vorschläge für Ihren Retreat:

1 Stellen Sie sicher, dass Sie genügend Kissen haben, damit Sie bequem sitzen, oder wählen Sie einen komfortablen Sessel.

2 Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Wussten Sie, dass es fast unmöglich ist, gleichzeitig auf Ihren Atem und Ihre Gedanken zu achten? Seit Jahrtausenden werden besondere Atemtechniken für die Meditation genutzt, um wachsam und präsent zu bleiben.

3 Lassen Sie Ihren Verstand außen vor. Stellen Sie sich vor, er ist wie ein kleines Kätzchen. Setzen Sie es in Ihrer Vorstellung in eine schöne kleine Schachtel mit Löchern, damit es atmen kann. Binden Sie die Schachtel mit einem roten Band zu und positionieren diese auf einer Fensterbank oder im Garten. Sagen Sie Ihrem Verstand: „Bitte mach eine Pause. Es ist gut für dich. Geh schlafen, ich bin gleich wieder da.“

4 Entspannen Sie sich, tiefer und tiefer. Wenn die Gedanken kommen, sagen Sie „Danke“ und „später“ und konzentrieren Sie sich dann wieder darauf, Ihren Atem zu beobachten und Ihren Körper zu entspannen.

5 Hören Sie auf die Stille zwischen Ihren Gedanken. Erweitern Sie die Stille. Beobachten Sie sie. Können Sie unterscheiden, wann Sie beobachten und atmen und wann Sie denken? Was wählen Sie? Nähern Sie sich der Stille geschickt, nicht kämpfend, sondern annehmend und weitergehend.

6 Atmen Sie langsam und sanft ein und visualisieren Sie, dass Sie Prana, Lebensenergie, in sich aufnehmen. Wie fühlt sich diese Energie in Ihnen an? Hat sie eine Farbe? Ist sie ein Geräusch? Erlauben Sie dem Prana, Ihren ganzen Körper auszufüllen.

7 Atmen Sie ein und halten dann den Atem für einige Sekunden an. Spüren Sie, dass Sie in die Ewigkeit eintreten. Sie sind jetzt jenseits des Lebens, gehen über den Tod hinaus, keine Vergangenheit, keine Zukunft. Nur dieses unaufdringliche JETZT. Überschreiten Sie die Grenzen des Tuns und Denkens, während Sie sich zwischen dem eingehenden und dem ausgehenden Atem entspannen.

8 Beim Ausatmen stellen Sie sich den Atem vor, der in Ihre Lungen und dann durch Ihren ganzen Körper fließt, bis hinunter zu Ihren Füßen und in die Erde unter Ihnen. Atmen Sie aus und lassen Sie all Ihre Spannungen und Sorgen los.

9 Es kann sein, dass Sie für eine Weile absolut nichts tun wollen. Legen Sie sich auf Ihr Bett und entspannen Sie sich und seien Sie einfach.

10 Nehmen Sie sich jeden Tag Zeit für eine sanfte körperliche Betätigung wie Stretching oder Yoga.

11 Fragen Sie sich bei jedem Schritt: „Ist es das? Fühle ich mich wohl dabei, mich hier zu entspannen und diese Atmosphäre zu genießen?“ Hören Sie auf Ihre innere Führung, die intuitive Stimme, die Sie führt.

12 Wenn Sie all diese Dinge regelmäßig und ernsthaft tun, wird sich die Weite jenseits der geistigen und körperlichen Grenzen offenbaren. Hier ist der Ort, an dem man in Dankbarkeit verweilen kann. Konzentrieren Sie sich mühelos, hinter Ihren geschlossenen Augen, auf die Mitte Ihres Kopfes. Warten Sie, entspannen Sie sich, lassen Sie los. Sobald sich dieser Raum stabil anfühlt, stellen Sie die Fragen, die Ihnen wichtig sind, und warten auf Antworten.

13 Nach dem Ende des Retreats gehen Sie die Dinge erst einmal sehr langsam an. Verbringen Sie noch ein paar Stunden damit, so wenig wie möglich zu reden, und schreiben Sie alle Erkenntnisse auf, die Sie erhalten haben.

Der Verstand stürzt sich auf die Stille

und fordert, eingelassen zu werden …

Aber die Stille bleibt unbewegt.

Sie bittet nur um nichts.

Nichts.5

Kapitel 3
Offenbarungen auf Acid
in Shambhala

Ich hatte noch nie zuvor ein grünes Pferd gesehen. Auch kein rotes. Aber als ich im Hinterland von New York einen Waldweg entlangspazierte, auf dem es nach dem vorausgegangenen Regenfall nach feuchten Flechten und Farnen roch, begegnete ich beiden.

Es war ein guter Auftakt zu meiner Begegnung mit Timothy Leary, ehemaliger Dozent an der Harvard University. Er war der Guru der Revolution auf Acid geworden, die eine ganze Generation hipper junger Menschen in den Vereinigten Staaten inspirierte, der Mainstream-Gesellschaft den Rücken zu kehren, die Fesseln des anti-ekstatischen Establishments abzuschütteln und eine Gegenkultur auf der Grundlage von Liebe und „Flower Power“ zu erschaffen.

Leary hatte auf einem weitläufigen Anwesen in der Nähe von Mill­brook, unweit von New York City, eine Kommune gegründet, die er „psychedelisches Boot Camp“ nannte, und ich traf ihn dort, weil ich LSD selbst einmal ausprobieren wollte. Ein Freund in Paris hatte mir einen Kontakt in Manhattan vermittelt, der wiederum mit Leary bekannt war, so dass es relativ einfach war, einen Termin zu vereinbaren, um ihn zu besuchen.

Es war das Jahr 1967. Ein Artikel im Paris Match Magazin über LSD, die Hippiegegenkultur und den „Summer of Love“ hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Ich wollte LSD selbst ausprobieren.

Ich wusste, dass die Einnahme dieser neuen Droge riskant war. Ich hatte Geschichten von Leuten gehört, die dachten, sie könnten fliegen und sich dann aus dem Fenster stürzten. Ich hatte aber auch gehört, dass LSD starke Erfahrungen mystischer Zustände bot, und das war für mich enorm attraktiv. Nach dem, was ich gelesen hatte, versprach LSD innere Offenbarung, eine tiefere Selbsterfahrung, eine tiefe Verbindung mit dem Göttlichen.

Die Suche nach Glückseligkeit war eine treibende Kraft in mir, etwas, was ich nicht wirklich erklären konnte, aber als geheime Leidenschaft anerkennen musste. Ich sehnte mich danach, die Momente des Lichts und der Weite, die ich während des Liebesaktes mit Richard kurz erleben durfte, auf eine neue und erweiterte Art und Weise zu erforschen oder erneut zu durchleben.

Die mystische Dimension ist seit langem Teil unseres menschlichen Potenzials, vor allem bei den Suchenden, darunter die heilige Teresa von Avila, Yogananda, Ramakrishna, Ramana Maharshi und Sri Aurobindo, sowie Meera, die singende und tanzende Verehrerin von Krishna, ganz zu schweigen von Johannes, dem unbekannten jüdisch-christlichen Propheten, der das Buch der Offenbarung schrieb.

Ich war begierig darauf, solche mystischen Zustände zu erkunden, aber auch vorsichtig, und ich hoffte, dass Timothy Leary mir den Namen eines Führers geben würde, der mich auf meiner ersten LSD-Reise begleiten und beschützen könnte.

Timothy empfing mich vor dem herrschaftlichen Anwesen und war freundlich, locker und charmant. Er war damals Ende vierzig. Sein langes markantes Gesicht mit dem quadratischen Kiefer war von widerspenstigen braunen Haaren umrahmt. Seine lachenden Augen blitzten, er war sehr wortgewandt und hatte eine sympathische Leichtigkeit an sich. Kein Wunder, dass er von Beruf Dozent war!

Er stellte mir seine beiden psychedelischen Pferde vor, die, wie er erklärte, während eines kürzlichen Acid-Trips angemalt worden waren. Sie schienen sich in ihren grünen und roten „Kostümen“ überraschend wohlzufühlen. Tim lud mich zum Tee in die Villa ein. Ich erzählte ihm von meinem Wunsch, LSD zu erleben, und zwar mit einem Begleiter.

Er sprach ausführlich über die Bedeutung der Droge und sagte Dinge wie: „Die Erfahrung höherer Bewusstseinszustände ist notwendig für das Überleben der menschlichen Spezies“ und „LSD ist die Droge, die diese Transformation bewirken kann“.

Dann überreichte er mir ein Geschenk: ein kleines Quadrat Löschpapier, das eine mittlere Dosis „reines Sandoz“ oder Lysergsäure enthielt, von der er mir versicherte, dass sie vom Schweizer Unternehmen hergestellt worden sei und frei von jeglichen Zusatzstoffen sei.

„LSD ist ein großes Sakrament, also behandeln Sie es mit Respekt“, riet er mir. „Bereiten Sie sich gut vor und nehmen Sie sich danach Zeit, um über Ihre Erfahrungen nachzudenken.“

Er gab mir die Telefonnummer eines Freundes in New York City, der mich mit einem Führer für meine Reise zusammenbringen würde. Learys Freund verband mich am Telefon mit jemandem, der mich mit jemandem verband, bis ich schließlich mit Asat Mitra sprach. Mir war gesagt worden, dass dieser Mann gerade aus Indien angekommen war und in New York an der Lower East Side lebte und „ein erfahrener Yogi“ war.

Als ich nach Manhattan zurückgekehrt war, suchte ich nach der Adresse von Herrn Mitra und war überrascht, ihn in einem ziemlich verfallenen Viertel mit Häusern in schlechtem Zustand zu finden, die Straßen säumten, die verlassen wirkten.

Ich kletterte zwei Stockwerke hoch zu seiner Wohnung, die an eine exotische Höhle erinnerte. An den Wänden hingen Gemälde von indischen Göttern und bunte Teppiche, die mit kleinen Spiegeln besetzt waren. Räucherstäbchen brannten und der Raum roch nach Sandelholz.

Niemand war da. Ich hatte jedoch einen Termin, also wartete ich einige Minuten lang und nahm alles in mich auf, erfüllt von Neugierde, wobei ich fast erwartete, dass eine Art Genie wie aus Aladdins Lampe aus dem mit Blumen und Kerzen geschmückten Altar auftauchen würde. Ich hustete, um meine Anwesenheit kundzutun.

Eine Tür neben dem Altar öffnete sich und in ihr erschien ein schmächtiger indischer Mann in einer traditionellen Kurta, einem knielangen Seidenhemd, das lose über pyjamaähnliche Baumwollhosen hinabfällt. Er begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln. Sein glänzendes schwarzes Haar fiel in losen Wellen auf die Schultern. Auf der schmalen spitzen Nase trug er eine Brille, die ihm das Aussehen eines Universitätsprofessors verlieh. Wir schüttelten uns die Hände, nannten unsere Namen und verbeugten uns in der indischen Namasté-Begrüßungsform voreinander, die Hände vor der Brust zusammengepresst.

Dann lud er mich ein, mich auf einem Kissen in der Nähe des Altars niederzulassen, und servierte mir süßen, würzigen indischen Tee, den ich später als Chai kennenlernen sollte.

Asat erklärte, er sei ein frommer Yoga- und Tantraschüler und studiere bei Meister Harish Johari, einem tantrischen Meister in Indien. Er zeigte mir Harish Joharis Bücher über die „Chakren“, die, wie Asat erklärte, eine Reihe von Energiewirbeln im Körper waren, die das „alchemistische Potenzial“ enthielten. Die Bücher waren wunderschön illustriert, und ich begann vage zu verstehen, dass es etwas mit spiritueller Transformation zu tun hatte.

Ich erzählte ihm, was ich suchte: einen vertrauenerweckenden Reiseleiter für meine LSD-Reise, der es mir erlaubte, meine eigenen Erfahrungen zu machen, ohne mich in einen Vogel zu verwandeln und aus dem Fenster zu fliegen.

Asat Mitra versicherte mir, dass er der Mann für diese Aufgabe sei. Er sagte mir, dass er bestimmte Siddhis oder psychische Kräfte besaß, wie Telepathie und das Lesen der Energie der Menschen aus der Ferne. Er bestätigte, dass er bereit sein würde, diese Kräfte zu nutzen, um mich auf meiner Reise zu schützen.

„Ich werde immer bei Ihnen sein“, sagte er, „psychisch immer auf Sie eingestimmt, aber in einem anderen Raum.“

Wir einigten uns auf folgendes Szenario: Ich würde sein Wohnzimmer für meine Reise benutzen, während er in seinem Schlafzimmer, welches im Flur lag, in telepathischer Verbindung mit mir meditieren würde.

Ich hatte meine Zweifel an der Existenz solcher Kräfte, aber ich wollte ihm glauben und versuchte in meinem Kopf, eine Art rauchige Präsenz-Wolke zu visualisieren, die wie eine Nabelschnur von seinem Gehirn zu meinem entlang des Korridors wogte.

Auf einer praktischeren Ebene sagte er, er würde mir eine Glocke geben, damit ich klingeln konnte, falls ich ihn brauchte.

Asat Mitra schien gut informiert und hilfsbereit zu sein. Er bot mir an, kostenlos mein Führer zu sein. Ich willigte ein, etwas überrascht, und fragte mich, ob er das tat, weil er Hintergedanken oder geheime Motive hatte, vielleicht hinsichtlich dieser seltsamen blonden Französin, die in sein Leben getreten war.

Im Laufe der Unterhaltung wurde mir dieser Mann immer sympathischer, aber ich vertraute ihm nicht wirklich. Aber ich fühlte mich stark genug, das Experiment zu wagen.

Zwei Tage später fuhr ich zu seiner Wohnung und brachte ein weißes festliches Kleid mit, das ich auf der Reise tragen wollte. Wie angewiesen hatte ich nichts gegessen und nur Wasser getrunken – keinen Tee oder Kaffee. Ich fühlte mich mehr als aufgeregt. Dieser Moment fühlte sich wie Schicksal an, wie etwas aus einem vergangenen Leben, als ob ich einen alten Tempel wieder besuchen und mich auf eine lebensverändernde Initiation vorbereiten würde.

Ich wurde von einem strahlenden Asat empfangen. Wir überprüften, ob alles bereit war: Wasser, Obst, keine scharfen Gegenstände – Messer oder Scheren, die herumlagen. Taschentücher, falls ich weinen wollte, weiche Schals, falls mir kalt war, eine Menge Kissen, Weihrauch und ein paar Fotos von spirituellen Mystikern, sowohl Männer als auch Frauen.

Im Nebenraum zog ich alle einengende Unterwäsche aus und ein lockeres weißes Baumwollkleid an. Als ich das Wohnzimmer wieder betrat, segnete Asat Mitra mein drittes Auge mit ätherischem Sandelholzöl, mein Kronenchakra mit Rosenöl, mein Herz mit Jasmin und meinen Bauch mit Lavendel. Er sang Mantras auf Hindi, während ich zuhörte.

Ich widmete meine Reise dem Erlangen eines tieferen Verständnisses der wahren Bedeutung des Tantra, nicht nur für mich, sondern für alle Wesen. In den zwei Tagen seit meinem ersten Besuch bei Asat hatte ich eifrig Bücher über diese uralte Wissenschaft der Erleuchtung gelesen und fühlte mich stark von ihr angezogen.

Das Tantra wies einen Weg, um das Ego oder die Persönlichkeit zu transzendieren, indem es die Lebensenergie durch die Chakren leitete. Während sie durch den Körper aufstieg, fächert sich diese Energie in immer feinere und höhere Frequenzen auf und verwandelt sich schließlich in eine Erfahrung der Lumineszenz am Kronenchakra.

War es das, was passiert war, als ich zum ersten Mal mit Richard Liebe gemacht hatte? Meine Frage oder besser gesagt meine Mission war: Könnte Tantra diesen erwachten Zustand stabilisieren? Könnte es ein universelles Erwachen für alle werden?

Zurück im Hier und Jetzt verbeugte ich mich vor dem Geist von LSD. Ich dankte dem Mutterkorn, dem Getreidepilz, aus dem es gewonnen wurde. Ich dankte Albert Hofmann, dem Schweizer Wissenschaftler, der 1938 die synthetische Lysergsäure entdeckte. Ich stimmte mich auf meinen Geist ein und entspannte mich.

Die Zeit war gekommen. Asat gab mir ein Glas Wasser und ich holte das Löschpapier, das Tim Leary mir gegeben hatte, aus meiner Tasche. Ich segnete es mit einem „Aum“ und schluckte seinen Inhalt. Asat verbeugte sich und ging in sein Zimmer. Etwa vierzig Minuten später, mit geschlossenen Augen, entwickelte ich eine innere Vision von bunten Lichtfraktalen, die sich in zelluläre Bewegungen in meinem Körper verwandelten.

Ich werde nicht versuchen, all die Dinge zu beschreiben, die mir auf dieser ersten LSD-Reise passiert sind, aber es begann – wie viele Menschen vor mir berichtet haben – mit der Intensivierung der Farben im Raum, verbunden mit einer herrlichen Vitalität, denn alles, selbst feste Objekte, pulsierte nun vor Lebendigkeit.

Ebenso wichtig war, dass mein Verstand seine routinemäßige Gewohnheit aufgab, das, was ich um mich herum sah, zu interpretieren, zu bewerten und zu kategorisieren, so dass ich unschuldig wurde, offen für das, worauf sich mein Bewusstsein konzentrierte, angefüllt mit Staunen über die gewöhnlichsten Dinge.

Am deutlichsten erinnere ich mich daran, dass ich irgendwann auf der Reise spürte, wie ich mich über die Grenzen meines Körpers hinaus ausdehnte und in eine ganz andere Dimension schlüpfte.

Wechseln wir auf dieser Reise zum „Jetzt“.

Ich befinde mich in einer neuen Welt, einer sehr realen, sinnlichen, fühlbaren, sichtbaren Welt. Eine Welt, die reich an Farben leuchtet, jedes Teilchen in der Luft reflektiert die Farbtöne eines Regenbogens. Ich habe ein starkes Gefühl von Déjà vu. Ich war schon mal hier. Tatsächlich war ich hier sehr glücklich. Ich weiß nicht, warum ich diesen Ort jemals verlassen musste.

Ich bin in einem Garten. Man könnte es den Garten Eden nennen. Die Natur ist üppig und vielfältig, so satt, so lebendig. Vögel, Insekten und alle anderen Tiere sind freundlich. Hohe Bäume blühen und erheben sich über bunten Blumen und wilde Gewächse, die ihre Schönheit und ihren Duft zu unserer Freude entfalten.

Es sind viele von uns hier, aber nicht die Menschen, wie man sie kennt, sondern eine Art von Wesen. Diese Menschen scheinen vollkommen zufrieden zu sein. Ich nehme keine Dualität, keine Negativität, kein Unglück wahr. Diese Menschen scheinen jenseits des Egos zu existieren. Sie sind in einem Zustand der Einheit zwischen Geist und Körper. Einheit mit allem und jedem und der Natur.

Ihre Herzen sind voller Freude. Sie haben eine Art „inneren Glanz“, eine Anmut, die übermenschlich zu sein scheint. Ich wage nicht, göttlich zu sagen, aus Angst zu religiös zu klingen, aber ich meine es im Sinne einer Einheit zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung. Sie sind beides gleichzeitig. Sie lächeln, wirken unschuldig und simpel. Ihre Welt ist spielerisch, ganz ohne Mühsal.

Ich laufe umher, staune über die Möglichkeit, dass eine solche Welt existiert, und weiß doch irgendwie, dass es immer so war. Denn ich bin eine von ihnen. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass ich hierhergehöre, dass ich schon früher hier war, vor langer Zeit. Ich komme nach Hause. Das ist meine Familie. Das hier ist mein Heiligtum meine Heilung, mein Shambhala.

Es ist eine Offenbarung des tantrischen Lebensstils, der keine Trennung zwischen Körper und Seele, dem Göttlichen und dem Gewöhnlichen, dem Spirituellen und dem Materiellen vornimmt. Er vermittelt ein totales Ja zum Leben in all seinen Facetten.

Nach langem Aufenthalt im „Garten“ scheine ich für eine Weile ins Nirgendwo zu verschwinden, fast wie beim Schlafen. Dann, als ich aufwache, noch high von der LSD-Reise, befinde ich mich auf Asat Mitras Schoß.

Er sitzt ganz still, in der YabYum-Position, die Beine gekreuzt in Halblotushaltung, wobei ich auf seinen Oberschenkeln ruhe, meine Beine um seine Taille. Es ist alles in Ordnung, außer, dass in meiner Vagina, meiner Yoni, ein „Besucher“ zu sein scheint. Ich konzentriere mich und merke, dass sein Penis in meinem Körper ist. Es fühlt sich ziemlich interessant an, aber irgendwie losgelöst von meiner momentanen Situation.

Ich habe das Gefühl, dass da etwas ist, was nicht da sein sollte, wie ein nicht eingeladener Gast, der auf einer Party auftaucht. Wie gehe ich mit dieser Situation um?

Was macht er hier? Auch wenn ich high bin, bin ich mir bewusst, dass es an mir liegt, wie ich diese Situation handhabe: mitmachen, es akzeptieren oder mich zurückziehen. Ich schließe die Augen, aber bevor ich etwas entscheiden kann, öffnet sich eine neue Dimension.

Fraktale von Gefühlszuständen präsentieren sich in rascher Folge: Frauen werden missbraucht und vergewaltigt. Bin ich das jetzt? Werde ich vergewaltigt?

„Nicht wirklich“, kommt meine eigene Antwort. „Es tut nicht weh.“

Aber, muss es wehtun, um eine Vergewaltigung zu sein? Schließlich hat mich niemand gefragt.

Ich werde ergriffen von der traurigen Erkenntnis, dass es in unserer menschlichen Welt unmöglich scheint, sich der Vollkommenheit von Shambhala hinzugeben, ohne dass irgendein Perversling die Situation ausnutzt. Oder ist das vielleicht eine Art tantrische Initiationszeremonie?

Vielleicht kann ich meine Aufmerksamkeit nach unten in mein Geschlecht konzentrieren und mich amüsieren, allerdings reagiert mein Körper nicht wirklich auf dieses Objekt in mir. Es fühlt sich fremd und unbelebt an wie ein kalter Fisch, der bewegungslos in einem Aquarium herumschwimmt.

Ja, ich sehe ein Aquarium da unten. Es gibt viele Fische in meinem Aquarium, die herumschwimmen und warten. Jetzt verwandeln sie sich in Penisse mit Kiemen, kleine, lange, große – alle schwimmen in diesem Aquarium in meiner Vagina.

In diesem Moment identifiziere ich mich völlig mit der Vision dieses Aquariums. Ich beobachte diese Penisse, die gemächlich schweben und kaum ihre Kiemen bewegen. Es ist so überraschend und unerwartet, dass ich noch ein zweites Mal hinsehen muss und plötzlich ist diese Vision wirklich, wirklich lustig. Es ist urkomisch!

Unerwartet breche ich in Gelächter aus, das anschwillt und so überwältigend wird, dass es mich schüttelt und mein ganzer Körper bebt. Das Lachen wird noch intensiver, wenn ich den verwirrten Ausdruck meines Besuchers sehe, dessen kleiner Fisch jetzt aus mir herausrutscht. Zweifellos wird das Aquarium zu stark erschüttert, als dass seine Fische in Ruhe herumschwimmen könnten.

Asat Mitras Mundwinkel verziehen sich zu einem künstlichen Lächeln und er entfernt sich langsam aus dem Raum. Ich bin wieder allein und immer noch auf dem Trip. Glücklicherweise bin ich weiterhin von der Schönheit meiner Shambhala-Erfahrung durchdrungen, von der Dankbarkeit und der Erkenntnis, dass es einen solchen Ort gibt, dass ich dorthin gehöre, dass es meine Mission ist, ihn wieder zu entdecken und „nach Hause“ zurückzukehren.

Und nun zurück zur Vergangenheitsform.

Als ich aus dem LSD-Trip erwachte, befand ich mich wieder im Wohnzimmer von Asat Mitra. Wie zu erwarten war ich leicht verwirrt und erholte mich langsam von der Intensität der Erfahrung.

Mein Gastgeber war höflich und sachlich. Ich war nicht sicher, ob der „penetrierende Besuch“ seines Penis-Fisches nur Bestandteil meiner Vision war, also verlor ich kein Wort darüber. Als ich mich letztendlich bereit fühlte, brachte er mich zu einem Taxi und wir vereinbarten, dass ich bald wiederkommen würde.

Zu Hause gönnte ich mir ein heißes Reinigungsbad und zehn Stunden erholsamen Schlaf. Kaum aufgewacht trank ich literweise Wasser und nahm, wie von Leary empfohlen, eine Extra Dosis Vitamin C zu mir, damit sich der Körper von dem enormen Energieverlust erholen konnte. Ich fühlte mich glücklich und erfrischt und reservierte mir den nächsten Tag, um noch einmal über das Erlebte nachzudenken und darüber zu schreiben.

Ich hatte meine Reise dem Ziel gewidmet, ein tieferes Verständnis der Bedeutung des Tantra zu erlangen, nicht nur für mich – sondern für alle Wesen.

Es fühlte sich an, als hätte ich einen Initiationsritus in die Welt des Tantra durchlaufen, welches für mich zwei Dimensionen hatte, eine alte und eine neue. Asat Mitras ungebetenen Besuch meiner Yoni sah ich als Teil des „alten Tantra“, das von Männern geschrieben worden war, die nach jungen Partnerinnen suchten, vorzugsweise Jungfrauen, mit denen sie ihren Geist und Körper verjüngen konnten.

In diesem alten Paradigma waren Frauen nur Objekte, aber es gab noch eine andere Dimension, ein neues Tantra, in dem auch Frauen ihr Recht auf ekstatische Erfahrungen geltend machen konnten.

Ich dachte über meine Vision von Shambhala nach. Es schien mir, dass ich in einem früheren Leben dort gewesen sein muss, oder vielleicht war es eine Botschaft aus dem Jenseits, um mir zu zeigen, dass eine solche Lebensweise durch Meditation und spirituelle Praxis, so wie die Lehre des Tantra, durchaus möglich ist. Erst viel später wurde mir klar, dass ich versuchte, das Shambhala-Erlebnis in jeder meiner Tantra-Gruppen nachzubilden. Ich wollte den Menschen den Raum geben, Unschuld und Harmonie zu finden, indem sie ihre Herzen füreinander öffneten.

Als ich meinen „normalen“ Geisteszustand wiedererlangte, wurde mir klar, dass Asat mich tatsächlich irgendwann auf meiner LSD-Reise besucht hatte, obwohl er versprochen hatte, in seinem Zimmer zu bleiben. Stattdessen ist er sexuell in mich eingedrungen. Doch da mein Bewusstseinszustand verändert war, konnte mein Verstand diesem Besuch keine „Bedeutung“ zuordnen. Für mich war alles nur eine Abfolge farbiger Fraktale, gefolgt von unerwarteten Visionen von Fischen. Es gab in diesem Moment keine Vergangenheit, keine Zukunft, keine Rebellion, kein Urteil. Seltsam war auch, dass ich jetzt erst erkennen konnte, was tatsächlich abgelaufen war.

Heute würde man diesen Vertrauensmissbrauch als Vergewaltigung bezeichnen. Da ich auf einem LSD-Trip war, fühlte sich der sexuelle Akt auf sensorischer Ebene fast neutral an. Nicht akzeptabel war, dass mich niemand um Erlaubnis gebeten hatte. Angenehm oder nicht, der Sex war nicht im gegenseitigen Einvernehmen geschehen.

Ich habe diesen Punkt sorgfältig bedacht. Nichts hätte die Angelegenheit ungeschehen gemacht. Hätte ich einen großen emotionalen Wirbel mit Schuldzuweisungen veranstaltet, dann hätte dies nur das Gefühl für die Schönheit meiner LSD-Reise herabgesetzt. In Wahrheit war ich durch die Meditation in der Lage, mit der Situation Frieden zu schließen und Asat Mitra in die Kategorie „Schurke“ einzuordnen. Ich besuchte ihn nie wieder.

Wenn ich zurückblicke, konnte ich ein Verhaltensmuster feststellen. Wenn sich jemand als Betrüger herausstellte, neige ich dazu, diesen aus meinem Leben auszuschließen, während ich das Problem in Angriff nahm. Funktionierte das nicht, entschied ich mich für den Weg der Konfrontation.

Dies war der Beginn eines langsam aufkeimenden Gefahrenbewusstseins auf vielen Ebenen. Ich wusste jetzt, aus eigener Erfahrung, dass eines der schönen Geschenke von LSD darin besteht, dass es Menschen unschuldig, kindlich, verletzlich und ungemein beeinflussbar macht. Genau dieser Aspekt öffnet aber auch die Tür für Manipulation, Kontrolle und Ausbeutung. Asats Verrat an seiner Rolle als Beschützer, seine ungebetene sexuelle Intervention, hätte meinen Trip in einen hässlichen Albtraum verwandeln können, wäre da nicht die rechtzeitige Rettung durch die lustigen Penis-Fische gewesen.

Ich war in einer verwundbaren Position. Er nutzte diese aus. Das ist es, was bei Date-Vergewaltigungen passiert. Ein solcher Missbrauch kann sehr gefährlich sein. Ich habe Glück gehabt, dass neben der Penetration keine körperliche Gewalt stattgefunden hat.

Heute würde ich anders handeln. Ich würde sicherstellen, dass ich den Tripführer gut kenne und der Person absolut vertrauen kann, und möglicherweise würde ich eine solche Reise in Anwesenheit von „Mitreisenden“ unternehmen.

Trotzdem schätze ich mich glücklich. Durch meine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Vorfall und der Anerkennung der möglichen schmerzhaften Folgen eines solchen missbräuchlichen Ereignisses hinterließ meine Erfahrung keine tiefe Wunde. Damals wurde ich durch die komischen Visionen der Penisfische und dem daraus resultierenden Lachanfall aus der Situation mit Asat Mitra errettet. Wie Sie feststellen werden, bietet dieses Buch viele Möglichkeiten, von traumatischen sexuellen Erfahrungen geheilt zu werden, denn dieses Thema liegt mir am Herzen. Eine der mächtigsten Heilungen fand in der Geschichte von Kapitel acht statt.

Diese Vergewaltigung bei einem Date markierte auch den Beginn meines Verständnisses, wie Tantra als Weg zur Glückseligkeit angenommen oder umgekehrt missbraucht werden kann. Es kann ein heiliger Weg zu höherem Bewusstsein sein oder als billige „spirituelle“ Strategie benutzt werden, um junge Frauen zum Sex zu verführen: „Lass mich dich in das Tantra einführen, Baby.“

Diese beiden Optionen und alle Grautöne dazwischen sind ein charakteristisches Merkmal des Tantra seit seiner Einführung in die westliche Welt.

Doch die Geschichte meines LSD-Abenteuers war noch nicht vorbei. Nach einem Besuch in den Vereinigten Staaten kehrte ich nach Paris zurück und begann eine Karriere als Journalistin. Bald war ich erfolgreich als Freelancerin für mehrere internationale Zeitschriften tätig.

Wenn wir zwei Jahre bis 1969 vorspulen, finden wir diese junge Frau in New York wieder, diesmal für Paris Match schreibend, der beliebten französischen Illustrierten. Der Direktor des New Yorker Büros des Magazins hatte einen zweisprachigen Journalisten gesucht, der sich in Französisch und Englisch ausdrücken konnte.

Nachdem ich einige Monate für das Magazin gearbeitet hatte, fühlte ich mich durch die Tendenz des Pariser Büros, meine Artikel stark zu kürzen, sehr verunsichert.

Ich musste etwas Substanzielleres für mich finden. Mit Begeisterung und einem Gespür für neue Trends machte ich das obere Management auf mich aufmerksam und schlug mich als Direktorin einer neuen Abteilung vor, die sich der amerikanischen Gegenkultur widmen sollte: der Flower-Power-Revolution.

Tatsächlich bekam ich meine eigene „Abteilung“ und wurde ab sofort dafür bezahlt, um den außergewöhnlichsten kulturellen Durchbruch des Jahrhunderts zu erkunden. Ein Traum wurde wahr. Mein erstes großes Happening war die Woodstock Music and Art Fair, die vom 15. bis 18. August 1969 auf einer Milchfarm im Hinterland von New York stattfand.

Einer der Initiatoren, Michael Laing, organisierte mir einen Presseausweis und einen Stehplatz direkt vor der Bühne. Was geschah, ist Geschichte: Das Festival, mit dem man maximal 200.000 Teilnehmer anziehen wollte, brachte mehr als 400.000 begeisterte junge Menschen auf Max Yasgurs Farm in den Catskills. Das ganze Feld und der Hügel waren zugeparkt. Eine ganze Stadt schoss in wenigen Stunden in die Höhe.

Es war gigantisch. Stoßstangenverkehr. Kein Weg rein, kein Weg raus. Es war ein Ereignis, das den Veranstaltern eher passierte, als dass es organisiert worden wäre. All die jungen Menschen, die so glücklich und bunt aussahen mit ihren langen Haaren, Batikhemden und Schlaghosen, zeigten der Welt, dass etwas Neues und unglaublich Spannendes geschah. Sie veränderten die Kulturen und Werte der Welt.

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Data wydania na Litres:
22 grudnia 2023
Objętość:
371 str. 3 ilustracji
ISBN:
9783946959694
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