Czytaj książkę: «Tabuthema Trauerarbeit - eBook»
Margit Franz
Tabuthema
Trauerarbeit
Kinder begleiten bei Abschied,
Verlust und Tod
Tuedio!
Für Thomas in Liebe, Dankbarkeit und Lebensfreude

Inhalt
Vorwort
1. Biografische Erfahrungen reflektieren
Wie pädagogische Fach- und Lehrkräfte sich dem Thema nähern können
Persönliche Erfahrungen: Ich als Kind und Jugendliche*r
Persönliche Erfahrungen: Ich als Erwachsene*r
Professionelle Erfahrungen: Ich als Fachkraft bzw. Lehrkraft
Professionelle Erfahrungen: Wir als Team und Kollegium
2. Vorstellungen, die Kinder vom Tod haben
Kinder im Alter von null bis drei Jahren
Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren
Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren
3. Wie Kinder trauern
Erste Traueraufgabe: Die Realität anerkennen
Zweite Traueraufgabe: Den Abschiedsschmerz durchleben
Dritte Traueraufgabe: Verinnerlichen dessen, was war
Vierte Traueraufgabe: Eine neue Identität entwickeln
Störungen der Trauer und Unterstützungsangebote
4. Kinder erfahren Abschiede, Verluste und den Tod
Kinder trauern um einen materiellen Verlust
Kinder erleben, wie sich ihre Lebenssituation verändert
Kinder entdecken tote Tiere
Kinder erfahren vom Tod einer ihnen bekannten Person
Kinder trauern um den Tod ihres Haustieres
Kinder trauern um den Tod ihres Freundes
Kinder trauern um den Tod ihrer Erzieher*in oder Lehrer*in
Kinder trauern um den Tod ihrer Großeltern
Kinder trauern um den Tod ihres Geschwisters
Kinder trauern um den Tod ihrer Eltern
5. Trauernde Kinder begleiten und unterstützen
Welche Haltung brauchen Fach- und Lehrkräfte?
Was hilft Kindern, damit sie gut trauern können?
6. Zusammenarbeit mit Eltern
Fachkompetente Beratung und partnerschaftliche Kooperation
Die häufigsten Fragen von Eltern
7. Kooperation mit Unterstützungssystemen – Adressen und Anlaufstellen
Telefonseelsorge
Trauernde Kinder und Jugendliche
Suizid
Institute für Beratung, Begleitung, Aus- und Weiterbildung
Kinderhospize
Ausstellungen und Museen
Besonders zu empfehlen
Anhang
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Die Autorin
Empfehlenswerte Kinderbücher
Vorwort
„Alles, was man über das Leben lernen kann, ist in drei Worten zu fassen: Es geht weiter!“
Friedrich von Schiller
Abschiede, Verluste und der Tod gehören zum Leben und sind nicht zu vermeiden. Sie sind Lebenswirklichkeit und nur zu gerne möchten wir sie vor unseren Kindern fernhalten. Wir wissen, dass Kinder früher oder später mit dem Tod von Haustieren, Familienmitgliedern, Freunden und Menschen, die ihnen nahe sind, konfrontiert sein werden. Wie führen wir Kinder zu diesem wichtigen Lebensthema hin? Wie bereiten wir sie auf diese bedeutsame Lebenserfahrung vor? Wie begleiten wir sie in der Verarbeitung ihres Verlustes?
Der beste Zeitpunkt, sich mit dem Thema zu befassen, ist immer dann, wenn das Thema nicht brisant ist. Das Leben selbst bietet dazu vielfältige Anlässe, sich behutsam der Thematik anzunähern. Wenn Kinder auf dem Schulhof beispielsweise einen toten Vogel finden oder ein Kind im Gesprächskreis erzählt, dass sein Meerschweinchen zuhause gestorben ist, dann ist das Thema bereits da! Wir können es übersehen und überhören und schnell zur Tagesordnung übergehen. Wir können das Thema aber auch aufgreifen und mit den Kindern darüber in einen Austausch kommen: „Lasst uns mal kurz innehalten und uns darüber unterhalten, was da passiert ist!“ Dann lernen die Kinder voneinander und mit uns Erwachsenen, dass dieses Thema ein trauriges Thema, jedoch kein Tabuthema ist, das uns sprachlos und hilflos macht. Sie erfahren, dass der Tod zum Leben gehört und dass diese Situation betrauert, gestaltet und bewältigt werden kann. In solchen Gesprächen bleibt es erfahrungsgemäß nicht beim toten Vogel und dem gestorbenen Meerschweinchen, weil die Kinder als Experten ihrer selbst von ihren Geschichten und persönlichen Erfahrungen berichten und die Gesprächsrunde damit bereichern. Gibt es in der Kita- und Schulbibliothek darüber hinaus eine Auswahl an Bilder- und Kinderbüchern zu dem Thema, bietet die Literatur ebenfalls Impulse für eine Auseinandersetzung mit der Thematik. Wenn wir uns mit Kindern, im Team und Kollegium mit Sterben, Tod, Trauer beschäftigen, dann ist es Thema und kein Tabu, und eben das ist beste Vorbereitung für den traurigen Ernstfall. Gemeinsam mit Kindern entwickeln wir eine gefühlvolle Gesprächskultur, zudem Ideen und Rituale, wie wir eine Verlustsituation und einen Abschied miteinander gestalten können.
In der Verantwortung von Fach- und Lehrkräften liegt es, zu dem Thema eine professionelle Haltung zu entwickeln und einen „Notall-Plan“ oder „Krisen-Koffer“ zu erarbeiten, so dass ein Team und Kollegium gut vorbereitet ist, wenn das Thema plötzlich akut wird. Eine jede Fach- und Lehrkraft sollte über das hausinterne Notfallmanagement informiert und entsprechend geschult sein, so dass mit einem Todesfall im Nahbereich sowie im erweiterten Umfeld von Kita und Schule kompetent umgegangen werden kann. Sind bereits Kooperationen zu unterstützenden Systemen wie Kriseninterventionsdienst, Notfallseelsorge, Fachstellen zur Trauerbegleitung, Fachberatung aufgebaut, kann im akuten Bedarfsfall kurzfristig darauf zurückgegriffen werden.
Ich bin davon überzeugt, dass es für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien wertvoll und lohnend ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen, um im traurigen Ernstfall darauf vorbereitet zu sein. Insbesondere pädagogische Fach- und Lehrkräfte, die in Kindertageseinrichtungen und Schulen professionell arbeiten, sind in einer besonderen Verantwortung gegenüber Kindern und ihren Familien. Mit meinem Buch „Tabuthema Trauerarbeit – Kinder begleiten bei Abschied, Verlust und Tod“, den beiden ergänzenden Fotokarten-Sets „Mit Kindern über Abschied, Verlust und Tod sprechen“ (Impulskarten zur Trauerbegleitung in Kita, Grundschule und Familie) und „Umgang mit Tod, Verlust und Trauer“ (Reflexionsfragen für Erzieher*innen und Grundschullehrkräfte) möchte ich dazu beitragen, dass Kinder zu ihrem Recht auf Trauer kommen. Mein Anliegen ist es, pädagogische Fachkräfte sowie Lehrkräfte zu ermutigen und zu unterstützen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und ihr Wissensspektrum gegebenenfalls zu erweitern. „Tabuthema Trauerarbeit“ gibt hierzu fachliche Informationen, weiterführende Impulse und praxisnahe Ideen.
Am Ende des Buches finden Sie empfehlenswerte Bilderbücher , jeweils mit thematischer Einordnung und kurzer Inhaltsbeschreibung, die Sie in Ihrer pädagogischen Praxis unterstützen können und den Kindern das Thema Abschied, Verlust und Tod auf kindgemäße und behutsame Weise nahebringen. Die gesammelten Bilderbuchrezensionen finden Sie außerdem auch als pdf-Dokument im Download zum Ausdrucken, ebenso wie einige literarische Texte oder Aphorismen, die geeignet sind, die eigene Haltung zum Thema zu reflektieren.
Ich hoffe, dass mein Buch für Sie interessant ist und dass es Ihnen hilft, mit Kindern offene Gespräche über Tod und Sterben zu führen, der Trauer von Kindern achtsam zu begegnen und trauernden Kinder einfühlsam den Rücken zu stärken.
Margit Franz
Darmstadt im März 2021
1. Biografische Erfahrungen reflektieren
Wie gelingt es Fach- und Lehrkräften, sich mit den Themen „Abschied, Verlust, Sterben, Tod, Trauer“ auseinander zu setzen? Welche Methoden bieten sich an, um die eigenen persönlichen Erfahrungen zu reflektieren? Welche Möglichkeiten gibt es, sich auf einer professionellen Ebene mit der Thematik zu beschäftigen?
Wenn Erwachsene mit Kindern über das Sterben und den Tod sprechen oder ein Kind in einer akuten Trauersituation begleiten, ist es wichtig, dass sie ihre persönlichen Grenzen dazu kennen. Die Erlebnisse im Kindes- und Jugendalter prägen den späteren Umgang mit dem Thema und die Fähigkeit zur aktiven Trauer. Erfahrungen, die mit dieser Thematik und den damit verbundenen Situationen gesammelt wurden, können positiv im Sinne von hilfreich, ermutigend, unterstützend oder negativ im Sinne von belastend, entmutigend, beängstigend sein. Immer wieder erzählen Erwachsene, dass ein Mitglied ihrer Familie gestorben ist und sie sich als Kind in dieser Situation mit ihren Ängsten und Fragen allein gelassen gefühlt haben. Sie berichten zudem, dass es ihnen nicht ermöglicht bzw. verwehrt wurde, sich von einer ihnen nahestehenden, gestorbenen Person gebührend zu verabschieden und an der Beerdigung teilzunehmen.
„Ich fühlte mich ausgeschlossen, hatte viele Ängste und traute mich nicht zu fragen.“
„Niemand hat mir erklärt, was eigentlich los war. Ich hatte schreckliche Alpträume und jede Nacht ins Bett gemacht. Ich musste wieder Windeln tragen.“
„Wenn ich meine Eltern fragte, wo meine Oma sei, sagten sie immer: ‚Ach Kind, das verstehst du noch nicht‘.“
Wie pädagogische Fach- und Lehrkräfte sich dem Thema nähern können
Erwachsene erzählen, dass es weniger der Tod eines geliebten Menschen war, der bei ihnen als Kind zu einer Überforderung und Verdrängung des Verlustes führte. Vielmehr waren es die Begleitumstände, wie der Ausschluss aus der Trauergemeinschaft, eine mangelnde entwicklungsgemäße Beteiligung und fehlende klärende Gespräche, die eine angemessene Bewältigung des Verlusts verhinderten.
Ein Todesfall im Familien- oder Freundeskreis sollte die Betroffenen zueinander bringen, um gemeinsam zu trauern, zu trösten und Trost zu empfangen, Trauergefühle miteinander zu leben, Verständnis für die Gefühle anderer zu zeigen und darüber zu sprechen. Wenn solche wichtigen Erfahrungen fehlen, verankern Kinder und Jugendliche in ihren Selbstkonzepten: Trauer bedeutet Gefühlskälte, keine Emotionen zeigen, nicht miteinander reden, Totschweigen, keine Informationen bekommen und mit seinen Ängsten allein sein. So wie Menschen nicht nicht kommunizieren können (Paul Watzlawick) können sie nicht nicht Erfahrungen sammeln. Eine jede Erfahrung, auch eine „Nicht-Erfahrung“ (die es in diesem Sinne nicht gibt) ist eine Erfahrung. Wenn Kinder „keine“ Erfahrungen in diesem Thema sammeln dürfen und mit ihren Eindrücken und Erlebnissen allein gelassen werden, führen diese Erfahrungen zu einer Verdrängung und Tabuisierung der Thematik.
Wenn Kinder von Erwachsenen immer wieder zu hören bekommen „Dafür bist du noch zu klein!“, besteht die Tendenz, dass sie im späteren Erwachsenenleben diesen Satz und die damit verbundene Haltung wiederum an Kinder weitergeben. Aber wer ist damit eigentlich gemeint? Der Erwachsene oder das Kind? Ich tippe auf den Erwachsenen, der mit den neugierigen Fragen oder Trauergefühlen eines Kindes nicht klarkommt. „Dafür bist du noch zu klein“ könnte bedeuten: Ich Erwachsener fühle mich mit dem Thema klein. Ich bin damit überfordert, weil es in mir als Kind und Jugendlicher nicht wachsen konnte und ich mit der Thematik nicht er-wachsen wurde. Von einem Erwachsenen muss ein Kind jedoch erwarten können, dass er Schutz, Halt und Sicherheit gibt, insbesondere in Situationen, die verunsichern. Eine solche Situation ist gegeben, wenn ein für das Kind bedeutsamer Mensch im Sterben liegt oder verstorben ist. Insbesondere für Tagespflegeeltern, pädagogische Fach- und Lehrkräfte, die mit Kindern professionell arbeiten, ist es wichtig, dass sie ihre persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit Sterben, Tod und Trauer reflektieren, um sich dieser bewusst zu werden. Damit kann verhindert werden, dass unbewusst und unreflektiert an Kinder weitergegeben wird, was man selbst als Kind und Jugendlicher erlebt und erfahren hat.
In meinen weiteren Ausführungen beschreibe ich einfache Methoden, die Impulse geben, um sich dem Thema „Sterben, Tod, Trauer“ behutsam anzunähern. Die Methoden sind kein Ersatz für Gespräche, die im Rahmen von Supervisionen und therapeutischen Settings stattfinden. Sie bieten vielmehr Gelegenheiten, sich miteinander auszutauschen, gemeinsam zu reflektieren und zu erfahren, wie gut es tun kann, sich dieser Thematik achtsam und in kleinen Schritten anzunähern. Manchen Menschen fällt es leichter und anderen schwerer, sich für dieses Thema zu öffnen. Dies ist verständlich, weil die Erfahrungen diesbezüglich sehr unterschiedlich sein können. Jede Person entscheidet deshalb für sich, wie weit sie sich öffnen, ob und was sie von sich selbst mitteilen möchte. Es kann passieren, dass im Austausch plötzlich Tränen fließen, was bei diesem Thema völlig angemessen ist. Die vorgestellten Übungen können im privat-persönlichen Bereich im Kreis der Familie und mit Freunden, im sozialpädagogisch-professionellen und schulischen Bereich mit Kolleginnen und Kollegen, im Rahmen von Team- und Weiterbildungstagen praktiziert werden. Für die Arbeit im beruflichen Kontext empfehle ich, dass die Gruppe bespricht und vereinbart, wie sie miteinander arbeiten möchten. Hierfür können Gesprächs- und Verhaltensregeln sehr nützlich sein, beispielsweise:
Ich bestimme, was ich sage und tue.
Ich spreche per ich und nicht per man.
Ich bin respektvoll und wertschätzend.
Ich bemühe mich, achtsam und einfühlsam zu sein.
Ich versuche, nicht zu bewerten.
Ich beachte die Schweigepflicht.
Praxistipp: Kartenset mit Reflexionsfragen zum Thema Tod, Verlust, Trauer
Die Impulsfragen, die im Folgenden bei den verschiedenen Methoden formuliert sind, sind im Handel auch als praktisches Kartenset erhältlich: Umgang mit Tod, Verlust und Trauer. Reflexionsfragen für ErzieherInnen und Grundschullehrkräfte (Margit Franz, München 2021, EAN 426017951 690 0)
Hinweis: Die bei den Impulsfragen in Klammern stehenden Verweise (z. B. „Karte 1“) im Text dieses Buches beziehen sich auf die Nummerierung der Karten. Das Kartenset eignet sich gleichermaßen zur Reflexion im Team als auch für eine persönliche Befassung mit den eigenen biografischen Erfahrungen zum Thema Tod, Sterben, Abschied und Verlust.
Persönliche Erfahrungen: Ich als Kind und Jugendliche*r
Fotos meiner Kindheit
Für den Austausch bringt jede Person einige Fotos aus der eigenen Kindheit mit. In Dreiergruppen werden die Fotos betrachtet und die Gruppenmitglieder tauschen sich über ihre Erlebnisse und ihre Erfahrungen in der Kindheit aus.
Erfahrungen meiner Kinder- und Jugendzeit
Auf Karten sind verschiedene Fragen zum Thema formuliert. Die Fragekärtchen werden im Raum ausgelegt (aufgehängt), so dass sie für alle sichtbar sind. Die teilnehmenden Personen gehen umher, lesen die Fragen und lassen diese auf sich wirken. Ein nächster Schritt kann der Austausch über die Fragen in Kleingruppen sein.
Für beide Übungen eignen sich die folgenden Impulsfragen:
Wie wurde in meiner Familie über den Tod gesprochen? Welche Fragen haben mich in meiner Kindheit und Jugend beschäftigt? Mit wem konnte ich über meine Fragen sprechen? (Karte 1)
Mein erstes Verlusterlebnis – was habe ich als Kind betrauert? Welche Ängste und Sorgen hatte ich? Wie sind Erwachsene mit mir und meinen Gefühlen umgegangen? Welche Erinnerungen habe ich dazu? (Karte 2)
Wer hat mir als Kind und Jugendliche*r in meiner Trauer beigestanden? Wer war für mich da? Mit wem konnte ich über meine Trauer sprechen? Wer war für mich ein gutes Vorbild für Trauern? (Karte 3)
Was hat mir in meiner Trauer wohl- und gutgetan? Was hat mir wehgetan und mich enttäuscht? Was hätte ich mir rückblickend gewünscht? (Karte 4)
Ein bedeutsames Erb- und Erinnerungsstück aus meiner Kindheit oder Jugendzeit – was ist es und von wem habe ich es bekommen? Welche Bedeutung hatte es für mich als Kind und Jugendliche*r und welchen Wert hat es heute für mich? (Karte 5)
Nach einem persönlichen Austausch in Kleingruppen kann sich ein Austausch über die Gespräche im Plenum anschließen: Wie war euer Austausch? Seid ihr gut miteinander ins Gespräch gekommen? Was war in euren Gesprächen besonders interessant? Wer möchte etwas erzählen?
Persönliche Erfahrungen: Ich als Erwachsene*r
Symbole sprechen lassen: Trauer ist für mich wie …
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, am kommenden Montag haben wir unseren Team-Tag zum Thema „Kinder in ihrer Trauer begleiten“. Wir beginnen den Tag mit einer gemeinsamen Anfangsrunde. Meine Bitte ist, dass jede*r von euch einen symbolischen Gegenstand mitbringt, der für folgenden Satz passt: „Trauer ist für mich wie …“. Vielen Dank und herzliche Grüße!“
Diese Methode eignet sich als Einstieg in das Thema. Die teilnehmenden Personen erhalten hierfür einen Brief mit der Information und Bitte, einen symbolischen Gegenstand mitzubringen, der für eine bestimmte Frage steht, beispielsweise „Trauer ist für mich wie …“ oder „Der Tod bedeutet für mich …“. Nacheinander stellt jede Person ihren Gegenstand vor und legt diesen auf einem Tisch oder einem Tuch ab. Ist es nicht möglich, die teilnehmenden Personen frühzeitig zu bitten, einen symbolischen Gegenstand mitzubringen, kann eine Auswahl verschiedener Gegenstände auf einem Tisch präsentiert werden, beispielsweise Tücher in verschiedenen Farben, Naturmaterialien, Spielsachen, Alltagsmaterialien.
Fragentombola: Fragen zum Thema Tod
Jede Person erhält drei Kärtchen, auf die jeweils eine Frage notiert werden kann. Alle Fragekärtchen werden in einem Körbchen gesammelt und wie bei einer Tombola „gemischt“. Anschließend werden sie unter den Teilnehmer*innen verteilt und in der Runde vorgelesen. Weil die Fragen anonym vorgelesen werden, muss sich niemand mit seinen persönlichen Fragen in der Runde outen. Diese Vorgehensweise bietet somit einen gewissen Schutz. Die Fragen werden in einem nächsten Schritt an einer Pinnwand sortiert und bestimmten Themen zugeordnet. Auf diese Weise können sich anschließend Kleingruppen bilden, die sich über verschiedene Aspekte und die damit verbundenen Fragen austauschen. Bei Bedarf kann eine Rückmeldung in das Plenum erfolgen, indem die Teilnehmer*innen, die mögen, oder eine zuvor bestimmte Person einer jeden Gruppe berichtet.
Spaziergang über den Friedhof
Bei einem Spaziergang über den Friedhof mit einer vertrauten Kollegin oder einem vertrauten Kollegen ist es möglich, behutsam miteinander ins Gespräch zu kommen. Für den Austausch eignen sich die folgenden Impulsfragen:
Welche Erfahrungen habe ich in meinem Erwachsenenleben mit dem Verlust von Menschen und Tieren gemacht? Wie gehe ich mit Verlusten, Abschieden, Sterben und Tod in meinem Leben um? (Karte 6)
Glaube ich an ein Weiterleben nach dem Tod? Wie stelle ich mir ein Leben nach dem Tod vor? Was ist meine Hoffnung und mein Glaube? (Karte 7)
Sterben, Tod, Trauer: Was macht mir Angst? Woraus schöpfe ich Trost und Zuversicht? Was sind meine Stärken und Ressourcen? (Karte 8)
Wie gehe ich mit der Trauer anderer Menschen um? Wie responsiv, empathisch und mitfühlend schätze ich mich ein? Wie gut kann ich mit dem Herzen zuhören? (Karte 11)
Im Anschluss an den Spaziergang kann ein Austausch im Plenum erfolgen: Wie waren die Gespräche? Seid ihr gut miteinander ins Gespräch gekommen? Was war in euren Gesprächen besonders interessant? Wer möchte etwas erzählen?
Ein Bild, das mich angesprochen hat
Zum Thema passende Bildmaterialien, beispielsweise Postkarten, Kalenderbilder, Fotos aus Zeitschriften, Todesanzeigen … liegen zur Betrachtung aus. Eine jede teilnehmende Person wählt ein Bild aus, über das sie sich mit einer anderen Person oder in einer Dreiergruppe austauschen möchte. Impulsfragen können sein:
Sterben, Tod und Trauer: Was hat mich an diesem Bild besonders angesprochen? Welche Gedanken kommen mir in den Sinn, wenn ich das Bild betrachte?
Welche Gefühle löst dieses Bild in mir aus?
Kreativer Zugang zum Thema durch Zeichnen und Malen
Für einen kreativen Zugang zum Thema werden A3-Malpapier, Ölmalkreiden bereitgelegt und dezente Musik ausgewählt. Mit einer kurzen Gedankenreise oder einem lyrischen Text (z.B. dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse) können die teilnehmenden Personen in das Thema eingestimmt und danach eingeladen werden, ihre Gefühle und Gedanken bildhaft darzustellen. Dazu kann man leise Musik hören. Anschließend bilden sich Paare oder Dreier-Gruppen, die sich gegenseitig ihre Bilder vorstellen. Mit der Frage „Möchtest du mir etwas über dein Bild erzählen?“ werden die Gespräche eröffnet. Die Betrachter nehmen sich Zeit und hören zu, ohne zu bewerten. Zudem können sie Fragen an die Person richten, die ihr Bild vorstellt, beispielsweise:
Wie ist es dir beim Malen ergangen?
Was hast du als einfach und was als schwer empfunden?
Wie siehst du dein Bild? Was überrascht dich an deinem Bild?
Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Eine andere Vorgehensweise ist, dass zuerst die betrachtende Person zu Wort kommt und die Person, die das Bild gemalt, nur zuhört. Wichtig ist, dass sich die Personen darüber verständigen, dass ein Bild lediglich eine Projektionsfläche für subjektive Assoziationen und Interpretationen ist. Deshalb sollten die Rückmeldungen über ein Bild beschreibenden Charakter haben und in der Ich-Form formuliert werden, zum Beispiel: „Ich sehe auf deinem Bild ein tiefes Tal. Ich frage mich, ob dieser Weg eine besondere Bedeutung hat. Mich sprechen die warmen Farben deines Bildes sehr an.“
Es kann sehr interessant und aufschlussreich sein, von den Gedanken und Gefühlen anderer zu hören, die das Bild auslöst. Zum Abschluss können an die Gestalterin bzw. den Gestalter des Bildes folgende Fragen gerichtet werden:
Was war für dich von dem, was ich erzählt habe, interessant?
Gibt es etwas, das dir gefallen hat oder das hilfreich war?
War etwas dabei, worüber du nachdenken möchtest?
Welcher Gedanken gefällt dir nicht, so dass du ihn ziehen lässt?
Frag mich!
Die Bücher der bekannten Kinderbuchautorin Antje Damm „Frag mich!“ (Frankfurt a. M. 2012) und „Ist 7 viel?“ (Frankfurt a. M. 2013) sind wirkliche Schatzbücher. Sie bieten eine Vielfalt an bedeutsamen Fragen, über die Kinder und Erwachsene tiefsinnig miteinander ins Gespräch kommen können. Ich habe aus den beiden Büchern jene Fragen ausgewählt, die mit den Themen Sterben, Tod, Trauer, Verlust zu tun haben.
Fragen aus „Frag mich!“
Woran glaubst du?
Mit wem hast du Mitleid?
Warst du schon mal irgendwann ganz allein?
Welches Ding bewahrst du für immer auf?
Hast du schon mal ein totes Tier gefunden? Was hast du damit gemacht?
Glaubst du, dass du einen Schutzengel hast?
Was macht dich traurig?
Mit wem kannst du über alles reden?
Wen hast du einmal getröstet?
Wen vermisst du?
Fragen aus „Ist 7 viel?“
Wird es die Erde immer geben?
Tut alt werden weh?
Steht unser Leben von Anfang an fest?
Sind Schnecken manchmal traurig?
Gibt es Engel?
Wissen wir wirklich alles?
Ahnt die Gans, was mit ihr passiert?
Hinterlässt jeder Spuren?
Wozu ist Traurigsein gut?
Wer bestimmt, wann wir leben?
Wie lange leben Pflanzen?
Warum werden manche krank?
Wie ist das, wenn man tot ist?
Warum leben wir nicht ewig?
Wozu ist Traurigsein gut?
Die Frage „Wozu ist Traurigsein gut?“ gehört zu meinen Lieblingsfragen aus Antje Damms Buch „Ist 7 viel?“ Mit der Frage gibt die Autorin den wertvollen Impuls, darüber nachzudenken, inwieweit Traurigsein auch gut sein könnte. Diese Frage wird auf Kärtchen geschrieben und lädt zum Austausch ein.
Ein Elfchen zum Thema Trauer
Ein Elfchen ist ein fünfzeiliges Gedicht mit elf Worten, die in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sind: 1. Zeile = ein Wort; 2. Zeile = zwei Worte; 3. Zeile = drei Worte; 4. Zeile = vier Worte; 5. Zeile = ein Wort. Das erste Wort beschreibt, um welches Thema es geht.
Trauer
Mein Schatz
ich vermisse dich
Du in meinem Herzen
Sehnsucht
Trost
Ohne dich
Hoffnung Liebe
Glaube wandelt meine tiefe Sehnsucht
Dankbarkeit
Mein Traueralphabet
Die „ABC-Methode“ (Vera F. Birkenbihl) eröffnet die Möglichkeit, sich auf ungewöhnliche Weise (in Einzelarbeit) in das Thema „Trauer“ hineinzudenken. Hierfür bekommen die teilnehmenden Personen ein Blatt, auf dem die Buchstaben des Alphabets am linken Blattrand vertikal untereinander aufgelistet sind. Ein jeder Buchstabe gibt den Impuls für den Anfangsbuchstaben eines Wortes oder Satzes. Die Ergebnisse werden in Partnerarbeit ausgetauscht und laden zum gemeinsamen Nachdenken ein.
Mein Erinnerungs- und Erbstück
Die teilnehmenden Personen werden gebeten, ein Erbstück oder einen Erinnerungsgegenstand an einen verstorbenen Menschen mitzubringen. Jede Person sucht sich eine*n Gesprächspartner*in und stellt ihren Gegenstand vor. Die Teilnehmer*innen tauschen sich aus und kommen über die Gegenstände behutsam miteinander ins Gespräch. Für diese Übung eignen sich folgende Impulsfragen:
Ein geliebter Mensch ist gestorben: Wofür bin ich dankbar? Was bewahre ich in guter Erinnerung? In welcher Weise spüre ich Verbundenheit? (Karte 9)
Meine Schatzkiste: Das hilft mir in meiner Trauer
Diese Übung richtet den Blick auf eigene Ressourcen und Kompetenzen. Hierfür wird die Mitte mit einer Schatzkiste symbolisch gestaltet. Folgende Impulsfragen sind dafür geeignet:
Was hilft mir in meiner Trauer? Was tut mir gut, wenn ich traurig bin? Wie ist mein persönlicher Weg der Trauer und Verlustbewältigung? (Karte 10)
Drei Menschen, die für mich da sind, wenn ich Hilfe benötige? Wie leicht oder schwer fällt es mir, um Hilfe zu bitten und mir Hilfe zu holen? Wie sorge ich für mich selbst? (Karte 12)
Krisen sind Herausforderungen und Chancen zugleich. Was hat mich in meiner Trauer an meisten herausgefordert? Worin sehe ich meinen persönlichen Gewinn am traurigen Verlust? Welchen Sinn gebe ich dem Verlust in meiner Lebensgeschichte? (Karte 13)
Was sind meine drei wichtigsten Kraftquellen? Worauf kann ich mich verlassen? Was gibt mir Sicherheit und Struktur, wenn in meinem Leben plötzlich alles drunter und drüber geht? (Karte 14)
Die Fragen werden den Teilnehmer*innen zur Verfügung gestellt. Die teilnehmenden Personen ziehen sich zurück und notieren auf Kärtchen ihre persönlichen Kraftquellen und Ressourcen. In einem weiteren Schritt kann sich ein Austausch in Kleingruppen anschließen.
Zitate als Impulsgeber
Eine Sammlung verschiedener Zitate, die sich mit Themen wie Wandlung, Veränderung, Verlust, Abschied, Trauer, Trost, Hoffnung … beschäftigen, bietet vielfältige Impulse, die zum Austausch anregen:
Welches Zitat hat mich besonders und welches weniger angesprochen?
Über welches Zitat möchte ich nachdenken und mich austauschen?
Zitate zu den Themen Wandlung, Veränderung, Verlust, Abschied, Trauer, Trost, Hoffnung
Was die Raupe das Ende der Welt nennt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.
Laozi
Das Geheimnis des Lebens und das Geheimnis des Todes sind verschlossen in zwei Schatullen, von denen jede den Schlüssel zur anderen enthält.
Mahatma Ghandi
Hinter jedem Winter steckt ein zitternder Frühling und hinter dem Schleier der Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
Khalil Gibran
Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir Abschied nehmen.
Albert Schweitzer
Erinnerungen sind wie ein Paradies,aus dem man nicht vertrieben werden kann. Du kannst dein Leben nicht verlängern, noch verbreitern, nur vertiefen
Gorch Fock
Es kann im Herbst nicht mehr verwelken als im Frühjahr gewachsen ist.
Sprichwort
Trost zu spenden, ist nicht eine Sache der Worte, sondern ein Anliegen des Herzens.
Unbekannt
Man muss durch die Nacht wandern, wenn man die Morgenröte sehen will.
Kahil Gibran
Das Leben – es ist die Erinnerung an einen vorüberfliegenden Tag, den wir als Gast zugebracht haben.
Blaise Pascal
Trösten ist eine Kunst des Herzens.Sie besteht oft nur darin, liebevoll zu schweigen und schweigend zu leiden.
Otto von Leixner
Alles, was man über das Leben lernen kann, ist in drei Worte zu fassen: Es geht weiter!
Friedrich von Schiller
Hinter jedem Problem, das dich gefangen nimmt, verbirgt sich die Chance zum Wachstum.
Jochen Mariss
Das kostbarste Vermächtnis eines Menschen ist die Spur, die seine Liebe in unseren Herzen zurückgelassen hat.
Albert Schweizer
Abschiede sind dazu da, für Vergangenes zu danken, am Gegenwärtigen sich zu freuen und für die Zukunft zu hoffen.
Adalbert Ludwig Ballinger
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.
Unbekannt
Um die Seele zu fördern, ist es wichtig, sie sanft zu leiten.
Teresa von Avila
Professionelle Erfahrungen: Ich als Fachkraft bzw. Lehrkraft
Wo begegnet mir das Thema in unserer Praxis?
In welchen Situationen ist mir das Thema „Abschied, Verlust, Sterben, Tod, Trauer“ im Zeitraum eines Jahres begegnet? – Diese Frage wird in Einzelarbeit erarbeitet. Jede Situation und jedes Erlebnis werden auf ein Kärtchen geschrieben und im Plenum vorgestellt:
Die Kinder spielen in ihren Rollenspielen immer wieder tot sein.
Von drei Kindern meiner Gruppe sind die Großeltern und in einer Familie ist der Papa gestorben.
Maras geliebtes Kuscheltier ist verloren gegangen – das war ein großes Drama.
Die Kinder verabschieden sich täglich von ihren Eltern und dabei gibt es öfters mal Tränen.
Meine Kollegin ist durch Krebs gestorben – schrecklich!
Die Großen verabschieden sich, weil sie in die Schule kommen.
Jonas ist weggezogen. Marco ist darüber sehr traurig, weil er seinen Freund vermisst.
Meine Kollegin Susanne ist in den Ruhestand gegangen, darüber sind viele Kinder und auch ich traurig, weil wir sie vermissen.
Ein Junge meiner Gruppe berichtet im Morgenkreis, dass sein Meerschweinchen gestorben ist.
Tanjas Eltern trennen sich und lassen sich scheiden. Seitdem weint Tanja jeden Morgen beim Ankommen im Kindergarten.
Eine Mutter meiner Gruppe hat ihr Kind im achten Schwangerschaftsmonat verloren. Das war für die Familie und für Lisa sehr schwer.
Wer hätte das gedacht? – Meine Erfahrung ist, dass beim gemeinsamen Nachdenken meist eine erstaunlich große Sammlung an Erlebnissen zusammengetragen wird. In einem weiteren Schritt findet ein Austausch darüber statt, wie in diesen Situationen mit dem trauernden Kind bzw. den trauernden Kindern, den Kindern in der Kindergruppe oder Schulklasse, den betroffenen Eltern, der Elternschaft, im Team oder Kollegium umgegangen wurde.
Für den Austausch eignen sich die folgenden Impulsfragen:
Wo begegnet mir das Thema Verluste, Abschiede, Sterben, Tod in meiner beruflichen Praxis? In welchen Situationen fühle ich mich sicher und in welchen unsicher? Was gibt mir Sicherheit und Rückenstärkung? (Karte 15)
Was biete ich Kindern an, damit sie mit mir und anderen Kindern über ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit Verlusten, Abschieden sprechen können? Wie behutsam bereite ich Kinder auf das Tabuthema Sterben und Tod vor? (Karte 16)
Welche Rituale des Abschiednehmens pflege ich mit Kindern? In welcher Weise beziehe ich Kinder ein, damit sie sich von einem verstorbenen Kind oder Erwachsenen in einer der Situation würdigen Weise verabschieden können? (Karte 17)
Wie kompetent fühle ich mich in dem Thema Sterben, Trauer, Tod, um Eltern zu beraten? Traue ich mir zu, einen Elternabend zu diesem Thema anzubieten? Was benötige ich hierfür? (Karte 19)
Film „Kinder und der Tod“
Die DVD „Kinder und der Tod. Traurig sein ist dazu da, um wieder fröhlich zu werden“ bietet einen empfehlenswerten Einstieg in das Thema (AV1 Pädagogik-Filme, Kaufungen, www.av1-shop.de). Der „Pädagogik-Walk“ mit Margit Franz und Kurt Gerwig über den Darmstädter Waldfriedhof gibt vielfältige Informationen, wie Kinder trauern und was sie brauchen, um gut trauern zu können. Im Anschluss an den Film können Gesprächsgruppen gebildet werden, die sich über den Film austauschen. Impulsfragen können sein:
Was war für mich interessant und neu?
Was war für mich schwer und beängstigend?
Wo stimme ich zu und wo bin ich anderer Meinung?
Welchen Impuls nehme ich für mich mit?
Welche neuen Fragen haben sich für mich ergeben?
Ins Gespräch führen auch die folgenden Impulsfragen:
Welches Vorbild für Trauern und den Umgang mit Abschieden, Verlusten und Krisen bin ich für Kinder? Was können Kinder von und mit mir lernen? Und was kann ich von Kindern lernen? (Karte 20)
Bilderbuch-Lesung
Jede Kita-Bücherei oder Schulbibliothek sollte eine gute Auswahl an Büchern haben, die Themen wie Abschied, Verlust, Sterben, Tod, Trauer thematisieren (siehe Bilder- und Kinderbücher, Seite 123). Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene sind Bilderbücher wertvoll, um neue Impulse zu bekommen und sich auszutauschen. Wählen Sie ein Bilderbuch aus und lesen Sie es vor. Bitten Sie die teilnehmenden Personen, über das Buch miteinander ins Gespräch zu kommen. Impulsfragen können sein:
Was hat mich an der Geschichte besonders berührt?
Welche Gefühle und Gedanken sind in mir aufgetaucht?
Wie interpretiere ich die Geschichte?
Könnte ich mir vorstellen, dieses Buch einem Kind vorzulesen?
Zudem eignen sich folgende Impulsfragen als Gesprächseinstieg:
Welches Bilderbuch über den Tod gehört zu meinen Lieblingsbilderbüchern – warum? Wann habe ich einem Kind oder einer Kindergruppe zuletzt ein Buch über den Tod vorgelesen? Was hält mich zurück, Kindern ausgewählte Bücher über dieses bedeutsame Thema zu Verfügung zu stellen? (Karte 21)
Professionelle Erfahrungen: Wir als Team und Kollegium
Ist-Analyse: Was haben wir bereits erarbeitet?
Abschied, Verlust, Sterben, Tod, Trauer – welche Anlaufstelle, Ansprech- und Netzwerkpartner kennen wir? Welche Adressen, Flyer, Materialien, Informationsbroschüren, Fachbücher, Fachzeitschriften, Kinderliteratur, Medien, Spiele … haben wir zu diesen Themen? Wo sehen wir Lücken und Handlungsbedarf? – Machen Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen einen Check-up und gestalten Sie einen Informationstisch.
Hierfür eignen sich die folgenden Impulsfragen:
Was ist in unserer Konzeption und Schulordnung über den Umgang mit Abschieden, Verlusten, Sterben und Tod zu lesen? Was erfahren Eltern über den Umgang mit einem Todesfall im Nahbereich der Einrichtung und Schule? Welche Aussagen zur Sicherung des Kindeswohls trifft dazu unser Kinderschutzkonzept? (Karte 22)
Welche Spielmaterialien und Bücher haben wir zum Thema Abschied, Verlust, Sterben und Tod? Wissen wir, welche Vorstellungen Kinder vom Tod haben und was trauernde Kinder brauchen? Was bieten wir Kindern an, damit sie sich spielend, lesend und im Rahmen des Unterrichts mit Themen wie Abschied, Verlust, Sterben und Tod beschäftigen und auseinandersetzen können? (Karte 32)
Einen Notfallkoffer packen
Der Vater eines Kindes ist tödlich verunglückt. Die Großeltern eines Kindes haben sich suizidiert. Ein Geschwisterkind oder ein Kind ist gestorben. Eine Kollegin oder ein Kollege wurde bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt.
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Notfallkoffer, den Sie in Krisenfällen zur Hand nehmen: Was finden Sie in diesem Koffer vor? Für diese Übung legen Sie bitte einen leeren Koffer auf den Tisch. Für den Austausch eignen sich folgende Impulsfragen:
Unser Krisen-Notfallkoffer – wie sieht er aus und was ist darin zu finden? Haben wir im Team und Kollegium einen Notfallplan erarbeitet, der uns nach Bekanntwerden eines Todesfalls in der Akutsituation hilfreich ist? Wie vertraut sind wir mit den Sofortmaßnahmen bei einem Todes- und Trauerfall in unserer Einrichtung und Schule? (Karte 23)
Wie und in welcher Weise informieren wir Kinder und Eltern über einen Todesfall, der sich ereignet hat? Wie wird der nächste Tag in der Einrichtung und Schule gestaltet? Wo findet das traurige Geschehnis angemessen Raum und Zeit? (Karte 24)
Wie gehen wir im Team und im Kollegium mit unserer Betroffenheit um? Wie gehen wir mit den Verlust- und Trauerreaktionen von Kindern und Eltern um? In welcher Weise begleiten wir Kinder? Was bieten wir Eltern an? (Karte 25)
In einem weiteren Schritt überlegen Sie, wie Sie zu den Inhalten Ihres Notfallkoffers gelangen:
Was brauchen wir?
Wen können wir fragen und in unser Team und Kollegium einladen?
Wer kümmert sich um was?
Wie ist unser Zeitmanagement zur Vervollständigung unseres Notfallkoffers?
Bild vom Kind
Kinder sind kompetent und haben die natürliche Kompetenz zur Trauer, die es zu stärken gilt. Je intensiver ein Kind trauern kann und darf, in seiner Trauer begleitet und unterstützt wird, umso besser kann es einen Verlust verarbeiten. Das wesentliche Entwicklungspotenzial steckt im Kind selbst, denn es ist Akteur seiner Entwicklung. Kinder gestalten ihre Entwicklung von Anfang an aktiv mit, somit auch ihren Trauerprozess. Kinder können ihre Bedürfnisse über Gestik, Mimik, Körpersprache und ihr Verhalten ausdrücken. Größere Kinder bringen ihre Bedürfnisse sprachlich zum Ausdruck. Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo und ist eine einzigartige Persönlichkeit, folglich auch eine individuelle Trauerpersönlichkeit. Das Kind bestimmt Maß und Tempo und seinen Weg der Trauer.
Welche Grundaussagen zum Bild vom Kind finden sich in den länderspezifischen Bildungs-, Erziehungs- und Rahmenplänen? Nehmen Sie sich Zeit, um in dem Plan (Orientierungsrahmen) ihres Bundeslandes nachzulesen. Fragen, die zu Gesprächen einladen, können sein:
Kinder sind Akteure ihrer Entwicklung und kompetent, auch in ihrer Trauer – was bedeutet dies für den Erwachsenen?
Kinder teilen sich auf vielfältige Weise mit ihren Trauergefühlen mit – was heißt das für den Erwachsenen?
Kinder sind Trauerpersönlichkeiten – was müssen Erwachsene beachten?
Welche Vorstellungen haben Kinder vom Tod? Wie trauern und was brauchen trauernde Kinder?
Weitere Impulsfragen können zudem sein:
Wie gehen wir mit den Ängsten und Fragen der Kinder um? Wie sprechen wir mit Kindern über den Tod und die Trauer? In welcher Weise beteiligen wir Kinder? Wie begleiten wir ein trauerndes Kind in unserer Einrichtung und Schule? Welche Vorbilder für Kinder sind wir im Team und Kollegium für den Umgang mit Krisen, Abschieden und Trauer? (Karte 33)
Die Rechte von trauernden Kindern
Trauernde Kinder haben das Recht …
… informiert und beteiligt zu werden.
… auf Vertrauen gebende Erwachsene.
… auf ermutigende Erwachsene.
… auf achtsame Fürsorge.
… auf aufrichtige Anteilnahme.
… ehrliche Antworten zu bekommen.
… auf einen gut gelebten Alltag.
… in ihrer Weise und in ihrem Tempo zu trauern.
Welche Rechte haben Kinder? Welche Rechte haben trauernde Kinder? Welche Rechte geben wir trauernden Kindern? Wie setzen wir uns dafür ein, dass trauernde Kinder in unserer Einrichtung und Schule zu ihrem Recht auf Trauer kommen? – Um sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, eignen sich die Themenkarten „Trauerarbeit mit Kindern“. Auf jeder der 30 Fotokarten ist ein sprechendes Foto zu sehen und ein Satz formuliert, der ein bestimmtes Recht trauernder Kinder zum Ausdruck bringt. Auf der Rückseite führt ein kurzer Impulstext dies weiter aus. Ein zum Thema passendes Zitat sowie Reflexionsfragen laden zum Nachdenken und Austausch ein.
Praxistipp: Fotokarten Trauerarbeit mit Kindern
Hilfreich sowohl für die Auseinandersetzung im Team als auch für die Zusammenarbeit mit Eltern sind die Fotokarten Trauerarbeit mit Kindern. Themenkarten für Teamarbeit, Elternabende und Seminare ( München 2019, EAN 426017951 560 6). Die Themenkarten laden durch Fotos, Zitate, Texte und Reflexionsfragen zum Dialog ein, um mit Kolleg*innen und Eltern gemeinsam darüber nachzudenken, was trauernde Kinder brauchen und wie sie einfühlsam begleitet werden können.
So kann mit den Karten gearbeitet werden: Die Karten liegen mit den Fotos oben auf. Die teilnehmenden Personen werden gebeten, sich die Fotos in Ruhe anzusehen. Folgende Fragen können hierfür gestellt werden:
Welches Foto/Thema spricht mich an oder berührt mich besonders? Weshalb? Welche Gedanken und Gefühle löst dieses Foto/Thema in mir aus? Warum?
In einem weiteren Schritt können anhand der Fotokarten einige Themen ausgewählt werden, die in Kleingruppen besprochen werden, je nach Bedarf mit unterschiedlichen Fragestellungen, zum Beispiel:
Welche Erfahrungen habe ich zu diesem Thema?
Welche Impulse nehme ich aus unserem Austausch mit?
Worin fühle ich mich bestärkt und bestätigt?
Welche weiteren Fragen haben sich ergeben?
Wo sehen wir weiteren Gesprächs- und Handlungsbedarf?
Wo benötigen wir Unterstützung durch außenstehende Personen?
Der Tod in den Medien
Comics, Videos, Computerspiele – die geheimen virtuellen Miterzieher haben zunehmend mehr Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und ihre Vorstellungen über den Tod. Sehr interessant ist, eine kleine Auswahl an Filmszenen zusammenzustellen und sich diese mit dem Ziel anzusehen, die Verhaltensweisen von Kindern besser verstehen zu lernen. Impulsfragen:
Welche Bilder vom Sterben und dem Tod werden Kindern vermittelt?
Wie wirken sich diese Bilder auf die Todeskonzepte der Kinder aus?
Welche Einstellungen über den Tod und die Trauer gewinnen Kinder?
Wie leben Kinder durch Medien gewonnene Eindrücke aus?
Redewendungen kritisch betrachten
In Todesanzeigen und Trauerkarten sind oftmals Redewendungen wie „sanft entschlafen“, „von uns gegangen“, „aus dem Leben geschieden“, „heimgekehrt“, „das Zeitliche gesegnet“ zu lesen, geradezu so, als ob es die Wörter „tot“ und „sterben“ gar nicht geben würde. Umgangssprachliche Formulierungen wie „ins Gras beißen“, „den Löffel abgeben“, „die Radieschen von unten betrachten“, „einen Holzfrack anziehen“, „in die ewigen Jagdgründe gehen“ sind zu hören. Gemeinsam sammeln wir solche Redewendungen und Formulierungen. Wir werden schnell erkennen, wie missverständlich und verwirrend sie für Kinder sein können. (siehe Was wir Kindern nicht sagen sollten – ungeeignete Redewendungen, Seite 136)
Reflexions- und Impulsfragen:
Worauf achten wir besonders, wenn wir mit Kindern sprechen?
Welche Redewendungen nutzen wir und auf welche verzichten wir ganz bewusst?
Rituale, die wir mit Kindern pflegen
Trauernde Kinder brauchen Rituale, die ihnen helfen, mit einer Verlustsituation umzugehen und ihre Gefühle auszudrücken. Im Team und Kollegium sollte darüber nachgedacht werden, mit welchen Ritualen die Kinder in einer Krisensituation unterstützt und wie sie beteiligt werden können. Die Überlegungen für diese Einheit können mit einem kleinen Ritual eingeleitet werden. Hierfür wird eine Kerze (Windlicht) von Hand zu Hand und mit den Worten „Ich wünsche dir ein Licht der …“ (Freude, Geborgenheit, Achtsamkeit, Freundschaft, Gelassenheit …) weitergereicht. Eine dezente Hintergrundmusik rundet das Ritual ab. (siehe Mit Kindern Rituale entwickeln und leben, Seite 120)
Für die nachfolgende Reflexion und den Austausch eignet sich folgende Impulsfrage:
Erinnerungstisch, Kondolenzbuch, Traueranzeige, Gesprächskreis, Trauercafé … Welche Rituale, Gestaltungs- und Begegnungsformen des Abschieds pflegen wir in unserer Einrichtung und Schule mit Kindern, Team und Kollegium? Sterben, Tod und Trauerrituale in anderen Kulturen und Religionen – Wie fundiert schätzen wir unser Fachwissen hierzu ein? Wo sind wir uns sicher und wie können wir Lücken schließen? (Karte 27)
Zusammenarbeit mit Eltern
Die Zusammenarbeit mit Eltern bildet die Grundlage einer guten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. In Krisenzeiten wird deutlich, wie vertrauensvoll und tragfähig die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkräften einer Kita oder zwischen Eltern und Lehrkräften einer Schule ist. Situationen, in denen Kinder, Familien, Fach- und Lehrkräfte mit dem Tod konfrontiert werden, können vielfältig und zudem tragisch sein. Ein Kind, das eine Kita oder Schule besucht, ist von einem Todesfall in seiner Familie, seinem familiären Umfeld oder Freundeskreis betroffen, wenn beispielsweise Großeltern, Geschwister, Eltern oder ein guter Freund des Kindes sterben. Kinder, die eine Kita oder Schule besuchen, sind von einem Todesfall in ihrer Kindergruppe oder Klassengemeinschaft oder in ihrer Kita und Schule betroffen. Wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher, eine Lehrerin oder ein Lehrer, ein Kindergartenkind, eine Klassenkameradin oder ein Klassenkamerad, eine Schülerin oder ein Schüler gestorben ist, trauert die Einrichtung oder Schule.
Wissenswert: Todesfall im erweiterten Umfeld von Kita und Schule
Ein Todesfall im erweiterten Umfeld einer Einrichtung bzw. Schule ist gegeben, wenn ein Kind oder Schüler (auch Fach- und Lehrkräfte, Hauswirtschafts- und Reinigungskräfte, Hausmeister) in seinem persönlichen familiären Umfeld von einem Todesfall betroffen ist. Das Kind bringt sein Erlebnis und seine damit verbundenen Trauergefühle mit in die Kita oder Schule und verhält sich möglichweise anders als sonst.
Wissenswert: Todesfall im Nahbereich von Kita und Schule
Ein Todesfall im Nahbereich von Kita und Schule bedeutet, dass ein Kind, eine Fach- oder Lehrkraft, eine Hauswirtschafts- oder Reinigungskraft, ein Hausmeister … gestorben ist. Die Institutionen sind somit unmittelbar von einem Trauerfall betroffen.
Literaturtipp – Leitfaden für Kitas mit Notfallplänen, Checklisten und Hilfen zur Trauerbegleitung
Wenn ein Kind verunglückt, eine Erzieherin gestorben ist oder ein Elternteil Suizid begeht, befindet sich die ganze Kita im Ausnahmezustand. Das Buch … plötzlich mit dem Tod konfrontiert. Leitfaden für Kitas mit Notfallplänen, Checklisten und Hilfen zur Trauerbegleitung (München 22019, ISBN 978-3-7698-2055-3) von Margret Färber und Martina Lutz hilft Erzieher*innen, trotz der eigenen emotionalen Betroffenheit professionell und angemessen zu handeln.
Das Buch widmet sich mit übersichtlichen Checklisten, Verhaltensvorschlägen und Formulierungshilfen den Sofortmaßnahmen in einer Akutsituation. Es unterstützt Erzieher*innen mit Hintergrundinformationen und Praxisanregungen bei der Begleitung der Kinder und der Eltern in der Trauersituation. Zudem entfalten die Autorinnen eine präventive Pädagogik des abschiedlichen Lebens an konkreten Beispielen des Umgangs mit Übergängen und Verlusterfahrungen.
Todesfall im erweiterten Umfeld oder im Nahbereich
Ein Todesfall im erweiterten Umfeld oder im Nahbereich von Kita und Schule (siehe Wissenswert, Seite 30) erzeugt Betroffenheit. Die Situation verunsichert und belastet Kinder und Erwachsene in unterschiedlicher Weise. Sie erfordert ein professionelles Vorgehen und verantwortliches Handeln der Kita- und Schulleitung sowie der Fach- und Lehrkräfte in Kitas und Schulen. Im Rahmen mehrerer Sitzungen und Konferenzen sollte miteinander erarbeitet werden, wie mit unmittelbar betroffenen Eltern und Kindern gearbeitet werden kann. Eine weitere wichtige Überlegung ist, wie die Elternschaft über die mit einem Todesfall verbundenen Geschehnisse informiert wird. Hierfür eignen sich die folgenden Impulsfragen:
Erkundige ich mich in Erstgesprächen nach den Verlusterlebnissen eines neuen Kindes? Wie vertrauensvoll arbeite ich mit Eltern zusammen, so dass ich über bedeutsame Familienereignisse informiert werde? (Karte 18)
Wie kompetent fühle ich mich in dem Thema Sterben, Trauer, Tod, um Eltern zu beraten? Traue ich mir zu, einen Elternabend zu diesem Thema anzubieten? Was benötige ich hierfür? (Karte 19)
Wie gestalten wir den Besuch bei der Trauerfamilie? Wer nimmt Kontakt zu den betroffenen, trauernden Eltern und Kindern auf, um ein persönliches Beileid auszusprechen? Welche Unterstützung bieten wir als Einrichtung und Schule an? Welche Unterstützungs- und Beratungssysteme können wir Eltern und Familien empfehlen? (Karte 26)
„Ich möchte nicht, dass mein Kind von der Situation erfährt!“ „Soll sich mein Kind vom Verstorbenen verabschieden und an der Beerdigung teilnehmen?“ – Wie beraten wir (trauernde) Eltern in praktischen Fragen? Was können wir ihnen anbieten? Welche Literatur zur Trauer von Kindern haben wir in unserer hauseigenen Bibliothek, die wir Eltern empfehlen und ausleihen? (Karte 30)
Das erste Weihnachten ohne den Verstorbenen, der erste Geburtstag und Todestag einer verstorbenen Person – wie achtsam gehen wir im Team und Kollegium mit solchen bedeutsamen und sensiblen Tagen um? In welcher Weise denken wir an die trauernden Eltern und Kinder? Wie drücken wir unser Mitgefühl aus? (Karte 31) (siehe Die häufigsten Fragen von Eltern, Seite 132)
Gesprächspartner einladen
Ein Gedankenaustausch mit Menschen, die in anderen Kontexten professionell und ehrenamtlich arbeiten, ist bereichernd. Im Gespräch mit Hospizhelfer*innen, Trauerbegleiter*innen und Bestatter*innen erfahren wir etwas über die Begleitung von trauernden und sterbenden Menschen und die Bestattung. Ein Gespräch mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer gibt Aufschluss über Bestattungsrituale, Sterbekultur und Glaubensfragen. (Siehe Kooperation mit Unterstützungssystemen – Adressen und Anlaufstellen, Seite 145)
Hierfür eignen sich folgende Impulsfragen:
Auf welche Ressourcen und Kompetenzen können wir in unserem Team und Kollegium vertrauen, um mit Krisen- und Ausnahmesituationen kompetent und professionell umzugehen? An wen können wir uns mit unseren Fragen wenden, um Unterstützung und Begleitung bitten? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen und für unsere Psychohygiene sorgen? (Karte 28)
Welche Kooperationspartner sind für uns wichtig, wenn sich ein Todesfall im Nahbereich der Einrichtung und Schule ereignet? Mit wem arbeiten wir zusammen, wenn ein Kind aus unserer Gemeinschaft gestorben ist? In welcher Weise erfüllen wir unseren Auftrag zum Kinderschutz, wenn wir wahrnehmen, dass Kinder mit ihrer Trauer überfordert sind? (Karte 29)
Besuche von Institutionen
Ein Spaziergang über den Friedhof, die Besichtigung eines Hospizes, beispielsweise am Tag der offenen Türe, der Besuch eines Vortrags der Hospizgruppe, eines Bestattungsinstituts oder des Museums für Sepulkralkultur in Kassel … Dank der Hospizbewegung bieten sich zunehmend mehr Möglichkeiten, um über Sterben, Tod, Trauer mehr zu erfahren und sich kundig zu machen. Bei solchen Besuchen ergeben sich interessante Gespräche und Ideen, wie beispielsweise eine Kooperation mit dem örtlichen Hospizdienst aussehen könnte. So manche Hospizgruppe bietet Trauergruppen für Kinder an. In einem Bestattungsinstitut erzählt die Bestatterin, wie sie darauf bedacht ist, die Kinder bereits vor der Beerdigung gut einzubeziehen, indem sie anregt, dass die Kinder den Sarg bemalen dürfen. Solche Angebote und Informationen können Eltern empfohlen werden (siehe Kooperation mit Unterstützungssystemen – Adressen und Anlaufstellen, Seite 145).
2. Vorstellungen, die Kinder vom Tod haben
Wie denken Kinder in den verschiedenen Altersstufen über das Sterben und was wissen sie vom Tod? Woher nehmen sie ihr Wissen über den Tod und welche Konzepte entwickeln sie in den ersten zehn Lebensjahren? Das Wissen um die kindlichen Vorstellungen zu Sterben und Tod ist die Basis dafür, in angemessener Weise auf die Fragen von Kindern antworten zu können.
Wer bin ich und wer bist du? Zu wem gehöre ich? Wo komme ich her und wo gehe ich hin? Was können wir zusammen machen? Was passiert um mich herum? Was war vor mir und was kommt nach mir? Was weiß ich und was möchte ich wissen? Was ist gut und was ist böse? – Kinder sind interessiert und neugierig. Sie möchten von sich aus vieles kennen und verstehen lernen. „Ihr Lerneifer, ihr Wissensdurst und ihre Lernfähigkeit sind bemerkenswert groß. […] Sie wollen im Dialog mit anderen an allen Weltvorgängen teilnehmen, um ihr Weltverständnis sukzessiv zu erweitern.“ (Hessisches Sozial- und Kultusministerium, 2007, 20ff).
Kinder stellen ihre Fragen offen und ehrlich, selbstverständlich auch zum Sterben und über den Tod. Für Kinder gibt es keine Tabuthemen, jedenfalls so lange nicht, bis sie von Erwachsenen erfahren haben: Darüber spricht man nicht! Viele Kinder haben bereits in jungen Jahren erlebt, dass ihre Fragen, die sie zu dem Thema „Tod und Sterben“ haben, bei Erwachsenen eine gewisse Zurückhaltung, Befangenheit und Verunsicherung hervorrufen. Wenn dem so ist, lernen Kinder in einem frühen Lebensalter, dass ihre Fragen über das Sterben und den Tod nicht zu einer offenen Kommunikation führen und eher unerwünscht sind. Diese Erfahrung raubt Kindern ihre Unbefangenheit und erschwert es ihnen zugleich, ein realistisches Konzept vom Tod zu entwickeln. Dadurch entstehen Erfahrungs- und Wissenslücken, die mit eigenen Ideen und Fantasien oder durch Medien gefüllt werden.
Tod und Sterben haben eine starke Medienpräsenz, weil sie hohe Einschaltquoten garantieren. Zugleich sind sie gesellschaftliche Tabuthemen, die wir gegenüber Kindern gerne totschweigen. Im Zeitalter der Digitalisierung generieren Kinder viele Informationen aus Medien, die ihnen bereits in jungen Jahren zur Verfügung stehen. Inwieweit diese Erfahrungen zum Aufbau einer realistischen Vorstellung von Tod und Sterben beitragen, ist fraglich. Wenn beispielsweise der Actionheld in jeder Serie zusammengeschlagen wird und kurz danach wieder munter mitmischt, ist diese Information problematisch. Zudem ist die Frage zu stellen, welchen Beitrag gewaltverherrlichende Filme und brutale Computerspiele für einen respektvollen Umgang mit Sterbenden und Trauernden leisten. Digitalisierte Erlebnisse werden nur selten durch reale, sinnliche, begreifbare Erfahrungen mit dem Thema bereichert und das ist problematisch.
Wenn wir uns jedoch mit Kindern auf Gespräche über den Tod einlassen, können sie von uns lernen: Der Tod gehört zum Leben und deshalb sprechen wir darüber. Sie erleben, dass Tod, Sterben, Trauer wichtige Themen sind, über die wir uns selbstverständlich austauschen und über die wir nachdenken. Auf diese Weise entwickeln Kinder nicht nur Sachkompetenzen, sondern auch soziale und emotionale Kompetenzen im Umgang mit der Thematik und lernen den damit verbundenen Wortschatz wie Beerdigung, Grab, Sarg, Friedhof, Leichnam, Urne, Feuerbestattung, Erdbestattung … kennen.
Leah, sechs Jahre: „Mama, warum heißt Beerdigung denn Beerdigung?“ Mutter: „Weil der gestorbene Mensch in einen Sarg und mit dem Sarg in die Erde gelegt, also beerdigt wird.“ Leah denkt nach. Nach einiger Zeit sagt sie: „Aber Mama, die Seele fliegt doch in den Himmel! Dann müsste es doch Behimmelung heißen!“
Kinder im Alter von null bis drei Jahren
Kinder unter drei Jahren haben noch keine konkreten Vorstellungen vom Tod. Sie haben jedoch Bindungen zu ihren primären Bezugspersonen aufgebaut und ein inneres Arbeitsmodell von Bindung entwickelt. Mit jedem Tag ihres Lebens sammeln sie vielfältige Erfahrungen, die Einfluss auf ihre späteren Konzepte vom Tod haben. Bereits wenige Monate alte Kinder nehmen wahr, wenn sich das emotionale Klima, die vertraute Atmosphäre und die liebgewonnenen Rituale verändern. Wenn die primäre Bindungsperson eines mehrere Monate alten Kindes für längere Zeit (z.B. krankheitsbedingt) abwesend oder gestorben ist und eine andere Person deren Rolle einnimmt, bedeutet der plötzliche Bindungsabbruch für das Kind eine enorme Stresssituation. Da sich Kleinkinder in Abhängigkeit zu ihren Bezugspersonen erleben und nicht zwischen einer vorübergehenden und endgültigen Trennung unterscheiden können, empfinden sie Trennungen als bedrohlich.
Bindungsverhalten entwickeln
Das Verhalten eines neugeborenen Kindes ist darauf ausgerichtet, mit Menschen, die seine Bedürfnisse nach Fürsorge und Geborgenheit erfüllen (Eltern), eine emotional dauerhafte Bindung einzugehen. Mit der Geburt entwickelt es eine Bindung zu seinen primären Bindungspersonen, meist den Eltern. Personen wie Großeltern oder Tagespflegepersonen können zu weiteren bedeutsamen Bezugspersonen eines Kindes werden. In den ersten Lebensmonaten lernt der Säugling seine Eltern als Menschen kennen, die auf seine Signale reagieren und seine Bedürfnisse befriedigen. Es hat erfahren und wahrgenommen, in welcher Weise es von seinen Eltern umsorgt wird, wie sie emotionale Zuwendung geben, seinen Stress reduzieren und ihm dabei helfen, seine Umgebung zu erkunden. Geborgenheit und Sicherheit erfahren Kinder insbesondere durch Körperkontakte (Streicheln, Kuscheln, Tragen). Dieses für das Kind überlebenswichtige Fürsorgeverhalten der Eltern führt zum Aufbau einer sicheren Bindung. Mit jedem Tag des Zusammenseins wachsen das Vertrauen des Kindes und die Bindung zu seinen Eltern. Bereits ab dem dritten, vierten Lebensmonat kann ein Kind seine Bindungspersonen (Eltern) von anderen Menschen unterscheiden. Es kann sich deutlich mitteilen und wendet sich gezielt an seine Bindungspersonen. Das Kind entwickelt Vertrauen in seine Eltern, in sich selbst (Selbstvertrauen) und in das Leben (Urvertrauen). Dieses Vertrauen bildet die Basis, um neue Herausforderungen bewältigen und schwierige (Krisen-)Situationen im weiteren Entwicklungsverlauf meistern zu können.
Fremdeln: Die Acht-Monats-Angst
Im Alter von etwa vier bis acht Monaten reagieren Kinder gegenüber fremden und ihnen weniger nahestehenden Menschen ängstlich, misstrauisch und ablehnend. Die Kontakt- und Blickaufnahme wird verweigert, das Kind versteckt sich, es weint, klammert sich an Mama oder Papa und aktiviert damit sein Bindungsverhalten. Je nach Temperament, individuellen Erfahrungen und aktueller Tagesverfassung fallen die Reaktionen der Kinder verschieden aus. Während mutige und zufriedene Kinder lediglich eine skeptische Miene ziehen, brechen ängstliche, hungrige oder müde Kinder in lautes Weinen aus. Kinder, die mit vielen Geschwistern in großen Familien aufwachsen, betrachten fremde Personen möglicherweise gelassener als Einzelkinder oder Kinder, die sehr behütet groß werden.
Das beschriebene Verhalten wird umgangssprachlich als „Fremdeln“ oder „Acht-Monats-Angst“ bezeichnet. Fremdeln bedeutet, dass ein Kind zwischen vertrauten, bekannten (Eltern, Geschwister) und unbekannten Personen (Großeltern, Nachbarn, Paten) unterscheiden kann. Somit ist Fremdeln ein Ausdruck von sicherer Bindung, sozialer Interaktionskompetenz und gelingenden Entwicklungsprozessen. (vgl. Hessisches Sozialministerium, 2010, 25) Durch Ablehnungsverhalten gegenüber fremden und Aktivierung des Bindungsverhalten gegenüber vertrauten Personen (Weinen, Schreiben, Anklammern, Nachlaufen) signalisiert das Kind seinen Bezugspersonen: Ich fühle mich unwohl und brauche Sicherheit!
Der Tod löst Verunsicherung aus
Bindungspersonen (Eltern) sind für einen Säugling die wichtigsten Menschen in seinem Leben. Nach Erkenntnissen von Bindungsforschern betrauern Kinder ab dem sechsten Lebensmonat den Verlust der Mutter mit Unwohlsein, Schlaflosigkeit, Verdauungsstörungen, anhaltender Weinerlichkeit, Unruhe, Reizbarkeit oder Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Sie protestieren umso heftiger oder verfallen in Apathie, je weniger sie sich umsorgt fühlen. Manche Kinder trauern so intensiv, dass es zu seelischen und körperlichen Erkrankungen kommen kann, die in besonders gravierenden Fällen zum Tod führen können. Damit Kinder ihr emotionales Gleichgewicht wiedererlangen, brauchen sie responsive Menschen, denen es gelingt, sie zu beruhigen und ihren Stress zu minimieren.
Kinder spüren die Trauer ihrer Bindungs- und Bezugspersonen
Ein Todesfall im Verwandtschafts- und Freundeskreis beeinflusst einen Säugling nicht so stark, insofern diese Person keine primäre Bindungsperson ist. Was Kinder dennoch spüren, ist die Trauer ihrer Bindungs- und Bezugspersonen aufgrund eines Todesfalls. Sie nehmen wahr, dass sich die Mutter in der Pflegesituation plötzlich anders verhält und beispielsweise die erwarteten Neckereien ausbleiben. Möglicherweise hat sich der gewohnte Tagesrhythmus verändert oder dem Kind weniger vertraute Menschen übernehmen kurzfristig seine Pflege.
Die beste Freundin von Tims Mutter ist gestorben. Tim (elf Monate) wird von seiner Mutter gewickelt. Er lächelt seine Mutter mehrmals erwartungsvoll an – seine Kontaktaufnahme bleibt von seiner Mama unbeantwortet. Tim ist verunsichert, weil seine Späße nicht in der Weise erwidert werden, wie er das in den vergangenen Monaten erlebt hat und folglich erwartet. Tim reagiert mit Quengeln und Weinen. Damit versucht er die Aufmerksamkeit seiner Mutter auf sich zu lenken.
Zwischen dem achten und zwölften Lebensmonat bildet sich die Fähigkeit he-raus, Belebtes von Unbelebtem zu unterscheiden. Sie wird durch die dialogische Interaktion zwischen den primären Bindungs- und Bezugspersonen und dem Kind hervorgerufen. Sie bildet den Grundstein, damit Kinder mit zunehmendem Alter zwischen tot und lebendig unterscheiden können.
Objektpermanenz
Wenn wir Kindern beim Spielen und Explorieren zusehen, können wir eine sehr interessante Beobachtung machen: Verschwindet ein Gegenstand unter dem Sofa, versuchen manche Kinder diesen unter dem Sofa hervorzuholen. Sie legen sich auf den Bauch und versuchen, den Gegenstand mit ihren Händen zu greifen. Andere Kinder hingegen zeigen dieses Suchverhalten nicht. Wie lässt sich das erklären? – Kinder, die Objektpermanenz entwickelt haben, wissen bereits, dass Dinge, die sich nicht (mehr) in ihrem unmittelbaren Blickfeld befinden, dennoch existent sind. Deshalb suchen sie danach. Es ist ihnen möglich, ein nicht wahrnehmbares (verschwundenes) Objekt mental zu repräsentieren. Bei Kindern, die noch nicht über diese kognitive Fähigkeit verfügen, gilt das Prinzip: „Aus den Augen aus dem Sinn!“ Jean Piaget untersuchte diese kindliche Fähigkeit und entdeckte, dass Kinder ab dem achten Lebensmonat über Objektpermanenz verfügen. Neuere Forschungsergebnisse hingegen konnten zeigen, dass Kinder bereits „[…] im Alter von dreieinhalb bis fünfeinhalb Monaten nicht nur über einfache Objektpermanenz verfügen, sondern sogar unterschiedliche Merkmale von Objekten, wie z.B. Größe mental repräsentieren.“ (Hessisches Sozialministerium, 2010, 64)
Wissenswert: Guck-Guck-Spiele
Die Mutter versteckt sich hinter dem Sessel und die kleine Sophia (zehn Monate) beginnt sogleich, nach der Mutter Ausschau zu halten. Die Mutter ruft mehrmals fragend „Guck-Guck?“ Sonja juchzt vor Freude. Plötzlich kommt die Mutter mit lautem „Guck-Guck!“ hinter dem Sofa hervor und Sophia bricht in ein freudiges Lachen aus.
In den ersten beiden Lebensjahren erweitern Kinder ihre Kompetenzen enorm. Das kognitive Begreifen geht über das sinnliche Begreifen, denn „Nichts ist im Geist, was vorher nicht in den Sinnen war.“ (John Locke) Die wichtigste Lernform ist das Erkundungsspiel (Exploration), die Nachahmung und somit das Lernen am Vorbild. In der Zeit bis zum achtzehnten Lebensmonat spielen Kinder gerne das „Guck-Guck-Spiel“, bei dem das Loslassen und Abschiednehmen eingeübt werden. Die Kinder erleben das zeitlich begrenzte Verschwinden eines Menschen (Gegenstandes), die damit verbundene Anspannung und im nächsten Augenblick die Freude über das Wiedersehen. Der Verlust macht Spaß, weil er darauf hoffen lässt, dass alles wieder gut wird. Deshalb ist es weniger die Angst als vielmehr die Lust an der Angst, die das Spiel für die Kinder so interessant und spannend macht.
Unterscheidung zwischen belebt und unbelebt
Zwischen dem zwölften und achtzehnten Lebensmonat entwickeln Kinder in besonderer Weise ihre kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten. Die einfachen Konzepte der vorsprachlichen Phase von „belebt“ und „unbelebt“ werden durch die fortschreitende Ausbildung des Denk- und Sprachvermögens aufgrund eigener Erfahrungen erweitert und korrigiert. Gegenstände, die sich nicht bewegen und „stumm“ sind, werden als leblose Objekte wahrgenommen. Dinge hingegen, die sich bewegen und Geräusche erzeugen, wie Kreisel, Mobiles, Nachziehtiere, werden als lebende Objekte eingestuft. Ab dem achtzehnten Lebensmonat können Kinder bereits Worte verstehen und benutzen, um ihre Gefühle auszudrücken: „Lisa weint.“
Aufmerksam beobachten Kinder beispielsweise Ameisen oder Käfer. Sie greifen und patschen nach ihnen und sind verwundert, wenn sich ein Tier plötzlich nicht mehr fortbewegt. Kinder töten kleine Krabbeltiere keinesfalls mutwillig und aus böser Absicht. Sie folgen vielmehr ihrer Neugierde und ihrem Erkundungsdrang. Deshalb dürfen sie für dieses Verhalten weder beschämt noch bestraft werden. Eine solche Situation sollte vielmehr genutzt werden, um Worte wie „tot“ und „sterben“ im Gespräch mit dem Kind zu gebrauchen: „Oh, der Käfer bewegt sich nicht mehr. Jetzt ist er tot.“ Für ein junges Kind ist das Wort „tot“ weder schlimm noch angstbesetzt, weil es dazu noch keine negativen Erfahrungen gesammelt hat. Es ist nur ein weiteres von vielen neuen Wörtern. Mit einer situationsangemessenen Reaktion vonseiten des Erwachsenen können Kinder lernen, dass eine solche Situation nicht zu den lustigen Momenten gehört.
Übergangsobjekte
Viele Kinder besitzen ein Kuscheltier oder ein Schmusekissen. Zu diesen Objekten haben sie eine überaus starke Beziehung und möchten sie stets bei sich haben, insbesondere wenn sie müde sind oder Trost benötigen. Wenn Mama oder Papa nicht zur Verfügung stehen, kann ein Kuscheltier das Ersatzobjekt ihrer ersten Wahl sein. Übergangsobjekte (Winnicott) ermöglichen dem Kind mehr Autonomie. Sie können Trauer auslösen, wenn sie nicht mehr auffindbar oder verloren gegangen sind. Der Verlust eines geliebten Kuscheltieres muss vom Kind betrauert werden. Die Trauer des Kindes sollte respektiert und nicht durch den Kauf eines neuen Kuscheltieres „gemildert“ werden.
Warum-Fragen
Das wichtigste Fragewort bei zwei- bis vierjährigen Kindern lautet „Warum?“. An seinen Warum-Fragen können wir erkennen, wie die kognitive Entwicklung eines Kindes voranschreitet und sein Realitätssinn zunehmend in Erscheinung tritt. „Sterben“ und „Tot-Sein“ sind Phänomene, die Kinder in ihrem Alltag im Gegensatz zu essen, trinken, tanzen, springen, hüpfen, singen … nicht erleben und wahrnehmen können. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wie schwer es für Kinder ist sich vorzustellen, dass ein Tier oder Mensch gestorben und tot ist.
Hannes (drei Jahre) zu seinem Papa: „Warum ist der Onkel tot?“ Papa: „Weil er krank war.“ Hannes: „Warum war er krank?“ Papa: „Weil er in seinem Bauch ein dickes Aua hatte.“ Hannes: „Wer hat das Aua in seinen Bauch getan?“ Papa: „Niemand. Es ist dort von allein gewachsen.“ Hannes: „Warum ist es da gewachsen?“ Papa: „Warum es gewachsen ist, weiß ich nicht.“ Hannes: „Warum weißt du das nicht, Papa?“
Egozentrisches Denken
Lisas Oma ist gestorben. Die Patentante kümmert sich liebevoll um Lisa (dreieinhalb Jahre). Nach einigen Tagen sagt Lisa: „Die Oma ist ganz böse auf mich!“ Die Tante erwidert: „Oma ist doch tot. Warum denkst du, dass Oma böse auf dich ist?“ Lisa: „Weil sie tot ist.“ Dann bricht Lisa in Tränen aus.
Kinder haben einen ich-bezogenen Zugang zur Welt. Sie gehen selbstverständlich davon aus, dass andere Kinder, Erwachsene und auch Tiere so hören, sehen, fühlen, denken, wünschen, wollen … wie sie selbst. Aufgrund des kindlichen Egozentrismus (Jean Piaget) ist es ihnen noch nicht möglich, sich in andere Menschen einzufühlen und die Perspektive zu wechseln. Für das Kind bedeutet es, seine Welt tendenziell einheitlich und weniger widersprüchlich zu erleben. Zudem hat der Egozentrismus für das Kind den Vorteil, dass es sich neuen Anforderungen gewachsen fühlt und sich nicht allzu schnell entmutigen lässt: „Ich bin, ich will, ich kann!“ Erst wenn ein Kind sein Wollen und Können realistisch einzuschätzen vermag und erkennt, dass es nicht allmächtig ist, kann es seine Grenzen, die Begrenztheit des Lebens und damit den Begriff der Endlichkeit verstehen lernen.
Theory of Mind
Lange Zeit ging man davon aus, dass Kinder erst im Alter von vier oder fünf Jahren in der Lage sind, sich in die Gedanken und Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen und somit über eine Theory of Mind verfügen. Neuen Untersuchungen zufolge verfügen bereits jüngere Kinder über ein einfaches Konzept, die mentalen Zustände anderer Menschen zu interpretieren. Kinder sind interessierte Beobachter und lernen mit der Zeit, die Handlungen anderer Personen und die damit verbunden Absichten zu verstehen. Wenn ein Kind weint, reichen ihm Kinder fürsorglich ein Taschentuch oder halten ihm einen Schnuller vor sein Gesicht. Gewiss ahmen sie das Verhalten des Erwachsenen nach. Sie zeigen solche (prosozialen) Verhaltensweisen jedoch auch, weil sie die mentale Gefühlslage eines Spielkameraden bereits folgerichtig deuten können.
Interessant ist, dass Kinder, die noch nicht über Einfühlungsvermögen (Empathie) verfügen, weder Ironie verstehen noch lügen können. Die Erklärung hierfür ist, dass Kinder ihr Fehlverhalten erst dann durch Schwindeln zu vertuschen versuchen, wenn sie sich vorstellen können, dass der Erwachsene ihr Tun nicht gut finden oder sie beim Übertreten von vereinbarten Regeln erwischen könnte. Schwindeln setzt somit voraus, dass Kinder die Fähigkeit haben, sich in andere hineinzuversetzen.
Wissenswert: Theory of Mind
„Erwachsene interpretieren und erklären menschliches Handeln, indem sie anderen Personen Absichten, Ziele, Überzeugungen und Wünsche zuschreiben. Diese Fähigkeit wird als „Theory of Mind“ (ToM) bezeichnet.“ LMU München (o.J.) Zu verstehen, dass andere Menschen über eine mentale Welt verfügen, die mit der eigenen nicht übereinstimmend ist, ist ein bedeutsamer Entwicklungsschritt und eine wesentliche Voraussetzung einer erfolgreichen sozialen Interaktion.
Animistisches Denken
Zwei Kinder (vier Jahre) entdecken einen Teddybären, der auf einer Fensterbank sitzt. Sie klopfen gegen die Scheibe und winken dem Bären zu. Daraufhin meint eines der beiden Kinder: „Der ist doch tot, komm wir gehen!“
Kinder beseelen Dinge, Pflanzen, Tiere, indem sie ihnen menschliche Eigenschaften zusprechen. In der Fantasie werden beispielsweise Äste zu verschiedenen Spielfiguren. Zerbricht ein Stöckchen, bedauern Kinder dieses Geschehen zutiefst: „Oh, du armes Kind, jetzt bist du tot!“ Diese Weise zu denken und zu fühlen wird als anthropomorph oder als Animismus (Jean Piaget) bezeichnet. In vielen Situationen fühlt sich das Kind in seinem animistischen Glauben bestätigt, wenn es zum Beispiel in Büchern, Geschichten oder Filmen sieht und hört, dass Tiere oder Gegenstände wie Menschen denken, fühlen, handeln. Beseelte Gegenstände haben für Kinder eine Bedeutung. Erwachsenen fällt es oft schwer, die Bedeutung dessen nachzuvollziehen, da es sich manchmal um schäbige Dinge handelt, wie beispielsweise um einen unansehnlichen Stofffetzen oder ein vergilbtes Bildchen.
Für junge Kinder ist zunächst alles, was sich bewegt oder bewegen lässt, auch wenn es an derselben Stelle bleibt, lebendig. Für ältere Kinder leben nur noch jene Dinge, die sich bewegen können, wie der Mond oder ein Fahrrad. Die animistischen Vorstellungen ändern sich mit zunehmendem Alter. Kinder gelangen zu der Erkenntnis, dass Bewegung nicht das einzige Kriterium für Leben ist und „Beweglichkeit“ und „Lebendigkeit“ nicht dasselbe bedeuten.
Magisches Denken
Stefans älterer Bruder ist gestorben. Die Erzieherin hört, wie er zu den Kindern sagt: „Daniel kann sich in einen Zauberer verwandeln. Wenn er will, zaubert er sich einfach wieder lebendig!“
Mit dem magischen Denken gestaltet das Kind seine eigene Welt. Es hat die Vorstellung – und das ist das Magische daran – dass es mit seinen Gedanken Einfluss nehmen kann. Es ist beispielsweise davon überzeugt, dass es einen verstorbenen Menschen herbeiwünschen kann. Diese Fantasie hilft ihm, sich nicht ohnmächtig fühlen zu müssen. Andererseits kann magisches Denken auch Ängste und Schuldgefühle hervorrufen, wenn sich ein Kind als Verursacher eines negativen Geschehens erlebt.
Darmowy fragment się skończył.