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Lieblingsplätze Sauerland
Maike Förster
Impressum
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Attendorner Tropfsteinhöhle 26; Wildwald Vosswinkel 54; Gerichtsmuseum Bad Fredeburg 68; Thomas Krumm 106/107, 122, 142, 150, 154, 162; Café-Restaurant Vedder 114; Phänomenta Lüdenscheid 128; Cedric-Olivier Nougrigat 130; Sauerland-Tourismus e. V., Fotograf: Märkischer Kreis 132; Deutsches Drahtmuseum Altena 136; Hildegard Goor-Schotten 140; Mendener Karnevals-Gesellschaft Kornblumenblau 146; Stadt Hemer 152; Uta Baumeister 158; Till Haarmann 176; Theodor Fromme 180, 184; Stadt Rüthen 182; Klaus-Dieter Hötte 186; Warsteiner Internationale Montgolfiade GmbH 188
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1., aktualisierte Neuauflage 2021
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book/Kartendesign: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung/Bildbearbeitung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von stock.adobe.com: © SimpLine, © Fiedels, © sdCrea, © Wiktoria Matynia, © vecti, © lapencia, © Sylwia Nowik, © ii-graphics; © Pilgrrim – shutterstock.com; © Katrin Lahmer; © Benjamin Arnold
ISBN 978-3-8392-6394-5
Inhalt
Impressum
Ein Herz für Wasser, Metall und allerhand Abseitiges
Vorwort: Auftakt
1 Stelldichein mit der Hexe
Olpe: Rund um den Geschichtsbrunnen
2 Dauerfehde rund ums Gotteshaus
Drolshagen: Pfarrkirche St. Clemens
3 Geduldsspiel mit Hecke
Drolshagen: Labyrinth
4 Sauerlandlinie des Mittelalters
Drolshagen: Schlüsenlehrpfad Junkernhöh
5 Bettgeschichten und Blaublüter
Attendorn: Südsauerlandmuseum Attendorn
6 Feines Tuch und Schwarzer Tod
Attendorn: Spaziergang durch die Altstadt
7 Käse aus Stein
Attendorn: Atta-Höhle
8 Sauerländer Senf aus Attendorn
Attendorn: Attendorner Senfmühle
9 Ein Pfennig für den Talsperrenbau
Olpe: Biggesee
10 Südlich des Äquators
Lennestadt-Meggen: Bergbaumuseum Siciliaschacht
11 Abtauchen, mitmachen, staunen
Lennestadt-Meggen: Galileo-Park
12 Ein Golddorf setzt auf Tradition
Lennestadt-Kirchveischede: Rundgang durch den Ortskern
13 Sagenhafter Blick ins Sauerland
Lennestadt: Aussichtsturm Hohe Bracht
14 Feuer und Wasser Hand in Hand
Wenden: Wendener Hütte
Das Hochsauerland
15 Ein Muss für Feinschmecker
Eslohe-Wenholthausen: Landgasthof Seemer
16 Ein Paradies der Sammelleidenschaft
Eslohe: Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe
17 Kafkaesk, aber nicht gruselig
Arnsberg: Spaziergang durch Alt- und Neustadt
18 Ein fürstlicher Blick auf die Stadt
Arnsberg: Schlossruine
19 Edgar Wallace oder Rosamunde Pilcher
Arnsberg: Jagdschloss Herdringen
20 Im Angesicht des Keilers
Arnsberg -Vosswinkel: Wildwald Vosswinkel
21 Zucht und Ordnung Im Garten Gottes
Arnsberg-Oelinghausen: Klostergartenmuseum
22 Auch ein See kann Meer sein
Sundern: Sorpesee
23 Erst melken, dann genießen
Sundern-Seidfeld: Hofladen Greitemann
24 Einen Fünfer vom Bundespräsident
Sundern-Enkhausen: Heinrich-Lübke-Haus
25 Raum für Besinnung und Gespräch
Meschede: Abtei Königsmünster
26 Ein Dörfchen für die Schneekugel
Meschede-Eversberg: Spaziergang durch das Fachwerkdorf
27 Unter der Linde wartet der Tod
Schmallenberg-Bad Fredeburg: Gerichtsmuseum
28 Wunderwasser aus dem Hochsauerland
Schmallenberg-Nordenau: Heilstollen Nordenau
29 Bestückt für Kaffee und Kuchen
Schmallenberg-Fleckenberg: Besteckfabrik Hesse
30 Kein Ort für Ordnungsfanatiker
Schmallenberg-Schanze: Kyrill-Pfad
31 Künstlerische Wegmarken
Schmallenberg: Waldskulpturenweg
32 Flammensturm und Bombenhagel
Schmallenberg-Bödefeld: Spaziergang durch den Ortskern
33 Wo Froschkönig zu Hause ist
Schmallenberg-Oberkirchen: Kunstschmiede Schütte
34 Filigranes mit der Motorsäge
Hallenberg: Eishäuschen
35 Passionsgeschichte auf Sauerländisch
Hallenberg: Freilichtbühne Hallenberg
36 St. Petrus auf dem Schnadegang
Brilon: Spaziergang durch die Fachwerkaltstadt
37 Ein Dino im Palais
Brilon: Museum Haus Hövener
38 Wandern ohne Grenzen
Brilon: Rothaarsteig ab Brilon
39 Das steinerne Herz des Sauerlandes
Olsberg-Bruchhausen: Bruchhauser Steine
40 Eine blühende Leidenschaft
Olsberg-Assinghausen: Rundgang durch das Dorf
41 Von Bischöfen und Rennstrecken
Olsberg-Gevelinghausen: Spaziergang durch die Gässchen
42 Bewundernswerter Sammlerwahnsinn
Willingen-Usseln: Curioseum
43 Wettermacher im Sonnenloch
Winterberg: Kahler Asten
44 Wintersport im Sauerland
Winterberg-Neuastenberg: Wintersport Museum
45 Schwacher Glanz aus früheren Zeiten
Bestwig-Ramsbeck: Sauerländer Besucherbergwerk
Der Märkische Kreis
46 Dampfendes Relikt
Herscheid-Hüinghausen: Märkische Museums-Eisenbahn
47 Reidemeister und Hammerschmiede
Herscheid: Industriedenkmal Ahe-Hammer
48 Ein Denkmal für den Turmhasser
Herscheid-Nordhelle: Robert-Kolb-Turm
49 Wie zu Hause bei Muttern
Herscheid: Café-Restaurant Vedder
50 Edelstahl und klare Formen
Kierspe: Atelier von Günter Wermekes
51 Jazz mit Landbier
Kierspe-Rönsahl: Historische Brennerei Rönsahl
52 Ein Wundermaterial
Kierspe: Bakelitmuseum
53 Wilde Schönheit rund ums Staubecken
Kierspe-Volme: Jubachtalsperre
54 Waldboden, der die Welt bedeutet
Lüdenscheid: Waldbühne
55 Augenschmaus und Ohrenweide
Lüdenscheid: Integrative Kulturwerkstatt Alte Schule
56 Zündeln für die Forschung
Lüdenscheid: Phänomenta
57 Das größte Automuseum der Welt
Lüdenscheid: Siku//Wiking Modellwelt
58 Märkisches Gespür für Draht
Lüdenscheid: Drahthandelsweg ab Lüdenscheid
59 Kemenate mit Flussblick
Altena: Burg
60 Vom Kettenhemd zum Supraleiter
Altena: Deutsches Drahtmuseum
61 Eine Burg für die Bürger
Altena: Burg Holtzbrinck
62 Auf der Spur alter Handwerke
Iserlohn: Fabrikanlage Maste-Barendorf
63 Tronje von Hagen reift in Iserlohn
Iserlohn: Dechenhöhle
64 Ein Leben – randvoll
Iserlohn Schmiedemuseum Eduard Balbach
65 Helau und Alaaf im Sauerland
Menden: Westfälisches Karnevalsmuseum Teufelsturm
66 Unter dem Kreuz vereint
Menden: Kreuztracht im Städtischen Museum Menden
67 Adelige Industriegeschichte
Menden-Lendringsen: Industriemuseum Menden Gut Rödinghausen
68 Goldrausch im Zwergenland
Hemer: Felsenmeer
69 Blumenpracht statt Marschkolonnen
Hemer: Sauerlandpark Hemer
70 Glühende Begeisterung
Balve: Luisenhütte Wocklum
71 Schützen und Theaterdonner
Balve: Balver Höhle
72 Göttliche Geometrie
Balve: Kirche St. Blasius
73 Blaupause für New York
Neuenrade: Spaziergang durch die Altstadt
74 Hier kommt die Kultur zum Zug
Werdohl: Kulturbahnhof Werdohl
Rund um Soest
75 Die Macht der Hanse lässt grüßen
Soest: Stadtrundgang
76 Eldorado für Bücherwürmer
Soest: Rittersche Buchhandlung
77 Grün wie die Hoffnung
Soest: Grünsandsteinmuseum
78 Langer Kampf um das Wasser
Möhnesee: Möhnesee
79 Galgenvögel im Rot der Abendsonne
Möhnesee: Skulpturenpfad
80 Salz liegt in der Luft
Bad Sassendorf: Gradierwerk
81 Handwerksgesellen zeigen ihr Können
Rüthen: Handwerkerdorf
82 Zeugnisse aus finsteren Zeiten
Rüthen: Hexenturm
83 Ewige Ruhe im Haus der Gräber
Rüthen: Jüdischer Friedhof
84 Sommererinnerungen und Wasserspiele
Rüthen-Kallenhardt: Schloss Körtlinghausen
85 Viel mehr als heiße Luft
Warstein: Ballonfestival Montgolfiade
Karte
Ein Herz für Wasser, Metall und allerhand Abseitiges
Vorwort: Auftakt
»Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland, vergrabt mein Herz im Lennesand« – so dichtete die Iserlohner Band Zoff im Jahre 1982 die Hymne, die noch heute von Winterberg bis Lennestadt bei Partys und Festen geschmettert wird – mit Freude und Inbrunst. Und auch wenn hier keine Palmen wachsen und stattdessen – ganz unromantisch – die Misthaufen qualmen: Im Sauerland lässt es sich gut leben. Wir Sauerländer meinen sogar: sehr gut!
Hier bei uns leben Schollenverbundene und Zugereiste – wobei Erstere stolz darauf sind, schon immer hier gewesen zu sein. Mancher rühmt sich einer Ahnenreihe, die sich bis in die Zeiten Annos II., des Erzbischofs von Köln, zurückverfolgen lassen – also bis ins 11. Jahrhundert! Und das äußern sie auch. Die Frage »Was bist du für eine Geborene?« ist die Steigerung von »Sind Sie von hier?«, die sich eher an die Gruppe der Zugereisten und Gäste richtet. Die erste Frage stellt die Balverin oder Hemeranerin, um zu erkennen, ob sie nicht doch eine Dame aus Iserlohn oder dem ach so fernen Menden vor sich hat.
Im Sauerland kann man lernen, was es mit gefühlten Distanzen auf sich hat – und dass man nicht immer viele Worte machen muss, um dem anderen seine Sympathie zu zeigen. »Schweigen ist Gold« – das kann den Sauerländer meinen. Er macht nicht viele Worte. Aber auf sein Wort kann man sich verlassen. Vielredner und Berufslustige wie die Menschen aus Köln sind uns suspekt. Und doch ist auch im Sauerland der Karneval zu Hause – wie sehr, zeigt das Museum des Westfälischen Karnevals in Menden.
Ja, wir mögen es abseitig und bizarr. Das belegen auch unsere Museen, die sich neben Frühgeschichte und dem Bergbau auch gern mit einem ganz anderen Werkstoff, dem Bakelit, mit Grünsandstein, mit Skiern und Rodelschlitten, mit alten Klostergartenpflanzen oder Galgen und Folterwerkzeugen beschäftigen. Einige dieser Orte zum Staunen finden sich in diesem Buch – zugegebenermaßen nur eine Auswahl, aber immerhin.
Und auch sonst lohnt sich ein Besuch bei uns. Ob es nun die Bruchhauser Steine sind, die auf den Höhen im Herzen des Hochsauerlandes majestätisch aufragen, die Golddörfer Assinghausen und Gevelinghausen, die Atta-Höhle in Attendorn, das Hemeraner Felsenmeer, der Jüdische Friedhof in Rüthen oder die »Großstädte« des Sauerlandes, Soest und Arnsberg – zu sehen, zu bestaunen, zu genießen gibt es vieles. Nicht zuletzt unsere Talsperren. Sie prägen das Sauerland wie nichts anderes. Sorpe, Möhne und Bigge sind nur die größten Stauseen. Doch auch ihre kleineren Geschwister haben ihre Reize – und den Vorteil, dass sie bei nur einem Spaziergang umrundet werden können.
Das andere prägende Element unserer Region ist das Metall. Kernig, erdig, handfest – hier wird seit Jahrhunderten mit dem gearbeitet, was später auch das Ruhrgebiet groß machte. Wer auf dem Drahthandelsweg von Lüdenscheid über Altena nach Iserlohn wandert, der unternimmt eine Zeitreise und kann erahnen, wie schwer Leben und Arbeit in früheren Zeiten hier im Sauerland waren. Lebendig werden die alten Handwerke bei einem Besuch des Bremecker Hammers in Lüdenscheid, in der Besteckfirma Hesse in Schmallenberg, der Fabrikanlage Maste-Barendorf in Iserlohn oder dem Handwerkerdorf in Rüthen. Wer dann zum Abschluss noch das Altenaer Drahtmuseum besucht, der ist, buchstäblich, »auf Draht«!
Sie merken: Ein Besuch lohnt sich – oder auch zwei, drei oder vier! Bei einem Ihrer Ausflüge zu meinen Lieblingsplätzen sollten Sie versuchen, mit Einheimischen eine interessante Frage zu klären: Was ist das Sauerland? Wo fängt es an? Wo hört es auf? Sie werden überrascht sein, wie vielfältig die Antworten sind, die Sie erhalten. Viel Spaß also beim Fragen und beim Nachdenken über die Antworten! Und natürlich beim Besuch Olpes, Drolshagens, Attendorns …
Maike Förster
Olpe und Umgebung

Geschichtsbrunnen vor der St.-Martinus-Kirche in Olpe
1 Stelldichein mit der Hexe
Olpe: Rund um den Geschichtsbrunnen
Der erste Eindruck ist nicht für jeden einladend. Die Luftangriffe in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges haben bleibende Spuren hinterlassen. Wie in vielen anderen Städten in Westfalen begann der Wiederaufbau in Olpe mit viel Elan und nicht mit dem Schwerpunkt auf städtebaulicher Ästhetik. Aber wer den Weg zum Kurkölner Platz gefunden hat, der kann ein anderes Olpe entdecken.
Einen Schnellrundgang durch die Geschichte sollte jeder Besucher machen. Und nichts ist einfacher zu bewerkstelligen. Steht doch am Kurkölner Platz im Schatten der Pfarrkirche St. Martinus ein Brunnen, der nicht nur Kunstliebhaber, sondern auch Hobbyhistoriker beglückt. Der Bildhauer Karl-Heinz Klein schuf aus Bronze einen Reigen, der seinen Anfang mit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1311 nimmt, die Feuersbrunst im April 1795 zeigt und mit einem Bild des heutigen Olpe endet. Vier Wappen und sechs Tafeln mit berühmten Olper Persönlichkeiten komplettieren den Geschichtsbrunnen.
Geschichte atmet auch die Stadtmauer, an der Sie entlangwandern sollten. Erhalten sind leider nur Überreste der Befestigungsanlage – dafür aber der Engels- und der Hexenturm. Letzterer kann für Versammlungen gemietet werden. Ob die Hexe je auftauchte, ist nicht bekannt. Weiter geht es vorbei an der Gedenkstätte für die Kriegsopfer und einem Mahnmal für die Lebenden. Und auch dem Jagdhund zollt Olpe seinen Tribut – 1996 wurde das Brackendenkmal errichtet.
Zum Verweilen laden die Bänke rund um das Wasserrad ein, das im Weierhohl am Fuße der Stadtmauer zu finden ist. Wer weitergeht, kommt auf die Bleichwiese. Im Jahr 2002 setzte die Stadt den Waschfrauen ein Denkmal. Die Finnentroper Künstlerin Anneliese Schmidt-Schöttler schuf vier Frauen, die ihrer Arbeit nachgehen. Das, was früher Schwerstarbeit war, kommt heute in Bronze leicht und fröhlich daher.
Gaumenfreuden und Cocktailspaß bietet die Cosmo:Lounge am Markt. Hier treffen sich die Olper und Besucher der Stadt zum Schlemmen und Plauschen.

1
Gegenüber der Kirche St. Martinus finden Sie den
Geschichtsbrunnen
Kurkölnerplatz
57462 Olpe
www.olpe.de
Cosmo:Lounge
Am Markt 6
57462 Olpe
02761 8367346
www.cosmo-lounge.de
2 Dauerfehde rund ums Gotteshaus
Drolshagen: Pfarrkirche St. Clemens
Eine alte Stadtmauer, hübsche Fachwerkhäuser, nostalgische Straßenlaternen, ein Zisterzienserinnenkloster und mittendrin eine romanische Basilika – das ist Drolshagens altes Zentrum. Und tatsächlich kann ich den Charme des mittelalterlichen Stadtkerns noch spüren, wenn ich durch die Gassen rund um die St.-Clemens-Pfarrkirche flaniere.
Beschaulich ist das Wort, das mir als erstes einfällt, wenn ich an Drolshagen denke. Eingebettet in den Naturpark Ebbegebirge wirkt die Stadt mit ihren 57 Ortschaften herrlich unaufgeregt. Das war nicht immer so. Die Stadtchronik erzählt von Dauerfehden zwischen der Stadt und dem von dem Grafenpaar von Sayn gestifteten Zisterzienserinnenkloster, regem Handel in Zeiten der Hanse und einem verheerenden Brand im Mai des Jahres 1838. Er legte die Stadt fast gänzlich in Schutt und Asche. Das Wahrzeichen der Stadt, der große, wuchtige Kirchturm stand und steht noch heute unbeeindruckt von den Zeichen der Zeit da. In früheren, bewegteren Zeiten diente er als Wach- und Wehrturm.
Es heißt, dass Erzbischof Anno von Köln die St.-Clemens-Pfarrkirche im 11. Jahrhundert gründete – urkundlich belegen lässt sich dies jedoch nicht. Der Fund einer alten Silbermünze mit der Umschrift »Otto Imperator Augustus« sorgte bei Restaurierungsarbeiten für Aufruhr. Offenbar bezieht sich die Münze auf Kaiser Otto III. – damit liegt es nahe, die Entstehungszeit des Gotteshauses rund um das Jahr 1000 anzusiedeln.
Kenner wissen eines sicher: Der Betonglockenstuhl, der sich seit 1993 in der Kirche befindet, bietet nach Soest und Minden das musikalisch anspruchsvollste Geläut in ganz Westfalen. Mit 18 Tonnen und der größten Stahlglocke im Erzbistum Paderborn, der Christus-König-Glocke, ist das Geläut mehr als imposant.
Im Gewölbekeller des alten Klostergebäudes finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Das Dachgeschoss des Hauses dient als Musiksaal.

2
St.-Clemens-Pfarrkirche
Kirchplatz
57489 Drolshagen
02761 71124
www.kirchspiel-drolshagen.de
3 Geduldsspiel mit Hecke
Drolshagen: Labyrinth
Was haben die Städte Drolshagen, Siena und Chartres gemeinsam? Richtige Antwort: ein Labyrinth! Seit die Mitglieder des Heimatvereins im April 2007 mehr als 2.000 Rotbuchenheckenpflanzen auf einem Hügel im Ortsteil Stupperhof in die Erde gebracht haben, verfügt die Stadt damit über ein Wahrzeichen, das gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal ist – weitere Heckenlabyrinthe findet man in Nordrhein-Westfalen nämlich nicht.
Während Theseus bei der Suche nach dem Minotauros auf den Ariadne-Faden angewiesen war, kann der Besucher des Drolshagener Labyrinths völlig entspannt sein. Wie bei den großen Vorbildern in den Kathedralen des Mittelalters geht es auch hier um Geduld und Meditation. Und das Konzept der Planer funktioniert.
Ich betrete das Rund der Blutbuchenhecken an einem strahlenden Sommertag und glaube, dem Ziel ganz nah zu sein. Nur gut 14 Meter beträgt der Radius – das habe ich nachgelesen. Doch der Weg ist weiter. Denn kurz vor dem letzten Schritt zum Mittelpunkt hält mich eine Hecke auf. Dann beginnt der Weg, der erst viele Minuten und 390 Meter später ins Zentrum führt. In die Mitte vorstoßen zu wollen und sich von dieser immer weiter zu entfernen – ich spüre die Ungeduld in mir wachwerden. Doch je länger ich gehe, desto ruhiger werde ich. Ich beginne, mich auf die einzelnen Schritte zu konzentrieren. Erst im Herzen des Labyrinths angelangt, nehme ich wieder die Geräusche um mich herum wahr. Lange verweile ich nicht, sondern mache mich auf den zweiten Teil des Weges, der mich in immer größer werdenden Kreisen wieder an den Ausgangspunkt meiner Wanderung führen wird.
Am Ende steht eines fest: Ich werde wiederkommen. Um die Hecken im Farbenspiel der Jahreszeiten und immer höher in den Himmel wachsen zu sehen. Und um wieder einmal Ruhe und Besinnung in der Hektik des Alltags zu finden.
Am Wochenende und an Feiertagen kann man sich nach dem Besuch des Labyrinths in der benachbarten Scheunenwirtschaft Op’m Stupper stärken.

3
Drolshagener Labyrinth
Stupperhof
57489 Drolshagen
02761 9700
www.heimatverein-
drolshagen.de
Op’m Stupper
Stupperhof 1
57489 Drolshagen
02763 212480
4 Sauerlandlinie des Mittelalters
Drolshagen: Schlüsenlehrpfad Junkernhöh
Wer mit offenen Augen durch die Wälder im Drolshagener Land streift, findet sie überall – die Hohlwege, die hier mundartlich »Schlüsen« heißen. Aber in Junkernhöh, wo der Schlüsenlehrpfad beginnt, gibt es nicht nur einen einzelnen Hohlweg zu bestaunen, sondern ein »Schlüsenbündel«, einen ganzen Verbund. Warum die so spannend sind und mich in ihren Bann ziehen? Machen wir doch eine kleine Zeitreise ins Mittelalter.
Handel betrieben die Menschen damals schon – auch die Sauerländer. Erz, Kohle und viele andere Waren galt es zu befördern. Aber wie? LKW und die Sauerlandlinie gab es ja noch nicht. Die höre ich zwar, wenn ich die Ohren spitze – aber wenn ich die Augen schließe und mich zurückversetze in vergangene Jahrhunderte, dann sehe ich Pferdekarren und – Hohlwege! Die engen und holprigen Waldwege waren die Hauptverkehrsadern, auf denen Waren transportiert wurden.
Die Tafeln am Rande des Schlüsenlehrpfades erzählen mir, dass die Beförderung nur in zweirädrigen Karren möglich war. Das machte die Wege für die Händler sehr beschwerlich. Mehr als 30 Kilometer pro Tag waren für sie nicht zu schaffen. Wollte ein Drolshagener Waren ins Siegerland bringen, brauchte er zwei Tage für die Hin- und Rückfahrt. Neben den Zweiradkarren waren Lasttiere auf den Schlüsen unterwegs – und Menschen, die Waren für den täglichen Gebrauch mit der Tragestange beförderten. Noch beschwerlicher wurde es, wenn der Regen die Wege aufweichte und sie mit ihren Steigungen in Rutschpisten verwandelte. Groß muss die Freude gewesen sein, als die Preußen die sogenannte Kunststraße brachten, die wir Sauerländer heute als B 54 kennen. Mit ihr wurde der Handel leichter und schneller. Die Schlüsen aber verloren nach und nach ihre Bedeutung.
Der Schlüsenlehrpfad Junkernhöh ist jederzeit zugänglich. Der ein Kilometer lange Weg hat eine sechsprozentige Steigung. Mit Kinderwagen ist der Lehrpfad nicht gut befahrbar.

4
Schlüsenlehrpfad Junkernhöh
Startpunkt: Am Frohnen Wenden
57489 Drolshagen
www.drolshagen.de
Drolshagen Marketing e.V.
02761 9427990
www.drolshagen-marketing.de
5 Bettgeschichten und Blaublüter
Attendorn: Südsauerlandmuseum Attendorn
Die Sonne scheint, die Attendorner flanieren durch ihre Altstadt, essen Eis, kaufen ein. Das rege Treiben lädt zum Mitmachen ein – aber ich entscheide mich für einen anderen Zeitvertreib. Ich möchte das Südsauerlandmuseum besuchen, hier war ich schon als Kind und Jugendliche. Und ich weiß, dass ich auch heute wieder faszinierende Dinge entdecken und Neues lernen werde.
Untergebracht ist das Museum für Kunst und Kulturgeschichte des Kreises Olpe im historischen Rathaus Attendorns. Kurz verweile ich vor dem Eingang, um den herrlichen Brunnen von Karl-Josef Hoffmann zu würdigen, der vor dem Gebäude seinen Platz gefunden hat. Das historische Rathaus ist im Grunde auch ein Museumsstück, ist es doch der einzige erhaltene gotische Profanbau in ganz Südwestfalen. In früheren Zeiten soll die Halle im Erdgeschoss ein Umschlagplatz für Tuch- und Stahlprodukte gewesen sein. Heute beherbergt das Gebäude die Exponate des Museums. Und die haben viele Geschichten zu erzählen.
Auf mehreren Stockwerken befinden sich elf Themeninseln mit Namen, die Appetit machen und die Fantasie anregen. »Bettgeschichten«, »Blaublüter«, »Exportschlager«, »Beichtgeheimnis« und »Altlasten« sind nur einige aus der Elferreihe. Was mag sich hinter ihnen verbergen?
Heute will ich das Geheimnis hinter dem »Exportschlager« lüften und lerne, wie Attendorn Mitglied der sagenumwobenen Hanse wurde. Weitere Exportschlager waren berühmte Söhne Attendorns, deren Ruhm sich auch jenseits der Grenzen der Stadt verbreitete. Die Ausstellung widmet sich dem Gelehrten Johannes Rivius, dem Freiherrn von Heuel, dem berühmten Kupferstecher Johann Josef Freidhoff und dem Domkapitular Alexander Schnütgen. Bei meinem nächsten Besuch, das weiß ich heute schon, sind die »Beichtgeheimnisse« dran!
Attendorn hat noch ein besonderes Museum: ein Straßenlaternenmuseum. Überall rund um den Marktplatz sind die Schmuckstücke aus europäischen Haupt- und Hansestädten zu bewundern.

5
Das Südsauerlandmuseum hat seine Bleibe im historischen Rathaus von Attendorn gefunden
Südsauerlandmuseum Attendorn
Alter Markt 1
57439 Attendorn
02722 3711
www.suedsauerlandmuseum.de
6 Feines Tuch und Schwarzer Tod
Attendorn: Spaziergang durch die Altstadt
Gelassen, klar und hell. Das ist Attendorn für mich. Nach Olpe und Lennestadt ist sie die drittgrößte Stadt des Kreises Olpe und – zumindest für mich – die schönste. Ein wenig mediterran ist die Atmosphäre, wenn man an einem Spätsommertag nachmittags durch die Gassen geht. Nein, man flaniert. Das macht den Unterschied: Hier hat man Zeit, hier setzt man auf Gemütlichkeit und Genuss.
Zwei Faktoren bestimmen das heutige Bild Attendorns: die Blütezeit der Hanse und die unzähligen Brände während des 17. und 18. Jahrhunderts. Anziehend wirkte die Stadt schon in frühgeschichtlicher Zeit. Alles stimmte hier: das Klima, die Beschaffenheit der Böden, die Lage. Erstmals urkundlich erwähnt wurde »Attandarra« im Rahmen der Stiftung des Klosters Grafschaft durch Erzbischof Anno von Köln im Jahre 1072. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte im Jahr 1222 unter Engelbert I. von Berg. Der große Aufschwung der Stadt setzte im 13. und 14. Jahrhundert ein. Dank musste Attendorn den neun Zünften zollen, ganz besonders den Leinen- und Wollwebern. Reichtum und Wohlstand hielten Einzug. Attendorn wurde als Mitglied der Hanse bekannt für sein Tuch – die Handelsbeziehungen waren umfangreich und breit gestreut.
Dann aber suchte der Schwarze Tod die Stadt heim – gleich viermal. Als die letzte Pestwelle abgeebbt war, trat die nächste Geißel auf den Plan. Großbrände schrecklichen Ausmaßes verheerten die Stadt. Acht Feuersbrünste in 170 Jahren setzten Attendorn zu, zerstörten große Teile der Bausubstanz. Dennoch: Sehenswürdigkeiten hält die Stadt für den Besucher immer noch viele bereit. Den Sauerländer Dom, die Pfarrkirche St. Johannes Baptist und die zwei erhaltenen mittelalterlichen Stadttürme: den Bieketurm und den Pulverturm.
In der Attendorner Altstadt gibt es viele Cafés, Bars, Restaurants und Gaststätten, die die Besucher mit lokalen und regionalen Spezialitäten verwöhnen.

6
Altstadt Attendorn
Startpunkt: Tourist-Information Attendorn
Kölner Straße 9
57439 Attendorn
02722 6574146
www.attendorn.de
7 Käse aus Stein
Attendorn: Atta-Höhle
Sie haben den Unterschied zwischen Stalagmiten und Stalaktiten nie richtig begriffen? Seien Sie sicher: In der Atta-Höhle lernen Sie es – mehr als 40 Millionen Besucher vor Ihnen haben es auch schon geschafft. Unspektakulär ist an der größten Tropfsteinhöhle Deutschlands nur der Eingang. Wenn Sie aber die große Tür hinter sich geschlossen haben, tauchen Sie ein in eine Welt aus filigranen und majestätischen Naturwundern, die dafür sorgen, dass Sie aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Da tut es der Faszination auch keinen Abbruch, wenn Sie sich klarmachen, dass Sie hier »nur« vor Stein gewordenem Kalkwasser stehen und den Mund nicht mehr zubekommen. Und Sie sollten beim Anblick von steinernen Gardinen, strahlend blauen unterirdischen Seen und der Alhambra-Grotte denen Ihre Dankbarkeit zollen, die das Schmuckstück entdeckt haben.
Wie so oft hatte dabei der Zufall seine Hände im Spiel. Man schrieb den 19. Juli 1907, als Arbeiter der Biggetaler Kalkwerke eine folgenschwere Sprengung vornahmen. Vor ihnen tat sich plötzlich ein Felsspalt auf, in den sie krochen – so ist das Gott sei Dank mit der Neugier des Menschen. Überwältigend muss der Anblick für die Männer gewesen sein, vor allem auch, weil er sie so unvorbereitet traf.
Besser vorbereitet sind Sie, wenn Sie der Höhle, die ihren Namen genau wie die Stadt Attendorn der Fürstin Atta verdankt, heute einen Besuch abstatten. Wichtig: Ziehen Sie sich warm an, denn auch unter der Erde ist das Sauerland nicht für hohe Plusgrade bekannt. Nur neun Grad zeigt das Thermometer – aber das dafür konstant 365 Tage im Jahr. Und Sie sollten sich in jedem Fall auch einen Bissen des Atta-Käses nicht entgehen lassen. Der reift, abgeschieden von Ihnen und den anderen Besuchern der Höhle, rund 90 Tage in absoluter Ruhe.
5o Meter unter der Erde liegt die Gesundheitsgrotte, wo Menschen mit Asthma, Bronchitis oder Neurodermitis Linderung suchen und finden.

7
Atta-Höhle
Finnentroper Straße 39
57439 Attendorn
02722 93750
www.atta-hoehle.de
8 Sauerländer Senf aus Attendorn
Attendorn: Attendorner Senfmühle
Ein würzig-aromatischer Geruch liegt in der Luft – das Wasser läuft mir beim Anblick des gelb-bräunlichen Muses im Mund zusammen. Senf – eine meiner großen kulinarischen Leidenschaften. Hier gibt es ihn in großen Mengen und allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Ein Eldorado für mich und meine Probierwut. Sylvia Hilsmann, Inhaberin der Attendorner Senfmühle, reicht mir geduldig Probierlöffelchen auf Probierlöffelchen.
Ihr Mann hatte die Idee, Senf herzustellen. Volker Hilsmann, ein begeisterter Hobbykoch, nahm die Nachfragen der Touristen ernst: »Was gibt es denn an typischen Lebensmitteln aus dem Sauerland, die sich auch noch gut verschenken lassen?« »Senf!« Die Antwort stand für Volker Hilsmann sofort fest. Er schaffte eine Senfmühle an, sammelte Rezepte und probierte diese aus. Heute besteht das Senfsortiment aus mehr als zwei Dutzend Sauerland-Senfsorten – angefangen vom Verkaufsschlager, dem Attendorner Mühlensenf, über Bier- und Knoblauchsenf bis hin zu Zubereitungen mit Apfel, Walnüssen, Preiselbeeren und Steinpilzen. Aber damit noch nicht genug. Längst haben Sylvia und Volker Hilsmann ihr Angebot erweitert. Und so stehen selbstgemachtes Pesto, Fruchtaufstriche, Soßen, Essig- und Ölflaschen und die selbstgemachten Liköre im Regal. Die seien etwas ganz Besonderes, fügt Sylvia Hilsmann hinzu. Der Clou: der erhöhte Fruchtanteil. Die eingelegten Früchte landen als Püree wieder im Likör. Daher sind die Inhalte der Flaschen etwas trübe – aber auch umso fruchtiger.
In der Wintersaison kommen die Kunden in Scharen, um etwas vom heißbegehrten Rumtopf abzubekommen. Den stellen die Hilsmanns nur in einer kleinen Auflage her. »Der ist schneller weg, als wir gucken können«, freut sich Sylvia Hilsmann, dass sie und ihr Mann den Geschmack ihrer Kunden offensichtlich getroffen haben.
Wer Volker und Sylvia Hilsmann bei der Senfherstellung über die Schulter schauen möchte, kann das bei einer Führung. Eine Verkostung gehört zum Programm.

8
Attendorner Senfmühle
Ennester Straße 21
57439 Attendorn
02722 9769938
www.sauerlandsenf.de
9 Ein Pfennig für den Talsperrenbau
Olpe: Biggesee
Als Talsperren-Mitbesitzer dürfen sich die Menschen schon fühlen, die rund um den Biggesee leben. Und das, weil der nordrhein-westfälische Landtag 1956, im Jahr des Baubeginns, ein Gesetz verabschiedete, das als Biggetalsperrengesetz bekannt wurde. Erst im Jahr 2009 wurde die Verpflichtung gelöst, nach der die Bürger der umliegenden Region den sogenannten »Biggepfennig« abführen mussten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Stadtwerke auf jeden verbrauchten Kubikmeter Wasser eine Abgabe geschlagen – 1956 waren das 1,2 Pfennig pro Einheit, 2009 1,79 Cent.
Doch obwohl die Bürger über Jahrzehnte für die Talsperre in die Tasche greifen mussten, deren Wasser nicht einmal ihnen, sondern den Menschen des Ruhrgebietes zugutekommt, lieben sie »ihre« Bigge doch sehr. Im Herzen des Naturparks Ebbegebirge, zwischen Attendorn und Olpe, erstreckt sich der blaue Wasserspiegel des Biggesees über eine Fläche von fast neun Quadratkilometern. Gestaut sind rund 150 Millionen Kubikmeter Wasser. Viel Raum – der bei Baubeginn erst einmal gewonnen werden musste. Mehr als 2.500 Bürger mussten vom später gefluteten Gebiet umgesiedelt werden. Im Olper Ortsteil Sondern direkt am Biggesee erinnern an diese Umsiedlung noch heute Schautafeln, die zeigen, wie es in der Region vor 1956 aussah.
Heute erfreut sich der Biggesee nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei den Touristen großer Beliebtheit. Für Freunde des Wassersports ist die Talsperre ein wahres Paradies. Hier tummeln sich Segler, Surfer, Angler und Taucher. Wer nicht selber aktiv werden möchte, kann sich von einem der beiden Ausflugsschiffe, der MS Westfalen und der MS Bigge, über das Wasser schippern lassen und einfach das tun, wozu die Talsperre einlädt: zurücklehnen, schauen und genießen.
Die Talsperre hat mit dem Biggeblick seit Juli 2013 eine neue Attraktion. Die 90 Meter hohe Plattform bietet einen unvergleichlichen Ausblick über den Biggesee.

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Personenschifffahrt Biggesee
Am Hafen 1
57462 Olpe
02761 96590
www.biggesee.de
10 Südlich des Äquators
Lennestadt-Meggen: Bergbaumuseum Siciliaschacht
Der Mann strahlt, als ich ihn frage, ob er hier gearbeitet hat. »Ich habe mein Leben hier verbracht«, erklärt Wegbert Eberts stolz. »Hier« – das ist der Siciliaschacht in Lennestadt-Meggen, wo 140 Jahre lang alles im Zeichen des Abbaus von Schwefelkies-, Blei-, Zink- und Schwerspat stand. 1992 war Schluss damit. Auch für Wegbert Eberts. Leicht sei ihm das Ende nicht gefallen. Da verwundert es nicht, dass er sofort Ja sagte, als sein ehemaliger Chef ihn bekniete, beim Aufbau eines Museums mitzuhelfen. »Eine Ehrensache«, sagt Eberts und beginnt dann seine Führung durch die Anlage.
In der Schachthalle sind das Fördergerüst und das Gefäß für die Erzförderung zu sehen. »Zehn Meter in der Sekunde ging es in die Tiefe«, erzählt Eberts, »bis runter auf die elfte Sohle.« Die lag 567 Meter unter der Erde. Dort wurden mithilfe von zwei Maschinen täglich 5.000 Tonnen Erz und 1.000 Tonnen totes Gestein gefördert. Leichter wurde die Arbeit, als Anfang der 1970er-Jahre unter Tage Dieselgeräte eingesetzt wurden. Trotzdem: Die Arbeit im Siciliaschacht sei ein Knochenjob gewesen, erklärt der altgediente Bergmann.
Weiter geht es in die ehemalige Markenkontrolle, wo sich heute ein Informationszentrum mit Vitrinen und Schautafeln befindet. Das Thema: Erzbergbau und die Verwendung der geförderten Metalle. Wegbert Eberts muss weit zurückgehen, um zu den Anfängen des Siciliaschachts zu gelangen. Und er tut das mit einem Satz, der die Besucher aufhorchen lässt: »Das Sauerland liegt südlich des Äquators!« Leider nur in der Kambriumzeit vor etwa 500 Millionen Jahren. Spannend ist die Zeitreise, auf die Wegbert Eberts seine Besucher mitnimmt. Auch wegen seiner Begeisterung. Und der seiner Kollegen, die mit ihm »Dienst« im Museum tun. Sie sorgen dafür, dass die Erinnerung an den Bergbau in Meggen nicht verloren geht.
Direkt am Siciliaschacht beginnt ein Wanderweg, der auf 4,3 Kilometern anhand von 17 Schautafeln einen Einblick in die Bergbaugeschichte bietet.

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Bergbaumuseum Siciliaschacht
Siciliastraße
57368 Lennestadt-Meggen
02721 81434 oder 02721 2257
www.bergbaumuseum-siciliaschacht.de
11 Abtauchen, mitmachen, staunen
Lennestadt-Meggen: Galileo-Park
Nach dem Weg fragen muss wohl keiner, der den Galileo-Park in den Sauerland-Pyramiden sucht. Weithin sichtbar, direkt neben dem Siciliaschacht in Lennestadt-Meggen, erheben sich die weißen Bauwerke auf einer Anhöhe. Giseh im Sauerland? Pharaonen im Kreis Olpe? Nein, so weit trägt der angestrebte Event-Charakter des Galileo-Parks nun doch nicht. Aber: Wissensdurstige können hier in jedem Fall viel lernen und erleben. Ob es die Geheimnisse der Tiefsee sind, in die der Besucher abtaucht, die schier unendlichen Weiten der Galaxien, paranormale Phänomene wie Kornkreise – zu entdecken gibt es vieles in der Zeitmaschine und dem Labyrinth des Unerklärlichen.
Ganz nah am Menschen ist die Science-Pyramide, weil hier das Ausprobieren, Mitdenken und Mitmachen ganz im Vordergrund stehen. Knapp 150 Quadratmeter ist die Pyramide groß, wie eine futuristische Kommandozentrale sieht sie aus und hält in 32 großen Vitrinen interessante Experimente für kleine und große Besucher bereit. Das, was auf den ersten Blick wie eine Fensterfront aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als eine Reihe von überdimensionalen Bildschirmen, die Videopräsentationen zu den verschiedensten Fragen und Erkenntnissen der Wissenschaft zeigen. In der Mitte der Pyramide prangt eine Riesenkugel, deren Geheimnis sich buchstäblich durch die Ausstellung erhellt – sie verbirgt große Teile der Haustechnik und einen Beamer in ihrem Inneren, der auf die Wände der Pyramide Bilder projizieren kann.
Für Entenfreunde und all die Menschen, die neben dem Wissenserwerb auch den Spaß nicht vergessen, bietet die Ausstellung Duckomenta viele neue Einblicke in die Welt der Wesen mit dem großen Schnabel und den Patschfüßen. Wussten Sie, dass die Mona Lisa eigentlich eine Ente ist? Und der Ötzi auch? Nein? Dann: Ab nach Lennestadt und rein in die Pyramide.
Über wechselnde Vorträge, Thementage und Sonderveranstaltungen zu den verschiedensten Wissensgebieten informiert die gut gepflegte Internetseite des Parks.

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Galileo-Park
Sauerland Pyramiden 4–7
57368 Lennestadt-Meggen
02721 6007710
www.galileo-park.de
12 Ein Golddorf setzt auf Tradition
Lennestadt-Kirchveischede: Rundgang durch den Ortskern
Auch der Kreis Olpe hat – wie das Hochsauerland – seine ausgezeichneten Dörfer. Kirchveischede, ein Ortsteil Lennestadts mit rund 1.000 Einwohnern, konnte die Ehrung schon oft einheimsen und darf sich »Golddorf« nennen. Dass es diesen großen Namen zu Recht trägt, wird dem Besucher schnell klar. Malerische Fachwerkhäuser mit liebevoll angelegten Blumengärten prägen das Bild des Dorfes im Tal des Flusses Veischede, einem Nebenfluss der Lenne. Hier blühen Heckenrose und Rittersporn, Schwertlilie und Ranunkel, Lavendel und Sonnenblume. Das älteste Haus Kirchveischedes trägt den Namen Ruitz, wurde 1755 gebaut und 1997 restauriert.
Besonders fallen die Scheunentore der Fachwerkhäuser ins Auge, jene hohen Einfahrtstore, die deutlich machen, dass die Häuser ursprünglich nicht nur als Wohnhäuser für die Menschen gedacht waren. Neben ihrer Nutzung als Viehstall dienten die Fachwerkhäuser mit ihren großen, geräumigen Scheunen zur Einlagerung der Ernte – in früheren Zeiten, als die Bevölkerung vor allem in der Landwirtschaft tätig war. Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Einwohner Kirchveischedes Pächter und Lehnsträger – die Güter gehörten seit dem Jahr 1445 zumeist den Kölner Kurfürsten und Erzbischöfen. Heute sind die Scheunentore wahre Schmuckstücke. Sie begrüßen den Besucher mit einer reichen Ornamentik und Inschriften, die auch an den Giebelseiten der Häuser zu finden sind.
Ein Rundgang durch die Ortsmitte lohnt sich – hier finden sich elf unter Denkmalschutz gestellte Bauwerke, darunter auch die Pfarrkirche St. Servatius. Erbaut wurde das Gotteshaus im 13. Jahrhundert. Im Jahre 1908 wurde die Kirche um einen Anbau im nördlichen Teil erweitert. Doch sieht der Besucher sofort: Die Grundsubstanz und Anmutung des ursprünglich frühgotischen Bauwerks blieben weitgehend unangetastet.
Von Kirchveischede ist es nur noch ein Katzensprung zur Burg Bilstein und dem Aussichtsturm Hohe Bracht, dem Wahrzeichen des Kreises Olpe.

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Rundgang durch
Kirchveischede
Ab Zum Kellenberg
57368 Lennestadt-
Kirchveischede
Informationen:
Stadt Lennestadt
Thomas-Morus-Platz 1
57368 Lennestadt
02723 6080
www.lennestadt.de
Darmowy fragment się skończył.