Czytaj książkę: «Die grosse Freude»
Lise Gast
Die grosse Freude
Saga
Die grosse Freude
German
© 1973 Lise Gast
Alle Rechte der Ebookausgabe:© 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788711508954
1. Ebook-Auflage, 2016
Format: EPUB 3.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.
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„Dann könnten Sie doch eigentlich mit mir feiern?“ fragte er.
Es schneite jetzt, in winzigen, noch einzelnen Flocken, das erstemal in diesem Jahr. Natürlich dachte man da an Weihnachten; ihr ging es genauso.
„Ja?“ fragte er, als sie nicht antwortete. Es klang dringlich, hoffnungsvoll – sie sah ihn an.
„Ich habe drei Kinder“, sagte sie.
Er hatte sie mit dem Wagen heimfahren wollen. Aber sie bestand darauf, den Bus zu nehmen. Warum eigentlich? Nur aus Dickköpfigkeit? Es schien ihr selbst so.
Sie versuchte, sich zu entschuldigen.
„Ich fahre doch immer mit dem Bus. Vielleicht holt mich eins der Kinder ab.“
„Ja, dann.“
So begleitete er sie bis zur Haltestelle. Sie sprachen nicht mehr. Der Schnee wurde jetzt dichter, er fiel sanft, lautlos. Die Straßen der Vorstadt bekamen dadurch ein ganz anderes Gesicht. ‚Ich muß noch etwas sagen, etwas Nettes‘, dachte sie. ‚Er hat es gut gemeint‘. Aber es fiel ihr nichts ein.
Sie mochte kein Mitleid. Immer hatte sich alles in ihr zusammengezogen, wenn jemand sie bedauerte. Vielleicht aber war es gar kein Mitleid bei ihm, vielleicht war er selbst einsam, wollte sich auf Weihnachten freuen können, jemanden haben, mit dem er diesen Abend feierte? Er hatte keine Familie, das wußte sie.
Sie hatten noch Zeit und gingen langsamer. An der Haltestelle wartete niemand. Sabina dachte an das Stück Weg, das sie noch gehen mußte, wenn sie ausgestiegen war. Natürlich würde keins der Kinder sie abholen. Sie hatte das nur so gesagt.
Ach ja, die Fahrerei! Es war schön, draußen zu wohnen, für die Kinder jedenfalls. Obwohl Barbara bereits anfing, darüber zu meutern. Alle ihre Freundinnen wohnten in der Stadt, nie könnte man etwas mitmachen, immer wäre man auf den Bus angewiesen.
Sabina hatte das bisher überhört, mit ein paar freundlichen Worten übergangen, vertröstet. Eines Tages hätten sie vielleicht auch einen Wagen, einen gebrauchten. Und das kleine Haus sei doch so hübsch. Jeder habe sein eigenes Zimmer, das wäre in einer Stadtwohnung unerschwinglich.
Das stimmte. Ihr Häuschen besaß viele Vorzüge, vor allem den, daß jeder sein eigenes Reich hatte. Es war ein altes Pfarrhaus, die Kirche daneben war abgerissen worden. Dort, wo sie gestanden hatte, war jetzt der Garten, ein ziemlich ungepflegter, verwilderter – ihr gefiel er gerade deshalb. Die Bäume waren schon wieder groß, so lang war es her, daß der letzte Beschuß die Kirche in Trümmer legte. Aber es waren Bäume wie sie sie aus ihrer Kindheit kannte, eine Kastanie vor allem, die sie liebte, besonders im Herbst. Nichts gibt so goldenes Licht wie sich färbendes Kastanienlaub, und der Baum stand gerade vor dem Fenster ihres eigenen Zimmers.
Sie hatte das Haus gekauft, etwa ein Jahr nach dem Tode ihres Mannes, von seiner Lebensversicherung. Ganz schnell, wie sie manchmal etwas tat, beinahe unüberlegt. Dies waren dann ihre besten Entscheidungen. Ihre Arbeit brachte genug ein, und die Kinder lebten draußen, mit viel Sonne und Luft. Manchmal war es schwierig gewesen, als die Kinder noch kleiner waren. Aber die Älteste aus dem Lehrerhaus, Meta – ein seltsamer, längst vergessener Name, sie dachte manchmal darüber nach, warum wohl das Kind so getauft sein mochte – diese Meta hatte sich ihrer Kinder angenommen, als gehörten sie zu ihren eigenen Geschwistern.
„Sie können ruhig in der Stadt bleiben, ich passe auf“, sagte sie immer wieder. Sabina hatte es dankbar angenommen. Es gibt halbwüchsige Mädchen, für die nichts so schön ist wie Kinderhüten. Meta gehörte zu ihnen.
Jetzt war Xenia sechzehn und Barbara fünfzehn, und Rüdiger würde noch in diesem Jahr zehn. Wenn man Kinder richtig erzog, konnte man sie in diesem Alter schon zeitweise sich selbst überlassen. Samstag und Sonntag war sie daheim, auch Mittwochnachmittag. In dem Versicherungsbüro, in dem sie angestellt war, hatte man die Arbeitszeit so gelegt. Auf diese Weise ging es ganz gut. Die Mädchen hatten sowieso öfter nachmittags Schule, und Rüdiger ging ins Lehrerhaus, wenn er allein war.
Sabina konnte nicht sagen, daß sie sich selbst bedauerte. Natürlich haben es Witwen schwer, schwerer als Ehefrauen, aber das war von jeher so. Doch sie hatte es mit der Arbeit gut getroffen und hatte freundliche Kollegen. Wenn sie auch noch um ihren Mann trauerte – er hatte ihr Leben doch sehr mit Unruhe erfüllt, immer aufs Neue – irgendwie war Friede bei ihnen eingekehrt, seit er nicht mehr lebte. Sie dachte dies mit schlechtem Gewissen, es war aber so. Und so hatte sie sich schließlich bewußt dazu durchgerungen, den Mut zum Glücklichsein und zur Zufriedenheit aufzubringen und vor sich selbst zuzugeben.
So sehr friedlich ist ein Leben mit drei heranwachsenden Kindern ja sowieso nicht. Aber ihr Herz war ruhig, sie war zufrieden. Das erfüllte sie immer wieder mit Dankbarkeit. Und sie empfand es beinahe als ein wenig störend, als Dr. Hendrik in ihr Leben trat, so rücksichtsvoll und bescheiden er es auch getan hatte.
Nein, nicht störend, das gewiß nicht. Einen älteren Freund zur Seite zu haben, auf den man sich verlassen kann, mit dem man Schwierigkeiten bespricht, der einem die Zuganschlüsse heraussucht und bei der Steuer hilft, – welche alleinstehende Frau freut sich nicht darüber und findet es angenehm. Sie bestimmt. Und sie hatte es auch oft ausgesprochen. Freilich, Weihnachten mit ihm und nicht mit den Kindern zu feiern, das kam nicht in Frage. Daß er danach fragte, zeigte, daß sie sich doch nicht ganz so zurückhaltend verhalten hatte wie sie es sich vorgenommen. Er hatte glauben müssen, sie sehne sich nach jemandem. Und im Grunde tat sie das auch.
Darmowy fragment się skończył.