Czytaj książkę: «Shaolin Kempo»
Roland Czerni und Klaus Konrad
Shaolin Kempo
Chinesisches Karate im Drachenstil
Empfohlen von der Deutschen Wushu Federation e. V.
Palisander
Der Verlag dankt Dr. Sven Hensel, Dr. Janett Kühnert und Norbert Wölfel vom Chemnitzer Karateverein für die fachliche Unterstützung bei der Redaktion.
Alle Bildrechte liegen bei den Autoren dieses Werkes.
Foto 2, Foto 3, Fotos 4-9 und Fotos 11-13 stammen von Roland Czerni, alle anderen Fotos von Larry Garcia.
Vollständig überarbeitete Neuauflage
1. Auflage April 2011
1. Digitale Auflage 2012
Digitale Veröffentlichung: Zeilenwert GmbH
Titel der Originalausgabe: Shaolin-Kempo Kung-Fu
© 2011 by Palisander Verlag, Chemnitz
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie,
Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages
reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder
verbreitet werden.
Umschlaggestaltung: Anja Elstner
Lektorat: Palisander Verlag
Redaktion & Layout: Palisander Verlag
ISBN 978-3-938305-31-7
www.palisander-verlag.de
Die Autoren
Roland Czerni, 3. Dan Shaolin Kempo und 5. Dan Shaolin Tempelboxen / Jiu Jitsu, betreibt Shaolin Kempo seit 1973.
Klaus Konrad, 7. Dan Shaolin Kempo und 8. Dan Shaolin Tempelboxen / Jiu Jitsu, praktiziert seit 1969 Kampfkünste.
Foto 1: Roland Czerni und Klaus Konrad
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur Neuauflage 2011
I - Die Geschichte des Shaolin Kempo
II - Die Grundstellungen
III - Stoß- und Schlagtechniken (Tsuki und Uchi waza)
IV - Die Abwehrtechniken (Uke waza)
V - Fußtechniken (Geri waza)
VI - Die zehn Verteidigungen (Ippon Kumite)
VII - Die Partnerübungen (Kempo Kumite)
VIII - Das Schrittdiagramm und die fünf Schülerformen
IX - Die 1. Meisterform des Shaolin Kempo (Long Kuen)
X - Die Blockformen des Shaolin Kempo
XI - Partnerübungen beim Training
XII - Prüfungsbedingungen
Foto 2: Großmeister T. T. Ang, Inhaber einer Taijiquan-Schule in Singapur. Die Autoren hatten 1976 Gelegenheit, bei Meister Ang zu trainieren.
Vorwort zur Neuauflage 2011
Das vorliegende Buch soll allen Interessenten einen Einblick in die chinesische Kampfkunst Shaolin Kempo geben. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Stils werden sämtliche Techniken bis zum 1. Meistergrad dargestellt, einschließlich der Blocktechniken bzw. Blockformen, die erst in jüngerer Vergangenheit Eingang in das Shaolin Kempo gefunden haben.
Damit ist es ein wichtiges Nachschlagwerk für all jene, die sich auf eine Gürtelprüfung vorbereiten wollen. Die in Wort und Bild dargestellten Techniken sind Bestandteil des Unterrichts- und Prüfungsstoffes für die Graduierungsprüfungen der Fachschaft Shaolin Kempo innerhalb der Wushu Federation Deutschland. – Der aktuelle Prüfungskatalog für Schüler- und Meisterprüfungen findet sich am Ende des Buches.
Bei der Bezeichnung der Techniken haben wir die japanischen Begriffe beibehalten. Als 1967 das Shaolin Kempo in Deutschland eingeführt wurde, waren die japanischen Bezeichnungen für die Techniken bereits verbreitet. Darüber hinaus ermöglicht ihre Verwendung eine bessere Verständigung mit Vertretern anderer asiatischer Kampfsportarten, wie z. B. Karate.
Wir hoffen, daß unser Buch in seiner vollständig überarbeiteten und erweiterten Neuauflage große Verbreitung und Anerkennung findet. Wir danken an dieser Stelle herzlich Larry Garcia für seine große Unterstützung bei der Herstellung der Fotografien.
Roland Czerni und Klaus Konrad, Frühjahr 2011
Eine traditionelle Trainingsmethode zum Aufbau von Kraft.
I
Der Ursprung des Shaolin Kempo
Shaolin Kempo, auch unter der Bezeichnung Quanfa bekannt, stammt der Überlieferung nach ursprünglich aus Indien. Es gibt Wandmalereien und auch schriftliche Überlieferungen aus alter Zeit, die als Beleg für diese These gelten können.
Einer chinesischen Legende zufolge kam im Jahre 523 – zur Zeit der Liang-Dynastie (506-550) – ein Mönch namens Ta Mo (sanskrit: Bodhidharma, jpn.: Daruma) aus Indien nach China. Er wollte die Lehre Buddhas verkünden und ließ sich im Norden Chinas in dem in der Provinz Henan gelegenen Shaolin-Kloster (jpn.: shorinji) nieder. Hier meditierte er mehrere Jahre und unterwies seine Schüler zur körperlichen Ertüchtigung in Gesundheitslehre und Selbstverteidigung. In diesem Zusammenhang ist die Rede von »18 Freihandübungen« und »24 Muskelspielen«.
Im Zusammenspiel unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Philosophien entwickelte sich in der Folge eine einzigartige Kampfkunst. Im Lauf der Jahrhunderte wurde das ursprüngliche System Ta Mos von anderen großen Meistern ständig erneuert und ergänzt: Zunächst entstanden weitere 72, später 170 Bewegungsformen.
Auch die Gewaltherrschaft der Dynastien förderte die Entwicklung und Verbreitung der Shaolin-Techniken: Die Menschen wurden unterdrückt, und ihnen war jeglicher Waffenbesitz verboten. Man traf sich daher im Geheimen und ersann die verschiedensten Selbstverteidigungstechniken. So erreichte die Kampfkunst in China eine hohe Blüte und bildete auch die Grundlage für eine Vielzahl anderer Kampfkünste in Ostasien.
Bodhidharma. Holzschnitt von Yoshitoshi.
Die Entwicklung des Shaolin Kempo
Dschero Khan Chen Tao wurde 1928 als Sproß eines uralten Adelsgeschlechts in der Mongolei geboren. Aufgrund von Bürgerkrieg und japanisch-chinesischen Auseinandersetzungen mußte er schon in der Kindheit seine Heimat verlassen und wurde von einem holländischen Militär adoptiert. Auf diese Weise erhielt er den Adoptivnamen Gerald Karel Meijers, welchen er aus staatsrechtlichen Gründen auch später beibehielt. Er lebt heute in den Niederlanden.
G. K. Meijers entwickelte eine eigene Kampfkunst, die er »Shaolin Kempo« nannte. Seinen Angaben zufolge wurde dieses System wesentlich durch seine Erfahrungen mit chinesischen und japanischen Kampfkünsten beeinflußt.
Der Kontakt zu Chinas Kampfkünsten ergab sich durch mehrere Aufenthalte in verschiedenen chinesischen Klöstern während seiner Kinder- und Jugendzeit. Die Verbindung zu den japanischen Kampfkünsten ist auf Begegnungen mit Karate- und Kempo-Meistern wie Gogen Yamaguchi, Meister des Goju ryu, und Nakano Michiomi (»So Doshin«), Gründer des Shorinji Kempo, zurückzuführen.
Die Bezeichung »Shaolin« wählte G. K. Meijers einerseits in Anlehnung an den von ihm erlernten nordchinesischen Kampfstil »Chuan Su«, andererseits in bezug auf die in den dortigen Provinzen synonym gebräuchliche buddhistische Bezeichnung für den sogenannten harten Stil.
Die Bezeichnung »Kempo« würdigt den großen Einfluß philosophischer und meditativer Aspekte verschiedener japanischer Karate-Stile, insbesondere des Shorinji Kempo.
Verbreitung und Organisation des Shaolin Kempo
Shaolin Kempo wurde 1956 durch G. K. Meijers, 10. Dan Shaolin Kempo, in Europa eingeführt. Er gründete und leitete in den Niederlanden den »Eerste Nederlandse Kempo Bond (ENKB)«. Mitte 1962 eröffnete er seine erste private Kampfschule.
Um 1967 enstand auf Initiative von Hermann Scholz, 4. Dan Shaolin Kempo, in Deutschland (Kleve) die »Interessengemeinschaft Shaolin Kempo«. Hermann Scholz hatte Shaolin Kempo durch langjähriges Training bei G. K. Meijers in den Niederlanden erlernt.
Im November 1973 wurde der niederländisch-deutsche Verband »Chinese Wushu Association« ins Leben gerufen. G. K. Meijers zählte dabei zu den Gründungsmitgliedern.
Mitte der 70er Jahre schlossen sich die ersten deutschen Shaolin-Kempo-Vereine offiziellen Fachverbänden wie dem Judo-Verband Nordrhein-Westfalen, der Karateunion Nordrhein-Westfalen und dem Karatebund Nordrhein-Westfalen, an. Durch Umstrukturierung des Judo-Verbandes Nordrhein-Westfalen entstand 1981 ein neues Verbandsgefüge im Budo-Bereich: Der »Dachverband für Budo-Techniken Nordrhein-Westfalen« (DVNW) wurde aus der Taufe gehoben.
Im Dezember 1981 wurde schließlich auf Initiative von Klaus Konrad der »Shaolin Kempo Verband Nordrhein-Westfalen« (SKVNW) gegründet und dem »Dachverband für Budo-Techniken Nordrhein-Westfalen« (DVNW) angeschlossen.
Um auch Praktizierenden anderer chinesischer Kampfkünste eine Verbandsmitgliedschaft zu ermöglichen, wurde im April 1985 der bisherige Verbandsname in »Nordrhein-Westfälischer Shaolin Kempo/Kung Fu Verband« geändert. Im Februar 1988 erfolgte eine nochmalige Namensänderung in »Deutsche Wushu Federation Nordrhein-Westfalen« (DWF NW). Etwa sieben Monate später, im September 1988, wurde auch der zwischenzeitlich geschaffene Bundesverband »Deutscher Shaolin Kempo/Kung Fu Verband« in »Deutsche Wushu Federation e. V.« (DWF) umbenannt. Die DWF setzt sich aus Landesverbänden und weitestgehend autonomen Fachschaften unterschiedlicher Stilrichtungen zusammen – so auch der Fachschaft Shaolin Kempo.
Wushu ist der übergeordnete Begriff für alle chinesischen Kampf- und Selbstverteidigungskünste sowie für verschiedene gymnastische Bewegungsformen; einschließlich der Sportarten, die sich außerhalb Chinas unter dem Begriff Wushu verbreitet haben.
Am 03.10.1990 wurde schließlich von 35 nationalen Verbänden in Beijing (Peking), China, die »Internationale Wushu Federation e. V.« (IWUF) gegründet. Seitdem ist die »Deutsche Wushu Federation e. V.« (DWF) auch weltweit anerkannt.
Verbandsstruktur der Deutschen Wushu Federation e. V.
Foto 4
Foto 5
Foto 6
Foto 7
Foto 8
Foto 9
Fotos 4 bis 9: Auch bei Meister Chong Jone Tang in Singapur konnten die Autoren traditionelle Kampfkunst trainieren. Die Fotos zeigen ihn beim Training mit einem gewöhnlichen Spazierstock. Noch mit 83 Jahren übte Meister Tang tagtäglich Wushu-Techniken. Fotos aus dem Jahre 1976.
Merkmale des Shaolin Kempo
Die Besonderheiten des Shaolin Kempo drücken sich in folgenden Merkmalen und Prinzipien aus:
1. Stände
Charakteristische Stände/Stellungen im Shaolin Kempo sind Nekoashi dachi (diese Stellung wird in zwei Varianten ausgeführt), Shorin zenkutsu dachi und Kake dachi.
2. Wechselnde Standhöhen
Typisch für die Bewegungsabläufe des Shaolin Kempo sind die wechselnden Standhöhen, die den einzelnen Techniken Kraft und Dynamik verleihen sollen und der jeweiligen taktischen Situation angepaßt sind.
3. »Yin/Yang«-Prinzip
Das Shaolin Kempo ist ein System der wechselnden Verbindung von kraftvoller Dynamik und vitaler Gewandtheit. Darunter wird der auflösende Übergang von arretierenden Techniken zu fließenden, geschmeidigen Bewegungen nach dem polarisierenden Prinzip des chinesischen »Yin und Yang« verstanden.
4. Wettkampf
Das Messen der eigenen Fähigkeiten und Kräfte in der sportlichen Ausseinandersetzung im Rahmen eines leistungsorientierten Wettkampfs nimmt wie in vielen anderen Kampfsportarten neben den technisch-stilistischen Aspekten auch im Shaolin Kempo einen breiten Raum ein.
5. Kumite
Als Kumite werden festgelegte Übungen mit Partner bezeichnet. Sie beinhalten Verteidigungen gegen vorgeschriebene Angriffe mittels Kombinationen aus Ausweichbewegungen, Abwehr- und Kontertechniken. Man unterscheidet dabei zwischen den zehn »einfachen« Ippon-Kumite (auch die »zehn Verteidigungen« genannt) und den komplizierteren Kempo-Kumite.
Foto 10: Klaus Konrad mit Jodan mawashi geri.
6. Formen
Eine hohe Anforderung stellen im Shaolin Kempo die Formen dar. Sie sind festgelegte Kämpfe bzw. Verteidigungen gegen mehrere imaginäre Gegner, deren Angriffe aus unterschiedlichen Richtungen erfolgen. In den Formen kommt die Beherrschung der Techniken, der richtige Körpereinsatz und die Koordinierung komplexer Bewegungsabläufe zum Ausdruck. Charakteristisch für die Formen sind der dynamische Rhythmus, der Wechsel von Ausführungsgeschwindigkeiten und Standhöhen sowie eine angemessene Atmung. Man unterscheidet zwischen Schüler- und Meisterformen.
7. Selbstverteidigung
Ein weiteres Merkmal des Shaolin Kempo ist die Selbstverteidigung. Die Selbstverteidigungstechniken ermöglichen es, sich gegen die verschiedensten Angriffe wirkungsvoll zu wehren. Während bei Anfängern auf eine sinnvolle, effektive und situationsentsprechende Auswahl von einfachen Techniken Wert gelegt wird, wird bei Fortgeschrittenen eine ausgewogene Anwendung von Hebel-, Wurf-, Faust- und Fußtechniken gefordert.
8. Atmung
In allen Bereichen des Shaolin Kempo sind eine korrekte Atmung und ein guter Atemrhythmus wichtig. D. h., daß bei sämtlichen Techniken hinsichtlich Kraft, Energie und Kondition auf eine Atemtechnik geachtet werden muß, die dem Ablauf der Technik angemessen ist und sie sinnvoll unterstützt.
Ziele des Shaolin Kempo
Die primäre Zielsetzung des Shaolin Kempo ist seine breitensportliche Verbreitung als Selbstverteidigungssportart. Darüber hinaus kann sie aber auch – leistungsorientiert – als Wettkampfsportart betrieben werden.
Als Grundlage dienen die ursprünglichen Techniken des chinesischen Quanfa, d. h., die Anwendung von Schlägen, Tritten und Stößen mit Armen und Beinen in wechselnder Verbindung von kraftvoller Dynamik und vitaler Gewandtheit, teilweise ergänzt durch Hebel- und Wurftechniken.
Das zweite Ziel des Shaolin Kempo ist die Ausbildung körperlicher Fitneß sowie das harmonische Wechselspiel von Körper und Geist, das in der Schulung von Konzentrationsfähigkeit, richtiger Atmung und Charakterbildung zum Ausdruck kommt. Dies schließt die Entwicklung einer entsprechenden Ethik ein: die Bereitschaft zur Bildung und zu sozialem Verhalten.

Das Symbol des Drachens im Shaolin Kempo
In der heutigen Form des Shaolin Kempo finden sich nur noch sehr wenige ursprüngliche Elemente des chinesischen Drachenstils, so daß man kaum noch vom klassischen Drachenstil sprechen kann. Dennoch wird der chinesische Drache im Shaolin Kempo als Symbol für Kraft, Gewandtheit und Weisheit verwendet.
Foto 11
Foto 12
Foto 13
Fotos 11 bis 13: Die traditionelle Ausbildung in den Kampfkünsten zielte darauf ab, daß man zu jeder Zeit und unter allen Umständen auf unverhoffte Gefahr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln reagieren konnte. Auf den 1976 entstandenen Fotos ist Meister Tang mit einem seiner Schüler zu sehen. Rechts im Bild auf Foto 13 ist der Autor Klaus Konrad zu sehen.
II
Musubi dachi, Heiko dachi und Shiko dachi
Foto 14: Musubi dachi. Die sogenannte V-Fuß-Stellung.
Foto 15: Heiko dachi. Stellung in Schulterbreite mit nach vorn gerichteten Zehen.
Foto 16: Shiko dachi. Stellung in doppelter Schulterbreite mit nach außen gerichteten Zehen.
Kake dachi und Uchihachiji dachi
Foto 17: Kake dachi. Überkreuzstellung.
Foto 18: Uchihachiji dachi. Stand in Schulterbreite mit nach innen gerichteten Zehen.
Kokutsu dachi und Sanchin dachi
Foto 19: Kokutsu dachi.

Foto 20: Sanchin dachi.

Bei der Rückwärtsstellung Kokutsu dachi (19, Schwerpunktdarstellung) trägt das hintere Bein 70 %, das vordere 30 % des Körpergewichts.
Aus dieser Stellung kann man sehr leicht in eine andere übergehen, und sie ist somit sowohl gut für den Angriff als auch für die Abwehr zu gebrauchen.
Bei der Knieinnenstellung Sanchin dachi (20, Schwerpunktdarstellung) sind die Knie nach innen gerichtet, so daß man eine gute Standfestigkeit erlangt.
Aus dieser Stellung kann man eine große Schlag- und Stoßkraft erzielen. Ein Fuß steht etwa eine Fußlänge weiter vor oder zurück als der andere.
Kiba dachi
Foto 21: Kiba dachi.
Foto 22
Foto 23

Die Füße sind im Kiba dachi, dem Reitersitz, etwa um die doppelte Schulterbreite auseinander, wobei das Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilt sein soll. Die Knie sind nach außen gebeugt und die Zehen zeigen gerade nach vorn.
Diese Stellung bezeichnet man im Shaolin auch als mittleren Reitersitz. Man unterscheidet zwischen dem tiefen (22) und dem hohen Reitersitz (23). In diesen Stellungen sollte man öfter einige Zeit verharren, um Körper und Geist zu stärken.
Beide Fäuste werden vor der Brust plaziert; die Ellenbogen zeigen dabei nach unten und die Fäuste nach oben. Wichtig ist hierbei vor allem die vollkommene Konzentration auf die Körperhaltung. Dabei wird langsam und gleichmäßig durch die Nase geatmet, wobei die Zunge den Gaumen berühren soll.
Zenkutsu dachi
Foto 24: Zenkutsu dachi.
Foto 25
Foto 26

Beim Zenkutsu dachi, der Vorwärtsstellung (24), ist das vordere Bein gebeugt und das hintere gestreckt, wobei auch hier wieder die Zehen nach vorn zeigen sollten. Das vordere Bein trägt 60 %, das hintere 40 % des Körpergewichts. Der seitliche Abstand zwischen den Füßen geht nur wenig über die eigene Schulterbreite hinaus.
Diese Stellung bezeichnet man im Shaolin Kempo auch als geduckten Reitersitz (25 und 26). Aus ihm kann die gleiche Konzentrationsübung wie bei den anderen Reitersitzen durchgeführt werden. Diese Übung kann rechts und links ausgeführt werden, so lange, bis die Knie anfangen zu zittern.
Tsuruashi dachi und Fudo dachi
Foto 27: Tsuruachi dachi.
Foto 28: Fudo dachi.
Beim Stehen auf einem Bein im Tsuruashi dachi (27) soll das nichtbelastete Bein mindestens bis auf Höhe der Kniescheibe des Standbeins angehoben werden, wobei die Zehen leicht nach unten gerichtet sind. Der Oberkörper muß eine gerade Haltung annehmen. Die Finger der unteren Hand sollen wie Krallen gekrümmt sein. Die obere Hand ist einfach geöffnet. Auch in dieser Stellung kann die beschriebene Konzentrationsübung rechts und links durchgeführt werden.
Foto 28 zeigt den Fudo dachi mit nach außen gerichteten Zehen.
Kakato dachi
Foto 29
Foto 30
Der Kakato dachi (Fersensitz, 29 und 30) ist der Gegensatz zum geduckten Reitersitz. Bei ihm ist das vordere Bein gestreckt und das hintere gebeugt. Die Hauptlast liegt auf dem hinteren Bein. Das vordere berührt nur leicht den Boden.
Die Haltung der Arme und Fäuste ist identisch mit der für die vorhergehenden Stellungen beschriebenen. Diese Stellung sollte rechts und links bis zur Ermüdung durchgeführt werden.
Nekoashi dachi und Heisoku dachi
Foto 31: Nekoashi dachi.
Foto 32: Heisoku dachi.

Im Nekoashi dachi, der Katzenfußstellung (31), trägt das hintere Bein 90 % des Körpergewichts (siehe Darstellung des Schwerpunkts). Das vordere Bein wird nur mit dem Fußballen aufgesetzt. Dieser Stand bietet die besten Voraussetzungen für anschließende fließend ineinander übergehende Bewegungen und ist somit Ausgangspunkt eines jeden Kumite.
III
Oi zuki, Gyaku zuki und Tate zuki
Foto 33: Oi zuki.
Foto 34: Gyaku zuki.
Foto 35: Tate zuki.
Oi zuki ist der gleichseitige Fauststoß (33). Dies ist ein gerader Fauststoß nach vorn, wobei sich die ganze Kraft des Körpers auf die Faust überträgt. Die gestoßene Faust ist immer auf der Seite des vorderen Fußes.
Gyaku zuki ist der gegenseitige Fauststoß (34). Hierbei ist die gestoßene Faust immer auf der Seite des hinten stehenden Fußes. Dieser Fauststoß erhält seine Kraft aus dem Hüftimpuls.
Tate zuki ist der Stoß mit der vertikalen Faust (35). Die Faust wird aus der Hüfte gerade nach vorn gestoßen und macht kurz vor dem Ziel eine Vierteldrehung nach innen. Die Technik kann auch auf Jodan-Höhe ausgeführt werden, indem die Faust schon mit der Vierteldrehung vor der Brust plaziert und gerade nach vorn gestoßen wird.
Chudan ura zuki und Jodan ura zuki
Foto 36: Chudan ura zuki.
Foto 37: Chudan ura zuki.
Foto 38: Jodan ura zuki.
Chudan ura zuki ist der umgekehrte Fauststoß zur Körpermitte (36 und 37). Ausgangspunkt ist wieder die Hüfte. Die Faust wandert nach hinten, um dann in gerader Linie ohne Drehung nach vorn zu stoßen. Die Vorderseite der Faust trifft auf. Bevorzugte Ziele sind Solarplexus oder Kinn.
Jodan ura zuki (38) ist der umgekehrte Fauststoß zum Kinn.
Morote zuki und Yama zuki
Foto 39: Morote zuki.
Foto 40: Morote zuki.
Foto 41: Yama zuki.
Foto 42: Yama zuki.
Morote zuki ist ein doppelter Fauststoß (39 und 40). Beide Fäuste starten gleichzeitig von der Hüfte aus zum Ziel.
Yama zuki ist ein doppelter Fauststoß zu zwei verschiedenen Angriffspunkten (Hindernisstoß, 41, 42). Die rechte Faust stößt zum Kopf, die linke trifft in Ura-zuki-Form in Chudan oder Gedan auf. Die Fäuste stehen übereinander.
Hiraken zuki
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Hiraken zuki ist der Fingerknöchelstoß (43-48). Diese Technik wird von der Hüfte aus auf geradem Wege nach vorn gestoßen; dabei treffen die Fingerknöchel auf. Bevorzugte Ziele sind Augenpartie, Kehlkopf, Solarplexus und die Herzregion.
Shotei zuki
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Shotei zukiist der Stoß mit dem Handballen (48-53). Die Hand wird auf geradem Weg von der Hüfte aus in Jodan-Höhe (49) oder in Chudan-Höhe (50) nach vorn gestoßen. – Das Ziel wird bei dieser Technik mit der Handwurzel getroffen (51-53).
Mawashi zuki
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Der Mawashi zuki ist der Halbkreisfauststoß (54-57 ). Die Faust wird dabei von der Hüfte aus im Halbkreis zum Ziel gestoßen. Das Ziel wird entweder mit der Vorderseite der Faust (56, 58) oder dem Faustrücken (57, 59) getroffen. – Auch hier ist wieder die charakteristische Drehung des Handgelenks kurz vor dem Ziel zu beachten.
Atama zuki
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Foto 62
Atama zuki ist der Kopfstoß (60-62). Stöße mit dem Kopf werden meistens mit dem Gesicht nach unten ausgeführt. Es kann aber auch die Seite des Kopfes oder der Hinterkopf auftreffen.
Kopfstöße eignen sich gut für den Nahkampf, können aber auch beim Ausführenden Verletzungen und Schädigungen wie Gehirnerschütterungen usw. hervorrufen.
Jodan tettsui zuki
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Foto 65
Jodan tettsui zuki ist der gestoßene Hammerschlag. Hierbei wird die Faust von der Hüfte aus auf geradem Weg nach vorn gestoßen (63, 64). Auch hier trifft die Kleinfingerseite der Faust auf (65).
Hiraken uchi, Haito uchi und Oyayubi ipponken uchi
Foto 66: Hiraken uchi.
Foto 67: Haito uchi.
Foto 68: Oyayubi ipponken uchi.
Foto 69: Oyayubi ipponken uchi.
Die auf dieser Seite dargestellten Techniken werden mit der gleichen Kreisbewegung ausgeführt wie der Mawashi zuki.
Hiraken uchi: Die Fingerknöchel der halbgeballten Faust treffen im Ohrbereich auf (66).
Haito uchi: Handkantenschlag mit der Daumenseite. Diese Technik kann von innen nach außen und umgekehrt, sowie auch zur Seite (z. B. als Schlag zum Kehlkopf) ausgeführt werden (67).
Oyayubi ipponken uchi: Daumenfaustschlag. Bei diesem Schlag trifft der Daumenknöchel auf. Die Daumenspitze wird dabei fest an das Zeigefingergelenk gedrückt (68, 69).
Yonhon nukite, Ippon nukite und Nihon nukite
Foto 70: Yonhon nukite.
Foto 71: Yonhon nukite.
Foto 72: Ippon nukite.
Foto 73: Ippon nukite.
Foto 74: Nihon nukite.
Foto 75: Nihon nukite.
Die Speerhand (Nukite) kann in verschiedenen Formen ausgeführt werden. Bei der gebräuchlichsten Form, dem Yonhon nukite (70, 71) wird der Daumen bei ausgestreckten Fingern etwas nach innen gedreht.
Ippon-Nukite, der Zeigefingerspeer. Hierbei wird mit gestrecktem Zeigefinger zugestoßen (72, 73).
Nihon-Nukite, der Zwei-Finger-Speer. Zeigefinger und Mittelfinger bilden ein »V« (74, 75). Auch dieser Stoß dient dazu, den Gegner an Hals, Augen usw. zu verletzen.
Uraken shomen uchi
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Foto 79
Foto 80
Uraken shomen uchi ist der Schlag mit der Vorderseite der umgekehrten Faust. Die Faust wird von der Hüfte aus, ohne daß man sie dabei dreht, nach vorn gestoßen (76-78). Die Vorderseite der Faust trifft auf (79, 80).
Uraken uchi
Foto 81
Foto 82
Foto 83
Foto 84
Uraken uchi – Schlag mit der umgekehrten Faust zur Seite. Die Faust wird von der anderen Hüfte aus in Form einer Aufwärtsbewegung zur Seite geschlagen (81-83). Die Vorderseite der Faust trifft auf (84).
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