Czytaj książkę: «Häuser des Jahres 2021»

Häuser
des
Jahres
Udo Wachtveitl
Katharina Matzig


„Der Bau von individuellem Wohnraum reizt allein schon deshalb, weil die Frage nach dem Wie-wir-leben-wollen jedesmal neu verhandelt wird.“
Jürgen Lehmeier, büro für bauform
„Zwischen den Begriffen Kochen, Essen, Arbeiten, Schlafen und dem des Wohnens liegt das, was wir Architektur nennen, sagte Josef Frank, Mitbegründer der Wiener Schule der Architektur. Eine sehr schöne Definition des Wohnens.“
Hannes Sampl, dunkelschwarz ZT OG

Inhalt
Vorwort
Katharina Matzig
Einleitung
Udo Wachtveitl
Die Jury
Die Partner
1. Preis
Der Stadtbaustein
Andreas Fuhrimann
Gabrielle Hächler Architekten
Anerkennungen
Die Baukunst der Reduktion
Bathke Geisel Architekten
Freundliche Festung
Wespi de Meuron Romeo
Architekten BSA
Einraum für zwei
Hohengasser Wirnsberger
Architekten ZT GmbH
Vorne hui. Und hinten? Besonders hui!
ARSP ZT GmbH
Das Haus am See
Thomas Kröger Architekten GmbH
Das Bau-Kultur-Studio
Ruinelli Associati AG Architetti SIA
Die Charta von Luzern-Nord
Niklaus Graber & Christoph Steiger
Architekten ETH/BSA/SIA GmbH
Fotografiepreis
Der Lichtbildner
Albrecht Imanuel Schnabel
Ausgezeichnete Projekte
Tanz außerhalb der Reihe
jasarevic architekten bda dwb
Haus und Hof
Katja Knaus Freie Architektin
Das Land-Haus
PAC – Project Architecture Company
Architektur aus Passion
Studio Meichelböck
Neues Haus auf altem Keller
Brandenberger Kloter
Architekten AG
Ein Haus auf dem Land
LP architektur ZT GmbH
Schwer ist leicht was
LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei
GmbH & Co. KG
Leben im Gestern, Heute und Morgen
dunkelschwarz ZT OG
Tiny but shiny
FINCKH ARCHITEKTEN BDA
Der Einhof
LP architektur ZT GmbH
Formidable Füllung
Ruinelli Associati AG Architetti SIA
Almhütte 2.0
Architekten Mahlknecht Comploi
Haus mit Hof
Architekt Torsten Herrmann
Das Baum-Haus
Büro Voigt
Haus im Hang
Peter Bastian Architekten BDA
Leben im Verbund
mna merten nibbes architekten
PartGmbB
Wohnen unterm Gründach
büro für bauform
Das Landgut
Uwe Bernd Friedemann Architekt
Das kleine Schwarze
BUERO WAGNER
Dachgarten
Caramel architekten zt-gmbh
Der Schatz im Traunviertel
Moser und Hager Architekten
ZT GmbH
Planen und bauen, wohnen und arbeiten
SCHMITZARCHITEKTUR
Kunst und Bau
Architekt Maximilian Eisenköck
Skulptur im Park am See
Bart & Buchhofer Architekten AG
Aus einem Guss
Architekturbüro Herbert Bruhin
Neue Heimat
firm architekten
Ferien-Wohnen
Dominique Meier
Architektur ETH SIA
Dem Himmel nah
Büro Klaus Scheibl Architektur und Hammerschmid, Pachl, Seebacher – Architekten
Das Energie-Cluster
Baumschlager Eberle Architekten
Leben in der Scheune
Wolf Architektur ZT GmbH
Zeitgemäße Rekonstruktion
Andreas Fuhrimann
Gabrielle Hächler Architekten
Stadthaus Kaiserswerth
Nidus Studio GmbH
Aus Tradition gut
Architektur | Baumanagement
Jürgen Haller
Vielfalt in der Einheit
Jacob & Spreng Architekten GmbH
Komplexität auf engem Raum
Baumschlager Hutter Partners
Der Wachtturm
Kaundbe Architekten AG
Bau mit Botschaft
Sehw Architektur GmbH
Weniger ist mehr
Marazzi Reinhardt
Denkmalgerecht
Architekturbüro Huber
Quergestellt
REICHWALDSCHULTZ
Der Wolkenbügel
Dietrich | Untertrifaller Architekten
ZT GmbH
Auf den zweiten Blick
Bonauer Bölling Partnerschaft
von Architekten mbB
Lösungen des Jahres 2021
Ausgezeichnete Lösungen
Bad, Sanitär & Armaturen
Außenwand & Fassade
Türen, Tore & Beschläge
Fenster, Dach, Sonnenschutz & Sichtschutz
Bodenbeläge, Designböden & Innenwandgestaltung
Innovation & Technik
Beton. Für große Ideen.
InformationsZentrum Beton GmbH
New Monday – Die Jobbörse für ArchitektInnen und BauingenieurInnen
New Monday
Longlist 2021
Adressen
Impressum, Bildnachweis
Lassen Sie sich inspirieren …
Ob Architektur, Fashion, Kochen & Backen, Wohnen oder Reisen:
Callwey Bücher entführen Sie immer wieder aufs Neue in andere Welten.
Mit unserem NEWSLETTER tauchen Sie monatlich ein in unsere
stilvolle Welt:
köstliche Rezepte, Dekorations-Ideen und schöne Geschichten.
Seien Sie als Erstes informiert über unsere Novitäten und Verlosungen!
https://www.callwey.de/newsletter/
Jetzt abonnieren
Natürlich finden Sie uns auch auf SOCIAL MEDIA.
Folgen Sie uns schon?
@ Callwey
https://www.facebook.com/callwey
https://www.instagram.com/callwey
Callwey Bücher machen glücklich. Probieren Sie es doch mal aus.
Vorwort
von Katharina Matzig
Das Jahr 2021 begann still. Alkohol war ebenso verboten wie große Feiern, Feuerwerk wurde nicht verkauft. Die Hoffnung, dass Böller und sonstige Höllenspektakel böse Geister inklusive Viren aller Art vertreiben könnten, wie die Germanen es noch glaubten, auf die der Kult der lauten Silvesternacht zurückgeht, hatte sich ebenso zerschlagen wie die Zuversicht, unsere Jurysitzung im Februar in Präsenz stattfinden lassen zu können. Der Begeisterung über die besonders hohe Zahl an Einreichungen – 180 Einfamilienhäuser aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz bewarben sich darum, zu den 50 besten Einfamilienhäusern des Jahres 2021 zu gehören –, tat die „Schalte am Rechner“ jedoch keinen Abbruch: So ausgiebig und ausführlich wie nie wurde debattiert und diskutiert, von Frankfurt und von Köln aus, aus Zürich, Ostfildern und aus München, über die städtebauliche Setzung, die Präzision der Grundrisse, die Komplexität der Räume, die Angemessenheit in der Umsetzung, über Material, Energieverbrauch, die soziale Nachhaltigkeit, also die flexible Anpassung an sich wandelnde Lebens- und Wohnansprüche, und an den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Boden sowie dem Bestand. Und tatsächlich wurde es vor allem beim letztgenannten Punkt bisweilen auch laut.
Zum elften Mal wurde der Wettbewerb Häuser des Jahres ausgelobt und ein Haus mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Große und kleine Bauten waren in allen Jahren dabei. Das kleinste kommt heuer mit 50 Quadratmetern aus, die von Armando Ruinelli für eine Person zum Studieren und Wohnen maßgeschneidert wurden. Das größte misst knapp 531 Quadratmeter Wohnfläche für vier, von Dietrich | Untertrifaller wohnlich gestaltet. Häuser auf dem Land wurden ausgewählt und auf dem Dorf, in der Vorstadt und der Stadt. Sie sind aus Beton, Ziegel oder aus Stein, flächig aufgeglast oder von einzelnen Setzungen perforiert. Lehm sorgt für ein gesundes und dabei atmosphärisches Innenraumklima und bisweilen, wie bei dem Projekt, das Christian Feldkircher für seine Familie realisiert hat, kommt das Holz sogar aus dem eigenen Wald, aufgeforstet von den Urgroßeltern nach dem Bau des Bauernhauses und von der Urenkelin genutzt, die jetzt nicht nur komfortabel wohnt, sondern natürlich wieder 750 Jungbäume angepflanzt hat. Die Häuser des Jahres liegen am Hang oder am Wasser, sie ducken sich aufs Gelände oder strecken sich in die Höhe. Und liest man die Antworten auf meine Frage, was den Reiz und das Problem beim Bau eines Einfamilienhauses ausmacht, dann sind heute die kritischen Töne sehr viel lauter als vor Jahren, und die Architektinnen und Architekten gehen mit gutem Beispiel voran: „Der ständige Neubau von Einfamilienhäusern kann unseres Erachtens nicht die Antwort auf die Wohnungsfrage sein. Zumal es gleichzeitig so viel Leerstand bei bestehenden (Wohn-)Gebäuden gibt. Bei unserer Suche nach einem geeigneten Wohnraum waren wir deshalb immer auf der Suche nach gemeinschaftlichen Wohnformen oder einem interessanten Bestandsgebäude“, so Rike Kress von ARSP.
In der Realität sind die Kolleginnen und Kollegen also längst angekommen, da hätte es den Knall, mit dem im Februar 2021 nach einem Interview des Grünen-Fraktionschefs Anton Hofreiter über das Verbot von Einfamilienhäusern gestritten wurde, gar nicht gebraucht. Zumal es richtig ist, dass das Einfamilienhaus nicht die einzig denkbare Wohnform ist und nicht für jeden Ort die beste Lösung. Gezeigt hat die Debatte jedoch, wie emotional aufgeladen das Thema Einfamilienhaus ist: Das eigene Haus ist und bleibt ein Traum Vieler, ein sicherer Rückzugsort und individueller Ausdruck eines persönlichen Wohn- und Lebensgefühls. Dass es dafür differenzierte und höchst unterschiedliche Lösungen gibt, zeigt dieses Buch, das auch jedem Politiker ans Herz gelegt sei: In Nürnberg entstand Lebensraum für eine Familie durch die Aufstockung eines kriegsgeschädigten Hauses, samt Dachgarten für alle Wohnparteien. In Esslingen wurde ein Parkplatz zum Wohnhäuschen, in Buchs reckt sich auf unbebaubarem Grund ein Turm. Historische Höfe in Sternenberg und in Dietach sind heute zeitgemäßer Wohnraum, in einem Gewerbegebiet im Norden von Luzern lebt es sich höchst angenehm in einem Neubau und in Berlin in einem umgebauten Gewerbebetrieb, den Xaver Egger und Sandra Scheffl für ihre Familie umgenutzt haben: „Das verleiht unserem Tun Authentizität. Für uns sind sich verändernde Lebenswelten keine abstrakten Begriffe von Zukunftsforschern, sondern wir erforschen gestalterisch und gestaltend immer wieder unsere eigene Zukunft und projizieren das auf unsere Arbeit im Büro. Unser Haus ist heute groß, da die Familie groß ist. Sind die Kinder aus dem Haus, kann es skaliert werden auf drei separate Wohnungen. Barrierefreiheit im Alter? Nicht ganz. Wir können ja später immer noch was Anderes bauen.“
Das schauen wir uns dann vielleicht in einigen Jahren an. In diesem Jahr haben wir einen ersten Preis und sieben Anerkennungen vergeben an die Bauten, die bei uns die stärksten Emotionen ausgelöst haben. Erstmals wurde zudem der Fotografiepreis verliehen und damit gewürdigt, dass es Bilder sind, die Emotionen vermitteln. 53 Einfamilienhäuser zeigen wir Ihnen auf der Longlist, sie wurden intensiv diskutiert und sind nur knapp ausgeschieden. Und da ohne qualitätvolle Produkte keine qualitätvolle Architektur entsteht, zeigen wir Ihnen auch dieses Jahr wieder ausgezeichnete Produkte aus sechs Kategorien, für die jeweils und erstmals ein erster Preis in einem Online-Voting gekürt wurde. Lagepläne – in der Regel im Maßstab 1:2000 –, Grundrisse und Schnitte – meist im Maßstab 1:400 –, Informationen und Fotos wurden uns von den Architektinnen und Architekten zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür, ebenso wie für die netten Gespräche und den interessanten digitalen Austausch. Unser Dank gilt zudem der Münchner Agentur Rose Pistola, die auch in diesem Jahr die buchkünstlerische Gestaltung übernommen hat.
„Preisverfahren und ihre Dokumentationen sind deshalb so wichtig, weil das gute Beispiel das Salz in der Suppe der Bauerei ist. Nur dann wird daraus Baukultur, wenn wir diese guten Beispiele nachahmen“, weiß der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel. Ohne Salz schmeckt es nicht. Ohne Emotionen lebt es sich fad. Dafür darf es gerne laut werden, solange es um Qualität und um Differenziertheit geht.
Einleitung
von Udo Wachtveitl
Wissen Sie noch, welches das Auto des Jahres 1971 war? Es war der Citroën GS, ein Mittelklassewagen mit Luftkühlung, den man heute so gut wie gar nicht mehr zu Gesicht bekommt. Die Zeit ist über ihn hinweggegangen. Freilich, Häuser haben andere Lebenszyklen, aber nach den Vorgaben des deutschen Fiskus – und wer wollte dessen direkten Draht zur Lebenswirklichkeit bestreiten? – ist ein Haus nach 50 Jahren abgeschrieben. In weiteren 50 Jahren werden auch so manche der Häuser in diesem Buch aus der Zeit gefallen sein. Welche das sind, darüber kann man heute nur spekulieren.
Sie halten ein Buch in Händen, in dem es fast ausschließlich um Einfamilienhäuser geht. Es ist auch ein Buch, dessen Erscheinungsjahr im Titel steht, der aktuelle Zeitbezug ist also Programm. Und so wäre es ein sträfliches Versäumnis, die gegenwärtige Diskussion um das Einfamilienhaus nicht aufzugreifen – und sei es für zukünftige Leser in fünfzig Jahren. Als städtebaulicher Wahnsinn wird es geschmäht, als ökologieblinde Prasserei, gern auch als Manifestation einer anachronistischen bürgerlichen Lebenswelt mit Fortschreibungstendenz.
Vielleicht wird man deshalb dereinst überhaupt die Idee des Einfamilienhauses als obsolet betrachten, so wie heute das Ende des Verbrennungsmotors eingeläutet zu sein scheint.
Die Gegnerschaft zum Einfamilienhaus lässt sich nicht so einfach als eine Frage der Mode, wie zum Beispiel Flachdächer oder Waschbetonfassaden, und auch nicht als eine rein ideologische abtun, auch wenn die Rhetorik manchmal nach Klassenkampfklingt und nach Sauertopf riecht. Dabei ist die Beobachtung ja zutreffend, dass sich in vielen Regionen nur noch Erben oder Spitzenverdiener ein Haus mit Garten leisten können.
Interessant ist in dem Zusammenhang, dass ausgerechnet das mit einer egalitären Gerechtigkeitsauffassung schlecht vereinbare, weil dynastischen Verhältnissen Vorschub leistende Erbrecht da und dort noch für gesellschaftliche Durchmischung sorgt, wo die Mechanismen des freien Immobilienmarkts dieser entgegenstehen. In den heute so bevorzugten Lagen am Stadtrand finden sich ab und an nur deshalb noch ein paar Normalverdiener, weil sie das Häuschen von der Oma geerbt haben, die noch selber Gemüse anbaute und Kaninchen züchtete.
Die Gegner des Einfamilienhauses haben einige unabweisbare Argumente auf ihrer Seite: Wo eine Familie wohnt, können gestapelt auch fünf wohnen, das Verhältnis von Außenfläche zu umbautem Raum ist notwendig schlechter als bei Mehrfamilienhäusern, die Ausbreitung im Raum zieht Mobilitätsbedarf nach sich, der wiederum Straßen und andere Infrastruktur nötig macht. Und nicht zuletzt stellt die Bodenversiegelung ein ernstes Problem dar: Jeden Tag verschwinden in Deutschland 60 Hektar Landschaft, beklagt der Bund Naturschutz und rechnet das um auf etwa ein Einfamilienhaus pro Minute. Bevor sie Ihren Taschenrechner bemühen: Das entspricht knapp 417 Quadratmetern pro EFH. Üppig, wenn man nur die versiegelte Grundfläche mit Haus, Garage, Wegen, Sandkiste, Geräteschuppen usw. rechnet, als Grundstück fürs gesamte Anwesen mit Garten eher klein. Da aber der größte Teil der Gartengestaltung wenig naturnah ist, kann man die Berechnung des BUND als polemisch-griffigen Weckruf schon gelten lassen, auch wenn es natürlich andere Bautätigkeiten gibt, die den Boden versiegeln.
Von Flugscham und Diesel-Scham hat man schon gehört. Von Steakliebhabern, die unversehens in eine vegetarisch dominierte Abendgesellschaft geraten sind, kennt man die unerfragten, meist gestammelten Bekenntnisse, dass man eigentlich nur noch ganz selten Fleisch isst, und wenn, dann nur vom Bio-Metzger, den man persönlich kennt. Wird es bald auch eine Einfamilienhaus-Scham geben?
Nach wie vor ist die bevorzugte Wohnform der Deutschen – die Österreicher und Schweizer werden da keine Ausnahme machen – ein freistehendes Einfamilienhaus mit 90 bis 120 Quadratmetern Wohnfläche und fünf Zimmern, mit dem ÖPNV oder Pkw in weniger als 20 Minuten von einem städtischen Zentrum erreichbar. Am liebsten würden die Befragten in ihrer eigenen Immobilie wohnen und die Kosten sollten das Familienbudget mit nicht mehr als 20 Prozent belasten.
Das wird nicht gehen. Jedenfalls nicht für alle, die sich das wünschen. So bringt der Traum, von vielen geträumt, seine eigene Unmöglichkeit hervor. Und zwar unabhängig davon, dass der Traum aufgrund der Logik von Angebot und Nachfrage für viele unerschwinglich bleiben wird. In Hongkong wurde neulich ein Parkplatz für eine Million Euro verkauft. Selbst wenn alle Kaufwilligen in Geld schwömmen, ließen sich die benötigten Flächen nicht einfach herstellen wie Laptops oder T-Shirts. Diesen Träumen stehen harte, gleichsam logische Wahrheiten entgegen.
Wird es bald auch eine Einfamilienhaus-Scham geben?
Und die sie sich doch erfüllen wollen und können, müssen die nicht wenigstens ein schlechtes Gewissen haben? Und was soll so ein Gedanke in der Einleitung zu einem Buch, das eben diesen Traum so reich und Mund wässernd bebildert?
Die Sozialpsychologie hat einen Begriff geprägt, unter dem solche Problemlagen subsumiert werden. Wenn wie hier Wunsch und Realität nicht oder nur mit unangenehmen Kollateralgefühlen in Übereinstimmung gebracht werden können, spricht man von kognitiver Dissonanz. Nicht nur dann, aber auch dann. Der Mensch lebt aber nicht gern im Widerspruch, vor allem nicht mit sich selbst, und so drängt es ihn, diesen aufzulösen oder wenigstens abzumildern. Einige bewährte Strategien haben sich herausgebildet.
In den Beschreibungen und Jury-Urteilen ist auffallend oft die Rede von edlen Materialien und wertiger Handwerksarbeit am Einzelstück. So könnten Sie dieses Buch und die darin vorgestellten Häuser als eine Art Haute-Couture-Modenschau verbuchen, die den Geschmack bildet, Trends setzt, zu Widerspruch und Diskussion reizt, und sich dann mit ästhetisch geschärftem Blick wieder dem Prêt-à-porter des Erreichbaren zuwenden. Analog dazu, wie ja auch der Spitzensport den Breitensport beflügeln soll.
Möglich ist auch ein beherztes Bekenntnis zum Privileg, zum Es-ist-nun-mal-so. Manche können sich mehr leisten als andere, und diese ungleiche Verteilung macht vor einem Allgemeingut wie dem Boden nicht Halt. Nicht nur manche Menschen sind reich, die Wirklichkeit ist es auch: Es gibt Zusammenhänge, da ist der Architekt als Sozialingenieur für die Unterbringung möglichst vieler gefordert, und es gibt Bereiche, da fungiert er als Dienstleister für individuelle Entfaltung. Ein gewisses Maß an Luxus für manche ist sowohl sozial wie auch ökologisch vertretbar und dieses Maß ist noch nicht überschritten. Und wenn doch, dann hätten Sie eben Adornos berühmtes Diktum, dass es kein richtiges Leben im falschen gäbe – mit dem er übrigens einen Text über das Wohnen schloss! – für sich jedenfalls widerlegt.
Eine weitere Möglichkeit bietet sich den Freunden des Symbolischen: Auch der Mensch, der sich aus Not oder Einsicht mit einem winzigen Appartement von 20 Quadratmetern in einem mehrstöckigen Wohnhaus begnügt, braucht zum Überleben mehr Erdoberfläche, als er anteilig bewohnt. Auch seine Nahrung muss irgendwo angebaut werden, auch die Solarmodule und Windräder zu seiner Versorgung müssen irgendwo stehen, auch die Baumwolle für seine Jeans muss irgendwo wachsen. Sein wahrer Anteil am Ressourcenverbrauch ist nur verschleiert.
Das Einfamilienhaus mit Garten drum herum wäre so betrachtet ein sinnfälliges Zeichen dafür, dass der Mensch von der Erde lebt. So lange jedoch im Garten nur Ziersträucher wachsen und nicht auch Getreide, ist damit jedoch wirklich nur auf symbolischer Ebene etwas gewonnen. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir ja in Zukunft Chefärzte und Hedgefondsmanager Kaninchen züchten und Rüben ziehen für den Eigenbedarf. Dazu gibt’s selbst gekelterten Wein von der Südwand der Doppelgarage.
Oft zu beobachten ist auch der Ansatz, sich all die ökologischen und raumplanerischen Moralpredigten herzlich egal sein zu lassen und den Verzicht fordernden Untergangsszenarien zugunsten des prallen Lebens im Hier und Jetzt schlicht keinen Glauben zu schenken. Ganz wie der Pfarrer in einer kleinen Anek-dote von Oskar Maria Graf: Nach einem Dorffest am Samstagabend, auf dem wild gesoffen, geprasst, gerauft und auch anderen sinnlichen Freuden querfeldein gefrönt wurde, zündet er den Sündern am Sonntagmorgen in der Kirche eine glühende Predigt auf. Er steigert sich in einen regelrechten moralischen Furor und schildert die Martern der Hölle so plastisch, dass die Gemeinde schockstarr in den Bänken sitzt. Als er wieder aufblickt und die weinenden und entsetzten Gesichter sieht, merkt er, dass er zu weit gegangen ist und sagt: „Beruhigt’s euch wieder. Vielleicht stimmt’s ja gar net.“
Vielleicht sehen wir ja in Zukunft Chefärzte und Hedgefondsmanager Kaninchen züchten und Rüben ziehen für den Eigenbedarf. Dazu gibt’s selbst gekelterten Wein von der Südwand der Doppelgarage.
Sagen sie einem Kind, es soll ein Haus malen. Es wird ein Einfamilienhaus sein, keine Genossenschaftssiedlung und kein Wohnturm. Der Akt der Landnahme, des Einfriedens, des Schaffens von Obdach für sich und die Seinen ist tief verankert in unserer Kultur, die von Sesshaftigkeit, Kleinfamilie und Individualismus geprägt ist. Hier bin ich und hier bleibe ich.
Nahezu alle Häuser in dieser Sammlung reagieren auf die eine oder andere Weise auf die aufgeworfenen Fragen. Die Stichwörter Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit, natürliche Materialien, Angemessenheit, verantwortungsbewusster Umgang, sensibel usw. finden sich durchgängig, ganz sicher öfter, als dies bei den Häusern des Jahres 1971 der Fall gewesen sein mag. So wahr dies ist, so üppig bemessen sind in den meisten Fällen die verfügbaren Quadratmeter pro Person, so wenig können sie als verallgemeinerbares Konzept des Wohnens für alle dienen. Sollen sie auch gar nicht. Schön sollen sie sein, gut gedacht und gut gemacht. Sie brauchen Platz, und sie haben ihren Platz in der architektonischen Palette.
Träumen Sie. Erfüllen Sie sich den Traum, wenn Sie können. In die Garage stellen Sie sich dann einen Oldtimer, vielleicht einen Citroën GS. Sie müssen ihn ja nicht so oft fahren, den alten Stinker. Aus Gewissensgründen.
Udo Wachtveitl, auch bekannt als Franz Leitmayr aus der ARD-Serie Tatort, ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur und Drehbuchautor. Er hat zwei Jahre lang als Kolumnist für die Architekturzeitschrift Baumeister geschrieben.
Die Jury

Peter Cachola Schmal
Direktor Deutsches Architekturmuseum
Juryvorsitzender
„Mein typisches 2020/2021-Porträt mit dem virtuellen Hintergrund unserer wunderbaren Ausstellung Einfach Grün, wo wir auch viele Online-Events ganz real veranstalten.“

Dr. Fabian Peters
Chefredakteur Baumeister
Ende letzten Jahres ist der Verlag des Baumeisters in einen Neubau im Osten Münchens umgezogen – in die direkte Nachbarschaft von Fabian Peters Wohnung. Beim Blick aus dem Bürofenster kann er sich fast ins heimische Wohnzimmerfenster schauen.

Roland Merz
Chefredakteur Atrium
Archithema Verlag
Roland Merz ist gelernter Architekt und seit vier Jahren Chefredakteur der Wohn- und Architekturzeitschrift Atrium. Für den kreativen Kopf ist ein ideales Heim ein Ort, wo sich Menschen begegnen. Dies kann auch ein Baum sein.

Katharina Matzig
Architekturjournalistin
Katharina Matzig ist seit fünf Jahren Autorin der Häuser des Jahres. Sie schätzt kluge Grundrisse und ist ihrem Architekten täglich dankbar für 133 Quadratmeter Wohnfläche, die an Wochenenden sieben Personen ausreichen.

Ulrich Nolting
Geschäftsführer InformationsZentrum Beton
„Die Welt versteht man besser, wenn man sie bereist. Mich beeindrucken die Menschen, die Kulturen, ihre Architektur und der Baustoff Beton, der so vieles zusammenhält. Meine Lieblingsplätze sind überall dort, wo diese Dinge auf faszinierende Weise zusammenkommen.“

Udo Wachtveitl
Schauspieler, Synchronsprecher,
Regisseur und Drehbuchautor
„Das Verbrechen ruht nie.“ Seltene Auszeiten verbringt Udo Wachtveitl alias Tatort-Kommissar Franz Leitmayr in der grünen Münchner Au.

Sven Aretz & Jakob Dürr
Aretz Dürr Architektur
Gewinner Häuser des Jahres 2020
Sven Aretz und Jakob Dürr gründeten vor zwei Jahren ihr gemeinsames Architekturbüro in Köln. Das Bild zeigt die beiden bei der Montage eines Gartenhauses in Oostkapelle. Anhand kleiner Bauaufgaben überprüfen sie ihre Planung – und bauen selbst. Die „Baustelle“ ist ihr Lieblingsort.
Wir danken unseren Partnern
Das DAM organisiert wechselnde Ausstellungen zu nationalen und internationalen Architektur- und Städtebauthemen, präsentiert in einem ikonischen Bau der Postmoderne mit dem Haus-im-Haus von Oswald Mathias Ungers. Als Diskussionszentrum für aktuelle Fragen veranstaltet es eine Reihe von Tagungen und Workshops und gibt Publikationen heraus.

Als Plattform der Hersteller und als Impulsgeber der Branche bietet das IZB ein Netzwerk für alle Partner am Bau. Zu seinen Kernaufgaben gehören die Markterweiterung, die Marktsicherung und die Imageförderung für zementgebundene Bauweisen.

Das Architekturmagazin Baumeister blickt mit breiter Perspektive in die Welt der Architektur und beschäftigt sich nicht nur mit der Ästhetik, sondern auch mit den kulturellen, politischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der gebauten Umwelt.

Der Archithema Verlag ist Herausgeber von Zeitschriften aus den Bereichen Architektur und Wohnen. IdealesHEIM ist die führende und älteste Wohnzeitschrift der Schweiz. Die internationale Ausgabe „Atrium“ wird vor allem in Deutschland und Österreich vertrieben.

Der Österreichische Rundfunk ist der größte Medienanbieter des Landes und produziert vier Fernseh- sowie drei bundesweite und neun regionale Radioprogramme.

werk, bauen + wohnen ist die führende Architekturzeitschrift aus der Schweiz. Sie berichtet aktuell und kritisch über Architektur im internationalen Kontext. Als Organ des Bundes Schweizer Architekten BSA erscheint sie seit 1914.

architektur.aktuell ist Österreichs führendes Architekturmagazin mit Informationen über die innovativsten Bauten national und weltweit, hochwertigem Foto-, Plan- und Datenmaterial und einem Überblick über neue Produkte für Architektur und Bau. Interviews, Ausstellungsbesprechungen, ein Veranstaltungskalender und Media Reviews runden das Informationsangebot ab.

Der IVD (Immobilienverband Deutschland IVD Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V.) ist die Berufsorganisation und Interessenvertretung der Beratungsund Dienstleistungsberufe in der Immobilienwirtschaft. Der IVD betreut 6000 Mitgliedsunternehmen mit gut 100.000 Beschäftigten. Dazu zählen Wohnungsverwalter, Immobilienmakler, Bauträger, Finanzdienstleister und viele weitere Berufsgruppen der Immobilienwirtschaft.

1. Preis
1. Preis
Der Stadtbaustein
Andreas Fuhrimann
Gabrielle Hächler Architekten
Anerkennungen
Die Baukunst der Reduktion
Bathke Geisel Architekten
Freundliche Festung
Wespi de Meuron Romeo
Architekten BSA
Einraum für zwei
Hohengasser Wirnsberger
Architekten ZT GmbH
Vorne hui. Und hinten? Besonders hui!
ARSP ZT GmbH
Das Haus am See
Thomas Kröger Architekten GmbH
Das Bau-Kultur-Studio
Ruinelli Associati AG Architetti SIA
Die Charta von Luzern-Nord
Niklaus Graber & Christoph Steiger
Architekten ETH/BSA/SIA GmbH
Fotografiepreis
Der Lichtbildner
Albrecht Imanuel Schnabel
Der Stadtbaustein
1. Preis
von Andreas Fuhrimann Gabrielle Hächler Architekten
in Zürich (CH)

Die baurechtlichen Bedingungen – Gebäudeabstände, Erkervorsprünge, Attikarücksprünge – gaben dem Gebäudevolumen seine Form. Die Materialkomposition ist dreigeteilt: Das aus Beton gefertigte Dachgeschoss mit integrierter Dachterrasse umfasst mit dem Betonsockel das Mauerwerk. Die Familie fühlt sich wohl im neuen Haus: „Die farbliche Wärme und Haptik des roh belassenen Backsteins in den Innenräumen schafft zusammen mit der skulpturalen räumlichen Großzügigkeit einen willkommenen, schlossartigen Rückzugsort. Wir genießen hier einen unvergleichlichen puristischen Wohngenuss, der sich auch im Alltag nicht in oberflächlicher Perfektion erschöpft.“
Vier Geschosse hoch stemmt sich das neue Haus gegen den siebengeschossigen Nachbarn. Pur und provokant stellt es gängige ästhetische Prinzipien in Frage und beantwortet sie selbstbewusst, unkonventionell und für die Nutzer höchst komfortabel.
Der Zürcher Stadtteil Wipkingen, der zusammen mit Höngg den Kreis 10 bildet, liegt zwischen Käferberg und Limmat. Als Wohnquartier ist er begehrt, 25 Jahre lang lebte die Bauherrschaft hier an der Trottenstrasse in einem kleinen Giebelhaus. Als die Planungen für das unmittelbar benachbarte, von den Architekten Enzmann Fischer Partner geplante Alterszentrum Trotte bekannt wurden, das sich inzwischen siebengeschossig und mit bordeauxroter Keramik verkleidet in die Höhe reckt, wünschte auch die Bauherrenfamilie einen Neubau. Ein erster Entwurf eines anderen Architekten überzeugte nicht. 2015 erarbeiteten dann Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler ein Vorprojekt, das sofort zur Ausführung kam: ein Gebäudevolumen so hoch wie möglich, um von der benachbarten Masse nicht erdrückt zu werden. Ganz abgesehen davon, dass sich nun aus der Wohnküche im Dachgeschoss eine sensationelle Aussicht über das Industriequartier, den Zürichsee und die Alpen bietet.
Skulptural und dabei klassisch dreigeteilt streckt sich das neue Haus gen Himmel: Auf einem Sockelgeschoss aus Beton sitzen zwei gemauerte Mittelgeschosse auf. Das Dachgeschoss, wieder aus Beton gefertigt, nimmt mit seinen Dachschrägen die vorherrschende Giebelbauweise des Quartiers auf. Am Boden schaffen zwei Einschnitte eine geschützte Eingangssituation zur Straße, ein gedeckter Sitzplatz dient der Einliegerwohnung als Garten mit Brunnen. Ohne Vor- und Rücksprünge kommt der gemauerte Mittelteil aus, er entspricht dem maximal möglichen Fußabdruck. Der Mörtel quillt hervor, im Gegensatz zu den beiden kristallinen Betongeschossen wirkt die Fassade beinahe weich.
Innenräumlich bilden die zwei mittleren Geschosse zusammen mit dem Attikageschoss und der Dachterrasse die dreigeschossige Wohneinheit. Räumlicher Höhepunkt ist die Wohnküche im teils überhohen, von der Dachform geprägten Raum, der sich übereck öffnet. In den beiden Geschossen darunter finden Wohn-, Büro- und Schlafräume sowie Ankleide und zwei Bäder Platz. Das Material wurde „brut“ verwendet, Sockel- und Dachgeschoss allerdings sind innen isoliert und mit Sperrholzplatten verkleidet. Der gemauerte Mittelteil wurde als innenisoliertes Doppelmauerwerk ausgeführt. Im Gegensatz zu den Fassaden wurde der Mörtel in den Innenräumen abgezogen. Die Wände blieben jedoch unverputzt und zeigen ihre dekorative Qualität: Sichtbar vermauert wurde die Rückseite der Ziegel. Die Lagerung auf einem Lochblech zeigt sich als regelmäßiger Abdruck und wirkt fast wie eine Tapete. Feine Holz- Metallfenster setzen sich innen wie außen vom rohen Mauerwerk ab. Sie sind ausstellbar, ausstellbare Stoffstores schützen zudem vor zu viel Sonne.
Urteil der Jury
von Fabian Peters
Wer in Zürich, der teuersten Stadt der Welt, eine Villa errichtet, die bewusst an informelle Bauweisen aus dem globalen Süden anknüpft, hat keine Probleme anzuecken. Gabrielle Hächler und Andreas Fuhrimann von AFGH haben höchstens ein Problem damit, berechenbar zu werden. Die beiden Architekten sind mit einer ganzen Reihe von Wohnhäusern aus Beton berühmt geworden. Deren Bauweise hatte nicht viel mit den kunsthandwerklich präzise gearbeiteten Betonbauten zu tun, die weithin mit der modernen Schweizer Architektur verbunden werden. Fuhrimann und Hächler wollten Rohheit, wollten Schalungsspuren, wollten sichtbare Makel im Material. Beim Haus Alder wechselten sie zwar bei den Außenwänden vom Beton zu einem billigen Industrieziegel, die Lust an einer Ästhetik des Rauen, Unverfeinerten zeigen sie jedoch auch hier. Die „Ornamentik“ besteht beim Haus Alder in aus den Fugen quellendem Mörtel, der sich wie ein erhabenes Netz über die Wände legt. Dieses pastose Mörtelgitter verleiht dem Gebäude Plastizität und erzeugt ein lebhaftes Schattenspiel auf den Fassaden. Die Wucht des architektonischen Vortrages, seine Neuartigkeit und Kühnheit, ist schlicht begeisternd. Vor der Folie der Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel stellt, ist es wichtig, unsere ästhetischen Positionen zu hinterfragen. Entwürfe wie das Haus Alder leisten dazu einen wichtigen Beitrag.




Die Bauherrschaft ist kunst-, design- und architekturaffin und schätzt eine atelierähnliche Wohnatmosphäre. Das war die Grundvoraussetzung für dieses Haus, so die Architekten. „Wir betrachten das Einfamilienhaus als Königsdisziplin in der Architektur, da hier zusammen mit einer Bauherrschaft ein individueller Lebensentwurf in einem spezifischen Kontext entwickelt wird, was immer wieder zu interessanten Erfahrungen führt. Allerdings braucht es eine Übereinstimmung in den wesentlichen Fragen und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Anderenfalls werden die Probleme zu groß und führen zu keinem guten Resultat. Wir haben uns über die Jahre eine exklusive Klientel erarbeitet, die sich Auseinandersetzung und einen kulturellen Mehrwert wünscht. Viele Architekten sind leider nicht mehr bereit, diese aufwendige Bauaufgabe zu erfüllen, obwohl genau hier Experimente und räumliche Innovation möglich sind.“ — Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler

Der gemauerte Mittelteil ist als innenisoliertes Doppelmauerwerk ausgeführt. Außen wurde der Mörtel vom Maurer bewusst nicht abgezogen, das Handwerkliche bleibt sichtbar. Für die Architekten ist das ein Kommentar auf die vorherrschende Ästhetik und ihre Fixierung auf Perfektion und Entmaterialisierung von Oberflächen. In den Innenräumen wurde der Mörtel abgezogen. Die Wände sind unverputzt dekorativ.
Längsschnitt

Querschnitt

Grundriss Dachgeschoss

Grundriss 2. Obergeschoss

Grundriss 1. Obergeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Beteiligte Unternehmen: Planer: Schnetzer Puskas Ingenieure, www.schnetzerpuskas.com
Maßstab
M 1:400
1Eingang
2Einliegerwohnung
3Schlafen
4Bad
5Wohnen
6Arbeiten
7Kochen, Essen
8Dachterrasse
„Trotz Globalisierung sind immer noch die kulturellen Fragen ausschlaggebend, ob Architektur eine gesellschaftliche Relevanz hat oder nicht.“

Andreas Fuhrimann
Gabrielle Hächler Architekten,
Zürich (CH), www.afgh.ch
Anzahl der Bewohner:
3
Wohnfläche (m2):
299
Grundstücksgröße (m2):
256
Standort: Zürich (CH)
Bauweise: Massivbau (zweischaliges Mauerwerk)
Fertigstellung: 2018
Architekturfotografie:
Valentin Jeck, Stäfa (CH)
www.jeck.ch
Lageplan

Die Baukunst der Reduktion
Anerkennungen
von Bathke Geisel Architekten
in Münsing

Die Lage ist idyllisch, ein Bach grenzt an. Um den Grund möglichst wenig zu versiegeln und den Charme des „wilden Gartens“ zu erhalten, liegen Zufahrt und Carport ein Stück vom Haus entfernt.
Elegant fügt sich das mit vorvergrautem Holz beplankte Haus an den Bach und in das Grün. Auf einen Keller wurde verzichtet, Autos verbleiben an der Grundstücksgrenze.
„Wussten Sie schon, dass die Alpen einen ganz erbärmlichen Anblick bieten, wenn man sich die Berge mal wegdenkt?“ Loriot hatte gut reden: Münsings Ehrenbürger, dem die oberbayerische Gemeinde am Starnberger See seit 2017 auf dem Dorfplatz mit den „Herren im Bad“ – Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheid in einer Wanne aus grauem Granit – gedenkt, hatte die idyllische Landschaft zu Lebzeiten stets im Blick. Direkt am See liegt das Haus im Münsinger Ortsteil Wimpasing, das die Architekten Steffen Bathke und Lutz Geisel – die 2005 in München die Bathke Geisel Architekten PartGmbB gründeten – erbaut haben, zwar nicht, es liegt an einem Bach. Aber wenn man sich die Berge nicht wegdenkt, hat die junge Bauherrenfamilie immerhin die Alpen großartig im Blick.
Das zum Bachlauf leicht abfallende Grundstück liegt am Dorfrand, das Ufer ist dicht mit Bäumen bewachsen, nach Norden fällt der grüngerahmte Blick auf ein Feld. Der Bebauungsplan war streng, der Kampf um genehmigungsfähige Freiheiten, so die Architekten, war durchaus herausfordernd. Der Auftrag für das Familiendomizil kam auf Empfehlung aus dem Bekanntenkreis sowie von einer ausführenden Holzbaufirma aus dem Vorarlberg zustande, mit der das Büro schon mehrmals und gerne zusammengearbeitet hat: Sie empfahl den Bauherren, so Steffen Bathke, „sich an uns als ‚lokale‘ Architekten zu wenden“.
Die Zufahrt liegt an der Südwestseite, die Autos bleiben auf Abstand im vorgelagerten Carport. Der überdachten Sitzbank im Eingang nähern Bewohner und Besucher sich zu Fuß. Im Erdgeschoss öffnet sich der Essbereich gen Bach, gewohnt wird mit Blick auf das Feld. Ein weiterer, separater und intimerer Wohnraum liegt auf der Westseite. Zentral besetzt ein Kern aus Sichtbeton den kompakten Grundriss. Eine einläufige Treppe führt ins Obergeschoss, das die Schlafräume beherbergt. Das blaue Kinderbad trennt die beiden Kinderzimmer voneinander. Das knapp 200 Quadratmeter große Haus für Vier kommt ohne Keller aus.
Diszipliniert bildet die Fassade aus vorvergrauten Hölzern verschiedener Breiten die Nutzung und die Höhenentwicklung des Hauses ab: Das Erdgeschoss öffnet sich großformatig und raumhoch, das Obergeschoss wird von quadratischen Lochfenstern gegliedert. Die Geschossigkeit lässt sich zudem durch eine feine horizontale Staffelung von außen ablesen. Eine Holzständerkonstruktion bildet die Tragstruktur der Wände, die Massivholzdecken bleiben sichtbar, die Dachhaut besteht aus Ziegel. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe versorgt das Haus mit Wärme.
Urteil der Jury
von Sven Aretz und Jakob Dürr
Im Schwarzplan muss man das neue Gebäudeensemble aus Wohnhaus und Garage erst suchen, so selbstverständlich bildet es den Abschluss des Ortsrandes. Ebenso selbstverständlich und zurückhaltend erscheint dem Betrachter das Gebäudeensemble inmitten der natürlich gewachsenen Gartenkulisse aus Büschen und Bäumen von der Straße aus. Es fällt nicht auf. Als sei es immer schon da gewesen. Austauschbar oder gar beliebig wird es dadurch aber mitnichten.
Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Schönheit des Ensembles, insbesondere des Wohnhauses. Eine Schönheit, die nicht auffallen will, die jedoch in jedem Maßstab der Betrachtung von der städtebaulichen Setzung über die funktionale Organisation bis in den feinfühligen Umgang mit Material und Struktur spürbar wird.
So erzeugt das Ensemble, von der Straße über einen Kiesweg abgerückt, einen klaren Ankunftsort, zu dem sich das Wohnhaus traufständig ausrichtet. Die gleichmäßige, nach oben hin geschossweise, kaskadenartig wachsende Staffelung von Fassade und Dach gliedert das Bauvolumen in wohlproportioniertem, menschlichem Maßstab. Gleichzeitig leitet das Münchner Architekturbüro aus der horizontalen Staffelung die Möglichkeit her, die unterschiedlichen Öffnungen in der Fassade geschossweise und ihrer Funktion entsprechend zu sortieren, ohne dabei die unaufgeregte Schlichtheit und Ruhe der Fassade zu stören.
Vorvergraute Hölzer in der Fassade, sichtbar akkurat gefügt und Ziegel als Dacheindeckung, Betonsockel mit Brettschalung: Lebendige Materialien, die altern, Patina bilden und sich in den Lebenszyklus der umgebenden Vegetation einfügen.
Große Empathie für menschliche Gewohnheiten finden sich in aufmerksamen Details wie der überdachten Eingangssituation, den nach Funktionsabläufen, Ausblicken und Himmelsrichtungen geordneten Grundrissen und Fensteröffnungen, aber auch in planerisch kunstvollen Detailfügungen der verschiedenen Materialien wieder.
Ein stilles, aber kraftvolles Projekt, das es verdient, in der gegeneinander auftrumpfenden Wohnwelt des „Sehen und Gesehen werden“ in seiner schlichten Schönheit gezeigt und gewürdigt zu werden.



„Die junge Bauherrenfamilie hatte von Anfang an genaue Vorstellungen von ihrem Haus, gleichzeitig aber auch Vertrauen, was ein großartiges Miteinander-Planen und -Bauen ermöglichte“, erinnert sich Steffen Bathke.

Münsing bezeichnet sich selbst gern als Künstlerkolonie, die Gemeinde liegt landschaftlich reizvoll am Starnberger See und ist reich an Baudenkmälern. Das neue Haus am äußeren Ortsrands von Wimpasing passt.

Längsschnitt

Querschnitt

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Material: Außenwand & Fassade: Holzbau mit Holzschalung | Dach: Holzkonstruktion mit Ziegeldeckung | Fenster: Holz | Sonnenschutz & Sichtschutz: Textil | Türen, Tore & Beschläge: Holz | Treppen & Lifte: Holz | Bodenbeläge & Designböden: Massivholzdielen | Heizen & Lüften: Wärmepumpe | Gebäudetechnik: Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Maßstab
M 1:400
1Eingang
2Wohnen
3Kochen, Essen
4Technik
5Schlafen
6Bad
7Carport
„Das Haus am Bach ist ein im besten Sinne einfaches Haus, bei dem nur das Nötigste gebaut wurde – aber das in einer hohen handwerklichen Detailqualität.“

Lutz Geisel, Steffen Bathke
Bathke Geisel Architekten, München
www.bathke-geisel.de
Anzahl der Bewohner:
4
Wohnfläche (m2):
173
Grundstücksgröße (m2):
1.136
Standort: Münsing
Zusätzliche Nutzfläche (m2): 23
Bauweise: Holzbau
Fertigstellung: 04/2020
Architekturfotografie:
Stefan Müller-Naumann, München
www.architektur-fotografmuenchen.de
Lageplan

Freundliche Festung
Anerkennungen
von Wespi de Meuron Romeo Architekten BSA
in Klingnau (CH)

Auf beinahe quadratischem Grundriss steht das kleine Haus robust und sicher am Hang. Der Blick fällt gerahmt ins Tal, innen zeichnet das durch die vorgelagerte Betonschicht fallende Licht malerische Sonnenflecken.
Klingnau liegt im unteren Aaretal im Schweizer Kanton Aargau, rund vier Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland. Das historische Städtchen thront auf einem Schotterhügel und bietet Blick ins untere Aaretal, auf den Stausee, in den Schwarzwald und bei guten Sichtverhältnissen bis in die Berner Alpen. Die Klingnauer Weine dokumentieren auch kulinarisch die guten klimatischen Verhältnisse. Die architekturbegeisterte Bauherrschaft, die hier 729 Quadratmeter Grund bebauen wollte, hatte klare Vorstellungen, wie ihr Haus ausschauen sollte und entschied sich nach intensiver digitaler wie analoger Suche für das Büro wespi de meuron romeo architekten bsa aus dem mehr als 200 Kilometer entfernten Caviano im Tessin, an der schweizerisch-italienischen Grenze. Berühmt ist das Büro für „freundliche Festungen, die auf einzigartige Weise mit der Natur verschmelzen“, wie Kollegen beschreiben. Und auch im letzten Jahr überzeugten Markus Wespi, Jérôme de Meuron und Luca Romeo unsere Jury mit einem Haus in Ascona, für das sie eine Anerkennung erhielten. Die Bauherren überzeugte, „dass wir viel mit den Materialien Bruchstein, Glas und Beton arbeiten, die Liebe zum Detail in unseren Bauten und dass wir jeweils wenig in die Natur eingreifen“, erinnert sich Jérôme de Meuron. Ihren Prinzipien blieben die Architekten auch bei diesem Haus treu: Der Aushub beschränkt sich lediglich auf eine Geschosshöhe, die bestehende Topografie wurde kaum verändert, das Haus steht tatsächlich wie eine kleine, Geborgenheit stiftende Festung im Hang über der steil abfallenden Felswand.
Die 111 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich ökonomisch auf zwei Ebenen mit annähernd quadratischen Grundrissen. Auch die Außenhülle kommt ohne Einschnitte oder Vorsprünge aus. Leicht nach Südwesten verdreht öffnet sich das Haus auf beiden Geschossen vollverglast zur Aussicht auf den historischen Dorfkern. Gelenkt und gerahmt werden die Blicke durch kleine und große, quadratische und beinahe quadratische Öffnungen, teils als Fenster, teils als Einschnitt ausgebildet. Der grob gewaschene Betonfilter dient als Sonnenschutz und zeichnet im Inneren malerische Reflektionen auf die hellen, naturgrau verputzten Wände. Als zweite, auf Abstand gerückte Schicht entstehen zudem Großzügigkeit und Tiefe. Die nordseitigen Fassaden hingegen sind weitgehend geschlossen und garantieren die gute Energiebilanz.
Erschlossen wird das Haus im Obergeschoss, der Weg vom Parkplatz an der östlichen Grundstücksgrenze führt durch den Garten, vorbei an einer alten Eiche, an grünen und gepflasterten oder bekiesten Plätzen. Bereits von der breiten, verglasten Eingangszone fällt der Blick ins Tal. Ein Block, zentral platziert, nimmt die Garderobe sowie einen Sanitärraum auf, er gibt der Treppe Halt und der Sitzbank für den Esstisch. Die Küchenzeile steht mittig, drum herum wird komfortabel gewohnt. Das Erdgeschoss ist den Privaträumen vorbehalten.
Urteil der Jury
von Udo Wachtveitl
Meisterschaft zeigt sich an der sicheren Hand vor allem dort, wo man sich nicht mehr auf Überkommenes, auf Notwendigkeiten gar, berufen kann. Wer wacker allen Regeln folgt und allgemein Bewährtes zu seinen Leitplanken macht, der wird nie ganz fehlen; zur Meisterschaft aber bedarf es zusätzlich des unfehlbaren Instinkts auch dort, wo auf die Frage „Warum?“ nur noch geantwortet werden kann: „Weil’s gut so ist! Siehst du es nicht?“
Zur Anschauung mag hier die südwestlich vorgelagerte, nach Lage und Ausrichtung als Schokoladenseite zu betrachtende Filterfassade aus Waschbeton des Hauses in Klingnau dienen. Freilich lassen sich auch für deren Gestaltung einige übliche Verdächtige als gute Gründe anführen. Sie organisiert den Blick nach draußen, macht aus einer platten Draufsicht vielfältig inszenierte Dioramen, sorgt für maßvolle Beschattung und ein Gefühl von Schutz und Geborgenheit. Ihre Trutzburganmutung ist provokante Antithese zu den feinen Innenräumen und der sie begrenzenden leichten Vollverglasung, intendierter Pflanzenbewuchs erobert schon teilweise das Zwischenreich und erweitert die von innen nach außen gestaffelten Raumqualitäten abermals … all das ist richtig.
Wie aber nun die 15 Öffnungen angeordnet sind, wie sie sich einem schnell ablesbaren Schema verweigern und wie sie dennoch eine lockere, stimmige Ordnung erzeugen, das – zum Beispiel – ist meisterlich. Das Thema der lockeren Ordnung auch in so einem Detail wie der Gehwegpflasterung widergespiegelt zu finden, macht uns nur umso gewisser, dass hier Könner am Werk waren.

Die steile Hanglage mit instabilem Baugrund stellte eine besondere Herausforderung dar. Das kompakte Haus auf beinahe quadratischem Grundriss schiebt sich eingeschossig in die bestehende Topografie, sie wurde so wenig wie möglich verändert. Auch ein alter Baum beim Parkplatz konnte erhalten werden: wirtschaftlich und landschaftsarchitektonisch die ideale Lösung.

Das Budget der Bauherren war begrenzt. Auf eine anspruchsvolle Gestaltung wollten sie jedoch nicht verzichten: Klein und fein ist heute ihr Haus.

Die Innenräume des Sichtbetonbaus wurden naturgrau verputzt, die gesamte Außenhülle besteht aus grobem gewaschenen Beton, der teilweise bepflanzt wird.

Querschnitt

Grundriss Erdgeschoss

Längsschnitt

Grundriss Obergeschoss

Hersteller: Außenwand & Fassade: K. Vögele Hoch + Tiefbau AG, Leuggern (CH) | Fenster: Ernst Keller AG, Klingnau (CH) | Türen, Tore & Beschläge: Fischer Schreinerei & Innenausbau GmbH, Kleindöttingen (CH) | Bad, Sanitär & Armaturen: Emporio, Via tortona Gessi | Küche & Küchenarmaturen: Fischer Schreinerei & Innenausbau GmbH, Kleindöttingen (CH)
Beteiligte Unternehmen: Ausführungsplanung und Bauleitung: weberbuess Architekten FH/SIA, Basel (CH), www.weberbuess.ch
Maßstab
M 1:200
1Eingang
2Kochen
3Essen
4Wohnen
5Garderobe/WC
6Schlafen
7Arbeiten
8Bad
„Architektur – zeitlos selbstverständlich, verwoben mit Baukultur und Ort, mehr Entdeckung als Erfindung, aus altvertrauten Stimmungen Neues schaffen, Atmosphäre, Licht und Schatten – das mögen wir.“

Markus Wespi, Jérôme de Meuron,
Luca Romeo
Wespi de Meuron Romeo
Architekten BSA, Caviano (CH)
www.wdmra.ch
Anzahl der Bewohner:
3
Wohnfläche (m2):
111
Grundstücksgröße (m2):
729
Standort: Klingnau (CH)
Zusätzliche Nutzfläche (m2): 26
Bauweise: Sichtbeton
Fertigstellung: 03/2018
Architekturfotografie:
Monica Spezia (Living Inside srl),
Mailand (I)
www.livinginside.it
Lageplan

Einraum für zwei
Anerkennungen
von Hohengasser Wirnsberger Architekten ZT GmbH
in Winkl – Spittal an der Drau (A)

Der Fußabdruck minimal, der Grundriss reduziert, die Technik so simpel wie möglich: „Less is more“ sorgt für maximale Wohnlichkeit und größtmögliche Lebensqualität.
„Auf die Architekten wurde ich aufmerksam, nachdem ich viele Holzbau- Seiten im Internet durchforstet hatte und auf ein von ihnen gebautes Haus am Wörther See gestoßen war. So fühlte ich mich mit meinen Ideen und Vorstellungen gleich sehr gut verstanden. Mein großes Anliegen war es, ein Haus zu bauen, das sich einfügt und zurückgenommen und schlicht erscheint. Das nicht repräsentativ ist, sondern erst auf den zweiten Blick wahrgenommen wird. Der Scheunencharakter ist mir sympathisch. So war es mir auch wichtig, so wenig wie möglich vom Ursprungsgelände zu verändern.“
Die Architekten, von denen die Bauherrin spricht, sind Sonja Hohengasser und Jürgen Wirnsberger. Die beiden arbeiteten seit 2009 in einer Bürogemeinschaft zusammen, ehe sie 2017 Hohengasser Wirnsberger Architekten ZT GmbH gründeten, in Spittal an der Drau, nicht weit von dem Grundstück am Rande einer Wohnsiedlung entfernt, das das Psychologenpaar mit ihnen bebauen wollte. Beziehungsweise: Das sie so wenig wie möglich verändern wollten. Unverbaubar ist der Blick von dem 750 Meter hohen Bergrücken zwischen Drautal und Millstädter See, im Süden und Westen liegen die Wiesen des angrenzenden Bauernhofs, im Norden die Zufahrt. Mit minimalem Fußabdruck, in und mit der Landschaft sollte hier der Rückzugsraum der Bauherren entstehen, ein „stationärer Wohnwagen“ für die weitgereisten Camper. Die Architekten entwickelten ein Einraum-Haus auf 65 Quadratmetern. Nach Osten, Süden und Westen öffnet es sich komplett zur Landschaft, im Norden finden in einer 140 Zentimeter breiten Raum-Schicht der Schlaf- Alkoven, Bad, WC und Garderobe ausreichend Platz. Auf den Längsseiten geht der Raum in die überdachten Terrassen über, die Ostterrasse dient zudem als geschützter Eingangsbereich. Unerwünschte Einblicke verhindern die Nebenraumzone ebenso wie die geschlossen gestalteten Eingangstüren.
Bis auf die Fundamente und einige statisch notwendige Verbindungsmittel besteht die gesamte tragende Struktur aus Fichten-Brettschichtholz. Die horizontale Stulpschalung, die Dachuntersicht und die Fenster sind in massivem Fichtenholz ausgeführt, auch im Innenbereich sind sämtliche Oberflächen wie Böden, Wandvertäfelung, Innenwände und Möbel aus massiven Fichte-Dreischichtplatten gefertigt. Alle Holzoberflächen sind unbehandelt, sie werden über die Jahre Verwitterungs- und Benutzungsspuren aufweisen und mit der Umgebung verwachsen. Die Technik ist auf das Notwendigste reduziert und in einer Wand zwischen Bad und WC mit Bodenkanal zur Küche gebündelt und „aufholz“ verlegt. Beheizt wird das Haus mit einem Holzscheitofen im Zentrum des offenen Hauptraumes und über die großzügige Verglasung. Dabei verhindert das ausladende Vordach eine sommerliche Überwärmung, Quer- und Längslüftung sorgen auch an extrem heißen Sommertagen für ein angenehmes Raumklima.
Urteil der Jury
von Katharina Matzig
Ein stationärer Wohnwagen, das ist – rein rhetorisch betrachtet – ein Oxymoron, vielleicht sogar ein Paradoxon, also ein Widerspruch in sich. Das Immobile steckt der Immobilie nun einmal schon im Namen. Den Auftrag eines passionierten Camper-Ehepaares, ihnen einen stationären Wohnwagen zu bauen, müssten seriöse Architekten daher eigentlich ablehnen. Dass Sonja Hohengasser und Josef Wirnsberger seriöse Architekten sind, steht jedoch außer Frage. Dass die beiden auch ausgezeichnete Architekten sind, die Unmögliches möglich machen und dem Widerspruch eine Form geben, haben sie nun mit dem Haus in der Wiese bewiesen: Schlicht und selbstverständlich stellten sie den schmalen, in rhythmisch aufgeglaste Joche gegliederten Holzbau längs zum Hang. Auf aufwendige Erdbewegungen konnte verzichtet werden, es wirkt, als könne man die leichte und dabei doch so robuste, unprätentiöse Struktur bei Bedarf noch ein wenig nach rechts oder links verschieben. Sparsam und effektiv wie in einem Wohnwagen wurde auch der Grundriss organisiert, ein Möbel sorgt für die gewünschte Zonierung. An allem wurde bei diesem kleinen Haus gespart, nur nicht an der Gestaltung: Mehr als 65 Quadratmeter hat es nicht, der ökologische Fußabdruck ist gering ebenso wie die Baukosten. Die Technik ist eher low denn high, Leitungen wurden gebündelt und sichtbar verlegt, die Sonne wärmt, das Dach verschattet, die Wiese ist der Garten. Wer so wohnt, braucht nicht mehr zu verreisen.

Die besonderen Herausforderungen bei diesem Projekt? Die gewohnten Raumgrößen und Ausstattungsstandards zu hinterfragen. Es gibt im ganzen Haus nur eine Wand, die sämtliche Installationen beherbergt, die restlichen Leitungen und Kabel wurden „aufholz“ verlegt. Der Garten? Eine Blumenwiese.


„Die Reaktionen der Menschen vor Ort auf das Haus sind sehr gemischt“, wissen die Bauherren. „Von manchen wird es belächelt, nicht solide genug, fast armselig, zu schlicht. Einheimische Großbauern sehen darin einen Schuppen. Auch müsste man es innen doch noch verkleiden. Rohe Holzwände und offen verlegte Leitungen gehen wohl nur im Stall! Und wo ist da Platz für den Fernseher?“

Ähnlich der traditionellen „Heu-Harpfen“ im südlichen Alpenraum steht die klare Holzstruktur mit minimalem Fußabdruck in der Landschaft. Auch die Grundrissgestaltung ist auf ein Minimum reduziert: Durch die Reduktion der Nebenraumzone ist ein vergleichsweise großer Einraum entstanden, der durch ein Raum-Möbel in Wohn-, Koch- und Essbereich gegliedert ist.
Querschnitt

Grundriss Erdgeschoss

Material/Hersteller: Außenwand & Fassade: Holzrahmenbau Konstruktionsholz Fichte, Fassade aus unbehandelten Fichtenbrettern | Dach: Villas-Contur Dachbahnen | Fenster: Fichte unbehandelt | Bodenbeläge & Designböden: Fichte Dreischichtplatten, geseift | Innenwandgestaltung: Wände und Möbel aus Fichte Dreischichtplatten, unbehandelt
Beteiligte Unternehmen: Holzbau Tschabitscher GmbH, Steinfeld (A), www.drautalhaus.at
Maßstab
M 1:200
1Eingang
2Terrasse
3Kochen, Essen, Wohnen
4Schlafen
5Bad
„Wir wollen Häuser bauen, die sich aus dem Dialog mit der Landschaft entwickeln.“

Sonja Hohengasser,
Jürgen Wirnsberger
Hohengasser Wirnsberger Architekten
ZT GmbH, Spittal an der Drau (A)
www.hwarchitekten.at
Anzahl der Bewohner:
2
Wohnfläche (m2):
65
Grundstücksgröße (m2):
994
Standort: Winkl – Spittal an der Drau (A)
Zusätzliche Nutzfläche (m2): 23
Bauweise: Holzbau, Skelett- und Rahmenbau
Fertigstellung: 12/2018
Architekturfotografie:
Christian Brandstätter, Klagenfurt (A)
www.christianbrandstaetter.com
Lageplan

Vorne hui. Und hinten? Besonders hui!
Anerkennungen
von ARSP ZT GmbH
in Dornbirn (A)

Mit einem leichten Stahlgerüst erweiterte die Architektenfamilie den Altbau von 1929. Zur Straße hat er sein Gesicht bewahrt, im Garten zeigt sich die zeitgemäße Adaption an heutige Wohnwünsche.
Dass Dornbirn im Vorarlberg seit Jahren als “Mekka der Baukultur” gilt, hat der 1960 verstorbene Wilhelm Fleisch nicht mehr erlebt. Dabei muss sich die Siedlung “Rüttenersch”, die der Architekt 1929 im Auftrag der Stadt zur Milderung der Wohnungsnot anlegte und in der 19 typengleiche Wohnhäuser im Stil der Zwischenkriegszeit entstanden, nicht verstecken. Städtebaulich sind die Gebäude versetzt angeordnet, es entstand ein rhythmisierter, durchgrünter Straßenraum, trotz relativer Dichte haben die Häuser geschützte Gärten. Die sogenannte „Villa Fleisch“ unterschied sich bereits vor dem Umbau 2018 von den Nachbarn, sie war 1935 zur Gartenseite um vier Meter erweitert worden. Für die Architektenfamilie auf der Suche nach Wohnraum war sie die perfekte Lösung: Ein eigener Neubau war nie interessant und kam auch nicht wirklich in Frage, die Nutzung alter Bausubstanz erscheint Rike Kress, Assoziierte im Dornbirner Büro ARSP – Architekten Rüf Stasi Partner, reizvoll und richtig. Zum Zeitpunkt des Umbaus präsentierte sich das Haus zur Straße hin in weitestgehend ursprünglichem Zustand. Die nordseitige Gartenseite des Anbaus von 1935 jedoch wirkte mit den beliebig platzierten Fenstern, so Rike Kress, eher unbelebt und abweisend.
Das architektonische Konzept für die Umgestaltung folgt dieser Janusköpfigkeit: Die Straßenfront blieb erhalten, zum nordseitigen Garten erweitert sich das Haus jedoch jetzt um zwei weitere Meter durch einen vorgesetzten Stahlanbau. Dabei folgt die in ihrem Material dem Gebäude eigentlich so fremde neue Raumschicht der Silhouette des Altbaus. Die Brüstungen der bestehenden Fenster wurden abgebrochen, sodass der Metallgitteranbau den Ausgang ins Freie auf allen Ebenen ermöglicht.
Innenräumlich wurde die bestehende Aufteilung – eine kleine Einliegerwohnung und ein Gästezimmer im Erdgeschoss sowie eine Familienwohnung in den oberen beiden Geschossen – beibehalten. Wände wurden entsprechend der Lebensvorstellung der Familie versetzt, abgebrochen, neu errichtet, heute lebt es sich hier mit präzisen Durchblicken und sinnhaften Raumfolgen. Lehmputz und Holztäfer sorgen für Wohnlichkeit. Entstanden ist das neue alte Haus mit viel Eigenleistung, „und das neben der sehr zeitintensiven Berufstätigkeit und einem laufenden Familienleben mit zwei Kindern“, eingschränktem Budget und dem selbst gesetzten Ziel, „dass wir uns nach dem Kauf des Grundstücks im Frühjahr vorgenommen hatten, noch im Herbst des gleichen Jahres in unser neues Zuhause einzuziehen.“
Urteil der Jury
von Sven Aretz und Jakob Dürr
Bestehende Gebäude nach Möglichkeit weiterhin zu nutzen, wo nötig zu ändern und zu ergänzen, kann unter Berücksichtigung der baulichen Angemessenheit ein guter Beitrag zum nachhaltigen Bauen sein. Dieser Vorgang hat gute Tradition und findet sich auch im Bestandsgebäude selbst wieder, das 1929 erbaut und 1935 baulich erweitert wurde.
Es ist eine Qualität, in einem Bestandsgebäude nicht das zu sehen, was es ist, sondern was es sein kann. Konzeptionell schlüssig legt das österreichische Architekturbüro aus Dornbirn das funktionale und räumliche Potenzial des Bestandsgebäudes in der Wohnung vom ersten Obergeschoss bis in den Dachraum frei und ergänzt die neu organisierte Wohnung durch eine Art begehbares „Gartenregal“. Dadurch gewinnen die jeweiligen Wohnräume einen witterungsgeschützten Außenraum mit direktem Gartenzugang.
Die Verwendung des zeitgenössischen Baumaterials Stahl macht den baulichen Eingriff ablesbar und trägt gleichwohl der gesellschaftlichen Entwicklung mit dem Bedürfnis nach erlebbarem Außenwohnraum Rechnung. Holzdielen als Außenbelag spannen den materiellen und zugleich zeitlichen Bogen zum Dielenboden des Bestandsgebäudes. Ein hauchdünnes Metallgewebe als Absturzschutz verleiht dem „Gartenregal“ ein Gefühl von Leichtigkeit ohne Barriere zum Naturraum. Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, wie wenig Eingriff notwendig ist, um Gutes zu schaffen.


„Dass wir Planer und Bauherr in Personalunion waren“, so Rike Kress, „hatte den Vorteil, dass viele Entscheidungen sehr spontan getroffen werden konnten und wir auf Kostenentwicklung und vorgefundene Überraschungen im Bestand sehr schnell reagieren konnten.“

Die Architekten sehen den Wunsch nach dem Bau eines Einfamilienhauses kritisch: Es sorgt für Zersiedelung, hat einen hohen Flächenverbrauch und ist oftmals unflexibel. „Daher kann der ständige Neubau von Einfamilienhäusern unseres Erachtens nicht die Antwort auf die Wohnungsfrage sein. Zumal es gleichzeitig so viel Leerstand bei bestehenden (Wohn-) Gebäuden gibt. Bei unserer Suche nach einem geeigneten Wohnraum waren wir deshalb immer auf der Suche nach gemeinschaftlichen Wohnformen einerseits oder einem interessanten Bestandsgebäude. Mit der „Villa Fleisch“ hatten wir dann schließlich Glück. Die Bausubstanz ist sehr robust und in der Struktur äußerst flexibel nutzbar. Auch, dass mehrere Wohneinheiten prinzipiell schon angelegt waren (Familienwohnung oben, Einliegerwohnung unten, Jokerzimmer für Gäste und als Zwischenlösung für Freunde und Bekannte), hat uns sehr gereizt.“

Ansicht

Querschnitt

Grundriss Dachgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Hersteller: Absturzsicherung beim Stahlanbau: Webnet, Firma Wüstner
Maßstab
M 1:400
1Eingang
2Wohnen
3Kochen, Essen
4Bad
5Schlafen
6Gast
7Terrassenanbau
8WC
9Arbeiten
10Wohnküche
„Ein wichtiges Anliegen bei diesem Projekt war es für uns, das Gebäude neu zu beleben, ohne ihm den Perfektionismus eines Neubaus überzustülpen. Keine Totsanierung, sondern eine Revitalisierung.“

Frank Stasi, Rike Kress
ARSP ZT GmbH, Dornbirn (A)
www.arsp.cc
Anzahl der Bewohner:
3 + 1
Wohnfläche (m2):
165 + 58
Grundstücksgröße (m2):
615
Standort: Dornbirn (A)
Bauweise:
Bestand: Mauerwerkswände, Dachstuhl aus Holz, Anbau: Stahlbau
Fertigstellung: 10/2018
Architekturfotografie:
Zooey Braun, Stuttgart
www.zooeybraun.de
Lageplan

Das Haus am See
Anerkennungen
von Thomas Kröger Architekten GmbH
in Wandlitz, Barnim

Den Bau einer Kirche vermuteten die Nachbarn während der Bauzeit. Heute ist die Villa Lebensraum für eine Familie und Wallfahrtsort für Architekten.
Der Barnim ist eine eiszeitlich gebildete Hochfläche und eine historische Landschaft im mittleren und nordöstlichen Brandenburg. Bis zum starken Wachstum Berlins im ausgehenden 19. Jahrhundert war der Barnim nur dünn besiedelt. Das änderte sich 1901 mit der Einweihung der Eisenbahnlinie Berlin-Groß Schönebeck – der sogenannten Heidekrautbahn –, an deren Strecke auch Wandlitz liegt. Damals entstanden dort Landhäuser und Villen, später zog es Erich und Margot Honecker, Egon Krenz oder Walter Ulbricht an den Wandlitzer See. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von 1928 im Stil der Neuen Sachlichkeit stammt vom Architekten Wilhelm Wagner. Heute verbindet zudem die Bundesstraße 109 mit dem 25 Kilometer entfernten Berliner Stadtzentrum.
Glücklich, wer hier 1800 Quadratmeter Grund besitzt, in einem Wäldchen aus hochaufragenden Kiefern am See. Glücklich auch, wer die eigenwilligen Häuser in der Uckermark aus dem Berliner Büro von Thomas Kröger kennt, von denen viele mit Preisen und Auszeichnungen auch in den Häusern des Jahres prämiert wurden, und ihn für den Auftrag, ein Einfamilienhaus zu entwerfen, begeistern kann. Denn, so der Architekt, „am meisten reizt das Grundstück. Bei nahezu allen Häusern, die wir bauen konnten, gibt es diese besonderen Qualitäten im Naturraum. Wichtig dabei ist uns, dass die Grundstücke innerhalb eines gewachsenen baulichen Rahmens liegen. Ansonsten betrachten wir den Einfamilienhausneubau eher kritisch. Insbesondere problematisch sind Neubaugebiete, die die Ortskerne ausfasern lassen. Hier sind Konzepte gefordert, die Ortschaften baulich zukunftsfähig und interessant machen.“
So großartig das Grundstück auch liegt, so herausfordernd war es, das schlanke Baufeld mit dem Baurecht und dem geforderten Raumprogramm stimmig zu entwickeln. Zum Ufer des Wandlitzer Sees öffnet sich das aus einfachen geometrischen Formen zusammengesetzte Haus, zum Wald hin gibt es sich geschlossen. Die Organisation der Grundrisse erfolgt über Split-Level: Als hohe Halle öffnet sich im Erdgeschoss der Wohnbereich in den Garten, Kochen und Speisen laden aufgrund der niedrigeren Geschoss- und Raumhöhe zum intimeren Zusammensein. Die nächste Ebene ist den Eltern vorbehalten, ein halbes Geschoss höher liegt der Gäste-, Arbeits- und Kinderbereich. Sauna und Bad öffnen sich auf die Dachterrassenlandschaft, die von Kiefernkronen beschirmt wird. Etwas tiefer als der Wohnraum wird die Villa erschlossen, eine Stufe führt zu Garderobe, Gästebad und Werkraum.
Urteil der Jury
von Peter Cachola Schmal
Das Haus am Wandlitzsee ist trickreich. Die Bilder sind markant, die Stimmung entspannt und die Materialität kultiviert und gekonnt, der See liegt nah und das Haus scheint in angenehmer Entfernung dazu mit einem höherliegenden Steg verbunden zu sein. Es passt. Allerdings deuten die Grundrisse auf ein ganz anderes, viel dynamischeres Geschehen hin. Da schwingt eine S-Kurve von außen über den Esstisch und die Küche in die eingelassene 70er-Jahre Sitzlandschaft und wieder nach draußen zum See. Eine andere Bewegung führt mittels Split-Level nach oben, auch dort eine Kurvenfahrt zu den privaten Zimmern und auf die Dachterrasse, das Ganze wiederholt sich im Untergeschoss zum Werkraum. Denkt man Abbildungen und Grundrisse zusammen, wird einem ganz schwindlig. Welch Wandel an Perspektiven tut sich da auf – welch spannende räumliche Achsen! Eine einfache Kombination an Volumen baut eine sehr ausgereifte räumliche Inszenierung auf, mit einer wohltuend ruhigen Farbpalette an Wand, Boden und Decken. Man muss sich die Bewohner als sehr zufriedene Zeitgenossen vorstellen, die das Glück hatten, auf ein Architekturbüro gestoßen zu sein, das ihre Bedürfnisse erahnen und umsetzen konnte. Wie heißt es so passend im Lied „Haus am See“ von Peter Fox? „Alle komm’n vorbei, ich brauch’ nie rauszugehen.“


Wie eine Lichtung liegt die große, auf zwei Ebenen verteilte Dachterrasse im Kiefernwald.

Die Räume bestehen aus einfachen geometrischen Körpern. Die Apsis des Hauses nimmt im Erdgeschoss die Küche auf, darüber liegt das Elternbad. Tageslicht fällt von oben durch ein kreisrundes Dachfenster.

„Die Bauherren sind eine große Freude!“, erinnert sich Thomas Kröger. „Das gemeinsame Planen und Bauen hat uns durch Hochs und Tiefs gehen lassen und am Ende gab’s ein Fest mit allen Beteiligten. So soll es sein! Die Reaktionen der Nachbarn während der Bauzeit waren ganz unterschiedlich, aber immer voller Neugier. Bis zur Kirche wurde alles Mögliche spekuliert. Im letzten Jahr durften unsere Bauherren sogar das traditionelle See-Tischtennis-Turnier austragen und sind damit auch offiziell angekommen.“

Das Untergeschoss ist aufgrund der Seenähe als Wanne aus WU-Beton ausgeführt, die Obergeschosse sind aus Holz konstruiert. Das Treppenhaus im Inneren sowie der an der Nordwand markant nach außen tretende Kamin aus Sichtbeton steifen aus. Die Fassade besteht aus sibirischer Lärche.
Querschnitt

Längsschnitt

Grundriss Dachgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Untergeschoss

Material/Hersteller: Außenwand & Fassade: Mocopinus, Lärchenschalung Lignosil Verano, Holzlasur: Keim | Ausführende Firma: BDP Baudenkmalpflege Prenzlau | Bodenbeläge & Designböden: Fliesen Bäder: Serie Loop Jasba | Bad, Sanitär & Armaturen: Badkeramik Ceramica Flaminia, Mini App WC und Mono Waschtisch, Bette Bettelux Oval Silhouette, Badarmaturen: Vola HV1, FS1 | Beleuchtung: Außenleuchten Lowie und Duell Wall Modular Lighting, Wandleuchten innen: Volem Georg Bechter Licht
Beteiligte Unternehmen: ZRS Architekten, Berlin, www.zrs.berlin/de/tragwerk-und-bauphysik | Neue Landschaftsarchitektur – Rainer Elstermann, Berlin, www.rainerelstermann.de | R. Bayer Betonstein, Blaubeuren, www.betonwerkstein.de | BDP Baudenkmalpflege, Prenzlau, www.baudenkmalpflege-prenzlau.de | Tischlerei Kathrein, Berlin, www.tischlerei-kathrein.de | Bauunternehmen Müller, Schwielowsee, www.mueller-bauunternehmen.net | Dewald & Kriesel, Prenzlau, www.dewald-kriesel.de | Fußbodentechnik Kudell, Michendorf, www.kudell.de
Maßstab
M 1:400
1Eingang
2Wohnen
3Essen
4Kochen
5Eltern
6Schlafen
7Wellness
8Dachterrasse
9Arbeiten, Werken, Gäste
„Ein Haus im Kiefernwald am See. Ein hölzernes Volumen schlank zwischen die Baumstämme gesetzt. Räume wie auf Ästen um die Stiege gelegt. Ein luftiges Zimmer in den Baumkronen.“

Thomas Kröger Architekten GmbH,
Berlin, www.thomaskroeger.net
Anzahl der Bewohner:
3
Wohnfläche (m2):
280
Grundstücksgröße (m2):
1.800
Standort: Wandlitz, Barnim
Bauweise: Holzbau mit aussteifenden Elementen aus Beton, Keller: WU-Beton
Fertigstellung: 07/2019
Architekturfotografie:
Philipp Obkircher, Berlin
www.philippobkircher.de
Lageplan

Das Bau-Kultur-Studio
Anerkennungen
von Ruinelli Associati AG Architetti SIA
in Castasegna (CH)

50 Quadratmeter ist die Cascina klein. Die sorgfältige und respektvolle Planung sowie die handwerklich anspruchsvolle Ausführung allerdings sind großartig und bieten dem Studierenden ein höchst ansprechendes Wohn- und Arbeits-Refugium.
Die Villa Garbald im schweizerischen Castasegna im Bergell, dem Tal, das den Kanton Graubünden mit Italien verbindet, ist Gottfried Sempers einziger Bau südlich der Alpen. Der berühmte deutsche Architekt entwarf das „italienische Landhaus“ 1862 für das Ehepaar Agostino und Johanna Garbald-Gredig, deren kinderlose Nachkommen es bis 1958 bewohnten. Seither sind Villa und der reiche kulturelle Nachlass der Familie im Besitz der Fondazione Garbald, die das Anwesen 2004 von den Architekten Miller & Maranta renovieren und durch den „Roccolo“ baulich ergänzen ließ. Heute ist die denkmalgeschützte Villa Ort für Gruppen und Gremien aus Wissenschaft, Bildung, Kultur und Wirtschaft. Zum „spirito“ des Seminarzentrums gehören zudem Kulturveranstaltungen. Im Frühjahr 2019 wurde das Ensemble nun wieder ergänzt, um ein kleines Studio Cascina auf der Wiese hinter der Villa, ein Haus, das Forschern und Künstlern für eine gewisse Zeit zum Leben und Arbeiten vermietet wird. Mit Armando Ruinelli, der sein Büro in Soglio führt, beauftragte die Stiftung für diese Bauaufgabe bewusst einen Architekten, der für seinen respektvollen und dabei sinnlich-atmosphärischen Umgang mit der Tradition bekannt und berühmt ist.
Das neue, 50 Quadratmeter kleine Gebäude – cascina heißt auf deutsch Bauernhof – ersetzt ein ehemaliges Kastaniendörrhaus, schließlich waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts die kalorienreichen Kastanien ein Grundnahrungsmittel der Bergeller Bürgerschaft. In den Dörrhäusern wurden die Erträge der größten Kastanienhaine Europas, die sich bis an die italienische Grenze ziehen, getrocknet, um sie zu konservieren oder weiter zu verarbeiten. Dass der Neubau in Lage, Volumen und Höhe dem vormals bestehenden Gebäude entspricht, ist dabei nicht nur der Bauordnung geschuldet, sondern auch bewusste Entscheidung des Architekten: Das von Dorfhäusern flankierte Studio greift die Bautradition auf und interpretiert sie zurückhaltend und doch sichtbar neu, auch handwerklich. Tatsächlich „von Hand“ wurden der raue Außenputz, die Stampfbeton-Wände, der Mörtelboden im Erdgeschoss und auf der Treppe oder auch die Türen und Fenster, die schlichten Möbel und die überaus feinen Verkleidungen aus Kastanienholz gearbeitet. Die Lampen entwarf Armando Ruinelli aus Industriebronze, das Keramikwaschbecken stammt von einer einheimischen Künstlerin.
Urteil der Jury
von Ulrich Nolting
„Das Ergebnis einer Architektur, bei der man die Sorgfalt der Ausführung und die Stimmung der Materialien wahrnimmt, ein Bau, der den Besucher emotional einbindet.“ Mit diesem Zitat beschreibt Armando Ruinelli von Ruinelli Associati Architetti das Gebäude mit dem Namen Studio Cascine Garbald in dem kleinen Dorf Castasegna im Schweizer Kanton Graubünden.
Das Gebäude ist ein Wiederaufbau eines bereits bestehenden Gebäudes. Die Auflage war es, diesen Wiederaufbau am selben Ort, im gleichen Volumen und in derselben Höhe zu realisieren. Rein äußerlich ist das neue Gebäude daher eingebettet in die ursprüngliche Dorfstruktur und orientiert sich optisch an den bestehenden alten Gebäuden des Dorfes und deren regionaler Bautradition, mit Blick auf Form, Farbe und Materialität. Ein kleines Steinhaus also samt dem für Graubünden üblichen Dach mit Steinplatten aus Gneis.
Ein besonderes Erlebnis erwartet die Bewohner und die Besucher, wenn sie das Haus betreten. Die vorherrschenden Materialien sind Stampfbeton und Holz. Die Räume strahlen eine wohltuende Klarheit und gleichzeitig eine sinnliche und schlichte Eleganz aus. Der Stampfbeton scheint sich zum Markenzeichen von Ruinelli zu entwickeln, kam dieser bereits bei seinem 2009 fertiggestellten Umbau eines ehemaligen Stallgebäudes zu einem Ferienhaus im Nachbardorf Soglio zum Einsatz.
Man spürt bei dem Gebäude und bei den Innenräumen, welcher Wert auf Präzision und gute Handwerksarbeit gelegt wurde. Alles wurde „von Hand“ gemacht: der raue Außenputz, die Stampfbeton-Wände, die Verarbeitung von Kastanienholz für Decken, Möbel und Fenster und die Einrichtungen wie Lampen oder das Keramikwaschbecken, das von einer einheimischen Künstlerin entworfen wurde. Eine Architektur ganz im Sinne des Eingangszitats des Architekten und natürlich der Jury.


Der Familiennachlass der Stiftung umfasst die Literatur von Mutter Johanna Garbald-Gredig (alias Silvia Andrea), das fotografische Werk von Sohn Andrea Garbald, die Familienbibliothek sowie die von Gottfried Semper erbaute Villa Garbald samt Erweiterung durch die Architekten Miller & Maranta. Mit der Cascina von Ruinelli Associati ist das Ensemble nun baukulturell noch einmal gewachsen.

Das Dach ist mit Gneis belegt, die Fenster, Türen und Verkleidungen wurden aus Kastanienholz gefertigt und erinnern an die ursprüngliche Nutzung des Vorgängerbaus: das Dörren der Kastanien aus den angrenzenden Kastanienhainen.

Stimmungsvolles Home-Office auf Zeit: Das kleine Haus, das an Forscher und Künstler vermietet wird, liegt hinter dem Gebäudekomplex der Villa Garbald. Es ersetzt an gleicher Stelle, mit gleichem Volumen und gleicher Höhe ein ehemaliges Kastaniendörrhaus.

Die Lampen aus Industriebronze wurden nach Entwürfen Armando Ruinellis handgefertigt. In Serie gegangen sind sie leider noch nicht.

Kontemplation und Konzentration suchen die Bewohner des Studios Cascina Garbald. Sie bekommen zudem: Räume, die alle Sinne ansprechen und Emotionen auslösen.
Längsschnitt

Querschnitt

Grundriss Obergeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Material/Hersteller: Dach: Gneiss | Fenster: Kastanienholz massiv | Sonnenschutz & Sichtschutz: Rollos, Silent glas | Bodenbeläge & Designböden: Mörtelboden, handgefertigt | Bad, Sanitär & Armaturen: Keramikwaschbecken, handgefertigt von einer ein heimischen Künstlerin | Armaturen: Vola | Beleuchtung: Lampen aus Industrie-Bronze, handgefertigt nach Zeichnung des Architekten | Küche & Küchenarmaturen: Kastanienholz und warmgewalztes Stahlblech nach Zeichnung des Architekten, Küchengeräte V-Zug | Innenwandgestaltung: Stampfbeton, handgefertigt
Beteiligte Unternehmen: Ganzoni AG, Vicosoprano (CH)
Maßstab
M 1:200
1Eingang
2Kochen, Essen, Wohnen
3Lager
4Schlafen
5Bad
6Ankleide
„Das Ergebnis ist eine Architektur, bei der man die Sorgfalt der Ausführung und die Stimmung der Materialien wahrnimmt, ein Raum, der den Besucher emotional einbindet.“

Armando Ruinelli
Ruinelli Associati AG Architetti SIA,
Soglio (CH)
www.ruinelli-associati.ch
Anzahl der Bewohner:
1
Wohnfläche (m2):
50
Grundstücksgröße (m2):
100
Standort: Castasegna (CH)
Bauweise: Massivbau
Baukosten: 500.000 CHF
Fertigstellung: 05/2019
Architekturfotografie:
Marcello Mariana, Morbegno (I)
www.marcellomariana.it
Lageplan

Die Charta von Luzern-Nord
Anerkennungen
von Niklaus Graber & Christoph Steiger Architekten ETH/BSA/SIA GmbH
in Emmen (CH)

Lange Arbeitswege kann sich das Paar sparen: Wand an Wand wurde ihr Haus an ihre Gewerbehalle gebaut. Der vermeintlich unattraktive Standort bietet unschlagbare Vorteile, das Haus räumlichen Luxus.
Natürlich hätten sie sich ein Grundstück im Grünen kaufen können, eine hochpreisige Wohnung in der Stadt oder ein trendiges Loft. Bezahlt hätten sie das allerdings mit weiten Wegen zu ihrem Arbeitsplatz und im Zweifelsfall auch mit einer dichten Nachbarschaft, die zur falschen Zeit grillt und sich über Musik im geselligen Kreis von Familie und Freunden nach Mitternacht beschwert. Ganz abgesehen von der Frage nach dem Flächenverbrauch und der Nachhaltigkeit eines solchen Vorhabens. Warum also nicht einfach mal wirklich radikal denken? Warum also nicht einfach ein Haus bauen, das nicht nur wenig Fläche verbraucht, sondern auch noch direkt neben dem Arbeitsplatz liegt? Heute hat das Bauherrenpaar abends und am Wochenende die filmreife Szenerie im Gewerbegebiet von Emmen, einem Vorort im Norden von Luzern, die „Emmenbronx“, wie Architekt Christoph Steiger die Agglomeration nennt, ganz für sich allein. Und das in einem Haus, dessen räumlicher Reichtum seinen Bewohnern alle Wohnwünsche erfüllt.
Dabei stand für den Bau des Wohnhauses nur ein schmaler Teil des Grundstücks zwischen den Werkhallen zur Verfügung. Das Gewerbegebiet war den Luzerner Architekten Niklaus Graber und Christoph Steiger gut bekannt: Sie hatten die Gewerbeliegenschaft für die Bauherrschaft vor dem Kauf bewertet. Jahre später kam es dann zum Auftrag für das angrenzende Wohnhaus. Um die Bauzeit kurz zu halten, entschieden sich Graber & Steiger für eine Holzelementbauweise. Ruhig, gelassen und unspektakulär fügt sich das viergeschossige Gebäude ins heterogene Quartier. Eine aus sägerohen Brettern gefügte „Rinde“ öffnet sich je nach gewünschtem Ein- und Ausblick: Richtung Norden und Süden lassen großformatige Bandfenster und ein Balkon den Blick über das Gewerbegebiet und darüber hinaus zu, an den Längsseiten sorgen drehbare Holzlamellen für die natürliche Belichtung und Belüftung der Innenräume. Die optische und akustische „Lautstärke“ der Umgebung im Gebäudeinnern wird somit, so die Architekten, nicht als Störfaktor empfunden, sondern als Hintergrund, der dem Empfinden entsprechend reguliert werden kann.
Smarte Haustechnik brauchen die Nutzer ebenso wenig wie teure Materialien. Der Luxus dieses Hauses ergibt sich aus der abwechslungsreichen Raumchoreographie, die sich über eine einläufige Treppe erschließt. Der großzügige Wohnbereich im zweiten Obergeschoss öffnet sich hoch bis unters flache Walmdach, das von sechs Oberlichtern durchbrochen wird. Die Spindeltreppe verbindet mit der Galerie, die Dachöffnungen mit dem Himmel.
Urteil der Jury
von Roland Merz
Das Einfamilienhaus ist eine Wohnform, die in der räumlich beschränkten Schweiz mehr in der Diskussion steht als anderswo und doch für viele nach wie vor ein großer Wohntraum ist. Umwelt- und Landschützer bewerten den Landverschleiß im kleinen Alpenland nicht wirklich als positiv. In der Architekturszene ist dieses Thema seit einiger Zeit angekommen, und man ist auf der Suche nach überzeugenden Möglichkeiten.
Eine wohltuend erfrischende Lösung hat das Schweizer Architekturbüro Graber & Steiger verwirklicht. In einer konventionellen Gewerbezone vor den Toren der Stadt Luzern haben die Architekten auf einem sehr schmalen Grundstück den vielgepriesenen Traum von Wohnen und Arbeiten in unmittelbarer Nähe in die Tat umgesetzt.
Niklaus Graber und Christoph Steiger haben ein architektonisch überzeugendes Wohnhaus entworfen, welches im Innern trotz kleinem Budget überraschende, räumliche Qualitäten aufweist. „Das Raumerlebnis liegt in diesem Wohnhaus nicht in horizontal messbaren Quadratmeterzahlen, sondern in der gefühlten Großzügigkeit der Vertikalität“, so die Architekten. Ruhig, gelassen und unspektakulär steht das dreistöckige Gebäude, welches in Holzelementbauweise errichtet wurde, in diesem heterogenen Quartier und verströmt „die charmante Direktheit einer Gewerbebaute“. Graber & Steiger haben beim Fassadenkonzept trotz der engen Platzverhältnisse und der „rohen und lauten“ Umgebung nicht auf Abschottung gesetzt. „Das dialogische Verhältnis zur Nachbarschaft führt dazu, dass der neue Baustein im Industriequartier trotz seiner nutzungsbedingten Andersartigkeit nicht als Eindringling, sondern als gleichberechtigter Mitspieler wahrgenommen wird“, umschreiben die Luzerner Architekten ihr Projekt. Und am Abend, wenn die Arbeiter und ihre Maschinen in den umliegenden Gewerbebauten verstummt sind, gehört die filmreife Szenerie ganz alleine den neuen Bewohnern – und sie können genüsslich das Leben preisen.

Die Charta von Athen forderte 1933 die räumliche Trennung von Wohnen, Freizeit, Arbeiten und Verkehr. Heute diskutieren Architekten über Verdichtung, Umnutzung, Bauen im Bestand. Das Wohnhaus im Gewerbegebiet zeigt, dass die Verbindung von Wohnen und Arbeiten Zukunft hat.

Das Low-Cost- und Low-Tech-Projekt in einer als unwirtlichgeltenden Umgebung reduziert nicht nur den Weg zwischen Arbeits- und Wohnort auf null. Die radikal nachhaltige Pionierleistung der Bauherrschaft zeigt auch, dass bisher unbeachtete Allerweltsquartiere richtige und qualitätvolle Orte für eine gut durchmischte Verdichtung sein können.


Der Baukörper ist kompakt und reiht sich bescheiden ein in das heterogene Gewerbegebiet. Die innenräumliche Opulenz sorgt jedoch für unterschiedliche Stimmungen. Dabei kommt das Haus ganz ohne teure Materialien oder aufwendige Haustechnik aus. „Der Bau von Einfamilienhäusern ist schon an und für sich gesellschafts- und umweltpolitisch problematisch. So ist es für uns eine große Herausforderung und auch ein drängendes Anliegen, bei der Realisierung eines Einfamilienhauses nebst den Interessen der Bauherrschaft auch die Anliegen der Allgemeinheit im Auge zu behalten. Im vorliegenden Fall konnten wir Felder bearbeiten, die bei herkömmlichen Einfamilienhäusern oft außen vorgelassen werden. Die Verdichtung und die Weiterentwicklung von Bestehendem, das synergetische Vereinen von Wohnen und Arbeiten machen das Projekt im ganzheitlichen Sinne nachhaltig.“ — Christoph Steiger

Das Projekt liegt in einer Zone, die für gewerbliche und industrielle Nutzungen vorgesehen ist. Wohnnutzungen sind nur dann erlaubt, wenn sie für die Betriebsinhaber und für betrieblich an den Standort gebundenes Personal erstellt werden. Die Gebäudestruktur musste dementsprechend so gewählt werden, dass bei einem Wegzug der Bauherrschaft auch eine gewerbliche Nutzung des Gebäudes möglich ist.
Querschnitt

Längsschnitt

Grundriss Galerie

Grundriss 2. Obergeschoss

Grundriss 1. Obergeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Beteiligte Unternehmen: schaerholzbau ag, Altbüren (CH), www.schaerholzbau.ch
Maßstab
M 1:200
1Eingang
2Garage
3WC
4Schlafen
5Bad
6Kochen, Essen, Wohnen
7Wohnen
„Wir operieren an der Schnittstelle zwischen den Interessen der Bauherrschaft und den Anliegen der Allgemeinheit. Der Entwurf eines privaten Eigenheims ist immer auch im Licht öffentlicher Interessen zu denken.“

Niklaus Graber & Christoph Steiger
Architekten ETH/BSA/SIA GmbH,
Luzern (CH)
www.grabersteiger.ch
Anzahl der Bewohner:
2
Wohnfläche (m2):
158
Grundstücksgröße (m2):
84,5
Standort: Emmen (CH)
Bauweise: Holzbau
Fertigstellung: 2020
Architekturfotografie:
Dominique M. Wehrli, Dietikon (CH)
www.atelierwehrli.ch Archiv Graber Steiger
Lageplan

Darmowy fragment się skończył.