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KPU – KRYPTOPYRROLURIE
VERSTEHEN • URSACHEN BEHANDELN • BESCHWERDEFREI LEBEN
Dr. med. Joachim Strienz

Leben Sie nicht länger mit den Beschwerden

KPU (Kryptopyrrolurie) wird durch eine Störung im Porphyrie-Stoffwechsel verursacht und führt zu einem Verlust von Vitamin B6, Zink und Mangan im menschlichen Organismus. Die Folgen sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und betreffen verschiedene Organsysteme.
Frauen erkranken häufiger als Männer. Alle Altersgruppen können betroffen sein. Diese Stoffwechselstörung ist in Deutschland wenig bekannt, obwohl sie bereits in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA von Carl C. Pfeiffer entdeckt worden war. Viele dieser Patienten leiden an einer Unterfunktion der Schilddrüse, verursacht durch eine Hashimoto-Thyreoiditis. In unserer Praxis wurden viele Patienten mit dieser Schilddrüsenerkrankung behandelt. Trotz optimaler Substitutionstherapie mit L-Thyroxin gab es immer wieder Patienten, die keinerlei Verbesserung ihrer Beschwerden verspürten, weshalb auch Untersuchungen zum Ausschluss weiterer Autoimmun-erkrankungen durchgeführt wurden.
Den Anstoß gaben die Patienten selbst, indem sie mich auf Kryptopyrrolurie aufmerksam machten. Die Skepsis war zunächst groß, denn es gab viele offene Fragen. Als aber die ersten Therapieversuche Erfolg zeigten, war der Weg frei, sich intensiver mit dieser Stoffwechselstörung zu befassen.
Es wäre zu hoffen, dass künftige Forschungen die Ursachen noch weiter abklären könnten, um die Therapie zu verbessern. Dieser Stoffwechselstörung fehlt die Dramatik der klassischen Porphyrie, denn sie nimmt einen schleichenden, chronischen Verlauf. Die Folgen für den Patienten sind allerdings trotzdem von großer Bedeutung. Dieser Ratgeber soll helfen, mit dieser Erkrankung besser zurechtzukommen.
Um dabei stets den neuesten Stand der Medizin wiedergeben zu können, wird der Ratgeber laufend aktualisiert.
Jetzt ist es soweit! Es kommt nun schon die 7. Auflage. Das Buch wird also gelesen, und es beschäftigen sich Menschen mit dem Thema KPU. Es hat auch nicht an Aktualität verloren. Trotzdem war es jetzt Zeit, das Buch einmal genau durchzusehen, ob sich in der Zwischenzeit Veränderungen ergeben haben. Dieses Buch soll nicht statisch sein, denn in der Medizin ist wie überall das Wissen im Fluss. Dinge ändern sich. Neues kommt hinzu und Überholtes kann weg. Dadurch entsteht Lebendigkeit und Frische. Ich hoffe, dass dem Leser dies auffällt.
Zwei neue Kapitel sind dazugekommen. Endlich wird auch das Problem mit den schlechten Zähnen thematisiert und es gibt Vorschläge zur Verbesserung der Zahngesundheit.
Und dann noch ein Kapitel über Impfungen. Hierzu gibt es sehr kontroverse Meinungen. Ich habe mich klar für Impfungen entschieden und dies auch begründet. Das wird Stoff für Diskussionen geben. Das werde ich aber aushalten. Das Buch wird dadurch nur noch lebendiger.
Ich bedanke mich sehr beim Verleger des Zuckschwerdt-Verlags, Herrn Dr. Jörg Meidenbauer, für sein Interesse an der Fortführung und an der weiteren Verbesserung dieses Buches.
Joachim Strienz

Inhalt
Leben mit KPU – Kryptopyrrolurie
Leben Sie nicht länger mit den Beschwerden
Basics
KPU oder HPU?
Was ist der Unterschied?
Das Wichtigste auf einen Blick
Was bedeutet KPU, was bedeutet HPU?
Woher kommt das Pyrrol?
Was passiert bei der Ausscheidung über die Nieren?
Wie häufig kommt diese Krankheit vor?
Ist diese Krankheit erblich?
Ist diese Krankheit ansteckend?
Wie wird KPU im Labor festgestellt?
Welche Symptome sprechen für KPU?
Ist KPU heilbar?
Beispielhafte Krankheitsverläufe
Tipps zum Leben mit KPU
Wer soll mich ärztlich betreuen?
Was ist wichtig beim Arztbesuch?
Soll ich weitere Behandlungen mit anderen Medikamenten durchführen lassen?
Darf ich Sport treiben oder in die Sauna gehen?
Darf ich mich sonnen?
Physiotherapie. Welche Anwendungen sind hilfreich?
Familie und Partnerschaft
Krankschreibung, Behinderung, Berentung
Zusammenfassung
Symptome und Diagnostik
Symptome und Ursachen
KPU, nitrosativer Stress und Mitochondropathie
Wie lassen sich die Beschwerden erklären?
Untersuchungsmethoden
Basisuntersuchung
Zusatzuntersuchungen
Angeboren oder erworben?
Zusammenfassung
Einfluss von KPU auf andere Erkrankungen und Beschwerden
KPU und Schilddrüsenerkrankungen
Vorkommen und Häufigkeit
Wie wird eine Hashimoto-Thyreoiditis festgestellt?
Welche Beschwerden können auftreten?
Wie kommt es zur Schädigung der Schilddrüse?
KPU und Histamin
Was sind biogene Amine?
Funktionen von Histamin
Histamin bei KPU
KPU und Gluten
Was ist Gluten?
Diagnosestellung
Sind Antikörperbestimmungen ein Ersatz für die Biopsie?
Therapie
KPU und latente Zöliakie
ATI-Sensitivität oder Weizensensitivität
KPU und der Zuckerstoffwechsel
Fruchtzuckerunverträglichkeit
KPU und Probleme mit dem Blutzucker
KPU und Proteine in der Nahrung
KPU und Progesteron
Progesteron
Wechseljahre (Menopause)
Bedeutung für KPU-Patientinnen
KPU und die Nebennieren
Kortisol
Mögliche Auslöser einer Nebennierenschwäche
Welche Labortests sind geeignet?
Symptome der Nebennierenschwäche
Wie kann eine Nebennierenschwäche wieder rückgängig gemacht werden?
KPU und Zähne
KPU und Medikamentenunverträglichkeit
KPU und Muskel- und Gelenkschmerzen
KPU und Psyche
Wie lassen sich psychische Erkrankungen erklären?
KPU und das Schriftbild
Kinder mit KPU
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS)/Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
Dopamin
Serotonin
Glutamat und GABA
KPU und die auditive Wahrnehmungsstörung
KPU, der Schlaf und die Rolle des Serotonins
Rolle des Melatonins als Auslöser des Schlafes
KPU und Elektrosmog
KPU und Impfungen
Zusammenfassung
Ernährung, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
Gewichtsprobleme bei KPU
Ursachen der Gewichtszunahme
Ernährung
KPU und Vitamin D
Klassische Wirkungen von Vitamin D
Neu entdeckte Wirkungen von Vitamin D
Wie viel Vitamin D brauchen wir?
Welche Lebensmittel enthalten Vitamin D?
Wie sieht die Versorgung mit Vitamin D aus?
Hat sich die Versorgungssituation geändert?
Was sind die Folgen des Vitamin-D-Mangels?
Vitamin D und KPU
Vitamin K2, Partner des Vitamin D
Wieviel Vitamin K2 brauchen wir?
KPU und Zink
Kann die Zinkaufnahme verbessert werden?
Versorgung mit Zink
Interaktionen
Einnahmeempfehlungen
KPU und Eisen
Eisenaufnahme und Verteilung
KPU, Mangan und die Superoxiddismutase
Welche Funktionen erfüllt Mangan im Körper?
Superoxiddismutasen
Zusammenfassung
Therapie und Ausleitung
Therapie
Ausgleich des Mikronährstoffdefizits an Vitamin B6, Zink und Mangan
Behandlung der Folgeerkrankungen
Behandlung der Mitochondropathie
Entgiftung und Ausleitung
Zusammenfassung
Anhang
Tabellen (Fruktose, Histamin, Vitamin B6, Zink, Mangan)
Fruktose
Histamin
Vitamin B6
Zink
Mangan
Kryptopyrrol und Porphyrien
Was sind Porphyrien?
Was sind die Hauptbeschwerden bei Porphyrie?
Einteilung der Porphyrien
Ist Kryptopyrrolurie eine Porphyrie?
Wo liegt der Unterschied zur Porphyrie?
Weitere Informationen
Bücher zum Thema
Website
Labors zur Bestimmung von Kryptopyrrol oder Hämopyrrollaktam
Bezug von Mikronährstoffen
Nachwort
Stichwortverzeichnis
Basics
KPU oder HPU?
Das Wichtigste auf einen Blick
Tipps zum Leben mit KPU
Zusammenfassung
KPU oder HPU?
Kryptopyrrol ist chemisch exakt 2,4-Dimethyl-3-Ethylpyrrol. Diese Verbindung wurde erstmals von Donald G. Irvine 1969 entdeckt und 1970 von A. Sohler, dem leitenden Chemiker des Brain Bio Centers in Princeton, NJ, bestätigt.
HPU (5-Hydroxy-Hämopyrrollaktam-Zink-Chelat-Komplex) ist eine chemische Verbindung, die im Urin nachgewiesen werden kann. Sie wurde um das Jahr 2000 in den Niederlanden von Mitarbeitern des KEAC (Klinisch Ecologisch Allergie Centrum) in Weert in Zusammenarbeit mit der Universität in Wageningen als Hauptbestandteil einer Stoffwechselstörung identifiziert.
Was ist der Unterschied?
Es sind unterschiedliche Messmethoden. Die Amerikaner machen keinen Unterschied und nennen die Patienten einfach „Pyrrolics“. In Europa existieren beide Bezeichnungen. Die Labors in Deutschland und in der Schweiz messen meist Kryptopyrrol. In den letzten Jahren wird bei uns zunehmend auch HPU gemessen.
Eine Kryptopyrrol-Bestimmung weicht nur geringfügig von einer HPU-Bestimmung ab, die aufwendiger und teurer ist. Tapan Audyha hat einen Korrelationsfaktor für beide Tests entwickelt. Er liegt bei 0,92. Anders ausgedrückt: Es besteht eine starke Übereinstimmung zwischen den Testergebnissen, die man beim „HPU-Test“ oder beim „KPU-Test“ (Kryptopyrrol-Test) erhält. Deshalb gehe ich davon aus, dass Patienten, bei denen ausschließlich auf HPU getestet wurde, sehr ähnliche klinische Symptome aufweisen wie Patienten mit KPU und die Therapie sich ebenfalls nicht wesentlich unterscheidet. Ein gemeinsamer Begriff für beide Krankheitsbezeichnungen ist die Bezeichnung „Pyrrolurie“.
Die Untersuchungsergebnisse in diesem Buch wurden überwiegend an Patienten mit einer erhöhten morgendlichen Ausscheidung von Kryptopyrrol im Urin erhoben. Im Text wird deshalb die Bezeichnung Kryptopyrrolurie bevorzugt, neben den Begriffen KPU und HPU.
Das Wichtigste auf einen Blick
Wenn Ihr Arzt Ihnen mitteilt, dass Sie an KPU leiden, ergeben sich sehr viele Fragen. Dieser Ratgeber soll Ihnen helfen, mit Ihrer Erkrankung besser zurechtzukommen und die Krankheitssymptome besser zu deuten. Nicht alle Symptome müssen bei Ihnen vorkommen. Dieser Ratgeber soll auch mithelfen, dass Ihre Mitmenschen Sie besser verstehen. Dadurch können Missverständnisse vermieden werden.
Was bedeutet KPU, was bedeutet HPU?
KPU ist eine Abkürzung für Kryptopyrrolurie. Kryptopyrrol ist eine chemische Substanz, die über den Urin ausgeschieden wird. Der exakte chemische Name ist 2,4-Dimethyl-3-Ethylpyrrol. Eine ältere Bezeichnung ist Malvaria. Die Substanz wurde 1969 entdeckt. Es ist das Verdienst von Carl Curt Pfeiffer am Brain Bio Center in Princeton, New Jersey, dass ab 1970 klinische Untersuchungen über diese Erkrankung stattfanden. Seine Forschung wirkt bis heute. HPU steht für 5-Hydroxy-Hämopyrrollaktam-Zink-Chelat-Komplex. Diese chemische Verbindung kann ebenfalls im Urin nachgewiesen werden.
Woher kommt das Pyrrol?
Pyrrole sind Bausteine des Häms, also des roten Blutfarbstoffs. Aber auch das Entgiftungssystem der Leber Zytochrom P 450 besteht aus diesen Bausteinen. Es handelt sich um komplexe Ringsysteme, in deren Zentrum ein Metall-Ion als Zentralatom gebunden ist. Beim Hämoglobin ist es Eisen. Von Bedeutung ist, dass es aufgrund mehrerer Enzymdefekte zu Häm-Synthese-Störungen kommt, wodurch ein Anstieg von Pyrrolen im Blut auftritt. Diese Pyrrole werden schließlich über die Niere ausgeschieden.
Was passiert bei der Ausscheidung über die Nieren?
Das Pyrrol bildet mit Pyridoxal-5-Phosphat, das ist die chemische Bezeichnung für aktiviertes Vitamin B6, Zink und auch in geringerem Ausmaß mit Mangan einen Komplex, der dann mit dem Urin ausgeschieden wird. Durch diesen Vorgang kommt es zu einem Defizit dieser Stoffe im menschlichen Körper, das allein mit der Ernährung nicht ausgeglichen werden kann.
Wie häufig kommt diese Krankheit vor?
Es wird geschätzt, dass bei etwa 10 % der Bevölkerung Kryptopyrrol im Urin nachweisbar ist. Dabei können viele dieser Menschen jedoch völlig ohne Symptome sein. Frauen sind viel häufiger betroffen als Männer. Das Verhältnis beträgt etwa 8:1.
Ist diese Krankheit erblich?
Eine familiäre Häufung ist feststellbar, es scheint eine genetische Anlage zu bestehen. Es wurde außerdem beobachtet, dass in diesen Familien häufiger Mädchen als Jungen geboren werden.
Ist diese Krankheit ansteckend?
KPU ist nicht ansteckend wie beispielsweise Schnupfen. Auch über eine Bluttransfusion ist diese Stoffwechselstörung nicht übertragbar.
Wie wird KPU im Labor festgestellt?
Für die Urinuntersuchung werden etwa 10 ml frischer morgendlicher Urin benötigt, der in ein Spezialröhrchen eingefüllt wird, das Vitamin C als Stabilisator enthält. Der Urin muss spätestens nach fünf Tagen untersucht werden.
Alle Vitamin-B6-Präparate und Zink müssen eine Woche lang vorher abgesetzt werden, weil sonst das Messergebnis zu niedrig ausfallen kann (falsch negativ). Die Messung erfolgt mit einem UV-Photometer bei 540 nm Wellenlänge. Bei der Messung von KPU ist ein Wert über 13 µg/dl pathologisch. Wenn HPU, der 5-Hydroxy-Hämopyrrollaktam-Zink-Chelat-Komplex, gemessen wird, liegt der Grenzwert bei 0,6 µmol/l.
Welche Symptome sprechen für KPU?
KPU ist verantwortlich für eine Vielzahl von Beschwerden und Symptomen. Nicht alle müssen zutreffen. Hier eine Zusammenstellung:
Äußeres Erscheinungsbild

KPU-Betroffene sind häufig sehr blass.
Das Gesicht ist blass, manchmal zeigt sich auch ein gelblicher Schimmer. Es wird über Juckreiz am Körper berichtet. Das Gesicht wird auch in der Sonne nicht braun im Gegensatz zu den Oberarmen, die durchaus gebräunt sein können. Dadurch wird der Unterschied der Hautfarbe noch deutlicher. Sonnenlicht wird allgemein schlecht vertragen, ebenso grelles Licht. Das Gesicht ist etwas aufgedunsen mit Schwellungen im Bereich der Wangen und um die Augen. Es fallen Augenringe auf. Scheinbar liegen die Augen tiefer in den Augenhöhlen. Die Schneidezähne sind betont und liegen eng zusammen. Der Zahnschmelz ist weich und oft sind die Zähne kariös. Die Lippen sind blass und die Bindehäute der Augen sind hell. An der Haut sind Bindegewebsstreifen (Striae) wie nach einer Schwangerschaft zu sehen, z.B. an Oberschenkeln, Brüsten und Hüften. Die Fingernägel weisen weiße Flecken auf. Die Haare sind oft licht und es wird über Haarausfall berichtet. Manchmal besteht ein süßlicher Körpergeruch. Akne, Ekzeme und Schuppenflechte kommen gehäuft vor.
Bewegungsapparat

Viele KPU-Betroffene können ihren Daumen weit überstrecken.
Die Gelenke sind allgemein überbeweglich (Hypermotilität). Arme, Hände und Finger können überstreckt werden. Eine Besonderheit ist, dass der Daumen so weit überstreckt werden kann, dass er fast bis zur Innenseite des Unterarmes reicht, wo der Puls gemessen werden kann. Im späteren Leben tritt allerdings dann eine zunehmende Steifheit der Gelenke ein, vor allem im Knie- und Beckenbereich. Die Muskulatur ist schwach, es besteht eine allgemeine Muskelschwäche. Dies betrifft vor allem die Arme und den Rumpf. Die Beinmuskulatur ist besser entwickelt. Da rasch eine Überforderung des Bewegungsapparates eintritt, klagen die Patienten oft über Muskel- und Gelenkschmerzen, die uncharakteristisch sind und bisher schlecht auf eine Therapie angesprochen haben.

Viele KPU-Betroffene haben überbewegliche Gelenke.
Magen- und Darmbeschwerden
Magen- und Darmbeschwerden sind häufig. Sehr oft wird berichtet, dass schon kurze Zeit nach dem Essen der Bauch aufgebläht ist und schmerzt. Übelkeit, vor allem morgens, ist häufig. Durchfall und Verstopfung wechseln sich ab. Auch über verstärkten Mundgeruch wird geklagt. Eine vegetarische Ernährung wird oft bevorzugt.
Herz-Kreislauf-System
Bei vielen Patienten mit Kryptopyrrolurie kann im Blut ein erhöhter Homozysteinspiegel gemessen werden. Bis heute ist allerdings nicht geklärt, ob diese Tatsache zu einer Zunahme kardiovaskulärer Erkrankungen führt.
Menstruationsbeschwerden, Schwangerschaftsprobleme, Potenzstörungen
Frauen berichten häufig über eine unregelmäßige Menstruation, klagen über prämenstruelle Syndrome wie vermehrte Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Spannungsgefühl der Brüste, der Füße und Hände und Schmerzen im Unterbauch. Schwangerschaftserbrechen tritt gehäuft auf. Die Fruchtbarkeit ist herabgesetzt. Schwangerschaftskomplikationen sind häufiger als bei gesunden Frauen. Da Männer seltener an dieser Erkrankung leiden, ist eine Aussage über Potenzstörungen schwierig. Dieses Problem scheint aber bei jungen Männern gehäuft aufzutreten.
Psychische und psychosomatische Störungen
Eine Verschlechterung des Gedächtnisses, vor allem des Kurzzeitgedächtnisses, wird sehr häufig beobachtet. Die Patienten können sich nicht mehr an ihre Träume erinnern. Vor allem Gehörtes können sich die Patienten schlecht merken. Dies führt dazu, dass im Gespräch immer wieder Zwischenfragen gestellt werden, um das Gehörte besser behalten zu können. Auch das Namensgedächtnis ist schlecht. Die Konzentrationsfähigkeit ist herabgesetzt. Die Stimmungslage ist häufig depressiv. Sie wirken erschöpft. Unter Stressbelastung verstärken sich die Leistungsdefizite. Ängste und Panik nehmen zu. Die Folge ist meist ein Rückzug vom gesellschaftlichen Leben. Beschrieben sind auch psychotische Störungen, Halluzinationen und Schizophrenie. Kinder können hyperaktiv sein. Andererseits sind diese Menschen kreativ und originell.
Störungen des Immunsystems
Infekte der oberen Luftwege und Blasenentzündungen bei Frauen kommen gehäuft vor. Bei Kindern sind wiederkehrende Mittelohrentzündungen vorherrschend.
Medikamentenunverträglichkeit
Viele Medikamente werden schlecht vertragen und die Patienten reagieren stark mit Nebenwirkungen. Falls Medikamente erforderlich sind, muss Ihr behandelnder Arzt entscheiden, ob die Medikamentendosis reduziert werden muss. Die wirksame Dosis eines Medikamentes kann 25 % der sonst üblichen Dosierung betragen. Sogenannte porphyrinogene Stoffe sollten vermieden werden. Dies sind chemische Verbindungen oder Hormone, die zu einer Verschlechterung des Häm-Stoffwechsels führen und Krankheitssymptome auslösen können.
Schilddrüsenunterfunktion
Viele Patienten mit KPU leiden an einer Schilddrüsenunterfunktion, wodurch die Beschwerdesymptomatik verstärkt wird.
Ist KPU heilbar?
Die Symptome von KPU können durch die Einnahme von Mikronährstoffen deutlich vermindert oder sogar vollständig beseitigt werden. Vitamin B6, Zink und Mangan müssen dem Körper zugeführt werden. Die vollständige Rückbildung der Symptome kann allerdings Monate dauern und ist abhängig vom Lebensalter. Bei Kindern werden oft sehr rasche Verbesserungen beobachtet. Falls eine Abschwächung der Symptomatik ausbleibt, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Die Abklärung der Schilddrüsen- und der Nebennierenfunktion steht dann ganz im Vordergrund. Auch eine Überprüfung des Histamin-Stoffwechsels ist sinnvoll. Insgesamt erfordert die Behandlung viel Geduld und Verständnis für die Besonderheiten der Erkrankung.
Beispielhafte Krankheitsverläufe
Um die Vielfalt der Krankheitsverläufe zu zeigen, sind hier einige Beispiele dargestellt.
Chronische Müdigkeit · Depression · Hashimoto
Eine 35-jährige Frau klagt über starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Sie ist nur noch in der Lage, vier Stunden am Tag am Empfang einer Kanzlei zu arbeiten. Ihre Vergesslichkeit hat trotz eines ausgefeilten Merksystems zugenommen. In der Urlaubszeit, wenn sie vier Wochen in Vollzeit arbeiten muss, bricht sie fast zusammen. Nach der Arbeit muss sie sich sofort hinlegen. Alle Arbeit im Haushalt bleibt liegen. Der Kontakt zu Freunden und Bekannten ist nicht möglich. Seit Jahren nimmt sie ein Antidepressivum vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ein, zuletzt nur noch in ganz niedriger Dosis, weil keine Besserung in Sicht ist. Mehrere stationäre Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken haben ihr nicht geholfen. Bei der Arbeit zittert sie so, dass sie täglich größere Mengen Baldrian einnimmt, um nicht aufzufallen. Gleichzeitig leidet sie an der atrophischen Form einer Hashimoto-Thyreoiditis, einer entzündlichen Schilddrüsenerkrankung.
Es besteht eine Hypothyreose, sodass Schilddrüsenhormon substituiert werden muss. Nach Erreichen einer normalen Stoffwechsellage kommt es zu keiner Verbesserung. Eine Nebenniereninsuffizienz konnte durch ein Kortisol-Tagesprofil mithilfe eines Speicheltestes ausgeschlossen werden. Die Ausscheidung von Kryptopyrrol ist erhöht. Eine Therapie mit Mikronährstoffen wird begonnen.
In der Zwischenzeit ist ein halbes Jahr vergangen. Die Patientin wirkt im Gespräch zugewandter und aufgeschlossener. Sie kann besser über ihre Probleme sprechen. Die Arbeitsleistung hat sich verbessert, ohne dass schon von einer Normalisierung gesprochen werden kann. Sie macht weniger Fehler und vergisst auch weniger.

Bauchschmerzen · Panikattacken · Unverträglichkeiten
Eine 30-jährige Patientin berichtet über diffuse Bauchschmerzen. Sie hatten im Oberbauch begonnen und waren dann in den linken Unterbauch gewandert. Mehrfach durchgeführte gynäkologische Untersuchungen hatten keinen pathologischen Befund ergeben. Die Patientin ist sehr besorgt. Der Tastbefund ist allerdings unauffällig. Zunehmend treten Panikattacken auf und Weinkrämpfe. Sie glaubt, dass sie an einer schweren Erkrankung leidet. Eine ausführliche stationäre gastroenterologische Abklärung ergibt eine unspezifische Kolitis des gesamten Kolons, der obere Gastrointestinaltrakt weist einen unauffälligen Befund auf. Eine Zöliakie konnte endoskopisch ausgeschlossen werden. Die Laboruntersuchung ergab allerdings Antikörper gegen Gliadin, einer Eiweißkomponente des Klebereiweißes (Gluten) im Getreide. Eine Fruchtzuckerunverträglichkeit wurde im H2-Atemtest nachgewiesen. Eine Therapie mit Mesalazin, wie von der Klinik vorgeschlagen, bringt rasch eine Besserung der Beschwerden. Nach Dosisreduktion treten die Beschwerden allerdings wieder auf. Der Patientin wird ein Test auf Kryptopyrrol im Urin vorgeschlagen. Dieser ist eindeutig positiv.
Eine Therapie mit Mikronährstoffen wird begonnen. Nach 14 Tagen ist die Patientin beschwerdefrei. Kurzfristig kommt es wieder zu einem Rückfall, als die Patientin nach längerer Arbeitslosigkeit ihre neue Arbeitsstelle in einer weit entfernten Großstadt antreten soll.
Chronische Müdigkeit · Gelenkschmerzen
Ein 33-jähriger Mann beklagt ein Nachlassen seiner Konzentrationsfähigkeit. Sitzungen nachmittags kann er nur mit Mühe durchstehen ohne einzunicken. Er geht zum Arzt, weil bei seiner Tochter eine erhöhte Ausscheidung von Kryptopyrrol im Urin festgestellt wurde. Ihre Schulleistung hatte nachgelassen. Seit Monaten hat er Rücken- und Gelenkschmerzen. Er war schon beim Orthopäden. Die Behandlung hat aber nicht angeschlagen. Kryptopyrrol ist auch bei ihm positiv. Bereits 14 Tage nach der Behandlung mit Mikronährstoffen ist er beschwerdefrei.

Depression · Stimmungsschwankungen · Potenzstörungen
Ein 40-jähriger Mann ist seit Jahren wegen einer Depression in psychotherapeutischer Behandlung. Mehrere Behandlungsversuche mit Antidepressiva wurden unternommen. Er ist depressiv, gleichzeitig aber sehr gereizt, ja aggressiv. „Alles ist falsch gelaufen“, bringt er es auf den Punkt. Nach dem Abitur hat er ein Studium begonnen, dann wieder abgebrochen, weil er sich nicht mehr konzentrieren konnte. Zunächst hat er gejobbt, war dann vorübergehend auch selbstständig und ist immer wieder gescheitert. Bei seinem 10-jährigen Sohn beobachtet er eine ähnliche Entwicklung. Jetzt leidet er auch noch an Potenzstörungen. Vater und Sohn haben stark erhöhte Kryptopyrrol-Werte im Urin. Beim Vater besteht außerdem ein deutlicher Androgenmangel.
Beide erhalten eine Mikronährstofftherapie mit Vitamin B6, Zink und Mangan, der Vater zusätzlich eine Androgenersatztherapie. Die depressive Stimmungslage des Vaters bessert sich nur sehr langsam. Der Sohn verändert sich sehr stark. Die Lehrerin glaubt, ein Wunder sei geschehen, weil der Junge sich jetzt plötzlich für die Schule interessiert. Auch die Fressattacken des Jungen nehmen ab.

Morgenübelkeit · Vergesslichkeit · Hormonschwankungen
Bei einer 26-jährigen Frau besteht nach einer Schwangerschaft weiterhin starke morgendliche Übelkeit. Die Patientin ist untergewichtig. Die Pigmentation der Haut ist verstärkt. Die bisherigen Untersuchungen in der Klinik haben keine Erklärung für die Beschwerdesymptomatik erbracht. Eine Psychotherapie hat sie unterbrochen, weil sie glaubt, dass sie körperlich krank sei. Sie ist sehr vergesslich geworden. Um sich abzulenken und als Training, übersetzt sie Bücher in eine Fremdsprache. Nach der Schwangerschaft sind keine Regelblutungen mehr aufgetreten. Die Ausscheidung von Kryptopyrrol ist sehr hoch, der Messwert liegt bei 89 µg/dl. Der Progesteronwert liegt sehr niedrig. Eine Behandlung mit Mikronährstoffen hat nach sechs Monaten keine Besserung erbracht. Die Schilddrüsenfunktion ist normal. Es gibt keine Hinweise für eine Thyreoiditis. Eine Substitutionstherapie mit einer Progesteroncreme wird begonnen. Ein Speicheltest zum Ausschluss einer Nebenniereninsuffizienz wird der Patientin empfohlen.

Rückenschmerzen · ADHS · Anämie
Eine 40-jährige Frau wird beim Orthopäden wegen einer Sakroileitis, einer entzündlichen Veränderung der Ilio-Sakral-Gelenke im unteren Rücken, behandelt. Die Mutter von drei Mädchen hat oft Schmerzen beim Gehen und Drehen im Bett bei Nacht. Ein gynäkologisches Geschehen konnte ausgeschlossen werden. Bei der Blutuntersuchung ist das CRP erhöht, das Eisen ist erniedrigt, es besteht eine Anämie. Seit Jahren nimmt sie Methylphenidat ein, weil bei ihr und allen Kindern ADHS festgestellt worden war. Auch ihre Kinder werden mit Methylphenidat behandelt. Gedächtnisleistung und Konzentration sind eingeschränkt. Gehäuft bestehen Infekte der oberen Luftwege und Nasennebenhöhlenentzündungen. Der AST-Wert ist ständig erhöht. Bei der Patientin und allen Kindern ist die Ausscheidung von Kryptopyrrol im Urin erhöht.
Alle werden mit Mikronährstoffen behandelt. Nach vier Wochen berichtet die Mutter, dass sich die Kindern jetzt besser konzentrieren könnten und das Chaos zu Hause abgenommen habe. Bei ihr hätten die Schmerzen im Becken noch nicht nachgelassen.
Tipps zum Leben mit KPU
Kryptopyrrolurie ist eine angeborene Stoffwechselstörung, die wahrscheinlich eine lebenslange Therapie erfordert, auch wenn wieder Beschwerdefreiheit eingetreten ist. Aus diesem Grund sollten Sie einige Dinge beachten. Je besser Sie die Krankheitssymptome und die Therapie verstehen, umso besser können Sie mit der Krankheit umgehen.

Kryptopyrrol wird im Urin bestimmt.
Aufgrund Ihrer Beschwerdesymptomatik hatten Sie sich entschlossen, eine Bestimmung von Kryptopyrrol oder HPU im Urin durchführen zu lassen. Das Speziallabor hat nun festgestellt, dass der Wert von Kryptopyrrol oder HPU erhöht ist. Es ist davon auszugehen, dass bei Ihnen KPU vorliegt und sich Ihr Körper in einer Mangelsituation befindet.
Es wurde Ihnen deshalb geraten, eine Behandlung mit Mikronährstoffen durchführen zu lassen. Es sind Vitamin B6, Zink und Mangan, die Ihrem Körper zusätzlich zur normalen Ernährung zugeführt werden müssen. Eine Messung der fehlenden Mikronährstoffe im Blut ist nicht sinnvoll, weil die Höhe der Konzentration im Blut nicht die Verhältnisse in den Körperzellen widerspiegelt. Eine spektroskopische Messung im Vollblut scheint besser geeignet zu sein. Auch eine Kontrolle der Kryptopyrrol-Ausscheidung im Urin unter der Behandlung macht keinen Sinn, da die Kryptopyrrol-Ausscheidung unter der Therapie im Urin rasch zurückgeht und schließlich nur noch schwach messbar ist. Das bedeutet, die Behandlung der KPU mit Mikronährstoffen orientiert sich an der Änderung Ihrer Beschwerdesymptomatik. Ihre Beschwerden sollten rückläufig sein und schließlich ganz verschwinden. Früher wurde vor allem die Zunahme der Traumerinnerung als Maßstab empfohlen. Es können aber auch die Stärke Ihrer Muskel- und Gelenkschmerzen, Bauchbeschwerden oder Ihre Stimmungslage als „Verlaufsparameter“ benutzt werden. Wichtig ist also, dass Sie weiter Ihren Körper beobachten.
Wer soll mich ärztlich betreuen?
Am besten geeignet ist Ihr Hausarzt. Er kennt Sie am besten. Er kann Sie zu Fachärzten überweisen, wenn zusätzliche Untersuchungen erforderlich werden. Mit neuen Untersuchungsergebnissen kommen Sie dann wieder zurück zu Ihrem Hausarzt, der dann diese Ergebnisse in sein Therapiekonzept einbauen wird. Die Behandlung von KPU erfolgt mit Mikronährstoffen. Diese medizinische Fachrichtung wird als „orthomolekulare Medizin“ bezeichnet. Diese Fachrichtung ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet, sodass es unter Umständen schwierig ist, einen entsprechenden Arzt zu finden. Immer mehr Ärzte interessieren sich aber für diesen Teilbereich der Medizin.
Was ist wichtig beim Arztbesuch?
Lassen Sie sich von Ihrem Arzt eine Kopie Ihrer Untersuchungsbefunde aushändigen. Legen Sie sich zu Hause einen Ordner mit allen Untersuchungsergebnissen an. So behalten Sie besser den Überblick über den Krankheitsverlauf. Vor dem Arztbesuch schreiben Sie sich alle Fragen auf, über die Sie mit Ihrem Arzt sprechen wollen, so vergessen Sie nichts. KPU ist eine sehr komplexe Erkrankung. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Arzt sich bei dieser Erkrankung zu wenig auskennt oder nicht genug auf Ihre Probleme eingehen kann, sollten Sie den Arzt wechseln.
Soll ich weitere Behandlungen mit anderen Medikamenten durchführen lassen?
Wenn Sie zusätzliche Therapien durchführen wollen, sollten Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt vorher besprechen. Nur so ist sichergestellt, dass er Ihre Beschwerden richtig einordnen und die Therapie abstimmen kann. Auch Wechselwirkungen kann er so besser erkennen.
Darf ich Sport treiben oder in die Sauna gehen?
Eine leichte körperliche Betätigung ist sehr empfehlenswert, extreme sportliche Belastungen sollten Sie vermeiden. Am Anfang der Therapie wird es allerdings so sein, dass Sie gar keine Lust haben, sich körperlich anzustrengen. Rücken- und Gelenkprobleme, aber auch die allgemeine körperliche Schwäche verhindern dies meist. Versuchen Sie trotzdem, sich etwas zu bewegen. Machen Sie etwas Gymnastik und leichte Dehnübungen. Steigern Sie die Intensität der Übungen, wenn eine Besserung eingetreten ist. Wenn bei Ihnen Hormonstörungen oder gar eine Schilddrüsenunterfunktion eingetreten sind, erreichen Sie schnell Ihre Belastungsgrenze. Vermeiden Sie Überanstrengungen! Aber auch der völlige Verzicht auf alle körperlichen Aktivitäten ist genauso schädlich. Machen Sie wenigstens einen Spaziergang. Es spricht nichts dagegen, in die Sauna zu gehen, solange keine schwere Hormonstörung vorliegt. Die Funktion der Schilddrüse und der Nebennieren sollten in Ordnung sein. Übertreiben Sie nicht. Weder zu hohe Temperaturen noch lange Aufenthalte in der Sauna sind für Ihre Gesundheit nützlich.
Darf ich mich sonnen?
Patienten mit Kryptopyrrolurie sind meist sehr sonnenempfindlich. Eine Bräunung der Haut, vor allem im Gesicht, tritt meist nicht ein. Oberkörper und Arme werden schneller braun. Vermeiden Sie deshalb Sonnenbäder. Schützen Sie Ihre Haut mit einer Sonnencreme, die einen hohen Lichtschutzfaktor hat. Tragen Sie eine Sonnenbrille zum Schutz Ihrer Augen. Haben Sie Vitiligo, die Weißfleckenerkrankung, dann dürfen Sie allerdings überhaupt nicht in die Sonne. Bitte berücksichtigen Sie diese Empfehlungen auch bei der Auswahl Ihres Urlaubszieles. Keine Extrembelastungen. Es macht keinen Sinn, wenn Sie sich zu Hause von Ihrem Urlaub erholen müssen.
Schwimmen im warmen Thermalwasser tut gut.
Physiotherapie. Welche Anwendungen sind hilfreich?
Viele Patienten mit Kryptopyrrolurie leiden an Gelenk- und Muskelschmerzen. Durch den Schmerz kommt es oft zu weiteren Verspannungen und ein Teufelskreis entsteht. Wichtig ist zu wissen, dass eine Behandlung mit Massagen und Krankengymnastik die Beschwerden lindern kann, die Ursache wird aber nicht beseitigt. Erst durch die Mikronährstofftherapie werden die Beschwerden geringer. Um die Beschwerden zu verringern, wird empfohlen, am Anfang eine leichte Massagetherapie einzusetzen. Dabei muss aber sehr genau die Wirkung überwacht werden. Die Massage muss sofort beendet werden, wenn eine Verschlechterung beobachtet wird. Dies ist nicht selten der Fall. Aktive Krankengymnastik sollte erst später begonnen werden. Sehr angenehm wird das Schwimmen im warmen Thermalwasser empfunden. Es wirkt muskelentspannend und gelenkentlastend.
Familie und Partnerschaft

Sprechen Sie mit Ihrem Partner.
Kryptopyrrolurie kann zu schweren Krankheitserscheinungen führen, wodurch Probleme in Familie und Partnerschaft ausgelöst werden. Bitte klären Sie Ihre Familie und Ihren Partner über das Krankheitsbild auf. Sie haben sich diese Krankheit nicht ausgesucht. Vermehrte Reizbarkeit oder depressive Stimmungsschwankungen können dazu führen, dass Spannungen auftreten. Sportliche Aktivitäten können vielleicht vorübergehend nicht gemeinsam weitergeführt werden. Auch eine plötzliche Gewichtszunahme kann belastend sein und Ihr Selbstwertgefühl vermindern. Wenn dann Aussagen kommen wie „Reiß Dich zusammen“ oder „Du musst mehr Sport treiben“, dann kann die Situation ausweglos erscheinen. Beziehungen und Freundschaften können darunter zerbrechen, aber auch vertieft werden. Ein gemeinsamer Lebensplan muss wahrscheinlich überdacht werden. Ein Austausch mit Betroffenen kann hilfreich sein. Auch die Sexualität kann betroffen sein. Häufig besteht ein Libidoverlust. Dieses Problem wird häufig nicht angesprochen, auch nicht beim behandelnden Arzt. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber. Nicht er, der Partner, sondern Ihre Krankheit ist die Ursache. In der Regel verschwinden diese Probleme unter der Behandlung wieder. Wenn nicht, müssen die männlichen und die weiblichen Hormone überprüft werden. Bei Störungen ist eine Behandlung möglich.
Krankschreibung, Behinderung, Berentung
Wenn es nicht mehr weiter geht, dann lassen Sie sich von Ihrem Arzt ein paar Tage krankschreiben. Es ist wichtig, dass Sie nicht um jeden Preis weiterarbeiten. Wenn erstmals alle Kraftreserven aufgebraucht sind, dann ist meist eine längere Krankschreibung erforderlich. Die Zeit zu Hause kann benutzt werden, neue Strategien zu überlegen und mit Ihrem Arzt weitere Maßnahmen abzustimmen.
Wenn eine chronische Erkrankung vorliegt, besteht die Möglichkeit, diese beim Versorgungsamt durch einen Antrag als Behinderung anerkennen zu lassen. Kryptopyrrolurie wird derzeit von Versorgungsämtern nicht als Krankheit anerkannt.
Kryptopyrrolurie kann dazu führen, dass eine vorübergehende oder dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit besteht. Bisher wird ein Rentenverfahren aufgrund der Diagnose Kryptopyrrolurie in Deutschland abgelehnt. In vielen Fällen wird jedoch durch eine entsprechende Behandlung wieder eine normale Arbeitsfähigkeit erreicht.
Zusammenfassung
| Basics | |
| Stichwort bzw. Frage | Erklärung bzw. Antwort |
| KPU | Kryptopyrrolurie |
| HPU | Hämopyrrollaktamurie |
| Kryptopyrrolurie | Störung im Häm-Stoffwechsel |
| Hämopyrrollaktamurie | Störung im Häm-Stoffwechsel |
| Ort der Stoffwechselstörung | Mitochondrien |
| Mitochondrien | Wichtiger Bestandteil der Körperzelle mit eigenem Erbgut |
| Häm | Große ringförmige Moleküle mit einem Metall im Zentrum (Eisen, Kobalt oder Magnesium) |
| Häufigkeit von KPU/HPU | 10 % der Bevölkerung, häufig allerdings nur geringe Beschwerden, die nicht auffallen. |
| Wichtigstes Häm beim Menschen | Hämoglobin (Hb) |
| Wichtigste Aufgabe des Hämoglobins | Transport von Sauerstoff |
| Weitere Häms im Körper | wichtig für Energieproduktion, Entgiftung |
| Störung des Häm-Stoffwechsels | Aufbaustörung des Häm; ein Enzymmangel führt zu falschen Zwischenprodukten, die nicht mehr zusammenpassen. |
| Reaktion des Körpers auf diese Fehlbildung | Ausscheidung des fehlerhaften Moleküls (Entsorgung) über die Nieren |
| Nachteil der Ausscheidung von KPU und HPU | Durch Anlagerung an das Molekül entsteht ein Verlust von (aktiviertem) Vitamin B6, Zink und Mangan. |
| Folgen der langjährigen Ausscheidung von KPU oder HPU über die Nieren | Chronischer Mangel an Vitamin B6, Zink und Mangan mit allen Folgeerscheinungen |
| Weitere Folgen der Häm-Synthesestörung | Schlechte Entgiftung, gestörte Hämoglobin- und Energieproduktion |
| Kinder mit KPU/HPU | Häufig bei Kindern, die auch Symptome von ADS oder ADHS aufweisen. |
Symptome und Diagnostik
Symptome und Ursachen
Untersuchungsmethoden
Angeboren oder erworben?
Zusammenfassung
Symptome und Ursachen
Die Erforschung der Kryptopyrrolurie ist eng verbunden mit Carl Curt Pfeiffer (1908–1988), Gründer und Leiter des Brain Bio Center in Princeton, New Jersey, einer Poliklinik und Forschungseinrichtung unter der Schirmherrschaft der Schizophrenia Foundation of New Jersey und des New Jersey Mental Health and Development Fund. Seit 1970 wurden Tausende von Patienten mit Kryptopyrrolurie dort untersucht. Bereits 1973 wurde festgestellt, dass Patienten mit Kryptopyrrolurie erniedrigte Zinkspiegel im Blut aufweisen, weil die Ausscheidung von Zink im Urin erhöht ist. Im gleichen Jahr wurde entdeckt, dass unbehandelte Patienten mit Kryptopyrrolurie nur eine geringe oder keinerlei Traumerinnerung haben. Dieser Mangel konnte meist mit Vitamin B6 behoben werden.
Die Behandlung der Kryptopyrrolurie mit Vitamin B6, Zink und Mangan hat sich bei vielen Patienten bewährt. Die bedeutendste Veröffentlichung von Carl Pfeiffer war 1980: „The Golden Pamphlet“. Hier wurden die wichtigsten Forschungsergebnisse dargestellt. 1981 wurde das Brain Bio Center, das sich in den hinteren Räumen eines Einkaufcenters in einer etwas düsteren Umgebung befand, weiter nördlich nach Skillman, NJ, in ein neues Gebäude verlegt. Auch hier wurde die weitere Forschungstätigkeit durch die Schizophrenia Foundation of New Jersey unterstützt. Diese Organisation leistete einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung, damit diese erkennen sollte, dass psychische Erkrankungen weit verbreitet sind und dass eine frühe Behandlung zur rascheren Genesung führt.
Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, dass die Kryptopyrrolurie zuerst bei psychiatrischen Patienten entdeckt wurde. Dies hat sich nachteilig für die Anerkennung als Krankheit in Europa erwiesen. In der Zwischenzeit hat sich aber gezeigt, dass psychische Probleme bei einem Teil der Patienten im Vordergrund stehen können, die eine sehr hohe Ausscheidung von Kryptopyrrol im Urin aufweisen. Kryptopyrrolurie ist aber keine ausschließlich psychische Erkrankung, denn die Palette der Symptome ist gerade bei den körperlichen Beschwerden extrem weit gefächert. Auch müssen nicht alle Symptome gleichzeitig vorhanden sein. Auch die fehlende Traumerinnerung, das am häufigsten erwähnte Symptom, kann ausbleiben. John Kamsteeg vom Klinisch Ecologisch Allergie Centrum in Weert, Niederlande, hat in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts viele Patienten getestet und anhand von Fragebögen deren Symptomatik untersucht. Viele körperliche Beschwerden konnten so auf die Erkrankung Hämopyrrollaktamurie bezogen werden. Er setzte sich dafür ein, die Behandlung mit aktiviertem Vitamin B6 (Pyridoxal-5-phosphat) durchzuführen.
Das Verdienst von Bodo Kuklinski ist, dass er als Erster darauf hingewiesen hat, dass es sich bei Kryptopyrrolurie um eine Mitochondropathie handelt. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Sie befinden sich außerhalb des Zellkerns und liefern für die Zelle die nötige Energie. Ohne sie kann keine Zelle funktionieren. An dieser Stelle soll etwas ausführlicher über dieses Konzept berichtet werden.
KPU, nitrosativer Stress und Mitochondropathie
Bodo Kuklinski geht davon aus, dass der sogenannte „nitrosative Stress“ der Kryptopyrrolurie vorausgeht. Die Patienten weisen pathologisch erhöhte Citrullinwerte auf als Folge einer erhöhten Synthese von Stickstoffmonoxid (NO). Citrullin ist eine Aminosäure, die als Nebenprodukt der NO-Synthese aus Arginin entsteht. Kryptopyrrolurie wäre somit kein selbstständiges Krankheitsbild, sondern ein Begleitsymptom einer organübergreifenden Multisystemerkrankung. NO hat die Fähigkeit, sich an eisen-, besonders an eisen- und schwefelhaltige Enzyme zu binden und diese zu blockieren. Diese Bindung ist reversibel und kann durch hohen Sauerstoffpartialdruck wieder gelöst werden. Durch Hemmung der eisen- und schwefelhaltigen Enzyme in der sogenannten Atmungskette der Mitochondrien (Komplexe I und II) wird weniger ATP gebildet. ATP bedeutet Adenosintriphosphat und ist die universelle Energieeinheit der Zelle. NO hemmt gleichzeitig die Schilddrüsenperoxidase. Es entwickeln sich daraufhin massive Stoffwechseldefizite, da in den Mitochondrien die Zellatmung, die ATP-Synthese, der Zitronensäurezyklus, die Fettsäurenoxidation, die Glutaminsynthese, die Steroidhormonsynthese und der Beginn der Glukoneogenese stattfinden. Die Folgen sind eine Häm-Synthese-Störung, eine Laktoseintoleranz und ein chronisches Energiedefizit. Diese Menschen leiden an einem ständigen Hungergefühl, wobei aber die Aufnahme von Kohlenhydraten das Energiedefizit weiter verschlechtert. Die Aminosäure Citrullin kann sich an Eiweißstoffe anlagern und wirkt dann als Antigen. Die Folge sind Autoimmunreaktionen. Die Blockade des mitochondrialen Energiestoffwechsels führt zu einer starken Erhöhung der Radikale, die einen sogenannten „oxidativen Stress“ auslösen können. Entzündungsprozesse sind die Folge. NO stört also die Häm-Synthese, dadurch entsteht Kryptopyrrolurie.
Die Konzentration des Pyrrols zeigt im Tagesverlauf starke Schwankungen und führt zu den bekannten Defiziten an Vitamin B6 und Zink. Diese Defizite sind nicht aus den Serumbestimmungen erkennbar, denn Serumwerte können durchaus noch im Normbereich, ja sogar erhöht vorliegen. Auch ein Zinkmangel zeigt sich erst durch intrazelluläre Analysen, weniger durch Serumbestimmungen. Der Zinkmangel beeinflusst wieder die Aktivierung von Vitamin B6, da dadurch die Phosphorylierung behindert wird. Auch der Histaminstoffwechsel verändert sich. Der Histaminabbau ist gestört. Die Diaminoxidase im Dünndarm benötigt zum Histaminabbau Kupfer und Vitamin B6. Der chronische NO-Überschuss führt zu Reifungsstörungen des kindlichen Hirns. Visuelle, akustische und motorische Zentren, die Vernetzung der rechten und linken Hirnhälfte und die Dominanz des linken Temporallappens sind unterentwickelt. ADHS ist die Folge. Kuklinski ist der Meinung, dass nur leichte Formen der Kryptopyrrolurie mit Vitamin B6 und Zink behandelbar sind. Nach seiner Meinung muss die Kryptopyrrolurie wie eine Mitochondropathie behandelt werden.
Wie lassen sich die Beschwerden erklären?
Äußeres Erscheinungsbild
Das Gesicht ist blass, manchmal zeigt sich auch ein gelblicher Schimmer. Ursache ist eine Anämie aufgrund des Vitamin-B6-Mangels und der leichten Erhöhung des Bilirubins. Auch die Leberenzyme GGT, GPT und GOT können erhöht sein. Dafür könnte auch der häufig nachweisbare Mangel an Histamin verantwortlich sein. Die Bildung des Hautpigments ist verringert. Durch die Substitutionstherapie mit Vitamin B6 und Zink schwächen sich diese Veränderungen langsam ab. Eisenpräparate bringen meist keine Besserung, weil gleichzeitig eine Eisenresorptionsstörung besteht. Eine leichtgradige Hämolyse der roten Blutkörperchen scheint unter dem Mangel an Vitamin B6 ebenfalls aufzutreten. Die Bräunung der Haut durch das Sonnenlicht nimmt unter der Therapie zu und die Lichtempfindlichkeit geht zurück. Die Gesichtsschwellung ist am häufigsten bedingt durch die latente oder auch schon ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion. Wenn die Schilddrüsenfunktion ausgeglichen ist, geht die Schwellung wieder zurück. Kariöse Zähne werden mit dem Histaminmangel, der allgemein bei Patienten mit KPU besteht, in Verbindung gebracht. Auch der Kupferspiegel im Zahnschmelz soll erhöht sein. Die Ursache ist der Zinkmangel. Zink ist der Gegenspieler des Kupfers.

Weiße Flecken auf den Fingernägeln deuten auf einen Zinkmangel hin.
Bei Patienten mit KPU besteht ein Kupferüberschuss. Dadurch kommt es zu einer Aktivierung der Diaminoxidase (DAO), dem Histamin abbauenden Enzym, wodurch der Histaminspiegel absinkt. Allerdings findet man bei etwa 10 % der KPU-Patienten auch erhöhte Histaminspiegel. Die weißen Flecken auf den Fingernägeln zeigen den Zinkmangel an. Die Bindegewebsstreifen werden mit dem Manganmangel in Verbindung gebracht. Allergische Reaktionen stehen im Zusammenhang mit dem erniedrigten Histaminspiegel. Überempfindlichkeitsreaktionen werden dem erniedrigten Immunglobulin A angelastet, eine Folge des Manganmangels. Akne, Ekzeme, Herpes oder Psoriasis sprechen auf die Behandlung mit Mikronährstoffen an.
Bewegungsapparat
Die Gelenke sind allgemein überbeweglich. Die Knorpelbildung ist vermindert. Dies ist Folge des Manganmangels. Es wurde beobachtet, dass Patienten in der Lage waren, ihren Daumen an die Stelle zu bringen, an der normalerweise der Puls getastet wird. Auch Probleme mit den Bandscheiben scheinen häufiger als bei der Normalbevölkerung vorzukommen. Die Iliosakralgelenke, d. h. die Kreuzdarmbeingelenke, sind ebenfalls betroffen, besonders bei Frauen nach Schwangerschaften. Das Tragische ist, dass die in jungen Jahren bestehende Überbeweglichkeit bei Turnerinnen und Balletttänzerinnen später in eine vermehrte Steifigkeit mündet. Eine Verbreiterung des Beckens kann festgestellt werden, manchmal ist auch ein Watschelgang sichtbar. Auch die Muskulatur ist schwach entwickelt. Hier wird ebenso der Manganmangel als Ursache angesehen. Aber auch das Vitamin B6 ist verantwortlich, dass weniger Myoglobin, das ebenfalls aus Häm-Bausteinen besteht, aufgebaut wird.
Magen- und Darmbeschwerden
Magen- und Darmbeschwerden sind häufig. Die Patienten berichten oft über morgendliche Übelkeit. Schon kurze Zeit nach dem Essen ist der Bauch stark aufgebläht. Durchfall und Verstopfung wechseln sich ab. Auch wird über Mundgeruch berichtet. Die Ursache ist eine gestörte Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung. Zusätzlich wird das verminderte Immunglobulin A dafür verantwortlich gemacht. Eiweiß spaltende Enzyme sind in ihrer Aktivität vermindert infolge des Zink- und Manganmangels. Gärungsprozesse im Darm nehmen zu, sichtbar an der Indikanausscheidung im Urin.

Viele Patienten mit KPU leiden unter Verdauungsbeschwerden.
Die Störung der Kohlenhydratverdauung wird in Zusammenhang mit einer Glutenüberempfindlichkeit gebracht. Darüber soll später noch ausführlich gesprochen werden. Es wird außerdem angenommen, dass der Manganmangel zu einer stärkeren Durchlässigkeit der Darmschleimhaut führt. Alle mit der Nahrung aufgenommenen Stoffe werden nun dem körpereigenen Immunsystem präsentiert, worauf Immunglobulin A verbraucht wird und für die Immunabwehr zum Schutz der Schleimhäute nicht mehr zur Verfügung steht. Eine Störung des Fruktosestoffwechsels und der Fruktoseaufnahme im Dünndarm kommen ebenfalls vor.
Herz-Kreislauf-System
Ob der erhöhte Homozysteinspiegel zu einer Häufung kardiovaskulärer Erkrankungen führt, ist bisher nicht geklärt. Homozystein entsteht im Methionin-Stoffwechsel und häuft sich bei einem Mangel an Mikronährstoffen an. Methionin ist eine essenzielle Aminosäure, d. h. diese Aminosäure kann vom Körper nicht aufgebaut werden, sondern muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Eine Homozystein-Erhöhung führt zu einer vermehrten Oxidation von LDL-Cholesterin (oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet). Dabei kommt es zur Bildung sogenannter Schaumzellen, die sich in den Arterien ablagern und so eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung) fördern. Bindeglied ist das Lipoprotein (a).
Der Abbau von Homozystein ist abhängig von einer ausreichenden Versorgung mit Folsäure und von den Vitaminen B2, B6 und B12. In der JAVIS-Studie konnte gezeigt werden, dass durch die Substitution von Mikronährstoffen im Verlauf von 12 Monaten die Dicke der Intima (innerste Schicht der Schlagader) an der Arteria carotis interna (innere Halsschlagader) durchschnittlich um 4 % reduziert wird. In der gleichen Zeit nahm die Dicke in der Placebogruppe (Kontrollgruppe) um 7 % zu. Neuere Studien konnten dies nicht bestätigen. In zwei prospektiven Therapiestudien (HOPE-2 und NORVIT) ließ sich kein Effekt einer Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 auf Herzinfarkt und Schlaganfall nachweisen, obwohl in beiden Studien das Homozystein deutlich gesenkt wurde, nämlich in der HOPE-2-Studie durchschnittlich um 2,4 mmol/l und in der NORVIT-Studie um 27 %.
Menstruationsbeschwerden, Schwangerschaftsprobleme
Menstruationsbeschwerden und Schwangerschaftsprobleme sind häufig. Junge Frauen klagen über Befindlichkeitsstörungen vor der Regel. Die Menstruation ist unregelmäßig. Sie sind reizbar, haben ein Spannungsgefühl in den Brüsten, Schwellungen von Händen und Füßen, Schmerzen im Unterbauch und morgendliche Übelkeit. Schwangerschaftserbrechen tritt gehäuft auf. Diese Beschwerden sind auf ein vermindertes Progesteron zurückzuführen. Für die Bildung von Progesteron aus Cholesterin sind Zink und Vitamin B6 erforderlich. Auf dieses Problem wird in einem späteren Kapitel noch ausführlicher eingegangen.
Psychische und psychosomatische Beschwerden
Eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses wird sehr häufig beobachtet. Die Patienten können sich nicht mehr an ihre Träume erinnern. Vor allem akustische Informationen können sie sich schlecht merken. Manche Erwachsene sind überrascht, wenn sie nach ihren Träumen gefragt werden, denn sie glauben, dass nur Kinder träumen. Patienten mit KPU leiden an Lernschwierigkeiten, geistiger Retardierung (verzögerte Entwicklung der Gehirnfunktion), Autismus (verminderte Kommunikation mit der Umwelt), verzögerter Pubertät, Psychosen und Depressionen. Liebesbeziehungen, das Verlassen des beschützenden Elternhauses oder das Leben in einem Studentenwohnheim können als Auslöser fungieren. Auch der Wehrdienst kommt als Auslöser infrage. Autistische Kinder sprechen auf Zink und Vitamin B6 an.
Im Gehirn besteht ein Mangel an Dopamin und Serotonin. Immer wieder klagen die Patienten auch über ein Zittern wie beim Parkinson-Syndrom. Monoaminoxidase baut diese Transmitterstoffe (Botenstoffe) durch die Stimulation des Kupfers verstärkt ab. Hier sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Wenn Männer hohe Werte bei der Ausscheidung von Kryptopyrrol haben, dann sind psychische Probleme häufiger.
KPU-Patienten sind oft kreativ, fantasievoll und originell, oft auch perfektionistisch. Sie beschäftigen sich oft mit dem Sinn des Lebens. Im fortgeschrittenen Stadium fürchten sie, ihre Kreativität zu verlieren und vermeiden Stresssituationen. Mutter-Kind-Beziehungen oder Schwester-Schwester-Beziehungen sind sehr eng und es wird alles unternommen, diese enge Beziehung aufrechtzuerhalten, auch wenn ein Teil deshalb Nachteile zu erwarten hat. Junge Frauen sind übermütig und impulsiv. Im Alter herrschen Müdigkeit und Depression vor.
KPU-Patienten haben ein besonderes Farbgefühl. Farbschattierungen können gut unterschieden werden, das Farbgedächtnis ist besonders gut entwickelt. Sie sind gute Zeichner. Auch Gerüche und Düfte werden gut differenziert. Dies ist erstaunlich, da ja der Zinkmangel das Riechen eher beeinträchtigt. Gerüche erlangen eine so starke Bedeutung, dass sie direkten Einfluss auf die Lebenssituation haben und Verhalten und Entscheidungen beeinflussen. Sauberkeit und Frische werden auf diese Weise wahrgenommen. KPU-Patienten fühlen sich bedrängt, im Restaurant und beim Autofahren: Im Restaurant fühlt man sich beengt, weil Personen zu nahe sitzen. Beim Autofahren neigt man dazu, schneller nach links auszuweichen, um Platz zu machen. Zu viel Nähe in Beziehungen wird vermieden. KPU-Patienten sind für ihre Umwelt oft anstrengend. In Gesprächen unterbrechen sie, weil sie Sorge haben, ihren Gedanken wieder zu vergessen.
Störung des Immunsystems
Patienten mit Kryptopyrrolurie leiden an einer Schwäche ihres Immunsystems. Dies äußert sich z. B. in einer Häufung von Infekten der oberen Luftwege. Grippale Infekte und Nasennebenhöhlenentzündungen sind häufig. Bei Kindern treten zudem verstärkt Mittelohrentzündungen auf. Frauen leiden an Blasenentzündungen und vaginalen Infektionen. Ursache ist der Manganmangel, der zu einer verminderten Bildung des sekretorischen Immunglobulin A führt. Somit sind die Schleimhäute schlechter geschützt. Bakterien und Viren können dadurch leichter diese Barriere überwinden.

Patienten mit KPU leiden häufig an Infekten der oberen Luftwege.
Medikamentenunverträglichkeit
Viele Medikamente werden von Patienten mit Kryptopyrrolurie schlecht vertragen. Nebenwirkungen sind häufig. Sie fühlen sich häufiger krank und gehen deshalb öfter zum Arzt. Sogenannte porphyrinogene Stoffe und Medikamente sollten vermieden werden. Dies sind chemische Verbindungen, auch Hormone, die eine Störung des Porphyrie-Stoffwechsels verursachen können. European Porphyria Network hat eine Liste dieser Medikamente veröffentlicht: www.porphyria-europe.com, www.drugs-porphyria.org, www.dossporphyrie.de und www.porphyrie.com. Hier ist eine Auswahl:
| Alkohol | Dimenhydrinat | Novaminsulfon | Spironolacton |
| Barbiturate | Ergotamin | Methyldopa | Sulfonamide |
| Carbamazepin | Erythromycin | Mianserin | Tetracycline |
| Chinolone | Ethosuximid | Nitrofurantoin | Theophyllin |
| Chloroquin | Gestagene (künstlich) | Metoclopramid | Thiopental |
| Cotrimoxazol | Glibenclamid | Norethisteron | Tilidin |
| Clonazepam | Gliquidon | Östrogene (künstlich) | Tolbutamid |
| Clonidin | Glutethimid | Orale Kontrazeptiva | Trancylcypromin |
| Cyoroteron | Griseofulvin | Phenylbutazon | Trimethoprim |
| Danazol | Hydralazin | Piroxicam | Valproinsäure |
| Dapson | Indometacin | Phenytoin | |
| Diazepam | Medrogeston | Primidon | |
| Diclofenac | Meprobamat | Rifampicin |

Sonografie der Schilddrüse.
Schilddrüsenerkrankungen
Patienten mit KPU leiden häufig an Schilddrüsenerkrankungen, meist an einer Schilddrüsenunterfunktion. Es sollte deshalb immer die Schilddrüse mituntersucht werden. Immer sollte ein Labortest durchgeführt werden, bei dem das TSH und die Werte des freien T3 (fT3) und freien T4 (fT4) gemessen werden. Auch die Messung der Schilddrüsenantikörper ist wichtig, um das Krankheitsgeschehen besser einordnen zu können. Am häufigsten werden sogenannte TPO-Antikörper gefunden. Eine Sonografie der Schilddrüse sollte durchgeführt werden. Häufig findet man gelegentlich eine echoarme und verkleinerte Schilddrüse. Im nächsten Kapitel wird ausführlich darüber berichtet.
Untersuchungsmethoden
Basisuntersuchung
Kryptopyrrol oder Hämopyrrollaktam im Urin
Die Diagnose Kryptopyrrolurie wird dann gestellt, wenn die Ausscheidung von Kryptopyrrol im Urin über dem Grenzwert von 15 µg/dl liegt und wenn die typischen Symptome der Erkrankung vorliegen. Die exakte chemische Bezeichnung für Kryptopyrrol ist 2,4-Dimethyl-3-Ethylpyrrol. Die Bestimmung im Urin erfolgt mittels UV-VIS-Photometer bei einer Wellenlänge von 540 nm.
Für die Analyse wird ein möglichst konzentrierter Urin, z.B. Morgenurin, benötigt, der in ein Spezialröhrchen eingefüllt wird, das lichtundurchlässig ist und Ascorbinsäure (Vitamin C) als Stabilisator enthält. Wichtig ist, dass etwa eine Woche vor der Probennahme keine B-Vitamine und kein Zink eingenommen werden und dass die Urinprobe innerhalb von fünf Tagen im Labor eintrifft, damit sie umgehend untersucht werden kann. Deshalb sollte die Urinprobe nicht am Mittwoch oder Donnerstag abgeschickt werden, sondern am Montag, Dienstag, Freitag oder Samstag, damit sie nicht am Wochenende ankommt.
Leider ist es in einigen Laboren nicht möglich, die Verdünnung des Urins zu berücksichtigen. Wer viel trinkt, scheidet einen geringeren Anteil an Kryptopyrrol aus. Wer wenig trinkt, entsprechend mehr. Deshalb gilt die Empfehlung, am Vortag des Tests die Trinkmenge etwas einzuschränken.
Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diese Untersuchung derzeit nicht. Sie kostet je nach Labor bis zu 50 Euro. Bei der Bestimmung des 5-Hydroxy-Hämopyrrollaktam-Zink-Chelat-Komplexes liegt der Grenzwert bei 0,6 µmol/l und dies wird dann als leicht positiv bezeichnet.
Selten kommt es vor, dass Menschen bevorzugt abends Pyrrole ausscheiden, sodass der Morgenurin nur eingeschränkt verwertbar ist. Hier könnte das Sammeln eines 24-Stunden-Urins mit anschließender Analyse weiterhelfen. Zu hohe Werte werden gemessen bei folgenden Erkrankungen (die Liste ist nicht vollständig):
Schilddrüsenüberfunktion
Leberfunktionsstörungen
Hämolyse der roten Blutkörperchen
Zusatzuntersuchungen
Indikan im Urin
Die Bestimmung erfolgt ebenfalls im Urin, allerdings semiquantitativ. Semiquantitativ heißt, dass keine Zahlenangabe über die Menge an Indikan angegeben werden kann. Normalerweise tritt eine Rosafärbung des Urins durch Zugabe des Obermayer-Reagens auf. Bei pathologisch erhöhtem Indikan verfärbt sich das Reagens bläulich und die Probe wird dann als schwach positiv bezeichnet. Eine tiefblaue Verfärbung wird als positiv oder stark positiv beschrieben. Diese Untersuchung wird nur noch von wenigen Laboren durchgeführt. Auf diese Untersuchung kann verzichtet werden. Heute stehen aussagekräftigere Methoden zur Verfügung.
Die Bestimmung von Indikan zeigt bei Patienten mit KPU zuverlässig eine Störung des Eiweißabbaues an. Auch diese Untersuchung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse.
Biogene Amine
Alle Lebewesen enthalten in ihren Zellen und in den extrazellulären Flüssigkeiten Substanzen, die sogenannte Amino-Gruppen besitzen, z.B. Eiweiße. Das bekannteste biogene Amin ist Histamin. Bis zur Mitte der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wusste man wenig über die biologische Funktion dieser organischen Verbindung. Bekannt war, dass in Lebensmitteln biogene Amine während der Lagerung, Verarbeitung und Reifung durch mikrobiologische Prozesse aus Eiweißstoffen entstehen. Der Abbau dieser Stoffe im menschlichen Organismus erfolgt in der Dünndarmschleimhaut und ist individuell unterschiedlich gut ausgebildet.
In den letzten Jahren wurde entdeckt, dass Fehlfunktionen des Gehirns durch veränderte Konzentrationen dieser biogenen Amine ausgelöst werden können. Dabei können Störungen durch zu hohe wie auch durch zu niedrige Werte an Histamin verursacht werden. Eine Normalisierung dieser Substanzen im menschlichen Körper führt wieder zu einer Gesundung des Patienten.
Histamin
Histamin (Imidazol-4-Ethylamin) gehört zu den Gewebshormonen. Histamin entsteht aus der Aminosäure Histidin durch das Enzym Histidin-Decarboxylase. Der Abbau von Histamin erfolgt durch das Enzym Diaminoxidase im Dünndarm, dessen Aktivität unterschiedlich gut ausgebildet ist. Ein zweiter Abbauweg des Histamins existiert durch Methylierung und Oxidation in der Leber. Der Histaminspiegel im Vollblut liegt normalerweise zwischen 30 und 60 ng/dl. Ein Histaminmangel wird in der orthomolekularen Medizin als Histapenie, ein Histaminüberschuss als Histadelie bezeichnet. Menschen, die an KPU leiden, haben häufig erniedrigte Histaminspiegel und reagieren deshalb besonders empfindlich auf Histamin in der Nahrung.
Schilddrüsenfunktionswerte
Bei vielen Patienten mit KPU liegt eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor. Deshalb sollten immer die Schilddrüsenwerte mituntersucht werden. Wichtig ist, dass neben dem TSH (Thyreoideastimulierendes Hormon) auch die freien Werte von T4 (Thyroxin, Tetrajodthyronin) und T3 (Trijodthyronin) mitbestimmt werden, da häufig das TSH noch im Normbereich liegt, aber die freien Hormone bereits vermindert sein können.
Immer sollte das Blut auch auf TPO-Antikörper untersucht werden. Dies sind Antikörper gegen ein bestimmtes Enzym der Schilddrüse, die Schilddrüsenperoxidase. Sind diese erhöht, muss davon ausgegangen werden, dass eine Entzündung der Schilddrüse vorliegt, eine Thyreoiditis – in diesem Fall eine Hashimoto-Thyreoiditis. TRAK-Antikörper werden seltener gefunden. Diese Antikörper richten sich gegen den TSH-Rezeptor. Diese sind typisch für den Morbus Basedow. Eine Sonografie der Schilddrüse zeigt oft eine eher kleine Schilddrüse mit dunkler (echoarmer), aufgelockerter Struktur an.
Der dritte Schilddrüsen-Antikörper ist TAK (Thyreoglobulin-Antikörper). Er ist unspezifisch und kann bei beiden Erkrankungen vorkommen. Bei manchen Patienten ist nur dieser Antikörper nachweisbar. Auch dann liegt eine Thyreoiditis vor, und die Schilddrüse sollte weiter abgeklärt werden.
Wichtig zu wissen ist auch, dass in den letzten Jahren durch neue Studien aus England und Mecklenburg-Vorpommern der obere Grenzwert für das TSH abgesenkt wurde. Der Normbereich der gesunden Bevölkerung liegt nun zwischen 0,3 und 2,5 mU/l. Die obere, bisher übliche Normgrenze von 4,2 mU/l wurde deshalb auch in Deutschland in einigen modernen Labors nach unten korrigiert. Das bedeutet nun, dass bereits ein TSH-Wert über 2,5 mU/l eine beginnende Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) anzeigt. Falls eine Therapie erforderlich wird, sollte zumindest bei jungen Patienten versucht werden, das TSH medikamentös auf einen Wert zwischen 0,3 und 1 mU/l einzustellen.

Der Regelkreis der Schilddrüsenhormone.
Metalle
Die Ausscheidung von Pyrrolen im Urin führt zu einem Verlust von Metallionen wie Zink und Mangan. Der Kupferspiegel ist meist erhöht.
Zink
Zink findet sich überall im Körper. Die Resorption findet im oberen Dünndarm statt. Je größer der Mangel, desto besser die Resorption. Ist die Versorgungssituation des Körpers mit Zink gut, so ist die Resorptionsrate von Zink aus der Nahrung niedrig; ist umgekehrt die Versorgung schlecht, so wird viel Zink aus der Nahrung aufgenommen. Die gleichzeitige Einnahme von Eisen als Tablette behindert die Aufnahme. Sehr hohe Mengen von Zink einzunehmen, ist sinnlos, da die Aufnahmefähigkeit des Darmes begrenzt ist. Etwa ein Viertel des Zinks ist an Eiweiße im Serum gebunden. Normalerweise wird Zink mit dem Stuhl ausgeschieden. Zink ist der Gegenspieler von Eisen und Kupfer. Die Konzentration von Zink kann im Serum und im Vollblut bestimmt werden. In Deutschland ist die Versorgung der Bevölkerung mit Zink schlecht. Es gibt zahlreiche Menschen mit erniedrigten Zinkspiegeln im Blut. KPU führt zu einem Verlust von Zink durch eine vermehrte Ausscheidung im Urin.
Mangan
Mangan ist ein wichtiges Spurenelement und Bestandteil vieler Enzyme. Es ist wichtig für die Bildung von Kollagen. Mangan wird im Dünndarm resorbiert und in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportiert. Mangan wird normalerweise über die Galle ausgeschieden, die Ausscheidung über die Niere ist eigentlich sehr gering. Die Einnahme von Eisen als Tablette hemmt die Aufnahme von Mangan. Mangan kann im Serum gemessen werden. KPU führt zu einem Verlust von Mangan durch eine vermehrte Ausscheidung über die Nieren.
Kupfer
Kupfer wird im Magen und Dünndarm aufgenommen. Die Ausscheidung von Kupfer erfolgt über die Galle. Die Ausscheidung über die Nieren ist sehr gering. Kupfer fördert die Eisenresorption. Kupfer kann im Serum und im Vollblut bestimmt werden. Kupfer ist der Gegenspieler von Zink, es vermindert auch die Aufnahme von Zink. Eine verstärkte Ausscheidung von Zink erhöht den Kupferspiegel. Patienten mit KPU haben meist erhöhte Kupferspiegel. Dies ändert sich aber im Verlauf der Therapie mit Zink. Unter dieser Therapie senkt sich der Kupferspiegel wieder ab.
Vitamin B6
Vitamin B6 (Pyridoxin) und seine aktive Form Pyridoxal-5-Phosphat wird im Dünndarm resorbiert. Auch Bakterien im Dickdarm bilden Vitamin B6, das aber nicht mehr aufgenommen werden kann. Bei Zinkmangel kann die Umwandlung in die aktive Form gestört und die Aufnahme im Dünndarm vermindert sein. Der Gesamtbestand des Körpers beträgt etwa 100 mg. Die tägliche Ausscheidung beträgt etwa 2 mg. Frauen haben häufiger einen Vitamin-B6-Mangel als Männer. Hauptsächlich Vitamin B2 (Riboflavin) und in geringem Maße auch Vitamin B3 (Niacin) verbessern die Umwandlung von Vitamin B6 in seine aktive Form. Menschen mit KPU leiden meist an einem Mangel an Vitamin B6.
Immunglobulin A
Patienten mit KPU leiden an einem Mangel an Immunglobulin A. Diese Substanz schützt den Körper vor Infektionen. Dadurch kommt es gehäuft zu bakteriellen Infektionen. Der Mangel an Immunglobulin A ist Folge des Zink- und Manganmangels.
Blutbild
Gelegentlich findet sich eine leichte Blutarmut mit zu kleinen roten Blutkörperchen (hypochrome Anämie) als Folge des Vitamin-B6-Mangels. Die Lymphozytenzahl kann erhöht sein, eine Eosinophilie ist ebenfalls möglich.
Leberwerte
Eine Erhöhung der Lebertransaminasen ist durch den Vitamin-B6-Mangel möglich. Ebenso ein erhöhtes Bilirubin (Hyperbilirubinämie).
Homozystein
Ein erhöhtes Homozystein (Hyperhomozysteinämie) ist eine Folge des Vitamin-B6-Mangels. Es besteht der Verdacht, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen dadurch verstärkt auftreten können. Eine eindeutige Bestätigung dafür konnte aber bisher nicht erbracht werden.
Gluten

Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten viel Gluten.
Das Krankheitsbild „Sprue“ (sprich: Spruu) des Erwachsenen und die Erkrankung Zöliakie des Kindes wird verursacht durch den Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel. Gluten (sprich: Gluteen) ist ein Eiweißstoff, der in Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen vorkommt, nicht aber in Mais, Hafer und Reis. Im Vordergrund stehen Verdauungsstörungen. Aber auch Störungen außerhalb des Magen-Darm-Traktes kommen infolge von Mangelerscheinungen vor. Neben einem Abbau der Schleimhaut des Zwölffingerdarms, d. h. des obersten Dünndarmabschnitts, lassen sich Antikörper gegen Endomyosin (EMA), Transglutaminase und Gliadin nachweisen. Der Mangel an Mangan führt bei Menschen mit KPU zu einer verstärken Empfindlichkeit gegenüber Gluten. Die seltene klassische Sprue oder Zöliakie tritt allerdings nicht häufiger auf als bei der Normalbevölkerung.
Fruktose
In der Leber wird unter Energieaufwand Fruktose (Fruchtzucker) in Traubenzucker umgewandelt. Ein Enzym, welches an dieser Umwandlung beteiligt ist, heißt Aldolase B. Die Aktivität dieses Enzyms ist davon abhängig, ob genügend Zink im Körper vorhanden ist. Bei Patienten mit KPU kann sich ein Aufstau an Fruktose in der Leber bilden. Dies führt zu zahlreichen Beschwerden. Nicht selten kommt es deshalb zu einem Mangel an Traubenzucker (Hypoglykämie). Hypoglykämien sind häufig bei Patienten mit KPU. Die Patienten leiden oft an Heißhunger. Gleichzeitig wird der Fruchtzucker im Dünndarm schlecht aufgenommen. Durch Wasseraufnahme und den Weitertransport in den Dickdarm kommt es durch bakterielle Umwandlung zu starker Gasentwicklung mit allen Folgeerscheinungen. Eine Fruktose-Malabsorption kann durch einen H2-Atemtest mit Fruktose festgestellt werden.

KPU-Patienten haben häufig Probleme mit der Fruktose-Verdauung.
H2-Atemtest
Atemtests basieren darauf, dass im Magen-Darm-Trakt vorhandene Bakterien Kohlenhydrate, die als Testsubstanzen eingenommen werden, weiter verstoffwechseln können. Bei diesem Vorgang entsteht Wasserstoff (H2). Dieser wird vom Darm aufgenommen und über die Blutbahn in die Lunge transportiert, wo er dann ausgeatmet wird. Mithilfe eines Messgerätes kann die Konzentration des Wasserstoffs in der Ausatemluft gemessen werden. Je nachdem, welche Funktionsstörung überprüft werden soll, werden als Testsubstanz entweder Laktose (Milchzucker), Fruktose (Fruchtzucker) oder auch andere Substanzen wie Xylose, Saccharose oder Lactulose eingesetzt. Atemtests haben den Vorteil, dass sie den Patienten wenig belasten und auch bei Kindern eingesetzt werden können. Eine aktive Mitarbeit des Patienten ist allerdings erforderlich, damit der Test aussagekräftig ist. Sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Durchführung des Tests muss der Patient geduldig mitarbeiten. Nach einer Darmspiegelung müssen einige Wochen abgewartet werden, bis der Test durchgeführt werden kann. Für den Laktose-Test werden 50 g Laktose, für den Fruktose-Test 25 g Fruktose in Wasser gelöst und anschließend getrunken. Vorher wird der sogenannte Startwert ermittelt. Er sollte unter 20 ppm liegen. Empfehlenswert ist es, in der ersten Stunde alle 10 Minuten eine Messung vorzunehmen. Die gesamte Messdauer sollte 120 Minuten betragen.
Insulinresistenz
Patienten mit KPU können eine Insulinresistenz aufweisen. Diese Stoffwechselstörung ist dadurch charakterisiert, dass zwar ausreichend Insulin in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, dass aber die Körperzellen nur eingeschränkt auf das Insulin reagieren. Die Folge ist ein Anstieg des Insulins mit Zunahme des Körpergewichtes und der Blutfettwerte.
Diese Stoffwechselstörung muss unbedingt behandelt werden, da hierdurch vermehrt Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten können wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Messung des Insulinspiegels im Nüchternzustand in Verbindung mit dem Nüchternblutzucker liefert eine Information über das Ausmaß der Insulinresistenz der Leber, die durch die gesteigerte Zuckerneubildung mit gleichzeitig erhöhter Insulinfreisetzung gekennzeichnet ist. Die Insulinresistenz der Muskulatur dagegen kann man gut mit einem „oralen Glukosetoleranztest“ (OGT) mit Insulinspiegelbestimmung abschätzen. Die Insulinresistenz kommt in einem veränderten Sekretionsprofil zum Ausdruck. Charakteristisch ist das Verschwinden der frühen Sekretionsspitze 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme, gefolgt von einer überhöhten und verlängerten Insulinwirkung. Im weiteren Verlauf der Insulinsekretion entwickelt sich dann das zunehmende Sekundärversagen mit abnehmenden Insulinspiegeln und entgleisendem Blutzucker, d. h. in diesem Stadium kann die Bauchspeicheldrüse keine ausreichende Menge an Insulin mehr bilden.
Lage der Bauchspeicheldrüse.
Als weiterer Parameter ist die Messung des intakten Proinsulins möglich. Er spiegelt die Überlastung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüsenzelle wider. Normalerweise wird Proinsulin zu Insulin und C-Peptid gespalten und taucht im Blut nicht auf. Mit zunehmender Schädigung der Bauchspeicheldrüse und Erschöpfung kommt es zu einem Anstieg des intakten Proinsulins im Blut.
„Nebennierenschwäche“
In der medizinischen Fachsprache ist bisher der Begriff „Nebennierenschwäche“ unbekannt. Lediglich die Bezeichnung Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison) wird aufgeführt. Die Krankheit ist allerdings sehr selten, denn nur 4 von 100 000 Menschen erkranken. Erst wenn über 90 % der Nebennieren zerstört sind, wird von dieser Krankheit gesprochen. Ein Mangel an Kortisol ist charakteristisch. Es gibt allerdings Anzeichen, dass Menschen bereits bei leichteren Störungen der Nebennieren Krankheitssymptome zeigen. Im Vordergrund stehen eine starke Müdigkeit und niedrige Blutdruckwerte. Ein Kortisol-Tagesprofil im Speichel ist die beste Untersuchung, um diese Störung nachzuweisen.
Progesteron
Progesteron (Gelbkörperhormon) kann vermindert sein, da zur Bildung dieses Hormons Vitamin B6 und Zink erforderlich sind. Störungen im Menstruationszyklus sind die Folge. Das sogenannte „PMS“-Syndrom (prämenstruelles Syndrom) ist häufig. Auch eine Schwangerschaftsübelkeit tritt häufiger bei Patientinnen mit KPU auf als bei Gesunden.
Angeboren oder erworben?
Ist KPU angeboren oder erworben? Müssen wir uns darüber Gedanken machen? Wahrscheinlich schon, denn über diese Frage wurde in der letzten Zeit immer wieder diskutiert. HPU, also Hämopyrrollaktamurie, als angeborene und KPU als erworbene Stoffwechselstörung? Kann man das so einfach trennen?
Ursache beider Stoffwechselstörungen ist eine Synthesestörung des Häms in den Mitochondrien. Dadurch kommt es zu einem Anstieg der Pyrrol-Ausscheidung im Urin und zu dem bekannten Verlust an Vitamin B6, Zink und Mangan. Wenn es um Vererbung geht, dann müssen wir uns um die Erbinformation, also um die Genetik und die DNA kümmern. Das Besondere ist, dass die Mitochondrien ihre eigene DNA besitzen. Das gibt es nämlich sonst nirgendwo im Körper. Nur der Zellkern, kein anderer Zellbestandteil, besitzt genetische Informationen.
Und es gibt weitere Besonderheiten. Die mitochondriale DNA ist ringförmig angelegt und sie stammt ausschließlich von der Mutter. Die genetische Information des Vaters wurde eliminiert. Das ist ein klarer Nachteil, denn Schädigungen der DNA können deshalb nicht repariert werden wie im Zellkern, wo immer zwei Kopien vorliegen.
Bisher ist nicht geklärt, an welcher Stelle sich die Schädigung der DNA bei KPU oder HPU befindet, auch nicht, wann die Schädigung der DNA überhaupt stattfindet – schon vor der Geburt oder später? Sind also Überstreckbarkeit der Gelenke, das blasse Gesicht und die Muskelschwäche intrauterin entstanden oder erst nach der Geburt?
Darüber gibt es keine Klarheit. Sollen wir zwischen primärer (angeborener) und sekundärer (erworbener) KPU unterscheiden? Macht das Sinn? Leiden Kinder mit ADHS und KPU an einer angeborenen KPU oder ist sie doch eher erworben? Wenn die Kinder überwiegend Mädchen sind, liegt dann auch eine angeborene KPU vor? Das sind viele Fragen!
Die Schädigung kann zu jedem Zeitpunkt eintreten. Vor der Geburt oder nach der Geburt. Immer konzentrieren wir uns auf die Symptomatik und setzen die verschiedenen Testverfahren ein, um Ursachen aufzuspüren. Die Therapie orientiert sich an diesen Testergebnissen. Sind die Eltern erkrankt, dann setzt auch die Diagnostik viel früher ein und entsprechend früher beginnt die Therapie.
Für mich spielt die Frage „angeboren“ oder „erworben“ eher eine untergeordnete Rolle. Sie ist eigentlich nur theoretischer Natur. Es folgt eine Übersicht über die verschiedenen Ausprägungen, die eine Unterscheidung zwischen angeboren oder erworben möglicherweise zulassen:
| Merkmal | Angeborene Kryptopyrrolurie | Erworbene Kryptopyrrolurie |
| Häufiges familiäres Vorkommen | + | – |
| Schilddrüsenerkrankungen | + | + |
| Erschöpfung, Müdigkeit | + | + |
| Kreativität, Sonderbegabungen | + | – |
| Blasse Gesichtsfarbe, gebräunte Arme | + | – |
| Sammlerleidenschaft | + | – |
| Muskelschwäche der Arme und des Rumpfs | + | – |
| Überstreckbarkeit der Gelenke | + | – |
| Stressintoleranz | + | – |
| Kleiner Kiefer, Engstellung der Zähne | + | – |
| Gewebstreifen am Gesäß | + | – |
| Häufig Mädchen in der Familie | + | – |
| ADS/ADHS | + | – |
| Psychische Störungen in der Kindheit | + | – |
| Gewichtszunahme im Alter | – | + |
| Cholesterinerhöhung | – | + |
| Nebennierenschwäche | – | + |
| Medikamentenunverträglichkeit | + | + |
| Verstopfung | + | – |
| Durchfall | – | + |
| Konzentrationsstörungen | + | + |
| Fehlende Traumerinnerung | + | + |
| Unfall mit Prellung an Kopf und Hals | – | + |
| Hohe Messwerte für Citrullin | – | + |
| Schwermetallbelastungen (Amalgam) | – | + |
Darmowy fragment się skończył.