Czytaj książkę: «Best of Interior 2020»


Best of Interior 2020
DIE 40 SCHÖNSTEN WOHNKONZEPTE
JANINA TEMMEN
PIA A. DÖLL

Inhalt
Best of Interior
VORWORT
Pia A. Döll, Präsidentin bund deutscher innenarchitekten (bdia)
EINLEITUNG
Janina Temmen
JURY
Die „Best of Interior“-Jury
1. PREIS

Die ultimative Maßanfertigung
LABVERT Wien
ANERKENNUNGEN

Tempel des Lichts
ARNOLD/ WERNER Urfeld
Ode an die Toskana
HOLZRAUSCH Toskana
Bauernhof-Glück in Reinform
SWA.STUDIO Seeshaupt
AUSGEWÄHLTE PROJEKTE

Etwas Extravaganz im Altbau
ARZU KARTAL Hamburg
Dolce Vita einmal anders
SCHIEFER TSCHÖLL ARCHITEKTUR Kaltern am See
Eine luxuriöse Bühne
NAOMI HAJNOS Zug
Frische Brise im Wasserschloss
EMMA BRUNCKHORST Norddeutschland
Schlicht, schlau, stilvoll
HAUSZEITDESIGN Hollern Twielenfleth
Auf Kuschelkurs mit den Seventies
FORMSTELLE München
Minimalistische Wohnbox mit Show-Effekten
PLANUNGSBÜRO I21 Hessen
Eine Diva im Grunewald
HERRENDORF INNENEINRICHTUNGEN Berlin
Pionier im Voralpenland
BRÜCKNER ARCHITEKTEN Oberaudorf
Ein Landhaus am Meer
QUARTIER WESTKÜSTE Garding
Midcentury-Hommage ohne Schwülstigkeit
DECORAZIONI Hamburg
Loft mit funktionalem Herz
STUDIO 211 Esslingen am Neckar
Gediegener Privatclub
ATELIER RAUMFRAGEN Berlin
Wo die Ruhe wohnt
ENTER THE LOFT Amsterdam
Generationenwechsel
GREINER+FRANZ Eching
Wohnen über dem Wasser
BAUSTUDIO KASTL Rostock
Hamburger Schickeria
REIMANN ARCHITECTURE Hamburg
Luxus, hanseatisch buchstabiert
REIMANN ARCHITECTURE Hamburg
Klarer Kern
ATELIER N.4 Raum Chemnitz
Freiraum für Familienleben
GABRIELA RAIBLE INNENARCHITEKTUR München
Soft retro
NAOMI HAJNOS Davos
Eine Ruheoase in der Eifel
JONICO Bad Münstereifel
Hoch hinaus
RAUMFABRIK Münster
Spieglein, Spieglein an der Wand
PURPUR Frankfurt
Mit Wien zu Füßen
EINWALLER & PARTNER Wien
Familien-Retreat in den Alpen
IAM INTERIOR.ARCHITECTS.MUNICH Graubünden
Klassik mit einem Twist
JULIA RAFFLENBEUL INTERIOR ARCHITECTURE Dresden
Die Luxus-Lounge
HOLLIN + RADOSKE Frankfurt
Stil-Update fürs Winzerhaus
KPLUS KONZEPT Zeltingen
Alles im Fluss
12:43 ARCHITEKTEN Weilheim
Nobler Ankerplatz
CHRISTOPH SCHWARZ ARCHITERIOR AND DESIGN München
Überraschend anders
BIRGIT VON MOLTKE INNENARCHITEKTUR Frankfurt
Klare Verhältnisse
WOHNATELIER Tirol
Das Layering-Prinzip
ESTER BRUZKUS ARCHITEKTEN Berlin
Eine natürliche Schönheit
SCHIEBER | DE ZANET INNENARCHITEKTUR Wasterkingen
Ein Juwel ohne Attitüden
DESTILAT DESIGN STUDIO Wien
Lösungen des Jahres
Adressen
Impressum



EIN VORWORT VON
Pia A. Döll Präsidentin bund deutscher innenarchitekten
„Best of Interior“ – so deutlich wie in den vergangenen Wochen und Monaten wurde schon lange nicht mehr, wie wichtig gute Wohnräume für unser Wohlbefinden, für unseren Alltag und für unsere Familien sind. Begleitet vom Aufruf #stayhome blieben nahezu alle Menschen in Deutschland, in Europa und weltweit wochen- und monatelang zu Hause. Die Corona-Krise und der dadurch bedingte Lockdown zwangen uns, in den eigenen vier Wänden zu verharren und dort das Wohnzimmer oder die Küche in ein Homeoffice zu verwandeln oder das Arbeitszimmer plötzlich mit den schulpflichtigen Kindern zu teilen. Ein Riesenschritt in Richtung Digitalisierung mit Videokonferenzen, Cloud-Working und Home-Schooling. Die Arbeitswelt befand sich auf einmal in unseren Wohnräumen und private Rückzugsmöglichkeiten wurden für viele rar, andere dagegen fühlten sich einsam. In unserem Zuhause haben wir Sport getrieben, die Yoga-Matte im Wohnzimmer ausgerollt und die digitale Theateraufführung auf dem Balkon oder im Bett genossen. So eng waren wir nie zuvor mit allen Sinnen mit unserem Zuhause verbunden. Wir haben die Wohnzimmer unserer Kolleg*innen und Chef*innen gesehen und sicher manch komisches Video-Bombing erlebt, wenn Mitbewohner*innen ungeplant ins Bild liefen. Dabei konnten wir hier und da tolles Interior Design entdecken – ob Scandi, Japanordic, Bohemian oder Barock. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich noch nie so klar wie in dieser Situation gezeigt hat, welche Räume oder Teile unseres Zuhauses nicht passen. Wo die Räume nicht so sind, wie wir sie brauchen, damit sie unseren Bedürfnissen gerecht werden. Eventuell war uns vorher nicht bewusst, welch weitreichende Bedeutung die Ästhetik und Funktion guter Innenarchitektur und guten Interior Designs haben.
Wohnräume spiegeln die Individualität ihrer Bewohner*innen und deren Bedürfnisse wider. Die Kunst, diese persönliche Note in der Gestaltung der Innenräume zu offenbaren, bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit den Bewohner*innen. Die Menschen sind ganz unterschiedlich und haben ihre eigene kulturelle Herkunft und Prägung, ihre persönliche Lebenssituation, ihre individuellen Wünsche und Möglichkeiten. Das heißt auch, dass gute Innenarchitektur und gutes Interior Design nicht einfach kopiert werden können. Es gibt zwar Trends in Design, Farben und Stoffen, es existiert immer ein Zeitgeist. Aber gute Innenarchitektur zeichnet sich dadurch aus, dass sie unverwechselbare und auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Innenräume schafft – von der Gestaltung über die technische Planung bis hin zur qualitätsvollen Umsetzung.
Freuen Sie sich auf Beispiele eindrucksvoller Wohnräume und gelungener Innenarchitektur, die in diesem Buch versammelt sind. „Best of Interior“ nimmt auf den folgenden Seiten in wunderbarer Weise Gestalt an. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre!
Viel Freude mit dem Buch!

Raum für Neues
ZUHAUSE IST 2020 ZU NOCH MEHR GEWORDEN ALS „NUR“ ZU EINEM ORT, AN DEM MAN WOHNT. DA SIND NATÜRLICH AUCH NEUE INNENEINRICHTUNGSIDEEN GEFRAGT. DIESES BUCH VERSAMMELT DIE KREATIVSTEN PROJEKTE DES JAHRES.
Janina Temmen
Während dieses Buch entstand, durften nahezu alle, mit denen ich sprach, aufgrund der Corona-Pandemie ihr Zuhause nicht verlassen. So hörte ich während meiner Telefonate manchmal die Kinder meiner Gesprächspartner im Hintergrund spielen oder ihren Eltern etwas zurufen. Manchmal saßen die Innenarchitekten auch im Garten und ich vernahm Vogelgeräusche im Hintergrund. Oder jemand musste erst mal zum nächsten Hotspot fahren, um mich überhaupt erreichen zu können.
Keine Frage, die Corona-Pandemie verändert die Welt; sie verändert ebenfalls unsere Wahrnehmung von Zuhause: sicherer Hafen auf der einen, vom sozialen Leben abgeschnittene Kapsel auf der anderen Seite. Was für ein Segen, wenn es in den Wochen des Lockdown einen Balkon gab oder eine Terrasse. Doch natürlich ist das generell so: Wie wohltuend, wenn ein Bereich im eigenen Zuhause existiert, in dem man Sport treiben oder die Seele baumeln lassen kann. Wenn man die Berge, den Himmel sehen kann – um in die Ferne zu blicken und sich danach zu sehnen.
Kennen Sie noch das Buch „Oh, wie schön ist Panama“ von Janosch? Darin suchen ein Bär und ein Tiger das Paradies. Sie finden es: vor ihrer eigenen Haustür. Vielleicht ist es auch das, was wir in der Krise gelernt haben: dass das ganz große Glück zu Hause liegt. Womöglich legen wir deshalb jetzt besonders viel Aufmerksamkeit auf die Gestaltung unseres Heims.
Dieses Buch ist dafür die ideale Inspirationsquelle, denn es gewährt einzigartige Einblicke in Ferienhäuser, Familien-Refugien, Villen, City-Apartments … Es entschlüsselt aber auch das Denken der Menschen dahinter und ihre kreativen Konzepte. Nicht selten liegt ihr gesamtes Herz darin oder mehr noch: drückt das Projekt ihre Zukunftsvision aus.
Der kreative Geist ist immer größer als der Raum, in dem er entsteht. Lassen Sie ihn frei fließen und Neues entstehen!

Die „Best of Interior“-Jury
IN IHREM ALLTAG SIND DIESE FÜNF FRAUEN TÄGLICH MIT DEM THEMA EINRICHTEN ZUGANGE. SPASS MACHT IHNEN INTERIOR DESIGN ABER AUCH DANN, WENN SIE NUR AUS DER JURYPERSPEKTIVE AUF EIN PROJEKT SCHAUEN. IHR LIEBLINGSMOMENT BEIM „BEST OF INTERIOR AWARD 2020“: ALS SICH DIE TÜREN ZUM MEETINGRAUM MIT DEN HOCHKARÄTIGEN BEWERBUNGSUNTERLAGEN ÖFFNETEN …


Janina Temmen
… schreibt als Designjournalistin für internationale Wohn- und Lifestyle-Magazine. Sie spürt mit Leidenschaft Geschichten auf und ist eng mit den kreativen Köpfen der Szene verbunden.
JANINATEMMEN.DE
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Stephanie Thatenhorst
… hat mit der von ihr gestalteten Scheune im Chiemgau 2019 allen den Kopf verdreht. Mit Spannung wird nun die Eröffnung eines Hotels in St. Anton erwartet, dessen Interieur ihr Studio verantwortet. Neu ist auch ihr Showroom in München voll mit hochkarätigen Designstücken.
STEPHANIE-THATENHORST.COM
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Pia A. Döll
… ist 2019 an die Spitze des bundes deutscher innenarchitekten (bdia) aufgerückt – und so auch fester Bestandteil der „Best of Interior“-Jury. Da sie in mehreren Fachkommissionen sitzt, ist ihr diese Arbeit nicht fremd. Und den Innenarchitektur-Alltag kennt sie ebenfalls bestens: Denn mit ihrem DÖLL Innenarchitekturbüro ist sie neben dem Ehrenamt immernoch aus Frankfurt heraus freiberuflich tätig.
BDIA.DE
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Bettina Billerbeck
… ist quasi eine Institution: Nicht nur, weil sie sich als Chefredakteurin des Magazins SCHÖNER WOHNEN täglich mit den schönsten Seiten des Einrichtens beschäftigt, sondern auch weil sie bereits seit 2017 Teil der „Best of Interior“-Jury ist.
SCHOENER-WOHNEN.DE
Unsere Partner

Der bdia bund deutscher innenarchitekten e. V. ist der größte und wichtigste Innenarchitektur-Verband in Deutschland. Seit über 60 Jahren fördert und festigt er den Berufsstand und die Berufsausübung der deutschen Innenarchitektinnen und Innenarchitekten.

SCHÖNER WOHNEN ist die führende deutsche Wohnzeitschrift mit Themen rund um Wohnen, Einrichten, Bauen mit einer verkauften Auflage von rund 200.000 Exemplaren. Die Erstausgabe erschien im Januar 1960 im Verlag Gruner + Jahr.

BOLD heißt kühn, mutig und tapfer, wild, frech und gewagt. An diese Vision hält sich BOLD bei der Verwirklichung eines Designhotels, das die Hotelszene im günstigen Preissegment ein wenig aufmischen soll.

Neuhoff Natursteinwerk gehört zu den ersten Adressen in Deutschland, wenn es um hochwertigen Innenausbau und stilvolle Außenanlagen mit Naturstein im In- u. Ausland geht. Ob in den Werkstätten im unterfränkischen Schwanfeld oder im Showroom STEINSALON in München, Neuhoff zeichnet große Kompetenz, Fachwissen und Liebe zum Handwerk aus.
1. Preis
Anerkennungen

BEST OF INTERIOR AWARD 2020
• 1. PREIS •
Labvert

EINE LAUDATIO VON
Bettina Billerbeck
Eine Altbauwohnung von Grund auf neu zu planen und einzurichten, ohne ein einziges vorhandenes Möbel integrieren zu müssen – vor dieser Aufgabe stehen Innenarchitekten eher selten. Üblicher ist heute ein „Mix & Match“ von Alt und Neu oder aber die Auftraggeber haben sich in einen ganz bestimmten Teppich verliebt und in einen Farbton, der unbedingt an die Wand muss. In der Wiener Wohnung, die der Gewinner des „Best of Interior Awards“ gestaltet hat, lautete die Vorgabe: Midcentury aus einem Guss und in Perfektion. Das ist gelungen. Zunächst hat der Architekt in dem Gründerzeithaus in der Josefstadt zwei Wohnungen zu einer zusammengelegt – so entstanden vier Zimmer auf 130 Quadratmetern. Neues Fischgrätparkett aus massivem Eichenholz bildet die Grundlage, auch für das natürliche Farbkonzept. In den zur Straße hin gelegenen Räumen befinden sich der Koch-, Ess- und Wohnbereich, Richtung Innenhof das Schlafzimmer und eine Bibliothek. Raumteiler aus Glas und Stahl trennen so klug wie dezent die Zonen – etwa zwischen Bett und Ankleide oder Küche und Esstisch. Im Wohnzimmer hat sich eine Gruppe Österreicher breitgemacht: die Bank „Constanze“ in schwarzem Leder und die passenden „¾-Sessel“ aus der Hand von Johannes Spalt für Wittmann. Grau gepolsterte Stühle von Fritz Hansen gruppieren sich um einen Esstisch aus hellem Holz, den das Designbüro des Architekten gezeichnet hat. Die vielen eigenen Entwürfe sind es, die das Einrichtungskonzept zusammenhalten – einfach nur Designklassiker aus den 50er- und 60er-Jahren zu arrangieren, das hätte nicht die angestrebte Perfektion ergeben. Das Interieur wird daher bestimmt von Einbauten sowie von exklusiven Kommoden und Sideboards aus Teak und vernickeltem Metall, die formal den Midcentury-Look aufnehmen, deren Fronten aber zeitgenössisch glänzen. Ein paar Spritzer Zitrone – die Platner-Hocker und ein Teppich in Gelbtönen – verleihen dem Einrichtungskonzept die moderne Frische. Im Museum wohnen wollten die Eigentümer offenbar auch nicht. Die Küche nimmt die Themen helles Holz und Glanz wieder auf. Sie ist eine Sonderanfertigung aus Teak und spiegelndem Strukturglas – mit einer Küchenarbeitsfläche aus aktuellem Terrazzo. Die Wiederholung von Farben und Materialien ist Teil des Erfolgsrezepts für diese Einrichtung, ebenso der Einsatz von Glaselementen, der Funktionalität und Struktur erreicht, ohne Blicke zu versperren und den Räumen die Großzügigkeit zu rauben. Das Sinnliche des Interieurs mit seinen Holz- und Textiloberflächen und den sanften Cremetönen lässt an einen luxuriösen, aber superdezenten Kaschmirpullover denken, in den die Bewohner genüsslich schlüpfen können, wenn sie nach Hause kommen. Ein bis ins Detail durchkomponiertes und im wahrsten Sinne ganzheitlich eingerichtetes Zuhause, in dem man sofort zur Ruhe kommt. Das ist Best of Interior – herzlichen Glückwunsch an Stephan Vary und sein Wiener Büro Labvert.
Die ultimative Maßanfertigung

LABVERT // WIEN
In der Josefstadt zeigt sich Wien von seiner prachtvollsten architektonischen Seite. Nur die Natur kommt hier etwas zu kurz. Für die Bewohner dieser Gründerzeit-Wohnung kein Nachteil, denn sie lieben das Leben in der Stadt. Die überzeugten Kosmopoliten pendeln schon lange zwischen Paris und Wien. Als sie mit dem Architekten und Industrial Designer Stephan Vary begannen, ihre Zweitwohnung einzurichten, war schnell klar: Alles darf neu werden. „Wir konnten hier ein Interieur ‚wie aus einem Guss‘ entwerfen, weil es keinerlei Altlasten gab, die integriert werden mussten“, sagt der Architekt. Außerdem wussten seine Kunden genau, was sie wollten – und zwar bis ins kleinste Detail. „Das Besteck stand beispielweise schon fest, bevor die Küche geplant wurde, also haben wir die Innenfächer der Küchenschubladen exakt darauf angepasst“, erzählt der Architekt. Die Küche dieser Zweitwohnung ist überhaupt der Ort, an dem die Interior-Design-Perfektion auf die Spitze getrieben wird: Teakholzverkleidete Möbel treffen auf hellgraue Terrazzo-Platten. Die Oberschränke sind mit Strukturglas verkleidet, das in einer Sandwich-Konstruktion hinterspiegelt wurde. Ähnlich lange wie an dieser Lösung haben Stephan Vary und sein Auftraggeber am Indoor-Kräuterbeet herumgedoktert: Es ist in den Küchentresen eingelassen und ein grüner Blickfang direkt an der gläsernen Trennwand zum Essbereich.
Die Idee mit der Glastrennwand wurde im Schlafzimmer wiederholt: Hier ruht das dünne Stahl-Glas-Profil auf einer halbhohen, holzverkleideten Mauer. „Die Wand hat eher einen psychologischen Wert“, betont der Architekt. Sie teilt den großen Raum in Ankleide und Schlafbereich. Die halbhohen Schränke sind mit einem anthrazitfarbenen Stoff verkleidet, der eine haptische Schmeichelei ist, aber auch eine dezente Schallschutzmaßnahme in den hohen Altbauräumen. Anderswo ist mit demselben Stoff eine Kommode bezogen, in der Garderobe eine ganze Wand. Die Einheitlichkeit und die Wiederholung stiften einen beruhigenden Gleichklang. Stephan Vary erklärt: „Die Wohnung sollte wie ein Lieblingskleidungsstück sein, in das man schlüpft und sich sofort wohlfühlt.“ Da passt es auch, dass es im Entree einen exakt geplanten Abstellplatz für die Rollkoffer der Bewohner gibt.

Details
WOHNUNG WIEN

Anzahl der Bewohner: 2 Personen
Wohnfläche: 130 qm
Gesamtfläche: 130 qm
Fertigstellung: 06/2019
„Wir haben hier relativ streng wenige Materialien durchdekliniert und dafür mit den Details gespielt.“

STEPHAN VARY LABVERT



Ein Wiener Altbau, in den die Moderne eingezogen ist: Maßeinbauten bilden den Rahmen, Midcentury-Stücke dienen als stilistische i-Tüpfelchen.
Teppich Tai Ping Carpets (maßgefertigt) Couchtisch Knoll International Sofagruppe „Constanze“, Johannes Spalt für Wittmann

Der Einheitlichkeit halber ziehen sich dieselben Materialien komplett durch die Wohnung: Garderobe und Badezimmer inklusive

Der Schlafbereich ist, für mehr Behaglichkeit, innerhalb des Schlafzimmers noch mal extra durch ein Sideboard mit Glasscheibe abgetrennt.
Einbaumöbel Design Labvert (ausgeführt von Kattun) Nachttischleuchte Occhio Glaskugelleuchte Classicon

Die Schiebetüren der Glastrennwand können Esszimmer und Küche (akustisch) separieren. Ideal, wenn Gäste zum Dinner zu Besuch sind.
Esstisch Labvert (ausgeführt von Kattun) Stühle Arne Jacobsen für Fritz Hansen Barhocker Knoll International

Wohnlich und doch funktional – dem Homeoffice gelingt der Stilspagat.
Schreibtischstuhl Charles Eames für Vitra Tischleuchte Joe Colombo für Oluce Wandkunst Margherita Spiluttini

Lichtgraues Terrazzo (von Gierer) und spiegelndes Strukturglas hellen die Küche mit ihren Holzfronten auf.
Bronzefarbene Armaturen Fantini

Symmetrie ist hier alles – deshalb hängen auch exakt drei Kunstwerke (von Max Piva) über dem dreigliedrigen Sideboard im Wohnzimmer.
• ANERKENNUNG •
Arnold / Werner

EINE LAUDATIO VON
Janina Temmen
Die Kunst des Ferienhauses Urfeld fängt schon draußen an: Die Fassade ist mit heimischen Nadelholzleisten verkleidet, das Geländer des Balkons an die Fugen angepasst, die Türen und Fenster bündig eingebaut. So gleicht das Haus einem Monolithen, der still und stolz im Wald steht, dabei allerdings kein bisschen klobig ist.
Die Leichtigkeit ist hier zu Hause: Schon nach einem Schritt ins Haus befindet man sich unter einer „Lichtdusche“. Das Oberlicht, das sich fast über den gesamten Küchentrakt erstreckt, flutet den Raum und – dank einer zwei Drittel hohen Wand – auch den angrenzenden Wohnraum mit klarem Nordlicht. Der Dachspitz ist ausgebaut, von oben wurde eine filigrane Holztreppe an Stahlstreben abgehängt – eine Konstruktion, die zu tanzen scheint. Ruhe ist nicht das Fehlen von Bewegung, wohl aber das Fehlen von Überflüssigem, das macht dieses Haus eindrucksvoll klar.
Als überflüssig betrachtete es Sascha Arnold von Arnold / Werner Architektur und Innenarchitektur aus München auch, den Bestandsbau ausnahmslos zu ersetzen (obwohl der wirklich komplett heruntergekommen war). Stattdessen wurde das alte Haus schonend und mit baubiologisch unbedenklichen Baustoffen erweitert, Weißtanne aus der benachbarten Gemeinde Jachenau zum Beispiel. Apropos regional: Alle Einbauten haben Handwerker aus der Umgebung vorgenommen. Die Trennwand zur Küche ist aus Holzlatten, die beim Umbau gefunden wurden. Der Teppich im Wohnzimmer besteht aus recycelten Wollresten … Das Ferienhaus Urfeld ist auch deshalb so eine große Inspiration, weil das Thema Nachhaltigkeit selten so selbstverständlich und ungekünstelt aufgegriffen wird.
Tempel des Lichts

ARNOLD / WERNER // URFELD
Gegen 11 Uhr am Vormittag ist der Ausblick besonders magisch: Dann steht die Sonne so, dass der gesamte Walchensee zu glitzern beginnt. Das Karwendelgebirge und die Wälder drum herum bilden einen dramatischen Rahmen. Auch deshalb sind die Wände im Ferienhaus Urfeld leer: Nichts soll mit der Umgebung konkurrieren.
Die bayerische Gemeinde Urfeld am Walchensee nutzte einst schon Goethe als Zwischenstopp auf seiner Reise nach Italien. Die strategisch günstige Lage bescherte der Region noch einige Zeit Besucherströme. Dann kamen Autobahnen und Urfeld fiel in den Dornröschenschlaf. Sascha Arnold suchte trotzdem sehr lange nach einem Haus in „Klein Kanada“, wie er es nennt. Als er sein Ferienhaus fand, war es ein kompletter Sanierungsfall – doch das schreckte den Münchner Architekten nicht ab. Durch eine neue Gebäudehülle mit in die Dachfläche integrierten Fotovoltaikpaneelen und eine eigene Abwasserreinigungsanlage sowie Heizkamin lässt sich das Haus nun energetisch autark nutzen. Im Innenausbau wurden fast ausschließlich Baustoffe aus der Region eingesetzt wie das Weißtannen-Holz aus der nur wenige Kilometer entfernten Jachenau. Dielenböden aus dem Altbau wurden wiederverwendet. Fast alle Einbauten, Leuchten und Einrichtungsgegenstände stammen von Handwerkern und Designern der Region. „Das Haus hat jetzt ein extremes Wohlfühl-Klima“, erzählt Sascha Arnold.
Das Kokon-Feeling, das er anstrebte, sollte sich aber grundlegend von dem Wohnambiente in anderen Holzhäusern in der Region unterscheiden: Der Architekt wollte viel Licht und Luft, ein meditatives Raumgefühl wie in der japanischen Architektur. Wenn man jetzt das Haus betritt, befindet man sich in einem Raum, der von einem Oberlicht vollständig ausgeleuchtet wird. „Es zeigt nach Norden – genau wie die Atelierfenster von Künstlern“, erklärt Sascha Arnold.
Der Kochbereich ist eine Auftragsarbeit von Norbert Wangen, mit Edelstahl-Korpus und rosa lackierten Holztüren. „Ich wollte einen Farbkontrast zum Stahlgrau“, erläutert der Gestalter seine Wahl. Die Wand zum Wohnraum ist im oberen Drittel offen, der Blick kann zum Dachspitz hochfliegen. Eine filigrane abgehängte Treppe führt dorthin, wo sich noch ein kleines Bad und ein Schlafzimmer verstecken. Vom schlichten Futonbett schaut man durch ein Bullaugenfenster in den Wald und durch das Oberlicht in den Himmel.

Details
FERIENHAUS URFELD

Anzahl der Bewohner: 2-4 Personen
Wohnfläche: 85 qm
Gesamtfläche: 120 qm
Fertigstellung: 06/2019
„Auch farblich ist das Haus reduziert: Einzig rosarote Akzente und Salbeigrün werden immer wieder aufgenommen.“

STEFFEN WERNER & SASCHA ARNOLD ARNOLD / WERNER ARCHITEKTUR UND INNENARCHITEKTUR



Loft- und Chalet-Gefühl schließen sich in diesem Wochenendhaus am Walchensee nicht aus: Deckenlichter fluten die holzverkleidete Räume mit Tageslicht.
Leuchten Nemo Lighting; &tradition Rest Maßanfertigungen

Auch die abgehängte Treppe ins Obergeschoss hält sich an die gestalterische Vorgabe: klare Linien und filigrane Formen.
Teppich 13rugs Glastisch Classicon

Der Kochbereich ist eine Auftragsarbeit von Norbert Wangen, mit Edelstahl-Korpus und rosa lackierten Holztüren.

Die Sitzecke in der Küche ist mit antiker Holzbank und Bleistiftzeichnungen eine Ode an die alpenländische Umgebung.

Blick aus dem Badezimmer in Richtung Schlafbereich: Mosaiksteinchen und ein argentinischer Läufer verbreiten ein multikulturelles Flair.

Das Wochenendhaus Urfeld ist holzverkleidet – typisch für die Region. Doch die von Japan inspirierte Architektursprache hebt es deutlich hervor.

Meditation einmal anders: Schlichtes Futonbett und grifflose Schränke halten die Optik im Schlafzimmer ruhig.
• ANERKENNUNG •
Holzrausch

EINE LAUDATIO VON
Stephanie Thatenhorst
Was für eine tolle und spannende Aufgabe für das Team von Holzrausch, ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes, typisch toskanisches Landhaus in ein modernes Ferienhaus verwandeln zu dürfen. Und ich bin begeistert: Diese zeitgemäße Interpretation ist ihm mehr als gelungen!
Die Casa Morelli ist geprägt von einzigartigen Ausblicken auf die Hügellandschaft der Toskana. Dadurch, dass Fassadenelemente großzügig geöffnet wurden, verschmelzen Innen- und Außenraum und das Haus erhält ein südländisches Flair. Aber auch die sehr individuelle Ausstattung und meisterhafte Handwerkskunst kennzeichnen den Charakter des Hauses.
Besonders auffallend ist, wie im Innenraum mit unterschiedlichen Strukturen und Oberflächen Spannung erzeugt wurde. Man schaue sich zum Beispiel den rauen Wandputz an, der auf glattes Holz trifft. Wieder anders sind die dunklen Cotto-Fliesen: Ihre mystische Erscheinung erzeugt Atmosphäre und Gemütlichkeit. Die speziell angefertigten Fliesen für den Boden, die Küche und den Kamin verstärken die eigenständige Interior-Sprache dieses Hauses – genau wie die maßgefertigten Möbel.
Dazu begeistert ein großartiges Zusammenspiel von erdigen Farbtönen und natürlichen Materialien. Insgesamt kann man unterstreichen: In der Casa Morelli werden rustikales, historisches Ambiente und ein zeitgenössisches, urbanes Flair außerordentlich gekonnt vereinigt. Chapeau und Glückwunsch!
Ode an die Toskana

HOLZRAUSCH // TOSKANA
Um zur Casa Morelli zu kommen, fährt man mit dem Auto durchs italienische Outback: Olivenhaine, Steineichen und mit Zypressen bewachsene Hügel, soweit das Auge reicht. Wenn man ankommt, empfängt einen das Zirpen der Zikaden und ein Steinhaus im toskanischen Stil. „Ich kenne diesen Ort schon sehr lange“, erzählt Tobias Petri, Geschäftsführer von Holzrausch Planung & Werkstätten in München, die den Ausbau der Casa Morelli betreuten. Seine persönliche Verbundenheit mit diesem Fleckchen Erde ist in jedem Detail des Hauses spürbar.
Da sind zum Beispiel die handgefertigten Cotto-Böden, die speziell für das Haus im nahe gelegenen Impruneta entwickelt wurden: Die schmalen, anthrazitfarbenen Fliesen ziehen sich von der umliegenden Terrasse bis ins Haus hinein, den Küchenblock hoch und den Kamin, sogar die Wände in den Duschen sind damit gefliest. „Wir wollten uns auf wenige Materialien reduzieren“, erläutert Tobias Petri die Wahl.
Im Wohnraum reicht der konisch geformte Kamin hoch unter die offene Decke, die mit ihren Kastanienholzbalken und den dazwischengesetzten roten Terrakottafliesen Wärme und Ursprünglichkeit ausstrahlt. An kühlen Herbstabenden sorgt ein prasselndes Feuer für Wärme. In den meisten Monaten ist allerdings das in den Boden eingelassene Panoramafenster des Wohnraums meist bis in die späten Abendstunden weit geöffnet. In das rot-goldene Licht des Sonnenuntergangs getaucht, fließen Innen- und Außenraum dann grenzenlos ineinander über.
Wenn das Tageslicht erlischt, gehen in der Casa Morelli die maßgefertigten Leuchten an – mit einem sphärischen Licht. „Wir haben dafür mit dem Münchner Office Heinzelmann Ayadi zusammengearbeitet“, berichtet der Interior-Experte. Die brünierten Kupferleuchten passen sich farblich vollkommen an die Umgebung an und setzen in ihrer Rohheit einen Kontrapunkt zur puristischen Perfektion der Holzrausch-Einbauten. „Aus demselben Grund haben wir die Gestaltung der losen Möblierung fast vollständig in die Hände von Klaus Lichtenegger gegeben“, sagt Tobias Petri. Die Entwürfe des österreichischen Künstlers, der lange im Nachbarort lebte, sind aus Stahl, Kernleder und Holz und haben kubische, fast archaische Formen. Sie fangen die Essenz dieses Ortes ein und bannen sie in handwerkliche Perfektion. Fehlt nur noch ein Glas Chianti zum vollständigen Urlaubsglück.

Details
CASA MORELLI

Anzahl der Bewohner: 2-6 Personen
Wohnfläche: 165 qm
Gesamtfläche: 420 qm
Fertigstellung: 06/2019
„Rohe, massive Materialien kontrastieren in diesem Ferienhaus die puristische Perfektion der Einbauten.“

TOBIAS PETRI & SVEN PETZOLD HOLZRAUSCH PLANUNG UND WERKSTÄTTEN



Handgefertigte Cotto-Böden, rote Terrakottasteine und Kastanienholzbalken lassen den Wohnraum Wärme und Ursprünglichkeit ausstrahlen.
Teppich Linie Pue Sofa DePadova Couchtisch Sonderanfertigung von Klaus Lichtenegger Stereoanlage Burmester Audiosysteme

Die archaisch anmutenden Möbel des Essplatzes gestaltete Klaus Lichtenegger. Dazu passen die brünierten Kupferleuchten (vom Office Heinzelmann Ayadi).

Für das ultimative Sommergefühl: Das in den Boden eingelassene Panoramafenster des Wohnraumes lässt Innen- und Außenraum ineinanderfließen.

Die Materialien in diesem Ferienhaus ziehen sich von der Küche in den Wohnbereich und darüber hinaus.

Die Küche verzichtet zugunsten der Ästhetik auf Schnickschnack.

Auch in den Schlafzimmern mit ihren integrierten Badbereichen dominieren erdige Farbtöne und natürliche Materialien.
Armaturen Vola Waschtisch & Badewanne Maßanfertigungen
• ANERKENNUNG •
swa.studio

EINE LAUDATIO VON
Pia A. Döll
Mit dem Projekt Root Down wurde ein gesamter Bauernhof in Seeshaupt am Starnberger See bearbeitet. Von der Scheune bis zum Hühnerstall – die Übergänge von Bauteil zu Bauteil wurden harmonisiert und sind damit nicht mehr spürbar, beinahe unsichtbar. Insgesamt überzeugte ein klares und ruhiges Konzept, das aber niemals langweilig war. Der behutsame Umgang mit dem Bestand auf einer Gesamtfläche von 480 Quadratmetern, davon allein 425 Quadratmeter Wohnfläche, schafft eine sehr hochwertige Inszenierung der alten Bausubstanz.
Trotz der normalerweise dunklen Innenräume eines Bauernhofes ist es hier gelungen, durch die baulichen Veränderungen und die Auswahl der Materialien eine große Helligkeit in die Räume zu bringen.
Notwendige Ergänzungen wurden mit neuen, modernen Elementen gestaltet. Die daraus entstehende Spannung im Raum ist harmonisch und wirkt überaus ausgleichend. Eigens entworfene Leuchten sind als Kunstwerke stimmig im Raum platziert und werten die Räumlichkeiten auf. Die bestechende Materialauswahl ist ideal auf den Ort und das Objekt abgestimmt. Die extrem detaillierte Planung bis hin zur neu entworfenen Arbeitsplatte mit Waschtisch aus einem Element sowie die handwerklich einwandfreie Ausführung überzeugten die Jury, eine Auszeichnung für das Projekt Root Down zu vergeben. Es ist insgesamt eine sehr individuelle, ganz auf die Anforderungen und die Bedürfnisse der Nutzer maßgeschneiderte Gestaltung. Die siebenköpfige Patchworkfamilie mit französischer Bulldogge kann sich in dem neu gestalteten Bauernhof in allen Lebenslagen wohlfühlen.
Bauernhof-Glück in Reinform

SWA.STUDIO // SEESHAUPT
Der Anruf kam an einem Sonntagabend, das weiß Sebastian Wiedemann vom Architekturstudio swa noch genau. Der Herr am anderen Ende wollte ein Badezimmer seines Wochenendhauses umbauen. Wenig später fuhr der Münchner Architekt an den Starnberger See zu dem malerisch gelegenen Hof. Schnell war klar, dass aus der Zusammenarbeit mehr entstehen würde als nur ein neues Bad. Haus und Scheune wurden in der Folge Schicht für Schicht auseinandergenommen und liebevoll saniert. Der kleinteilige Grundriss des Hauses wurde geöffnet, unterschiedliche Raumhöhen angepasst, Gebäudeteile miteinander verbunden. Wer nun die 250 Jahre alte Holzeingangstür aufsperrt, steht in der hellen Diele mit Kalkestrichboden, gekalkten Wänden und einer weiß gestrichenen Balkendecke. Ein paar Gummistiefel hier, ein Ledersessel dort, sonst herrscht Ruhe.
Im alten Hühnerstall ist mittlerweile die Küche untergebracht. Die Küchenzeile hat eine Arbeitsplatte aus Naturstein bekommen und wird mit brünierten Zinnblech-Fronten kombiniert. „Eigentlich werden daraus Orgelpfeifen hergestellt“, erzählt Sebastian Wiedemann, „aber das Experiment ist uns geglückt.“ Durch einen Wanddurchbruch schaut man über die Theke auf den offenen Essbereich mit Kamin: ein schmaler Eichenholztisch, klassische Lederstühle, ein bunter Wollteppich auf dem Betonboden. Durch das bodentiefe Sprossenfenster aus Schwarzstahl kann man in den Garten blicken. Auch der Familienraum nebenan ist nicht übermäßig „eingerichtet“: In dem ehemaligen Kuhstall steht das Klavier der Familie, zwei Sessel und solitäre Glasleuchten ruhen in der Ecke. „Wir setzen in diesem Haus auf einfache Lichtquellen. Keine Spots, sondern einfache Leuchten, die fast Kerzenschein-ähnliches Licht spenden“, sagt der Architekt. Denn romantisch darf es hier sein – nur in Kitsch abgleiten sollte es keinesfalls. So hängt am offenen Gebälk in der Scheune auch eine Schaukel und eine offene Bruchsteinwand erzählt von der Geschichte des Hofes. Wer allerdings die schmale Stahltreppe ins Dach hochsteigt, wo die Eltern ihren Rückzugsraum haben, kommt in einer anderen Welt an: Nachtblaue Farbpigmente wurden hier in Fresko-Technik auf Wände und Decke aufgebracht. Das Bad ist nach marokkanischem Vorbild mit grauem Tadelakt gestaltet. Ein rundes Fenster unterm First hat ein buntes Glas mit nahöstlichem Muster. Orient und Oberbayern, „das geht gut zusammen“, so Sebastian Wiedemann.

Details
BAUERNHOF AM STARNBERGER SEE

Anzahl der Bewohner: 6 Personen
Wohnfläche: 425 qm
Gesamtfläche: 480 qm
Fertigstellung: 01/2018
„Wir haben uns hier auf wenige, aber spezielle Materialien konzentriert und die durchdekliniert. Das gibt dem Haus Ruhe.“

SEBASTIAN WIEDEMANN SWA.STUDIO



Viel Raum, Ruhe und ein paar Gute-Laune-Akzente: So könnte man das Einrichtungskonzept des Wohnraums beschreiben.
Esstisch Maßanfertigung Stühle Niels O. Moeller Teppich Nanimarquina Barhocker ladoug interior

Die Küche ist im ehemaligen Hühnerstall untergebracht. Die Küchenzeile hat eine Arbeitsplatte aus Naturstein und Zinnblech-Fronten.

In der Scheune kann man schaukeln – sonst ist nicht viel vorgegeben. Sie ist bewusst ein frei bespielbarer Raum für die ganze Familie.
Wandleuchte PS Lab Nashorn-Skulptur Antiquität

Das Bad der Eltern ist nach marokkanischem Vorbild mit Tadelakt gestaltet. Bronzene Armaturen passen zu dieser Inspiration.
Armatur Dornbracht, Maßanfertigung

Nahöstlich inspiriert: Im Schlafbereich der Eltern wurden nachtblaue Farbpigmente in Fresko-Technik auf Wände und Decke aufgebracht.

Das historische Bauernhof-Skelett im Aufgang zum Eltern-Bereich wird durch viel Tageslicht und weiße Wandflächen in Szene gesetzt.
Etwas Extravaganz im Altbau

ARZU KARTAL // HAMBURG
Die besten Partys finden in der Küche statt, heißt es. In dieser Wohnung ist das anders: Da bleiben Gäste meistens im Flur hängen. Schwarz-weiße Musterfliesen sind dort ausgelegt wie ein südländischer Teppich; ein eleganter, goldgelber Samtsessel lädt zum Sitzen ein; man blickt durch gläserne Stahltüren in den Wohnbereich. Spätestens zum Essen kommen aber alle in der Küche zusammen, wo man es sich auf einer Eckbank in tiefen Sitzkissen gemütlich machen kann. „Inspiration hierfür waren meine Sommerferien in der Türkei und wie ich in der Küche meiner Oma auf den Divans lümmelte“, erzählt die Hamburger Architektin und Innenarchitektin Arzu Kartal.
Die großzügige Altbauwohnung, die sie für ihre Kunden im Stadtteil Harvesterhude (zwischen schicker Rothenbaumallee und Univiertel) gestalten sollte, war „eine dunkle Höhle“. Dem Bedürfnis nach mehr Licht und Großzügigkeit kam sie entgegen, indem sie Türen verschob und vergrößerte, aufwendigen Stuck anbrachte und viel Weiß integrierte. „Den Wunsch nach einer minimalistischen Küche habe ich meinen Kunden aber ausgeredet“, sagt Arzu Kartal. Stattdessen setzte sie eine Küche in Schwarz-Weiß um: ein Küchenblock mit einer auf Hochglanz polierten Arbeitsplatte und Stuck-ähnlichen Fronten, die Medaillonstühle mit einem expressiven Jean-Paul-Gaultier-Stoff, die Wandnische hinter dem Spülbecken mit einer auf antik gemachten Bronzefliesenvertäfelung, in der sich die Umgebung dezent spiegelt. „So wird einfallendes Licht reflektiert und man kann den Raum gut beobachten“, erläutert die Interior-Expertin ihre Wahl.
Auch dem Masterbad konnte sie etwas von seinem angedachten Purismus nehmen: „Die großflächige Wasserlilientapete von Wall & Deco ist extra für Nassbereiche gemacht“, erklärt sie. Farblich passt sich das monochrome Muster perfekt an die benachbarte Marmordusche an und schwächt gleichzeitig ihre Dominanz etwas ab. „Das ist wohl meine Handschrift“, sagt die Hamburgerin: „Stilbrüche schaffen – und nie das i-Tüpfelchen in Form von sorgfältig ausgewählten Deko-Pieces vergessen!“ Arzu Kartal importiert dafür Stücke von Alexandra von Fürstenberg oder Kelly Wearstler aus Los Angeles, auch luxuriöse Ikat-Stoffe. Sie stehen dieser Altbauwohnung ausgezeichnet.

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