Czytaj książkę: «Die Staaten der Erde»

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Dr. Isabella Ackerl, geb. 1940 in Wien, Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil.; seit 1971 wissenschaftliche Sekretärin der »Wissenschaftlichen Kommission des Theodor – Körner – Stiftungsfonds und des Leopold – Kuntschak – Preises zur Erforschung der Geschichte der Ersten Republik«. Seit Dezember 1981 Bundespressedienst in Wien. Zahlreiche Publikationen und Lexikonartikel.

Zum Buch

Die Staaten der Erde
Afrika, Amerika und Australien

Anliegen der zweibändigen Ausgabe zu allen Staaten der Erde, deren erster Band im Juni 2007 erschien, ist es, aktuelles, schnelles und kompaktes Wissen über ein Land zu vermitteln. Bewusst wurde der Umfang der Informationen auf drei große Bereiche eingeschränkt:

Geschichte, politisches System im weiteren Sinne und Wirtschaft. Der Band will einen ersten Einstieg in einen Themenkomplex bieten, der umfangreicher nicht sein könnte. Er will zur Entdeckung eines Landes anregen und die weitere Beschäftigung mit den vielen Facetten einer anderen Kultur stimulieren.


Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.


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Alle Rechte vorbehalten


Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012

Lektorat: Mag. Afra Margaretha, Wien

Korrekturen: Ortrun Cramer, Wiesbaden

Covergestaltung: Thomas Jarzina, Köln

Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin

Karten: © by WAY OK …wegweisend, Stuttgart. www.way-ok.de

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main


ISBN: 978-3-8438-0238-3

www.marixverlag.de

ÄGYPTEN (ET)

Fläche

1 Mio. km2


Hauptstadt

Kairo (16 Mio. Einw.)


Währung

1 Ägypt. Pfund = 100 Piaster


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Nationalversammlung mit 454 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten


Religion

Sunnitische Muslime 94%, Christen 6%


Einwohner

74 Mio.


Sprachen

Paschtu, Dari und andere


Gliederung

27 Provinzen


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

23. Juli, 6. Oktober


Nationalitäten/Ethnien

Arabisierte Hamiten 99%, sonstige 1%


Internet www.sis.gov.eg


Geschichte

Konzentriert um das Tal des längsten Flusses der Erde – der Nil entspringt auf dem Staatsgebiet des heutigen Burundi und legt 6671 km bis zu seiner Mündung ins Mittelmeer zurück – konnte sich schon im 4. Jt. v. Chr. eine Hochkultur entwickeln, die ihre jahrtausendelange Blüte dem fruchtbaren Schlamm des Nils verdankte, den dieser nach seinen jährlichen Überschwemmungen auf den Feldern zurückließ. Um 3000 v. Chr. bestanden zwei Königreiche, eines im Deltagebiet des Nils und eines in Oberägypten. 2900 v. Chr. eroberte Letzteres das Deltagebiet und verwaltete das geeinte Reich von der Hauptstadt Memphis aus, die nahe dem heutigen Kairo liegt. Die Herrscher, Pharaonen genannt, leiteten sich von den Göttern her und wurden als Mensch gewordene Gottheiten verehrt. Sie standen einem perfekt geordneten Staatswesen vor, das Steuern in der Form von Naturalabgaben wie Getreide einhob. Das setzte Schriftkenntnisse und ein hoch entwickeltes Rechnungswesen voraus. Dieses erwies sich auch bei allen Monumentalbauten, die bereits ab der dritten Dynastie errichtet wurden, als grundlegend. Für den Pharao Djoser entstand die Stufenpyramide von Sakkara, die Pharaonen der vierten Dynastie ließen sich die großen Pyramiden bei Gizeh, bereits in der Antike als Weltwunder bestaunt, erbauen. So entstanden imperiale Begräbnisstätten für die Pharaonen Cheops, Chefren und Mykerinos, wie die Herrscher am Nil von den Griechen bezeichnet wurden. Von 2040 bis 1785 v. Chr. regierten die Pharaonen von Theben aus, erst der Einfall der Hyksos beendete diese kulturell hoch stehende Phase. Mit der Fremdherrschaft der Hyksos kamen auch die Kenntnis des Pferdes und der Einsatz von Streitwagen als neue Kampftechnik ins Land. Erst in der Epoche des Neuen Reiches (1552–1070 v. Chr.) setzten Pharaonen wie Thutmosis III. auf eine expansive Politik, Palästina und Syrien wurden dem ägyptischen Reich einverleibt. Pharao Amenophis IV., der sich Echnaton nannte, bildete eine Ausnahme, er versuchte eine monotheistische Religion um den Sonnengott Aton einzuführen. Er verlegte seine Residenz nach Amarna, doch schon sein Nachfolger musste unter dem Druck der Priesterschaft zu den alten Göttern zurückkehren. Mit der 19. Dynastie begann der Aufstieg der Ramessiden, die mit Ramses II. einen sowohl politisch als auch kulturell überaus bedeutenden Herrscher stellten. Ramses II. war der erste Herrscher der alten Welt, der sich nach einer Auseinandersetzung mit den Hethitern, die ihm keinen strahlenden Sieg bescherte, mit einem Waffenstillstandsabkommen beschied, das auch schriftlich fixiert wurde. Seiner tief empfundenen Religiosität und seinem enormen Selbstbewusstsein verdanken wir die schönsten Bauten von Luxor, Karnak und Abu Simbel. In der Spätzeit wurde Ägypten von Herrschern aus Nubien regiert, im 7. Jh. fielen die Assyrer ein, ab 525 v. Chr. geriet das Land für mehr als 100 Jahre unter die Fremdherrschaft der Perser. Kampflos ergab sich das Land am Nil Alexander dem Großen, dem in der westägyptischen Oase Siwa eine glanzvolle Zukunft verheißen wurde. Unter Alexanders Nachfolgern, den Ptolemäern, war dem Land eine hellenistische Blütezeit bis 30 v. Chr. beschieden, als der spätere römische Kaiser Augustus Ägypten zu einer römischen Provinz machte. Allerdings zu einer besondern, denn sie unterstand direkt dem Kaiser. Dies geschah nicht in Würdigung der großen pharaonischen Vergangenheit, sondern weil die Getreidelieferungen aus Ägypten zu den entscheidenden Faktoren für den Machterhalt in Rom zählten. Bereits ab dem 3. Jh. n. Chr. breitete sich in Ägypten das Christentum aus, die noch heute in Ägypten lebenden christlichen Kopten leiten daher ihre Herkunft direkt vom Pharaonenreich her. Nach dem Ende des römischen Weltreiches gehörte Ägypten zum Byzantinischen Reich, bis es etwa um 640 von den Arabern überrannt und die Bevölkerung islamisiert wurde. Die Abfolge verschiedener arabischer Herrscherfamilien wurde durch die Osmanen unterbrochen, die 1517 Ägypten zu einem Teil ihres Imperiums machten. Erst zu Beginn des 19. Jh. fand ein erster Versuch unabhängig zu werden statt: Der aus Albanien stammende osmanische Statthalter Mehmed Ali betrieb eine eigenständige Politik, wurde aber von den europäischen Großmächten, die eine Machtminderung des Osmanischen Reiches auf dem afrikanischen Kontinent nicht dulden wollten, gehindert. Mit dem Bau des Suezkanals geriet Ägypten völlig unter britische Kontrolle, da die Briten die Kanalaktien in ihren Besitz gebracht hatten. In den 1920er Jahren etablierten sie den einheimischen König Fuad. Nach seinem Tod 1936 inthronisierten sie König Faruk und entließen das Land in die Selbstständigkeit, was nicht hinderte, dass Ägypten im Zweiten Weltkrieg Kriegsschauplatz wurde. Britische Truppen verließen das Land erst 1946. Im Jahr 1952 wurde König Faruk von der Armee gestürzt, zwei Jahre später kam General Gamal Abd el-Nasser an die Macht, der einen unabhängigen Kurs einschlug, wobei er besonders gute Beziehungen zur Sowjetunion pflegte, die mit enormen Mitteln den Bau des Assuan-Staudammes unterstützte. Dreimal wurde Ägypten in einen Krieg mit Israel verwickelt, und zwar 1956, als Nasser den Suezkanal verstaatlichte und dadurch eine Krise mit Israel ausbrach, 1967 im Sechs-Tage-Krieg und 1973 im Yom-Kippur-Krieg. Jedes Mal musste Ägypten mehr oder minder schwere Niederlagen hinnehmen. Ende der 1970er Jahre leitete Staatspräsident Anwar as-Sadat eine neue Politik ein, er suchte das Gespräch mit dem Feind und 1979 kam es zum Abschluss eines Friedensvertrages mit Israel, für den Sadat und sein israelischer Partner, Ministerpräsident Menachem Begin, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden. Im Land selbst wurde diese Initiative nicht geschätzt, die arabischen Staaten mieden Ägypten, es entwickelte sich eine oppositionelle Bewegung, die 1981 Sadat ermordete. Unter seinem Nachfolger Hosni Mubarak, der seitdem an der Macht ist, wurden die Beziehungen zu den arabischen Staaten wieder besser. Ägypten positionierte sich als Vermittler im Nahen Osten. 1991 stand es im Ersten Golfkrieg an der Seite der Amerikaner gegen den Irak, was von Seiten der stetig an Anhängern gewinnenden islamischen Bruderschaft kritisiert wird.

Politisches System

Die ägyptische Verfassung datiert aus dem Jahr 1971. Der aus 454 Mitgliedern bestehende Rat des Volkes wird zum größten Teil gewählt, zehn Mitglieder werden vom Staatspräsidenten ernannt. Der Schurarat, ein beratendes Legislativorgan, wird zu zwei Drittel gewählt, zu einem Drittel ernannt. Bei der Wahl zum Staatspräsidenten 2005, als Mubarak wieder bestätigt wurde, konnten erstmals auch andere Kandidaten antreten. Die Nationaldemokratische Partei (NDP) Mubaraks dominiert die Volksvertretung, die Kandidaten der Moslembruderschaft dürfen nicht als solche, sondern nur als Unabhängige kandidieren. Ihr Stimmenpotenzial ist im Wachsen begriffen, da sie sich besonders in den Armenvierteln Kairos engagieren. Unter dem Regime Mubaraks wurden bereits 34 Verfassungsänderungen vorgenommen, die einerseits die Bürgerrechte einschränkten, andererseits das autoritäre Regime stärkten. So gibt es ein Antiterrorgesetz, das der Polizei enorme Rechte einräumt, Fälle von Terror werden vor Militärgerichten, bei denen es keine Berufungsmöglichkeit gibt, verhandelt.

Das ägyptische Rechtssystem beruht zu einem großen Teil auf der Scharia, das Zivilrecht orientiert sich am französischen Code civil.

Bevölkerungspolitisch ist Ägypten ziemlich einheitlich arabisch, zu den Minderheiten zählen die Kopten, dazu kommen etwa 70.000 Beduinen, z. B. in der Oase Siwa und 140.000 Nubier im Süden. Auch religiös ist Ägypten ein fast zu 100% islamisches Land. Nur die christlichen Kopten bilden eine Ausnahme, Juden gibt es, vor allem seit den Kriegen mit Israel, fast gar keine mehr. Inoffiziell wird vermutet, dass es etwa sechs Mio. Kopten gibt, zu ihrer Religion bekennen sich nur etwa zwei Mio. Grundsätzlich garantiert die Verfassung für Christen und Juden die freie Religionsausübung. Seit den 1970er Jahren erhalten islamistische Gruppen, wie die Moslembruderschaft, erhöhten Zulauf, ihre Anhänger inszenieren Überfälle auf Kopten und auf ausländische Touristen. Sie polemisieren auch gegen das noch seit Nassers Zeiten gültige Verbot der Verschleierung.

An Minderheitensprachen hat sich nur das Koptische erhalten, das eine Mischung aus Altägyptisch und Griechisch darstellt. Im Süden des Landes werden einige nubische Dialekte gesprochen.

Die Hauptstadt Kairo weist mit ihrer Agglomeration eine Bevölkerungszahl von 16 Mio. auf. Obwohl bereits 45% der Bevölkerung in Städten leben, ist der Zuzug in die Stadt noch im Steigen begriffen. Kairo ist damit die größte Stadt des Kontinents, sie ist auch die erste, in der seit 1987 eine U-Bahn fährt. Seinerzeit hatte Kairo Bagdad als Zentrum des Islam abgelöst, unter der osmanischen Herrschaft kam es jedoch zu einem Niedergang, der erst im 19. Jh. gestoppt wurde. Heute weist die Stadt mehr als 500 Moscheen auf.

Wirtschaft

Die Wirtschaftspolitik unter General Nasser war eher am sozialistischen Planwirtschaftsmodell ausgerichtet, unter Sadat kam es zu einer Liberalisierung. Für die ägyptische Landwirtschaft, die immer von den Überschwemmungen des Nils abhängig war, bedeutete der Assuan-Staudamm regelmäßige Bewässerung, doch blieb gleichzeitig der fruchtbare Nilschlamm aus, was zu einer Versalzung der Böden führte. Da insgesamt nur ein Dreißigstel des Landes besiedelt ist, und davon wieder nur ein kleinerer Teil bebaut werden kann, sind Bewässerungssysteme und der gezielte Einsatz von Düngemitteln überlebenswichtig. 35% der Bevölkerung sind noch in der Landwirtschaft tätig. Eines der wichtigsten Anbauprodukte ist Baumwolle, deren Felder fast zur Gänze bewässert werden müssen. Der Bedarf an Getreide kann nur zu 30% im Inland gedeckt werden, der Rest muss importiert werden.

Neben der Landwirtschaft sind es vor allem die Erdölindustrie und der Tourismus, die Devisen ins Land bringen. Reisen nach Ägypten waren schon in der Antike beliebt, der wissenschaftliche Tourismus setzte bereits nach den Napoleonischen Kriegen ein, 1869 bereiste erstmals eine englische Reisegruppe, die von Thomas Cook organisiert war, das Land am Nil. Der Tourismus erbringt etwa 4,1 Mrd. US-Dollar jährlich. Dazu kommen noch die Durchfahrtsgebühren (die Gebühr für ein Segelboot beläuft sich auf 400 Dollar) durch den Suezkanal (jährlich etwa 20.000 Schiffe).

Neben Erdöl, das vor allem aus dem Golf von Suez und der Sinaihalbinsel kommt, verfügt Ägypten noch über Rohphosphate, Eisen- und Manganerze. Kaum erschlossen sind die Vorkommen an Asbest, Schwefel, Buntmetallen und Uranerzen.

Die großen Industriebetriebe sind noch immer verstaatlicht, allerdings nimmt der private Sektor in den letzten Jahren deutlich zu. Zur Erdölverarbeitung kommen Stahlindustrie und Aluminiumerzeugung, chemisch-pharmazeutische Industrie sowie Maschinen- und Fahrzeugbau.

ALGERIEN (DZ)

Fläche

2,38 Mio. km2


Hauptstadt

Algier (3,2 Mio. Einw.)


Währung

1 Alg. Dinar = 100 Centimes


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Nationalversammlung mit 380 Abgeordneten


Religion

Sunnitische Muslime 99,5%, sonstige 0,5%


Einwohner

32,9 Mio


Sprachen

Arabisch, Französisch, Tamazight


Gliederung

48 Bezirke


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

5. Juli, 1. November


Nationalitäten/Ethnien

Araber 82,6%, Berber 17%, sonstige 0,4%


Internet www.el-mouradia.dz


Geschichte

Um 1250 v. Chr. entstanden die ersten phönizischen Siedlungen und Handelsniederlassungen an der Küste Algeriens. Nach der Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. gehörte das Gebiet Algeriens zum Königreich Numidien, anfangs ein römischer Bundesgenosse. Im Jahr 46. v. Chr. wurde diese Region römische Provinz, bis im 5. Jh. n. Chr. die Vandalen einfielen. Nach ihrer Vertreibung gehörte Algerien zum Byzantinischen Reich. Im 7. Jh. erfolgte der erste arabische Vorstoß, Algerien wurde dann von den Dynastien der Almoraviden und Almohaden regiert, die von Algerien aus Spanien eroberten. 1492 wurden die Araber endgültig aus Spanien vertrieben, ein spanischer Versuch Algerien zu erobern, scheiterte. 1519 wurde die gesamte Region Teil des Osmanischen Reiches, das sich allerdings kaum in die inneren Angelegenheiten einmischte, sondern nur auf den regelmäßigen Tributzahlungen an die Hohe Pforte bestand. Von Algerien aus entwickelte sich, unterstützt von lokalen Machthabern, eine fast zum Wirtschaftsfaktor gediehene Piraterie. Um dieser endgültig Einhalt zu gebieten, eroberten die Franzosen 1830 Algier. Es dauerte noch bis 1871, bis man von einer gänzlichen Unterwerfung reden konnte. 1881 wurde Algerien französische Kolonie. Zur Bestandsicherung verdrängten die Franzosen die einheimischen Siedler und holten an ihre Stelle französische Siedler ins Land. Diese Siedlungspolitik stieß schon bald auf den Widerstand vor allem der Berber, die sich immer wieder erhoben. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich eine algerische Nationalbewegung, die um die Unabhängigkeit kämpfte. Frankreich erließ daher 1947 das Algerienstatut, das die schon bestehende bescheidene Selbstverwaltung der Kolonie erweiterte. Nach der französischen Verfassung von 1946 galt aber Algerien als ein Teil des Mutterlandes. Algerische Abgeordnete waren in der französischen Nationalversammlung vertreten. In den 1950er Jahren begannen Unruhen und bewaffnete Überfälle, Ziel war die Unabhängigkeit. In Algerien selbst gab es noch die starke Partei der französischen Siedler, die die Kolonie nicht aufgeben wollten. 1958 bildete sich in Kairo eine Exilregierung, zuerst unter Ferhat Abbas, dann unter Krim Belkassem. Da sich auch in Frankreich Anschläge häuften, die auf das Konto der radikalen Algerier gingen, wurde General De Gaulle wieder an die Spitze der Regierung geholt, um die Krise beizulegen. 1960 kam es zu einem Aufstand der OAS (Organisation de l´Armée Secrète), einer Untergrundarmee der französischen Siedler und rechtsgerichteter Generäle gegen die Unabhängigkeit Algeriens. De Gaulle entschied sich für die Unabhängigkeit Algeriens, die 1962 mit dem Abkommen von Evian besiegelt wurde. Zusätzlich gab es im französischen Mutterland eine Abstimmung über das künftige Schicksal Algeriens, bei der 90,7% der Franzosen für die Unabhängigkeit der Kolonie plädierten. Nach der Unabhängigkeit gab sich Algerien eine Verfassung, politische Parteien etablierten sich. Allerdings blieb die FLN (Front de Libération Nationale) praktisch eine Einheitspartei. 1967 etwa vereinigte sie 87% der Stimmen auf sich. 1964 verließen die letzten französischen Truppen das Land, von Frankreich flossen erkleckliche Summen an Wirtschaftshilfe ins Land.

Seit der Unabhängigkeit verschrieb sich Algerien einem arabischen Sozialismus, erster Schritt in diese Richtung war die Verstaatlichung der Privatbetriebe in den Jahren 1963 und 1964. Von Anfang an war die wirtschaftliche Lage nicht erfreulich, auch innenpolitisch verlief Weniges nach Plan. Der erste Staatschef Ben Bella errichtete ein autoritäres Regime, gegen das sich bald eine Opposition erhob. Der Widerstand konzentrierte sich in der Kabylei. 1965 kam es schließlich zu einem Staatsstreich des Verteidigungsministers Oberst Houari Boumedienne, Ben Bella wurde verhaftet. Boumedienne wurde neuer Staatschef und Generalsekretär der FLN. Er führte Algerien in die Gruppe der neutralistischen Casablanca-Staaten, die sich 1961 auf der Konferenz von Casablanca zusammengefunden hatten. 1961 hatten die afrikanischen Staaten die belgische Politik im Kongo verurteilt, sich gegen die französische Force de Frappe ausgesprochen und die südafrikanische Apartheid-Politik verurteilt. Das Verhältnis zu den Nachbarn war unter Ben Bella auch ziemlich gespannt, mit Marokko gab es Grenzkonflikte, mit Tunesien gab es Spannungen wegen eines Attentats auf den tunesischen Staatschef Habib Bourgiba.

Nach Boumediennes Tod 1978 wurde der Sozialismus aufgegeben, trotzdem änderte sich nicht viel an der Einparteienherrschaft der FLN. Immer wieder gab es bürgerkriegsartige Phasen. Dazu kamen die Auseinandersetzungen mit den Islamisten, die, da sie auf legalem Wege nicht an die Macht gelangen konnten, mit Terroranschlägen die Bevölkerung drangsalierten. Erst in den 1990er Jahren stabilisierte sich das Land im Zuge einer gewissen Demokratisierung.

Politisches System

Die derzeitige Verfassung der demokratischen Volksrepublik Algerien stammt aus dem Jahr 1996. Damals wurde eine Volksbefragung über diese neue Verfassung, die ein Mehrparteiensystem vorsieht, abgehalten. Auf Grund dieser Verfassung wird der Staatspräsident für fünf Jahre gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Neben der Nationalversammlung besteht noch als zweite Kammer der Rat der Nation.

Algerien, das zweitgrößte Land Afrikas, ist in 48 Bezirke (Wilajate) eingeteilt. Inzwischen haben die Wilajate auch eine beschränkte Selbstverwaltung. 80% des Landes werden von der Wüste Sahara bedeckt, nur ein 200 km breiter Küstenstreifen ist fruchtbar, dort wohnen die meisten Menschen.

Bevölkerungsmäßig wird Algerien zu vier Fünftel von Arabern bewohnt, der Rest sind Berber. Etwa 5% der Bevölkerung leben noch nomadisch. Die Minderheit der Tuaregs ist in der Sahara ansässig, östlich von Algier leben etwa 3 Mio. sesshafter Kabylen. Außerdem leben nach Schätzungen ungefähr 2,3 Mio. Algerier im Ausland, der größte Teil davon in Frankreich. Mehr als 30% der Bevölkerung sind unter 15 Jahren. Hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens der Bevölkerung zählt Algerien zu den reicheren Ländern Afrikas, für Arbeitnehmer besteht eine relativ gute soziale Absicherung, lediglich eine Arbeitslosenunterstützung fehlt.

Amtssprache ist das Arabische, die Berbersprache Tamazight ist als zweite Nationalsprache anerkannt. Die Bildungselite spricht auch Französisch. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Ab 2006 ist die Missionierung für christliche Religionen unter Strafe gestellt. Seit Beginn der 1990er Jahre kommt es immer wieder zu politischen Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Islamisten, wobei Letztere stetig an Terrain gewinnen. Schon 1984 wurde etwa das Familienrecht zum Nachteil der Frauen verändert. Trotzdem ist die Lage seit der Präsidentschaft von Abd al-Asis Bouteflika etwas entspannt.

Wirtschaft

Nach der Unabhängigkeit erlebte das Land zunächst einen schweren wirtschaftlichen Rückschlag, da der Exodus der französischen Bevölkerung (etwa 1 Mio. Menschen) zu Engpässen in wirtschaftlichen Schlüsselpositionen führte. Noch heute ist Frankreich Algeriens wichtigster Wirtschaftspartner, vor allem der Großteil der Exporte geht in das alte Mutterland. Seit der seinerzeitigen Verstaatlichung sind noch immer etwa 70% der Betriebe unter staatlicher Kontrolle. Die derzeitige Präsidentschaft betreibt wieder eine Privatisierungspolitik. Trotzdem liegt die Wirtschaft darnieder, 20% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosigkeit pendelt um die 30%, vor allem unter den Jugendlichen.

Doch gibt es Hoffnung, da die Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Sahara recht ergiebig sind. Algerien ist etwa nach Russland und Kanada der weltweit drittgrößte Exporteur für Erdgas. Doch der Ausbau der Pipelines ist noch in den Anfängen. Vermehrt kooperiert Algerien mit den Nachbarstaaten, so ist etwa für 2012 eine Freihandelszone der Mittelmeerregion geplant. Durch ein Abkommen mit der EU kann Algerien bei dieser Freihandelszone dabei sein.

An weiteren Bodenschätzen verfügt Algerien noch über Eisenerze, Kupfer, Zink, Blei, Quecksilber und Phosphat. Nur auf dem schmalen Küstenstreifen (insgesamt 3% der Landesfläche) kann Landwirtschaft, noch immer der wichtigste Erwerbszweig, betrieben werden; in Algerien baut man vorwiegend Zitrusfrüchte, Oliven, Weizen, Zuckerrohr, Kartoffeln, Tomaten, Feigen, Tabak, Gemüse und Wein an. In Kunststofffolientreibhäusern wird Frühgemüse für den Export kultiviert. In den von Grundwasserreserven bewässerten Oasen gedeihen auch Dattelpalmen. Trotzdem werden nur 40% des Eigenbedarfs an Nahrungsmitteln im Land produziert.

ANGOLA (ANG)

Fläche

1,25 Mio. km2


Hauptstadt

Luanda (3,6 Mio. Einw.)


Währung

1 Neuer Kwanza = 100 Lwei


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Volksversammlung mit 220 Abgeordneten


Religion

Katholiken 38%, Protestanten 15%, sonstige 47%


Einwohner

15 Mio.


Sprachen

Portugiesisch, Bantu-Sprachen


Gliederung

18 Provinzen


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

11. November


Nationalitäten/Ethnien

Ovimbundu 37%, Kimbundu 25%, Bakongo 13%, Mestizen 2%, Europäer 1%, sonstige 22%


Internet www.angola.org


Geschichte

Das frühere Portugiesisch-Westafrika wurde durch den Seefahrer Diogo Cão gemeinsam mit der Kongomündung 1482 entdeckt. In der heutigen Hauptstadt Luanda errichteten die Portugiesen ein Fort. Mehr als 350 Jahre lang war Angola der Ausgangspunkt für den Sklavenhandel von Afrika nach Brasilien. Nach den Sklaven lieferte die portugiesische Kolonie vor allem Kaffee und Baumwolle. Nach 1951 erhielt die Kolonie weitgehende Selbstverwaltung, doch die geringe Beteiligung der schwarzen Bevölkerung an der politischen Willensbildung führte zur Gründung von unterschiedlichen ideologischen Unabhängigkeitsbewegungen. Eher linksradikal war die MLPA (Movimento Popular de Libertacão de Angola), eher gemäßigt ausgerichtet die UPA (Unido das Populcoes de Angola). Gemeinsam war aber das Ziel der Unabhängigkeit. Etwa 1960 begannen im Land Unruhen, 1961 kam es zu einem Aufstand im Norden, 1962 bildete sich eine Exilregierung in Kongo-Léopoldville. Diese wurde auch von den meisten afrikanischen Staaten anerkannt. Als 1963 neuerliche Unruhen ausbrachen, empfahl die UNO ein Waffenembargo, Portugal wurde wegen seiner strikten Politik verurteilt. 1966 bildete sich eine neue politische Bewegung, die UNITA (União Nacional para Independência Total de Angola), eine westlich orientierte Bewegung. Erst nach der portugiesischen Nelkenrevolution wurde Angola in die Unabhängigkeit entlassen. Nun bekämpften sich die beiden weltanschaulichen Lager, wobei die UNITA einen großen Teil des Landes kontrollierte. Beide Gruppierungen bewaffneten sich mit Geldern, die aus illegalem Diamantenhandel stammten. Zeitweise gelangten 90% der besonders reinen angolanischen Diamanten über den Weg der UNITA in den Welthandel. Nach der Unabhängigkeit rissen zunächst die Marxisten, unterstützt von der Sowjetunion und von Kuba, die Macht an sich. Das Ergebnis des Bürgerkrieges waren eine Mio. Tote und drei Mio. Flüchtlinge. Etwa 200.000 Portugiesen verließen 1975 das Land.

Politisches System

1991 wurde eine neue Verfassung geschaffen, die eine präsidiale Republik mit einem vielfältigen Parteiensystem dekretiert.

Angola wird vorwiegend von Bantuvölkern bewohnt, die sich in etwa 100 Ethnien aufspalten. Die Hauptstadt Luanda zählt bereits mehr als drei Millionen Einwohner, auch durch die Flüchtlingssituation bedingt. Die Verwaltungsstruktur, die Gesundheitsvorsorge und das Schulwesen sind durch den Bürgerkrieg zusammengebrochen. Der Wiederaufbau geht nur sehr langsam vor sich. Angeblich sollen 2007, das erste Mal seit 1992, wieder Wahlen abgehalten werden.

Wirtschaft

Angolas Wirtschaft wurde durch den Bürgerkrieg völlig zerstört. Heute lebt das Land nur von den Deviseneinkünften aus dem Ölexport über den Hafen Cabinda, wobei etwa China zu den Hauptabnehmern für das Öl gehört. Außerdem floriert der Diamantenhandel. Trotzdem sind fast 50% der Bevölkerung arbeitslos, beziehungsweise finden ihr Fortkommen in der Schattenwirtschaft. Die einst florierenden Baumwoll- und Kaffeeplantagen sind einerseits durch die Abwanderung der Portugiesen verwildert, andererseits im Bürgerkrieg durch Landminen verseucht worden. Auch die gesamte Infrastruktur, vor allem die Bahnlinien, wurden während des Bürgerkrieges schwer beschädigt. Trotzdem ist derzeit das Wirtschaftswachstum Angolas das größte in Afrika, bedingt durch den Erdölreichtum. Außerdem wäre das Land reich an Bodenschätzen, vor allem seit an der Grenze zu Namibia Uran entdeckt wurde.

Die Landwirtschaft, in der noch 85% der Bevölkerung tätig sind, produziert Kaffee, Zuckerrohr, Mais, Tabak, Kokosöl. Industriell werden vor allem die landwirtschaftlichen Produkte verarbeitet.

ANTIGUA UND BARBUDA (AG)

Fläche

442 km2


Hauptstadt

Saint John´s (36.000 Einw.)


Währung

1 Ostkarib. Dollar = 100 Cents


Staatsform

Parlamentarische Monarchie


Parlament

Senat mit 17 ernannten und Repräsentantenhaus mit 17 gewählten Abgeordneten


Religion

Protestanten 73,7%, Katholiken 10,8%, Zeugen Jehovas 1,2%, sonstige 14,3%


Einwohner

68.000


Sprachen

Englisch, kreolisches Englisch


Gliederung

–


Staatsoberhaupt

Englische Königin


Nationalfeiertag

1. November


Nationalitäten/Ethnien

Schwarze 91,3%, Mischlinge 3,7%, sonstige 5%


Internet www.antiguagov.com


Geschichte

Die »Inseln über dem Winde« wurden schon um 10.000 v. Chr. von indianischen Stämmen bewohnt. Um etwa 1200 v. Chr. wurden sie von Arawak-Indianern aus dem Orinoco-Gebiet verdrängt. 1493 entdeckte Christoph Columbus die Insel Antigua. Die indigene indianische Bevölkerung wurde zur Sklavenarbeit in andere spanische Kolonien verschleppt und fiel sehr rasch verschiedensten Krankheiten zum Opfer. Anfangs spanischer Besitz wurden die Inseln ab der ersten Hälfte des 17. Jh. von den Briten besiedelt, zu deren kolonialem Besitz Barbuda seit 1628 zählt. Immer wieder dienten die beiden Inseln auch Piraten als Rückzugsgebiet. 1632 wurde die Stadt Saint John´s, die heutige Hauptstadt, gegründet. Ende des 17. Jh. begann man mit der Anlage von Zuckerrohrplantagen, die von aus Afrika importierten Sklaven bewirtschaftet wurden. 1784 errichtete Admiral Horatio Nelson auf Antigua einen britischen Flottenstützpunkt, den größten in den Antillen, der dazu beitrug, die letzten Piraten zu vertreiben. 1834 wurde die Sklaverei abgeschafft, was zu einem Niedergang der Plantagenwirtschaft führte. Ab den vierziger Jahren des 20. Jh. setzte eine Unabhängigkeitsbewegung unter der Führung des späteren Premiers V.C. Bird ein. Seit 1946 verfügten die beiden Inseln über ein eigenes Parlament, 1981 schließlich wurden sie in die Unabhängigkeit entlassen, blieben aber Mitglied des Commonwealth.

Politisches System

Der Großteil der Bevölkerung lebt auf der Insel Antigua, Barbuda zählt nur etwa 1500 Einwohner. Offizielles Staatsoberhaupt ist der englische König bzw. die Königin, die sich durch einen Gouverneur vertreten lässt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Repräsentantenhaus und dem Senat, die jeweils mit 17 Mitgliedern beschickt werden. Eine Reihe öffentlicher Ämter wird gleichsam in Erbpacht von der britischen Familie Bird bekleidet.

90% der Bevölkerung sind Schwarze, die seinerzeit als Sklaven auf die Inseln verfrachtet wurden. Der Rest sind Mulatten, die Weißen sind mit 1% völlig in der Minderheit. Der Großteil der Bevölkerung ist christlich, in letzter Zeit hat die christliche Gemeinschaft der afroamerikanischen Rastafari deutlichen Zulauf. Sowohl die Analphabetenquote als auch die Zahlen für Säuglingssterblichkeit sind relativ niedrig. Amtssprache ist Englisch, außerdem wird noch eine auf dem Englischen basierende Kreolsprache gesprochen.

Bis 1995 unterhielten die USA einen Marinestützpunkt auf Antigua, weiterhin fühlen sie sich für die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit zuständig, obwohl der Inselstaat über eine kleine Verteidigungsstreitmacht verfügt.

Wirtschaft

Für karibische Verhältnisse herrschen auf den beiden Inseln, die vulkanischen Ursprungs sind, sehr gute Lebensverhältnisse; das Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt jährlich etwa 9.000 US-Dollar. Damit sind Antigua und Barbuda eines der reichsten Länder der Region.

Bis in die 1970er Jahre war der Anbau von Zuckerrohr auf Plantagen fast die ausschließliche wirtschaftliche Grundlage. Der Zuckerrohranbau wurde inzwischen reduziert. Derzeit dominiert der Tourismus. Vor allem Kreuzfahrttouristen besuchen gerne die beiden Inseln. Aber auch Tauchsportler schätzen den Artenreichtum der Korallenriffe. Jährlich kommen im Schnitt etwa 600.000 Besucher ins Land. Daher beträgt der Anteil des Fremdenverkehrs fast 70% am BIP. Außerdem wird der Sektor des Offshore bankings forciert, die beiden Inseln wollen ein internationales Finanzzentrum werden.

ÄQUATORIALGUINEA (GQ)

Fläche

28.051 km2


Hauptstadt

Malabo (40.000 Einw.)


Währung

CFA-Franc


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

100 für fünf Jahre gewählte Abgeordnete


Religion

Christen 88,8%, Volksreligionen 4,6%, Muslime 0,5%, sonstige 0,2%, Konfessionslose 5,9%


Einwohner

504.000


Sprachen

Spanisch, Bantu, Pidgin-Englisch, Kreolisches Portugiesisch


Gliederung

2 Provinzen


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

12. Oktober


Nationalitäten/Ethnien

Fang 82,9%, Bubi 9,6%, Ndowe 3,8%, sonstige 3,7%


Geschichte

Ureinwohner des Gebietes waren nomadenhaft lebende Pygmäen, die von einwandernden Bantugruppen verdrängt wurden. Um 1500 nahmen die Portugiesen unter dem Namen Fernando Poo (das war der Name des Entdeckers) das Land in Besitz. 1778 traten sie es an Spanien ab, womit Spanien seine einzige Kolonie südlich der Sahara erwarb. Die Portugiesen erhielten dafür von Spanien Teile des späteren Brasilien. 1963 erlangte die Kolonie ihre innere Autonomie, der Schritt in die Unabhängigkeit erfolgte 1968. In der Folge wurde Macias Nguema zum Präsidenten gewählt, der eine der blutigsten Diktaturen Afrikas errichtete. Denn schon ein Jahr nach der Unabhängigkeit wurde die Verfassung sistiert, Regimegegner hingerichtet, ein Drittel der Bevölkerung verließ fluchtartig das Land. 1973 wurde eine neue Verfassung dekretiert, die einen Einheitsstaat schuf. 1979 kam es zu einem Putsch, Nguema wurde von der Nationalgarde gestürzt und hingerichtet. Sein Nachfolger wurde sein Neffe Obiang, der mit einem Militärrat das Land diktatorisch beherrschte, aber die Beziehungen zum Ausland zu verbessern trachtete.

Politisches System

Der Staat Äquatorialguinea besteht aus einem Festlandteil, der nördlich des Äquators liegt, und einer Gruppe von Inseln. Die größte ist Bioko, auf der sich die Hauptstadt Malabo befindet. Etwa 20% der Bevölkerung leben auf Bioko.

Auf dem Papier ist Äquatorialguinea eine parlamentarische Demokratie, doch der Präsident zog alle Macht an sich. Er gehört der Bevölkerungsgruppe der Fang an, die mit ihm das gesamte Land dominiert. Zuletzt wurde die Verfassung 1991 novelliert, die Amtszeit für den Präsidenten beträgt sieben Jahre. Die Ergebnisse bei Wahlen lauten stereotyp etwa 97 bis 98% für die Partei des Präsidenten. Inzwischen gibt es zwar Oppositionsparteien, sie sind aber eher Abspaltungen von der Regierungspartei Partido Democrático de Guinea Ecuatorial (PDGE). Der Präsident ist auch oberster Befehlshaber der Streitkräfte, daneben existieren paramilitärische Einheiten.

Das Verhältnis zu den Nachbarstaaten und auch Spanien ist teils belastet, vor allem zu Spanien, das Oppositionelle aufgenommen hat. Förderungen von Seiten der EU erfolgen wegen Missachtung der Menschenrechte und zu geringer Demokratisierung kaum. Auch die Beziehungen zu den ehemals sozialistischen Staaten sind gespannt, nur China und Nordkorea unterhalten eine diplomatische Vertretung.

Vier Fünftel der Bevölkerung sind katholisch, der Rest sind Protestanten und Anhänger von Naturreligionen. Als Amtssprache wird Spanisch gesprochen – Äquatorialguinea ist das einzige spanischsprachige Land Afrikas –, teils auch Französisch und verschiedene Bantu-Sprachen.

Wirtschaft

1970 war infolge der herrschenden Diktatur und des Exodus von Fachkräften die Plantagenwirtschaft (vorwiegend Kaffee und Kakao) zusammengebrochen. Danach versuchte das Land, sich mit dem Export von Edelhölzern, für deren Abholzung Konzessionen erteilt wurden, über Wasser zu halten. Schließlich wurde aber mehr Holz gefällt, als natürlich nachwachsen konnte. Die Krise erreichte 1985 einen Höhepunkt, als mit den Exporterlösen nicht einmal der Zinsendienst für die Auslandsschulden bedient werden konnte. Zehn Jahre später war das Land schuldenfrei, weil inzwischen offshore Erdöl entdeckt worden war, das durch die amerikanische Firma Mobil gefördert wurde. Mittlerweile ist Äquatorialguinea mit 15.000 US-Dollar BIP pro Kopf das reichste Land Afrikas.

ARGENTINIEN (RA)

Fläche

2,78 Mio. km2


Hauptstadt

Buenos Aires (12,8 Mio. Einw.)


Währung

1 Peso = 100 Centavo


Staatsform

Bundesrepublik


Parlament

Abgeordnetenhaus mit 257 Mitgliedern und Senat mit 72 Senatoren


Religion

Katholiken 92%, Protestanten 2%, sonstige 6%


Einwohner

38,7 Mio.


Sprache

Spanisch


Gliederung

23 Provinzen, 1 Bundesdistrikt


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

25. Mai, 10. Juni, 9. Juli


Nationalitäten/Ethnien

Weiße 97%, Mestizen, Indios und sonstige 3%


Internet www.gov.ar


Geschichte

Die Besiedlung des heutigen Argentinien erfolgte um etwa 15.000 v. Chr. durch Einwanderer aus Nordamerika. Bis zur Entdeckung durch die Spanier lebten die einheimischen Stämme und Völker eher nomadenhaft, sie entwickelten kaum eine eigenständige Kultur noch besondere Technologien. Nur im Nordwesten des Landes, wo es auch Verbindungen zum Inkareich gab, entwickelten sich Land- und Viehwirtschaft, die Bewohner waren sesshaft und hinterließen Spuren einer eigenständigen Architektur. Europäer erreichten Argentinien erstmals anlässlich einer Entdeckungsreise Amerigo Vespuccis im Jahre 1502. Die spanische Kolonisierung erfolgte vom Atlantik her und von Peru aus. Ab etwa 1580 gab es eine dauerhafte Siedlung am La Plata, die Stadt Buenos Aires. Auch die weiter südlich gelegenen Gebiete wurden von Spanien beansprucht, doch die karge Landschaft und der Widerstand der einheimischen Bevölkerung verhinderten ein weiteres Vordringen der Spanier. Bis 1816 gehörte Argentinien als Vizekönigreich Buenos Aires zum spanischen Kolonialreich. Um die Jahrhundertwende hatte sich unter dem Eindruck der Französischen Revolution eine Unabhängigkeitsbewegung gebildet, die in einen Befreiungskrieg mündete. 1816 erklärte sich das Land in San Miguel de Tucumán für von Spanien unabhängig. Später spalteten sich Bolivien (1825) und Uruguay (1828) von Argentinien ab. Das 19. Jahrhundert war für Argentinien eine Zeit der Bürgerkriege und diktatorischen Machthaber, wie etwa Juan Manuel de Rosas. In den 1860er Jahren musste das Land im Bündnis mit Brasilien und Uruguay einen Eroberungskrieg Paraguays abwehren. Im letzten Viertel des 19. Jh. setzte eine lebhafte Immigrationswelle aus Europa ein, politisch regierten scheindemokratische Systeme, in denen vor allem die Großgrundbesitzer das Sagen hatten. Den Grenzstreit mit Chile um Teile Patagoniens und Feuerland beendete 1902 eine Schlichtung durch den britischen König Edward VII. Innenpolitisch lösten sich Militärdiktaturen und halbdemokratische Regierungen ab, die 1930er Jahre gelten in der Geschichte des Landes als década infame, als berüchtigtes Jahrzehnt, wegen der politisch zweifelhaften Regime. Im Zweiten Weltkrieg war Argentinien offiziell neutral, wenngleich anfangs seine Sympathien den Achsenmächten gehörten. Doch im Verlauf des Krieges unterstützte Argentinien die Alliierten. Nach dem Krieg fanden zahlreiche NS-Parteigänger in Argentinien Unterschlupf, deren prominenteste Adolf Eichmann und Josef Mengele waren. 1946 wurde der ehemalige Offizier und Arbeitsminister Juan Domingo Peron zum Präsidenten gewählt, der durch seine Zugeständnisse an die Gewerkschaften zu einem Held der Arbeiterschaft geworden war. Peron leitete eine Industrialisierungsphase ein, die jedoch keinen entscheidenden Modernisierungsschub bedeutete. Auch die kurze zweite Amtszeit Perons von 1973–1974 und die anschließende Präsidentschaft seiner völlig überforderten Witwe verbesserten die Lage des Landes nicht. 1976 kam mit einem Putsch eine Militärjunta an die Macht, die eine der düstersten Phasen der Geschichte des Landes zu verantworten hat. Tausende Oppositionelle verschwanden, ihr Schicksal ist bis heute nicht geklärt. Auch die Demonstrationen der Madres de Plaza de Mayo führten nur zu einer geringen Aufklärungsquote. Spätere Gerichtsverfahren in den 1980er Jahren brachten grausame Folter und Hinrichtungen ans Licht. 1982 trat die Militärregierung unter dem neuen Junta-Chef Leopoldo Galtieri die Flucht nach vorne an und besetzte die seit 1833 im britischen Besitz befindlichen Falklandinseln. Obwohl sie rau und unwirtlich sind, hat Argentinien immer Ansprüche auf die Islas Malvinas angemeldet, doch bereits nach zwei Monaten musste Argentinien kapitulieren. Es hatte dem geballten Rückschlag der Briten, den Flugzeugträgern, Kriegsschiffen und Fallschirmjägern nichts entgegen zu setzen. 231 argentinische Soldaten wurden auf den Islas Malvinas beigesetzt, Argentinien hält den Anspruch aber noch immer aufrecht.

1983 kehrte das Land zur Demokratie zurück, die Präsidenten Raúl Alfonsin und vor allem Carlos Menem konnten die Wirtschaft stabilisieren. Zwischen 1998 und 2002 kam es neuerlich zu einer Wirtschaftskrise, die erst mit der Wahl von Néstor Kirchner, einem Linksperonisten, zu Ende ging.

Politisches System

Der Staatsnamen leitet sich vom Lateinischen Wort argentum, das heißt Silber, her und weist darauf hin, weshalb es für Spanien so wichtig war, das Land zu seinen Kolonien zu zählen. Argentinien ist eine präsidiale Bundesrepublik, in der die einzelnen Gliedstaaten über durchaus beachtliche Kompetenzen verfügen. Die derzeitige Verfassung datiert aus dem Jahr 1994. Sie sieht nach wie vor einen sehr mächtigen Präsidenten vor, der allerdings alle vier Jahre gewählt werden muss. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Nestor Kirchner tritt im Oktober 2007 nicht mehr zur Wiederwahl an. Dafür kandidiert seine Frau, die einen Sitz im Senat hat.

Die Bevölkerung Argentiniens konzentriert sich zu einem Drittel in der Stadt und Provinz Buenos Aires. Der Urbanisierungsrad ist mit 87% der Bevölkerung sehr hoch. Mehr als 90% der Bevölkerung sind europäischen Ursprungs, die Herkunftsländer sind in erster Linie Italien, Spanien und Deutschland. Nur eine Minderheit führt ihre Herkunft auf indigene Indianerstämme zurück. Der Grund dafür liegt in der spanischen Ausbeutungs- und Ausrottungspolitik der indigenen Bevölkerung. In ihren ursprünglichen Siedlungsräumen ist die indigene Bevölkerung kaum mehr anzutreffen, sie leben vorwiegend in den Großstädten als billige Arbeitskräfte unter schlechten Bedingungen. Für die Nachbarstaaten Bolivien, Paraguay und Uruguay sowie Peru ist Argentinien Einwanderungsland, ebenso für Asiaten, etwa Koreaner. Dazu kommen Einwanderer aus Europa, die von den Naturschönheiten des Landes angezogen werden.

Laut Verfassung ist die katholische Religion Staatsreligion und genießt einen bevorzugten Status. Der Staatspräsident muss katholisch und nach katholischem Recht verheiratet sein. Daneben bestehen noch zahlreiche Kulte, wie etwa der Pachamama-Kultus, eine Verschmelzung von Christentum und einheimischen Kulten.

Amtssprache ist das Spanische, daneben existieren noch eine Reihe von Minderheitensprachen der indianischen Bevölkerung, etwa Quechua oder Mapudungun.

Die sozialen Gegensätze sind eher krass, das Wohlstandsgefälle zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander. Dazu tragen auch die regionalen Einkommensunterschiede bei; in der Hauptstadt ist die Armutsrate bei etwa 20%, im übrigen Land im Durchschnitt 34% und erreicht in armen Gegenden, vor allem in den nördlichen Provinzen, wo das Bevölkerungswachstum relativ hoch ist, bis zu 65%. Die Abwanderung der Armen in die Stadt lässt die Slums wachsen, ein Problem, das die Regierung trotz sozialer Wohnbauprogramme noch nicht im Griff hat.

Wirtschaft

Traditionell stellt die Landwirtschaft noch immer einen wichtigen Erwerbszweig dar, daher zählt Argentinien zu den so genannten Schwellenländern, d.h. es befindet sich auf dem Weg zur Industrialisierung, was auch durch den starken Gegensatz zwischen Arm und Reich gekennzeichnet wird. Pro Kopf weist Argentinien trotzdem das höchste BIP Südamerikas auf.

Buenos Aires ist nicht nur das politische, sondern auch das wirtschaftliche Zentrum des Landes, auch der größte und für den Export wichtigste Hafen. An Bodenschätzen verfügt Argentinien über Kupfer, Blei, Zink, Eisen, Zinn, Glimmer, Kalkstein, Gold und Silber, aber die Vorräte sind bei keinem der Erze oder Gesteine wirklich bedeutend. Wichtiger sind die Erdöl- und Erdgasvorkommen im Nordwesten des Landes und offshore vor der Bucht von Golfo San Jorge.

Das größte landwirtschaftlich genutzte Gebiet liegt westlich und südlich von Buenos Aires, in den Grasebenen der Pampas wird Vieh, vor allem Rinder, gezüchtet. Das Fleisch der Rinder ist noch immer ein sehr wichtiges Exportgut. In dieser südwestlichen Region ist auch der Weizenanbau beheimatet. Die tropischen Regenwälder des Nordens liefern wertvolle Edelhölzer wie Guajak und Palisander.

Derzeit befindet sich die argentinische Wirtschaft, die man als eine gelenkte Volkswirtschaft bezeichnen könnte, wieder im Aufschwung, 2003 gab es ein Wachstum von 8,7%. Zum Teil wird dereguliert und privatisiert. Größtes Problem ist die nach wie vor herrschende Korruption. In der Zeit der Militärjunta erreichte die Staatsverschuldung exorbitante Höhen, Kapitalflucht war die Folge. Nach einem Staatsbankrott wurde Argentinien durch den IWF (Internationaler Währungsfonds) mit Krediten wieder auf die Beine gestellt.

ÄTHIOPIEN (ETH)

Fläche

1,1 Mio. km2


Hauptstadt

Addis Abeba (3,2 Mio. Einw.)


Währung

1 Birr = 100 Cents


Staatsform

Bundesrepublik


Parlament

Nationalversammlung mit 546 Sitzen


Religion

Muslime 45–50%, Äthiopisch-Orthodoxe Christen 35–40%, Animisten 12%, sonstige 3–8%


Einwohner

77,4 Mio.


Sprachen

Oromiffa, Amharisch, Englisch


Gliederung

9 Regionen, 2 Stadtregionen


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

28. Mai


Nationalitäten/Ethnien

Oromo 40%, Amhara und Tigray 32%, sonstige 28%


Internet www.ethiopar.net


Geschichte

Der Osten Afrikas, das heutige äthiopische Staatsgebiet, gilt als die Wiege der Menschheit. Zahlreiche Spuren und Reste dieser frühen Menschen, wie Skelettteile von »Lucy«, wurden in Äthiopien gefunden.

In der Spätantike gab es das christliche äthiopische Königreich von Axum, das sich auch bis auf die arabische Halbinsel ausdehnte. Als im 7. Jh. der Islam seine Herrschaft über den Vorderen Orient errichtete, wurde das äthiopische Christentum völlig von allen europäischen Einflüssen abgeschnitten. Erst im 15. Jh. erhielt Europa wieder Kenntnis von Äthiopien, als der Portugiese Pedro de Covilhão an den Hof des Negus gelangte. Diese Mission ist im Zuge der Erweiterung des portugiesischen Einflussbereichs im Indischen Ozean zu interpretieren. Auch die Waffenhilfe portugiesischer Soldaten unter dem Kommando des Cristovão da Gama, einem Sohn des berühmten Seefahrers und Entdeckers, für den Negus gegen das Sultanat Adal (eine Region, die heute zu Äthiopien gehört) diente eher portugiesischen Interessen. Als im 19. Jh. die europäischen Mächte, vor allem Frankreich und Großbritannien, begannen, den afrikanischen Kontinent untereinander aufzuteilen, gelang es Äthiopien, sich der europäischen Mächte zu erwehren. 1868 schlugen sie eine britische Expedition zurück, 1896 siegten sie unter Kaiser Menelik II. über eine technisch weit überlegene italienische Streitkraft bei Adua. Dieser Sieg wurde in der afrikanischen Geschichte der neusten Zeit zur Legende, er wurde Basis des äthiopischen Nationalismus. 1935 wurde Äthiopien neuerlich von italienischen Truppen des Mussolini-Regimes überrannt. Diesmal bahnten sich die Italiener mit dem Einsatz von Giftgas den Weg in die Hauptstadt Addis Abeba. Eine tatsächliche Kontrolle über das ganze Land erreichten die Eroberer aber nie. Kaiser Haile Selassie wurde nach London ins Exil vertrieben, kehrte aber 1941 mit britischer Hilfe wieder in sein angestammtes Königreich zurück. Inzwischen hatte die Italiener im Land gewütet, wahrscheinlich sind dem Terror 700.000 Menschen zum Opfer gefallen. Sie führten eine Rassentrennung ein, wie sie später in Südafrika praktiziert wurde. In den 1970er Jahren zeichnete sich eine krisenhafte Entwicklung in Äthiopien ab, die Wirtschaft stagnierte, die Bauern litten unter dem Druck der Großgrundbesitzer, das Bürgertum der Städte verlangte mehr politische Anteilhabe. 1973 kam es infolge einer Dürrekatastrophe und der Ölkrise zu Massendemonstrationen, denen sich das Militär schließlich anschloss. Kaiser Haile Selassie wurde gestürzt, Major Mengistu Haile Mariam übernahm die Macht und errichtet eine sozialistische Volksrepublik, die von der Sowjetunion unterstützt wurde. 1977/1978 versuchte Somalia eine Invasion, die mit kubanischer und sowjetischer Hilfe abgewiesen wurde. In Eritrea, ab 1889 italienische Kolonie, auf die Italien 1947 verzichtet hatte, erhielt eine separatistische Bewegung immer mehr Zulauf. Mitte der 1980er Jahre wurde Äthiopien, wie die gesamte Sahelzone, von schweren Hungersnöten infolge einer Dürrekatastrophe heimgesucht. Innerhalb von zwei Jahren verlor eine Million Menschen ihr Leben. 1991 schließlich brach das Regime Mengistus zusammen, ein Jahr später trennte sich Eritrea von Äthiopien. 1998 kam es noch einmal zu einem Krieg um das Ogadengebiet, der ohne Sieger ausging. Auf der Konferenz von Algier im Jahr 2000 wurde ein Friedensvertrag geschlossen, der von UN-Blauhelmen zu überwachen war.

Politisches System

Die Verfassung des Jahres 1995 beschreibt Äthiopien als föderale Republik, deren Staatsoberhaupt vom Parlament gewählt wird. Der Präsident hat fast nur repräsentative Aufgaben. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Bundeshaus mit 198 Sitzen und dem Volksrepräsentantenhaus mit 548 Mitgliedern. Äthiopien ist Gründungsmitglied der UNO und der Organisation für Afrikanische Einheit, die in Addis Abeba aus der Taufe gehoben wurde.

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat, in dem etwa 80 verschiedene ethnische Gruppen zusammenleben. Manche Ethnien bestehen aus nur wenigen hundert Menschen. Als eigentliches Staatsvolk gelten die Amharen, die aber kaum mehr als 30% der Bevölkerung ausmachen. Ihre Sprache hat sich als Staatssprache vor allem in den Städten durchgesetzt. Die Amharen und das Volk der Tigray sind größtenteils im nördlichen Bergland zuhause. Sie betreiben vorwiegend Ackerbau. Beide Völker sind Anhänger der christlichen Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche, deren Existenz auf das 4. Jh. n. Chr. zurückgeht. Inhaltlich ist diese Kirche mit den Armeniern bzw. den Kopten verwandt. Die zahlenmäßig größte Ethnie sind die Oromo, die im Süden des Landes leben. Sie sprechen eine kuschitische Sprache, die dem Somali ähnelt und mit lateinischem Alphabet geschrieben wird. Etwa eine Hälfte der Bevölkerung – zumeist die Oromo – sind sunnitische Muslime, die entscheidend von Sufibruderschaften beeinflusst wurden. Eine kleine Minderheit gehört der katholischen oder protestantischen Kirche an. Traditionell gab es eine sehr alte Minderheit jüdischen Glaubens (Falascha), die jedoch mittlerweile zum größten Teil nach Israel emigrierte. Schließlich gibt es noch die Glaubensgemeinschaft der Rastafari, eine erst in jüngster Zeit im Land ansässige Gruppe, für die die Persönlichkeit des ehemaligen Kaisers Haile Selassie eine große Rolle spielt. Rastafari entstand in den 1930er Jahren auf Jamaica als christlich-mystische Glaubensbewegung, die die Prophezeihung, dass in Afrika ein christlicher König geboren werde, in der Person von Haile Selassie erfüllt sieht.

Wirtschaft

Äthiopiens Wirtschaft ist derzeit noch eine sehr traditionelle, 52% des BIP werden von der Landwirtschaft erzielt. Hauptexportprodukt ist Kaffee, größter Abnehmer ist die Bundesrepublik Deutschland. Das einschneidende Problem des Landes ist die mangelnde Infrastruktur, vor allem die schlechten Straßenverbindungen schränken den Binnenhandel ein.

Große Teile der Bevölkerung betreiben noch nomadenhaft Viehzucht, die sesshaften Bauern ernten verschiedene, teils nur in Äthiopien vorkommende Getreidesorten und Ölpflanzen. In vielen Gebieten des Landes droht durch übersteigerte Ausbeutung des Bodens eine Zerstörung des bestehenden ökologischen Systems.

AUSTRALIEN (AUS)

Fläche

7,24 Mio. km2


Hauptstadt

Canberra (320.000 Einw.)


Währung

1 Austral. Dollar = 100 Cents


Staatsform

Parlamentarische Monarchie


Parlament

Senat mit 76 für sechs Jahre und Repräsentantenhaus mit 150 für drei Jahre gewählten Abgeordneten


Religion

Christen 68%, Konfessionslose 21%, sonstige 11%


Einwohner

20,2 Mio.


Sprache

Englisch


Gliederung

6 Bundesstaaten, 2 Territorien


Staatsoberhaupt

König/Königin von England


Nationalfeiertag

26. Januar


Nationalitäten/Ethnien

Weiße 92%, Asiaten 7%, Ureinwohner, sonstige 1%


Internet www.fed.gov.au


Geschichte

Die Entstehung des australischen Kontinents ereignete sich vor 65 Millionen Jahren, als sich eine Landmasse von Asien trennte. In einigen Millionen Jahren wird dieser Kontinent möglicherweise mit Neuguinea und den indonesischen Inseln kollidieren.

Als erste Seefahrer landeten wohl chinesische und indische Händler an der Nordküste des Kontinents, auch Marco Polo berichtet bereits von einem »Südkontinent«. Wahrscheinlich erreichten portugiesische oder französische Seefahrer als erste europäische Entdecker Australien, doch das Land erschien ihnen zu unwirtlich. Auch die Holländer zeigten kein gesteigertes Interesse an dem neuen Land. 1770 erreichte James Cook die Ostküste, die ihm einen fruchtbaren Eindruck machte, er nahm sie für die britische Krone in Besitz. Die Entdecker Australiens nannten den neuen Kontinent je nach ihrer nationalen Herkunft Neuholland oder New South Wales. Ab 1788 verschifften die Briten nach dem Verlust Nordamerikas ihre Sträflinge nach Australien (insgesamt etwa 160.000). Mit dem Export von Wolle ab 1820 setzte die erste Wohlstandsphase ein. Erst 1793 siedelten sich andere britische Staatsbürger an. 1851 wurde nordöstlich von Melbourne Gold gefunden, was einen Goldrausch auslöste und Einwanderer von überall her anlockte. Zwischen 1855 und 1890 erhielten die einzelnen britischen Kolonien den Status eines »Responsible Government« und damit eine gewisse innere Unabhängigkeit. 1901 erfolgte der Zusammenschluss der sechs britischen Kolonien zu einem Bundesstaat, der bis 1940 ein unabhängiges Dominion des Commonwealth bildete. Schon im Ersten Weltkrieg kämpften australische Soldaten an der Seite der Briten in Europa. 1941, nicht zufällig zum Zeitpunkt der schwierigsten Kriegslage Großbritanniens während des Zweiten Weltkrieges, wurde das Land endgültig unabhängig. 1942 stimmte das australische Parlament dem Westminster Statut über die Unabhängigkeit zu. Es blieb aber Mitglied des Commonwealth und beteiligte sich als solches von 1941 bis 1945 am Zweiten Weltkrieg mit eigenen Truppenkontingenten, die zunächst in Europa, mit Fortschreiten des Krieges aber in Ostasien, vorwiegend gegen Japan zum Einsatz kamen. 1965 schloss Australien mit Neuseeland ein Abkommen über gegenseitigen Zollabbau und bilaterale Zollfreiheit ab.

Politisches System

Australien – der Name leitet sich vom Lateinischen terra australis = südliches Land her – ist das einzige Land der Welt, bei dem Kontinent und Staat identisch sind. Es ist eine parlamentarische Monarchie; sie ist bundesstaatlich gegliedert und besteht aus sechs Teilstaaten, dem Territorium um Canberra und Tasmanien. 1999 stimmten 54,7% der Bewohner für die Beibehaltung der Monarchie. Zum Bundesstaat Australien gehören noch die Furneaux-Islands, Hunter Island und King Island sowie zahlreiche kleinere Inseln entlang der Küsten und in der Torres-Straße, die teils unbewohnt sind. Außerdem noch in Ozeanien die Kokosinseln, Weihnachtsinseln und Norfolkinseln sowie die subantarktischen Macquarieinseln und die Heard- und Mc-Donald-Inseln.

Bis 1975, bis zu seiner Unabhängigkeit, stand auch Papua-Neuguinea als UNO-Treuhandgebiet unter der Verwaltung Australiens. Das Gleiche gilt für Nauru, das 1968 unabhängig wurde. Außerdem erhebt Australien Anspruch auf einen Teil der Antarktis.

Rechtsstaatliche Grundlage ist die Verfassung von 1901, die ein Bundesparlament, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus vorsieht. Der Senat setzt sich aus je zwölf Mitgliedern aus jedem Bundesstaat zusammen, die für sechs Jahre gewählt werden. Alle drei Jahre wird die Hälfte der Mitglieder neu gewählt. Außerdem gehören ihm noch je zwei Vertreter der Territorien an. Staatsoberhaupt ist die derzeitige englische Königin, die durch einen Gouverneur, der lediglich repräsentative Funktion hat, vertreten wird. In Australien besteht Wahlpflicht. Die Aborigines erhielten erst 1965 das Wahlrecht.

1901 konnten sich die Städte Melbourne und Sydney nicht einigen, welche der beiden Städte Hauptstadt der vereinigten Kolonialgebiete werden sollte. So verständigte man sich auf eine dritte Lösung: Ein Architekt aus Chicago wurde 1913 beauftragt, eine Gartenstadt zu planen, die künftige Hauptstadt Canberra entstand auf dem Reißbrett. Ihre amtliche Funktion als offizielle Hauptstadt übernahm sie 1927.

Das australische Parteiensystem orientiert sich an britischen Vorbildern, ebenso die Gewerkschaften, die einen wichtigen gesellschaftlichen Machtfaktor darstellen. Auch die Kirchen und Wirtschaftsverbände üben noch einen beachtlichen Einfluss im sozialen Gefüge des Staates aus.

Australien ist Gründungsmitglied der UNO und der SEATO; zu seinen außenpolitischen Grundsätzen gehörte das entschiedene Auftreten gegen kommunistische Regime. So unterstützte Australien mit Truppenkontingenten Südkorea im Koreakrieg, Südvietnam gegen den Vietcong, die Amerikaner in den beiden Golfkriegen.

Staat und Kirche sind in Australien verfassungsgemäß grundsätzlich getrennt, alle Religionsgemeinschaften sind gleichberechtigt. Zwei Drittel der Bewohner sind christlich, viele haben kein religiöses Bekenntnis, die Aborigines haben eine eigene animistische Religion.

Der Großteil der australischen Bürger sind britischer Abstammung, erst nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten Bewohner vieler anderer europäischer Staaten ein. 2% der Bevölkerung sind Asiaten, vorwiegend Inder und Chinesen. Die Bevölkerungskonzentration in den Städten ist hoch, mehr als 85% der Australier leben in urbanen Regionen, während das wüstenartige Landesinnere, »Outback« genannt, fast menschenleer bleibt. Die Lebenserwartung beträgt bei Männern 75 und bei Frauen 81 Jahre, bei Aborigines um 20 Jahre weniger.

Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, wanderten etwa vor 45.000 Jahren aus dem asiatischen Raum nach Australien ein. Jüngsten Forschungen zufolge gehören sie zur Rasse der Europiden. Als man sie um 1800 gleichsam entdeckte, befanden sie sich noch immer auf einer steinzeitlichen Stufe, sie waren Jäger und Sammler, ihre Werkzeuge stellten sie aus Holz, Knochen oder Stein her. Innerhalb eines Jahrhunderts drängten die neuen Siedler die Aborigines in die unwirtlichen Zonen des Landes ab, etwa eine halbe Million wurde brutal ermordet. Heute stellen sie nur mehr 2% der Bevölkerung, also etwa 350.000 Menschen, davon sind bereits neun Zehntel Mischlinge. Durch den Verlust ihrer eigenständigen Kultur glitten sie in die Verelendung ab und leben heute von der Sozialhilfe. Obwohl es inzwischen Gesetze gibt, die jede Diskriminierung verbieten, ändert sie nichts an ihrer sozialen Ausgrenzung. Ein eigenes Schulsystem für die Aborigines, in dem auch die eigenständige Kultur Unterrichtsbestandteil ist, könnte Abhilfe schaffen. Die zwischen 1900 und 1972 durch ein staatliches Programm ihren Eltern entfremdeten Aborigines-Kinder – sie wurden in weißen Familien groß gezogen und adoptiert – wurden inzwischen Thema einer staatlichen Untersuchung. Heute sieht man dies als einen versuchten Genozid, das offizielle Australien entschuldigt sich mit jährlichen Versöhnungsveranstaltungen. Teilweise erhielten die Aborigines auch Grund und Boden rückerstattet, etwa Ayers Rock, das beliebteste Touristenziel, für die Aborigines aber ein heiliger Berg.

Landes- und Verkehrssprache ist Englisch, wobei sich »Strine«, das australische Englisch, durch seinen Wortschatz und seine eigenwillige Aussprache von der Standardsprache unterscheidet. Von den zahlreichen Dialekten der Aborigines existieren nur mehr etwa 150.

Wirtschaft

Australien gehört zu den wirtschaftlich erfolgreichen Ländern der Erde, sein BIP beträgt 21.650 US-Dollar. In Westaustralien finden sich in präkambrischem Gestein sehr reiche Erzvorkommen, die erst seit den 1960er Jahren im großen Stil ausgebeutet werden. 40% der geförderten Erze und Mineralien gehen in den Export. Bei Bauxit, Blei und Steinkohle ist Australien Marktführer, bei Zinkerz rangiert es auf Platz zwei der Weltrangliste. Reichlich vorhanden sind auch noch Uran, Eisenerze, Nickel, Gold, Saphire und Opale. Bei Letzteren machen die australischen Funde 90% der Welt aus. Zusätzlich werden noch Silber, Zinn, Mangan und Kupfererze abgebaut. Auch Erdöl und Erdgas sind reichlich vorhanden und machen das Land hinsichtlich der Energieversorgung autark. Außerdem wird in den extrem heißen Gebieten des Outback die Solarenergie genutzt. Durch den hohen Exportanteil der Rohstoffe ist Australien von der Entwicklung der Preissituation für diese Produkte vom Weltmarkt stark abhängig.

Seit seiner Entdeckung war Australien ein koloniales Agrarland, d. h. es lieferte die im Mutterland benötigten Agrarprodukte. Inzwischen sind nur mehr 5% der Bevölkerung im primären Sektor tätig, die landwirtschaftlichen Exporte betragen 17% des Gesamtexports, in den 1950er Jahren waren es noch 80%. Noch immer werden 60% der Fläche landwirtschaftlich genutzt, und zwar überwiegend als Weideland. Hier grasen etwa 130 Mio. Schafe und 25 Mio. Rinder. Im Tiefland Australiens finden sich ergiebige Grundwasservorkommen, allerdings in großer Tiefe, sie können aber mit artesischen Brunnen zu Tage gebracht werden. Ständig Wasser führende Flüsse gibt es nur im gebirgigen Osten des Landes. Nur 2% der Agrarfläche sind dem Anbau von Feldfrüchten vorbehalten, wobei dieser Anbau großteils bewässert werden muss. Kultiviert werden Weizen und Zuckerrohr, wovon 80% in den Export gehen. Vorwiegend für den Eigenbedarf werden Baumwolle, Reis, Kartoffeln, Tabak und Hopfen geerntet. Der seit einigen Jahren an Prestige gewinnende Weinbau produziert ebenfalls zu einem großen Teil für den Export. Australien ist der weltgrößte Exporteur von Wolle und der zweitgrößte Exporteur von Lammfleisch.

Der Aufbau einer Großindustrie erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg, sie erwirtschaftet heute 25% des BIP. Produziert werden Maschinen, Fahrzeuge, Nahrungs- und Genussmittel, chemische Erzeugnisse und Elektrogeräte.

Eine wichtige Devisenquelle ist der rasant wachsende Tourismus. Jährlich besuchen etwa 4,65 Mio. Touristen das Land, sie sind für einen Umsatz von 10 Mrd. US-Dollar verantwortlich. Dem Touristen bietet sich eine einmalige Fauna und Flora, so sind etwa 85% der einheimischen Pflanzen endemisch, d. h. sie kommen ursprünglich nur in Australien vor, wie etwa der Eukalyptus. Ähnliches gilt für die Tierwelt, von der zahlreiche Arten inzwischen gefährdet sind. Ausgewilderte Haustiere der neuzeitlichen Siedler sind teils zur Plage geworden, wie die Kaninchen. Schon sehr früh erkannte man, dass die einzigartige Natur schützenswert sei; bereits 1879 wurde der erste Nationalpark südlich von Sydney gegründet. Er ist nach dem Yellowstone-Park der zweitälteste der Welt. Tasmanien, dessen Fläche der Irlands gleicht, ist etwa zu 50% von Wald bedeckt. Ein Drittel der Insel steht unter Naturschutz, 20% der Fläche sind Nationalpark. Bereits gefährdet ist das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

BAHAMAS (BS)

Fläche

13.878 km2


Hauptstadt

Nassau (170.000 Einw.)


Währung

1 Bahama-Dollar = 100 Cents


Staatsform

Parlamentarische Monarchie


Parlament

Senat mit 16 ernannten und Abgeordnetenhaus mit 40 gewählten Mitgliedern


Religion

Christen 95%: Baptisten 32%, Anglikaner 20%, Katholiken 19%, andere Christen 24%; sonstige 5%


Einwohner

323.000


Sprache

Englisch


Gliederung

21 Distrikte


Staatsoberhaupt

König/Königin von England


Nationalfeiertag

10. Juli


Nationalitäten/Ethnien

Schwarze 85%, Weiße 12%, Asiaten, Hispanier 3%


Internet www.bahamas.gov.bs


Geschichte

Vor der Zeit der Entdeckungen wurde der lang gestreckte Inselarchipel der Bahamas von den friedlichen Lucayan-Indianern, Abkömmlingen der Arawak, bewohnt. Vermutlich auf den Inseln San Salvador oder Samana Cay setzte Christoph Kolumbus am 12. Oktober 1492 erstmals seinen Fuß auf amerikanischen Boden. Mitte des 17. Jh. begannen die Briten mit der Besiedlung der Inseln, die zu diesem Zeitpunkt infolge der spanischen Ausrottungspolitik fast menschenleer waren. 1718 wurde der gesamte Archipel, der sich aus etwa 700 Inseln zusammensetzt, von denen nur 30 bewohnbar sind, britische Kronkolonie. Zunächst dienten die Inseln zahlreichen Piraten als Unterschlupf. 1729 erhielten die Inseln eine eigene parlamentarische Vertretung, das House of Assembly. Ende des 18. und im 19. Jh. wurden die Bahamas Fluchtziel für britische Loyalisten aus den USA. Im 20. Jh. waren es Alkoholschmuggler, die während der Prohibition in den USA ihre Stützpunkte auf den Bahamas hatten. 1964 gewährten die Briten den Bahamas die innere Selbstverwaltung, 1973 schließlich wurden sie in die Unabhängigkeit entlassen.

Politisches System

Der Name Bahamas leitet sich von dem spanischen Namen Baja Mar für die flachen Gewässer der Inselgruppe her. Der Commonwealth of the Bahamas, so der offizielle Staatsname, erhielt im Jahr der Unabhängigkeit 1973 seine Verfassung, die sich eng an das britische Vorbild anlehnt. Es gibt ein Abgeordnetenhaus mit 40 vom Volk gewählten Mitgliedern und den Senat mit 16 Mitgliedern, die teils vom Gouverneur der britischen Königin, teils vom Premierminister ernannt werden.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in urbanen Siedlungen, allein in der Hauptstadt Nassau auf der Insel New Providence sind es 170.000. Die Einwohner der Bahamas sind zum größten Teil Schwarze und Mulatten, fast alle sind Christen.

Wirtschaft

An natürlichen Ressourcen verfügen die Bahamas auf einigen Inseln über Edelhölzer, wie Mahagoni, außerdem ist die Salzgewinnung ein wichtiger Erwerbszweig.

Lediglich 1% des Bodens ist für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Bewässerungsmöglichkeiten gibt es keine, da auf den Inseln keine Flüsse vorkommen. Angebaut werden Gemüse und tropische Früchte, der Großteil der Nahrungsmittel muss aber importiert werden.

Die langen Strände der Inseln, vor allem aber die weit gestreckten Korallenriffe mit ihrer einzigartigen Flora sind eine wichtige Touristenattraktion. Zwischen den Inseln Great Abaco und Eleutheria erstreckt sich der Great Bahama Canyon, mit 225 km Länge der größte unterirdische Canon der Welt, dessen Wände mehr als 4000 m senkrecht in die Tiefe abstürzen. Jährlich kommen etwa 3,7 Mio. Touristen auf die Bahamas, diese Einkünfte machen 60% des BIP aus.

Neben dem Tourismus sind die internationalen Finanzdienstleistungen die Haupteinnahmequelle der Inseln. Auf den Bahamas existieren mehr als 400 Finanzinstitute, von den auch einige im Verdacht der Geldwäsche stehen. Das BIP pro Einwohner jährlich beträgt mehr als 17.000 US-Dollar. Damit haben die Bahamas den höchsten Lebensstandard in der gesamten Karibik. Das soziale Netz ist sehr dicht, ein Problem stellt der Drogenhandel dar.

Energieträger müssen zu 100% importiert werden.

BARBADOS (BDS)

Fläche

430 km2


Hauptstadt

Bridgetown (10.000 Einw.)


Währung

1 Barbados-Dollar


Staatsform

Parlamentarische Monarchie


Parlament

Senat mit 21 vom Generalgouverneur ernannten und House of Assembly mit 27 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten


Religion

Protestanten 67%, Katholiken 4%, sonstige 29%


Einwohner

270.000


Sprachen

Englisch, Bajan


Gliederung

11 Bezirke


Staatsoberhaupt

König/Königin von England


Nationalfeiertag

30. November


Nationalitäten/Ethnien

Schwarze 80%, Mulatten 16%, Weiße 4%


Internet www.barbados.gov.bb


Geschichte

Der östlichste Karibikstaat wurde ursprünglich von Arawak und Kariben bewohnt, die in drei Einwanderungswellen um etwa 350 n. Chr., um 800 und 1300 die Insel besiedelten. 1536 wurde Barbados von dem in spanischen Diensten stehenden Portugiesen Pedro Campos entdeckt. Als die Briten 1625 die Insel in Besitz nahmen, war sie entvölkert. Sie entwickelte sich aber rasch zu einer Drehscheibe für den mittelamerikanischen Sklavenhandel. Als 1834 im britischen Empire der Sklavenhandel verboten wurde, forcierten die Briten auf Barbados den Anbau von Zuckerrohr. Bemerkenswert ist Barbados, weil es bereits 1639 mit dem House of Burgesses über ein Parlament verfügte. 1652 wurden die Rechte dieses Parlaments in der »Charta of Barbados, or Articles of Agreement« niedergelegt. In dieser Verfassungsurkunde wurden Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und parlamentarische Rechte garantiert. Zwischen 1958 und 1962 war Barbados Teil der Westindischen Föderation. 1966 wurde Barbados in die Unabhängigkeit entlassen und blieb Mitglied des britischen Commonwealth.

Politisches System

Die aus dem Jahr 1966 stammende nunmehr gültige Verfassung sieht ein Zweikammerparlament vor, ein Abgeordnetenhaus und einen Senat. Ein traditionelles Zweiparteiensystem garantiert dem Land eine hohe politische Stabilität.

Die Hauptstadt Bridgetown, 1626 von den Briten gegründet, präsentiert sich im klassischen englischen Kolonialstil. Es gibt sogar einen Trafalgar-Square mit einem Nelson-Denkmal.

Die Bevölkerung besteht zum größten Teil aus Schwarzen und Mulatten, Weiße und Inder stellen eine Minderheit dar. Fast alle Bewohner sind Christen, wobei die Anglikaner die größte Gruppe bilden. Auf Barbados spricht man Englisch und Bajan, einen Dialekt, der aus der Verschmelzung von Englisch und alten afrikanischen Sprachen entstand. Barbados gehört zu den am dichtest besiedelten Staaten der Welt. Medizinische Versorgung und ein dichtes soziales Netzwerk tragen zur hohen Lebenserwartung der Bevölkerung bei.

Wirtschaft

Barbados´ Wirtschaft ruht auf zwei Standbeinen, einerseits auf dem Tourismus, andererseits auf dem traditionellen Zuckerrohr und seinen Produkten, wie Melasse und Rum. Für den Tourismus geradezu ideal ist das Klima, das ganzjährig Badewetter an natürlichen langen Sandstränden offeriert. Jährlich kommt etwa eine Million Touristen ins Land, mit ihnen wird etwa 50% des BIP erwirtschaftet. Natürlichen Regenwald gibt es auf Barbados keinen mehr, er wurde schon vor Jahrhunderten zur Anlage der Plantagen gerodet.

Mit einem BIP von mehr als 10.000 US-Dollar weist Barbados einen relativ hohen Lebensstandard auf. Niedrige Steuersätze und ein peinlich gewahrtes Bankgeheimnis sollen zusätzlich Finanzdienstleister anlocken.

Landwirtschaftliche Produkte gedeihen in Barbados nur beschränkt, es werden Mangos, Avocados und Zitrusfrüchte geerntet, kleine Bestände von Edelhölzern wie Mahagoni gehen in den Export. Das Vorkommen an Erdöl und Erdgas ist bescheiden und reicht nicht für den Eigenbedarf. Die alte Plantagenwirtschaft, die nunmehr neben Zuckerrohr auch Baumwolle kultiviert, steht einerseits im Eigentum von Großgrundbesitzern, andererseits von Genossenschaften.

Ein Zehntel zum BIP trägt eine kleine Leichtindustrie bei, die Pharmazeutika, Glas, Keramik, Textilien und elektronische Bauteile herstellt.

BELIZE (BH)

Fläche

22.696 km2


Hauptstadt

Belmopan (8.100 Einw.)


Währung

1 Belize-Dollar = 100 Cents


Staatsform

Parlamentarische Monarchie


Parlament

Senat mit 9 ernannten und Repräsentantenhaus mit 29 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten


Religion

Katholiken 62%, Protestanten 30%, sonstige 8%


Einwohner

270.000


Sprachen

Englisch, Kreolisch, Spanisch


Gliederung

6 Distrikte


Staatsoberhaupt

König/Königin von England


Nationalfeiertag

10. und 21. September


Nationalitäten/Ethnien

Mestizen 44%, Kreolen 31%, Maya 9%, Garifuna 6%, sonstige 10%


Internet www.belize.gov.bz


Geschichte

Das ehemalige Britisch-Honduras, an der Ostküste Yucatans gelegen, war zwischen 300 und 900 n. Chr. eine Hochburg der Maya-Kultur. 1938 fand man im tropischen Urwald die Stadt Caracol. Im 16. Jh. kamen die Spanier, die sich nur für Tropenhölzer interessierten, in die Region. Die Mayas zogen sich ins Landesinnere zurück, bisweilen leisteten sie den vordringenden Spaniern ausdauernden Widerstand. An den Küsten fanden britische Piraten Schlupflöcher, die Jagd auf spanische Schiffe machten. 1670 unterzeichneten Spanien und England einen Vertrag, der diese üble Praxis unterbinden sollte. Die Baymen, so der Name der Piraten, verlegten sich daher auf den Holzhandel, für den sie Mitte des 18. Jh. sogar eine vertragliche Konzession erhielten. Immer mehr britische Siedler kamen ins Land, sie alle lebten vom Holz. Ende des 18. Jh. soll der Anteil der Sklaven an der Bevölkerung etwa 75% ausgemacht haben. 1862 wurde Britisch-Honduras Kronkolonie. Im 20. Jh. begann es in Britisch-Honduras unter der einheimischen Bevölkerung zu gären, vor allem nachdem Mayas im Ersten Weltkrieg in der britischen Armee gedient, aber nicht als vollwertig akzeptiert worden waren. Als nach dem Zweiten Weltkrieg Indien unabhängig wurde, verstärkten sich die Bestrebungen, dies ebenfalls zu werden. Noch unter britischer Herrschaft wurde die Verwaltung selbstständig wahrgenommen, politische Parteien entstanden. 1973 wurde der Staatsname in Belize geändert. 1981 wurde das Ziel schließlich erreicht. Nur zu Guatemala blieb das Verhältnis gespannt, da dieses Ansprüche auf Belize erhob. Die Anwesenheit britischer Truppen im Land verhinderte einen Krieg. 1992 unterzeichnete Guatemala einen Vertrag, der die Unabhängigkeit Belizes anerkannte. Danach verließen 1994 die britischen Truppen das Land.

Politisches System

Schon 1765 besaßen die Siedler in Britisch-Honduras eine Art Grundgesetz, das sich »Barnaby´s Code« nannte. 1981 wurde die heute gültige Verfassung beschlossen, Staatsoberhaupt ist die britische Königin, die sich durch einen Generalgouverneur vertreten wird. Die heutige Hauptstadt Belmopan ist eine Neugründung der 1960er Jahre. Da 1961 ein Hurrikan die alte Hauptstadt Belize schwer verwüstet hatte, wurde ein Regierungssitz weiter im Landesinneren geplant, der vor Hurrikans sicher wäre.

Wirtschaft

Belizes Wirtschaft wächst zwar in den letzten Jahren recht ordentlich, doch die Staatsverschuldung macht 85% des BIP aus und schränkt jegliche wirtschaftliche Initiative ein. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Exportschlager sind Edelhölzer, wie Mahagoni, aber auch Nutzholz.

Die Landwirtschaft produziert in kleinen Einheiten für den Eigenbedarf; auf größeren Plantagen, die oft in ausländischem Besitz stehen, werden Zuckerrohr, Zitrusfrüchte, Bananen, Kakao und Kokosnüsse gepflanzt.

Von Bedeutung ist die Fischerei, deren Produkte größtenteils in den Export gehen. Die industrielle Produktion liefert nur Textilien sowie Holzprodukte und verarbeitet Nahrungsmittel für den Export. Der Tourismus ist ein aufstrebender Wirtschaftszweig, Taucher sind vom Riff begeistert, Kulturinteressierte besuchen die Maya-Ruinen und Ökotouristen erforschen den Regenwald. 41% der Staatsfläche sind Nationalparks und Naturschutzgebiete. Nennenswerte Bodenschätze hat Belize nicht aufzuweisen, in den 1980er Jahren wurde im Norden Erdöl entdeckt.

BENIN (BJ)

Fläche

112.622 km2


Hauptstadt

Porto Novo (220.000 Einw.)


Währung

CFA-Franc


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Nationalversammlung mit 83 für vier Jahre gewählten Abgeordneten


Religion

Naturreligionen 70%, Muslime 15%, Christen 15%


Einwohner

8,4 Mio.


Sprachen

Französisch, ca. 60 Stammessprachen


Gliederung

12 Départements


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

1. August


Nationalitäten/Ethnien

Fon 39,8%, Yoruba 12,2%, Adja 11,1%, Bariba 8,7%, Alzo Pédah 8,7%, sonstige 19,5%


Internet www.gouv.bj


Geschichte

Benin, das bis 1975 Dahomey oder Dahomé hieß, war im 17. Jh. das Sklavenhandelszentrum Westafrikas. 1892 erfolgte die Eroberung durch Frankreich, 1894 war das Land mit seiner Hauptstadt Cotonou Teil von Französisch-Westafrika. 1957 erhielt das Land beschränkte innere Autonomie, 1958 war es innerhalb der Französischen Gemeinschaft Mitglied mit völliger innerer Autonomie. Nach heftigen Unruhen erklärte Dahomey 1960 seine Unabhängigkeit und trat aus der Französischen Gemeinschaft aus. Die nächsten Jahre waren eine Aufeinanderfolge von Militärputschen und Staatsstreichen, 1964 gab sich das Land nach einer Volksabstimmung eine Verfassung mit einem Einkammerparlament. Hatte Dahomey in der Anfangsphase seiner Unabhängigkeit noch auf gute Kontakte zu Frankreich und den frankophonen Nachbarn gesetzt, erfolgte 1964 eine Annäherung an kommunistische Staaten, auch an China. 1965 wurde die Verfassung sistiert, das Parlament aufgelöst und alle Parteien verboten. Aber auch die Freundschaft mit China hatte keinen langen Bestand, 1966 wurden die Beziehungen wieder abgebrochen. 1974 erklärte sich Dahomey als kommunistischer Staat. Verstaatlichung war angesagt. 1975 erfolgte die Änderung des Staatsnamens in Benin, in Erinnerung an das einst sehr mächtige Reich Benin. Da für die kommunistische Staatsführung die wirtschaftlichen Erfolge ausblieben (die Staatsschulden erreichten eine Milliarde US-Dollar), kam es 1989/1990 zu Unruhen in der Bevölkerung, die schließlich eine Trendumkehr erzwangen. Eine Nationalkonferenz (Conférence Nationale de Forces Vives de la République) unter der Leitung des katholischen Erzbischofs von Cotonou stellte die Weichen für einen demokratischen Neuanfang, man holte den ehemaligen Exekutivdirektor der Weltbank Nicéphore Soglo und machte ihn zum Premier. Der Übergang erfolgte unblutig: Demokratie, Menschenrechte, Zulassung von politischen Parteien, Meinungsfreiheit und freie Marktwirtschaft wurden die neuen Grundwerte des Staates.

Politisches System

Heute ist Benin eine funktionierende Demokratie, die sich 1990 eine neue Verfassung – ein Mittelding zwischen französischer und amerikanischer Verfassung – gegeben hatte. Es gibt ein Einkammerparlament, das alle vier Jahre gewählt wird. Die Wahl des Staatspräsidenten, der zugleich Regierungschef ist, erfolgt alle fünf Jahre. Es gibt ein Mehrparteiensystem, tatsächlich wird die Politik jedoch von territorialen und ethnischen Bindungen dominiert. Das Verhältnis zu Frankreich ist sehr gut und orientiert sich an dessen Außenpolitik, inzwischen zeigen Großmächte wie die USA und China Interesse an dem kleinen Land.

Die Bevölkerung umfasst mehr als 40 ethnische Gruppen, dominierend sind die Fon und die Ewa. Offiziell geben nicht einmal 20% der Bevölkerung an, einer Naturreligion anzugehören, tatsächlich dürften 70% der Voodoo-Religion anhängen, die rituelle Tänze, Ahnenkult, Tieropfer und Geisterglauben vertritt. Mehr als 20% der Bevölkerung sind katholisch.

Wirtschaft

Bis 1990 herrschte in Benin Planwirtschaft, seitdem wird auf Marktwirtschaft umgestellt. Dank seiner intensiven Bemühungen in der Armutsbekämpfung kam Benin 2003 in den Genuss einer Entschuldungsinitiative der Weltbank.

Drei Viertel des Exporterlöses werden mit Baumwolle erzielt, außerdem gehen noch Ananas und andere exotische Früchte in den Export. Der Rest der landwirtschaftlichen Produktpalette sorgt für den Eigenbedarf, Hauptanbauprodukte sind Mais, Hirse, Jams und Maniok. Noch sind 60% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig.

BOLIVIEN (BOL)

Fläche

1,1 Mio. km2


Hauptstadt

Sucre (220.000 Einw.)


Währung

1 Boliviano = 100 Centavo


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Abgeordnetenhaus mit 130 und Senat mit 27 für vier Jahre gewählten Mitgliedern


Religion

Katholiken 95%, Protestanten und sonstige 5%


Einwohner

9,2 Mio.


Sprachen

Spanisch, Aymará, Ketschua


Gliederung

9 Departementos


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

6. August


Nationalitäten/Ethnien

Mestizen 30%, Ketschua 30%, Aymará 25%, weiße 15%


Internet www.comunica.gov.bo


Geschichte

Die wichtigste vorkolumbianische einheimische Kultur war die von Tiahuanaco, die bis an die Küste des Pazifik reichte. Zwischen 1438 und 1471 wurde dieses Staatswesen vom Inkareich erobert. 1538 eroberten die Spanier das Land und machten Bolivien zu einem Teil des Vizekönigtums Peru, später des Vizekönigreiches Rio de la Plata. Spanien war an Bolivien wegen seiner reichen Silbervorkommen interessiert. Unter dem Eindruck der Französischen Revolution in Europa und den damit einhergehenden nationalen Bestrebungen erwachte auch in Bolivien der Wunsch, von Spanien unabhängig zu sein. Der Kampf um dieses nationale Gut begann 1809, als das Mutterland Spanien von napoleonischen Truppen besetzt war. 1825 gelang es dem Freiheitskämpfer Simón Bolívar, den Spaniern eine entscheidende Niederlage zuzufügen. Bolivien und Peru wurden unabhängig, sehr bald trennten sich auch die Wege der beiden Länder. Bolivien nahm den Namen seines Befreiers an. Die folgenden Jahrzehnte waren von Bürgerkrieg und Anarchie gekennzeichnet. In den späten dreißiger Jahren des 19. Jh. war Bolivien in den Konföderationskrieg gegen Chile verwickelt, im Salpeterkrieg (1879–1883) verlor Bolivien endgültig Territorien an Chile und damit den Zugang zum Meer. Noch einmal führte Bolivien nach dem Ersten Weltkrieg eine Auseinandersetzung mit Paraguay um einen Zugang zum Meer, im Chaco-Krieg (1932–1935) verlor es im Süden große Teile an Paraguay. Die Geschichte des 20. Jh. war außerdem von zahlreichen Umstürzen, Revolutionen und Putschen gekennzeichnet. In den 1980er Jahren kam es zum Sturz einer Militärjunta und danach zur Etablierung eines demokratischen Regimes. 2003 mobilisierten die Gewerkschaften das Volk gegen den Ausverkauf des Devisen bringenden Erdgases an US-amerikanische Konzerne. Der Protest richtete sich auch gegen extreme Einsparungen im Staatshaushalt, die vom Internationalen Währungsfonds zur Reduzierung der Staatsschulden gefordert worden waren. Der damalige Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada musste zurücktreten und ging in die USA ins Exil. 2005 war die Stimmung wieder am Überkochen, diesmal hatten die hohen Benzinpreise massive Proteste ausgelöst und die Forderung nach Verstaatlichung der Gasindustrie wurde laut. Wieder trat ein Präsident zurück, doch weitere Proteste verhinderten, dass der verfassungsmäßig vorgesehene Präsident des Senats, ein ausgewiesener Konservativer, das Amt übernahm. Schließlich einigte man sich auf einen Übergangspräsidenten zur Durchführung von Wahlen. Im Dezember 2005 wurde mit dem Anführer der Kokabauern Evo Morales erstmals ein Vertreter der indigenen Bevölkerung mit 45% der Stimmen in das Präsidentenamt gewählt. Im Januar 2006 wurde Morales vereidigt, bereits im Mai verstaatlichte er die Erdgasindustrie, was international zu Protesten führte. Angeblich trat er sogar in den Hungerstreik, um die Verstaatlichung im Parlament durchzusetzen. Inzwischen wurden neue Verträge mit den ausländischen Konzernen geschlossen, diese führen 80% der Erträge aus dem Erdgasverkauf an die Regierung ab. Im Februar 2007 folgte die Verstaatlichung des Schweizer Schmelzhüttenkonzerns Glencore; diese Causa wurde bei unabhängigen Gerichten eingeklagt.

Politisches System

Seit 1967 ist Bolivien eine präsidiale Republik, der Präsident wird für vier Jahre gewählt, eine unmittelbare Wiederwahl ist derzeit verfassungsmäßig nicht zulässig. Ursprünglich kündigte Morales an, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Inzwischen dürfte er seine Meinung geändert haben, verfügt aber nicht über die zur Durchsetzung seines Vorhabens nötige Zweidrittelmehrheit im Parlament. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Abgeordnetenhaus mit 130 gewählten Mitgliedern und dem Senat mit 27 Senatoren. Seit Juli 2006 berät eine konstituierende Versammlung über die Kodifizierung einer neuen Verfassung. Wichtige politische Kräfte im Land sind die Armee und die Bergarbeitergewerkschaft.

Seit 1969 gehört Bolivien zur Andengemeinschaft, die seit 1995 eine Freihandelszone unter den Mitgliedern aufgebaut hat. Mit Chile schwelt noch immer der Konflikt um einen Zugang zum Meer.

Die Errichtung der Hauptstadt Sucre geht auf einen Befehl Francisco Pizzaros zurück, der eine Stadt mit dem Namen Villa de la Plata (= Silberstadt) wollte. Um 1770 hatte die Stadt – sie liegt 2800 Meter über dem Meer – etwa 45.000 Einwohner. Die Namensänderung in Sucre erfolgte in Erinnerung an General Antonio de Sucre, einen der Mitstreiter Simón Bolívars, und um den Ort, wo die Unabhängigkeit des Staates ausgerufen wurde, zu ehren. Heute ist Sucre eine der schönsten Kolonialstädte Lateinamerikas und beherbergt die älteste Universität Südamerikas. Sie gehört seit 1990 zum Weltkulturerbe. Nominelle Hauptstadt war sie seit 1839. Doch die Regierung und das Parlament sind 1898 nach La Paz abgewandert. Im Juli 2007 demonstrierten zwei Mio. Menschen gegen die Verlegung des Regierungssitzes in die historische Hauptstadt Sucre. Sie wenden sich gegen eine weitere Aufwertung des ohnedies schon reichen Südwesten des Landes, wo sich eben deshalb Abspaltungstendenzen bemerkbar machen.

55% der bolivianischen Bevölkerung sind Indianer, damit ist Bolivien das Land mit dem höchsten Anteil an indigener Bevölkerung. Sie teilt sich in zwei Hauptgruppen, die Ketschua und die Aymará. Eine indigene Minderheit stellen die Guaraní dar. In den letzten Jahren konnten die mittelgroßen indigenen Bevölkerungsgruppen einen Zuwachs verzeichnen, damit einher geht ein wachsendes Bewusstsein für die eignen Wurzeln und die kulturelle Identität. Der Rest der Bevölkerung sind Schwarze, Weiße und Mestizen. Ein großer Teil der Weißen sind Nachkommen der Spanier, sie bilden im Land die soziale Oberschicht. Etwa die Hälfte der Bevölkerung spricht Spanisch, die Indios sprechen Ketschua oder Aymará. Beide Indiosprachen sind als Amtssprachen anerkannt. Bolivien ist ein dünn besiedeltes Land, 65% der Bevölkerung leben in Städten. 90% der Bevölkerung geben an, katholisch zu sein, ein kleiner Teil bekennt sich zu indianischen Religionen. Die katholische Religion ist Staatsreligion, aber Religionsfreiheit ist verfassungsmäßig garantiert. Außerdem gibt es noch eine kleine Minderheit von etwa 12.000 Mennoniten, die in den 1970er Jahren aus Mexiko und den USA einwanderten. Eine kleine jüdische Gemeinde und eine kleine Gruppe der Bahai runden das religiöse Spektrum ab.

Wirtschaft

Obwohl Bolivien über reiche Bodenschätze verfügt, ist es noch immer ein Entwicklungsland, in dem das Bruttonationaleinkommen unter 900 US-Dollar liegt und in dem die Arbeitslosigkeit hoch ist. Gründe dafür sind in den schlechten Verkehrsverhältnissen und in der nicht ausreichenden Energieversorgung zu suchen. Die einseitige Abhängigkeit vom Bergbau macht Bolivien für die Preisentwicklung am Weltmarkt für diese Bodenschätze besonders anfällig. Zudem sind in manchen Bereichen die Minen entweder erschöpft oder die Förderung ist durch Preisverfall rückläufig. An Bodenschätzen verfügt Bolivien über Zinn, Zink, Blei, Kupfer, Wolfram, Antimon und Wismut. Silber wurde schon in vorkolumbianischer Zeit abgebaut, die Spanier entdeckten es Mitte des 16. Jh. in der Gegend von Potosi und sorgten für einen systematischen Abbau. Inzwischen ist der Silberbergbau ausgebeutet und zum Erliegen gekommen, an seine Statt trat der viel wichtigere Abbau von Zinn, wobei Silber nur ein Nebenprodukt des Abbaus ist.

Wesentlicher für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes wurde die Entdeckung von Erdöl und Erdgas in der Umgebung von Santa Cruz de la Sierra im Südosten des Landes. Der Export von Erdgas macht 10% des Exportvolumens aus. Zur besseren Ausbeutung der reichen Ölvorkommen schloss Bolivien eine Allianz mit Venezuela und seinem Staatspräsidenten Hugo Chávez; Venezuela stellt dem Neuankömmling auf dem Ölmarkt Know-how zur Verfügung.

50% der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, diese kann kaum den Eigenbedarf decken. Angebaut werden Kartoffeln, Getreide, Bohnen, Soja, Zuckerrohr und Reis. Kaffee und Mais sind Exportprodukte. Im Tiefland wird Schaf- und Rinderzucht betrieben. Ein wesentlicher Faktor der Landwirtschaft ist der Kokaanbau auf etwa 25.000 ha. An die 100.000 Bauernfamilien leben vom Kokaanbau, Bolivien ist weltweit der drittgrößte Produzent für Koka. Der größte Teil davon wird für die Herstellung von Kokain verwendet. Eine effektive Bekämpfung des Kokaanbaus wäre für diese Bauern eine wirtschaftliche Katastrophe. Daher tritt Präsident Morales, selbst Vertreter dieser Kokabauern, für die Fortsetzung des Anbaus ein.

30% des BIP macht die Industrie aus, die vor allem Verbrauchsgüter herstellt. Sie diversifiziert sich in Metallindustrie, Erdölraffinerien und chemische Industrie.

BOTSWANA oder BOTSUANA (RB)

Fläche

581.730 km2


Hauptstadt

Gaborone (186.000 Einw.)


Währung

1 Pula = 100 Thebe


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Nationalversammlung mit 57 für fünf Jahre gewählten Abbgeordneten


Religion

Christen 50%, Naturreligionen 50%


Einwohner

1,8 Mio.


Sprachen

Englisch, Setswana


Gliederung

10 Land- und 4 Stadtdistrikte


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

30. September


Nationalitäten/Ethnien

Tswana 76%, Shona 12%, San 3%, sonstige 9%


Internet www.gov.bw


Geschichte

In vorkolonialer Zeit wurde das Land von verschiedenen einheimischen Königen, die zum Volk der Tswana gehörten, beherrscht. Davor wurde es von einem wandernden Jäger- und Sammlervolk bewohnt, das um etwa 800 n. Chr. bemerkenswerte Felsbilder im Norden des Landes hinterließ. Großbritannien schloss mit einzelnen Stammeskönigen Schutzverträge, jedenfalls war das Gebiet ab 1885 als Betschuanaland das größte britische Protektorat im südlichen Afrika. 1961 erhielt das Land beschränkte Autonomie, erste politische Parteien konstituierten sich. 1965 folgte die völlige innere Autonomie, 1966 gelang der Schritt in die Unabhängigkeit. Botswana blieb aber Mitglied des Britischen Commonwealth.

Politisches System

Bereits 1964 war eine Verfassung beschlossen worden, die ein alle fünf Jahre gewähltes Parlament vorsieht. Dieses wählt den Präsidenten, der zugleich Regierungschef ist. Eine einmalige Wiederwahl des Präsidenten ist zulässig. Neben dem Parlament gibt es noch das House of Chiefs, seine 15 Mitglieder rekrutieren sich aus den führenden Häuptlingen des Staates, ihnen kommt nur eine beratende Funktion zu. Es besteht ein sehr gefestigtes Mehrparteiensystem, die Wahlen in die Volksvertretungen gelten international als frei und fair. Die Rechtsstruktur beruht auf dem römischen Recht, daneben wir das traditionelle Stammesrecht respektiert. Freie Meinungsäußerung und Menschenrechte werden gewahrt. Äußerst selten kommt es zu ethnischen Spannungen zwischen den einzelnen Völkern des Staates.

Etwa drei Viertel der Bevölkerung gehören dem Volk der Tswana an, das zahlenmäßig zweitstärkste Volk sind die Shona. Daneben gibt es noch die Minderheiten der San (Buschleute), der Khoi Khoi (Hottentotten) und Ndebele, schließlich etwa 2% Europäer.

Etwa die Hälfte der Einwohner gehört christlichen Religionen an, weitere fast 50% hängen noch traditionellen Glaubensvorstellungen an. Amtssprache in Botswana ist Englisch, der größte Teil der Einwohner spricht auch Setswana, eine örtliche Bantusprache. Die Hauptstadt Gaborone liegt in einem trockenen Hochbecken auf etwa 1000 Meter Höhe. Sie wurde erst 1964 auf dem Reißbrett geplant.

Wirtschaft

Botswana hat im Unterschied zu vielen anderen afrikanischen Staaten eine stabile und äußerst florierende Wirtschaft. Die Währung ist seit Jahren stabil, das Wirtschaftswachstum mit etwa 9% jährlich macht Botswana zu einem Musterland des afrikanischen Kontinents (BIP pro Kopf jährlich fast 11.000 US-Dollar). So verfügt das Land über das höchste Kredit-Rating in ganz Afrika. Ursache für diese beispielhafte Entwicklung ist, dass kurz nach der Unabhängigkeit reichhaltige Diamantenminen entdeckt wurden, und dass die Einkünfte aus diesen Minen in die Entwicklung des Landes investiert wurden. Botswana ist der zweitgrößte Diamantenexporteur der Welt. Ein nicht zu unterschätzendes Handicap für die künftige wirtschaftliche Entwicklung stellt die hohe Rate an HIV-Infizierten (24% der Bevölkerung) dar, die bereits die Lebenserwartung von 67 auf 38 Jahre sinken ließ. An weiteren Bodenschätzen verfügt Botswana über Nickel, Kupfer und Kohle.

Der Großteil der Bevölkerung ist noch in der Landwirtschaft tätig, vor allem der Besitz von Rinderherden gehört traditionell zu den bevorzugten Zweigen landwirtschaftlicher Produktion. Der Tourismus steckt noch in den Anfängen, derzeit wird das Land von einer einzigen überregionalen Straße durchquert, dem Trans Kalahari Highway. Ziel für Touristen ist die noch größtenteils unberührte Natur, wie sie etwa im Okawango-Delta zu finden ist.

BRASILIEN (BR)

Fläche

8,5 Mio. km2


Hauptstadt

Brasilia (2 Mio. Einw.)


Währung

1 Real = 100 Centavo


Staatsform

Präsidiale Bundesrepublik


Parlament

Abgeordnetenhaus mit 513 und Senat mit 81 Abgeordneten


Religion

Katholiken 80%, sonstige 20%


Einwohner

186,4 Mio.


Sprache

Portugiesisch


Gliederung

26 Bundesstaaten, 1 Bundesdistrikt


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

7. September


Nationalitäten/Ethnien

Weiße 55%, Mischlinge 38%, Schwarze 6%, sonstige 1%


Internet www.brasil.gov.br


Geschichte

1500 landete der Portugiese Pedro Alvares Cabral an der Küste Brasiliens, nach und nach wurden die küstennahe gelegenen Gebiete besiedelt. Ab 1549 gab es das Vizekönigtum Bahia (= heutige Stadt Salvador). Wie in fast allen lateinamerikanischen Kolonien wurde die indigene Bevölkerung dezimiert, als Arbeiter für die Zuckerrohrplantagen wurden Sklaven aus Afrika importiert. Ende des 16. Jh. sollen bereits vier Millionen Schwarze in Brasilien gelebt haben. Als die Bandeirantes – so nannte man diejenigen, die das Landesinnere erkundeten und nach Rohstoffen suchten – Gold und Diamanten fanden, begannen die Kolonialherrrn auch das Landesinnere zu besiedeln. 1807 floh Johann VI., König von Portugal, angesichts der napoleonischen Bedrohung nach Brasilien, wo er bis 1821 blieb. Nach seiner Rückkehr erhob sich das Land und erklärte sich vom Mutterland unabhängig. Treibende Kraft in diesem Prozess war u. a. José Bonifácio de Andrada e Silva, ein in Europa ausgebildeter Mineraloge. Er gehörte zum engsten Beraterkreis des Prinzregenten Pedro I., der mit der österreichischen Erzherzogin Leopoldine verheiratet war. Leopoldine, eine sehr gebildete und für die Interessen ihres neuen Heimatlandes sehr engagierte Frau, beeinflusste ihren Mann im Sinne der Unabhängigkeit. Pedro I. vollzog diesen Schritt und machte sich gleichzeitig zum Kaiser dieses riesigen Reiches. 1825 erkannte Portugal die Unabhängigkeit der einstigen Kolonie an. Pedro I. war kein guter Herrscher, aber als er 1831 zurücktrat, übernahm Andrada die Erziehung des erst fünfjährigen Thronfolgers, der sich als recht tüchtiger Monarch erwies. Er führte zwei erfolgreiche Kriege: 1851 gegen Argentinien und 1865–1870 gegen Paraguay. Als er 1888 die Sklaverei abschaffte, kam es zu Unruhen der Plantagenbesitzer, die sich in ihren Interessen geschmälert sahen. Dies führte zu einer Revolution, das Kaiserreich wurde gestürzt, Brasilien in einen Bundesstaat umgewandelt. Zu dieser Zeit kamen beachtliche Einwanderungsströme aus Europa nach Brasilien. Das inzwischen durch den Kaffeeexport recht wohlhabende Land lockte zahlreiche Einwanderer an, doch die politische Lage blieb stets instabil. Immer wieder putschte das Militär und suspendierte zeitweise die republikanische Verfassung. Als 1929 im Zuge der Weltwirtschaftskrise der Kaffeemarkt zusammenbrach, war Brasilien davon am meisten betroffen. Nachdem es die Jahre zuvor schon zu Unruhen gekommen war, unternahm 1930 Getúlio Dornelles Vargas einen Staatstreich und errichtete unter der Bezeichnung »Estado Novo« eine Diktatur, die aber dem Land wieder eine gewisse Stabilität gab. Das Land erhielt eine korporative Verfassung – Vorbilder gab es damals in Europa genug –, sorgte aber auch für Wirtschaftsreformen, u. a. für eine Nationalisierung der Bodenschätze. Mehrere, teils kommunistische, Aufstände wurden durch das Militär unterdrückt, gleichzeitig machte die Industrialisierung des Landes große Fortschritte. 1945 wurde Vargas gestürzt, Brasilien erhielt ein Jahr später eine neue Verfassung, die die Nationalisierung teilweise rückgängig machte. Bei den Wahlen des Jahres 1950 wurde der frühere Diktator Vargas mit großer Mehrheit für sechs Jahre gewählt. Nach dem Selbstmord von Vargas 1954 folgte ihm 1955 Juscelino Kubitschek de Oliveiro nach, der einen Fünfjahresplan für die wirtschaftliche Entwicklung lancierte. Ein neuerlicher Putsch des Jahres 1964 brachte die Militärs an die Macht, die bis in die späten 1980er Jahre das Sagen hatten. Der 1989 gewählte Präsident Fernando Affonso Collor de Mello wurde wegen Korruption nach drei Jahren aus dem Amt gejagt. Die Kluft zwischen Arm und Reich war in all den Jahren der Diktaturen und Militärregime noch weiter gewachsen. 2002 wurde mit Inácio da Silva, genannt Lula, erstmals ein Linker gewählt, der aus einer Arbeiterfamilie stammt.

Politisches System

Die derzeit gültige Verfassung stammt aus dem Jahr 1988, sie sieht vor, dass nur Bürger, die des Schreibens und Lesens kundig sind, wählen dürfen. Wahlberechtigt sind die Bürger ab dem 16. Lebensjahr, zwischen 18 und 69 Jahren besteht Wahlpflicht. Der Präsident wird für fünf Jahre gewählt, die Deputiertenkammer wird alle vier Jahre gewählt, in den Senat entsenden die einzelnen Bundesstaaten und Territorien je drei Mitglieder, sie werden für acht Jahre gewählt, jeweils die Hälfte wird nach vier Jahren ausgetauscht. In den einzelnen Bundesstaaten gibt es entsprechende parlamentarische Vertretungen. Nach wie vor ist die Armee die wichtigste politische Kraft im Lande. Zur Zeit der Diktatur von Vargas hatten die Großgrundbesitzer eine machtvolle Position.

In der Außenpolitik setzte Brasilien immer auf ein kooperatives Vorgehen mit den Nachbarstaaten, so gehört es 1948 zu den Mitbegründern der OAS, der Organisation Amerikanischer Staaten. Das Verhältnis zu Argentinien etwa war immer ein gutes. Phasenweise setzte Brasilien auf amerikanische Finanzhilfe und sistierte dafür im Gegenzug seine Beziehungen zum kommunistischen Kuba. Im April 1963 einigte man sich mit den Nachbarn Bolivien, Chile, Ecuador und Mexiko über ein atomwaffenfreies Lateinamerika.

Zum Staatsgebiet gehören noch die Inseln Fernando de Noronha, Trinidad do Sul, Maritim Vaz, das Rocas Atoll und die Klippen Sao Pedro und Sao Paulo.

Unter Präsident Kubitschek wurde eine neue Hauptstadt, die das unübersichtlich groß gewordenen Rio de Janeiro ablösen sollte, gleichsam auf dem freien Feld errichtet. Die Planung Brasilias erfolgte nach damaligem State of the Art durch Brasiliens berühmtesten Architekten Oscar Niemeyer, der eine fast futuristische Szenerie schuf. Der Grundriss der Stadt ähnelt einem Flugzeug. 1960 wurde Brasilia offiziell eröffnet, doch es dauerte viele Jahre, bis sich die Menschen mit der neuen Hauptstadt, die wohl gesünder und klimatisch angenehmer als Rio war, anfreundeten. Von ihren Betreibern wurde die neue Stadt als ein Signal für die Erschließung des Landesinneren gesehen.

Bereits 82% der Bevölkerung leben in urbanen Regionen, dagegen sind Gebiete wie das Amazonasbecken sowie das Pantatal, das größte Feuchtgebiet der Erde, sehr dünn besiedelt. Bevölkerungsmäßig ist das Land sehr gemischt, von den indigenen Ethnien gibt es wohl noch an die 200, insgesamt sind es aber nicht mehr als 350.000 Menschen.

Die sozialen Unterschiede im Land sind sehr groß, mit einem Bruttonationaleinkommen von 3500 US-Dollar ist Brasilien noch immer ein Schwellenland. Der Durchschnitt ist arm, 10% der Brasilianer besitzen 50% des Vermögens. In den Städten liegen reiche elegante Viertel neben den Favelas, die enorm wachsen. Der Staat bzw. die Verwaltung hat dort längst keinen Überblick mehr. Diese soziale Diskrepanz ist auch Ursache für die noch immer hohe Säuglingssterblichkeit und den hohen Prozentsatz an Analphabeten (15%).

Brasilien ist das einzige Land Lateinamerikas, in dem Portugiesisch gesprochen wird, allerdings hat sich diese Sprache tendenziell von der Sprache des Mutterlandes wegentwickelt. Mehr als 85% der Bewohner geben an, Christen zu sein, doch neben zahlreichen anderen Bekenntnissen herrschen auch noch afrikanische Kulte, Geisterglauben oder Mischformen wie der Macumbakult, der eine Mischung aus afrikanischen, katholischen, spiritistischen und okkulten Einflüssen darstellt. Infolge der Armut und auch der noch großen Anzahl von Analphabeten spielen Fernsehen, vor allem die Telenovelas, und Fußball eine große gesellschaftliche Rolle. Fußball ist dank der Aufstiegsmöglichkeiten so etwas wie ein nationales Heiligtum, Stars wie Pelé sind Nationalhelden.

Wirtschaft

Was die Industrialisierung betrifft, steht Brasilien an zweiter Stelle hinter Argentinien, trotzdem ist es noch immer überwiegend ein Agrarstaat. Als Präsident Kubitschek versuchte, die Wirtschaft zu fördern, führte dies zu einer Inflation. Unter Präsident João Belchior Marques Goulart wurden soziale Reformen und eine Landreform begonnen, doch dieser wurde durch einen Militärputsch 1964 gestürzt. Präsident Castelo Branco wiederum setzte auf eine Währungsreform und das Vorantreiben der Industrialisierung. Das bedeutet insgesamt, dass viele positive wirtschaftliche Pläne in Angriff genommen wurden, doch fast alle blieben in den Anfangsphasen stecken oder wurden durch einen Putsch zunichte gemacht.

Das BIP setz sich zu 73% aus Dienstleistungen, zu 21% aus industrieller Produktion und zu 6% aus Erträgen der Landwirtschaft zusammen. Brasilien ist sehr reich an Bodenschätzen, sein größtes Plus ist das hervorragende Eisenerz, bei der Stahlproduktion nimmt Brasilien weltweit den 8. Rang ein. Außerdem wird Bauxit zu Tage gefördert, was Brasilien zu Rang elf bei der Autoproduktion verhilft. Weitere wichtige Bodenschätze sind Zinnerze, Gold, Mangan, Chrom, Diamanten sowie Tungstenit (bestehend aus Schwefel und Wolfram). Auch die Vorkommen von Erdöl und Erdgas sind reichlich. Daher liegt trotz großer Armut das Bruttonationaleinkommen bei 3.500 US-Dollar.

Die landwirtschaftliche Produktion ist führend bei Zitrusfrüchten und Kaffee, Brasilien ist der drittgrößte Produzent an Tabak, Zucker und Fleisch. Auch die Sojabohnenproduktion erreicht Spitzenwerte. Dass sich das Land trotzdem in einer wirtschaftlich schwierigen Lage befindet, hat mehrere Gründe. Zum einen ist Brasilien hoch verschuldet, die Auslandsschulden betragen 240 Mrd. US-Dollar. Jährlich wird mit einer Milliarde US-Dollar nur der Zinsendienst bedient. Die Währung ist traditionell instabil, die im Land herrschende Korruption lässt jeden Versuch der Sanierung im Keim ersticken.

80% an Grund und Boden entfallen auf Großbetriebe, die Tendenz geht dahin, dass Kleinbauern aufgeben, die Großen aufkaufen. Inzwischen gibt es in Brasilien angeblich fünf Millionen landlose Familien, die wegen Überschuldung verkaufen mussten. Oftmals verdingen sich die Familienväter zu unvorstellbaren Bedingungen an Arbeitskräftewerber, die sie wie Sklaven weiter vermitteln. Ohne Dokumente, ohne entsprechenden Lohn vegetieren sie bei schwerster Arbeit in Bergwerken oder abgelegenen Plantagen. Seit 1984 haben sich die Landlosen zu einer Bewegung zusammengeschlossen. Ein Reformprogramm des Jahres 1995 brachte für etwa eine halbe Million von ihnen eine Lösung. Aber das ist nicht genug, es kommt immer wieder zu Unruhen und Zusammenstößen. Der Mercosur hat sich auch nicht besonders günstig ausgewirkt, denn Krisen in einem Land schwappen sofort auf andere über.

BURKINA FASO (BF)

Fläche

274.000 km2


Hauptstadt

Ouagadougou (1,2 Mio. Einw.)


Währung

CFA-Franc


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Volksdeputiertenversammlung mit 111 Abgeordneten und Repräsentantenhaus mit 178 Mitgliedern


Religion

Naturreligionen 40%, Muslime 50%, Christen 10%


Einwohner

13,2 Mio.


Sprachen

Französisch, More, Diula, Fulbe


Gliederung

45 Provinzen


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

5. August und 11. Dezember


Nationalitäten/Ethnien

Mossi 48%, Mandé 9%, Fulani 8%, sonstige 35%


Internet www.primature.gov.bf


Geschichte

Ab dem 12. Jh. sind auf dem Gebiet Burkina Fasos Staaten des Mosivolkes nachweisbar. 1896 wurde das Land von den Franzosen erobert, die dem Staat 1958 innere Autonomie und 1960 die Unabhängigkeit gewährten. Ab 1959 hieß diese Region Obervolta. Zunächst regierte Maurice Yaméogo als Präsident, er wurde jedoch wegen seines feudalen Lebensstils zum Rücktritt gezwungen. 1983 kam mit einem Militärputsch Thomas Sankara an die Macht, der ein Regierungssystem nach libyschem Vorbild einführte. Er verstaatlichte Grund und Boden; 1984 führte er den Staatsnamen Burkina Faso ein, was »Land der Aufrechten« bedeutet. 1987 putschte sich Blaise Compaoré an die Macht.

Politisches System

Die derzeit gültige Verfassung stammt aus dem Jahr 1991, sie sieht eine präsidiale Republik mit einem auf sieben Jahre direkt gewählten Präsidenten vor, der gleichzeitig auch Regierungschef ist. Das Parlament hat zwei Kammern, darunter die Versammlung der Volksdeputierten mit 111 Mitgliedern, die für fünf Jahre gewählt werden. Es besteht ein Mehrparteiensystem. Das seit 1993 bestehende Repräsentantenhaus hat nur beratende Funktion.

Politisch dominiert das Volk der Mosi, sie haben einen mehr als 50-prozentigen Anteil an der Bevölkerung. Andere wichtige Ethnien wie die Bobo, Gurma und Senufo sind jeweils kleiner als 10%. Nur die Fulbe, die im Norden in der Sahelzone leben, und die Tuareg erreichen mehr als 10%. Das Bevölkerungswachstum in Burkina Faso ist sehr hoch, innerhalb von zehn Jahren (1975–1985) hat sich die Bevölkerung verdoppelt. Moré, die Sprache der Mosi, wird von der politischen Führungsschichte gesprochen, Dioula ist die Sprache der Händler und Kaufleute, Ful, die Sprache der Vieh züchtenden Fulbe. Die Bevölkerung ist extrem arm, 60% leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Ohne Entwicklungshilfe könnte das Land nicht überleben. Oft werden Kleinkredite zwischen sieben und siebzig Euro vergeben. Die Entscheidung darüber trifft die Gemeinschaft, oftmals verwaltet der Dorfälteste die Kasse. Um die korrekte Abwicklung gibt es kaum Schwierigkeiten, gelten doch die Einwohner von Burkina Faso als die »Preußen Westafrikas«. Zum Islam bekennt sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung, fast ein Viertel sind Animisten, der Rest christlich. Doch ein Bekenntnis zu mehreren Religionen ist durchaus üblich.

Wirtschaft

Ein Grundproblem der Wirtschaft ist die Frage der Entfernungen, es gibt kaum ein funktionierendes Straßensystem. Die landwirtschaftliche Nutzung wird von zwei Problemen beeinträchtigt, zum einen sind die Böden schlecht, zum anderen herrscht Wassermangel, gehört doch vor allem der Norden des Landes zur dürren Sahelzone. Es gibt zwar eine Reihe von Flüssen, doch nur der Schwarze Volta führt das ganze Jahr Wasser. 80% der Bevölkerung sind noch in der Landwirtschaft tätig, sie bebauen 90% des Bodens für die Selbstversorgung. Die Bebauungsmethoden sind traditionell und damit restlos veraltet. Auf 75% des Bodens wird Hirse, das Hauptnahrungsmittel, angebaut. Auf dem Rest des Bodens wird Baumwolle gezogen, sie macht 50% des gesamten Exports aus. Außerdem werden noch Sesam, Kariténüsse und Tabak für den Export kultiviert. In die Nachbarländer wird Vieh exportiert.

Gold wird schon seit Jahrhunderten zu Tage gefördert und ist ein wichtiger Devisenbringer. Der Abbau von Mangan soll ausgeweitet werden.

Industrielle Produktion gibt es fast keine, großen Stellenwert haben Produkte des traditionellen Handwerks, wie Textil-, Leder- und Metallwaren.

BURUNDI (RU)

Fläche

27.834 km2


Hauptstadt

Bujumbura (300.000 Einw.)


Währung

1 Burundi-Franc = 100 Centimes


Staatsform

Präsidiale Republik


Parlament

Nationalversammlung mit 118 Sitzen


Religion

Christen 67%, Naturreligionen 23%, Muslime 10%


Einwohner

7,5 Mio.


Sprachen

Französisch, Kirundi, Suaheli


Gliederung

17 Provinzen


Staatsoberhaupt

Präsident


Nationalfeiertag

1. Juli


Nationalitäten/Ethnien

Hutu 85%, Tutsi 14%, sonstige 1%


Geschichte

Im 16. Jh. unterwarfen die aus dem Norden einwandernden Tutsis das Land der mehr bäuerlichen Hutus. Ende des 19. Jh., als die europäischen Großmächte den afrikanischen Kontinent unter einander aufteilten, erhielt Deutschland 1890 das heutige Burundi und vereinte es mit Ruanda zur deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Burundi mit Ruanda ein belgisches Völkerbundmandat. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg übte Belgien noch eine von der UNO sanktionierte Treuhandschaft aus. 1962 etablierte sich eine konstitutionelle Monarchie unter einem einheimischen Tutsi-König. 1966 kam es zu einem Militärputsch, im Zuge dessen die Monarchie gestürzt und die Republik ausgerufen wurde. Der Anführer des Putsches Michel Micombero, ein Tutsi, ernannte sich selbst zum Präsidenten und seine Partei zur einzig zugelassenen. Nach einem Hutu-Aufstand 1972, der brutalst niedergeschlagen wurde, wobei 100.000 Menschen ihr Leben verloren, übernahm schließlich 1976 Jean-Baptiste Bagaza die Macht. Er konnte sich bis 1987 halten; wieder kam es zu Stammeskämpfen. 1993 brach ein offener Bürgerkrieg aus, nachdem der gewählte Präsident, der Hutu Melchior Ndadaye, ermordet worden war. Seitdem kam das Land kaum zur Ruhe, immer wieder flammen die Kämpfe auf, mehr als 400.000 Menschenopfer, vorwiegend Hutus, sind bisher zu beklagen. Eine Million Menschen verließen fluchtartig das Land. Seit 2001 sorgt eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union, später der UNO, für eine gewisse Stabilisierung der Verhältnisse. 2005 wurden erstmals wieder Wahlen abgehalten.

Politisches System

Die derzeit gültige Verfassung stammt von 2001, das Parlament besteht aus zwei Kammern, einer Nationalversammlung mit 185 Mitgliedern und einem Senat mit 54 Mitgliedern. Der Präsident ist gleichzeitig Chef der Regierung.

Burundi, eines der kleinen afrikanischen Länder, weist die zweithöchste Bevölkerungsdichte des Kontinents auf. Die Hauptstadt Bujumbura war bis zur Errichtung eines deutschen Militärstützpunktes ein kleines Fischerdorf am Tanganjikasee. 1920 wurde der Ort dann Sitz der belgischen Mandatsverwaltung.

Den Großteil der Bevölkerung mit etwa 85% stellen die Hutu, ein vorwiegend Ackerbau betreibendes Bantuvolk, 14% der Bevölkerung gehören dem Volk der Tutsi an, sie bilden bereits seit Jahrhunderten die Oberschicht. An Minderheiten lebt in Burundi noch das Pygmäenvolk der Twa, sie stehen auf der untersten Stufe der sozialen Pyramide.

Amtssprache ist Rundi oder Kirundi, Französisch ist weit verbreitet. 80% der Bevölkerung sind Christen, davon 90% Katholiken, gleichzeitig sind aber noch 30% der Bevölkerung Anhänger von Naturreligionen, was auf Doppelzugehörigkeiten schließen lässt.

Wirtschaft

Durch den Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg liegt die Wirtschaft völlig darnieder, das BIP pro Einwohner erreicht kaum die 100-Dollar-Marke. Grundlage der Wirtschaft ist die Landwirtschaft. 50% der Landesfläche sind Kulturland. 90% der Bevölkerung arbeiten in kleinbäuerlichen Betrieben im primären Sektor. Ihre Produkte dienen vorwiegend der Selbstversorgung. Es werden Mais, Bananen, Maniok, Bohnen, Süßkartoffel und Reis angebaut. Für den Export werden Baumwolle, Kaffee und Tee produziert. Auch Viehwirtschaft wird extensiv betrieben. Von großer Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung ist der Fischfang im Tanganjikasee.

Grundsätzlich besitzt Burundi reichlich Bodenschätze, doch werden nur geringe Mengen von Gold und Wolfram gefördert. Weder das reichlich vorhandene Nickel noch Vanadium werden abgebaut. Ursache dafür ist die fehlende Verkehrsinfrastruktur. Der gesamte Außenhandel des Staates wird über den Tanganjikasee abgewickelt.

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Ograniczenie wiekowe:
18+
Data wydania na Litres:
21 października 2025
Objętość:
391 str. 103 ilustracji
ISBN:
9783843802383
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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