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Hans Oberleithner
Der Puppendoktor
Logbuch eines Suchenden
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Mai 1958 - Super-Gau
August 1958 - Neuanfang
August 1959 - Visiten
Oktober 1966 - Dunklhof
November 1966 - Doppelwelt
Oktober 1967 - Schultrauma
November 1967 - Zäsur
November 1968 - Drill
Mai 1969 - U-Kasino
Juni 1969 - Freiheit
Oktober 1969 - Match Point
Juli 1970 - Volvo
Juli 1971 - Männerfreundschaft
Dezember 1971 - Turbulenzen
Februar 1972 - Glück
Juli 1973 - Rastlos
September 1974 - Verrenkungen
Juli 1975 - Psycho
November 1975 - Intermezzo
September 1976 - Gehversuche
Juni 1978 - Raus!
Juli 1979 - Entwurzelt
Oktober 1979 - Yale
Dezember 1979 – Sternstunde #1
August 1980 - Cape Cod
November 1980 - Finale
Dezember 1980 - Karibik
Juni 1981 - Daheim
Dezember 1982 – Doras Ende
September 1983 - Ortswechsel
März 1984 – Sternstunde #2
August 1986 - Seelenqual
Juni 1991 – Sternstunde #3
August 1991- Abschied
August 1992 - AFM
November 1992 – Sternstunde #4
März 1997 – Sternstunde #5
Oktober 1997 - Chef?
März 2003 – Sternstunde #6
August 2005 - Feldstörung
September 2006 - Fühlen
September 2007 - Salzguru
März 2009 – Sternstunde #7
März 2012 – Sternstunde #8
August 2012 – Sternstunde #9
September 2014 - Dämmerung
März 2020 - Landleben
Über den Autor
Deutsche Publikationen des Autors
Englische Übersetzungen
Impressum neobooks
Vorwort
Memoiren schreiben eigentlich meistens nur Menschen, die der Nachwelt etwas Bedeutendes mitzuteilen haben. Zu dieser Kategorie zähle ich mich nicht. Trotzdem hat es mich gedrängt, mein Leben als Forschender niederzuschreiben. Es sind Episoden geworden, Lebenssplitter, vom naiven Kind bis zum grübelnden Senior, ohne Gewichtung.
Eine Erklärung ist an dieser Stelle dringend nötig:
1887-mal kommt das Wort „ich“ vor, 618-mal „mein“. Wenig würdige ich hier die Arbeit und Gedanken der Anderen – offensichtlich ein Egotrip.
Doch zuviel wurde mir geschenkt, als dass ich darüber en passant berichten kann. Das braucht mehr Raum.
Ich bitte um Nachsicht!
Mai 1958 - Super-Gau
Samstag machen wir nicht viel in der Schule.
Da kritzeln wir ein paar Wörter in unser Schreibheft. Dann singen wir. Manche singen wirklich, ich beweg‘ nur den Mund dazu – geht auch. Nach der Pause geht’s ab in den Schulgarten. Dort spielen wir „Maus-Maus, komm heraus“. Dabei bilden wir einen Kreis, nehmen uns an den Händen, und einer steht in der Mitte und versucht den Kreis zu durchbrechen. Wir kreischen da um die Wette und der Kreis wogt hin und her, um ja keine Lücke zu lassen.
Manchmal werfe ich einen Blick auf unser Haus, das direkt an den Zaun des Schulgartens angrenzt. Oben im ersten Stock ist das Fenster zur Ordination. Dort behandelt mein Vater seine Patienten. Manchmal höre ich sogar seine Stimme durchs geschlossene Fenster, wenn er mit einem Patienten spricht. Er hat eine laute Stimme. Er sagt, das brauchen seine Patienten, weil sie meist schwerhörig sind. Meine Mutter spricht auch laut. Das hat aber, glaube ich, keinen echten Grund.
Wenn wir unten Maus-Maus, komm heraus spielen, ist er da oben mit seinen Patienten, das finde ich schön.
Auch am Samstag ist die Ordination geöffnet, am Vormittag.
Manchmal kann ich ihn durchs Fenster sehen. Er hat einen weißen Mantel an, deshalb. Diesmal öffnet er sogar das Fenster und blickt zu uns herunter. Etwas ernst, kommt mir vor. Eigentlich ist er immer gut drauf, wenn die Sonne scheint. Und die scheint heute. Vielleicht hat er gerade jemandem einen Zahn gezogen oder einen vereiterten Fußnagel entfernt. Dann stöhnen die Patienten ziemlich, manchmal schreien sie sogar. Mein Vater hat dabei rote Wangen und brüllt mit. Das weiß ich, weil ich manchmal dabei bin und zuschaue. Heute hab ich nichts gehört.
Nach dem Turnen ist die Schule aus.
Kurz nach zwölf drängeln wir uns, die Zweitklässler, durch die hohe Glastür hinaus ins Freie. Der Mostbirnbaum gegenüber wirft auf den rissigen Asphalt vor der Schule einen Schatten, in den ich gleich eintauche. Ich mag diesen Schatten, er ist wie ein Mantel, der mich umgibt.
Es riecht nach Sommer.
In der Schultasche auf meinem Rücken klappern die Stifte im hölzernen Etui.
Mein Schulweg besteht aus 84 Schritten. Dann bin ich schon am eisernen Gartentor, das immer offen steht. Sechs Stufen gibt’s dann bis zur Haustür. Die schwere Tür öffnet sich am besten, wenn man sich einfach an die Türklinke hängt und sich nach hinten umfallen lässt.
Im Hausflur ist es heute kühler als draußen.
Und dunkler.
Es mieft nach Essen. Hoffentlich gibt es nicht wieder Würstelgulasch, kommt es mir in den Kopf, während ich die Steinstiege in den ersten Stock hinaufsteige.
Im Halbstock ist das Klo.
Dort mache ich halt. Mit der Schultasche am Rücken muss ich auf der Klobrille das Gleichgewicht halten, um nicht reinzurutschen. Links ist ein altes Fenster mit Blick auf die Äste eines Birnbaums, der nahe an der Hauswand gerade blüht. Im Herbst hole ich mir da meist eine Birne rein, eine grüne. Und ja, von innen kann man das Klo mit einem großen Schlüssel zusperren, der immer steckt. Ist ja auch das Klo für die Patienten.
Die Sonne scheint mir heute schon bis auf die Knie – ich stoße das Fenster auf und lasse die Luft rein. Das geht im Sitzen, wenn ich mich mit einer Hand an der hölzernen Klobrille festhalte. Die knallrot angemalte Wasserkanne - meine Mutter hat sie vor einiger Zeit gestrichen - ist fast leer. Zum Nachspülen reicht es, und schon bin ich wieder draußen.
Oben angelangt, gibt es drei Türen. Links geht es ins Wartezimmer und zur Ordination, geradeaus ins Vorzimmer unserer Wohnung, rechts in die Küche.
Die Stiege führt übrigens weiter, zum nächsten Halbstock. Da steht meine Märklin-Eisenbahn. Ich hab‘ die Anlage selber gebaut, ein Kreis mit zwei Weichen und ein Tunnel. Mit Olivenöl hab‘ ich unlängst die Schienen geölt. Das war vielleicht keine gute Idee, hat mein Vater gemeint, weil jetzt das Moos voll dranklebt und die Lok immer wieder stehen bleibt. Er hat mir dann Wundspiritus aus der Ordination gebracht und gemeint, ich solle alles mit Watte abtupfen. Jetzt habe ich auch Watte auf den Schienen – egal, die Anlage schaut trotzdem hübsch aus und die Lichter von der Lok leuchten sogar, auch wenn sie nicht fährt.
Schließlich gibt es noch eine Tür, vom oberen Halbstock zum Dachboden. Der ist riesig, dunkel und voller Spinnweben. Manchmal sehe ich da unsere Anni im Winter Wäsche zum Trocknen hinauf tragen. Ich geh‘ dann hinter ihr her und steh‘ neben ihr, wenn sie die steif-gefrorene Wäsche abnimmt. In einer kleinen Kinderbadewanne transportieren wir die Frostwäsche hinunter in die Küche. Mein Pyjama sieht dabei aus wie eine große Puppe, die vor dem Ofen in der Küche wie ein besoffener Patient zusammensackt. So einer ist nämlich einmal vor unserer Haustür gelandet. Mein Vater hat da ziemlich rumgebrüllt, bis der aufgewacht ist.
Aber das war im Winter – jetzt steht der Sommer vor der Tür!
Ich esse meist in der Küche mit Anni.
Am Samstag gibt es normalerweise das Mittagessen im Esszimmer. Anni bringt dann das Essen rein, meist irgendwas Rötliches in einer Schüssel, Kartoffeln extra. Vor so einem Essen sitze ich dann ziemlich lang, weil ich es nicht mag. Irgendwann ist der Teller doch halbwegs leer, oder Anni verliert die Geduld und trägt ab. Meine beiden Eltern sind da meist schon vorher verschwunden. Das ist mir ganz angenehm, weil sie in letzter Zeit recht stumm nebeneinander saßen und außer dem Klappern der Teller wenig Unterhaltung war.
Heute ist irgendwie ein besonderer Tag.
Begonnen hat es schon damit, als mein Vater stumm und mit ernster Miene aus seinem Fenster in den Schulgarten geblickt hat.
Meine Mutter habe ich noch gar nicht zu Gesicht bekommen, auch beim Essen nicht. Das war in letzter Zeit häufig so, macht mir aber nichts aus. Ich esse ohnehin lieber in der Küche mit Anni. Sie redet gern und laut. Meistens schimpft sie über etwas, übers Wetter, über den Schmutz, den die Patienten reintragen oder die Wäscheberge, die sie bügeln muss. Dabei rennt sie in der Küche hin und her, fuchtelt mit den Armen und zwickt mich dann und wann im Vorbeigehen. Aufessen muss ich nicht, kriege da höchstens einen Klaps auf den Hinterkopf und kann mich dann schnell verdünnen.
Warum heute ein besonderer Tag ist?
Weil Anni mir heute keinen Klaps verpasst hat, obwohl ich wieder einmal das Würstelgulasch nicht aufgegessen habe. Mehr noch: Sie hat mir sogar meine kurze Lederhose bereitgelegt und das Ringelhemd. Sie meint, es ist warm genug und ich darf gleich raus auf die Straße. Normalerweise muss ich den Umweg über den Garten machen, muss mich dort eine zeitlang aufhalten, bis ich ins Dorf entkommen kann. Diesmal aber sagt Anni, ... kannst schon verschwinden ins Dorf, aber abends um sechs bist wieder hier, verstanden!
Sie sagt das irgendwie langsamer und eindringlicher als gewohnt und sieht mich dabei an – komisch.
Egal, Hauptsache, ich kann raus!
Unser Dorf besteht aus vielleicht zehn Häusern, die entlang der Dorfstraße aufgereiht sind. Unser Haus liegt zwischen dem Postamt und der Schule. Weiter unten ist dann der Kirchplatz. Eigentlich ist es nur die Straße, die dann etwas weiter wird, und der Dorfteich mit dem angrenzenden Pfarrhof und der Kirche. Der Kirchmauer direkt gegenüber ist das Kaufhaus, schräg gegenüber rechts das Wirtshaus.
Meistens habe ich einen Fußball dabei.
Ist kein Spielkamerad in Sicht, dann spiele ich gegen die Friedhofsmauer. Das wird nicht so gern gesehen, weil der Mauerputz schon ziemlich abgebröckelt ist. Heute mach‘ ich es trotzdem, denn durch die Knallerei kann meine Spielkumpel herauslocken – und heute hätt‘ ich gern Unterhaltung.
Dann wird der Tag noch besonderer.
Anni taucht plötzlich am späten Nachmittag am Dorfplatz auf – allein das ist ungewöhnlich - und scheucht mich heim. Sie nimmt mich fest bei der Hand und zieht mich fort. Ich müsse nach dem Abendessen rasch ins Bett, weil wichtiger Besuch käme für meine Eltern und ich bis dahin schon schlafen sollte. Rebellieren nützt bei Anni nichts. Am besten, man fügt sich. Außerdem bin ich heute eh nicht gut drauf – und Anni hat warme Hände.
Daheim gibt es Milchreis und Zwetschgenkompott, mit Zimt und Zucker – das mag ich. Seit meine Schwester im Internat in Gmunden ist, muss ich nicht teilen, das finde ich recht praktisch. Zwar gilt das auch fürs Würstelgulasch, aber bei Milchreis hau‘ ich richtig rein.
Während ich den Reis mit einem großen Löffel in mich reinstopfe, rennt mein Vater ein paarmal durch die Küche, mit fliegender Krawatte. Ich geh‘ etwas in Deckung und verschanze mich hinter dem Reisberg.
Meine Mutter riech‘ ich nur.
Manchmal steckt sie ihre Nase in die kaum geöffnete Tür und gibt Anni ein paar Aufträge. Die stellt dann klirrend Flaschen in den Kühlschrank oder spült die Aschenbecher im Waschbecken aus.
Ich verdrücke einen ziemlichen Berg Reis und verziehe mich dann in mein Zimmer.
Mein Zimmer teile ich rein theoretisch mit meiner Schwester. Die ist aber in Gmunden im Konvikt und nur selten hier. So habe ich das ganze Zimmer für mich. Ich mag es gern. Es hat einen blauen Kachelofen, der jetzt natürlich kalt ist und einen glatten Boden, auf dem meine Match-Box-Autos super rollen.
Mein Zimmer liegt zwischen dem Schlafzimmer meiner Eltern und dem Vorzimmer. Dahinter folgen die anderen Zimmer, Esszimmer, Wohnzimmer und Küche. Jedes Zimmer hat eine Waschgelegenheit, das ist sehr praktisch. Bad haben wir keines. Aber wir haben eine Waschküche im Garten. Das ist ein kleines Häuschen, mit einem Steinbecken. Dort bade ich einmal pro Woche. Da kommen auch die Haare dran zum Waschen. Anni reibt mich dann von oben bis unten ab und kippt mir kübelweise das Wasser über den Kopf. Ich protestiere da höchstens erst, wenn mir Seife in die Augen kommt. Da gibt es dann einen kräftigen Klaps aufs Hinterteil, und das Augenbrennen ist schon vergessen.
Samstag ist eigentlich Badetag. Aber heute scheint alles anders zu sein.
Ich bin schon gegen sieben Uhr abends in meinem Zimmer. Es ist noch hell und ich höre die Amseln pfeifen. Anni hat mir schon das Bett gemacht, die Vorhänge zugezogen und wartet, bis ich im Bett liege. Sie zieht mir die Bettdecke fast über die Augen, löscht das Licht und geht leise aus dem Zimmer. Ungewöhnlich leise, zumindest für Anni.
Im Schlafzimmer meiner Eltern nebenan ist Licht. Das sehe ich unten am hellen Türspalt.
Die Mutter ist noch drin, das höre ich. Manchmal knarrt die Tür von ihrem Kleiderschrank, dann spricht sie irgendwas vor sich hin oder sprüht sich mit Parfum ein. Das hört man – pft-pft – ich kann es sogar durch den Türspalt riechen.
Mein Vater ist wahrscheinlich im Wohnzimmer, dem Zimmer auf der anderen Seite der Wohnung, hinter dem Vor- und dem Esszimmer. Ich vermute das, denn das Stühlerücken, Vorhängeschließen und das Parkettbodenknarren kenne ich.
Das macht er immer, wenn Gäste kommen.

Mausi & ich (1955)
Und von denen hat es in der Vergangenheit viele gegeben. Normalerweise werde ich dann nicht einfach ins Bett gesteckt wie heute, sondern darf nach der Begrüßung einmal kurz auftreten. Wenn meine Schwester Mausi da ist, was in letzter Zeit selten war, dann treten wir gemeinsam auf. Ich zeige den Kopfstand und Mausi macht die Brücke. Dann dürfen wir abtreten.
Diesmal ist es anders.
Mausi ist im Internat und ich lieg‘ bereits im Bett. So richtig einschlafen kann ich nicht. Es knistert irgendwie im Haus, fast wie Weihnachten, nur mit Amselpfeifen.
Allein in meinem Zimmer zu sein, das bin ich gewöhnt. Aber um acht Uhr abends im Bett, das ist mir fremd. Zwar hab‘ ich keine Angst wie sonst, wenn ich ganz allein im Haus bin und meine Eltern irgendwo bei Freunden eingeladen sind. Anni ist dann auch häufig weg, weil sie mit ihrem Freund, einem Lastwagenfahrer, entschlüpft. Das darf sie eigentlich gar nicht, das haben ihr meine Eltern verboten. Sie tut es aber trotzdem und ich habe ihr das Ehrenwort gegeben, sie nicht zu verpfeifen.
An solchen Abenden überkommt mich häufig die Angst.
Ich hol‘ mir dann meinen blechernen Spielzeugpanzer mit den Gummiraupen ins Bett und lass‘ ihn über das Kopfkissen fahren. Ich kann ihn nur fühlen, das kalte Blech, und hör‘ sein Geratter. Er ist mit einem Schlüssel zum Aufziehen. Sehen kann ich ihn nicht, nur ein bisschen, wenn der Mond durch einen Spalt zwischen den Vorhängen hereinscheint.
Und dann kommt immer der Moment, wenn die Angst in mir hochkriecht.
Dann hör‘ ich mit dem Panzerspielen auf und horch‘ hinein in den dunklen Raum. Da ist dann schon mein Pyjama am Hals feucht und mir wird kalt. Leider steigert sich das, bis ich mir die Bettdecke komplett über den Kopf ziehe.
Die Zeit wird jetzt furchtbar lang.

Erstkommunion. Mit Mutter, Mausi & Tante Bärbele und der ersten Uhr (1958).
Das Tante Bärbele hat mir ein Sprücherl gelernt, das ich vor dem Einschlafen leise sprechen soll.
Mein Herz ist klein,
kann niemand hinein
als du mein liebes Jesulein.
Bitte beschütz‘ meine Eltern, Mausi, Onkel Hans und mich.
Ich hab das Sprücherl kürzlich selber erweitert mit ... und beschütz‘ auch den Herrn Lehner. Der Onkel Hans ist mein Taufpate, der Bruder meiner Mutter, und bald nach meiner Taufe an einer Blutvergiftung gestorben. Das hat mir das Tante Bärbele erzählt. Der Herr Lehner hat unter uns im Haus gewohnt und ist letzten Herbst plötzlich gestorben. Der war immer recht nett zu mir, deshalb ist der jetzt mit von der Partie.
Hie und da fährt ein Erzzug die Pfaffermair-Höh entlang. Das beruhigt mich für kurze Zeit. Wenn meine Eltern dann irgendwann in der Nacht zurückkommen und durch mein Zimmer in ihr Schlafzimmer stolpern, dann ist es mit einem Schlag mit der Angst vorbei. Ich stelle mich schlafend und bin sehr froh, dass der ganze Spuk vorüber ist.
Wenn ich morgens aufwache, hab‘ ich die Nacht beinah‘ vergessen und nur der Panzer neben meinem Kopf erinnert mich ganz kurz daran.
Heute hab‘ ich keine Angst, denn alle sind da.
Da höre ich durchs geschlossene Fenster ein Auto vorfahren und eine Wagentür. Die Decke hab‘ ich vorsichtshalber schon bis über die Nase gezogen und warte nur noch auf den Augenblick, dass meine Mutter an meinem Bett vorbei in Richtung Wohnzimmer stürmt.
Das tut sie auch gleich.
Sehen kann ich sie nicht, nur hören und riechen. Ihre Schuhe hämmern an mir vorbei, gefolgt von einem Duftschwall.
Im Vorzimmer werden die Gäste begrüßt.
Ziemlich leise diesmal, denk‘ ich, ist es vielleicht nur einer?
Gesagt hat mir niemand, wer heute abends eingeladen ist, aber ich hab‘ auch nicht danach gefragt. Den Kopfstand muss ich heute wohl nicht machen. Ich tu‘ das eigentlich ziemlich gern, besonders auch, wenn Mausi mitmacht mit ihrer Brücke. Mein Vater schaut dann immer recht glücklich drein. Auch meine Mutter, die aber schnell die Gäste wieder aus unserem Zimmer hinaus bugsiert. Das ist mir ganz recht, weil unsere Gäste dann häufig anfangen zu fragen, ob es uns in der Schule gut geht. Diese Fragen mag ich überhaupt nicht. Mausi mag sie noch weniger. Ich mach‘ die lange Nase zur Tür hin und Mausi streckt die Zunge raus, natürlich erst, wenn sie draußen sind. Wir kichern danach noch eine Weile, oft bis uns die Tränen kommen.
Heute ist nur ein einziger Gast da, ich bin mir sicher. Dafür haben sie aber einen ziemlichen Zirkus veranstaltet, meine Eltern, Anni inklusive. Dann höre ich das übliche Flaschenentkorken und Gemurmel, das aus der Ferne des Wohnzimmers zu mir dringt. Das habe ich eigentlich ganz gern. Die Angst bleibt so draußen. Nicht einmal den Erzzug brauche ich dann zum Einschlafen, auch nicht den braungefleckten Panzer.
Irgendwann in der Nacht wache ich auf.
Die Stimmen aus dem Wohnzimmer sind laut geworden. Die lauteste ist die meines Vaters. Er brüllt ja fast so wie mit seinen schwerhörigen Patienten. Dazwischen höre ich auch immer wieder die Stimme meiner Mutter.
Schluchzt sie oder lacht sie?
Manchmal hör‘ ich auch eine fremde Stimme dazwischen, fast leise, heiser, von der meines Vaters übertönt. Meine Hand sucht den Panzer. Da ist er. Der darf jetzt neben mir auf dem Kissen schlafen.
Etwas später, vielleicht sogar viel später, werde ich wieder wach.
Mein Vater rauscht vom Schlafzimmer an meinem Bett vorbei ins Vorzimmer, wo unser Telefonapparat steht.
Wohl wieder ein Notfall, ich setze mich auf.
Das ist schon oft vorgekommen, dass ihn jemand in der Nacht braucht. Das Klingeln habe ich wahrscheinlich überhört. Trotzdem kommt mir alles diesmal anders vor. So laut trampelt mein Vater normalerweise nicht durch mein Zimmer. Außerdem hat er nicht einmal die Tür zum Schlafzimmer geschlossen.
Die Mutter schnarcht!
Das hört sich direkt lustig an, sowas hat sie bisher nie getan!
Alle schön beisammen, denk‘ ich mir und leg‘ mich wieder zu meinem Panzer. Links aus dem Schlafzimmer höre ich meine Mutter schnarchen, rechts im Vorzimmer meinen Vater telefonieren.
Dann schießt er wieder an mir vorbei zurück ins Schlafzimmer.
Ein bisschen komme ich mir vor wie in einem Zugabteil. Zugegeben, oft habe ich das nicht erlebt, nur einmal vor ein paar Wochen, als Mausi und ich zum ersten Mal allein nach Würzburg gefahren sind, mit dem Zug. Da saßen wir zusammen mit ein paar fremden Leuten in einem Abteil, ohne Eltern. Dauernd sind irgendwelche Menschen vor dem Abteil hin und hergegangen, wie jetzt mein Vater. Mausi ist zwölf, da müssen nicht unbedingt Erwachsene dabei sein, haben meine Eltern gemeint. War ja auch ein richtiges Abenteuer, ich ein Achtjähriger, von Linz mit dem Zug nach Würzburg zum Tante Bärbele! Die stand dann auch am Bahnsteig und hat uns abgeknutscht.
Jetzt höre ich meinen Vater immer wieder den Namen meine Mutter rufen.
Ich steige aus dem Bett und blicke durch die halboffene Tür hinein. Die Mutter schnarcht und der Vater schüttelt sie.
Ich drücke mich gegen die Türleibung.
Mein Vater schluchzt.
So hab‘ ich ihn noch nie gesehen, mir wird ganz anders. Dann hör‘ ich Lärm von unten.
Mein Vater stürzt an mir vorbei ins Treppenhaus, ich hinterher. Da kommen zwei Männer mit einer Tragbahre die Stiege herauf. Auf der Bahre liegen Decken, graue Decken mit roten Kreuzen. Ich kenne solche Decken, sie sind eklig, kratzen furchtbar und riechen komisch. Mein Vater winkt die zwei Männer an mir vorbei und geht voraus ins Schlafzimmer. Wortlos stellen sie die Trage ab.
Dann fragen sie, was los ist.
Mein Vater sagt sowas wie Schlaftabletten.
Welche? fragt einer der beiden Träger.
Wieviel? fragt der andere.
Wo ist die Schachtel? fragt der erste, und zieht die Schublade des Nachtkästchens heraus. Der andere leert den Papierkorb auf den Teppich und wühlt herum.
Da spring‘ ich aus der Deckung.
Wenn meine Mutter etwas nicht mehr braucht, dann steckt sie es in den Ofen, auch im Sommer, rufe ich.
Im selben Moment bin ich schon beim Kachelofen, der neben dem Bett in der Ecke steht, und öffne die silbergestrichene Ofentür. Einer der Träger greift hinein und schmeißt den Inhalt auf den Boden.
Da ist die Schachtel, sagt er. Veronal - leer.
Meine Mutter schnarcht inzwischen im Bett daneben. Jetzt wird sie herausgehoben, auf die Bahre gelegt und zugedeckt. Das Gesicht bleibt frei. Die schwarzen Haare fallen ihr in die Stirn, die Augen sind geschlossen.
Mein Vater streicht ihr die Haare zurück und nimmt mich bei der Hand. Dann begleiten wir die beiden Träger nach unten. Im Halbstock vor der Klotür müssen sie absetzen, um die Kurve zu kriegen. Ich bin nahe an Mutters Gesicht. Es ist wie Wachs. Sie schnarcht noch immer. Das beruhigt mich.
Unten an der Haustür nimmt mich Anni in Empfang. Sie hat einen Schlafmantel an, aus weichem Stoff, gegen den ich mich drücke. Die Hintertür vom Rettungswagen ist weit offen. Da hinein schieben sie die Bahre. Mein Vater steigt mit ein.
Ich sehe noch das Blaulicht, wie es unten am Dorfplatz verschwindet. Anni geht mit mir zurück und bringt mich ins Bett. Eine Weile bleibt sie neben mir sitzen, dann schleicht sie sich hinaus. Ich glaub‘, sie hat geweint. Aber sicher bin ich mir nicht.
Mir fallen die Augen zu.
Als ich in der Früh aufwache, steht der Vater neben meinem Bett. Mit Anni essen wir gemeinsam in der Küche. Das war noch nie da. So richtig sprechen tun beide nicht. Ich frage auch gar nicht, was war und warte einfach, was kommt.
Dann sagt mein Vater, dass die Mutter im Spital ist und wir sie jetzt besuchen fahren. Ihr geht es wieder besser.
Das macht mich richtig fröhlich.
So schnell habe ich mir die Lederhose noch nie angezogen. Die muss ich auch gleich wieder ausziehen, sagt Anni. ... Da, die lange Hose ist besser ... und gibt mir die kratzige graue.
Im Auto stehe ich wie immer hinten und lehne mich an die vordere Sitzbank. Ich bin ganz nah am Ohr meines Vaters und spüre sogar seine Haare dann und wann an meiner Nase kitzeln.
Er hat die Hände am Steuer.
Die lederne Visitentasche liegt neben ihm, am Mittelsitz, wie immer, wenn er seine Patienten besucht. Allzu viel reden wir nicht am Weg ins Spital, aber das mag ich diesmal.
Ich fühle mich gut und geborgen. Die Sonne scheint und sein Vorderfenster ist halb offen.
Im Spital laufen wir durch lange Gänge, bis wir zu einer Tür kommen, die die Nummer Sechs trägt. Leise öffnet mein Vater die Tür und wir treten ein. Da finden wir meine Mutter im Bett. Alles ist weiß, die Wände, die Tür, das Bett. Ihr schwarzes Haar ist wieder glatt und geordnet, sie ist wach und blickt uns an. Das Bett ist ziemlich hoch, sodass ich mich auf die Zehen stellen muss, um sie zu sehen.
Sie sucht meine Hand und drückt sie.
Jetzt ist alles wieder gut, denke ich mir. Mein Vater steht am Fußende. Niemand sagt etwas. Beide weinen ein bisschen. Ich schau‘ inzwischen aus dem Fenster.
Ich möchte schnell wieder weg, mit meinem Vater. Aber nur, wenn er nicht flennt. Ich glaube, dass er das gemerkt hat, denn nach ein paar Worten gehen wir wieder. Beim Rausgehen sehe ich Blumen am Nachtkästchen. Sie erinnern mich an unseren Garten.
Dort will unbedingt hin.
Jetzt, sofort.

Die Eltern (Weihnachten 1955)
August 1958 - Neuanfang
Heut‘ kommt eure neue Mutter, sagt Tante Resi.
Ich bin gern bei Tante Resi in Wels. Mausi auch, glaube ich. Vor der Hausfront fahren ständig Autos vorbei. Man hört sie aber nur ganz leise durchs Fenster, das zur Straße geht. Da stehe ich manchmal, hinterm Vorhang, und schau‘ hinunter.
Ich kenne fast alle Automarken.
Kaum taucht ein Auto auf, ruf‘ ich ... Volkswagen! oder ... Opel! oder ... Mercedes!. Beim Mercedes mach‘ ich es sogar genauer. Mercedes 180, Mercedes 180 D oder Mercedes 220. Auto-Erraten machen mein Vater und ich oft, wenn wir unterwegs sind. Die Mercedes kenne ich deshalb so gut, weil wir auch einen haben, einen 180er. Leider keinen 190er. Aber dafür ist unserer blau-métallisée.
Warum ich in Wels gern bin, das weiß ich nicht so genau.
Jedenfalls ist das Essen viel besser als daheim. Und ich muss nicht aufessen, wenn ich nicht mag. Außerdem sitzt meist noch meine Cousine Maria mit uns beim Essen und macht Witze. Ihre Lippen sind blau und sie atmet schwer. Ich muss immer ihre Finger betrachten, wenn sie die Hände manchmal auf den Tisch legt. Die sind vorn so breit wie Kochlöffel und meist auch blau.
Dann gibt es da noch den Onkel Adolf. Der kann kaum gehen. Ein Auge zwickt er immer zu und der Mund hängt auf einer Seite ein bisschen runter. Da rinnt dann manchmal die Suppe raus. Aber Maria macht das schnell weg mit der Serviette. Onkel Adolf redet nicht viel. Eigentlich redet er gar nicht. Aber er sitzt immer am Tisch, wenn wir essen.
Wenn ich satt bin, darf ich mich aufs Sofa neben dem Esstisch legen. Ich liege da auf einem Perser, den Tante Resi direkt aus Persien mitgebracht hat. Geschmuggelt hat sie ihn, im Auto. Sie hat sich einfach am Rücksitz auf ihn draufgesetzt und ist so bis Wels gefahren. Ohne Probleme, sagt sie. Das erzählt sie oft, wenn alle am Tisch sitzen. Dann gibt es ein ziemliches Gegröle, das erst aufhört, wenn Maria zu wenig Luft bekommt und blau wird.
Maria hat nämlich ein Loch im Herz, deshalb wird sie manchmal blau. Besonders wenn sie lacht oder sich aufregt.
Einmal, erzählt sie uns, wäre sie fast gestorben. Da war sie im Spital, wegen der Luftnot. Dort ist ihr Herz bei irgend so einer Untersuchung plötzlich stehen geblieben und sie hat gehört, wie der Doktor zur Schwester sagt, ... jetzt ist‘s zu Ende. Da hat sie die Augen aufgerissen und laut geschrien – NEIN! Da haben die aber geschaut und schnell weitergemacht, bis das Herz wieder angesprungen ist.
Bei dieser Geschichte lächelt sogar Onkel Adolf. Das merkt man daran, dass er dann ein bisschen mit dem Kopf wackelt. Nur ganz leicht, man muss genau hinschauen.
Ich habe in Wels noch zwei Onkel, die immer wieder einmal beim Mittagessen dabei sind.
Onkel Hans ist so alt wie Onkel Adolf und redet auch wenig. Wenn er aber was sagt, dann ist es richtig laut. Außerdem hat er riesige Pranken, und der Tisch wackelt, wenn er sein Schnitzel zerschneidet.
Mausi und ich haben immer etwas Angst vor ihm gehabt, bis vor kurzem. Da hat uns nämlich die Maria vor ein paar Tagen eigens nachts aus dem Bett geholt, um den Onkel Hans beim Schnarchen zuzusehen.
Das war echt ein Abenteuer!
Im Pyjama sind Mausi und ich hinter Maria durch den langen Hausgang getrippelt, immer dem Schnarchen nach. Am Schluss sind wir vor dem Bett vom Onkel Hans gestanden. Der hat so laut geschnarcht, dass sogar das Wasserglas mit seinem Gebiss am Nachtkästchen gewackelt hat. Ein Steyrer Traktor ist nichts dagegen!
Als er sich dann plötzlich umgedreht hat im Bett und keinen Ton mehr von sich gegeben hat, haben wir es mit der Angst gekriegt und sind schnell zurückgestürmt in unsere Betten. Dort haben wir noch lange unter der Bettdecke gekichert.
Dann ist da noch der Onkel Franz, der Franzl. Der ist Messedirektor und der einzige Sozi in der Familie. Ich hab mir das gemerkt, weil mein Vater immer wieder Witze darüber macht. Mein Vater sagt, er ist ein Edelsozi. Dabei lacht er. Ich hab ihn einmal gefragt, was ein Edelsozi ist. ... Einer, der andere bestiehlt, ohne dass die es merken, hat er gesagt.
Das hätte ich nie gedacht – Onkel Franz, ein Taschendieb! Da muss man ja viele Tricks draufhaben, das weiß ich aus Erzählungen. Vielleicht kann er mir ein paar davon lernen, jetzt, wo wir ohnehin Sommerferien haben.
Im Hinterhof sind mehrere Garagen und dahinter ein großer Garten. Dort gibt es Ribisln und Stachelbeeren. In der Mitte steht ein schwarzer riesiger Wasserkessel, der immer randvoll ist. Wenn ich mich auf einen Ziegel stelle, dann kann ich tief unten die Kaulquappen sehen. Kaulquappen kann man ziemlich leicht in der Hand zerquetschen, wenn man nicht aufpasst. Wasserläufer hingegen sind kaum totzukriegen. Die kann man fangen, herumtragen und wieder aufs Wasser setzen. Dann laufen sie wieder.
Heute kommt also unsere neue Mutter.
Wir sind schon gespannt, wie die aussieht. Seit Tagen geht es nur mehr darum. Bei jedem Essen wird darüber gesprochen. Mir soll’s recht sein, mein‘ ich. Solang unser Vater bei uns ist, ist mir das egal. Tante Resi meint, dass wir uns darüber freuen werden. Sie meint, wir brauchen eine Mutter. Eine haben wir ja! Aber die ist jetzt weg. Solange Anni bei uns ist, find‘ ich das nicht wirklich notwendig. Vielleicht will das unser Vater einfach, damit er nicht allein ist.
Mausi und ich haben für diesen Samstag ein besonderes Spiel erfunden.
Ich steh‘ hinter dem Vorhang am Fenster zur Straße und beobachte die Einfahrt. Wenn da ein Auto zu uns einbiegt, dann verschwindet es kurz in der Einfahrt und kommt im Hof wieder raus. Mausi bewacht das Fenster im Badezimmer, das zum Hof zeigt. Wenn also zum Beispiel ein Auto einbiegt, dann rufe ich „Auto kommt“ quer durch die ganze Wohnung. Sobald Mausi das Auto im Hof erspäht, ruft sie zurück „Auto angekommen“.
Viele Autos fahren nicht in den Hof, vielleicht zwei waren es bislang. Und es ist schon gegen zwölf.
Tante Resi und Maria kochen, was das Zeug hält. Schließlich brülle ich Mercedes 180, blau-métallisée, und renne mit dieser Nachricht rüber ins Bad.
Ja, es ist das Auto unseres Vaters.
Mausi und ich hängen am offenen Fenster. Tante Resi hält Mausi fest, mich die Maria. Ihre Hände sind blau und ziemlich kalt.
Mein Vater hat den Wagen genau in der Mitte des Hofes abgestellt und steigt aus. Die Beifahrertür öffnet sich. Eine Frau steigt aus und winkt uns. Dann gehen die beiden zum Hauseingang und kommen rauf.
Wir sind alle im Hausgang und warten.
Adolf sitzt im Rollstuhl, ein Auge offen, eins zu. Maria hat sich einen Stuhl mitgenommen und atmet wie eine Dampflok. Sie hat Mausi am Schoß. Tante Resi hat die Schürze abgelegt und hält mich an den Schultern fest.
Dann taucht der Kopf meines Vaters auf, dahinter der von der Frau. Bei mir bleibt sie stehen. ... Du bist also der Hansi ... und gibt mir die Hand. Dann geht sie weiter zur Mausi und sagt wieder ... Du bist also die Mausi ... und berührt sie ganz leicht an der Schulter.
Wir müssen weder Kopfstand noch Brücke machen und setzen uns gleich nach der Begrüßung um den Esstisch. Ich sitz‘ wie immer auf meinem gepolsterten Sessel mit dem Samtüberzug und halt‘ mich am Stuhlrand fest. Die Frau sitzt an der anderen Tischseite neben meinem Vater. Er redet unentwegt, ziemlich laut, während die Frau neben ihm nur hie und da mit dem Kopf nickt. Manchmal lachen alle. Auch die Frau. Sogar Onkel Adolf gibt ein paar Geräusche von sich.
Während noch alle am Tisch sitzen und Sachertorte mit Schlag essen, schleiche ich mich hinüber zum Sofa und lege mich auf den Perser. Über mir hängt ein riesiges Bild in einem fetten schwarzen Rahmen. Es zeigt eine Frau, die mit Pfeil und Bogen einen weißen Hirsch jagt. Die Frau am Bild ist ziemlich nackt. Ich muss sie immer ansehen.
Die Frau dort neben dem Vater wird also mit uns zurückfahren im Auto, zu uns nach Hause. Ich wär‘ lieber allein mit meinem Vater zurückgefahren, mit Mausi neben mir.
Und was wird morgen sein? Ist sie dann immer noch da? Anni wird in Ohnmacht fallen, wenn sie das hört.
Auf der Heimfahrt unterhält sich mein Vater mit der Frau, die er Irmgard nennt, ganz leise, sodass wir nichts mitkriegen. Das ist mir ganz recht, weil ich müde bin. Ich lege mich in den Fußraum, das mache ich immer wenn wir von Wels nach Steyr fahren. Dort ist es warm und es riecht nach Gummi. Hinter Bad Hall ist mir fast immer so schlecht, dass ich schnell raus muss zum Speiben. Mein Vater weiß das und bleibt immer an derselben Stelle am Straßenrand stehen. Mausi bleibt im Auto sitzen und drückt sich in eine Ecke. Sie hat die Augen zu. Aber ich weiß, dass sie nicht schläft. Die tut nur so, weil sie meine Speiberei ziemlich grauslich findet. Irmgard hat das Fenster runtergekurbelt und sieht mir zu. Mein Vater steht neben mir und wischt mir den Mund ab.
Dann geht es weiter.
Nach einer Weile stimmt die Frau ein Lied an. Irgendwas wie ... Heimat, oh bist du schön ... oder so ähnlich. Ich drück‘ mich fest in die Rückbank rein. Gesungen haben wir bisher im Auto nie. Gut, manchmal hat mein Vater vor sich hin gesummt, wenn ich mit ihm auf Visiten war. Oder leise gepfiffen. Aber ein richtiges Lied?
Mausi rekelt sich in der Ecke. Ich rutsch‘ ein bisschen nach vor und halt‘ mich an der Vorderbank fest. Die Frau singt und mein Vater summt mit, ganz leise. Draußen ist es dunkel geworden. Fast wünsch ich mir jetzt, dass diese Frau in unserem Haus bleibt. Ich stupse Mausi an.
Am Schluss summen wir alle mit.
August 1959 - Visiten
Wir fahren auf Visiten.
Mein Vater hat mir schon am Vormittag das Auto zur Quelle gestellt. Jetzt bin ich an der Reihe. Ich hole mir einen Plastikeimer und einen Ausreibfetzen, dann kann es losgehen.
Ich wasche unseren Mercedes gern.
Meistens ist er nur hinten dreckig. Vorn im Kühlergrill kleben oft fette Pferdebremsen, manchmal auch Bienen. Die hol‘ ich dann einzeln raus, mit einem kleinen Steckerl. Normalerweise wasche ich auch den Stern vorn auf der Kühlerhaube. Der fehlt diesmal leider, weil ihn irgendwelche Rowdies abgebrochen haben. Die schlagen ihn nachts einfach mit der Hand runter und stecken ihn dann ein. Aber mein Vater hat schon einen neuen bestellt, der kommt nächste Woche.
In den Ferien nehm‘ ich mir beim Autowaschen so richtig viel Zeit. Ich hol mir dann sogar das Rehleder für die Windschutzscheibe. Da klettere ich dann auf die Motorhaube und wische von dort aus die Scheibe trocken.
Gleich nach dem Essen geht es auf Visiten.
Ich trag‘ ihm die Ärztetasche ins Auto. Er wirft noch ein paar Medikamentenschachteln auf die Rückbank und dann geht es los.
Unser Mercedes hat ein weißes Lenkrad. Mein Vater hat braune Hände. Das sieht ziemlich gut aus am Lenkrad. Ich stehe auf der Mittelkonsole hinter ihm und klammere mich mit beiden Ellbogen an die Vorderbank.
Die Wege zu den einzelnen Häusern der Patienten sind oft sehr holprig und schmal. Unser Auto ist eigentlich zu groß dafür. Viele Wege haben noch einen Wiesenstreifen in der Mitte. Das rauscht dann richtig, wenn man drüber saust. Mein Vater fährt ziemlich schnell, glaube ich, besonders wenn die Wege immer schmaler werden. Dann macht er seine Arme ganz steif, und wenn das Hinterteil vom Wagen hin und her schlackert, ruft er laut ... Maria und Josef ... und steigt erst recht aufs Gas. Ich fürchte mich da gar nicht, weil er dabei ein lustiges Gesicht macht.
Mein Vater fährt meistens so nahe an die Haustür heran, wie es nur geht. Da braucht er nur seine Wagentür aufzumachen, zwei, drei Schritte zu gehen und schon verschwindet er im Haus.
Wenn er bei den Bauern in ihren Vierkanthöfen Visite macht, will er meistens, dass ich mit ihm hineinkomme. So wahnsinnig gern tu‘ ich das nicht, aber bei manchen Bauern überwind‘ ich mich und geh‘ mit.
So auch diesmal.
Unter einem großen Mostbirnbaum kommt unser Auto zum Stehen. Wir sind beim Mascher in der Wanzenöd. Die Haustür ist offen, wir gehen rein. Mein Vater voraus, ich hinten nach. Es ist ganz still, kein Mensch ist zu sehen. Ich setz‘ mich auf eine Bank in der Küche und er geht in einen kleinen Raum daneben.
Die Tür bleibt offen.
Dort liegt der Altbauer auf seiner Bettstatt. Mein Vater redet sehr laut mit ihm, während er ihm eine Spritze gibt. Die hat er nämlich vorher aus seiner Ärztetasche rausgeholt. Ich darf dann immer die Glasampulle aufbrechen. Inzwischen kommen die Bauern vom Feld daher gerannt. Sie haben unser Auto gesehen. Es ist der Jungbauer, seine Frau und die Magd.
Mein Vater ist mit der Behandlung fertig, schließt die Tür zur Kammer des Altbauern und setzt sich zum Küchentisch. Er kriegt ein Krügel Most vorgesetzt und ich ein Stück vom Milchrahmstrudel, der in einem schwarzen Reindl am Herd steht. So viele Fliegen auf einmal hab‘ ich noch nie gesehen! Sie fliegen kurz auf, als mir die Bäuerin ein Stück abschneidet. Das rauscht richtig und mir kommt vor, dass ich sogar einen leichten Wind gespürt hab‘. Kaum ist Bäuerin fertig damit, kehrt der Fliegenschwarm zurück und setzt sich wieder drauf auf den Milchrahmstrudel.
Alle reden jetzt übers Wetter.
Ich weiß nicht recht, was ich mit meinem Michrahmstrudel machen soll. Fliegen sitzen zwar nur mehr vereinzelt oben, aber er riecht nach Speck. Mein Vater kommt mir zu Hilfe.
... Wir müssen weiter, sagt er, ... packt uns bitte den Strudel ein, den nehmen wir gern mit.
Die Bauersleut stehen an der Tür und winken uns.
... Nächste Woche komm‘ ich wieder, ruft ihnen mein Vater durchs offene Autofenster zu.
Auf geht’s zum nächsten Gehöft.
Nach ein paar weiteren Visiten wird der Platz ziemlich eng auf der Rückbank. Neben dem in Butterpapier eingewickelten Milchrahmstrudel liegen inzwischen fünf Kopf Salat, ein riesiges Trumm Speck und ein großer Laib Bauernbrot. Unten im Fußraum steht eine Zistel Eier. Die nehme ich zwischen meine Füße, damit sie in den Kurven nicht umfällt.
Unsere letzte Visite ist bei der Glinzinger Nandl. Die hat einen kleinen Gemüsegarten direkt vorm Haus. Und auch Blumen. Ich geh‘ jetzt nicht mit ins Haus, denn wir wollen nicht zu spät heimkommen. Weil Irmgard heute Geburtstag hat, lässt sich mein Vater von der Nandl einen riesigen Buschen Gladiolen abschneiden, den er dann auf den Hintersitz legt. Jetzt geht es zurück.
Daheim angekommen, wird das Auto leergeräumt. Mein Vater steckt die Blumen in die große Bodenvase im Wohnzimmer. Da kommt Irmgard und sagt ihm, dass er noch einmal weg muss. Der Kloidl habe sich im Wald aufgehängt und die Gendarmerie sei schon dort. ... Der Kloidl, sagt mein Vater leise, und noch mal ... der Kloidl, und schon ist er draußen bei der Tür.
Natürlich bleibe ich jetzt daheim.
Irmgards Geburtstag feiern wir morgen. Da gibt es zu Mittag die ersten Zwetschgenknödel in diesem Jahr – Juchhu!
Oktober 1966 - Dunklhof
Ich bin Bahnschüler.
Morgens stehe ich ungefähr um sechs Uhr auf und helfe meinem Vater beim Heizen der Kachelöfen, mindestens vier an der Zahl. Dazu zählen auch Wartezimmer und Ordination. Gerti, unser Dienstmädel, macht auch mit. Mausi ist um diese Zeit schon auf dem Weg zum Bahnhof. Sie muss eine Stunde nach Linz fahren, in die Kunstschule.
Jetzt im Herbst ist es noch nicht so kalt. Eine Ladung pro Ofen reicht. Manchmal heizen wir um diese Jahreszeit gar nicht. Dann jammern die Patienten im Wartezimmer und drängen sich aneinander wie die Hühner. Manchmal sitzen mehr als zwanzig Patienten auf den zwei Bänken im Wartezimmer. Die Luft ist dann entsprechend dick. Mittags, wenn alle draußen sind, wird durchgelüftet, weil dann der Warteraum unserer Gerti später als Schlafzimmer zur Verfügung steht. Da gibt es ein Klappbett für sie, das an der Wand steht und mit einem roten Vorhang zugehängt ist.
Seit ein paar Jahren haben wir fließendes Wasser im Haus und sogar eine Badewanne. Die Wanne steht neben dem Waschbecken in der Küche, mit einem Plastikvorhang vom Küchenbetrieb abgetrennt. Ich bin in letzter Zeit ziemlich gewachsen und muss mich stark verrenken, wenn ich sitzend in der Wanne dusche. Deshalb mache ich das auch nicht allzu oft, vielleicht ein- bis zweimal die Woche. Manchmal kommt mir der Duschkopf aus und ein Ladung Wasser landet in der Küche. Dann kreischt Gerti, die am Herd steht, und rüttelt wild am Duschvorhang.
Unsere Badewanne dient allerlei Funktionen.
Letzten Mai haben wir einen ganzen Kübel Maikäfer gesammelt und auf Empfehlung meines Vaters in die leere Badewanne gestellt. Er hat dann das Chloroform aus der Ordination geholt und die Tiere betäubt, genauso wie er es macht, wenn er einem Patienten einen faulen Zahn zieht. Da sich die Tiere länger nicht mehr gerührt haben, waren wir der Meinung, dass sie tot sind. Das waren sie nicht. Wir haben dann über viele Wochen immer wieder Tiere in der Küche gefunden. Die sind bis in die Schubladen vorgedrungen und haben sogar noch gelebt.
Letzte Weihnachten hat unser Vater einen lebenden Karpfen heimgebracht. Der stammte aus dem Teich eines seiner Patienten. Obwohl dieser Karpfen die ganze Visitentour auf dem Rücksitz, in Zeitungspapier eingehüllt, also im Trockenen, verbracht hat, hat er immer noch gezappelt, als ich ihn aus dem Auto geholt habe. Wir haben dann die Badewanne eingelassen und ihn da reingesetzt. Mein Vater hat gemeint, dass Karpfen häufig Rückenschwimmer seien, weil sich unser Karpfen immer auf den Rücken gedreht hat anstatt unterzutauchen. Jedenfalls hat er noch bis zum 24. Dezember in der Badewanne gelebt, volle zwei Tage. Wahrscheinlich ist er auch nur deshalb gestorben, weil ihn Gerti ins Waschbecken gehievt hat, um wieder duschen zu können. Beim Zähneputzen habe ich ihn dann immer etwas beiseite schieben müssen, damit er keine Zahnpasta abkriegt. Da war er dann wieder zeitweise im Trockenen, zumindest mit der Schwanzflosse, und das hat ihm wahrscheinlich nicht gut getan.
Einmal in der Woche habe ich am Nachmittag Schule. Jeden Mittwoch, Zeichnen und Handarbeiten. Immer an diesem Tag, also einmal pro Woche bin zum Mittagessen bei meiner Mutter.
Mittags um halb eins ist die Schule aus. Dann gehe ich die steile Kirchengasse hinauf zum Dunklhof, der nur wenige Minuten vom Gymnasium entfernt ist. Ich drücke das Tor auf und gehe zwischen den alten Mauern vielleicht zwanzig Meter leicht bergauf, bis ich im Innenhof stehe. In der Hofmitte gibt es eine Birke, darunter ein Bank aus Stein. Ich wende mich nach rechts und stehe vor dem Hauseingang. Alle Türen hier sind grün und haben weiße Streifenmuster. Die Haustür ist gewöhnlich offen. Eine steile Steintreppe führt hinauf bis zu einem schmiedeeisernen Gittertor. Rechts hängt eine schwarze Glocke mit Stange und Griff, zum Anläuten.
Bevor ich daran ziehe, sauge ich die Luft tief ein. Es ist ein Geruch, den es nur hier gibt. Ich finde, es riecht so ähnlich wie in der Kirche. Vielleicht wegen der dicken Mauern. Es herrscht vollkommene Stille. Obwohl ich schon häufig hier war, bin ich noch immer etwas aufgeregt.
Die Glocke ist hell und laut.
Dann fliegen die Türen und meine Mutter erscheint mit einem klappernden Schlüsselbund hinter der Gittertür. Sie umarmt und küsst mich, und wischt gleich wieder den Lippenstift von meiner Wange weg. Dann geht sie vor, ich hinter ihr her. Man tritt hier in eine andere Welt ein, das fühlt man. Es riecht weder nach gebohnertem Parkettboden wie in der Schule noch nach Würstelgulasch wie daheim.
Der Esstisch mit dem weinroten Tischtuch ist schon gedeckt. Drei kleine Schüsseln, drei Stoffservietten, drei Weingläser, Stäbchen. Heinrich erhebt sich aus seinem Polsterstuhl, der unter dem Fenster zwischen Büchern in einer Nische steht und begrüßt mich. Er hat wie mein Vater einen Schnauzbart, der aber schon grau ist.
Wir setzen uns zu Tisch.
Heute gibt‘s „chinesisch“. Das ist eins von den zwei Gerichten, die meine Mutter abwechselnd macht, wenn ich hier bin. Nächstes Mal wird es Polenta mit Kalbfleisch geben. Ich mag beides sehr gern. Ich glaube, Heinrich auch. Er macht von Zeit zu Zeit kleine Bemerkungen, alle ziemlich nett und etwas rätselhaft. So sagt er zu meiner Mutter „Jawohl Frau General“ wenn sie ihm aufträgt, den Wein zu holen. Oder wenn sie einen Patzen klebrigen Reis in unsere Schüsseln fallen lässt und dabei mit strenger Miene sagt „Chinesischer Reis muss kleben“, dann antwortet Heinrich wieder „Jawohl, Frau General“, und sieht mich dabei kumpelhaft an. Mir ist das immer ein bisschen peinlich. Ich mag Heinrich zwar irgendwie, aber sein Kumpel will ich nicht sein.
Dann wird die Stimme meiner Mutter plötzlich weich.
Heinrich, bitte Wein, sagt sie. Er geht dann zu einem alten Bauernschränkchen, sperrt es mit einem Schlüssel auf, den er aus seiner Hosentasche zieht und holt eine grüne Weinflasche hervor. Ich kriege Orangeade, die beiden Wein. Die Flasche wandert dann gleich wieder zurück ins Schränkchen.
Im Laufe der Zeit lerne ich mit Stäbchen zu essen.
Heinrich isst schweigsam, ich erzähle zwischendurch ein paar Anekdoten aus der Schule, während meine Mutter am Weinglas nippt.
Heinrich, noch ein halbes Glas, bitte, ... und er antwortet ... Jawohl, Frau General ... und schlurft ein zweites Mal zum Schränkchen. Ja, Heinrich schlurft. Ich glaube, das sind seine Schuhe. Die sind schwarz, riesig und sehen schwer aus. Heinrich selbst ist ziemlich klein, zumindest bin ich schon einen Kopf größer. Er trägt sehr weite dunkelgraue Hosen, die auf den Schuhen aufsitzen und Falten wie eine Ziehharmonika bilden.
Lang halten wir uns nicht beim Essen auf, dann verschwindet Heinrich in seinem Zimmer zum Mittagsschläfchen. Meine Mutter macht noch einen „Türkischen“ in ihrer winzigen Küche und ab geht es ins Atelier nebenan.
Das Atelier kommt mir fast so groß vor wie ein Tennisplatz. Vorbei an Heinrichs Zeichentisch peile ich das kleine Tischchen an, das am andern Ende des Raums vor einer riesigen Couch steht.
... Du bist doch jetzt schon sechzehn, sagt meine Mutter, darfst also rauchen.
Sie zündet sich eine Malboro an und bietet mir auch eine an. Ich lehne mich zurück in der Couch und blase den Rauch Richtung Balkendecke. Wir rauchen und trinken Mokka. Sie erzählt mir, was sie gerade dichtet und wie sie nach passenden Wörtern jagt.
Während sie so in ihre Welt versinkt, versinke ich in meine. Ich blicke durch eines der Fenster mit dem Eisenkreuz neben mir und beobachte die vorbeiziehenden Wolken am Himmel. Die Schule ist weit weg, auch mein Zuhause. Irgendwann kommt der Moment, wo die Mutter auf meiner Stirn ein paar Mitesser sieht, die sie dann mit ihren langen Fingernägeln ausdrückt. So vergeht die Zeit im Flug und gegen drei Uhr bin ich schon wieder in der Schule. Dann verschwindet diese andere Welt im Hintergrund. So richtig in der wirklichen Welt bin ich erst dann angekommen, wenn ich am frühen Abend das Würstelgulasch im Hausgang rieche. Und wenn mich dann Irmgard über die Schule ausfragt und mein Vater, leicht angeheitert vom Most der Bauern, von seinen Visiten zurückkehrt.
Dann weiß ich, wo ich bin.
Daheim.
Darmowy fragment się skończył.