Czytaj książkę: «Segeln mit Huhn»

Czcionka:


GUIREC SOUDÉE

SEGELN
MIT
HUHN

GUIREC & MONIQUE UND IHRE VERRÜCKTE REISE UM DIE WELT

AUS DEM FRANZÖSISCHEN VON JUTTA ORTH


INHALT


1. ETAPPE

VON DER BISKAYA AUF DIE KANAREN


2. ETAPPE

ÜBER DEN ATLANTIK


3. ETAPPE

DIE KARIBIK


4. ETAPPE

VON DEN ANTILLEN NACH GRÖNLAND


5. ETAPPE

GRÖNLAND


ÜBERWINTERUNG


6. ETAPPE

DIE NORDWESTPASSAGE


7. ETAPPE

ALASKA


8. ETAPPE

VON ALASKA NACH SAN FRANCISCO


9. ETAPPE

VON SAN FRANCISCO NACH SANKT HELENA

SEGELN MIT HUHN
GUIREC & MONIQUE UND IHRE VERRÜCKTE REISE UM DIE WELT


EINLEITUNG

Schon immer habe ich davon geträumt, um die Welt zu segeln. Um diesen Traum zu verwirklichen, habe ich jahrelang hart gearbeitet, und nun bist du da, direkt vor meiner Haustür. Du wirst YVINEC heißen wie meine geliebte Insel, mein Paradies auf Erden. Du wirst mein Paradies auf See sein. YVINEC ist 28 Jahre alt, ein Haufen altes Metall, an dem der Zahn der Zeit genagt, der Ozean geleckt, die Korrosion gefressen hat. Die Korrosion, oder anders gesagt: der Rost, ist das Hauptproblem bei Stahlbooten. Und ich dachte, mit dem Kauf von YVINEC ein gutes Geschäft gemacht zu haben ... Ihr Rumpf ist so verrostet, dass er an manchen Stellen so dünn ist wie Zigarettenpapier. Als ich ihn reparieren wollte, sind beim Druck auf die ramponierten Stellen gleich Löcher entstanden.

»Mit einem Boot in diesem Zustand in See zu stechen ist der reine Wahnsinn.« Niemand glaubt an dieses Boot. Aber ich, ich glaube daran. Und ich glaube auch, dass man im Leben nichts hinkriegt, wenn man nicht positiv denkt. Es wird Monate dauern, das Boot auf der Werft auf Vordermann zu bringen, abgesehen davon, dass ich kein Geld mehr habe, aber darauf brenn loszufahren. Auf YVINEC warte ich seit drei Jahren. Damals war ich 18 Jahre alt und hatte einen einzigen Traum: mir ein Segelboot zu kaufen. Ich schmiss die Schule, die mich langweilte, und verkaufte mein Motorrad. Mit diesem Geld brach ich mit einem einfachen Ticket nach Australien auf, ohne ein Wort Englisch zu sprechen, mit nur 200 Euro in der Tasche. Nach ein paar anstrengenden Nächten in den Straßen Sydneys fuhr ich ins Landesinnere, um mir auf einer Farm Arbeit zu suchen. Mit meinen ersten Ersparnissen kaufte ich mir ein Fahrrad und radelte kreuz und quer durch den Südwesten, hangelte mich von einem kleinen Job zum nächsten. Dann bekam ich eine Stelle auf einem Krabbenkutter. Aus den drei Wochen, die ich auf dem Meer verbringen wollte, wurde schlussendlich ein Jahr. Ich arbeitete wie ein Besessener, fast 20 Stunden pro Tag, verlud wochenlang Garnelen. So konnte ich genügend Geld verdienen, um nach Frankreich zurückzukehren und YVINEC zu kaufen.

Es kommt gar nicht infrage, noch eine Minute länger zu warten; es gibt immer zu viele gute Entschuldigungen dafür, zu Hause zu bleiben.

Ehe ich mich auf diese Reise begebe, würde ich gern ein Tier adoptieren, um mich nicht so allein zu fühlen und das Leben an Bord ein wenig angenehmer zu gestalten. Ein Hund würde unglücklich, und mit Katzen habe ich es nicht so. So denke ich an ein Huhn: Es würde mir nicht nur Gesellschaft leisten, sondern auch Eier liefern – clever, oder? Leider klären Freunde, die Hühner halten, mich auf, dass gestresste Hühner keine Eier legen. Also lasse ich die Finger davon, zugegebenermaßen enttäuscht.

Rasch erledige ich die anstehenden Arbeiten und bringe eine Schicht grüner Farbe auf – die Farbe der Hoffnung –, und ein paar Wochen später sind nur noch letzte Vorbereitungen zu treffen. Der große Aufbruch rückt näher. Ich gebe meine letzten Euro für eine Unmenge Proviant aus. Hauptsächlich kaufe ich Konserven. Es gibt keinen Kühlschrank an Bord, es bringt also nichts, zu viele verderbliche Lebensmittel mitzunehmen. Ich kaufe außerdem Pulverschokolade und Frühstücksflocken, die mir an schlechten Tagen als Balsam für die Seele dienen sollen.

Schließlich bin ich startbereit und YVINEC ebenfalls. Los geht’s. Stürzen wir uns ins Unbekannte, ins Ungewisse, ins Unendliche, in die Freiheit. Leben wir unseren Traum!

YVINEC


Modell: SCORPION 9

Länge über alles: 11,70 M

Länge in der Wasserlinie: 9,20 M

Breite: 3,50 M

Tiefgang: 1,10 M/2,20 M

Gewicht: 9.000 KG

Material: STAHL

Segelfläche raumschots: 178 M2

Segelfläche am Wind: 64 M2

Architekt: JOËL STABILIE

Bau: ANONYM

Jahr: 1985

ETAPPE
01
VON DER BISKAYA AUF DIE KANAREN


2.249 MEILEN


141 TAGE


O EIER


48° 50’ NORD, 3° 13’ WEST
VON DER BISKAYA AUF DIE KANAREN

Die Stunde des Aufbruchs ist da. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen. Endlich kann das Abenteuer beginnen!

27.11.2013

Nach einer kurzen Übungsfahrt um meine geliebte Insel laufe ich aus dem kleinen Hafen von Tréguier aus. Allein an Bord, mache ich vieles zum ersten Mal. Ich habe Probleme mit dem Steuern, muss zugeben, dass ich mich auf dem Boot noch nicht richtig auskenne. Doch dank der Empfindungen, die das Meer in mir auslöst, bin ich dabei, mich in es zu verlieben – leidenschaftlich und intensiv. Das friedliche Schlingern YVINECS in meiner ersten Nacht auf See, der Stolz, mit dem ich meinen ersten Fisch aus dem Wasser ziehe, die Stille des ersten Sonnenaufgangs ... dieses neue Leben hat mich gepackt, wie könnte ich umkehren wollen?

AUCH DAS NOCH!

Nur zwei Tage nach dem Aufbruch funktioniert der Autopilot von YVINEC nicht mehr. Dieses Boot lässt wahrlich keine Wünsche offen! Der Schaden ist ärgerlich, denn mit dem Autopiloten kann ich das Boot steuern, ohne eingreifen zu müssen. Dank ihm kann ich mich ausruhen und anderen Beschäftigungen widmen. Ein paar Stunden später gibt die Windsteueranlage den Geist auf. Ich kann mein Boot nur noch steuern, wenn ich ununterbrochen am Ruder bleibe, und das ist unmöglich. Ich bin in der Biskaya und beschließe, umzukehren und die südliche Bretagne anzusteuern.



1.12.

In Concarneau angekommen, kann ich den Schaden reparieren. Es geht auf Weihnachten und Neujahr zu. Meine Familie wünscht sich, dass ich aus der Not eine Tugend mache und die Feiertage mit ihr auf unserer Insel Yvinec verbringe. Doch mit dem Kopf bin ich schon woanders, ich habe keine Lust heimzufahren, nicht jetzt.

15.12.

Es wird allmählich Winter, und das Wetter ist schlecht. Ich werde auf eine Gutwetterperiode warten müssen, ehe ich wieder in See stechen kann. Von Frankreich aus führt der traditionelle Kurs auf die Antillen durch den südlichen Teil des Azorenhochs, um die Kanaren herum nach Kap Verde in Richtung Nordostpassat. Der Passat ist ein warmer, beständiger Wind, der auf der Nordhalbkugel von Ost nach West weht. Weit davon entfernt, ein gestählter Seemann zu sein, beschließe ich, keine Experimente zu machen und dieser Route zu folgen.


Dank einer Flaute kann ich mich zwischen zwei Stürmen hindurchschlängeln. Euphorisch hisse ich nun ernsthaft die Segel.

EUPHORIE

Ein Monat Wartezeit. Umso besser, ich habe ihn für Gelegenheitsjobs genutzt, um die Bordkasse aufzubessern. Diesmal ist der Wind mir endlich wohlgesinnt. Dank einer Flaute kann ich mich zwischen zwei Stürmen hindurchschlängeln. Euphorisch hisse ich nun ernsthaft die Segel. Wenn ich jetzt nicht aufbreche, riskiere ich, den ganzen Winter hier festzuhängen. Ich werde den Nordwesten Spaniens ansteuern, um dort Zuflucht zu suchen. In der Biskaya nimmt das Abenteuer seinen Anfang.

21.1.2014

Soeben bin ich in Spanien angekommen, in Ribadeo. Mit dem Navigieren hatte ich keine Probleme, abgesehen davon, dass ich ein Segel zerrissen habe. Mangel an Erfahrung! Ich werde lernen müssen, meine Segelkünste zu verfeinern. Morgen starte ich gen Süden auf der Suche nach Sonne und Wärme.

16.2.

Ich war gezwungen, mich in La Coruña vor Unwettern in Sicherheit zu bringen. Seit fast einem Monat bin ich nun hier. Glücklicherweise habe ich einen Job gefunden und arbeite nun auf einem Schiff mit einer hundertjährigen Takelage, die voll schöner Geschichten steckt. Das imposante, wundervolle Schiff ist direkt neben YVINEC vertäut. Es kommt mir gar nicht wie Arbeit vor, so viel Freude macht es mir, mich darum zu kümmern, vom Schiffsrumpf bis zur Mastspitze. Morgen mache ich die Leinen los und segle Richtung Peniche.


Meine gigantischen Vorräte. Auf dem Speiseplan für die kommenden Wochen stehen Nudeln, Reis und Konserven.

NUDELN UND REIS ...

Wieder aufs Meer hinauszufahren ist so schön. Seitdem ich den 40. Breitengrad passiert habe, steigt die Wassertemperatur, und die Luft wird wärmer. Die Bedingungen sind perfekt: leichter Seegang, viel Sonne, ein regelmäßiger Wind aus der richtigen Richtung ... Ich habe meine Badehose an, Wärme und Gischt liebkosen mich. Zur Krönung tanzten vorhin Delfine um das Boot. Bald müsste ich Portugal erreicht haben.

Ich esse nicht sehr abwechslungsreich an Bord: Nudeln und Reis. Ich müsste eine Angel ins Wasser werfen. Ich träume von einem gegrillten Fisch.

22.2.

Am frühen Morgen erreiche ich Peniche in Portugal. Vorhin habe ich die Wetterdaten abgerufen: Die Bedingungen sind gut. Morgen steche ich wieder in See, in Richtung Madeira. Der Gedanke, meinen Horizont buchstäblich zu erweitern, begeistert mich.

Nach einer Woche auf dem Meer empfängt mich die Blumeninsel. Das Wetter war fabelhaft, obwohl manchmal der Wind fehlte ... Zwei Tage lang bin ich unter 3 Knoten geblieben. Seeleute nennen das Flaute. Aber ich mache kein Wettrennen, die Geschwindigkeit interessiert mich nicht, ich habe alle Zeit der Welt. Es gelingt mir nicht zu erklären, was ich auf dem Meer empfinde. Um es zu verstehen, muss man es, glaube ich, erleben. Es ist so gut, seinen Träumen zu folgen.

10.3.

YVINEC liegt bei Funchal vor Anker. Sie schlingert; der Ankerplatz ist nicht sehr komfortabel. Aber um nichts in der Welt werde ich woanders schlafen als auf meinem Boot. Ich habe keine Lust, von Bord zu gehen, es geht mir hier zu gut. Von Bord aus eröffnen sich mir die schönsten Aussichten der Welt. In dieser Nacht sind es die im Dunkeln funkelnden Lichter der Stadt, die mich davontragen werden. Morgen geht’s wieder aufs Meer hinaus.

... UND 10 KG GROBES SALZ

Gestern bin ich auf den Kanaren angekommen, auf Teneriffa. Statt zwei habe ich sechs Tage dafür gebraucht. Dabei waren es ab Madeira nur 260 Meilen. Unterwegs habe ich auf der Insel Selvagem haltgemacht. Ein Naturschutzgebiet, das von Jack, Carlos und ihrem Hund Selvagem gut bewacht wird. Die beiden Freunde sind so liebenswürdig, dass ich vier Tage statt einem auf der Insel verbracht habe. Das ist das Gute daran, keinen Zeitplan zu haben. Sie haben mir alte Geschichten erzählt, mich in jeden Winkel der Insel mitgenommen und regelrechte Festmahle mit mir geteilt. Jack war der Erste auf der Insel, er hat sogar den Leuchtturm installiert. Es ist nicht einfach, einen Ort zu verlassen, an dem man sich wohlgefühlt hat. Aber es ist mir gelungen, mit frischem Brot und vor allem zehn Kilogramm selbst gemachtem groben Salz, die sie mir geschenkt haben, damit ich künftig meine Fische konservieren kann. Jetzt, auf Teneriffa, werde ich das Boot für die Atlantiküberquerung fit machen. Die Abfahrt ist definitiv für die nächste Woche geplant.


EIN ETWAS SPEZIELLES GESCHENK

Bei der Planung meiner Zwischenstopps und Starts richte ich mich nach dem Wind. Ich bin immer noch nicht losgefahren. Das Wetter lässt es nicht zu. Aber ich habe es nicht eilig, ich habe keine Verpflichtungen, bin vollkommen frei. Wenn möglich, nutze ich die Zeit, um zu arbeiten und ein bisschen Geld zu verdienen. Im Moment unterrichte ich Kitesurfing.

Vor ein paar Tagen ist eine fuchsrote Schönheit mit schelmischem Blick und seltsamem Gang in mein Leben getreten. Der Gedanke an ein Huhn hat mich insgeheim nie losgelassen, und diesmal ist es eine ausgemachte Sache, dass ich nicht allein, sondern mit Huhn wieder in See steche. Ich habe darüber mit Freunden vor Ort gesprochen, die mir angeboten haben, eins für mich aufzustöbern. So habe ich dieses etwas spezielle Geschenk in einer kleinen Pappkiste erhalten. Ich habe es Monique getauft. Wie die alte bretonische Trinkschale in meiner Kombüse, auf der dieser Name in Schönschrift geschrieben steht. Sie stand bereits im Schrank, als ich YVINEC gekauft habe, und wartete auf ihren Besitzer. Wie von selbst haben sich die Dinge geregelt.


Auf See: Ich genieße das Meer in all seinen Facetten.


ETAPPE
02
ÜBER DEN ATLANTIK


3.140 MEILEN


28 TAGE


25 EIER


28° 16’ NORD, 16° 36’ WEST
ÜBER DEN ATLANTIK

Gemeinsam fahren wir hinaus auf das große blaue Meer: Vom warmen Passat geschaukelt, überqueren wir den Atlantik im Rhythmus der auf- und untergehenden Sonne. Hätte ich mir für eine erste lange Ozeanüberquerung bessere Bedingungen erträumen können?

17.4.2014

Schon in der ersten Nacht an Bord legt Monique ein Ei. In ihrem zusammengebastelten Verschlag hinten im Cockpit fühlt sie sich, glaube ich, schon zu Hause.

21.4.

Wir haben die Kanaren vor fünf Tagen verlassen und sind jetzt 200 Meilen von den Kapverden entfernt. Seit unserer Abfahrt herrscht ein angenehmer Seegang mit stetigem Wind. Doch gegen 14 Uhr legt der Wind heftig zu. Der Spinnaker, aus dem Gleichgewicht gebracht, lässt YVINEC gefährlich von einer Seite zur anderen schwanken. Ich muss ihn so schnell wie möglich bergen, damit die Geschichte nicht böse endet. Noch ehe ich etwas unternehmen kann, ertönt plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm. Als mein Blick auf den Mast fällt, ist der Spinnaker nicht mehr da. Ich bin leicht verwirrt und brauche einige Sekunden, um zu begreifen, dass er gerissen und dann ins Meer gefallen ist. Mit weit ausgestreckten Armen muss ich ihn aus dem Wasser ziehen. Ich werde ihn an Land flicken. Den Rest der Atlantik- überquerung muss ich ohne ihn auskommen.


23.4.

Ich lerne, mich auf YVINEC einzustellen: essen, mich von A nach B bewegen, bei Krängung schlafen. Es stimmt, dass an Bord nichts einfach ist und alles mehr Zeit braucht: Geschirr spülen, Wäsche waschen, denn das Boot ist ja nicht mit elektronischen Haushaltsgeräten ausgestattet, Mahlzeiten zubereiten und gleichzeitig navigieren ...

Trotzdem habe ich das seltsame Gefühl, Zeit zu gewinnen. Ich lerne viel und denke viel nach. Mein Geist schweift umher, macht Pläne, webt Netze, kehrt in die Vergangenheit zurück, erfindet sie neu und erschafft eine Zukunft. Wohin wird meine nächste Etappe mich führen? Was wird mein nächstes Projekt sein? Wie soll ich an Land mit den 60 Cent, die ich noch habe, auskommen? Ich muss die Bordkasse wieder auffüllen, wenn ich YVINEC auf Vordermann bringen will.

23.4.

Monique scheint sich gut an ihr neues Leben auf See zu gewöhnen. Sie spaziert die ganze Zeit auf Deck herum trotz Wind, Regen oder sich brechender Wellen. Nichts hält sie auf.

Aus Angst, dass sie ins Wasser fallen könnte, schaue ich reflexartig immer wieder ins Kielwasser des Boots. Doch immer schafft sie es, sich mit einem Flügelschlag wieder zu fangen, und mit einem fliegenden Fisch im Schnabel kommt sie klitschnass zurück. Mir ist bewusst, dass ich ein Risiko eingehe. Aber auf Deck fühlt sie sich wohler als unter Deck eingesperrt.

Ich mache seltsame Erfahrungen, seitdem wir zusammen sind. Vor Kurzem habe ich entdeckt, dass ihre Eier leicht nach Jod schmecken, wenn sie Fisch gefressen hat.


Auf dem Meer scheint die Zeit stillzustehen, Tage und Stunden verlieren an Bedeutung.

ICH FISCHE DORADEN, THUNFISCHE, BARRAKUDAS USW. MIT DEN EIERN VON MONIQUE UND DEM GANZEN FRISCHEN FISCH MAUSERT SICH YVINEC ZU EINEM FÜNF-STERNE-RESTAURANT.


29.4.

Soeben ist mir ein Thunfisch entwischt. Er hatte sich gut im Angelhaken verbissen, hat sich aber losgerissen, als ich ihn aus dem Wasser ziehen wollte. Er war so groß, das ich nichts machen konnte. Ohnehin behalte ich Fische nur, wenn ich sicher bin, dass ich sie komplett aufessen kann. Die größten lasse ich widerwillig ziehen. Ich kann sie nicht konservieren, und ich will wirklich nichts vergeuden.

Auf dem Meer ernähre ich mich nur von dem, was ich fange. Hinter YVINEC schleift immer eine Angel durchs Wasser. Ich fische Doraden, Thunfische, Barrakudas usw. Mit den Eiern von Monique und dem ganzen frischen Fisch mausert sich YVINEC zu einem Fünf- Sterne-Restaurant.

Oft teile ich diese Köstlichkeiten mit Monique. Ehrlich gesagt lässt sie mir eigentlich gar keine Wahl: Sie stürzt sich auf die erbeuteten Fische, als wäre sie am Verhungern.

Welchen Tag haben wir? Ich habe aufgehört, die Tage zu zählen, ich muss nachschauen. Auf dem Meer scheint die Zeit stillzustehen, Tage verlieren ihre Bedeutung ebenso wie Stunden. Ich bin in meiner Blase, im Einklang mit den Elementen. Ich fühle mich privilegiert. Im Lauf der Zeit lerne ich YVINEC besser kennen: Wo liegen ihre Grenzen, wo ihre Möglichkeiten? Ein Boot ist wie ein Mensch. Beide haben eine eigene Persönlichkeit, individuelle Charaktereigenschaften. Um gemeinsam voranzukommen, müssen wir einander akzeptieren und verstehen.

Abends versuche ich zu lesen, auch wenn es mir keinen großen Spaß macht. Ich studiere den Wetterbericht, um den Horizont, die Zeichen des Himmels, die Wolken, den Regen, den Seegang besser zu begreifen. Da ich auf einer Insel groß geworden bin, habe ich die Grundlagen des Navigierens erlernt, aber meine Kenntnisse reichen nicht aus. Auf dem Wasser muss man in der Lage sein, in jedem Augenblick vorauszuahnen, was geschieht.


5.5.

Es kommt mir vor, als sei ich schon ewig unterwegs, doch paradoxerweise ist die Abfahrt noch gar nicht lange her. Ich habe Lust weiterzufahren. Als ich heute Morgen mit dem Finger über eine Weltkarte spaziert bin, habe ich mich »verlaufen«. Was, wenn ich gen Norden, nach Grönland segeln würde? Und wenn ich dort überwinterte? Die Idee beginnt, in meinem Kopf Gestalt anzunehmen. Warten, bis das Meer gefriert, und mich mit YVINEC vom Packeis mitnehmen lassen bis zum Frühling, bis zur Eisschmelze. Die Natur scheint dort oben so mächtig, so wild zu sein. Ich spüre das Bedürfnis, mich mit der Größe der Elemente zu konfrontieren.

Und dann das Alleinsein! Allmählich finde ich Geschmack daran. Ich möchte gern auf mich gestellt sein, mich kennenlernen, mit jeder Faser leben.

Mir fällt ein, dass meine Eltern sich vor meiner Abreise Sorgen gemacht haben: »Und wenn dir auf dem Meer etwas passiert?« Meine Antwort war so kühn wie befremdlich: »Jemand wird kommen und mich holen, macht euch keine Sorgen!« Denkste! In der Realität bin ich hier allein und ohne Kommunikationsmittel. Es gibt nur ein kleines UKW-Funkgerät mit geringer Reichweite, über das ich mit den Schiffen in der Nähe kommunizieren kann. Ich bin allein auf der Welt, und ich liebe es.

6.5.

Das GPS-Gerät hat den Geist aufgegeben. Das überrascht mich nicht: Die Instrumente, die auf dem Boot waren, waren schon alt. Doch ich mache mir keine Sorgen: Der Passat weht aus der richtigen Richtung. Er trägt seinen Namen nicht umsonst: Das spanische »pasada« bedeutet so viel wie »Überfahrt«.

8.5.

GUTE NACHRICHTEN! DAS GPS IST REPARIERT. YVINEC SAUST IN DIE RICHTIGE RICHTUNG.

13.5.

Die Insel Antigua zeichnet sich undeutlich in der Ferne ab. Ich bin außer mir vor Freude, klettere den Mast hoch und versuche, ein Funknetz zu erwischen, um meinen Vater anzurufen. Diesen Augenblick möchte ich mit ihm teilen. Er antwortet. Er ist so stolz, und ich bin so bewegt. Doch die Verbindung reißt ab. Ich werde ihn noch einmal anrufen, wenn ich angekommen bin und mich auf ein stabileres Netz verlassen kann.

15.5.

Nach 28 Tagen und 25 Eiern sind wir da. Ich hab’s geschafft! Ich sehe die Lichter von Saint-Barthélemy in der Nacht glitzern. Ich habe keine genauen kartografischen Daten, und mein Echolot geht nicht. Morgen, im Schimmer der Morgendämmerung, werden wir anlegen.

ETAPPE
03
DIE KARIBIK


1.600 MEILEN


409 TAGE


318 EIER


17° 55’ NORD, 62° 50’ WEST
DIE KARIBIK

Hier bleiben wir so lange, bis ich YVINEC hergerichtet habe. Aber zuerst muss die Bordkasse wieder aufgefüllt werden.

15.7.2014

Meine Geldprobleme lösen sich dank harter Arbeit und eisernem Sparen. Jede Arbeit ist besser als keine: Ich arbeite als Gärtner, Blumenlieferant, Strandwächter oder Kellner. Am Ende habe ich es geschafft, einen Job auf dem Wasser zu finden, in einem kleinen Wassersportclub am Strand von Saint John. Ich unterrichte Surfen, Segeln mit dem Katamaran, Paddling ... ein Traum! Mit dem Besitzer, Jean-Mi, gerate ich ganz schön aneinander. Er hat einen starken Charakter und steht ständig unter Strom. Auf ihre Verjüngungskur wartend, ankert YVINEC friedlich direkt gegenüber. Was für ein Glück, dass ich mein »Haus« an meinen Arbeitsplatz mitnehmen kann.

AN DIE ARBEIT!

Auch Monique frönt dem Wassersport: paddeln, surfen, windsurfen, schwimmen ... Ihr Lieblingssport: Fotoshootings. Und ja, selbst in den Tropen muss man arbeiten. Seit unserer Ankunft haben ein paar Zeitungen über uns berichtet ... oder besser gesagt, über Monique. Ich habe den Eindruck, dass meine geflügelte Partnerin im Begriff ist, der berühmteste Hühnervogel des Planeten zu werden.


DAS BEIBOOT VON YVINEC IST AUSEINANDERGEBROCHEN. UM ZUM UFER UND WIEDER ZURÜCK ZU MEINEM SEGLER ZU GELANGEN, MUSS ICH MEIN BOARD BENUTZEN. MONIQUE, DIE IMMER BEI MIR IST, TURNT WIE EINE AKROBATIN DARAUF HERUM UND LÖST BEI DEN TOURISTEN JEDES MAL, WENN WIR AM STRAND ANKOMMEN, GELÄCHTER AUS.


ZURÜCK IN DIE KINDHEIT

Im Lauf der Wochen treffe ich nette Leute und knüpfe feste Freundschaften. Unter anderem habe ich mich mit Jonas, Andrea, Johann, Eric angefreundet ... tolle Typen. Alle verschieden, aber das Meer verbindet uns. Und dann gibt es die Kinder, meine kleinen Brüder am Strand von Saint John, wie ich sie gern nenne. Sie verbringen Stunden an Bord von YVINEC, wenn sie nicht in der Schule sind. Antonin, Léo, Élie, Noah ... Für uns sechs (Monique ist selbstverständlich mitzuzählen) ist es eine einzige Party. Wir hören Musik, springen von der Hängematte aus ins Wasser, kochen Festmahle, diskutieren, als seien wir gleichaltrig. Sie erinnern mich an meine Kindheit auf Yvinec: die Füße nackt, der Kopf frei und voller Träume.

Auf diesen paradiesischen Karibikinseln haben viele »Weltreisende« ihre eskapistischen Träume und ihre Entdeckerlust davonfliegen lassen: »Was soll es anderswo Besseres geben?« Ich verstehe sie. Die Sonne, die tropische Wärme, die Korallenriffe und die Freundlichkeit der Bewohner verlocken zum Bleiben. Dennoch – ich habe etwas anderes im Sinn: in Grönland zu überwintern. Ich habe begonnen, meine Familie auf der anderen Seite des Atlantiks vorsichtig darauf vorzubereiten. Meine Schwestern sind – wenig erstaunlich – entsetzt. Aber mein Vater ... Seine Stimme sagt mir, dass er stolz und zuversichtlich ist. Er reist durch mich. Ich fände es schön, wenn er nach meiner Überwinterung in Grönland für eine Zeit lang zu mir stoßen würde.

19.9.

Ich nutze die Hurrikansaison, um Saint-Barth zu verlassen und mit meinen Freunden Jonas und Andrea die etwas südlicher gelegenen Antillen zu durchkämmen.

1.10.

Guadeloupe, Marie-Galante, Dominica, Martinique, St. Lucia, Grenada ... Wir machen nur kurze Zwischenstopps, aber das Leben ist wunderbar. Wer mit dem Boot unterwegs ist, hat einen privilegierten Zugang zu unwegsamen und wilden Landstrichen. Das Leben ist schön! Wir leben nach dem Rhythmus von Sonnenauf- und Sonnenuntergang, ernähren uns von gefangenem Fisch und schlafen draußen unter dem Sternenregen wie Vagabunden – glückliche Vagabunden.

10.10.

Wir sind in Trinidad und Tobago. Hier werde ich YVINEC aus dem Wasser holen, um sie auf die extremen Bedingungen der Arktis vorzubereiten. Das letzte gerade Stück ab Granada war nicht gerade erholsam. Der Wind war meist schwach und blies mit 3 Knoten von vorn. Die Genua – das Vorsegel – ist zerrissen, und alle Versuche, sie zu flicken, waren vergeblich. Dazu kam eine Motorpanne, sodass wir mindestens zehn Meilen vor der für Piraten berüchtigten Küste Venezuelas herumgetrieben sind. Jonas, Monique und ich versuchten, uns möglichst gut zu tarnen, um unbemerkt zu bleiben.


Wer mit dem Boot unterwegs ist, hat einen privilegierten Zugang zu unwegsamen und wilden Landstrichen. Das Leben ist schön!

GLÜCKLICHERWEISE IST JONAS DA, UM MIR ZU HELFEN. SEIT MEHREREN TAGEN ARBEITEN WIR UNUNTERBROCHEN.


Wir sind vor Venezuela. Jonas, Monique und ich verkleiden uns als Piraten, um uns zu tarnen.

28.10.

Glücklicherweise ist Jonas da, um mir zu helfen. Seit mehreren Tagen arbeiten wir ununterbrochen. 15 Stunden täglich, bei 40 °C, wir lassen die Arbeit nur ruhen, um inmitten von Farbe, Rost und Sägemehl zu schlafen und zu essen.



Zu Tisch: An Bord von YVINEC lohnt sich das Angeln immer. Einmal mehr werden wir es uns schmecken lassen.


Meine »Bande« Noah und Antonin, meine »kleinen Brüder«, am Strand von Saint John.


Es ist Zeit, dass YVINEC sich einer Verjüngungskur unterzieht und auf den hohen Norden vorbereitet wird.

ICH HABE ES AUCH DER GROSSZÜGIGKEIT VON NEUEN BEKANNTEN UND ANONYMEN SPENDERN ZU VERDANKEN, DASS ICH MEIN PROJEKT IN DIE TAT UMSETZEN KANN.

20.11

Anderthalb Monate später ist YVINEC generalüberholt und gefühlt nur noch halb so alt. Der Anstrich ist brandneu. Motor und Segel sind repariert. Der Rumpf wurde verstärkt, und ungefähr 40 Löcher wurden »gestopft«. Ich habe Christian und seine Frau Claudine kennengelernt, beide großherzige Menschen. Christian hat mir nicht nur auf dem Boot geholfen, sondern mir unter anderem auch das Schweißen beigebracht – eine wertvolle Fertigkeit, wenn man ein Boot aus Stahl besitzt. Ich bitte ihn, Monique auf den Bug zu malen. Mit seinen geschickten Händen gibt er seinem Werk den letzten Schliff, bevor wir wieder Richtung Saint-Barthélemy in See stechen.

5.12.

In Saint-Barth beginne ich bei Jean-Mi zu arbeiten: Er hat mich erwartet. Ich muss noch Zusatzausrüstung für YVINEC finanzieren.



MAI 2015

Nach fünf Monaten eisernen Sparens habe ich YVINEC endlich fertig ausrüsten können. Ich habe es auch der Großzügigkeit von neuen Bekannten und anonymen Spendern (einer Crowdfunding-Kampagne) zu verdanken, dass ich mein Projekt in die Tat umsetzen kann. Auf Saint Martin installiere ich neue Segel, ein Windrad, Solarmodule, neue Bullaugen, einen neuen Motor, eine Heizung und Isoliermaterial. Auch mit neuen Navigationsinstrumenten statte ich mich aus: einem GPS-Gerät zur exakten Positionsbestimmung und einem AIS, um andere Schiffe, insbesondere Frachtschiffe, zu orten und von ihnen geortet zu werden. Angesichts der eisigen Temperaturen, die uns erwarten, darf nichts dem Zufall überlassen bleiben.

29.6.

Nach einem schönen Abschiedsabend am Strand von Saint John ist es Zeit, den Anker zu lichten. Ich bin so ungeduldig, dass ich mir nicht einmal die Zeit nehme, YVINEC aufzuräumen. Unter Deck herrscht ein heilloses Durcheinander. Die Traurigkeit, die mit dem Auf-Wiedersehen-Sagen einhergeht, mischt sich mit Reisefieber. Ich kann nicht glauben, dass ich dem Leben in den Tropen den Rücken kehre. Christian und Claudine sind da. Claudine hat zu Hause eine Menge Lebensmittel für mich eingemacht, ihr habe ich es zu verdanken, dass ich werde schlemmen können. Sie überreichen mir auch ein kleines Geschenk, das ich an Weihnachten öffnen soll, wenn YVINEC im Eis eingeschlossen ist.



ETAPPE
04
VON DEN ANTILLEN NACH GRÖNLAND


3.378 MEILEN


57 TAGE


43 EIER


72° NORD, 40° WEST
VON DEN ANTILLEN NACH GAÜNLAND

Endlich - mein Traum ist zum Greifen nah. Schon im Augenblick des Auslaufens weiß ich, dass das Navigieren mich völlig neu herausfordern und alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wird.

12.7.2015

ABFAHRT MIT HINDERNISSEN

Ein paar Stunden später: Der Autopilot, eines der wenigen Teile, die nicht ausgetauscht wurden, funktioniert nicht mehr. Ich will nicht zurück, im Geiste bin ich schon weg. Wegen meines Starrsinns bin ich gezwungen, 14 Stunden ununterbrochen am Steuer zu verbringen, bis wir Virgin Gorda, eine Insel der Britischen Jungferninseln, erreicht haben. Dort kann ich den Autopiloten reparieren.

Einen weiteren, 18-stündigen Zwischenstopp legen wir auf den Bermudas ein, um einem Tief auszuweichen, Diesel zu tanken und die Wasservorräte aufzufüllen. Ich nutze ihn für einen Ölwechsel bei dem neuen Motor. Einige Tage nachdem wir die Bermudas verlassen haben, geraten wir in ein zweites Tief, dem wir leider nicht ausweichen können. Es ist mein erster richtiger Sturm. Das Meer um uns herum kocht. Überflutet von etwa zehn Meter hohen Wellen und von 50 Knoten Windgeschwindigkeit angeheizt, saust YVINEC mit der Nase voran flüssige Abhänge hinunter.

14.7.

Die restliche Überfahrt, die sich viel geruhsamer gestaltet als in den ersten Tagen, folgt dem Rhythmus der Sonnenuntergänge. Meer und Sonne verschmelzen in einer Palette aus Mauve, Gold, Purpur und Blau. Großartige Landschaften, die aussehen wie Aquarelle. Oft tanzen Delfine und Wale um das Boot. Das sind die Momente, die mir auf wunderbare Weise ins Gedächtnis zurückrufen, warum ich das hier tue.



Mein erster richtiger Sturm. Das Meer um uns herum kocht.

17.7.

Der Wind kommt von hinten und bläst augenblicklich nur mit 12 Knoten. Es ist an der Zeit, den Spinnaker zu setzen. Ich liebe dieses Segel, vor allem wegen seiner Farben. Normalerweise wird es gesetzt, wenn der Wind stetig von hinten kommt. Mein Spinnaker misst 90 Quadratmeter, es ist nicht einfach, ihn allein zu setzen, aber ich habe mich daran gewöhnt. Das Segel ist so groß, dass man schnell sein und aufpassen muss: Im richtigen Moment, ehe eine Bö von der falschen Seite das Boot aus dem Gleichgewicht bringt, ist er einzuholen. Sonst droht er wie bei der Atlantiküberquerung zu zerreißen.

Monique legt in ihrem Verschlag weiterhin fast jeden Morgen ein Ei. Ich bin jedes Mal überglücklich und staune Bauklötze, dass ich mitten auf dem Ozean frische Eier essen kann. Seither habe ich gelernt, erfindungsreich zu sein. Hart oder weich gekocht, als Spiegel- oder Rührei zur Garnierung von Reisgerichten: kurz, ich liebe Eier in allen Variationen. Jetzt, wo wir in höhere Breitengrade gelangen, beginnt die Kälte sich bemerkbar zu machen. Ich habe im Inneren der Kabine einen Stall für Monique eingerichtet, dort wird sie es warm und trocken haben.

HALIFAX

Nach 15 Tagen auf See und 1.600 Meilen legen wir am 23. Juli 2015 in Halifax an. An unsere Einfahrt in den langen Kanal werde ich mich noch lange erinnern. 4 Knoten Strömungsgeschwindigkeit, praktisch keine Sicht und haushohe Frachtschiffe, die das Wasser aufwühlen. Nichts scheint diese Seeungeheuer aufhalten zu können. Diesmal hat Monique Muffensausen: Ängstlich bleibt sie drinnen im Warmen. Ich muss kaltblütig bleiben, damit wir gesund und unversehrt ankommen. Das Manöver ist heikel, aber in Panik zu geraten bringt nichts und hindert am Denken.

25.7.

Ich habe alles gekauft, was ich für die große Kälte brauche: einen Mantel, einen Schlafsack für Temperaturen bis –40 °C, Skier, Handschuhe, Mütze, Kocher, Merinounterwäsche usw. Ich bin bereit, den arktischen Polarkreis zu überqueren.

SAINT-PIERRE UND MIQUELON

Nach einigen Tagen wohlverdienter Ruhe haben wir die Leinen losgemacht. YVINEC gleitet sanft auf unser neues Ziel zu: Saint-Pierre und Miquelon.

3.8.

Seit Halifax unter Spinnaker segelnd, lief bis Saint- Pierre alles perfekt. Keinerlei Regulierung war nötig, nichts. YVINEC sauste, vom Wind getrieben, ganz ruhig dahin. Saint-Pierre und Miquelon ist nicht nur das einzige französische Gebiet im Nordatlantik, sondern auch das älteste – und mit seinen 242 Quadratkilometern eines der kleinsten. Die schöne, wilde Natur, die vor den Eingriffen des Menschen geschützt ist, erinnert mich an »meine« Bretagne. Hier dreht sich praktisch alles um die Fischerei. Die bunten Holzhäuser sind ein Ebenbild ihrer Bewohner: fröhlich, herzlich, gastlich.

13.8.

Wir müssen schon wieder los: Wie bei jedem Zwischenstopp fällt die Trennung schwer. Die Laderäume von YVINEC sind mit Nahrungsmitteln vollgestopft. Ich bin gerührt und verlegen ob der Großzügigkeit, die die Bewohner mir erwiesen haben. Ich betrachte die Krümmung des Horizonts. Gletscher, Bären und Polarlichter erwarten mich.



Home! Auf der kleinen französischen Insel fühlt Monique sich wie zu Hause.


Gute Gesellschaft: Wale gesellen sich zu uns und schließen sich uns an.


Je höher die Breitengrade, umso stürmischer wird es. Ich bin am Bug, um die Segel zu richten, als eiskaltes Wasser sich über mich ergießt und bis auf die Haut durchnässt.

AUF NACH GRÖNLAND!

Je höher die Breitengrade, umso stürmischer wird es. Ein Tief kommt direkt auf uns zu. Ich bin am Bug, um die Segel zu richten, als eiskaltes Wasser sich über mich ergießt und bis auf die Haut durchnässt. Das Windrad dreht sich im Sturm wie verrückt. Umso besser. Es sorgt dafür, dass ich Strom an Bord habe, autonom bin. Das Sonnenlicht wird zusehends spärlicher, und die Nächte werden länger. Auf die Sonnenkollektoren kann ich nicht länger bauen.

18.8.

Der Wecker klingelt. Ich lasse mich alle 30 Minuten wecken, um die Segel zu überprüfen, den Kurs zu überwachen und zu checken, ob in der Nähe andere Schiffe kreuzen. Man nennt das Wache halten. Mein Körper hat sich schnell daran gewöhnt, ich bin kein großer Schläfer. In dieser Nacht ist alles klar. Kein Schiff. Die Luft ist kühl.

19.8.

Wir kommen hervorragend voran. Die Nächte unter dem mit Sternen übersäten Himmel sind schön. An diesem Abend ist es anders: Polarlichter tanzen am Himmel. Eine neue Premiere für mich. Ich kenne die rationale Erklärung für dieses Phänomen, werde aber von der Magie des Augenblicks davongetragen.

20.8.

Gestern ist der Süßwassertank ausgelaufen. Glücklicherweise habe ich noch Flaschen mit Mineralwasser. Ich werde mich einschränken und mit Salzwasser kochen müssen. Eine bittere – oder sollte ich lieber sagen »gesalzene«? – Erfahrung, wie ich beim Mittagessen feststellen durfte. Wie dem auch sei, es ist wirklich nicht toll.


Polarlichter tanzen am Himmel. Ich lasse mich von der Magie des Augenblicks davontragen.

23.8.

Plötzlich taucht er vor mir auf: mein erster Eisberg. Ich mag meinen Augen gar nicht trauen. Ein Berg aus Eis, mit 1.000 Facetten von Blau und Grün, gebieterisch zwischen Himmel und Wasser aufragend. Ich habe so sehr darauf gewartet. Künftig muss ich doppelt vorsichtig sein; Eisberge und Growler (Eisschollen) werden in diesen Gewässern immer zahlreicher. Eine Kollision könnte fatal sein. Wenn alles gut geht, müssten wir Grönland von hier aus in zwei oder drei Tagen erreichen.




ETAPPE
05
GRÖNLAND


1.395 MEILEN


239 TAGE


262 EIER


60° 43’ NORD, 46° 2’ WEST
GRÖNLAND

Nach etwa zehn Tagen voller Missgeschicke, aber auch Momente voller Staunen, sind wir jetzt in Grönland. Unser nächstes Ziel: überwintern.

25.8.2015

Soeben haben wir in Qaqortoq angelegt, einer der größten Städte im Süden Grönlands. Ich hatte befürchtet, dass Monique bei der Einreise Probleme verursachen würde, aber dieses eine Mal gibt es keinerlei behördliche Einreiseformalitäten.

Mit seinen zwei Millionen Quadratkilometer Fläche ist Grönland die größte Insel der Welt (wenn man Australien nicht als Insel betrachtet), paradoxerweise aber auch die bevölkerungsärmste Region des Planeten (ca. 60.000 Einwohner). Nur ein paar Dörfer säumen die Küste; der größte Teil der Insel ist zu einer dicken Eiskappe gefroren: dem Eisschild.



26.8.

Die kleinen bunten Holzhäuser, mit denen der Ort übersät ist, verleihen ihm ein fröhliches Aussehen und erinnern ein wenig an Spielzeug. Früher waren die Behausungen einfacher: Grassodenhäuser, Zelte oder Iglus, je nach Jahreszeit. Im Lauf von fast 4.000 Jahren haben sich die Inuit perfekt an diese extreme, vom Eis geprägte Landschaft angepasst.

Als 1721 dänische Missionare auftauchten, veränderten sich die Behausungen. Aus Skandinavien wurden zunehmend kleine, bunte Hütten aus Holz als Fertigbausätze importiert.

Traditionell war die Hausfarbe ein Hinweis auf die Funktion des Gebäudes: Geschäftshäuser waren rot, Krankenhäuser gelb, Polizeiposten schwarz und Fischfabriken blau.

Heute ist Grönland ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark und ein mit der Europäischen Union assoziiertes überseeisches Land. Die lebhaften Farben der Häuser sind nur noch fröhliche Relikte der Vergangenheit.

27.8.

Mit dem Ziel, uns im Oktober so weit nördlich wie möglich vom Eis einschließen zu lassen, brechen wir in Richtung der Hauptstadt Nuuk auf.

Die Szenerie auf See ist märchenhaft. Die Berge sind steil und felsig. Ihre Gipfel sind mit Schnee bedeckt, ihre Flanken von der Kälte wie verbrannt. Es gibt keinen Baum weit und breit, nur eine feine Schicht Moos bedeckt die Ebenen.

Wir setzen unseren Weg zwischen Tausenden kleiner Inseln durch sehr schmale Fjorde fort. Die Untiefen sind schlecht kartografiert. Ich muss auf Sicht navigieren, die Augen auf das Radar fixiert. Manchmal tauchen zwischen zwei Bergen feine Sandstrände auf. Morgen werden wir Ivittuut erreichen.



28.8.

Dieser Zwischenstopp in Ivittuut ist, gelinde gesagt, verwirrend. Der Himmel hängt tief, die Luft ist feucht, beim Einlaufen begrüßt uns ein gräulicher Nebel. Beim Anlegen betrachte ich aufmerksam die Küste, voller Freude, mich einem neuen Ort zu nähern. Doch von Weitem sieht das Dorf aus, als hätte man auf die Pausetaste gedrückt. Als ich festen Boden unter den Füßen habe, begreife ich schnell, dass hier niemand ist, keine Menschenseele. Türen und Fenster der Häuser sind vernagelt, Tiergerippe und Walknochen liegen verstreut in den Straßen.

30.8.

Nachdem wir mehrere Stunden lang »Auf der Suche nach der verlorenen Stadt« gespielt haben, machen wir uns wieder auf den Weg. Später erfahre ich, dass der Ort nach der Schließung seiner Kryolithmine im Jahr 1987 sukzessive aufgegeben wurde.

Wir übernachten jeden Tag an einem neuen Ankerplatz, ganz allein auf der Welt, mit dem Blick auf dieses Land, das mich fasziniert und unwiderstehlich anzieht.

Wir fischen unseren ersten wilden Lachs. Monique lässt es sich schmecken. Diese Henne ist zweifellos wie für mich gemacht. Es ist gut, autark zu leben, sich von dem zu ernähren, was die Natur um uns herum uns gibt. Wir wollen nicht zu viel zu nehmen, manchmal nicht einmal genug, bloß das Notwendige. Ein selbst gefangener Fisch ist einfach großartig. Das Verlangen veredelt sein Aroma, das Warten seinen Geschmack, und die Energie, die man aufwendet, um ihn zu fangen, verleiht ihm die richtige Würze.

Gestern haben wir in Paamiut angelegt, um uns auszuruhen. Gleich werden wir ablegen.


Fast wie in der Bretagne ...

6.9.

Wir steuern unter einem rosafarbenen Himmel, unter dem sich die Atemfontänen von Walen und ein paar kleine Robbenköpfe erahnen lassen, direkt nach Norden. Diese letzten Monate auf See haben meine Beobachtungsgabe verfeinert, meinen Blick geschärft. Ich suche das Meer nach Hindernissen, einem Tier oder einer Landschaft ab, die mich zum Träumen bringen könnte.

7.9.

Gestern sind wir am späten Abend in Qeqertarsuatsiaat angekommen. (Ja, ein unaussprechliches Wort, bei dem man oft zweimal ansetzen muss.)

Nach dem Besuch dieses 200-Seelen-Dorfs legen wir ab in Richtung Nuuk, der Hauptstadt. Das Navigieren ist unangenehm, der Wind stark, und die von vorn kommende Strömung bremst uns. Wir schlüpfen zwischen Tausenden kleinen Inseln hindurch, um dem Seegang auf dem offenen Meer auszuweichen. Wenngleich gefährlich, sind die Nächte spektakulär und voller Leuchten. Polarlichter blitzen am Himmel auf. Er ist so grün wie das fluoreszierende Plankton im Kielwasser des Boots. Surreal.

10.9.

Ich bin wie gebannt von den Eisbergen. Es gibt sie in allen Formen und Farben. Tausende von Tröpfchen strömen von ihnen herab und landen im Wasser. Sanft schmelzen sie unter der Sonne. Kein Laut ist zu hören. Ich fahre näher heran, um ein Foto zu machen.

Dann lasse ich YVINEC sozusagen im Schlepptau eines Eisbergs, indem ich sie vorn an ihm festmache. Ein großer Fehler. Zunächst unbekümmert, klettere ich ins Beiboot und fahre davon. Mein Foto wird großartig werden. Aus der Ferne schieße ich Bilder. Doch plötzlich verändert der Eisberg sein Aussehen, und das Wasser beginnt zu brodeln. Durch das Segelboot aus dem Gleichgewicht gebracht, neigt sich der Eiskoloss gefährlich zur Seite und zieht YVINEC mit sich fort. Mein Boot steckt seine Nase in brodelndes Wasser, sein Heck wird nach oben geschleudert. So schnell wie möglich kehre ich an Bord zurück. Zum Glück habe ich ein Messer in der Tasche, mit dem ich das Seil durchschneide und YVINEC befreie. Mit ohrenbetäubendem Lärm klatscht sie zurück aufs Wasser. Wir haben kaum Zeit, uns aus dem Staub zu machen, als der Eisberg buchstäblich untergeht. YVINEC schlingert in den Wellen. Einige Augenblicke später taucht der Eisberg in einer Wasserkaskade wieder auf. Er hat jetzt eine andere Form. Der Teil, der vorher unter Wasser war, ist jetzt im Freien, an der Luft. Er wirkt glasartig, ganz anders als die anderen Eisberge. Er gleicht einem Rohdiamanten, einem blauen Diamanten. Unglaublich und fantastisch.

Ich konnte ein Unglück vermeiden, und das Archimedische Prinzip ist bestätigt. In Zukunft werde ich auf Distanz bleiben.


Wir verlassen Paamiut im ersten Tageslicht des 5.9. Die Sonne hat den Himmel glutrot gefärbt.

NOTIZ AN MICH SELBST: DIE EISBERGE KENTERN: NIEMALS ZU NAH HERANFAHREN!

DIE ZIVILISATION / 11.9.

Am 11. September um 6:30 Uhr erreichen wir Nuuk. 16.000 Einwohner, für eine Hauptstadt ist das wenig. Dennoch gibt es Hochhäuser, Autos, Bars und Restaurants. Nach all den Wochen der Stille fühle ich mich ein bisschen verloren. Aber ich nutze die Gelegenheit: Ich gehe aus, berausche mich an der Gesellschaft anderer Menschen, bevor ich mich über Winter für viele Monate in die ersehnte Einsamkeit begebe.


STURMWARNUNG / 13.9.

Wir sind in Richtung Ilulissat unterwegs. Laut Vorhersage zieht ein Tief aus südlicher Richtung herauf. Das Boot flitzt in Rekordgeschwindigkeit über die Wellen. Der Augenblick ist magisch, wir fliegen im wahrsten Sinne des Wortes. Es sind die höchsten Wellen, die ich je gesehen habe. Die Brecher ergießen sich bis ins Cockpit, das sich in ein Meerwasserschwimmbecken verwandelt hat. Der Wind weht mit 60 Knoten, die Lufttemperatur beträgt 3 °C. YVINEC, deren Durchschnittsgeschwindigkeit sonst bei 5 Knoten liegt, rast mit mehr als 12, manchmal 16 Knoten dahin. Ich spüre meine Finger nicht mehr: Meine Hände kleben am Ruder. Ich bin eins mit meinem Boot, richte den Blick aufs offene Meer. Wir müssen schnell weg von der Küste und den zahlreichen Untiefen in der Nähe, damit wir am Ende nicht von den Felsen aufgespießt werden. Ich muss jede Woge voraussehen und das Boot rechtwinklig dazu ausrichten, damit es nicht kentert. YVINEC krängt, aber sie kippt nicht um und fährt weiter. Der Sturm dauert insgesamt 13 Stunden.

15.9.

Der gestrige Sturm hat meinen Motor zerstört. Die Leistung sinkt, dann gibt er den Geist komplett auf. Beim Auseinandernehmen stelle ich fest, dass er voller Wasser ist. Ich fahre jetzt unter Segel, YVINEC lässt sich kaum manövrieren. Doch ich muss präzise steuern, neben uns ragen majestätische Eisberge auf. Die geringste Kollision wäre fatal, denn das Eis ist hart wie Stein. Angst habe ich nicht, denn die Szenerie ist berückend, fast beruhigend. Wir sind ganz in der Nähe des Jakobshavn-Gletschers, eines der größten Gletscher der Welt, der von der UNESCO als Weltnaturerbe eingestuft wurde. Pro Jahr lösen sich von ihm Eisberge mit einem Gesamtgewicht von etwa 35 Milliarden Tonnen ab, das sind sechs bis zehn Prozent der gesamten Eismasse, die in der nördlichen Hemisphäre freigesetzt wird. Das macht die Diskobucht zu einem der atemberaubendsten Orte des Planeten.


ILULISSAT / 30.9.

In einem Meer von Farben kommen wir in Ilulissat an. Da ich ohne Motorkraft fahre, muss ich YVINEC mit dem kleinen Beiboot in den Hafen »stupsen«. Den Motor zu reparieren wird sicher kein Kinderspiel. Ich muss Ersatzteile in Belgien bestellen und habe keine Ahnung, wann sie eintreffen werden.

Während ich auf die Ankunft der Ersatzteile warte, stelle ich den Rest meiner Ausrüstung zusammen. Ich kaufe vor allem Kanister und Fässer für Diesel, damit ich während der Überwinterung heizen kann: sechs Fässer à 200 Liter, 15 Kanister à 60 Liter und 12 Kanister à 20 Liter. In Ilulissat gibt es mehr Schlittenhunde als Einwohner. Trotzdem ist es die touristischste Stadt Grönlands. Die prachtvollen Eisberge, die in die Diskobucht treiben, ziehen Neugierige aus aller Welt an. In den kleinen, pittoresken Häusern stechen die Souvenirshops ins Auge ..., aber ich bin auf der Suche nach mehr wilder Urtümlichkeit. Ich möchte noch weiter nach Norden, noch weiter weg.

16.10.

Nach über einem Monat ist der Motor endlich repariert. Karl, der Mechaniker, hat sein Möglichstes getan, um uns zu helfen. Jetzt heißt es nur noch auf gutes Wetter warten, bevor es wieder in Richtung Norden hinaus aufs Meer geht. Es ist höchste Zeit: Die Temperaturen fallen, und die Tage werden kürzer.

18.10.

Wir sind heute Morgen um 7 Uhr aufgebrochen. Die Nacht ist eisig, die Leinen sind gefroren, das Deck ist mit Schnee bedeckt und das Ruderblatt festgefroren. Ich musste mit einem hölzernen tuuq (einer Art Klinge mit langem Griff) minutenlang darauf herumschlagen, um es freizubekommen.

Die Ausfahrt aus dem Hafen erfordert akrobatische Manöver. Das Wasser ist vereist, und Eisberge blockieren den Weg. Nach einem dreistündigen Kampf mit sechs Kehrtwendungen bahnt sich YVINEC schließlich einen Weg ins offene Meer.

Von einem Ort zum anderen gelangt man hier nur übers Meer oder durch die Luft. Es gibt keine Straßen: Gletscher und Fjorde machen den Bau von Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern unmöglich.

Wir steuern jetzt bei 10 Knoten Südwind im Zickzack zwischen den Eisriesen hindurch. Die Außentemperatur beträgt –12 °C. Mit dem Steuern scheint es schwierig zu werden. Ich werde ununterbrochen am Ruder bleiben müssen, um den zahlreichen Eisschollen auszuweichen. Auf den Autopiloten, der seit unserer Ankunft auf Grönland nicht mehr funktioniert, kann ich nicht zählen. Wir sind so nahe am Nordpol, dass der Kompass buchstäblich vollkommen durchdreht ...

REGEL NUMMER 1: NIEMALS DIE HOFFNUNG VERLIEREN!


20.10.

Wir kommen ebenso langsam wie schlecht voran. Die Sicht ist schlecht, und die Eisberge vor uns zwingen uns zu zahllosen Umwegen. Heute haben wir nur 20 Meilen geschafft.

Bei –20 °C ist alles auf dem Schiff komplett gefroren. Das Deck ist so glatt wie eine Eisbahn, und die Leinen so hart wie Holz. Damit ich sie benutzen kann, muss ich sie kesselweise mit kochendem Wasser aufweichen.

Darmowy fragment się skończył.

104,80 zł
Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
12 grudnia 2025
Objętość:
252 str. 204 ilustracji
ISBN:
9783667121677
Tłumacz:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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