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Czcionka:



Best of Interior 2021

DIE 50 SCHÖNSTEN WOHNKONZEPTE

GUIDO HEINZ FRINKEN

UTE LAATZ


INHALT
Best of Interior

VORWORT

Guido Heinz Frinken

EINLEITUNG

Ute Laatz

JURY

Die „Best of Interior“-Jury 2021

UNSERE PARTNER

1. PREIS


Out of the Box gedacht

ESTER BRUZKUS

ARCHITEKTEN

Berlin

ANERKENNUNGEN


Ein Haus wie gemalt

MOSER UND HAGER ARCHITEKTEN

Linz

Asketische Opulenz

STUDIO RAZAVI ARCHITECTURE

Lyon

Historisch fundiert

ARCH. DANIEL ELLECOSTA

Brixen

Wie ein Maßanzug

FABIAN FREYTAG STUDIO

Berlin

Berliner Moderne

STUDIO OINK

Berlin

AUSGEZEICHNETE PROJEKTE


Eine Bühne für die Kunst

CHRISTINE MONES ARCHITEKTUR

München

Klotzen statt Kleckern

RAUMKONTOR

Düsseldorf

Aus zwei mach eins

BRÄUNLIN · KOLB · SCHÄLICKE MIT ATELIER RAUMFRAGEN

Berlin

Hanseatisch expressiv

EMMA B. HOME

Hamburg

Blaue Linie

DMA DECKERTMESTERARCHITEKTEN

Berlin

Neues Maß angelegt

DIA – DESIGN IN ARCHITEKTUR

Darmstadt

Mit Stil, Charme und Glamour

CHRISTINE MONES ARCHITEKTUR

München

Fit für die Zukunft

BÜRO PHILIPP MÖLLER

Rosenheim

In neuem Licht

RAUM + INHALT DIRK WEBER

Fulda

Botschaft des guten Geschmacks

ARNOLD/WERNER ARCHITEKTEN

München

Gestaltung mit Weitblick

DIA – DESIGN IN ARCHITEKTUR

Darmstadt

Respektvolle Zeitreise

BINNBERG ARCHITEKTURENTWICKLUNG

München

Ansprechend anders

ROOOM.BIZ

Düsseldorf

Erholung in Sandtönen

SUSANNE KAISER ARCHITEKTUR & INTERIOR DESIGN

Usedom

Zuhause mit einladendem Hotel-Flair

MINTERIOR INNENARCHITEKTUR, DESIGN UND KONZEPTION

Heilbronn

Gefällig ausgefallen

FOCUS EINRICHTUNGEN

München

Chalet goes Loft

ATELIER USHITAMBORRIELLO

Celerina

Lady-Loft

JUNG & KLEMKE

Frankfurt

Urlaub im Fachwerk

HAACKE INNENARCHITEKTEN & DESIGNER

Herdecke

Wohnliche Weite

REIMANN ARCHITECURE

München

Palazzo Veneziano – junges Leben hinter alten Mauern

SISSII ARCHITEKTUR

Venedig

Hüttenzauber der besonderen Art

BÜRO VOIGT

Erzgebirge

Filmreife Kulisse

ANDRIN SCHWEIZER COMPANY

New York

Zeit für etwas Neues

GABRIELE KEMPF INNENARCHITEKTUR

Frankfurt

Luftige Höhen

MAIOMAIO ARCHITEKTEN

Chiemgau

In aller Stille

STUDIO OINK

Frankfurt

Neue Farbe im Leben

JULIA KORZILIUS FINE INTERIORS

Hamburg

Strahlendes Nordlicht

BLOCHER PARTNERS

Oldenburg

Konzentrierte Schlichtheit

DESTILAT DESIGN STUDIO

Wien

Purismus unter Palmen

HOLZRAUSCH PLANUNG UND WERKSTÄTTEN

Miami

London calling

EHAM

London

Offenes Haus

STUDIOHANSEN

Berlin

Wohnwelt aus einem Guss

BRITTA WEISSER INNENARCHITEKTIN

München

Zeitreise ins Jetzt

BLOCHER PARTNERS

Süddeutschland

Ort der inneren Ruhe

SANDRA BERGER

Regensburg

Amerikanische Großzügigkeitt

IAM INTERIOR.ARCHITECTS.MUNICH

München

Das große Ganze im Blick

CY ARCHITECTURE

Wien

Villa mit Wau-Effekt

GESTALTUNG VON RAUM UND GEGENSTAND

München

Bühne für viel Tageslicht

THOMAS BIEBER INNENARCHITEKTEN

Würzburg

Bloß nicht zu gediegen

VON SAVIGNY INTERIOR

Bei Frankfurt

Begrenzt, nicht beengt

SOPHIEGREEN INTERIOR ARCHITECTURE

München

Beste Hanglage

STUDIO LOT

Landshut

Urlaub in der Hauptstadt

JULIA KORZILIUS FINE INTERIORS

Berlin

Kochen im Flur

STRATEGY & SPACE

Berlin

Lösungen des Jahres

Adressen

Impressum

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EIN VORWORT VON
Guido Heinz Frinken

Der französische Philosoph Gaston Bachelard nannte den bewohnten Raum „das Nicht-Ich, das das Ich schützt“. Seine Beobachtung ist wahrer denn je in einer Zeit, in der für die meisten von uns das eigene Zuhause der sicherste Ort ist. Die Innenräume unserer Häuser schützen uns nicht nur, sie manifestieren auch unsere Bedürfnisse und Wünsche. Ein komfortabler, polyvalenter Raum ist essenziell geworden, da Aspekte unseres Lebens, die sich früher woanders abspielten, wie Arbeit, Schule und Sport, nun ihren Platz in unseren Wohnräumen finden müssen.

Zu viel Zeit zu Hause zu verbringen, erstickt jedoch die Fantasie. Als Designer bin ich es gewohnt, meine Inspiration von verschiedenen Menschen und Orten zu bekommen. Aber was soll man in einem Jahr tun, in dem Treffen entmutigt und Reisen verboten sind? Für mich besteht die Antwort darin, meine Vergangenheit und meine Fantasie zu erforschen, um Räume zu entwerfen, die ein Gefühl von zu Hause vermitteln, aber auch Raum zum Träumen bieten.

„Best of Interior 2021“ ist voll von solchen onirischen Orten. Die besten Innenarchitekten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben auf diesen Seiten eine wahre Stadt der Träume geschaffen. Die Visionen der einzelnen Teams laden uns dazu ein, uns selbst an einem erstaunlichen Ort vorzustellen. Die besten Entwürfe in diesem Buch sind diejenigen, die sowohl ein Gefühl der Sehnsucht als auch der Zugehörigkeit hervorrufen und uns dazu bringen, dort sein zu wollen. Diese erstaunlichen Dekore animieren uns, unsere eigenen Wohnräume durch die Türen der Fantasie zu verlassen.

In einer Zeit der Einschränkung geht es beim Stil darum, Grenzen zu überwinden. Das zeitgenössische Design mischt Zeitperioden, Kulturen und Farben, um den Eklektizismus und die Helligkeit der Welt nach innen zu tragen. Die besten Designer reagieren auf das, was in der Welt vor sich geht, lassen sich aber nicht von ihr einschränken. Der belgische Modezar Raf Simons sagte: „Ich möchte keine Kleidung zeigen, sondern meine Einstellung, meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich benutze Erinnerungen und Zukunftsvisionen und versuche, sie in der heutigen Welt zu platzieren.“ Die Jury von „Best of Interior“ nimmt sich diesen Gedanken zu Herzen, weshalb die in diesem Buch vorgestellten Räume nicht nur ästhetisch sind, sondern auch die Sichtweise ihrer Schöpfer klar offenbaren.

Gutes Interieur-Design beschäftigt sich nicht nur mit Innenräumen. Da die Auswirkungen unseres Lebensstils auf den Planeten immer offensichtlicher werden, ist es unverantwortlich, über Wohnräume nachzudenken, ohne deren Einfluss auf die natürliche Umgebung zu berücksichtigen. Das „Klick und schon ist es da“-Einkaufserlebnis, an das wir uns gewöhnt haben, lässt uns leicht vergessen, dass jede einzelne Sache, die wir in unser Zuhause bringen, einen Preis hat, unabhängig davon, wie viel Geld sie tatsächlich kostet. Die Ressourcen, die Arbeit und der Transport, die in den Produkten stecken, mit denen wir dekorieren, sind vielleicht nicht offensichtlich, aber sie kosten den Planeten oft mehr als das, was wir für die Dinge bezahlen. Als Designer müssen wir diese Fast-Fashion-Wirtschaft herausfordern, indem wir recyceln, lokal einkaufen und uns um die Herkunft der Materialien kümmern, die wir verwenden. Ich habe das Glück, in Berlin zu leben, das sich manchmal wie der größte und fantastischste Trödelmarkt der Welt anfühlt. Die anachronistische Präsenz der Objekte, denen ich begegne, lehrt mich etwas über die Vergangenheit und Gegenwart der Stadt. Ich baue oft alte Dinge in die von mir entworfenen Innenräume ein, um ein Gefühl für den Ort zu schaffen, aber auch um die Auswirkungen auf den Planeten zu reduzieren. Indem ich alte Objekte an ihre neue Verwendung anpasse, enthülle und erneuere ich ihren Wert und entkomme den Fallen von Nostalgie und Pastiche.

Gleichzeitig wäre es unaufrichtig, die Folgen der Globalisierung und ihren großen Einfluss auf das Design zu ignorieren. Vor 50 Jahren waren Objekte aus anderen Kulturen viel schwieriger zu bekommen, und deshalb waren diejenigen, die in der Nähe der Heimat hergestellt wurden, häufig teurer als heutzutage. Heute liegt uns die Welt zu Füßen, sowohl im übertragenen als auch – leider – im wörtlichen Sinne. Designer, die neue Räume schaffen, müssen Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Welt übernehmen, sowohl die positiven als auch die negativen.

Kulturelle Durchmischung – ob im Design oder im restlichen Leben – erweitert unseren Horizont. Der inspirierende Blick in andere Länder ist eines der großen Privilegien unserer Zeit und hat echte Innovationen in unserer Lebensweise ermöglicht. Leider führt der ausschweifende Impuls oft dazu, dass wir unser Erbe ablehnen und, was noch wichtiger ist, die lokalen Ressourcen ignorieren. Designer haben eine Verantwortung, die Künstler und Unternehmen in ihrer Umgebung zu unterstützen, auch wenn es einfacher und billiger ist, im Ausland produzierte Ware zu beziehen. Wenn das beste Design im Dialog mit seiner Umgebung steht, dann dürfen die besten Designer nicht vergessen, die Kreativität im eigenen Land zu fördern.

Wenn es eine Sache gibt, die mich an der generellen Präsentation der Projekte überrascht, dann ist es das Fehlen von Anzeichen von menschlichen Bewohnern. Jeder Raum ist atemberaubend perfekt. Aber wie würden sie aussehen, fünf Minuten nachdem jemand sie betreten hat? Wenn eine lässig auf die Couch geworfene Jacke oder ein unordentlicher Schreibtisch das Gleichgewicht des Raumes stört, ist der Raum dann dafür gedacht, bewohnt zu werden?

„Muckelig“ ist eine der Qualitäten, die ich in meinen eigenen Designs zu kultivieren versuche, aber nicht mit dem Ziel, niedlich zu sein. Ich möchte, dass sich die Menschen in den Räumen, die ich gestalte, zu Hause fühlen, und für mich ist Zuhause ein warmes, flauschiges Gefühl. Nach einem Jahr, das wir in Innenräumen verbracht haben, täten Designer gut daran, diesem Gefühl mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auch wenn wir alle von unberührten Räumen träumen, die uns die Realität vergessen lassen, sollten diejenigen, die uns zum Träumen verleiten wollen, uns zumindest die Möglichkeit geben, uns auszumalen, wie wir dort leben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Designer im kommenden Jahr weniger Angst vor der Gemütlichkeit haben werden. Ihre persönlichen Erfahrungen bringen sie unweigerlich dazu, das Konzept von Zuhause als Ausdruck und Schutz unseres inneren Selbst in all seiner unordentlichen menschlichen Pracht neu zu überdenken.

Viel Freude mit dem Buch!



Aus dem Vollen geschöpft

WOHNEN IST AUCH 2021 DAS ERFOLGSMODELL IN EINER UNSICHEREN GEMENGELAGE. DENN DIE EIGENEN VIER WÄNDE BIETEN NICHT NUR SICHERHEIT, SONDERN AUCH JEDE MENGE RAUM FÜR PERSÖNLICHE ENTFALTUNG. DIE PROJEKTE IN DIESEM BUCH LIEFERN DAZU KREATIVE IDEEN, WIE AUF MAL KLEINERER, MAL GRÖSSERER FLÄCHE DEM WAHREN LEBEN DER BODEN BEREITET WIRD

Ute Laatz

Natürlich bin ich als Autorin befangen, nicht objektiv und ganz sicher auch parteiisch: Aber Innenarchitektur scheint für mich eine der attraktivsten Professionen überhaupt zu sein. In die Wohnungen und Häuser fremder Menschen geladen zu werden, sich persönlich kennenzulernen, die Substanz des Vorhandenen zu analysieren und gleichzeitig schon die Fantasie spielen zu lassen, was alles werden könnte, stelle ich mir wie ein einziges wunderbares Spiel mit den Möglichkeiten vor. Und tatsächlich klang in den vielen geführten Telefonaten mit den kreativen Planern immer auch zuallererst bei der Erinnerung an das jeweilige Projekt die pure Begeisterung durch. Dabei erschienen die Herausforderungen und zu lösenden Probleme zum Teil immens. Wie dem quasi noch jungfräulichen und eher gesichtslosen Neubau einen ausgebildeten Charakter verleihen, ohne dabei fälschlich zu historisieren? Oder dem nach einstigen Vorstellungen erstellten Altbau-Grundriss zeitgemäße Modernität und Funktionalität abtrotzen, ohne die Vergangenheit zu verleugnen? Aber genau wie bei einer perfekt einstudierten Choreografie auf großer Theaterbühne ist am Ende von der Komplexität und Schwere der Aufgabe nichts mehr zu spüren. Alles fügt sich zu einem großen Ganzen, erscheint selbstverständlich und harmonisch. Und jeder Bruch wirkt wie gewollt – selbst wenn er wie die Einbeziehung von statisch notwendigen Trägern beispielsweise eher aus der Not und dem Erfahrungsschatz des Experten geboren war. Farben, ob leise Ton in Ton oder lautstark kontrastierend, Materialien, ob weiche, warme Texturen oder kühle, harte Oberflächen, sie alle entfalten erst im Zusammenspiel ihre grandiose Wirkung. Die Entscheidung, was „rein in die gute Stube“ darf, wird dabei oftmals vor der Tür getroffen. Denn das Draußen dient als Inspirationsquelle, die regionale Verortung liefert die Blaupause für eine authentische Atmosphäre von deutscher Nordseeküste über Südtirol bis New York City und vielen anderen Orten mehr. International waren die Inneneinrichter zum siebten Mal aufgerufen, ihre Projekte einzureichen, um sie einer Fachjury aus Architektur, Interior Design sowie auch der renommierten Wohnpresse zur Beurteilung vorzulegen. Das Ergebnis sind 50 so individuelle wie buchstäblich vorbildliche Einrichtungslösungen, die zum Schlüssellochgucken und Nachmachen, im Großen wie im Kleineren, einladen. Welcher Weg beschritten wurde und welche Überlegungen schließlich zum sichtbaren Erfolg geführt haben, erzählt dieses Buch.

Zum Staunen, Träumen sowie auch als konkreter Ideengeber und – wer weiß – vielleicht dient es ja auch als Kontaktbörse zu einem Interieur-Profi, der demnächst Ihr Zuhause mit frischem Blick betrachtet.

Die „Best of Interior“–Jury

SIE SCHAUEN AUS UNTERSCHIEDLICHEN PERSPEKTIVEN AUF DAS THEMA WOHNEN UND EINRICHTEN UND SIND SICH DOCH IN EINEM SOFORT EINIG GEWESEN: EIN GELUNGENES INTERIEUR IST MEHR ALS DIE SUMME AUS MÖBEL, BODENBELAG UND WANDFARBE. SIEBEN JURYMITGLIEDER HABEN MITEINANDER DISKUTIERT, ARGUMENTIERT UND AUS DER FÜLLE EINGEREICHTER PROJEKTE SCHLIESSLICH GEMEINSAM 50 KONZEPTE AUSGEWÄHLT, DIE SIE VOLL ÜBERZEUGT HABEN.

Dr. Fabian Peters

verantwortet als Chefredakteur des Fachmagazins BAUMEISTER die Themen Architektur, Planen, Baukonstruktion, nachhaltiges Bauen, Städtebau und Design.

BAUMEISTER.DE



Pia A. Döll

arbeitet als freischaffende Innenarchitektin und Architektin und ist seit 2019 Präsidentin des bdia.

BDIA.DE



Guido Heinz Frinken

sucht in seiner TV-Show „Haus des Jahres“ nach einem beeindruckenden Zuhause. Als Co-Autor nutzt er seine Expertise auch bei der Auswahl von „Best of Interior 2021“.

GUIDOFRINKEN.DE



Ute Laatz

ist freie Redakteurin im Bereich Wohnen, Mode und Lifestyle. Sie präsentiert als Expertin die ausgewählten Wohnkonzepte anschaulich und in persönlichen Geschichten.

UTELAATZ.DE



May-Britt-Frank-Grosse

vernetzt als Chefredakteurin der Plattform baunetz interior|design gestaltende wie herstellende AkteurInnen aus Innenarchitektur und Design.

BAUNETZ-ID.DE



Christina Gath

zeigt als Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins SCHÖNER WOHNEN Monat für Monat das Beste aus der Welt des Einrichtens.

SCHOENER-WOHNEN.DE



Stephan Vary

ist als Architekt und Gewinner von „Best of Interior 2020“ in diesem Jahr ebenfalls Teil der Jury.

LABVERT.COM


Unsere Partner


Der bdia bund deutscher innenarchitekten e. V. ist der größte und wichtigste Innenarchitektur-Verband in Deutschland. Seit über 60 Jahren fördert und festigt er den Berufsstand und die Berufsausübung der deutschen Innenarchitektinnen und Innenarchitekten.


Das Architekturmagazin BAUMEISTER blickt mit breiter Perspektive in die Welt der Architektur und beschäftigt sich nicht nur mit der Ästhetik, sondern auch mit den kulturellen, politischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der gebauten Umwelt.


SCHÖNER WOHNEN ist die führende deutsche Wohnzeitschrift mit Themen rund ums Wohnen, Einrichten, Bauen mit einer verkauften Auflage von rund 200.000 Exemplaren. Die Erstausgabe erschien im Januar 1960 im Verlag Gruner + Jahr.


BOLD heißt kühn, mutig und tapfer, wild, frech und gewagt. An diese Vision hält sich BOLD bei der Verwirklichung eines Designhotels, das die Hotelszene im günstigen Preissegment ein wenig aufmischen soll.


NEUHOFF NATURSTEINWERK gehört zu den ersten Adressen in Deutschland, wenn es um hochwertigen Innenausbau und stilvolle Außenanlagen mit Naturstein im In- und Ausland geht. Ob in den Werkstätten im unterfränkischen Schwanfeld oder im Showroom STEINSALON in München, Neuhoff zeichnet große Kompetenz, Fachwissen und Liebe zum Handwerk aus.


baunetz interior|design – das Magazin für Interior und Design ist Schnittstelle zwischen den Disziplinen, vereint journalistischen Content aus Innenarchitektur und Design und vermittelt zwischen den Protagonisten: Gestaltende wie herstellende AkteurInnen finden auf baunetz-id.de eine Plattform, die relevante Professionals vorstellt, listet und vernetzt. Die Redaktion widmet sich den spannendsten Interiorprojekten und Designfunden in zahlreichen Dossiers und Storys und stellt Menschen und ihre Inspiration in den Mittelpunkt.

1. Preis &
Anerkennungen


BEST OF INTERIOR AWARD 2021

• 1. PREIS •
Ester Bruzkus Architekten


EINE LAUDATIO VON

Christina Gath

Dürfen die einfachsten Ideen die besten sein? Beim Projekt The Green Box ohne Zweifel! Wer das 2020 fertiggestellte Penthouse mitten in Berlin betritt, sieht sich einer Wohnvision gegenüber, einem minimalistischen Werk voller Kontraste, mit mutigen Farb- und Materialkombinationen und einer ungewöhnlichen Raumdenke. So konsequent modern gestaltet, wie sich Interieurbegeisterte dies nur wünschen können. Der Grundgedanke des 120 Quadratmeter großen Apartments entspricht dem Farnsworth House Mies van der Rohes, einem Spiel aus Kern und Hülle, der Box in der Box und sich daraus fast natürlich ergebender Zonen. Auch bei The Green Box entstehen die Räume ganz ohne Trennwände. Wohnen, Kochen, Schlafen, Duschen – alles schmiegt sich wie selbstverständlich rund ums grüne Herz, in der Nuance mehr Frosch als Wald, so satt wie beruhigend und gleichzeitig vibrierend. Die zentrale Einheit aus lackiertem Holz beherbergt, was man zum Leben braucht. Bücher im Wohnzimmer, Lebensmittel im Küchenbereich, den Einbauschrank neben dem Bett. Elemente aus Marmor und violettem Quarzit sorgen optisch für Spannung. Was jedoch fast noch mehr erstaunt, ist die einladende Atmosphäre. Trotz kühler Betonwände und der Reduktion aufs Wesentliche wird kompromisslos luxuriöses Wohlfühlwohnen zelebriert. Ein großes Anliegen der Architekten war es, mit starken Kontrasten zu spielen. So flirten etwa im Bad Dinge miteinander, von denen man optische Zuneigung nicht gerade erwarten würde: roséfarbene Waschbecken mit schwarzem Stahl und fantastischem grünem Marmor. Ebenso im Wohnbereich mit üppiger Feuerstelle – hier geben rosa Travertin, Sierra-Ebru-Naturstein, Messing und feine Edelstahldetails dem Lackgrün der Box charmant Kontra. Langeweile kommt tatsächlich an keiner Ecke auf. Absolut unerwartet in seiner Verspieltheit ist das florale Headboard-Highlight hinter dem Bett, bezogen mit einem ikonischen Stoffdesign des Wiener Architekten Josef Frank, produziert von Svenskt Tenn Textilien. Dem Architektenteam gelingt diese Inszenierung aus cool und cozy nahezu perfekt. Bewundernswert auch der Aspekt, dass bei der Transformation konsequent auf den Einbau tierischer Produkte verzichtet wurde, da das Berliner Besitzerpaar vegan lebt. Der runde, handgeknüpfte Teppich vor dem Kamin ist etwa aus botanischer Seide. Bei so viel vorwärts gerichteter Kreativität bleibt nur noch Applaus. Dieses Penthouse pustet einem den Alltagsstaub von der Seele. Was wünscht man sich mehr als „Best of Interior 2021“? Herzlichen Glückwunsch an Ester Bruzkus und Peter Greenberg von Ester Bruzkus Architekten.

Out of the Box gedacht


ESTER BRUZKUS ARCHITEKTEN // BERLIN

„Um ein guter Designer zu sein, muss man auch ein guter Zuhörer sein“, stellt Peter Greenberg klar. Damit meint der Partner von Ester Bruzkus Architekten nicht allein die Aufgabe, die Wünsche und Vorstellungen des Auftraggebers im Gespräch zu erkunden, sondern auch, in das Gebäude „hineinzuhorchen“. Und dieses Apartment in einem noch nicht gänzlich fertiggestellten Neubau in Berlin verlangte laut und deutlich nach einer offenen, transparenten Lösung. Die beiden Architekten entschieden sich, die Fläche nicht obligatorisch mit Wänden zu gliedern, sondern dem Raum durch eine zentral platzierte Box Struktur zu geben. „Es ist eigentlich eine simple Idee und eine wirkungsvolle noch dazu“, stellt die Architektin Ester Bruzkus zufrieden über den starken Effekt, den der maßgefertigte Einbau innerhalb der Wände aus Glas und Beton hat, fest. Zu einer Seite nimmt er die Küche auf und öffnet sich den öffentlichen Bereichen der Wohnung und dem fantastischen Ausblick über die Stadt. Auf der anderen Seite liegt die Privatzone. An das integrierte Bad schließt sich das Schlafzimmer der Bewohner an. Das Paar pflegt einen veganen Lebensstil, den es bei der Ausgestaltung zu beachten galt. „So wurde der handgetuftete Teppich vor dem Kamin aus pflanzlicher Seide gefertigt“, erklärt Peter Greenberg die sensible Auswahl der Materialien, die zusammen mit subtiler Farbigkeit die Spannung zwischen kühl und warm erzeugen. Dass die Box ausgerechnet einen grünen Anstrich bekam, basiert auf reiner Intuition. „Wenn alle das eine erwarten, sollte man unbedingt das andere tun“, findet Ester Bruzkus. „Ich dachte mir, eine grüne Küche sei hier eine gute Idee“, sagt sie. Im Kontrast zu den vorhandenen rohen Betonwänden sorgt der satte Grünton für Wärme und ist zudem ein perfekter Sparringpartner für Violett, natürliche Brauntöne sowie Messing. Wie überaus modern das goldglänzende Metall wirken kann, stellt es in Kombination mit rosa Marmor und Travertin an der Kaminwand unter Beweis. Basis für die originelle Inszenierung bildet ein helles Eichenparkett, das – sozusagen als Vermittler zwischen den Bereichen, Materialien und Farben – den nötigen Konsens bietet. Wäre dieses Interieur eine Gesprächsrunde, hieße es wohl: Man spricht dieselbe Sprache. Gut zugehört, Team Bruzkus!


Details
THE GREEN BOX


Anzahl der Bewohner: 2 Personen

Wohnfläche: 120 qm

Gesamtfläche: 120 qm

Fertigstellung: 2020

„Gutes Design kombiniert rationale, logische Planungen mit verspielten Kontrasten von Materialien und Formen.“


ESTER BRUZKUS UND PETER GREENBERG

ESTER BRUZKUS ARCHITEKTEN




Der Wohnbereich dekliniert die Farbwelt des Ambientes. Dabei greift das Sofa den Messington des Kamins auf, das Rosa des Travertins spiegelt sich im Teppich.

Kamin Entwurf Ester Bruzkus Architekten, Realisation Kaminfabrik Hausmann Teppich „Rocktail“ Ferreira De Sá


Eine der Boxenwände beherbergt die Küche. Der grüne Naturstein greift für ein maximales Maß an Understatement das Grün der Lackierung auf.

Küche Entwurf Ester Bruzkus Architekten


Ein Detail, an dem man sich nicht sattsehen kann. Die feine Rillenstruktur der Schrankfronten bereichert das subtile Spiel mit Oberflächen.

Einbauschrank Entwurf Ester Bruzkus Architekten


Die äußere Hülle der Green Box dient zugleich als Hausbibliothek. Der kleine Abstand zur Decke macht das Konzept deutlich, den Raum als Ganzes wahrnehmen zu können.

Essstühle „Afteroom Dining“ Menu Leuchten PSLab Stuttgart


Am dem Eingang und Wohnraum gegenüberliegenden Ende hat man von der Terrasse einen einzigartigen Blick über Berlin. Semitransparente lange Vorhänge filtern das Licht.

Wandfarbe „Icons“ Caparol


Das Kopfteil des Bettes ist ein wahres Kunstwerk. Sein Bezugsstoff wurde nach einem Entwurf aus den 1940er-Jahren des Architekten Josef Frank gefertigt.

Stoff „Teheran“ Svensk Tenn


Ein Blick ins Badezimmer auf der rückwärtigen Seite der Box. Als grafisches Element dient hier der Kreis, der sich in Spiegel und den Türgriffen wiederholt.

Armaturen Vola Einbauschränke Entwurf Ester Bruzkus Architekten


Der Eingangsbereich hat sich mit Wänden und Decke aus Sichtbeton seine coole Anmutung bewahrt. Verspiegelte Flächen reflektieren das raumbestimmende Grün, der helle Eichenboden schafft Wohnlichkeit.


Bei aller formalen Schlichtheit kommt die Exklusivität nicht zu kurz. Dafür sorgt im Bad allein der marmorne Waschtisch.

• ANERKENNUNG •
Moser und Hager Architekten


EINE LAUDATIO VON

Stephan Vary

Der Saal mit seiner neobarocken Decke springt natürlich sofort ins Auge. Die behutsam restaurierte Decke lässt den Blick unweigerlich nach oben wandern, ja der Blick wird in den runden Vignetten gar überhöht, die malerisch die Perspektive in einen klar blauen Himmel ausweiten, auf dem heute wie vor 200 Jahren Schwalben ihre Kreise ziehen. Das hat etwas geradezu Feierlich-Sakrales: Der Raum an sich ist Luxus, nicht teure Möbel und Oberflächen. Was hier überzeugt, ist aber nicht allein der historische Bestand, sondern, wie es Anna Moser und Michael Hager gelungen ist, eine wechselseitige Beziehung zwischen dem alten Gebäude und modernem Interior Design aufzubauen. Das Haus ist kein Museum, sondern an die Bedürfnisse einer vierköpfigen Familie im 21. Jahrhundert angepasst. Alt und neu beeinflussen sich gegenseitig mit spielerischer Leichtigkeit. So entstehen gleichsam Kontraste und Harmonie, die sich durch die gesamte Wohnfläche ziehen und die das Resultat eines dynamischen Gestaltungsprozesses sind, bei dem sich das Architektenpaar von der fortschreitenden Renovierung leiten und inspirieren ließ. Moser und Hager selbst sprechen von einer Entdeckungsreise, auf die sie sich begeben haben. Dieser Entdeckergeist ist sehr präsent und verwandelt die Raumgestaltung in ein kartografisches Unterfangen, bei dem die vorgefundene Substanz als Landkarte dient, um den Kurs abzulesen. So tauchen etwa die Kreisformen der Deckenbemalung wieder im Design von Badezimmer- oder Küchenelementen auf. Eine derart symbiotische Formsprache wird zusätzlich verstärkt und akzentuiert, indem immer wieder Stellen unrenoviert gelassen wurden. Als Spuren der Zeit verweisen sie darauf, wie sehr Geschichte tatsächlich etwas mit Schichten zu tun hat, die es im wörtlichen Sinn freizulegen gilt, um sie sichtbar zu machen, obwohl sie immer schon da sind. So ist das Konzept zukunftsweisend, gerade weil es seine eigene Zeitlichkeit zu thematisieren weiß und vergangene Bauweisen würdigt, ohne dabei auf zeitgemäße Interventionen zu verzichten. Ich verbeuge mich und gratuliere Anna Moser und Michael Hager für dieses gelungene Projekt!

Ein Haus wie gemalt


MOSER UND HAGER ARCHITEKTEN // LINZ

Zentrum zahlreicher kleiner Dörfer, die sich wie Stecknadelköpfe auf der Landkarte Oberösterreichs verteilen, ist immer der Marktplatz, um den sich seit Jahrhunderten das Leben der kleinen Gemeinden gedreht hat. Allerdings ist dieser Zustand längst im Wandel, jüngere Leute wandern in die großen Städte ab und die schönen alten Häuser laufen Gefahr, langsam zu veröden. Höchste Zeit, die architektonischen Perlen zu entdecken und durch innovative Ideen zu neuem Leben zu erwecken. Auch diesem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert drohte das Schicksal, irgendwie nicht mehr in die Zeit zu passen. Aber zum Glück ist die nächste Generation der Gastwirte ein Architektenpaar, das in dem 100 Quadratmeter großen Wirtshaussaal und den angrenzenden Räumen in der ersten Etage Potenzial für ein modernes, zeitgemäßes Wohnprojekt für sich und seine beiden Kinder sah. „Was uns hier genau erwartete, wussten wir auch nicht, aber unsere Liebe zum Altbestand und die Lust an der Auffindung historischer Elemente hat uns regelrecht getrieben“, gibt Hausherrin Anna Moser unumwunden zu. Da diese Elemente unter unzähligen Schichten mehr oder weniger gelungener Renovierungsversuche verborgen lagen, haben sich Anna Moser und ihr Mann Michael Hager Hilfe von einem erfahrenen Restaurator geholt. „Er konnte uns die Geometrie der Saaldecke aus historischer Sicht erklären und Vermutungen anstellen, wo sich die ursprünglichen, jahrhundertealten Malereien, Deckengewölbe und Rundbögen befinden würden. Entsprechend sorgsam haben wir Putz abgetragen, um zu unserer eigenen großen Überraschung Kunstwerke wie die vor 200 Jahren gemalten Schwalben freizulegen“, erzählt die Architektin von der wochenlangen Baustelle. Inspiration holte sich das Bauherrenpaar von italienischen Palazzi, in denen natürliche Patina und sensible Renovierungseingriffe eine harmonische Balance eingehen. „Mir gefällt der Gedanke, dass die Spuren des Gebrauchs etwas Wertvolles sind“, sagt Anna Moser. Von denen wird es bald neue geben, denn der große Saal dient der Familie als Küche, Ess- und Wohnzimmer und Mittelpunkt eines lebhaften Miteinanders. Von Verödung also sicher keine Spur!


Details
M9


Anzahl der Bewohner: 4 Personen

Wohnfläche: 200 qm

Gesamtfläche: 700 qm

Fertigstellung: 2020

„Das Interieur ist unser Wohnexperiment, in dem wir viele Themen unserer Arbeit im persönlichen Umfeld testen können.“


ANNA MOSER UND MICHAEL HAGER

MOSER UND HAGER ARCHITEKTEN




Unter der historischen, authentisch wiederhergestellten Wirtshausdecke aus dem Neobarock findet heute modernes Familienleben statt. Inspiration für die roh belassenen Wände lieferten den Bauherren italienische Palazzi.

Sanierung durch Restaurator


Die frei in den Raum positionierte Küche greift mit ihrer roten Arbeitsplatte die Farbigkeit der historisch nachvollzogenen Deckenbemalung auf.


Der in die Wand eingelassene Schrank wird durch die aufgesetzte kreisrunde Front zur geometrischen Ergänzung für den kantigen Küchenblock.


Keine Angst vor Patina! Zu der bewusst unrenovierten Optik von Wänden und Holzdielen setzen Möbel wie die weiße Kommode einen modernen Kontrast. Die Spiegelwand verdoppelt den Effekt noch.

Kommode USM Haller


Durch die indirekte Beleuchtung hinter dem rahmenlos runden Spiegel entsteht ein fast mystisches Lichtspiel.

Spiegel Entwurf Moser und Hager, gefertigt von Tischlerei Haider, Sankt Agatha


Auch als Türblatt erzeugt ein auf Maß geschnittener Spiegel kuriose Trompe-l‘Œil-Effekte.

• ANERKENNUNG •
Studio Razavi Architecture


EINE LAUDATIO VON

Fabian Peters

Die kleine Wohnung mit ihrer imposanten Holzdecke und der historischen Kaminmaske in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert verlangte von den Architekten viel Fingerspitzengefühl.

Ein allzu forsches Herangehen an die Aufgabe hätte den Charakter und die stille Schönheit der Räume rasch zerstören können.

Andererseits wollten sich Planer und Bauherren nicht mit einem Eingriff zufriedengeben, der höchsten Wert darauf legt, nicht bemerkt zu werden. Das Studio Razavi beschloss, den Bogen zum Leitmotiv des Umbaus zu machen und sich damit auf eines der klassischen Architekturelemente zu besinnen. Das Ergebnis ist ein Interieur, das sich sehr geschickt in die aktuellen Strömungen der internationalen Architektur einreiht, ohne zu plagiieren oder die Form als modisches Accessoire den Räumlichkeiten überzustülpen. Die Bezugnahme auf de Chiricos „Pittura metafisica“, die die Architekten inspirierte, ist klar nachvollziehbar, auch wenn man zugleich an viele andere Vorbilder denken könnte – von der Frührenaissance bis zu Aldo Rossi.

Diese Formensprache wird gemeinsam mit dem frühneuzeitlichen Bestand zu einem erstaunlich harmonischen Ganzen.

Asketische Opulenz


STUDIO RAZAVI ARCHITECTURE // LYON

Lyon wird auch Paris des Südens genannt und genauso charmant ist die Stadt, die mit Rhône und Saône gleich zwei Flussufer hat. Darüber hinaus verfügt sie über eine Altstadt, die mit ihrer konservierten Architektur zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Renaissancebauten drängeln sich eng an eng, sodass nur noch schmale Gassen als Wege zwischen den Häusern bleiben, und oft dienen die Hausflure als versteckte Passagen in dem pittoresken Viertel. In einem dieser bunten Altbauten aus dem 16. Jahrhundert befindet sich im vierten Stock die Wohnung des jungen Wissenschaftlers, der das Pariser Architektenbüro Studio Razavi mit der Restaurierung und Einrichtung beauftragt hat. Alireza Razavi und sein Team waren beeindruckt von der Ursprünglichkeit der Räumlichkeit mit ihren zwei Kaminen, den über vier Meter hohen Decken mit starken Eichenbalken sowie der fast asketischen Purheit, die sie unbedingt beibehalten wollten. „So lautete auch unser Auftrag. Renovieren, was nötig, und bewahren, was möglich“, erzählt der Experte von der herausfordernden Aufgabe, die viel Gestaltungsspielraum, aber auch eine Verantwortung für den Umgang mit der historischen Substanz mit sich brachte. „Unser Bauherr ist Wissenschaftler und wir wollten eine Art introspektiven Raum schaffen. Einen Ort, an dem Reflexion und eine kreative Klausur möglich sind“, erläutert er die Reduktion auf wenige Materialien und eine limitierte Farbpalette mit zwei Grüntönen. Inspiration und gleichzeitig eine Vision für das gesamte Konzept lieferten dem Architekten die wiederkehrenden bogenförmigen Fassaden in Giorgio de Chiricos Werk und daraus entwickelte Rundungen und Kreise. Entweder auf die Wand gemalt oder als Schablone für Nischenausschnitte, in die Regale und der Einbauschrank gesetzt wurden, sowie sogar für die Heizungsverkleidung unter den Fenstern im Wohnraum wiederholt sich das Bogenelement in unterschiedlicher Größe und Form. Betont durch vertikale und horizontale Linien sowie angedeutete Stufen entsteht so eine fast surreale Kulisse. De Chirico lässt grüßen.


Details
APARTMENT XVII


Anzahl der Bewohner: 1 Person

Wohnfläche: 80 qm

Gesamtfläche: 80 qm

Fertigstellung: 2019

„Man kann aus nur einem Element und reduzierter Farbwie Materialpalette einen Raum ohne Verzicht kreieren.“


ALIREZA RAZAVI

STUDIO RAZAVI ARCHITECTURE




Das Element des Rundbogens wird für Raumdurchgänge, Einbauschrank, Regalnischen sowie die farbliche Wanddekoration eingesetzt. Die Deckenbalken sind original und jahrhundertealt.


Die urban schlichte, moderne Küchenzeile greift den für das Interieur gewählten Grünton auf. Fliesen in dunklerem Ton erzeugen den dynamischen Treppeneffekt. Der historische Kamin setzt einen raffinierten Kontrast dazu.


Ein Blick aus den Fenstern erinnert daran, dass das Apartment inmitten der engen Altstadtgassen liegt. Ohne Vorhänge bleibt die Sicht nach außen genauso wie hinein frei.


Alle Einbauten und Wandausschnitte sind von den Architekten geplant und wurden in Maßarbeit individuell für das Projekt gefertigt. Vorgesetzte und verputzte Wände machen den Effekt der Nischen möglich.


Bewusst grob verputzte Wände unterstreichen den authentischen Charme. Funktional minimalistische Möbel und Accessoires ordnen sich der Stimmung unter.


Fast klösterliche Ruhe strahlen die sich wiederholenden Bögen aus. Perfekt für einen kontemplativen Rückzugsort.

• ANERKENNUNG •
Arch. Daniel Ellecosta


EINE LAUDATIO VON

Pia A. Döll

Das Projekt Apartment Trattengasse überzeugte die Jury mit seiner scheinbaren Leichtigkeit. Alles wirkt so schwerelos und locker, dennoch ist die qualitätsvolle Planung klar erkennbar. Durch die geschickte Auswahl von Farben und Materialien wird in diesem Projekt das Regionale betont, aber gleichzeitig auch entstaubt und neu interpretiert. Eine normalerweise dunkle Altbauwohnung wird durch die Reduktion in der Verwendung von Möblierung und dort noch teilweise durch integrierte Beleuchtung in einzelnen Elementen in ein helles und freundliches Feriendomizil umgestaltet.

Besonders gefallen hat der Jury das Detail der Badenische. Hier sind die Idee, das fachliche Know-how des Planers und die Kompetenz des ausführenden Handwerks das, was ein solches Detail überhaupt möglich macht. Ein gelungener Außenbereich mit gemütlicher, windgeschützter Sitzecke schafft Innen-/Außenbezüge und rundet das Gesamtbild ab.

Beeindruckt hat die Konzentration auf das Wesentliche bei gleichzeitig sensiblem Umgang mit dem Bestand der eingeschossigen Ferienwohnung. Die regionale Handwerkskunst wurde hier gelungen verwendet, wo immer es möglich war.

Andere Elemente wurden puristisch und zeitgemäß ergänzt, um auch den Zeitgeist der Besitzer wirken zu lassen. Entstanden ist so ein kleines, feines Apartment mit Stil und Charme, das zum Wohnen in Brixen (Südtirol) einlädt.

Historisch fundiert


ARCH. DANIEL ELLECOSTA // BRIXEN

Geschichtsträchtig ist der Südtiroler Ort mit seinen kleinen Gassen, Barockbauten und als Wahrzeichen dem Dom in seiner Stadtmitte allemal. Und Brixen oder Bressanone, wie die italienisch sprechende Bevölkerung ihr Zuhause nennt, bietet zudem noch andere Höhenflüge, denn das Gemeindegebiet steigt bis auf 2450 Meter an. Mit verbrieften rund 300 Sonnentagen wurde den neuen Hausherren der Altbauwohnung schließlich das ultimative Argument für ein Feriendomizil in der Brixner Altstadt geliefert. „Die Trattengasse selbst, in der das dreigeschossige Haus liegt, bot uns die stilistische Vorlage für die Renovierung. Zurückhaltend, puristisch und im Einklang mit der Geschichte“, erzählt Daniel Ellecosta vom gleichnamigen Architekturbüro. Dem behutsamen Umgang mit der historischen Substanz folgend wurden die räumlichen Gegebenheiten aus Bad, Schlaf- und Wohnraum größtenteils beibehalten, aber den Bedürfnissen der Bewohner angepasst. Durch das gleichsam schnörkellos schlichte wie markante Eingangsportal aus Kernesche gelangt » man in einen schmalen Gang, von dem das neue Bad und die fast asketisch schlichte Schlafkammer abgehen. Das frühere generationsübergreifende Schlafzimmer der Bewohner mit Kamin erhielt eine neue Bestimmung als zentraler Wohn- und Essbereich mit seiner raumprägenden Küche und angrenzender Loggia. Wichtig waren Architekt wie Bauherren die Qualität der Materialien und deren Verarbeitung. Die Böden greifen die historische Bauart auf. Cocciopesto ist ein rein mineralischer Feinputz, wie er schon im antiken Rom als Estrich Verwendung fand. Je nach Region changiert die rote Farbigkeit des Mörtels. „Das altbewährte, handwerkliche Material erschien uns als die ursprünglichste und damit passende Form der Bodengestaltung. Den Übergang zwischen Boden und hoher Decke bildet dabei ein geglätteter Kalkputz“, beschreibt Daniel Ellecosta die sensible Wahl der Baustoffe. „Dezente Farben sorgen in Verbindung mit der Lebendigkeit der Kernesche für eine zeitlose Modernität mit regionalem Bezug, so wie es in dem Altbau in der Trattengasse eben schon seit jeher Tradition war“, lautet das Fazit des Experten.


Details
APARTMENT TRATTENGASSE


Anzahl der Bewohner: 2 Personen

Wohnfläche: 60 qm

Gesamtfläche: 85 qm

Fertigstellung: 2021

„Ein gelungenes Zusammenspiel von altbewährter handwerklicher Qualität und an die Altbauwohnung angepassten Materialien.“


ARCH. DANIEL ELLECOSTA

ARCHITEKT DANIEL ELLECOSTA




Der mineralische Putzmörtel aus der Region für den Bodenbelag erdet das Apartment. Die Küchenfront aus Kernesche bietet trotz ihrer puristisch grifflosen Klarheit eine wohnliche Kulisse.

Bodenbelag und Einbauelemente maßgefertigt


Die reduzierte Materialwahl zieht sich konsequent auch im neu gestalteten Außenraum fort. Für die Loggia wurde eine Trennwand mit integrierter Sitzbank aus Eschenholz maßgefertigt. Waschputz mit lokalen Zuschlägen für die Wände schlägt den Bogen zur historischen Fassade.


Die Wohnungstür wurde in ein raumhohes Portal aus Kernesche verwandelt. Der offene Gang bietet über zwei Stufen direkten Zugang ins Bad.


Geradezu asketisch steht das Bett im Mittelpunkt des Schlafzimmers. Zur Ruhe zu kommen fällt hier sicher nicht schwer.


Im Badezimmer dient die feine glatte Wachszementspachtelung für die authentische Optik. Zudem versiegelt das Material die Wände fugenlos und macht sie wasserunempfindlich.


Bewusst grob verputzte Decken erinnern an die typischen aufwendigen Stuckarbeiten alter Stadthäuser. Die Rundungen wurden original beibehalten, die alte Zimmertür liebevoll restauriert.


Dank dem Höhenunterschied des Bads ließ sich eine Wanne auf Bodenniveau einlassen. Zum Duschen steigt man in das versiegelte Becken hinab.

• ANERKENNUNG •
Fabian Freytag Studio


EINE LAUDATIO VON

Guido Heinz Frinken

Das Minimal Flat von Fabian Freytag beeindruckt durch sein kühnes Design und die kluge Raumausnutzung. Die überlegte Zusammenstellung ungewöhnlicher, aber praktischer Objekte zeigt, wie stilvoll man häusliche Bedürfnisse ohne Überfluss erfüllen kann. Die Einfachheit der Wohnung ist eine ergreifende ästhetische Wahl in einer Welt, in der die meisten von uns zu viel haben. Anstatt den Raum übermäßig zu dekorieren, nutzt Freytag eine Kombination aus Mustern und Licht, um jede Oberfläche zum Leben zu erwecken. Die diagonal gestreifte Decke fordert die würfelartige Form des Raumes spielerisch heraus, belebt ihn, ohne ihn zu dominieren.

Die geringe Größe des Raumes hält ihn nicht davon ab, dramatisch zu sein. Er könnte als Schauplatz eines futuristischen Fotoshootings oder Kulisse für ein Theaterstück fungieren. Dennoch macht es einem die ruhige Gemütlichkeit der Wohnung auch leicht, sich vorzustellen, dort zu wohnen. Die Rückwand aus gebürstetem Metall ist sowohl konzeptionell als auch materiell brillant. Sie verleiht dem Raum Licht und Tiefe, ohne das Bild des Bewohners auf ihn zurückzuwerfen. Auf den ersten Blick mag die Einrichtung wie ein willkürliches Sammelsurium wirken, bei näherer Betrachtung werden aber deren Eleganz und Logik deutlich. Die Möbel erscheinen nicht als abstoßende Designobjekte, sondern seltsam vertraut: Der runde Tisch sieht trotz seiner Dunkelheit aus wie ein guter Platz für ein Abendessen mit Freunden. Dieser Schwebezustand zwischen zusammengewürfeltem Praktischem und wohlüberlegter Aussage erzeugt ein unerwartetes Gefühl von Heimeligkeit. Die Wohnung ist kühl, aber nicht unterkühlt. Und trotz ihrer Strenge hat sie etwas Unbeschwertes an sich. Die Funktion jedes einzelnen Objekts wird durch seine lesbare Form deutlich. Das Bad sieht aus wie ein Piktogramm, das seinen Gebrauch erklärt. Die Küche hat keinen Anspruch, aber ihre Ausstattung und der großzügige Arbeitsbereich beherbergen einen echten Koch. Die Wohnung demonstriert die Untrennbarkeit von Form und Funktion; und die ökonomische Sichtweise des Designers drückt sich durch sparsamen, aber nicht überflüssigen Luxus aus.

Das Minimal Flat folgt nicht dem Dogma der Zeit oder des Ortes, sondern nutzt stattdessen Referenz und Hommage. Die Verschrobenheit des Midcentury modern trifft auf asiatische (oder skandinavische?) Gelassenheit in einem stilvoll-genialen Raum. Fabian Freytag hat ein Interieur geschaffen, das den Eklektizismus unserer Zeit widerspiegelt und zeigt, dass einfacher zu leben nicht bedeutet, ohne Stil zu leben.

Wie ein Maßanzug


FABIAN FREYTAG STUDIO // BERLIN

Mitten in einer von Berlins ältesten Villenkolonien steht das verschachtelte Gebäude aus den 1960er-Jahren. Ursprünglich konzipiert fürs Wohnen im Alter mit einer Vielzahl kleinster Einzelwohnungen wurde der Komplex einer neuen Nutzung als Mikrowohnraum für jedermann zugeführt. Auch für den US-Künstler und neuen Hausherrn des 30 Quadratmeter großen Apartments, der zwischen Miami und Berlin pendelt und sich ein adäquates Domizil für seine Aufenthalte in der deutschen Hauptstadt wünschte. Sein Anspruch war, den Spirit Floridas einkehren zu lassen, und mit dieser Aufgabe betraute der neue Eigentümer den Architekten Fabian Freytag. Weil man bei Miami an ein Leben mit der unbedingten Verbindung nach draußen denkt und es hier nicht mal einen Balkon gibt, wurde von den Interior Designern der komplette Wohnraum unter eine erdachte Markise gesetzt. „Die Idee war, eine Wohnung zu gestalten, die eigentlich ein Balkon sein will“, erzählt Fabian Freytag. Das ist durch die Deckengestaltung mit weißgelben Streifen gelungen und zusätzlich durch die reflektierenden Wandverkleidungen, die wie ein Aufheller wirken. „Als der Tischler die speziell laminierten Paneele angebracht hat, waren wir alle buchstäblich geblendet von diesem Effekt“, beschreibt er die verblüffende Wirkung, die die kleine Wohnung durch Spiegelung des Tageslichts so viel heller macht. Um auf kleinster Fläche alle Funktionsbereiche unterzubringen und gleichzeitig maximale Großzügigkeit zu erreichen, hat der Experte den Grundriss zunächst durch vollständiges Entkernen auf null zurückgesetzt. „Wir haben viel Zeit in die Aufteilung gesteckt, bis alles endlich passte. Jetzt ist die Wohnung wie ein Maßanzug“, findet er. Unter dem gestreiften Dach ordnen sich um den zentralen Tisch, an dem gearbeitet und gegessen wird, locker andere Funktionsbereiche wie Waschen und Kochen sowie auch Entspannen und Schlafen. „Die Basis ist weiß wie eine Leinwand, das Arbeitszeug des Künstlers. Aufbauend darauf haben wir gemalt“, erklärt der Einrichtungsprofi das auf den Bewohner zugeschnittene Konzept mit einer Mischung aus deutschem Pragmatismus und dem sonnigen Flair Miamis.


Details
STUDIO 16 MINIMAL FLAT


Anzahl der Bewohner: 1 Person

Wohnfläche: 30 qm

Gesamtfläche: 30 qm

Fertigstellung: 2020

„Die reflektierende Wandverkleidung ist das ultimative Mittel, der Wohnung ihre fast gleißende Helligkeit zu geben.“


FABIAN FREYTAG

FABIAN FREYTAG STUDIO




An der Wand entlang schmiegt sich die neutral weiße Küchenzeile. Am zentral positionierten runden Tisch wird gearbeitet und gegessen, unterschiedliche Stühle betonen den improvisierten Charakter.

Esstisch „Rosinda“ made.com Lichtleistensystem „Volare“ Moltoluce Küchenarmatur „Lot“ Dornbracht


Um keinen wertvollen Raum zu verschwenden, ist der Schlafbereich wandlos auf neuer Ebene integriert. Das Bett teilt sich den Podest mit einem gemütlichen Sessel.

Bodenbelag „Uni Walton Frost Grey“ Gerflor


Wie ein Aufheller vom Fotografen wirkt die reflektierende Wandverkleidung und vergrößert den Raum optisch.

Wandverkleidung Abet Laminati


Das Bad bietet dank kompakter Sanitärelemente perfekten Komfort auf kleinstem Raum. Viel Weiß mit schwarzen Akzenten greift das Konzept des gesamten Interieurs auf.

Waschtisch „Steel 19“ Alape Armatur „Meta“ Dornbracht Fliesen Winckelmans


Die Neutralität der Festeinbauten gibt Spielraum für farbige Accessoires und buntes Leben in dem Apartment.


Strahlend gelb-weiß gestreift schafft der Deckenanstrich die Illusion, unter einer Markise zu sitzen. So erhält der komplette Raum ganzjährig sonniges Outdoor-Feeling.

• ANERKENNUNG •
STUDIO OINK


EINE LAUDATIO VON

May-Britt Frank-Grosse

Im Vergleich zu anderen Bauaufgaben kommt der Gestaltung von Wohnräumen eine ganz besondere Bedeutung zu. Nicht nur, dass wir viel Zeit in unseren eigenen vier Wänden verbringen – unser Zuhause ist auch Ausdruck und Spiegel unserer Persönlichkeit. Seine Planung muss vom Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse der (zukünftigen) Bewohnerinnen und Bewohner begleitet werden. Gleichwohl ist das Vertrauen in die Arbeitsweise, den Stil und die Werte des beauftragten Büros wesentlich. Die Bauherrenfamilie dieser Wohnung war durch verschiedene Publikationen auf die klar gestalteten, schnörkellosen Interiors von STUDIO OINK aufmerksam geworden und beauftragte das Leipziger Büro mit dem Umbau des im Ergeschoss und ersten Stock eines Berliner Hinterhofs gelegenen Altbaus.

Der Gestaltungsauftrag an Lea Korzeczek und Matthias Hiller, die STUDIO OINK im Jahr 2013 gegründet haben, lautete, eine luftige und helle Wohnung zu entwerfen. Die Enge der vorhandenen Raumaufteilung sollte durch großzügige, flexibel nutzbare Räume ersetzt werden. Besonderes Augenmerk galt der Gestaltung der Bäder. Es folgten der Rückbau von Innenwänden, der Einbau raumhoher und -tiefer Stauraummöbel und verschiebbarer Wandelemente. Im Erdgeschoss wurden Küche, Bad und ein Wohnzimmer untergebracht, das sich zu dem grünen Innenhof öffnet. Der Einsatz bodentiefer Fenster bringt hier Licht und Weite in den Innenraum. Im Obergeschoss befinden sich die Schlafräume der Familie und ein weiteres, innen liegendes Bad, das durch eine Glaswand mit dem Elternschlafzimmer verbunden ist. In allen Wohn- und Schlafräumen dominieren helle Farbnuancen. Die zahlreichen Einbauten lassen den Möbeln und der Kunst der Familie ausreichend Spielraum, persönliche Akzente zu setzen. Nur in den Bädern dominiert die architektonische Gestaltung mit kräftigen Farben und Materialien.

STUDIO OINK ist mit diesem Projekt, das von der Jury mit einer Anerkennung ausgezeichnet wurde, ein sensibler Umgang bei der Planung der Räume, dem Einsatz von Materialien, Farbe, Licht und Oberflächen gelungen. Alle eingesetzten architektonischen Mittel sind erfrischend unaufgeregt und schaffen ein klares Raumkontinuum, das dem Geschmack und den Vorlieben der Bauherrenfamilie ausreichend Entfaltungsmöglichkeit lässt. Genau so, wie wir es uns in unserem Zuhause wünschen.

Berliner Moderne


STUDIO OINK // BERLIN

Die beste Visitenkarte für einen Innenarchitekten sind die Projekte, die er bereits erfolgreich realisiert hat. Dachten sich auch die Käufer einer Altbauwohnung im Berliner Kiez Prenzlauer Berg. Durch Publikationen in Zeitschriften sind sie auf das STUDIO OINK aufmerksam geworden. „Das gefällt uns natürlich, wenn unsere Handschrift erkennbar wird und das nötige Vertrauen schafft, die Gestaltung der eigenen vier Wände in fremde Hände zu geben“, freut sich Matthias Hiller über die Reputation, die das Büro, das der studierte Produktdesigner gemeinsam mit seiner Partnerin Lea Korzeczek betreibt, weit über Leipzigs Stadtgrenzen hinaus genießt. Der neue Auftrag betraf eine Wohnung mit 130 Quadratmetern, die sich über Erdgeschoss und erste Etage eines Gartenhauses mit schnörkelloser Gründerzeitarchitektur verteilen. „Die Bauherren wünschten sich in erster Linie mehr Licht, dafür haben wir im Wohnzimmer die Fenster bis zum Boden geöffnet. Zudem wurden die nicht tragenden Innenwände komplett zugunsten von mehr Großzügigkeit zurückgebaut“, beschreibt der Experte die tiefen baulichen Eingriffe, bevor es an die eigentliche Ausgestaltung ging. „Kurios war, dass die verbindende Treppe zum Obergeschoss mehr oder weniger ohne Seitenwange aufgebaut war und lediglich von einer Trockenbaukonstruktion abgefangen wurde“, untermauert er die statischen Notwendigkeiten, neue Substanz zu schaffen. Jetzt gelangt man von unten in den elterlichen Schlafbereich, den für maximale Luftigkeit nur eine Glaswand vom Bad mit integriertem Duschkubus trennt. Das Kinderzimmer erhielt eine flexible Trennwand zum angrenzenden Raum, der optional als Homeoffice oder Gästezimmer genutzt werden kann. Geöffnet ergibt sich eine große Freifläche für den Nachwuchs, auf der es sich nach Herzenslust herumtoben lässt. Das alte Kirschholzparkett musste zugunsten einer einheitlichen, neutral hellen Farbigkeit Douglasiendielen und in Küche samt Essbereich grauem Linoleum weichen. Dieses Naturmaterial feiert ein echtes Comeback als nachhaltiger Bodenbelag und spannt zugleich einen authentischen Bogen in die architektonische Vergangenheit, ohne zu historisieren.


Details
APARTMENT ISW BERLIN


Anzahl der Bewohner: 3 Personen

Wohnfläche: 130 qm

Gesamtfläche: 130 qm

Fertigstellung: 2020

„Unser Anspruch war, einen offenen Grundriss zu schaffen und gleichzeitig ausreichend Privatsphäre für die Bewohner zu wahren.“


MATTHIAS HILLER UND LEA KORZECZEK

STUDIO OINK




Helligkeit war gefragt, und die zieht mit Dielen aus geweißtem Douglasienholz sowie hellgrauem Linoleum ein. Weiße Wände lenken den Blick auf die Kunst.

Linoleum Forbo Sessel „Bertoia“ Knoll International Heizkörper „Veronica“ Vasco


Auch die Küche unterstützt den Wunsch nach viel Licht und Luftigkeit. Daher wurde auf Oberschränke genauso verzichtet wie auf eine Abzugshaube. Dampf wird daher direkt am Kochfeld abgezogen.

Küchendesign STUDIO OINK Geräte Miele Armatur Vola Waschbecken Schock


Wenn gerade nebenan nicht gearbeitet wird, expandiert das Kinderzimmer dank einheitlicher Boden- und Fenstergestaltung zu einem einzigen großen (Entfaltungsspiel-)Raum.

Sessel „Eames Plastic Chair“ Vitra


Mit einer Glaswand zum Schlafzimmer zieht Transparenz ins Badezimmer, während der Duschvorhang beim Gang unter die Brause für Intimität sorgt.

Waschtisch Laufen Armaturen Zucchetti Leuchten & Tradition


Klares Weiß und glatte Flächen reflektieren das Licht für den modern hellen Look. Unsichtbare Schiebetüren ermöglichen aber jederzeit ausreichend Privatsphäre.

Ausgezeichnete
Projekte


BEST OF INTERIOR AWARD 2021

Eine Bühne für die Kunst


CHRISTINE MONES ARCHITEKTUR // MÜNCHEN

Wenn Architekten ihr eigenes Zuhause planen, wird’s spannend. „Da liegt die Seele offen“, beschreibt Christine Mones diesen Zustand, den sie selbst bei der Umgestaltung ihrer Wohnung erlebt hat. Mitten im quirligen Münchner Szeneviertel Schwabing befindet sich das 1900 erbaute, prachtvolle Jugendstilhaus mit kunstvollen Ornamenten, imposanten Deckenhöhen und breit kassettierten Flügeltüren samt alter Beschläge. „Wir hatten solch ein Glück, dass unsere Wohnungen nie renoviert worden sind. Die historischen Bauelemente sind fast alle im Original erhalten gewesen“, freut sich die Hausherrin über die Substanz, auf der es sich trefflich aufbauen ließ. Zunächst bewohnte die Familie nur einen Teil der Beletage in diesem Mehrfamilienhaus, aber als sich die Möglichkeit ergab, erstanden Christine Mones und ihr Mann Oliver für sich und die drei Kinder auch die angrenzende Wohnung, um aus zwei eins werden zu lassen. „Am historischen Grundriss mussten wir kaum Änderungen vornehmen. Die vier zusammenhängenden Räume im vorderen Bereich gehen ineinander über und die schönen alten Türen stehen fast immer offen, um diese Großzügigkeit zu betonen“, erklärt die Architektin die fließenden Übergänge vom Flur in die Küche und in der weiteren Abfolge ins Ess- und Wohnzimmer. Die privaten Räume wie die Kinderzimmer, Bäder und die neue Ankleide füllen den hinteren Bereich der Wohnung aus. Das alte Fischgrätparkett musste nicht ersetzt, nur saniert werden, um Möbelklassikern wie der Esstischgruppe von Eero Saarinen, dem Sideboard von Børge Mogensen oder dem braunen Ledersessel von Poul Kjaerholm eine stilechte Bühne zu bereiten. Die durchweg schlicht weiß gekalkten Wände bilden den neutralen Hintergrund für die Kunstsammlung der Hausherren, zu der auch der Wandteppich von Goshka Macuga gehört. Die polnische Künstlerin stellt darauf eine Schlafzimmerszene dar, die auf geradezu kuriose Weise die reale Raumsituation spiegelt. „Dieses Werk mussten wir einfach haben“, gesteht Christine Mones und gewährt für den originellen Effekt Gästen schon mal freie Sicht entlang der Sichtachse – bis in die Seele sozusagen.


Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
427 str. 446 ilustracji
ISBN:
9783766725691
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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