Czytaj książkę: «Schlank durch OP»
Faris Abu-Naaj
Schlank durch OP
Für meinen Vater
Dr. med. Fayez Abu-Naaj – Arzt aus Leidenschaft!
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Pro-Talk Verlags GmbH
Bahnhofstraße 29
53639 Königswinter
copyright
© 2015 Pro-Talk Verlags GmbH
2., aktualisierte Auflage
Lektorat/Erstkorrektorat | Layout/Satz | Umschlaggestaltung | Bildredaktion
colibris/Juliane Scherz, Dresden | www.co-libris.de
Zweitkorrektorat
Karl-Heinz Smuda, Berlin | www.smuda-berlin.de
Besonderer Dank an
Frank Geisler, Medizinisches Bildarchiv | www.medical-pictures.de
ISBN 978-3-939990-09-3
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Prolog
Grußwort
Über dieses Buch
Meine eigene Story
Kompetenz im Team
Adipositas
Der Body-Mass-Index
Adipositas in Deutschland
Du bist, was Du isst!
Psychologie und Adipositas
Folge- und Begleiterkrankungen der Adipositas
Adipositas und Diabetes
Adipositasbehandlung bei Kindern und Jugendlichen
Von Adlern und Ziegen
Adipositaschirurgie
Historie und Entwicklung der Adipositaschirurgie
Bin ich ein OP-Kandidat?
Freund oder Feind?
Die richtige Adresse
Qualität als Prinzip
Das Gespräch mit dem Arzt
Wer soll das bezahlen?
Wie funktioniert bariatrische Chirurgie?
Narkose – in sicheren Händen
OP-Methoden
Schlank ohne OP – Magenballon und EndoBarrier
Der Magenbypass
Der Schlauchmagen (Magensleeve-Resektion)
Das Magenband
Die biliopankreatische Diversion (BPD)
Der Magenschrittmacher
Erfahrungsberichte – von Siegen und Niederlagen
Nachsorge
Ernährung nach einer bariatrischen Operation
Erfolg im Team – Konzept Smart XL®
Schwangerschaft – vor oder nach einem bariatrischen Eingriff?
Hautstraffung nach erheblichem Gewichtsverlust
Glossar
Bildnachweis
Anmerkungen
Im Ratgeber wurde immer die männliche Form stellvertretend für beide Geschlechter verwendet. Obwohl viele Behandlungsadressen »visceral« im Namen tragen, findet sich im Buch nur die gemäß Duden korrekte Schreibweise »viszeral«.
Einführung
Prolog
Grußwort
Über dieses Buch
Meine eigene Story
Kompetenz im Team
Prolog
»Der Dicke« blickte in den Spiegel und musterte sich gründlich. In der Vergangenheit hatte er diese Situation häufig gemieden und betrachtete – wenn überhaupt – nur dann sein Spiegelbild, wenn er bekleidet war und vor einer Verabredung noch einmal prüfen wollte, ob das gewählte Outfit auch wirklich alle Problemstellen kaschierte, die ihm zu schaffen machten. Aber seit Jahren hatte er immer weniger private und berufliche Verabredungen. Auch das Kaschieren gelang ihm schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wie auch? Schließlich wurde aus seinen anfangs »ein paar Kilogramm mehr auf der Waage« eine lebensbedrohende Krankheit, eine Krankheit, der Mediziner den treffenden Namen »Fettsucht« geben – oder »Adipositas«, wenn es nicht ganz so schlimm klingen sollte. Allgemein war er immer wieder davon fasziniert, mit welchen Wortschöpfungen die Mediziner ihn nicht zu kränken versuchten. So wurde aus »fett korpulent«, aus »träge bewegungsarm« und aus »maßlosen Fressattacken« eine »zu reichhaltige Ernährungsweise«. Wie sie es auch beschrieben, von Jahr zu Jahr spürte er die Konsequenzen seines Fehlverhaltens deutlicher. Es fiel ihm immer schwerer, seinen massigen Körper zur Bewegung zu motivieren. Dem Argument seiner Eltern und der wenigen noch zu ihm haltenden Freunde: »Unternehme endlich etwas!«, begegnete er mit einer Mischung aus Ignoranz und Fatalismus. Wenn jemand zu hartnäckig Kritik übte, wurde er gemieden. So gelang es ihm, sein Umfeld zu konditionieren, und er schaffte sich eine Welt, die ihn – zumindest solange er sich innerhalb ihrer »Mauern« bewegte – vor starker Kritik und unbequemen Fragen bewahrte. Draußen in der realen Welt schaffte er dies nicht. Denn er spürte sowohl die abschätzigen Blicke als auch die teils fassungslosen Gesichtszüge der Passanten, die ihn meist erst dann musterten, wenn sie glaubten, er würde es nicht bemerken. Aber wie gesagt, wenn er es selbst nicht sah, so spürte er es. Noch schlimmer war, dass jeder dieser Blicke, jedes Getuschel und jedes Gelächter ihm einen Stich ins Herz versetzte. Also ging er diesen Situationen immer öfter aus dem Weg und verkroch sich in seinem Büro oder zu Hause. Früher war er im Schwimmverein und spielte regelmäßig Tennis. Als er damit aufhörte, weil der Stress in der Schule immer größer wurde, legte er an Gewicht zu. Anfangs setzte er sich immer neue Grenzen, die er nicht überschreiten wollte: »Nicht über 80 Kilo!«, »Nicht über 90 Kilo!«, »Bei 100 Kilogramm ist Schluss!« Leider war aber nie Schluss. Hatte er anfangs mit Diäten und einer sechswöchigen Kur kurzfristig Erfolge erzielen können, so gelang ihm dies schon lange nicht mehr. Vielmehr hatten diese Maßnahmen eher dazu beigetragen, dass er sich nach ersten Erfolgserlebnissen immer noch schlechter fühlte, wenn er erkannte, dass seine »Diätkarriere« immer gleich verlief: Motivation – Aktion – Stagnation – Depression. Er hatte diesen Kampf aufgegeben und war dabei zu ertrinken. Seine Eltern erkannten dies anscheinend auch. Denn anders war es nicht zu erklären, dass sie in der vergangenen Woche gemeinsam mit ihm bei einem Professor saßen, der mit einer Operation sein Leben retten wollte. Anfangs kam er sich vor wie ein Vieh, das seinem Schlachter begegnete. Er hatte bereits von diesen Methoden gehört, jedoch verhielten sich einerseits die Medien diesen Maßnahmen gegenüber sehr zurückhaltend, andererseits wurden sie auch von der Gesellschaft eher als Schönheitsoperationen abgetan. »Wenn du zu dick bist, musst du einfach weniger essen!«, hatte er schon oft gehört und daraus geschlossen, dass derjenige, der es sagte, dieses permanente Hungergefühl, diese Heißhungerattacken – gerade dann, wenn es ihm besonders schlecht ging – nicht kannte und wohl auch nie kennenlernen würde. Natürlich waren seine wenigen verbliebenen Freunde skeptisch und führten eine Vielzahl von Gründen an, warum sie sich selbst niemals für einen solchen Eingriff entscheiden würden. Aber um sie ging es hier auch nicht, sondern einzig und allein um ihn und um sein besseres Leben. Er war 30 Jahre alt, wog mittlerweile 208 Kilogramm, bekam schlecht Luft und schwitzte bei jeder körperlichen Aktivität. Sein Selbstwertgefühl war auf dem Nullpunkt, und jetzt würde er verdammt noch einmal handeln. Dazu war er mehr denn je entschlossen, als er sich jetzt so im Spiegel betrachtete und ihm ein Klopfen an der Badezimmertür signalisierte, dass er sich für seine Operation zurechtmachen solle.
Grußwort
Liebe Leser,
Wohlstand und Industrialisierung haben die Lebens- und Essgewohnheiten grundlegend verändert. Als unerwünschte Begleiterscheinung hat sich die Fettsucht, auch Adipositas genannt, epidemisch ausgebreitet. Wendet man die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, gelten weltweit eine halbe Milliarde Menschen als massiv übergewichtig. So zeigen Erhebungen in Mitteleuropa, dass jeder Vierte an Adipositas erkrankt ist. Adipositas zählt in Industrienationen zu den wichtigsten Ursachen von Invalidität und vorzeitigem Tod. Betroffene Menschen kämpfen nicht nur mit den gesundheitlichen Folgen ihres extremen Übergewichtes, sondern auch mit der daraus resultierenden gesellschaftlichen Ablehnung. In den Kommentaren, die die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Kosten der Adipositas behandeln, finden sich häufig abschätzige Bemerkungen, wie »Friss die Hälfte!« oder »Geh zu Fuß!«. Aber auch in der Ärzteschaft fehlte lange Zeit das Interesse, das dieses bedeutende Gesundheitsproblem verdient. Die American Medical Association (AMA), die größte ärztliche Standesvertretung der USA, erkennt die Adipositas erst seit 2013 als Krankheit an. Angesichts der weltweit circa 2,6 Millionen Todesfälle pro Jahr, die auf das Konto der Fettleibigkeit gehen, erstaunt es sehr, dass der Adipositas so lange kein Krankheitswert beigemessen worden ist.
An Ratschlägen, wie dem Übergewicht beizukommen sei, fehlt es nicht. Von A wie »Atkins-Diät« bis Z wie »Zero Size-Konzept« gibt es eine Unzahl von Abmagerungskuren, die einen nachhaltigen Gewichtsverlust versprechen. Während einige Diäten die Kalorienzufuhr gleichmäßig begrenzen, setzen andere auf die Reduktion oder gar den Verzicht einzelner Nährstoffgruppen. Je nach Diät heißt es dann: »Keine Kohlenhydrate!«, »Kein Fett!« oder aber »Viel Eiweiß!«. Andere Programme setzen vor allem beim Lifestyle an und animieren zu mehr sportlicher Aktivität und Bewegung im Alltag. Natürlich ist auch die Pharmaindustrie daran interessiert, der Adipositas als großes volkswirtschaftliches Problem medikamentös beizukommen. Dabei werden pharmakologisch ganz unterschiedliche Strategien verfolgt. Einige medikamentöse Wirkstoffe setzen im Magen-Darm-Trakt an, indem sie die Spaltung von Fetten durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse hemmen und damit deren Aufnahme im Dünndarm verhindern. Andere hingegen beeinflussen die Signalübermittlung von Nervenzellen, die im Gehirn das Gefühl von Sättigung vermitteln sollen.
Trotz kurzfristiger Erfolge bei vielen dieser herkömmlichen Therapien sind die langfristigen Ergebnisse bisher enttäuschend. So konnte keine dieser konservativen Therapien einen anhaltenden Gewichtsverlust nachweisen. Ganz anders sehen die Langzeitergebnisse von chirurgischen Maßnahmen aus. In Langzeitstudien mit großen Patientenzahlen ließ sich feststellen, dass sich die Übergewichtschirurgie günstig auf die Lebensqualität und -erwartung schwer übergewichtiger Patienten auswirkt.
Interessanterweise führen chirurgische Eingriffe, wie der Magenbypass oder der Schlauchmagen, nicht nur zu einem deutlichen und nachhaltigen Gewichtsverlust, sondern korrigieren häufig auch Begleiterkrankungen, wie Bluthochdruck oder -zuckerkrankheit. Da Magenbypass-Operationen, neben einer Gewichtsreduktion, zu einer tiefgreifenden Veränderung und Erholung des Stoffwechsels führen, spricht man heute zunehmend von metabolischer und nicht mehr von bariatrischer Chirurgie.
Obwohl der Magenbypass in verschiedenen Variationen bereits seit beinahe 50 Jahren erfolgreich zur Gewichtsreduktion angewendet wird, beginnen Forscher und Ärzte erst jetzt zu verstehen, welche Wirkungsmechanismen für den nachhaltigen Erfolg verantwortlich sind.
In der Annahme, dass allein die Verkleinerung des Magenvolumens (Restriktion) und die Verkürzung der Verdauungsstrecke im Dünndarm (Malabsorption) den Gewichtsverlust nach einem Magenbypass bewirken, wurden weitere operative Methoden entwickelt, die sich in restriktive oder malabsorptive Verfahren unterteilen lassen.
Die Grundlagenforschung in der metabolischen Chirurgie konnte jedoch nachweisen, dass den rein mechanistischen Konzepten von Restriktion und Malabsorption allenfalls eine untergeordnete Bedeutung für den Langzeiterfolg zukommt. Viel wichtiger scheint heute die tiefgreifende Veränderung des gastrointestinalen Hormonhaushaltes, der Hunger, Sättigung und Geschmack reguliert und damit das Essverhalten der Patienten bestimmt. Wie vielschichtig die Wirkungsmechanismen sind, zeigen die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre. Diese zeigen, dass auch eine veränderte Darmflora und ein veränderter Gallenstoffwechsel zur Erholung des Stoffwechsels nach Übergewichtschirurgie beitragen.
Neben dem unmittelbaren therapeutischen Nutzen für die übergewichtigen Patienten brachte die metabolische Chirurgie auch neue Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Darm, Fettgewebe und Gehirn bei der Steuerung von Hunger und Sättigung mit sich. Das bessere Verständnis dieser grundsätzlichen Mechanismen könnte zu Therapien führen, welche die Chirurgie eines Tages ergänzen oder gar ersetzen werden. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Metabolische Operationen als Lifestyle-Operationen zu disqualifizieren, ist keinesfalls angebracht, denn viel wichtiger, als die angestrebte Gewichtsreduktion, ist die tiefgreifende Erholung des Stoffwechsels, welche die Lebensqualität, -erwartung und das Selbstwertgefühl der Patienten verbessert.
Dr. med. Marco Bueter
Dr. med. Thomas Bächler
UniversitätsSpital Zürich, März 2014

Über dieses Buch
Übergewicht hat viele Gesichter. Mal zeigt es sich dezent, wenn die Hose etwas spannt oder sich im Kleid ein kleiner Bauch abzeichnet und es deshalb in die hinterste Ecke des Kleiderschrankes verbannt wird; ein anderes Mal deutlicher, wenn man sich immer schlechter bewegen kann oder der Aufstieg in das dritte Stockwerk einem »Sportprogramm« gleichkommt, weil wir 20 Kilo zu viel auf den Hüften tragen. In diesen Fällen ist es jedoch noch nicht zu spät, seine Ernährung umzustellen, den etwas fülliger gewordenen »Hintern« häufiger ins Sportstudio zu bewegen und somit den Kampf gegen die Pfunde erfolgreich zu gewinnen. Aber was, wenn das Gewicht außer Kontrolle gerät – wenn die Genetik, ein falsches Essverhalten oder verschiedene Stoffwechselprozesse das Gewicht immer weiter ansteigen lassen und zudem noch Kreislauf, Herz und/oder Stoffwechselsystem zunehmend belastet werden?
Wird eine gewisse Gewichtsgrenze überschritten, spricht der Volksmund von »Fettsucht«, die Medizin von »Adipositas«. Mittlerweile wissen wir, dass die Zahl der Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, weltweit explodiert und konservative Behandlungsmethoden wie Diäten, Verhaltenstherapien und Medikamentengabe oft versagen, wenn sie für sich isoliert verordnet werden.
Anfangs noch häufig belächelt oder als Schönheitsoperation abgetan, hat sich die Adipositaschirurgie heute etabliert. So müssen selbst frühere Kritiker jetzt einräumen, dass Erkrankte nach einer operativen Maßnahme, kombiniert mit einer professionellen Ernährungsberatung sowie Bewegungs- und Verhaltenstherapie, die besten Erfolgsaussichten haben, ihr Wunschgewicht zu erreichen und zu halten. Und dies, obwohl noch nicht vollständig geklärt ist, weshalb viele Menschen nach einem solchen operativen Eingriff zum einen sehr stark an Gewicht verlieren, zum anderen sich auch Stoffwechselprozesse und Blutwerte in der Regel deutlich verbessern. Genau das veranlasst die Kritiker (und davon gibt es noch einige), den bariatrischen Chirurgen vorzuwerfen, sie wüssten nicht, was sie tun. Diese Argumentation polarisiert und schafft Verunsicherung bei den Betroffenen.
Im Rahmen meiner Recherche zu diesem Thema, die mich quer durch Deutschland und die Schweiz führte, habe ich Folgendes erkannt: In der Behandlung adipöser Menschen gibt es keine nur gute oder schlechte Therapie (was im Übrigen auf beinahe jede Krankheit zutrifft). Was es allerdings braucht, sind verantwortungsbewusste Experten, die gemeinsam mit ihren Patienten das Für und Wider ihres Behandlungskonzeptes abwägen, welche die individuelle Gewichts-, Gesundheits- und Lebenssituation des Einzelnen berücksichtigen und eine Operation ablehnen, wenn zu hohe Risiken oder andere fundierte Argumente dagegen sprechen. Zudem bedarf es der positiven Aspekte beider Therapieformen. So lassen sich die Adipositas und ihre Begleiterkrankungen nur dann effektiv behandeln, wenn konservative und chirurgische Maßnahmen eine Allianz bilden, also in ein sogenanntes multimodales Konzept integriert werden.
Abschließend möchte ich anmerken, dass ich kein Mediziner bin, sondern nur ein Autor, der sich intensiv mit dem Thema »Adipositas« auseinandergesetzt hat, weil er sich, selbst einmal 208 Kilogramm auf die Waage bringend, einem solchen chirurgischen Eingriff unterzog. Auch wenn ich heute davon überzeugt bin, dass er für mich die richtige Entscheidung war, so ist ein solcher Entschluss von individuellen Faktoren abhängig, die gemeinsam mit einem kompetenten Chirurgen in einer Klinik oder einem Behandlungszentrum besprochen werden sollten. Dieses persönliche Gespräch kann und möchte dieses Buch nicht ersetzen. Vielmehr geht es darum, Sie ausführlich und fundiert zu informieren, so dass Sie aufgeklärt und vorbereitet Ihren weiteren Weg beschreiten können – einen Weg in ein hoffentlich gesünderes und leichteres Leben.
Ihr

Faris Abu-Naaj
Meine eigene Story
Als Arztsohn sollte man eigentlich über die Risiken und Gefahren eines zu hohen Körpergewichtes informiert sein. Selbstverständlich versuchte mir mein Vater auch ins Gewissen zu reden, scheiterte jedoch an meiner Dickköpfigkeit. So schritt der Zeiger der Waage ab meinem 14. Lebensjahr kontinuierlich voran. Verantwortliche hierfür fand ich schnell: Mal waren es die Gene, ein anderes Mal ein zu schwerer Knochenbau oder einfach eine gewisse Veranlagung. Rückblickend betrachtet muss ich zugeben, dass ich immer maßloser in meinem Essverhalten wurde und mit wachsendem Gewicht das Thema Sport und Bewegung immer mehr vernachlässigte. Als Jugendlicher sportlich noch sehr aktiv, stellte ich den Sport infolge zunehmender schulischer Belastung allmählich ein. Gewichtsgrenzen korrigierte ich von Jahr zu Jahr nach oben und der wachsenden Anzahl »gaffender« Passanten ging ich durch »Couchsitting« (Stubenhockerei) aus dem Weg. Die fachlichen Argumente meines Vaters und anderer Mediziner prallten an mir ab. Auch wenn ich nach außen hin Stärke durch Ignoranz vorspielte, war ich mit 32 Jahren und einem Körpergewicht von 208 Kilogramm ein körperliches und psychisches Wrack. Nicht, dass ich es bis dahin nicht mit unterschiedlichen Diäten oder Medikamenten versucht hätte, aber sämtliche Versuche führten lediglich dazu, dass ich nach kurzen Erfolgserlebnissen noch stärker an Gewicht zulegte. Auch hier war der Grund des Scheiterns wohl eine Mischung aus mangelnder Disziplin und einem unrealistischen Selbstbild. Heute weiß ich, dass wohl auch Stoffwechselprozesse und mein Insulinspiegel ab einer gewissen Gewichtssituation für diese negative Entwicklung mitverantwortlich waren. Ab 1999 befasste ich mich intensiv mit der Möglichkeit, mein Körpergewicht durch eine Operation in den Griff zu bekommen. Damals gab es nur einige Chirurgen in Deutschland, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Meine Wahl fiel auf Professor Hans Troidl und die Universitätsklinik in Köln-Mehrheim. Der Professor machte mir klar, dass dieser Eingriff für mich mit hohen Risiken verbunden sein würde. Dazu sollte man wissen, dass man vor 15 Jahren fast alle Operationen mit nicht minimaler Verletzung (laparoskopisch) durchgeführte. Vielmehr wurde der Bauchraum mit einem großen Schnitt geöffnet und später wieder vernäht. So ergaben sich gleich zwei größere Risikobereiche: der Blutverlust während der Operation und die Gefahr einer Infektion oder Komplikationen bei der Wundheilung. Dennoch entschloss ich mich zu diesem Eingriff. Für mich ist es heute faszinierend zu sehen, wie sich die Adipositaschirugie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Meine Magenbypass-Operation dauerte sechs Stunden. Obwohl der Eingriff gut verlief und keine Komplikationen auftraten, musste ich über zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. In dieser – für mich schlimmsten – Zeit verlor ich zwar bereits acht Kilogramm Gewicht, fühlte mich jedoch »hundeelend«, da die etwa 40 Zentimeter lange Narbe zeitweise höllisch schmerzte und ich mich kaum bewegen konnte. Zudem konnte ich nichts essen und musste demzufolge künstlich ernährt werden. Mein Wohlbefinden besserte sich erst, als die Fäden gezogen worden und ich kleinere pürierte Mahlzeiten zu mir nehmen konnte. Innerhalb eines Monates nahm ich 12 Kilogramm ab. Es ging mir von Tag zu Tag besser. Wobei zu erwähnen ist, dass ich mich häufig übergeben musste, da ich sowohl meine Essgeschwindigkeit als auch die Nahrungsmenge häufig nicht der geänderten Magengröße anpasste – eine Erfahrung, die viele Operierte auch heutzutage noch mit mir teilen. Innerhalb von drei Jahren verlor ich durch den Magenbypass fast 65 Kilogramm Körpergewicht. Während dieser Phase hielten sich meine sportlichen Aktivitäten in Grenzen, und so muss ich heute erkennen, dass ein wesentlicher Teil meines damaligen Gewichtsverlustes aus der erzwungenen Umstellung auf kleinere Mahlzeiten resultierte. So änderten sich durch die Operation insgesamt folgende Faktoren:
1.Nahrungsmenge
Aufgrund des deutlich verringerten Magenvolumens konnte ich nur noch circa 20 Prozent der gewohnten Menge an Lebensmitteln zu mir nehmen. Überschritt ich diese Grenze, musste ich mich übergeben. Gerade kurz nach der Operation passierte dies sehr häufig, hatte ich mir doch in über 30 Jahren eine sehr schnelle und reichhaltige Nahrungsaufnahme angewöhnt, die ich nun schlagartig verändern musste. Dennoch konnte ich von Jahr zu Jahr immer etwas mehr essen, so dass für mich dieser Faktor mit der Zeit an Relevanz verlor.
2.Nahrungsverwertung und Stoffwechsel
Durch die Umgehung eines Teiles meines Dünndarmes konnte ich sowohl fettals auch zuckerhaltige Nahrungsmittel schlechter verdauen und damit auch die enthaltenen »Dickmacher« nur partiell verwerten. Zudem veränderten sich gewisse Stoffwechselprozesse, die das Hungergefühl reduzieren und die Darmflora beeinflussen. Diese und andere Begleiterscheinung werden in den medizinischen Fachbeiträgen ausführlich thematisiert.
3.Nahrungsqualität
Nach einem Magenbypass oder -ballon verursacht die Aufnahme von fett- und zuckerreicher Nahrung deutlich schneller Übelkeit als bei anderen Lebensmitteln. Meinem Selbstwertgefühl tat dies jedenfalls keinen Abbruch, denn dies war – bedingt durch den enormen Gewichtsverlust – auf einem Höhenflug. Von allen Seiten bekam ich Anerkennung und Respekt. Ich kaufte mir neue Kleidung und unternahm wieder viel mit Freunden. Bei all diesen positiven Einflüssen ignorierte ich, dass stetig weniger und später gar kein Gewichtsverlust mehr zu verzeichnen war – eine Entwicklung, die mich schockierte, als ich sie später wahrnahm. Sicher, ich hatte 65 Kilogramm abgenommen, war mit meinen 145 Kilogramm aber immer noch stark übergewichtig und musste meine Kleidung nach wie vor im Übergrößengeschäft kaufen. Zwar hatten sich mein Gesundheitszustand und meine Beweglichkeit schon deutlich verbessert, dennoch war mir bewusst, dass ich noch lange nicht am Ziel angekommen war. Also begann ich, meine Situation genau zu analysieren und erkannte schon bald die wesentlichen Gründe für meine Gewichtsstagnation:
Zum einen bewegte ich mich nach wie vor nicht genug, trieb keinen Sport und fuhr beinahe jede Strecke mit dem Auto. Das musste sich einfach irgendwann rächen. Schließlich hatte sich mein Körper langsam an die verminderte Kalorienzufuhr gewöhnt. Ein gravierender Grund war jedoch mein geändertes Essverhalten – denn ich hatte es nach drei Jahren geschafft, meinen Körper und die Einschränkung durch den Magenbypass zu überlisten. Zwar konnte ich deutlich weniger essen und musste mich gelegentlich nach wie vor übergeben, wenn ich zu schnell zu viel aß, jedoch hatte ich mir unwillkürlich ein Essverhalten angewöhnt, das diese Sanktionen umging. Ich aß kleine Mahlzeiten, nahm diese aber acht- bis zehnmal täglich zu mir. Nicht, dass ich jede Stunde in ein Restaurant ging oder den ganzen Tag in der Küche verbrachte, vielmehr waren es Tankstellen, Bäckereien und Supermärkte, die ich mehrmals am Tag aufsuchte, um kleinere Snacks zu konsumieren – keine »Monsterportionen«, aber über den Tag hinweg so viel, dass ich nicht weiter abnahm. Handeln war angesagt, denn ich war mir darüber bewusst, dass ich nie wieder so dick sein wollte. Zu groß war die gewonnene Lebensqualität schon jetzt. Also begann ich Sport zu treiben und änderte meine Ernährungsweise dahingehend, dass ich sowohl fette als auch süße Speisen noch stärker reduzierte und stattdessen immer Obst und Gemüse in einer Tupperwarenbox bei mir trug. Auch wenn es immer wieder zu sogenannten »Stagnationsperioden« kam, so habe ich doch heute mein Wohlfühlgewicht von 95 Kilogramm erreicht.
Warum ich Ihnen dies alles schildere? Ich möchte Ihnen vor Augen halten, dass ein solcher Eingriff kein Spaziergang ist. Jede Operation ist mit Chancen, aber auch mit Risiken verbunden, die Sie sehr sorgsam abwägen und über die Sie sich im Klaren sein sollten. Auch wenn Sie die in diesem Buch vorgestellten Operations- und Behandlungsmethoden beim Abnehmen deutlich unterstützen, sind doch immer Eigendisziplin und -initiative gefragt. Und sollten Sie glauben, auf Bewegungsangebote oder Ernährungsberatung nach der Operation verzichten zu können, so ist das ein Irrglaube, dem Sie sich spätestens nach dem ersten Gewichtsverlust bewusst werden.


Kompetenz im Team
Als Nicht-Mediziner ist es schwer, über komplexe und anspruchsvolle Themen wie Adipositas und deren Behandlungsmöglichkeiten zu schreiben. Von Beginn an war mir bewusst, dass ich Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen gewinnen musste, die dieses Buchprojekt mit Kompetenz und Engagement redaktionell unterstützen würden. Also suchte ich diese Experten persönlich auf und stellte mein Vorhaben detailliert vor. Dabei legte ich 30.000 Kilometer zurück und hatte zwei Monate später ein Team zusammengestellt, das mich sowohl fachlich als auch menschlich überzeugte. An dieser Stelle möchte ich Ihnen die einzelnen Co-Autoren näher vorstellen. Zu guter Letzt soll nicht versäumt werden, mich bei den vielen Betroffenen zu bedanken, die mir ihre persönlichen Siege und Niederlagen geschildert haben und mir sehr viele Anregungen und Eindrücke gegeben haben, die ich in meine redaktionelle Arbeit mit habe einfließen lassen.

Dr. med. Marco Bueter, PhD
Oberarzt der Abteilung Bariatrische und Endokrine Chirurgie
Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, UniversitätsSpital Zürich
Redaktionelle Beiträge
Grußwort | Wie funktioniert bariatrische Chirurgie? – Mehr als nur Restriktion und Malabsorption!
Dr. med. Bueter absolvierte seine chirurgische Ausbildung am Universitätsklinikum Würzburg und ist seit Oktober 2010 Oberarzt an der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am UniversitätsSpital Zürich in der Schweiz. Hier leitet er seit Mai 2013 das Programm für bariatrische und metabolische Chirurgie. Zuvor verbrachte er zwei Jahre am Imperial College London, wo er die grundlegenden Mechanismen bariatrischer Operation untersuchte. Durch seine Studien und wissenschaftlichen Arbeiten hat sich Dr. med. Bueter weltweit ein hohes Ansehen erworben. Er spricht regelmäßig als Experte auf internationalen Kongressen und hat zahlreiche Artikel zum Themengebiet der bariatrischen Chirurgie in hochrangigen Fachzeitschriften veröffentlicht. Als bisher einziger Chirurg erhielt Dr. med. Bueter im Jahr 2010 den New Investigator Award der International Association for the Study of Obesity (IASO) – eine renommierte Auszeichnung, die alle vier Jahre herausragende junge Wissenschaftler auf dem Gebiet der Adipositasforschung ehrt.

Dr. med. Thomas Bächler
Stellvertretender Oberarzt der Abteilung Viszeral- und Transplantationschirurgie
Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie UniversitätsSpital Zürich
Redaktionelle Beiträge
Grußwort | Wie funktioniert bariatrische Chirurgie? – Mehr als nur Restriktion und Malabsorption!
Der Humanmediziner Dr. med. Bächler ist seit 2012 Facharzt für Chirurgie. Seit Anfang 2013 absolviert er einen zweijährigen Forschungsaufenthalt am Institut für Veterinärphysiologie der Vetsuisse Fakultät an der Universität Zürich, wo er sich unter Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Lutz und Dr. med. Bueter mit den physiologischen Grundlagen der Adipositaschirurgie beschäftigt. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der Rolle weiblicher Geschlechtshormone nach Roux-en-Y-Magenbypassoperationen. Seit 2012 fungiert Dr. med. Bächler als stellvertretender Oberarzt an der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am UniversitätsSpital Zürich, wo er nicht nur in der bariatrischen Chirurgie, sondern auch in der Chirurgie des oberen Gastrointestinaltraktes ausgebildet wird.

Priv.-Doz. Dr. med. Günther Meyer
Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie
Leiter des Zentrums für Adipositas- und Metabolische Chirurgie, AMC-WolfartKlinik München-Gräfelfing
Redaktionelle Beiträge
Adipositas in Deutschland | Der Magenschrittmacher | Die biliopankreatische Diversion
Der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurg Dr. med. Meyer war bis 2001 leitender Oberarzt im Klinikum Großhadern (Ludwig-Maximilian-Universität München) mit besonderem Schwerpunkt in der Minimal-Invasiven Chirurgie. Von 2002 bis 2009 hatte der Mediziner die Positionen des ärztlichen Direktors und Chefarztes der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen inne. Unter seiner Leitung wurde ab 2004 in der Klinik München-Bogenhausen ein adipositaschirurgisches Zentrum aufgebaut. Seit 2010 hat Dr. med. Meyer die Positionen des Chefarztes der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie an der WolfartKlinik sowie Leiters der AMC-WolfartKlinik (Zentrum für Adipositas- und Metabolische Chirurgie) in München-Gräfelfing inne. Mit der AMC-WolfartKlinik konnte er erstmals in Deutschland seine Vision eines interdisziplinären Zentrums für Adipositastherapie mit chirurgischem Schwerpunkt unter einem Dach realisieren.

Von 2007 bis 2011 war Dr. med. Meyer Mitglied des Vorstandes der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie (CA-ADIP) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. National und international hat er neben regelmäßiger Vortragstätigkeit mehr als 200 wissenschaftliche Publikationen und Buchbeiträge veröffentlicht.
Mit über 1.000 durchgeführten bariatrischen Operationen (Magenband, Magenbypass, Schlauchmagen, Diversionsmethoden und Schrittmacher) und endoskopischen Verfahren in annähernd 20 Jahren zählt der Arzt zu den erfahrensten Adipositaschirurgen Deutschlands.
Dipl.-Oecotrophologin Jutta Peters
Diplom Oecotophologin VDOE,
Adipositaszentrum der RoMed Kliniken
Redaktionelle Beiträge
Du bist, was Du isst! | Ernährung nach einer bariatrischen Operation
1989 schloss Frau Peters ihr Studium der Oecotrophologie an der Fachhochschule Hamburg als diplomierte Oecotrophologin ab. Seit 2004 trägt sie die Zusatzqualifikation »Diabetesassistentin DDG« und besitzt seit 2006 das VDOE-Zertifikat. Sie war unter anderem für die AOK-Kaufbeuren und -Memmingen sowie für die Stoffwechselklinik in Bad Worishofen in der Ernährungsberatung tätig. Von 2006 bis 2008 arbeitete Frau Peters als Ernährungsberaterin und Therapeutin an der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen. Hier führte sie auch Personalschulungen zu diätetischen Themen durch und wirkte beim Aufbau des Adipositaszentrums mit. Von 2009 bis 2014 war Frau Peters bei der AMC-WolfartKlinik (Adipositas- und Metabolische Chirurgie) in München-Gräfelfing tätig. Sie organisierte Veranstaltungen und Symposien zum Thema »Ernährung und Adipositas« und führte Ernährungsberatungen in Gruppen- und Einzelgesprächen durch. Seit Anfang 2015 arbeitet Frau Peters als Diplom Oecotrophologin im Adipositaszentrum des RoMed Klinikverbundes.

Prof. Dr. med. Thomas Manger
Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie
Leiter des Referenzzentrums Adipositaschirurgie, SRH Wald-Klinikum Gera
Redaktionelle Beiträge
Historie und Entwicklung der Adipositaschirurgie | Der Magenballon
Prof. Dr. med. Manger studierte Humanmedizin an der Humboldt-Universität Berlin, approbierte 1979 und qualifizierte sich während seiner Tätigkeit am Evangelischen Diakoniewerk Königin Elisabeth in Berlin-Lichtenberg im Jahr 1986 zum Facharzt für Chirurgie.
Zwischen 1987 und 1993 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Chirurgischen Klinik an der Berliner Charité und im Anschluss bis 1999 leitender chirurgischer Oberarzt an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, an der er 1998 im Fach Chirurgie habilitierte.

Seit 1999 ist Prof. Dr. med. Manger als Chefarzt für Chirurgie tätig – bis 2002 am Klinikum Frankfurt (Oder) und im Anschluss am SRH Wald-Klinikum Gera.
Er ist Mitinitiator und Projektleiter der Studie zur Qualitätskontrolle der operativen Therapie der Adipositas (GBSR), deren Pilotphase 2005 gestartet wurde.
Manger gehört seit 2013 zum Vorstand der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie (CAADIP) und sieht seine Aufgabe in der bereits realisierten Verknüpfung des GBSR mit den Projekten im »Kompetenznetz Adipositas«.
Priv.-Doz. Dr. med. Christine Stroh
OÄ der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, SRH Wald-Klinikum Gera | Leiterin des Registers »Bariatrische Chirurgie«, Institut für Qualitätssicherung in der operativen Medizin | Leiterin Adipositaszentrum, SRH Wald-Klinikum Gera
Redaktionelle Beiträge
Historie und Entwicklung der Adipositaschirurgie | Qualität als Prinzip | Der Magenballon
Von 1988 bis 1994 studierte Dr. med. Stroh Humanmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Sie approbierte 1994, promovierte 1995 und arbeitete in diesem Zeitraum am SRH Wald-Klinikum Gera in der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie. Bis 1996 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena an der Klinik für Kinderchirurgie tätig, zog es die Medizinerin schließlich zum Wald-Klinikum Gera, in dem sie bis heute praktiziert. Im Jahr 2001 beendete sie die Weiterbildung zur Fachärztin für Chirurgie und ist seither in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie tätig. 2005 folgte die Ernennung zur Oberärztin und 2006 der Facharzttitel für Viszeralchirurgie und Proktologie. Im Zuge ihrer Tätigkeit in der Adipositastherapie absolvierte Dr. med. Stroh 2007 eine Fortbildung zur Ernährungsmedizinerin. Im Jahr 2011 folgte die Habilitation. Seit 1995 beschäftigt sich die Ärztin insbesondere mit der bariatrischen Chirurgie. Ihre klinischen Schwerpunkte liegen in der Adipositaschirurgie und Koloproktologie. Bis 10/2013 hatte sie das Amt der Sekretärin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie der Adipositas e. V. sowie der CAADIP inne, ist seit 2007 Beiratsmitglied der Deutschen Adipositasgesellschaft und Vertreterin der IFSO für die DGCA e.V. Seit 10/2013 ist Dr. med. Stroh zudem Vorsitzende der DGCA e. V. Auf dem Gebiet der Adipositaschirurgie hat die Medizinerin zahlreiche Vorträge auf nationalen und internationalen Kongressen gehalten und Publikationen veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualitätssicherung in der operativen Medizin koordiniert sie seit 2005 die Qualitätssicherungsstudie für operative Therapie der Adipositas.

Stroh hospitierte an mehreren bariatrischen Zentren in den USA und erhielt 1997 das Guleke-Stipendium der Thüringischen Gesellschaft für Chirurgie, 2001 den Guleke-Preis und 2006 das Reisestipendium der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.
Dr. med. Matthias Becker
Leitender Chefarzt der Chirurgischen Klinik | Leiter des Kompetenzzentrums für Adipositaschirurgie
Weißeritztal-Klinik Freital (Helios Klinik Gruppe)
Redaktioneller Beitrag
Schwangerschaft – vor oder nach einem bariatrischen Eingriff?
Der gebürtige Dresdner Dr. med. Becker absolvierte sein Medizinstudium an der Universität Dresden, an der er auch 1991 promovierte. 1989 absolvierte der Mediziner erfolgreich seine Prüfung zum Facharzt für Chirurgie und subspezialisierte sich 1997 in Viszeralchirurgie. Er arbeitete unter anderem in Dresden, Hamburg, Tübingen, Lüttich und Freital und führt seit über 20 Jahren bariatrische Eingriffe durch, wie Magenband-, Magenbypass- oder Schlauchmagen-Operationen. Dr. med. Becker ist leitender Chefarzt der Weißeritztal-Klinik Freital, die seit 2014 zur Helios Kliniken GmbH gehört und seit 2013 als Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie zertifiziert ist. Initiiert wurde die Zertifizierung von Dr. med. Becker, der das Adipositaszentrum leitet und koordiniert.

Dr. med. Bastian Grande
Oberarzt, Bereichsleitung Anästhesie
Institut für Anästhesiologie, UniversitätsSpital Zürich
Redaktioneller Beitrag
Narkose – in sicheren Händen
Dr. med. Grande studierte Medizin an der Universität Freiburg im Breisgau. Nachdem er sein Studium 2003 mit Promotion abgeschlossen hatte, war er von 2004 bis 2006 im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt in der Anästhesie und der chirurgischen Intensivmedizin tätig. Anschließend wechselte er als Anästhesist in das Klinikum Bremen Nord. Parallel zu seiner Tätigkeit als Narkosearzt übernahm Dr. med. Grande die Notarztstelle bei der Berufsfeuerwehr Bremen. Seit 2008 arbeitet er am Institut für Anästhesiologie am UniversitätsSpital Zürich, wo er bis heute im Kinderspital als Notarzt sowie in der chirurgischen Intensivmedizin tätig ist. 2009 als Facharzt für Anästhesie anerkannt, wurde Dr. med. Grande im selben Jahr zum Oberarzt des Institutes für Anästhesiologie ernannt und fungiert in der bariatrischen Chirurgie als Bereichsleiter. Er verfügt unter anderem über diverse Zusatzbezeichnungen im Bereich der Notfall- und Intensivmedizin, verfasste und publizierte viele Fachbeiträge zu den Themen »Anästhesiologie« und »Notfallmedizin« und hält über diese Themengebiete international Vorträge.

Dr. med. Grande engagiert sich ehrenamtlich für das Projekt »Our Children and Our Future« (www.our-children-and-our-future.de)
Dr. jur. Christel Köhler-Hohmann
Fachanwältin für Medizinrecht, München
Redaktioneller Beitrag
Wer soll das bezahlen?
Als Fachanwältin für Medizinrecht ist Dr. jur. Köhler-Hohmann auf das Gesundheitsrecht fokussiert. Langjährig als Anwältin und bis 2013 als Leiterin der Rechtsabteilung des Städtischen Klinikums München tätig, hat sie sich auf das Krankenhausrecht spezialisiert. Sie vertritt Kliniken unter anderem in der Durchsetzung ihrer Entgeltansprüche gegen gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen. Neben Kliniken unterstützt und vertritt sie auch Patienten bei der Durchsetzung ihrer Leistungsansprüche.

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Thalheimer
Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie, RoMed Klinik Bad Aibling,
Leiter des Adipositaszentrums der RoMed Kliniken
Redaktioneller Beitrag
Der Schlauchmagen (Magensleeve-Resektion)
1998 beendete Dr. med. Thalheimer das Studium der Humanmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach Erlangung seiner Approbation als Arzt im Jahr 1999 war er von 2000 bis 2005 als wissenschaftlicher Assistent an der Chirurgischen Universitätsklinik Würzburg tätig.
2005 als Facharzt für Chirurgie anerkannt, folgte 2008 die Ernennung zum Oberarzt für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie der Universitätsklinik Würzburg und 2009 zum stellvertretenden Leiter des Adipositaszentrums Würzburg.
2010 erhielt Dr. med. Thalheimer die Lehrbefugnis für das Fach Chirurgie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 2011 erlangte er den Facharzttitel für Viszeral Chirurgie und 2012 den für spezielle Viszeral Chirurgie.

Seit 2012 ist Dr. med. Thalheimer Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie der RoMed Klinik Bad Aibling. Einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit bilden der Aufbau und die Etablierung des interdisziplinären Adipositaszentrums der RoMed Kliniken der Stadt und des Landkreises Rosenheim.
Dr. med. Thalheimer war und ist an zahlreichen klinischen und wissenschaftlichen Studien zum Thema »Adipositaschirurgie« beteiligt.
Dr. Steffen Krause
CA der Chirurgischen Abteilung, Klinik Tönning | Ärztl. Leiter des Adipositas-Zentrums Nord, Klinikum Nordfriesland gGmbH
Redaktioneller Beitrag
Das Magenband
1986 schloss Dr. Krause sein Medizinstudium mit Promotion an der Universität Mainz ab. Als Facharzt für Chirurgie (1993) und Viszeralchirurgie (1998) befasst sich der Mediziner seit 1998 mit der bariatrischen Chirurgie. 2002 gründete Dr. Krause das Adipositas-Zentrum Nord am Klinikum Nordfriesland in Tönning und nimmt seither die Funktion des ärztlichen Leiters wahr. Als zweite deutsche Einrichtung dieser Art erfolgte 2010 die Zertifizierung zum Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Dr. Krause ist zudem als ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) sowie als Chefarzt der Chirurgischen Abteilung der Klinik Tönning tätig. Des Weiteren ist er Mitglied der Deutschen Adipositas Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie der Adipositas, der International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders (IFSO) sowie Gründungsmitglied der CA-ADIP. Dr. Krause praktiziert unter anderem als Ernährungsmediziner und lebt als Vater von fünf volljährigen Kindern in Friedrichstadt.

Inga Biere
Bariatric Nurse, Klinik Tönning | Koordination Patientenmanagement, Adipositaszentrum Nord
Redaktioneller Beitrag
Das Magenband
Die gelernte Arzthelferin arbeitet seit Mitte 2011 ausschließlich im Adipositas-Zentrum Nord, in dem sie eine Vielzahl zentraler Aufgaben erfüllt. So führt sie, gemeinsam mit Dr. Krause, die Erstgespräche mit den Patienten, regelt die weitere Vorgehensweise und koordiniert die Folgetermine mit den Behandelnden. Außerdem unterstützt Frau Biere die Patienten bei der Stellung des Antrages auf Kostenübernahme von konservativen oder operativen Maßnahmen. Weitere Tätigkeitsfelder ihrer Arbeit liegen in der Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen, Symposien sowie in der Unterstützung regionaler Selbsthilfegruppen. Außerdem nimmt Frau Biere regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen zum Thema »Adipositas« teil.

Dr. med. Martin Sykora
Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie Kantonsspital Nidwalden
Leiter Adipositaszentrum Zentralschweiz (Spitale: Luzern, Stans, Sursee)
Redaktioneller Beitrag
Adipositasbehandlung bei Kindern und Jugendlichen
Dr. med. Sykora absolvierte sein Medizinstudium an der Universität Heidelberg und promovierte über hormonelle Regelmechanismen. Von 1994 bis 1999 arbeitete er als Assistenzarzt und von 1999 bis 2003 als Oberarzt an der Chirurgischen Klinik (Fürst-Stirum-Klinik) in Bruchsal, einem Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Ab 2003 war Dr. med. Sykora Oberarzt und ab 2009 leitender Arzt in der Chirurgie des Luzerner Kantonsspitals.

Seit 2014 praktiziert Dr. med. Sykora als Chefarzt der Chirurgie im Kantonsspital Nidwalden, ist jedoch auch weiterhin Leiter des interdisziplinären Adipositaszentrums Zentralschweiz mit den Standorten Luzern, Stans und Sursee. Neben den Titeln »Facharzt für Chirurgie« und »Facharzt für Viszeralchirurgie« ist er zertifizierter minimalinvasiver Chirurg der DGVC sowie diplomierter Gesundheitsökonom. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Adipositastherapie, Gallenblasenchirurgie und kolorektale Chirurgie (Dick- und Mastdarmchirurgie).
In den vergangenen Jahren hielt der Mediziner Vorträge bei verschiedenen medizinischen Fachtagungen, unter anderem zum Themengebiet »Adipositaschirurgie und Adipositastherapie bei jungen Menschen«.
Prof. Dr. med. Beat Müller
Sektionsleiter Minimal-Invasive Chirurgie der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Chirurgischer Leiter des Adipositas- und Diabeteszentrums Heidelberg, Universitätsklinikum Heidelberg
Redaktioneller Beitrag
Adipositas und Diabetes
Der gebürtige Schweizer studierte Humanmedizin an der Universität Zürich, wo er 1997 die Approbation erlangte. Es folgten Stationen in Aarberg und St. Gallen. 2006 wechselte Prof. Dr. med. Müller als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Heidelberg und habilitierte dort 2009 bei Prof. Dr. med. Büchler. Im selben Jahr wurde der Mediziner zum Oberarzt der Universitätsklinik Heidelberg und 2010 zum Leiter der Sektion »Minimal-Invasive Chirurgie« ernannt. Seit 2012 ist er als wissenschaftlicher Leiter (Cognition-Guided-Surgery) und erster Oberarzt der Chirurgischen Klinik der Universität Heidelberg tätig.

Prof. Dr. med. Müller hat zahlreiche Studien und wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und ist Mitglied der International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders (IFSO), der European Association of Endoscopic Surgeons (EAES), der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und Vorstandsmitglied der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Adipositastherapie und metabolische Chirurgie (CAADIP) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein und Viszeralchirurgie (DGAV).
Zur Zeit leitet er die erstmals durchgeführte »DiaSurg-2-Studie«. Diese hat das Ziel, bei einer Gruppe mäßig übergewichtiger Diabetiker mit gelegtem Magenbypass zu untersuchen, inwieweit sich Blutzuckerspiegel und Stoffwechselsituation normalisieren und Spätschäden des Diabetes verhindert werden können.
Dr. med. Katrien Jacobi
Koordination Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling
Leiterin Projekt »Smart XL®«
Redaktioneller Beitrag
Erfolg im Team – Konzept Smart XL®
Dr. med. Jacobi studierte Humanmedizin an der Universität Gent in Belgien. 1990 promoviert, arbeitete sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Nephrologie der Universität Gent und wechselte als wissenschaftliche Mitarbeiterin in die experimentelle Chirurgie der Universitätsklinik Berlin (Charité). An dieser Klinik war die Medizinerin von 2001 bis 2007 als freiberufliche wissenschaftliche Mitarbeiterin für Studienbetreuung, Publikationsübersetzung und Studienmonitoring zuständig. Seit 2009 ist Dr. med. Jacobi für die Koordination und das Patientenmanagement des zertifizierten Adipositaszentrums zuständig. Ferner leitet sie seit Mitte 2013 das Smart XL®-Projekt am Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling.

Prof. Dr. med. Christoph Andreas Jacobi
Chefarzt des Zentrums für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie und Traumatologie
Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling
Redaktioneller Beitrag
Erfolg im Team – Konzept Smart XL®
Prof. Dr. med. Jacobi studierte Humanmedizin an der Universität Köln. Nach seiner Promotion im Jahr 1991 arbeitete er bis 1994 in der Chirurgischen Klinik der Universität Köln und wechselte anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Chirurgischen Universitätsklinik Charité der Humboldt-Universität Berlin. Hier erlangte er 1997 den Facharzttitel sowie die Lehrbefugnis für das Fach Chirurgie. Im Jahr 2002 wurde Prof. Dr. med. Jacobi zum leitenden Oberarzt und stellvertretenden Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Charité ernannt. Es folgten die Zusatzbezeichnungen Unfall-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie und der Professorentitel im Jahr 2003. Seit 2007 ist der Mediziner Chefarzt des Zentrums für Allgemein-, Viszeral- und Adipositaschirurgie und Traumatologie am Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling. Hier verwirklichte er – gemeinsam mit seiner Frau Dr. med. Katrien Jacobi – seine Vision eines multimodalen Therapiekonzeptes für Adipositaspatienten in Form des Projektes Smart XL®, das durch den Dialog mit Behandelnden, Patienten und Kostenträgern stetig weiterentwickelt und optimiert wird. Darüber hinaus leitet Prof. Dr. med. Jacobi eine Vielzahl von Studien und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, von verschiedenen chirurgischen Arbeitsgemeinschaften und der European Association of Endoscopic Surgery.
Dr. med. Plamen Staikov
Chefarzt der Chirurgie Krankenhaus Sachsenhausen
Leiter des Zentrums für Übergewicht, Adipositas und Stoffwechselerkrankungen Krankenhaus Sachsenhausen
Redaktioneller Beitrag
Der Magenbypass
Dr. med. Staikov studierte Humanmedizin an der medizinischen Universität Sofia (Bulgarien) und an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Den akademischen Titel »Doktor der medizinischen Wissenschaften« erhielt er von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 1996 bis 2001 als Assistenzarzt an der Klinik für Chirurgie im nationalen Institut für Notfallmedizin in Sofia beschäftigt, erlangte er 2001 den Facharzttitel für Chirurgie (Bulgarien). Im Jahr 2002 wechselte er an die Klinik für Chirurgie des Diakonissenkrankenhauses Dessau und erwarb hier auch seinen deutschen Facharzttitel. Ein Jahr darauf arbeitete Dr. med. Staikov als Oberarzt und stellvertretender Chefarzt (ab 2005) an der Neuruppiner Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Ruppiner Kliniken GmbH (Lehrkrankenhaus der Charité). Nach seiner Ernennung zum Facharzt für Viszeralchirurgie im Jahr 2007 zog es den Mediziner 2008 in das Baermed.-Zentrum für Bauchchirurgie nach Zürich, in dem er bis heute als Chirurg und Leiter des Zentrums für Adipositaschirurgie praktiziert.

Im Dezember 2014 wurde Dr. med. Staikov zum Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus Frankfurt Sachsenhausen ernannt, wo er auch das Zentrum für Übergewicht, Adipositas und Stoffwechselerkrankungen leitet.
Priv.-Doz. Dr. med. Jens Aberle
Ärztliche Leitung des Ambulanzzentrums (Bereich Endokrinologie, Diabetologie und Adipositas)
Leiter des Universitären Adipositaszentrums Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Redaktioneller Beitrag
Folge- und Begleiterkrankungen der Adipositas
Nach seinem Medizinstudium an der Universität Hamburg und der University of Toronto sowie seiner Promotion arbeitete Dr. med. Aberle zunächst an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin im biochemischen Stoffwechsellabor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und im Addenbrook’s Hospital in Cambridge (England). Von 2001 bis 2007 war er als Assistenzarzt in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin beziehungsweise in der 3. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig. Im Jahr 2006 erlangte der Mediziner den Facharzttitel für Innere Medizin und 2007 die Schwerpunktbezeichnung »Endokrinologie und Diabetologie«. Im Jahr 2007 wurde Dr. med. Aberle zum Oberarzt und stellvertretenden Leiter der Sektion »Endokrinologie und Diabetologie« des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie zum Leiter des Universitären Adipositaszentrums Hamburg ernannt. 2009 folgte die Habilitation zum Privatdozenten für Innere Medizin mit dem Thema: »Ursachen der Adipositas und des Diabetes mellitus Typ 2«. Seit 2012 hat Dr. med. Aberle die Funktion des leitenden Arztes der Sektion »Endokrinologie und Diabetologie« des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf inne.

Der Mediziner hat zahlreiche Studien geleitet und begleitet und über 40 Artikel in nationalen und internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Des Weiteren hält er weltweit Vorträge zum Thema »Adipositas und Komorbiditäten«.
Prof. Dr. med. Andreas Türler
Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Evangelische Kliniken Bonn gGmbH, Johanniter-Krankenhaus Leiter des zertifizierten Kompetenzzentrums für Adipositas- und Metabolische Chirurgie
Redaktioneller Beitrag
Der Body-Mass-Index | Bin ich ein OP-Kandidat?
Prof. Dr. med. Türler studierte Humanmedizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Von 1994 bis 1998 war er als Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik und Poliklinik für Chirurgie der Universität Köln sowie von 1998 bis 2000 als Assistenzarzt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Bonn tätig. Im Jahr 2000 erhielt er den Facharzttitel für Allgemeine Chirurgie. 2003 folgte die Ernennung zum Oberarzt des Klinikums und 2005 der Facharzttitel für Viszeralchirurgie. In seiner oberärztlichen Zeit etablierte Prof. Dr. med. Türler die Adipositaschirurgie im Bonner Universitätslinikum. Nachdem der Mediziner 2005 zum geschäftsführenden Oberarzt des Klinikums ernannt wurde, wechselte er 2007 als Chefarzt in die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Evangelischen Kliniken Bonn gGmbH (Johanniter-Krankenhaus). Er etablierte auch hier erfolgreich die Adipositaschirurgie, wurde 2008 zum außerplanmäßigen Professor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ernannt und erlangte 2012 den Zusatztitel »Spezielle Viszeralchirurgie«. Seine klinischen Schwerpunkte liegen in der Adipositaschirurgie, Minimal-Invasiven Chirurgie und Onkologischen Viszeralchirurgie.

Prof. Dr. med. Türler ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie, der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie, der International Federation for the Surgery of Obesity (IFSO) sowie zahlreicher weiterer chirurgischer Gesellschaften.
Dr. med. Min-Seop Son
Leitender OA der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Evangelische Kliniken Bonn gGmbH, Johanniter-Krankenhaus Oberärztliche Leitung des zertifizierten Kompetenzzentrums für Adipositas- und Metabolische Chirurgie
Redaktioneller Beitrag
Der Body-Mass-Index | Bin ich ein OP-Kandidat?
Nach seinem Studium der Humanmedizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn arbeitete Dr. med. Son von 2004 bis 2006 als Assistenzarzt in der Chirurgie im Johanniter-Krankenhaus Bonn und drei weitere Jahre als Assistenzarzt in der Allgemein- und Viszeralchirurgie im St. Marienhospital in Bonn. Im Jahr 2009 promovierte der Mediziner und erwarb den Facharzttitel für Chirurgie. 2010 folgte die Ernennung zum Oberarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Adipositaschirurgie im Johanniter-Krankenhaus Bonn. Seit 2013 ist Dr. med. Son als Facharzt für Viszeralchirurgie mit der Zusatzqualifikation »Spezielle Viszeralchirurgie« anerkannt. Im selben Jahr wurde der Mediziner zum Leitenden Oberarzt der Klinik erhoben. Dr. med. Son ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie, der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie und der International Federation for the Surgery of Obesity (IFSO) sowie weiterer chirurgischer Gesellschaften.

Dr. med. Johannes Diermann
Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Gefäß-, Unfall- und Viszeralchirurgie
Leiter der Evangelischen Krankenhaus Hattingen gGmbH
Redaktioneller Beitrag
Die EndoBarrier-Therape – neue Technik für alte Leiden
Dr. med. Diermann schloss 1988 sein Studium der Humanmedizin an der Freien Universität Berlin mit dem Staatsexamen ab und erlangte 1990 die Approbation und Promotion. Von 1989 bis 1990 war er als Arzt im Praktikum in der Chirurgischen Abteilung im Wenckebach-Krankenhaus (Berlin) und als ärztlicher Redakteur beim Klinischen Wörterbuch »Pschyrembel« (Verlag Walter De Gruyter) tätig. Ab 1991 arbeitete Dr. med. Diermann als Assistenzarzt und verantwortlicher Arzt für die Tumorsprechstunde an der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der Freien Universität Berlin (Universitätsklinikum Benjamin Franklin). Es folgten 1995 die Anerkennung des Facharzttitels für Chirurgie und 1997 die Ernennung zum leitenden Oberarzt und Arzt der chirurgischen Endoskopie der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin. Ferner war Dr. med. Diermann von 1998 bis 1999 auch als kommissarischer Leiter und von 2000 bis 2008 als Chefarzt der Klinik tätig. Im Jahr 2009 verschlug es Dr. med. Diermann als verantwortlicher medizinischer Leiter (Senior Consultant Surgeon) für Viszeralchirurgie und bariatrische Chirurgie nach Norwegen. Zwei Jahre später kehrte er als Oberarzt in die Abteilung für Allgemein-, Gefäß-, Unfall- und Viszeralchirurgie an das Evangelische Krankenhaus Hattingen zurück. Dr. med. Diermann gilt als einer der führenden Spezialisten in der Implantation des EndoBarrier-Systems. Als Facharzt trägt er die Zusatzbezeichnungen »Fachkunde Ösophago-Gastro-Duodenoskopie« (1998), »Gefäßchirurgie« (1999), »Viszeralchirurgie« (2000) und »spezielle Viszeralchirurgie« (2013).

Der Mediziner ist Mitglied in der European Association of Endoscopic Surgery (E.A.E.S.), der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) sowie in zahlreichen weiteren Arbeitsgruppen und medizinischen Gesellschaften. Des Weiteren schreibt er schon lange Jahre für das medizinische Nachschlagewerk »Pschyrembel«.
Dipl.-Psychologe Uwe Machleit
Psychologischer Leiter des Adipositaszentrums NRW
Augusta Kliniken Bochum Hattingen, Akademische Lehrkrankenhäuser
Redaktioneller Beitrag
Psychologie und Adipositas
Nach seinem Studium der Psychologie an der Ruhr Universität Bochum, bildete sich Machleit 1988 in der ambulanten Adipositastherapie an der Sandoz Nutrition Academy Minneapolis (USA) fort.
Im Jahr 1989 baute Machleit das deutschlandweit erste ambulante interdisziplinäre Adipositaszentrum am Krankenhaus in Bochum-Linden auf und ist seither als Zentrumsleiter tätig.
Der diplomierte Psychologe verfügt über umfangreiche Erfahrungen auf den Gebieten der Psychotherapie, Ernährungstherapie und multimodalen Nachsorge bei Adipositaspatienten. Ferner ist Machleit als psychologischer Gutachter hinsichtlich invasiver Therapieverfahren (wie EndoBarrier) anerkannt und mit über 4.000 behandelten Adipositaspatienten als Spezialist und Referent gefragt. Zudem wendet Machleit seit 2008 klinische Hypnose bei Patienten mit morbider Adipositas an. Seine Approbation als Psychologischer Psychotherapeut erhielt er im Jahr 1999.
Herr Machleit ist Mitglied der Deutschen Adipositas Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, des Bundes Deutscher Psychologen, der Psychotherapeutenkammer NRW und der Arbeitsgruppe »Multimodale Nachsorge« des VFED in Aachen.

Der diplomierte Psychologe, psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Hypnotherapeut wohnt in Hattingen.
Dr. med. Beate Herbig
Chefärztin der Adipositas Klinik | Leiterin des Referenzzentrums Adipositaschirurgie, Schön Klinik Hamburg
Redaktioneller Beitrag
Das Gespräch mit dem Arzt
Dr. med. Herbig studierte von 1978 bis 1983 Humanmedizin an der Charité Berlin und verbrachte im Anschluss ein Jahr in den Vereinigten Staaten. Ihre Approbation erfolgte 1986, ihre Promotion ein Jahr später. Von 1986 bis 1991 war die Medizinerin als Assistenzärztin in der Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Hamburg-Altona tätig. Nach Ihrer Ernennung zur Fachärztin für Chirurgie wechselte sie als leitende Oberärztin an die Chirurgische Klinik des Diakonie-Klinikums Hamburg. Als Fachärztin für Viszeralchirurgie und Spezielle Viszeralchirurgie (1997) und führt Dr. med. Herbig seit 1999 adipositaschirurgische Operationen durch. Unter ihrer Leitung erlangte die Chirurgische Klinik des Diakonie-Klinikums Hamburg 2010 die Zertifizierung zum Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie. 2012 folgte die Ernennung der Medizinerin zur Chefärztin der Adipositas-Klinik in der Schön Klinik Hamburg. 2013 wurde die Klinik ein Referenzzentrum für Adipositaschirurgie.

Dr. med. Herbig ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Viszeralchirurgie (DGAV), der International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders (IFSO), der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Adipositastherapie und metabolische Chirurgie (CAADIP) sowie weiterer Gesellschaften und Arbeitsgemeinschaften.
Dr. med. Dirk F. Richter
Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling
Redaktioneller Beitrag
Body-Lift/Ganzkörperstraffung
1990 beendete Dr. med. Richter sein Studium der Humanmedizin an der medizinischen Fakultät der Universität Köln mit der Approbation. Anschließend arbeitete er an der Universitätsklinik Plastische Chirurgie in Rio de Janeiro (Brasilien) und von 1991 bis 1993 in der Abteilung für Allgemein- und Plastische Chirurgie der Klinik und Praxis am Haubrichtshof in Köln. Seit 1993 praktiziert der Mediziner in der Plastischen Chirurgie des Dreifaltigkeits-Krankenhauses Wesseling – zunächst als Assistenzarzt, später als 2. Oberarzt und seit 2001 als Chefarzt. Den Facharzttitel für Plastische Chirurgie erlangte Dr. med. Richter im Jahr 1997. Mit über 4.000 Body-Lift-Operationen gelten er und sein Team als eine der Topadressen. Dr. med. Richter zählt heute zu einem weltweit gefragten Spezialisten und spricht auf verschiedenen Kongressen und Tagungen zum Thema »Hautstraffung und plastische Chirurgie«.

Dr. med. Hinrich Köhler
Chefarzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, HEH – Herzogin-Elisabeth-Hospital Braunschweig
Redaktioneller Beitrag
Die richtige Adresse
Dr. med. Köhler studierte nach seinem Abitur im Jahr 1989 von 1990 bis 1997 Medizin in Göttingen. Seine Promotionsarbeit über lokale Behandlung von Lebermetastasen schloss er 1997 mit Erlangung des Doktortitels ab.

Die chirurgische Facharztausbildung erfolgte von 1997 bis 2003 in den chirurgischen Abteilungen der Universitätsklinik Tübingen, des Städtischen Klinikums Braunschweig und des Marienstiftes Braunschweig. Nach seiner Prüfung zum Facharzt wechselte Dr. med. Köhler an die Chirurgische Klinik des Herzogin-Elisabeth-Hospitals Braunschweig und begann mit dem Aufbau eines Adipositaszentrums. Es folgten Hospitationen in der Cleveland-Clinic-Florida, der Medizinischen Hochschule Hannover sowie in Belgien, Schweden und Österreich.
Im November 2008 wurde Dr. med. Köhler zum Chefarzt der Chirurgischen Klinik ernannt und anschließend die Adipositaschirurgie weiter ausgebaut. Gegenwärtig bietet die Klinik regelmäßig Operationskurse und Hilfestellung bei externen Operationen in anderen Kliniken an (Proctorship). 2010 erlangte die Klinik die Zertifizierung zum Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie. Seither werden jährlich circa 200 adipositaschirurgische Operationen durchgeführt. Im Jahr 2013 wurde die Klinik zum Referenzzentrum für Adipositaschirurgie re-zertifiziert.
Adipositas
Der Body-Mass-Index
Adipositas in Deutschland
Du bist, was Du isst!
Psychologie und Adipositas
Folge- und Begleiterkrankungen der Adipositas
Adipositas und Diabetes
Adipositasbehandlung bei Kindern und Jugendlichen
Von Adlern und Ziegen
Der Body-Mass-Index
Das Maß aller Dinge?
Fachbeitrag von Chefarzt Prof. Dr. med. Andreas Türler und leitenden Oberarzt Dr. med. Min-Seop Son vom Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie der Evangelischen Kliniken Bonn GmbH, Johanniter-Krankenhaus
In diesem Buch ist häufig die Rede vom Body-Mass-Index. Aus diesem Grund möchten wir Sie in diesem Kapitel ausführlich über diese »Größe« informieren. Der Body-Mass-Index (BMI) wurde 1835 von dem belgischen Mathematiker und Astronomen Adolphe Quetelet entwickelt. Im Rahmen seiner anthropometrischen Studien versuchte er, den »mittleren Menschen« (französisch: »homme moyen«) mit einer mathematischen Formel zu erfassen. Zu diesem Zweck setzte er das Körpergewicht in Relation zum Quadrat der Körpergröße.

In der Annahme, dass ein Abweichen von der Norm mit einem höheren Erkrankungsrisiko einhergeht, nahmen amerikanische Versicherungen Mitte des letzten Jahrhunderts den BMI zur Berechnung der Beitragshöhe ihrer Policen zu Hilfe. Auch in Deutschland spielt der BMI im Rahmen der Gesundheitsprüfung für die Verbeamtung eine wichtige Rolle. Zudem wendet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den BMI seit 1995 in einer international gültigen Gewichtsklassifikation an.
| Klassifikation | BMI (kg/m2) |
| Untergewicht | < 18,50 |
| Normalgewicht | 18,50 – 24,99 |
| Übergewicht | 25,00 – 29,99 |
| Adipositas | ≥ 30,00 |
| Adipositas-Grad 1 | 30,00 – 34,99 |
| Adipositas-Grad | 2 35,00 – 39,99 |
| Adipositas-Grad 3 | ≥ 40,00 |
BMI-Klassifikation nach WHO-Standard
Der Vorteil des BMI liegt in der einfachen Anwendbarkeit. Insbesondere im Rahmen von Studien gewährleistet der BMI eine sichere Vergleichbarkeit von Ergebnissen.
Der große Kritikpunkt ist allerdings, dass der BMI die individuelle »Körperkomposition« unberücksichtigt lässt. Tatsächlich wird die unterschiedliche Gewebemasse von Muskulatur oder Fettgewebe nicht bewertet. So geht ein hoher Körperfettanteil mit einem entsprechend hohen BMI einher. Umgekehrt ist auch ein leicht erhöhter BMI bei muskulösen Sportlern zu beobachten, da das Muskelgewebe schwerer ist als das Fettgewebe. Ferner unberücksichtigt bleiben Alter, Geschlecht und Fettverteilung.
In diesem Zusammenhang ist auch das sogenannte »Adipositasparadoxon« zu nennen. Unter diesem Begriff wird die Tatsache zusammengefasst, dass Übergewichtige bei bestimmten Erkrankungen eine bessere Prognose haben als normalgewichtige Menschen. Somit scheint der BMI ein ungenauer Faktor zu sein, um die Gesundheit eines Menschen zu bewerten.
Verschiedene Studien haben außerdem belegt, dass gerade die geschlechtsspezifische Fettverteilung einen erheblichen Einfluss auf die Ausbildung von Begleiterkrankungen hat. Während Frauen eher unter einer bein- und gesäßbetonten Fettverteilung (»Birnentyp«) leiden, liegt der Hauptspeicherort des Fettes bei Männern meist im Bauchbereich (»Apfeltyp«).
Insbesondere das sogenannte »viszerale Fett« (Bauchfett) ist mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. So setzt dieses Fett große Mengen an Proteinen (Adipokine) frei, die wiederum Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper nachhaltig beeinflussen. Mehrere Studien sehen eine erhöhte Rate an Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Krebserkrankungen als Folge dieser Fetteinlagerung an. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, den Bauchumfang auszumessen, der zwischen dem höchsten Punkt des Beckenkammes und dem unteren Rippenbogen bei mittlerer Atemlage liegt. Der Bauchnabel selbst ist hierfür ein ungeeigneter Orientierungspunkt, da er sich bei stark übergewichtigen Menschen in seiner Position verschiebt und somit stärkeren Schwankungen unterworfen ist. Dabei liegt bei Frauen ein geringes Erkrankungsrisiko ab einem Umfang von 80 cm und ein erhöhtes Risiko ab einem Umfang von 88 cm vor. Bei Männern liegen diese Grenzen bei 94 und 102 cm.
Um das individuelle, körpergewichtsabhängige Erkrankungsrisiko besser einschätzen zu können, suchte man nach Alternativen zum BMI (Prädiktoren). So wird zunehmend der Taillenumfang in Relation zum Hüftumfang (Waist-to-Hip-Ratio, WHR) oder zur Körpergröße (Waist-to-Height-Ratio, WHtR) gesetzt.

Vergleichsstudien zeigen, dass der WHtR bessere Rückschlüsse auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit zulässt als der BMI, der WHR oder das alleinige Ausmessen des Bauchumfanges. Tatsächlich schneidet der BMI als Variable vielfach am schlechtesten ab.
In diversen Studien wird ein WHtR-Wert von 0,5 häufig als Grenze von Normal- zu Übergewicht angegeben. Der Bauchumfang sollte also höchstens die Hälfte der Körpergröße messen. Allerdings ist hierbei nicht zu vergessen, dass die Vergleichbarkeit durch unterschiedliches Ausmessen des Bauchumfanges nicht immer zuverlässig möglich ist.
Es lässt sich zusammenfassen, dass der Body-Mass-Index als Prädiktor ungeeignet ist, um Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Tumorerkrankungen vorauszusagen. Tatsächlich scheint der WHtR zum heutigen Zeitpunkt die vielversprechendste Möglichkeit zu sein, Körpergewicht und Gesundheitsrisiko in Zusammenhang zu bringen. Zukünftige Aufgabe wird es sein, eine allgemeingültige Klassifikation (entsprechend dem BMI) zu etablieren. Weil der Body-Mass-Index jedoch nach wie vor von den meisten Medizinern, Behandlungszentren und Organisationen angewandt wird, werden Sie in diesem Buch immer wieder auf diese Messgröße treffen.
»BMI – nicht immer das Maß aller Dinge!«
Interviw mit Dr. med. Min-Seop Son, leitender Oberarzt des Kompetenzzentrums für Adipositaschirurgie der Evangelischen Kliniken Bonn GmbH, Johanniter-Krankenhaus
Warum konnte sich der BMI in der Medizin etablieren?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist der BMI Grundlage für eine der ältesten Gewichtsklassifizierungen, die wir kennen. Obwohl der BMI lediglich ein grober Richtwert ist, da er weder Statur und Geschlecht noch die individuelle Zusammensetzung der Körpermasse aus Fett- und Muskelgewebe eines Menschen berücksichtigt, machte ihn genau diese Einfachheit bei Wissenschaftlern so beliebt. Schließlich ermöglicht dieser Wert eine sachbezogene Gewichtsklassifizierung, die sich in Studien und Statistiken sehr einfach »verarbeiten« lässt. Sicherlich hat auch die Anwendung des BMI durch die amerikanischen Versicherungsgesellschaften zur Etablierung dieser Vergleichsgröße beigetragen. Gleiches gilt natürlich im verstärkten Maß auch für die Weltgesundheitsorganisation, die den BMI bereits seit 1980 verwendet und mit dieser Größe seit 1995 die unterschiedlichen Schweregrade der Adipositas klassifiziert.
Trotzdem gibt es mittlerweile BMI-Rechner, die sowohl Geschlecht als auch Alter in ihre Berechnung einfließen lassen.
Ja, das stimmt! Hier liegt wohl die Motivation darin, dass man die Schwächen des BMI erkannt hat und weitere Faktoren in diese Messgröße einfließen lassen möchte. Jedoch bedingt diese gesteigerte Komplexität auch eine höhere Fehleranfälligkeit in der Vergleichbarkeit.
Wird der BMI bald von genaueren Klassifizierungsgrößen abgelöst?
Wie Prof. Türler und ich bereits ausführten, existieren diese genaueren und effektiveren Klassifizierungsgrößen bereits. Nur wird es sehr schwer sein, eine weltweit etablierte Größe wie den BMI abzulösen. Funktionieren würde das auch nur dann, wenn Gesundheitsorganisationen, Mediziner, Forschungseinrichtungen und Statistiker dies bewusst initiieren. Ich will nicht sagen, das wird nie passieren, jedoch kostet es sicherlich viel Zeit, und die Notwendigkeit dafür bewertet jede Interessengruppe wahrscheinlich sehr unterschiedlich. In ganz anderen Bereichen unseres täglichen Lebens ist das übrigens ähnlich. Während beispielsweise viele Menschen Kilowatt (kW) für die geeignetere Maßeinheit halten, die Leistung eines Fahrzeuges zu berechnen, spricht der Großteil nach wie vor von der guten alten Pferdestärke (PS).
Für welche Menschen ist die Klassifizierung ihrer Gewichtssituation durch den BMI also ungeeignet?
Da Kinder und Jugendliche verschiedene Wachstumsphasen haben, lassen sie sich auch nicht immer eindeutig mit dieser Größe klassifizieren. So kann ein Jugendlicher, der mit 13 Jahren als stark übergewichtig gilt, weil seine Körpergröße im Verhältnis zum Gewicht dies aussagt, nach 12 Monaten durchaus wieder als normalgewichtig gelten, wenn er plötzlich eine starke Wachstumsphase durchläuft.
Ich bin der Ansicht, dass der BMI für eine einfache Gewichtsklassifizierung durchaus geeignet ist. Um jedoch die individuelle und spezifische Gewichtssituation genau einschätzen zu können, sind sowohl der WHtR als auch der WHR besser geeignet.
Adipositas in Deutschland
Fachbeitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Günther Meyer, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie und Leiter des Zentrums für Adipositas- und Metabolische Chirurgie, AMC-WolfartKlinik München-Gräfelfing
Nach der vom Robert Koch-Institut im Jahr 2012 veröffentlichten »Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland« gelten über 50 Prozent der Deutschen als zu dick und mehr als 20 Prozent mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30 kg/m2 als adipös (fettleibig) oder sogar stark adipös. 14 Jahre vorher waren lediglich 18 Prozent der deutschen Männer und Frauen dieser Gewichtsgruppe zuzuordnen. Aber nicht nur in Deutschland steigt die Zahl übergewichtiger Menschen. So schätzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2008, dass weltweit 1,4 Milliarden Menschen übergewichtig, davon 200 Millionen Männer und 300 Millionen Frauen stark adipös waren.
Gesundheitsorganisationen wie die WHO stufen Adipositas als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem ein und sprechen sogar von einer globalen Adipositasepidemie. So begünstigt die Adipositas nicht nur Gefäßkrankheiten und Gelenkbeschwerden, sondern erhöht zudem unter anderem das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Krebserkrankungen. Verbunden ist diese Entwicklung mit weitreichenden ökonomischen Konsequenzen, kosteten die Adipositas und deren Begleitkrankheiten dem Gesundheitssystem in Deutschland 2010 doch schätzungsweise 17 Milliarden Euro.
Neueste Zahlen belegen, dass Menschen mit starkem Übergewicht doppelt so häufig in Frührente gehen wie ihre Kollegen mit Normalgewicht. Auch bei den Kindern und Jugendlichen stellt sich die Situation nicht besser dar. So gelten über 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland als zu dick – eine Zahl, die sich laut Experten in den kommenden Jahren noch erhöhen wird.
Gründe für diese Entwicklung sehen Mediziner in einer deutlichen Veränderung der Lebens-, Arbeits- und Ernährungsweise. Immer mehr Menschen bewegen sich zu wenig. Körperliche Tätigkeiten in der Arbeitswelt werden zunehmend durch Büroarbeiten ersetzt. Hingegen kennzeichnet sich der private Lebensbereich dadurch, dass zunehmend schon kurze Distanzen mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden und Freizeitaktivitäten, dank Home Entertainment sowie einer wachsenden Zahl von Unterhaltungs- und Internetdiensten, oft zu Hause bewegungsarm stattfinden.
Aber auch die Ernährungsweise vieler Menschen hat sich verändert. Wurde Fleisch früher eher als Beilage betrachtet, hat sich der weltweite Verbrauch heute vervierfacht. Während gesunde, fettarme und nährstoffreiche Lebensmittel an Bedeutung verlieren, nehmen fett- und zuckerhaltige Nahrungsquellen zu. Gefördert wird dies unter anderem durch ein immer dichter werdendes Netz an Fast Food- und Snackangeboten.
»Das universale Heilmittel gegen Übergewicht existiert nicht!«
Warum nimmt die Zahl adipöser Menschen sowohl in Deutschland als auch im Ausland so dramatisch zu?
Dazu müssen wir zunächst verstehen, dass sich unsere im Laufe der Entwicklungsgeschichte erworbene Fähigkeit Fettdepots anzueignen, unser Überleben sicherte. So konnten bereits unsere Vorfahren in »guten Zeiten« ihre Fett- und somit Energiedepots aufbauen, um in »schlechten Zeiten« davon zu profitieren. Mittlerweile gibt es gerade in den Industrieländern ausschließlich sogenannte »fette Zeiten«. Dies bedeutet, dass hier lebende Menschen keine Zeiten erleben, in denen die aufgebauten Fettdepots aufgrund von »Nahrungsknappheit« oder wirtschaftlicher Not aufgebraucht werden. Hinzu kommen noch drei weitere Faktoren:
1.Berufs- und Lebenssituation
In einer Zeit der Automatisierung und Technisierung sinkt der Anteil an körperlichen Tätigkeiten stetig, während Büroarbeiten immer weiter zunehmen. Dies beeinflusst unsere Gewichtssituation erheblich. Auch im Privatleben neigen wir zu immer mehr Bequemlichkeit. So verbringen wir unsere Freizeit zunehmend vor dem PC oder Fernseher und widmen uns einer Vielzahl von medialer Unterhaltung und Kommunikationsangeboten. Dabei bieten sich uns reichlich Gelegenheiten zum Essen und Naschen. Sportliche Tätigkeiten beziehungsweise körperliche Betätigung rücken bei vielen Menschen in den Hintergrund. Passt man nun seine Ernährungsgewohnheiten nicht diesem Minus an Bewegung an, ist ein Plus auf der Waage garantiert.
2.Nahrungsangebot und -qualität
Jeder von uns erlebt fast täglich die Zunahme des Angebotes an fettreicher und zuckerhaltiger Nahrung. Immer mehr neue Snacks und kalorienreiche Lebensmittel begegnen uns mittlerweile nicht nur in Supermärkten, sondern auch in Kinos, Tankstellen, ja sogar Baumärkten. Die Industrie hat schon lange erkannt, dass Fett und Zucker beliebte Geschmacksträger sind und führt diese beiden »Dickmacher« immer mehr Produkten zu. Häufig ist dies für den Verbraucher nicht ersichtlich. So stellen selbst vermeintlich gesunde Lebensmittel häufig wahre Kalorienbomben dar.
3.Ernährungsweise
Neben dem zunehmenden Angebot an Lebensmitteln hat sich auch unsere Ernährungsweise deutlich verändert. Kam Fleisch früher lediglich einer Beilage gleich, rückt es heute immer mehr in den Mittelpunkt. Dies betrifft sowohl die Menge als auch die Häufigkeit des Konsums. Geschuldet ist diese Entwicklung dem stetig sinkenden Preis von Fleischerzeugnissen. So dokumentiert beispielsweise Wikipedia, dass in Deutschland im Jahr 1950 ein Kilogramm Schweinefleisch 1,6 Prozent des monatlichen Nettoverdienstes kostete, während es 2002 lediglich 0,28 Prozent waren. Auch neigen wir in unserer Ernährungsweise zum häufigen Konsum von Schnellgerichten und zuckerhaltigen Getränken. Das bekannte Drei-Mahlzeiten-Modell ist für viele Jugendliche und Erwachsene nicht mehr existent. Zu unserem Alltag gehören heute eine schnelle Wurst an der Bude vor dem Supermarkt oder die Nachos mit Käse-Dip im Kino. Dabei sinngemäß ins Gewicht fällt, dass diese Art der Nahrung keine der Hauptmahlzeiten ersetzt, sondern lediglich ergänzt.
Ist Adipositas eine Krankheit oder nur eine Charakterschwäche?
Adipositas oder krankhaftes Übergewicht ist eine Erkrankung mit vielen unterschiedlichen Ursachen. Wir sprechen von Adipositas, wenn Menschen einen sogenannten Body-Mass-Index (BMI) von über 30 kg/m2 haben. Die Ursache für krankhaftes Übergewicht ist dabei einfach auszumachen: Der Körper bekommt zu viel Energie in Form von Lebensmitteln und verbraucht zu wenige Kalorien in Form von Bewegung. Dadurch entsteht ein Überschuss, der als Fett in den Fettzellen gespeichert wird. Auch wenn sich Mediziner und Wissenschaftler in diesem Punkt einig sind, existieren noch viele andere Bereiche, die nicht vollständig geklärt werden konnten: So gibt uns die Steuerung von Appetit/Hungergefühl ebenso gewisse Rätsel auf, wie die Tatsachen, dass Menschen einen unterschiedlich hohen Energiegrundverbrauch haben und der Stoffwechsel durch viele falsche Diäten ungünstig verändert wird. Auch wenn wir in den vergangenen Jahren große Fortschritte auf diesen Gebieten gemacht haben, besteht nach wie vor ein erheblicher Forschungsbedarf. Gleiches gilt für genetische Faktoren.
Für die Behandlung der Adipositas bedeutet dies, dass die Patienten individuell untersucht und behandelt werden müssen. Diese Krankheit einfach als Charakterschwäche abzustempeln, entspricht oft nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Die American Medical Association (AMA), die größte Standesvertretung US-amerikanischer Ärzte und Medizinstudenten, beschloss 2013, dass Adipositas nicht länger nur als körperlicher Zustand oder Risikofaktor, sondern als eine Erkrankung zu definieren ist. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und viele weitere Institutionen kamen zum gleichen Ergebnis. Es findet demnach auch hier ein Umdenken statt. So wird die Adipositas mittlerweile weltweit als Krankheit wahrgenommen und nicht als Willensschwäche ausgelegt.
Welche Therapieformen für adipöse Menschen sind effektiv?
Die universelle Pille gegen Adipositas gibt es nicht. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass diese Krankheit, wie eben beschrieben, viele Ursachen haben kann und meist sogar mehrere Faktoren zusammentreffen.
Zum einen gibt es die konservativen Behandlungsstrategien wie medikamentöse Behandlung, qualifizierte Ernährungsberatung beziehungsweise -therapie und Verhaltenstherapie.
Die Ernährungsberatung zielt auf eine langfristige Umstellung der Ernährungsweise hin zu einer ausgewogenen und gesunden Kost.
Bei einer Verhaltenstherapie geht es darum, zu erkennen, in welchen Situationen man sich falsch ernährt und warum. Wenn man zum Beispiel isst, weil man Stress im Job oder privaten Ärger hat, kann man mit Hilfe eines Verhaltenstherapeuten Strategien entwickeln, welche die seelische Belastung durch andere Instrumente als den Nahrungskonsum abbauen.
Die dritte Säule der konservativen Therapie ist eine sich langsam steigernde, den individuellen Möglichkeiten angepasste Bewegungstherapie.
Erst wenn diese konservativen Behandlungsmethoden versagen und die Gewichtssituation einen BMI von 40 beziehungsweise 35 kg/m2 bei bereits eingetretenen Folgeerkrankungen (Zuckerkrankheit, …) erreicht hat, sollte eine bariatrische Operation in Betracht gezogen werden. Aber auch hier kann der Behandlungserfolg nicht garantiert werden. Vielmehr hängt es von der richtigen Wahl der Operationsmethode, der Mitwirkung des Patienten und dem Gesamtkonzept der Behandlung ab.
Die Praxis zeigte uns, dass auch eine Operation nur zum Erfolg führt, wenn die konservativen Therapien qualifiziert und langfristig in die Behandlung integriert werden.
Es gibt also kein Entweder-oder?
Nein, denn eine operative Maßnahme ist noch lange keine langfristige Therapie. Nach der Operation verlieren unsere Patienten in der Regel sehr schnell und erheblich an Gewicht. Sie fühlen sich wohler und die gesamte gesundheitliche Situation verbessert sich deutlich. Auch Begleiterkrankungen reduzieren sich drastisch oder verschwinden vollständig. Zudem können Ernährungsumstellung und Verhaltensveränderungen durch die einschränkende Komponente der Operation effektiv greifen. Ferner sind Bewegungs- oder Sportprogramme nach einem ersten deutlichen Gewichtsverlust für die Patienten viel leichter realisierbar. Ganz wesentlich ist auch die Motivation unserer Patienten. Der Erfolg durch die Operation motiviert die Betroffenen, die Verhaltens-, Bewegungs- und Ernährungstherapie viel engagierter und zuverlässiger anzunehmen.
Nach einer gewissen Zeit entwickelt der Körper unterschiedliche Mechanismen, welche die malabsorptiven und restriktiven Prozesse verringern. Auch wenn dies erst nach Jahren passiert, so gilt doch, dass derjenige, der dann nicht gelernt hat, seine Ernährung und Bewegungsweise deutlich positiv zu verändern, auch wieder zunehmen wird.
Ich bin davon überzeugt, dass die effektivste Therapie für viele stark übergewichtige Menschen in einer chirurgischen Maßnahme besteht, die in ein breites und kompetentes Therapiekonzept eingebunden sein sollte.
Wird eine operative Maßnahme in Deutschland zu wenig angewandt?
Zumindest belegen Zahlen aus dem Ausland, dass trotz des Anstieges bariatrischer Eingriffe in den vergangenen Jahren hierzulande viel weniger solcher Operationen stattfinden als im Ausland. So werden zum Beispiel in Frankreich, Schweden, Belgien und Holland deutlich mehr adipöse Menschen mit einer operativen Maßnahme »therapiert«. Ich sehe die Ursache hierfür jedoch nicht unbedingt in der Skepsis der Betroffenen. Vielmehr mache ich unser Gesundheitssystem und die Kostenträger verantwortlich. Während in vielen Ländern bei vorliegender Indikation ein rechtlicher Anspruch auf eine Operation besteht, wird in Deutschland jeder Einzelfall vom Medizinischen Dienst (MDK) geprüft und über ihn entschieden. Häufig sind die Entscheidungen regional oder sogar vom Bearbeiter abhängig und nicht von medizinischen Standards. Unsere Nachbarn in der Schweiz sind uns da einen Schritt voraus. Dort besteht nämlich ein rechtlicher Anspruch auf die Operation, wenn ein BMI von 35 kg/m2 vorliegt und der Mediziner attestiert, dass isolierte konservative Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens 24 Monaten erfolglos waren.
Neueste Studien belegen weltweit einen Therapieerfolg nach einer bariatrischen Operation. Oft ist die Operation auch die einzig wirksame Option und häufig ist es sinnvoll, sie in weitere begleitende Behandlungsmaßnahmen einzubetten.
Wird Deutschland immer dicker?
Ja, Deutschland ist von diesem Trend stark betroffen. Stoppen können wir ihn jedoch nur dann, wenn sowohl Kostenträger als auch alle medizinischen Fachrichtungen (Internisten, Endokrinologen, Ernährungsmediziner, Hausärzte, Ökotrophologen, Chirurgen, …), Politiker und letztlich die Gesellschaft gemeinsam an einem Strang ziehen und Konzepte entwickeln, die auf einheitlichen und medizinisch fundierten Tatsachen basieren. Adipositas wird von der WHO mittlerweile als weltweite Epidemie bezeichnet. Tatsächlich sind die medizinischen und sozialen Auswirkungen unabsehbar und dürften noch viel schlimmer sein, als wir uns heute vorstellen können. Hier sind dringend vorbeugende Maßnahmen notwendig.
Es ist an uns, Vorurteile über Bord zu werfen und unser Schubladendenken aufzugeben. Es gibt heute verschiedene Methoden, die dem Patienten nach Auslotung seiner persönlichen Situation zur Heilung angeboten werden können. Selbstverständlich ist für die richtige Wahl und die Empfehlung eines individuellen Therapiekonzeptes viel Fingerspitzengefühl und Kompetenz notwendig.
Du bist, was Du isst!
Wie unsere Ernährungsweise die Entstehung der Adipositas beeinflusst
Fachbeitrag von Diplom Oecotophologin VDOE Jutta Peters, Adipositaszentrum der RoMed Kliniken
Aus meiner Erfahrung als Ernährungsberaterin weiß ich, dass es nicht »den Kardinalsfehler« gibt, der zur Gewichtszunahme führt, sondern häufig viele Faktoren, die unser Gewicht sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können. Die Art, wie wir essen und was wir essen, wird bereits in der frühesten Kindheit geprägt. Schon in der Stillphase erhalten wir mit der Mutter- oder Ersatzmilch eine süßlich schmeckende Nahrung. Beim Stillen verknüpft das Gehirn den süßen Geschmack mit der Wärme und Geborgenheit der Mutter, die während des Stillens das Kind im Arm hält und sich intensiv um es kümmert. So werden das süße Geschmacksempfinden und die positiven Emotionen verknüpft, also Süßes mit positiven Erlebnissen in Verbindung gebracht. Dass dies so ist, zeigen zum Beispiel gegenteilige Erfahrungen mit Babys, die krankheitsbedingt oder weil sie zu früh zur Welt kamen, mit Sonden ernährt wurden. In diesen Fällen fehlt die Gedankenverknüpfung. So bauen diese Kinder zur Nahrungsaufnahme häufig keine positive Assoziation auf und müssen diese erst erlernen.
Aber auch wenn wir bereits als Baby ein positives Empfinden für den süßen Geschmack vermittelt bekommen, lässt sich das Verlangen nach süßer Nahrung durch die Auswahl von Lebensmitteln stark positiv oder negativ beeinflussen. So kann eine Orange oder Banane ebenso das süße Verlangen stillen wie eine Tafel Schokolade. Betrachten wir uns das Angebot an Babynahrung einmal näher, stellen wir fest, dass es ein breites Sortiment gibt, mit dem wir das Geschmacksempfinden unserer Kinder schon sehr früh regulieren können. Hersteller von Babynahrung bieten für Kinder ab dem 15. Monat beispielsweise »Pasta mit Wildlachs in Rahmbrokkoli« an und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, welche Lebensmittel ein Kind auch in späteren Jahren bevorzugt, wird es kontinuierlich mit solchen Speisen versorgt.
In jeder Phase unseres Lebens ist neben dem, was wir essen auch der Faktor, wann und wie viel wir essen für unser Körpergewicht bedeutsam. Und auch hier spielt eine große Rolle, was für eine Ernährungsweise im Baby- oder Kindesalter stattgefunden hat. Schreiende oder weinende Kinder immer mit Nahrung ruhigstellen zu wollen, kann ein Verhalten konditionieren, das zu Übergewicht führt. Denn irgendwann können Kinder normale Bedürfnisse und Hunger nicht mehr unterscheiden. Werden Kinder immer mit Nahrung versorgt, wenn sie sich nicht gut fühlen, verbinden sie bald die Nahrungsaufnahme mit jedem unguten Gefühl. Wird dieses Verhalten dann auch ins jugendliche und erwachsene Alter übernommen, haben wir es mit Menschen zu tun, die negative Gemütszustände mit Lebensmittelkonsum zu kompensieren versuchen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Art und Weise, wie wir essen. In einer Zeit, die immer hektischer wird, konsumieren wir Nahrung häufig nicht bewusst genug. Alte Rituale, wie das gemeinsame Abendessen mit der ganzen Familie oder das Sonntagsessen, gibt es in der Regel nur noch selten. Stattdessen gewinnen die Pizza vor dem Computer oder Fernseher und die Wurst an der Bude zunehmend an Bedeutung. In meiner Praxis erlebe ich sehr häufig, dass viele Menschen, zu ihrer Nahrungsaufnahme befragt, gar nicht mehr genau wissen, was sie wann gegessen haben. Dabei liegt der Vorteil einer bewussten Ernährung auch darin, dass sich ein schnelles und nachhaltiges Sättigungsgefühl einstellen kann.
Aber auch die Nahrungsmittelindustrie und der Handel machen es uns nicht gerade leicht, uns ausgewogen und gesund zu ernähren. Immer neue, schnell kredenzte Menükreationen sind für Menschen jeden Alters eine bequeme Alternative zur selbst gekochten Mahlzeit. Häufig lassen wir hierbei jedoch außer Acht, mit welchen Zusatzstoffen und »Dickmachern« die meisten Produkte »schmackhaft« gemacht werden. So kann eine fertige Salatsauce manchmal fast so viel Zucker beinhalten wie ein Pudding.
Neben der falschen Ernährung wirkt sich unser Verhalten auf der Arbeit und in der Freizeit erheblich auf unser Gewicht aus. Wenn wir, bedingt durch eine stressige Arbeitssituation, auf das Sportstudio verzichten und erst spät abends essen, spiegelt sich dies schnell auf der Waage wider.
Selbst wenn genetische Faktoren und verschiedene Stoffwechselprozesse unser Körpergewicht stark beeinflussen, so können wir doch unsere Gewichtssituation einerseits durch Qualität und Menge der Nahrung, andererseits durch unser Verhalten maßgeblich beeinflussen. Dies wird allerdings schwieriger, je höher der BMI steigt. Ab einem BMI von 35 kg/m2 gewinnen häufig diverse Stoffwechselprozesse und hormonelle Veränderungen so große Bedeutung, dass ein massiver und lang anhaltender Gewichtsverlust allein mit einer Ernährungsberatung oder Verhaltenstherapie nur sehr schwer umzusetzen ist. Dennoch sollte eine Operation erst dann erfolgen, wenn mindestens sechs Monate lang der »ernsthafte Versuch« unternommen wurde, das Gewicht mit diesen beiden konservativen Therapieformen zu reduzieren. Im Übrigen wird das auch von den Krankenkassen zwingend vorgeschrieben, wenn es darum geht, eine operative Maßnahme bezahlt zu bekommen.
Im Rahmen einer qualifizierten Ernährungsberatung ist zunächst die körperliche und gesundheitliche Situation zu erfassen. Dazu wird nicht nur das Gewicht, sondern auch der Fett-, Muskel- und Wasseranteil des Körpers ermittelt. Dies geschieht mittels einer bioelektrischen Impedanzmessung. Bei dieser Messung fließt ein sanfter Wechselstrom durch den Körper und misst die leitfähige Substanz, also Wasser und Muskelgehalt. Der Fettgehalt hingegen lässt sich nur durch Umrechnung ermitteln. Letztlich geht es ja darum, Körperfett zu reduzieren und die Muskelmasse zu erhalten. Mit Hilfe eines Ernährungstagebuches können wir die Ernährungsweise unserer Patienten sehr genau analysieren. Dies erlaubt uns, nicht nur zu erkennen, was gegessen wird, sondern auch, wann Nahrung und Getränke konsumiert werden und wie es zum Zeitpunkt der Mahlzeit um die Stimmung des Patienten bestellt war. Die Eintragungen lassen viele Rückschlüsse zu und helfen, gemeinsam mit den Betroffenen Maßnahmen zu ergreifen, die sich positiv auf die Ernährungsweise und damit auf die gesamte gesundheitliche Situation auswirken. Erkennen wir zum Beispiel, dass ein Patient gehäuft Süßigkeiten verzehrt, wenn er frustriert ist, können wir gemeinsam nach Möglichkeiten suchen, die diese Art der Frustkompensation ersetzen. Verhaltens- und Ernährungstherapie sollten dabei immer ineinandergreifen, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen.

Psychologie und Adipositas
Immer wieder haben mir Mediziner und Betroffene berichtet, dass Erziehung, Kindheits-/Jugenderlebnisse und das Verhalten der Eltern oder anderer Familienmitglieder die Entwicklung der Adipositas erheblich beeinflussen können. Um in Erfahrung zu bringen, ob die Fachwelt diese Aussagen bestätigt, suchte ich den diplomierten Psychologen Uwe Machleit auf, der auf seine jahrzehntelange Erfahrung in der Behandlung adipöser Menschen zurückblicken kann.
»Erziehung und Konditionierung werden bei der Ursachensuche häufig unterschätzt!«
Interview mit Diplom-Psychologe Uwe Machleit, Psychologischer Leiter des Adipositaszentrums NRW, Augusta Kliniken Bochum Hattingen, Akademische Lehrkrankenhäuser
Gibt es aus Sicht der Psychologen den adipösen Menschen, der immer die gleichen »Auffälligkeiten« zeigt, die für seine Gewichtsentwicklung verantwortlich sind?
Nein, sicherlich nicht! Übergewicht kann viele verschiedene Ursachen haben. Es gibt mehrere Gewichtstypen, die wir unterscheiden müssen und in ihrer Komplexität noch nicht vollständig erfasst haben. Ich würde sogar behaupten, wir stehen in der Klassifizierung noch ganz am Anfang. Als ich vor über 20 Jahren mit der Therapie von Übergewichtigen begann, ging die Fachwelt davon aus, dass sich jeder Übergewichtige einfach nicht im Griff hat und übermäßig Nahrung konsumiert. Heute wissen wir es besser!
Wie bereits angesprochen, unterscheiden wir vom Adipositaszentrum NRW zwischen unterschiedlichen Gruppen von Betroffenen. Da sind zunächst die schwerstadipösen Menschen mit einem BMI von über 60 kg/m2 und die sogenannten »Stoffwechselkranken«. Darunter verstehen wir Menschen, die an einer Fettleber, einem Diabetes oder am metabolischen Syndrom leiden, das sich durch Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Insulinresistenz und veränderte Blutfettwerte äußert. Auch unterscheiden wir noch einmal innerhalb psychisch erkrankter Patienten. Dabei fragen wir uns häufig, ob die psychische Erkrankung die Folge oder die Ursache des Übergewichtes darstellt. Das ist ein wenig vergleichbar mit: »Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei?«. Eine weitere Gruppe bilden für uns die metabolisch gesunden Übergewichtigen. Hier stellt sich die Frage, ob wir diese überhaupt therapieren sollen und müssen. Relativ neu und somit eine große Herausforderung für uns ist die Gruppe der Adipösen, die an einem Lipolymhödem (umgangssprachlich »Reiterhosensyndrom«) erkrankt sind. Bei diesen Patienten liegt eine Transportstörung des Lymphgefäßsystems vor, die zu chronischen Entzündungen und zur vermehrten Bildung von Fett- und Bindegewebe führt. Auch hier wissen wir noch sehr wenig über Ursachen und Therapiemöglichkeiten. Sie müssen von Medizinern aller Fachrichtungen erst noch genau bestimmt werden. Zudem gilt zu beachten, dass es unter den Betroffenen viele »Mischtypen« gibt, also Menschen, die sowohl psychisch traumatisiert als auch metabolisch erkrankt sind. Alle hier aufgezählten Gruppen bedürfen einer unterschiedlichen Diagnose und Therapieform.
Wie beeinflussen individuelle Erlebnisse die Entstehung der Adipositas?
Hier sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Erlebnisse und Erfahrungen können einen Menschen prägen und somit auch einen großen Einfluss auf seine Gewichtssituation haben. Das beginnt schon im Mutterleib. Studien belegen, dass Kinder von Müttern, die stark rauchen und dies auch in der Schwangerschaft nicht eingestellt haben, ein erhöhtes Risiko haben, an Adipositas oder Diabetes zu erkranken. Wir bezeichnen das als pränatale Konditionierung. Ein weiteres Beispiel hierfür stellt der Schwangerschaftsdiabetes dar. Da der Zuckerstoffwechsel einer Schwangeren über die Nabelschnur mit dem des Kindes gekoppelt ist, kann sogar bereits ein Schwangerschaftdiabetes die kindliche Gewichtsentwicklung beeinflussen. Ähnliches gilt für Frühgeburten oder Kinder mit einem Geburtsgewicht von über vier Kilogramm. Es bleibt also festzuhalten, dass schon Vorgänge im Mutterleib und Erlebnisse der Kinder unmittelbar nach der Geburt die Gewichtssituation im weiteren Leben stark beeinflussen können.
Inwiefern kann der Nikotinkonsum der Mutter mit der Gewichtsentwicklung des Kindes gekoppelt sein? Ist das nicht sehr unwahrscheinlich?
Nein, ganz und gar nicht! Auch hier belegen Studien ganz deutlich, dass Kinder starker Raucherinnen häufiger an Übergewicht leiden als die von Nichtraucherinnen. Mediziner gehen davon aus, dies hängt damit zusammen, dass der Nikotinkonsum der Mutter die Reifung der kindlichen Fettstoffzellen einschränkt. Auch kann es sich beispielsweise negativ auf die Gewichtsentwicklung auswirken, wenn Kinder mittels Kaiserschnitt auf die Welt kommen. So geben Mütter ihren Kindern bei einer Spontangeburt Mikroorganismen aus dem Darm mit auf den Weg, weil sich der Säugling im Geburtskanal mit der mütterlichen Darmflora »infiziert«. Bei einem Kaiserschnitt passiert das nicht. Wenngleich diese Vorgänge zu einem Zeitpunkt stattfinden, an dem unser Leben noch gar nicht richtig begonnen hat, so nehmen sie doch schon Einfluss darauf, wie sich unser Gewicht im Laufe des Lebens entwickeln wird. Aus diesem Grund müssen die Geburtsumstände, wie auch das Stillverhalten, im Rahmen einer qualifizierten Diagnostik und Anamnese erfasst werden.
Beeinflussen Erziehung und Erlebnisse auch unsere Gewichtsentwicklung?
Ja, das ist ebenfalls ein ganz weites Feld. Das fängt an mit Eltern oder Großeltern, die darauf bestehen, dass die Kinder »alles aufessen, was auf den Tisch kommt« und die versuchen, ihnen das Essverhalten der Erwachsenen anzueignen. Dabei haben Kinder und Jugendliche einen deutlich schnelleren Stoffwechsel und dadurch auch ein anderes Sättigungsempfinden. Deswegen können sie auch keine riesigen Portionen essen, haben aber oft schon nach einer Stunde wieder Hunger. Allgemein ist es problematisch, dass Eltern ihren Kindern ein falsches Essverhalten angewöhnen und dann panisch versuchen, das dadurch entstandene Übergewicht mittels »Crashdiäten« abzubauen. Häufig haben diese »Schnellschüsse« eine gegenteilige Wirkung. So rufen die meisten Zwangsmaßnahmen im Kind häufig einen Widerstand hervor, frei nach dem Motto: »Wenn du mich zwingen willst abzunehmen, dann nehme ich zu!« Nehmen die Kinder dann tatsächlich wieder zu, empfinden sie sich häufig als Verlierer und resignieren vollständig. Die Adipositas kann zudem durch Traumata, Gewalterlebnisse und sexuelle Übergriffe hervorgerufen werden. So wollen sich viele Betroffene, die solche Erfahrungen gemacht haben, mit dem »Anfressen eines Schutzpanzers« dicker und damit unattraktiver oder unangreifbar machen. Dies betrifft aber nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene. Ferner können Diäten für eine Adipositas ursächlich sein. So sprechen wir von einer Diät-induzierten Adipositas, wenn Stoffwechsel und Hormonhaushalt aufgrund vieler Diäten durcheinander gekommen sind und in der Folge selbst kleine Nahrungsmengen zum Gewichtsanstieg führen.
Bei allen beschriebenen Faktoren kann eine Psycho- oder Verhaltenstherapie dabei helfen, die Gewichtssituation deutlich zu verbessern. Dies kann gelegentlich auch in Verbindung mit einer bariatrischen Operation sinnvoll sein. Auf der anderen Seite gibt es psychische Krankheitsbilder, bei denen ein operativer Eingriff vehement abzulehnen ist. Fungiert das Übergewicht beispielsweise als Schutzpanzer, kann eine Abnahme – und damit auch der Wegfall des Schutzpanzers – erhebliche Konsequenzen haben. In Ausnahmesituationen führt das sogar zum Selbstmord.
Was ist mit Betroffenen, die anfangs noch eine relativ stabile Gewichtsentwicklung erleben und erst ab dem 25. oder 30. Lebensjahr dramatisch zunehmen?
Auch hierbei handelt es sich um ein Phänomen, das unterschiedliche Ursachen haben kann. So kann die erste eigene Wohnung beispielsweise dazu führen, dass man sich etwas lockerer und freizügiger ernährt, weil jetzt Lebensmittel frei konsumierbar sind, die im Elternhaus nicht uneingeschränkt zur Verfügung standen. Viele motivierte Berufsanfänger arbeiten zudem länger, weil sie beruflich durchstarten möchten. Dies hat zur Folge, dass weniger Sport getrieben wird und späte Mahlzeiten zu sich genommen werden, die meist aus Fastfood oder Fertigprodukten bestehen. Ernährungsfehler können auch durch privaten und beruflichen Stress hervorgerufen werden sowie durch weitere Faktoren wie XXL-Portionen oder ein Überangebot an »bequemen Essen« (Convenience Food).
Eine weitere Ursache für die Gewichtszunahme liegt in der Vielzahl passiver Entspannungsmöglichkeiten. Existierten früher lediglich drei Fernsehprogramme, können wir heute zwischen hunderten Unterhaltungskanälen wählen. Zudem verbringen viele Menschen ihre Freizeit stundenlang vor dem Computer. Gerade bei Computerspielern beobachten wir, dass die Hormon- und Kortisolwerte während des Spielens stark ansteigen. Die Folge ist ein gesteigertes Appetitempfinden. Sitzen wir vor einem Bildschirm, essen wir ohnehin häufig sehr viel mehr, weil wir weder auf ein Sättigungsgefühl reagieren noch bewusst wahrnehmen, wie viel oder was wir gerade konsumieren. Und bedenkt man, dass sich nach 18 Uhr über 60 Prozent der Werbespots mit Essen beschäftigen, dann bewirkt ein höherer Fernsehkonsum im Grunde auch einen größeren Nahrungskonsum.
Welche Menschen sind aus Sicht des Psychologen für eine bariatrische Operation geeignet und welche nicht?
Grundsätzlich eignen sich erst einmal alle Menschen, die konform der S3-Leitlinien und der neuesten Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes beweisen, dass eine Operation für sie die letzte Maßnahme ist, um ihre Gewichtssituation in den Griff zu bekommen. Die Patienten sollten also bereits eine professionelle Ernährungsberatung und als Diabetiker eine qualifizierte Diabetesschulung hinter sich gebracht haben. Ferner müssen Patienten vor einen operativen Eingriff prinzipiell ein sogenanntes »multimodales Therapiekonzept« durchlaufen sowie sich mehrfach und an unterschiedlichen Stellen über das angestrebte operative Verfahren informiert haben.
In unserer Praxis behandeln wir auch Menschen mit Gewichten jenseits von 200 Kilogramm. Als Psychotherapeut frage ich mich jedoch, ob die Patienten überhaupt (Lebens-)Zeit haben, dieses ambitionierte Programm zu durchlaufen. So wäre es in diesen Fällen eigentlich zwingend nötig, die Operation zügig vorzunehmen, weil der Patient die kommenden Monate nicht überleben würde. Aus diesem Grund erhalten diese Menschen von mir ein positives Gutachten für ein bariatrisches Verfahren. Natürlich prüfe ich aber auch hier, ob psychologische und/oder soziale Begleiterkrankungen vorliegen. Allein die operative Maßnahme führt jedoch nicht zum Erfolg. Diese Patienten bedürfen unbedingt einer multimodalen Therapie, bestehend aus operativer Maßnahme, psychologischer Betreuung sowie Bewegungs- und Ernährungstherapie. Parallel zu diesen Therapiemodulen kann im Einzelfall eine Psychotherapie erforderlich sein.
Für eine bariatrische Operation ungeeignet sind Menschen mit Persönlichkeitsoder Essstörung. Zudem stellen uns Patienten mit einer Suchtproblematik vor eine große Herausforderung. Leider erfahren wir aber nicht immer vom Patienten, ob neben dem übermäßigen Lebensmittelkonsum noch eine andere Sucht vorliegt. Problematisch daran ist, dass es bei diesen Menschen, wenn das Essen als Suchtmittel nicht mehr greift, zu einer viel stärkeren Suchtverlagerung kommt. Aus diesem Grund rate ich den Betroffenen, zunächst an ihrer Suchtproblematik zu arbeiten und dann eine operative Maßnahme in Erwägung zu ziehen. Jedoch gilt auch hier die Ausnahme, dass ich Suchttherapie und Operation zeitgleich empfehle, wenn die Gewichts- oder Gesundheitssituation keinen zeitlichen Spielraum mehr lässt.
Gibt es in Ihrem Adipositaszentrum eine standardisierte Vorgehensweise im Umgang mit übergewichtigen Menschen?
Zunächst findet ein strukturiertes Erkundungsgespräch statt, in dem ich den Betroffenen viele Fragen stelle. Neben der eigenen Gewichtsentwicklung und der Gewichtssituation der Eltern interessieren mich Vorerkrankungen, der aktuelle Gesundheitszustand sowie Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Zudem befrage ich die Patienten zu Stressquellen und Traumata beziehungsweise Gewaltproblematiken. Das Gespräch wird in einem standardisierten Protokoll festgehalten. Das alles hilft herauszufinden, wie der Betroffene zu seinem Übergewicht gekommen ist. Gerade die Frage nach Traumata beziehungsweise Gewalterlebnissen oder sexuellen Übergriffen bedarf eines äußerst behutsamen Umganges mit dem Betroffenen. Häufig erkenne ich, dass eine solche Problematik vorliegt, wenn ich den Patienten nach einem Ereignis frage, das einen sehr schnellen Gewichtsanstieg zur Folge hatte. Möglich ist auch, dass eine Situation verdrängt wurde, die erst dann wieder in den Vordergrund tritt, wenn der Patient an Gewicht verloren hat. Auch dies sollte bei einer qualifizierten und multimodalen Nachsorge auffallen und mit Hilfe einer Psychotherapie behandelt werden. Am Ende des circa 45-minütigen Erstgespräches erhält der Betroffene eine Anzahl von Therapievorschlägen. Neben konservativen Behandlungsmethoden und Standard-Operationsmethoden weisen wir auch auf reversible Verfahren wie den Magenballon oder die EndoBarrier-Therapie hin. Gerade im Zusammenhang mit den Operationsmethoden klären wir intensiv über Risiken und Nebenwirkungen auf. Stellt sich die Gewichtssituation nicht so dramatisch dar, dass wir das Potenzial der konservativen Maßnahmen als ausgeschöpft ansehen, lehnen wir eine Operation ab. Ziehen wir sie jedoch in Betracht, erfährt der Betroffene, welche Therapieschritte vor der Operation aus unserer Sicht zu absolvieren sind.
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