Czytaj książkę: «Ja, so ist das Leben, eben.»

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Erik Kejser

Ja, so ist das Leben, eben.

Jubeljahrausgabe

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vor dem Wort 1955 - ciao

ERSTES KAPITEL: KLEINER MANN

ZWEITES KAPITEL: JUNGER MANN 1

2

3

4

4 1/2

5

MANN IN DEN BESTEN JAHREN 1

2

3

VIERTES KAPITEL: OIDA TROTTEL

DRITTES KAPITEL:

Impressum neobooks

Vor dem Wort 1955 - ciao

Wie alles begann:

„Am Anfang schuf ich Himmel und Erde.“

Eigentlich existiert dieses Buch nicht. Ich schreibe es für meinen Sohn, damit er eventuell besser versteht, welche Umstände seinen Vater zu einem eigensinnigen Menschen, zu einem Quartalssäufer, geschiedenen Arbeitslosen machten und er auch noch stolz auf seine Leistung ist.

Also, dieses Buch wurde nie geschrieben, nie verlegt, (wer druckt schon so einen Schwachsinn), aus dem einfachen Grund, ich interessiere kein Schwein. Falls doch, erscheint es so, wie ich es in meinen Schlepptop, (älteres Modell), jetzt reinklopfen werde.

Jedes Mal, wenn ich dieses Buch aufschlage, finde ich Flüchtigkeitsfehler, aber ich liebe natürlich auch meine Rechtschreib` und Grammatikfehler.

Es wäre besser, denke ich, wenn dieses Buch unter „ mich“ bleiben würde.

Ich versuche die Ereignisse chronologisch zu erzählen, kleine Abweichungen bitte ich zu entschuldigen, doch ich verspreche, sie bemerken es nicht. Alle Beteiligten nenne ich nur mit Vornamen, um Ihnen Nachteile, bzw. „Häfenaufenthalte“, wie sie auch mich betreffen würden, zu ersparen.

Ich habe noch nie ein Buch geschrieben, nicht einmal daran gedacht, aber ich habe auch noch nie ein so ehrliches gelesen. Eine Marktlücke.

Ein Leben nach dem Grundsatz „mit dem lachenden Gesicht in die Kreissäge“.

Ein neues Zeitalter der Literatur beginnt, die Ära eines halbintellektuellen Vollidioten.

ERSTES KAPITEL: KLEINER MANN

Im Rudolph-Spital, im Dritten Wiener Gemeindebezirk, hatte die Warterei ein Ende. Ein unschuldig Kindlein ward geboren. Der Messias der geringen Fertigungskosten..

Schon als Kind hatte ich mir vorgenommen, mir alle Begebenheiten genau zu merken, um etwaige Nachkommen „vorwarnen“ zu können. Ich hätte zum Beispiel zeitgerecht meinen Teddybär gewarnt, er hatte nur mehr ein Auge.

Doch er war eigentlich die einzige wahre, unkomplizierte Liebe meines Lebens.

Das tollste jedoch war, ich hatte die Gabe "Wunschträumen“ zu können. Ich stellte mir einen Helden vor, Indianer, Waldläufer, Partisane, stellte mir ein Thema vor - und ab ging die Reise ins Traumland. Wenn ich kurz vor dem skalpieren war, wachte ich auf, programmierte den Traum um und ritt dem Sonnenuntergang entgegen.

Die Phantasie war mein bester Freund.

Mein erster bleibender Lebenseindruck war, dass ich mich, wenn es regnete, unter einem Postkast`l unterstellten konnte und nicht nass wurde.

In jener Zeit war es auch eine sportliche Herausforderung, die hohen Stufen der Straßenbahn zu erklimmen. Sie waren ja in Augenhöhe.

Eine „Glöckerlpartie“ , bei einer der ersten Gegensprechanlagen anläuten und schnell davon laufen, oder unserem Greisler im Hinterhof die Leerflaschen zu stehlen und vorne im Laden den Pfand zu kassieren, waren die ersten kriminellen Handlungen zu dieser Zeit.

Da meine Mutter berufstätig war, musste ich in den Kindergarten. Der Ernst des Lebens hatte begonnen. Die erste Lektion bekam ich von meinem Bruder, - eine Schuhmasche selbst zu binden. Er war immer im Zeitdruck, oder es war ihm einfach zu blöd.

Für mich war es ein richtiges Erfolgserlebnis. Meine Kindergartentante, ein gewisses Frl. Fritz, so sah sie auch aus, war ein richtiges Arschloch. Zum Beispiel, als ich sie fragte, „Tante, kann ich auf Klo?“, antwortete sie regelmäßig, „ob du kannst weiß ich nicht, aber du darfst.“ Aus nichtigen Grund riss sie mir ein Büschel Haare aus. Sie hatte aber nicht mit der friedfertigsten Mutter von Allen gerechnet, sie putzte die Fritzi so zusammen, das sie unter dem Teppich Radfahren konnte.

Das Leben war erträglich geworden. Meine erste Liebe im Kindergarten waren Karin und Irmgard.

Monogamie war nie „Meins.“ Die Irmgard hatte einen super Arsch, Karin ist später sicher Modell geworden sein. Sie fanden mich sicher auch recht nett, doch ich kam an sie nicht so richtig heran.

Natürlich mussten wir, wie befohlen, Hausschuhe tragen.

So schwarze Leder bzw. „Stoffpotschn“ . Die aber den Vorteil haben, man kann herrlich am Parkettfußboden rutschen.

Eines Tages, Matadorbausteine, Autos, etc., waren vergeben, dachte ich mir, „rutsch ich halt ein bisschen.“ Ich rutschte ein Stück zu weit und fiel mit der Stirn auf die riesige Matadorkiste. (Matador sind riesige Holzbauklötze) Ich haute mir ein anständiges Loch in mein Sunnyboygesicht und ich blutete „wie Sau“. Die Mädchen kamen sofort gelaufen und Karin legte meinen Kopf in ihren Schoß und streichelte mich unter Liebesbezeugungen unentwegt. Daneben saß Irmgard unden schluchzte. Ich sah auf ihre nicht vorhandenen Titten und dachte mir, „nächste Woche hau‚ ich mir wieder ein Cut.“

So einfach war es dann doch nicht, ich musste ins Spital und genäht werden. Die Narbe sieht man heute noch und wenn Mädchen danach fragen: „Vietnam“.

Meine Großeltern väterlicherseits, stammen aus dem Burgenland, woher mein arischer Name stammt ist mir ein Rätsel. Vermutlich als die Türken 1529 oder 1683 die Kroaten, Tschuschen, Slowenen, etc., nordwärts vertrieben, waren meine Vorfahren die Beschützer Ostarichis, -ganz sicher.

Da es immer etwas zu „hamstern“ gab bei diesen reichen Leuten, verbrachten mein Bruder und ich die Ferien im Süden. Mein Großvater war der Fahrradchefmechaniker dieses Landstriches, Trainingsgefährte der Radlegende Ferry Dusika. Ich besitze heute noch ein Bild aus dieser Zeit.

Die Familie vor einer „Schupf´n“, Großvater mit dunkler Sonnenbrille, Tschik in der „Papp´n“, daneben ein zerlegtes Fahrrad und ein Doppler Wein.

Sein hartes Gesicht strahlte Autorität aus, die Mafia beginnt in Wulkaprodersdorf.

Er war ein harter „gerechter“ Mann. Als mein Vater heiratete und überzeugt war, das der burgenländische „Haxenbeidler Wein“ zu sauer war, zuckerte er seinem Vater alle Weine etwas auf. Mein Großvater knallte ihm eine, am Hochzeitstag vor seiner Frau.

Die Mafiaweiber gingen komplett in schwarz gekleidet, schwarzes Kopftuch war Usus, aber sie waren keine Muslime, sondern streng katholisch. Das Gebot, du sollst nicht Unkeuschheit treiben nahmen sie nicht so genau, sie hatten nicht einmal String Tangas an, zogen den schwarzen Kittel in die Höhe und „brunzten“ vor mir in den Sand.

Mein Bruder und ich gingen fischen an die nahe Wulka, mein Bruder bastelte sich eine Art Fischreuse, mein Großvater freute sich über das Handwerkliche Geschick seines Enkels. Als er das geborgte Fahrrad, zwecks Reinigung in den Fluss tauchte, war er allerdings sprachlos, der Hitlerschnauzbart stand ihm zu Berge, aber ohne Gewalt ölte er das komplette Fahrrad.

Er konnte ja nachsichtig sein, er war der Familienpatriarch, er soff jeden Tag einen Doppelliter Wein (ohne die geringste Schwankung), er aß seine Eierspeis. Für die Kinder gab´s eine Nahrhaften „Sterz“.

Für unsere Familie gab es als Abschiedsdeputat, Karnickel im Karton, mit Luftlöchern. Ihr neuer Stall war jetzt unsere neue Badewanne, vom Vater eigenhändig montiert.

(Leider war er bei den Stemmarbeiten etwas zu weit ins Stiegenhaus geraten. Ich "unterstützte" ihn natürlich bei dieser Arbeit und stemmte zwei ordentliche Löcher am Balkon, ins Gebäude. Seltsamerweise ohne nennenswerte Reaktion.

Beides wurde schnell notdürftig verputzt und im Stiegenhaus mit meinem Wasserfarbenmalkasten, das Muster erneuert. Diese Kunstwerke sind heute noch zu bewundern).

Solange die Kaninchen klein waren, hatte ich Spielgefährten. Eines Sonntags war Schluss damit, ich boykottierte das Mittagessen. Bis heute habe ich bei Kaninchenbraten ein trauriges Gefühl.

Ihren Lebensabend verbrachte meine Großmutter bei uns. Nach dem Tod ihres Mannes, - im tiefsten Burgenland bahrte man die Verstorbenen, im offenen Sarg zu Hause auf (mein erster Toter), verfiel sie zusehends. Ihre letzten Tage, verbrachte sie auf meiner Couch, ich schlief mit meinem Bruder auf der Bettbank.

Doppelbettbank, wir waren reich.

An ihrem Todestag, öffnete sie plötzlich die Schlafzimmertüre, im weißen Nachthemd murmelte sie einige unverständliche Worte. Meinen Bruder und mir blieb das Herz stehen. Es stimmt, im Angesicht des Todes entwickeln Menschen ungeahnte Kräfte.

Meine Schlafstätte stand den ganzen Winter auf unserem Balkon.

Im Frühjahr bekam ich sie wieder.

Wenn wir nicht soweit in den „Süden“ fuhren, besuchten meine Freunde und ich das Kinderfreibad. Wir ließen uns die Sonne auf den Pelz scheinen und gaben vor, im seichten Wasser bereits schwimmen zu können, auch „Hundskraulen“ genannt. Aber Übung macht den Meister, ich wurde immer schneller und berührte den Beckenboden mit den Händen nicht mehr. Meine Freunde nahmen mir nicht ab, das ich mir schwimmen beigebracht hatte. Ich zog sie in tieferes Gewässer und gab das Kommando:“ Alle „Hundskraulen“! Jetzt waren sie beleidigt.

Am Wochenende war das Freibad geschlossen, jedoch nicht für uns. Wir kletterten über den Eisendornenzaun. Ich stützte mich dabei schlecht zwischen den Eisendornen auf, eigentlich kein Problem, ein blutiges Problem wird es, wenn das leichte Körpergewicht auf die Handflächen drückt. Ich sah aus wie Jesus Christus nach der Kreuzigung.

So etwas merkt man sich fürs ganze Leben.

Ich nicht. Jahre später, im Wiener Praterstadion, wollten wir die Stehplätze gegen Sitzplätze tauschen. Metallzackenzaun, - mein Freund und ich waren wieder Christuspassionsschauspieler geworden.

Meine ersten Freundinnen waren alle wesentlich älter als ich, vermutlich waren es eigentlich die Freundinnen meines Bruders. Aus welchem Grund auch immer, standen sie auf mich. Erika, fünf Jahre älter als ich, (gestern hab ich sie zufällig getroffen, eigentlich noch ganz resch, aber was mach ich mit so an alten Weib), also diese Erika legte ihre gesamte Barschaft aus und kaufte mir eine Spritzpistole, genau das richtige in einem heißen Sommer Sie stand mein Leben lang hoch im Kurs bei mir, vielleicht lade ich sie doch auf einen Kakao ein. Mit den anderen Mädels, Christa, Inge konnte man seine ersten Erfahrungen sammeln.

Aber eigentlich war das Abenteuerleben wichtiger. Es gab damals noch einen zweiten parallelen Eisenbahntunnel neben der heutigen Schnellbahn, der vom Gürtel bis in den zehnten Bezirk führte, fast bis zum Amalienbad. Wir konnten also in ca. zwanzig Minuten, schneegeschützt, baden gehen. Der Tunnel ist schon jahrelang von Außen zugeschüttet, aber falls ich jemals einen guten Fluchtweg benötige, ich weiß einen.

Gegensprechanlage in den Bauten gab es eine Einzige, ich denke, weil wir kleinen Jungs sie bei einer so genannten „Glöckerlpartie“ missbrauchten. Wir läuteten schnell bei mindestens Zehn Parteien an, die ersten beiden unterhielten sich noch gegenseitig, dann schwere Beleidigungen, aber da waren wir schon um die Ecke.

Die Haustore waren noch alle unversperrt, man konnte fast alle städtischen Vierkanthöfe innen durchqueren. In einen dieser grünen Innenhöfe gab es eine alte Werkstatt, um über die nächste Mauer klettern zu können, musste man über ein Holzdach. Klein und behände kletterten wir Regenrinnen rauf und liefen vorsichtig über das morsche Holzdach. Es war schon dämmrig, als ausgerechnet bei mir Leichtgewicht die Holzbalken des Daches einbrachen. Blitzschnell konnte ich mich gerade noch an einem noch intakten Balken klammern. Geschockt und mit Einsatz aller Kräfte zog ich mich hoch. Meine Freunde schauten gespannt zu, in die Nähe der morschen Balken wagte sich jedoch keiner. Ein drei Meter Absturz, womöglich auf eine Hobelbank, keine Ahnung, wann man mich gefunden hätte.

Ich war Weltmeister im Gemeindebau Geländer rutschen. Auf dieser fragilen Konstruktion konnte ich ohne abzusetzen, vom vierten Stock „talwärts“ rutschen. Einzige Ausnahme, ein Holzzapfen im zweiten Stock. Einmal darüber gerutscht, gleich gemerkt.

Kriminell waren eigentlich die anderen, z.B. die Gerlgassebande. Sie verhauten ein „Gangmitglied“ von uns, dass schrie nach Blutrache. Mit Steinen und Erdbrocken bewaffnet überfielen wir diese Mafiosos, die Straße in ihrem Revier musste renoviert werden. Natürlich war ich nicht nur ein Mitglied in einer gewalttätigen Jugendgang, ich war auch literarisch interessiert, ich hatte ein Micky Mouse Abonnement.

Fußball spielten wir beim FC Rennweg, die Löcher in den Leibchen waren größer als das Shirt. Später kaufte mich der Wiener Sportklub (Rapid, Austria, Wacker Innsbruck, Sportklub waren die Primgeiger), in den Ferien jeden Tag Training, war mir zu blöd, ich ging lieber baden.

Mit meinem Bruder hatte ich es lustig, ich stand kurz vor ihm auf, doch der Kerl war nicht wach zu kriegen. Erst ein kleiner Trick erlöste mich:“ Rudi, acht Uhr is, hast verschlafen?“ Das erzählte ich ihm jeden Tag um seinen Blutdruck zu steigern.

Bei einer Polsterschlacht nahm er mir das etwas krumm, er verdrosch mich ordentlich mit seiner Superdaune, leider holte er bei einem Schlag etwas zu weit aus und zerbröselte unseren Retroluster. Er sauste in ein Papierwarengeschäft besorgte sich Klebstoff und wir fügten in stundenlanger Arbeit das größte Puzzle der Welt wieder zusammen. So perfekt, dass es erst registriert wurde, als wir es, als erwachsene Männer beichteten.

Ich war immer schon ein Gourmet. Da meine Mutter bis heute der Meinung ist, dass ich zu wenig esse, vereinbarte sie mit unserem Greisler, Hr. Ellinger, dass ich mir Wurstsemmeln kaufen und „anschreiben“ lassen könne. Eine Extrawurstsemmel mit fünf „Blattln“ kostete immer zwei Schilling, jedoch gab es jedes Jahr ein „Blattl“ weniger. Ich registrierte schnell, dass man auch Schokobananen, Punschkrapf`n etc., anschreiben lassen kann. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, doch meiner Mutter wäre es sicher recht gewesen. Hauptsache Viel, Süß und der Bua nimmt endlich zua.

Ein unbeschwertes Leben, auch wenn ich meinen Haustürschlüssel vergessen hatte, der Kellerschlüssel der Nachbarn sperrte auch. Sehr nette Leute, sie beschwerten sich auch nicht, als wir aus Mickymausheften eine Autorennbahn im Stiegenhaus errichteten, (es gab verschiedene Plastikboliden um vier Schilling zu kaufen).

Nach dem Tod ihres Mannes ging die nette Frau Fuhrmann aus dem Haus und fand nicht mehr heim. Einen Tag später war sie tot.

Ich war damals ca. elf Jahre, doch meine Lebenseinstellung hat sich seit damals nicht geändert, betete ich früher zum lieben Gott, “Bitte mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm` und hilf mir morgen bei der Schularbeit.“, dachte ich jetzt, „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, oder auch nicht. Das Selbstbewusstsein zu entwickeln ist harte Arbeit, aber es lohnt sich.

Das Burgenland ließ mich nicht los. Ein Arbeitskollege meines Vaters lud uns am Wochenende zu einem kleinen Besuch ein. Es wurde die übliche, burgenländliche Fressorgie. Doch meine Aufmerksamkeit fiel auf die Gänse mit ihren schneeweißen Federn, zwecks US-Eingeborenen -Kopfschmuck. Diese zu ergattern ist nicht einfach, ich hatte schon Lehrgeld bei meiner Marchfeldtante zahlen müssen. Ein Gänserich, dem ich nahe kam, ging zum Angriff über, verfolgte mich, hockte sich auf meine Schultern und „peckte“ mich in den Nacken.

Dieses Mal war es einfacher, erschreckt lüfteten sie ihr Gefieder und ich sammelte die „Adlerfedern“ ein.

Aus „Winnetouheften“ hatte ich Originalanleitungen zum Bau einer Indianermontur. Gänsefedern werden an der Spitze schwarz eingefärbt, ein kleines Stück Zwirn an die Spitzen, zwecks Authentizität und sie mutieren zu Adlerfedern. Mokassins- Schuhe, Leggings-Hosen, alles selbst geschneidert, keine Squaw war geschickter als ich. Die Sommernächte verbrachte ich stilgerecht in meinem Tipi am Balkon.

Es war ja früher alles besser. Die Sommer heißer, die Winter kälter, der Klimawandel nicht vorhanden. Eh kloa, weil´s keinen gibt. Revidiere, keinen menschengemachten Klimawandel.

Die Erde „torkelt“ durch den Weltraum, und so verändert sich im Laufe der Zeit die Drehachse. Vom Einfluss der Sonne ganz zu schweigen. Mit den Ur-Ängsten der Menschen können gescheite Leute Geschäfte machen, dass Rauschgift und Prostitution zum Kleingeld wird. Plus zwei Grad Klimawandel, entsetzlich, die Eisberge am Pol schmelzen, die Südseeinseln versinken. Keiner der EU-Geförderten Superwissenschaftler erklärt uns, dass es physikalisch gar nicht möglich ist. (Kann man leicht in einem Aquarium testen). Resümee - ohne Klimawandel keine EU-Förderungen.

Aber eines weiß ich sicher, zu jener Zeit, gingen wir Ende Oktober zum Heustadelwasser schwimmen und angeln. Wir angelten mit einer einfachen Schnur, mit Haken und zogen so an die zwanzig „Sardinen“ aus dem Wasser. Mangels Transportmöglichkeit warfen wir sie jedoch ins Wasser zurück.

Manchmal erwischten wir einen besonders gierigen Fisch, der schon drei Löcher im Maul hatte. Jetzt ist mir alles klar, die Natur verzeiht nicht, die Natur schlägt zurück, - richtig „oasch“ wird´s aber erst, wenn´s im Sommer Minus zwanzig Grad hat.

Es war eine gefährliche Zeit, - denn ich war einfach zu wenig „blad“.

Die Schnellbahn in der Raaber-Bahngasse war durch einen Maschendrahtzaun gesichert, hinter dem Zaun, neben dem Gleisbett, ein ca. zwei Meter tiefer Graben.

In diesem Graben konnte man oft interessante Dinge finden, er gehörte zu unserem Jagdrevier. Meine Freunde liefen also auf dem schmalen, überwucherten Streifen zwischen Zaun und Gleisbett entlang, drückten große Gebüsche einfach zur Seite und ließen sie ohne erkennbare Sorgfalt zurück „schnalzen“. Wie gesagt, ich war nicht dick, dass Gebüsch beförderte mich in den Gleisgraben. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, lag ich mit dem Kopf auf einem Ziegelstein und meine Freunde grinsten aus der Höhe „besorgt“ hinunter. Wie ich aus dem Graben wieder heraus kam, ist nur schemenhaft in meiner Erinnerung, doch ich dachte sicher: “Ich muss mehr essen.“

Mehr Power hatte seine Vorteile, ich war kein „Restl“ wie die meisten, doch kraftmäßig hatte niemand eine Chance. Kraft plus Schnelligkeit, jetzt als alter Depp leidet die Schnelligkeit, ich habe mir daher einen Pfefferspray gekauft.

So geht es einfacher, im Ernstfall hau´ ich dem Widersacher einfach in aller Ruhe eine in die Gosch´n

Doch bei den damaligen Keilereien ging es ja noch viel ehrlicher zu.

Doch einer terrorisierte die ganze Bubenschar.

Unter dem Schlachtruf, “Olle auf eahm“, inszenierte mein ewiger Erzfeind Franz K. immer wieder Massenkeilereien. Er war etwa gleich stark wie ich, doch ich verstand es, mich meiner Haut zu wehren. Dass er ein feiges Arschloch war, wusste ich auch.

Nach einem Fußballeuropacupmatch, dass spät in der Nacht endete, merkte ich schon in der Alleestraße, dass er, trotz der vielen Besucher, in der Dunkelheit Angst hatte. Zu Hause ging jeder seiner Wege. Als ich die Balkontüre schließen wollte, hörten meine Mutter und ich ein herzzerreißendes „Rär´n“. „Bei mir ist niemand zu Hause!“ Was blieb uns über, als den ewigen Stänkerer bei uns auf seine Mami, warten zu lassen.

Nächsten Tag, holten wir beide, sicherheitshalber seine Mutter von der Fabrik ab, sein Vater ausnahmsweise nicht besoffen, war auch dabei, er meinte: “Schau ma, wer schneller laufen kau, ich sag´ los, bei Halt, umdrehen, wer als erster wieder bei mir ist.“

Da ich am Abend immer topfit bin hängte ich ihn ab. Sein Vater meinte leise zu ihm: “Lauf die erste Strecke langsamer, daun is kürzer:“

Nutzte ihm auch nichts. Die Streiterei ging wieder los. Ich wusste eines Tages zahl´ ich ihm das heim.

In der Schule war jede Pause eine Massenkeilerei angesagt. Ein gewisser Handke(?), wollte sich auf mich, bereits am Boden liegenden stürzen, ich zog das Knie an, er verlor einen halben Schneidezahn.

Ich weiß nicht, ob das die Krankenkasse damals bezahlt hat, auf jeden Fall erschien er kurz darauf wieder mit einem sehr schönen Zahn, wieder hatte er nichts besseres zu tun, als sich wieder in das Schlachtengetümmel zu werfen. Ich zog das Knie an.

Hart, gleichzeitig sensibel, war ich schon als kleiner Junge. An einem kalten Wintertag, es schneite, „früher schneite es ja viel mehr als heutzutage“, bekam ich von meiner Mutter, aus Nichtigen Grund, „Hofverbot", d.h. nix runter in den Gemeindebauhof zu Spielkameraden“. Ich nahm mir mein Buch setzte mich an den Ofen. Ein richtiger Kohleofen, nicht so eine neumodische Zentralheizung. Am Abend rief meine Mutter, (die Beste von Allen), „Essen!“ Antwort: „Komme gleich.“ Leichte Verblüffung ihrerseits. Als ich am dritten Tag noch immer mit meinem Buch beschäftigt war, meinte Sie: „Willst nicht einmal an die frische Luft gehen!“ Ich bekam nie wieder „Hofverbot.“

Ich wusste also schon immer was ich wollte. Eines Ostersonntags fuhren wir zur K. Oma und Tante ins Marchfeld. Die Großeltern mütterlicherseits kommen aus Katowiz, ehemals Österreich –Ungarn, heute Kattowitz, Polen.

Meine Oma hatte einen lieben Hund, der alle Briefträger, bzw. Kinder biss. Ich schlief bei ihm in der Hundehütte. Nette Tiere hatte auch der Schwager, ein Sudetendeutscher Vertriebener, der einen riesen Bauernhof sein Eigen nannte. Den dürften sie in die richtige Richtung vertrieben haben.

Er hatte schon einen Traktor, aber auch noch zwei Pferde. Mit dem Leiterwagen fuhr ich mit ihm auf´s Feld, um zu kontrollieren ob die Niederrösterreicher auch brav arbeiten. Die Rösser gingen durch, so etwas muss man erlebt haben, dann kann man im Alter, das Enkerl auf dem Schoß, etwas erzählen. Bei dieser Landbevölkerung gibt es noch ganz alte, urige Brauchtümer. Eierpecken. (Mit einem Geldstück auf ein Ei schießen, ein Doppelliter Wein ist „a Zwara“). Der Vorteil an diesem schönen Brauch ist, ich bekomme von meiner Tante ein silbernes fünfundzwanzig Schillingstück. An diesen Sonntag nix.

„Tante, wo sind meine fünfundzwanzig Schilling?“ Meine Mutter wurde blass und entschuldigte sich mehrmals, doch meine Tante rückte auf der Stelle den „Silbernen“ heraus. Meine Mutter nahm mich anschließend einigermaßen ins Gebet, doch ich dachte mir, „eigentlich braucht man nur das Maul aufmachen.“ Selbstverständlich wurden die fünfundzwanzig Schilling am anschließenden Kirchtag „verprasst“.

Bei diesen Geldorgien war ich natürlich immer mit meinem acht Jahre älteren „Großen“ Bruder“ Rudolf K. (Rudi), der immer gute Tipps zum Geldausgeben hatte, unterwegs.

Er kaufte sich einen „Stoppelrevolver“, gibt‚s nicht mehr, verboten. Ich die Munition, das Projektil ist ein Stoppel. Das Gelände war prädestiniert für die „Winnetoufestspiele“. Da ich immer Indianer sein wollte, war auch klar wer Cowboy plus Revolver war. Der blöde Cowboy verfolgte mich so lange, bis er ca. fünf Meter hinter mir, mich durch einen gezielten Schuss auf die Ferse außer Gefecht setzte. Ich glaubte mich holt der Qui,Qui (Tod).Aber ein Indianer kennt ja bekanntlich keinen Schmerz.

Als ich leicht hinkend bei meiner Mutter vorbeizog, fiel ihr Blick sofort auf meinen Bruder, der sich das Ganze natürlich nicht erklären konnte. Ich war immer Stolz, dass ich einen „Großen Bruder“ hatte.

Er half mir auch jegliche Mutprobe zu bestehen. In der Nähe des Hauses meiner Großmutter, hatte die Firma Haanl ein Kies und Schotterwerk. Ein langes Transportband ragte bis auf die Spitze des Schotterberges. Mein Bruder und alle großen Großbauernbuam erklommen das Transportband und sprangen mit braunen Streifen in der Unterhose auf den Schotterberg. Umso mehr Kraft beim Absprung, desto kürzer ist der freie Fall. Jetzt kam der kleine Ennio, ich konnte ungefähr einschätzen, wo ich landen würde, das war nicht so gut. Als ich noch überlegte wie ich dem „Todesurteil“ entgehen konnte, rief mein bereits etwas genervter Bruder:“ Chief, der Pfarrer kommt!“ (Wie er auf diesen Satz gekommen ist, weiß er bis heute nicht).

Ich jedenfalls sprang. Eh, überhaupt nix dabei. Ein großer Bruder schaut auf dich.

Das äußerte sich in einem leicht autoritären, wie auch freundschaftlichen Verhalten.

Als meine Freunde und ich, die ersten Zigaretten bei unserem Zuckerbäcker, fünfzig Groschen das Stück kauften, und den nicht gerauchten Rest, grün im Gesicht, an einer geheimen Stelle vergruben, wurden wir von einem Freund meines Bruders, Wolfgang S. beobachtet.. „Burschen, habt’s eine Zigarette für mich?“ Großzügig überreichten wir einen „Lungentorpedo.“ „Nadererwolfgang“ rauchte sie genüsslich, und mit gleicher Harmonie erzählte er es meinem Bruder. Er erklärte er mir den Altersunterschied mit einer „Watschen“. Die Autorität waltete ihres Amtes.

Meine Mutter hatte es wahrlich nicht leicht. Um das Salär der Familie aufzubessern musste sie hart arbeiten. Manche Fabriken hatten jedoch auch ihre Vorteile (für mich), z.B., die Firma Niemetz. Die Arbeiterinnen hatten ein Freideputat, anfangs verputze ich einen Karton „Schwedenbomben“ auf „einen Sitz“. Gut nach einiger Zeit konnten man die Dinger nicht mehr sehen, aber nach einer kurzen Pause ging´s wieder. Wesentlich härter ging es bei der Firma „Hummer“ zu, eine Plastikfabrik. Meine Mutter arbeitete „Schicht“ bis zehn Uhr abends, die Plastikdämpfe, die Akkordarbeit war beinhart. Sie hat bis heute gesundheitliche Schwierigkeiten. Ich hatte das Privileg, abends alleine mit meinem meist besoffenen Vater zu sein, ab und zu durfte ich zu meiner Mutter in die „Plastikbude“. Ich freute mich wenn ich zusammenkehren durfte. Bis heute ist es mir unerklärlich, mit diesem schwer verdienten Geld kaufte sie, unter anderem, meinem Bruder ein neues KTM Moped. Die KTM-Comet war das erste Moped, das diesen Namen auch verdiente. Nach langem Bitten, nahm er mich auf seinem nagelneuen Moped mit, wo es uns natürlich in der ersten ernstzunehmenden Kurve hinstreute. Etwas lakonisch meinte er. „Nicht gegen die Kurve lehnen!“ Eigentlich waren wir mit dem Fußraster am Asphalt gestreift, noch mehr in die Kurve legen…..vermutlich wären es dann die Knie gewesen. Bei Anblick des zerkratzen Tanks verzichtete ich aber auf eine Gegendarstellung. Da alle Körperteile, sogar die Hosen noch intakt waren, beschlossen wir zur Oma ins Marchfeld zu fahren. Wir schafften es, als Preis gab es ein Glas Cola bei meiner Großmutter. Die Kohlensäure verflüchtigte sich ziemlich schnell, da sich die Vibrationen des Mopeds, sich auf meine Hände übertragen hatten.

Sogar ins Fußballstadion nahm mich mein Bruder mit (widerwillig), Österreich–Russland.

Eins zu Null gewonnen, einundneunzig tausend Zuschauer.

Was wünscht sich ein kleiner Bruder mehr?

Ich weiß es. Am Leben zu bleiben.

Da wir direkt neben der Schnellbahn wohnten, nicht so einfach. Der Fußball flog öfters über die Abzäunung, wer holte ihn? Richtig. Bei dieser Gelegenheit horchte ich wie ein Indianer, ein Ohr auf den Schienen, ob eine Schnellbahn sich ankündigte. Ich dachte, dass funktioniert nicht. Richtig, zehn Sekunden später brauste die S-Bahn vorbei.

Ja, es waren gefährliche Zeiten. Besonders als mein zwei Jahre älterer Freund Gerhard B., auf die Idee kam, "U-Hagerl" zu kaufen. Das sind kleine U-förmige Stahlstifte, die mit einem Gummiringerl abgefeuert werden. Garantiert ungefährlich.

Das Kommando hieß „nur auf die Füße“. Wir befetzten uns, dass uns das Blut in der Hose herunterlief. Nach einer gewissen Zeit hatte ich genug, und vertschüßte mich. Im ersten Stock des Stiegenhauses blickte ich aus dem Fenster und Dilogerhard zielte auf mich. Wie in einem Gangsterfilm hatte die Scheibe plötzlich ein kleines Loch. Ich lief die Stiegen hinunter, um ihm mitzuteilen, dass er ein Idiot ist. Da kam Karin G. zufällig des Weges. Aus größerer Entfernung machte sich Gerhard B. noch einen zweiten Spaß. Er traf sie genau zwischen die Augen. Einen Zentimeter links oder rechts und das Auge wäre verloren gewesen. Ja, es waren gefährliche Zeiten.

Gefährlich war es auch, als mein Bruder sein erstes Auto kaufte (eigentlich der Vater). Um es abzubezahlen, durfte er ab und zu, die Familie zu Verwandten kutschieren. An einem sonnigen, aber eiskalten Februarsonntag, beschloss die Familie, der Großmutter, im Marchfeld einen Besuch abzustatten. Blauer Himmel, die Straße staubtrocken. Kurz vor der Ortstafel „Markgrafneusiedel“ jedoch eine Baumgruppe. Das bereits getaute Wasser, durch die Bäume wieder gefroren, wie auf einem Eislaufplatz. Mein Bruder konnte unmöglich reagieren, der Wagen drehte sich um die eigene Achse, anschließend stürzten wir uns überschlagend, über die Böschung in das Flussbett. Meine Mutter „krallte“ sich mich, wie es nur eine echte Mutter schafft. Auf dem Autodach liegend, absolute Stille, einzig das Surren der noch drehenden Räder war zu hören. Unglaublich, keinem etwas Ernsthaftes passiert, nur der Bruder ein Schnitt an der Nasenwurzel. Die Tetanusinjektion im Spital war schmerzhafter.

Einzig meinem Vater war zu Heulen zumute. “Mei schen´s Auto!“

Ich beschloss mir Autos nur noch aus der Ferne anzusehen, z. b. Chruschtschow und Kennedy paradieren im offenen Straßenkreuzer über den Gürtel. Mir war die Begeisterung unheimlich:

„Bitte, wer ist denn das?“ Der Glatzerte kam mir irgendwie bekannt vor.

Die Gürtelbrücke über die Schnellbahn war einige Tage später noch unheimlicher. Eine Menschentraube schaute sensationslüstern auf die Zuggeleise:“ Do hot si ana umbrocht!“

Ich muss natürlich auch einen Blick riskieren. Ein abgetrennter Fuß liegt noch mitten am Gleis, der Leichenheini legt den Schädel in den Zinksarg.

Nau mehr hob i net braucht.

Aber als der Konvoi abgezogen war, widmeten meine Freunde und ich uns wieder den wichtigen Sachen des Lebens, - Äpfel klauen in der Kleingartenanlage, neben dem Gürtel. Mit den gestohlen Äpfel, ging´s dann auf unsere Jagdgründe (genannt „Ascha“, warum, weiß kein Hund mehr, heute steht hier eine riesige Versicherung, die uns nicht entschädigt hat).

Alte Matratzen, die umweltbewusste Bürger entsorgt hatten, gab es genug für unser Lagerfeuer. Mit den Bratäpfeln setzen wir uns auf den Plankenzaun der unser Revier eingrenzte. Die Polizei ließ nicht lange auf sich warten, wir zogen einfach die Füße ein.

Wenn es dich wirklich erwischt, nützt Füße einziehen nichts.

Eine Blindarmentzündung kostete mich fast mein junges Leben. Nach der Operation nicht trinken zu dürfen, fast ein zweites Mal. Die Operationsnähte zu ziehen tötete mich ein drittes Mal. Ich entwickelte eine tiefe Spitalsaversion. Kurz darauf schickte mich eine Ärztin schon wieder in Spital. Dieses Mal wollte man mir die Vorhaut „kürzen“. Scheiß Weiba, ersten bin ich kein Jude, zweitens lernt man dem Umgang mit seinem Zumpferl selbst, drittens bin ich abgehaut. Kein Weib der Welt spielt ungefragt mit meinem besten Freund.

Da ich ein anfälliges Bürschchen war ging der Alptraum jedoch weiter, -Blutsenkung. Meiner Meinung, eine rein Pubertäre Erscheinung. Ich denke, die Ärzte hatten keine Ahnung, deshalb verpassten sie mir vierzehn Tage, täglich eine Injektion. Am Entlassungstag, sah ich der Visite zuversichtlich entgegen. Eine Ärztin betrat mit aufgezogener Injektion unser zwanzig Personenzimmer. Sie konnte sich mit ihren zwei Folterschwestern nicht einigen, wem sie das Ding verpassen sollten. Ich lächelte sie freundlich an. Ich konnte am Entlassungstag unmöglich gemeint sein. Sie lächelten zurück.

Zwei Krankenschwestern plus eine Ärztin konnten mich nicht festhalten.

Ich nehme an die Injektion bekam irgendeine unbeteiligte arme Sau. Ich bekam ein Spielzeugschiff, das ich hasste.

Um Geld zu verdienen hielten wir einfach auf der Gemeindebaustiege Nummer eins, dem hier logierenden Stadtrat Heller die Türe auf. Dafür gab´s fünf Schilling, ein kleines Vermögen, leider nur bis es sich im Freundeskreis herumgesprochen hatte, dann hatte der honorige Herr es schwer, an den vielen kleinen Portieren vorbeizukommen.

Wesentlich härter war es im Arsenal, bei den ersten Tennisplätzen eine Stunde Bälle „aufzuklauben“. Tennis ist mir bis heute ein Gräuel, mir unverständlich wie man zu faul sein kann, sich seinen Ball selbst aufzuheben.

Durch die viele Arbeit, war ich natürlich ein sehr schlankes Bürschchen. Gegen meinen Widerstand, wurde ich zweimal in ein Erholungsheim verfrachtet, - Scheibbs und Bergschlössel.

Das waren aber keine „Schlössel“ sondern Folterburgen.

Das Essen war viel, aber nicht zu fressen. Wer in sein Essen kotzte, durfte es auch aufessen.

Ich persönlich hatte meine Schwierigkeiten mit einer Milchrahmsuppe, eine Stunde durfte ich über ihr verharren, denn durch meine Tränen wurde sie immer mehr.

Da ich immer schon ein windiges Bürschchen war, hielt ich mich auch für einen „Entfesselungskünstler“. Ich las damals ganz begierig „ Prinz Eisenherz“, eine Ritterlektüre, King Arthur, der Heilige Gral, Tafelrunde usw.

Eine Stelle beschreibt wie Eisenherz in Gefangenschaft geriet, und ganz auf sich Alleine gestellt, selbst befreite.

Er wurde ziemlich hinterhältig gefesselt, die Hände auf den Rücken, einen Holzstab dazwischen, und die Füße an den Hals gefesselt. Mein Bruder und ich diskutierten darüber, und er war der Meinung. In der Realität gibt es kein Entrinnen.

„Ich schaffe es.“ Gesagt, getan, mein Bruder fesselte mich in altbewährter Manier, dass ich bei der Fesselung schon blau anlief. Doch es gelang mir den Holzstab hinter meinem Rücken abzustreifen, damit hatte ich mehr Spielraum zu meinen Fußfesseln. Nach ca. zwanzig Minuten gelang es mir den Knoten zu lösen. Der Rest war ein „Kinderspiel“ und ich war frei. Ich erschien im Wohnzimmer bei meinem Bruder und erklärte ihm: „Einfach, kann jeder.“

Worauf mein Bruder meinte, vielleicht sei die Sache noch etwas verbesserungswürdig. Er fesselte mich, an den Fuß unseres großen, schweren Schlafzimmerkastens. Holzstababstreifen war jetzt nicht mehr möglich. Ich verbog mich in alle Richtungen, doch keinen Chance. Nach ungefähr einer Stunde hatte sich mein Gesicht etwas blaurot gefärbt, doch um Hilfe zu rufen kam natürlich nicht in Frage. Als mein Bruder mich befreite, sagte er, „Nau?“

„In einer Ritterburg gibt es keine Schlafzimmerkästen“, entgegnete ich. „Na und wo hängen sich die Ritter ihren Pyjama auf?“, war die nicht ganz befriedigende Antwort. Meine Mutter fragte mich, ob ich gerauft hätte. Mit meinem mürrischen „Ja“, gab sie sich zufrieden. Sie hatte sicher andere Sorgen.

Das änderte sich, als sie übernächsten Tag wegen „Kindesmisshandlung“ in die Schule zitiert wurde. Ich klärte die Sache auf, mein Bruder bekam eine „Tachtel“, er bestrafte mich mit der tiefen Lebensweisheit: „Das nächste mal "fessel "dich alleine.“

Neben „Kindesmisshandlung“ bestand die Volkschule aus Lug und Betrug. Im Turnunterricht wurde unter Anleitung unserer Lehrerin Fr. Koller (schaut sich bereits die Radieschen von unten an), ein Hindernisparcour errichtet.

Finalisten, eh klar, ich armes Arbeiterkind und Reinhard T., der künftige High - Schoolabsolvent, bester in seinem Turnverein. Ich „putzte“ ihn um mindestens eine Sekunde. Die Pädagogin entschied, kann nicht sein. Eine Steigerung gab es noch bei der Vergabe der Zeichennoten. Bereits seit dem Kindergarten war ich ein kleiner Da Vinci. Ein Mitschüler taugte maximal für moderne Kunst. Mir wollte man eine Zwei ins Zeugnis drucken, ihm eine Eins. Nach Protest meinerseits, ließ die alte Sau abstimmen. Alle entschieden sich für mich. Die Anarchie wurde sofort niedergeschlagen. Na ja, wenn der Vater Professor ist, wird der Sohn sicher auch einer, vermutlich für angewandte Kunst.

Ich besuchte einen Zeichenkurs, bei den Sozikinderfreunden. Ungefähr ein Jahr später, erhielt ich die Nachricht, ein Bild von mir hängt in Paris. Vielleicht im Louvre?Hoffentlich nicht, ich hatte ja nicht die richtige Künstlerkleidung für eine Vernissage.

Unsere Familie kaufte einmal im Jahr beim alten Juden-Texhages das komplette Outfit. Eine Hose, einen Pullover, eventuell einen Mantel, das war`s. Genügt vollkommen. Was hast von einem Boss-Shirt, wenn`st eigentlich ein Trottel bist.

Ich war natürlich auch ein begnadeter Fußballer. Wir spielten auf den verschiedensten Plätzen, ich meine Stationen. Station eins, ist der begrünte Innenhof. Reaktion der lieben Mitbewohner bzw. Hausmeisters: „ Auße aus‚n Gros“, oder sogar „Ballverlust“ d.h. Einzug durch den Hausmeister.

Lustiger Vorausblick , als wir bereits so um die zwanzig waren, trafen wir uns zufällig in unserem mit Heiligen Gras ausgestalteten Hof und getrauten sich mit einem Tennisball ein bisschen herumzukicken. Sofort schoss unser Wächter des Grüns heraus und wollte den Ball an sich nehmen. Kurzer Kommentar meines Freundes: „Willst a Watschen?“ Der Gralshüter hatte anscheinend verschlafen, dass aus den Rotzbuam richtige Männer geworden waren.

Kurzer Gedankensprung in die Realzeit. Ich sitze vor meinem Schlepptop, es ist bereits Ende März, trotzdem schneit es ganz ruhig vor sich hin. Ich rauche eine Zigarette, brauche nicht mehr zu arbeiten, denke an meine Aktien und bin fit wie ein Turnschuh. Wenn ich jetzt tot umfalle, würde ich mich, ich verspreche es, nicht beschweren.

Weiter im Text. Nächster Fußballplatz wäre auf dem Gehsteig. (anschließend nächste Straße, Park, Gstätt‚n, usw.) Der Nachteil des Gehsteiges, ist die Nähe der Fenster. Aber wir hatten damals nur einen Plastikball, unmöglich dass da ein Lapsus geschehen könnte.

Ein Schuss, meines begnadeten Rechten, der Ball bleibt in der Luft fast stehen, senkt sich in Zeitlupe auf eine Fensterscheibe, zehn Sekunden später hauchte sie ihr Leben aus. Alle Kinder liefen in die nächste Straße, außer Erich der blöde Vogel Strauß, der wollte nach Haus. Natürlich dem Fensterscheibenbesitzer genau in die Arme. Er drückte mir den kompletten Fensterflügel in die Hände, ich plünderte mein Sparschwein.

Wir beschlossen einen Lederball zu kaufen.

Wenn schon, denn schon.

Kino. Die beste Mutter von allen und ich standen Ecke Schlachthausgasse, Landstr. Hauptstraße und begutachteten einen so genannten Kinoaushang (Glaskasten mit Kinopictures). Gibt´s nur noch maximal in der tiefsten Provinz, (Rumpelbach an der Leia etc). Im Haufkino in der Simmeringer Hauptrasse spielte es „Das Dschungelbuch“.

„Wills`t es sehen, ist nicht weit“. Mein erster Kinobesuch. Nach zirka einer Stunde erreichten wir das Kino. Meine Mutter hatte immer so kleine Tricks, um mich Fußmaroden zum Spazierengehen zu bewegen. Ein Kaugummi und ab ins Kino. Ich muss gestehen, ich bin heute noch fasziniert.

Drei Wochen später im Erbergerkino, Erdberger Flohbude im Volksmund, „Das Dschungelbuch“. Mein Freund Franz K. und ich, machten sich auf den Weg, bzw. setzen uns in die Linie18 und stellten uns blöd. Seltsamerweise schmiss uns der Schaffner nicht hinaus. Hatte sicher einige kleine, arme Straßenbahnerkinder. Das Kino war gesteckt voll, kein Wunder es hatte ungefähr die Größe von meinem derzeitigen Wohnzimmer. Wieder ein unglaubliches Erlebnis. Ungefähr Mitte des Filmes. Zack. Aus. Ende des ersten Teiles. Zweiter Teil folgt. Bedrückt gingen wir nach Hause, auf Teil zwei wartend. Doch es kam kein zweiter Teil.

Wir beschlossen nächstes Mal zu fragen: „Wann bitte, Teil zwei?“

Eine Woche später, zweiter Anlauf. Mitte. Zack. Schüchtern fragte ich den Kartenbändiger: „Wann bitte kommt der zweite Teil?“ „Hol‚ dir was zum naschen, Hop, Hop, in fünf Minuten geht‚s weiter.“

Kleines Kino, kleine Filmrollen.

Ich hatte ein Kinoproblem. Winnetou ritt über die Kinoleinwand, streng überwacht, freigegeben ab vierzehn Jahren. Aber ich war ein schlaues Bürschchen, mit Mehl trimmte ich meine noch jungen Schläfen auf Senior und machte mich mit gemischten Gefühlen auf, -zum Eos-Kino, auf der Landstraßer Hauptstraße. (Keine Ahnung, was heute hier wohnt.)

Vor der gläsernen Kinotüre überprüfte ich noch einmal mein Aussehen, da die Leute auf der Straße mich so seltsam ansahen und kam zu dem Schluss, etwas disharmonisch zu wirken. Ich fasste allen Mut zusammen, klopfte auf meine Schläfen, dass es nur so staubte und schritt selbstbewusst - mit weichen Knien zur Kinokasse.

Mit höflicher, tiefer Stimme:“ Einmal, bitte.“

Die freundliche Dame, blickte mich nicht einmal an und schob die Karte rüber. Blitzschnell arretierte ich sie und genauso schnell war ich wieder auf der Straße. Von der gegenüberliegenden Seite beobachtete ich das Kino, nach mutmaßlichen „Kontrolloren“. Drei Minuten nach „Wochenschaubeginn“ schlich ich mich im Dunkeln unauffällig beim Kartenbändiger vorbei. Die letzte Hürde war geschafft. Winnetou du edler Indianer, die vierzehnjährigen lachen heute über Dich.

Ein Indianer zu sein, ist ein tolles Gefühl, da kam mir die Einladung zu einer Kinderfaschingsparty, eines in gut bürgerlichen Verhältnissen lebenden Klassenkameraden gerade recht.

Alle Kinder wurden zu Party gebracht, meine Mutter musste Schichtarbeiten, alle Kinder brachten ein Geschenk für den Gastgeber mit, ich luchste ihm am Ende der Party eines ab.

Seine Eltern veranstalteten lustige Kinderspiele, die mir allerdings ordentlich auf den Arsch gingen.

Höhepunkt war ein Kinderkasperltheater, das Stück eigenhändig von seinen Eltern geschrieben und uraufgeführt. Es gibt noch ein altes, schwarz-weiß Photo von diesem Ereignis, ich in Indianermontur neben einem Cowboy (der Cowboy wurde später Bassgitarrist und rauschgiftsüchtig). Ich habe die Hände gefaltet und blicke mit angsterfülltem Gesicht auf das Drama.

Ich weiß noch genau was ich mir damals dachte: „ Ein Kasperltheater das Ganze, so ein Schmarrn. Ich bin doch kein Kind mehr!“ Doch ich muss zugeben, um seine Familie beneidete ich ihn.

ZWEITES KAPITEL: JUNGER MANN 1

Mein erster Sexfilm.

Gutenbergkino, gespielt wird ab vier Zuseher. Filme ab sechzehn, egal. Wir waren drei achtjährige, also vierundzwanzig. Einen konnten wir auf der Straße überreden, dass der beste Western von Scheibbs bis Nebraska gegeben wird. Werbung. Vorschau in schwarz-weiß. Gähn. Doch Holla, da hüpften auf einmal nackte Weiber über die Leinwand. Normalerweise saßen wir in der letzten Reihe, doch in Sekundenschnelle waren alle vier in reihe Eins. Fest in die Holzsofas gepresst begutachteten wir fachmännisch Titten etc. Der Western dauerte denke ich, zehn Stunden.

Wir kratzten die letzten Schillinge zusammen und schauten uns die Vorschau noch einmal an.

Nach diesem „sündhaftem“ Treiben hatte mich sofort die Kirche am Kragen. Ich durfte, (musste) zu Erstkommunion. Musste deshalb, da ich den Hochwasseranzug meines Bruders ausführen durfte. Meine Mutter:

„Es ist ja nur einmal, außerdem gibt’s Krapfen und Kakao.“ Am heißen Kakao verbrannte ich mit das Maul, dafür aß ich drei Krapfen und erzählte dem Pfarrer bei der Beichte keine Sünden. Ich fand – das geht dem Wichser nichts an. Die drei „Gegrüßet seist du Mary“ zur Strafe konnte ich auch nicht auswendig. Zu Hause meuchelte ich noch meinen Anzug. Unabsichtlich, ich schwöre. Meine Mutter hatte das Nähzeug am Tisch stehen, ich wollte eine Rasierklinge testen. Ich legte eine Zeitung auf meinen Oberschenkel und zählte die Seiten die ich durchschneiden konnte. Seltsamerweise alle, die Hose und meine Haut.

Als Anhänger des Proporzes war ich bei den Pfadfindern und den roten Falken. Bei der Wöflingsaufnahme, hatte ich den Ehrenkodex natürlich nicht auswendig gelernt und durfte ihn ablesen. Dafür musste ich schwören, wenn ich groß bin ÖVP zu wählen. Ich hatte keine Zeit zum lernen gehabt, - ich war mit den roten Falken am Semmering gewesen. Nachtwanderung, mit Taschenlampen, urcool, eigentlich „leiwaund“. Nach einer ausgedehnten Rundwanderung standen wir im Stockdunklen, knapp vor unserer Herberge. Der Oberfalke fragte uns: „Na Falkis, wo ist die Pension?“ Alle zeigten in die entgegengesetzte Richtung. Die große Schande eines Indianers. Ich hatte eine nach Originalvorlagen selbstgeschneiderte Indianermontur, hatte im Burgenland den Enten die Federn gerupft und schlief im Gemeindebaubalkon in einem Zelt.

Der Fährtenleserlehrling war am Boden zerstört.

Heute kann mir so etwas nicht mehr passieren, ich orientiere mich nach dem Moos der Bäume. Im Dunklen ist´s blöd.

Der Idiotenhügel im Gemeindebau wurde mir zum Schi fahren langsam zu fad. Ich strebte nach Höherem, packte meine Schi und schnorrte meine Mutter um einen Fahrschein an: Ich fahr am „Himmelhof“ (bei der hohen Wand Wiese). Meine Mutter wunderte sich schon lange nicht mehr. Damals gab es in diesem exklusiven Skigebiet sogar eine Sprungschanze, die war gotttseidank gesperrt. Das mondäne Skigebiet hatte einen leichten Nachteil, kein Lift. Na und, Muskeln bekommt man sowieso mehr, wenn man im Treppenschritt aufsteigt. Ich war unermüdlich, aber ich geb’s zu, es zerlegte mich einige Male recht ordentlich. Das hatte den Nachteil, dass sich meine Baumwollhandschuhe etwas feucht anfühlten. Aber es war auszuhalten. Als es dunkel wurde und ich meine Schi zusammenpackte, begannen sie immer kompakter zu werden.

Es war Jänner, minus Zehn Grad, die Handschuhe waren gefroren. Das war nicht auszuhalten. Ich zog sie aus, das war noch weniger auszuhalten.

Zu Hause stellte ich die Ski in den Keller und musste einige Minuten warten, bis sich das Sportgerät von den Fingern löste.

In der Schule hatten wir auch unseren Spaß. Hausübungen schrieb ich grundsätzlich am Häusl in der Schule. Ich „borgte“ mir ein Hausübungsheft eines Strebers und da ich schlankes Kerlchen problemlos in der WC-Kabine am Fußboden knien konnte, bei Alarm auf die WC-Brille stieg, wurde ich für meinen Fleiß gelobt. Meistens vom Turnlehrer.

Unsere Englischlehrerin war ein „steiler Zahn“. Wenn sie im Stiegenhaus die Treppe nach oben stieg, waren wir stets ein Stück hinter ihr und bewunderten ihre Unterhose. Wir perfektionierten das Ganze, sie korrigierte die Schulhefte am Musikunterrichtsklavier, die zwei Größten stellten sich dicht neben sie, der Rest schaute ihr auf den Arsch. Eine Schulstufe unter uns gab es drei Mädchen. Wir überredeten sie am „Häus´l“ zu diskutieren, weil sicherer. Einer Mulattin griff ich sofort auf die Fut. Sie hielt still, heute geht sie auf den Strich. (Später „fingerlten“ wir sie in einer Telefonzelle, mein Freund mit Gipshand).

Plötzlich riss die Religionslehrerin die Außentüre zu den WC-Anlagen auf. Die Meute versuchte sich in den Kabinen einzuschließen, ich sah die Nutzlosigkeit ein. Die Lehrerin beauftragte mich, den Klassenvorstand zu informieren. Alle bekamen harte Strafen, ich blieb ungeschoren. Zufall, oder hätte ich der Reli-Autorität auch auf die Fut greifen sollen?

Es gab auch sehr entspannte Tage, z.b. Schulferien.

Es war Ende Juli und es regnete seit einer Woche in Strömen. Wir verbrachten unsere Zeit mit Schachspielen. Von neun Uhr Vormittags bis am späten Nachmittag entwickelten wir uns langsam zu kleinen „Karpows“

(Schachgroßmeister), bis meinem Freund der Kragen Platzte: „Morgen gehen wir in‚s Stadionbad, auch wenn‚s schneit!“ Jubel.

Am nächsten Morgen, pünktlich acht Uhr, trafen wir uns am vereinbarten Treffpunkt mit unseren Fahrrädern. Tennisschuhe, Badehose, Leiberl (T-Shirt), zwanzig Schilling für Würstel und ein Cola. Sonnencreme etc. nichts für harte Jungs, „es gab ja noch kein Ozonloch“. Dafür in jedem Luxuskurort ein Plakat: „Kommen Sie zu uns, gesunde ozonreiche Luft!“. Im Bad angekommen fuhren wir noch dreihundert Meter weiter und erklommen behände, wie Free-Climber, wie gehabt, den „Maschendrahtzaun.

Wo sich die Kasse befand hatten wir schon vergessen. Im Schutze einer Baumgruppe pirschten wir uns im etwas leichter gewordenem Regen entlang, nach dem „Badewaschl“ Ausschau haltend. Es war keiner zu sehen, vermutlich wasserscheu. Wir beschlossen sofort schwimmen zu gehen, um nicht nass zu werden. Am Poolrand angekommen brach plötzlich die Sonne mit derartiger Intensität hervor, dass wir an eine religiöse Erleuchtung dachten. Die Wiesen glitzerten, das Schwimmbecken leuchtete, und keine Sau im Bad. Ein traumhaftes Erlebnis, für den, im Wahrsten Sinne des Wortes „Kleinen Mann“.

Zwei Stunden später waren alle Arschlöcher wieder da.

Jeder hielt sich natürlich für den Ersten.

In diesem bewussten Stadionbad konnte ich wirklich für’s Leben lernen, der Einfachheit halber fasse ich etwas zusammen.

Sonne, Wasser, Mädels und aus dem Lautsprecher dudelt es zehnmal am Tag: “In the Summertime wenn das Weda is schein“. Keine Sorgen, nur Spaß, Spaß, Spaß. Heute rege ich mich über die Spaßgeneration auf.

Im Turnunterricht beherrschte ich den Vorwärtssalto ohne Turnmatte in ca. zwanzig Minuten. Mit diesem tollen Gefühl bestieg ich, vorher vergewissernd, ob auch genügend weibliche Fans am Pool waren, den „Einmeterturm“.

Da ich gewohnt war, den Absprung mit voller Kraft und blitzschneller Drehung einzuleiten...... Ups. Ich drehte mich zirka viermal (Olympiareif) und dann haute es mich frontal auf´s Maul. Ich schnappte nach Luft und kletterte kraftvoll aus dem heute außergewöhnlich harten Wasser.

Ich erklomm sofort den Dreimeterturm. Kurzer Anlauf, Sprung in die Waagrechte, eine Sekunde Stillstand, Muskeln anspannen, dann ließ ich mich beinhart auf den Bauch fallen, ein sogenannter „Bauchfleck“.

Mir war zum Kotzen übel, doch den Mädels dürfte es gefallen haben, zumindest bildete ich mir ein, eine ganz Nette, (geht heute auch auf den Strich) fand es ganz amüsant.

Mein erster eigenhändiger Aufriss.

Kurzer Schwenk. Ich rauche. Jedes Mal wenn ich meine Zigarette in den Aschenbecher lege, beginnen drei alte Tschik zu brennen. Wie machen das die Profischriftsteller?

Zurück. Da man mit zwölf noch nicht der Meister des Wortes ist, (heute auch nicht), legte ich mich zum Trocknen auf den heißen Beton der Wellenbadbrücke. Da tauchte Sie auch schon auf. Mit einigen sechzehnjährigen Jungs im Schlepptau. Sie setzte sich direkt vor mich und sprach kein Wort. Als ich aufstehen wollte, da mir der heiße Beton bereits leichte Brandblasen bescherte, umzingelte sie mich mit ihren Händen und hielt sich am Geländer fest. Was tun? Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Sie zog mich an sich und gab mir einen Zungenkuss, dass mir das Dritten Mal in Serie die Luft wegblieb. Aber diesmal recht angenehm. So kamen wir doch noch ins Reden und im Wasser war es recht lustig. Am Abend begleitete ich sie nach Hause.

Hand in Hand sechs Kilometer lang.

In jungen Jahren gab es für mich nur Sport. Dass man Sport mit Alkohol verbinden kann lernte ich ebenfalls in diesem Bade.

Am Vortag überredete mich mein Freund und Widersacher Franz K., ein übler Austria Wien Anhänger, das Europacupmatch Manchester United gegen Austria zu besuchen. Vermutlich weil ich sehen wollte wie die Austria einen ordentlichen Schrauf‚n, sprich eine auf den Deckel bekommt und es ja gratis war, Zäune waren für uns nicht existent, ließ ich mich überreden.

Ein gewisser Noby Stiles, später Teamchef bei den Insulanern wurde bei zwei zu zwei, wenn ich mich recht entsinne, ausgeschlossen. Noby trampelte leicht erregt auf seinem Leiberl umher.

Ich glaube die Wiener Austria gewann vier zu zwei.

Am nächsten Morgen, alleine zu Hause, experimentierte ich ein wenig. Ich war schon immer ein wissbegieriger Mensch.

Mein Bruder hatte vom Bundesheer einige Platzpatronen mitgebracht. Die Kappe abschneiden und das Pulver im Aschenbecher anzünden war recht lustig, ich jedoch wollte die Funktion ergründen. Ich hielt die Patrone in die Öffnung der Gastherme, sie explodierte und ich war erstaunt, dass meine Finger noch vollzählig waren. Es funktioniert also mit Zündhütchen, bzw. Schmerzen.

Ich beschloss meine schmerzenden Finger in einem Becken des Stadionbades zu kühlen.

Im Bad zog sich eine Horde Engländer sich den Unwillen der Badegäste zu.

Auf ungefähr zehn Decken verteilt, von etwa hundert leeren Flaschen Ottakringer belagert, lagen zwanzig besoffene Manchesterdribbler. Fett wie japanische Öltanker. Jo, des englische Gschloda und unser Bier is hoit a Unterschied. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und sie zu verspotten. Nachlaufen konnten sie uns nicht, denn heute waren sogar die zwölfjährigen schneller. Noby Stiles wurde von zwei anderen Verlierern aus dem Bad geschleift.

Unser Kommentar: “Jetzt haben‚s das zweite mal verloren.“

Zurück in die „Steinzeit“. Es drängt sich bei Diesem oder Jenem Leser, oder vielleicht bei Beiden, der Gedanke auf, wann denn endlich die kriminelle Vergangenheit des Erich K. begonnen hat.

So ungefähr mit acht.

Auf der Landstraßer Hauptstraße gab es ein riesiges Spielzuggeschäft, der Inbegriff aller Kinderträume. Wir drückten uns die Nasen an den Auslagen platt, doch da wir nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügten, mussten wir uns etwas einfallen lassen. Mein Bruder und ich besaßen seit Weihnachten eine Autorennbahn, deren Boliden mangels winziger Kohlenstifte für die Elektrik, regelmäßig den Geist aufgaben. Ich hatte das Vergnügen auf die Landstraße zu joggen und um drei Schilling Neue zu besorgen. Diese befanden sich, fast nicht existent, in einer kleinen Schachtel unter dem Verkaufstisch. Keinem Verkäufer gelang es Sie unter drei Minuten zu finden.

Wir kratzten drei Alpendollars zusammen und statteten dem Laden einen Besuch ab.

„Kohlen her!“ oder so ähnlich, forderten wir entschlossen. In der nächsten Sekunde waren wir um ein Spielzugauto (Corgy Toys) reicher.

Wir wurden immer dreister. Wir stahlen alles was nicht Niet und nagelfest war. Bis an jenem unglückseligen Nachmittag als mein alter Widersacher Franz K. eine tolle Idee hatte.

Es war die Zeit der Erfindung des „Flumys“. Der Ball, der fast von alleine springen kann. Auf eine Pyramide, auf einem eigenen Tisch geschichtet thronte diese Innovation des Kinderlebens. Sicher, man kann den obersten Ball wegnehmen, aber das war ja zu einfach. Er zog lieber einen aus der unteren Reihe. Dann brach das Chaos aus.

Wir wurden einige hundert Meter verfolgt, die Kohlenstifte musste ab jetzt mein Brüderchen besorgen. Die Firma ging vor zwanzig Jahren in Konkurs, logisch.

Mein alter Schlepptop hat den Geist aufgegeben und einige Seiten verloren. Ich bin ganz schön durcheinander und versuche einiges zu rekonstruieren. Das sie es nicht merken, nehme ich zurück.

Ich ging wie gesagt, oder auch nicht, in die Hauptschule, GYM war finanziell nicht drin. Wir waren eine bunte Truppe, zum engeren Freundeskreis zählte ein Schweizer, Cetin ein Türke und zwei Gerhards. Gerhard L. wurde öfters als „Baa“ (Bein) beschimpft, worauf er entgegnete: „Ripperl wenn ich bitten darf.“

Unser Deutsch und Turnlehrer hatte mich besonders ins Herz geschlossen, (logisch) andere weniger. Er war ein alter Stalingradkämpfer, dem ein Finger fehlte. Er schlug so blitzschnell zu, dass man etwas später nur den seltsamen Abdruck im Gesicht des Geläuterten erkennen konnte.

Es war die Zeit der „gsunden Watschen hot no kan gschod“. Ein einziges Mal nahm er mich bezüglich eines minder schweren Vergehens bei den „Beukeles“, zog mich einige Male hinunter, bzw. hinauf, ließ los und man absolvierte die Übung noch einige Male ohne Veranlassung. Aber sofort überkam ihn die Reue und er schickte mich, während die anderen pauken mussten, zum Greisler bezüglich seiner täglichen Jause. Zwei Salzstangerl plus Knacker, ich durfte vom Salzstangerl abbeißen. Der Neid war unbeschreiblich.

Er protegierte mich drahtiges Bürscherl dermaßen, dass er mich als einzigen in einer anderen Klasse auf Schulskikurs mitnehmen wollte.

Klappte dann aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht.

Nächstes Jahr war es dann endlich soweit, erster Skikurs. Ich war ja kein Mann der Praxis, nur sportlich.

Bei der Leistungsstufeneinteilung meinte er: „Seltsam, dass dich nicht in einer Tour auf die Gosch´n haut. Bei der Körperbeherrschung fahrst bei mir in der ersten Gruppe.

Ich lernte schnell, - damals besonders, dass rauchen ungesund ist.

Hr. Fachlehrer Windsteig, rauchte „John Players“, ohne Filter. An der Liftstation bekam er plötzlich einen Hustenanfall, dass er zu Boden ging. Ich half ihm wieder auf die Beine, er greift in seinen Anorak holt seine “Spä“ heraus, drückt mir das Feuerzeug in die Hand: “Gib` ma ein Feuer.“

Wieder in Wien, bekamen wir einen neuen Mitschüler, einen Iraner. Er sah recht gefährlich aus und begann sofort zu stänkern. Ich war mir nicht ganz sicher, trotzdem nahm ich in meine Arme und drückte ihm die Luft ab. Gegenwehr, wie ein Mädchen, der Kerl war schwul. Wenn er mir zu Nahe kam, sagte ich laut „Hu“ und er fiel vor Schreck fast in Ohnmacht. Vermutlich ist er heute bei den iranischen Revolutionärsgarden Haremswächter.

Cetin unser Türke war aus anderem Holz geschnitzt, ein Supersportler, wenn wir spaßmässig rauften, nahm er es mit zwei auf. Den Grund erzählte er mir zwei Jahrzehnte später. Seine Eltern hatten ihn mittels „getürkter“ Geburtsurkunde zwei Jahre jünger gemacht, zwecks längerer Kinderbeihilfe. Die ausländischen Sozialschmarotzer waren damals auch schon clever. Doch kein Vergleich mit heute, sein Vater arbeitete hart am Bau und besitzt heute zu Hause ein Hotel. Respekt.

Fußballmäßig war die Türkei noch im Aufbau. Europacupauslosung: Rapid Wien – Galatasaray Istanbul. Für Cetin und mich, ein Pflichttermin. Wir zwei im Türkensektor, leichtes Erstaunen. Drei zu Null für Rapid, ich nahm es stillschweigend zu Kenntnis, erstens fühlte ich mit meinem Freund, zweitens war ich im Türkensektor.

Nächstes Jahr, unglaublich: Rapid – Besitkas Istanbul. „Ist viel bessere Mannschaft, wirst schon sehen. Hauptstadt ist aber Ankara nicht Istanbul. Beste Stadt der Welt. Ich bin aus Ankara.“ Ich dachte: “Hat Ankara eigentlich keine Fußballplätze? Außerdem ist Wien die beste Stadt der Welt.“ Trotzdem bekam mein Nationalismus einen kleinen Riss, der sich aber bald schloss, - vier zu null für Rapid. Heute schaut´s anders aus.

Mit zwölf bekam ich mein erstes Fahrrad. Heiß ersehnt.

Besser gesagt, ich hätte es bekommen sollen. Das mein Geburtstag im Oktober ist, es langsam Winter wird, der Keller voller Winterholz, dahinter mein Fahrrad, natürlich aus zweiter Hand, sprich von meinem Bruder, alles egal. Eine Woche vor Termin erkundigte meine Mutter sich nach meinen Wünschen. „Natürlich das Fahrrad!“ Meine Mutter dürfte es geahnt haben, verzog nur leicht das Gesicht: “Nein.“ Mein ganzes Leben hatte ich auf diesen wichtigsten Geburtstag in meinem Leben gewartet, dementsprechend entschlossen mein taktisches Vorgehen. „Ich schlichte das ganze Holz ab, nehme das Fahrrad raus und schlichte es wunderschön wieder auf.“(Die Bedeutung dieses Satzes sollte ich zwanzig Jahre später erfahren. Nach zweistündiger Arbeit verließen zuerst bei meiner Marchfeldtante, anschließend nach vierstündiger Arbeit bei meinem Bruder, den Holzstoß die Kräfte.) Alles noch einmal.

Meine Mutter begann langsam mit den Augen zu rollen.

Nach einigen weiteren Interventionen hatte ich es geschafft, sie war fuchsteufelswild.

Am fünfzehnten Oktober war es endlich soweit.

Auf die lapidare Frage: „Was willst zum Geburtstag?“

„Natürlich das Fahrrad!“, knallte sie mir eine.

Mein unvergesslicher Geburtstag, mit dem ich Sie heute noch nerve.

Eine von drei Watsch’n. “A` gsunde Watsch’n hot no kan gschod!“

Ich habe einen schweren „seelischen Schaden“ davongetragen.

Nächstes Frühjahr war es dann soweit. Seltsamerweise war ich noch immer zwölf. Wir beschlossen eine Fahrradtour vom dritten Bezirk nach Strebersdorf(!), zu einem Schotterteich, mit angrenzendem Moorbad zu unternehmen.

Der Verkehr hielt sich damals noch in Grenzen, das Gefährlichste waren die Straßenbahnschienen, bei denen sich die Autofahrer alle Mühe gaben, dich in eine solche zu drängen.

Wer nie ein Fahrrad oder Motorrad besaß, der was an Schaß.

Trotzdem gelangten wir ohne größere Komplikationen an unser Ziel. Ein wunderbarer Schotterteich mit einer Schlammbucht in der man bis zu den Oberschenkeln versank und sich nur mit Mühe befreien konnte. Einen ganzen Tag schwimmen, tauchen, Schlammschlacht, geht ganz schön an die Substanz.

Um vier Uhr traten wir wieder in die Pedale. Auf der Strebersdorfer Brücke

Zisch. Aus. Potsch’n. („Plattfuß“). Ich und mein Fahrrad. An Reparatur war nicht zu denken. Also schieben, schätzungsweise zwanzig Kilometer bis zu den heimatlichen Gefilden. Die ersten fünf Kilometer, kein Problem. Heutzutage wäre ich nach fünf Kilometern tot. Die nächsten fünf summte ich fröhlich den neuesten Werbeslogan:“ Hey ist das ein Ding, das hat Drive das hat Swing, bleib im Leben nicht steh’n, lass uns frischwärts geh’n. Coca Cola ist Coke!

Später dachte ich mir:“ Scheiße, wenn’st das schaffst gehs’t zu den Marines.

Scheiß Zeit, kein Handy, keine Mami die dich mit dem Zweitwagen einsammelt. Papa hat keine Zeit, der braucht den Porsche geschäftlich.

Also Zähne zusammenbeißen, ein Indianer kennt keinen Schmerz. Der kannte aber auch kein Fahrrad ohne Luft im Vorderreifen.

Nach den letzten qualvollen Kilometern schob ich mein Fahrrad bei meinen Fußballspielenden Kumpanen vorbei.

„Spielst mit?“

Im Winter geht der Mann von Welt Schi fahren. Eines Tages spazierte ich mit meiner Mutter die Fasangasse entlang und erblickte in der Auslage eines bekannten Sportgeschäftes den Aushang: „Skitagesfahrten, fuffzig Schilling“.

„Da fahr ich mit.“ Da mir meine Mutter langsam alles zutraute meldete sie mich an. Ich war zehn.

Nächsten Morgen um sechs Uhr schnappte ich meine Schi und schlenderte, eher schlitterte, unter dem Gewicht der Schi zum Abfahrtstreffpunkt. Ich setzte mich vollkommen cool in den Autobus, wo mich einige Fahrgäste, besonders die weiblichen etwas verwundert musterten. „ Wo ist denn deine Mami?“ „Zuhause.“

Dann ging’s los. „Will’st Soletti, will’st eine Schokolade?“ Der Beschützerinstinkt war ausgebrochen. Der arme Bua. Mir war es recht, ich futterte was ich bekommen konnte. Es war mir echt rätselhaft, warum sich alle so um mich sorgten. Auf der Piste, vermutlich nach einigen diskreten Hinweisen beschäftigte der Schilehrer (war im Preis inbegriffen, braucht ka Hund), sich großteils mit mir. Nach zwei Stunden als ich die so genannten „Fortgeschrittenen“ langsam ziemlich alt aussehen ließ, gab er endlich Ruhe.

Mittagessen auf der Hütte. Wieder leichtes Getuschel mit der Hüttenwirtin. „Einmal Frankfurter bitte.“ „Und zu trinken?“ „Brauch‘ ich nicht.“

Müßig zu sagen das ein Cola automatisch mitgeliefert wurde. Bezahlen, Ha, Ha.

Nach Kursende freies Fahren. Der Schilehrer schenkte mir alle Liftfreifahrten die er zu Verfügung hatte. Da ich für den Schlepplift noch etwas zu leicht war, schwebte ich meistens ein, zwei Meter über der Piste. Auch kein Problem, oben sprang ich einfach ab. Heimfahrt. Mich wunder es noch heute, dass auf der Fahrt im Dunkeln keine mit mir geschmust hat.

Heutzutage begegnet man so vielen unfreundlichen Idioten. War früher wirklich alles anders, oder war ich nur kleiner?

Winterferien in Waldegg, im Siemens Erholungsheim im Piestingtal, sehr idyllisch. Ein altes Jagdschloss für gestresste Mitarbeiter, damals mein Vater. Zehn Kilometer entfernt, die Bluatalm, mit einem urigen Gasthof, wo sich der Herr Papa und seine urigen Arbeitskollegen sich die Obstler in den Hals schütteten. Ich konnte mir damals nicht vorstellen in meinem Leben auch nur einen Schluck von diesem Scheißzeug zu trinken. (Alles ändert sich.)

Mir wurde es auf jeden Fall zu blöd. Ich beschloss mich auf den Heimweg zu machen. Natürlich bergab, quer durch den nächtlichen Wald, wie es sich für einen richtigen Exzentriker gehört. Juchhe, bis zum Bauch im Pulverschnee! Im Dunkeln hatte ich mich schon immer wohl gefühlt, doch nach einer Stunde kamen mir leichte Bedenken. Stockdunkel, eiskalt, kein noch so kleines Lichtlein zu sehen. Als es auch noch zu schneien begann, dachte ich mir, he Junge du hast noch viel vor im Leben. Auf jeden Fall einmal einen eigenen Sohn. Ich kämpfte wie ein kleiner Sibirischer Berglöwe und natürlich schaffte ich es. Nur drei Kilometer vom Ziel entfernt. Ich musste nur noch die verschneite Bergstraße „hinauflaufen“ und erblickte schon die ersten Lichter.

Eigentlich hatte ich im Leben immer Glück, manchmal aber auch Ärger.

Z.b. Silvester in Waldegg/Wopfing im schönen Siemens Erholungsheim. So zirka eine Stunde vor Mitternacht, wieder einmal alles angesoffen, wofür ich absolut kein Verständnis hatte. Als der Heimverwalter meine Mutter umarmte, (auf der rechten Titte, was sie bis heute bestreitet), reichte es mir.

Ich warf mich in meine „Schidress“ und zog meine, zwar gebrauchten, ersten Schnallenschischuhe an. Selbstverständlich in eigenhändig geputzten schwarzen Leder. Ich holte meine brandneuen Metallschi (Blizzard Fan, mit denen ich noch berühmt werden sollte) aus dem Skikeller und stapfte durch den nur vom Mondschein erhellten Schnee.

Jeder fragt sich jetzt natürlich, wie wird der Trottel mit seine deppaten Schi berühmt?

Und zwar so. Einige Jahre später, Handelschuleschikurs. Meine Ski, kampferprobt, aber ziemlich zerkratzt, gedachte ich zu renovieren. Ich borgte mir eine Schleifmaschine aus und schliff das noch verbliebene Firmenlogo ab, dass nur die silbermetallice Oberfläche übrig blieb. Anschließend überzog ich sie mit einem Klarsichtspray.

Perfekt. No Name Ski. Sicher die einzigen auf der ganzen Welt.

Man muss dazu sagen, es war die Zeit als Karl Schranz bei den Olympischen Spielen wegen Werbung gesperrt wurde.

Als ich bei meinen Klassenkameraden damit aufkreuzte, waren sie die Sensation. Warum, wie viel und außerdem und überhaupt.

Blödes Volk. Apropos Blödes Volk. Ich stapfe ja immer noch durch den Schnee zur nächstgelegen schräg‚n Wies‚n.

Zwanzig Zentimeter Neuschnee, Mondlicht, und das blöde Volk säuft und feiert. Um zwölf Uhr im Feuerwerksschein Schifahren. Traumhaft.

Es wird wieder wärmer. Ich mache mir Gedanken bezüglich meines Sommeroutfits. Beim Schöps auf der Simmeringer Hauptstraße werde ich fündig. Ein lila T-Shirt mit Knopfleiste. Ich probiere in der Umkleidekabine, - sharp dressed Men. Auf dem Weg zu Kassa erblicke ein Designerstück in Rosa. Mein Weltbild gerät ins Wanken. Kein Geld mehr, welches nehmen? Ich probiere das Rosa in der Kabine und Gott Vater schickt mir eine Eingebung. Ich ziehe das lila T-Shirt sorgfältig drüber und bezahle bei der Kassa. Das die Damen nichts gecheckt haben erscheint mir heute unglaubwürdig, aber der liebe, klane Bua. Angeblich ahmen heute Millionen Ladendiebe meinen Trick nach.

Eigentlich war ich ein Frauenhasser. Ein Damenabfahrtslauf im Fernsehen brachte mich dermaßen in Rage, dass ich nur knapp einer Tachtel meiner Mutter entkam: „Weiber können nicht Skifahren!“ Und außerdem und überhaupt.

Heute als „greiser“ Mann, gehen mir die „Weiba“ eigentlich schon wieder am „Oasch.“

Das erste Mädchen, für das ich eine undefinierbare Sympathie empfand, lernte ich auch in Waldegg/Wopfing kennen. Evelyne R., lange blonde Haare, nett, bildschön und zwei Zentimeter größer als ich. (Das blieb leider so. Wenn ich sie heute vielleicht noch einmal treffen sollte, - hoffentlich nicht.)

Sie saß tagsüber einsam vor dem Radio und wusste mit sich selbst nichts anzufangen.

Ich, außer Schifahren auch nicht. Also fasste ich allen Mut zusammen, ich war damals ungefähr zwölf und sprach sie an: „Hallo.“ Freundlich kam es zurück: „Hallo.“

Da wusste ich: Du hast gewonnen! War doch gar nicht so schwer. Wir spielten Tischtennis, machten Rodelpartien. Ich verzichtete aufs Schifahren! So fängt jeden Mannes Untergang an.

Aber wir fühlten uns seltsam von einander angezogen. Ich spielte im Geiste sämtliche Variationen, wie ich sie am besten küssen könnte durch. Doch es ergab sich keine richtige Gelegenheit. War eben kein Universal Picture Film, in Farbe und Cinemascope. Scheiße.

Aber sag niemals nie. Zum Abschied machten wir einige Schwarz-weiß Bilder und konnten uns beim Abfahrtstrubel nicht einmal verabschieden.

Das war`s also. Nau wirklich nicht. Mein Freund Gerhard B. erzählte mir, ich fünfzehn, er siebzehn, mit Absicht, ganz beiläufig, er hätte eine neue Freundin die gut ficken könne. Ha, Ha, wer`s glaubt.

Eines Tages gestresst vor lauter Langweile besuchte ich ihn.

Die Türe nicht versperrt, wie immer, betrat ich in die Altbau-Erdgeschoß vierzig Quadratmeterwohnung. „Gerhard?“

„Kum glei.“ Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich öffnete die Wohnschlafzimmertüre. Sie die Füße in der Höhe, der Kerl steckte wirklich. Nach fünf Minuten. Aueöööö. Leicht verschwitzt, ohne G`wand kamen sie heraus. Sie, ein Zombie wie man ihn selten sieht: „Ich kenn‘ dich, du bist der Erich. Das nächste Mal neh’m ich meine Schwester mit.“ Da ich mit Zombies nichts am Hut hatte, dachte ich mir nur, Herr lass diesen Kelch an mir vorüberzieh’n.

Doch ich wurde angenehm überrascht. Die Schwester war die bildhübsche Evelyn, die Urlaubsbekanntschaft aus dem Siemenserholungsheim in „Wopfing“.

Ich war damals schon ein recht smarter Typ und als sie mich sah, war die Anziehungskraft beinahe spürbar, uns trennten lediglich zwei unbedeutende Zentimeter. Dabei habe ich mir solche Mühe gegeben zu wachsen. Das lange Luder muss sich noch mehr angestrengt haben.

Aber mit mir nicht. Zum Abschied fasste ich sie an den Schultern und drehte sie zur abschüssigen Seite des Gehsteiges. Dann schmuste ich sie nieder. Sie war das genaue Gegenteil Ihrer Schwester, aber sie war mit voller Hingabe dabei. Na, ja, darauf hat sie auch drei Jahre warten müssen.

Sie war wirklich ein tolles Mädchen, leider verlor ich sie aus den Augen. Aber ich habe noch Hoffnung. Da die alten Weiber bekanntlich „In die Erde wochs`n“, vielleicht treffe ich sie im Altersheim.

Mit vierzehn, dem Mick Maus Alter entwachsen, musste ich es mir eingestehen: Alles dreht sich um die Weiber. Viel Geld, gut aussehen, Auto, Motorrad, bei einer Band spielen, alles nur zu dem einen Zweck – einer schönen Frau zwischen die Füße greifen zu können.

(Heute mach ich das ganze für mich selber. Einen Sohn habe ich schon und langsam werde ich hässlich.)

Eigentlich habe ich diesen Aufwand nur getrieben, um Nachwuchs zu bekommen, der es leichter als ich im Leben hat. Dieser schnupft das Kokain dann sicher unzenweise. Na ja, wenigstens bekommt er nicht ungerechtfertigte Schläge vom Schicksal, Vater, etc. Auf jeden Fall lebe ich in ihm, ein bisschen weiter.

Blödsinn. Vielleicht ein klein wenig in den Genen?

Musikalisch kommt der große Durchbruch. Ich kaufe von Gerhard, dem Ripperl, eine Wandergitarre, die er bei den Pfadfindern gefladert hat, um satte einhundert ÖS.

(Der Name Ripperl, entstand aus dem Dialog - Gerhard du Ba (Bein), Ripperl wenn ich bitten darf ! ) Das alte Tonband meines Vaters funktionierte ich zum Verstärker um, Mikro in den Gitarrenkorpus und das Ding pfeift wie Sau. Am Sonntagabend liege ich auf dem Kofferradio, einen Polster über den Schädel und lausche Hitparade und versuche sie auf der Gitarre nachzuäffen. Mit mäßigen Erfolg.

Die „Musikbox“ um Drei auf Ödrei hat progressive Melodien, aber die spielen in einer anderen Gitarrenliga. Im Arenbergpark spielen einige, aber die wenden sich ab, damit man ihnen ja nichts abschauen kann. Ich playe oft drei Stunden, trete aber auf der Stelle, ohne es zu merken. Das sollte sich erst änderte als ich einen gewissen Manfred, Künstlername Alvin Woodcock (Albert“ Waldschnepfe“) kennen lernen sollte.

Aber vorher ging ich noch in einen Club. Der Club für Dich. Eigentlich als Rekrutierungsanstalt für Jungsozis geplant, entwickelte er bald ein Eigenleben. Jeder im Alter so um die vierzehn bekam die Werbebroschüre der Sozialisten. Nau, schau mas sis hoit au, am Fiakerplatz, im Dritten Bezirk. Wir waren angenehm überrascht, nach kurzer Begrüßung wurden die Fenster abgedunkelt und die Sozihausband begann zu spielen und gar nicht so schlecht. Endlich konnte ich mir etwas abschauen, das ich einen der Jungs gefragt hätte, ob er mir etwas zeigen könne, war ich mir zu stolz, ich erzählte lieber den Mädels, ich spiele auch. Wir shakten uns weg, doch eigentlich warteten wir bis es noch dunkler wurde, denn da wurden die langsamen Lemodien gespielt. Man spürt sofort die Befindlichkeit der Dame.

Das sich die heutige Jugend, das von der Plattenindustrie aus der Hand nehmen ließ, ist mir unerklärlich.

Unsere Eltern bzw. die ländliche Bevölkerung, die kannten sich aus.

Da können sich die Hipp Hop, Rave Label brausen gehen.

Nach dem musikalischen Abtasten Hand in Hand nach Hause begleiten, auch wenn sie am Arsch der Welt wohnt, im Hauseingang schmusen, schauen wo die Titten sitzen. Nix cool, sondern etwas um das die Enkerl dich beneiden.

Eine Fahrt mit der Straßenbahn, die Band spielt über die Gesprächsanlage. Jedes Mal wenn ich in die BIM einsteige denke ich, das könnt ma` doch wiederholen. Aber keiner hat Ideen, nur Currywurst, warum nicht Chilly oder Bockbierwurst?

Wir mieten einen Bus, fahren ins Burgenland. Unsere Band geigt auf, die besten Tänzer werden „prämiert“.

Da ich ein Rhythmusmensch bin, gewinne ich eine Platte, meine bildhübsche Partnerin nicht. Sie verlässt mich. Nicht die erste, sicher nicht die letzte. Viel mehr würde mich interessieren, wo meine Platte sich heute befindet. Flohmarkt, ein Euro?

Mein rothaariger Nachbar Franz M., nicht zu verwechseln mit Franz K., dem Arschloch, mit dem ich beim Wiener Sportklub Fußball spielte. Nebenbei gesagt Sportklub, Rapid, Austria waren die Führungsmächte. Ich weniger erfolgreich, da ich es hasste, wenn mich ein schweißnasser Kontrahent berührte. Ich war ein Techniker, trotzdem musste ich mir Vorwürfe gefallen lassen, z.b. bei einem wichtigen Match falsch eingeworfen, etc., diese Fanatikertrainer konnten einem jungen Mann jede Freude nehmen. Ich ging lieber ins Stadionbad und verließ den Sportklub.

Seitdem spielen sie in der zweiten Liga.

Also, Franzi fragte mich, ob ich mit zum fünf Uhr Tee ins Chatanooga gehen möchte. Für Franz vier Jahre älter, nichts besonderes, für mich die erste richtige Disco. Ich hatte vor kurzem ein neues, schwarzes, discolookmässiges Hemd erstanden, zwar noch etwas zu groß, doch Ärmel kann man ja aufkrempeln. Ich war jedenfalls bestens ausgestattet als ich den Discotempel betrat. Alle Mädels ca. drei Jahre älter und mindestens gleich groß. Ich dachte, no Chance. Ich beobachtete die Mädchen ganz genau, jedes Mal wenn eine aufstand, stand ich auch auf und machte den Größentest. Endlich hatte ich eine Nette entdeckt und Club für Dich erprobt, wollte ich „Gestatten“ sagen, doch sie war schon aufgestanden. Das war einfach. Ich schleppte sie auf die Tanzfläche, konnte mich aber nicht überwinden auch nur ein Wort zu sagen. Sie wird sich gedacht haben, lieb, aber ein Trottel, bestenfalls ein schüchterner Trottel. Dafür hatte ich mein Selbstbewusstsein gestärkt. Erster Discoauftritt und keine einzige Abfuhr.

Kein Wunder, ich hatte meinen eigenen Schneider, oder so ähnlich. Ein Jeansgeschäft auf der Landstraße, hatte die Hose meiner Wahl nicht in meiner Größe, „kein Problem wir haben die Fertigung im Haus“ meinte die nette Verkäuferin. Seit diesem „Aha- Erlebnis trage ich Maßhosen, mit der größten Glocke von ganz Wien. Habe ich mir verdient, denn sämtliche Freunde von mir, kauften jetzt ebenfalls in diesem Geschäft. Umsatzbeteiligung wäre nicht schlecht gewesen, aber man will ja nicht unverschämt sein.

Gerhard T., Mittelschulabbrecher kaufte sich ebenfalls seine Beinkleider in diesem Geschäft. Er war trotz kompletter Unzuverlässigkeit einer meiner besten Freunde geworden. Er hatte ein eigenes Zimmer, wir konnten ungestört die neuesten „ Black Sabath“ Hits in angemessener Lautstärke hören. Bei allen Unzulänglichkeiten, war er aber noch „sierig“ dazu. Er hatte Zahnweh, schmiss zwei Aspirin ein, als es ihm besser ging, bekam er Durst und soff einen Liter Cola, mir hinterließ er ein achterl. Innerhalb von zehn Minuten sah er aus wie nach sechs Vierterln Veltliner. Kohlensäure verstärkt die Wirkung jedes Medikaments.

Ich dachte, recht geschieht dir, gierige Sau, aber das merk ich mir, kann man bei den Mädeln vielleicht einmal brauchen.

Da Ferien waren schlug mir Gerhart T. vor, zu ihm nach Neckenmarkt ins Burgenland zu kommen. Seine Eltern hatten auf diesem schönen Flecken Erde so etwas ähnliches, wie ein Bauerhaus geerbt. Sein Vater war Buschaufeur, also düsten wir gratis mit dem Dr. Richard Bus in den Süden. Sein Vater war auch Jäger und gleich am ersten Tag kam die Nachricht: „ A Dachs is im Droat ! (Roggen)

Wir fungierten als Treiber. Ich hörte neben mir ein heiseres Pfauchen. Kurz darauf schlug es schon ein. Für meine Begriffe etwas zu knapp.

Ich dachte eigentlich, ein Dachs ist so etwas Ähnliches wie ein Eichhörnchen. Wer schon einen ausgewachsenen Dachs gesehen hat, weiß es besser. Ein Fuchs ist ein nettes Tier gegen so einen Killer.

Gerhard hat eine neue Freundin. Große Titten, aber etwas blöd. Zu dritt besuchen wir das Panorama Kino am Praterstern, unter der Schnellbahn, auch Geschichte. Es wird „Mein Name ist Nobody“ gegeben. Nach der Vorstellung erklärt sie uns: „A „Fescher“ is der Terence Hill, oba da Filmtitel „Mein Name ist Novotny“ is blöd.“ Na,ja.

Nächsten Tag beschlossen wir Autostopp nach Deutschkreuz ins Bad zu fahren. Wir waren richtige Profiautostopper. Als ich endlich den Daumen zaghaft nach oben hielt, schleifte sich sofort ein Burgendlandkäfer ein:

„Woit´s ins Bod Buama, gö. Jo heit is haß.“ Zu jener Zeit has´t im Burgenland kein eigenes Auto gebraucht.

Ein Top modernes Bad, brandneue Straßen, ein sozialistischer Landeshauptmann eben. Im Bad neue Wurlitzermusikbox mit neuer Stonesscheibe „Gimmie shelter“. Sogar die Mädchen waren ziemlich neu, für uns zu neu. Wir beobachteten sie, dass sie mit Taucherbrillen ausgerüstet, immer um den Sprungturm kreisten. Ich fragte ein Mädchen, ob sie mir die Brille kurz borgt. Mein Erstaunen war groß, als vom Sprungturm eine blade Tussi ins Wasser einschlug. Die Bikinihose zog es ihr bis zu den Knöcheln hinunter. Die Mädchen hatten ihre eigene Peep-Show. Für den restlichen Tag behielt ich meine Badehose im Auge.

Am Abend fuhren wir ins Kino nach Horitschon. Ein völlig neues Kinogefühl. Jeder zweite Horitschonbersch hatte statt Popcorn einen Doppler in der Hand, das Rondell-Raucherkino hatte im Vergleich, klare Gebirgsluft. Die Mädchen quietschten wie abgestochen, warum weiß man nicht. Es war kein Wort zu verstehen, doch aufzustehen und zu gehen, wäre einem Todesurteil gleichgekommen. Ich fragte Gerhard: “Warst du noch nie im Kino?“ „Mir gefällt`s.“

Zurück in Wien sahen wir auf einer Litfaßsäule das Plakat der Plakate. Erste Opern Ar Konzert in Wien, Wasserwiese, alte Donau. Woodstock in Wien!

Zum ersten Termin nieselte es leicht. Ein drei Zentimeterzettel am Eingang. Abgesagt. Zweiter Termin, detto.

Der Zettel etwas kleiner. Vermutlich gab es Schwierigkeiten mit der riesigen Verstärkeranlage beim Zoll. Dritter Termin. Gerhard wollte streiken, ich wollte Woodstock sehen.

Einige langhaarige Typen schlurften übers Gras. „Na geht doch.“ Wirklich wahr, Bands wie „Marihuana geigten mit zwei Schlagzeugern auf. Ich war begeistert. Die Veranstaltern vermutlich weniger, geschätzte zwanzig, zahlende, oder auch nicht, Besucher. Trotzdem ich hab´ ich das erste Donauinselfest gesehen.

Irene W. eine Schülerin, einmal ums Eck, hatte die größten Titten ihrer Truppe. Nach mehreren Anläufen gelang es mir sie ins Kino abzuschleppen. Die Nutte ließ sich nicht küssen, vorsichtig auf die Fut greifen schon. Je mehr Interesse ich zeigte mit ihr zu schmusen, desto mehr Ausflüchte. Mir wurde es zu blöd. Jetzt hatte sie richtigen Liebeskummer. Mit mir nicht.

Es war Winter geworden, als sie mich stellte: „Gehst mit Eis laufen?“ „Kein Geld.“ Sie großzügig: “Ich zahl´s!“

Wir trafen uns am Rennweg, sie ihre kleine Schwester im Schlepptau. Ich wollte schon umdrehen, doch umsonst ist umsonst. Wir drehten am Wiener Eislaufverein also unsere Runden, sie hängt sich ein, richtig zutraulich. Die jungen Mädchen wollen spielen, üben. Am Heimweg kurz vor ihrem Hauseingang trabte die kleine Schwester plötzlich an, wie ein Esel vor dem Heimatstall.

Gedämpftes Licht der Straßenlaternen, es schneite leicht und ich zog sie an mich heran und küsste sie. Aus war´s, wir Jungen wollen auch spielen.

Vierzehn, Waldegg, frisch angekommen sichtete ich das weibliche Material. Entsetzlich.

Als ich mich eben damit abgefunden hatte, biegt ein haarneuer BMW in die Einfahrt, reduziert sich auf Null, die Türe öffnet sich, heraussteigen zwei Titten wie Melonen. Groß, lange blonde Haare, einen richtigen Arsch, eine Vollfrau. Monika J., siebzehn. Ihr Freund, Riesenschnauzer, lange schwarze Haare, furchteinflößend. No Chance, oder do?

Der Verwaltersohn, neunzehn und einige sechzehn, siebzehnjährige probierten es mit allen Mitteln bei ihr. Ich ging mit ihr Minigolf Spielen.

Eines schönen Sommerabends saßen wir auf einer Bank vor dem alten Jagdschloss. Ich hatte mir von meinem Vater eine Zigarette organisiert und rauchte sie mir an. „Hast für mich auch eine“? Fragte sie mich mit einem Tonfall, dass mir im Dunkeln die Ohren rot wurden. „Hab‘ leider nur die eine. Aber wir könnten sie zu zweit rauchen.“ „Wie denn?“ „Ich blase dir den Rauch in den Mund.“ Trick siebzehn. Gewonnen. Die anderen waren anscheinend noch zu unerfahren im Umgang mit richtigen Frauen. Anschließend kugelten wir vierzehn Tage im Wald herum, Eis essen, Kino. Ein schöner Urlaub.

Als ich sie später einmal anrief, meinte sie ich soll sie besuchen, ihr Freund ist geschäftlich im Ausland. Bei dieser einmaligen Gelegenheit erzählte sie mir, sechs Zecken hätten sie damals gebissen. Mich keine Einzige. Also doch ein Erfolgserlebnis.

In der „Echtzeit“ ist es schon wieder Winter geworden. Die Zeit vergeht schnell, wenn man sie mit Baden, Rockkonzerten, Saufen, Ficken, philosophischen Betrachtungen und Rückblicken verbringt.

Zurück in die Vergangenheit.

Es ist ein strenger Winter. Eigentlich könnte ich im Keller Holz hacken. Holz hacken ist einfach. Ein Stück Rundholz auf den Holzpflock, ordentlich ausholen, Holz spalten. Ich schlage etwas zu kurz, spalte Rundholz und Pflock, die Hacke saust auf mein Knie, Gott sei Dank mit der Flachseite. Ich falle auf den Holzpflock und bin einige Sekunden bewusstlos. „Mit großer Sorge“, betrachte ich mein Knie. Seltsamerweise noch ganz, nicht einmal zertrümmert. Glück gehabt, relativ. Ich hinke aus dem Keller, dass Knie wechselt in den nächsten Tagen die Farben. Ich kann Hacken nicht leiden.

Eine technische Innovation ohne Gleichen, entschädigte mich für meine Schmerzen. Als ich hinkend die Kölblgasse entlang schlurfe, erblicke ich einen Fernseher im Erdgeschoss. In Farbe! Obwohl angekündigt, haut es mich von den Socken, - ein Kino zu Hause. Ich erkläre meinen Vater, er soll den alten,

schwarz-weiß Scheiß in den Mistkübel werfen, alle seine Siemensarbeitskollegen haben sicher schon einen „Farbigen“. Das überzeugte, bald hatten wir auch so ein Wunderding. Natürlich von Siemens.

Siebzehn. Waldegg ist auch im Sommer schön. Ein herrliches Waldbad und herrliche nach Heusonnenöl duftende Mädchen. Eigentlich wollte ich baden gehen, als sich meine bis heute drei besten Freunde ankündigten. Ich holte sie vom Bahnhof ab und zeigte ihnen sofort den hiesigen „Supermarkt“. Waren aller Art, von der Milch bis zum „Taschenfeitl“. Lebensmittel Kuderer, mit dessen bladen Sohn ich im Winter immer Schifahren, bzw. Skispringen ging. Wir sprangen im zarten alter von zwölf Jahren gemessene zehn Meter weit!

Der Lebensmittel „Kuderer“ hatte wirklich alles. Wir nahmen zwei Flaschen Rum. Nach einigen Bieren im rustikalem Gasthaus Moser war es dunkel geworden und wir beschlossen mit unseren zwei Bottles zum Waldbad zu wandern und die Nacht auf den Liegen zu verbringen. So wanderten wir zuerst querfeldein und reduzierten den Rum. Ich hatte für jeden eine alte, braune Wolldecke mitgenommen und als es kühler wurde, wir näherten uns bereits der Straße, zogen wir sie uns über den leicht alkoholisierten Schädel. Vier taumelnde Franziskanermönche zogen des Weges. Aus Spaß wurde „Ernst“. ( Unser späterer Schlagzeuger Ernstl ist also aus Spaß an der Sache gezeugt worden) Neben uns bremste sich mit quietschenden Reifen die Gendarmerie ein: „ Wos is, wohin, Ausweise!“ „Wir wohnen im Siemensheim.“ Da, das Erholungsheim die einzige „Tourismuseinahmequelle“ der Ortschaft war hieß es sofort: „Ah so. Pfieat eich.“ Seltsam. Da wir zu besoffen waren, um über die Mauer des Bades zu klettern, beschlossen wir im gegenüberliegen Wald gegen einen Baum gelehnt, uns zur Ruhe zu begeben. Nächsten Tag schleppten wir uns zuerst zur Zugstation, ich anschließend die vier Decken in die Unterkunft.

Doch es war ein viel zu schöner Tag um zu schlafen. Also Badehose, Leiberl, Jean und retour ins Bad. Die Mädels waren auch schon wieder versammelt, leider, da Sonntag, mit Ihren zirka zwanzigjährigen Holzfällertypen. Ich damals sechzehn, athletisch, Boy-Group Gesicht, kein Holzfäller. Kräftemäßig nicht schlecht, aber eben kein Holzfäller. Ich entrollte mein Badetuch im Respektabstand von ungefähr zehn Meter. Natürlich bekam ich mit, dass die Mädels von den seichten, bzw. handgreiflichen Schmähs nicht sehr beeindruckt waren. Links neben mir war volle Action, so dass ich Anfangs gar nicht registrierte, dass meine Nachbarin unaufhaltsam auf mich zuwanderte.

Als sie nur noch einen Meter von mir entfernt war, blickte ich kurz auf die Arbeitsbodyboulder und sagte: „Geh’n wir?“ Sie nickte unmerklich und drei Minuten später waren wir verschwunden. Da sie recht hübsch und angenehm war, kam es zu leichten Übergriffen. Mehr nicht, ich verbau mir doch nicht die Zukunft.

Die Beziehung zu meinem Vater ist etwas ambivalent, als kleiner Mann stemmte ich ihm ein Loch in die Balkonwand, da er im Badezimmer mit dieser Arbeit (wir bekamen eine neue Badewanne), beschäftigt war. Ich wollte ihm helfen. Seltsamerweise fiel kein strenges Wort. Vermutlich war er mit Ausbesserungsarbeiten im Stiegenhaus zu sehr beschäftigt. Er hatte etwas zu kräftig gearbeitet und die Wand zum Stiegenhaus durchbrochen. Die hastige Gipsarbeit und das mit Wasserfarbe nachgezeichnete Muster amüsierte, mich noch Jahrzehnte.

Mein Bruder und ich waren bei Korrekturarbeiten sorgfältiger. Nach einer Polsterschlacht klebten wir den zu Bruch gegangen Luster so kunstvoll, dass der Schaden Jahrzehnte unentdeckt blieb.

Auch mit meiner Luftdruckpistole perforierte ich unabsichtlich eine Wand, es blieb ein Mysterium.

Eigentlich konnte man mir nie etwas nachweisen, meine nicht zu knappen „Watschen“ konsumierte ich immer ungerecht.

Mein Bruder war und ist ein Nachtmensch. Als er nach einem Cafehausbesuch nicht zeitgerecht zu Hause war, zog er sich den Zorn meines Vaters zu. Als ich meinte, “kommt er halt ein bisschen später“, kassierte ich die Prügel.

Fünf Minuten später erschien mein Bruder, unbehelligt.

Mit vierzehn klebte ich ein Poster von Beatle George Harisson über mein Bett, ja, ja, ich hätte auch gerne ein eigenes Zimmer gehabt. Der langhaarige Gammler missfiel meinem Vater:“ Obe damit!“

Aus Trotz klebte ich Frank Zappa auf. Mein Vater: „Den kannst lass´n, der schaut a biß´l in Opa ähnlich.“

Ich habe lange überlegt ob ich diese Geschichte schreiben soll. Sie bezieht sich auf das Verhältnis zu meinem Vater.

Mit elf Jahren, damals hatte ich mir geschworen mir alle Fehler meines Vaters zu merken und meinen Sohn völlig anders zu erziehen.

Er hat immer brav das Geld Nachhause gebracht. Originalaussage.

So kann man es auch sehen, ich sah es mit Kinderaugen. Diese Geschichte hätte wirklich etwas früher angesiedelt gehört, doch der Gedächtnisverlust meines Schlepptops etc.

Im zarten Alter von acht Jahren hatte ein Kampfgefährte von mir die

„ultracoole“ Idee ein Stück Erde nach mir zu werfen. Natürlich folgte sofort „Abwehrfeuer“. Einige Kameraden mischten sich ein und es folgte eine wahrlich erdige Schlacht, die erst in Friedensverhandlungen überging, als unser Hausmeister brüllte: „ Schleicht’s eich, Rotzbuam!“ Mit den aufmunternden Worten, „Wenn’s regnet is eh‘ wieder alles rein.“, verabschiedeten wir uns.

Als ich nach Hause kam wusch ich mir mit kaltem Wasser die Hände, leider verblieb ein Teil der Erde im Handtuch, aber ich fand, dass ich wieder recht passabel aussah. Mein Vater war da anderer Meinung. Er hatte gesoffen und war schlecht aufgelegt, da er niemand seinen harten Arbeitstag als Betriebsrat bei Siemens mitteilen konnte. Meine Mutter war damals Schichtarbeiten in einer ätzenden Plastikfabrik, bis zehn Uhr nachts. „ Zeig mir deine Hände: Dreckig!“ Dabei schlug er mit seinen Händen mit voller Kraft auf meine „Patschhandi“. „ Waschen, heiß!“ Diese Prozedur wiederholte sich, ich weiß nicht wie lange. Jeder kann sich vorstellen, wie es ist, wenn man auf frischgewaschene, heiße Hände geschlagen wird.

Ich weiß es sehr gut, auch heute noch und es ist nur ein sehr kleiner Auszug der damaligen Erlebnisse.

Damals war ich mir sicher, diese Rechnung wird er begleichen müssen. Aber das ist gar nicht so einfach.

Als ich ihn in seinen letzten Lebensjahren bei einem gemütlichen Achterl Wein darauf ansprach, begann er zu weinen. „Ich hab‘ das Geld immer brav nach Hause gebracht!“ Am liebsten hätte ich ihm eine geknallt, aber irgendwie tat er mir leid.

Mit achtzehn in den Krieg, mit sechsundzwanzig aus der Gefangenschaft nach Hause. Wenn ich seine Jugend, mit meiner vergleiche, sieht manches anders aus. Trotzdem. Gut, die Rechnung ist beglichen.

Mein Freund Gerhard B., ein Scheidungskind erzählt mir einmal, dass er keine Wert darauf lege, seinen Vater je zu sehen:“ Er hat sich nicht um mich gekümmert, jetzt kümmere ich mich nicht um ihn!“ Irgendwie fand ich das falsch, doch wenn sich meine Eltern scheiden hätten lassen, wäre ich froh gewesen.

Mein Vater ist schon vor einigen Jahre gestorben, hier verewigt, Amen.

Mit dem Zug fahren hatte ich, wie bereits erwähnt, so meine Schwierigkeiten. In den Weihnachtsferien beschloss ich meine Cousins bzw. Cousinen, im Marchfeld zu besuchen. Für diese kleine Weltreise wählte ich den Zug. Am Bahnhof kaufte ich mir das Ticket und machte es mir im Abteil bequem. Während der Fahrt betrachtete ich gelangweilt die flache Landschaft, bis in der Station Marchegg, oder so ähnlich, mich der Schaffner fragte, ob ich meinen Reisepass eh‘ nicht vergessen hatte. Ich war an der damaligen Tschechoslowakischen Grenze! „Ich glaub‘ ich bin ein bisschen zu weit gefahren.“ Der Schaffner kratzte sich am Kopf: „Nau jo, in zehn Minuten geht ana retour.“ Ich sondierte meine Barreserven, doch er meinte: „Los geh, i sog scho Bescheid.“

So erreichte ich, mit einem kleinen Umweg Untersiebenbrunn, tiefste Provinz, dreißig Kilometer von Wien. Meine Cousins empfingen mich enthusiastisch und meinten: „Ziag au de Schlitscha, mir gegan Eisogei spü’n.“

Ein Dolmetsch erklärte mir, Schlittschuhe und Eishockey. Wir spielten einige Stunden auf dem zugefrorenen „Stempfelbach“, damals ein Rinnsal von maximal zwei Meter Durchmesser. (Heute durch den Marchfeldkanal angeblich ein richtiger Fluss). Nach dem Spiel wankte ich todmüde ins Haus, wo mein Cousin mir erklärte: „ De Weana, nix hoit’ns aus, schau ma obst no a Kroft host.“ Er reichte mir eine alte Zeitung. „Zsaumdruck’n, so fest und so lang eust kauns’t!“ Das konnte ich als stolzer Großstädter natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Ich drückte die Zeitung eine Viertelstunde, so fest ich konnte. Mein lieber Verwandter nahm mir die Zeitung aus der Hand: „Supa, sche wach. Jetzt kaun‘ i endle scheissen geh.“

Langsam wurde es ernst im Leben und ich musste mich entscheiden in welche Richtung ich meine Karriere starten wollte. (Mein Bruder wurde seinerzeit bei der Berufsberatung mit folgenden Satz empfangen: „Was interessiert sie eigentlich außer umherspringen noch?“) Ich hatte feste Vorstellungen, machte die Aufnahmeprüfungen für die Handelsakademie am Hamerlingplatz und die Technische in der Schellinggasse. Jetzt konnte ich alles werden.

Da ich ein rationeller Mensch bin, entschied ich mich für die Handelschule am Hamerlingplatz. Jetzt lernte ich endlich meine, auch heute noch, besten Freunde kennen, die mir ebenbürtig waren. Wir hatten die gleiche Lebenseinstellung, eine Jean, ein lässiger Pullover, genügten uns. Wer Markenklamotten trug, war für uns ein Arschloch.

Apropos rationell, ich saß grundsätzlich immer neben einem Mitschüler,

der in dem Fach in dem ich schwach war, besonders gut war. Leider fielen diese Intelligenzbestien alle durch.

Scheiß auf die Schule, interessanter ist wie meine Säuferkarriere begann. Einer meiner drei Freunde, bereits aus Waldegg bekannt, (Charly, „Pepsch“ und Leo), hatte die wüste Idee, sich vor den Nachmittagsmaschinenschreibstunden eine Flasche Whisky zu kaufen.

(Nicht zu glauben, ich habe sicher im Laufe meines Lebens zweitausend Flaschen gesoffen, trotzdem musste ich jetzt aufstehen und nachsehen wie man das Zeug schreibt.) Billa, ungefähr zwei Euro fünfzig. Ja,Ja die Inflation. Wir soffen im gegenüberliegenden Park unter stetig steigender Stimmung die halbe Flasche aus, den Rest verschenkten wir. Ich beherrschte das Kunststück, den Adamsapfel zu bewegen, ohne zu Schlucken. ( Vielleicht die anderen auch?) Heute muss ich es verlernt haben. Ganz schön bedieselt, hatten wir es in den anschließenden zwei Stunden recht lustig. Unsere Professorin saß auf ihrem Podium mit streng übereinander geschlagenen

Beinen, natürlich fiel ununterbrochen ein Kuli etc. zu Boden und wir schauten ihr von unten auf die Fut. Als sie noch meinte, „Sitzen sie gerade!“ und mir ihre recht ansehnlichen Titten in den Rücken drückte; war es mit meiner Beherrschung vorbei. Fr. Brotfresser: „Was ist den heute mit ihnen los?“ Als strenge Pädagogin wusste sie genau was los war.

Nach dieser gelungenen Premiere beschlossen wir, die Fusel Phase zu verlängern. Samstagabends war Treffpunkt am Südtirolerplatz, für jede Minute zu spät, eine in die Eier. Oder einen anderen hinterhältigen Trick, Z.b. verstecken. Wir ließen den zu spät gekommenen so lange stehen, bis er mit hängendem Kopf sich nach Hause begeben wollte: "Haben ja nur Spaß gemacht, HaHa.“ Unsere ersten Lektionen in Menschenführung. Fusel Pepsch wurde beauftragt eine Flasche Sprit zu besorgen.

In der Bim testeten wir zum Unwillen der anderen Fahrgäste das Gesöff. Auf der Kärtnerstraße, bei leichten Regen, ging’s dann auch schon los. „Schöne Frau, ich will Schirm. (schieben)“ Keine nennenswerten Reaktionen. Blöde Weiber.

Wir beschlossen zur Stärkung in den Trampergeheimtipp, „Stephanskeller“ einzukehren. Cevapcici mit Pommes, garniert, eineinhalb Euro. (Den Keller gibt es auch nicht mehr, auch kein Wunder.) Dazu angereichertes Cola. Wir beschlossen auf die Mariahilferstraße ins auch nicht mehr vorhandene GO zu fahren. Damals gemeinsam mit der Camera einen Rockspelunke. Durch die Drohung unseres Deutschproffesors, wenn er einen von uns, je in diesem Lokal erblicken würde, fliegt er von der Schule, wussten wir, dass er in eben diesem, nachts Vorlesungen hielt.

Zum eingewöhnen auf’s siebente Bezirksklima, setzten wir uns Mitten auf die Mariahilfestraße und warteten was passiert. Als uns sogar eine Funkstreife ignorierte, (vermutlich nicht bemerkte), okay, go in’s Go. Nach öffnen der Eingangstüre, wussten wir, das Geld für Hasch können wir sparen. Man konnte ja gratis mitrauchen. War nie mein’s, mir wird kotzübel davon. Eine Live Partie spielte laut, der Sologitarrist mit zwei Fingern. Als unser Professor, er stellte sich auf eine Stufe mit Handke und Turins, seine Vorlesung begann, meinte man im Publikum nach dem ersten Absatz: „Schleich dich, wir wollen Musik hören.“

Meine Augen tränten die Augen dermaßen, dass ich alle zehn Minuten an die frische Luft musste. Deshalb überredete ich meine Freunde, dem ersten Bezirk noch einmal einen Besuch abzustatten. Wir schlenderten die Mariahilferstraße entlang, und soffen dabei gemütlich die Flasche Whisky aus. Der letzte, vermutlich ich, warf sie in die Luft. Komischerweise kam sie auch wieder runter. Wir statteten dem ehrwürdige Stephansdom noch einen Besuch ab, aber als ich sah, dass Charly seinen Durst aus dem Weihwasserbecken stillte, wusste

ich es sofort: Wir haben kein Geld mehr. Film aus, bzw. Filmriss.

Auf unseren Bildungsweg lernten wir im Autobus, (13ener, damals noch ein Stockautobus wie in London), zwei perfekt aussehende Mädchen kennen. Ich, Daniela eine Halbfranzösin, Charly – Christine. Dantschi und Christl also. Da wir eine Schulstufe über ihnen waren und sie genauso wie wir ihre Aufgaben grundsätzlich im Bus schrieben, drängten wir sie, sich behilflich sein zu lassen. Leider waren wir keine große Hilfe, die Mädchen lernten anscheinend einen ganz anderen Stoff als wir. Oder so ähnlich. Mit einem Wort: Es ging nichts weiter.

Ohne jede Vorwarnung meinte jedoch Christine, dass sie sich am Samstag mit einigen Leuten in der Zeltgasse, im Haus der Jugend treffen würden. „Kommt‚s doch auch hin.“ Schau, schau.

Am Samstag treffen wir sie, mit einigen Typen quatschend, vor dem Eingang. Einer davon, ein Volltrottel der schon zweimal die Klasse wiederholen durfte, Basketballer, groß, älter und dazu noch ein Freund unseres Basketballstars Charly.

Da sich die beiden Mädels sich nur um uns kümmerten erregte seinen Unmut: „Schleicht‚s eich daun eh sche langsam?“

Ich bin der friedfertigste Mensch, habe noch nie jemanden belästigt, angestänkert oder provoziert.

Ich überlegte kurz und beschloss ihm eine aus Maul zu hauen. Ohne ein Wort zu sagen trat ich einen Schritt vor, doch Charly, der noch friedfertiger als ich war, hatte mich jedoch schon am Mantel arretiert. Unsere Kumpanen, Leo und Pepsch, ebenfalls mit von der Partie meinten ebenfalls: „Keine Frauen da, lauter Habara, wir gehen ins GO.“ (Hardrock-Disco). Da es etwas unklar war, wie die Sache ausgehen würde, schloss ich mich ihnen an.

Da wir wieder eine Flasche Fusel-Whisky im Gepäck hatten, war es im GO recht angenehm.

Aber irgendetwas nagte an mir. Bis heute, habe ich nie als erster zugeschlagen. Ich bereue es. Jetzt ist es langsam zu spät. Na, vielleicht wird‚s noch was. Auf jeden Fall dürften mir, vor lauter Ärger, einige Schlückchen Whisky zuviel in die Kehle gelaufen sein. Als wir kurz vor zwölf, in der kalten Winterluft auf den Stockbus warteten, legte sich eine leichte Bewusstseinserweiterung über mich. Als der Bus sich die Ehre gab, hievten wir uns etwas mühsam von der ebenen Erde in den ersten Stock.

Wen erblickt da mein leicht gerötetes Auge? Daniela und Christine allein im Bus. (Könnte man als Filmtitel verwenden) Daniela erkannte meinen leichten Frust und tätigte Gegenmaßnahmen, an die ich mich ehrlich gesagt, nur dunkel erinnere.

Charly erzählte mir am nächsten Schultag, wir hätten ziemlich heftig mit ihnen geschmust, etc.

Montag, als sie den Autobus bestieg, fragte ich, ob wir uns wieder sehen.

Antwort: „Nein.“

Man hat es nicht leicht in der Schule, wenn man jung, hübsch, lange Haare und einen schwulen Professor hat, der alles daran setzt um dir den Exodus einzuleiten. Wir hatten damals noch Trimester.

Beispiel Betriebskunde. Letztes Jahr eine wohlverdiente Eins. Ich gelte heute noch in Freundeskreisen als anerkannter Wirtschaftsfachmann. Damals, bei diesem Arschfickproffesor spielte sich das so ab:

Schularbeit Eins, Orientierungsnote (Mitarbeit, vermutlich blasen, etc.) eine Fünf.

Zeugnis: Drei.

Zweites Trimester: Schularbeit Eins, Orientierungsnote Fünf.

Er machte sich Sorgen um mich und wollte meinen Eltern eine Nachricht zukommen lassen, da musste ich ihn erinnern, dass ich bei den schriftlichen Arbeiten zweimal der Primus Maximus gewesen bin. Damit hab‘ ich ihm vermutlich den ganzen Abend versaut.

Letztes Trimester: Detto.

Er meinte, wahrscheinlich werden sie den Abschluss nicht schaffen. Ich musste wieder seine Gehirnzellen in Schwung bringen, um eine wohlverdiente Vier im Zeugnis zu ergattern. Ich beabsichtigte ihm nach der Schulzeit eine auf’s Maul zu hauen, sah ihn aber Gott sei Dank nie wieder.

Er soll angeblich Stammgast bei den Ex-Stadtbahnpissoiren gewesen sein. Stolze Leistung. Ja, man lernt ja fürs leben.

2

Kein Vergleich mit unseren Turnproffesen. Sie liebten mich wirklich, ich meine Ehrlich. Da spielte neben meiner Sportlichkeit auch manchmal etwas Glück eine gewisse Rolle.

Z.b. Basketball. Körperlich nicht der Größte dribble ich in der Ecke, in aussichtsloser Position herum. Vor mir unser einmetersiebenundneunzig Dino. Ich stehe hinter dem Korb, eigentlich sogar hinter der Korbwand. In meiner Verzweiflung werfe ich den Ball irgendwie Richtung Korb und laufe in Verteidigungsposition. Großes Gejohle bei den Freunden. Two Points. Eigentlich unmöglich. Die Amerikaner zu Dilettanten degradiert.

Boxen oder so ähnlich. Unser ganzer Stolz in der Klasse ist eine blade Prolosau, Hans H., weißblonde fette Haare, Akne-Schweinsgesicht. Terrorisiert fast die ganze Klasse. Während des Umziehens in unserer Sporthalle, teile ich ihm mit, dass er ein Arschloch ist, worauf er mir einen Stoß gibt, dass es mich drei Meter rückwärts versetzt. Ich schnappe meine Schultasche und will sie ihm die Gosch’n hauen, als unser Sportproffesor eingreift: „Nächstes mal boxt’s gegeneinander, o.k.?“

In dieser Minute hätte ich ihn vermutlich umgebracht, aber im Laufe von zwei Tagen dachte ich zu viel nach. Strategie, Timing.....

Ich hätte in meinem Leben weniger denken sollen.

Nach zwei Tagen der Kampf des Jahrhunderts. Drei Runden. Ich tänzelte wie Muhammad Ali in seinen besten Zeiten und gab ihm ein paar Jabs auf die Augen. Einen Moment nicht aufgepasst, haute mir die Neunzigkilosau eine rein, dass ich fest glaubte die Schulglocke zu hören. Etwas vorsichtiger geworden gab ich ihm noch ein paar aufs Maul. Man glaubt nicht wie lange drei Runden dauern. Nach Kampfende ließ sich der Blade auf die Matte fallen und brachte kein Wort mehr heraus. Mein Gott, wenn ich das gewusst hätte. Mir fehlte eindeutig der Coach.

Auf jeden Fall machte er einen großen Bogen um mich und Ende des Jahres wurde er gegangen.

Zehn Jahre nach Schulschluss traf ich am Würstelstand einige ehemalige Schulkameraden, die mir schöne Grüße vom Hans ausrichteten.

Zu meinen Highlites gehört auch, dass in einer Englischstunde wo ich in fünf Minuten mein fachkundiges Nichtwissen beweisen sollte, ein Schüler aus der Nachbarklasse erschien und unseren Englishmen ersuchte, mich eine halbe Stunde zu Sportstudienzwecken abzustellen. (Englischlehrer war übrigens der Typ, der gemeinsam mit Bundeskanzler Sinowatz die Bundespräsident Waldheim- Watchlistaffäre anzettelte.)

In der Sporthalle vor versammelter Mannschaft, sollte ich einen Salto vorführen. Als die Jungs die Matten auflegen wollten, gab ich die Vorstellung auf dem Holzparkett, erstmalig, hätte auch einmalig sein können, wenn ich auf dem Arsch gelandet wäre.

Erster Skikurs mit meinen bereits erwähnten Superski. Silbermetallic ohne Werbung.

Perfekt. Die Enttäuschung folgte sofort. Zweite Leistungsgruppe von sechs möglichen. Unser Turnprofessor, ein Basketballfreak scharte natürlich seine Balli-Lieblingskinder um sich. Aber wir hatten es besser erwischt. Aushilfsprofessor „Petzi“, so mussten wir ihn auch ansprechen. Vollbart, schulterlange struppige Haare, dunkle Sonnenbrille, die er auch beim Schlafen trug.

Erster Abendausgang, bis acht Uhr, wir wollten unseren Intelligenzquotient testen.

Fünf nach acht erschienen die ersten Mitschüler, jeder zweite besoffen. Unsere Professoren mussten sich an der Tür postieren, sortieren und ihren Ärger bändigen.

Wir waren in der Pension geblieben, im Rustikalstüberl, hatten jeder in einem Tonkrug einen halben Liter Milch geordert. Zufällig erblickte uns die einzige nicht unhübsche Professorin: „Seid’s ihr komplett verblödet?“ Mit geröteten Gesicht, wie wenn sie gerade gefickt hätte, wollte sie sich unsere Tonkrüge krallen, als ihr das „Weißbier“ auffiel: „Milch?“

„Frau Professor, wir sind doch Sportler.“

Nützte alles nichts, nächsten Vormittag statt Skifahren – die Pistenregeln. Ein Vollzugsorgan schärfte sie uns mit dem Elan einer Schlaftablette zum achten Male ein, wir blickten gelangweilt aus dem Fenster. Unser Flehen nach Abwechslung wurde erhört. Direkt hinter dem Vortragenden fiel der Allerblödeste, natürlich fett wie ein japanischer Öltanker, vom Balkon in einen Schneehaufen. Perfekte Haltungsnote. Als Preis durfte er nächsten Tag auf eigene Kosten nach Hause fahren.

Nächsten Tag hatte der Turnprofessor seine Supertruppe auf einen Jagatee eingeladen, worauf ein Schützling bei einem Christbäumchen fast ein Auge einbüßte. War dem Staatsdiener aber wurscht, uns auch.

Wir hatten andere Interessen.

In der wunderschönen Flachau waren nämlich fünf bis sechs Klassen weibliche AHS-Schülerinnen stationiert. Bei unseren kurzen Abendausgängen kontaktierten wir einige Mädchen. „Unsere Professoren lassen anfragen ob wir nicht einen gemeinsamen Abschlussabend veranstalten können.“ Die Mädchen nahmen die Botschaft begeistert mit.

Unseren Autoritäten erzählten wir, die Professorinnen der Mädchenschulen lassen anfragen ob.......“Na, wenn das so ist...“

Hunderte Schülerinnen, Riesendisco, nau mea

hobn’s net braucht.

„Absolutes Alkohol und Rauchverbot! Benehmt’s euch!“ Nach zehn Minuten hatte fast jeder ein Krügerl am Tisch, ein Mädel im Arm und einen Tschik im Gesicht. Als dann noch unser „Petzi“, Cowboystiefel, weiße Jean, schwarzes Leiberl, die Haare auf Berglöwe geföhnt und natürlich „dark Sunbrills“, auftauchte, meinte einige Mädels: „ Wie oft ist der eigentlich schon sitzen geblieben?“

„Das ist unser Brotfresser!“

Das Skirennen gewann natürlich einer aus der zweiten Gruppe. Ich war zu langsam, genau wie in der Diskothek, erst am letzten Tag „ging mir der Skiknopf auf“, mein Antrag auf Wiederholung des Rennes wurde jedoch einstimmig abgelehnt.

Wieder in Wien, schnappte ich in dieser hyperaktiven Zeit, meine Schi, meinen Freund Leo S. und wir begaben uns zwecks „Schifoan“ auf’s Stuhleck. Die Sonne schien so stark, dass meine Metallic Lieblings-Noname Schi mich so stark blendeten, dass sie fast eine Bindehautentzündung verursachten. Wir „murmelten“ heiter die Pisten herunter, bis kurz vor Betriebsschluss eine kleine Delle in der Piste mich verschluckte. Als ich meine Sonnenbrillen vom Schnee befreit hatte, traute ich meinen Augen nicht: Beide Schi gebrochen, bzw. gestaucht! Ich konnte es nicht fassen. Um wenigstens die Bindung zu retten, schlenderte ich unter den schadenfrohen Blicken der „„Nichtskönner“ zur Tal/Zugstation. Eine Station bis Semmering, dann Umsteigen, Richtung Wien. Nach fünf Minuten hielt der Zug „Wir sind schon da? Leo aussteigen! Schnell!“ Wir sprangen vom Zug in den Tiefschnee und standen vor einem roten Haltesignal. Der Zug fuhr wieder langsam an. Leo stieg relativ gemütlich ein. Doch ich musste durch den Tiefschnee laufen, denn die ÖBB beschleunigte. Ich wäre fast unter die Räder gekommen, konnte mich aber mit letzter Kraft unter Verlust meiner Schi raufhieven. Leicht angeschlagen saß ich also Gott sei Dank wieder im Zug.

In der Station Semmering erzählte ich dem Fahrdienstleiter vom meinem Missgeschick. Fahrdienstleiter ruft zum weit entfernten Lokführer: „Koarl, bleib do! Der Bua do hot seine Schi zum Hoitesignal dazua gstöd. Ha, Ha.“

Lokführer: „Kummt’s hea Bursch’n. Foa ma.“

Leicht verdutzt kletterten wir auf den Führerstand und fuhren im Retourgang Richtung Haltesignal. Mit ehrlichen Mitgefühl blickte er auf meine ramponierten Schi: „ Nau de hot’s oba gaun sche herbeitelt. Oba nix wegschmeißen, de Bindung kaunst no brauchen.“ Eben. Danke.

Wieder in Wien, beschlossen wir etwas „Entspannungspolitik zu betreiben. „Check point Charly“ war der Zwölf Apostelkeller im ersten Wiener Gemeindebezirk. Es gibt einen extrem teuren Ribiselwein, filterlose Zigaretten (die gefürchteten Dreier) und nach dem ersten Viertel jede Menge Selbstbewusstsein. Genau nach dem ersten Viertel entert eine Horde Mädchen, so um die fünfzehn Stück, den größten, bereits reservierten Tisch des Lokals. Nach einem kurzen Lauschangriff trauten wir unseren Ohren nicht: Die Mädels waren aus der DDR!

Leo und ich beschlossen uns wichtig zu machen. Charly und Pepsch (Josef) kapitulierten vor der weiblichen Übermacht. (Hatten vermutlich noch zu wenig Blut im Alk.) Bei einer besonders hitzigen politischen Debatte rief Leo laut: „No, aber wirklich nicht!“

Eigentlich war uns Politik zu diesem Zeitpunkt scheißegal.

Um unseren Standpunkt untermauern zu können, mischten wir uns nach ordern einiger neuer Ribisel, unter die Kommunistenmädels. Nichts ahnend schlitterten wir in eine Diskussion, die sich gewaschen hatte. Auf den Vorwurf: „Ihr habt’s ja nicht einmal Bananen, meinten die politisch geschulten Gören: „Aber zehn geschmeidige Finger.“ Großes gekichere. Ich muss zugeben, uns blieb diese ordinäre Pointe vorerst verborgen. Auf die Frage: „Wollt ihr nicht wieder ein Einig-Vaterland sein?“, antworteten sie „Na sicher, wenn der Westen unser System übernimmt.“

Wenn wir nicht gesessen wären, hätte es uns auf den Arsch gesetzt.

Es war richtig gespenstisch wie diese Ideologie sich in so kurzer Zeit in diesen Mädchen festsetzen konnte. Sicher, es waren ausgesuchte, parteitreue Mädchen, sonst hätten sie nie nach Wien fahren dürfen. Das der Kommunismus meiner Meinung die beste Regierungsform ist, bin ich mir sicher. Nur funktioniert’s nicht. Das liegt aber an den Menschen die ihn praktizieren. Trotzdem war es unheimlich wie diese siebzehnjährigen jungen Frauen auf alles eine Antwort wussten. Und sie hatten Recht. Sie meinten wir sehen alles nur aus dem Blickwinkel des Westens. Die Kommunisten haben ihre Diktatoren, der Westen hat Amerika, das Land wo der Blödeste automatisch Präsident wird.

Es waren so hitzige Debatten, dass wir unser eigentliches Ziel aus den Augen verloren hatten. Als ich einen Blick zu Charly und Pepsch riskierte und die sich vor Lachen auf die Schenkel schlugen versuchte ich die Diskussion unauffällig abzuwürgen. Doch das besorgte Leo ziemlich drastisch. Mitten im Satz, begann er zu würgen und kotzte ohne Rückfrage auf die Tafelrunde. Die Osis traten unter der Parole: “So eine Sau!“ den Fluchtweg an. Wir hatten also doch noch gewonnen. Um gröberen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, beschlossen meine zwei übrigen Freunde und ich sich ebenfalls ins Niemandsland abzusetzen. Leo lag am Tisch, wie ein politisch Verfolgter nach stundenlangem Verhör.

Vor dem Lokal beschlossen wir etwas zu warten, um zu sehen ob die Lage sich zuspitzt. Nach zehn Minuten erschien Leo, mit durchsichtigen Gesicht: „ Hundert Schilling haben’s mir konfisziert und dann auseghaut.“ Wir wollten ihn nicht auslachen, deshalb drehten wir uns dabei um.

Bereits in frühester Kindheit entdeckte ich mein musikalisches Genie, wurde aber von meiner Mutter sabotiert. Ich wünschte mir zu Weihnachten eine Kindergitarre bekam aber eine Kindergeige. Die Haare des Fidelbogens skalpierte ich und flocht mir Zöpfe für meine Indianermontur. Mit verschiedenen Schnittmustern (Winnetou Hefte) schneiderte ich mir eine originalgetreue Ausrüstung mit Kopfschmuck, (Gänsefedern an den Spitzen eingefärbt aus dem Burgenland), einschließlich Zelt am Balkon.

Zurück. Auf einer alten Wandergitarre klimperte ich jahrelang, keine Sau verriet mir wie die Saiten heißen, Griffe, Noten. Im Arenbergpark versuchte ich mir verzweifelt einige Griffe abzukupfern. Zwecklos.

In der letzten Klasse Handelsschule lernte ich endlich meinen Mentor Manfred P. einen ruhigen, introvertierten Typ kennen. (Bis heute einer meiner besten Freunde, zurzeit an der Schwelle der Champions League der Ersten Bank).

Er zeigte mir die wichtigsten Gitarrengriffe und fast vollständig die Tonleiter. Jetzt ging mir ein Licht auf und mein Stern begann unmerklich zu strahlen.

Unser Bandname schwankte noch zwischen Rocking Chair (Schaukelstuhl) und Alvin Woodcock Band (Albert Waldschnepfe).

Mein Elektrobrett’l tauschte ich gegen einen geringen Aufpreis, (ich war bankrott) gegen einen Bass ein. Schlagzeuger Helmut, total untalentiert, Sänger Walter, Spezialfach Englisch, As Tears go by war bei Ihm „Adios, good by, ergänzten die Band.

Jetzt noch den Probekeller. Wir marschierten von Lokal zu Lokal und fragten, ob wir im Keller musizieren dürften. Ein freundlicher Gastwirt in der Erdbergstraße meinte: „Nau sicher Burschen. I hob an ganz tiafn Keller, a biß’l herrichten müß`st eahm halt.“

Wir schleppten zwei Tage Kübeln mit Schutt und Dreck. Mit Leitungen aus der Firma meines Vaters, installierte unser Elektrofreak Walter alle Leitungen neu. Wir geigten fast jeden Tag und begannen, von ganz unten, den Zenit der Rock’n Rollbranche zu erobern. Nach ungefähr drei Wochen besuchte unser Gastwirt den Keller: „Burschen, de Leit beschweren sie. Des geht net.“ Als wir gesenkten Kopfes unsere spärliche Anlage aus dem Lokal transportierten rief uns ein Gast nach: „Sche spülst Bursch’n, sche spülts.“

Kein Probelokal. Doch unser Schlagzeuger wusste Rat. Sein Cousin, Profimusiker, (mehrere Gigs in Deutschland und der Schweiz), meinte: „ Ab und zu könnt’s in meinem Keller spielen, wenn keiner da ist.“

Wann ist keiner da? Na gut. Verstärker dürfen wir auch benutzen. Es war das Musikerparadies. Ich bevorzugte einen Orange-Verstärker, damals eigentlich wegen der Farbe. Wir spielten sofort eine Klasse „erdiger“, doch plötzlich standen zwei ziemlich langhaarige, ziemlich große Studententypen im Proberaum: „Wieso spielts ihr über unsere Verstärker und außerdem und überhaupt.“ Leicht geschockt erklärten wir – Cousin, war eh das letzte Mal, etc.

Musiker sind entspannte Typen. Sie „genossen“ einige Takte unserer Musik, worauf mich das John Lennon Double darauf aufmerksam machte, dass die vier Bass-Saiten exakt mit den Gitarrensaiten stimmen müssen. Ich nahm das damals nicht so genau, spielte einfach auf einem anderen Bund. Als wir „Sympathie for the Devil“ von den Stones anstimmten, meinte ich ein leichtes Zucken der Ohren unter den langen Haaren bemerkt zu haben. Sie meinten: „ Na ja, so ähnlich, hört’s einmal zu.“ Die beiden stimmten Verstärker und Gitarren im Tiefschlaf ab und rissen an, dass die Rolling Stones ihre Gitarren in eine Ecke gestellt hätten. „Probt’s nur weiter, wir haben auch so angefangen.“

Nach ihrem Abgang meinte unser Schlagzeuger, dass wir in einem Jahr besser wären.

Ich war da etwas skeptisch.

Zur Aufheiterung, lädt uns ein Fan zur Silvesterfeier ein. Einem Mädel scheine ich sehr zu gefallen. Gaby ist bildhübsch, schwarzhaarig und richtig nett. Bei einer langsamen Nummer schmusen wir, ich bin glücklich. Nächsten Tag rufe ich sie zwecks Date an, sie hat keine Zeit.

Einige Jahre später heiratet sie unseren eher unsportlichen Gitarristen. Ich verstehe die Welt nicht mehr. (Heute schon.)

Am nächsten Samstag spielte unser Schlagzeug-Cousin in der „Koralle“, ein uns unbekanntes Zuhälterlokal, wobei wir, schon aus Solidarität nicht fehlen durften. Eine Profi-Commerz-Combo, nicht vergleichbar mit den beiden Edelgitarristen. Aber es waren hübsche Mädels da, vermutlich Nutten, was mich veranlasste, als meine Freunde sich verabschiedeten, mir noch ein zweites Bier zu bestellen. Um Mitternacht folgte ein kurzer Wortwechsel an der Bar, worauf der „Gast eine Flasche Whisky nach der „Thekenschlampe“ warf, die sich duckte und der Chivas Regal den Spiegel zerkleinerte. Ich beschloss zu zahlen und mir bewusst zu machen, dass keine Straßenbahn mehr fuhr.

Porzellangasse Richtung Schweizerpark, das ist durch halb Wien. Plus zwei sündteure Exportbiere intus. Als ich den Kleiststeg im dritten Bezirk erreichte, dachte ich an eine Gebirgskette.

Das reduzierte Schuhprofil betrachtend, dachte ich mir: Wieso gibt es in diesem scheiß Wien keinen Nachtautobus, oder so was ähnliches?“

Ich bin stolze siebzehn. Letzter Schikurs – Zauchensee. Ein Traumskigebiet, Traumwetter und dazu noch Fasching, plus drei deutsche Mädchenklassen in unserer Herberge. Erste Blickkontakte, doch die Germanenproffesorin achtet auf ihre vermutlichen Jungfrauen. Charly und ich, braungebrannt, lange Haare und im Alice Cooperlook geschminkt, haben uns in einer Hütte unauffällig ein Bier reingezogen.

Wir sind bereit eine hundertjährige Eiche auszureißen.

In unserem Stiegenhaus hocken einige Mädchen auf der Treppe und bemühen sich einer Gitarre die Griffe eines Songs abzuluchsen. Ich frage ganz bescheiden: „Darf ich mal?“ Zufälligerweise hatte ich mir dieses Liedchen kurz vorher solomäßig eingelernt. Ich fiedelte es flott herunter und die Mädchen dachten der junge Eric Clapton steht vor ihnen. Ihre Professorin war weniger begeistert und löste das Popkonzert auf.

Worauf mich die Mädels samt Gitarre in Ihr Zimmer zogen. Nach zehn Minuten kam sie, durch meine Gitarrenklänge angelockt, wieder angetrabt. „Nein, das geht so nicht!“ „Bitte, bitte Frau Professor.“ Die Alte muss ein Alice Cooper Fan gewesen sein. „Na gut eine halbe Stunde.“

Vermutlich dachte sie: „Acht Mädchen vergewaltigen, dass schafft nicht einmal ein Wiener.

Bei den Treppenhaushapenings der nächsten Tage kristallisierte es sich schnell heraus. Charly hatte Inge, eine blonde deutsche Jungnutte und ich Roswitha, rotbraune Haare, die einzige Frau die ich in meinem Leben vermutlich geliebt habe. Im Hauseingang habe ich sie das erste Mal geküsst, wenn ich mich richtig erinnere, sie war die Sanftheit pur. Die Tage vergingen im Zeitraffer. Skifahren war zur Nebensache degradiert, wir freuten uns auf den Abend.

Am Tag der Abreise machten die Mädels einige Erinnerungsphotos, natürlich auf der Treppe, wobei sich so ein Querbraterarschloch zu uns mogelte, natürlich chancenlos. Als sie mir die Photos später zuschickte, hatte sie auf der Rückseite sanft vermerkt: „Ich liebe nur Dich.“

Als die Mädchen bereits abgefahren waren bemerkte ich, dass Charlys Skistock etwas verbogen war. Die ganze Nacht im Skistadl, eiskalt: „Ich biege ihn gerade.“ „Nein!“ Klack. Aber was ist das schon, wenn man bedenkt, was heutzutage ein Flugzeugträger kostet, bzw. die vielen Briefe die mir Roswitha geschrieben hat. Richtige Liebesbriefe, keine E-Mail.

Es entwickelte sich also ein reger Briefverkehr. (Sollte sich ändern) Nachdem sie uns die Abschiedsbilder geschickt hatten, (besitze ich heute noch) vereinbarten wir, sie zu Ostern zu besuchen. Spontane Aktion – Westbahnhof, schon saßen wir im Zug Richtung Augsburg. Die fünf bis sechs Stunden vergingen relativ schnell mit unserem Filmstarlett, wie einige Seiten vorher schon erwähnt. Die Jungnutte verzupfte sich ja schon in München. Von Augsburg bis Donauwörth – Regionalzug, etwa einhundert Kilometer, mindestens zwei Stunden. Na ja.

In Donauwörth angekommen quartierten wir uns in der Jugendherberge ein. Vorauskasse. Anschließend riefen wir die Mädels an und Rosi freute sich einen Hax’n aus und erklärte uns, ihre Eltern holen uns ab und wir können im Haus schlafen. Vermutlich um alles unter Kontrolle zu haben, oder sie hatten noch nie einen Ösi gesehen. Wir meinten, nicht notwendig, wir kraftstrotzenden Österreicher gehen zu Fuß. Destination – Felsheim, ca. sechs Kilometer, zehn Häuser. Die bereits bezahlten Deutschmark für die Herberge bekamen wir auch nicht zurück und als uns auf freiem Felde zwei Phantomjets im Tiefflug überflogen waren wir schon etwa sauer. Aber wir wurden herzlich empfangen und der ganzen Verwandtschaft weitergereicht. Einmalig bayrisches Abendessen und ab in die Falle. Jeder hatte sein eigenes Zimmer, Rosi benutzte ihres aber nicht. Zwar nicht finalisiert, doch ich merkte immer mehr, diese Frau ist etwas Besonderes.

Wir hatten jede Menge Spaß und sie mit uns, z.B., Karl Valentin im TV,

ich meinte: „Endlich ein Wiener im Programm!“ Sie erklärten uns, das ist das Münchner Original. Ich konnte es lange nicht glauben und war der Ansicht, der einzige Unterschied zwischen Bayern und Österreich ist die Farbe der Autokennzeichen, oder, als wir fragten , wie lange die Militärmanöver noch andauern, wir meinten die ziemlich häufigen Kanonenabschüsse, erklärten sie uns, das ist der Überschallknall der Phantomjets. Die kleinen Kinder in der Umgebung müssen senkrecht im Schlafzimmerkasten geschlafen haben.

Am Ostersonntag wollten sie Verwandte im Schwäbischen besuchen. Charly und ich waren natürlich auch eingeladen. Schließlich waren wir herzeigbare Exoten. (Charlys Freundin hatte sich allerdings kein einziges Mal blicken lassen) Auf der Schnellstraße touchierten wir seitlich, unglaublich, mit einem anderen Auto. Unglaublich – ein Wiener. Er sprang aus dem Auto und schrie: „ De Piefke kennan net amoi Auto fohrn!“ Ich ging auf ihn zu und erklärte ihm im breitesten Wiener Dialekt: “ I glaub‘ du bist a biß’l depat. Du bist auf unsa Spur umekuma. Bist eingschlof’n ?“

Der Weana Bazi war fertig: „Na ja ich fahr doch schon ziemlich lange.“ Wir begutachteten die Autos und da beide hundertvierzig gefahren waren hatten die Seitentüren nicht einmal einen Kratzer. Beeindruckt setzte sich mein „Schwiegervater“ sich wieder hinters Lenkrad.

Angekommen, mussten wir, über eine im Bau befindliche Gartenmauer steigen. Charly meinte verschmitzt: „Nach dir Rosi.“ „Nein, du zuerst Charly!“ Sie ließ sich nicht unter den Minirock blicken.

Es gibt wenige Sachen die mich bis heute beeindrucken, diese total Belanglose, ist ein „Glanzlicht“.

Wir waren der Mittelpunkt des Nachmittages. Ungläubiges Staunen rief z.B. hervor, dass wir mit einem Stockautobus zur Schule fuhren und dass wir eigentlich keine Berge haben. Ich dachte eigentlich nur: „Wann wird es endlich Abend.“

Charlys Freundin erfand immer neue Ausreden, unglaublich, er war eine Mischung aus Brad Pitt und Charles Bronson. Also interessierte er sich für Roswithas Cousine Tina, eigentlich aber für deren fünfzehnjährige Schwester Conny. Als Tina ein Jahr später bei einem Autounfall in Frankreich mit siebzehn (!) starb war Conny endlich sechzehn. Ich habe seltsame Freunde.

Auch ich bin etwas seltsam. Nach einer Woche mit dieser wunderbaren Frau freute ich mich, dass Charly zu mir sagte: „Fahr’n wir dann endlich?“

Roswitha machte uns zwei perfekte Speckbrote, die sie liebevoll in blaue Servietten einpackte.

Am Bahnhof küssten wir uns ein letztes Mal und versprachen uns sofort zu schreiben. In Salzburg, mussten wir dieses Mal umsteigen und durch den Zoll. Alle wurden durchgewunken, nur wir zwei Langhaarigen erweckten ihr Interesse. Sie durchsuchten penibel unsere Reisetaschen und wurden fündig: „Blau eingepackt, es Hasch, liab.“ Unseren Einwand das sind Speckbrote ließen sie nicht gelten: „ Aufmoch’n! Nau geh, des san jo Speckbrot.“

Ich beherrschte mich, wir wollten ja den Anschlusszug erwischen. Nach kurzem Sprint merkte Charly, dass sein Interrail-Ausweis aus dem Pass verschwunden war. Wieder retour. Die Zollbeamten grinsend: „Wir for’n net Interrail, haha. Ein Blick hinter ihren Tisch, die Karte liegt am Boden. „Sie sind…nicht voll Handlungs- und Geschäftsfähig! (Volltrottel, aber nicht klagbar –Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch)“ Erstmalig konnte ich meine Schulrechtslehrekenntnisse einsetzen. Man lernt ja schließlich für’s Leben. Der Zug war weg. Salzburg schön.

Letzter Schultag. Hämisch grinsend nehmen wir unsere Abschlusszeugnisse entgegen, jetzt kann uns nichts mehr passieren, wir sind auf der Karrierespur. Das Zeugnis grinste vermutlich hämisch zurück, die privilegierten Privatschüler hatten nämlich, ohne Leistung, aber das Geld ihrer Eltern, fast die gleichen Berufschancen wie wir. (Sollte sich aber ändern). Wir schmissen alle Schulbücher demonstrativ in den Mistkübel an der Autobushaltestelle. War gar nicht so einfach, der Mistkübel war nämlich bereits einen Meter unter ausrangierten Büchern untergetaucht.

Leo S. und ich beratschlagten kurz, stiegen am Südbahnhof aus und beschlossen nächsten Tag nach Italien zu fahren. Ich meinte: „Lignano, da kenn’ ich mich aus.“

Badehose eingepackt und wir saßen schon im Zug. Portoguaro oder so ähnlich, umsteigen in den Autobus und schon waren wir nach ca. neun Stunden dada. Ein sechzigjähriger Papagali schnappte sich unsere Reisetaschen und meinte: „ Ich haben billigste Pension in Italia.“ Was natürlich nicht stimmte, aber vom Ambiente der Villa waren wir beeindruckt. Flachdach, violett – gelb angepinselt, das musste eigentlich die Billigste der Welt sein. Wir räumten unsere Sachen rein, beziehungsweise stellten unsere Reisetaschen in den Schrank.

Wir beschlossen die Örtlichkeiten plus Mädels zu checken. Der Erfolg war meinerseits umwerfend. Italien, das Schuhland, kannte keine „Glogs.“ Diese Holzpantoffeln waren die Sensation der Saison und die Mädels zeigten mit Fingern auf meine Schlapfen, oder auf mich. Leider kam nächste Woche die Anlieferung. Es hatte sich außerdem seit meinen Kinderurlaubstagen einiges verändert. Jetzt waren wirklich die Hausbesorger da, zu meinen Zeiten nur gut verdienende Arbeiter. Das Micky Mouse - Umtauschgeschäft war umgebaut – ich kaufte immer am ersten Tag ein Heft, die nächsten Tage wedelte ich demonstrativ damit herum und tauschte es diskret gegen ein Neues aus.

Das Holzfloß am Strand war gegen eines aus Plastik ausgetauscht worden. Doch bei Betrachtung des Plagiats freute ich mich das ich noch existiere.

Als zehnjähriger pflegte ich „Köpfler“ (Kopfsprung) von diesen Holzinseln zu üben. An einem stürmischen Tag trieb die Insel, von mir unbemerkt, auf eine Sandbank zu. Ich sprang – und hörte nur noch das Knirschen des Sandes. Unter Aufbietung aller Kräfte kam ich an die Wasseroberfläche. Mir wurde schwarz vor den Augen und ich kämpfte gegen die Ohnmacht. Auf allen Vieren kroch an den Strand. Leben oder Tot, bzw. Rollstuhl, das war die Alternative.

Was da noch kommen sollte?

In Lignano eine neue Badehose. Umstieg von Bermuda auf Tanga. Leo konnte sich nicht von seinen Liras trennen. Einige Tage später trafen wir zwei deutsche Mädchen. Aus Wörth an der Donau. Sie hauchten das "th""" echt erotisch. Leos Badehose war Gesprächsstoff genug. Nächsten Tag kaufte er eine aus der kleineren Abteilung, was die Lage noch verschlimmerte. Braune Wadeln, weiße Oberschenkel, „cool“. Die Mädchen zu uns einladen trauten wir uns nicht, wir schauten uns immer um, bevor wir in der Villa Kunterbunt verschwanden, also luden wir sie zum „Jahrmarkt ein. Leos Freundin etwas rundlich und etwas gestaucht, sagte ihm plötzlich nicht mehr zu. Er appellierte an mich, als Freund mit ihm zu tauschen. Mir wars wurscht. In der Achterbahn tauschten wir unauffällig die Plätze. Wegen diesem Deppen musste ich viermal fahren. Meine Neue war voll entflammt, doch mir Gott sei Dank schlecht.

Bei der Abreise sah unser Zimmer „ Slum mäßig“ aus, sämtliche Papierl‚n, Brösel etc. schmissen wir auf den Boden, leere Flaschen wie beim Billa.

Im Zug kam noch der Lagerkoller voll zum Ausbruch. Wir konnten uns nicht mehr sehen und sprachen die ganze Fahrt kein einzige Wort.

Kaum in Wien eingelangt: “Na, was mach ma` morgen?“

Ein „Filmstar“ im Stadionbad. Kurze Vorgeschichte.

Meine erste große Liebe, vermutlich auch die einzige (Details folgen), hatte ihr Bett in Deutschland, genauer Donauwörth bei Augsburg. Mein Freund und späteres Börsengenie Karl H. und ich beschlossen, sich den Germanenmädchen etwas näher zu widmen.

Unser Zugabteil, welches wir bis jetzt durch gestellte Bösartigkeit erfolgreich verteidigten, betrat unerwartet, gegen jede Vernunft, ein weibliches Wesen. Ungefähr zwanzig, bildhübsch, Haare bis zum Arsch. Mein Freund mit Amerika T-Shirt, hatte bald das Eis gebrochen. Sie versuchte mit allen Tricks ihm das Leiberl abzuluchsen. Immer wenn es fast soweit war, bekam er von mir einen leichten Tritt. Als sie einsehen musste, dass sie kein Erfolgserlebnis haben würde, ging sie angriffslustig mir an den Arsch. Sie ließ keine Gelegenheit aus, mir auf den „Allerwertesten“ zu greifen.

„Na ist der aber lieb“.

Als mein Freund Anstalten machte, mit ihr weiter bis nach Berlin (sie arbeitete in einer Firma, die Niederlassungen in Rom, Berlin und Wien hatte, mehr war aus ihr nicht rauszukriegen) zu fahren , und ihr das Originalshirt zu schenken, musste ich einschreiten. Ich hielt ihn einfach fest. Alles was wir von ihr wussten, sie heiß Jeanine.

Im Sommer in the City war uns etwas fad, wir beschlossen ins Kino zu gehen.

Schulmädchenreport. „Nau geh. Is jo wurscht“. Auf der Leinwand trauten wir unseren Augen nicht. Das „Schanierl“ hopste als Nakedei über den Schulhof. „Es Schanierl, die kennen wir“. „ Pst“. Blödes Grinsen bei unseren anderen Freunden.

Einige Tage später im Stadionbad kommen uns zwei Girls entgegen. Eine Mulattin, die andere Haare bis zum Arsch. Die Hände gegenseitig in den Bikinihöschen. „Servus Schanierl“.

Unseren Freunden mussten wir die Augen in die Höhlen zurück drücken. Diese Frau hat übrigens ein Kind mit´n Baumeister Lugner, später hat sie in Amerika einen Millionär geheiratet, der Schlampen.

Der letzte lange Sommer ging zu Ende und der Ernst des Lebens begann. Eigentlich gibt es so etwas gar nicht. Ich kaufte meinen ersten Anzug, klaute meinem Vater die beste Krawatte und am ersten September traf ich mich mit Leo am Südtiroler Platz. Wir hatten uns bei vier Firmen angemeldet, nicht beworben. Zentralsparkasse, Länderbank (fusioniert zur heutigen Bank Austria), Böhler und „ weißnichtmehr“. Charly war fix bei der Girozentrale, Pepsch bei der Ersten(!). Ebenfalls fusioniert. Heute lese ich, dass dieser Fusionsdirektor namens Randa sich etwas überfusioniert hat. Die jetzige Chefin die Hypo haut eahm nämlich auße. Länderbank, Bank Austria, CA-BV nach Deutschland verscherbelt und keiner hat’s gemerkt. Was bekommt man eigentlich pro Zusammenlegung? Hoffentlich kann er im Alter „in Zins zahln“, der Arme.

Wir entschieden uns für die Länderbank, erzkonservativ, da wir uns sehr schöne Anzüge gekauft hatten. Wir wurden durch einen Prokuristen (!) eingeschult und nach vierzehn Tagen rauchte mir der Kopf, doch unserem Prokuristen, Chef der Devisenabteilung etwas mehr. In dieser Zeit halbierte sich der Kurs des Britischen Pfunds. In der Arbitrage, dem Zentrum des Devisenhandels ging es zu wie in der Wall Street. Er checkte es nicht einmal, dass ich langsam alles zu verwechseln begann. Heute schreibe ich mir alles auf. Einfach.

Meine neue Abteilung bestand aus neun Frauen, einem Halbchinesen, einem "Jugo" und mir. Die Dame die mich weiter betreute, eigentlich eine ganz nette, meinte einmal zu ihren Kolleginnen: „Schaut wie der Herr K. langsam sein Frühstücksbrot essen kann! Damit er nicht soviel arbeiten muss, haha.“ „Gusch.“ Leider nur gedacht. Turnusweise arbeiteten wir in einem Terminalraum (PC gab es erst in den Gehirnwindungen einiger Amitechniker) wo auch „Primanotisierer“ tätig waren. Diese Nichtskönner schrieben wie die Wilden, aber eben nur Zahlen. Euch krieg’ ich auch noch dachte ich mir.

Bei den Devisenüberweisungen konnte ich mir die Empfängerbank aussuchen. Nach kurzer Zeit konnte ich „Deutsche Bank AG in drei Sekunden reindrücken. Immer wenn die Nichtskönner zu schnell wurden, drückte ich die Deutsche rein und sie wurden langsamer. Der Bildschirm hatte eine grüne Schrift und nach jedem ENTER flashte er dermaßen, dass ich dachte er macht ein Photo.

Abends wenn ich über die Kärtnerstraße nach Hause ging (Scheiß Touristen), blitzte es in meinen Augen, dass ich dachte: “Schon wieder Weihnachten?“

Doch der Shanghai Man, der Jugo und ich hielten fest zusammen, nach dem Grundsatz, meide jede Frau bei der Arbeit. Wir gingen sogar Chinesisch Essen. Vermutlich war ich der erste Wiener, der mit Stäbchen Essen konnte. Jugoslawisch essen war einfacher.

Wir hatten noch nicht einmal richtig zu arbeiten begonnen, planten Charly und ich schon den ersten wohlverdienten Urlaub. Charly, ein wirklich fescher Junge, der früher rechnen als schreiben konnte. Später als Börsenmakler mit sechzig Millionen Alpendollar in den Konkurs bzw. Ausgleich. Einige Mille dürfte er sich aber seinerzeit reserviert haben. Er ist auch heute nicht arm. Sie waren die besten Börsenhändler der Girozentrale, kündigten drei Mann hoch, und machten sich selbständig. Nebenbei legten sie das Händlernetz der Giro lahm. Als ersten Abschreibeposten kaufte sich jeder einen 500er Mercedes. Bei einem Kameradentreffen bei einem soliden Wirten, meinte er am Telefon gestresst: „Kum ja eh glei!“

Ich dachte unterschwellig, wo ich am besten seinen Cermedes testen solle. Als er mit einiger Verspätung eintraf – Wall Street Panier entledigt – mit Pullover und Jean und dem alten Honda Civic seiner Frau, fragte ich mich, ob das nicht etwas zu viel Understatement ist. Aber so waren wir. Freunde, denen es widerstrebte sich wichtig zu machen.

Mein Haus, meine Yacht, mein Auto. Scheiß drauf.

Kurz bevor sein Konkurs bevorstand, hatte ich von Freunden das Gerücht vernommen. Als ich ihn anrief kam ich mir ziemlich blöd vor:

„Euch geht’s geschäftlich nicht besonders,…….hab’ ich g’hört?“ Ein dumpfes aber lautes: „Naa.“ Im Hintergrund die totale Hektik.

„Ich bin a bisserl im Stress…..(Pause)….,hast du nicht bei mir einen Haufen Geld angelegt?......abheben, abheben!“ Tatsächlich hatte ich Testweise fünfzigtausend Schilling bei ihm angelegt, die er in drei Monaten mehr als verdoppelte. Ich entfernte mich unauffällig aus der Firma und gab Gummi zur Bank. Alles noch da, der kleine „Haufen“. Typisch Charly, vielleicht hätte er damit den Konkurs noch abwenden können.

Mit diesem feschen Jungen plante ich aber erst einmal Winterurlaub.

Wir entschieden uns für Südtirol, wegen der Exotik. Die Länderbankgirls probten den Aufstand, da Urlaubsanspruch nach Zugehörigkeit entschieden wurde. Ich ließ die Damen links liegen und klopfte rechts bei unserem Prokuristen an die Tür:

“Südtirol, herrlich, die Seiser Alm im Herbst, ein Blumenmeer! Aber jetzt liegt ja Schnee. Natürlich können’s fahren. Vierzehn Tage? Sehr gut.

“ Tschüß Länderbankschlampen!“

Abfahrt Südbahnhof, Mitternacht, Umsteigen in Innsbruck, weiter nach Bozen. Eigentlich Tirol, aber wenn du dich nach dem Bus nach St.Ulrich, im Grödnertal erkundigst, triffst du nur Scheiß-Itaka. Bus weg – Bozenbesichtigung, fünf Stunden Aufenthalt. Wir lernten zwei nette Bolznerinnen kennen und balzten so lange mit ihnen, dass wir den nächsten Bus auch bald versäumt hätten. St.Ulrich, wieder Mitternacht, stockdunkel, kein Hund auf der Straße. Sogar die Disco musste per Gesetz um zwölf Uhr dichtmachen. (Wir sahen sie auch von innen nicht, einfach zu Müde.)

Wir schleppten unsere Reisetaschen plus Ski eine Stunde durch die Gegend bis wir unsere Pension fanden. Wir klingelten unsere Gastgeber aus den Federn, die meinten: „Presto, Presto!“ „Nix Prosecco, wir sind in Österreich.“

Dieses wunderbare Land bei Italien, im Geiste sah ich einige Hochspannungsmasten explodieren. Wie gehabt.

Nächsten Tag konnten wir es kaum erwarten das Skigebiet zu erkunden. Bei der Sella Ronda Tour fährs’t den ganzen Tag wie ein „Narrischer“ (kein Lift zweimal) und bist froh das du vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause bist.

Um meinen Prokuristen später unterhalten zu können, entschieden wir uns für die Seiser-Alm. Angeblich die Größte Hochalm Europas, der Welt. Ich muss zugeben ich war beeindruckt. Das ganze im Herbst muss traumhaft schön sein. Gott sei Dank lag Schnee. Wir entdeckten eine anspruchsvolle Piste mit gemütlicher Hütte und beschlossen hier zu bleiben. Der Liftwart, gleichzeitig Hüttenwirt, meinte nach kurzer Zeit:“ Es pickt’s jo am Schnee. Wart’ a bißl, i waxl eichas.

Wir stellten die Ski auf. Das ist Service. Frag’ heute einen Liftboy und du fährst mit der letzten Lawine ins Tal. Mittags, bevor wir um die Speisekarte fragen konnten, sagte er:

“Heit gibt’s Bratwürstl mit Sauerkraut.“ Auch gut. Sogar sehr gut.

Beim zahlen:

„Es jungen Bersch’n hobt’s e ka Göd, zahlt’die Hälfte. Is gnua. Oba….. im Almhotel is heit a kloan’s Fest’l. Mindestens zwanzig Deutsche Weiba alanig. Kimmt’s mit der letzten Gondel aufe, i hol eich mit da Schneekatz ob (Scooter) und führ eich in da Nocht obe ins Tal. Ha!“

Unglaublich, diese Gastfreundschaft, - wir waren Wiener. Vielleicht lag es daran, dass ich am Mittagstisch mich dahingehend äußerte: „Es gehörten viel mehr Hochspannungsmasten in die Luft gesprengt! Und die ganzen Carabiniere dazu.“

Und ich meinte es ernst.

Aber wir sind erst den ersten Tag im Grödnertal und zu müde für einen Aufriss, vielleicht später. Könnte sein wir hätten in dieser Nacht ein Privatfeuerwerk an Strommasten bewundern können. Schön blöd.

Die nächsten Tage fuhren wir, dass der Belag glühte. Charly im weißen Skipullover mit den rasanten Ärmelstreifen, fror zugunsten der Erscheinung elendig. Auf einem, etwa einhundert Meter langem Abfahrtsstück hatte die Sonne den Schnee exekutiert. Wir beschlossen „Schuss“ übers Gras. Ich fuhr leicht auf den Kanten. Kein Problem. Bei Charly ruckte es ein Wenig und auf den letzten Metern färbte sich sein Pullover waldbodenbraun. Den ganzen Abend verbrachte er im Schonwaschgang. Pullover auf die Heizung und nächsten Tag durfte er schon wieder weiter frieren.

Abends aßen wir in einem SB-Restaurant fast jeden Tag eine Gulaschsuppe (perfekt), dazu ein dunkles Konditionsaufbaubier. Spätestens um zehn konnten wir die Augen nicht mehr bändigen. Doch an diesem Tag lernten wir ein neugieriges deutsches Mädel kennen. Sie begleitete uns in unsere Pension und Charly meinte:“ Na, wir werden ja sehen, was sich ergibt.“ Wir hatten eine winzige Flasche Grappa und wollten die Stimmung heben, als es sie, nach dem zweiten Schluck vom Sessel haute, haarscharf an der Bettkante vorbei. Charly, leicht durchsichtig im Gesicht steckte sie in den Anorak, stellte sie vor die Tür und drehte den Schlüssel um.

Vierzehn Tage in diesem Traumskigebiet, ohne Ruhetag. Ich war reif zumindest für den C-Kader. Obwohl die Sonne selten schien waren wir gesichtsmäßig Luis Trenker mehr als ebenbürtig. Das hatte angenehme Auswirkungen in Wien. Die Mädchen sprachen mich sogar in der Straßenbahn mit seichten Aufrisssprüchen an. „Bist du der Mister X?“ Das kommt raus wenn Mädchen die Initiative ergreifen wollen. Impertinent. Aber ein gutes Gefühl.

Auf jeden Fall Weltreise zurück nach Wien, wir schworen uns, das nächste Mal mit Auto.

Konditionsmäßig war ich perfekt, ein Vorteil beim Militär, wie es sich bald schon herausstellen sollte.

Sieben Monate Länderbank AG, davon zwei Monate Urlaub. Finde ich fair.

Ich nützte jeden Sonnenstrahl um mein Bergbauerngesicht zu erhalten. Die Mädchen dankten es mir.

Am ersten April (!?) rückte ich in die Maria Theresienkaserne zur Heeres-Sport und Nahkampfschule, HSNS, ein. Mit zwanzig Schilling für zwei Leberkäs Semmeln. Alle meine Freunde erzählten mir: „Hols’t dir’s Gwand, am Abend gehs’t z’haus.“

Fast. Gewand fassen, rauf am GMC (Lkw) und ab nach Wiener Neustadt. Ohne Geld, Waschzeug, Rasierapparat. Kein Mensch wusste wo ich bin, nicht einmal ich. Unsere Ausbilder, fast alle ehemalige Jagdkommando Soldaten (vergleichbar mit den US-Marines, nur besser).

Am Abend der erste Eklat. Wir duschten, schlenderten zwanglos nur mit Handtuch bekleidet, den Gang entlang, als ein Unteroffizier uns erblickte. Volle Militärdröhnung: „ Wos is, kennt’s net grüßen!“ Einige ließen vor Schreck das Handtuch fallen, salutierten ungelenk. Ein Bild für Götter. „Guten Abend, sagt man! Na, mit euch wer ma no viel Spaß haben.“ Die Einschüchterung funktionierte perfekt. Kollektivstrafen (alle für einen, einer für alle), taten ihr übriges. Wenn ich heute über Schikanen beim Bundesheer höre, kostet das mich einen Zweisekundenlächler. Zur Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass die Ausbilder (fast) alles mitmachten. Gesunde Härte hat noch niemanden geschadet, man flucht, überlegt wen man als erstes liquidieren soll und am Ende ist man stolz, dass man es geschafft hat. Seltsam.

Nächsten Morgen Tagwache live. Morgensport am größten Naturflughafen Europas. Der Morgentau funkelte in der aufgehenden Sonne über der riesigen Rasenfläche. Nett. Der Zwei Komma Vier Kilometer, im Angriffstempo war für einige nicht so nett. In unserer Kompanie befanden sich mehrere Spitzensportler, unter ihnen ein gewisser „Reinhold Durnthaler“, Bob Europa oder Weltmeister, unzählige Male zurückgestellt. Mit dreißig hatten sie ihn doch noch erwischt. Blad geworden, ohne Bob war er den Anstrengungen nicht gewachsen und durfte nach vierzehn Tagen wieder abrüsten. Berechnung? Politik?

Wir fassten auf jeden Fall unsere „Braut“ (eine schwere scheiß Braut“) aus. Gewehrnummer weiß ich heute noch. Seltsam.

Ab ins Gelände. Stahlhelm, Sturmgepäck, Gewehr, ließen mich erkennen, dass es mehrere Arten von Kondition gibt. Mir war heiß, schlecht und das ganze Zeugs scheuerte. Ziemlich geschlaucht vernahm ich von meinem Hintermann: „Große Gosch’n und keine Kraft!“ Ich blieb stehen öffnete meinen Hemdkragen: „Ein Wort noch und du frisst deinen Stahlhelm!“ Das sorgte für Ruhe im Glied.

Schützenloch ausheben. Alle waren zu zweit, aber da wir siebenundzwanzig Mann waren, wir zu dritt. Nach zwei Stunden standen die meisten bis zu Hüfte im Loch, wir leider nur bis zum Knie. Als uns der Unteroffizier darauf Aufmerksam machte, schoben wir es auf den harten Boden. Der Korporal sprang ins Loch und schaufelte, wir blickten interessiert zu. „Es glaubt’s wohl ich bin a bißl deppat? Das ist der weichste Boden Niederösterreichs! In zwanzig Minuten sieht man euch nicht mehr im Loch!“ Wir buddelten wie die Irren, der Boden war weicher geworden.

Nachtmarsch in die Kaserne. Nachteilmarsch. Da auf diesem riesigen Truppenübungsplatz sich jede Menge Schützenlöcher befanden, hörte man alle zehn Minuten: „Au! Oasch!“ Stockdunkel und ich leicht kurzsichtig. Ich glaube ich war der einzige den es in kein Schützenloch haute. Kein einziger gebrochener Fuß, keine ernsthafte Blessur, unglaublich.

An einer Lichtung hielten wir an und ein Unteroffizier erklärte uns Orientierung im Dunkeln, mittels Sternbilder. Er erklärte uns lang und breit den großen Wagen, Bären etc. Mit stolzgeschwellter Brust, bezüglich seines Fachwissens, fragte er meinen Freund Walter S. (ein ehemaliger Hauptschulkamerad, ein Glücksfall):“ Nau, kapiert?“ „Nein, ich bin astigmatisch.“

„Was sind´s?“ Ich wollte die Lage etwas entschärfen: “Er sieht ein wenig schlecht.“ „Haubn´s sie es wenigsten kapiert?“

„Ich seh´ auch ein wenig schlecht.“

Laufschritt.

Irgendetwas nagte an unserem Ausbilder. „Deckung! Bis zur Kirche vor robben!“ Einer meinte er sähe keine Kirche.

„Wird schon eine kommen, scheiß Bande!“

In der Kaserne, die Ausbilder hatten bereits geduscht, bemerkt man bei der Standeskontrolle, dass ein MG-Gurt fehlte. Der MG-Schütze hatte das Vergnügen, allerdings mit Korporal, diesen im Laufschritt zu suchen. Ungefähr sechs Kilometer retour. Sie fanden ihn tatsächlich. Der Korporal sichtlich geschlaucht, brüllte ihn an: “Merken´s inas jetzt?“ „Nein.“ Liegestütze bis zum Umfallen. Bei der zweiten Verneinung gaben sie es auf. Dieser Karl war der einzige den sie nicht schafften. Ein dürres, rothaariges Waisenkind, später bester beim Jagdkommandogrundkurs. (zwanzig Wochen full speed, wir hatten vierzehn Wochen, normalerweise drei bis vier). Karl ein netter Kerl, aber in seinem Lebensweg sicher nicht zu beneiden.

Zehn Minuten waschen, kein warmes Wasser mehr.

Anschließend Sturmgewehr 58-Kunde, zerlegen, putzen, jede volle Stunde, ein Stockwerk höher, Kontrolle. Der Wachtmeister hatte sich eine Kiste Bier organisiert, ein Jagdmesser und ein weißes Taschentuch. Der Verschluss war unmöglich von Öl und Schmauchspuren zu reinigen. Um vier Uhr morgens riss er unsere Tür mit leicht geröteten Augen auf, wobei er einen, stehend an der Tür schlafenden Kameraden umhaute: “Einen kontrolliere´ ich noch!“ Walter S. trat vor. Er hatte den Verschluss unter heißes Wasser gehalten.

Der Unteroffizier hätte am liebsten sein Messer anderweitig verwendet. „Morgen zum „Befohlenem“!(Rapport).“

Walter hatte seinen Zusatzdienst ausgefasst und wir saßen nach dem Morgensport im Lehrzimmer. Das einzige Mal. Wir sollten den zünftigen Militärhit „Ein Heller und ein Batzen“ einstudieren.

Alle paar Minuten schlief einer ein und es haute ihn vom Sessel. Zehn Liegestütze zur Gehirndurchblutung. Ich hatte keine Probleme, was ihm sichtlich nicht passte: „Sie sind ja unrasiert! Zehn.“

Stolz pumpte ich sie runter. Mein Frohsinn irritierte ihn: „Zum Friseur kennan´s a glei gehen, mia san jo ka Hippiebande do!“

John Lennon´s Kurzhaarschnitt war gerade „in“ und so ließ ich mir einen fünf Millimeter Haarschnitt nach Heeresvorschrift verpassen.

Die Friseurin weinte dabei.

Nächsten Tag bei der Standeskontrolle passte es ihnen wieder nicht.

Alle Jagdkommandosoldaten hatten einen Kurzhaarschnitt, quasi als Erkennungszeichen. Er setzte zum brüllen an, doch kein solider Grund traf sein Gedächtnis.

Als Rache, Eilmarsch nach Wöllersdorf,

ca. sieben Kilometer. MG und Sturmgewehrschießen. Anweisung Maschinengewehrschießen, eine Sekunde am Abzug sind drei bis vier Schuss. Ich muss zugeben, es „taugte“ mir. Zweimal abgezogen, mit mindestens fünfzehn Schuss. „Kurz, hob i gsogt!“ Leck mich am Arsch. Wenn ich an die amerikanischen Idiotenkriegsfilme denke, ehrlich mit so einer Waffe kann man die Landung in Normandie aufhalten, nur der Lauf wird „etwas heiß“. Das Beste ist das Originalhakenkreuz, für tausend Jahre eingraviert. Male mit einem Bleistift ein Hakenkreuz auf eine Parkbank und du wirst verhaftet.

Bester MG-Schütze. Kunststück.

Erste Serie Stg58 (wir waren übrigens die ersten die später das neue Stg77 zur Erprobung erhielten), erste Serie, sehr schwach. Lag es am Gewehr, oder an mir leicht Kurzsichtigen? Nächste Serie, Walter S. vor mir. Während des Wechsels nahm ich ihm mit geladenem Magazin die Brille ab. „Seid´s depat?! Wollt´s eich net glei duellieren?“ Es lag am Gewehr und mir. Siebenter.

Nach dem Schießen „Belehrung“. Es dürfen keine Munitionsteile etc. mitgenommen werden……..

Gerhard T., ebenfalls ein Schulfreund, der leider immer mehr verblödete (bis zum späteren Eklat), zeigte mit einer leeren Patronenhülse auf.

Meine Projektile schmücken heute noch das Fernsehgerät.

Samstag, zwölf Uhr Zimmerkontrolle, Spindkontrolle. Wenn alles in Ordnung ist, dürfen wir nach Hause fahren, wurde uns versprochen. Wir kehrten zusammen, wischten ab und wischten auf. Perfekt. Bis unser Obergescheiter die Idee hatte alle Tische und Stühle auf die Betten und mit teuren Reinigungsmittel „Glänzer“ aufzuwaschen. Sie legten zusammen und organisierten den Reiniger. Als sie meinen Obolus einforderten bissen sie auf Granit. Da wir die Kräfteverhältnisse bereits geklärt waren, setzte ich mich ziemlich unbeteiligt auf mein Bett: „Ihr meint´s ja nicht im Ernst, die lassen uns ohne Schikane gehen?“

Sie putzten wie die Irren, nur um die Mama früher sehen zu können. So viel Blödheit erstaunte mich.

Kontrolle. Zu ihrem Erstaunen brüllte er sie an: „Mit heeresfremden Mitteln arbeit´s ihr?! Glänzer ist beschlagnahmt!“ Mit dem Reinigungsmittel hatte wahrscheinlich seine „Alte“ die Ehre.

Doch sie gaben nicht auf. Ich sagte nur:“ Frühestens um zwei lassen´s uns geh´n.“

Nächste Kontrolle. Er schaute von außen in das Zimmer, wischte mit dem Zeigefinger über den oberen Türstaffel: „Saustall!“

Langsam begriffen auch die Kameraden meine Logik. Wir knotzten uns auf unsere Betten und ruhten. Eine halbe Stunde später erschien der Unteroffizier, ein Bier in der Hand: “Wos is, woll´ts net ham?“

Zwei hatten ein Auto und mit einem alten Skoda durften wir gegen den Wucherpreis von zwanzig Alpendollar bis jetzt mitfahren. Dieses Mal erklärte er keine Zeit zu haben. Zwei Kilometer zur Schnellbahn.

Sonntag, „Zapfenstreichzeit“ inspizierten wir im diffusen Laternenlicht seinen Flitzer. Sehr große Falten im Blech.

„Ich bin eingeschlafen auf der Autobahn und die Leitschiene entlang radiert. Fährt`s ihr es nächste mal eh wieder mit?“ „Jo, oba umasunst!“ „O.K.“

Wir kofferten jeden Tag unsere zehn Kilometer im Gelände. Aber in den Dreck schmeißen mussten wir uns nicht. Es regnete nicht. Sie hielten uns mit lustigen Übungen bei Laune. Z.b. ABC-Alarm. (Atomar, Biologisch, Chemisch) Wir marschieren in Schützenkette, also im Abstand von ca. drei Metern hintereinander, dann ein Zeichen – Schützenreihe. Die letzten müssen nach vor laufen, in eine Reihe, dann wieder Schützenkette, usw. Atomblitz – volle Deckung – Gasmaske auf, damit man kein Atom verschluckt, Regenschutz über den Stahlhelm, Handschuhe anziehen, Auftrag weiter ausführen. Schützenreihe, Kette, mit Schutzmaske. Viele bekamen keine Luft mehr und rissen sie vom Gesicht. Zur Erholung gab`s Liegestütze. Man gewöhnt sich fast an alles.

Nächste Woche auf dem Übungsplan fünfunddreißig Kilometer Marsch. Endlich etwas Neues.

Sieben Uhr Standeskontrolle, volle Gefechtsadjustierung, anschließend sofort Abmarsch. Ich hatte meine Feldflasche nicht voll gefüllt (Gewichtsreduktion), durfte sie im Laufschritt auffüllen, zehn Liegestütze mit Stahlhelm. Gewehr vor die Brust, im Ortsgebiet geschultert. Ich hielt mich nicht daran, am Rücken das Sturmgepäck, das Gewehr vorne, als Gegengewicht. Unsere Jagdkommandosoldaten sagten nichts, dachten sich vermutlich „Schlaues Kerlchen“. Es ging auf die „Hohe Wand“, mit den“ Strapatzschuhen „ ohne Profil. Immer Bergstiefel, heute Leitern, Klettersteig mit den Märchenschuhen. Idioten.

Ich hielt mich streng an den Schritt des Vordermannes und schaltete das Gehirn ab. Es meldete sich auf halber Strecke zurück, die raue Innennaht scheuerte sogar durch die dicken Bundesheersocken. Mittags zog ich die Schuhe, Socken aus und sofort wieder an. Zwei riesige Blasen an der Ferse. Wer sich nicht zum Arzt meldete, konnte Freitag nach Dienst nach Hause. (FnD). Also Hirn abschalten und ich weiß nicht wie, zurück marschieren. Freitag, nächster Tag, meldeten sich viele zum Sanitätsarzt in der vier Kilometer entfernten Panzerkaserne. Sie hatten schon verloren.

Ich erschien zur Standeskontrolle mit den schwarzen Semperitturnpatschen, darüber die Gamaschen. Wie der Kasernenkommandant das sehen konnte ist ein Rätsel. „Turnschuhe ausziehen!“ Als er meine Blasen erblickte, ehrfürchtig: “Führt´s eahm noch, in die „Sani“. Einzeltransport im GMC. Auch für den Stabsarzt war ich etwas Besonderes. Blasen aufgeschnitten, jetzt konnte ich nur noch auf Zehen gehen.

„Kann ich z´haus fahren?“ „Nein, sie rennen ja gleich in die Disco!“ Kurze Disposition meinerseits: „Ich bleib´das ganze Wochenende bei meiner Freundin zuhause.

Ich hatte keine Freundin. Wo sind die Mädchen – DISCO.

Am Sonntag trafen sich mein Freund Walter und ich an der Schnellbahnstation Rennweg. Eineinhalb Stunden zurück in die geliebte Kaserne. Zwanzig Minuten Fußmarsch. Um Zwölf in den Federn, bzw. Decken.

Nächster Tag Standeskontrolle. Wir hatten die Ehre des Flaggenhissens. Auf Kommando vortreten, Walter entrollte die Fahne, ich klinkte sie ein und zog sie hoch. Üblicherweise. Walter entrollte, ich trat einen Schritt vor, trat versehentlich mit den „Berghammerln“ auf das Weiße unserer Nationale. Nichts anmerken lassen. Fahne hochziehen, leider mit ausgeprägtem Stiefelabdruck. Unser „Spieß“ (Kasernenkommandant, Vizeleutnant) hatte denselben Farbton im Gesicht wie die Fahne.

Selbstverständlich ab zum „Befohlenem“.

Vizeleutnant, höher darf er nicht ohne Matura, Ende der Fahnenstange, einfaches Gemüt. Kurz ein Trottel. Einem Deppen fällt auch kein Bestrafungsgrund ein, ich beteuerte meine Unschuld.

Um aus uns Muttersöhnchen doch noch richtige Männer zu machen setzten sie einen fünfundvierzig Kilometermarsch rund um die Hohe Wand an. Dieses Mal mit Bergstiefel. Ich kannte meine Fußschwachstellen ja schon, gewissenhaft verklebte ich sie mit Heftpflaster. Proffesionell.

Ich klinkte mich sofort in den Schritt meines Vordermannes ein und schaltete das Gehirn wieder einmal aus. An der ersten längeren Steigung begannen die ersten zu fluchen: „ Dauernd im gleichen Schritt, da wird ma jo de depat!“ Mir wurscht. Zwanzig Minuten Mittagspause. Sofort weiter. Meine Kondition war perfekt, ich meinte eine hundertjährige Eiche ausreißen zu können. ( Oder einen Gummibaum). Zehn Kilometer vor Marschende stand plötzlich unser GMC um die“ Verwundeten“ nach eingehender Prüfung einzuladen. Seltsamerweise durften auch die im Waschraum am Morgen angetroffenen mitfahren. Ich machte Grundsätzlich zuerst das Bett um dem Trubel zu entkommen. Von dieser Aktion hatte ich gar nichts mitbekommen. Also weiter Richtung Kaserne. Manche spätere Jagdkommandosoldaten phantasierten leicht, Gerhard T. hatte einen „Wolf“ (Innenschenkel aufgerieben) und ging wie John Wayne im Delirium. Ich schnappte mir sein Gewehr zusätzlich, doch die meisten konnten nicht mehr und blieben zurück. Hundert Meter vor der Kaserne meinte unser „Rambo“: „ Schaut´s eichas au, de Bochanan, Gewehr am Schwerpunkt erfassen! Zurück um die Woamen umadum und retour!“ Das motivierte unsere Homos. Kollektivstrafe pur.

In der Kaserne: „Bringt´s eichere Sochn in Urdnung, dann könnt´s furtgeh. Haha.

Walter und ich waren nach zehn Minuten frisch gestylt. Im Bus Richtung Innenstadt erblickten wir ein Plakat- Waterloo und Robinson LIVE. Unter unserer Würde, aber vielleicht sind ein paar Mädchen anwesend. Vor dem Konzert musste ich pinkeln und traf einen kleinen, langhaarigen Typen mit aufgezwirbelten Schnurrbart: „ Weißt du wo´s Häusl is? Wann fangen die „Kommerzler“ eigentlich an?“ Ich erkannte ihn nicht, aber Robinson gab freundlich Auskunft.

Sensation im Foyer. Ein Mädcheninternat geschlossen angetreten. Mindestens fünfhundert Mädels. Wir zahlenmäßig weit unterlegen (ca. fünf Bundesheerler), mussten uns, unserer Haut wehren. Es gelang uns auch bestens. Wir quatschen mit mindestens zehn Mädchen, dann plötzlich der Abmarschbefehl. Sie formierten sich und zogen geschlossen ab.

Ich dachte mir:“ So blöd wie wir, kann man doch gar nicht sein, wenn ich das später einmal erzähle, glaubt´s mir kein Hund. Stimmt.

Unsere Kaserne musste natürlich auch bewacht werden. Es könnte ja einer von uns gestohlen werden. Da wir nur so wenige Wehrmänner waren, konnten wir keinen KVT (Korporal vom Tag, schieben. Dazu braucht man zwei. Supergeistesblitz unseres Häuptlings, einer allein bewacht die Kaserne, ein Journaldienst.

Sonntagabend hatte ich die Ehre. Nachmittags knotzten mein Freund Walter und ich noch im Gartenbaukino am Ring. Der damalige Superschocker – „Der Exorzist“. Schocker-Blödsinn, dachte ich mir und setzte mich vollkommen unvoreingenommen in den weichen Kinosessel. Das war ein Fehler. Als die Lichter angingen, hatte ich Schwierigkeiten mit dem Aufstehen.

Heute lachen die kleinen Kinder beim „Kettensägenmassaker“ etc., dafür weinen sie bei einem schwarz-weiß, Zeichentrickfilm. Unter heiterem Ablenkungslachen zurück in die Kaserne.

Pünktlich trat ich meinen Dienst an. Leicht high, denn ich hatte mangels anderer Gelegenheit, drei Esslöffel Instant-Kaffee geschluckt. Das einzige Laster dem ich nie frönte – Kaffee, ich habe bis heute (fast) keinen einzigen „kleinen Braunen“ getrunken.

Alleine in der Kaserne, stockdunkel, draußen ein veritabler Sturm. Ich schnappte mir ein Buch und legte die Füße auf den Tisch. In Gedanken versunken, drückte der Wind plötzlich die Eingangstüre auf, die Deckenlampe pendelte wie wild. Mich hätte es vor Schreck beinahe vom Sessel gehaut. Koffein, Exorzist und Sturm waren etwas viel für meine Nerven. Schnell schloss ich die Türe.

Ein Ziegelstein zur Sicherung. Die Zeit verging sehr langsam und der Inhalt des Buches wurde mir immer fremder.

Um zwölf Uhr die Außentore schließen. Ich war sehr schnell.

Nächster Tag, normaler Dienst, kofern bis zum Umfallen. Nachts konnte ich nicht einschlafen. Coffeintrauma.

Eigentlich war ich schon als kleiner Junge ein Bundesheerfan. Stammgast im Heeresgeschichtlichen Museum, Bundesheerillustrierteabonnent, überlegte sogar mich zur UNO nach Zypern zu melden. Doch mit diesem Kaderpersonal, großteils Grenzdebile? Ehrensache war natürlich beim Leistungstest zu zeigen „wo der Bartl den Most herholt“.

Erste Station, Klimmzüge, freihängend. Ein blades Unteroffizierarschloch mitfühlend:“ Soll ich dich raufheben?“ Er staunte etwas als ich aus dem Stand raufsprang. Er ließ mich ca. sieben Stück machen, dann meinte er: “Affengriff!“ „Was?“

„Na, Handflächen nach vorne!“ Auch kein Problem, ich änderte die Handstellung noch an der Reckstange und war zehn Stück besser als der Zweite. Klappmesser, Liegestütze – volle Wäsch`.

Als letztes, sechs Stadionrunden laufen, umzingelt von Topleistungssportlern.

Ein Typ, etwas kleiner als ich, ich denke er hieß Nurmi, hängte uns alle ab, Leichtathleten, Karatekämpfer, Radrennfahrer, meine Wenigkeit.

So belegte ich leider nur Platz zwei.

In der Hackordnung aber eine gute Ausgangsbasis.

Die Grundausbildung ging Gott sei Dank zu Ende. Letzte Übung, ein Nachtkommando auf die im Wald vor uns „campenden“ Wiener Kameraden. Gardesoldaten, die Elite des Militärs, für uns Nichtskönner, „Gewehrpracker“. Das erste Mal ohne Sturmgepäck, wir hatten sogar Freude daran uns wie „Rambolino“ die Kriegsbemalung anzulegen. Zwei Stunden beobachteten wir die Elitedeppen, kurz nach Mitternacht krochen wir durch ihre Schlafposten und schossen ihnen mit Sturmgewehren plus zwei MGs direkt in das Zelt.

Ich denke die meisten sind heute noch blind.

Da es unsere Kommandeure es den Weanern es so richtig gezeigt hatten, durften wir am letzten Tag den Truppenübungsplatz säubern, ich verzog mich in ein Gebüsch und dachte an die Nichtdabeigewesenen Wehrmachtskritiker. Sogar aus uns hatten sie innerhalb weniger Wochen, stolze Vaterlandsverteidiger gemacht. Mein Resümee, stolz auf die sportliche Leistung, aber im Ernstfall könnt´s mich zeitgerecht am Arsch lecken.

Mein Freund Walter blieb in Wiener Neustadt, ich wollte auch, doch die Verteilerliste war bereits geschrieben. Umg´schrieben wird nichts.

Wiener HSNS Lkw´s holten uns ab. Maria Theresienkaserne. Hier erklärt sich, weshalb die meisten das Bundesheer als verlorene Zeit betrachten. Standeskontrolle im“ grauen Jogging Anzug“. Vor mir ein Typ, ich glaub´s nicht, ein Typ mit schulterlangen Haar, mit Gummiband als Pferdeschwanz getarnt. Schwanz im Kragen des Joggers versteckt. Ansprache hält ein Major Herzog, schon damals ein ziemlich hohes Viech. Aus den hinteren Reihen, undefinierbar aber laut:“ Herr Major, sie Noaa!“ Alle haben es gehört nur der Narr nicht. Morgentraining, laufen um die Kaserne auf Kopfsteinpflaster. Nicht alle. Elitesportler im Heereseigentum erscheinen gar nicht, andere schlendern entspannt zur Kantine. Während des Laufens, erblicke ich einige Radfahrer im eleganten Werberadfahrerkostüm, die eben das Tor der Kaserne passieren. Ich habe sie nie wieder gesehen. Waren vermutlich zur „Tour de France“ unterwegs. Grüßen egal, nicht einmal einen General. Die unteren Chargen, die schon, Wachtmeister - Oberwachtmeister, da flogen die Fetzen.

Ich saß alleine in einem Riesenbüro und meine Aufgabe war es, meinen Vizeleutnant, falls wichtig, aus dem Offizierskasino zu holen. Die Gelegenheit für eine Versetzung nach Wiener Neustadt schien mir günstig als der Neustadt-Junge, der ja nach Wien wollte, mit seinem Chef in unserer Kaserne weilte. Ich ging sofort zum „Bittraport“:“ Ich hab´ solche Troubles mit meinem Vater, könnt ich nicht zurück nach Neustadt?“ Lässiger Konter des Kommandanten: “ Brauchs´t net z´haus geh, schiabst hoit Dienst jedes Wochenende.“ Mit mir nicht: „Der andere Kamerad möchte aber nach Wien, seine Mutter soll so schwer krank sein.“ „Nau guat, mocht´s an Test, zehn Minuten Schreibmaschinenabschrift. “Ich schrieb maximal drei Sätze. Mit zehn Fehlern.

Spieß:“ Se san da bessere.“ Mein Kamerad muss grenzdebil gewesen sein.

Die kranke Mutter überzeugte schließlich und ich bekam eine Liste wo ich mich überall zu verabschieden hatte. Unglaublich, einen halben Tag kostete mich die Bundesheerbürokratie. Selbst beim Stabsarzt musste ich mich abmelden, der meinte: „ Nach Wiener Neustadt wollen sie zurück? Haben sie einen psychischen Schaden?“

Kurz vor Dienstschluss rückte ich in Wiener Neustadt ein. „Melde mich zum Dienst!“ „Aha,…nehman´s ina irgend a Zimma.“ Die Flugfeldkaserne, eigentlich eine große Villa, stand fast leer. Mein Freund Walter und ich entschieden uns für ein geräumiges Zehnbettzimmer, zu Hause hatte ich kein eigens Zimmer, die erste Lebenssituationsverbesserung. Dienstzugeteilt wurde ich Vizeleutnant M., einer Südtiroler Luis Trenkerkopie mit „Bergbauernschmäh“. Der Typ war sagenhaft. Weiße kurze Haare, sonnengegerbtes Gesicht. Die Telefonistin der Kaserne unterbrach aus Eifersucht die Gespräche mit seiner Frau. Ziemlich ausgefuchst der Bursche. Um ein Uhr Mittag unterbrach ich seine Mittagssiesta mit dem üblichen „Melde mich zum Dienst“. Verschlafen, aber im Befehlston kam zurück: „Kaf ma wos o!“ Er hatte seine zahlreichen Schätze auf einer Militärdecke ausgebreitet. Ich „kafte“ im eine Feldflasche aus dem zweiten Weltkrieg (die heute noch in Verwendung ist) und einen topmodernen Rollkragenpullover, Schlappkragenversion ab. Die Feldflasche ein gute Geschäft, der Rollkragen kehrte jedoch nach Pflege in seine ursprüngliche Form zurück. Der „Saubauch“ hatte ihn vermutlich ein Jahr getragen und dann verscherbelt. Doch dem Luis konnte man nicht böse sein, zumal er andere Unteroffiziere die mir etwas befehlen wollten, zur Sau machte.

Er drehte sich grundsätzlich nach den Verkaufsverhandlungen noch einmal um und schlief bis zwei Uhr. Als eine Fallschirmtaschenanlieferung erfolgte, war er aber sofort hellwach, im nicht erst gemeinten Befehlston: „Zählen, wenn´s mehr sind bei mir abliefern!“ Einhundert Stück laut Lieferschein, echt einhundertzwei. Meine Tasche brachte ich sofort in Sicherheit und meldete ein Stück zu viel. „So ane wollt´i scho immer,

schad´das für dich keine dabei ist.“

So freuten wir uns beide. Reisetasche und Feldflasche sind Unikate, unzerstörbar und in Verwendung.

Nächsten Tag war seine Freude etwas getrübt, er erschien mit einer Riesenbeule am Hirn: „Stell dir vor, ich kauf mir einen Liter Milch (damals in Glasflasche), trink während der Autofahrt und stell´s da auf´n Boden. Der Arsch vor mir bremst, ich greif auf die Flasche, Satzaussage Auto hin.“ Er beobachtet genau meine Mundwinkel. Endlich der Befehl: „Nau, loch scho!“

Er nahm es ziemlich locker, war vermutlich kein Armer. Frühstückspension im Grödnertal, oder so.

Hauptberuflich war ich Hüter des Fallschirmmagazines. Ich entwirrte

Fallschirmleinen und übte mit den Sprunginstrumenten „Luftanhalten“.

Übung macht den Meister, nach einiger Zeit zeigte die Stoppuhr zwei Minuten, wobei ich allerdings mit blauem Gesicht „Purzelbäume“ über die Fallschirme schlug.

Für nächsten Tag war ein „Skivan“, eine mittlere Transportmaschine angekündigt. Die konnte die ganze Mannschaft aufnehmen, dazu benötigten sie allerdings einen Fahrer, der die benutzten Fallschirme einsammelte und die neuen übergab. Ein uralter orangefarbener Opel, den man mit dem Zigarettenanzünder startete war das Fahrzeug. Da ich nach dem Militär den Führerschein machen wollte, kam mir das sehr gelegen. Trotzdem erwähnte ich keinen Führerschein zu besitzen. „Wurscht, des is Privatgrund, Zigarettenanzünder drehen, starten, Erste, Zweite, Dritte, kann ein jeder Trottel.

Die Skyvan schraubte sich in den Himmel, es wurden Windmessstreifen abgeworfen, ein Metallstab mit bunter Papierfahne. Ich dachte schade um die Streifen und startete den Boliden. Ich legte das Ding auf den Rücksitz, das war dem Oldtimer zu viel, der Motor starb ab. Leichte Panik, erfolglose Startversuche. Die Fallschirmspringer schwebten zu Boden, ebenso der Transporter. Auf dem Flugfeld veranstaltete die Mannschaft einen „Veitstanz“. Die gelandete Skyvan verbrauchte in der Minute Sprit wie fünfzehn Chevrolets. Als ich freundlich zurück winkte, fasste sich einer ein Herz und sprintete einen halben Kilometer zu meinem Fahrzeug. „Gaspedal durchtreten und starten! Das hat Folgen!“

Schuldbewusst erklärte ich ihm:“ Ich hab´s ja gesagt, ich habe keinen Führerschein.“

Nachschulung. Jeden Abend, nach Dienstschluss zog ein oranger Opel im Raylleytempo am Flugfeld seine Runden.

Das Bundesheerleben in Wiener Neustadt war relativ abwechslungsreich, keine Tristesse wie in Wien. Neue Erlebnisse waren an der Tagesordnung. Als unsere späteren Militärweltmeister mit dem Hoover abheben wollten, fragte ich kurz an, ob ich mitfliegen dürfe. Der Eine: „Nein, ist verboten.“ Der Andere: “Hupf eine!“ Der achthundert Meter Absprung der Beiden ließ mich etwas ratlos zurück. „ Wärs´t jetzt gesprungen oder nicht?“ Eigentlich egal, die Kameraden hinter dir, treten dich sowieso hinaus. Die zwei Unteroffiziere sprangen natürlich manuell (keine automatische Reißleine, sie ziehen die Reißleine händisch), Relativspringen mit Figuren etc. Auf die Frage, warum heißt das eigentlich Relativspringen, Antwort: „ Weil da relativ viel passieren kann, ha.“

Es gibt aber auch Relativhelicopterfliegen. Der eine Pilot meinte: „Mach die Türe zu.“ Der andere flog eine Rechtskurve. Ich um ein Haar aus dem Helicopter. Ich konnte mich gerade noch an der Türe abstützen und genoss den Ausblick auf einen sehr kleinen Flugplatz. Hätte es mich da rausg´haut meine Mutter hätte mich im Sandküberl identifizieren müssen.

Die Piloten perlweiß unter ihrem Helmen: „Hinsetzen, Hinsetzen!“ Das hätte das Ende ihrer Karriere bedeutet, meiner sowieso.

Aber sie entschuldigten sich bei mir.

Abwechslung garantiert. Ich hatte einen Wochenenddienst ausgefaßt. Herrliches Sprungwetter, unsere Vaterlandsbeschützer trainierten, im auf Bundesheergrund gelegen Aero-Club. Im Dienst auf Staatskosten hüpfen, am Wochenende im Club. Das ist Dienstauffassung. Ich hatte Jacke, Stiefel, etc. ausgezogen und beobachtete interessiert den Flugbetrieb. Überfallartig kletterten plötzlich einige Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute über unseren Zaun. „Hier ist ein Flugzeug abgestürzt!“ Ich entgegnete: „Na, geh´ns.“ Als aber kurz darauf unser Oberstabswachtmeister auftauchte, mich kurz abmahnte, “Wos is des für a Adjustierung!“ – aber offensichtlich andere Sorgen hatte, bestiegen wir die Einsatzfahrzeuge und rauschten zum imaginären Flugzeug.

Unglaublich, da lag sie, auf dem „Rücken“ wie eine entgleiste Schildkröte. Der Pilot hatte zu spät aufgesetzt, (am größten Naturflughafen Europas), und war über den Schützengraben am Ende des Flugfeldes gefahren. Da er keine gröberen Verletzungen aufwies, konnte ich ein mitleidiges Lächeln nicht verbergen. Allerdings wurde mir bewusst, dass ich noch immer keine Stiefel anhatte. Jeder gab dem Anderen die Schuld und ich verdrückte mich unauffällig, adjustierte mich nach Heeresvorschrift und legte mir einen „is eh nix passiert“, Gesichtsausdruck zu.

Nachdem die ganze Meute wieder abgezogen war, kehrte wieder der einsame Dienstalltag ein. Ich borgte mir von einem Tiroler Korporalskameraden seine Parka aus, ohne Hemd ohne Mütze, ließ ich die Kaserne im Stich und ging einkaufen. Ich verspeiste meine Wurstsemmeln und sinnierte über die weiteren Aktivitäten. Da die Universalschlüssel sicherheitshalber unter der Türmatte verwahrt wurden, durchstöberte ich die ganze Kaserne. In der Unterkunft unseres Hauptmannes probierte ich sein rotes, polnisches Fallschirmjägerbarret und widmete mich seinen Playboymagazinen. Zu fortgeschrittener Stunde kontrollierte ich mit seinem Zeiss-Fernglas, ob sich irgendwo ein OVT (Offizier vom Tag), blicken ließ. Diese Arschlöcher saufen sich zuerst im Kasino einen an, schikanieren dann die Fahrbereitschaft und anschließend die Wehrmänner. Tatsächlich kam der Depp im riesigen LKW angefahren. Ich lief in meine Stellung sperrte alles ab und ließ ihn erst einmal zehn Minuten klingeln. Wir hatten ja aus Personalmangel nur einen Journaldienst mit eigener Dienstanweisung. Z.b. Essen, Trinken, der Gebrauch von Genussmittel (Rauchen) erlaubt, Alkohol verboten. Nach der Aufheizphase ließ ich ihn herein, machte zackig Meldung und verwies auf die Dienstvorschrift. Er nuschelte: „Essen, Rauchen Saufen, ollas erlaubt?! Do geh i!“ Richtig lesen wäre auch erlaubt gewesen.

Selbstverständlich fuhren unsere Vaterlandverteidiger auch auf Staatskosten zu den Militärfallschirmweltmeisterschaften. Nach Szolnok, Ungarn, gut sie wurden Weltmeister, hatten sie doch beste Trainingsbedingungen. Natürlich waren sie auch im Feiern Weltmeister. Ein mir völlig unbekannter Reservistenspringer, namens Udo Proksch (der Luconaversenker) schmiss die Party. Lachs, Kaviar, Champagner, der gerissene Typ wusste wie man sich beliebt macht. Nach kurzer Zeit waren die meisten durch übermäßigen Dimple-Whiskygenuß außer Gefecht gesetzt. Wir beschlossen mitzufeiern und klauten einige Demel Torten, auch eigens gestylte Szolnok WM Zigaretten, zur Erinnerung. Einige Jahre Später, mangels eigener Tschik zu Hause, musste ich sie leider meucheln. Man kann über den Udo sagen was man will, ein spendables, angeberisches Arschloch war er schon.

Der Sommer heizte Wiener Neustadt, oft der Hitzepol Österreichs, ganz schön ein. Die Verlautbarung, dass wir am Neufeldersee einen Stützpunkt unterhielten kam mir gerade recht. Der Seedienst schloss ein Wochenende mit ein, keiner wollte, ich schon. Erhöhtes Tagegeld, ich beschloss Urlaub zu machen. Freitagabend kutschierte mich unser Hauptmann mit seinem privat PKW(!) an den Neufeldersee. Zu Urlaubsbeginn durfte ich gleich einmal zwei Taucherpressluftflaschen schleppen. Doch der Stützpunkt, eine Kleine nur durch einen Steg erreichbare Insel, war privilegiert.

Unser Überlebenskampf ausgebildeter Jagdkommando- Hauptmann erteilte mir den Befehl, ein Stück „Maschendrahtzaun“ zu requirieren. In der Zwischenzeit fing er am seichten Kiesstrand kleine Krebse. Lebend auf dem Maschendrahtzaun, über dem Holzkohlelagerfeuer wurden sie rot vor Zorn. Die Einladung zum Menü konnte ich nicht abschlagen, Gott sei Dank nur ein Fingernagel Krebsfleisch durch eine besondere „Technik“ ausgelöst. Viel Zitrone. Gott sei Dank schon vorher gegessen. Als „Nachspeise“ soff er eine Flasche Whisky,

voll auf harter Jagdkommandosoldat. Kann ich heute auch, leider weiß ich wie blöd man danach aussieht.

Nächster Tag, Samstag, immens heiß, die Liegeflächen für normal Sterbliche doppelt besetzt. Am Wochenende zu zweit, mein Freund Walter und ich hatten die Aufgabe unsere Insel, besetzt durch einige Unteroffiziere, zu verteidigen. Jeder wurde beinhart ins „Meer“ zurückgeworfen. Als sich ein Schlauchboot mit drei ca. siebzehnjährigen Mädchen näherte, dachte ich kurz über Befehlsverweigerung nach. Ich beschloss einen jungen Unteroffizier um Rat zu fragen: „ Da sind Drei, die möchten zu uns auf die Insel, wir haben doch genug Platz.“ „Nix!“ Nach kurzer Kopfdrehung, sprang er auf und geleitete die Damen auf „unsere“ Insel.

Wie das Leben immer gleich spielt, war die „Netteste“ auch die mir „Zutraulichste“.

Sie beschlossen ihre Eltern zu fragen, ob sie am Abend mit uns etwas „unternehmen“ dürften. Knapp bevor wir Ihren Wohnwagen erreichten, kam uns ein älterer, Gutgebauter Herr entgegen, knallte ihr eine: „Und Marsch!“

Vermutlich ihr Vater. Präsenzdiener hatten hier augenscheinlich kein gutes Ansehen.

Den Rest der Woche, jeden Tag ein Schnitzel mit Kartoffelsalat, dank erhöhtem Sold, Sonne liegen, Nichtstun. Eigentlich sollte ich, unter anderem, unsere Rettungszillen bewachen. War mir aber zu blöd, die Kinder rissen die Verankerungskette ab und die Zille trieb beschaulich am See. Also, diese Rockerbanden in der Nacht!

Nachdem ich sämtliche Unteroffiziere beim Weittauchen deklassiert hatte, außer einem Hauptmann Dvorak, der den Weltrekord im Eistieftauchen innehatte, beschloss ich mir die Pressluftflaschen näher zu betrachten. Nach kurzer Landerprobung, überlegte ich: „Alleine da unten? Bist du sicher, dass du wieder raufkomms´t?“ Nau guat, dann net. Ich ließ es mir lieber weiter gut gehen, Urlaub eben.

Sonntag in Wien, braungebrannt, studierte ich in der Gratiskrone die Meldung – Zwei Tote bei Badeunfällen am Neufeldersee! Montag erstattete ich Meldung: „Keine besonderen Vorkommnisse.“

Der Jagdkommandogrundkurs rückte bei uns ein. Ziemlich geschlaucht die Burschen, nach achtzehn Wochen Ausbildung. Als Zuckerl, die letzten vierzehn Tage – Fallschirmsprungausbildung. Die Boys betrachteten uns als ein Teil des Kaderpersonals respektvoll. Als ich einem Teilnehmer, einen im Waschraum vergessenen Goldsiegelring zurückbrachte, verehrten sie mich. Einen echt antiken Nassrasierer behielt ich, bin ja nicht ihr Kindermädchen. Am Übungssprungturm ließ sich erkennen, wer ein tapferer Soldat war. Anschließend Fallschirmpacken für den ersten Absprung. Ich beobachtete einen besonders „Tapferen“. Alle übrigen hielten die Packschritte ein, ließen es sich auf dem Packschein bestätigen. Jener Held machte ein paar „Kraxen“ auf seinen Packschein, rollte den Schirm ohne Leinen zu entwirren einfach ein und stopfte ihn in die Fallschirmtasche. Ich meinte zu ihm: “Bist sicher das der aufgeht?“ „Die Reißleine zieht ihn e´raus.“

So long, Ranger. Der Schirm ging tatsächlich auf. Aber es war interessant zu beobachten.

Die nächsten Tage erfuhr ich einiges bezüglich der Werte von Heeresvorschriften. Ein Sprungschüler war kurzsichtig, jedoch mit Kontaktlinsen. Der Heeresarzt: „Absolutes Sprungverbot!“

Nächsten Tag liefen die Telefone heiß, plus unser Kommandant. Ein General, Minister etc., nach dem anderen rief an. Der „Spieß“ salutierte sogar am Telefon. Fazit – gegen Revers durfte das Protektionskind hüpfen.

Wenn die ganze „Schleiferei“ umsonst gewesen wäre, ich wäre mit allen seinen nachfolgenden Taten einverstanden gewesen. Stabsarzt umbringen, Kasernen sprengen etc.

Ein ganz schlauer Unteroffizier hatte die Idee, das Sprungübungsgelände neu einzuzäunen. Wozu hat man schließlich junge, kräftige Männer, die Betonsteher zuerst ausgraben, dann mit einem Stahlseil und LKW rausreißen können. Mir war von Anfang nicht wohl bei diesem Unternehmen. Wir hatten den zwanzigsten Betonsteher ausgegraben, befestigten das Stahlseil und gaben das Kommando.

Der GMC riss an und das Seil ab. Es zischte einen Meter neben meinem Kopf vorbei und schlug in die Plane des LKW´s ein, zerschnitt Holzaufbau und Metallteile wie Papier. Das Unternehmen wurde sofort abgebrochen und natürlich vertuscht. Wir durften zurück in die Kaserne, zur Beruhigung der Nerven. Ich betrachtete eingehend meinen Kopf im Spiegel.

Das Jagdkommando zog ab, Sportler kamen und gingen. Eine Leichtathletikstaffel aus Ghana lief grundsätzlich nur nackt in der Kaserne herum. Vermutlich waren sie es von zu Hause gewöhnt, oder sie wollten mit ihren Negerschwänzen „einedrahn“. Sie hatten die Rechnung ohne unseren Wachtmeister gemacht. Der hatte nämlich echt ein Riesengerät. Jedes Mal wenn sich die Schwarzen im Waschraum aufhielten, kam auch er angetrabt, hellweiß, nackt, das Handtuch lässig über die Schulter.

Ich glaub ich bin ein leichter Rassist.

Die Nächsten zur Grundausbildung rückten ein. Einige eingeschüchtert, andere überheblich. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Irgendwie freuten wir uns, dass ihnen in Kürze „der Oasch aufgriß´n wird“. Doch vor einigen Tagen war ein Grundwehrdiener (Wandel) in der Lobau zu Tode geschliffen worden. Offiziell Herzinfarkt. Mit achtzehn. (Das war der Auslöser der Diagnosestraßen, erspart so Manchen Rekruten bis heute einiges.) Unsere Kommandanten lasen kopfschüttelnd, Rundschreiben. Der erste Tag verlief mit Belehrungen, nächster Tag Morgensport – Gehen(!). Das Sturmgewehr fassten sie nach zehn Tagen aus. Wir staunten und konnten es nicht fassen. Vermutlich stand es um die allgemeine Wehrpflicht zu dieser Zeit nicht zum Besten. Als wir ihnen erzählten, was wir durchgemacht hatten meinten sie: „Geh, geh, des Bundesheer is a Obezahrerverein des was eh a jeder.“ Das war zu viel. Wir stutzen sie ordentlich zurecht, anschließend wurden wir von den Offizieren zurechtgestutzt. Dieser Jahrgang hatte Narrenfreiheit, ich eine ordentliche Ausbildung. Wo bleibt der Feind?

Nach vier Wochen das erste Scharfschießen der Youngsters. Die MGs wurden Gott sei Dank eingezogen, die Burschen erschossen sich ja mit dem Sturmgewehr fast selbst. Trefferquote : Zehn. (Dioptrien) Aber immer schön die „Goschn“ offen. Nach der Anstrengung natürlich ausgiebige Pause bis zum Nachtschießen. Zwei Wehrmänner bekamen den Auftrag vor der Zielscheibe Benzin auszugießen. Einer der Deppen stolperte und tränkte sich selbst mit Benzin. Am liebsten hätte ich eine Zigarette auf ihm entsorgt. Das geringe Benzin erhellte die Scheiben nur dürftig, egal sie trafen sowieso nicht. Uns wurde das ganze langsam zu blöd. Mein Funkgerätpartner Korporal Hans G., ein Superkerl, wieder ein Tiroler, sang mir einige urige Volksweisen ins Ohr, worauf ein Offizier meinte: „Draht´s des Radio o.“ Hans saß im Bunker direkt unter den Zielscheiben, gab Treffer, oder auch nicht durch und klebte die Zielscheiben auf neuwertig. Ich: „Hansi, sag´ eine Zahl.“ „Acht.“ Ich: „Danke, steht schon da.“

Wir einigten uns, dass er seine Lottozahlen durchgab, in einer Stunde war der Spuk erledigt und alle zufrieden. Unsere Dioptrienheinis wurden sehr gelobt.

Nach sechs Wochen wurden sie nach Wien verlegt und erzählten jedem der es nicht hören wollte, sie hätten eine Jagdkommandoausbildung absolviert. Unsere Unteroffiziere besannen sich, dass sie uns weiter schikanieren sollten und setzen, Ende Oktober, eine viertägige Übung in Allensteig durch. Übungsannahme: Jagdkommandoüberfall auf ein Waldviertler Dorf. Real nachträglich gesehen, eine Wiedersehensfeier alter Jagdkommandokumpels, mit lustigen Saufeinlagen.

Wir duften sogar unsere Tarnanzüge anziehen, doch kurz vor Abmarsch, fühlte ich mich immer seltsamer. Ich borgte mir einen Fieberthermometer, über achtunddreißig Grad Fieber! Glaubt dir eh keiner, also rauf auf den LKW. Der kalte Oktoberwind pfiff durch die GMC-Plane und ich kam mit dem Zähneklappern nicht nach.

Das Dorf bestand aus zwei Häusern und einem Stall, Einwohner die „Wiener Elitesoldaten“. Temperatur um den Gefrierpunkt, mir ging es immer schlechter, doch zum aufwärmen sofort ein Erkundungsmarsch. Mir rann der salzige Schweiß in Strömen übers Gesicht, Orientierung gleich null. Natürlich fanden wir das Jagdkommandolager nicht, unser „Führer“ war ja selbst einer der „Feinde“.

Abends Quartier beziehen im aufgelassenen Kuhstall, Abendessen zwei Heeresschmalzbrote und Tee. Da meine Kehle ziemlich ausgetrocknet war beschloss ich im Feldgeschirr etwas Tee für die Nacht aufzubewahren. Aber sofort Sicherungsdienst bis zwei Uhr Nachts. Ich erhielt ein Walky-Talky. „Ihr Kennwort ist Sperling, meines in der warmen Stube, - Adler.“ Na, logisch. Als ich in die finstere Nacht hinaus wankte gab mir einer der „Elitesoldaten“ den Tipp:“ Die kommen durch den Schornstein, paß auf!“ Fiebrig meinte ich: „Gusch.“

Ich kauerte mich ein eine nasse Wiesenmulde und viertelstündlich meldete ich: „Adler an Sperling, falsch, Sperling an Adler, keine besonderen Vorkommnisse.“ Um zwei krächzte ich das letzte Mal: „Khhana do.“ Endlich Ablösung. Im Kuhstall setze ich mich auf meine Weltkriegsmatratze, schnäuzte mich ordentlich und hüllte mich in meine Decke. Ein Schluck Tee wäre auch noch angebracht. Leider musste ich feststellen, dass ich mein Papiertaschentuch im Feldgeschirr entsorgt hatte.

Phh. Raus damit! Saufen. Wurscht. Gute Nacht.

Sinnlos herumkoffern.

Am vierten Tag Abmarsch zum zwanzig Kilometer entfernten Sammelplatz, mit Großrucksack. Wir marschierten eine Waldlichtung entlang, die Sonne ging auf und der Raureif funkelte im Waldviertel. Ich hatte das Fieber im rauem Waldviertler Klima rausgeschwitzt und war wieder topfit. Bei der Übersetzung des Kamps zog mich der schwere Rucksack dermaßen zurück, dass ich um ein Haar in den Fluss gestürzt wäre. Ein Kamerad absolvierte dieses Kunststück. So leicht kann man krank werden.

Die letzten Kilometer, die LKWs glänzten in der Sonne und ich fühlte mich wie Gott Sohn. Man sieht, auch mit kleinen Sachen, kann man Arbeiterkindern Freude machen.

Ein kleiner Ausflug in die Wiener Neustädter Innenstadt kann fatale Folgen haben.

Drei neue Kameraden und meine Wenigkeit beschlossen uns einige Biere in der City zu genehmigen. Einer hatte einen akzeptablen großen Volvo, der uns zum Bierkeller beförderte. Nach zwei Bieren, damals mehr als genug, sahen wir ein – es is nix los. Durch die übermächtige Bundesheerpräsenz wurden die Mädchen nach zwanzig Uhr wahrscheinlich eingekerkert. Andreas G. (Andy) und ich wollten mangels anderer Möglichkeiten zurück in die heimatliche Kaserne. Die Anderen phantasierten im Bierfieber vom großen „Aufriss“. Also zu Fuß, ca. sechs Kilometer retour. Auf halber Strecke erblickten wir den wunderschönen Volvo vor einem Lokal, Andys Schlussfolgerung: „Die Schweine wollten uns nicht mitnehmen!“ Er gab dem Rückspiegel einen leichten „Klaps“, worauf dieser etwas fad nach unten hing. Ich wollte ihn wieder befestigen, als ich im scharfen Ton vernahm: „Jetzt hom´ma de G`fraster endlich, de wos de Autos beschädigen!“ Ein Polizist hatte mich am Arm gepackt, Andy meinte: „Seid´s depat?“ Ab in den Streifenwagen. Andy, Matura nicht geschafft (die er später nachholte), war sofort ein rotes Tuch für die Beamten. O-Ton: „Wenn ich so an Sohn hätte…..“ „Gott sei Dank sind sie nicht mein Vater!“ Sie forderten das Überfallskommando mit Schutzweste, MP, Stahlhelm an. Die schneidigen Burschen fragten uns erstaunt: „Seid´s scho nach Waffen durchsucht worden?“

Andy die Lage verkennend: „Die Pump Gun haben wir schon abgegeben.“ Am Kommissariat eskalierte die Situation. Ich versuchte zu beruhigen, wurde aber aus dem Zimmer gewiesen. Am Gang verfolgte ich das Gespräch, Tendenz, Lautstärke steigend. Auf einmal ging die Türe auf, Andy wurde in Handschellen in die Arrestzelle geschleift. Das zweite Bier zeigte bei mir Wirkung: “Ohne meinen Freund geh´ich nicht, es Arschlöcher!“ Ein Beamter kam freundlich auf mich zu und haute mir eine in den Magen und schmiss mich aus dem Kommissariat. „Morgen bist froh darüber!“

Ich trat gegen die Türe, aber langsam dämmerte es mir, dass er Recht hatte. Am nächsten Morgen, Standeskontrolle: “Wehrmann G., leider eingesperrt.“ Sein Vizeleutnant wurde blass, ließ aber anschließend seine Beziehungen zur Polizei spielen. Zu Mittag erblickte Andy wieder ungesiebte Luft. Aber das dicke Ende kam noch.

Mitte März erhielt ich einen Rsa-Brief, nächste Woche Gerichtverhandlung in Neustadt. Vor dem Verhandlungssaal trafen sich alle Beteiligten. Der Volvo-Besitzer erklärte uns, dass der Rückspiegel ziemlich angerostet gewesen war, wir überreichten, als Zeichen unseres Guten Willens zweihundert (damals noch) Schillinge (komisches Wort).

Verhandlungseröffnung, ein junger, behinderter Richter eröffnete: „Andreas G., Maturabrecher, ……., Enrico K., arbeitslos…. (ich wechselte gerade von der Länderbank zu Siemens), das fing ja gut an. Als sich wieder ein Diskurs zwischen dem verhärmten Polizeistaatsdiener und uns anzubahnen drohte, machte er im letzten Satz uns den Gefallen, den Volvo als weinrot zu beschreiben. Ich zeigte bescheiden auf: „ Der Volvo ist bitte hellblau.“

Abbruch der Verhandlung, sofort Lokalaugenschein vor dem Gerichtsgebäude. „Unser“ Richter“ zum „Sheriff“: Das Auto ist hellblau! Sind sie farbenblind?“

Zurück in den Verhandlungssaal. Der Richter zwinkerte uns zu: “Im Zweifel für den Angeklagten, Akte geschlossen.“ Da die Polizeigewalt in Zivil erschienen war, durfte er sich einige Schmähungen unsererseits erfreuen. Wir beschlossen, in der Gaststätte von Andys Eltern, in Wien, zu feiern, wo ich ihn ansprach: „Wozu Matura, das Gasthaus gehört doch bald dir?“ Er meinte man kann nie wissen.

Vor ungefähr einem Monat dachte ich mir: „Schau einmal wie dem Andy geht, besuch ihn in seinem „Restaurant“.“

Anstelle des Gasthauses befindet sich ein Wettbüro. Man kann nie wissen.

Zurück. Neue Lage – nur noch sieben Tage. Ein letzter Leistungstest sollte uns veranschaulichen – mit Militärsport rüstest du fit und gestählt, ins Zivilleben ab. Neue Anordnung vom Oberkommando: Auch Unteroffiziere plus Offiziere müssen sich testen lassen. Wir freuten uns tierisch es den „Alten Säcken“ zu zeigen. Doch ich entschied mich anders. Der Sinn und Zweck des Ganzen ist ja, du kommst als sabbernder Lappen rein und gehst wie Batmann raus. (Es wurde uns beim ersten Test sogar geraten:“ Gebt´s eich net zuvül aus, nocha kummt a Marsch. Mit mir nicht. Lauftest. Ich „wanderte“ gemütlich dahin, war trotzdem noch schneller als unser „blader“ (Andys), Wirtschaftsvizeleutnant.

Vorletzter. Bei den Klimmzügen „befahl“ ich meinem Südtiroler Vize: “Bitte raufheben!“ Ich zog mich dreimal hoch, so schnell, dass er optisch es vermutlich nicht wahrnehmen konnte. Anschließend ließ ich mich runter fallen: „Kann nimmer!“ Vize: „Wenn i gwußt hät´, dass du so schwoch bist hätt´ i da jeden Tog ane in die Gosch´n ghaut."

3

Mit Luis Trenker grinsen. „Mi kennan jo sowiso am Oascha leckan.“

Klappmessertest. Meine Füße hält Oberstabswachtmeister W., der Beste seines Jagdkommandokurses, die Härte in Person. Ich konnte nicht anders. Ich absolvierte genau die doppelte Anzahl wie er. Langsam ging den meisten ein Lichtlein auf: Eigentlich hätte ich schon Major, oder so was sein müssen.

Vor einer Woche war Nationalfeiertag (Jetztzeit),

ich erkläre einem Jagdkommandosoldaten, dass ich das,

bis heute in Verwendung befindliche Sturmgewehr 77,

bereits neunzehnhundertvierundsiebzig in der Hand hatte, zur Fallschirmsprungerprobung. Er ist auch schon älter, kennt aber niemanden mehr aus meiner Zeit, aber er ist beeindruckt.

Letztes Wochenende in Wien, Schwermetalldisco geplant, wegen Renovierung geschlossen, ich zu spät, meine Freunde weg. Am Ende der Mariahilferstraße setze ich mich auf die Steinstufen und sinniere, wohin sich die Bande abgesetzt hat. Ein junges Pärchen spricht mich an. Zuerst dachte ich an die Zeugen Jehova, doch sie lebten in einer katholischen Wohnkommune. Zwei echt Nette. Wir sprachen über Gott und die Welt und wieder Gott bis spät in die Nacht. Ich hatte sogar meine Freunde vergessen. Das lag vermutlich an dem Mädchen Maria B. aus Wulkaprodersdorf im Burgenland. Aus dieser Ortschaft stammt mein Vater und ich überlegte ob ich vielleicht mit ihr verwandt sein könnte. Kurz, ich bildete mir ein, sie stand auf mich. Geht mir bis jetzt so.

Montag sechs Uhr zurück in die Kaserne. Oder doch nicht? Ein „Kollege“ wollte mich mitnehmen, am Treffpunkt keine Sau zu sehen. Also zur Schnellbahn, mit drei Stunden Verspätung rückte ich ein: „Drei Tog vor´m obrüsten glaubt´s es kennt eich ollas erlauben. Drei Tog Dienst! Abtreten!“

Ich konnte, ich kaufte drei Flaschen Wermut (Martini war finanziell nicht drin) und beschloss jeden Tag eine zu saufen. Am letzten Tag grauste mir schon dermaßen, dass nur mit übermenschlicher Anstrengung den Fusel bezwang. Frank Sinatra soff eine Flasche vermutlich zum Frühstück.

Ich persönlich verlor meine Generalschlüssel, Mütze etc. Ein letzter Brüller durch die Kaserne: „Neue Lage, es Oaschlecha, null Tage!“

Die letzten vierzehn Tage waren als Urlaub deklariert, leider ohne Urlaubsgeld. Ich beschloss trotzdem zu meinem Mädchen nach Donauwörth, in Deutschland zu fahren. Ich packte sofort meine gestohlene Fallschirmreisetasche, füllte meine gestohlenen Urlaubscheine aus (von Wien bis Salzburg, mit Aero-Clubstempel) und emigrierte auf den Westbahnhof. Salzburg, Augsburg, umsteigen Richtung Donauwörth. Der Ex-Vaterlandsverteidiger wurde natürlich gebührend empfangen, die Phantomjets durchbrachen die Schallmauer, wie gehabt. Roswitha schaute mich jedoch des Öfteren prüfend an. Am Abend zog sie mich geheimnisvoll in ihr Zimmer und eröffnete mir, sie habe sich mit ihrer Mutter geeinigt und nehme jetzt die Pille.

Rückblickend muss ich sagen, ein tolles Mädchen und eigentlich die einzige Frau die ich wirklich geliebt habe. Normalerweise ist der erste Mann unvergesslich, ich bin eben anders. Roswitha war anders.

Vor der TV-Glotze wartete ich eigentlich nur auf den Einbruch der Dunkelheit. Rosi und ich gähnten kurz und erklärten, dass wir ziemlich müde waren. Schwiegerpapa meinte: “Jetzt schon?“ Schwiegermama lächelte milde.

Kinderzimmertüre zu, Schlüssel umgedreht, im Rekordtempo. Wir waren ja schon öfters im gemeinsam im Bett, aber jetzt wurde es ernst. Ich ging so behutsam wie möglich vor, nach ca. einer Stunde reichte es mir aber. In mir erwachte der Stier aus Austria: „Jetzt komm´st dran, Mädel.“ Ich glaubte mir reißt es die Schädeldecke ab und war von der Prozedur sofort begeistert. Drei Minuten Pause, dann ging´s weiter. Ziemlich lange. Nicht einmal beim Militär schlief ich so gut.

Da ich ein relativer Spätzünder war, hatte ich einiges aufzuholen. Kaum war es dunkel, erklärte ich ihr, dass sie eigentlich müde sein müsste. Nach dem vierten Tag wollte sie w.o., geben, ich meinte: „Nau guat dann net, ma draht sie um und geht.“ Fünf Minuten später war sie gestellt.

Komischerweise entwickelt sich nach zu intensivem Kontakt ein gewisses Fluchtverhalten, besonders als mich die Schwiegermutter in Gebet nahm: „Alle wissen das ihr jetzt ein Paar seid, jetzt müsst´s schon zusammen bleiben!“

Bei mir schrillten die Alarmglocken. Wer weiß was ohne diesen unnötigen Satz geworden wäre. Ich erinnerte mich an die Einwände von Freunden, sie trug harte Kontaktlinsen, hohe Dioptriezahl, eher klein. Soll mein Sohn später, klein, mit Brillen wie Schnapsstamperln durch Leben gehen? .

Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich nicht solche Scheiß-Gedanken gehabt hätte? Wäre ich heute ein deutscher Großindustrieller mit einer kleinen, kurzsichtigen aber hübschen Tochter? Vielleicht wäre ich bei der RAF, oder als Spion in der DDR gelandet. Vermutlich wäre ich ausgewiesen worden.

Aber diese Rückzuggedanken waren jetzt im Kopf. Ich beschloss, in Wien darüber nachzudenken.

Am Bahnhof flossen die Tränen und Roswitha winkte mir lange mit großen Herzen in den Augen nach. Was tun?

Um mich abzulenken, beschloss ich den Führerschein zu machen. (A plus B) Außerdem hatte ich es satt, im Kofferraum meiner Freunde mitzufahren, die Mädels saßen nämlich im Fond.

Ich entschied mich für einen vierzehn Tage Kurs und dachte bald Besitzer des rosa Deckels zu sein. Ich absolvierte sechs Fahrstunden, eine auf der Beiwagenmaschine (!) Da ich mit dem Gedanken spielte zu der Siemens AG zu wechseln und es meinem Fahrlehrer erzählte, meinte er ganz aufgeregt: „Das mit der Prüfung mach ma schon, aber bei Siemens gibt es einen Spezialtaschenrechner von Texas Instruments, könnten sie nicht…. „Ja, Ja, mach ich schon.“

Gegen den Willen meiner Fahrschule meldete ich mich zur Prüfung an, (die hatten an mir noch zu wenig verdient) und musste ohne meinen Fahrlehrer zur Prüfung antreten. Anstelle meines gewohnten Fahrzeuges musste ich mit einem alten Opel, mit Lenkradschaltung antreten. „Sie kennan glei zur Rossauerkaserne umefohrn, do kennas üben.“

Den Verkehrsrechtlichen Teil überstand ich durch viel reden, zum Motorrad wurde ich gar nicht gefragt. Bestanden, einfach. Da ich ein technisches Genie bin, oder so ähnlich, dachte ich – gelaufen.

Die Frage: „Sie kommen zu einem Freund, der hat ein Auto schon lange im Schuppen stehen, worauf müssen sie achten?“

Nachträglicher Blick ins Lehrbuch – zwölf ausführliche Punkte, die typische Durchfallerfrage.

Arschlöcher, den Rechner kann er sich aufzeichnen.

Zuhause Postkastl auf – die nächste Hiobsbotschaft – Kirchensteuerbeitrag, ca. 20,- Euro. Ich dachte ein persönliches Gespräch könnte das klären: „Ich komm´ frisch vom Bundesheer, woher soll ich das Geld nehmen?“ Die weibliche Pestsäule: „Da müssen´s eine Einkommensbestätigung bringen.“

Nach Hause, auf die Post – 20,- Euro für die schwulen Pfaffen, mit Taufschein aufs Magistrat, wo ich einem Mädchen mit dem ich aufgewachsen bin (sie war ganz schön aufgewachsen) begegnete - Austritt. Margit, die Magistratsbeamte meinte: “Jetzt können wir aber nicht mehr kirchlich heiraten.“

In der Kirchenbeitragsstelle meinte ich: “So schaut´s aus!“

Der Führerschein, ein Desaster, insgesamt heute es mich zweimal technisch durch, einmal mehr und der Psychiater wäre fällig gewesen.

Im Juni, ein halbes Jahr nach dem vierzehn Tage Kurs, der Durchbruch. Das technische Genie schaffte endlich die technische Prüfung. Sogar Motorrad mit Bravour. Er fragte mich:“ Wo ist die Betriebsbremse bei einem Motorrad?“ Ich wedelte mit der Hand, er klopfte mit dem Fuß auf den Boden. „Die Fußbremse?“ „Richtig – bestanden!“ Endlich praktische Prüfung. Ein netter Junge begann, plötzlich wusste ich, woher ich den freundlichen Prüfer kannte:“ Sind sie nicht Offizier in Wiener Neustadt?“ Das war es, was er hören wollte, er war Berufsoffizier mit Leib und Seele und die Prüfungstermine gingen ihm am Arsch vorbei.

Mein Leidensgenosse war in der Zwischenzeit gegen eine Einbahn gefahren. Als unser Prüfer er es merkte: “Na was machen´s den da.....! Schiebens zurück!“ Ich verwickelte ihn in eine Militärstrategiediskussion. Alle haben bestanden.

Jetzt noch Motorrad als Zugabe. Euphorisch sprang ich auf die Maschine, als ich meinen Beifahrer registrierte.

Das blade, kurzsichtige Arschloch hatte mir am Vortag, im strömenden Regen eine Stunde geben müssen: „I bin eh so verkühlt!“ Als Rache ließ er mich eine Stunde Achter fahren. Bremsen, runter schalten, blinken, lenken, beschleunigen, bremsen…..eine Stunde, ich war einigermaßen schwindlig.

Das Prüfungsauto fuhr vor mir, ich musste es verfolgen. Der Prüfungsdilo fuhr bei grün blinken über die Ampel, ich musste warten.

Um ihn einzuholen zog ich die BMW auf, dass es meinem Beifahrer die Brille auf die Pupille drückte, nächste rechts (Beiwagenkurve), mein Begleiter hob einige Zentimeter ab und sah ganz schön verkühlt aus. Geschafft. Ich parkte mich hinter dem Fahrschulauto ein und wollte mir eben vom Staatsprüfdiener gratulieren lassen, als sich schreiend, der blade Fahrlehrer aus dem Beiwagen wand:“ Der ist gemeingefährlich! Der kaun überhaupt net fohrn!“ Ein anderer Fahrlehrer raunte ihm zu:“ Hoit die Gosch´n, oder soll´n wir dich beim Chef melden?“ Er entschuldigte sich und versprach die Gosch´n zu halten.

Ich traf mich mit Charly, zu meinem Missfallen hatte er einen Freund getroffen. Ernst W. (Ernstl), lange rote Haare, roter Schnauzbart und vollkommen von sich überzeugt. Die Überheblichkeit dieses Burschen ging mir einigermaßen auf den Nerv, doch er spielte es nicht, er war so. (Bis heute einer meiner besten Freunde)

Eigentlich war ihm übel mitgespielt worden, Mutter zeitig verstorben, daraufhin Mittelschulabbruch, dabei konnten ihm die meisten seiner Schulkameraden ihm punkto IQ sicher „ nicht das Wasser reichen“. Zuerst als überheblich eingestuft, merkte ich bald, dass der Typ einiges drauf hatte. Z.b., er war Schlagzeuger in einer Band, die einen Bassisten suchte. So ein Zufall.

Wir inspizierten das Probelokal, eine Wohnung in einem Altbau. Das ganze Haus, plus ein Kinderwagengeschäft gehörte dem Vater unseres Rhytmusgitarristen, Wolfgang der introvertierte Gitarrenzupfer, redete beim ersten Treffen ca. drei Sätze. Doch ich täuschte mich ein zweites Mal. Helmut, Sänger ein sonniges Gemüt. Computerfachmann und Alkoholiker. Doch er soff eigentlich umsonst, man bemerkte es nicht. Herbert, Sologitarre, eine Seele von Mensch. Als Keyboarder wechselten wir einem Depp gegen den anderen aus.

Wir probten wie die Wilden und hatten bald eine nette Sammlung im Angebot. Natürlich auch eine nette Sammlung an „Groupies“. Ernstl schleppte die „Miss Steiermark“ an, guter Körper, aber gelbe Zähne, waren vermutlich im Discolicht nicht aufgefallen. Es war ganz einfach, z.b. Treffen mit Gerhard T., in einem Kaffeehaus in der Ungargasse. An seinem Tisch, zwei hübsche Mädchen. Gerhard führte das große Wort, ich ließ belanglos den Satz, „Ich spiele in einer Band fallen“ fallen, schon war Gerhard Nebensache. „Wenn ihr wollt, könnt´s ja hinkommen.“

Brav und pünktlich (!) warteten sie vor dem Probelokal. Renate, die meinige, hatte große Titten, beim schmusen zitterte sie wie ein Parkinsonpatient und die die Achselhöhlen transpirierten, was mich aber nicht sonderlich störte, war vermutlich ein ziemlich geiles Luder. Oder war es die nackte Angst? Ihr Bruder, war der Klassenkamerad, der zu Volkschulzeiten von einem LKW überrollt wurde. Um die Stimmung nicht zu stören hielt ich es für besser, sie nicht darauf anzusprechen. Egoistisch und mitfühlend zugleich. Da nichts weiterging war sowieso bald Schluss.

Die neue Freundin unseres Schlagzeugers Christine (seine heutige Frau – der Velou ist fast der Einzige der noch verheiratet ist), arbeitete in der damaligen CA-BV. Die hatte einen Jugendclub, wir unseren ersten Auftritt.

Die Burschen flippten ganz schön, vor dem ersten Auftritt. Ernstl war pünktlich direkt vom seinem Nebenjob als Indianer bei den Winnetou Festspielen angereist. Zwar ohne Federschmuck, aber voll in der Indianerschminke. Ein rothaariger Indianer. Man lernt nie aus. Ich stellte meinen Bassverstärker auf und entschied mich für ein Achtel rot beim Wirt´n. Zehn Minuten vor dem Countdown kreuzten einige der zukünftigen Stars auf: „Bist depat, in zehn Minuten fang´ma an!“ „Zehn Minuten, eben.“

Durch den Rauschgiftkonsum stellte sich auch später keine Nervosität ein, der erste Gig ein voller Erfolg.

Es gab ja nur sehr wenige Livebands. Christl meinte noch, der Bass vibriere so schön zwischen den Beinen, was sollte da noch schief gehen?

In der Länderbank AG wurde ich nach dem Bundesheer in eine neue Abteilung versetzt. Eigentlich wollte ich nach dem Militär kündigen. Jetzt auch noch neue Kollegen. Aber was für welche. Die Chefin ca. dreißig, klein, blond, bildhübsch und die Liebenswürdigkeit in Person, die zweite altersmäßig mir ebenbürtig, rothaarig, bildhübsch und keinen Freund.

Es fiel mir nicht leicht, doch ein „Mann muss seinen Weg gehen“. Sieben Monate gearbeitet, davon zwei Monate Urlaub. Ein guter Weg. Die Länderbank wünschte mir viel Erfolg und ich beschloss meinen alten Kumpadre Leo zu besuchen, der schon vor einigen Monaten die Länderbank verlassen. Er besuchte mit unserem Freund Pepsch (Josef) die Abendmaturaschule. Ehrlich gesagt, die beiden wollten nix hackeln. Meine Haare noch eher kurz, Leo`s Haarpracht, schwarz, lang bis zum Arsch. Gemein. Wir planten nach Indien, Nepal zu trampen. Voller Ernst. (Vierzehn Tage vor Abreise hatte ich Zahnschmerzen, dass ich mehr wusste wo vorne und hinten ist. Ich ernährte mich von schmerzstillenden Tabletten und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich sage ab. Zwei Tage nach Abreisetermin erbarmte sich mein Zahnarzt und packte das Übel an der Wurzel. Kann man in Indien an Zahnschmerzen sterben? Lustig wäre es damals sicher nicht gewesen. Doch sogar in meinen Medikamententrip registrierte ich, dass Leo eigentlich andere Ziele verfolgte. Er ließ sich grundsätzlich alle Geschenke in bar ausbezahlen und hatte die stolze Summe von ca. zweitausend Euro gespart, die wollte er in Istanbul in Haschischaktien anlegen.

Leo war wirklich gefahren, in Cannabis investiert, das Zeug im WC versteckt. In Bukarest wurde sein Haschwaggon abgekoppelt.)

Auch bei meinem heutigen Besuch versuchte er mich von den Vorteilen dieser Kinderdroge zu überzeugen, O-Ton-Leo: „Das letzte mal dachte ich, die Gischt einer Meereswelle zu sein, diese Farben, diese Farben...“.

Na gut. Er legte Frank Zappa auf, jeder schnappte sich einen gemütlichen Polster, Leo präparierte eine Marlboro. Lässig inhalierten wir den „Jolly“, mir war eigentlich nur schwindlig bezüglich der Marlboro. Wo ist die Woge? Die folgte prompt. Mir wurde extrem schlecht, mit knapper Mühe rettete ich mich auf´s Häus´l. Ich wusste nicht ob speiben, oder scheißen sollte, ich wechselte pausenlos die Position.

Als mir mein Gesicht fast ins Spülbecken fiel, tropften Schweißperlen in das Wasser. Die Welle! Super.

Aus dem Wohnzimmer meinte mein Guru: „Du musst dich entspannen, entspannen…..“. Dumpf kam es zurück:“ Wenn ich das überleb´, hau ich dir eine aufs Maul.“

Nach zehn Minuten war der Spuk vorüber. Leos logische Erklärung: “Vielleicht hast zuwenig gefrühstückt. Ich mach´ einen Pudding. Die appetitfördernde Wirkung setzte ein und ich verputzte den Pudding noch im Reindl. Leo: „Na geh´, jetzt kann ich noch einen machen. Interessiert schaute ich zu. Der Kerl mischte doch echt Haschstücke in den Pudding. „Für meine Mama, Haselnusspudding. Sie ist dann immer so entspannt, glücklich und sponsert mich ein bisschen.“

Der Exproffesorenhasser ist heute Geografieprofessor an einer bürgerlichen Mittelschule und unterrichtet unsere Kinder.

Er hat sich von seinen alten Freunden komplett zurückgezogen, vermutlich ist er ein „ etabliertes“ Mitglied der Gesellschaft geworden.

Vor einigen Tagen spiel´ ich mich im Internet (Herold), es scheint ein Dr.Mag. Leo auf. Unangenehm solche Leute zu kennen.

Charly meint, wir sollten den Schnee in Bad Hofgastein testen. Wir verabreden uns mit Roswitha (der besten Freundin von allen) und ihrer Cousine Conny in Gastein. Ihre Schwester Tina, Charly´s Ex, ist vor einigen Monaten bei einem Autounfall in Frankreich mit siebzehn tödlich verunglückt. Charly ist Pragmatiker.

Wir holen sie in Gastein am Bahnhof ab und die Wiedersehensfreude ist riesengroß. Abends in der Disco werfen die Mädels vor lauter Freude, zwei oder drei Viertel Rotwein ein, doch die Hochstimmung flaut etwas ab. Zurück in unserer Pension, wir haben gegenüberliegende Zimmer, sind Charly und ich etwas überfordert. Die Mädel´s „rär´n“ und speiben abwechselnd. Die Zimmertüren stehen offen, wir am Gang und beratschlagen. Am besten zurück in die Disco, doch die beiden weinen um ihre verstorbene Schwester, bzw. Cousine. Die Mädchen sind arm dran, doch meinem Schatz den Kopf über die Waschmuschel zu halten, während sie kotzt, ist nicht so ganz „Meins“. Mich reckt es dermaßen, dass ich ihr in´s „Gnack“ speiben könnte.

Es wollte keine echte Stimmung mehr aufkommen.

Nächsten Tag, die beiden blickten etwas lädiert drein, hielten sich aber tapfer auf der Skipiste. Abends, schon wieder leicht übermütig, meine Sternschnuppe bestellt sich ein Viertel Rot. Ich mag keine Alkoholikerweiber, sprach kein Wort mehr mit ihr und bestellte ein Bier und einen großen Obstler.

Nächsten Tag brachten wir sie zum Bahnhof. Ihr letzter Blick bedeutete – „Wir werden uns wohl nie wieder sehen.“

Ich denke, der größte Fehler meines Lebens.

Es war keine Zeit zum Nachdenken, denn nachmittags kamen Freunde – Bandmitglieder und „Fans“. Wir zogen unsere Spuren auf der „Schlossalm“ und ich zog ein gestraucheltes, blondes, hübsches Mädel aus dem Schnee. Sie war recht sportlich und ich konnte sie nicht mehr loswerden, egal was meine etwas neidischen Freunde auch inszenierten. Man hat schließlich einen Ruf zu verteidigen. Abends in der Diskothek, die Singles auf der Jagd, ich versorgt. „George McCrae“ jodelt „Rock me Baby“, mein Mädel trällert mit, echt lieb.

Zum Entsetzen meiner Freunde, nahm sie mich in Ihre Pension mit und ich dachte: „Na gut, rock me baby.“ Irrtum.

Am nächsten Morgen ertappte mich noch ihre Zimmerwirtin: „Nau des get oba nit!“ Ich erklärte ihr, dass sowieso nix ordentliches “gaugan“ sei und verabschiedete mich. Meine Freunde die mich mit dem Auto abholten, erklärte ich es nicht so genau. Sie erschauerten vor Ehrfurcht. Na, ja der Ruf is a Hund.

In Wien meinte Gitti (vermutlich hieß sie Brigitte) ich solle sie besuchen. Stadtbahn und ein Stück zu Fuß. Ich fuhr nach der Stadtbahn eine halbe Stunde mit dem Taxi. Eine Villa, geschmacklos. Sie lernte Goldschmied, Ihre Eltern waren schon längere Zeit Goldschmiede.

Im Bett, ich denke, sie hatte sich die Fingernägel frisch lackiert und wollte nirgends anstreifen.

Nach einiger Zeit, mit Charly auf „ein“ Bier. Ich: „Du hast doch damals mit der Gitti getanzt, irgendwie is mir vorgekommen du hast´ geschmust mit ihr?“

„Jo.“

Lichtjahre entfernt von einer Roswitha.

Vor einigen Wochen hatte ich mich bei der Firma SIEMENS AG ÖSTERREICH beworben. Vorher natürlich gründlich gecheckt, ob ich weit entfernt vom Hr. Betriebsrat, meinem Vater arbeite. Protektionskind war für mich ein Schimpfwort. Ein junger „Rothschild“ hätte das ganz anders gesehen. Der Personalchef betrog mich gleich um eine Verwendungsgruppe. Das „hinkte“ mir jahrelang nach. (Schule mit Länderbankpraxis gleichgestellt mit einem fertigen Siemenslehrling mit ein bis zwei Jahre Praxis). Der zukünftige „Chef“ ca. fünf Jahre älter als ich.

Eigentlich sollte ich erst im Sommer beginnen, doch das Projekt wurde vorgezogen.

Die Einführung der Siemens AG ins Datenverarbeitungszeitalter. Am ersten April (!) mein erster Arbeitstag.

Als erstes die Steinzeitkarteien aufbereiten für die EDV-Übernahme. „A Mörderhock´n“. Im Moment hatte ich noch einen altgedienten, aber durchaus schlauen Boss. Er erkannte mein Potential und fragte mich: „Na junger Mann, wie würden sie das Volumen eines Leitungsdrahtes ausrechnen?“

Eigentlich konnte ich mir es überhaupt nicht vorstellen. „Na Radius Quadrat Pi x Höhe. So wie in der Schule

Nur jetzt kann man die depat´n Formeln für etwas brauchen.“

„Aha.“

Später leuchtete mir sogar ein wofür eine Gleichung nützlich sein konnte.

Vielleicht hätte man in der Schule ein Beispiel bringen können und nicht einfach labern: „Jetzt kommen wir zu den Gleichungen.“ Warum, wieso und außerdem und überhaupt! Zu was nützlich?

Dass die Warenkarteikarten für die Übernahme abgeschlossen sein mussten, begriff ich jedoch auf Anhieb. Logisch. Das die ganze Causa, jedoch auf damals Schilling und Groschen stimmen musste, stimmte mich betrüblich. Mein Kollege Fritz T. und ich hatten das Vergnügen an einem Samstag bis sechs Uhr abends zu rechnen. Bei Millionenwerten, wenn´s dann um ein paar Tausender nicht stimmt….. Na und? Ich empfahl mich jedenfalls und ließ meinen späteren Freund Fritzl allein zurück. Ich vermute er bog die Summen etwas zurecht

(Alte Buchhaltungsregel- ein Cent minus im Haben kann eine Million im Soll sein) Wird schon auffallen, irgendwann.

Da in dieser Woche ein Feiertag war, kamen wir auch mit den Samstagsstunden nicht über die Wochenarbeitszeit, d.h. der Samstag wurde normal bezahlt. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht so sorgfältig gewesen.

Wir wurden noch zu einem der besten „Wirt´n von Wien von unserem Boss eingeladen, mein erstes „Arbeitsessen“, nicht billig. Zu fortgeschrittener Stimmung erklärte sich Fritz bereit einen Diaabend seines letzten Urlaubs in Thailand zu veranstalten. Zu später Stunde, in der Firma, musste Fritz höllisch aufpassen (ein weiblicher Lehrling war nicht los zu bringen), die korrekten Dias zu zeigen. Einziger Fast-Ausrutscher, bei Betrachtung eines Gebäudes: „Hörst du´s wimmern hoch vom Turm (es san die Hurn die pudern tuan) er besann sich …..

es san die Buam die turnen tuan. Die Abteilung wurde aufgelassen.

Wir wurden befördert. Sechster Stock. Das neue Dream-Team – sechs Männer um die Zwanzig, eine Frau als Ablagekraft- knapp vor der Pension. Die Wüldeste.

Eine komplett neue, noch nie dagewesene Abteilung.

DVS – Datenverbindungstelle.

Wir waren praktisch das Bindeglied von Systemanalytikern, bzw. Programmierer und Anwender.- (Vertrieb, Lager, Buchhaltung, etc.)

Mein Job war Fehlerklärer. Anhand eines Fehlerprotokolls, auf Endlosformular, mittels einer Fehlerkennziffer wurde analysiert was falsch gelaufen war. Zuerst schlau gemacht bei unseren Datenkapazundern, dann wichtig gemacht bei Vertrieb, Belegausstellern und ihren Chefs. Eine leichte auf den Schädel (jetzt wissen sie´s aber).

Eine Respektsperson. Im Nebenzimmer klapperten einige Damen auf den Eingabegeräten – nix online, jeder Besucher dachte ehrfürchtig – hier arbeitet der zwei Meter große, allwissende Supercomputer. Doch bei uns wurden die Daten erfasst und abends lieferte „der Letzte“ die Bänder im Rechenzentrum ab. Die Superintelligenzbolzen aus der Organisation, kannte kein Hund, wir waren die großen Computerbändiger.

Mein Freund Hans S. war Stammdateibetreuer (alles schöne deutsche Namen, kein Produktmanager, sondern Fachingineur). Jeder Artikel hatte Stammdaten, die betreut wurden. Logisch. Ein Typ von uns kochte sein eigenes Süppchen, er betreute ein Programm deren Hauptzweck es anscheinend war, viele bunte Diagramme, Statistiken und ähnliches zu erstellen. Eigentlich komplett unnötig, doch er war bei den Chefs sehr beliebt. Einer von ihnen, ein gewisser Figl (Sohn des legendären einen Meter sechzig, Bundeskanzler Figl) war von der Farbenpracht besonders begeistert. Er hatte auch keinen Aufgabenbereich, dafür war er etwa Einsneunzig groß. (?)

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

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ISBN:
9783754182413
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Bookwire
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