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Eldar Elrador
Legion
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Legion
Dramatis Personae
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Impressum neobooks
Legion

Inhalt: ©EldarElrador
Umschlaggestaltung: ©Vanessa Streng (BuchGestalt)
Cover – Bildmaterial: ©Shutterstock

Eldar Elrador
Legion


„Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der König aller. Die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“
- Heraklit, midgardischer Philosoph, ca. 1600 M.W.
„Es wären so unendlich viele Worte vonnöten, um das zu beschreiben, was die Legionen für unser Sternenreich bedeuten. Und doch wären es niemals genug, um diese Bedeutung in selbige zu fassen."
- Isa Callari, Journalistin und Reporterin des Loan Ara
„Arthian Withlion, Casar Belliador, Varius Oriton. Namen, die von einem Hauch Geschichte umgeben sind. Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, das sind die Namen jener Helden, die aus unserem Zeitalter noch für Millennien nachhallen werden. Jeder von uns kann es spüren.“
- Wika Gwendhert, Reporterin aus dem Hause Gwendhert und Chronistin des Stiarvalorers Aghillion Alas

Seit Anbeginn der Zeit träumten die Völker der Menschen davon, eines Tages die geheimnisvollen Sterne zu erkunden, die sich in jeder Nacht über ihrem Himmelszelt auftaten. Ein Griff in die Unendlichkeit. Ein Griff nach der Unsterblichkeit selbst.
Unserem Volk ist dies gelungen. Und wir haben es geschafft, unser Reich über die Galaxis auszubreiten. Unsere Kultur, unser Wissen, unsere Art hat sich über hunderte von Welten zerstreut und sich unter einem Banner, einem Glauben, zusammengeschlossen: Dem Glauben daran, dass wir, die Kinder der Götter, als einzige in der Lage sind, die Dunkelheit vom Licht fernzuhalten. Dem Glauben daran, dass unser Sternenreich die einzige Bastion gegen die Mächte der Finsternis ist, die dort zwischen den Sternen lauern. Denn wir haben nicht geahnt, was dort im dunklen Raum auf uns warten würde.
Es hat lange gedauert, bis wir zum Gegenschlag gegen das Duyari-Imperium des Verräters Turesk ausholen konnten. Doch nun hat der Sturm unserer Legionen begonnen. Die mächtigsten Krieger unseres Reiches sind die Stiarvalorer – Elitesoldaten, deren Einheiten das Sternenreich bereits seit über viertausend Jahren vor der Tyrannei und der Grausamkeit fremdartiger Spezies schützen. Und ihre Aufgabe ist nach all den Millennien dieselbe geblieben. Sie sind das Schwert Erias und der Schild unserer Welten.
Dramatis Personae
Die Silberengel (Silvirengla Legion)
Laer Tarius Lechent der 304ten Kompanie
Aglair Erster Tesari Lechent Laers
Casar Belliador Kommandant der Silberengel
Embirion Tesari in der 304ten Kompanie
Tal Tesari in der 304ten Kompanie
Thurian Kommandant der Panzereinheiten
Artalydari Anduis Offizier der Silberengel
Die Tweilithar Legion
Aghillion Alas Vigolos der 3ten Brigade
Saith Tesari in der 3ten Brigade
Rictar Tesari in der 3ten Brigade
Marghos Hevelios General der Tweilithar Legion
Die Rowsa Legion
Eskalian Dorn Comantor des 27ten Regiments
Ramoth Senturior im 27ten Regiment
Erwion Lechent der Panzereinheiten
Varius Oriton General der Rowsa Legion
Die Marines
Comantor Askon Kommandant der
Marines der Tweilithar Legion
Lusius Soldat der Marines der Rowsa-
Legion
Die Flottenoffiziere
Comodoros Arthon Silvirwylf Comodoros der
Flotte der Silberengel
Captain Yulius Captain der
Angre Gythesas
Captain Alesdai Captain der Rimos
Diastin Drivianiak Admiral der
Tweilithar Legion
Petos Admiral der Rowsa-
Legion
Ragin Admiral der Silvirengla
Legion
Die Reporterinnen
Isa Callari Reporterin des Loan Ara
Wika Gwendhert Reporterin des
Ya Wardiari
Die Asteri
Arthian Withlion Feldherr des Kaisers
Mareth Roghamoun Magathi des Ordens
Argis Silvirwylf Lehrling des Ordens
Yvona Fairosfex Lehrling des Ordens
Die RSO-ler
Aigir Scarlydari des RSO
Weitere Generäle
General Ferion General der Moun Legion
Lordprotektor General der Lambdio Legion
Martius Sellias
General Eryndir General der Ara Legion
Teil Eins
Helden
Kapitel I
Die Wüste war gelb, grell und konturlos. Ohne ein einziges Gewässer in hunderten von Kilometern in Sicht, brannte die Sonne von Okada erbarmungslos auf die trockene Landschaft dieser Welt.
Es war ein äußerst trostloser Planet im Norden des Imperiums der Duyari und nur selten verirrten sich Sternenschiffe in diesen Teil der Galaxis.
Die zahllosen Dünen auf seiner Oberfläche waren gelegentlich unterbrochen von mehr- oder minder großen Dörfern und Siedlungen. Die einzig größere Stadt, die es auf dieser Welt gab, war Zaiashad, was in der Sprache der Duyari soviel wie Der letzte Ort bedeutete. Und ungefähr so, wie der Name diese Stadt beschrieb, schien sie auch auf den ersten Anblick. Es war eine, auf einem breiten Sandsteinhügel errichtete Festung, in dessen Mitte ein großer Tempel mit einer hoch aufwölbenden Kuppel errichtet war. Am Fuße dieses Sandsteinhügels, in einem Ring um die Stadt herum, wirkten mehrere unscheinbare Barackensiedlungen wie Zeugnisse von dem, wie Duyari ihre Sklaven, einstig freie Völker, die sie in blutigen Kreuzzügen schon vor hunderten von Jahren unterworfen hatten, ansahen.
Am Horizont jenseits von Zaiashad, die flackernde aufgeheizte Luft durchbrechend, wirkte das Geschwader wie ein Hornissenschwarm, der sich aus der Trostlosigkeit der brennenden Wüste schälte. Sie waren wie ein Schwarm von Vögeln, ein Schwarm von Raubvögeln, der sich aus seinem Nest heraus auf die Jagd gemacht hatte.
Die Staffel an drei Dutzend Naichasgali – Planetartruppentransportern raste wie ein vorbeiziehender Wind über die deprimierende Endlosigkeit der Wüste hinweg und sie flogen so nah über dem Boden, dass ihre blau leuchtenden Triebwerke am Heck den Sand unter ihnen wie ein herannahender Sturmwind zum Aufwirbeln brachten.
Die Staffel der Naichasgalis formierte sich in einer Keilformation und das Rot und Weiß ihrer Lackierung funkelten im glitzernden Sonnenlicht. Auf ihren Hecks prangte eine weiße Rose, das Zeichen ihrer Legion, und auf ihren Seiten glänzte das blaue Kreuz der Weltenwehr des Sternenreiches.
Sie rasten so schnell über die Wüste hinweg, dass die Verteidiger der Stadt sie wahrscheinlich eh erst sehen würden, wenn es bereits zu spät war.
Comantor Eskalian Dorn hielt sich betont gelassen mit einer Hand an den Halterungen im Bauch des führenden Nachaisgalis fest und beobachtete, wie die monotonen Dünen unter ihnen entlangzogen. Die Türen an den Seiten des Transporters öffneten sich und sofort strömte heiße Wüstenluft ins Innere. Die Soldaten hatten nun einen freien Blick auf die gesamte Landschaft, oder wie auch immer man diesen Sandhaufen nennen wollte.
»Helme aufsetzen, Jungs«, schrie Eskalian, wobei er so gut er konnte, versuchte, den brausenden Wind mit seiner harten und kommandoerfahrenen Stimme zu übertönen »Könnte gleich ziemlich heiß hier werden. Und damit meine ich nicht die Sonne, die uns den Arsch verbrennt.«
Der Comantor setzte selbst den Helm seiner Rüstung auf und die zahlreichen Anzeigen erschienen vor dem Glas des Visiers. Die Soldaten seines Trupps um ihn herum luden ihre eleganten VG 71 Gewehre und entsicherten die Magazine.
Das Rot – Weiß der Stiarvalorerrüstungen machte Eskalian bei jedem Anblick stolz, ein Offizier dieser zähen Legion zu sein. Das siebenundzwanzigste Regiment der Rowsa Legion war seine Familie, sein Kopf, seine Waffe, sein Herz. Und sie hatten schon eine Menge Schlachten in den vergangenen sechs Monaten geschlagen. Bei diesem Kampf heute würden sie genauso wenig versagen, wie damals auch.
»Kann ja wieder ein Spaß werden«, sagte Senturior Ramoth, der sich jetzt ebenfalls den Helm über den gezogen hatte und seine Stimme nun aus den Außenlautsprechern kam. Er lud sein VG71 noch einmal durch, stellte sich an die gegenüberliegende Tür und richtete den Lauf des Sturmgewehrs nach draußen.
»Unterschätzt die Grauhäute nicht«, sagte Eskalian. »Vielleicht waren die ersten Kämpfe des Feldzuges solche Spaziergänge, weil sie nicht drauf vorbereitet waren. Wahrscheinlich werden sie sich aber bei der Verteidigung ihrer verfluchten Städte ein bisschen mehr Mühe geben.«
»Dann tun wir das halt eben auch«, meinte einer der anderen Stiarvalorer und er konnte es nicht sehen, doch Eskalian war sich vollkommen sicher, dass er hinter dem Visier breit grinste.
»Gut, Jungs«, sagte der Comantor »Aber nicht übermütig werden«
»Wir doch nicht!«, rief Ramoth, der immer noch vor der linken Tür kniete und es augenscheinlich gar nicht abwarten konnte, endlich ein Ziel vor den Lauf zu bekommen.
Der Dorfring um die Stadt herum kam jetzt immer näher. Eskalian schaltete durch einen Tastendruck an seinem Helm auf einen Gesamtfunkkanal für das Regiment um.
»Gut, Ziel bald in Reichweite. Auflockerungsangriff und Bodeneinsatz bereit machen. Ich wiederhole – an alle Einheiten: Auflockerungsangriff und Bodeneinsatz bereit machen.«
Es dauerte einige Sekunden, bis er von jedem Zug die Empfangsbestätigung bekommen hatte. Wenigstens störten die Duyari den Funk nicht. Das war zumindest eine gute Nachricht. Vielleicht verlief ja doch alles so reibungslos, wie sie es gestern Abend bei der Besprechung mit General Varius geplant hatten.
»Wie sieht's mit der Verteidigung der Stadt aus?«, fragte Ramoth.
»Keine Nennenswerte. Aber unsere Aufklärer waren, glaube ich, auch nicht besonders gründlich. Kann sein, dass wir 'ne miese Überraschung erleben.«
»Ich steh auf Überraschungen, Comantor«
»Das ist mir sehr wohl bewusst, Senturior«
Eskalian warf noch einen Blick aus der offenen Tür heraus. Die Stadt war jetzt weniger als einen Kilometer entfernt.
»Alles klar«, gab er den Befehl in den Funkkanal »Feuer«
Ramoth lachte und ließ sein Gewehr klicken »Feuerwerk, Leute«
Der Angriff der drei Dutzend Naichasgalis begann wie ein buntes Feuerwerk am Himmel. Ihre Plasmakanonen und Lasermaschinengewehre sprühten grüne und rote Salven aus feuriger Energie und begannen die Baracken um die Stadt herum zu zerfetzen. Explosionen waren zu sehen, wo die Energiegeschosse einschlugen und ganze Stadtviertel gingen bereits während der ersten Salve in Flammen auf.
Eskalian konnte die Sklaven und ihre Duyariherren sehen, wie sie panisch aus den Häusern stoben und begannen, durch die verdreckten Straßen der Dörfer um ihr Leben zu rennen, als sich die Raubvögel auf sie stürzten. Aus den Naichasgalis heraus eröffneten die Stiarvalorer das Feuer und die Duyari – Soldaten, die von hier aus nur wie kleine Ansammlungen von Ameisen wirkten, fielen unter dem prasselnden Hagel der Projektilgeschosse.
»Treibt die Ratten aus den Löchern, wohoo!«, klang Senturior Ramoths Stimme jubelnd durch den Funkkanal ihres Regiments, während sie das Dorf in Flammen aufgehen sahen.
»Ramoth, raus aus dem Befehlskanal«, ermahnte ihn Eskalian.
»Tut mir leid, Comantor. Ist nur gerade zu viel Spaß hier« Er hielt sein Gewehr hinaus und feuerte wahllos in die Reihen des Feindes hinein.
Ihre Naichasgali ließ eine Rakete los, die, einen brennenden Schweif hinter sich herziehend, ein dickes Loch aus der Mauer der Oberstadt riss.
Aus der Stadt und den Dörfern unter ihnen blitzte nun das Mündungsfeuer von Plasmamaschinengewehren.
»Weg von der Tür!«, rief Eskalian, während die grünen Strahlen an den Naichasgalis vorbeizischten. Einer von ihnen, der Transporter direkt zu ihrer rechten, wurde schwer von einigen Energiegeschossen getroffen, die dicke Teile der Coraith Panzerung und Hülle hinfortrissen, bevor Flammen aus dem Inneren des Transporters brachen und er in schwellendem Rauch gen Boden stürzte.
»Scheiße nochmal!«, brüllte Eskalian in den Funkkanal »Weicht aus, verdammt! Wir brauchen jeden einzelnen, um die Stadt einzunehmen!«
Die Formation der Naichasgalis löste sich auf und die Staffel schloss sich langsam wie eine Schere um die Stadt.
»Feuert auf ihre Geschütze!«
Die drehbaren Strahlenlaserkanonen unter dem Rumpf der Schnelltransporter drehten bei und begannen das Feuer auf die feindlichen Stellungen in der Stadt zu eröffnen. Explosionen stießen in glühenden Feuerbällen aus ihr heraus, als sie es schafften, einige der feindlichen Maschinengewehre zu zerstören.
Raketen schossen weitere Löcher in die Mauer der Stadt. Wenn sie Glück hatten, würde vom Flaggschiff bald die Panzerunterstützung kommen, bevor sie sich alle im Häuserkampf verloren.
»Bringt uns da runter«, rief Eskalian zu seinem Piloten und zeigte mit dem Finger auf eine breite Hauptstraße in der Mitte der Stadt.
»Jawohl, Sir!«
Ihr Schnelltransporter senkte sich gen Boden, während er immer weitere Salven auf feindliche Flakbatterien auf den flachen Häuserdächern abgab.
Eskalian stellte die Sicht seines Helms auf Wärmebild um, um die feindlichen Soldaten in den sie umgebenden Häusern besser erkennen zu können. Er schoss einige Male mit seinem Gewehr auf ein Fenster, welches daraufhin zerbarst und Schmerzensschreie klangen dumpf an sein Ohr.
Die Naichasgali setzte auf, wobei ihre Düsen den trockenen Sand der breiten Straße aufwirbelten. Sofort sprangen die fünfunddreißig Stiarvalorer heraus und feuerten Warnsignale in alle Richtungen.
Die Naichasgali hob hinter ihnen sogleich wieder ab und sie hatten keine Möglichkeit, sich zu sammeln. Sofort fuhren Schüsse auf sie nieder. Manche Projektilgeschosse, manche Plasmawaffen. Einer der Stiarvalorer stürzte mit einem dampfenden Loch in der Brust zu Boden.
»Comantor!«, rief Ramoth und beugte sich zu dem Soldaten herunter.
»Lebt er noch?!«, wollte Eskalian wissen. Die Wärmebildansicht zeigte mindestens zwanzig feindliche Scharfschützen in den Häusern um sie herum.
»Nein, Sir!«
»Dann können wir nichts mehr für ihn tun!«, sagte Eskalian. Er nahm eines der Fenster ins Visier, zielte auf den Scharfschützen, dessen Kopf er nur halb erkennen konnte, und feuerte. Blut spritzte im Inneren des Hauses gegen die Wand.
Überall um sie herum erschallte der berauschende Klang des Gefechts. Hunderte Sturm und Maschinengewehre wurden gleichzeitig abgefeuert und es war kaum möglich all die Befehle, die über den Funkkanal hin- und hergeschmissen wurden, auseinanderzuhalten.
Über ihnen kreisten jetzt die Naichasgalis mit ihrer raubvogelähnlichen Form und gaben tödliche Salve auf feindliche Geschützstellungen ab. Mit ihren zwei nach unten gebogenen Flügeln sahen sie fast aus wie ein Schwarm Raben über der Stadt.
»Eskalian an Zug, wir müssen zu ihrem Tempel vorrücken! Die Duyari werden sich erst ergeben, wenn ihre Priester tot sind«, sprach Eskalian in den Funkkanal. Neben ihm schlug ein Plasmablitz ein und er sprang zur Seite. Zum Glück waren ihre Rüstungen temperiert und hielten die brühende Hitze der Sonne von ihm fern. Sonst wäre das ganze hier ein ziemlich anstrengendes Unterfangen gewesen.
Die Stiarvalorer hatten sich jetzt in einem Kreis auf der Straße verteilt und feuerten auf alles, was sich in den Häusern bewegte.
»Wir brauchen Deckung«, stellte Ramoth fest, während er, auf ein Knie gebeugt, gerade den Innenraum eines Hauses mit Explosivgeschossen neu dekorierte. Eskalian konnte ihn an seinen drei bronzenen Streifen am Helm erkennen, die ihn als Senturior auswiesen.
»Dann bitte ich um Vorschläge!«, meinte Eskalian, derweil er im Schnellfeuermodus weiter in die Gegend feuerte.
»Wir sind noch etwa einen halben Kilometer vom Tempel entfernt. Sobald die Fahrzeugunterstützung hier eintrifft, können wir vollständig vorrücken«
»Danke, dass Sie noch einmal meinen Plan wiederholen, Senturior!«, sagte Eskalian mit einer gehörigen Portion Sarkasmus.
»Dafür bin ich da, Sir!«
Ramoth hatte diese Angewohnheit, ihn immer an die Dinge zu erinnern, die er ursprünglich geplant hatte. Er war manchmal so etwas wie sein persönlicher Notizzettel. Und genau deshalb hatte er ihn auch zum ersten Senturior seines Regiments ernannt.
Eskalian ließ den Kreis der Stiarvalorer weiter ausfächern, damit sie nicht mehr so nah aneinander gedrängte Ziele abgaben »Auf offenem Feld überleben wir das nicht lange«
»Wir sind Elitesoldaten des Sternenreiches, Sir. Das sind nur irgendwelche duyarischen Heckenpenner«, kommentierte Ramoth.
»Trotzdem, folgt mir!«, rief Eskalian und bedeutete seinem Trupp mit einer Geste, ihm zu folgen, während sie ihren Kameraden Feuerschutz gaben.
Einer der Stiarvalorer zog im Vorbeirennen eine Plasmagranate vom Gürtel. Er aktivierte den schwarzen Ball mit einem Knopfdruck und ein rotes Licht leuchtete auf, bevor er sie über einen Balkon hinweg in das Fenster eines Hauses warf. Die Explosion riss die halbe Wand aus dem Gebäude und der gelbe Sandstein regneten in hunderten von Stücken über die Straße.
»Da hat jemand das Prinzip von Ausräuchern verstanden. Gut gemacht«, sagte Eskalian zu dem Soldaten.
»Danke, Sir!«
Sie rückten weiter unter dem Beschuss der Scharfschützen vor. Ihre Rüstungen waren in der Lage, einige Projektile aufzuhalten und ertrugen auch die ein oder andere Ladung an Plasmaenergie, aber trotzdem waren sie gegen einen gut angesetzten Schuss nicht immer gefeit.
Sie rannten die Straße entlang, schossen immer wieder in die Fenster der Häuser und warfen Granaten hinein.
Aus anderen Teilen der Stadt stachen Feuerfontänen über die Dächer der Gebäude in den Himmel.
Sie fanden schließlich Deckung bei den Ständen eines weitläufigen Marktplatzes, der kurz vor den Eingängen der Tore des Palasthofes lag.
»Los, Jungs, hinter die Steine da!«, befahl Eskalian seinen Männern, hinter einigen der aus gefestigtem Sand bestehenden Warenhäusern Schutz zu suchen.
Über den Dächern und den Zinnen des hoch aufragenden Palastes wehten die rot – schwarzen Fahnen des Duyari – Imperiums mit dem Kreuz Zarch Adrushs in ihrer Mitte.
Eskalian und Ramoth sprangen hinter einen der Steine, als das Geschoss eines Raketenwerfers einen Teil des Marktplatzes in Schutt und Asche legte.
Eskalian beugte sich kurz hinter dem Sandstein vor und gab einige Schüsse in die Richtung ab, aus der die Rakete gekommen. Doch der Schütze hatte seine Stellung bereits wieder abgebaut und war von dem Dach verschwunden.
Sein Trupp hatte heute erst einen einzigen Mann verloren. Was mit den anderen Zügen war, die noch überall in der Stadt verteilt kämpften, konnte er aus den wirren Funksprüchen nur schwer heraushören. Eskalian verstand jedoch so viel, dass ihre eigenen Verluste nicht allzu hoch waren. Obwohl noch keine Panzerunterstützung kam, um ihnen den Rücken zu decken.
»Solange die sich in ihren Häusern verstecken, wird’s schwer alle von denen zu töten«, sagte Ramoth, drückte auf einen Knopf, woraufhin das Magazin vom Gewehr fiel, er ein neues vom Gürtel nahm, und es einsetzte.
»Der Tempel ist unser Ziel. Ich hab das schon damals erlebt. Wenn ihre Priester hängen, werden sie sich ergeben. Außerdem brauchen wir hier noch die Läuferunterstützung«, sagte Eskalian.
Er wechselte den Funkkanal zu Lechent Erwion, der für die Kampfläufereinheiten des Regiments zuständig war.
»Was ist jetzt, Erwi? Kriegen wir hier langsam mal ein bisschen Hilfe, oder was? Uns geht der Arsch auf Grundeis.«
Zunächst folgte nur ein wirres Knistern im Funkkanal, aus welchem gelegentlich Stimmfetzen drangen. Dann, nach etwas einer halben Minute, antwortete Erwion: »Wir sind auf dem Weg. Die T4 Transporter haben heute ein paar Probleme gemacht. Wir mussten erst mal den Sand von der Hülle kratzen. Aber hey, wir sind gleich da. Gebt uns zehn Minuten. Ist der Luftraum frei?«
Eskalian schaute in den blauen Himmel und riskierte einen Blick hinter der Steinmauer hervor auf die Häuserdächer. Die Naichasgalis hatten so ziemlich alles an Maschinengewehrstellungen auf den Dächern in Schutt und Asche geballert, was sie nur so zerstören konnten. Sie flogen jetzt von einem Teil zum anderen der Stadt, brachten Verwundete aus dem Kampfgebiet und versetzen die Truppen.
»Ja, ja, denke schon. Seid aber trotzdem vorsichtig. Keine Ahnung, was die Grauhäute noch so in der Hinterhand haben«, sagte er in den Kanal. Er war froh, jetzt endlich wieder nicht schreien zu müssen.
»Gut, gut. Dann kommen wir gleich zur Party. Lasst uns was übrig!«
Die Verbindung brach ab.
Es war bei solchen Gesprächen, die vielleicht von großer strategischer Bedeutung für die Schlacht waren, dass Duyari schon einmal gerne ihre Kanäle abhörten. Da musste der Austausch zwischen den Offizieren effizient und vor allem schnell vonstattengehen.
»Und?«, fragte Ramoth und schoss noch einmal in das Fenster eines Hauses hinein.
»Sind auf dem Weg«, sagte Eskalian.
»Ja wunderbar! Dann überleben wir das heute ja sogar vielleicht! Ist ja unser Glückstag«
Ferne Explosionen in der Stadt, die wie Pilze über die Häuserdächer stiegen, zeigten, dass ihre Männer recht problemlos vorankamen. Trotzdem, ohne die Unterstützung der Läufer und Panzer wäre eine Eroberung des Tempels viel zu verlustreich. Eskalian hatte es schon mehrmals miterlebt, mit welchem Einsatz und Hingabe die Duyari ihre heiligen Orte verteidigten. Sie würden bis zum letzten Mann, bis zum letzten Blutstropfen, kämpfen.
Es dauerte nur knapp fünf Minuten, bis am Himmel die silbernen Fahrzeugtransporter zu sehen waren.
T4 Heerestransporter waren die größten Versorgungsschiffe der Weltenwehr, die noch in einen Sternenschiffshangar passten. Ihre Flügel besaßen eine weite, nach hinten ausgerichtete Form mit einer Spannweite von fünfundzwanzig Metern. In ihrem schlanken, aber doch geräumigen Bauch konnten sie eine ganze Kompanie an Soldaten, oder auch mehrere Panzer, transportieren. Fünf dieser mächtigen Vögel stürzten sich jetzt aus dem Orbit herab und hielten mit schwindelerregender Geschwindigkeit auf die Stadt zu.
»Na, wer sagt's denn? Kein Problem«, kommentierte Ramoth, als er die fünf T4s erblickte.
Sie landeten in verschiedensten Teilen von Zaiashad. Einer von ihnen ging direkt vor ihrem Trupp auf dem Marktplatz nieder. Es wirkte ja schon etwas befremdlich, wie diese schwerfälligen Kleinschiffe mehrere Meter senkrecht über dem Boden wankten, bevor sie schließlich aufsetzten.
Die breite Luke am Heck des T4 öffnete sich und heraustraten in mehreren Reihen zunächst IDL 8 Kampfläufer in rot – weißer Bemalung. Diese Art von Kampfläufern war für den engen Häuserkampf oder für das Gefecht auf unebenem Terrain konzipiert. Seine langen Beine waren über ein leicht ausladendes Heck mit dem Kopf verbunden, dessen Transparentstahlkanzel einen Rundumblick über das gesamte Schlachtfeld ermöglichte. Sie waren etwas mehr als drei Meter hoch, also Winzlinge im Vergleich zu den Schlachttitanen, die die Duyari manchmal ins Feld führten. Doch sie erfüllten ihren Zweck.
Den etwa zehn Läufern folgten zwei HCW414 Panzer. Diese etwa zehn Meter langen Kampfwagen, waren die größten, die ihre Legion besaß. Sie hatten wie alle Fahrzeuge der Weltenwehr ohne Tarnfarbe eine silbrig glänzende Hülle und ihr langes Plasmageschütz war in der Lage, ganze Häuser mit einem einzigen Schuss ins Vergessen zu befördern.
Die Soldaten um Eskalian herum jubelten, als die Fahrzeuge aus dem Transporter fuhren und das laute Dröhnen der Ketten der HCW414s über den Marktplatz hallte.
Die Läufer gaben sogleich Schüsse ihrer Laserkanonen auf die Stellungen der Scharfschützen in den Häusern ab und verwandelten den Marktplatz einmal mehr in eine Müllhalde aus geborstenem Stein und zerschmetterten Verkaufsständen.
»Alles klar!« Eskalian winkte seinen Männern zu, ihm zu folgen. Das Tor zum Hof des Tempels lag nur einen halben Kilometer von ihnen entfernt. Sie ließen die Läufer vorrücken, damit diese ihnen den Weg freimachten. Hunderte Scharfschützen wurden auf der Stelle erfasst und ihre Stellungen durch Laserbeschuss und Raketen der IDL8er aus dem Weg geräumt.
Eskalian und sein Trupp rückten in ihrem Schatten vor, bildeten einen Kreis und gaben sich gegenseitig Feuerschutz.
Aus dem Funkkanal erhielten sie die Bestätigung, dass die T4s in allen Teilen der Stadt gelandet waren und die Stiarvalorer jetzt mit der Unterstützung der Panzer und Läufer eine Art Schlinge um den Tempel herum zogen.
Es läuft alles nach Plan, dachte Eskalian. Und es lief tatsächlich alles genauso, wie General Varius es gestern mit ihm und den anderen hohen Offizieren der Rowsa Legion durchgegangen war. Ihre Verluste waren gering – so gering, wie sie selten in Schlachten dieser Art gewesen waren.
Sie erreichten bald die Tore des Palstes. Einer der Läufer schoss den Weg mit einer Granate frei.
Die Panzer blieben hinten zurück, als die Stiarvalorer nun den Läufern voraus in den Hof stürmten. Vor ihnen erstreckte sich ein weiter Palmengarten, der bewachsen war mit einheimischen Blumen und mehreren Teichen, sowie kleinen Bächen, die sich durch den Vorhof zogen.
»War ja typisch«, sagte Ramoth, verlangsamte seinen Schritt und ließ das Gewehr gen Boden sinken »Die Bevölkerung verhungert und schlägt sich gegenseitig den Schädel für ein paar Tropfen Wasser ein und die Priester völlern hier rum.«
»Duyarische Kultur eben«, erwiderte Eskalian und grinste dreckig hinter dem Visier seines Helms.
Ihre Rüstungen waren jetzt ganz mit Sand und Dreck bedeckt. Das Rot und Weiß und ihre Embleme waren an manchen Stellen kaum noch zu erkennen. Vielleicht war es doch bald Zeit, dass sie in Tarnfarben wechselten.
Die Läufer stapften durch den Garten um den Tempel herum. Die Stiarvalorer schwärmten aus, um die Umgebung zu sichern. Es war kaum zu erwarten, dass sie hier noch auf großen Widerstand stießen. Doch Eskalian wollte der erste sein, der den Tempel betrat und ihre Priester gefangen nahm. Dieses Privileg ließ er sich nicht nehmen.
Er winkte Ramoth und zehn seiner Männer zu, die gerade damit beschäftigt waren, die zahlreichen Gewächse und hohen Palmen des Gartens zu bewundern. Sie nickten ihm zu und schlossen sich ihrem Kommandanten in einem Halbkreis herum an.
Sie erreichten das Tor, welches hinter einer kleinen Brücke lag, die über einen Wassergraben führte. Das Tor selbst war aus mit purem Gold überzogenem Stahl. Schriftzeichen und filigrane Ornamente überzogen das helle Metall wie die Flüsse einer Landkarte.
»Protzig, protzig, muss man schon sagen«, meinte Ramoth und stellte sich neben Eskalian.
Die beiden traten zurück und bedeuteten einem anderen Stiarvalorer, nach vorne zu kommen. Der Soldat klemmte sich das Gewehr an die Halterung am Rücken seiner Rüstung und zog einen Sprengsatz vom Gürtel. Er befestigte die kleine Bombe am Spalt, der die beiden Torhälften voneinander trennte und ging einige Schritte zurück.
»Bereit, Sir«
Eskalian nickte »Okay« und hob drei Finger in die Luft »Drei, Zwei …« Mit einer kleinen, aber doch wuchtigen Explosion sprang das Tor auf und krachte nach Innen hinein.
»Schwerter raus, Jungs«, befahl der Comantor und klemmte sich das VG 71 auf den Rücken. Der Trupp zog seine silber – blauen Klingen von der anderen Halterung am Rücken. Ein Klirren ging umher, als sich die Schwerter des Trupps wie schimmernde Blitze erhoben.
Die Halle, die sich jetzt vor ihnen erstreckte war lang und dicke Steinsäulen stützten die auswölbende Decke. Der Boden war aus weiß – grünem Marmor, der durch das Sonnenlicht der hoch gebauten Fenster glitzerte. Auf dem Boden, überall in der Halle verteilt, lagen rote Teppiche, vor denen niedrige Tische aus dunklem Holz standen. Die Tische waren gedeckt mit allerlei Speisen und exotischen Früchten.
Die Stiarvalorer stürmten in die Halle und verteilten sich, um die Umgebung zu sichern.
Eskalian atmete erleichtert auf, als er merkte, dass sie ab hier anscheinend wirklich keinen großen Widerstand mehr zu erwarten hatten.
Ramoth neben ihm seufzte laut. Er zog sich den Helm mit einem Klicken vom Kopf und wuschelte sich durch die schweißnassen aschblonden Haare, die in einem typischen Weltenwehrschnitt gehalten waren – die Seiten sehr kurz, das Deckhaar mittellang. Er streckte sich gemächlich und lehnte sich gegen eine Säule der Halle.
»Das war's dann wohl mit der Eroberung« Er lächelte. Sein hartes Gesicht war von zahlreichen Narben vergangener Kämpfe bedeckt. Er war Eskalian vom Aussehen so ähnlich, dass er von den Soldaten des Siebenundzwanzigsten oft Klein – Eskalian genannt wurde. Er hatte diese Gegebenheit eigentlich immer als amüsant empfunden, auch wenn Eskalian dieser Tatsache immer mit der ausreichenden Kühle eines Offiziers der Rowsa Legion begegnen mochte.
Der Comantor nahm jetzt auch seinen Helm ab und sogleich schlug ihm der merkwürdige Geruch von Weihrauch entgegen. So rochen fast alle Tempel der Duyari, aber hier war der Gestank ganz besonders schlimm; stechend und beißend. Eskalian verzog das Gesicht.
»Hier muss mal gelüftet werden«, sagte er und hustete.
»Stinkt schon mies«, meinte Ramoth lachend. »Aber solange hier keine Zachora sind. Die können sich mit ihren Magiern verpissen. Die Schlacht hätte ganz anders aussehen können, wenn die welche dabei gehabt hätten.«
»Ja …«, sagte Eskalian geistesabwesend und schaute sich misstrauisch in der Halle um »Da haben wir wohl echt Glück gehabt«
Dass sich in einem solchen Tempel keine der dunklen Magier der Duyari befanden, war schon eine Besonderheit, die er bis jetzt nicht oft in diesem Krieg miterlebt hatte. Die Zachora waren meistens an vorderster Front mit ihren Soldaten gewesen und hatten für Schrecken und Vernichtung bei den Truppen des Sternenreiches gesorgt – sogar bei den Stiarvalorer-Einheiten. Sie waren das pure Abbild des Bösen, das das Duyari Imperium verkörperte und Eskalian hatte manchmal sogar das Gefühl gehabt, ihre Macht ginge über die der Asteri hinaus. Aber wer war er schon, über die Macht der Asteri zu urteilen? Das hatten ihm viele Meister dieses verfluchten arroganten Ordens während seiner gesamten Karriere in der Weltenwehr mehr als einmal deutlich gemacht. Und trotzdem war es ein pures Freudengefühl, wenn sich einer der Ritter des Ordens einer Legion anschloss und mit den Soldaten Seite an Seite kämpfte. Wenn ein Asteri auftauchte, dann war die Schlacht so gut wie gewonnen hatte es immer unter den Soldaten geheißen. Eskalian hatte im letzten halben Jahr des Krieges und bei den Angriffen auf ihre Welten vor einem Jahr zwar etwas ganz anderes in den Schlachten erlebt, aber er wollte seinen Männern nicht den Mut mit seinem Pessimismus über den Orden verderben.
»Ich kontaktiere den General«, sagte der Comantor, derweil der Rest seines Trupps weiter den Tempel absuchte.
Er hob den in seinem Handschuh eingebauten Kommunikator an den Mund und stellte ihn auf die Frequenz ihres Flaggschiffes, der Morn Engla – Die Schwarzer Engel.
»Tempel ist eingenommen. Die letzten Widerstandsnester in der Stadt werden gerade beseitigt, General. Wir durchsuchen noch den Tempel nach den Priestern. Kann noch eine Weile dauern. War auf jeden Fall ein guter Tag heute.«
Es knisterte einige Sekunden lang, bis eine Antwort kam und General Varius' Stimme durch die Lautsprecher knackte.
»Gut gemacht, Comantor Eskalian. Wir werden so schnell wie möglich die restlichen Truppen auf dem Planeten verständigen. Das Oberkommando wird erfreut sein zu hören, dass diese elende Festung der Duyari jetzt in unserer Hand ist.«
»Wir hoffen, dass es keinen Widerstand mehr gibt, General. Aber ich denke, wir haben so weit alles unter Kontrolle.«
»Gut, dann versucht diese Priester zu schnappen und meldet Euch danach wieder. Varius, Ende.«
»Verstanden …«, sagte Eskalian noch, obwohl er wusste, dass die Verbindung bereits unterbrochen war.
»Ist unser General Eiskalt zufrieden mit unserer Arbeit?«, fragte Ramoth und nahm einen Schluck kristallklaren Wassers aus dem Schlauch, der in der linken Kragenhälfte seiner Rüstung befestigt war. Ein Grinsen umspielte seine Lippen.
»Du sollst ihn nicht so nennen, das habe ich dir schon oft genug gesagt«, erwiderte Eskalian kühl.
»Oh, Verzeihung, Comantor« Ramoth kicherte und nahm noch einen Schluck.
»Ich weiß, dass er manchmal ein ziemliches Arschloch sein kann, aber ich will nicht, dass er dir die Hammelbeine langzieht, weil du dumme Sprüche machst«
Ramoth zog einen Mundwinkel hoch und prustete »Mir wird schon nichts passieren«
»Bei deinem riesengroßen Maul …«
»Comantor!«, unterbrach die durch den Helm elektronisch klingende Stimme eines Stiarvalorers die beiden. Drei weitere seiner Männer hatten vier Duyari in schwarzen Gewändern mit den Kletterseilen ihres Allzweckgürtels gefesselt und zerrten sie aus einer Tür des Tempels zu ihnen heran. Die Priester schienen bereits recht alt zu sein, denn in ihrer fahlen grauen Haut zeichneten sich bereits eine Menge Falten ab. Die gelben Mandelaugen saßen tief in ihrem Schädel und die schwarzen Stummel, die vielleicht einmal ihre Zähne gewesen waren, hatten sie in boshafter Rachsucht den Stiarvalorern entgegengefletscht. Der Tesari des Trupps packte jeden von ihnen am Kragen und zwang in auf die Knie vor Eskalian und Ramoth.
»Da drinnen sind noch mehr, aber der Rest wehrt sich noch. Sie haben die Türen mit Schränken und Möbeln verbarrikadiert und wir wollen nicht alles aufsprengen, sonst ist dieser Tempel morgen nur noch eine rauchende Ruine.« Der Offizier zog eine Plasmapistole vom Gürtel hervor und richtete sie auf den Kopf eines Priesters. »Die gehen erst mal nirgendwo hin«, sagte er und lachte.
»Gut gemacht, Tesari«, meinte Eskalian.
Ramoth verschränkte die Arme und ging um die Priester herum, die ihm immer wieder feindselige Blicke zuwarfen.
»Die stolzen Herrscher eines ganzen Planeten. Wirklich beeindruckend«, sagte er in einem unüberhörbar hämischen Ton.
»Können nicht alle so gut aussehen, wie wir«, sagte der Tesari des Trupps.
Selbst Eskalian musste über die beiläufige Bemerkung unwillkürlich schmunzeln.
»Ich werde Varius benachrichtigen«, meinte er schließlich und hob den Handschuh wieder an den Mund »Eine Bilderbucheroberung. Wirklich richtig gut gemacht heute, Jungs«
Kapitel II
Sie war wie ein silberner Speer. Wie eine Klinge, die die Macht und den Willen des Sternenreiches in seinem tiefsten Inneren repräsentierte. Das gewaltige Schlachtschiff der Fairosara Klasse, die Angre Gythesas, die Zorn der Götter, raste einem Speer gleichend durch den blau flackernden Hyperraum. Hunderte Geschütze auf ihrem keilförmigen Rumpf zeugten von der schieren militärischen Macht, die dieses Schiff allein mit seiner Existenz repräsentierte. Sie war das Flaggschiff der Silvirengla Legion, welche sich gerade auf dem Weg zu einer bedeutenden Schlacht auf der duyarischen Eiswelt Kfar Sovu befand. General Casar, oberster Kommandant dieser Legion hatte entschieden, seine Truppen in einem schnellen Schlag gegen diese Festung des Imperiums zu führen. Er war Lord Arthians Bitte gefolgt und hatte direkt nach der großen Legionsversammlung von Melnor alle seine Truppen zusammengetrommelt, um sie für einen schnellen und präzisen Schlag zu massieren. Die Duyari waren unvorbereitet, so hatte man jedenfalls beim Oberkommando gehofft. Eine Eroberung dieser wichtigen Festungswelt, welche ebenfalls noch an einer Handelsroute direkt im Herzen des Imperiums Stellung bezog, würde den Nachschub ihres Feindes destabilisieren und zusätzlich dafür sorgen, dass den Legionen ein direktes Tor zur Hauptwelt Tuma Yadu offen stand. Die Silberengel waren eine der stolzesten und eitelsten Legionen der Weltenwehr überhaupt. Genauso wenig, wie sie dies zu leugnen vermochten, war ebenfalls die Tatsache, dass sie als die stärkste und vor allem tapferste im gesamten Sternenreich galt. Den Rest der Flotte der Legion würden sie direkt im Orbit von Kfar Sovu treffen, um den Angriff besser koordinieren zu können. Soweit ihnen der EED hatte bekannt machen können, besaßen die Duyari nur wenige Schiffe in diesem System. Sie würden vermutlich bereits zerstört sein, bevor das Flaggschiff überhaupt ankam.
»Lechent Laer«
Lechent Laer Tarius, Kommandant der dreihundertvierten Kompanie der Silvirengla Legion schaute von seiner Arbeit auf, als die zwei Stiarvalorer vor ihm in den Raum traten.
»Ja?«, sagte er und deaktivierte den Hologrammcomputer auf seinem obsidianfarbenen Schreibtisch.
»Ähm, ihr seid Lechent Laer Tarius, oder?«, sagte nun diejenige, die zwischen den beiden blau – silbernen Soldaten stand. Es war eine Frau, vielleicht Anfang Zwanzig, die ihr goldlondes Haar zu einem Knoten hinter dem Kopf zusammengebunden hatte.
»Der bin ich«, sagte Laer und stand von seinem Schreibtisch auf. Diese Frau war nicht in eine Uniform der Sternenmarine gekleidet. Was tat sie hier?
»Lechent«, meinte der linke der beiden Stiarvalorer, dessen Stimme durch das Sprechgerät des Helmes verzerrt klang »Wir haben einen ungebetenen Gast an Bord, wie es aussieht. Diese junge Frau hier hatte sich eine Woche lang im Laderaum des Schiffes versteckt. Wirklich ein ausgeklügelter Plan, aber einer der Ingenieure hat sie dann doch entdeckt. Sie meint, sie ist vom Loan Ara. General Casar befahl uns, sie zu Euch zu schicken«
Die Frau schaute beschämt zu Boden. Ganz offensichtlich gefiel ihr diese Situation nicht, hier so ertappt vor einem Offizier zu stehen.
»Bin ich hier die Pressestelle, oder was?«, fragte Laer. Warum betraute Casar ihn immer mit all dem nervigen und unnötigen Zeug, das innerhalb der Legion geschah.
»Sir … wir … dachten«
Der rechte Stiarvalorer schnitt seinem Kameraden das Wort ab »Es war unser Befehl. Ihr sollt Euch um sie kümmern, meinte der General. Zurückschicken können wir sie jetzt nicht mehr. Es sei denn, sie hat Lust eine Reise von zwanzigtausend Lichtjahren zurück nach Eria anzutreten«
Die Frau schüttelte auf diese Aussage hin vehement den Kopf.
Laer seufzte und schaute sich in seinem Büro um, als würde er in den silbernen Wänden des Schiffes nach irgend einem Ausweg für diese Situation suchen.
Schließlich sagte er: »Na gut. Ich werde sehen, was ich tun kann. Wegtreten.«
Die beiden Stiarvalorer salutierten, drehten sich gleichzeitig um, und verschwanden aus dem Büro durch die automatische Tür.
Laer warf einen prüfenden Blick zu der Frau hinüber und zog eine Augenbraue hoch.
Sie schaute auf und salutierte etwas unsicher.
»Das ist nicht nötig, aber vielen Dank«, meinte Laer, ging um seinen Schreibtisch herum und setzte sich wieder in seinen Sessel. Er nahm ein kleines Modell eines ISR 171 Raumjägers, das vor ihm neben seinem Computer stand und begann, damit zwischen seinen Fingern zu spielen. »Sie haben es also tatsächlich geschafft, eine ganze Woche lang unbemerkt auf dem Schiff zu bleiben, ja?«
Die Frau räusperte sich, faltete die Hände vor dem Bauch und trat vor den Schreibtisch. Laer konnte erkennen, dass ihre Finger zitterten.
»Ja«, presste sie heraus »Seit … na ja, seit die Legion Melnor verlassen hat. Ich konnte an Bord kommen, weil … na ja, weil das Aufladen auf das Schiff so lange gedauert hat. Bin dann einfach in einen Container rein und na ja … dann haben sie mich aber gefunden. Wollte sowieso nicht die ganze Zeit da bleiben. Ja, genau«
Laer legte das Modell des Raumjägers zurück auf den Tisch und betrachtete sie einige Sekunden lang. Wenn sie es tatsächlich eine ganze Woche lang im Frachtraum eines Schlachtschiffes der Fairosara – Klasse ausgehalten hatte, dann konnte sie so willensschwach gar nicht sein. Trotzdem empfand er es als puren Wahnsinn, dass diese Zivilistin sich willentlich und mit voller Absicht in eines der umkämpftesten Kriegsgebiete der Galaxis begeben hatte.
»Dürfte ich auch Ihren Namen wissen?«, fragte er.
Sie nickte hastig »Natürlich. Ich bin Isa Callari. Ich komme von der Zeitung des Loan Ara«
»Und was genau tun Sie an Bord eines Kriegsschiffes der Silvirengla Legion?«
»Ich bin Reporterin«
»Reporterin … Hier draußen nennt man das wohl eher
Kriegsberichtserstatterin«
»Ach was, das Wort klingt so hart«
»Es ist ja auch nicht gerade eine Kreuzfahrt, auf die Sie sich da begeben haben«
Es war der ausdrückliche Wunsch aller Offiziere der Silberengel gewesen, dass sie es eben nicht wünschten, den gesamten Feldzug gegen das Duyari Imperium über permanent von irgendwelchen Reportern belagert zu werden. Sie hatten jede bitte jedes Senders und jeder Zeitung direkt abgewiesen, Kriegsberichtserstatter mit in diesen Kampf zu nehmen. Dass sich aber nun einer von ihnen einfach an Bord schlich, musste Laer zugeben, hatte er am allerwenigsten von allen möglichen Ereignissen erwartet.
»Hm« Laer stand wieder aus seinem Sessel auf, ging um den Tisch herum und lehnte sich dagegen »Und was genau erwarten Sie, großartiges zu erfahren, wenn Sie mit uns kommen? Umkehren ist jetzt nicht mehr. Wir sind mitten in duyarischem Raum auf dem Weg zu einem Einsatz. Selbst wenn Sie sich jetzt noch umentscheiden würden … Sie könnten es nicht«
Isa räusperte sich und hob das Kinn. »Ich will Eure persönliche Erstatterin für das Kriegstagebuch der Silberengel sein«, sagte sie entschlossen.
Laer zog eine Augenbraue hoch und stieß sich vom Tisch ab. Er ging zum Fenster des Zimmers herüber, vor dem die Sterne im Hyperraum in einem langen blauen Licht vorbeizogen.
»Kriegstagebuch …«, sagte er leise, jedoch noch so laut, dass sie es hören konnte. Dann drehte er sich wieder zu der Reporterin um »Und warum glaubt der Loan Ara, dass unsere Legion ein Kriegstagebuch bräuchte?«
»Weil es für diesen Krieg ein Tagebuch, Aufzeichnungen und Bilder geben muss. Es ist ein legendärer Krieg. Ein Krieg, wie es ihn seit achthundert Jahren nicht mehr gegeben hat.«
»Und das macht ihn legendär?«
»Nein … es ist nur … ich meine … die Umstände machen ihn besonders.«
»Ihr meint wegen Turesk?«
Isa schaute kurz auf den blauen Teppichboden, als würde sie dort etwas suchen. Dann schaute sie wieder zu ihm auf. »Ja, wegen Turesk unter anderem«
»Und wegen was noch?«
»Na, es waren schon lange nicht mehr so viele Legionen auf einmal im Einsatz. Und das auch noch alle im selben Gebiet. Es ist ein Krieg von geschichtlichem Ausmaß.«
»Das ist jeder Krieg«
»Aber nicht jeder ist wie dieser, Lechent«
Laer fuhr ein flüchtiges Schmunzeln über die Lippen. Er drehte sich zu der Reporterin um und verschränkte die Arme.
»Zurückschicken können wir Euch dann tatsächlich nicht mehr.« Der Lechent trat einige Schritte zu einem Bild hinüber, das an der Wand hing. Isa hatte es eben beim reinkommen gar nicht bemerkt. Kein Wunder, sie war auch viel zu aufgeregt gewesen, um irgendetwas außer den Offizier der Stiarvalorer in einem Tunnelblick zu behalten.
Das in einem goldenen Rahmen gehüllte Bild zeigte ein weites Tal, durch das ein brausender Fluss zog. Isa musste drei Mal hinsehen, um zu erkennen, dass es sich dabei um kein Foto, sondern um eine tatsächliche Malerei handelte. Wer auch immer es geschaffen hatte – er besaß ganz sicher einen enormen Faible für Detail und Genauigkeit.
Laer winkte sie heran »Kommt her, ich möchte Euch etwas zeigen«
Isa schluckte nervös und trat an seine Seite. Der Offizier überragte sie um einen Kopf.
»Wisst Ihr, was das hier ist?«, fragte Laer und schaute sie aus dem Augenwinkel an.
»Das ist …« Isa überlegte kurz, »Eine Welt, oder?«
Laer kicherte amüsiert. »Natürlich ist das eine Welt« Er schaute sie jetzt an, »Aber wisst ihr auch, welche?«
Isa schüttelte den Kopf.
»Das ist die Heimatwelt meiner Legion. Welendia. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich das 'Feuer' der Grundausbildung durchschritten habe. Es ist eine schöne Welt. Voll von Leben und Hoffnung. Unsere Hauptstadt ist Dinas Welendia. Sie liegt zwischen zwei Gebirgsketten in einem Tal. Ich bin dort aufgewachsen und viele meiner Kameraden der Silvirengla Legion auch.« Er hielt kurz inne und begutachtete wieder das Bild vor ihm mit kritischem Blick.
»Wisst ihr, warum ich Euch davon erzähle?«, fragte er.
Isa schüttelte nur wieder den Kopf. Ihre Stimme hätte gerade sowieso zu sehr gezittert, als dass sie eine vernünftige Antwort hätte herausbringen können.
»Ich erzähle es Euch, damit Ihr seht, wofür wir kämpfen. Ich zeuge es Euch, damit ihr seht, dass es genau diese Welt und Dutzende andere Welten des Sternenreiches sind, die wir mit unserem Leben, unserem Blut, unserem Stahl beschützen. Das ganze hier ist kein Spiel. Es ist keine Reise, die man leichtfertig antritt und vor allem ist ein kein Ort, kein Weg, den man leicht hinnehmen sollte. Ich finde nur, Ihr solltet das wissen, Reporterin Callari.«
»Das verstehe ich«, platzte es aus Isa heraus. »Und ich bin hier, um diesen großartigen Kampf und vor allem seine Helden für die Nachwelt festzuhalten. Ihr seid Helden im Sternenreich. Für jeden von uns. Ich werde die Erinnerungen schaffen, von denen Historiker noch in Jahrtausenden ihre Quellen beziehen werden.«
Laer war vielleicht ein Soldat. Nicht nur ein Soldat, nein. Er gehörte zu einer der mächtigsten Eliteeinheiten überhaupt, die die Galaxis je gesehen hatte. Er wusste sich gegen einhundert verschiedene Arten von Angriffen von verschiedensten Waffen und Techniken zur Wehr zu setzen. Nur gegen eine Attacke war er nicht gefeit, nein, war er gerade zu anfällig – für Schmeicheleien.
»Ihr schmeichelt mir«, sagte er und ein Grinsen legte sich auf seine Züge. Ein Gefühl des Sieges durchfuhr Isa, als sie dies sah. Sie trat noch einen Schritt näher an ihn heran. »Das Volk von Eria wird sich auf ewig an Eure Taten erinnern.« Sie senkte verführerisch ihre Stimme »Lasst mich Eure Memoratorin sein, und ich mache Euch zu einer Legende, an die man sich noch in tausend Jahren erinnern wird.«
Laer wandte kurz seinen Blick ab »Und wenn ich nicht berühmt werden will?« An seinem Gesichtsausdruck erkannte Isa, dass er unmissverständlich bluffte. Dennoch ging sie darauf ein »Ihr seid ein Mann des Ruhms. Verarscht mich nicht«
Laer seufzte laut auf. »Na schön. Wenn Ihr unbedingt in die Scheiße mit reingezogen werden wollt, dann könnt Ihr es gerne.«
Isa musste den Drang unterdrücken, jetzt einen Freudensprung in die Luft zu machen.
»Ich danke Euch, Lechent« Sie verneigte sich kurz. Laer schmunzelte darüber bloß. Er ging zu seinem Schreibtisch zurück und setzte sich.
»Ihr werdet die Legion auf diesem Feldzug begleiten, die Besprechungen dokumentieren, den Alltag der Soldaten, wenn Ihr wollt. Aber vom Schlachtfeld bleibt Ihr fern. Jedenfalls so fern, dass Euch nichts geschehen kann. Das könnte ich nicht verantworten. Verstanden?«
Isa nickte hastig. Sie zog eine Computertafel aus der Tasche ihrer Jeans, öffnete eine Datei und begann die ersten Notizen auf dem blau leuchtenden Feld zu machen.
»Ihr könnt ein Quartier auf den Offiziersdecks haben. Ich bin mir sowieso sicher, dass in den nächsten Wochen einige davon frei werden.«
Isas Freude wurde bei diesen Worten wie im Keim erstickt. Natürlich würden die Quartiere frei werden. Wahrscheinlich sogar viele von ihnen. Soweit sie wusste, war dieser Krieg nie mit wenigen Verlusten geplant worden.
»Ich äh …« Sie stotterte kurz und suchte nach Worten. Sie war sich nicht ganz sicher, wie sie denn diese Frage jetzt genau formulieren sollte »Wie viele … also, ich meine … die Verluste in Eurer …«
»Einhundertsiebzehn meiner Kompanie. In der ganzen Legion um die neunzehntausend bis jetzt«, beantwortete Laer die Frage mit der stumpfen Sächlichkeit, die er stets beim Beantworten dieser Frage an den Tag zu legen pflegte.
Isa hielt inne und ließ die Computertafel sinken »Oh … verstehe. Danke … danke, dass Ihr mir diese Auskunft gebt, ich hätte nicht gedacht, dass …«
»Ich wüsste nicht warum, Frau Callari. Die Zahlen sind im gesamten Sternenreich einsehbar«
Isa presste die Lippen zusammen, hob die Computertafel wieder und tippte ein wenig für neue Notizen darauf herum.
»Ach … ähm, nennt mich doch einfach Isa. Ich mag die Förmlichkeiten nicht«
Laer zog eine Augenbraue hoch und lächelte für einen verschwindend kleinen Moment »Okay, Isa« Laer räusperte sich »Ihr müsst erschöpft sein nach Tagen im Laderaum eines Kriegsschiffes. Tesari Aglair wird Euch zu Eurem Quartier begleiten, wenn es Euch recht ist«, sagte er. Er drückte auf einen kleinen Knopf am Rande seines Schreibtisches »Tesari Aglair, in mein Büro. Begleiten Sie die junge Dame die hier ist, auf eines der freien Offiziersquartiere. Nur das beste für ungebetene Passagiere.« Er grinste breit.
Isa nickte kurz dankend und verstaute die Computertafel wieder in der Tasche, die sie an der Hüfte trug.
»Danke nochmal«, sagte sie knapp.
»Baut hier einfach keinen Mist. Dann wird die ganze Sache schon klar gehen. Ich habe Euch eben meine Bedingungen diktiert. Beherzigt sie.«
»Natürlich, werde ich«
Die Tür des Büros öffnete sich und herein trat ein Mann in Stiarvalorerrüstungen. Er hatte sich den Helm vom Kopf genommen und wuschelte sich durch das dunkle Haar. Isa fühlte sich vor ihm noch kleiner als vor Laer. Nicht, dass sie das irgendwie beunruhigt hätte, doch sie fand es irgendwie amüsant herauszufinden, wie groß die Stiarvalorer alle waren. Sie fand aber Laer auch ganz hübsch mit seinen kupferblonden Haaren und diesen wachsamen Augen, die wie Smaragde hervorstachen.
»Lechent Laer«, sagte der Mann, der aussah, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich. »Ihr wolltet mich sehen?«
»Ja ja«, meinte Laer und legte seine Beine auf den Schreibtisch »Schaut mal an, wer sich heimlich an Bord geschmuggelt hat« Er ließ eine unangenehme Pause, in der Isa ganz genau wusste, auf wem nun alle Augen ruhten. »Eine Reporterin des Loan Ara. Sie will uns zu Medienhelden machen.«
Aglair schnaubte amüsiert »Helden werden wir auch ohne Medien sein. Und ohne Kameras und ohne, dass man die Titelseiten der Zeitungen mit uns füllt«
»Ich werde euch nicht nur zu Helden machen«, warf Isa ein »Ich werde euch zu den Helden des Krieges machen! Silvirengla Laghion … die tapfersten Soldaten der Weltenwehr. Die größten Krieger des Sternenreiches. Wie klingt das?«
»Das sind wir sowieso schon«, sagte Laer und grinste verwegen.
»Nicht in dem Maße, wie ich …«
»Jetzt aber mal ganz ruhig. Ich bring Euch jetzt erst mal zum Quartier. Da könnt Ihr ausschlafen und noch einmal darüber nachdenken, auf was für eine wahnsinnige Mission Ihr Euch da begeben habt. Vielleicht kommt Ihr dann zur Besinnung, aber zurück kommt Ihr ganz klar nicht mehr. Verstanden?«, erklärte Aglair.
Isa nickte.
Bevor sie zur Tür hinausgingen, drehte sie sich noch einmal kurz zu Laer um »Morgen will ich aber ein ganzes Interview mit Euch führen. Ihr müsst mir alles erzählen. Lechent Laer der Silberengel. Das wird die Titelseiten füllen! Das verspreche ich Euch!«
»Genau, ich werde der Stolz der Legion sein!«, erwiderte Laer scherzhaft »Jetzt ruht Euch aber erst mal aus!«
Die Tür zum Büro schloss sich und sie standen wieder auf dem mit blauem Teppich ausgelegten Gang des Decks.
Isa fand auf ihrem Weg zu den Quartieren heraus, dass Aglair nicht wirklich so gesprächig war wie sein kommandierender Offizier. Die Reporterin fing auf ihrem Weg immer wieder verwunderte Blicke der Offiziere und Soldaten ein. Sie fühlte sich auch ein wenig unwohl dabei, die einzige hier zu sein, die nicht in Uniform gekleidet war. Die schwarze Jeans und die weiße Bluse hatten es für die letzten Tage bringen müssen, während sie sich im Frachtraum versteckt hatte. Vielleicht waren sie ja so freundlich und gaben ihr eine Art Uniform. Vielleicht sogar eine neu zusammengestellte für Kriegsberichtserstatter. Kriegsberichtserstatter, das wäre das Wort gewesen, das Laer jetzt wieder verwendet hätte. Und irgendwie hatte er mit dem auch ziemlich gut das beschrieben, was sie jetzt tat. Trotzdem hinterließ dieser Begriff immer noch einen bitteren Beigeschmack. Sie war doch keine Kriegsberichtserstatterin. Sie war Reporterin. Jedenfalls versuchte sie sich das immer wieder einzureden. Krieg – Dieses Wort klang so dreckig, so schmutzig. Nein, die Silberengel marschierten neben ihren Schwesterlegionen in einen Heldenkampf für das Sternenreich. Krieg – wenn sie an dieses Wort dachte, musste sie auch immer an die Worte von General Palantur denken, die er ihr zu Anfang des Krieges in einem Interview mitgegeben hatte: „Krieg ist grausam. Wir müssen grausamer sein.“
»Und Euer Name ist … äh«, versuchte Isa das Gespräch mit dem mürrischen Stiarvalorer wieder aufzunehmen.
»Aglair … Tesari Aglair«, sagte er knapp.
»Ein Nachname vielleicht. Das wäre auch nicht schlecht« Isa vermerkte den Namen auf ihrer Computertafel.
»Der ist doch nicht von Belang, oder? Am Ende zählen nicht unsere Namen, sondern unsere Taten«
»Nun … schon … aber eigentlich«
»Wir sind da«
Sie hielten ruckartig an.
»Das ist das Quartier?«, fragte Isa und betrachtete die silberne Tür mit der Zahl '93' genauer.
»Ja«, sagte Aglair »Nach der Schlacht auf Tayiba ist dieses Quartier frei geworden. Glaubt mir, er hätte gewollt, dass Ihr es bekommt, wenn Euch das beruhigt.«
»So halbwegs«, meinte Isa kichernd. Eigentlich fühlte sie sich gar nicht wohl dabei, das Quartier eines jetzt Toten zu bewohnen. Eines Gefallenen.
»Ihr dürft Euch auf der Angre Gythesas frei bewegen, wenn das für eure journalistische Arbeit nötig ist. Aber haltet die Besatzung und die Soldaten nicht zu lange von ihrer Arbeit ab. Das wäre alles«, erklärte Aglair.
»Ja gut, danke«
Aglair nickte knapp und verschwand dann den langen Gang hinunter.
Isa atmete erleichtert auf. Es war nicht besonders angenehm, die ganze Zeit unter den prüfenden Blicken irgendwelcher Offiziere umherlaufen zu müssen.
Sie legte einen Finger auf das Bedienfeld neben der Tür und sie öffnete sich. Das Quartier war recht geräumig. Ein schräges Fenster ließ das Licht des Hyperraumes hineinblitzen und einige gelbe Lampen versprühten ein angenehmes Licht. Der Lärm und das Gerede der Offiziere auf dem Gang ebbte ab, als sich die Tür wieder hinter ihr geschlossen hatte. Ein kleines Badezimmer befand sich zu ihrer Linken, ein blaues Bett am Fenster und ein minimalistisch eingerichteter Schreibtisch gegenüber. Das sollte eigentlich für ihre Arbeit ausreichen. Isa erinnerte sich daran, gehört zu haben, dass Schiffe der Fairosara Klasse, wie die Angre Gythesas eines war, sogar eine Schwimmhalle besaßen. Das ganze Schiff hier war nicht nur ein Kriegskoloss, sondern eine ganze Kaserne, eine ganze Soldatenstadt. Sie beschloss, morgen früh der Brücke einmal einen Besuch abzustatten. Wie Aglair gesagt hatte, durfte sie sich frei auf dem Schiff bewegen – und sie wäre dumm, würde sie diese Gelegenheit nicht in ihrer vollen süßen Gänze auskosten.
Sie sprang kurz unter die Dusche, um den ganzen Dreck von den Tagen im stickigen Laderaum, abzuwaschen. Es tat gut, endlich wieder warmes Wasser auf der Haut zu spüren.
Man hatte ihr sogar Ersatzkleidung auf das Bett gelegt. Es brachte ein Schmunzeln über Isas Lippen, wie aufmerksam Laer doch war. Vielleicht bekam sie ja wirklich am Ende eine Uniform.
Nachdem sie sich angekleidet hatte, begab sie sich an den Computer, der am Schreibtisch stand. Sie versuchte eine ganz bestimmte Frequenz zu erreichen, um jemanden zu kontaktieren. Jemanden, der unbedingt erfahren musste, was sie heute geschafft hatte.
Isa hoffte inständig, dass die Hyperraumfunkkanäle auf dem Schiff nicht gesperrt waren. Selbst wenn ihr Ziel hunderte von Lichtjahren entfernt war – einen Versuch war es wenigstens wert.
Der Bildschirm blinkte auf, als die Verbindung hergestellt wurde. Er flackerte erst blau, dann rot und dann grün. Und schließlich erschien ein Gesicht, das Isa so unendlich froh war zu sehen. Es war ein hübsches Gesicht, wenn auch manchmal ein wenig überschminkt, wie sie fand.
»Isa, Schätzchen!«, schallte die Stimme aus den Lautsprechern. »Woher … oh lass mich raten, du bist an Bord?«
Isa nickte freudig erregt »Ja, ich hab's geschafft. Die Tage im Frachtraum haben sich ausgezahlt. Und ich bin sogar dann zu einem der Offiziere gekommen und jetzt haben sie mir ein Quartier gegeben! Ich will dir so viel erzählen«
»Das ist ja großartig! Und? Wie ist es so bei den Silberengeln? Ich wunder mich, dass sie dich nicht direkt von Bord geworfen haben«, die Frau auf dem Bildschirm kicherte.
»Es ist toll hier«, meinte Isa »Das Schiff ist riesig. Keine Ahnung, wie viele Decks die haben, aber jedenfalls mehr als ich bis jetzt zählen konnte. Ich will dir unbedingt noch mehr erzählen, Wika, aber ich weiß nicht, wie lange die Verbindung noch hält«
»Ja, ich weiß. Interferenzen und so. Meine Güte, es gibt im Raum der Duyari so unglaublich viele schöne Nebel. Aber ist ja auch egal.«, sagte Wika. »Dem Wardiari habe ich schon so viel mitzuteilen. Mein Chefredakteur wird Augen machen bei all den Informationen, die ich schon gesammelt habe. Vigolos Aghillion hier, ein Bild von einem Stiarvalorer. Unglaublich. Er spricht so offen, meine Güte über so viele Dinge. Aber ein Tipp von mir – mach die Interviews am besten an den Abenden nach den Schlachten. Dann sind alle froh und trinken viel, das kann helfen«
Isa nickte und lächelte. Ja, so kannte sie ihre alte Freundin. Sie fand immer einen Weg, das beste aus einer Situation rauszuholen. Obwohl sie beide eigentlich für konkurrierende Zeitungen arbeiteten, tauschten sie doch immer wieder gerne Informationen aus. Dies war sozusagen ihr kleines Geheimnis.
»Warst du schon in einer Schlacht?«, fragte sie.
Wika presste die blutroten Lippen zusammen »Aaah, nein, nicht wirklich. Bis jetzt haben mich die Offiziere noch nicht mitgehen lassen. Sie meinten, es sei zu gefährlich. Ich muss hier immer auf dem Schiff ausharren und darf die ganzen hübschen Planeten nur aus den Fenstern anschauen. Kannst du dir das vorstellen? Was es für glorreiche Bilder da unten geben könnte. Das wollte ich Aghillion auch schon sagen … aber er wollte nie, dass ich mitkomme«, jammerte Wika in ihrem typisch theatralischen Ton.
»Ich glaube, sie wollen einfach nicht, dass wir sterben«, meinte Isa schmunzelnd.
»Aber einmal!«, begann Wika wieder und kniff die mandelförmigen Augen zusammen »Da wurden wir von einem Geschwader an Duyarikreuzern angegriffen. Ich hab Bilder und Videos gemacht. Unsere Flotte hat zwei Schiffe verloren. Die Rimos hat nur leichte Schäden abbekommen, aber das war ein Schreck, das sag ich dir«
»Glaube ich. Und dann bist du dir ganz sicher, dass du mit auf einen Planeten da willst?«, fragte Isa.
»Aber sicher doch, Schätzchen! Ich bin Reporterin, dafür bin ich hier!«
»Also Lechent Laer nannte mich Kriegsberichtserstatterin«
Wika winkte abweisend mit der Hand »Ach, pah, dieses Wort beschreibt nicht im Ansatz, was wir hier tun. Wir dokumentieren. Das ist etwas ganz anderes. Und ich kann mir ehrlich gesagt nichts spannenderes vorstellen.«
»Wenigstens bist du offiziell dabei«
»Ach, wenn dich dieser Laer mag, dann bist du auch offiziell dabei. Du kannst mir nicht erzählen, die Silberengel ständen nicht auch gerne im Rampenlicht. Jede Legion tut das. Ganz besonders Aghillion, ja ja. Er macht schon Scherze darüber, dass er jetzt wohl bald alleine die Prominenz im Sternenreich stellt. So ein Strolch.«
»Hast du was mit ihm, oder was?« Isa zog belustigt eine Augenbraue hoch.
»Na, wir sind uns schon ein paar Mal etwas näher gekommen … also ziemlich nah. Aber egal, das ist ja auch egal. Wichtig ist nur, wie unglaublich spannend diese Reise ist.«
»Kennst du den Unterschied zwischen einer Reise und einem Feldzug immer noch nicht? Es ist Krieg, Wika«
»Ach komm, Schätzchen, sieh das ganze doch nicht so eng. Es ist ein Abenteuer. Darauf haben wir uns doch beide so gefreut«
Isa musste zugeben, dass sie damit recht hatte. Trotzdem gefiel es ihr nicht, dass Wika das alles so auf die leichte Schulter nahm.
Das Bild begann wieder zu flackern.
»Hören wir uns morgen wieder?«, fragte Isa.
»Ähm … nein … es geht gleich auf eine Mission, auf die ich mitkommen soll. Nichts großes. Aber es wird bestimmt ein großartiger Bericht.«, knisterte Wikas Stimme nur noch dumpf durch die Lautsprecher.
»Jetzt also doch?«, wollte Isa noch fragen, doch die Verbindung war bereits unterbrochen.
Der Bildschirm vor Wika verstummte und die Hyperraumverbindung wurde abgeschnitten. Sie seufzte und lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Wenigstens hatte Isa jetzt ihren Platz bei den Silberengeln bekommen. Es war aber auch wirklich eine einfallsreiche Idee gewesen, sich bei Melnor einfach an Bord über den Frachtraum zu schmuggeln. Wika musste immer wieder breit grinsen, wenn sie daran dachte.
Sie warf einen Blick aus dem Fenster. Dort im weißen Meer der Sterne hing etwas, das nur wie ein grün – brauner Haufen Matsch von hier aus wirkte. Nachod war wirklich kein Juwel zum Anschauen. Doch dort würde der nächste Angriff der Tweilithar Legion erfolgen. Besonders viel hatte ihr Aghillion darüber noch nicht mitgeteilt. Nur, dass sie auf diesem Planeten kaum auf nennenswerte Kräfte der Duyari stoßen würden. Viel mehr sollte es ein Routineeinsatz, Sicherung der Welt und Erkundungseinsatz werden. Deshalb hatte Aghillion auch nach einer halben Stunde des Jammerns und Bettelns ihrerseits eingewilligt, sie ausnahmsweise als Dokumentatorin auf diese Mission mitzunehmen. Ihr Geschwader hatte schon gestern das gesamte System nach feindlichen Schiffen abgesucht. Nur ein paar Korvetten waren ihren Schlachtkreuzern vor die Geschütze gekommen und waren nun nicht mehr als ein weites Trümmerfeld, das irgendwo im Weltraum herumflog.
Die Flotte der Tweiliathar Laghion hatte sich vor drei Tagen kurz vor Katalu Bna aufgeteilt. General Marghos und Lord Arthian, neuer Heerführer des Feldzuges, begann nun den Hauptteil der Legion Richtung Tuma Yadu zu führen. So wie Wika es mitbekommen hatte, würde ihr Teil der Legion dazustoßen, sobald Nachod erobert war.
Tuma Yadu, die Hauptwelt des Duyari Imperiums. Ihr wurde heiß am ganzen Leib dabei, wenn sie nur daran dachte, dass sie diesen bedeutenden Planeten bald angreifen würden. Es war eine brodelnde Freude, die in ihr aufstieg. Fast schon konnte sie ihr erotische Züge zusprechen. Es wäre so ein großartiger Sieg. Ein glorreicher Tag. Beinahe so glorreich wie jener Tag auf Melnor, als Kaiser Luminor Arthian zum Feldherren ernannte. Die ganzen Fahnen, die Trompeten, die Orchester, die marschierenden Soldaten und die krachenden Salutschüsse. Wika dachte mit Freude daran zurück. Sie hatten so viel gefeiert an diesem Abend. Es war auch der Abend gewesen, an dem sie Aghillion zum ersten Mal begegnete und ihn mit ihren Reizen dazu überreden konnte, sie als seine persönliche Dokumentatorin anzunehmen. Und bei den Göttern, sie würde ihrem Chefredakteur vom Wardiari so viele Interviews, Bilder und Filmausschnitte zukommen lassen, dass er darin ertrank. Vielleicht würde sie es sogar sein, die es schaffte als erste den ruhmreichen Sieg des Feldzuges zu dokumentieren.
So sehr sie ihr Ehrgeiz auch anstachelte, wusste sie doch auch, dass es schwierig werden würde, wirklich als erste Reporterin Tuma Yadu zu erreichen. Hunderte eifriger Journalisten hatten sich den Legionen zu Beginn des Krieges angeschlossen und lieferten täglich die schrecklichen Bilder der Kämpfe an die Sender und Zeitungen des Sternenreiches.
Ein kurzer verträumter Blick auf die Uhr über dem weiten roten Bett ihrer Kabine ließ sie aufschrecken. Um Siebzehn Uhr wollte sie sich doch mit Aghillion im Haupthangar des Schiffes treffen. Wika musste zugeben, dass sie ein wenig aufgeregt wegen dieser Mission war. Aber die Offiziere würden sie wohl kaum mit auf einen Ausflug nehmen, der für sie eine ernste Gefahr darstellte.
Schnell zog sie sich ihren lavendelfarbenen Rock und die schwarze Bluse mit dem großzügigen Ausschnitt an, die den Farben der Tweilithar Laghion nachempfunden waren. Irgendwie fühlte sie sich schon Teil der Legion; und das wollte sie auch offen zeigen. Das kastanienbraune Haar ließ sie offen. So dreckig konnte es da unten doch wirklich nicht sein – auch wenn der Blick aus dem Fenster etwas anderes verriet. Ihre peinlich akkurat manikürten Fingernägel hatte sie heute zur Feier des Tages rot lackiert. Sie strich sich damit durch ihr feines Haar, bevor sie das Parfüm aus der kristallenen Flasche auf der Kommode neben dem Bett auf ihren Hals auftrug.
Die Rimos war nun anscheinend in die Atmosphäre eingetreten und dicke grüne Wolken taten sich nun unter ihnen auf.
Wika trat ans Fenster. Da draußen offenbarte sich eine Landschaft, die geprägt war von dichten Wäldern und großen Seen. Ein merkwürdiger grüner Dunst lag in der Luft, als sie unter die Wolken kamen. Vielleicht sollte sie doch besser eine Regenjacke anziehen. Ein Schwarm von ISR 171 und Isvalor Jägern sauste am Fenster vorbei, begab sich in eine Keilformation und überflog den Sumpfwald unter ihnen in einer 8 – Form. Weitere Schlachtschiffe der Stiarvarg Klasse, Kreuzer der Steilspear Klasse und Fregatten der Ravan Klasse, sammelten sich neben der Rimos und bald war das gesamte Geschwader etwa eintausend Meter über der Landschaft vor Hochanker gegangen.
Wika griff sich ihre Kamera und machte sich auf den Weg zum Hangar.
Die gesamte Besatzung war in hellem Aufruhr. Mannschaftsmitglieder rannten wie aufgescheucht durch die weiß beleuchteten Gänge und Marines und Stiarvalorer eilten zu ihren Einsätzen.
Die Stimme des Captains der Rimos hallte durch die Lautsprecher über das gesamte Deck
»Bodenlandung erfolgt in zwanzig Minuten. Alle Soldaten zu ihren Einheiten im Hangar«
Wie oft hatte Wika diese Durchsage schon vernommen. Vor jeder Schlacht, in die die Legion zog und es war immer ein Aufruhr auf dem Schiff, dass man dachte, der Kaiser persönlich würde eine Bordkontrolle durchführen. Aber es war das erste Mal, in dem Wika ebenfalls an einer Mission teilnahm. Ihr Herz pochte wie wild, als sie sich den Weg zum Aufzug bahnte. Das war alles so aufregend und neu für sie.
Als sie auf das Hangardeck gefahren und die Türen sich geöffnet hatten, tat sich ein jetzt noch viel unübersichtlicheres Wirrwarr auf. Dutzende an Naichasgali Transportern, Jägern und Bombern standen wie in einem Chaos verteilt auf dem weiten silbernen Feld. Hunderte Offiziere und Ingenieure, die wie Ameisen zwischen den Fliegern hin und herwuselten, zeigten jedoch, dass dies hier ganz und gar nicht dem Chaos entsprach, dem es auf den ersten Blick glich. Einige der ISR 171 Jäger starteten unter lautem Dröhnen ihrer blau leuchtenden Triebwerken und schossen aus den glänzenden Energiefeldern des Hangars hinaus. Andere flogen hinein, landeten und wurden sogleich von einem Technikteam mit neuem Treibstoff versorgt.
Wika versuchte angestrengt in all der Masse an Menschen und Maschinen den Naichasgali von Aghillion auszumachen. Dass er sie nicht direkt hier abholte, empfand sie als ungeheuerlich.
Es dauerte fast eine Minute, bis sie die große blonde Gestalt in der schwarz – violetten Rüstung endlich in der Mitte der Halle ausmachen konnte. Sein Gesicht war ein Abbild dessen, wie ein Stiarvalorer-Krieger sein sollte: stolz, engelsgleich und über alles erhaben.
Wika machte Fotos auf ihrem Weg, versuchte so viele Bilder der dröhnenden Naichasgalis wie möglich einzufangen. Stiarvalorer und Marines sprangen in die Transporter und die Schiebetüren unter den Flügeln schlossen sich. Es war so unglaublich faszinierend. Wika lud die Bilder, die sie schoss, direkt in der digitalen Datenbank des Schiffes hoch, um sie nach der Mission sofort an die Redaktion senden zu können.
»Frau Gwendhert!«, rief Aghillion zu ihr herüber, der gerade zwischen vier seiner Männer stand. Er hatte das VG71 am Gurt über die Schulter geworfen und schaute so ernst drein wie er es immer tat, wenn er gerade im Einsatz war.
»Ah, Vigolos Aghillion. Ähm, ich wäre dann soweit«
Aghillion rümpfte kurz die Nase »War das Parfum wirklich nötig? Was soll das sein? Himbeere?«
Wika legte empört zwei Finger an den Hals »Also bitte. Das ist das edelste Parfum, das man im Sternenreich kaufen kann. Das ist ein Himiathift Eorgardas. Note Himbeere. Eine Flasche kostet fünfhundert Croni!«
»Die Duyari werden ganz entzückt sein, Fräulein Gwendhert«, lachte Aghillion.
Sie hasste es, wenn er so förmlich tat. Aber das musste er, wenn seine Männer in der Nähe waren.
»Jetzt aber hopp rein. Es geht gleich los«
Wika lächelte kurz und folgte den Stiarvalorern in den Bauch der Naichasgali, wobei sie sich betont nah an Aghillion hielt. Dieser zog jetzt auch den Helm über den Kopf. Es klickte, als dieser auf seiner Rüstung einrastete.
»Ein wenig nervös bin ich ja schon«, meinte Wika und versuchte ihre Anspannung im Zaum zu halten. Es war ihr unangenehm, jetzt in diese ausdruckslosen Helmgesichter zu blicken.
»Haltet euch einfach fest. Dann wird nichts schiefgehen. Nach der Landung schlagen wir ein Lager auf. Wir rechnen in diesem Bereich noch mit keinem Widerstand. Ihr werdet beim Lager bleiben, wenn wir angekommen sind. Alles andere wäre zu gefährlich.«
Eigentlich hätte Wika jetzt protestiert, wer er war, ihr zu sagen, was sie zu tun und zu lassen hatte, hätte sie nicht selbst diesen Plan für gut befunden.
»Festhalten!«, sagte Aghillion noch einmal eindringlich.
Wika konnte gerade noch die stählerne Halterung an der Decke greifen, bevor sich die Schiebetüren schlossen und sich die Naichasgali mit einem Ruck in Bewegung setzte.
Hoffentlich wurde ihr nicht schlecht auf diesem Flug. Das war das letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte.
Es war Nacht über der Wüste geworden. Die vier kleinen Monde am Himmel warfen ein schimmrig silbernes Licht in den Tempel und erhellten die exotischen Gewächse, die in der großen Haupthalle wucherten. Sie hatten sich in dem Palast wohnhaft eingerichtet. Die Mauern um die Gärten herum hatte Eskalian zu mit Plasma – MGs ausgestatteten Festungen ausbauen lassen. Momentan waren seine Männer noch damit beschäftigt, die Lage in den äußeren Ringen von Zaiashad zu sichern. Erwion hatte mobile Werkstätten von der Flotte anbeordert, in denen ihre Fahrzeuge repariert und gewartet werden konnten.
Comantor Eskalian schritt durch die Gänge des frisch eroberten Palastes und war sichtlich froh darüber, dass sie diesem für die Duyari doch recht ästhetischen Bauwerk so gut wie keinen Schaden zugefügt hatten. Mit der Nacht kam endlich eine gewisse Kühle über die Stadt, die jeder der erischen Soldaten aufs schmerzlichste vermisst hatte.
Die Sklaven in den äußeren Bereichen von Zaiashad hatten sich überraschend kooperativ gezeigt, für Eskalians Geschmack sogar etwas zu kooperativ. Er konnte sich kaum vorstellen, dass es ihnen wirklich gefiel, einfach den Herren ausgetauscht zu bekommen. Er hatte seine Übersetzer angewiesen, ihnen klarzumachen, dass das Sternenreich keinerlei Interesse an der Eroberung dieser Welt hatte und dass ihr Volk nach der Beseitigung der Duyari frei sein und über sein eigenes Schicksal entscheiden könne. Bedauerlicherweise hatte sich herausgestellt, dass die meisten dieser menschlichen Sklaven nicht einmal wussten, was das Sternenreich überhaupt war, oder dass es überhaupt der Möglichkeit entsprach, dass sie jemals frei sein würden. Wahrscheinlich wünschten sich die meisten noch die Herrschaft ihrer alten Meister zurück, was mit ein wenig Pech für großen Aufruhr in der Stadt sorgen könnte. Doch solange die Stiarvalorer hier stationiert waren, rechnete Eskalian nicht mit großem Widerstand. Die Bevölkerung fürchtete sie, sie fürchtete sie vermutlich noch mehr als die Duyari. Der RSO hatte bereits angeboten, einige Einheiten zur Unterstützung und zur Sicherung des 'Friedens' auf dem Planeten zu schicken. Aber wie Eskalian diese Sonderabteilung des EED kannte, würden sie eher die Bewohner der Stadt in Schießjagden durch die Straßen jagen als, dass sie für Frieden sorgten. Leandian Hiuvari war ganz enttäuscht gewesen, als er seine Bitte abgelehnt hatte. Aber RSO Soldaten waren das letzte, was sie jetzt gebrauchen konnten.
Varius' Flotte hatte den Orbit von Okada vor wenigen Stunden verlassen und sich in Richtung Tuma Yadu zur Belagerung der Hauptwelt aufgemacht. Es hatte eine tiefe Wunde in Eskalian hinterlassen, dass ihr General ihn nicht auserkoren hatte, an dieser bedeutenden Schlacht teilzunehmen. Varius hatte ihm gesagt, er sei bei der Verwaltung des besetzten Planeten fürs erste besser aufgehoben. Eskalian wusste nicht, ob er dies als Beleidigung oder als Lob auffassen sollte. Natürlich, die Aufgabe zum Kommando der gehaltenen Planeten war wichtig – doch ein Mann mit seinen Fähigkeiten sollte an der Seite seines Generals und des Feldherren stehen, wenn sie die Hauptwelt dieses verhassten Feindes niederwarfen und seine Paläste in rauchende Ruinen verwandelten.
Die weiße Rose der Rowsa Legion flatterte auf rotem Grund an den Sandsteinwänden des Palastes. Direkt von Anfang an hatten sie klarstellen wollen, unter wessen Hoheit dieser Ort nun stand. Eskalian hatte breit gegrinst, als sie die schwarz-roten Banner Turesks von den Mauern gerissen und sie in einem großen Siegesfeuer in den Gärten des Tempels verbrannt hatten. Es war ein Zeichen, das sie auf jeder Welt setzen, die sie von den Duyari befreiten. Ein Zeugnis von dem, wer das Recht hatte, über die Sterne zu herrschen und wem all die Welten der Galaxis zustanden.
»Comantor, das solltet Ihr Euch ansehen. Wir haben hier was aufregendes gefunden.«, klang es aus dem Kommunikator an der linken Brustseite von Eskalians Rüstung.
»Was gibt es denn?«
»Die Jungs und ich haben in der obersten Etage was gefunden«, sagte Ramoth und lachte durch die Funkverbindung »Sieht aus, als hätten die Priester hier in ihrem Tempel ordentlich Spaß gehabt. Ich mein … ach, das müsst Ihr Euch selbst anschauen«
Eskalian erinnerte sich wieder an die vor Angst gelähmten Priester. Jeder der Soldaten war froh gewesen, dass sie keine Zachora im Tempel gefunden hatten wie vermutet. Stattdessen waren diese komischen Priester zum Verhör auf ihr Flaggschiff, die Morn Engla, gebracht worden, das jetzt zusammen mit der restlichen Flotte ihrer Legion auf dem Weg nach Tuma Yadu war.
»Gut, ich bin auf dem Weg. Mach es nicht so spannend, Ramoth. Was gibt es denn?«
»Das müsst Ihr Euch wirklich selbst ansehen«, wieder lachte der Offizier durch die Verbindung.
»Ist ja gut« Eskalian beendete die Funkverbindung und begann die Wendeltreppen hinauf in die oberen Etagen zu steigen.
Durch die schmalen Spalte an den Wänden des Treppenhauses glitzerte das Sternenlicht in das Innere. Man konnte sich zurecht fragen, wann dieser Teil des Planeten den letzten Regen gesehen hatte. Vielleicht vor Jahren.
Oben angekommen fand sich Eskalian in einem weiten Raum wieder, der Geschmückt war mit verzierten Teppichen in bunten Farben und Schleiern aus Seide, die anstatt Türen den Übergang zum nächsten Raum kennzeichneten. Es schien ein dämmriges, orangenes Licht, als er eintrat und sich umsah.
»Comantor, da seid Ihr ja!« Ramoth kam hinter einem der Tücher hervor. Er hatte ein breites Grinsen aufgesetzt. Den Helm seiner Rüstung trug er unter dem Arm.
»Was ist hier eigentlich los?«, wollte Eskalian wissen.
»Kommt mit«
Langsam wurde Eskalian stutzig. Ramoth führte ihn in weiten Raum, der voll war mit Sitzkissen in verschiedensten Farben und Formen. An der hinteren Wand musste der Comantor feststellen, dass etwa ein halbes Dutzend Sklavinnen aufgereiht war. Fünf Stiarvalorer standen um sie herum und zwei von ihnen hatten die Gewehre erhoben. Die Gesichter der Frauen waren mit Schleiern verdeckt, obwohl sie sonst nur fein gefertigte Kleidung trugen, die bloß ihre nötigsten Zonen bedeckte.
»Was soll das hier sein?«, fragte Eskalian misstrauisch.
Ramoth stellte sich vor ihn und breitete die Arme aus »Wie es aussieht, hatten diese Schweinepriester hier ihren eigenen Lustpalast.« Er lachte »Wir haben den Raum hier eben erst entdeckt. Eigentlich hätten wir hier in der obersten Etage nur eine Abstellkammer erwartet … und dann das … könnt Ihr Euch das vorstellen?« Er schaute zu den Stiarvalorern »Nehmt die Waffen runter, Jungs« Die Stiarvalorer senkten ihre VG71ger und sicherten sie mit einem Klicken.
»Warum habt ihr sie dann nicht an die Gefangenentransporte übergeben? Die Verwahrungslager für die Kriegsgefangenen sind außerhalb des Palastes. Lechent Pethir ist für die Gefangenenverwaltung zuständig. Warum habt ihr euch nicht an meine Anweisungen gehalten?«, sagte Eskalian in strengem Ton, der signalisieren sollte, dass er diese Aktion in keinster Weise guthieß. Was hatte Ramoth hier bitte geplant??
»Comantor …«, sagte Ramoth ernüchtert und senkte die Arme. »Das hier sind keine Kriegsgefangenen … das ist Kriegsbeute«
Eskalian warf einen Blick zu den Frauen an der Wand, dann zu den Stiarvalorern, dann zurück zu Ramoth.
»Senturior Ramoth …«, sagte er eindringlich »Ich weiß, dass ihr jetzt seit drei Monaten keine Frau mehr zu Gesicht bekommen habt. Aber das ist kein Grund, jetzt hier irgendwelche Schweinereien anzurichten.«
Ramoth presste auf diese Worte hin die Lippen zusammen. Er konnte dem Blick seines befehlshabenden Offiziers nicht mehr standhalten und schaute nach links und rechts. Dann wurde sein Blick wieder entschlossener und er sagte »Denkt Ihr, sie haben unseren Frauen Gnade erwiesen, auf unseren Welten, die sie besetzt hatten?!«
Eskalian trat einen Schritt näher. Die restlichen Soldaten konnten die Spannung, die wie ein elektrisches Feld in der Luft knisterte, anscheinend spüren, denn sie begannen sich gegenseitig zuzuflüstern.
»Das hier sind nicht ihre Frauen … das sind Sklavinnen. Gefangene. Wir sind Soldaten der Weltenwehr, keine Psychopathen vom RSO. So etwas ist unserer nicht würdig. Und es ist mein ausdrücklicher Befehl, dass ihr diese Sklavinnen zu den Gefangenenlagern bringt und sie Lechent Pethir übergebt.«
»Sir … dieser Befehl ist … das ist …«
»Wir sind keine dreckigen Duyarischweine, Senturior!«, schrie Eskalian. »Und glaubt nicht, ich hätte vergessen, was der Feind mit unseren Welten zu Beginn des Krieges angestellt haben. Auch ich habe Menschen verloren, die mir etwas bedeutet haben. Ich habe nichts von dem vergessen: Die Invasionen, die Bombardierungen, die Massaker auf Aether, Liviain, auf Tilion und Selain. Ich habe meinen Bruder, meine Mutter und tausende meiner Kameraden verloren. Und ich werde diesen elenden Abschaum für das bluten lassen, was sie uns antaten. Ihr wisst gar nicht, mit was für einer Freude ich erfüllt bin, wenn ich mit meiner Waffe ein weiteres Mal einem dieser Bastarde das Leben aus dem Körper schmettern kann. Aber die da hinten sind nicht unsere Feinde. Sie hassen die Duyari genauso, wie wir es tun. Und wir sind hier, um sie zu befreien. Das ist unser Auftrag. Wir sind hier, um Turesks Imperium zu vernichten! Wir sind Soldaten des Sternenreiches, wir sind Erionar. Und jetzt befolgt meinen Befehl, Senturior! Das gilt auch für euch!« Er zeigte mit einem Finger auf die Stiarvalorer.
»Befreien …«, flüsterte Ramoth in sich hinein. Ohne seinen Comantor anzuschauen, ging er an ihm vorbei und verkniff es sich, ihn mit der Schulter zu rammen. Eskalian ließ sich von dem nicht beirren, und warf ihm keinen Blick mehr hinterher.
Er ging zu der Mittleren der Sklavinnen herüber und zog ihr das seidene Tuch vom Mund. Zum Vorschein kam ein recht ansehnliches Gesicht. Es sah ziemlich weich und jung aus. Im nächsten Moment spürte er etwas feuchtes auf seiner Wange. Die Frau spuckte ihn noch ein weiteres Mal an »Ihr werdet alle sterben. Turesk wird kommen. Unser Herr Zarch Adrush wird eure toten Leiber aushüllen und euer Sternenreich in Strömen von Blut ertrinken lassen.«, sagte die Sklavin und fletschte die Zähne.
»Oh, das denke ich nicht«, sagte Eskalian betont gelassen. Er wischte sich mit einem Handschuh die Spucke von der Wange.
Ihre Gefährtinnen schauten nur ängstlich zu Boden.
»Ihr seid hier die Anführerin des Vereins?«, fragte Eskalian und zog eine Augenbraue hoch.
»Ich war die Ehefrau unseres obersten Priesters Sahafquch Aladu Aziman. Der Mann, den ihr getötet habt!«
»Oh, er ist nicht tot, meine Süße. Denn anders als deine Meister, töten wir nicht besonders oft unsere Gefangenen.«
»Ihr lügt, dreckiger Ere! Ihr lügt mit jedem eurer dreckigen, verlogenen Worte!«
»Eure Welt gehört nun dem Erischen Sternenreich. Findet Euch damit ab.« Eskalian nickte seinen Männern zu »Abführen«
Die Stiarvalorer packten die sechs Frauen unter den Armen und brachten sie unter dem Protest, Beleidigungen und den Flüchen ihrer Obersten aus dem Zimmer.
Was war auf einmal in Ramoth gefahren? Er beschloss gleich noch einmal ein paar Worte mit ihm zu reden. Dass sich Soldaten der Weltenwehr auf eine solche Weise verhielten, war untragbar.
Der Kommunikator am Brustteil seiner Rüstung blinkte wieder.
»Was gibt es?«, fragte Eskalian nach einigen Sekunden der geistigen Abwesenheit und aktivierte den Kanal. Zunächst war es nur Rauschen, das hindruch drang, dann der Klang von Explosionen und knisterndem Feuer.
»Comantor … wir … es …«
Aufgeschreckt versuchte Eskalian, die Verbindung zu verstärken »Was ist los? Wer spricht da?«
»Soldat Thorgon von den Panzereinheiten … hier ist was in die Luft geflogen!«
»Ich komme sofort!«
Auf der Stelle deaktivierte Eskalian die Verbindung wieder und sprintete die Wendeltreppen hinunter. Er rannte durch die große Haupthalle hinaus aus dem Tor und durch die Gärten. Stiarvalorer in Formationen sprinteten aufgeschreckt aus dem Tempel. Sie mussten die selbe Nachricht erhalten haben. Eskalian verfluchte sich, dass er gerade jetzt seinen Helm vergessen hatte.
Als er den Rand Gartens erreicht und hinaus in den inneren Ring der Stadt sah, erblickte er es. Mindestens zwanzig große Feuer loderten zwischen den braunen Lehmhäusern. Die Flammen leckten an den Wänden. Es sah jedoch nicht so aus, als wären es die Gebäude selbst, die brannten.
»Sir!« Ein Stiarvalorer kam vor ihm zum Stehen und salutierte »Sie haben die Bomben gezündet. Es muss heute Abend passiert sein!«
»Was? Was muss passiert sein?«
Der Stiarvalorer zog sich den Helm vom Kopf und fuhr sich durch das schweißnasse Haar »Sie haben Minen in der Stadt platziert. Senturior Erwions Panzer sind draufgefahren. Wir haben mindestens hundert Soldaten verloren«
»Wer? Wer hat Minen gelegt?«
»Wir wissen es nicht, Sir. Wir vermuten Partisanen. Unsere Einheiten sind noch dabei, die Feuer zu löschen«
Eskalian ballte die Hand zur Faust und sein Blick wurde starr »Partisanen …!«
Es war nicht das erste Mal, dass Duyari diese Taktik verwendeten. Sie spannten die Zivilisten und sogar die Sklaven der eroberten Welten kurz vor dem Kampf ein. Sie brachten sie mit Propagandaparolen dazu, sich gegen die Besatzung durch die Truppen des Sternenreiches mit allen nur erdenklichen Mitteln zu wehren. Sie erzählten ihnen Horrorgeschichten, was die Truppen des Sternenreiches mit ihnen und ihren Familien tun würde, sollte ein Planet in ihre Hände fallen. Man konnte nie wissen, wie viele der Bewohner einer Stadt oder sogar einer ganzen Welt auf ihrer Seite standen. Es ließ Eskalians Zorn aufbrodeln, als ihm klar wurde, dass wieder einhundert seiner Soldaten durch die feige Hand des Feindes den Tod gefunden hatten. Vielleicht hätten sie Zaiashad direkt nach der Eroberung niederbrennen und niemanden am Leben lassen sollen.
»Was ist mit Senturior Erwion?«, wollte er hastig wissen. Das Gesicht des jungen Stiarvalorers vor ihm wurde unsicher. »Ich … ich weiß nicht genau … ich glaube aber er lebt. Sir, ich weiß es nicht«
Eskalians Herz setzte einen Schlag lang aus, nur um dann wie wild weiterzupochen.
»Was genau ist mit ihm?!«
»Sir, er war während des Anschlages bei der Inspektion beim dritten Panzerbataillon. Er wurde schwer verwundet und ins Lazarett gebracht. Mehr weiß ich leider nicht, Sir.«
Kapitel III
Isa betrachtete die Bilder, die sie vor sich an der Wand hängen hatte. Es waren Pictografien der einzelnen Schiffsteile der Angre Gythesas, welche sie gestern geschossen hatte. Sie legte zwei Finger an ihr Kinn und beäugte das Bild des Waffendecks, das sie geschossen hatte, kritisch. Irgendwie waren diese Bilder alle nicht so, wie sie sich sie vorgestellt hatte. Vielleicht ein anderer Winkel, vielleicht eine noch höhere Auflösung – sie wusste es nicht genau. Nun, wenigstens würde sie heute die Interviews mit den Soldaten und Mannschaftsoffizieren führen. Darauf freute sie sich bereits. Sie hatte sich vorgenommen, direkt mit Laer zu beginnen. Ein komisches Gefühl beschlich sie, dass er ihr doch sicher eine Menge zu erzählen hatte. Jedenfalls mehr als bei ihrer viel zu kurzen Begegnung gestern Abend. Wenn sie wirklich die Möglichkeit bekam und eine riesige Portion Glück, dann bekäme sie vielleicht sogar den General der Legion zu Gesicht – Casar Belliador. Wie sich Isa erinnerte, war er einer der größten Heerführer des Sternenreiches, im Beraterstab des Kaisers auf einer Linie mit Lord Arthian und Marschall Palantur und zugleich auch noch Gouverneur der Heimatwelt der Silberengel – Welendia. In den beiden Kriegen mit den Meltanern hatte er die Speerspitze der Weltenwehr angeführt, war mit seinen Männern selbst in die Schlacht gezogen und hatte ein Dutzend Welten niedergerungen. Für ein Interview mit ihm würde die Chefredaktion des Loan sie vermutlich als Göttin anbeten. Isa grinste bei dem Gedanken. Ja, das wäre vielleicht tatsächlich eine angemessene Möglichkeit, sich bei der Redaktion hochzuarbeiten.
Sie beschloss, sich auf die Suche nach Laer zu machen. Isa packte die Bilder wieder zusammen auf einen Stapel auf ihrem Schreibtisch und packte sich ihren Pictar ein.
Auf den Gängen des Schiffes war es morgens meist vollkommen leer. Viele der Offiziere und Soldaten schliefen, waren beim Frühstück und trieben sich irgendwo auf einem anderen Deck herum, bevor die Schicht begann. Auf einem Hyperraumflug über mehrere Tage gab es meist nicht viel zu tun – außer vielleicht für die Brückenbesatzung oder die Ingenieure. Es war eine recht friedliche Zeit auf dem Schiff und man konnte davon ausgehen, dass jeder sie vor dem Sturm genoss.
Nur von einem wusste Isa, dass sie schon lange nicht mehr schliefen. Die Stiarvalorer waren früher auf als alle anderen, frühstückten schnell und begaben sich dann ins Training. Und wahrscheinlich würde sie Laer auch genau dort finden; in den Trainingshallen. Sie stieg in den Aufzug und drückte den Knopf, woraufhin sich der Lift in Richtung Deck Siebenundvierzig in Bewegung setzte. Dieses Schiff war beinahe zwei Kilometer lang und dementsprechend schnell bewegte sich auch der Aufzug. Isa wurde jedes Mal schlecht, wenn sie in ruckartigen Bewegungen in der Kabine des Aufzuges hin und her gerissen wurde. Der Aufzug führte durch das gesamte Schiff und war mit allen einzelnen Sektionen auf einer Schnellbahn verbunden. Dass dies eine recht neue Konstruktion war, merkte man – ganz besonders daran, dass die Stoßdämpfer nicht wirklich taten, was sie sollten.
Auf den Trainingsdecks war schon deutlich mehr los als in den Quartieren. Isa fand sich nach ein wenig Herumstreunen in mit Bannern geschmückten Gängen in einer weiten Halle wieder. Die Halle war vollgepackt mit allerlei Trainingsgeräten für Kraftsport, holografischen Zielvorrichtungen für Schießübungen mit allerlei Waffen, die in langen Reihen an den Wänden entlang aufgestellt waren. An den Geräten und in einer neben anliegenden Holokammer trainierten die Stiarvalorer der Silberengel entweder mit dem Schwert oder dem Gewehr in verschiedensten Trainingsprogrammen. Die Wände und Decke waren geschmückt mit dem Banner der Legion – Silberne Engelsschwingen auf blauem Grund, die sich so majestätisch über alles hier legten, wie die Macht der Legion selbst.
Isa schoss aufgeregt einige Bilder der Trainierenden aus der Ferne. Das würde wunderbare Exemplare in ihrer Sammlung geben.
In der Mitte der Halle waren einige Kampfkäfige aufgestellt, in denen die Soldaten anscheinend ihre Fähigkeiten im eins zu eins Kampf maßen. Isa erkannte nach nur einigen Sekunden Laers Gesicht bei einem der zwei Kämpfenden. Sie bekam neugierige Blicke zugeworfen, als sie auf den Ring zuschritt. Einige der Soldaten stoppten ihr Training, um zu sehen, welche Reporterin sich denn jetzt hier in ihr Allerheiligstes begab.
Der Kampfkäfig war mit einer dicken roten Umzäunung aus Eisen umschlossen.
»Komm schon, Laer, schwächelst du?«, hörte sie Laers Kontrahenten mit einem Lachen sagen. Laer grinste nur und wischte sich das Blut ab, das bereits aus seiner Nase quoll.
»Bei dir ganz sicher nicht«, sagte er und lachte.
Die beiden Stiarvalorer hatten Muskeln wie Stahlseile und trotz der freundschaftlichen Neckereien erkannte man doch bei jedem von ihnen das Feuer des Willens zum Sieg brennen. Isa machte ein paar Bilder. Sie verschränkte die Arme und verfolgte den Kampf interessiert weiter.
Wie es aussah, waren beide Gegner nicht mehr in bester Form, doch konnte Laer seinen Kontrahenten mit ein paar gezielten Faustschlägen zurücktreiben. Für einen kurzen Moment reagierte er zu spät, und eine anfliegende Faust ließ weiteres Blut aus seiner Lippe quellen. Isa fragte sich, ob das alles vor einem Kampf gegen die Duyari echt nötig war.
Laer hielt seine Deckung oben, obwohl sein gesamter Körper und jeder einzelne seiner Muskeln brannte. Wie lange kämpften sie jetzt schon? Eine halbe Stunde? Oder eine ganze Stunde? Er konnte sich nicht mehr wirklich daran erinnern. Das einzige, woran er sich jetzt noch erinnerte, war, dass seine Nase und seine Lippen bluteten. Er schmeckte das bekannte Aroma von Eisen in seinem Mund und es stachelte ihn nur noch mehr an, diesen Kampf jetzt zu gewinnen. Sein Gegenüber sah zum Glück auch nicht mehr ganz frisch aus. Tesari Tal hatte bereits heftiger aussehende Platzwunden im Gesicht, blaue Flecken am ganzen Körper. Und es sah fast aus, als würde er jeden Moment ins Taumeln geraten und einfach nach hinten umkippen. Dem war aber leider nicht so, wie Laer in ein paar Sekunden feststellen musste. Weitere Schläge prasselte auf ihn ein. Er machte einen Sprung zurück, ließ sich gegen das Gitter prallen und nutzte den Schwung, um sich in die andere Ecke des Käfigs zu befördern. Tal war nicht so flink. Er prallte mit dem Gesicht gegen das eiserne Gitter und stolperte benommen zurück.
»Ich hab's dir doch gesagt. Achte im Kampf auch auf deine Umgebung! Sie kann dein bester Freund aber auch dein schlimmster Feind sein«, rief Laer amüsiert. Tal wollte gerade noch auf ihn zukommen, taumelte dann aber nach hinten, krachte gegen das Gitter und rutschte daran herunter.
»So, das war die Lektion für heute«, meinte Laer. Er ging zu seinem Kameraden herüber und half ihm auf die Beine.
»Lass dich auf der Krankenstation durchchecken. Für morgen musst du fit sein«, sagte er und klopfte ihm auf die Schulter.
»Für Duyari bin ich immer bereit, Lechent.« Tal hustete Blut auf die Matte. »Die Bastarde werden morgen mehr bluten als ich. Das schwöre ich«
»Das nenn ich Enthusiasmus. Sehr schön. Jetzt aber auf die Krankenstation.« Tal nickte, sprang aus dem Käfig direkt an Isa vorbei.
»Isi, was machen Sie denn hier?« Laer kam jetzt ebenfalls aus dem Käfig.
»Wir haben uns schon auf Spitznamen geeinigt?«, fragte sie und lächelte dabei schief.
»Nein« Laer lachte »Aber ich dachte, ich propier’s mal aus«
Laer nahm das dunkelblaue Oberteil seines Trainingsanzuges mit dem Kreuz der Weltenwehr von einer Bank vor dem Käfig und streifte es sich über.
»Wie gefällt es Ihnen auf der Angre Gythesas?«, fragte er und ging sich durch die nassen Haare.
Isa schaute sich ein wenig um »Geräumig auf jeden Fall. Schönes Schiff.«
»Naja, dieses Mal sehen Sie ja zum Glück mehr als den Laderaum«
Isa musste unwillkürlich schmunzeln. »Ja, zum Glück«
Laer setzte sich auf die Bank und deutete auf den Platz neben sich.
»Danke«, sagte Isa und ließ sich neben ihn fallen. Sie holte ihren Pictar heraus und machte ohne Vorwarnung ein Bild.
Es blitzte und Laer hielt sich eine Hand vors Gesicht »Ist das wirklich ständig nötig?«
»Es muss alles festgehalten werden«, meinte Isa und betrachtete den Schuss auf dem Bildschirm ihrer Kamera. Sie kicherte »Ja, aber das ist wirklich nicht gut geworden«
Laer ging sich mit einem Handtuch durch die Haare. »Tal wird übrigens wieder. Wenn alles gut läuft, machen die das auf der Krankenstation schnell und er ist morgen wieder wie neu. Das sollte er auch sein.«
»Ich hab mich schon gefragt, ob das so schlau ist, sich hier gegenseitig zu verprügeln.«
Laer grinste über Isas Aussage »Es ist der beste Weg, den Nahkampf direkt zu trainieren. Außerdem stärkt es den Zusammenhalt der Einheit. Sie haben ja gar keine Ahnung, wie viel besser sich die Kameraden verstehen, wenn sie sich erst mal geprügelt haben.«
»Interessantes Phänomen«, sagte Isa. »Ich notier mir das« Sie holte einen Schreibblock und einen silbernen Kugelschreiber aus der Tasche, die sie an der Hüfte trug.
»Und notieren Sie gleich mit«, begann Laer »Ein Tag ohne Training, ist wie ein Tag ohne Atmen. Altes Weltenwehr-Sprichwort.«
»Alles klar«
Isa kritzelte ein wenig auf dem Papier herum. Dann steckte sie den Block und den Stift zurück.
»Wovon habt ihr eben gesprochen? Was ist denn morgen?«
»Das verrate ich Ihnen später. Laut Anweisung vom Oberkommando dürfen militärische Operationen und Planungen erst fünfzehn Stunden vor der Durchführung öffentlich gemacht werden.«, sagte Laer.
»Ihr haltet euch aber streng an eure Anweisungen«
»Anweisung ist Anweisung. Gefällt mir ja auch nicht besonders. Aber ich hoffe, ich kann Ihrer Redaktion wenigstens ein paar Informationen liefern.«
»Ich hab jetzt schon mehr, als ich mir am Anfang erhofft hatte«, meinte Isa.
Laer stand von der Bank auf »Wollen Sie, dass ich ihnen die Brücke des Schiffes mal zeige?«
»Ja, sehr gerne! Das wäre mir eine Freude«, sagte Isa und strich sich mit zwei Fingern eine goldene Strähne aus dem Gesicht.
»Gut« Laer nahm ihre Hand und zog sie auf die Füße.
Nachdem er sich wieder die nachtblaue Uniform des Arta übergestreift hatte, begaben sich beide zusammen zur Brücke.
Auf dem Weg kamen nun all die Offiziere aus ihren Quartieren und strömten auf die Gänge. Doch sie machten Laer und Isa Platz, als sie vorbeikamen. Man merkte, wie langsam jeder auf diesem Schiff, ob Soldat oder Besatzungsmitglied, nervöser wurde. Anscheinend steuerten sie doch auf ein großes Ereignis zu. Isa kannte sich mit dem Alltag auf einem Kriegsschiff noch nicht so gut aus, aber sie vermutete, dass sie sich so wohl verhalten mussten, wenn eine Schlacht bevorstand.
Die Brücke der Angre Gythesas ähnelte einem Konzertsaal. Zumindest besaß sie ungefähr dessen Maße. Eine lange Brücke führte über zwei tiefe Mannschaftsgräben hinweg und führte am Ende zu einer sichelförmigen Formation von Panoramafenster aus Transparentstahl, vor welcher sich eine breite Fläche mit weiteren Konsolen erstreckte.
Isa staunte nicht schlecht, als sich die Türen des Aufzuges öffneten. Überall blinkten Lichter von Anzeigen und Hologrammen in verschiedensten Farben. Es ähnelte einem Lichtkonzert.
Isa machte schnell ein paar Fotos, um diesen spektakulären Ort sofort in Bildern festzuhalten.
»Beeindruckend, oder?«, fragte sie Laer, der mit hinter dem Rücken gefalteten Händen neben ihr stand.
Sie konnte nicht anders als bloß zu nicken. Diese Brücke war gewaltig – ja, sie war einem solchen Kriegskoloss wie die Angre Gythesas einer war geradezu würdig. Es musste ein nie enden wollendes Abenteuer sein, auf diesem Schiff zu leben und zu dienen.
Sie traten aus dem Aufzug und Laer ließ seine Hand mit einer Geste in einem Bogen über die Brücke schweifen.
»Diese Konstruktion«, sagte er »hat über fünf Jahre gebraucht, um geboren zu werden. Als die Schiffswerften von Eldoron vor über einem Jahrzehnt damit begannen, einen neuen Schiffstyp, ein neues Superschlachtschiff für die Weltenwehr zu entwickeln, das auf die Bedrohungen der Galaxis angemessen reagieren konnte, taten sie sich schwer, eine Kommandozentrale zu entwerfen, von der aus man in der Lage war, eine solche Pracht der Flotte angemessen und kommandieren und zu koordinieren.«
Isa gab nur ein zustimmendes »Mhm«, von sich, während sie damit beschäftigt war, weitere Bilder von allen Wänden und Ecken der Brücke zu schießen.
»Das ist unglaublich Ich hab schon Bilder im Werldneti gesehen, aber das hier ist noch mal um einiges spektakulärer«, sagte sie aufgeregt.
Irgendwie gefiel Laer der neugierige Wissensdurst dieser Reporterin. Er hatte sich diesen Schlag Mensch meist als eher hinterhältig und mit verschlagenen Worten spielend vorgestellt. Isa schien da wirklich eine Ausnahme zu sein; und das gefiel ihm sehr. Genau deswegen behagte es ihm immer noch nicht besonders, sie jetzt mit in ein Kriegsgebiet zu schleppen. Auch wenn er sie auffordern würde, sich nicht in die Kampfzonen zu begeben und immer in der Sicherheit der Angre Gythesas zu bleiben, gefiel es ihm nicht besonders, dass jemand mit in diesen Konflikt mit hineingezogen wurde, der eigentlich nur ein paar nette Bilder und Geschichten der Soldaten einfangen wollte. Er hatte bei seiner Ernennung zum Stiarvalorer geschworen, die Welten Erias und sein Volk zu verteidigen – diese Pflicht würde er auch bei Isa erfüllen. Das war seine Aufgabe als Soldat des Sternenreiches.
»Und was ist das da?« Isa zeigte mit funkelnden Augen in einen der Mannschaftsgräben. Die Offiziere sahen an ihren Konsolen wenig beschäftigt aus und wischten ein paar Hologramme hin und her, veränderten hier und dort mal ein paar Einstellungen.
Laer blieb mit Isa auf der Mitte des Stegs zwischen den beiden Gräben stehen. »Das da sind die Kanonierabteilungen«, erklärte er »Es gibt auf einem Schiff der Fairosara Klasse einhunderneunzig Geschütze zu bedienen. Jeder der Offiziere verfügt über seinen eigenen Aufgabenbereich und durch die Leitung des obersten Waffenoffiziers, versuchen wir die Kampfkraft dieses Schiffes auf bestmögliche Weise zu harmonisieren. Ich bin jetzt kein Offizier der Sternenmarine, deshalb weiß ich nicht ganz so viel darüber, aber ein paar Sachen habe ich mir doch schon angeeignet.«
Isa nickte und machte Bilder von den beiden Brückengräben.
»Das ist so aufregend!«, sagte sie.
Einige Offiziere grinsten schief in die Kamera, als sie bemerkten, dass sie gefilmt wurden.
Am Ende des Steges vor den Panoramafenstern stand ein Mann in der dunkelblauen Uniform der Sternenmarine. Er unterhielt sich gerade mit ein paar Offizieren, die ihm Datentafeln vorbeibrachten und vermutlich Berichte übergaben.
»Und das ist? …« Isa trat an Laer heran und zeigte mit dem Finger auf die Gestalt.
»Ach ja, das ist Captain Yulius Lindio. Er ist Kommandant des Schiffes und ein alter Freund von General Casar. Willst du mit ihm sprechen?«
Laer erkannte es nur undeutlich, aber er sah, wie Isas weiche Wangen anfingen, ein wenig rot zu werden.
»Ich …? Das ist der Captain? … Naja, gut. Warum nicht? Klar. Okay«
Laer nickte und lächelte.
»Captain Yulius!«, rief er zu dem Offizier herüber.
Als er sich umdrehte, erkannte Isa ein strenges, hartes Gesicht, das zunächst überhaupt nicht freundlich anmutete. Sie gingen zu ihm herüber. Laer salutierte vor dem Captain.
»Ich habe hier jemanden mitgebracht«, sagte er. Yulius' strenger Blick fiel auf Isa, die daraufhin nur verschüchtert grinste »Das ist Reporterin Isa Callari. Sie ist vom Loan Ara und hier, um unsere Heldentaten in diesem Krieg aufzuzeichnen. Ich habe sie als meine persönliche Dokumentarin angenommen, so wie es mir laut Artikel neunundvierzig der Weltenwehrverordung erlaubt ist.«
Das sonst strenge Gesicht des Captain bekam mit einem Mal etwas freundlicheres. Er lächelte sogar leicht und Isa konnte aufatmen. Sie hatte sich schon wie vor der Rückgabe einer Klassenarbeit gefühlt.
»Ah, Reporterin Callari. Ich habe bereits von Ihnen gehört.«, sagte der Captain mit einer rauen, aber dennoch vertrauenserweckenden Stimme. »Sie haben sich bereits einen Ruf auf meinem Schiff gemacht. Die Presse ist hier, um uns alle berühmt zu machen, munkelt man. Ich hoffe, wir werden nicht enttäuscht.«
Isa lachte unwillkürlich aufgrund dieser Bemerkung »Ha, natürlich nicht« Sie machte eine verneinende Geste und stellte sich aufrecht hin. »Das Sternenreich wird von allen Schlachten, allen Heldentaten der Silberengel im besten Licht und im ruhmreichsten Schein des Sieges zu hören bekommen.«
Yulius lächelte jetzt breiter »Das freut mich zu hören«
Plötzlich war all ihre Anspannung verflogen und sie fühlte sich stolz, dass der Captain des Flaggschiffes der Legion so etwas zu ihr sagte.
»Vor allem aber Eure Heldentaten, Lechent Laer«, sagte Yulius jetzt zu Laer. Er nickte geschmeichelt »Das natürlich sowieso, Captain«
»Darf ich kurz …«, meinte Isa und holte ihren Pictar heraus.
Yulius seufzte »Nur zu« und trat einige Schritte zurück ans Fenster. Isa machte einige Bilder. Dann senkte sie das Gerät und betrachtete die Schüsse. Sie waren gar nicht schlecht geworden – nein, sogar ziemlich gut, wenn sie das so sagen konnte. Der Winkel stimmte und das Licht des vorbeiziehenden Hyperraumes warf noch einmal verbesserte Beleuchtung auf die ganze Umgebung.
»Vielen Dank, Captain«, sagte sie und steckte den Pictar zurück.
»Das kommt im Fernsehen?«, fragte Yulius.
»Wahrscheinlich, ja«, sagte Isa.
»Dann sollten wir jetzt nicht versagen«, scherzte Yulius.
»Captain, haltet Ihr es nicht für angebracht, Frau Callari über unsere Missionsziele zu unterrichten. Vielleicht hilft es bei ihrer journalistischen Arbeit.« Laer zwinkerte Isa kurz zu. Vielleicht durfte er ihre Mission erst fünfzehn Stunden vor Ausführung verraten, doch der Captain war an diese Anweisung nicht gebunden. Isa hatte jetzt aber auch keine wirkliche Lust, eine Schmolllippe aufzusetzen.
Yulius seufzte und drehte sich wieder zum Hyperraum. Einige unerträgliche Sekunden schwieg er nur.
»Notieren Sie«, sagte er und Isa entspannte sich wieder. Sie holte ihren Notizblock heraus.
»Keine Datentafel?«, fragte der Captain.
»Ich bin altmodisch«, meinte Isa.
»Wir sind auf dem Weg in den Harfat Sektor in Richtung des Systems Kfar Sovu. Wir planen dort einen Angriff auf den dortigen Planeten. Kfar Sovu bildet einen wichtigen Nachschubsposten für Rohstoffe und kriegswichtige Materialien im westlichen Teil des Duyari – Imperiums. Wir werden den Planeten einnehmen, die duyarischen Heere dort besiegen und dann sofort weiterziehen. Von einer Besetzung sehen ab. Kfar Sovu ist nicht wirklich gut bewohnbar. Wir schätzen die Zahl der Einwohner nur auf wenige Millionen. Trotzdem genug, um uns erheblichen Widerstand zu leisten.«
Isa notierte jedes einzelne Wort des Captains penibel. Ihre Hand zitterte. Sie rutschte mehrere Male ab und musste von vorne beginnen.
Yulius nickte, wie ein Offizier, der schon genau gelernt hatte, wie man mit Medienvertretern umzugehen hatte. Informationen, aber dann doch nicht zu viele und vor allem immer alles im Waagen halten.
»Lechent Laer« Er schaute zu dem Stiarvalorer.
»Captain?«
»Der General wünscht Sie heute Nachmittag bei der Kampfbesprechung in der Offiziersmesse zu sehen«
»Jawohl, ich werde anwesend sein«
»Tut mir Leid, Frau Callari. Aber aus unseren Besprechungen muss sich die Presse vorerst noch raushalten.«, sagte Yulius.
»Linke Flanke absichern. Kampfgebiet umfliegen, wir landen am Rande des Schlachtfeldes.«, rief Vigolos Aghillion die Befehle an den Piloten der Naichasgali.
Wika hielt sich neben ihm an der Halterung fest und ihr Magen hatte bereits vor einigen Minuten begonnen zu protestieren.
Aus dem Fenster heraus erkannte man die sich bis zum Horizont erstreckende Sumpflandschaft, die an ihrem Ende nur von einer dicken grünen Nebelschicht begrenzt war. Was dort hinter lag, war der Fantasie überlassen.
Die Naichasgali drehte bei und flog eine steile Kurve, derweil sie an Höhe verlor. Unten zwischen den Bäumen erkannte man die schwarz–violette Lackierung einiger Panzer und Läufer. Eine große Anzahl Amphibienfahrzeuge war bereits letzte Nacht vor der Schlacht hier abgesetzt worden, um die Vorhut für die angreifenden Truppen zu bilden.
Aghillion hatte sich nicht vorgestellt, dass die Duyari eine solche Anzahl an Streitkräften auf dem Planeten beherbergen würden. Nachod war als militärisches System, jedoch nicht als so ein verfluchtes Fort, dargestellt worden.
Durch die Lautsprecher im Inneren seines Helmes rasten in Sekundenschnelle die hunderten Funksprüche der einzelnen Einheiten am Boden und der Truppen in der Luft.
»Marineeinheiten haben das westliche Plateau besetzt. Wir halten Stellung. Fordern Fahrzeugunterstützung an.«
»Dritte Schar – Duyaritruppen haben die Linien durchbrochen, wir brauchen hier Einheiten, um sie abzufangen«, waren die einzigen Bruchstücke, die er aus dem Wirrwarr der Funksprüche herausfiltern konnte.
Er packte Wika an der Schulter, die anscheinend gerade gehörig damit beschäftigt war, den Innenraum der Naichasgali nicht vollzuspucken. »Fräulein Gwendhert. Sobald wir beim Lager sind, bleiben sie dort im Schutz der Einheit. Keine Alleinausflüge. Das da unten wird scheiße gefährlich. Als Offizier bin ich für ihre Sicherheit zuständig. Verstanden?«
Wika hielt sich den Mund und schaute zu ihm auf. Ihr Gesicht war fast so grün wie der Dunst, der auf dem Sumpf lag.
»Würde mir nicht im Traum einfallen. Ich tue alles, was ihr sagt, Vigolos«, antwortete sie mit dem Anflug von Sarkasmus, der Aghillion nie wissen ließ, welchem ihrer Worte er denn jetzt Glauben schenken sollte. Doch er vermutete, dass selbst sie nicht dumm genug wäre, sich mitten aufs Schlachtfeld zu begeben. Reporter waren immer ganz eifrig dabei, jeden zu interviewen, so viele Informationen wie möglich zu sammeln, und jedem mit ihren bescheuerten Fragen auf die Nerven zu gehen. Aber die Schreie und der Lärm des Schlachtfeldes ließen ihren Ehrgeiz meist auf eine angenehme Art ersticken. Darauf setzte Aghillion auch dieses Mal.
Die grünen Blitze von Plasmageschützen zischten wie Wespenschwärme zwischen den Bäumen umher, versengten ganze Teile des Sumpfes.
»Da unten!« Aghilion zeigte auf eine kleine Stelle im Sumpf, die weder von Bäumen, noch von Morast bedeckt war. Es war eine relativ freie Fläche, die hoffentlich aus harter Erde bestand.
Ohne den Befehl seines Kommandanten noch einmal zu hinterfragen, ließ der Pilot die Naichasgali sinken und nach einigen Sekunden spürten die Soldaten das erleichternde Gefühl aufsetzender Kufen auf festem Boden.
Die Türen an den Seiten öffneten sich und die Stiarvalorer sprangen hinaus. Sie begannen, in alle Richtungen auszuschwärmen und das Gebiet zu sichern.
Wika wehte ein unangenehm feuchter Wind entgegen. Sie hustete. Selbst die Luft fühlte sich schleimig und eklig an. Ein angewidertes Zittern fuhr ihr durch den Körper.
»Jetzt nicht einknicken«, sagte Aghillion. Es hörte sich fast so an, als hätte er Freude an ihrem miserablen Zustand.
Wika rollte mit den Augen »Ich komme zurecht, keine Sorge« Die Gelassenheit, die sie in ihrer Stimme suchte, fand sie leider nicht. Sie hustete erneut und stützte sich gegen den Rahmen der Schiebetür. Es roch hier alles so modrig. Durch die Helme der Stiarvalorer mochte dieser Gestank vielleicht gefiltert werden, doch sie erlebte ihn in vollen Zügen mit.
»Das ist ein ekelhafter Ort!«, schrie sie und schüttelte sich. Sie konnte es nicht sehen, doch sie war sich sicher, dass Aghillion hinter seinem Helm breit lächelte.
»Krieg ist ein schmutziges Geschäft«, sagte er, schulterte sein VG71 und half ihr aus der Naichasgali heraus. Mit zittrigen Händen holte Wika ihren Pictar hervor und schoss einige Bilder. Auch wenn es nichts an diesem Sumpf gab, das wirklich glorreich oder erinnernswert war.
Weitere Transporter in Schwarz und Violett landeten jetzt in einer Kreisformation auf der Lichtung und bald schon hatte sich Aghillions gesamte Einheit auf der Fläche versammelt. Sie holten einige provisorische Zeltplanen aus den Laderäumen und fingen an, das Lager zu errichten. Das vereinte Dröhnen der immer noch laufenden Triebwerke schallte über den Platz und unter ihnen vernahm man das Dröhnen und Krachen der einige hundert Meter entfernten Schlacht.
Einer der Stiarvalorer holte aus der Naichasgali das Banner der Legion – die weiße Zwielichtsonne auf lavendelfarbenem Grund und stieß den Stab in den Boden. Der goldene Adler auf seiner Spitze glänzte hell im dumpfen Sonnenlicht, das trotz der dicken Nebelschicht immer noch durch die Wolken drang.
»Bleibt bei der Naichasgali«, wies Aghillion Wika an. Und obwohl sie dafür bekannt war, seinen Anweisungen nicht direkt folge zu leisten, tat sie doch dieses Mal was er befahl und setzte sich auf die Kante des Transporters. Ihr war ohnehin jetzt viel zu schlecht, um irgendetwas anderes zu machen.
»Wie läuft der Vormarsch?«, fragte Aghillion als er zu seinen Männern hinüberschritt.
»Sir«, antwortete ein Tesari und salutierte vor ihm. »Vormarsch kann man das kaum nennen. Die Duyari haben sich in den Bäumen und in jeder verfluchten Ecke des Sumpfes verschanzt. Unsere Männer müssen sie zuerst aus den Löchern jagen, bevor wir sie überhaupt bekämpfen können. Unsere Aufklärer versuchen gerade, das Zentrum ihres Kommandos auszumachen, aber der Sumpf verhindert Scans und vor allem die Sicht.«
Aghillion nickte »Dann baut das Lager auf und bereitet euch auf den Vorstoß vor. Wenn die T4 Transporter mit Nachschub in der Nähe gelandet sind, können wir uns an einer Großoffensive versuchen. Zur Not fackeln wir diesen ganzen verfickten Sumpf ab. Wir werden ihr Nest finden. Versprochen, Männer!«, rief er über den Platz.
Wika musste sich eine Atemmaske aus einer Halterung an der Decke der Naichasgalis greifen, um dem ekelhaften Gestank dieses Sumpfes zu entkommen. So hatte sie sich das wirklich nicht vorgestellt. Vor ihrem inneren Auge waren die Schlachten der Legion immer so großartig gewesen. So wundervoll und voller Würde. Und jetzt erstickten sie beinahe in einem toxischen Moor. Sie nahm einige Züge aus der Atemmaske und schaute dann wieder zu Aghilion herüber. Obwohl die Stiarvalorer in ihren Rüstungen fast alle gleich aussahen, erkannte sie ihn an seinen zwei silbernen Streifen an der Schulter. Er war gerade dabei, seinen Männern Anweisungen zur Errichtung des Lagers zu geben. Drei Planen und einige Kisten standen bereits.
Wika stieg wieder aus der Naichasgali und musste sich selbst Luft zuwedeln, um nicht direkt wieder einen Würgereiz von den Dämpfen zu bekommen. Doch offensichtlich gewöhnte sich ihre Nase langsam daran. Ihr Magen hatte sich wieder beruhigt. Sie holte ihren Pictar hervor und machte einige Aufnahmen von den Soldaten, wie sie die Kisten aus den Naichasgalis schleppten und die Zeltplanen errichteten.
Aghillion drehte sich zu ihr um »Bleib doch einfach beim Transporter. Die Dämpfe des Sumpfes sind zwar nicht wirklich giftig, aber du solltest dich ihnen wirklich nicht zu lange aussetzen«, sagte er und seine Stimme klang wie ein Echo aus den Lautsprechern des Helmes. Er kam ihr immer so fremd vor, wenn er ihn trug. Als wäre er nun mehr Soldat, wenn er ihn aufhatte.
»Ich komm schon zurecht«, meinte sie lächelnd. Sie machte ein Bild von ihm »Ich bin Wika Gwendhert, Mitglied einer der ältesten Adelsfamilien Eorgards. Ich lasse mich doch nicht von ein paar Gasen« Sie hustete » … aufhalten«
»Trotzdem«, erwiderte Aghillion forsch »Geh zurück zum Transporter. Hier kann es wirklich gefährlich werden. Adelsfamilie hin oder he …«
Ein Knall. Eine Erschütterung erfüllte die Gegend und Wika riss es von den Beinen. Sofort herrschte heller Aufruhr. Die Soldaten begannen Befehle durch die Gegend zu schreien. Ein weiterer Einschlag. Erde und aufgerissener Morast flog umher und eine der Zeltplanen ging in einer hellen Feuerfontäne auf. Wika spürte nur, wie sie zwei Arme an den Schultern packten und sie wieder auf die Beine hievten. Dann hörte sie Aghillions Stimme wie durch ein dumpfes, verschwommenes Sprechrohr »Zum Transporter! Sofort! Bring dich in Sicherheit!«
Aghillion ergriff sein Gewehr, als die Schüsse um ihn herum begannen zu knallen. Er aktivierte den Funkkanal seines Trupps.
»Sammeln! Sammeln, sofort!«, schrie er hinein und die Stiarvalorer versammelten sich in der Mitte des Lagers. Manche von ihnen bezogen hinter Kisten Stellung. Er warf noch einen kurzen Blick zu Wika. Sie war unter Panik zurück zu einer Naichasgali gelaufen.
Die Infrarotsensoren in Aghillions Helm zeigten mehrere Gestalten im Wald um sie herum. Es waren mindestens dreißig.
»Sie haben uns eingekreist«, rief er und entsicherte sein VG71.
»Sehe fünf aus südlicher Richtung«, kam die Antwort eines Soldaten zurück.
»Dreißig von Nordwesten!«, schrie ein weiterer.
Dann plötzlich brachen unter wildem Kriegsgeschrei zwei Dutzend hochgewachsene Gestalten zwischen den Bäumen hervor. Ihre schwarz-roten Rüstungen schienen zu glühen und sie hatten die kurzen eisenfarbenen Gewehre erhoben. Aghillion erkannte in ihren gelben Schlitzaugen die selbe Boshaftigkeit und den selben Hass, den er immer bei diesen Soldaten bemerkte.
Ohne auf den Befehl zu warten, eröffnete die Truppe das Feuer. Fünf der duyarischen Soldaten fielen noch im Ansturm, zerfetzt von der Wucht der erischen Feuerkraft. Noch ein Blick zu Wika. Sie hatte sich inzwischen in eine der Naichasgalis gestürzt. Wenigstens war sie jetzt in Sicherheit.
Aghillion gab einen einzelnen Schuss auf einen anstürmenden Soldaten ab. Grünes Blut spritzte in einer Fontäne aus seinem Hinterkopf und er stürzte in den Matsch.
Darmowy fragment się skończył.