Czytaj książkę: «Lieblingsplätze Schwarzwald»
Lieblingsplätze
Schwarzwald
Edi Graf
Impressum
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3., überarbeitete Neuauflage 2020
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Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
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Druck: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten
Printed in Germany
ISBN 978-3-8392-6408-9
Inhalt
Impressum
Wilde Wasser und weite Wälder
Vorwort: Auftakt
Nordschwarzwald
1 Fachwerk in der Hessestadt
Calw: Nördliches Tor zum Schwarzwald
2 Kurort und Kulturdenkmal
Calw: Kloster Hirsau
3 Krokusblüte und Kurbad
Bad Teinach-Zavelstein: Therme und Fachwerk im Teinachtal
4 Heimatnah – in style
Bad Teinach-Zavelstein: Berlins KroneLamm
5 Schwarzwald trifft Heckengäu
Nagold: Vom Schlossberg in den Stadtpark
6 Freizeitparadies am Flößerfluss
Seewald: Oberes Nagoldtal
7 Mit dem Lama Gassi gehen
Ebhausen: Freizeitpark Rotfelden
8 Vespern in historischem Flair
Altensteig: Wirtschaft Bäck-Schwarz
9 Zeitreise an der Steige
Altensteig: Stadt an der Steige
10 Stadt im Schutz des »Hohen Mantel«
Altensteig-Berneck: Burg Berneck
11 In 60 Metern Höhe über dem Abgrund
Bad Wildbad: Biker-Eldorado und Baumwipfelpfad
12 Moor and more im Wildseemoor
Gernsbach: Kaltenbronn
13 Route des Wohlbefindens
Bad Liebenzell: Schwarzwald-Bäderstraße
14 Rolls-Royce neben Puppenküche
Marxzell: Fahrzeugmuseum Marxzell
15 Das »Paradies« an der Alb
Bad Herrenalb: Luftkurort mit Jugendstil
16 Höhenfeuer auf der Sonneninsel
Dobel: Aussicht vom Hochplateau
17 Werdende Wildnis
Seebach: Nationalpark Schwarzwald
18 Genießen auf dem Hochplateau
Seebach: Hotel Konradshof in Besenfeld
19 Himmelswege im Sternedorf
Baiersbronn: Hauffs Spuren an der Murg
20 Ziegenherden in Heuhüttentälern
Gernsbach: Das Murgtal
21 Trachtentrend und Mineralienschätze
Neubulach: Städtlebummel und Besucherbergwerk
22 Tor zum Nationalpark
Baiersbronn: Auf der Schwarzwaldhochstraße
23 Kulinarischer Saint-Exupéry
Baden-Baden: Hotel Der Kleine Prinz
24 Auf dem Mühlenpfad zum Mummelsee
Achertal: Der Bach aus dem See
25 Schwabenweg vom Rhein zum Kniebis
Bad Peterstal-Griesbach: Die Wilde Rench
26 Liebenswerter Lost Place
Freudenstadt: Schlosshotel Waldlust
27 alte Bauernräuchertradition
Herzogsweiler: Räucherspezialitäten Pfau
28 Einfach tierisch: der Bär im Wolfstal
Bad Rippoldsau-Schapbach: Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald
29 Einfach bierisch
Alpirsbach: Klosterbräu an der Kinzig
30 Fische, geboren im Schwarzwald
Alpirsbach: Forellenzucht Lohmühle bei Ehlenbogen
31 Vom Neckar in den Schwarzwald
Sulz a. N.-Glatt: Das Glatttal
32 Kirschtorte im einstigen Chorraum
Loßburg: Café Zur Alten Kirche in Unterbrändi
Mittlerer Schwarzwald
33 Eine freudenreiche Fasnet
Oberndorf am Neckar: Narrensprung im Städtle
34 Uhren für die ganze Welt
Schramberg: Die Fünftälerstadt
35 Die Spuren der Schwarzwälder Uruhr
Schonach: Entlang der Deutschen Uhrenstraße
36 Hexenlochmühle und Herrgottsbaum
Furtwangen: Oberes Bregtal
37 Juwel der deutschen Fachwerkstraße
Schiltach: Städtle wie im Bilderbuch
38 Mundgeblasenes Bleikristall
Wolfach: Dorotheenhütte Wolfach
39 Auf Hansjakobs Pfaden
Haslach im Kinzigtal: Geburtsort des Volksschriftstellers
40 Schwarzer Hahn und bunte Fasend
Zell am Harmersbach: Storchenturm und Hennendekor
41 Barfußgolfen und Bärenpuppen
Brandenkopf: Am Zeller Bachsteig zum Fürstenberger Hof
42 Von Apfelbrand bis Zwetschgenwasser
Gengenbach: Armbrusters Hoflädele in Reichenbach
43 Kleppern gehört zur Fasend
Gengenbach: Hochburg und Weihnachtsmärchen
44 Mühlenplatte als Uriges vesper
Gengenbach: Müller’s Mühle in Schwaibach-Dantersbach
45 Pforte von der Baar zum Schwarzwald
Villingen-Schwenningen: Traditionen in der Doppelstadt
46 Clocks and Rocks am Wasserfall
Triberg: Deutschlands höchste Kaskaden
47 Bollenhut und Schäppel
Gutach: Heimat des Schwarzwaldsymbols
48 400 Jahre Schwarzwald in einem Tal
Gutach: Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
49 Erzfasnet: uralt und unverfälscht
Elzach: Im Reich des Schuttig
50 Verwöhnpension statt all-inclusive
Winden im Elztal: Elztalhotel
51 140 Fußballfelder voll Fantasie
Rust: Europa-Park
52 Pforte von Ortenau und Oberrhein
Offenburg: Mit der Schwarzwaldbahn bis Villingen
53 Weißtanne und Auerhahn
Bühlertal: Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord
Hochschwarzwald
54 Vom Zirkus in den Schwarzwald
Löffingen: Zoo und Freizeitpark Tatzmania Löffingen
55 Volkskunst, Wassersport & Glamping
Schluchsee: Am größten Schwarzwaldsee
56 Das Höchste im Schwarzwald
Feldberg: Zwei Gipfel auf einem Berg
57 Essen kann auch ein Erlebnis sein …
Feldberg: Höhengasthof Grüner Baum in Neuglashütten
58 Blaues Juwel und Badeparadies
Titisee-Neustadt: Spaß nicht nur für Wasserratten
59 Sommerskispringen auf Keramik
Hinterzarten: Zwischen Schanzenzentrum und Hochmoor
60 Wahrzeichen Hirschsprung
Breitnau: Das Höllental
61 Schwarzwald-Fuchs und -Mädel
St. Peter und St. Märgen: Klosterdörfer an der Panoramastraße
Südschwarzwald
62 Bisons in der Breisgauer Prärie
Freiburg: Tier-Natur-Erlebnispark Mundenhof
63 Markt, Museen und Musik beim Münster
Freiburg: Herz der Altstadt: Münsterplatz
64 Wein vom Vulkan und Sekt im Stollen
Ihringen: Sonnenstube Kaiserstuhl
65 Ausgeschenkt, wo’s Sträußle hängt
Bad Bellingen: Paradiesgärtlein Markgräflerland
66 Eulen und Hexen am Kräfteberg
Waldkirch: Der Kandel
67 Horloges à Coucou für die Welt
Simonswald: Simonswäldertal
68 Gemütlich: Bibiliskäs’ mit Brägele
Freiamt: Gasthaus Zum Gscheid
69 Von drei Bergen eingerahmt
Kirchzarten: Das Dreisamtal
70 Tierisch und temporeich
Oberried: Steinwasen-Park auf dem Schauinsland
71 »des Feldbergs lieblichste Tochter«
Zell im Wiesental: Das Tal der Wiese
72 Sicht bis Zugspitze und Montblanc
Münstertal: Der Belchen
73 Hochtal der Holzschnefler
Bernau: Heimat des Schwarzwaldmalers
74 Ein Schwarzwaldtal wie im Bilderbuch
Menzenschwand: Vom Wasserfall ins Radonbad
75 Tradition mit regionaler Küche
Menzenschwand: Hotel Hirschen
76 In der Tradition des Bibiliskäs’
Schluchsee-Äule: Auf der Käseroute Naturpark Südschwarzwald
77 Ursprüngliche Wildflusslandschaft
Bonndorf: Die Wutachschlucht
78 Schiibeschlaa und Klausenbigger
Todtnau: Altüberliefertes Brauchtum
79 Hagehole und Brinkmanns Hüsli
Grafenhausen: Das Rothauser Land
80 Einsame Sonnenoase ohne Handy und TV
Bonndorf: Gasthof Sommerau
81 Wo sich Huskys zu Hause fühlen
Todtmoos: Schlittenhunderennen im Wehratal
82 Prachtrosella im Freiflug
Steinen: Vogelpark Steinen
Bildverzeichnis
Wilde Wasser und weite Wälder
Vorwort: Auftakt
Horst Jankowski hat mit Eine Schwarzwaldfahrt einen Evergreen geschrieben, der ihm den Namen »Mr. Black-Forest« eingebracht hat. Genau diese CD dreht sich in meinem Autoradio, während ich durch das Glatttal Richtung Freudenstadt fahre. Es ist einer der typischen Tage des Sommers 2010. Wolkenverhangen der Himmel, die Temperaturen im Keller. Ich fahre in den Schwarzwald. Holiday in Germany.
Jedes Mal dasselbe erhebende Gefühl, wenn du, egal von wo kommend, die ersten hohen Tannen erreichst und sie ihre langen Schatten auf die Straße werfen. Ob im Norden zwischen Calw und Dobel oder im Süden zwischen Löffingen und Titisee, du hast das Gefühl, in Kanada zu sein. Einsame Karseen, steile Schluchten und das Waldmeer. »Das sind doch alles Schwarzwaldklischees«, höre ich die Kritiker sagen, »wie Bollenhut und Kuckucksuhr.« Richtig, aber auch die Klischees sind dort, wo sie wirklich zu Hause sind, lebendiger Bestandteil dieser Landschaft. Ich habe sie getroffen, die Bollenhutträgerin in Gutach, wo die rote Wolle kein Symbol für eine Landschaft, sondern Teil einer uralten Tradition ist. Oder den Kuckucksuhrmacher, der seinem Handwerk einen Aufwärtstrend bescheinigt und mit modernen, poppig gestalteten Kuckucksuhren in Neonfarben einen neuen Markt entdeckt hat. Und deshalb habe ich auch die Klischees beschrieben, denn das Herstellen eines Bollenhuts ist durchaus etwas für Weltentdecker, und beim gleichmäßigen Ticken der Kuckucksuhr baumelt die Seele im Schwarzwaldtakt. Auch kulinarisch bietet der Schwarzwald natürlich internationale Kost, und längst haben Kirschwasser und Kirschtorte Konkurrenz durch Grappa und Tiramisu bekommen.
Doch ich wollte wissen, wie die Caféwirtin in Elzach ihre Schwarzwälder Kirschtorte backt, was den Schwarzwälder Schinken in Pfalzgrafenweiler vom »Schinken nach Schwarzwälder Art« aus Gottweißwo unterscheidet und wo im Kinzigtal Schwarzwälder Forellen gezüchtet werden.
Nein, die Zeit ist im Schwarzwald nicht stehen geblieben, wenngleich es Orte gibt, wie den Fürstenberger Hof in Unterharmersbach oder den Resenhof in Bernau-Oberlehen, wo die Schwarzwaldbauern aus den Geschichten Hansjakobs noch zu leben scheinen. Ich habe aber über den Tannen von Seewald-Allemandle die weiß-roten Rotoren von rund einem Dutzend Windkrafträdern und auf vielen Schwarzwaldhöfen statt Schindeldach Sonnenkollektoren entdeckt. Der Schwarzwald ist eine moderne und umweltbewusste Region mit einer Vielzahl von Naturschätzen, die bewahrt werden, auf dass sie von den Gästen immer wieder aufs Neue entdeckt werden können. Heute können die weiten Wälder per Geocaching erforscht werden, und die leihbaren GPS-Geräte gehören in vielen Tourist-Infos zur Grundausstattung. Moderne Ranger erklären, warum der Luchs zurückkehren darf, und junge Schwarzwaldguides führen auf ausgeklügelten Themenwanderungen durch ihre Heimat. Ganze Regionen haben sich auf Trendsportarten wie Nordic Walking und Mountainbiking spezialisiert, Klettergärten schießen wie die Pilze (nur höher) aus dem Waldboden, bergauf geht es beim Wasserfallklettern in Triberg, rasant bergab auf den Coastern von Hasenhorn oder Mehliskopf, und Snowtubing oder Snowkiting sind in den Wintersportcentern angesagt.
Ach ja, und hier kommt es, das Rezept von Margarethe Jäkle aus Oberprechtal für ihre fünfstöckige Schwarzwälder Kirschtorte: als Zutaten 200 Gramm Mehl, 50 Gramm Mondamin, 100 Gramm Zucker, 6 Eier, Backpulver, 2 Esslöffel Kakao, 2 Esslöffel heißes Wasser, Eiweiß, 1 ½ Liter Sahne (32 Prozent), 2 Päckchen Sahnesteif, Vollmilchschokolade, Sauerkirschen und ¼ Liter Kirschwasser. Der Biskuitboden wird durchgeschnitten und mit Kirschwasser beträufelt, Sauerkirschen werden auf den ersten Boden gegeben und mit Sahne bestrichen. Die folgenden Böden werden ebenso belegt. Margarethe Jäkle legt bis zu fünf Böden aufeinander und bestreicht das Ganze rundum mit Sahne. Zu guter Letzt wird die Torte mit Sahnetupfern, 16 Sauerkirschen sowie mit Vollmilchschokoladeraspeln verziert, und fertig ist das kulinarische Stückchen Schwarzwald nach exklusivem Privatrezept.
Checken Sie bei den Museen die Öffnungszeiten. Viele der oft kleinen, aber sehenswerten Museen im Schwarzwald haben nur tage- oder stundenweise geöffnet. Zur Sicherheit: vorher anrufen.
Nordschwarzwald

1 Fachwerk in der Hessestadt
Calw: Nördliches Tor zum Schwarzwald
»Die schönste Stadt von allen aber, die ich kenne, ist Calw an der Nagold, ein kleines, altes, schwäbisches Schwarzwaldstädtchen«, schrieb Hermann Hesse 1918 in Heimat über seine Geburtsstadt. Im Haus Schaber, Marktplatz Nummer 6, kam Hermann Hesse 1877 zur Welt und verbrachte dort bis 1881 seine Kindheit. Neben der einmaligen gotischen Brückenkapelle auf der Nikolausbrücke (»Das ist mir der liebste Platz im Städtchen, der Domplatz in Florenz ist mir nichts dagegen.«) steht eine lebensechte Statue des Dichters. Das historische Stadtpalais »Haus Schüz« beherbergt ein umfassendes Museum über sein Leben und Werk.
Die Stadt im Nagoldtal und an der deutschen Fachwerkstraße gilt nicht umsonst als eines der Tore zum Schwarzwald, »die Berge aber so nahe, dass man von dannen fast einen Stein auf den Marktplatz werfen kann«, schrieb 1595 ein Tübinger Professor. Und so führt oberhalb des von denkmalgeschütztem Fachwerk umgebenen Marktplatzes ein Fußweg am Sitz der Aurelius-Sängerknaben, dem »Georgenäum« vorbei, durch den Stadtgarten direkt auf den Wimberg und somit auf die Schwarzwaldhöhen.
Flößer, Tuchmacher und Gerber prägten lange Zeit das Geschick der Stadt, im Gerbereimuseum der Weißgerberei Balz kann man dem alten Handwerk bei einer Führung nachspüren. Lohnenswert ist ein Blick hinter das Rathaus, wo der Salzkasten von 1696 an das Salzmonopol der »Calwer Compagnie« erinnert: »Salzkasten heißt der Bau, für Stadt und Amt vormals / Ward hier das Salz verkauft, Kraft fürstlichen Regals«. Einen »Blick über die Stadt von der Hochwacht (Gefängnis)« aus ermöglicht die Besteigung des »Langen«, wie man den letzten Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung im Zwinger nennt.
Im Calwer Ortsteil Altburg bietet das Bauernhausmuseum Einblick in bäuerliches Leben im 19. Jahrhundert. Wohnung, Stall, Scheuer und Schnapsbrennerei sind in dem 1813 errichteten Hof zu besichtigen.
Jährlich zwischen Geburts- und Todestag Hesses: der Gerbersauer Lesesommer vom 2. Juli bis 9. August mit Lesungen, Musik und literarischen Spaziergängen.

1
Calw
Startpunkt: Stadtinformation Calw
Sparkassenplatz 2
75365 Calw
07051 167399
www.calw.de
2 Kurort und Kulturdenkmal
Calw: Kloster Hirsau
Drei Kilometer flussabwärts von Calw ragt auf der linken Nagoldseite rotbraun leuchtend der Eulenturm in den Abendhimmel. Durch den unteren Torbogen betritt der Besucher die Ruinen der ehemaligen Benediktineranlage St. Peter und Paul und taucht ein in die über 1.100-jährige Geschichte. Die Ursprünge des Klosters Hirsau liegen allerdings am anderen Ufer der Nagold, wo schon 830 die erste Klosterkirche geweiht wurde. Dort bietet heute das Klostermuseum Einblicke in die alte Klosterkultur.
Später entstand dort die heutige Aureliuskirche, die im 16. Jahrhundert teilweise abgebrochen wurde und später als Scheune, Schafstall, Turnhalle und Garage diente. Erst 1955 wurde die Ruine restauriert und wieder als katholische Pfarrkirche geweiht.
Die Weihe der dreischiffigen Basilika im neuen Kloster St. Peter und Paul erfolgte im Mai 1091, sie war eine der größten romanischen Kirchen des 11. Jahrhunderts in Deutschland. Ein Jahr später verließen dann die Mönche das alte Aureliuskloster und zogen auf die linke Nagoldseite in die größere Klosteranlage. Nach der Reformation wurde das Kloster in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, und die württembergischen Herzöge errichteten im Klosterareal jenes dreiflügelige Renaissanceschloss, dessen Ostflügel noch heute als Ruine steht und mit der gotischen Marienkapelle und dem alles überragenden Eulenturm ein beeindruckendes historisches Ensemble bildet. Bis 1988 stand dort auch die vom schwäbischen Dichter Ludwig Uhland in einem romantischen Gedicht verewigte »Ulme zu Hirsau«.
Musikliebhaber genießen die beeindruckende Klosterkulisse bei den alljährlichen Open-Air-Konzerten des Calwer Klostersommers (Juli/August). Öffentliche Klosterführungen finden in den Sommermonaten statt, Gruppenführungen ganzjährig.
Abendliche Fackelführung für Kinder von acht bis zwölf Jahren (Oktober bis März), mit Geschichten über das Leben der Hirsauer Mönche. Anmeldung erforderlich.

2
Kloster Hirsau
Klosterhof 9
75365 Calw-Hirsau
www.kloster-hirsau.de
3 Krokusblüte und Kurbad
Bad Teinach-Zavelstein: Therme und Fachwerk im Teinachtal
Aus fünf verschiedenen Quellen sprudelt das Heilwasser der Bad Teinacher Hirschquelle. Der Sage nach soll die erste Quelle von einem Hirsch entdeckt worden sein. »Die Seele baumeln lassen? Das können Sie bei uns im Tal prima!«, sagt Dietrich Morlock. Über 170 Nudelsorten hat er in seiner Bad Teinacher Nudelmanufaktur im Angebot, dazu Müslimischungen nach eigener Rezeptur und »Schokofinessen«. Schon die württembergischen Herzöge hatten den heutigen Kurort im Teinachtal zu ihrer Sommerresidenz erkoren, noch heute kann man seine Gesundheit in der Mineraltherme Bad Teinach fördern. Zur Erholung im Innenbecken mit 31°C kommt im Außenbecken mit immerhin 29°C die frische Schwarzwald-Luft dazu, ergänzt vom 36°C Grad warmen Feuerpool und dem Kaltwasserpool, in dem das Wasser aus 1.000 Meter Tiefe sprudelt.
Ein kunsthistorischer Schatz befindet sich in Bad Teinachs Dreifaltigkeitskirche: der Flügelaltar, die Kabbalistische Lehrtafel aus dem 17. Jahrhundert, gestiftet von der württembergischen Prinzessin Antonia. Von April bis Oktober finden öffentliche Führungen statt. Sollte die Kirche geschlossen sein, kann man den Schlüssel in der Apotheke oder im Pfarramt abholen.
Oben auf dem Berg wartet in waldreicher Umgebung die einst kleinste Stadt Süddeutschlands. »Zwergstadt« wird Zavelstein daher noch heute genannt, von Victor von Scheffel in seinem Gedicht »Zavelstein« so beschrieben: »Kleine Burg für wenig Mannen, / Städtlein rußig, eng und schmal, / Rings des Schwarzwalds Edeltannen, / Unten tief das Teinachtal«. Berühmt ist der beschauliche Ort mit seinem denkmalgeschützten Fachwerk für die Blüte des aus der Mittelmeerflora stammenden Wilden Krokus. Der Zavelsteiner März ist ein blauviolettweißes Farbenspiel. Am besten zu erleben auf dem 4,5 Kilometer langen Krokusweg im Naturschutzgebiet Zavelsteiner Krokuswiesen.
164 Stufen führen auf den 28 Meter hohen Turm der Burgruine Zavelstein. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf das Teinachtal, die bewaldeten Höhenzüge bis zur Schwäbischen Alb und auf das entzückende »Städtle und Ämbtlein« Zavelstein mit seinen blumengeschmückten Fachwerkhäusern.
Wanderer entdecken die über 600 Stufen der Mathildenanlage bei einer ausgiebigen Runde auf dem neuen Premiumwanderweg Der Teinacher.

3
Bad Teinach-Zavelstein
Startpunkt: Mineraltherme Bad Teinach
Otto-Neidhart-Allee 5
75385 Bad Teinach
07053 290
www.therme-bad-teinach.de
Teinachtal – Touristik
Rathausstraße 9
75385 Bad Teinach-Zavelstein
07053 9205040
www.bad-teinach-zavelstein.de
www.teinachtal.de
4 Heimatnah – in style
Bad Teinach-Zavelstein: Berlins KroneLamm
Der Blick reicht über den Rötenbach hinüber zu den waldigen Höhen des Nordschwarzwalds, zur Stauferburgruine und zur Wolfsschlucht. Ob vom Außenpool des Wellnessbereichs, von der Panoramaterrasse des Restaurants Lamm oder von der neun Meter hohen Hochsitzsauna, die Aussicht ist unbezahlbar. Dessen ist sich auch Küchendirektor Franz Berlin bewusst, denn neben den »regionalen Genüssen« seiner Sterneküche im Gourmetrestaurant Berlins Krone sind die »traumhaften Aussichten« ein Markenzeichen des Naturparkrestaurants Berlins Lamm. Hier sorgt Restaurantleiter Roland Berlin für das Wohl der Gäste. Die Küche offeriert Baden-Württembergs »Schmeck-den-Süden«-Spezialitäten wie Schnitzel vom Schwarzwälder Schweinerücken, »Krone-Maultaschen« nach »eigenem Hausrezept« oder heimisches Wild. Spargel kommt aus dem nur 30 Kilometer entfernten Bondorf und die Forellen aus dem Würzbachtal in Bad Wildbad.
Begonnen hat die Geschichte von Berlins KroneLamm, als Rolf und Gudrun Berlin 1989 das Wanderheim in Zavelstein pachteten, später den Dorfgasthof Krone erwarben und schließlich mit dem benachbarten Höhengasthof Lamm auf dem Zavelstein zu Berlins Hotel KroneLamm erweiterten. Das nur 900 Meter vom Hotel entfernte Wanderheim mit seinem Biergarten ergänzt seit 2005 wieder den Hotelbetrieb und bietet neben Schwarzwaldspezialitäten auch Grillevents, Fondue und Hüttenparty.
Das Gourmetrestaurant Berlins Krone wurde mit 17 Punkten im Restaurantführer Gault & Millau und einem Michelin-Stern ausgezeichnet und bietet »auf dem Sockel klassisch-französischer Haut-Cuisine regionale Eindrücke und internationalen Köstlichkeiten« erklärt Franz Berlin, wie »Maibock« aus heimischer Jagd und »Confierten Steinbutt« mit Couscous. Gemütlich und stylisch ist der Berliner Platz gestaltet, mit einer kleinen, fast dem Reichstag nachempfundenen Glaskuppel und der Aufschrift »… du bist so wunderBAR, Berlin …« an der Treppe, die von der Bar zur Lounge hinaufführt.
Das Königreich der Sinne mit Pools, Saunen, Salzkammer und zahlreichen Wellnessangeboten ist in seiner Sandsteingestaltung der Zavelsteiner Burgruine nachempfunden.

4
Berlins KroneLamm
Marktplatz 1–3
75385 Bad Teinach-Zavelstein
07053 92940
www.berlins-hotel.de
5 Schwarzwald trifft Heckengäu
Nagold: Vom Schlossberg in den Stadtpark
Romantisch umfließt die Nagold von drei Seiten den Schlossberg, auf dem die Ruine der Burg Hohennagold einen herrlichen Ausblick ermöglicht. In östlicher Richtung, Herrenberg zu, liegt das Heckengäu, dessen Kennzeichen und Namensgeber die zahlreichen Hecken sind. Die Nagold selbst hingegen bahnt sich ihren Weg weiter durch den Schwarzwald und macht genau hier in Nagold den Bogen von ihrer Quelle im Westen nach Norden Richtung Calw und Pforzheim.
In einem ähnlich geschwungenen Bogen bewegt sich die Marktstraße im Ort von zwei Seiten auf das Rathaus mit Dachreiter und Barockfassade zu, das flankiert wird vom Ludwig-Hofacker-Haus (benannt nach dem Nagolder Stadtschreiber) aus dem 16. Jahrhundert und dem Urschelbrunnen mit der Figur der »Wüsten Urschel«, die das Nagolder Stadtwappen hält. Fachwerk prägt das Gesicht der Altstadt, eine Besonderheit stellt hier das Doppelhaus mit unterschiedlichem Fachwerk unter einem Giebel neben der Schmid’schen Apotheke dar, die wiederum durch ihre Fassadenmalerei besticht. Zu den bekanntesten Fachwerkgebäuden zählt das Hotel Post mit seinem auffälligen goldenen Wirtshausschild.
Am Fuß des Schlossbergs bietet der Stadtpark Kleb unter anderem nasses Vergnügen im Nagolder Badepark mit Riesenrutsche und Strömungskanal oder beim gemütlichen Ruderboot- und Tretbootfahren auf der Nagold. 2012 wurde das Gelände im Rahmen der Landesgartenschau attraktiv umgestaltet.
In der Nähe des Krankenhauses liegt auf dem Lemberg ein kleines Naturschutzgebiet, in dem die typische Landschaft des Naturraums Heckengäu mit seinen Halbtrockenrasen, Wacholderheiden und Heckenstrukturen geschützt wird. Da der Pflug hier oft über die brüchigen Kalksteinplatten kratzte, nannte man den Ort des »Teufels Hirnschale«. Säbelschrecke, Schwarzspecht und Küchenschelle gehören zu den Bewohnern dieses Biotops. Eindrücke von Gäu und Schwarzwald erwandert man auf dem 120 Kilometer langen Gäurandweg von Mühlacker nach Freudenstadt, geführt vom Symbol der Hagebutte.
Ohne große Steigung: Der Nagoldtalradweg führt über 90 Kilometer von der Quelle am Fluss entlang bis zur Mündung in die Enz.

5
Schlossberg
Startpunkt: Ruine der Burg Hohennagold auf dem Schlossberg
72202 Nagold
Tourismusbüro Nagold
Marktstraße 27–29
72202 Nagold
07452 681135
www.nagold.de
6 Freizeitparadies am Flößerfluss
Seewald: Oberes Nagoldtal
Die Sage von Urnagold berichtet von der Rettung der verirrten Tochter des Grafen von Nagold durch einen gutherzigen Köhler. Zuvor hatte das Mädchen gelobt, dort, wo sie auf einen Menschen treffe, zum Dank eine Kirche zu errichten. Der Graf baute beim Nagoldursprung in »Inrenagelt«, das später »Urnagold« genannt wurde, ein Kirchlein. Heute ist das Obere Nagoldtal rings um die Nagoldtalsperre Landschaftsschutzgebiet, roter Fingerhut blüht an den Hängen, junge Grasfrösche huschen über die Wege.
Auf der Hochebene bei Kälberbronn stehen im Bannwaldgebiet die mächtigsten Bäume des Schwarzwalds. Viele der »großen Tannen« (bis zu 51 Meter hoch) sind inzwischen abgestorben. Als sie wuchsen, haben Schwarzwaldflößer das Leben unten an der Nagold geprägt.
An diesem wolkenverhangenen Junitag paddeln eine Handvoll Schlauchboote über das grün schimmernde Wasser der Nagoldtalsperre. Fast hat man das Gefühl, irgendwo in Kanada zu sein. An sonnigeren Sommertagen werden sich zahlreiche Besucher hier einfinden, denn die beiden Seen sind ein Paradies für Wasserratten, wobei die Vorsperre den Schwimmern, die Hauptsperre den Seglern und Surfern vorbehalten ist.
Auch Angler zieht es hierher. In der Hauptsperre sind Zander, Karpfen, Barsch, Schleie und Rotauge angesagt, in der Vorsperre mit Verbindung zum oberen Lauf der Nagold die Bachforelle. Angelkarten gibt es beim Kreisforstamt Freudenstadt. Nagoldabwärts liegen die Angelteiche Neumühle und im Zinsbachtal, idyllisch und rollstuhlgerecht, die Gewässer des Angelparks Letscher. Angler mit und ohne Schein haben hier Chancen auf Regenbogen- und Lachsforelle, Karpfen und Stör. Bezahlt wird entweder nach Gewicht oder über eine Tageskarte. Angeln können ausgeliehen werden, als Köder gibt’s Mais. Im Schlachthaus wird der Fang gewogen, geputzt und verpackt. Und wer nichts fängt, kann seinen Alibifisch auch kaufen. Petri heil!
Flößerführungen oder Wanderwoche »Auf den Spuren der Flößer« mit der Flößerzunft Oberes Nagoldtal in Altensteig. Alle zwei Jahre (gerade Zahl) findet am letzten Ferienwochenende ein Flößerfest mit Floßfahrt statt.

6
Oberes Nagoldtal
Startpunkt: Parkplatz Nagoldtalsperre an der L362 (Seestraße) aus Richtung
72297 Seewald-Erzgrub
Gemeindeverwaltung
und Seewald Touristik
Wildbader Straße 1
72297 Seewald
07447 946011
www.seewald.eu
7 Mit dem Lama Gassi gehen
Ebhausen: Freizeitpark Rotfelden
Das Streichelgehege ist der erklärte Lieblingsplatz von Anni und Mia. Die beiden Schwestern, fünf und sieben Jahre alt, haben sich rasch mit den schwarz-weißen und braunen Ziegen und Schafen angefreundet, die sich geduldig kraulen lassen und etwas ungestüm den frischen Löwenzahn aus der Hand fressen. »Das sind alles Mädels«, sagt Besitzerin Simone Sennert, »die lassen sich gerne von den Kindern striegeln, streicheln und hübsch machen.«
Am späten Vormittag dürfen die Kamele ins Freie, natürlich unter Beteiligung der Kinder. Die bekommen lange Stöcke in die Hand und bilden eine Art natürlichen Zaun, als die Trampeltiere (im Gegensatz zu den einhöckrigen Dromedaren haben diese zwei Höcker) ungestüm aus dem Stall auf die Koppel rennen. Am späten Nachmittag findet das Kameltreiben noch einmal in umgekehrter Richtung statt. Dann ist auch Kamelfüttern angesagt und wer mag, darf den Tieren frisches Heu direkt aus der Schubkarre reichen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kamelhofs, der 2013 abbrannte, gibt es jetzt neben der kleinen Arche Noah einen großzügigen Spielplatz mit Barfußpfad, Kletterparcours und Matschanlage und in der warmen Jahreszeit eine Strohburg.
Das Angebot des 2017 eröffneten Freizeitparks ist perfekt auf Familien abgestimmt: Während sich die Kleinen im »Streichelzoo« bei Hasen, Ziegen und Minischweinen vergnügen, tummeln sich die Älteren auf der 18-Loch-Fußballgolfanlage und die Eltern relaxen in der Open-Air-Lounge. Hunger und Durst können im Imbiss-Biergarten und an den Grillstellen beim Fußballgolf sowie in der Gaststätte Zur Eule im Freizeitpark mit Gartenlokal und Eulenstüble gestillt werden. Doch zuvor haben Mia und Anni einen neuen Freund gefunden und sie gehen voller Stolz mit Lama Diego an der Leine »Gassi«. Nach einem Ausflug in die Spielscheune wollen die beiden unbedingt noch einmal zu den Ziegen und den Meerschweinchen. Vielleicht übernachten sie ja beim nächsten Mal im Familienzimmer oder im Heuhotel?
Gaststätte und Biergarten können unabhängig vom Park besucht werden, für Freizeitpark und Fußballgolf gelten extra Eintrittspreise.

7
Freizeitpark Rotfelden
Kamelweg 1
72224 Ebhausen-Rotfelden
0173 5950860
www.freizeitpark-rotfelden.de
8 Vespern in historischem Flair
Altensteig: Wirtschaft Bäck-Schwarz
Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben wäre, wenn man die alte Gaststube in dem historischen Fachwerkbau betritt. Fast alles ist hier »original« geblieben, die Wandtäfelung, die Möbel, die Türrahmen und die leicht gewölbte Stubendecke über dem Tresen. Durch die schiefen Fenster gelangt Sonne in den niederen Raum. »Und das Klavier funktioniert auch noch, wenn jemand drauf spielen will«, sagt Inhaberin und Köchin Christa Brakopp schmunzelnd.
Neben der schwäbischen Vesperkarte mit Maultaschensuppe, Wurstsalat, Schmalzbrot und Fleischkäse bietet sie ihren Gästen in wechselnden Aktionswochen Flammkuchen oder »Pizza, Beerda & Co.« und Zwiebelkuchen, die Spezialität des Hauses. Für den Hefeteig nimmt die Bäckerin 250 Milliliter Milch, 60 Milliliter Öl, 1 Würfel Hefe, 1 Prise Zucker, 500 Gramm Mehl und 20 Gramm Salz. Die Füllung besteht aus einem Kilogramm Zwiebeln, etwas Butter, 900 Gramm Crème Fraîche, 200 Gramm süßer Sahne, 8 Eiern sowie Salz und Pfeffer. Das gibt nach 45 Minuten bei 180 ° zwei runde Bleche.
Das 1459 erbaute Haus ist eines der ältesten in Altensteig, ein alemannischer Fachwerkbau, mit Weiden-Lehm-Geflecht ausgefacht. Über dem Eingang zur Wirtschaft grüßt der »altdeutsche Mann«, eine Fachwerkfigur, die wie Kopf, Rumpf, Arme und Beine eines Strichmännchens geformt ist. Auffällig ist die Wohneckstube im ersten Stock, in Bohlenständerbauweise erstellt, einer besonders in Süddeutschland und der Schweiz verbreiteten Fachwerkform.
Seit 1991 führt Christa Brakopp die Gaststube Bäck-Schwarz, die zu den ältesten Wirtschaften in Deutschland zählt. Früher gab es hier, wie der Name verrät, auch eine Bäckerei. In der urtümlichen Gaststube stehen nur fünf Tische. »Bei uns sitzt man zusammen«, erklärt Christa Brakopp. An den Wänden hängen historische und auch neue Fotos, unter anderem von Kaiser Wilhelm und Karl-Herzog von Württemberg, der sogar schon einmal hier gewesen sein soll. Und von Udo Lindenberg. »Der war wirklich da!«, strahlt die Wirtin.
»Riabl aiziage sonschd hauschd de Meggl nah« – die originale Stubendecke ist in der Tat sehr niedrig, ab eins siebzig ist der Kopf in Gefahr.

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Bäck-Schwarz
Historische Wirtschaft
Paulusstraße 19
72213 Altensteig
07453 7497
www.baeck-schwarz.de
9 Zeitreise an der Steige
Altensteig: Stadt an der Steige
1832 übernahm der Pfarrer Johann Gottlieb Hauff das Märchen vom Kalten Herz seines Verwandten Wilhelm Hauff in ein von ihm herausgegebenes Lesebuch, den Teutschen Tugendspiegel, und so begegneten die Schwarzwaldflößer damals den jugendlichen Lesern: »Sie handeln mit ihrem Wald; sie fällen und behauen ihre Tannen, flözen sie durch die Nagold …« Heute pflegt die Flößerzunft Oberes Nagoldtal mit Sitz in Altensteig diese alte Tradition.
In der nach Originalplänen von 1883 gebauten historischen Einbindestelle steht auch ein funktionsfähiger »Bähofen«, in dem fünf Meter lange Tannenstämmchen gekocht und zu sogenannten »Wieden« (Holzseile zum Einbinden der Flöße) gedreht werden. Ein »Holländerstamm« mit 18,5 Festmeter veranschaulicht die Masse der einst bis Holland geflößten Tannenstämme.
Hoch über den Dächern von Altensteig ragen das Schloss mit seinem Fachwerkkranz (und die renovierte Rokokokirche) in den Himmel, zahlreiches Grün und das Bunt der Sommerblüher an den Fenstern und Brunnen durchzieht in der warmen Jahreszeit die mittelalterliche Stadt.
Ein Bummel entlang der »Historischen Meile« gleicht einer Zeitreise. Die Stadt an der Steige will über Treppen und schmale Gässchen zu Fuß erkundet sein. Von der Silbermühle am zugeschütteten Mühlkanal und der Gerberei am Saumarkt im Tal geht es über die Alte Steige zur Kupfer- und Messerschmiede, zum spätgotischen Rathaus und weiter zum Alten und Neuen Schloss. Und dort oben beginnt das Mittelalter: »Himmel« und »Hölle« nennt man in Altensteig die beiden Rundtürme des Alten Schlosses, dessen Wohnturm als einzige unzerstörte mittelalterliche Schwarzwaldburg gilt.
Direkt an das Naturschutzgebiet Egenhäuser Kapf angrenzend stellt der Streuobstpfad Altensteig-Walddorf 30 Obstsorten in Wort und Bild vor. Darüber hinaus finden hin und wieder Aktionen rund um den Obstbau statt, wie Obstsortenbestimmung, Saftpressen, Mäh- und Dengelkurs oder Mostseminar.
Einen herrlichen Blick auf die Altensteiger Häuserfront hat man von einem Parkplatz an der Straße nach Egenhausen.

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Altensteig
Startpunkt der Historischen Meile: Silbermühle (Stadtbibliothek)
Mühlstraße 3
72213 Altensteig
07453 9461290
Stadtinformation im Rathaus
Rathausplatz 1
72213 Altensteig
07453 9461211
www.altensteig.de
10 Stadt im Schutz des »Hohen Mantel«
Altensteig-Berneck: Burg Berneck
Das Erscheinungsbild der zweitkleinsten Stadt Württembergs (bis zur Eingemeindung nach Altensteig) ist einmalig: Wie ein Schutzwall ragt der »Hohe Mantel« – 30 Meter hoch, 22 Meter lang und die Buckelquadermauer selbst ist zweieinhalb Meter stark – über das Altstadtensemble, das sich Haus an Haus an den Felssporn zwischen Köllbachtal und Bruderbachtal schmiegt. Einen schönen Blick hat man vom See aus, in dem sich bei Windstille Burg und Altstadt spiegeln.
Nur zwei Häuserzeilen verliefen im alten Berneck entlang der Kirchgasse, wo am Fuße des Felsens die evangelische Kirche steht. Auf dem höchsten Punkt des Felssporns thront die Burg Berneck mit dem alles überragenden »Hohen Mantel«. Zwischen 1050 und 1100 soll die Burg entstanden sein, in ihrer Lage ein strategisches Meisterwerk hoch auf dem Fels, ein Wehrbau, durch drei steile Hänge geschützt und nur über die Schlosssteige zugänglich.
Dort, wo die Burg über den rückseitigen höheren Hang angreifbar war, wurde eine Schutzmauer hochgezogen, die Burg und Stadt zugleich Deckung bot, wie ein Schild dem Ritter. Eine Tür sucht man hier vergebens, die führt an der Seite durch die normale Burgmauer ins Innere. Zwischen den beiden Türmen krönt der Wehrgang mit seinen Schießscharten die Mauer, dessen Zugang nur über eine Leiter zu erreichen war. Auf dem »Hohen Mantel« war man in Sicherheit, solange Vorräte reichten und Ausräuchern oder Rammstöße nicht zum Aufgeben zwangen. Doch eine solche Belagerung hat Berneck wohl nie überstehen müssen. Allerdings vernichteten zwei Schlossbrände Burg Berneck, der Neubau des heutigen »Oberen Schlosses« stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das »Untere Schloss« ist ein Rokokobau.
Die Drei-Burgen-Wanderung führt auf einem Weg von 14 Kilometern von Altensteig aus über Wiesen und durch Wald oberhalb des Köllbachtals zunächst zur Burg Hornberg und über die Baiermühle im Köllbachtal am Waldrand entlang bis Berneck und wieder zurück zum Alten Schloss in Altensteig.
Alle zwei Jahre (ungerade Zahl) erleuchtet beim Seenachtsfest ein Brillantfeuerwerk die historische Kulisse.

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Burg Berneck
Kirchgasse 8
72213 Altensteig
11 In 60 Metern Höhe über dem Abgrund
Bad Wildbad: Biker-Eldorado und Baumwipfelpfad
Manfred Gehrig aus Münster kommt jedes Jahr im Sommer nach Bad Wildbad. Den pensionierten Musiklehrer zieht es zum Belcantofestival Rossini in Wildbad. 1856 weilte der Komponist für mehrere Wochen im Enztal und logierte im Bären. Seit 1989 widmet der Kurort seinem berühmten Gast alljährlich im Juli das weit über den Schwarzwald hinaus bekannte Musikfestival.
Seine Entstehung verdankt das heutige Bad Wildbad dem Grafen Eberhard II., genannt der Greiner, der nach einem misslungenen Räuberüberfall das »Wiltbade« befestigen ließ. Nach ihm wurde das Graf-Eberhard-Bad benannt, das heute als Palais Thermal mit seiner Maurischen Halle orientalisches Flair im Schwarzwald verströmt. Dazu der Duft der Rosen im Rosarium …
In weniger als sieben Minuten Fahrt mit der Standseilbahn (Wagen mit Panoramadach) ist man auf dem 731 Meter hohen Sommerberg. Von der Bergstation gelangt man zum Märchenpfad und zum 1250 Meter langen Baumwipfelpfad mit seinem 40 Meter hohen Aussichtsturm, der in luftiger Höhe einzigartige Ausblicke über den Schwarzwald ermöglicht, ständig das Gefühl, in Wipfelregionen zu schweben. Ganz in der Nähe spannt sich die abenteuerliche Hängebrücke WildLine über eine Länge von 380 Metern schwindelerregend über den Abgrund. Für Mountainbikefreaks ist der Northwave Bikepark zum Eldorado mit anspruchsvollen Downhillrouten geworden. Insgesamt erschließt die Mountainbike-Arena Murg-Enztal ein rund 800 Kilometer langes beschildertes Streckennetz, von Bad Wildbad aus bieten sich die Würzbachtour oder der Enzmarathon über Enzklösterle an.
Dort locken mit dem Adventure Golfpark, dem Waldklettergarten und der 1.500-Meter-Abfahrt der Riesenrutschbahn Poppeltal weitere Freizeitangebote.
Eine schöne Aussicht über die Dächer von Bad Wildbad genießt man von den Terrassen der Olgabad Rehaklinik, einem Kleinod mit asiatischem Flair.

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Baumwipfelpfad Schwarzwald
Peter-Liebig-Weg 16
07081 9250940
75323 Bad Wildbad – Sommerberg
www.baumwipfelpfade.de
Touristik Bad Wildbad
König-Karl-Straße 5
75323 Bad Wildbad
07081 10280
www.bad-wildbad.de
12 Moor and more im Wildseemoor
Gernsbach: Kaltenbronn
»Bei uns sind sie meistens schwarz, die Einheimischen sagen auch Höllenotter«, antwortet die Mitarbeiterin vom Infozentrum Kaltenbronn auf die Frage nach der Kreuzotter. »Durch die schwarze Farbe nimmt sie hier oben mehr Wärme auf.« Mit etwas Glück sieht man eines der scheuen Tiere bei der Wanderung ins Wildseemoor. Doch Erschütterungen durch hartes Auftreten auf dem Bohlenweg vertreiben die Reptilien beim Sonnenbad. Also nicht trampeln!
Wie zwei tiefblaue Augenpaare in einem dunkelgrünen Waldgesicht liegen Wildsee und Hornsee im Bannwald Wildseemoor, ein Stückchen südwestlich der Kleine und der Große Hohlohsee. Beide Moorgebiete sind auf drei bis neun Kilometer langen ausgeschilderten Rundwegen von den Parkplätzen auf dem Kaltenbronn bequem zu erkunden. »Nur Moos und Torf findet man hier; ein See ohne Fisch, eine Luft ohne Vögel, eine Gegend ohne lebendiges Wesen«, schrieb der Philosoph Ludwig Roeder 1822, doch das Gegenteil ist der Fall: Die nacheiszeitliche Hochmoorlandschaft ist Lebensraum zahlreicher seltener Tiere und Pflanzen, wie Wollgras, Sonnentau, Kreuzotter, Bergeidechse, Auerhahn und Fichtenkreuzschnabel.
Über eine kleine Brückenkonstruktion erreicht man das Infozentrum mit seiner lebendigen Ausstellung. Auf zwei Stockwerken warten seltene Insekten unter der Lupe, es ertönt der Balzruf des Auerhahns, und auf Tastendruck veranschaulichen moderne Präsentationen das empfindliche Ökosystem des Hochmoors.
Vom Kaiser-Wilhelm-Turm hat man aus über 1.000 Metern Höhe einen fantastischen Blick über das Waldmeer zwischen Murg und Enz, einem Dorado für Wanderer. Teilweise entlang des 260 Kilometer langen Westwegs führt der Premiumweg Murgleiter in Bergetappen von Gernsbach bis Baiersbronn. Ein Teufelchen als Symbol begleitet den 13 Kilometer langen Gernsbacher Sagenweg
(acht Stationen ab Klingelkapelle Gernsbach), seine kleine Variante führt über fünf Kilometer unter anderem zur Erzgrube und Schloss Eberstein.
Naturerlebnisweg zum Wildsee mit abzweigenden Trollpfaden für Kinder. Weiter zur Waldgaststätte Grünhütte und dort Heidelbeerpfannkuchen genießen.

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Infozentrum Kaltenbronn
Kaltenbronn 600
76593 Gernsbach-
Kaltenbronn
07224 655197
www.infozentrum-kaltenbronn.de
Darmowy fragment się skończył.