Czytaj książkę: «Der Migräne-Detektiv»

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Dr. medic Roland Pfeiffer

Der Migräne-Detektiv


Die Informationen und Empfehlungen in diesem Buch sind nach bestem Wissen und Gewissen geprüft. Sie stellen keine Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar und sie bieten keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat. Der Autor übernimmt keinerlei Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich direkt oder indirekt aus einer Selbstbehandlung ohne medizinische Begleitung ergeben könnten. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ebenfalls ausgeschlossen.

2. Auflage

© 2017 by Dr. medic Roland Pfeiffer

Dr. medic Roland Pfeiffer, Alexanderstr. 46, 70182 Stuttgart

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praxis@osteopathie-arzt-stuttgart.de

Redaktion und Lektorat: Gabi Haas

Covergestaltung, Satz und Layout: Laura Newman

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Covermotive: Kues, Balintseby / Freepik

Icons: by Freepik from www.flaticon.com / licensed by CC 3.0 BY

Autorenfoto: Christian Hass

Vorwort und Tatbestand

Es gibt viele Bücher über Migräne. Bücher, die Entspannungs- und Ernährungstipps geben. Bücher, die Schmerzmittel und Therapiemöglichkeiten vergleichen. Bücher, die so gut wie alle Migränefälle auf eine einzige Ursache reduzieren. Bücher, die nahezu jeden Migränepatienten über einen Kamm scheren. Und, leider auch immer wieder Bücher, die die historisch überholte Meinung der Schulmedizin vertreten, Migräne sei nun mal nicht heilbar.

Doch jeder Patient ist individuell und jede Migräneursache ist individuell. So individuell wie der Fingerabdruck eines jeden von uns. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Die Migräne ist ein Rätsel, das zur Lösung herausfordert. Ich richte mich mit meinem Buch an alle Menschen mit Migräne, um dieses Rätsel für jeden einzelnen greifbarer zu machen. Ich richte mich gleichwohl an meine Kollegen – Ärzte, Heilpraktiker und Osteopathen – um das Rätsel auch zum Wohle ihrer Patienten zu lösen.

Der „Migräne-Detektiv“ entschlüsselt in 44 spannenden Fällen die individuellen Auslöser bei der Entstehung einer Migräne. Ich zeige, wie es mir mit systematischer Suche und dem richtigen Riecher gelingt, die Ursachen aufzuspüren, diese zu beseitigen und den Patienten dauerhaft zu heilen. Dass Migräne grundsätzlich heilbar ist, zeigt alleine die Tatsache, dass es auf diesem Gebiet Spontanheilungen gibt. Fast jeder Arzt kennt Patienten, die einst unter Migräne litten, nun aber schon jahrelang davon befreit sind. Die einen hatten nach einer Schwangerschaft keine Migräne mehr, die anderen nach einem Ortswechsel, einem Arbeitsplatzwechsel, nach Einsetzen der Menopause oder ohne eindeutig nachvollziehbaren Anlass. Irgendein Faktor hat ihr Nervensystem entlastet, das Fass der Ursachen ein wenig entleert und damit die Migräne geheilt. Diese Heilung kann zufällig geschehen. Doch darauf können und wollen Sie als Patient nicht warten. Sie wollen nicht länger Opfer der Migräne sein! Mit der systematischen Decodierung der Migräne zeige ich, wie sich das Fass der Ursachen gezielt entleeren lässt und der Körper in die Lage versetzt wird, verbleibendes Ursachenpotential alleine zu kompensieren.

Sie möchten den „Migräne-Detektiv“ nicht von vorne bis hinten komplett lesen? Kein Problem! Wie finden Sie nun als Leser – Patient oder Kollege – die für Sie wichtigen und interessanten Informationen im Buch? Folgen Sie einfach dem Kapitel-Leitfaden.

In Kapitel 1 erfahren Sie, was genau Migräne ist, wie sie entsteht und wie ich als Arzt zur Migränetherapie kam.

In Kapitel 2 schildere ich detailliert anhand von 44 Patientenbeispielen, wie vielfältig die Ursachen für Migräne sein können und wie man diese Ursachen mit detektivischem Spürsinn aufdecken und beseitigen kann. Ich beschreibe Menschen mit Migräne und wie es mir gelungen ist, die Migräne dieser Menschen zu heilen. Als Patient werden Sie dabei auch auf Parallelen zu Ihrer eigenen Krankengeschichte stoßen. Meine fachlichen Erkenntnisse in diesem Kapitel sehe ich als Impuls und Inspiration für all diejenigen, die sich professionell mit der Heilung von Migräne beschäftigen.

In Kapitel 3 stelle ich die komplette Systematik der Ursachenanalyse vor. Durch die Brille des Mediziners betrachten wir die ausführliche Migräneanamnese, eine spezielle Labordiagnostik, die ausführliche osteopathische Untersuchung sowie die Neuraltherapeutische Störfeldsuche und Testbehandlung. Für den Laien möglicherweise etwas „medizinlastig“. Für den Eingeweihten ein großer Fundus rund um die Migränediagnose.

In Kapitel 4 erkläre ich genauer, wie ausgewählte „Übeltäter“ als Ursache für Migräne & Co wirken können.

In Kapitel 2 angekommen, weist Ihnen die folgende Legende den Weg durch die 44 Fallbeschreibungen meiner geheilten Migränepatienten.


Patientenprofil

Lesen Sie an dieser Stelle über einen Menschen mit Migräne. Alter, Geschlecht, Beruf, Krankheitsgeschichte, Lebensumstände, Lebensgewohnheiten, Lebensereignisse, Medikation, Therapieversuche ... alles, was diesen Patienten beschreibt.


Spurensuche und Entschlüsselung

Lesen Sie an dieser Stelle, wie ich bei jedem Patienten systematisch die Ursachen der Migräne ermittle und die Ergebnisse dieser Analyse in einem zielführenden Behandlungskonzept kombiniere.


Experten-Zoom

An dieser Stelle geht es fachlich in die Tiefe. Ärzte, Heilpraktiker, Osteopathen und alle Menschen, die sich professionell mit der Heilung von Migräne beschäftigen, kommen hier auf ihre Kosten.

Kapitel 1

Migräne
Was ist Migräne und wie häufig kommt sie vor?

Migräne ist in aller Munde. Doch was genau ist Migräne? Das wollen wir wissen, bevor wir uns auf die Spurensuche begeben. Migräne ist ein meist einseitiger Kopfschmerz. Er tritt oft anfallsartig auf und kann stunden- oder tagelang anhalten. Nicht selten wird der Schmerz von einer Aura mit Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Manchmal treten auch Sprachstörungen, Sehstörungen, Gedächtnisausfälle und andere neurologische Symptome auf. In Deutschland leiden zirka acht Millionen Menschen an Migräne. Davon sind etwa zwei Drittel Frauen.

Bei Migräne liegt eine energetische Unterversorgung, eine Fehlsteuerung oder eine Überreizung verschiedener Nervenzentren vor, die durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Ziel jeder Behandlung ist es daher, das Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen und das Missverhältnis zwischen Energiebedarf und Energieversorgung auszugleichen.


Das Fass der Ursachen – ein Modell zur Erklärung der Migräne

Die Entstehung einer Migräne kann man sich vereinfacht mit dem „Fassmodell“ vorstellen.

Wir vergleichen den menschlichen Körper mit einem Fass. Dieses Fass füllt sich langsam, wenn mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auftreten und Volumen einbringen. Welche Faktoren das sein können, beschreibe ich im nächsten Kapitel und in den 44 Fallbeispielen.

Unser Körper besitzt eine sehr hohe Kompensationsfähigkeit. Füllt sich das Fass bis zum oberen Rand, zeigt der Körper noch keine Reaktion. Fließt nun aber ein Tropfen zu viel in das Fass, läuft dieses über und der Körper reagiert. Diese Reaktion entspricht dem Migräneanfall. Es geht also in der Migränebehandlung darum, soviel Volumen wie möglich aus dem Fass herauszunehmen, so dass kleinere Ereignisse, wie Wetterwechsel oder Stresssituationen, es nicht zum Überlaufen bringen. Es ist aus meiner Sicht müßig darüber zu diskutieren, ob man den genetischen Anteil, meist eine durch die Mutter vererbte Mitochondrienschädigung, den wir nicht beeinflussen können und der nach meinen Schätzungen meist zwischen 10% und 30% des Fassvolumens ausmacht, als Ursache bezeichnet und alle anderen Faktoren als Auslöser. Oder aber, ob man alle Faktoren als Ursachen bezeichnet. Im Fassmodell spielt dies ohnehin keine Rolle. Alle Faktoren zusammen füllen das Fass und wir müssen dieses, nach meiner Schätzung, etwa zur Hälfte leeren. Dann tritt keine Migräne mehr auf. Je höher also der genetische Anteil ist, desto mehr andere Faktoren gilt es herauszunehmen. Wir müssen systematisch herausfinden, womit das Fass gefüllt ist und wie wir es zumindest bis zur Hälfte entleeren können. Das ist die Herausforderung!

Wie ein Migräneanfall entsteht

Um zu verstehen, was bei einer Migräneattacke im Körper passiert, tauchen wir medizinisch etwas tiefer in die Materie ein. Das Migräneursachen-Schema auf Seite 17 zeigt uns das Zusammenspiel der Faktoren, die an einem Migräneanfall beteiligt sind.

Verschiedenste Faktoren können zu Störungen in der Mitochondrienversorgung und zur Überaktivität des Migränegenerators im Hirnstamm führen. Dort haben auch Kerne des schmerzempfindlichen Trigeminusnervs ihren Ursprung. Mögliche Belastungsfaktoren sind z. B. mechanischer, chemischer, hormoneller, ernährungsbedingter, verdauungsabhängiger, sinnesorganabhängiger, elektromagnetischer, klimatischer, infektiöser, psychischer, toxischer, immunologischer und genetischer Natur. Aber auch Störfelder im neuraltherapeutischen Sinne können sich belastend auswirken. Der Hirnstamm, unser entwicklungsgeschichtlich ältester Hirnteil, ist für die Steuerung lebensnotwendiger Funktionen im Körper zuständig. Er regelt vegetative Funktionen wie Atmung, Durchblutung, Kreislauf, Körpertemperatur und Verdauung. Der Hirnstamm ist aber auch eine Messinstanz, die äußerst sensibel mit messbarer Nerven-Hyperaktivität und verstärkter Durchblutung auf starke Schwankungen von Sauerstoff, Blutzucker, Flüssigkeit, Salzgehalt und Säure-Basen-Gleichgewicht sowie auf Giftstoffe reagiert. Gefährdet nun eine Situation die Energieversorgung des Gehirns, reagiert ein Bereich des Hirnstamms massiv darauf. Dieser Bereich wird auch Migränegenerator genannt. Der Migränegenerator wird aktiviert, bevor es zu einer Aktivierung des Trigeminusnervs, der von ihm versorgten Blutgefäße und dem damit verbundenen Schmerzempfinden kommt. Neuere PET-Untersuchungen haben dies nachgewiesen. Die Positronen-Emissionstomographie (PET) ist ein Verfahren, bei dem besonders aktive Hirnbereiche in Farbe sichtbar gemacht werden. Der Bereich des Migränegenerators ist vor und während einer Migräneattacke stärker durchblutet und weist eine erhöhte Aktivität auf. Er bleibt aktiv, auch wenn Schmerzmittel, wie z. B. Triptane, den Migräneanfall schon längst unterdrückt haben. Er ist deshalb in der Lage, nach Ablauf der Schmerzmittelwirkung, den Anfall wieder aufflammen zu lassen. Der Trigeminusnerv, der für die sensible Versorgung von Hirnhäuten, Hirnarterien, Hirnrinde, Nebenhöhlen und Gesicht zuständig ist und so Schmerzempfindungen möglich macht, wird aktiviert. Trigeminusfasern bringen Informationen z. B. aus Kopfgefäßen und Gesicht zu ihren Nervenkernen, die vom Mittelhirn bis ins Rückenmark der Halswirbelsäule verteilt sind. Auf Höhe der oberen Halswirbel überlappen sich im Rückenmark Endgebiete von Trigeminusfasern und Halsnervenfasern. Dadurch können störende Reize aus der oberen Halswirbelsäule, wie sie z. B. nach einem Schleudertrauma auftreten, zum spinalen Kern des Trigeminusnervs gelangen und diesen irritieren. Zusätzlich kann dieser aber auch aus Fasern aus dem siebten und dem zehnten Hirnnerv irritiert werden. Dauerreize, die von Narbenstörfeldern, chronischen Entzündungen und anatomischen oder physiologischen Problembereichen, wie z. B. den Kopfgelenken, herrühren, lassen Erregungszonen im Hirnstamm mit erhöhtem Energieverbrauch entstehen. Das passiert u. a. in den Kernen des Trigeminusnervs und in der Hirnrinde. Diese Erregungszonen stehen in Beziehung zueinander und können zur Entwicklung von Migräne führen. Durch die Überaktivität des Trigeminusnervs werden Botenstoffe freigesetzt. Diese beeinflussen in den Blutgefäßen des Gehirns die Gefäßmuskulatur und den Gefäßdurchmesser. Das geschieht auch, wenn zu viel Stickstoffmonoxid in den Gefäßen anflutet. Dies bezeichnet man als Nitrostress. Man geht heute davon aus, dass sich die Arterienwände kurzzeitig entzünden. Dabei kommt es zunächst zu einer Erweiterung der Kopfarterien sowie zu einer erhöhten Durchlässigkeit und Schwellung der Arterienwände (Ödem). Dieses Ödem führt zu einer Verengung der Arterien und somit zu einer verringerten Durchblutung bestimmter Hirnbereiche. Dadurch entsteht die Migräneaura. Die durch die Nervenreizung bedingte Entzündung breitet sich über die ganze Gefäßwand aus und stört die Verbindungen zwischen den Zellen. Diese werden in Folge wieder elastischer. Der Blutdruck erweitert die verengten Gefäße und die Aura verabschiedet sich (Literaturempfehlung 5). Durch die nervenbedingte Entzündung entsteht eine starke Schmerzempfindlichkeit der Gefäßwände.

Die Details der Migräneentstehung sind allerdings wissenschaftlich noch nicht komplett erforscht. Welche Faktoren dazu in der Lage sind, eine Überaktivität des Migränegenerators im Hirnstamm und im Ganglion Trigeminale auszulösen, beschreibe ich ausführlich in den Kapiteln Anamnese, Laboranalysen, osteopathische Untersuchung und neuraltherapeutische Testung.


Abbildung: Migräneursachen-Schema

Wie ich zur Migränetherapie kam

Nach meiner Akupunkturausbildung war ich begeisterter Akupunkteur. Ich traute meinen chinesischen Nadeln fast alles zu und verinnerlichte die Philosophie der traditionellen chinesischen Medizin. Ich lernte viel über die Akupunktur-Meridiane und die auf ihnen liegenden Akupunkturpunkte sowie deren Bedeutung für die verschiedenen Organe und Erkrankungen. Das Schicksal wollte es wohl so, dass ich kurz nacheinander drei Migränepatienten mit Akupunktur von ihrer Migräne befreien konnte. Voller Euphorie dachte ich nun zu wissen, wie Migräneheilung funktioniere. Wie naiv das war, musste ich bald feststellen. Ich warb mit meinen ersten Erfolgen und es kamen viele Migränepatienten zu mir in Behandlung. Doch leider bescherte sich mir ein Misserfolg nach dem anderen. Ich erkannte, dass es höchstens 20% der Patienten waren, denen ich mit Akupunktur helfen konnte. Es musste also auch noch andere Ursachen geben, die durch meine Nadeln nicht zu beeinflussen waren.

Ich entschloss mich im nächsten Schritt zu einer Neuraltherapieausbildung. Dadurch konnte ich meine Erfolgsquote immerhin auf 45% steigern. Damit gab ich mich aber noch nicht zufrieden. Denn wenn jeder zweite Patient die Praxis unzufrieden verlässt, ist das nicht gerade die beste Werbebotschaft für einen Mediziner. Ich absolvierte also die fünfjährige Osteopathie-Ausbildung an der Osteopathie Schule Deutschland (OSD). Gleichzeitig befasste ich mich intensiv mit Ernährungsmedizin, Orthomolekularmedizin, Endokrinologie und bioidentischer Hormontherapie, sowie Mitochondrientherapie nach Dr. Kuklinski. Heute kann ich nach Auswertung meiner aktuellen Statistiken sagen, dass ich 75% meiner Patienten innerhalb von 10 bis 20 Sitzungen von ihrer Migräne befreien konnte. Weitere 10% verspüren zumindest eine deutliche Verbesserung ihrer Symptomatik, das heißt sie erleiden wesentlich seltener Anfälle und die Migräne ist weniger heftig.

Kapitel 2

44 Migränepatienten –
44 gelöste Fälle
Fall 1: Nitrostress und osteopathische Dysfunktion


Eine 44-jährige Physiotherapeutin hatte vor 15 Jahren ein Schleudertrauma erlitten, als an einer roten Ampel ein Auto von hinten ungebremst auf ihr Fahrzeug aufgeprallt war. Sie trug danach einige Tage eine Halskrause. Vier Wochen später bekam sie ihre erste Migräneattacke. Die Anfälle traten lange Zeit nur alle ein bis zwei Monate auf, oft pünktlich zur Menstruation. Sie wurden jedoch innerhalb der letzten zwei Jahre immer häufiger. In den letzten drei Monaten hatte sich die Häufigkeit der Attacken auf bis zu dreimal pro Woche erhöht. Früher war sie gerne gejoggt, jetzt musste sie jeden Dauerlauf mit einer Migräneattacke bezahlen. Triptane waren lange Zeit die einzigen Medikamente, die ihr im Anfall geholfen hatten. Sie brachten ihr jedoch seit einigen Monaten keine Besserung mehr. Hinzu kamen Schwindelattacken, Sehstörungen, Ohrgeräusche, Übelkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Eine Serie von 15 Sitzungen Akupunktur bei ihrem Hausarzt hatte ihr ebenfalls keine Besserung gebracht. Sie erschien ziemlich verzweifelt in meiner Praxis.


Nach der Anamnese nahm ich ihr einige Blutproben für Laboranalysen ab. Ich wollte herausfinden, ob aufgrund des Schleudertraumas eine instabile Halswirbelsäule mit einer daraus resultierenden erhöhten Stickstoffmonoxid-Produktion (Nitrostress) vorlag. Das würde auf einen erhöhten Verbrauch von Vitamin B12 sowie anderer Mikronährstoffe schließen lassen. Da mich die Patientin bat, ihr aufgrund ihres extremen Leidensdrucks möglichst schnell zu helfen, spritzte ich ihr, ohne die Laborergebnisse abzuwarten, 1mg Vitamin B12. Ich empfahl ihr, bis zum nächsten Termin in zwei Wochen, sich täglich die gleiche Dosis des Vitamins selbst in den Bauch zu spritzen.

Bei der osteopathischen Untersuchung stellte ich bei der Patientin zahlreiche Einschränkungen fest. Erhöhte Membranspannungen, bewegungseingeschränkte Schädelplatten, insbesondere ein zwischen den beiden Schläfenbeinen eingekeiltes Hinterhauptbein, ein zwischen den Beckenknochen verkeiltes Kreuzbein, dadurch einen asynchronen Craniosakralen Rhythmus, Wirbelblockaden im Bereich der oberen Halswirbelsäule sowie der unteren Brustwirbelsäule und einen verringerten Ausdehnungsspielraum des Brustkorbs. Ich behandelte sie in einer bestimmten Reihenfolge. Ich löste die Spannungen der Duralmembranen, die die Wirbelsäule und den Kopf auskleiden, befreite das eingekeilte Kreuzbein ebenso wie das eingekeilte Hinterhauptbein, löste die Blockaden der Brust- und Halswirbelsäule und synchronisierte ihren Craniosakralen Rhythmus.

Als sie nach zwei Wochen wiederkam, bekräftigte die Patientin, dass es ihr gut ginge und sie die ganze Zeit über keine Migräne gehabt habe. Die mittlerweile vorliegenden Laborergebnisse bestätigten starken Nitrostress und dadurch bedingt einen ausgeprägten Vitamin-B12-Mangel mit all seinen Konsequenzen für Zellatmung und Zellstoffwechsel. Hinzu kam ein Mangel an Vitamin B2, B6, Folsäure, Biotin und Magnesium. Ich schlug vor, noch einige Male die druckschmerzhaften Punkte an der oberen Hals- und Brustwirbelsäule und ein Nervengeflecht im Gynäkologischen Raum (Plexus Utero-Vesicalis) neuraltherapeutisch mit Lokalanästhetika anzuspritzen und die genannten Mikronährstoffmängel zu ersetzen. Nach fünf weiteren Behandlungen innerhalb von fünf Wochen, kam die Patientin lächelnd in die Praxis und sagte, dass sie migränefrei war. Das Verrückte an ihrer Heilungsgeschichte war, dass sie in dieser Zeit schwanger wurde. Und das mit 44 Jahren, nachdem sie die letzten zehn Jahre vergeblich versucht hatte, schwanger zu werden. Da die Patientin seit sieben Wochen keine Migräne mehr hatte und Bedenken hegte, durch die Spritzen ihre Schwangerschaft zu gefährden, beschlossen wir die Behandlung bis auf weiteres abzuschließen. Normalerweise betrachte ich eine Behandlung erst nach vier Monaten ohne Migräne als abgeschlossen.


Ein Jahr später rief ich die Patientin zur Erfolgskontrolle an und erfuhr, dass sie nicht mehr unter Migräne litt und dass sie zwischenzeitlich Mutter geworden war.

Was war passiert? Warum war die Patientin ihre Migräne so schnell losgeworden? Warum war sie nach zehn Jahren vergeblicher Bemühung, quasi als Nebenwirkung der Migränetherapie, plötzlich schwanger geworden? Um das zu verstehen, schauen wir uns an, was bei einem Schleudertrauma passiert. Der Rostocker Facharzt für Innere Medizin und Umweltmedizin, Dr. Bodo Kuklinski, hat dies jahrzehntelang erforscht und in seinen Büchern „Schwachstelle Genick“ und „Das HWS-Trauma“ ausführlich beschrieben.

Die Halswirbelsäule ist das beweglichste Teil der gesamten Wirbelsäule. Hier sind Nerven, Blutgefäße, Lymphknoten, Bänder, Muskeln, Faszien, Knochen und Drüsen auf engstem Raum komprimiert. Bei einem Schleudertrauma werden Bänder, die der Halswirbelsäule Stabilität geben, überdehnt, woraus eine instabile Halswirbelsäule resultiert. Die dadurch entstehende, vorübergehende Unterversorgung von Zellen mit Sauerstoff und die anschließende Wiederdurchblutung setzt eine chemische Reaktion in Gang. Die Aminosäure Arginin wird in Citrullin und Stickstoffmonoxid aufgespalten. Stickstoffmonoxid ist ein Gas, das sich im Körper verteilt, in sämtliche Körperzellen und Mitochondrien eindringt und dort Zerstörungsprozesse verursacht. Der Körper kann Stickstoffmonoxid neutralisieren, aber nur unter sehr hohem Verbrauch von Vitamin B12 und anderen Mikronährstoffen. Ein mit einem Atemgasmessgerät gemessener erhöhter Stickstoffmonoxidgehalt der Atemluft geht nach Injektion von Vitamin B12 deutlich zurück. Insbesondere bei Erschütterungen, z. B. beim Joggen oder Reiten, werden große Mengen von Stickstoffmonoxid freigesetzt. Was dies für die Migräneentstehung bedeutet, erläutere ich ausführlich im Kapitel „Nitrostress“.

Durch ein Schleudertrauma können außerdem Fasziendistorsionen entstehen. Die Faszien, die hauptsächlich aus elastischen Collagen- und Elastinfasern bestehen, hüllen die Muskeln ein. Sie können verdreht und verzwirbelt werden und später, begünstigt durch die Ruhigstellung durch eine Halskrause, verkleben. Der in einer verdrehten Faszie eingewickelte Muskelstrang fühlt sich an wie ein Drahtseil. Der Patient hat das Gefühl, in einem zu engen Taucheranzug eingezwängt zu sein. Dieser Zusammenhang wurde von dem amerikanischen Osteopathen und Entdecker des Faszialen Dystorsionsmodells, Steven Typaldos, beschrieben (Literaturempfehlung 25). Wirbelblockaden werden durch die ruckartigen Bewegungen während des Schleudertraumas, durch die lockeren Bänder, die verdrehten Faszien und die angespannten Muskeln zusätzlich begünstigt. Bei Migräne nach Schleudertrauma sind oftmals die ersten beiden Halswirbel Atlas und Axis gegeneinander verdreht und unbeweglich. Der Körper gleicht dies in der Regel durch einen Beckenschiefstand aus. Die möglichen Folgen von Halswirbelblockaden sind vielfältig. Es können Hirnnervenreizungen, Reizung der Spinalnerven und der Nerven des Vegetativen Nervensystems, Druck und Zug an der Arteria vertebralis mit einseitig veränderter Blutversorgung, chronisch entzündliche Prozesse im Bereich der Muskelsehnenansätze, Nitrostress, chronische Müdigkeit und insbesondere Migräne und chronische Kopfschmerzen auftreten.

Da das Endokrine System mit seinen Hormondrüsen durch das Vegetative Nervensystem gesteuert wird, kann die permanente Reizung der Nerven zu hormonellen Störungen, insbesondere der Schilddrüse und der Eierstöcke führen. Und so kann es passieren, dass es nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Sobald die natürliche Regulationsfähigkeit des Körpers durch die Auslöschung der Störfelder des vegetativen Nervensystems und die Normalisierung der Zellatmung wiederhergestellt ist, steht einer Schwangerschaft nichts mehr im Wege.

Fall 2: Fäulnismilieu und Histamin


Eine 48-jährige Rechtsanwältin litt seit dem 30. Lebensjahr fast täglich an leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen. Hinzu kamen zwei bis drei Migräneanfälle pro Woche, die sie mit Aspirin, Paracetamol oder Triptanen behandelte. Ihre Schulter-Nackenverspannungen wurden regelmäßig durch Massagen und Krankengymnastik behandelt, was ihre Symptome aber nur leicht linderte. Ihre Beschwerden belasteten sie auch psychisch stark und sie war deshalb nur noch stundenweise arbeitsfähig. Neben den zirka drei grippalen Infekten im Jahr, die sie regelmäßig mit Antibiotika behandelte, waren keine weiteren Erkrankungen bekannt. Sie litt auch nicht unter Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Lediglich Blähungen störten sie immer wieder. Diese gingen aber in der stark überwiegenden Kopfschmerzsymptomatik unter. Sie wurde mehrfach internistisch, neurologisch und orthopädisch untersucht. Zwei Aufenthalte in Migränekliniken brachten keinerlei Erfolg. Ihre Schmerzen besserten sich dadurch nicht.


Ihr Blutbild sowie ihre intrazelluläre Mikronährstoffanalyse waren vollkommen unauffällig. Die Leberwerte waren leicht erhöht. Die Schilddrüsenwerte lagen ebenso wie die Entzündungsmarker im Normbereich.

Wegen der Blähungen erstellten wir ein Darmprofil und führten eine Untersuchung der Darmflora durch. Es zeigte sich ein Mangel an Verdauungsenzymen (Pankreaselastase), ein erhöhter Anteil von Fett und Eiweiß im Stuhl, eine stark über der Norm liegende Anzahl an Colibakterien, Enterokokken und Clostridien (Clostridium Species) sowie ein verminderter Anteil an Laktobazillen. Außerdem fiel ein stark (12-fach) erhöhter Histaminspiegel im Stuhl auf, der mit einem Diaminoxidasespiegel im Serum einherging, der gerade noch im Normbereich (DAO 11) lag. In Summe lag also eine Fäulnisdyspepsie vor. Das heißt, ausgelöst durch den Mangel an Verdauungsenzymen, wurden Fett und Eiweiß schlecht verdaut. Das schuf optimale Ernährungsbedingungen und Vermehrungsvorteile für die gasbildenden Fäulnisbakterien. Insbesondere die Clostridien, deren Wachstum durch häufige Antibiotikagaben begünstigt wurde, können giftige Stoffwechselprodukte bilden. Diese müssen über die Leber abgebaut werden. Der Körper der Patientin wurde mit bakteriellen Abfallprodukten und Histamin überschwemmt und vergiftet. Das führte zu Blähungen und einer starken Leberbelastung, die sich in den erhöhten Leberwerten ausdrückte.


Die Überschwemmung mit Bakterientoxinen und Histamin führte außerdem zu einer Störung der Energieversorgung der Mitochondrien und damit zur Irritation des Migränegenerators im Hirnstamm. Dort wurden Neuropeptide ausgeschüttet und der Trigeminusnerv in den Hirngefäßen gereizt. So nahm das Migräneunheil seinen Lauf.

Als erster Schritt der Behandlung wurden eine histaminarme Kost und zu jeder Mahlzeit zwei Kapseln Diaminoxidase, ein histaminabbauendes Enzym, verordnet. Dies führte bereits zu einer Entlastung. Im zweiten Schritt wurden die Clostridien durch die zweiwöchige Gabe von sauerstofffreisetzenden Substanzen nach jeder Mahlzeit stark reduziert. Zu jeder Mahlzeit nahm die Patientin Verdauungsenzyme ein. Der dritte Schritt war der Aufbau einer gesunden Darmflora durch die Gabe von Laktobazillen und Bifidobakterien. Diese konnten nun auf den Schleimhautplätzen siedeln, die durch die Verdrängung der Clostridien frei geworden waren. Sechs Monate nach Beginn der Darmsanierung waren sowohl die chronischen Kopfschmerzen als auch die Migräne komplett verschwunden.

Fall 3: Mikronährstoffmängel, Darmentzündung und Nahrungsmittelunverträglichkeiten


Ein 17-jähriges Mädchen kam mit seiner Mutter in meine Praxis. Sie litt seit etwa vier Jahren zunehmend an Migräneattacken, allergischem Asthma und Neurodermitis an Gesicht, Hals und Ellenbeugen. Eine Hausstauballergie sowie Heuschnupfen waren bereits bekannt. Das Mädchen wendete regelmäßig Cortisonsprays und cortisonhaltige Salben an.


Die intrazelluläre Mikronährstoffanalyse zeigte einen Mangel an Zink, Selen, Vitamin B6, und Vitamin D3 an. Die Darmflorauntersuchung ergab einen Mangel an Colibakterien, Enterokokken, Bifidobakterien und Laktobazillen, außerdem erhöhte Eiweißrückstände und einen verminderten Stärkeanteil im Stuhl. Alpha-1-Antitripsin, ein Marker für Entzündung und schlechte Absorption der Schleimhaut, war erhöht. Ebenso das sekretorische IgA im Stuhl und die Antikörper gegen Gliadin, was auf eine Glutenunverträglichkeit hinweist. Die erhöhten Werte von Alpha-1-Antitripsin und sekretorischem IgA im Stuhl machten eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wahrscheinlich. Ich führte deshalb einen Bluttest auf die 88 wichtigsten Nahrungsmittel durch. Dieser zeigte eine drastische Erhöhung der IgG4-Antikörper gegen Roggen, Weizen, Dinkel und sämtliche Milchprodukte an. Alle Werte waren 150- bis 300-fach erhöht. Die übrigen Nahrungsmittel wurden fast alle gut vertragen.

Im ersten Schritt verordnete ich eine weitgehend glutenfreie Diät sowie den Verzicht auf sämtliche Milchprodukte. Außer Butter, die nur wenig Milchproteine und viel Milchfett enthält. Im zweiten Schritt führte ich eine Sanierung der hyperdurchlässigen Darmschleimhaut mit mikrobiologischen Präparaten, Aminosäuren und Mikronährstoffen durch. Die allergischen Prozesse nahmen dadurch ab, entzündliche Bereiche der Darmschleimhaut schlossen sich und die normale Barrierefunktion der Darmschleimhaut stellte sich wieder her. Der letzte Migräneanfall trat fünf Wochen nach Beginn der Therapie auf. Danach kam es zu keinen weiteren Migräneattacken. Als erfreuliche Begleiterscheinungen der Migränebehandlung heilte die Neurodermitis völlig aus und das Mädchen benötigte keine Cortisonsprays mehr für ihr Asthma.


Dieser Fall zeigt, dass auch auf immunologischem Wege Migräneanfälle getriggert werden können. Interessant ist, dass gerade Milch- und Getreideprodukte nicht toleriert wurden. Dies ist sehr häufig zu beobachten und wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass in zehntausenden von Jahren Steinzeit diese Produkte nicht Bestandteil der Ernährung waren. Vor zirka 5000 Jahren ernährten sich die Menschen erstmals von Milch und Getreide und offensichtlich haben sich bis heute viele Menschen noch nicht genetisch an diese Nahrungsmittel angepasst.

Ein weiterer Aspekt in diesem Fall ist der Zusammenhang zwischen einer Fehlbesiedlung des Darms und Störungen des Gehirnstoffwechsels. Wird die gesunde Darmflora durch Fehlernährung, Antibiotika oder Chemikalien, wie Konservierungsstoffe, geschädigt, so bilden sich Entzündungsmediatoren (TNF-Alpha, IL6). Diese führen zu einer Zerstörung und erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Dadurch können Schadstoffe ungehindert ins Blut und ins Gehirn eintreten. Das kann zu neuronalen Entzündungen im Gehirn führen und diese können sich wiederum als Migräneanfälle äußern.

Fall 4: Kohlenhydratunverträglichkeit


Eine 23-jährige, ebenso freundliche, wie übergewichtige Sekretärin stellte sich mit Kopfschmerz seit früher Kindheit bei mir vor. In den letzten Jahren traten immer häufiger Migräneattacken auf, besonders an Wochenenden und in Entspannungsphasen nach Stress. Oft wachte sie morgens bereits mit Migräne auf. Bei der Frage nach ihren Ernährungsgewohnheiten stellte sich heraus, dass sie zum Frühstück entweder ein Schokoladencremebrötchen aß oder aus Zeitmangel gar nichts zu sich nahm. Am Mittag aß sie meist Nudeln mit Ketchup oder Pizza, dazu Kuchen und Cola in der Kantine. Am Abend machte sie sich in der Regel Käsebrote oder schob sich eine Fertigpizza in den Ofen. Da sie zwischen den Mahlzeiten oft Heißhungerattacken auf Süßigkeiten bekam, waren Schokoladenriegel und Bonbons ihre ständigen Begleiter, die sie je nach Verlangen zwischendurch konsumierte. Sie verzichtete auf Butter, da sie annahm, dass diese ihrer Figur abträglich sei. Stattdessen strich sie sich lieber eine Diätmargarine aufs Brot. Generell versuchte sie, sich fettarm und fleischarm zu ernähren und aß lieber mehr Kohlenhydrate. Ein bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten fühlte sie sich meist müde oder spürte eine innere Unruhe. Oft war sie auch depressiv verstimmt. Hinzu kam eine starke Wetterfühligkeit.


Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Sinne von Antikörperreaktionen gegen Nahrungsmittelproteine lagen bei der Patientin nicht vor. Es gab keine Unfälle in der Vorgeschichte und auch die osteopathische Untersuchung war unspektakulär. Ich erklärte ihr, dass ihre Ernährungsgewohnheiten, ihr Körpergewicht und ihre Kopfschmerzsymptome stark auf eine Kohlenhydratunverträglichkeit schließen ließen.

Um dieses Phänomen zu verstehen, machen wir einen kleinen Ausflug in die Steinzeit. Bis vor etwa 5000 Jahren ernährten sich die Menschen als Jäger und Sammler im Wesentlichen von Fleisch, Fett, Fisch, Wurzeln, Beeren etc. Es gab kein Getreide und keinen raffinierten Zucker und somit keine schnell verbrennbaren Kohlenhydrate. Wenn nun ein genetisch derartig ausgestatteter Mensch plötzlich Zucker oder Getreide zu sich nimmt, ohne gleichzeitig ausreichend Fette zu essen, steigt der Blutzuckerspiegel sehr schnell an und fällt genauso schnell wieder ab. In Erwartung eines anhaltenden hohen Blutzuckers werden enorme Mengen an Insulin ausgeschüttet, um den Zucker abzubauen. Das Resultat ist eine Unterzuckerung, da der Blutzucker unter das Ausgangsniveau fällt. Im Hirnstamm gibt es eine Kontroll- und Messinstanz, die dafür sorgt, dass grundlegende, lebenswichtige Blutwerte wie Sauerstoffgehalt, Blutzucker und Flüssigkeitsmenge in bestimmten Grenzen gehalten werden. Fällt nun der Blutzuckerwert plötzlich stark ab, wird in diesem Zentrum Alarm geschlagen. Das aktiviert den Migränegenerator im Hirnstamm sowie den Trigeminusnerv und kann zu Veränderungen des Durchmessers der Hirngefäße führen. Der Migräneanfall kann dadurch ausgelöst werden. Dieser Vorgang läuft vor allem an Wochenenden und in Entspannungsphasen nach Stress ab, da in diesen Phasen der Cortisonspiegel, der in Stresszeiten den Blutzuckerspiegel hochhält, stark absinkt.

Es war nicht einfach, die Ernährungsgewohnheiten der Patientin völlig umzustellen. Sie sollte gute Fette wie Butter, Sahne und Pflanzenöle zu sich zu nehmen, auf konzentrierte Süßigkeiten verzichten und Zeiten der Unterzuckerung vermeiden. Da ihre Bemühungen schon bald durch immer länger werdende Intervalle ohne Migräne belohnt wurden, gelang es mir nach vier Monaten die Patientin völlig migränefrei zu bekommen.

Fall 5: Wirbelblockaden und andere osteopathische Dysfunktionen


Eine 26-jährige Altenpflegerin kam sehr verzweifelt in meine Praxis. Sie litt seit neun Jahren an Migräneattacken zunehmender Intensität und Häufigkeit. Sie hatte diese lange Jahre als unabänderlich hingenommen. Seit einigen Monaten ging den Anfällen eine Aura mit plötzlichen Sehstörungen und minutenlangem, völligem Ausfall des Sehvermögens voraus. Dadurch wurde ihre Fähigkeit, Auto zu fahren, stark beeinträchtigt. Sie entschloss sich, im Internet nach Abhilfe zu suchen und stieß dabei auf meine Praxis. Ich erklärte ihr mein Behandlungskonzept und die Tatsache, dass nach 10 bis 20 Behandlungen 75% meiner Patienten dauerhaft von ihrer Migräne geheilt sind. Weitere 10% erleben nur noch sehr selten auftretende, deutlich kürzere und weniger intensive Anfälle.


Ich schlug ihr vor, zunächst wie üblich nach der Anamnese und vor der osteopathischen Untersuchung, einige Laboranalysen vorzunehmen. Sie lehnte das rundherum ab, einmal aus Kostengründen und, weil sie überzeugt war, dass die Migräne eher etwas mit ihren Schulter-Nacken-Verspannungen zu tun hatte. Ich schloss daher an die Anamnese direkt die osteopathische Untersuchung an. Ich stellte bei der Patientin eine durch einen Beckenschiefstand bedingte Beinlängendifferenz fest. Das linke Bein war bei ihr dadurch kürzer. In Folge dessen war der 2. Halswirbel (Axis) nach links verschoben und nach rechts rotiert. Der 1. Halswirbel (Atlas) war nach rechts verschoben, rotiert und nach unten gekippt. Hinzu kamen Muskelhartspann und mehrere Wirbelblockaden im Bereich der oberen und mittleren Brustwirbelsäule, starke Muskelverspannungen und Fasziendistorsionen im Bereich des Trapezius-Muskels sowie des Schulterblatthebermuskels. Im Areal der Schädelknochen traf ich auf ein craniosakrales Fehlspannungsmuster und das Zwerchfell zeigte eine reduzierte Beweglichkeit.

Ich behandelte und löste alle Spannungsmuster sowie die Blockaden der oberen Halswirbel mit sanften osteopathischen Techniken und bat die Patientin, zwei Wochen später wiederzukommen. Zwei Tage vor dem zweiten Termin sagte sie diesen aus finanziellen Gründen ab. Außerdem wollte sie erst einmal den Erfolg der ersten Behandlung abwarten. Sie habe immerhin die letzten zwölf Tage keine Migräne mehr gehabt. Auf meinen Einwand hin, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass die Migräne mit nur einer Behandlung dauerhaft beseitigt ist und dass ich ihr gerne in Form von Ratenzahlungen entgegenkommen könne, antwortete sie nicht. Ich verbuchte sie innerlich, mit Bedauern, als Therapieabbrecherin. Drei Jahre später rief sie mich überraschend an und bat mich, ihren Ehemann wegen eines gesundheitlichen Problems zu untersuchen. Sie selbst sei vor langer Zeit bei mir gewesen und mit der Behandlung sehr zufrieden gewesen. Trotz der langen Zeit, erinnerte ich mich wegen ihres auffälligen Namens sofort an sie und fragte sie nach ihrer Migräne. Freudig berichtete sie, dass sie seit meiner Behandlung keine Migräne mehr gehabt habe. Ich war sehr überrascht und bedankte mich für die, wenn auch verspätete, Rückmeldung. Seither weiß ich, dass manchmal schon eine einmalige Auflösung von Spannungen und Blockaden den Körper wieder soweit ins Gleichgewicht bringen kann, dass der Körper die verbliebenen Belastungen gut kompensiert.


Meine Hypothese ist, dass die mit dem Beckenschiefstand verbundene Beinlängendifferenz dazu geführt hatte, dass sich der 1. und 2. Halswirbel verschoben, verdreht und blockiert hatten. Die Blockade der ersten beiden Halswirbel führte zu einer Irritation der Nerven des oberen Grenzstranges. Dadurch wurden auch das Ganglion cervicale superius und der Trigeminusnerv irritiert. Das wiederum beeinflusste die Steuerung der Durchblutung der Hirngefäße und löste Nitrostress und Schmerz aus. Da ich normalerweise 10 bis 20 Behandlungssitzungen auf verschiedenen Behandlungsebenen bis zur völligen Ausheilung der Migräne ansetze, ist der Therapieerfolg nicht immer so eindeutig auf eine Ursache zurückzuführen, wie in diesem Fall.

Fall 6: Flüssigkeitsmangel

Auf die folgende Migräneursache bin ich durch einen 45-jährigen Patienten gestoßen, der wegen Rückenschmerzen zu mir in Behandlung kam. Routinemäßig fragte ich nach, ob er auch an Kopfschmerz oder Migräne leide. Er hatte bis vor 15 Jahren Migräne gehabt. Seither nicht mehr. Auf meine Frage, wie er seine Migräne losgeworden sei, antwortete er, dass er gleich morgens nach dem Aufstehen einen halben Liter Wasser trinke. Diesen Tipp hätte ihm ein Freund gegeben und bei ihm habe es geholfen. Seither hatte er nie wieder Migräne.


Diesen Fall hatte ich bei einer meiner Patientinnen im Hinterkopf. Ich hatte die 31-jährige Betriebswirtin mit unauffälligen Laborwerten zehnmal osteopathisch und neuraltherapeutisch behandelt und dennoch traten bei ihr wöchentliche Migräneanfälle auf.


Die Patientin musste für drei Monate beruflich nach China reisen. Ich war etwas unglücklich über die Unterbrechung der Behandlung, da ich den Aufbaueffekt gefährdet sah. Wir vereinbarten, die Behandlung nach ihrer Rückkehr fortzusetzen. Ich gab ihr den Tipp, dass sie bei ihrem Gewicht von fünfzig Kilogramm darauf achten solle, mindestens zwei Liter Wasser über den Tag verteilt zu trinken. Einen halben Liter Wasser empfahl ich ihr gleich morgens nach dem Aufstehen zu sich zu nehmen. Nach den drei Monaten kam sie strahlend zum vereinbarten Termin und berichtete, dass sie den Ratschlag mit dem Wasser experimentell erprobt habe. Im ersten Monat habe sie sich manchmal daran gehalten und manchmal auch nicht. In dem von ihr geführten Migränetagebuch konnte sie feststellen, dass die Migräneanfälle ausschließlich an den Tagen auftraten, an denen sie wenig getrunken hatte. Daraufhin trank sie ab dem zweiten Monat konsequent jeden Tag nach Anweisung ausreichend Wasser. Seither habe sie keinerlei Spur von Migräne oder Kopfschmerz mehr gehabt. Nicht einmal bei Wetterwechsel, bei dem es sonst besonders schlimm gewesen sei.


Im Hirnstamm gibt es eine Messstation, die Alarm schlägt, wenn grundlegende, lebenswichtige Körperfunktionen in Gefahr sind. Fällt nun im Blut entweder der Flüssigkeitsspiegel, der Sauerstoffgehalt oder der Blutzuckerspiegel, so scheint dies bei Menschen, die entweder genetisch dafür prädisponiert sind oder deren Ursachenfass mit anderen Belastungen weitgehend gefüllt ist, eine Aktivierung des Migränegenerators auszulösen.

Fall 7: Stirnnarbe als Störfeld


In der Anfangszeit meiner Migränebehandlungen kam eine Mutter mit ihrem 10-jährigen Sohn in meine Praxis. Mindestens zweimal in der Woche musste der Junge wegen Migräneanfällen von der Schule nach Hause gehen. Das Ganze seit seinem Skateboard-Sturz vor sechs Monaten. Er war bei diesem Sturz auf die Stirn gefallen und hatte dort seither eine etwa 5 cm lange Narbe. Während der Schulferien hatte er regelmäßig bis zu sechs Wochen keine Migräne. Seine Mutter ging daher davon aus, dass der Schulstress wohl die Ursache für sein Leiden sei. Die Tatsache, dass die Migräne erstmals zwei Wochen nach dem Sturz auftrat, hielt sie für Zufall.


Mein Vorschlag, das Nächstliegende zu tun und das potentielle Narbenstörfeld neuraltherapeutisch durch Unterspritzen mit Procain zu entstören, fand bei der Mutter wenig Anklang. Zumal der Junge schon bei dem Gedanken an eine Spritze in die Stirn ängstlich das Gesicht verzog. Ich behandelte ihn mehrere Male osteopathisch und mit Laserakupunktur, doch weder die Häufigkeit noch die Intensität der Migräneattacken besserten sich. Jetzt gelang es mir die Familie zu überzeugen, dass es notwendig war, die Narbe zu entstören. Die Mutter meinte, es könne eigentlich nicht an der Narbe liegen, da diese ja auch in den Ferien da gewesen sei, er aber trotzdem in dieser Zeit keine Migräne hatte. Sie ließ sich dennoch auf den Versuch ein. Die Narbe bereitete ich mit einem schmerzlindernden Pflaster vor. Tapfer biss der Junge unter Tränen die Zähne zusammen, während ich die Narbe unterspritzte. Daraufhin war das Kind zwei Monate migränefrei. Nach einem erneuten Anfall wiederholten wir die Behandlung sofort noch einmal. Danach traten keine weiteren Anfälle mehr auf, wie mir die Mutter neun Monate später bestätigte. Das Narbenstörfeld war ausgelöscht.


Was war nun die Erklärung dafür, dass der Junge während der Schulferien, trotz des Narbenstörfeldes, keine Migräne hatte? Die Erklärung liefert hier wieder das Fassmodell. Wenn das Fass der sich addierenden Ursachen überzulaufen droht, entlädt es sich in einer Migräneattacke. Solange das Fass aber nur halb voll ist, passiert gar nichts. Der Körper besitzt eine wunderbare Kompensationsfähigkeit. Ist das Fass aber ganz voll, genügt schon eine Kleinigkeit, wie z. B. ein Wetterwechsel, um es zum Überlaufen zu bringen. Beim Entleeren des Fasses spielt es nun keine Rolle ob wir oben oder unten Volumen abzapfen. Wenn es halb leer ist, kompensiert der Körper die Belastung wieder problemlos alleine. Der Schulstress füllte offensichtlich schon vor dem Sturz die eine Hälfte des Fasses. Das hinzukommende Narbenstörfeld auf der Stirn im Bereich des 1. Astes des Trigeminusnervs, der ohnehin eine wichtige Rolle in der Migräneentstehung hat, füllte die andere Hälfte. In den Ferien reichte das Narbenstörfeld alleine nicht aus, das Fass zu füllen, weshalb trotz der Narbe keine Migräne auftrat. Dies ist auch die Erklärung dafür, dass manchmal unterschiedliche Therapeuten mit unterschiedlichen Therapieansätzen zum gleichen Ergebnis kommen können.

Fall 8: Mandelstörfeld


Die 27-jährige, sehr zierliche Sekretärin, ist mir aus der Anfangszeit meiner neuraltherapeutischen Behandlungen im Gedächtnis geblieben. Sie litt seit ihrem 14. Lebensjahr an Migräne. Die Attacken kamen in etwa wöchentlichem Abstand, dauerten zwei Tage und gingen mit Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit einher. Sie litt ein- bis zweimal jährlich wiederkehrend an Mandelentzündungen. Berufliche Belastung bestand durch eine Mobbingsituation am Arbeitsplatz. An Medikamenten hatten ihr anfänglich Triptane geholfen. Mittlerweile machte es keinen Unterschied mehr, ob sie die Medikamente einnahm oder nicht.


Ihre Wirbelsäule erschien unauffällig, der Bauch ebenfalls. Die Schulter-Nackenmuskulatur war besonders im Bereich des Trapezius-Muskels sehr hart. Sie konnte ihren Kopf nur sehr eingeschränkt nach links und rechts drehen. Bei 45° Drehung war Schluss. Normalerweise sollte sich der Kopf von der Mitte aus in jede Richtung um etwa neunzig Grad drehen lassen. Die osteopathische Lösung der verhärteten Muskel- und Bindegewebsstrukturen an Nacken und Schultern sowie die Verbesserung des venösen und lymphatischen Abflusses am Kopf-Hals-Übergang und der oberen Brustkorböffnung führten dazu, dass die Patientin nach der ersten Sitzung den Kopf wieder in gutem Winkel drehen konnte und ein angenehmes Gefühl von Leichtigkeit in diesem Bereich hatte. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand einen Sandsack von den Schultern genommen. Wir planten die nächste Sitzung eine Woche später und hofften, dass durch die Behandlung zumindest die nächste Migräneattacke ausbleiben würde. Aber, dies blieb zunächst nur eine Hoffnung. Unbeeindruckt von aller Entspannung trat die nächste Attacke vier Tage später, genau zum erwarteten Zeitpunkt auf. Die Untersuchung am zweiten Termin zeigte erneut eine Einschränkung der Drehfähigkeit des Kopfes. Nicht mehr so drastisch wie beim ersten Mal, aber doch deutlich. Und das, obwohl die Patientin gerade Urlaub hatte. Man konnte diese Verspannung also nicht auf ihre berufliche Belastung zurückführen, wie es sonst bei einer Sekretärin, durch den erhöhten Bedarf an Feinmotorik am PC und die damit verbundene Anspannung der Schulter-Nackenmuskulatur, nahegelegen hätte. Was also hatte die erneute Verspannung innerhalb einer Woche ausgelöst?


Schmerzhafte Verspannungen im Bereich des Trapezius-Muskels können aus anderen Körperregionen hauptsächlich auf drei Arten projiziert werden. Erstens über den Phrenicusnerv, der Störinformationen aus dem oberen Bauchraum zurück in den Bereich seiner Kerngebiete im Bereich des 3.-5. Halswirbels und die von dort abgehenden sensiblen Nervenfasern von Haut und Muskeln der Schulter projiziert. Zweitens über viszero-somatische Reflexe von Brust- und Bauchorganen. Man findet z. B. bei Asthmatikern immer eine verspannte Schulter-Nackenmuskulatur. Drittens über eine Irritation der Mandeln, die von einem kleinen Ast des Glossopharyngeusnervs versorgt werden, der wiederum in enger Verbindung zum Accessoriusnerv steht, über den der Befehl, den Trapeziusmuskel anzuspannen, übermittelt wird.

Da bei der Patientin sowohl Brustorgane als auch Bauchraum aus osteopathischer Sicht unauffällig waren, lag es nahe, die Mandeln, die schon in der Anamnese durch häufige Entzündungen auffielen, neuraltherapeutisch zu entstören. Ich spritzte also die drei Mandeln, die beiden seitlichen Gaumenmandeln und die in der Mitte hinter dem weichen Gaumen gelegene Rachenmandel, mit Procain an. Die nächste erwartete Wochenmigräne blieb zu unserer Freude dieses Mal aus, kam aber nach zwei Wochen wieder. Ein erster Hoffnungsschimmer, denn das starre wöchentliche Anfallsschema war durchbrochen. Ich spritzte die drei Mandeln in immer größer werdenden Abständen noch drei weitere Male an. Danach trat keine Migräne mehr auf. Die Patientin bestätigte mir dies letztmals zwei Jahre nach Beendigung der Behandlung.

Fall 9: Nitrostress und Cholesterinsenker


Ein 45-jähriger Professor aus Frankreich hatte vor 25 Jahren einen schweren Motorradunfall, bei dem er frontal auf ein Auto aufgeprallt war. Seither litt er in etwa ein- bis zweiwöchigen Abständen unter Migräneattacken, die in den letzten Jahren immer häufiger und länger wurden. Nachdem er innerhalb von zwei Wochen vier jeweils zweitägige, extrem starke Anfälle mit Sehstörungen und Erbrechen hatte, entschloss er sich, im Internet nach Abhilfe zu suchen. Dabei stieß er auf meine Praxis. Er war in der Vergangenheit schon mehrmals bei verschiedenen Osteopathen in Behandlung gewesen. Das verschaffte ihm vorübergehend Erleichterung, jedoch keine dauerhafte Besserung. Vor acht Jahren teilte ihm sein Hausarzt mit, dass er einen stark erhöhten Cholesterinspiegel habe. Deshalb müsse er lebenslang cholesterinsenkende Medikamente (Statine) einnehmen, was er dann auch tat. Jedenfalls bis er zu mir in die Sprechstunde kam.


Nach der Anamnese nahm ich, wie üblich, die wichtigsten Laboranalysen ab. In erster Linie interessierte mich, ob aufgrund des Schleudertraumas Nitrostress, Oxidativer Stress und Vitamin-B12-Mangel vorlagen. Aber auch sein Cholesterinprofil und ganz besonders die Höhe des oxidierten LDL waren mir wichtig. Bei der osteopathischen Untersuchung waren außer einer verspannten Schulter-Nackenmuskulatur, einer eingeschränkten Beweglichkeit des Kreuzbeins und ein paar druckschmerzhaften Halswirbeln keine dramatischen Auffälligkeiten festzustellen, die die Migräne hätten erklären können. Wie erwartet, stellten wir sehr hohen Nitrostress, einen starken intrazellulären Vitamin-B12-, B2-, B3- und Coenzym-Q10-Mangel fest. Sein Cholesterinspiegel lag etwa 30% über der Norm, ebenso der LDL-Anteil. Interessant war, dass der Spiegel des oxidierten LDL völlig im Normbereich lag. Ich empfahl dem Patienten, eine Woche täglich hochdosiert (1mg/d) Vitamin B12 zu spritzen und danach auf dreitägige Intervalle überzugehen. Außerdem riet ich ihm dringend, seinen Cholesterinsenker abzusetzen und hochdosiert Coenzym Q10, Vitamin B2 und B3, Vitamin C und andere Antioxidantien einzunehmen.

Fünf Wochen nachdem ich dem Patienten diese Therapieempfehlungen gegeben hatte, kam er zum nächsten Behandlungstermin aus Frankreich angereist. Er berichtete, es gehe ihm schon viel besser. Er habe in den letzten fünf Wochen nur zweimal einen leichten Anflug von beginnender Migräne gehabt, den er jedoch jedes Mal durch eine Vitamin-B12-Spritze innerhalb einer halben Stunde völlig zum Abklingen habe bringen können. Der Patient kam noch einige Male in Behandlung. Nach den anfänglichen Erfolgen fasste er Vertrauen, sich die druckschmerzhaften Stellen der Halswirbelsäule neuraltherapeutisch mit Lokalanästhetika anspritzen zu lassen. Nach 15 Behandlungen traten keine weiteren Migräneattacken auf und wir beschlossen, die Behandlung bis auf weiteres zu beenden, da die Anreise aus Frankreich für den Patienten sehr aufwendig war. Sechs Monate nach Abschluss der Behandlung bestätigte mir der Patient auf meine Nachfrage hin, dass er seither keine Migräneattacke mehr gehabt habe. Er sich aber weiterhin einmal pro Woche Vitamin B12 spritze, die Antioxidantien weiter einnehme und keine Cholesterinsenker mehr zu sich nehme.


Was war geschehen? Ähnlich wie die in Fall 8 geschilderte Patientin, litt der Professor unter Nitrostress und Vitamin-B12-Mangel in seinen Körperzellen, als Folge eines Schleudertraumas. Die Situation verschlimmerte sich durch die Einnahme der cholesterinsenkenden Statine. Diese verursachen in den Energiekraftwerken unserer Zellen, den Mitochondrien, Schäden durch Vernichtung von Coenzym Q10, zusätzlich zu den durch Nitrostress verursachten Zerstörungsprozessen (Literaturempfehlung 27). Durch Nitrostress und Cholesterinsenker war ein massives Zellatmungsproblem entstanden. Der Patient lebte quasi wie in einer Plastiktüte. Das wiederum löste im Hirnstamm die Alarmglocke für Sauerstoffmangel aus und aktivierte damit den Migränegenerator.

Der aufmerksame Leser wird sich nun vielleicht fragen, ob es nicht unverantwortlich war, den Cholesterinsenker einfach abzusetzen? Hatte ich den armen Mann nicht dem hohen Risiko ausgesetzt, an Arteriosklerose, Herzinfarkt und Hirnschlag zu erkranken? Hier antworte ich mit einem klaren „Nein“. Nach neueren Erkenntnissen wurden der Gesamtcholesterinwert und die Gesamt-LDL-Fraktion für das Arterioskleroserisiko erheblich überschätzt, da die gefährlichen Plaques, die die Gefäße langsam verschließen, aus oxidiertem LDL gebildet werden. Der Spiegel des oxidierten LDL lag bei diesem Patienten aber völlig im Normbereich und blieb es auch nach Absetzen der Cholesterinsenker. Es gibt Menschen, die genetisch bedingt sehr hohe Cholesterinspiegel haben und damit in bester Gesundheit über 90 Jahre alt werden. An dieser Stelle möchte ich den Neurologen Dr. Perlmutter zitieren (Literaturempfehlung 22). In seinem Buch „Dumm wie Brot“ schreibt er: „Da Cholesterin für das gesunde Gehirn so wichtig ist, bin ich wie viele meiner Kollegen der Ansicht, dass Statine, der Verkaufsschlager zur Cholesterinsenkung, den unzählige Menschen einnehmen, Gehirnproblemen und anderen Erkrankungen Vorschub leisten könnten.“ Diese Medikamente haben außerdem eine Vielzahl anderer gefährlicher Nebenwirkungen. Die beste und gleichzeitig nebenwirkungsfreie Möglichkeit, diese Plaques effizient abzubauen, ist die Einnahme von hochdosierten Antioxidantien wie Vitamin C, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure, Glutathion, Melatonin etc. Bei diesem und bei anderen Patienten mit Coenzym-Q10-Mangel erzielte ich die messbar besten Behandlungsergebnisse mit einem Präparat mit geschmolzenem Ubiquinol in ultrakleinen Tropfen, die direkt über die Mundschleimhaut schnell und gut aufgenommen werden. Ubiquinol ist die am besten wasserlösliche Form des Coenzyms Q10 und wird daher mehr als dreimal besser vom Körper aufgenommen als Ubiquinon. Bei manchen, preislich deutlich günstigeren Präparaten konnte ich keine nennenswerte Verbesserung des Coenzym-Q10-Spiegels im Blut feststellen.

Fall 10: Nitrostress und Halswirbelblockaden nach Treppensturz


Eine 52-jährige, sehr schlanke Verkäuferin, berichtete, dass sie fast täglich an Kopfschmerz oder Migräne leide, seit sie vor drei Jahren kopfüber eine Kellertreppe hinuntergefallen und mit dem Kinn aufgeschlagen war. Ich erklärte ihr, dass sie möglicherweise eine instabile Halswirbelsäule habe. Daraus seien wahrscheinlich Nitrostressquellen an der Wirbelsäule entstanden, verbunden mit einem erhöhten Vitamin-B12-Verbrauch. Meinen Vorschlag, zumindest einen Nitrostresstest durchzuführen, lehnte sie ab, da sie nicht privat versichert war und ihr die Laborkosten in Höhe von ca.100,- Euro dafür zu teuer erschienen. Außerdem wollte sie am nächsten Tag in den Urlaub fahren. In solchen Fällen schlage ich die Methode vor, „in den Busch hineinschießen und schauen was herausfliegt“. Ich empfahl ihr, eine Woche lang täglich 1mg Vitamin B12 zu spritzen und danach auf eine bis zwei Spritzen pro Woche zu reduzieren.


Bei der osteopathischen Untersuchung fielen zwei Halswirbelblockaden und zwei Brustwirbelblockaden auf, die ich sofort löste. Danach wünschte ich ihr einen schönen Urlaub. Sechs Wochen später kam sie zurück und berichtete, sie habe während der ersten Woche, in der sie täglich 1mg Vitamin B12 gespritzt hatte, keine Kopfschmerzen und keine Migräne gehabt. Daraufhin hätte sie versucht, auf größere Abstände zu gehen, habe aber sofort wieder Migräne bekommen. Sie spritzte sich daher über komplett sechs Wochen täglich weiter 1 mg Vitamin B12. Unter dieser Therapie trat keine Migräne mehr auf. Ich war neugierig, wie sich der intrazelluläre Vitamin-B12-Spiegel, der indirekt über die Methylmalonsäure im Urin gemessen wird, unter sechswöchiger, täglich tausendfach erhöhter Vitamin-B12-Therapie entwickelt hatte. Wir führten deshalb einen Urintest durch. Das Ergebnis war zu meiner großen Überraschung ein nur sehr geringfügig erhöhter intrazellulärer Vitamin-B12-Spiegel. Die Patientin hatte also aufgrund ihrer instabilen Halswirbelsäule so starken Nitrostress, dass sie das Tausendfache der normalen täglichen Dosis an Vitamin B12 verbrauchte, um diesen zu kompensieren und keine Migräne zu bekommen. Da es natürlich ein unangenehmer Gedanke ist, sich möglicherweise lebenslang täglich eine Spritze in Bauch oder Po setzen zu müssen, versuchten wir auf Vitamin-B12-Tabletten umzustellen. Ich verschrieb ihr Cyancobalamin-Tabletten (1mg), von denen sie täglich zwei unter der Zunge zergehen lassen sollte. Das Resultat war leider gleich Null. Die Patientin bekam einen Migräneanfall, als ob sie kein Vitamin B12 eingenommen hätte.

Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass oral verabreichtes Vitamin B12 bei manchen Patienten nur zu einem sehr geringen Teil vom Körper in die Zellen aufgenommen wird. Man darf auch nicht vergessen, dass das Vitamin B12, um seine Arbeit in den Mitochondrien zu tun, durch zwei Membranen hindurchkommen muss. Einmal durch die Zellmembran und durch die Mitochondrienmembran in der Zelle. Damit dies gelingen kann, muss offensichtlich ein sehr hoher Spiegel im Blut vorliegen, der mit Tabletten manchmal nicht erreicht wird. Mittlerweile habe ich allerdings gute Erfahrungen mit Vitamin-B12-Kapseln gemacht, in denen das Vitamin B12 in Form von Methylcobalamin (500mcg) in Kombination mit Vitamin B6, Folsäure und Biotin enthalten ist. Bei diesen Kapseln wird durch die Kombination der vier Vitamine eine sehr gute Aufnahme erzielt, so dass bei täglicher Gabe meist ein zufriedenstellender, intrazellulärer Vitamin-B12-Spiegel erreicht wird. Vitamin B12 kann übrigens nicht überdosiert werden, da es wasserlöslich ist und nach 24 bis 36 Stunden, je nach Präparat, über die Nieren wieder ausgeschieden wird.

Fall 11: Nitrostress und osteopathische Dysfunktion nach Schleudertrauma


Eine 50-jährige Sozialarbeiterin litt seit einem Auffahrunfall, der zehn Jahre zurücklag, unter Migräne, chronischen Kopfschmerzen, Schulter-Nackenschmerzen, Tinnitus, Herzrhythmusstörungen, Wirbelblockaden, Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen, kribbelnden Missempfindungen (Parästhesien) des rechten Armes, immer wiederkehrenden Schluckstörungen und chronischer Erschöpfung.


Bei der osteopathischen Untersuchung fielen mir ein ausgeprägter Muskelhartspann im Bereich der Schulter-Nackenmuskulatur insbesondere des Trapeziusmuskels, des Schulterblatthebermuskels, der Zungenbeinmuskulatur, der kurzen Nackenmuskulatur und der Muskulatur des Brustkorbs auf. Wiederkehrende Wirbelblockaden im Bereich von Halswirbelsäule (HWS) und oberer Brustwirbelsäule (BWS) ergänzten die Symptome. Die Mobilisation der Kopfgelenke löste bei der Patientin Übelkeit aus. Druckschmerzhafte Dornfortsätze an HWS und BWS wiesen auf entzündliches Geschehen bzw. Nervenirritation im Bereich des Sympathischen Grenzstrangs hin.

Ich behandelte die Patientin osteopathisch und injizierte Lokalanästhetika an Hals- und Brustwirbelsäule (Selektive Rezeptorblockaden). Um den mit einem Schleudertrauma verbundenen Nitrostress zu neutralisieren, injizierte ich zudem regelmäßig hochdosiertes Vitamin B12. Der Patientin ging es innerhalb von sieben Monaten wöchentlicher Behandlung kontinuierlich besser, bis die Migräne endlich ganz ausblieb.


Was waren die Ursachen für die Leiden dieser Patientin? Die Überdehnung der Strukturen zwischen Kiefer und Zungenbein, der Halswirbelligamente sowie eine Kompression anderer Strukturen hatte zu einer komplexen Symptomatik geführt.

Durch die instabile Halswirbelsäule werden die Nervenäste (Ramii meningei) gereizt, die aus dem Bereich der oberen drei Halswirbelsegmente die Hirnhautauskleidung der hinteren Schädelgrube innervieren und Verbindung zum Trigeminusnerv, sowie zum obersten Schaltzentrum des Vegetativen Nervensystems (Ganglion cervicale superius) halten und so zu chronischem Kopfschmerz führen können. Hinzu kamen kompensatorische, wiederkehrende Wirbelblockaden insbesondere im Bereich der unteren Halswirbelsäule, oberen Brustwirbelsäule und des Übergangs zwischen Halswirbelsäule und Brustkorb, mit Bewegungseinschränkungen, Wurzelreizungen und Missempfindungen (Parästhesien) im rechten Arm. Die angespannte Schulter-Nackenmuskulatur, durch Reizung der Halswirbelsegmente C3-C5 mit Reizung des Nucleus spinosus des Trigeminusnervs in diesem Bereich, trug zu einer Verstärkung der Kopfschmerzsymptomatik bei. Die Kompression von Brustbein, Brustkorb und Herz beeinträchtige die Brustwirbelsäule. Die Verschiebung der Zugspannung im Bereich der vorderen und hinteren Muskel-Faszien-Kette führte zu Spannungsgefühlen. Im Bereich der instabilen Halswirbelsegmente wurde vermehrt Stickstoffmonoxid produziert, was zu einer mitochondrialen Unterversorgung und damit verbundenem Erschöpfungszustand führte. Der durch Stickstoffmonoxid ausgelöste Nitrostress verursacht über Hemmung der Mitochondrienfunktion und des Citratcyclus’ ein extremes Energiedefizit sowie eine Beeinträchtigung wichtiger Stoffwechselprozesse.

Fall 12: Trapezius-Triggerpunkte


In meiner Anfangszeit als Migränetherapeut kam ein 11-jähriges Mädchen mit seiner Mutter in meine Praxis. Damals arbeitete ich bei Migräne nur mit Akupunktur und Laserakupunktur und hatte die anderen Säulen erfolgreicher Migränetherapie noch nicht für mich und meine Patienten entdeckt. In dieser Zeit konnte ich noch nicht in 75% der Fälle, sondern nur etwa in 20%, die Migräne dauerhaft ausheilen. Das Kind litt schon seit dem sechsten Lebensjahr an Migräneanfällen, die etwa alle zwei bis drei Wochen auftraten.


Da das Mädchen Nadelangst hatte, blieb nur Laserakupunktur zur Behandlung. Ich behandelte nach der traditionell chinesischen Anamnese Leber- und Gallenblasenmeridian mit dem Laserakupunkturgerät. Zusätzlich behandelte ich mit Laserakupunktur versuchsweise die Triggerpunkte im Bereich der verhärteten Muskelstränge der Schulter insbesondere des Trapeziusmuskels und des Schulterblatthebermuskels. Triggerpunkte sind verhärtete, tastbare Knoten in punktuell zusammengezogenen Muskelfasern, die ein ausgeprägtes Spannungsgefühl im Muskel vermitteln. Man kann die Punkte entweder manuell einzeln plattdrücken, was sehr schmerzhaft ist, oder aber mit einer längeren Akupunkturnadel „auseinanderzucken“ lassen, als schnellere, elegantere und vollständigere Methode. Dabei sind für den Behandelnden und für den Patienten Muskelzuckungen spürbar. Zu meiner Überraschung konnte ich bei dem Mädchen auch ohne Nadel, nur mit dem Laserstrahl und leichtem Druck auf den Triggerpunkten, das typische Zucken auslösen. In der Regel ist das meist nur mit einer Nadel möglich. Ich behandelte das Mädchen zehn Mal innerhalb von drei Monaten. Nach den ersten vier Behandlungen traten keine weiteren Migräneanfälle auf.


Schade ist, dass ich nie herausfinden werde, wie es gewesen wäre, wenn ich als Therapieansatz nur die chinesischen Energiemeridiane gelasert hätte oder aber nur die Triggerpunkte behandelt hätte. Die Kombination von Therapiemethoden ist letztlich ein wissenschaftliches Problem, das ich heute, bei weitaus profunderem Wissen über Migräne, noch in stärkerem Maße habe als damals. Da ich heute meistens mehrere Therapiemethoden miteinander verbinde, um möglichst schnell zum Therapieerfolg zu gelangen, bevor dem Patienten die Geduld ausgeht, kann ich oftmals im Nachhinein nicht eindeutig sagen, welche Methode nun eigentlich den größten Teil des Erfolges ausgemacht hat.

Fall 13: Ungesunde Ernährung und Lebensweise


Ein 17-jähriges Mädchen kam mit seiner Mutter in meine Sprechstunde und berichtete, sie habe seit sechs Monaten fast täglich Kopfschmerzen, die etwa zweimal wöchentlich in Migräne übergingen. Meist begannen die Kopfschmerzen am späten Vormittag im Schulunterricht und besserten sich gegen Abend. Hinzu kämen Konzentrationsstörungen. Schon in der Anamnese zeigten sich mehrere mögliche Hinweise auf die Ursache. Das Mädchen gab an, bei ihrem Körpergewicht von fünfzig Kilogramm nur einen halben Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Normal wären mindestens zwei Liter. Ich empfehle vierzig Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht. Auf die Frage nach ihren Ernährungsgewohnheiten erklärte sie, dass sie meistens nicht frühstücke, mittags gegen 13.00 Uhr eine Portion Pommes Frites oder Nudeln oder ein Sandwich zu sich nehme und abends dann zwischen 17.00 Uhr und 22.00 Uhr noch Pizza, Pasta oder etwas Ähnliches esse. Zwischendurch trinke sie süße Limonaden, ohne die sie nicht leben könne. Seit einem traumatischen Ereignis in der Nachbarschaft könne sie abends nur noch mit Licht einschlafen. Meist schlafe sie vor dem laufenden Fernseher ein.


Der aufmerksame Leser wird auch ohne medizinische Ausbildung bemerken, dass dieser Lebenswandel nicht gesund sein kann. Ich erklärte der jungen Dame, dass eine Änderung der Lebensweise dringend erforderlich sei, wenn sie ihre Kopfschmerzen loswerden wolle. Sie hielt dies zunächst für Unsinn. Da sie aber aufgrund ihrer Kopfschmerzen einen hohen Leidensdruck hatte, erklärte sie sich bereit, testweise einen Monat lang alle meine Änderungsvorschläge umzusetzen. Sie wollte dann anhand ihres Befindens entscheiden, ob sie die Veränderungen beibehalte oder nicht. Ich empfahl ihr, mindestens zwei Liter ungesüßtes Wasser über den Tag verteilt zu trinken. Jeden Morgen vor der Schule unbedingt ein eiweiß- und fettreiches Frühstück mit Ei, Butter, fettem Quark oder Fleisch zu sich zu nehmen, mittags ein ebensolches Mittagessen und abends spät vor dem Schlafen noch ein fettreiches und kohlenhydratarmes Spätstück zu essen. Da sie sich nicht vorstellen konnte, ohne Licht und Fernsehen einzuschlafen, riet ich ihr eine Zeitschaltuhr zu kaufen, die nach einer Stunde Licht und Fernseher ausschaltet. Ich erklärte ihr, dass weitere Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen nur nach dieser Testphase Sinn hätten. Wir vereinbarten einen Folgetermin. Nach vier Wochen erklärte die Patientin lächelnd, dass sie seit drei Wochen weder Kopfschmerz noch Migräne gehabt habe.


Was war passiert? Das Mädchen hatte durch sein mangelhaftes Trinkverhalten und sein unregelmäßiges, kohlenhydratreiches, fett- und eiweißarmes Essverhalten ständig dafür gesorgt, dass in ihrem Hirnstamm Alarm ausgelöst wurde. Der Hirnstamm kontrolliert, ob lebenswichtige Substanzen, wie Flüssigkeit und Glukose in ausreichendem Maße vorhanden sind. Es kam daher zu andauernden, starken Blutzuckerschwankungen und Flüssigkeitsspiegelschwankungen. Als hätten diese beiden Faktoren nicht schon ausgereicht, strapazierte sie ihr Nervenkostüm nachts noch mit Fernseh-Dauerbeschallung und sorgte für eine stark verminderte Melatonin-Produktion. Es gibt Studien, die klar zeigen, dass schon ein kleines, im Schlafzimmer brennendes Lämpchen ausreicht, um die Produktion dieses wichtigen Schlafhormons stark zu vermindern. Da Melatonin wichtige Funktionen hat, unter anderem auch für den Abbau von Histamin im Körper, wurde ihr ganzer Körper durch diesen Raubbau in einen Zustand von Unordnung versetzt. Dieser hätte wahrscheinlich schon alleine gereicht, um Kopfschmerz und allerlei psychische Symptome hervorzurufen.

Darmowy fragment się skończył.

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0+
Objętość:
197 str. 12 ilustracji
ISBN:
9783745099072
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
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