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Tennis – Alles, was man wissen muss
Allgemeine Hinweise:
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir uns entschlossen, durchgängig die männliche (neutrale) Anredeform zu nutzen, die selbstverständlich die weibliche mit einschließt.
Auch wenn die Bezeichnungen im heutigen Profisport nicht mehr zeitgemäß sind, ist im Tennis aus historischen Gründen nach wie vor von Damen und Herren die Rede.
Das vorliegende Buch wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, Haftung übernehmen.
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DINO REISNER
TENNIS
ALLES, WAS MAN WISSEN MUSS


„Wenn du deinen Sport wirklich liebst, musst du seine Geschichte studieren, damit du verstehst, wie er zu dem geworden ist, wie wir ihn heute kennen.“
Roger Federer
Tennis – Alles, was man wissen muss
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© 2021 by Meyer & Meyer Verlag, Aachen
Auckland, Beirut, Dubai, Hägendorf, Hongkong, Indianapolis, Kairo, Kapstadt, Manila, Maidenhead, Neu-Delhi, Singapur, Sydney, Teheran, Wien
Member of the World Sport Publishers’ Association (WSPA)
Druck: CPI – Clausen & Bosse, Leck
ISBN 978-3-8403-7745-7
eISBN 978-3-8403-3760-4
E-Mail: verlag@m-m-sports.com
www.dersportverlag.de
INHALT
Vorwort von Christopher Kas
Intro von Dino Reisner
1 Entstehung und Entwicklung
1.1 Die Anfänge in Nordfrankreich
1.2 Das moderne Tennis
1.3 Die Entwicklung in Deutschland
1.4 Das Profitum hält Einzug
1.5 Die wilden Jahre
1.6 Der Beginn der Open Era
1.7 Das goldene Zeitalter
1.8 Die Unabhängigkeit der Damen
2 Die Organisation
2.1 ITF – International Tennis Federation
2.2 ATP – Association of Tennis Professionals
2.3 WTA - Women’s Tennis Association
2.4 Kontinentalverbände/Tennis Europe
2.5 DTB – Deutscher Tennis Bund
3 Die wichtigsten Turniere und Wettbewerbe
3.1 Die Topturniere
3.1.1 Australian Open
3.1.2 Roland Garros
3.1.3 The Championships Wimbledon
3.1.4 US Open
3.1.5 ATP Finals, WTA Finals
3.1.6 Next Gen ATP Finals, WTA Elite Trophy
3.1.7 ATP Champions Tour
3.1.8 Olympische Spiele
3.2 Mannschaftswettbewerbe
3.2.1 Davis Cup
3.2.2 Billie Jean King Cup
3.2.3 Hopman Cup
3.2.4 Laver Cup
3.2.5 ATP Cup
3.3 Turniere und Wettbewerbe in Deutschland
3.3.1 Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart
3.3.2 BMW Open in München
3.3.3 Mercedes Cup in Stuttgart
3.3.4 Noventi Open in Halle/Westfalen
3.3.5 WTA-Turniere in Berlin und Bad Homburg
3.3.6 Hamburg European Open
3.3.7 Bundesliga
3.3.8 Deutsche Meisterschaften
3.3.9 DTB Internationals & DTB Premium Tour
3.4 Ehemalige Turniere
3.4.1 Düsseldorf International
3.4.2 Berlin Open
3.4.3 WCT-Turnier in München
3.4.4 Cologne Cup
3.4.5 Kings Cup
3.4.6 WCT Finals in Dallas
3.4.7 World Team Cup in Düsseldorf
3.4.8 Eurocard Open in Stuttgart
3.4.9 Grand Slam Cup in München
3.4.10 Sparkassen Cup in Leipzig
3.4.11 WTA-Turnier in Hamburg
3.4.12 German Open in Berlin
3.4.13 Faber Grand Prix in Essen und Hannover
3.4.14 Nürnberger Versicherungscup
4 Die Stars
4.1 Die großen Deutschen
4.1.1 Cilly Aussem
4.1.2 Boris Becker
4.1.3 Wilhelm Bungert
4.1.4 Gottfried von Cramm
4.1.5 Otto Froitzheim
4.1.6 Stefanie Graf
4.1.7 Tommy Haas
4.1.8 Sylvia Hanika
4.1.9 Henner Henkel
4.1.10 Anke Huber
4.1.11 Angelique Kerber
4.1.12 Nicolas Kiefer
4.1.13 Claudia Kohde-Kilsch
4.1.14 Sabine Lisicki
4.1.15 Helga Masthoff
4.1.16 Rainer Schüttler
4.1.17 Hilde Sperling
4.1.18 Michael Stich
4.1.19 Alexander Zverev
4.2 Die besten Europäer
4.2.1 Björn Borg
4.2.2 Novak Djoković
4.2.3 Stefan Edberg
4.2.4 Roger Federer
4.2.5 Martina Hingis
4.2.6 René Lacoste
4.2.7 Ivan Lendl
4.2.8 Suzanne Lenglen
4.2.9 Andy Murray
4.2.10 Rafael Nadal
4.2.11 Ilie Năstase
4.2.12 Martina Navratilova
4.2.13 Fred Perry
4.2.14 Maria Scharapova
4.2.15 Monika Seleš
4.2.16 Mats Wilander
4.3 Die besten US-Amerikaner
4.3.1 Andre Agassi
4.3.2 Arthur Ashe
4.3.3 Bob Bryan/Mike Bryan
4.3.4 Don Budge
4.3.5 Jimmy Connors
4.3.6 Chris Evert
4.3.7 Pancho Gonzales
4.3.8 Billy Jean King
4.3.9 Jack Kramer
4.3.10 John McEnroe
4.3.11 Pete Sampras
4.3.12 Bill Tilden
4.3.13 Serena Williams
4.4 Die Besten aus dem Rest der Welt
4.4.1 Margaret Court
4.4.2 Roy Emerson
4.4.3 Rod Laver
4.4.4 John Newcombe
4.4.5 Ken Rosewall
4.4.6 Guillermo Vilas
5 Die Grundlagen
5.1 Spielformen
5.1.1 Einzel
5.1.2 Doppel
5.1.3 Mixed
5.2 Spielfeld
5.3 Spieloberfläche
5.3.1 Sandplatz
5.3.2 Hartplatz
5.3.3 Teppichplatz
5.3.4 Rasenplatz
5.4 Netz
5.5 Ausrüstung
5.5.1 Schläger
5.5.2 Ball
5.6 Regeln
5.6.1 Spielprinzip
5.6.2 Zählweise
5.7 Grundschläge
5.7.1 Vorhand
5.7.2 Rückhand
5.7.3 Aufschlag
5.8 Schlagtechniken
5.8.1 Drive
5.8.2 Topspin
5.8.3 Slice
5.9 Schlagvarianten
5.9.1 Volley
5.9.2 Schmetterball
5.9.3 Stopp
5.9.4 Lob
5.9.5 Passierschlag
5.10 Weitere Schläge
5.10.1 Ass
5.10.2 Winner
5.10.3 Forced Error/Unforced Error
5.10.4 Return
5.10.5 Cross
5.10.6 Longline
5.10.7 Doppelfehler
5.11 Griffhaltungen
5.12 Spielstrategien
5.12.1 Grundlinienspiel
5.12.2 Angriffstennis
5.12.3 Inside Out/Inside In
5.12.4 Serve and Volley
5.12.5 Chip and Charge
6 Was man sonst noch wissen muss
6.1 Aufschlagspezialisten
6.2 Battle of the Sexes
6.3 Battle of the Surfaces
6.4 Beachtennis
6.5 Center Court
6.6 Champions Race
6.7 Deutscher IC
6.8 Grand Slam
6.9 Hartford
6.10 Hawkeye
6.11 Karriere-Grand-Slam
6.12 Leading Tennis Clubs of Germany
6.13 Leistungsklassen
6.14 Padeltennis
6.15 Shot Clock
6.16 Tiebreakirrsinn
6.17 Universiade
6.18 Weltrangliste
6.19 Westphal, Michael
6.20 Wildcard
6.21 World Team Tennis
6.22 Zuschauerweltrekord
Anhang
1 Literaturverzeichnis
Bücher
Artikel
Internet
2 Bildnachweis

VORWORT VON CHRISTOPHER KAS
Seit den Erfolgen von Steffi Graf und Boris Becker kennt hierzulande nahezu jedermann die Tennisregeln. Geht es um Aufschlag, Vor- und Rückhand, um Crossbälle, Longline, Grundlinienspiel oder Netzangriffe, so kann hier jeder mitreden. Und das finde ich super. Tennis zählt weltweit zu den populärsten und beliebtesten Sportarten – ganz einerlei, ob in der Profiszene oder im Amateurbereich. Und auch bei all jenen, die gar nicht selbst spielen, aber zuschauen.
Was macht den Sport eigentlich so faszinierend? Er ist so einfach. Jeder kann ihn betreiben. Man braucht nur etwas Ballgefühl, Laufbereitschaft und eine gewisse Raffinesse, um den Gegner auszutricksen. Das Alter spielt keine Rolle. Bis in den Seniorenbereich hinein kann man den Schläger und die Filzkugel bewegen. Und wenn es zum Einzel nicht mehr reicht, dann eben zum Doppel.
Meine Philosophie war ohnehin immer: Doppel ist halb so anstrengend, macht aber doppelt so viel Spaß. Hinzu kommt in den Sommermonaten die gute, frische Luft – und die ist auf den rund 45 000 Plätzen in Deutschland von April bis Oktober garantiert. Und weil auch das Spiel im Winter nach wie vor seine Qualitäten hat, brauchen sich die Hallenbetreiber über mangelnde Buchungen nicht zu beklagen.
Auch die Nachwuchsarbeit wird innerhalb des Deutschen Tennis Bundes (DTB) großgeschrieben. Dank großflächiger Sichtungen, frühzeitiger Spielrunden und Förderungen auf Vereins-, Kreis-, Bezirks- und Landesebene gehen Talente heutzutage nicht mehr verloren. Die Kunst ist hier, die „Tenniszwergerl“ zu begeistern. Deshalb kommt den Nachwuchstrainern eine ganz große Bedeutung zu.
Natürlich ist die Konkurrenz groß mit Fußball und den vielen neuen Funsportarten. Aber Tennis hält dagegen. Und das finde ich klasse. So ist die Zukunft gesichert. Mein Dank gilt an dieser Stelle jedem einzelnen Nachwuchstrainer, der dafür sorgt, dass unser wunderschöner Tennissport am Leben bleibt.
Vorbilder gibt es genug, und die TV-Übertragungen haben einen großen Anteil. Ich kann mich noch bestens an die großen Wimbledonmatches von Boris Becker erinnern. Als er zum ersten Mal dort gewann, war ich gerade mal fünf Jahre alt. So etwas prägt einen. Ich selbst habe dann mit Schläger und Ball auf unserem Rasen vor dem Haus an die Wand gespielt. Natürlich durfte der berühmte „Beckerhecht“ nicht fehlen. Ja, ich kann sagen, Boris hat mich auf den Tennisweg gebracht. Er hat alle fasziniert – und mich ganz besonders.
Und ich möchte keine Sekunde missen, auf dem Platz oder auch drum herum. Das gilt für die vielen Jahre als Spieler auf der Profitour und danach auch als Trainer. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ein Beruf, der richtig Spaß macht.
Ich könnte jetzt unzählige große Matches aufzählen, die ich in den 1980er- und 1990er-Jahren am Fernsehen verfolgt habe. Aber wir müssen ja gar nicht so weit zurückblicken. Denken wir nur an die Gegenwart, an das Finale der US Open 2020 zwischen Dominic Thiem und Alexander Zverev. Wer hier live am Bildschirm dabei war, hat die geballte Tennisdramaturgie miterlebt. So etwas kann man nicht vorhersagen. Es gab trotz Matchplänen Höhen und Tiefen hüben wie drüben. Ein Unentschieden wäre hier verdient gewesen, denn ich habe zwei ganz große Champions gesehen. Doch der Tennissport kennt eben nur einen Sieger – und der hieß in diesem Fall Dominic Thiem.
Im vorliegenden Buch beschreibt Dino Reisner den Tennissport sehr anschaulich. Er gibt Einblicke in die Geschichte, ins Regelwerk, er taucht ein mitten ins Match. Es ist ein Buch für jedermann. Und jeder Aktive kann etwas für sich herausziehen. In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen.

Christopher Kas war von 2001 bis 2014 auf der Profitour unterwegs. Er gewann fünf ATP-Turniere im Doppel und gehörte fünfmal zum deutschen Davis-Cup-Team. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurde er mit Sabine Lisicki Vierter im Mixed. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere blieb der Oberbayer als Trainer von Sabine Lisicki, Mona Barthel und Peter Gojowczyk sowie als Teamchef des Bundesligisten TC Großhesselohe dem Profitennis erhalten. Seit 2019 arbeitet er zudem als Experte bei Servus TV.

INTRO VON DINO REISNER
Über Jahrzehnte hinweg galt Tennis in Deutschland als elitärer Sport. Doch dann kam der 7. Juli 1985. Ein 17 Jahre alter Teenager aus der badischen Kleinstadt Leimen stürmte sensationell ins Finale von Wimbledon und versetzte eine ganze Nation in Euphorie. Elf Millionen Menschen saßen in der Bundesrepublik vor den TV-Geräten, als Boris Becker auf dem heiligen Rasen den Matchball gegen Kevin Curren verwandelte. In diesem Moment war nicht nur ein Sportheld geboren.
Tennis, hierzulande bis dahin vorwiegend der besserverdienenden Gesellschaft vorbehalten, entwickelte sich in Windeseile zum Volks- und Breitensport. Jung und Alt strömte auf den roten Sand. Obwohl neue Tennisplätze und neue Tennishallen wie Pilze aus dem Boden schossen, hatten die Vereine Probleme, dem gewaltigen Andrang Herr zu werden. Sogar Wartelisten für die Aufnahme wurden geführt.
Boris Becker und kurze Zeit später die eineinhalb Jahre jüngere Stefanie Graf aus dem nur 18 Kilometer von Leimen entfernten Brühl sorgten landesweit für eine Begeisterung, wie es niemals zuvor einzelnen Sportlern gelang.
ARD und ZDF und die damals neuen Privatsender RTL plus und Sat 1 sicherten sich Übertragungsrechte von unzähligen Turnieren, kurzfristig wurden Showkämpfe organisiert und Einladungsturniere ins Leben gerufen. Millionen von Menschen vor den TV-Geräten fieberten mit, teilweise bis tief in die Nacht. Unvergessen, wie Boris Becker im Davis Cup 1987 in Hartford die US-Amerikaner John McEnroe und Tim Mayotte in fünf Sätzen niederrang und danach mit der Deutschlandfahne eine Ehrenrunde durch die Halle drehte – dies hatte es bis dahin noch nie gegeben.
Stefanie Graf übernahm im August 1987 die Führung der Weltrangliste, Boris Becker folgte dreieinhalb Jahre später im Januar 1991. Deutschland war die Tennisnation Nummer eins auf dem Erdball.
Am 9. Juli 1989 gelang den beiden Superstars Historisches: Innerhalb von drei Stunden gewannen Stefanie Graf und Boris Becker das Turnier in Wimbledon, das wichtigste, prestigeträchtigste und traditionsreichste der Welt (das Damenfinale musste wetterbedingt von Samstag auf Sonntag verlegt werden). Diesmal saßen sogar 15 Millionen Deutsche vor den Bildschirmen.
Abgesehen von den Übertragungen der Grand-Slam-Turniere aus Melbourne, Paris und New York auf Eurosport ist Tennis hierzulande aus den frei empfangbaren TV-Programmen nahezu verschwunden. Auch Weltklasseturniere lassen sich nicht mehr finanzieren. Dennoch lebt die Sportart noch immer. In der Spitze ebenso wie in der Breite. Im September 2016 wurde mit Angelique Kerber wieder eine deutsche Spielerin Nummer eins der Welt, ein Jahr später stieß Alexander Zverev unter die Top drei vor.
2018 gewann Kerber Wimbledon, im gleichen Jahr holte Zverev den Titel bei den ATP Finals. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) ist mit 1,37 Millionen Mitgliedern nach wie vor der größte Tennisverband der Welt und national hinter den Fußballern und den Turnern die Nummer drei – weit vor den Dachverbänden der Leichtathleten (0,79), der Handballer (0,75) oder der Golfer (0,64). Hinzu kommen unzählige, nicht organisierte Tennisspieler in kommerziellen Sportanlagen.
Man kann sagen: In der goldenen deutschen Tennisepoche in der zweiten Hälfte der 1980er- und der ersten Hälfte der 1990er-Jahre lebte Tennis über seine Verhältnisse, vieles war überdreht. Seither hat sich der Tennissport auf einem nach wie vor hohen Niveau etabliert.
Dino Reisner arbeitet bundesweit als Sport-journalist und Buchautor mit den Schwerpunkten Basketball, Fußball, Handball, Eishockey und Tennis. Er schrieb unter anderem Biografien über Dirk Nowitzki, Michael Ballack, Pep Guardiola und Leroy Sané sowie mehrere Ratgeber. Der Oberfranke ist selbst aktiver Tennisspieler.
1
ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG
1.1 DIE ANFÄNGE IN NORDFRANKREICH
Übereinstimmenden Quellen zufolge finden sich die Ursprünge des Tennissports im 13. Jahrhundert in Klöstern Nordfrankreichs. Zum Zeitvertreib droschen dort Geistliche in den Innenhöfen mit der flachen Hand eine mit Wolle, Sand oder Haaren gefüllte Lederkugel von einer Seite auf die andere. Überliefert ist die Bezeichnung „Jeu de Paume“ (Spiel mit der Handinnenfläche). Im Laufe der Zeit spannten sie eine Schnur in die Mitte.
Vorformen eines Schlägers aus Holz tauchen erstmals in Schriften und Bildern aus den Jahren 1505 und 1511 auf. Überliefert wird, dass die Lederkugel schon damals nach einmaligem Aufspringen oder direkt aus der Luft (à la volée) geschlagen werden musste – daher stammt auch der heute gebräuchliche Begriff „volley“. Seinen Namen verdankt Tennis wohl dem französischen Ausruf „tenez“ (haltet die Stellung), mit dem der erste Schlag eingeleitet wurde.
Zunehmend verbreitete sich das Spiel in der wohlhabenden Gesellschaft und im Adel – insbesondere Ludwig X., von 1314 bis 1316 König von Frankreich, soll daran Gefallen gefunden haben. Weil es noch keine Turniere oder andere Formen des Wettbewerbs gab, wurde damals Geld auf die Spiele und Spieler gewettet.
Den meisten Quellen zufolge kommt davon die für viele bis heute unverständliche und geheimnisvolle Zählweise: Auf einen Punkt wurde die Silbermünze Gros Tournois gesetzt, deren Wert 15 Denier Tournois betrug. In einem Spiel betrug der Einsatz vier Gros Tournois, also 15, 30, 45 und 60 Denier Tournois. Diese Zählweise wurde auch nach dem Verschwinden des Gros Tournois aus dem Zahlungsverkehr beibehalten, die 45 wurde im Laufe der Zeit der einfacheren Aussprache wegen auf 40 verkürzt und die 60 am Spielende durch den Ausdruck „jeu“ (zu Deutsch Spiel) ersetzt.
Eine andere, weniger verbreitete Theorie zum Ursprung der Zählweise besagt, dass die Spieler ihre Partie auf einer Null-Zoll-Linie begonnen hätten. Derjenige, der den Punkt erzielte, durfte zur 15-Zoll-Linie aufrücken, beim nächsten Punkt zur 30-Zoll-Linie und beim übernächsten zur 45-Zoll-Linie. Weil diese zu nahe am Netz war, wäre sie auf 40 Zoll reduziert worden.
Ab Ende des 15. Jahrhunderts fand das Spiel seinen Weg auch nach Deutschland. Der Sporthistoriker Heiner Gillmeister berichtet von Ursprüngen unter freiem Himmel in Kiel, Hamburg und Köln sowie von einem Ballhaus, das 1548 auf Geheiß von Kaiser Karl V. in Augsburg errichtet wurde. Ein weiteres Ballhaus „zur Unterhaltung und zweckmäßigen Leibesübung der studierenden Jugend“ entstand 1593/94 in Ingolstadt. Das fast zeitgleich gebaute Ballhaus in Tübingen war Teil der dortigen Ritterakademie. Die in den Ballhäusern beschäftigten „Ballenmeister“ waren die Vorgänger der heutigen Tennistrainer.
Im Jahr 1740 wurde in Frankreich ein internationales Turnier durchgeführt, das in diversen Quellen sogar als die erste Tennisweltmeisterschaft bezeichnet wird. Der Franzose Clergé de Elder konnte das Turnier für sich entscheiden. Er behielt den Titel so lange, bis ihn ein Herausforderer schlagen konnte. Dies gelang erst 25 Jahre später seinem Landsmann Raymond Masson. So viel zur Frühgeschichte des Tennissports.
1.2 DAS MODERNE TENNIS
Als Erfinder des Tennisspiels, wie wir es heute kennen, gilt der Waliser Walter Clopton Wingfield. Nach seinem Militärdienst für die britische Armee, der ihn unter anderem nach Indien und China geführt hatte, ließ er sich Ende der 1860er-Jahre in London nieder, wo er als Major in Diensten von Queen Victoria und König Edward VII. arbeitete. Nebenher entwickelte er ein neues Spiel, das als Freizeitvergnügen für den Landadel dienen sollte.
Wingfield kombinierte die Regeln des bis dahin in Ballhäusern ausgeübten Tennisspiels mit dem seinerzeit auf der Insel populären Croquet, einer nicht mit Cricket zu verwechselnden Präzisionssportart, bei der auf einer kurz getrimmten Rasenfläche farblich markierte Holzkugeln mit einem hammerförmigen Schläger durch gebogene Drahtbügel gestoßen wurden.
Sein neues Spiel ließ sich Wingfield 1874 als „Lawn Tennis“ patentieren. Rasch erfreuten sich seine in Zeitungsannoncen beworbenen Lawn-Tennis-Sets großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Diese bestanden aus Schlägern, Gummibällen, einem Netz, den dazugehörigen Pfosten, Kreide zur Feldmarkierung sowie einer achtseitigen Broschüre, in der die Spielregeln erklärt wurden. Die vulkanisierten Gummibälle, die eine deutlich bessere Sprungeigenschaft besaßen als die bis dahin in den Ballhäusern verwendeten Lederkugeln, ließ Wingfield aus Deutschland importieren.
Der sportliche Charakter des Lawn Tennis war zunächst noch gering. Vielmehr diente es für Damen wie Herren als „Zeitvertreib, mit dem sich der auf der Insel unumgängliche Fünfuhrtee unterhaltsamer gestalten ließ“, wie Sporthistoriker Gillmeister berichtet. „Obendrein bot es die Gelegenheit, die Tochter aus gutem Hause mit dem vermögenden und vielleicht sogar gutaussehenden jungen Mann aus der Nachbarschaft zu verbandeln. Im Kaiserreich sprach man später vom Verlobungstennis.“
Wer sich heute fragt, weshalb im Englischen der Spielstand 0 (null) nicht etwa mit dem gängigen Wort „Zero“ bezeichnet wird, sondern mit „Love“ (Liebe) – hier hat er die Antwort erhalten.
Mehr sportlicher Charakter hielt erst Einzug durch Henry Jones, einen Londoner Mediziner und Mitglied des All England Croquet Clubs in Wimbledon. Auf Jones’ Initiative wurde das neue Spiel ins Vereinsprogramm aufgenommen und der Name in All England Croquet and Lawn Tennis Club umbenannt. Weil der Verein im Sommer 1877 dringend Geld für die Reparatur einer gebrochenen Achse seiner einzigen Rasenwalze benötigte, kam Jones auf die Idee, ein Turnier zu veranstalten – es war die Geburtsstunde des heutigen Grand-Slam-Turniers im Süden Londons.
Hierfür entwickelte der Mediziner gemeinsam mit Julian Marshall und John Moyer Heathcote, einem Kunstsammler und einem Rechtsanwalt, die Wingfieldschen Regeln weiter. Unter anderem wurde das bis dahin sanduhrförmige Spielfeld, das an der Grundlinie breiter war als am Netz, einem Rechteck angepasst. Die Gummibälle wurden mit einer Flannelschicht überzogen.
Das erste Wimbledonturnier spülte dem damals klammen Club durch die Startgebühren der Teilnehmer und die Eintrittsgelder der Zuschauer umgerechnet 350 Euro in die Kasse. Die defekte Rasenwalze konnte repariert werden. Und Jones blieb bis 1885 Oberschiedsrichter des Turniers.
Rasch verbreitete sich Lawn Tennis in den 1870er-Jahren auch in den britischen Überseegebieten, etwa auf Bermuda. Dort fand die junge New Yorkerin Mary Outerbridge während eines Verwandtenbesuchs Gefallen an der Sportart, als sie englischen Soldaten beim Spielen zusah. Zurück in der Heimat überredete sie ihren älteren Bruder August Emilius Outerbridge, den Präsidenten des Staten Island Cricket Clubs, auf dem Vereinsgelände ein Tennisfeld abzustecken. 1880 wurde hier das erste Turnier in den USA ausgerichtet.
In Windeseile verbreitete sich Tennis an der Ostküste, bereits im Mai 1881 wurde im Fifth Avenue Hotel in New York der Verband United States National Lawn Tennis Association (USNLTA) gegründet. Der amerikanische Verband, der seinen Namen im Laufe der Jahre in United States Tennis Association (USTA) verschlankt hat, ist damit der älteste der Welt. Nur drei Monate nach seiner Gründung führte er auf den Rasenplätzen des Newport Casinos auf Rhode Island die ersten US National Singles Championships for Men durch, den Vorläufer der heutigen US Open.
1.3 DIE ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND
Englische Kurgäste brachten Lawn Tennis in den 1870er-Jahren auch nach Deutschland. In Bad Homburg spielten sie „auf provisorisch abgesteckten Spielfeldern auf den Rasenanlagen im Kurpark in langen weißen Kleidern und Hosen. Durch die im Sommer in Bad Homburg verweilende Kaiserfamilie mit ihrem Gefolge erlebte die neue Attraktion schnell einen Boom und führte 1876 zur Gründung des ersten Tennisvereins auf dem Kontinent“, wie in der Chronik des TC Bad Homburg, dem ältesten deutschen Tennisverein, nachzulesen ist.
Im Laufe der Jahre entstanden weitere Clubs und Anlagen in Baden-Baden (1881), in Freiburg (1883), in Kassel (1883) und in Essen (1884). In Frankfurt/Main wurde 1884 die „Spielplatzgesellschaft im Palmengarten“ gegründet, die man heute wohl als kommerzielle Sportanlage bezeichnen würde.
Das erste internationale Turnier in Deutschland reklamieren gleich drei Vereine und Städte für sich. Der TC Rot-Weiss Baden-Baden schreibt in seiner Chronik, dass er bereits 1883 und damit lange vor allen anderen – damals noch unter der Bezeichnung International Lawn Tennis Club firmierend – ein großes Turnier durchgeführt habe unter fast ausschließlich britischer Beteiligung. Star der Veranstaltung war demnach der Prince of Wales. Doch erst ab 1901 wurde das Turnier jährlich ausgetragen.
Ab 1892 fand auf der Hamburger Uhlenhorst ein internationales Turnier statt, zunächst nur für die Herren, ab 1896 auch für die Damen. Initiator war Carl August von der Meden, der spätere Präsident des Deutschen Lawn Tennis Bundes. Der Sohn einer wohlhabenden Hamburger Kaufmanns- und Maklerfamilie hatte sich nach dem Ende einer mehrjährigen Weltreise in den 1870er-Jahren in London niedergelassen, wo er mit Lawn Tennis in Berührung kam.
Auf seinem Arbeitsweg mit der Eisenbahn von seinem Wohnort im Süden der Millionenmetropole zu seinem Büro in der Innenstadt (von der Meden betrieb dort einen Wollhandel) passierte er tagtäglich die damalige Anlage des All England Croquet and Lawn Tennis Clubs an der Worple Road. Aus dem Zugfenster heraus beobachtete er das Treiben auf den Plätzen.
Nach dem Konkurs seiner Firma kehrte von der Meden in seine Heimatstadt zurück. Dort erhielt er 1889 von der Vorstandschaft des Eisbahnvereins auf der Uhlenhorst die Aufgabe, die Wiesenfläche, die im Winter geflutet und zum Schlittschuhlaufen genutzt wurde, auch in den Sommermonaten zu bewirtschaften. Und was lag da näher als die Durchführung eines Rasentennisturniers? Der Vereinsvorsitzende Carl Laeisz, ein vermögender Reeder, lobte dafür einen Siegerpokal aus.
Die erste Auflage der Internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland litt 1892 unter der Choleraepidemie, die in diesem Jahr die Hansestadt heimsuchte. Ausländische Spieler blieben aus Furcht vor einer Infektion dem Turnier fern, neben den Deutschen waren nur noch einige Österreicher am Start.
In Bad Homburg notieren Chronisten das erste internationale Turnier im Jahr 1894. Die Strippen in der Kurstadt zog Charles Adolph Voigt, ein gebürtiger Kalifornier, der fließend Englisch, Deutsch und Französisch sprach und im Hotel Metropole residierte. Beim Homburg Cup lockte Voigt die englischen Stars auf den Rasen und den europäischen Adel sowie schwerreiche Industrielle auf die Tribünen. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Turnier eingestellt.
Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Rufe nach einem Verband laut, der die Tennisspieler im Lande bündeln solle. Nach langen Verhandlungen gründeten schließlich zwölf Vereinsvertreter, fünf davon im Hauptberuf Juristen, am 19. Mai 1902 im Berliner Palasthotel am Leipziger Platz den Deutschen Lawn Tennis Bund (DLTB).
Von der Meden wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Der Hamburger übte das Amt bis zu seinem Tod im Alter von 69 Jahren anno 1911 aus – ihm zu Ehren werden die Mannschaftswettbewerbe der Vereine bei Damen, Herren und Jugendlichen noch heute Medenspiele genannt.
1.4 DAS PROFITUM HÄLT EINZUG
Einer der Gründerväter des professionellen Tennis war der US-Amerikaner Charles C. Pyle. Bereits 1926 stellte der findige Theaterbesitzer aus Illinois, der sich nebenher auch als Berater diverser Sportler verdingte, eine Profitour auf die Beine. Nachdem Pyle – Spitzname „Cash and Carry Pyle“, in Anlehnung an die Initialen seiner Vornamen – einige der besten Tennisspieler der damaligen Zeit unter seine Fittiche genommen hatte, unter anderem die sechsmalige Wimbledongewinnerin Suzanne Lenglen (Frankreich) und den amtierenden Olympiasieger Vincent Richards (USA), reiste er mit diesen vier Monate lang für Showkämpfe durch die USA und Kanada.
Die Tour wurde zu einem großen Erfolg: 13 000 Zuschauer kamen zur Premiere in den Madison Square Garden in New York, die Ticketpreise betrugen 1,50 bis 5,50 US-Dollar. 39 weitere Stopps folgten. Das Problem bei der Sache: Sobald Spieler bei Pyle unter Vertrag standen, verloren sie ihren Amateurstatus und waren von den Majorturnieren in Australien, Paris, Wimbledon und New York ausgeschlossen.
Die Gage bei den Showkämpfen war jedoch verlockend, für die damalige Zeit geradezu gigantisch. Suzanne Lenglen erhielt für 40 Partien 100.000 US-Dollar – kein Sportler auf der Welt verdiente damals mehr.
Ein halbes Jahr nach seinem dritten Wimbledontitel 1930 wechselte auch der US-Amerikaner Bill Tilden auf die Profitour. Der Engländer Fred Perry folgte nach seinem Wimbledonhattrick 1934, 1935, 1936. Perry strich für seine 61 Duelle gegen den US-Amerikaner Ellsworth Vines, seines Zeichens Wimbledonchampion von 1932, mehr als 100.000 US-Dollar ein.
Die Spiele kreuz und quer über den amerikanischen Kontinent trugen den vielsagenden Titel Vines-Perry World Series, Vines gewann 32:29. 1939 schloss sich der US-Amerikaner Don Budge für ein Gehalt von 148.000 US-Dollar der Tour an, unmittelbar nachdem ihm als erstem Spieler überhaupt der Grand Slam gelungen war (Siege bei allen vier Majorturnieren innerhalb eines Kalenderjahres). Von den 39 Duellen gegen Vines gewann er 22, von den 36 gegen Perry 28 und von den 58 gegen Tilden sogar 51.
Neben den Showkampftourneen nahmen auch die ersten Profiturniere, genannt Championship Tournaments, ihren Betrieb auf. Als Erstes im September 1927 die US Pro Tennis Championships im Notlek Tennis Club in Manhattan/New York. Organisator war der bereits erwähnte Olympiasieger Richards, der dafür seinen Profikollegen Howard Kinsey und einige Tennislehrer von der Ostküste zusammentrommelte. Richards gewann sein eigenes Turnier und die 1.000 US-Dollar Siegprämie.
Schon vor den USA entstand in Europa eine Profiszene. Bereits bei der kleinen Gruppe britischer Stars, unter ihnen der viermalige Wimbledonsieger Reginald Doherty, die 1897 und 1898 einige Turniere an der Côte d’Azur spielten, machte der Begriff „Berufsspieler“ die Runde. Diesen liest man auch in Zusammenhang mit den Briten, die im Spätherbst 1901 auf Einladung des portugiesischen Königs Don Carlos an der Algarve Kostproben ihres Könnens vorführten.
Als erstes wirkliches Profiturnier auf dem Kontinent gilt der im Dezember 1920 erstmals ausgetragene Bristol Cup im südfranzösischen Cannes. Der Monegasse Romeo Acquarone setzte sich im Finale gegen Joseph Negro aus Nizza durch.
1925 wurde in Deauville in der Normandie einmalig ein Turnier namens World Pro Tournament abgehalten, das der Tscheche Karel Koželuh für sich entscheiden konnte. Danach gewann Koželuh sechsmal in Folge den Bristol Cup und 1930 auch die Premiere des Championnat International de France Professionnel (French Pro Championships), das wenige Wochen nach den Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich auf der Anlage von Roland Garros in Paris ausgetragen wurde. An den ersten drei Auflagen dieses Turniers nahmen ausschließlich europäische Profis teil, darunter der Berliner Tennislehrer Roman Najuch.
1.5 DIE WILDEN JAHRE
Bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam hatte das IOC die Sportart Tennis aus dem Programm gestrichen, weil einige Spieler nachweislich für Geld angetreten waren – ein Verstoß gegen die IOC-Richtlinien. 60 Jahre lang sollte der Ausschluss anhalten. 1934 wurde mit den Wembley Championships in London ein weiteres Profiturnier ins Leben gerufen. Auf dem Holzboden der Wembley Arena landete US-Profi Ellsworth Vines bei der im Format jeder-gegen-jeden ausgetragenen Premierenveranstaltung mit 5:0-Siegen vor dem Nürnberger Hans Nüsslein (4:1) auf Platz eins.
Die US Pro Tennis Championships, die French Pro Championships und die Wembley Championships galten bis zum Beginn der Open Era im April 1968 als die Pro Slams, also die Majors oder die Grand-Slam-Turniere der Profis.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die weltweite Tennisszene geradezu groteske Züge an. Auf der einen Seite der Weltverband ILTF mit den prestigeträchtigen Majorturnieren in Australien, Paris, Wimbledon und New York. Stur hielt der Verband an der Amateurregelung fest und verweigerte die Ausschüttung von Preisgeldern. Auf der anderen Seite das Profilager, in das immer mehr bekannte Spieler wechselten.
Auch der US-Amerikaner Jack Kramer schloss sich wenige Wochen nach seinem Wimbledonsieg 1947 den Profis an. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn 1954 stellte er selbst eine weltweite Showkampfserie auf die Beine, die über Jahre hinweg zum Synonym für das Profitennis werden sollte. Auch in Deutschland machte der sogenannte Kramer-Zirkus mehrfach Station und lockte tausende Zuschauer auf die Anlagen oder in die Hallen.
Vom mehrmaligen Majorsieger Ken Rosewall (Australien), der sich 1957 dem Kramer-Zirkus anschloss, ist das Zitat überliefert: „Ich brauchte Dollars und keine Pokale.“ 1962 folgte ihm sein Landsmann Rod Laver ins Profilager, wenige Wochen nachdem er als erst zweiter Spieler nach Don Budge den Grand Slam gewinnen konnte.
Viele Jahre später gab Kramer in einem Interview zu, dass es bei den Showkämpfen nicht immer ehrlich und nicht immer mit vollem Einsatz zugegangen sei.
Bei den Turnierveranstaltern indes machte sich immer mehr Unzufriedenheit breit über das Abwandern der Spitzenspieler und den entsprechenden Qualitätsverlust. Eine Kampfabstimmung über das Ende der Aussperrung der Profis scheiterte. Neben der Übernahme der Reisekosten, der Unterkunft und der Verpflegung während des Turniers durften die Amateure fortan immerhin an 210 Tagen im Jahr Aufwandsentschädigungen annehmen – eine Regelung, die von den Turnierveranstaltern großzügig interpretiert wurde, um die Stars bei Laune zu halten. Die Aufwandsentschädigungen glichen eher Gagen, von Scheinamateuren war nun die Rede.
Wie groß der Leistungsunterschied zwischen beiden Lagern war, zeigt das Beispiel Roy Emerson. Der Australier war mit zwölf Grand-Slam-Titeln zwischen 1961 und 1967 der herausragende Spieler bei den Amateuren. Als später auch Profis zu diesen Turnieren zugelassen waren, kam er – obwohl mit 31 Jahren auf dem Zenit seiner Schaffenskraft – nie mehr über das Viertelfinale hinaus.
In der zweiten Jahreshälfte 1967 überschlugen sich die Ereignisse. Herman David, einst Kapitän des britischen Davis-Cup-Teams und danach Präsident des All England Lawn Tennis and Croquet Clubs, dem Ausrichter des Wimbledonturniers, organisierte auf der Anlage an der Church Road ein weiteres Event für Profis, das zum vollen Erfolg wurde. Unter anderem nutzte es die BBC zur Einführung des Farbfernsehens auf der Insel.
In Übersee gründeten Sportpromoter David Dixon und der texanische Ölmilliardär Lamar Hunt die Profiturnierserie World Championship Tennis (WCT), für die sie Stars wie den amtierenden Wimbledonsieger John Newcombe (Australien) oder den späteren deutschen Davis-Cup-Teamchef Nikola Pilić (Jugoslawien) gewinnen konnten. Newcombe boten sie ein Grundgehalt von 55.000 US-Dollar, viermal so viel wie seine Aufwandsentschädigungen als Amateur – hinzu kamen weitere Handgelder.
George Russell MacCall, der ehemalige Kapitän des US-amerikanischen Davis-Cup-Teams, rief die National Tennis League (NTL) ins Leben, der sich unter anderem Rod Laver, Roy Emerson, Ken Rosewall, Arthur Ashe, Stan Smith und Starspielerin Billie Jean King anschlossen. Dem Weltverband und seinen Turnieren drohte über kurz oder lang der sportliche Bankrott.
1.6 DER BEGINN DER OPEN ERA
Im Dezember 1967 beschloss der britische Tennisverband mit überwältigender Mehrheit, für das Wimbledonturnier im kommenden Jahr Profis zuzulassen. Unterstützung bekamen die Briten aus den USA und Australien. Bei einer Krisensitzung im März 1968 in Paris entschied die ILTF, die vier Majors und neun weitere Turniere ab sofort für Profis zu öffnen: bei den Herren und auch bei den Damen.
Die Open Era, zu Deutsch offene Ära, hatte begonnen. Viele Turniere tragen seither die Bezeichnung Open in ihrem Namen: aus den US National Championships in New York etwa wurden die US Open oder aus den Internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland am Hamburger Rothenbaum die German Open. Das erste Open-Turnier waren im April die British Hard Court Championships im englischen Seebad Bournemouth (unter Hard Court verstanden die Briten damals Sandplätze).
30 000 Zuschauer kamen an den sechs Turniertagen auf die Anlage, 14.000 US-Dollar betrug das Preisgeld. Ken Rosewall besiegte im Herrenfinale seinen Profikollegen Rod Laver in vier Sätzen und kassierte dafür 2.400 US-Dollar Prämie. Die Engländerin Virginia Wade gewann das Damenfinale glatt gegen die Schottin Winnie Shaw und erhielt 720 US-Dollar.
Einen Monat später strömten 120 000 Zuschauer auf die Anlage von Roland Garros, um das erste Majorturnier mit Profibeteiligung mitzuerleben – viermal so viele wie im Jahr zuvor. Ken Rosewall besiegte im Finale erneut Rod Laver in vier Sätzen, bei den Damen holte die US-Amerikanerin Nancy Richey den Titel gegen die Engländerin Ann Haydon-Jones. Die Siegprämien betrugen 3.000 bzw. 1.000 US-Dollar.
Die ersten Jahre der Open Era wurden auf dem Platz dominiert von den Australiern Rod Laver und Margaret Court. 1969 gelang Laver mit den Turniersiegen in Australien, Paris, Wimbledon und New York sein zweiter Grand Slam nach 1962 – der erste und damit noch wertvollere bei den Profis. Seiner Landsfrau Margaret Court gelang der Grand Slam ein Jahr später.
Außerhalb des Platzes war die Zeit bei den Herren geprägt von den Machtkämpfen zwischen den Funktionären des Weltverbandes ILTF und den US-amerikanischen Organisatoren von WCT und NTL. Den Profis, die dort unter Vertrag standen, wie Rod Laver, Roy Emerson, Ken Rosewall oder John Newcombe, untersagte die ILTF die Teilnahme am Davis Cup.
Im Sommer 1970 folgte der Weltverband einem Vorschlag von US-Promoter Jack Kramer und gründete unter dem Label Grand Prix seine eigene, 21 Turniere umfassende Profitour, an deren Ende im Dezember das Mastersturnier der sechs erfolgreichsten Spieler stand – als Konkurrenz zu den 17 Events der WCT, die inzwischen die NTL aufgekauft hatte. Die Stars der Szene schlugen bei beiden Turnierserien auf, bei der WCT gab es generell etwas mehr zu verdienen. Anfang 1971 gehörten auch die Australian Open zur WCT.
Im Juli 1971 eskalierte der Machtkampf. Die ILTF beschloss, ab dem folgenden Jahr alle WCT-Profis von den Majorturnieren auszuschließen. Prominentestes Opfer dieser Entscheidung war der Australier John Newcombe, der seinen Titel in Wimbledon nicht verteidigen durfte. So kann es nicht weitergehen, dachten sich die Profis, die immer mehr zwischen die Fronten geraten waren. Während der ersten Woche der US Open trafen sie sich in einem Treppenhaus des Forest Hills West Side Tennis Clubs und hoben die Spielervereinigung Association of Tennis Professionals (ATP) aus der Taufe. Der südafrikanische Profi Cliff Drysdale wurde zum ersten Präsidenten gewählt, Jack Kramer zum Executive Director.
Für 1973 einigten sich ILTF und WCT auf eine Aufteilung der Saison: Die ersten 22 Turniere von Januar bis Anfang Mai, unter anderem die Hallenevents in Köln und München, liefen unter dem Dach der WCT, die folgenden 70 Turniere bis Jahresende gehörten zum Grand-Prix-Circuit der ILTF, darunter neben den vier Majors auch die Berlin Open und die German Open in Hamburg.
Von 1978 bis einschließlich 1981 integrierte die WCT ihre Turniere in den Grand-Prix-Kalender, ehe sie sich 1982 wieder verselbstständigte. 23 Turniere mit satten Preisgeldern wurden über das ganze Kalenderjahr verteilt, darunter das Hallenevent im März in München und ein weiteres im Dezember in der Dortmunder Westfalenhalle. Als Zugpferd für seine Serie gewann WCT-Boss Lamar Hunt den aufstrebenden Tschechoslowaken Ivan Lendl, damals 21 Jahre jung, der alle zehn Turniere gewann, an denen er teilnahm.
Das WCT-Comeback dauerte aber nur drei Jahre. Schon 1983 schrumpfte der Kalender auf acht, 1984 auf nur noch fünf Turniere. Anschließend waren die WCT-Turniere erneut Bestandteil des Grand Prix. 1990 löste sich die Organisation auf.
1.7 DAS GOLDENE ZEITALTER
Die Spielervereinigung ATP gewann indes immer weiter an Macht. Im August 1973 führte sie die fortan wöchentlich erscheinende Computerweltrangliste ein, nach der die Leistungen der Profis in den jeweils vorangegangenen 52 Kalenderwochen bewertet wurden (die Doppelweltrangliste folgte erst im März 1976). Die Betonung auf Computer lässt heute schmunzeln.
Zuvor wurden die Spieler nur einmal jährlich in diversen Ranglisten von nationalen Verbänden und Medien eingestuft. Als Grundlage dafür dienten ihre Titelgewinne und die persönlichen Bewertungen der Journalisten. Der meiste Wert wurde den Top Ten in den englischen Tageszeitungen Daily Mail und The Daily Telegraph beigemessen. Auch das World Tennis Magazine in den USA und die Herald Sun in Australien stellten Klassements auf. Die erste Nummer eins der ATP-Computerweltrangliste wurde der Rumäne Ilie Năstase, der in diesem Jahr in Roland Garros gewonnen hatte.
Ab 1974 bildeten ATP- und ILTF-Vertreter gemeinsam das Men’s International Professional Tennis Council (MIPTC), das sich fortan um die Organisation des Grand-Prix-Circuits kümmerte. Zwei Jahre später kamen die Turnierveranstalter hinzu. Die immer größer werdende Unzufriedenheit der Profis über die Vermarktung der Turniere und die Verteilung der Erlöse, insbesondere der vier Majors, führte zum Bruch innerhalb des MIPTC.
Ab 1990 stellte die Spielervereinigung in Kooperation mit den Turnierveranstaltern eine eigene Serie auf die Beine: Die ATP Tour, wie man sie heute kennt, löste den Grand-Prix-Circuit ab. Die Profis freuten sich über einen Anstieg der Preisgelder um 50 Prozent und eine mehrwöchige Pause am Jahresende.
Eine kritische Phase musste die ATP kurz nach der Jahrtausendwende überstehen. 1999 hatte sie die Vermarktungsrechte an den Super-9-Turnieren in Indian Wells, Miami, Monte Carlo, Hamburg, Rom, Toronto bzw. Montreal (im jährlichen Wechsel), Cincinnati, Stuttgart und Paris-Bercy sowie den ATP Tour World Championships am Saisonende für 1,2 Milliarden US-Dollar bis 2009 an die Schweizer Sportvermarktungsagentur ISL verkauft. Jedem Turnier wären dadurch über zehn Jahre hinweg in etwa zwölf Millionen US-Dollar per annum garantiert gewesen. Scheinbar ein gigantischer Deal.
Doch die ISL verhob sich mit diesem und anderen Geschäften und musste im Mai 2001 Konkurs anmelden, zahlreiche Turnierveranstalter standen vor einer ungewissen Zukunft. Als Konsequenz wurde die sich rasant nach oben drehende Preisgeldspirale gestoppt, mancherorts sogar zurückgeschraubt.
Bei den German Open in Hamburg etwa sank das Preisgeld von 2,95 Millionen US-Dollar in den Jahren 2000 und 2001 auf 2,58 Millionen im Jahr 2002 und 2,45 Millionen in den Folgejahren. Dem wirtschaftlich ohnehin kränkelnden Turnier in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle versetzte der ISL-Konkurs den endgültigen K.o., die Lizenz wurde nach Madrid verkauft.
Erst seit der Reform des ATP-Kalenders 2009, als die Turniere gemäß ihrer Wertigkeit und der für den Sieger vergebenen Weltranglistenpunkte in die Kategorien ATP Masters 1000, ATP 500 und ATP 250 eingestuft wurden, ist wieder ein Anstieg der Preisgelder festzustellen. Die Reform ging einher mit einem Rückschlag für die deutsche Turnierlandschaft. Die German Open in Hamburg verloren ihren Status in der höchsten Kategorie und ihren Termin im Mai an Madrid.
Die Spanier machten im Gegenzug ihren bisherigen Termin im Herbst frei für das neue ATP-Turnier in Shanghai und kauften noch dazu die WTA-Lizenz der German Open der Damen in Berlin. Die Madrid Open finden seither als kombiniertes ATP- und WTA-Turnier im Mai statt.
2012 sorgten die Spanier für Aufsehen, als sie die Sandplätze blau färbten. Dadurch sollte der gelbe Ball besser sichtbar werden, vor allem für die Zuschauer am TV – es blieb bei einer einmaligen Angelegenheit, nachdem sich die Spieler über die Rutschgefahr auf den Plätzen beschwerten.
Apropos Beläge: Schon mit Beginn des neuen Jahrtausends wurden bei den Hallenturnieren die Teppichböden peu à peu abgeschafft und durch Hartplätze ersetzt, ab 2009 untersagte die ATP den Untergrund wegen zu großer Verletzungsgefahr. Das letzte Teppichturnier auf der ATP-Tour fand im Oktober 2008 in Lyon statt, bei den Damen auf der WTA-Tour knapp zehn Jahre später im September 2018 in Quebec City.
1.8 DIE UNABHÄNGIGKEIT DER DAMEN
54.000 Französische Franc Siegprämie für den Roland-Garros-Gewinner von 1970, Jan Kodeš, nur 16.000 Französische Franc für die Roland-Garros-Gewinnerin von 1970, Margaret Court – bei den Spitzenspielerinnen machte sich Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre immer mehr Unzufriedenheit breit über die ihrer Meinung nach ungerechte Verteilung der Preisgelder. Sie fanden Gehör bei Gladys Heldman, der Herausgeberin des Fachmagazins World Tennis.
Im September 1970 probten US-Star Billie Jean King als Wortführerin und acht weitere Spielerinnen den Aufstand. Statt beim Grand-Prix-Turnier in Los Angeles schlugen sie beim Virginia Slims Invitational in Houston auf, einem von Heldman kurzfristig organisierten und vom Tabakkonzern Philip Morris mit seiner Zigarettenmarke Virginia Slims gesponserten Einladungsturnier. Die Verantwortlichen des Weltverbandes und des US-Verbandes USLTA schäumten vor Wut und drohten den „Original Nine“, wie King und ihre Kolleginnen genannt wurden, mit Aussperrung vom Spielbetrieb.
Sie konnten die Entwicklung damit aber nicht aufhalten. Im Folgejahr fanden bereits 19 Virginia-Slims-Turniere statt, die mit einem Preisgeld von insgesamt 309.100 US-Dollar für die Spielerinnen deutlich lukrativer waren als die 17 Turniere im Grand-Prix-Circuit des Weltverbandes ILTF. Analog zur Spielervereinigung ATP der Herren rief Billie Jean King im Juni 1973 die Women’s Tennis Association (WTA) ins Leben.
Das Ambiente hatte einen würdigeren Rahmen als bei den Herren das Treppenhaus der Clubanlage in New York: Mehr als 60 Spielerinnen wohnten in der Woche vor dem Wimbledonturnier der Gründungsversammlung im Gloucester Hotel in London bei. Zwei Monate später zahlten die US Open als erstes Grand-Slam-Turnier den Damen das gleiche Preisgeld wie den Herren, die Siegerin erhielt ebenso 25.000 US-Dollar wie der Sieger.
Von 1971 bis 1974 präsentierte sich der internationale Spielkalender als Flickenteppich aus den Virginia-Slims-Turnieren der WTA, den Grand-Prix-Turnieren der ILTF, darunter den German Open am Hamburger Rothenbaum, und zahlreichen unabhängigen Events. Ab 1975 rauften sich WTA, ILTF und führende Turnierorganisatoren zusammen und bildeten das Women’s International Professional Tennis Council (WIPTC). Die WTA-Turniere fanden nun von Januar bis März in den USA statt, der Rest des Jahres gehörte den Grand-Prix- und unabhängigen Turnieren.
Im gleichen Jahr führte die WTA die offizielle Damenweltrangliste ein. Analog zu den Herren wurden fortan die Leistungen in den vorangegangenen 52 Kalenderwochen bewertet. Die US-Amerikanerin Chris Evert wurde zur ersten Nummer eins.
Die Turnierserien von WTA und ILTF (ab 1977 ITF) trugen im Laufe der Jahre verschiedene Sponsorennamen und richteten von 1977 bis 1982 ihre eigenen Saisonabschlussturniere im März bzw. am Jahresende aus. 1983 verschmolzen sie zu einer gemeinsamen Tour mit 64 Events, das Namenspatronat übernahm wieder Virginia Slims. Nach Auslaufen des Sponsoringvertrags wurde aus der Virginia Slims World Championship Series 1990 die World Tour. Seit 1995 organisieren die WTA und die Turnierveranstalter die WTA Tour, wie man sie heute kennt. Bei den vier Grand-Slam-Turnieren kassieren die Damen längst Preisgelder in gleicher Höhe wie die Herren.
2
DIE ORGANISATION
Rund 87 Millionen Menschen greifen nach Angaben des Weltverbandes ITF regelmäßig zum Schläger und zur Filzkugel. Tennis ist damit eine der meistverbreiteten Sportarten weltweit. Der globale Spielbetrieb ist in mehrere Ebenen gegliedert.
Höchstes Organ ist der Weltverband ITF, dem 211 nationale Verbände angehören, darunter der Deutsche Tennis Bund (DTB). Wichtigste Organisationen im Profitennis sind die Spielervereinigungen ATP bei den Herren und WTA bei den Damen. ITF, ATP und WTA regeln den weltweiten Turnierkalender.
2.1 ITF – INTERNATIONAL TENNIS FEDERATION
Der Weltverband wurde 1913 in Paris von 15 nationalen Verbänden, darunter dem deutschen, unter den Namen Fédération Internationale de Lawn Tennis (FILT) und englisch International Lawn Tennis Federation (ILTF) gegründet. Zehn Jahre später, nach dem Beitritt des amerikanischen Verbandes United States National Lawn Tennis Association, vereinheitlichte die ILTF den internationalen Spielkalender: Die vier großen Turniere in Australien (Australasian Championships), Paris (Championnats Internationaux de France de Tennis), London-Wimbledon (The Championships) und New York (US National Championships) wurden zu Majors ernannt.
Zudem veröffentlichte die ILTF offizielle Tennisregeln. Mit Beginn der Open Era 1968 nahmen die Turniere in Australien und den USA die Bezeichnung Open in ihren Titel auf. Erst 1977 strich der Verband das L für Lawn (aus dem Englischen: Rasen) aus seinem Namen.
Heute besteht die ITF aus 211 nationalen Verbänden und hat ihren Hauptsitz im Londoner Stadtteil Roehampton. Präsident ist seit 2015 der US-Amerikaner David Haggerty.
Unter dem Dach der ITF finden folgende Turniere und Wettbewerbe statt:
die vier Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris, London-Wimbledon und New York
die Mannschaftswettbewerbe Davis Cup, Billie Jean King Cup und Hopman Cup
die Tennisturniere bei den Olympischen Spielen und den Paralympischen Spielen
die untergeordneten Profiserien ITF Men’s World Tennis Tour und ITF Women’s World Tennis Tour mit über 1000 Turnieren in mehr als 100 Ländern
die Nachwuchsserie ITF World Tennis Tour Juniors, im Volksmund ITF Junior Circuit, für Spieler bis maximal 18 Jahre mit über 650 Turnieren in mehr als 100 Ländern
die Seniorenserie ITF Seniors Tour für Spieler in den Altersklassen Jungsenioren (35 bis 49 Jahre), Senioren (50 bis 64 Jahren) und Supersenioren (über 65 Jahre) mit über 450 Turnieren in mehr als 70 Ländern
die ITF Wheelchair Tennis Tour für Rollstuhlfahrer mit über 150 Turnieren in mehr als 40 Ländern
die ITF Beach Tennis Tour mit mehr als 300 Turnieren in knapp 40 Ländern.
2.2 ATP – ASSOCIATION OF TENNIS PROFESSIONALS
Die ATP ist die Vereinigung der männlichen Profispieler. Gemeinsam mit den Organisatoren vor Ort veranstaltet sie jährlich 60 bis 70 Turniere auf der ATP Tour, dazu die ATP Finals und die Next Gen ATP Finals am Jahresende, die untergeordnete Turnierserie ATP Challenger Tour, die Seniorenserie ATP Champions Tour und seit 2020 den Mannschafts-Wettbewerb ATP Cup. Zudem pflegt die ATP die seit 1973 wöchentlich erscheinende Weltrangliste und die seit 2000 existierende Racewertung, die über die Qualifikation für das Saisonabschlussturnier entscheidet.
Der Hauptsitz der ATP befindet sich im Londoner Stadtteil Kensington. Weitere Büros betreibt sie im südenglischen Elmbridge (ATP Media), in Monaco (ATP Europe), in Ponte Vedra Beach/Florida (ATP Amerika) und in Sydney (ATP International Group).
Die ATP wurde im September 1971 in New York als Interessensvertretung der Berufsspieler gegründet. Der südafrikanische Profi Cliff Drysdale übernahm den Vorsitz, der ehemalige Weltklassespieler Jack Kramer (USA) wurde Executive Director. Bereits kurze Zeit später ließ die ATP die Muskeln spielen, als sie die Spieler zum Boykott des Wimbledonturniers 1973 aufrief.
Hintergrund: Der Weltverband ILTF hatte einem Antrag – man kann auch sagen Erpressungsversuch – des jugoslawischen Verbandes zugestimmt, den Spieler Nikola Pilić von den Grand-Prix-Turnieren auszuschließen, weil dieser nicht im Davis-Cup-Duell seines Heimatlandes gegen Neuseeland antreten wollte. Über 80 Spieler kamen dem Boykottaufruf nach.
Im August des gleichen Jahres führte die ATP die offizielle, fortan wöchentlich erscheinende Weltrangliste ein, nach der die Leistungen der Profis in den jeweils 52 vorangegangenen Kalenderwochen bewertet werden. Ab 1974 bildeten Vertreter von ATP und ILTF das Men’s International Professional Tennis Council (MIPTC), das den Grand-Prix-Circuit veranstaltete. Zwei Jahre später kamen die Turnierorganisatoren hinzu.
Die immer größer werdende Unzufriedenheit der Profis über die Vermarktung der Turniere und die Verteilung der Erlöse, insbesondere bei den vier Majors, führte 1988 zum Bruch innerhalb des MIPTC. Bei einer improvisierten Pressekonferenz auf einem Parkplatz während der US Open verkündete ATP-Geschäftsführer Hamilton Jordan, dass die Spielervereinigung ab 1990 in Kooperation mit den Turnierveranstaltern eine eigene Serie auf die Beine stellen werde: Die ATP Tour, wie man sie heute kennt, war geboren.
Die Profis freuten sich über einen Anstieg der Preisgelder um 50 Prozent und eine mehrwöchige Pause am Jahresende. Von 2009 bis 2018 trug die Turnierserie den Namen ATP World Tour, ehe sie wieder zur ursprünglichen Bezeichnung zurückkehrte. Die Organisationsstruktur besteht aus einem siebenköpfigen Board of Directors, dem neben dem Chairman drei Turnier- und drei Spielervertreter angehören, dem elfköpfigen Player Council und dem 13-köpfigen Tournament Council. Chairman ist seit Januar 2020 der italienische Ex-Profi Andrea Gaudenzi.
2.3 WTA – WOMEN’S TENNIS ASSOCIATION
Die WTA ist das weibliche Pendant zur ATP. Die Vereinigung der weiblichen Profispielerinnen wurde knapp zwei Jahre nach der ATP im Juni 1973 gegründet, US-Starspielerin Billie Jean King wurde als treibende Kraft der Damentennisbewegung zur ersten Präsidentin gewählt.
Bereits zwei Monate später zahlten die US Open als erstes Grand-Slam-Turnier den Damen das gleiche Preisgeld wie den Herren. Ab 1975 bildeten Vertreter der WTA und des Weltverbandes ILTF mit führenden Turnierorganisatoren das Women’s International Professional Tennis Council (WIPTC), das sich fortan um den Spielkalender kümmerte.
Die WTA-Turniere fanden nun von Januar bis März in den USA statt, der Rest des Jahres gehörte den Grand-Prix- und unabhängigen Turnieren. Im gleichen Jahr führte die WTA die offizielle Damenweltrangliste ein, analog zu den Herren wurden fortan die Leistungen in den vorangegangenen 52 Kalenderwochen bewertet. 1983 verschmolzen die WTA- und die Grand-Prix-Turniere zu einer gemeinsamen Tour.
Seit 1995 richten die Spielerinnenvereinigung und die Turnierveranstalter die WTA Tour mit jährlich rund 60 Turnieren aus, hinzu kommen die WTA Finals und die WTA Elite Trophy am Jahresende sowie die untergeordnete WTA 125 K Series. Neben der Damenweltrangliste pflegt die WTA das seit 2017 existierende Porsche Race to Singapur bzw. Shenzhen, das über die Qualifikation zu den WTA Finals entscheidet.
WTA-Präsidentin ist seit 2014 die US-amerikanische Sportmanagerin Micky Lawler, ihr Landsmann Steve Simon übernahm ein Jahr später die Geschäftsführung. Der Hauptsitz der WTA befindet sich in St. Petersburg/Florida, sie unterhält zudem Büros in London, Peking und Hongkong.
2.4 KONTINENTALVERBÄNDE/TENNIS EUROPE
Die Kontinentalverbände im Tennis nehmen im Profibereich im Vergleich zu anderen Sportarten, etwa der UEFA im Fußball, eine Nebenrolle ein. Es existieren sechs Kontinentalverbände:
Asian Tennis Federation mit Sitz in New Delhi/Indien
Confederacion de Tenis de Centroamerica Caribe mit Sitz in Santo Domingo/Dominikanische Republik
Confederacion Sudamericana de Tenis mit Sitz in Asunción/Paraguay
Confederation of African Tennis mit Sitz in Tunis/Tunesien
Oceania Tennis Federation mit Sitz in Auckland/Neuseeland
Tennis Europe mit Sitz in Basel/Schweiz.
Besonderheit: Die nationalen Verbände der USA (United States Tennis Association/USTA) und Kanada (Tennis Canada) gehören keinem der sechs Kontinentalverbände an.
Tennis Europe wurde am 31. Mai 1975 in Rom von 17 nationalen Verbänden unter dem Namen European Tennis Association gegründet und kümmert sich in erster Linie um die Nachwuchsförderung, den Breitensport und die Entwicklungshilfe.
Tennis Europe organisiert jährlich rund 1200 Veranstaltungen: von Turnieren und Meisterschaften in den Altersklassen U15 bis Ü70, den Turnieren der ITF Men’s World Tennis Tour und der ITF Women’s World Tennis Tour auf europäischem Boden bis hin zu den Europameisterschaften im Beachtennis. Die europäische Dachorganisation (2002 erfolgte die Namensänderung) umfasst mittlerweile 50 nationale Mitgliedsverbände wie unter anderem den Deutschen Tennis Bund (DTB).
2.5 DTB – DEUTSCHER TENNIS BUND
Der Deutsche Tennis Bund wurde am 19. Mai 1902 im Berliner Palasthotel am Leipziger Platz als Deutscher Lawn Tennis Bund (DLTB) ins Leben gerufen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1949 unter seinem heutigen Namen Deutscher Tennis Bund (DTB) neu gegründet. Die Mitgliederzahlen entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte von 74.113 (1949), 179.947 (1959), 330.624 (1969), 1,14 Millionen (1979) bis hin zu 2,03 Millionen (1989) kontinuierlich nach oben. Der Rekord war 1994 mit 2,3 Millionen Mitgliedern erreicht. Seither nivelliert sich das Interesse.
Gegenwärtig ist der DTB mit 1,37 Millionen Mitgliedern, darunter 355.664 Jugendlichen bis 18 Jahre, noch immer der größte nationale Tennisverband der Welt und national hinter dem Deutschen Fußball-Bund und dem Deutschen Turner-Bund der drittgrößte deutsche Sportdachverband – weit vor den Organisationen der Leichtathleten (0,79 Millionen Mitglieder), der Handballer (0,75 Mio.), der Golfer (0,64 Mio.) oder der Schwimmer (0,57 Mio.).
In 8946 Vereinen oder Abteilungen wird die Sportart ausgeübt, nur für Fußballer, Turner und Schützen gibt es ein noch größeres Angebot. Insgesamt sind beim DTB knapp 46 000 Tennisplätze registriert, davon rund 40 600 im Freien und 5400 in Hallen. Diese Angabe ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da Traglufthallen teilweise als Frei- und zusätzlich als Hallenplätze erfasst werden (alle Zahlen Stand 2019). Hinzu kommen unzählige, nicht organisierte Tennisspieler sowie Plätze in kommerziellen Sportanlagen.
Der Verband wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geführt. Um die Organisation kümmern sich in der Geschäftsstelle am Hamburger Rothenbaum über 20 Angestellte, angeführt von Erik Krzemien (Verwaltungsdirektor) und Ex-Profi Klaus Eberhard (Sportdirektor). Das Präsidium besteht aus dem Präsidenten und sechs Vizepräsidenten, die jeweils einem der folgenden Ressorts vorstehen:
Ressort II (Haushalt und Finanzen)
Ressort III (Spitzensport, Ausbildung und Training)
Ressort IV (Jugendsport)
Ressort V (Wettkampfsport)
Ressort VI (Sportentwicklung)
Ressort VII (Recht und Vermarktung).
Ressort I (Medien- und Öffentlichkeitsarbeit) gehört nicht zum Präsidium.
Präsidenten des DTB seit dessen Gründung waren Carl August von der Meden aus Hamburg (1902 bis 1911), Emil Bartels aus Braunschweig (1911 bis 1925), Gerhard Weber aus Hamburg (1925 bis 1934), Wilhelm Schomburgk aus Leipzig (1934 bis 1937), Erich Schönborn aus Wesel (1937 bis 1945), Richard Stephanus aus Hannover (1949 bis 1951), Max Stahl aus Stuttgart (1951 bis 1952), Jost Henkel aus Düsseldorf (1952 bis 1958), Franz Helmis aus Nürnberg (1958 bis 1967), Fritz Kütemeyer aus Hannover (1967 bis 1973), Eduard H. Dörrenberg aus Düsseldorf (1973 bis 1975), Walther Rosenthal aus Berlin (1975 bis 1985), Claus Stauder aus Essen (1985 bis 1999), Karl Weber aus Köln (1999), Georg Freiherr von Waldenfels aus Hof/Saale (1999 bis 2011), Karl-Georg Altenburg aus Mühlheim/Ruhr (2011 bis 2014) und Ulrich Klaus aus Koblenz (2014 bis 2021). Seit Anfang 2021 steht Dietloff von Arnim aus Düsseldorf an der Spitze.
Das Präsidium wird alle drei Jahre auf der Mitgliederversammlung von den 17 Landesverbänden gewählt. Die Landesverbände sind aus historischen Gründen nicht strikt nach Bundesländern geordnet. So hat das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen gleich drei Landesverbände, Baden-Württemberg hat deren zwei, Brandenburg und Berlin sind zu einem Landesverband zusammengefasst. 2018 fusionierten der Niedersächsische Tennisverband und der Tennisverband Nordwest zum Tennisverband Niedersachsen-Bremen e.V.
Größter Landesverband ist der Bayerische Tennis-Verband e.V. mit 298.251 Mitgliedern (davon 79.048 Jugendlichen), 2015 Vereinen oder Abteilungen und 9096 Plätzen. Kleinster Landesverband ist der Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. mit 4148 Mitgliedern (davon 1374 Jugendliche), 40 Vereinen oder Abteilungen und 222 Plätzen (alle Zahlen Stand 2019).
Die 17 Landesverbände sind wiederum in einzelne Bezirke unterteilt. Pro Vereinsmitglied führen die Landesverbände einen jährlichen Beitrag an den DTB ab, zuletzt war dies 1,60 Euro pro Erwachsenen und 85 Cent pro Jugendlichen.
Die 17 Landesverbände:
Badischer Tennisverband e.V.
Bayerischer Tennis-Verband e.V.
Tennis-Verband Berlin-Brandenburg e.V.
Hamburger Tennis-Verband e.V.
Hessischer Tennis-Verband e.V.
Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Tennisverband Mittelrhein e.V.
Tennis-Verband Niederrhein e.V.
Tennisverband Niedersachsen-Bremen e.V.
Tennisverband Rheinland-Pfalz e.V.
Saarländischer Tennisbund e.V.
Sächsischer Tennis Verband e.V.
Tennisverband Sachsen-Anhalt e.V.
Tennisverband Schleswig-Holstein e.V.
Thüringer Tennis-Verband e.V.
Westfälischer Tennis-Verband e.V.
Württembergischer Tennis-Bund e.V.
Erstmals 1921 richtete der damalige DLTB die nach seinem zehn Jahre zuvor verstorbenen Gründungspräsidenten Carl August von der Meden benannten Medenspiele aus, die noch heute unter dem gleichen Namen firmierenden Mannschaftswettbewerbe der Vereine bei Damen, Herren und Jugendlichen. Erster Gewinner bei den Herren wurde der TC 1899 Blau-Weiss Berlin, der im Endspiel in Wiesbaden den Leipziger Sport Club mit 5:4 Siegen bezwang.
Heute ist der Spielbetrieb nach dem Tannenbaumsystem in verschiedene Ebenen unterteilt:
Die Bundesebene wird vom DTB organisiert und umfasst acht Ligen:
Bundesliga Herren (10 Mannschaften)
Bundesliga Damen (7 Mannschaften)
Zweite Bundesliga Herren Nord (9 Mannschaften)
Zweite Bundesliga Herren Süd (9 Mannschaften)
Zweite Bundesliga Damen Nord (7 Mannschaften)
Zweite Bundesliga Damen Süd (5 Mannschaften)
Bundesliga Herren 30 Nord (7 Mannschaften)
Bundesliga Herren 30 Süd (7 Mannschaften).
Die Regionalebene ist eine Kooperationsebene der jeweils beteiligten Landesverbände und umfasst bei Damen und Herren in verschiedenen Altersklassen (bis Damen 65 und bis Herren 80) vier Regionen:
die Regionalligen West mit Teilnehmern aus Mittelrhein, Niederrhein, Westfalen
die Regionalligen Südost mit Teilnehmern aus Bayern, Sachsen, Thüringen
die Regionalligen Südwest mit Teilnehmern aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden, Württemberg. In dieser Region, die fünf Landesverbände umfasst, gibt es in vielen Altersklassen als Regionalligaunterbau zusätzlich die Südwestligen Nord und Südwestligen Süd
die Regionalligen Nordost mit Teilnehmern aus Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen-Bremen, Sachsen-Anhalt. In dieser Region, die sechs Landesverbände umfasst, gibt es zusätzlich als Regionalligaunterbau noch Nordligen und Ostligen.
Bei der Landesverbands- und Bezirksebene variieren die Struktur, die Ligenbezeichnungen, die Anzahl der Altersklassen und die Anzahl der beteiligten Mannschaften von Landesverband zu Landesverband und von Bezirk zu Bezirk. Der Bayerische Tennis-Verband beispielsweise verwaltet die Bayernligen und die Landesligen, darunter folgt die Bezirksebene. Der Westfälische Tennis-Verband verwaltet die Westfalenligen und Verbandsligen, darunter folgt die Bezirksebene. Dort lauten die üblichen Bezeichnungen Bezirksoberliga, Bezirksliga, Bezirksklasse, Kreisliga und/ oder Kreisklasse. Auf Landesverbands- und Bezirksebene sind auch die Jugendligen von U8 bis zu U18 angesiedelt. Alle Ebenen und Ligen sind durch Auf- und Abstieg miteinander verzahnt.
Die Medenspiele finden im Sommer von Mai bis Juli auf Sandplätzen im Freien statt (Sommerrunde). Eine Liga besteht in der Regel aus sechs bis acht Mannschaften, die einmal gegeneinander antreten. Es werden vier oder sechs Einzel gespielt, in denen der erstgesetzte Spieler der einen Mannschaft gegen den erstgesetzten Spieler der anderen Mannschaft antritt, der Zweitgesetzte gegen den Zweitgesetzten, der Drittgesetzte gegen den Drittgesetzten usw.
Die zwei oder drei Doppel dürfen frei zusammengestellt werden, hier sind auch weitere Spieler einsatzberechtigt, die in den Einzeln nicht zum Einsatz kamen. Entscheidendes Kriterium für die Setzliste sind die jeweils gültigen DTB-Ranglisten und/oder Leistungsklassen (mehr dazu in Kap. 6).
Am Ende der Sommersaison veranstaltet der DTB die deutschen Vereinsmeisterschaften in den Altersklassen Damen 30, 40, 50 und 60 sowie Herren 40, 50, 55, 60, 65, 70 und 75. An verschiedenen Standorten treffen die jeweils besten Teams der Regionen West, Südwest, Südost und Nordost in Turnierform aufeinander und ermitteln die deutschen Vereinsmeister ihrer Altersklassen. In vielen Verbänden und Bezirken werden auch sogenannte Winterrunden unter dem Hallendach organisiert, die allerdings einen geringeren Stellenwert besitzen.
Als Große Spiele werden die Mannschaftsmeisterschaften der 17 Landesverbände bezeichnet. In sieben Altersklassen treten die Auswahlmannschaften der Landesverbände gegeneinander an und ermitteln den Deutschen Meister der Verbände. Gespielt wird je nach Altersklasse in unterschiedlichen Formaten. In den einzelnen Altersklassen sind die Großen Spiele nach früheren DTB-Präsidenten oder sonstigen Persönlichkeiten des Tennissports benannt:
Große Henner-Henkel-Spiele: für Junioren bis 15 Jahre; erstmalig 1950 ausgetragen; gespielt werden zwei Einzel und ein Doppel
Große Cilly-Aussem-Spiele: für Juniorinnen bis 15 Jahre; erstmalig 1965 ausgetragen; gespielt werden zwei Einzel und ein Doppel
Große Meden- und Poensgenspiele: für Aktive (Damen und Herren); entstanden 2006 durch den Zusammenschluss der seit 1948 ausgetragenen Großen Medenspiele der Herren und der Poensgenspiele der Damen, die nach Ernst Poensgen, dem Gründer des Rochusclubs in Düsseldorf, benannt wurden, gespielt werden zwei Dameneinzel, zwei Herreneinzel und ein Mixed
Große Franz-Helmis-Spiele: für Damen 30 und Herren 30; der Wettbewerb trägt seit 1988 diesen Namen; gespielt werden zwei Dameneinzel, zwei Herreneinzel und ein Mixed
Große Walther-Rosenthal-Spiele: für Damen 40 und Herren 40; der Wettbewerb trägt seit 1988 diesen Namen; gespielt werden drei Dameneinzel, drei Herreneinzel, ein Damendoppel, ein Herrendoppel und ein Mixed
Große Schomburgk-Spiele: für Damen 50 und Herren 50; der Wettbewerb trägt seit 1988 diesen Namen; gespielt werden drei Dameneinzel, drei Herreneinzel, ein Damendoppel, ein Herrendoppel und ein Mixed
Große Fritz-Kuhlmann-Spiele: für Damen 60 und Herren 60; der Wettbewerb trägt seit 1988 diesen Namen; gespielt werden drei Dameneinzel, drei Herreneinzel, ein Damendoppel, ein Herrendoppel und ein Mixed
Große Werner-Mertins-Spiele: für Damen 70 und Herren 70; erstmalig 2011 ausgetragen; gespielt werden zwei Dameneinzel, drei Herreneinzel, ein Herrendoppel und ein Mixed.
Grundsätzlich unterscheidet die Wettspielordnung des DTB die Altersklassen in die Bereiche Jugend, Aktive und Senioren. Diese setzen sich wie folgt zusammen:
Jugendbereich:
U10 (10 Jahre und jünger)
U11 (11 Jahre und jünger)
U12 (12 Jahre und jünger)
U14 (14 Jahre und jünger)
U16 (16 Jahre und jünger)
U18 (18 Jahre und jünger)
Einsatzberechtigt sind Spieler, die das entsprechende Lebensjahr am 31. Dezember des Vorjahres noch nicht vollendet haben. Jüngere Spieler dürfen in einer höheren Altersklasse antreten, aber nicht umgekehrt. In vielen Landesverbänden gibt es zusätzlich die Altersklassen U8 und U9, in denen auf Kleinfeld bzw. Midcourt gespielt wird. Die Altersklasse U12 wird gewöhnlich als Bambini bezeichnet, die U14 als Mädchen bzw. Knaben und die U18 als Juniorinnen bzw. Junioren.
Aktivenbereich (Damen, Herren):
Hier sind alle Spieler einsatzberechtigt, die im Laufe des Veranstaltungsjahres mindestens 13 Jahre alt werden. Eine Unterkategorie bilden die weiblichen und männlichen U21-Spieler.
Seniorenbereich:
Damen 30 / Herren 30
Damen 40 / Herren 40
Damen 50 / Herren 50
Damen 55 / Herren 55
Damen 60 / Herren 60
Damen 65 / Herren 65
Damen 70 / Herren 70
Damen 75 / Herren 75
Herren 80
Hier bezeichnen die Altersangaben das Lebensjahr, das im Laufe des Veranstaltungsjahres vollendet sein muss. Dies bedeutet, dass beispielsweise ein 49-Jähriger bereits bei den Herren 50 eingesetzt werden darf. Ältere Spieler dürfen in jüngeren Altersklassen antreten, aber nicht umgekehrt. Damen 30 und Herren 30 werden umgangssprachlich auch als Jungseniorinnen bzw. Jungsenioren bezeichnet.
Der Deutsche Tennis Bund führt auch die DTB-Ranglisten in allen Altersklassen, beginnend mit der U12 im Jugendbereich. Bei den Senioren gibt es zusätzliche Ranglisten für Damen 80, Damen 85 und für Herren 85. Die Ranglisten werden viermal im Jahr zu den Stichtagen 31. Dezember, 31. März, 30. Juni und 30. September berechnet und veröffentlicht. Sie beziehen sich jeweils auf die Resultate aus den zwölf Monaten vor dem Stichtag.
Darmowy fragment się skończył.