Czytaj książkę: «Der Sonnenweg des Yoga»

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Leben

ist

Yoga

“All life is Yoga.” – Sri Aurobindo

Der Sonnenweg des Yoga

Sri Aurobindo | Die Mutter


SRI AUROBINDO BHAVAN

BERCHTESGADENER LAND


Copyright 2020

AURO MEDIA

Verlag und Fachbuchhandel

Wilfried Schuh

Deutschland

www.sriaurobindo.center

www.auro.media

ALLES LEBEN IST YOGA

Der Sonnenweg des Yoga Auszüge aus den Werken von Sri Aurobindo und der Mutter 1. Ausgabe 2020 ISBN 978-3-96387-066-8


© Fotos und Textauszüge Sri Aurobindos und der Mutter:

Sri Aurobindo Ashram Trust

Puducherry, Indien


Blume auf dem Cover:

Lupinus. Alle Farben. Die von der Mutter gegebene spirituelle Bedeutung: Etappen zum Höchsten Wir werden durch alle notwendigen Etappen gehen, aber wir werden ankommen.

Anmerkung des Herausgebers

Einfache Auszüge aus den Werken Sri Aurobindos und der Mutter sollen für die Sadhana eine praktische Orientierung zu bestimmten Themen geben. Die Themen behandeln das gesamte Feld menschlicher Aktivitäten, denn wahre Spiritualität ist nicht eine Abkehr vom Leben, sondern die Kunst, das Leben zu vervollkommnen.

Die Übersetzung der Textstellen von Sri Aurobindo erfolgte aus dem ursprünglichen Englisch, während die meisten Passagen der Mutter bereits Übersetzungen aus dem Französischen waren. Fast alle Texte der Mutter wurden ihren Gesprächen, die sie mit Kindern und Erwachsenen führte, entnommen, einige ihren Schriften. Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass die Auszüge ihrem ursprünglichen Zusammenhang entnommen wurden und dass jede Zusammenstellung ihrer Natur nach möglicherweise einen persönlichen und subjektiven Charakter hat. Es wurde jedoch der aufrichtige Versuch unternommen, der Vision Sri Aurobindos und der Mutter treu zu bleiben.

Die Textauszüge sind vom Verlag zum Teil mit Kapiteln und Überschriften versehen worden, um ihre Themen hervorzuheben. Sofern es möglich war, wurden sie in Anlehnung eines Satzes aus dem Text selbst gewählt.

Sri Aurobindo und die Mutter machen von der in der englischen Sprache gegebenen Möglichkeit, Wörter groß zu schreiben, um ihre Bedeutung hervorzuheben, häufig Gebrauch. Mit dieser Großschreibung bezeichnen sie meist Begriffe aus übergeordneten Daseinsbereichen, doch auch allgemeine wie Licht, Friede, Kraft usw., wenn sie ihnen einen vom üblichen Gebrauch abweichenden Sinn zuordnen. Diese Begriffe wurden in diesem Buch kursiv hervorgehoben, um dem Leser zu einer leichteren Einfühlung in diese subtilen Unterscheidungen zu verhelfen.

Eckige Klammern bezeichnen Einfügungen des Übersetzers, die um des besseren Verständnisses willen angebracht erschienen. Einige wenige Sanskritwörter wie Sadhana, Sadhaka, Yoga usw. wurden eingedeutscht, da sie durch ihren häufigen Gebrauch bereits als Bestandteil der deutschen Sprache angesehen werden können. Alle anderen Sanskritwörter sind kursiv hervorgehoben, wobei auf diakritische Transkriptionszeichen verzichtet wurde.

Die kursiv geschriebenen Textpassagen vor den Worten Sri Aurobindos und der Mutter sind Fragen bzw. Antworten von Schülern oder sonstige erläuternde Texte.

„Wahre Spiritualität bedeutet nicht, dem Leben zu entsagen, sondern das Leben mit einer Göttlichen Vollkommenheit zu vollenden.“ – Die Mutter

* * *

InhaltTitelseiteCopyrightAnmerkung des HerausgebersI. ANMERKUNGEN DER WEGBEREITERZitate1. Die Stunde Gottes2. Das Gesetz des Weges3. Dies ist deine Aufgabe, das Ziel deines Seins4. Die Last der Menschheit5. Die Vorbereitung des sonnenhellen Pfades6. Bedingungen, um dem sonnenhellen Pfad zu folgen7. Der Pfad des Integralen Yoga – ein spirituelles Abenteuer8. Der Pfad9. Der Sonnenweg zur Göttlichen GnadeII. MACHE DEINEN TÄGLICHEN WEG ZUR PILGERREISEZitat1. Der Ruf2. Der Wert der Erziehung3. Moral, Religion, Yoga4. Hingabe, Selbstdarbringung, Demut5. Aufrichtigkeit, Schwäche, Willenskraft6. Andere Menschen und Kräfte7. Mut, Ausdauer, Bemühung8. Empfänglichkeit und Aspiration9. Konzentration, Meditation, Arbeit10. Das Göttliche Werk11. Frieden und Ruhe12. Der Geist und das seelische Wesen13. Ego und Selbsthingabe14. Glaube und Gnade15. Seine Gedanken kontrollieren16. Mental und Sinne entwickeln17. Weltliche Angelegenheiten18. Worte, Meinungen, Urteile19. Tugend, Reinheit, Freiheit20. Bemühung, Geduld, Fortschritt21. Das Göttliche, die Welt und der MenschIII. DIE ODYSSEE DES SEELISCHEN WESENSZitat1. Einführung2. Die Weiten und Tiefen unserer seelischen Komplexität3. Das Erwachen4. Der Einfluss der seelischen Präsenz5. Leben nach dem Tod und Wiedergeburt6. Geburtsstätte des seelischen Wesens in der Welt-Seele7. Die beiden Dimensionen des seelischen Wachstums8. Das Abenteuer in der Unwissenheit9. Die Odyssee des seelischen Wesens auf dem Ozean des Nichtbewussten10. Der zentrale Konflikt des seelischen Wesens11. Die Göttliche Mutter und das seelische Wesen12. Das seelische Wesen ruft die Göttliche Mutter, sich in der Materie zu offenbarenANHANGQuellenangabenGuideCoverInhaltsverzeichnisStart

Teil I

Das spirituelle Bewusstsein und das spirituelle Leben sind äußerst schwierig zu erreichen. Es bedarf eines tiefen und starken Rufes und der Hinwendung aller Energien zu dem einen Ziel, um überhaupt zu einem vollen spirituellen Erfolg, Siddhi, zu gelangen. Selbst diejenigen, die sich von allen Bindungen gelöst haben, finden es schwierig, nicht in einem doppelten Bewusstsein zu leben, das eine nach innen gerichtet und dem spirituellen Wandel zugewandt, das andere, das immer noch an die gewöhnlichen Regungen gekettet ist und sie aus ihrer spirituellen Erfahrung in den hartnäckigen und ungebändigten Gang der niederen Natur herunterzieht. Wenn man nicht vollständig und ungeteilt für diesen spirituellen Weg berufen ist, ist es besser, den Schritt nicht zu wagen, es sei denn, man ist auf sehr bittere innere Kämpfe, große Schwierigkeiten und Rückfälle und einen beschwerlichen und zweifelhaften Fortschritt vorbereitet. In diesem Fall ist es besser, sich durch Meditation und Konzentration vorzubereiten, während man noch in der Familie und dem üblichen menschlichen Leben verbleibt, bis die spirituelle Anziehungskraft stark genug ist, um alles andere zu überschatten und zu zerstören.

Du sprichst davon, ein höheres Leben führen zu wollen, um dich für den Dienst an anderen zu rüsten. Aber ein höheres Leben zu führen ist eine vage mentale Floskel, und das Ziel des Yoga besteht nicht im Dienst an anderen. Das Ziel des Yoga ist es, in ein völlig neues Bewusstsein einzutreten, in dem du nicht mehr im mentalen Bewusstsein und im Ego, sondern im göttlichen Bewusstsein lebst und in die wahre, innerste Wahrheit deines Wesens über dem Mental, Leben und Körper hineinwächst. Das Ziel der meisten Yogawege ist es, sich ganz aus dem Leben in diese höhere Existenz zurückzuziehen. In Sri Aurobindos Yoga geht es darum, Mental, Leben und Körper in einen Ausdruck dieser göttlichen Wahrheit zu transformieren und sowohl das äußere als auch das innere Leben dazu zu bringen, diese Wahrheit zu verkörpern – ein viel schwierigeres Unterfangen. Aus diesem höheren Bewusstsein heraus zu handeln, wird zur einzigen Lebensregel, die alle anderen Dharmas aufgibt. Nicht dem eigenen Ego oder anderen zu dienen, sondern der Göttlichen Shakti zu dienen und das Instrument ihrer Werke zu sein, ist das Gesetz dieses Lebens. – Sri Aurobindo

* * *

Ich hatte eine deutliche Vision dieser zwei Gegensätze in der Natur (und auch im Leben), die beinahe jeder in sich trägt: der eine ist die Möglichkeit der Verwirklichung, und der andere ist der Weg, den man wählt, um sie zu erreichen. Dabei gibt es immer (wahrscheinlich ist das unvermeidlich) den Weg des Kampfes und den sonnenhellen Pfad. Nach langem Forschen und Studieren hatte ich etwas wie einen „spirituellen Ehrgeiz“ (wenn man es so nennen kann), der Welt einen sonnenhellen Pfad aufzuzeigen, um die Notwendigkeit des Leidens und Kämpfens zu beseitigen: etwas, das danach strebt, diese gegenwärtige Phase der universalen Evolution durch eine weniger schmerzhafte Phase zu ersetzen. – Die Mutter

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Kapitel 1
Die Stunde Gottes

Worte Sri Aurobindos

Es gibt Zeiten, in denen der Geist unter den Menschen weilt und der Atem des Herrn auf den Wassern unseres Seins umgeht; es gibt andere, in denen er sich zurückzieht und es den Menschen überlassen bleibt, in der Kraft oder der Schwäche ihrer eigenen Selbstsucht zu handeln. Die ersten sind Zeiträume, in denen schon eine geringe Anstrengung zu großen Ergebnissen führt und das Schicksal ändert; die zweiten sind Zeitspannen, in denen es vieler Mühe bedarf, um ein kleines Ergebnis zu zeitigen. Es ist wahr, dass letztere die ersteren vorbereiten können, dass sie der wenige Rauch des Opferfeuers sein mögen, der zum Himmel steigt und den Regen der Fülle Gottes herabruft. Unselig ist der Mensch oder die Nation, die, wenn die göttliche Stunde eintritt, schlafend angetroffen wird oder unvorbereitet, sie zu nutzen, weil die Lampe nicht gesäubert wurde zur Begrüßung und die Ohren taub sind für den Ruf. Aber dreimal wehe denen, die stark und bereit sind, doch die Kraft vergeuden oder die Stunde missbrauchen; diese trifft ein nicht wiedergutzumachender Verlust oder eine große Vernichtung.

In der Stunde Gottes läutere deine Seele von aller Selbsttäuschung und Scheinheiligkeit und eitler Selbstschmeichelei, damit du rückhaltlos in deinen Geist zu blicken und das zu vernehmen vermagst, wovon er aufgerufen wird. Jede Unaufrichtigkeit deiner Natur, die einmal deine Wehr gegen den Blick des Meisters und das Licht des Ideals war, wird nun zu einem Sprung in deiner Rüstung und fordert den Schlag heraus. Selbst wenn du für den Augenblick siegreich sein solltest, umso schlimmer ist es für dich, denn der Hieb wird später kommen und dich inmitten deines Triumphs zu Boden werfen. Doch bist du rein, weise alle Furcht von dir; denn die Stunde ist oft schrecklich, ein Feuer und ein Wirbelwind und ein Orkan, ein Treten der Kelter des göttlichen Zorns. Doch wer darin aufrecht stehen kann aufgrund der Wahrhaftigkeit seines Trachtens, der wird bestehen; selbst wenn er fiele, würde er sich wieder erheben; selbst wenn es so aussähe, als trügen ihn die Schwingen des Windes hinweg, würde er wiederkehren. Doch lass weltliche Klugheit dir nicht allzu nah ins Ohr flüstern, denn es ist die Stunde des Unerwarteten, des Unberechenbaren, des Unermesslichen. Messe nicht die Macht des Atems mit deinen unzulänglichen Instrumenten, sondern habe Vertrauen und gehe vorwärts.

Doch vor allem halte deine Seele, sei es auch nur für eine Weile, frei vom Lärm des Ego. Dann wird ein Feuer vor dir einhergehen in der Nacht, der Sturm wird dein Gehilfe sein, und deine Fahne wird auf der höchsten Höhe jener Herrlichkeit wehen, die es zu erobern galt.

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Kapitel 2
Das Gesetz des Weges

Worte Sri Aurobindos

Zuerst sei dir des Rufes sicher und der Antwort deiner Seele. Denn wenn es nicht der wahre Ruf ist, nicht die Berührung der Mächte Gottes oder die Stimme seiner Boten, sondern der Lockruf deines Ego, dann wird das Ende deiner Mühen ein erbärmliches spirituelles Fiasko oder gar ein tiefes Verhängnis sein.

Und wenn nicht die Leidenschaft der Seele, sondern nur die Zustimmung oder das Interesse deines Mentals auf den göttlichen Ruf antwortet, oder wenn es nur die Wünsche des niederen Lebens sind, die sich der einen oder anderen Annehmlichkeit unter den Früchten der Yogakraft oder der Yogafreude bemächtigen wollen, oder wenn bloß eine vorübergehende Gefühlsregung wie eine unstete Flamme aufflackert, angefacht von der Eindringlichkeit der Stimme oder ihrer Süße oder Erhabenheit, auch dann kann nur geringe Sicherheit für dich bestehen auf dem schweren Weg des Yoga.

Die äußeren Hilfsmittel des sterblichen Menschen haben nicht die Kraft, ihn durch die strengen Prüfungen dieser spirituellen Reise und titanischen inneren Schlacht zu tragen. Sie geben ihm nicht den Mut, seine schrecklichen oder hartnäckigen Feuerproben zu bestehen oder seinen subtilen und entsetzlichen Gefahren zu begegnen. Allein der erhabene und unbeugsame Wille seines Geistes und das nicht zu löschende Feuer der unbesiegbaren Inbrunst seiner Seele reichen für diese schwierige Umwandlung und dieses hohe, unmöglich scheinende Streben aus.

Bilde dir nicht ein, der Weg sei leicht. Der Weg ist lang, mühevoll, gefährlich und schwierig. Auf Schritt und Tritt lauert ein Hinterhalt, an jeder Wende eine Falle. Tausend sichtbare und unsichtbare Feinde werden sich gegen dich erheben, schrecklich in ihrer Hinterlist gegenüber deiner Unwissenheit, furchtbar in ihrer Macht gegenüber deiner Schwäche. Und wenn du sie unter Schmerzen vernichtet hast, werden sich tausend andere erheben, um ihren Platz einzunehmen. Die Hölle wird ihre Horden ausspeien, um sich dir zu widersetzen, dich zu umzingeln, zu verwunden und zu bedrohen. Der Himmel wird dir mit seinen erbarmungslosen Prüfungen und seinen kalt leuchtenden Verweigerungen begegnen. Du wirst dich allein gelassen finden in deiner Not, die Dämonen wütend auf deinem Pfad, die Götter ungeneigt über dir. Uralt und mächtig, grausam, unbesiegt und nah und unzählbar sind die dunklen und schrecklichen Gewalten, die von der Herrschaft der Nacht und der Unwissenheit profitieren und keine Änderung zulassen und feindselig sind. Ungerührt und bedächtig, fern und vereinzelt und kurz in ihrem Erscheinen sind die Leuchtenden, die willens sind oder denen es erlaubt ist, dir zu helfen. Jeder Schritt voran ist eine Schlacht. Es gibt schroffe Abstiege, es gibt nicht enden wollende Aufstiege, und es gilt immer höhere Gipfel zu erobern. Jede erklommene Ebene ist nur eine Etappe auf dem Weg und offenbart endlose Höhen darüber. Jeder Sieg, den du für den endgültigen Triumph deines Kampfes hältst, erweist sich als das Vorspiel zu hundert hitzigen und gefahrvollen Schlachten... Du aber sagst, Gottes Hand werde dich führen und nah sein die Göttliche Mutter mit ihrem hilfreichen und barmherzigen Lächeln? Und du weißt nicht, dass Gottes Gnade weit schwerer zu gewinnen und zu bewahren ist als der Nektar der Unsterblichen oder Kuveras unermessliche Schätze? Frage Seine Auserwählten, und sie werden dir sagen, wie oft der Ewige sein Antlitz vor ihnen verbarg, wie oft er sich ihnen entzog hinter seinem geheimnisvollen Schleier und wie sie sich allein in den Klauen der Hölle fanden, einsam im Schrecken der Finsternis nackt und schutzlos in der Bedrängnis der Schlacht. Und wenn seine Gegenwart hinter dem Schleier fühlbar ist, so ist sie doch wie die Wintersonne hinter Wolken und schützt nicht vor Regen und Schnee und dem verheerenden Sturm und dem rauen Wind und der bitteren Kälte und dem Grau einer düsteren Atmosphäre oder bleiernen Eintönigkeit. Zweifellos ist die Hilfe selbst dann vorhanden, wenn sie sich zurückgezogen zu haben scheint, aber trotzdem gibt es den Anschein völliger Nacht ohne eine Sonne, die aufgehen wird, und ohne einen Stern der Hoffnung, der die Schwärze durchdringt. Wunderschön ist das Gesicht der Göttlichen Mutter, doch auch sie kann hart und furchterregend sein. Ist denn die Unsterblichkeit ein Spielzeug, das man leichthin einem Kind schenkt, oder das göttliche Leben ein mühelos zu erringender Preis oder die Krone für einen Schwächling? Bemühe dich recht, und du wirst erlangen; vertraue, und dein Vertrauen wird am Ende gerechtfertigt sein. Doch das furchtbare Gesetz des Weges besteht, und keiner kann es aufheben.

* * *

Kapitel 3
Dies ist deine Aufgabe, das Ziel deines Seins

Worte Sri Aurobindos

Ein göttlicher Übermensch und ein vollkommenes Gefäß der Gottheit zu werden – dies ist deine Aufgabe, das Ziel deines Seins und der Grund, aus dem du hier bist. Was immer du sonst zu tun hast, ist nur eine Vorbereitung, eine Freude am Rande des Weges oder ein Abfallen von deiner Bestimmung. Dies aber ist das Ziel und der Zweck; nicht in der Kraft für den Weg und der Freude am Weg, sondern in der Freude des Ziels liegt die Größe und Wonne deines Seins. Der Weg selbst bereitet Freude, weil das, was dich anzieht, bereits mit dir ist auf deinem Pfad; und die Kraft zu steigen ward dir gegeben, damit du deine eigenen Gipfel erklimmen kannst.

Wenn du eine Pflicht hast, so ist dies deine Pflicht. Wenn du nach deinem Ziel fragst, so lass dies dein Ziel sein. Wenn es dich nach Freude verlangt, so gibt es keine größere Freude, denn jede andere Freude ist stückhaft und begrenzt, die Freude eines Traums, die Freude eines Schlummers oder die Freude des Selbstvergessens. Dies aber ist die Freude deines ganzen Wesens. Solltest du nämlich fragen, was ist denn mein Wesen, dann ist dies dein Wesen, das Göttliche, und alles andere ist nur seine zersplitterte und entstellte Erscheinungsform. Falls du die Wahrheit suchst, dies ist die Wahrheit. Halte sie dir vor Augen und bleibe ihr in allen Dingen treu.

Jemand, der nur durch einen Schleier schaute, aber den Schleier für das Antlitz hielt, hat sehr zutreffend gesagt, dass es dein Ziel sei, du selbst zu werden. Und er sagte ebenso richtig, dass es die Natur des Menschen sei, über sich hinauszuwachsen. Dies ist wahrlich seine Natur, und er selbst zu werden ist in der Tat das göttliche Ziel seiner Selbsttranszendenz.

Was aber ist nun dieses Selbst, das du zu transzendieren hast, und was das Selbst, das du werden musst? Denn hier darfst du keinen Irrtum begehen. Der Irrtum, dich selbst nicht zu kennen, ist nämlich der Ursprung all deines Kummers und der Grund all deines Strauchelns.

Was du zu transzendieren hast ist das Selbst, das du zu sein scheinst; es ist der Mensch, wie du ihn kennst, der scheinbare Purusha. Und was ist dieser Mensch? Er ist ein dem Leben und der Materie versklavtes mentales Wesen; und wo er nicht dem Leben und der Materie versklavt ist, ist er der Sklave seines Mentals. Dies aber ist ein ungeheuer schwerer Sklavendienst; denn der Sklave des Mentals zu sein heißt, der Sklave des Falschen, des Begrenzten und des Scheins zu sein. Das Selbst, das du werden musst, ist das Selbst, das du in deinem Innersten bist, hinter dem Schleier des Mentals, des Lebens und der Materie. Es ist das Spirituelle, das Göttliche, der Übermensch, der wahre Purusha. Denn was über dem mentalen Wesen steht, ist der Übermensch. Es hat zum Meister deines Mentals, deines Lebens und deines Körpers zu werden. Es hat König zu sein über die Natur, der du jetzt als Werkzeug dienst, hoch zu stehen über ihr, die dich jetzt mit ihren Füßen tritt. Es hat frei zu sein und kein Sklave, eins und nicht geteilt, unsterblich und nicht vom Tod überschattet, mit Licht und Seligkeit erfüllt und nicht verfinstert und ein Spielball von Kummer und Leid, in Kraft emporgehoben und nicht in Schwäche niedergeworfen. Es hat im Unendlichen zu leben und das Endliche zu besitzen. Es hat in Gott zu leben und mit ihm wesenseins zu sein. Du selbst zu werden heißt, dies zu sein und alles, was es mit sich bringt.

Sei frei in dir selbst und somit frei in deinem Mental, deinem Leben und deinem Körper. Denn der Geist ist Freiheit.

Sei eins mit Gott und allen Wesen. Lebe in dir selbst und nicht in deinem kleinen Ego. Denn der Geist ist Einheit.

Sei du selbst und unsterblich, schenke dem Tod nicht deinen Glauben. Der Tod erwartet nicht dich, sondern nur deinen Körper. Denn der Geist ist Unsterblichkeit.

Unsterblich sein heißt, unendlich zu sein im Sein, im Bewusstsein und in der Seligkeit. Denn der Geist ist unendlich und alles Endliche existiert nur durch seine Unendlichkeit.

All dies bist du, und deswegen kannst du zu all dem werden. Wärst du es nicht, so könntest du auch nie dazu werden. Nur was in dir ist, kann in deinem Wesen offenbar werden. Zwar scheinst du anders zu sein, doch warum solltest du dich zum Sklaven des Scheins machen?

Erhebe dich lieber, gehe über dich hinaus, werde du selbst. Du bist Mensch, und die ganze Natur des Menschen ist es, mehr als er selbst zu werden. Er war das menschliche Tier, er ist mehr als der animalische Mensch geworden. Er ist der Denker, der Gestalter, der Sucher nach dem Schönen. Er wird mehr sein als der Denker, er wird zum Scher des Wissens werden. Er wird mehr sein als der Gestalter, er wird zum Schöpfer und Meister seiner Schöpfung werden. Er wird mehr sein als der Sucher des Schönen, denn er wird sich aller Schönheit und aller Wonnen erfreuen. Von körperlicher Beschaffenheit, sucht er seine unsterbliche Substanz; von vitaler Natur, sucht er das unsterbliche Leben und die unendliche Macht seines Wesens; mental und einseitig in seinem Wissen, sucht er das völlige Licht und die äußerste Schau.

Dies zu besitzen heißt, der Übermensch zu werden; denn es bedeutet, sich aus dem Bereich des Mentals in das Supramental zu erheben. Nenne es göttliches Mental oder Wissen oder Supramental; in jedem Fall ist es die Macht und das Licht des göttlichen Willens und des göttlichen Bewusstseins. Durch das Supramental sah und erschuf sich der Geist in den Welten. Durch dieses lebt er in ihnen und regiert sie Durch dieses ist er Swarat Samrat, das heißt Selbst-Herrscher und All-Herrscher.

Das Supramental ist der Übermensch; über das Mental hinauszugelangen ist deshalb die Voraussetzung.

Übermensch zu sein heißt, ein göttliches Leben zu leben, ein Gott zu sein; denn die Götter sind die Mächte Gottes. Sei eine Macht Gottes in der Menschheit.

Im göttlichen Wesen zu leben und sich von dem Bewusstsein, der Seligkeit, dem Willen und dem Wissen des Geistes besitzen zu lassen, ihn mit sich und durch sich spielen zu lassen, das ist der Sinn.

Dies ist deine Verklärung auf dem Berge. Sie besteht darin, Gott in dir zu entdecken und ihn dir in allen Dingen offenbar zu machen. Lebe in seinem Wesen, leuchte mit seinem Licht, handle mit seiner Macht, freue dich mit seiner Seligkeit. Sei jenes Feuer und jene Sonne und jenes Meer. Sei jene Freude und jene Größe und jene Schönheit.

Wenn du dies auch nur zum Teil vollbracht hast, hast du die ersten Stufen der Übermenschheit erklommen.

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Kapitel 4
Die Last der Menschheit

Worte Sri Aurobindos

Ich sagte, dass der Avatar jemand ist, der der Menschheit den Weg zu einem höheren Bewusstsein ebnet – wenn niemand diesem Weg zu folgen vermag, dann fassen wir die ganze Sache entweder falsch auf – und auch die von Christus, Buddha und Krishna –, oder das Leben des Avatars ist sinnlos. X scheint der Ansicht zu sein, es gäbe keinen Weg und keine Möglichkeit, dem Avatar zu folgen, und seine Kämpfe und Leiden seien unwirklich und unsinnig – jemand, der das Göttliche verkörpert, hätte es nicht nötig, hier zu kämpfen. Eine solche Auffassung lässt die ganze Idee des Avatars widersinnig erscheinen, denn es bestünde demnach für sein Dasein keine Notwendigkeit, und dieses hätte auch keinen Sinn; das Göttliche, das allmächtig ist, könnte die Menschen erheben ohne sich damit abzugeben, auf die Erde herabzukommen. Die Avatarschaft aber hat nur dann einen Sinn, wenn das Göttliche ein Teil der Weltordnung ist, wenn es die Bürde der Menschheit auf sich nimmt und ihr den Weg auftut.

*

Worte Sri Aurobindos

Mutter sprach zu mir von der richtigen Einstellung, die ohne Spannung und Anstrengung sein sollte, vielmehr voller Sonnenschein und so spontan wie eine Blume, die sich dem Lichte öffnet. Das ist alles schön und gut für Avatare wie du und die Mutter, aber wie können wir armen Sterblichen dieses doch ungenaue Gebot der Orientierung befolgen? Und wie kann man diese innere Haltung erlangen, wenn nicht durch ständiges Gebet, anstrengende Meditation und ein ständiges Bemühen, falsche Regungen zurückzuweisen?

Du sagst, dieser Pfad sei zu schwierig für dich oder Leute wie dich, und nur Avatare wie ich oder die Mutter könnten es tun. Das ist eine seltsame Fehlvorstellung; denn es ist vielmehr der leichteste, einfachste und direkteste Weg, und jedermann kann ihn gehen, wenn er sein Mental und sein Vital zur Ruhe bringt, selbst jene, die ein Zehntel deiner Kapazität haben, können es schaffen. Der andere Weg der Anspannung, Anstrengung und harten Bemühung ist der schwierigere und benötigt viel Kraft der Tapasya. Was die Mutter und mich betrifft, so mussten wir alle Wege ausprobieren, allen Methoden folgen, ganze Berge von Schwierigkeiten überwinden, eine weit schwerere Last tragen als du und jeder andere im Ashram oder außerhalb, weit schwierigere Bedingungen erfüllen, Schlachten kämpfen, Wunden hinnehmen, uns Wege bahnen durch undurchdringlichen Sumpf, Wüste und Gehölz, feindliche Massen erobern – ein Werk, so wie es – da bin ich sicher – niemand anders vor uns zu leisten hatte. Denn der Führer des Weges bei einem Werk wie dem unsrigen muss nicht nur das Göttliche herabbringen, repräsentieren und verkörpern, sondern muss auch das aufstrebende Element in der Menschheit darstellen, die Last der Menschheit voll tragen und in bitterem Ernst, nicht in einem bloßen Spiel oder Lila, all die Hindernisse, Schwierigkeiten, Widerstände, die ganze vereitelte, behinderte, nur allmählich siegreiche Arbeit erfahren, die auf dem Pfad möglich sind. Aber es ist weder notwendig noch akzeptabel, dass all dies in der Erfahrung anderer wiederholt werden soll. Weil wir die vollständige Erfahrung haben, können wir anderen einen geraderen und leichteren Weg zeigen – wenn sie nur zustimmen und ihn einschlagen. Aufgrund unserer Erfahrung, die um einen sehr hohen Preis gewonnen wurde, können wir dich und andere auffordern: „Nimm die seelische Haltung ein, folge dem geraden, sonnenhellen Pfad, wobei das Göttliche dich offen oder verborgen stützt – wenn verborgen, wird Er Sich doch zur rechten Zeit zeigen, – bestehe nicht auf dem harten, blockierten, mittelbaren und schwierigen Weg!“

* * *

Kapitel 5
Die Vorbereitung des sonnenhellen Pfades

Worte Sri Aurobindos

Frieden war das allererste, was die Yogis und Sucher alter Zeit anstrebten, und ein ruhiges und stilles Mental (welches stets Frieden bringt) erklärten sie zur Grundbedingung, um das Göttliche zu verwirklichen. Ein fröhliches und sonnenlichtes Herz ist das geeignete Gefäß für den Ananda, und wer würde denn sagen, dass Ananda, oder was ihn vorbereitet, ein Hindernis für die Einung mit dem Göttlichen sei? Was das Verzagen betrifft, so ist es sicher eine furchtbare Last auf dem Weg. Manchmal muss man da wie Christian in The Pilgrim‘s Progress durch einen Morast der Verzweiflung, aber seine ständige Wiederholung müsste unweigerlich ein Hindernis sein. Ich weiß nur zu gut, dass Schmerz, Leid, Kampf und Heimsuchungen der Verzweiflung natürlich, wenngleich nicht unvermeidlich sind auf dem Weg, nicht deshalb, weil sie Hilfen bedeuten, sondern weil sie uns von der Dunkelheit dieser menschlichen Natur auferlegt werden, aus der wir uns in das Licht vorkämpfen müssen ... Ramakrishna blieb nicht verborgen, dass es einen sonnenhellen Pfad des Yoga gibt. Er meint sogar, dass das der schnellere und bessere Weg sei.

Dies gilt nicht etwa deshalb, weil ich selbst den sonnenhellen Pfad beschritten habe, Schwierigkeit, Leid und Gefahr aus dem Weg gegangen wäre. Ich hatte meinen vollen Anteil an diesen Dingen, und die Mutter hatte zehn mal den ihrigen. Sondern es war so, weil die Pfad-Finder diese Dinge bewältigen mussten, um den Sieg zu erringen. Jede erdenkliche Schwierigkeit, mit der der Sadhak rechnen muss, stellte sich auch uns auf dem Pfad. Gegen viele von ihnen mussten wir Hunderte Male ankämpfen (tatsächlich ist das eher untertrieben), bevor wir sie überwinden konnten. Viele protestieren da noch, sie hätten ein Daseinsrecht, bis es die perfekte Vollkommenheit gibt. Aber wir haben nie behauptet, dass die Schwierigkeiten für andere unvermeidlich notwendig sind. Tatsächlich haben wir deren Last eben deshalb getragen, um anderen einen leichteren Pfad zu sichern. Mit diesem Ziel hatte die Mutter einst zum Göttlichen gebetet, dass alle Schwierigkeiten, Gefahren, Leiden, die auch immer für den Pfad unvermeidlich wären, ihr selbst statt anderen auferlegt werden sollten. Als Ergebnis täglicher und jahrelanger furchtbarer Kämpfe wurde ihr gewährt, dass alle, die ihr vollständig und aufrichtig vertrauen, dem sonnenhellen Pfad folgen können, und selbst jene, die es nicht können, sobald sie vertrauen, ihren Pfad plötzlich leicht finden, und wird er wieder schwierig, so nur dann, wenn mangelndes Vertrauen, Revolte, abhiman oder andere dunkle Zustände sie überkommen. Der sonnenhelle Pfad ist nicht ganz und gar nur Legende.

Aber, so wirst Du fragen, wie steht es mit jenen, die es nicht können? Gerade für sie unternehme ich alle meine Anstrengung, die supramentale Kraft in absehbarer Zeit herabzubringen. Ich weiß, dass sie eines Tages herabkommen wird, aber ich strebe ihre baldige Herabkunft an, und sie nähert sich dem irdischen Boden, ganz gleich welch dunkle Behinderung der Erdnatur, welch heftige Attacken der asurischen Kräfte sie zu verhindern suchen. Das Supramental ist nicht, wie Du es Dir ausmalst, etwas Kühles und Steinhartes. Es birgt in sich die Gegenwart der Göttlichen Liebe und Göttlichen Wahrheit, und seine Herrschaft hier bedeutet für jene, die es akzeptieren, den geraden und dornenlosen Pfad, auf dem es keine Mauer, kein Hindernis gibt und das den alten Rishis für die Zukunft verheißen war.

Es gibt den dunklen Pfad, und viele, wie die Christen, machen aus dem spirituellen Leiden ein Evangelium; viele halten es für den unvermeidlichen Preis für den Sieg. Unter gewissen Umständen mag es so sein, wie es denn auch in so vielen Leben zu Beginn der Fall war, oder man trifft die Wahl und macht es dazu. Aber dann muss man auch den Preis zahlen mit Ergebung, Mut und hartnäckiger Spannkraft. Ich gebe zu, dass die Attacken der Dunklen Kräfte oder die Prüfungen, die sie auferlegen, sinnvoll sind, wenn das Leid in dieser Weise getragen wird. Nach jedem gewonnenen Sieg über sie gibt es einen fühlbaren Fortschritt; oft zeigen sie uns die Schwierigkeiten in uns selbst, die wir überwinden müssen, und sagen uns: „Hier musst du etwas in dir bewältigen!“ Dennoch ist es ein zu dunkler und schwieriger Weg, dem niemand folgen sollte, für den es nicht unumgänglich ist.

So viele Menschen haben Yoga praktiziert, indem sie auf Tapasya oder sonst etwas vertrauten aber nicht auf die göttliche Gnade. Nicht jenes, sondern der Seele Verlangen nach einer höheren Wahrheit und einem höheren Leben ist unerlässlich. Wo dies gegeben ist, wird die Göttliche Gnade, ob an sie geglaubt wird oder nicht, eingreifen. Glaubst du daran, so beschleunigt und erleichtert das die Dinge; wenn du noch nicht daran glauben kannst, wird sich der Seele Sehnsucht noch rechtfertigen, ganz gleich mit welchen Schwierigkeiten und Kämpfen.

* * *

Kapitel 6
Bedingungen, um dem sonnenhellen Pfad zu folgen

Worte Sri Aurobindos

Dem sonnenhellen Pfad kann man nur dann folgen, wenn sich die Seele fortwährend oder meistenteils im Vordergrund befindet oder wenn man eine natürliche Haltung des Glaubens und der Hingabe hat oder seine Augen ständig auf die Sonne richtet oder wenn eine seelische Empfänglichkeit (zum Beispiel der Glaube, dass man für den spirituellen Weg bestimmt ist) besteht oder die seelische Wandlung vollzogen ist. Das heißt nicht, dass der sonnenhelle Mensch keine Schwierigkeiten hätte; er kann viele haben, aber er betrachtet sie heiter als etwas, das „zur täglichen Arbeit gehört“. Wenn er schlimme Prügel erhält, vermag er zu sagen: Nun, das war eine seltsame Sache, aber offensichtlich ist das Göttliche in seltsamer Stimmung, und wenn das seine Art ist, die Dinge zu tun, wird es wohl richtig sein. Ich selbst bin bestimmt ein noch seltsamerer Geselle, und es war vermutlich die einzige Möglichkeit, mich aufzuklären. Aber nicht jeder ist von diesem Schlag, und die Hingabe, die alles in Ordnung bringen würde, ist, wie du selbst sagst, schwierig zu vollziehen. Zumindest ist es schwierig, sie ganz zu vollziehen. Deshalb bestehen wir nicht auf einer sofortigen vollen Hingabe, sondern begnügen uns anfangs mit ein wenig und lassen das Übrige wachsen, so gut es geht.

Ich habe dir erklärt, warum so viele Menschen (nicht etwa alle) sich in diesem düsteren Zustand befinden, dumpf und verzweifelt. Es ist Tamas, die Trägheit des Nichtbewussten, die sie ergriffen hat. Es ist aber auch das kleine physische Vital, das sich nur für die kleinen und trivialen Dinge des gewöhnlichen täglichen und geselligen Lebens interessiert und für nichts anderes. Früher, als die Sadhana auf den höheren Ebenen stattfand (Mental, höheres Vital), gab es viel Energie, Begeisterung und Interesse sowohl für die Belange der Ashram-Arbeit und des Ashram-Lebens als auch für ein inneres Leben; das physische Vital wurde in diesem Strom mitgetragen. Bei vielen aber hat das aufgehört; sie leben im unbefriedigten vitalen Physischen und finden alles hoffnungslos langweilig, düster, ohne Reiz oder Ausweg. In ihrem inneren Leben hat das Tamas des Nichtbewussten ein Hindernis oder einen Engpass geschaffen, und sie finden keinen Weg, der sie herausführt. Wenn man den richtigen Zustand und die richtige Haltung bewahren kann, ein starkes Interesse an der Arbeit oder an der Sadhana zu finden vermag, klingt das ab. Darin [in obigem] besteht das Übel. Das Heilmittel ist, den richtigen Zustand zu bewahren und allmählich – oder, wenn man kann, auch schnell – das Licht des höheren Strebens ebenfalls in diesen Wesensteil zu bringen, damit auch er, ungeachtet aller Umweltbedingungen, das Gleichgewicht bewahre. Dann würde der sonnenhelle Pfad weniger unmöglich erscheinen.

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Worte Sri Aurobindos

Es besteht kein Widerspruch zwischen meinen früheren Bemerkungen über den sonnenhellen Pfad und dem, was ich über die schwierigen und unerfreulichen Passagen sagte, welche der Yoga bei seiner normalen Entwicklung in der menschlichen Natur durchlaufen muss. Dem sonnenhellen Pfad können jene folgen, die fähig sind, die Hingabe zu vollziehen, zuerst eine zentrale Hingabe und später ein vollständigeres Selbstgeben in allen Teilen des Wesens. Wenn sie die Haltung der zentralen Hingabe einnehmen und aufrechterhalten können, wenn sie sich ganz dem Göttlichen überlassen können und freudig das annehmen, was immer vom Göttlichen auf sie zukommt, dann wird ihr Pfad sonnenhell werden und kann sogar gerade und einfach sein. Sie können nicht allen Schwierigkeiten entgehen, kein Suchender kann das, aber sie werden fähig sein, ihnen ohne Schmerz und Verzagtheit zu begegnen – so wie Yoga entsprechend der Empfehlung der Gita tatsächlich ausgeübt werden soll, anirvinnacetasa – auf die innere Führung vertrauend und sie mehr und mehr wahrnehmend, oder aber auf die äußere Führung durch den Guru. Man kann dem sonnenhellen Pfad auch dann folgen, wenn man kein Licht und keine Führung empfindet, aber ein lichter, fester Glaube und eine glückliche Bhakti bestehen oder erworben werden können oder wenn man die Natur eines spirituellen Optimisten und den festen Glauben oder das feste Gefühl hat, dass alles, was durch das Göttliche geschieht, zum besten ist, auch wenn wir sein Tun nicht verstehen können. Doch haben nicht alle diese Natur; die meisten sind sehr weit davon entfernt, und die volle oder selbst die zentrale Hingabe ist nicht so leicht zu vollziehen, und sie immer zu bewahren ist schwer genug für unsere menschliche Natur. Wenn diese Dinge nicht gegeben sind, wird die Freiheit der Seele nicht erreicht, und wir müssen uns statt dessen dem Gesetz unterwerfen oder eine harte und schwierige Disziplin erfüllen.

Das Gesetz wird uns durch die Unwissenheit auferlegt, aus welcher die Natur all unserer Teile besteht; unser physisches Wesen ist offensichtlich eine Masse von Unwissenheit, das Vital ist voller unwissender Begierden und Leidenschaften, auch das Mental ist ein Instrument der Unwissenheit, das sich eine Art von unvollständigem, im wesentlichen untergeordnetem und äußerem Wissen erkämpft. Der Pfad des Suchenden führt durch diese Unwissenheit hindurch; auf lange Zeit ist es ihm nicht möglich, das Licht einer zuverlässigen Erfahrung oder Verwirklichung zu entdecken; er hat nur die Hoffnungen, Ideen und Anschauungen des Mentals, die nicht das wahre spirituelle Sehen vermitteln; oder es werden ihm flüchtige Schimmer des Lichtes oder Zeiten des Lichtes zuteil; oft aber verlöscht es, und den lichten Perioden folgen häufige oder lange Zeiten der Finsternis. Es gibt fortwährende Schwankungen, nachhaltige Enttäuschungen, unzählige Stürze und Fehlschläge. Kein Yoga-Pfad ist wirklich leicht oder frei von diesen Schwierigkeiten oder Schwankungen; der Weg der Bhakti wird als der einfachste betrachtet, dennoch werden immer wieder Klagen darüber laut, dass man auf ihm ständig sucht, doch niemals findet und bestenfalls fortwährendes Ebben und Fluten herrschen, milana [Einung] und viraha [die Abwesenheit des Göttlichen Geliebten], Freude und Weinen, Ekstase und Verzweiflung. Wenn man den Glauben oder bei fehlendem Glauben den Willen hat hindurchzugehen, setzt man seinen Weg fort und tritt in die Freude und das Licht der Göttlichen Verwirklichung ein. Wenn man jedoch den Zustand der wahren Hingabe erlangen kann, ist all das nicht notwendig; man kann den sonnenhellen Weg beschreiten. Oder wenn man von der reinen Bhakti berührt wird, suddha bhakti, dann ist das allein genug, was immer auch geschieht; der Weg wird einfach, oder es stellt, auch wenn er nicht einfach ist, doch einen ausreichenden Anfang dar, der uns bis zum Ende trägt, ohne die Leiden und Stürze auf uns nehmen zu müssen, die dem unwissenden Suchenden so oft widerfahren.

In allen Yoga-Systemen gibt es drei hauptsächliche Ziele, die durch den Suchenden erreicht werden müssen: die Einung oder der bleibende Kontakt mit dem Göttlichen, die Befreiung der Seele oder des Selbstes, des Geistes, und eine bestimmte Wandlung des Bewusstseins, die spirituelle Wandlung. Diese Wandlung, die notwendig ist, um die beiden anderen Ziele zu erreichen, zumindest in gewissem Umfang, ist die Ursache der meisten Kämpfe und Schwierigkeiten; denn es ist nicht leicht, sie zu vollziehen: es wird eine Wandlung des Mentals, eine Wandlung des Herzens, eine Wandlung der Gewohnheiten des Willens gefordert, dem unsere unwissende Natur einen hartnäckigen Widerstand entgegensetzt. Dieser Yoga ist auf eine volle Umwandlung der Natur ausgerichtet, weil das für die vollständige Einung mit dem Göttlichen und für die Befreiung nicht nur der Seele und des Geistes sondern auch der menschlichen Natur notwendig ist. Es ist auch ein Yoga der Werke und des integralen göttlichen Lebens; es liegt auf der Hand, dass hierfür die integrale Umwandlung der Natur notwendig ist; die Einung mit dem Göttlichen muss den vollen Eintritt in das Göttliche Bewusstsein und die göttliche Natur mit sich bringen; es darf nicht nur sayujya [die absolute Einung des Göttlichen mit dem menschlichen Geist] oder salokya [das Verweilen der Seele im Göttlichen] sein, sondern sadrsya [die Ähnlichkeit mit dem Göttlichen] oder, wie es in der Gita genannt wird, sadharmya [die Einswerdung mit dem Göttlichen Gesetz des Seins und Handelns]. Der volle Yoga, Purna-Yoga, bedeutet einen vierfachen Pfad, einen Yoga des Wissens für das Mental, einen Yoga der Bhakti für das Herz, einen Yoga der Werke für den Willen und einen Yoga der Vervollkommnung für die ganze Natur. Wenn man aber mit ganzem Herzen einer dieser Richtungen zu folgen vermag, erreicht man im Allgemeinen das Ergebnis von allen vieren. So nähert man sich zum Beispiel durch Bhakti dem Göttlichen, wird sich Seiner intensiv bewusst und gelangt zu Wissen; denn das Göttliche ist die Wahrheit und die Wirklichkeit, und wenn man Es kennt, sagt die Upanishad, kennt man alles. Durch Bhakti wird der Wille auf den Pfad der Werke der Liebe, des Dienstes am Göttlichen gelenkt sowie der Kontrolle über die Natur und ihrem Tun durch das Göttliche – das ist der Karma-Yoga. Durch Bhakti erfolgt auch die spirituelle Wandlung des Bewusstseins und der Tätigkeit der menschlichen Natur, welches ein erster Schritt auf ihre Umwandlung hin ist. So ist es mit allen anderen Richtungen des vierfachen Pfades.

Es ist aber auch möglich, dass viele Hemmnisse im Wesen die Herrschaft der Bhakti über das Mental, das Herz und den Willen sowie den sich daraus ergebenden Kontakt mit dem Göttlichen blockieren. Die zu große Aktivität des intellektuellen Mentals und sein Verhaftetsein mit der Überheblichkeit seiner eigenen Ideen, seinen Vorurteilen, festgefahrenen Vorstellungen und seinem unwissenden Verstand können die Türen zum inneren Licht verschließen und die volle Flut der Bhakti daran hindern, alles zu überströmen; das intellektuelle Mental kann sich auch an eine oberflächliche mentale Aktivität klammern, sich weigern, nach innen zu gehen und der seelischen Schau und den Gefühlen des inneren Herzens zu erlauben, es zu lenken; es sind aber diese Schau und dieses Gefühl, durch welche die Bhakti wächst und siegt. Auch die Leidenschaften und Begierden des vitalen Wesens und seines Egos können den Weg blockieren und die Hingabe des Mentals und Herzens an das Göttliche verhindern. Die Trägheit, Unwissenheit und Nichtbewusstheit des physischen Bewusstseins, sein Verhaftetsein mit festen Gewohnheiten des Denkens, Fühlens und Handelns, sein Beharren darauf, im alten Fahrwasser weiterzumachen, kann der geforderten Wandlung sehr im Wege stehen. Unter solchen Umständen wird das Göttliche auf seine Zeit zu warten haben; wenn aber das wirkliche Verlangen im Herzen herrscht, kann all das die endgültige Verwirklichung nicht verhindern; dennoch wird sie sich möglicherweise Zeit lassen müssen, bis die Behinderungen beseitigt oder zumindest so sehr ausgeräumt sind, dass die Göttliche Macht ungehindert auf die Oberflächennatur einwirken kann. Bis dahin mag es Perioden einer inneren Entspannung geben, ein gewisses Licht im Mental, auch Perioden, in denen man das Gefühl der Bhakti und des Friedens hat, Perioden voller Freude der Selbstweihung in den Werken und im Dienen; es wird aber lange Zeit benötigen, bis diese Dinge für immer verweilen können, und es wird viel Kampf, Unruhe und Leiden geben. Am Ende wird das Wirken des Göttlichen sichtbar werden, und man wird fähig sein, in seiner Gegenwart zu leben.

Ich habe die Schwierigkeiten des Yoga in ihrer schlimmsten Form beschrieben, wie sie selbst jene, die für die Verwirklichung ausersehen sind, behindern und anfechten können; ebenso oft aber wechseln Licht und Finsternis einander ab oder vermischen sich; vielleicht eine anfängliche Erreichung und nachfolgend tiefgreifende Schwierigkeiten; Fortschritt und dann Attacken und Verzögerungen, kraftvolle Vorwärtsbewegungen und ein ratloses Umherirren im Morast der Unwissenheit. Selbst große Verwirklichungen können sich einstellen, ein heller Glanz an Licht und spiritueller Erfahrung, und dennoch ist das Ziel nicht erreicht; denn, wie es im Rig-Veda heißt, „indem man Gipfel um Gipfel erklimmt, wird es sichtbar, wie viel noch zu tun übrigbleibt“. Es gibt aber immer etwas, das uns weiterträgt oder vorwärtstreibt. Das kann die Form von etwas Bewusstem im Vordergrund annehmen, die Form einer beherrschenden spirituellen Idee, eines unanfechtbaren Strebens oder eines festen Glaubens, die manchmal gänzlich verhüllt oder in Zeiten der Finsternis oder schwerer Umwälzungen sogar vernichtet zu sein scheinen; stets aber treten sie wieder hervor, wenn der Sturm vorübergezogen ist oder die Dunkelheit des Himmels sich aufgehellt hat, und machen ihren Einfluss geltend. Es kann aber auch etwas in der eigentlichen Essenz des Wesens sein, tiefer als irgendeine Idee oder ein Wille im Mental, tiefer und dauerhafter als das Streben des Herzens, der eigenen Wahrnehmung jedoch verhüllt. Es kann sich jemand, der aus einer mentalen Neugierde oder selbst aus einem mentalen Bedürfnis nach Wissen heraus zum Yoga gedrängt wird, aus Enttäuschung oder irgendeiner anderen Ursache vom Pfad abwenden; viel mehr noch können sich jene von ihm abwenden, die ihn aus einem inneren Ehrgeiz oder vitalen Begehren heraus aufgenommen haben, aber dem Aufruhr, der Enttäuschung oder Mutlosigkeit über häufige Rückschläge und Versagen nicht standhalten konnten. Wenn aber diese tiefere Sache in dir ist, kannst du den Pfad des spirituellen Bestrebens nicht für immer verlassen: du magst zwar den Entschluss fassen, wirst aber innerlich daran gehindert, oder du verlässt ihn, wirst aber durch das geheime spirituelle Erfordernis im Inneren dazu gezwungen, zu ihm zurückzukehren.

All diese Dinge sind jedem Yoga-Pfad gemein; es sind die normalen Schwierigkeiten, Schwankungen und Kämpfe, die sich auf dem Pfad des spirituellen Bemühens einstellen. In diesem Yoga aber gibt es eine Ordnung oder Folge des Wirkens der geheimen Kraft, die in ihren Einzelheiten in jedem Sadhak völlig anders sein kann, aber dennoch eine allgemeine Linie aufweist. Durch unsere Evolution wurde das Wesen emporgeführt aus der nichtbewussten Materie in die Unwissenheit von Mental, Leben und Körper, die durch ein unvollkommenes Wissen modifiziert wird; diese Evolution versucht nun, uns in das Licht des Geistes hinauszuführen, uns in dieses Licht zu heben und es für uns herabzubringen, sowohl in den Körper und das Leben als auch in das Mental und das Herz, und damit unser ganzes Sein zu erfüllen. Dies und seine Folgeerscheinungen, deren größte die Einung mit dem Göttlichen und das Leben im göttlichen Bewusstsein ist, sind der Sinn der integralen Umwandlung. Das Mental ist gegenwärtig unsere höchste geistige Kraft; mit Hilfe des denkenden Mentals und des Herzens, mit der Seele, dem seelischen Wesen dahinter, müssen wir in den Geist hineinwachsen; denn was die Kraft zuerst zu erreichen versucht, ist, das Mental festzulegen in der richtigen zentralen Idee, im Glauben oder in der mentalen Haltung und im rechten Streben und Gleichmut des Herzens, und diese Dinge hinreichend zu stärken und zu festigen, damit sie ausharren, trotz der anderen Dinge im Mental und Herzen, die von ihnen verschieden sind oder in Widerspruch zu ihnen stehen. Damit einhergehend übermittelt die Kraft alle Erfahrung, Verwirklichung, Herabkunft, alles wachsende Wissen, wofür das Mental des Einzelwesens zu dem entsprechenden Zeitpunkt bereit ist, oder soviel davon, wie unbedeutend es auch sei, wie für seinen weiteren Fortschritt notwendig ist; manchmal sind diese Verwirklichungen und Erfahrungen sehr groß und reich, manchmal geringfügig und klein oder unbedeutend; bei einigen Menschen scheint in diesem ersten Stadium nicht viel davon oder nichts Entscheidendes zu geschehen – die Kraft scheint sich allein auf die Vorbereitung des Mentals zu konzentrieren. In vielen Fällen scheint die Sadhana mit Erfahrungen im Vital zu beginnen und fortzuschreiten; aber ohne eine gewisse mentale Vorbereitung sollte dies nicht geschehen, selbst wenn es nichts weiter ist als eine Wende des Mentals oder eine Art Öffnung, welche die vitalen Erfahrungen möglich macht. Mit dem Vital zu beginnen ist in jedem Fall eine gewagte Sache; die Schwierigkeiten dort sind zahlreich und heftiger als auf der mentalen Ebene, und die Gefahren sind unzählbar. Der Zugang zur Seele, dem seelischen Wesen, ist weniger einfach, weil es von einer dicken Schicht aus Ego, Leidenschaft und Begehren überdeckt ist. Man kann leicht von der Verworrenheit vitaler Erfahrungen, die nicht immer verlässlich sind, verschlungen werden, der Versuchung der kleinen Siddhis, der Anziehungskraft der Mächte der Finsternis auf das Ego. Man muss sich durch dieses Dickicht zum seelischen Wesen im Hintergrund hindurchkämpfen, um es nach vorne zu bringen; erst dann kann die Sadhana auf der vitalen Ebene sicher sein.

Wie dem auch sei, die Herabkunft der Sadhana, die Herabkunft des Wirkens der Kraft auf die vitale Ebene unseres Wesens wird nach einiger Zeit notwendig. Die Kraft vollzieht, bevor dieser Schritt getan ist, keine globale Wandlung des mentalen Wesens und der menschlichen Natur und noch viel weniger eine integrale Umwandlung; wenn das geschehen könnte, würde die restliche Sadhana verhältnismäßig sicher und einfach sein. Aber da ist das Vital und übt immer einen Druck aus auf das Mental und das Herz, stört die Sadhana und gefährdet sie, und es kann nicht zu lange Zeit sich selbst überlassen werden. Mit dem Ego und den Begierden des Vitals, seinen Tumulten und Umwälzungen muss man sich auseinandersetzen, sie müssen, wenn auch nicht auf einmal verbannt, so doch zumindest beherrscht und für eine allmähliche Modifikation, Wandlung und Erleuchtung vorbereitet werden. Das kann nur auf der vitalen Ebene selbst geschehen indem man mit dem Bewusstsein auf diese Ebene herabkommt. Das vitale Ego muss sich selbst seiner Mängel bewusst werden und willens sein, sich davon zu befreien; es muss entschlossen seine Eitelkeiten, seinen Ehrgeiz, seine Begierden und Sehnsüchte, seinen Groll und seine Empörung und all den übrigen ungeläuterten Stoff sowie die unreinen Bewegungen hinausstoßen. Das ist die Zeit der größten Schwierigkeiten, Revolten und Gefahren. Das vitale Ego hasst es, wenn man seine Wünsche durchkreuzt, es verübelt Enttäuschung und ist wütend, wenn sein Stolz und seine Eitelkeit verletzt werden; der Vorgang der Läuterung ist ihm zuwider, und es ist durchaus möglich, dass es diesem gegenüber Satyagraha erklärt – die Zusammenarbeit verweigert, seine eigenen Forderungen und Neigungen rechtfertigt, mancherlei passiven Widerstand leistet, die vitale Unterstützung, die sowohl für das Leben als auch für die Sadhana notwendig ist, zurückzieht und versucht, das Wesen vom spirituellen Pfad abzubringen. All dem hat man die Stirn zu bieten, und man muss es überwinden, denn der Tempel des Wesens muss rein gefegt werden, wenn der Herr unseres Wesens seinen Platz dort einnehmen und unsere Anbetung empfangen soll.

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Kapitel 7
Der Pfad des Integralen Yoga – ein spirituelles Abenteuer

Worte Sri Aurobindos

Der Yoga Sri Aurobindos beginnt bei der Lehre der alten Weisen Indiens, dass es hinter dem Erscheinungsbild des Universums die Wirklichkeit eines Wesens und Bewusstseins gibt, eines Selbsts aller Dinge, eins und ewig. Alle Wesen sind in diesem Einen Selbst und Geist vereint, aber getrennt durch eine gewisse Abgesondertheit des Bewusstseins, durch eine Unwissenheit hinsichtlich ihres wahren Selbsts und ihrer wahren Wirklichkeit im Mental, im Leben und im Körper. Durch eine bestimmte psychologische Disziplin wird es möglich, diesen Schleier des abgesonderten Bewusstseins abzulegen, und sich des wahren Selbsts, der Gottheit in uns und in allem, gewahr zu werden.

Sri Aurobindos Lehre legt dar, dass dieses Eine Wesen und Bewusstsein hier in der Materie involviert ist. Evolution ist die Methode, mit der es sich freisetzt; Bewusstsein taucht in dem auf, das unbewusst zu sein scheint und muss sich dann, wenn es einmal in Erscheinung getreten ist, aus innerem Drang immer höher entwickeln und sich gleichzeitig weiten und auf eine immer größere Vollkommenheit hinentwickeln. Das Leben ist der erste Schritt dieses Freiwerdens von Bewusstsein; mit dem Mental vollzieht sich der zweite Schritt, aber die Evolution bleibt beim Mental nicht stehen; sie erwartet eine Befreiung zu etwas Größerem hin, zu einem Bewusstsein spiritueller und supramentaler Art. Als nächstes muss sich in der Evolution der Schritt zur Entwicklung des Supramentals und Geistes als der beherrschenden Kraft des bewussten Wesens vollziehen. Denn nur dann wird sich die den Dingen innewohnende Göttlichkeit vollständig enthüllen, und das Leben Vollkommenheit manifestieren können.

Während aber die früheren Schritte in der Evolution von der Natur vollzogen wurden, ohne dass es einen bewussten Willen im Pflanzen- und Tierleben gegeben hätte, wird die Natur im Menschen fähig, sich durch einen bewussten Willen im Instrument weiterzuentwickeln. Dies kann jedoch im mentalen Willen des Menschen nicht auf vollständige Weise getan werden, da das Mental nur bis zu einem gewissen Punkt geht und sich danach nur noch im Kreise drehen kann. Eine Umkehr muss stattfinden und eine Wende des Bewusstseins vollzogen werden, durch die sich das Mental in das höhere Prinzip umwandeln muss. Die Methode dazu kann über die uralte psychologische Disziplin und Praxis des Yoga gefunden werden. In der Vergangenheit versuchte man, dies durch ein Sich-Zurückziehen aus der Welt und ein Entrücken in die Höhen des Selbsts oder Geistes zu erreichen. Für Sri Aurobindo ist jedoch eine Herabkunft des höheren Prinzips möglich, die das spirituelle Selbst nicht nur außerhalb der Welt, sondern in der Welt freisetzt, und die Unwissenheit des Mentals, bzw. sein sehr begrenztes Wissen, durch ein supramentales Wahrheits-Bewusstsein ersetzen wird. Dies wird ein hinreichendes Instrument für das innere Selbst sein und es dem Menschen ermöglichen, aus seiner immer noch animalischen Menschennatur zu einer göttlicheren Art heranzuwachsen. Die psychologische Disziplin des Yoga kann für diesen Zweck genutzt werden, weil sie alle Teile des Wesens für eine Umkehr oder Umwandlung mittels der Herabkunft und des Wirkens des höheren, noch verborgenen supramentalen Prinzips öffnet.

Doch kann dies nicht mit einem Mal oder in kurzer Zeit oder durch eine plötzliche und wundersame Transformation geschehen. Viele Schritte muss der Sucher tun, bevor die supramentale Herabkunft möglich ist. Der Mensch lebt meist in seinem Oberflächen-Mental, -Leben und -Körper; es gibt jedoch ein inneres Wesen in ihm mit größeren Möglichkeiten und dahin muss er erwachen –, denn noch erfährt er von ihm nur einen sehr eingeschränkten Einfluss, der ihn zu einem ständigen Streben nach mehr Schönheit, Harmonie, Macht und Wissen drängt. Der erste Prozess im Yoga besteht deshalb darin, die Bereiche dieses inneren Wesens zu öffnen und von da nach außen zu leben und das eigene äußere Leben durch das innere Licht und diese innere Kraft zu lenken. Auf diese Weise entdeckt der Mensch in sich seine wahre Seele, die nicht diese äußere Mischung mentaler, vitaler und physischer Elemente ist, sondern ein Teil der dahinter stehenden Wirklichkeit, ein Funke des einen Göttlichen Feuers. Der Mensch muss lernen, in seiner Seele zu leben, und muss durch den Drang der Seele zur Wahrheit die restliche Natur reinigen und neu orientieren. Danach kann ein Öffnen nach oben und die Herabkunft eines höheren Prinzips des Seins folgen. Aber selbst dann handelt es sich nicht sogleich um das volle supramentale Licht und die supramentale Kraft, da es verschiedene Bewusstseinsbereiche zwischen dem gewöhnlichen menschlichen Mental und dem supramentalen Wahrheits-Bewusstsein gibt. Diese dazwischenliegenden Schichten müssen geöffnet und ihre Macht in Mental, Leben und Körper herabgebracht werden. Erst danach kann die volle Kraft des Wahrheits-Bewusstseins in der Natur wirken. Daher ist dieser Prozess der Selbst-Disziplin oder Sadhana lang und schwierig, aber selbst ein kleiner Fortschritt ist ein großer Gewinn, da er das letztliche Freiwerden und die Vollkommenheit möglicher macht.

Viele Grundsätze älterer Disziplinen sind auf dem Weg notwendig: eine Öffnung des Mentals zu einer größeren Weite und zum Sinn für das Selbst und das Unendliche, ein Auftauchen in das kosmische Bewusstsein, die Beherrschung von Begierden und Leidenschaften; äußere Askese ist nicht entscheidend, aber die Überwindung des Begehrens und Verhaftetseins und die Kontrolle über den Körper, seine Bedürfnisse, Süchte und Instinkte sind unverzichtbar. Es ist eine Kombination aus den Prinzipien der alten Disziplinen, aus dem Weg des Wissens durch die mit dem Mental vorgenommene Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Anschein, aus dem Weg des Herzens mit seiner Hingabe, Liebe und des Sich-Überantwortens, sowie aus dem Weg der Werke, der den Willen weg von den Motiven des Eigeninteresses zur Wahrheit und zum Dienst an einer größeren Wirklichkeit als dem Ego hinlenkt. Es muss nämlich das gesamte Wesen geschult werden, damit es, sobald es dem höheren Licht und der höheren Kraft möglich ist, in der menschlichen Natur zu arbeiten, darauf ansprechen und umgewandelt werden kann.

In dieser Disziplin sind die Inspiration des Meisters und in den schwierigen Stadien seine Kontrolle und Gegenwart unerlässlich, denn andernfalls wäre es unmöglich, ohne allzu viele Fehltritte und Irrtümer durchzukommen, die jede Chance auf Erfolg verhindern. Der Meister ist jemand, der ein höheres Bewusstsein und Sein erreicht hat, und er wird oft als seine Manifestation oder sein Vertreter betrachtet. Er hilft nicht nur durch seine Lehre und noch mehr durch seinen Einfluss und sein Beispiel, sondern auch durch die Kraft, seine eigene Erfahrung anderen zu vermitteln.

Dies ist Sri Aurobindos Lehre und dessen praktische Methode. Sein Ziel besteht nicht darin, irgendeine Religion weiterzuentwickeln oder die älteren Religionen zu verschmelzen, oder gar eine neue Religion zu gründen –, denn all dies würde nur von seinem zentralen Anliegen wegführen. Das eine Ziel seines Yoga ist eine innere Selbstentfaltung, durch die jeder, der ihm nachgeht, mit der Zeit das Eine Selbst in allem entdecken und ein über das Mental hinausgehendes Bewusstsein entwickeln kann –, ein spirituelles und supramentales Bewusstsein, das die menschliche Natur umwandeln und vergöttlichen wird.

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Worte Sri Aurobindos

[Der Integrale Yoga] ist, verglichen mit alten Yogasystemen, deshalb neu:

1. Weil er nicht auf eine Abkehr von der Welt und vom Leben um des Himmels und Nirvana willens abzielt, sondern auf einen Wandel des Lebens und Daseins, und zwar nicht als etwas Untergeordnetes und Zufälliges, sondern als ein deutliches und zentrales Ziel. Wenn es ein Herabkommen in anderen Yogasystemen gibt, dann ist es lediglich ein Zufall auf dem Weg oder das Ergebnis des Aufstieges – der Aufstieg ist in den traditionellen Yogasystemen die einzig wahre Sache. Hier, im Integralen Yoga, ist der Aufstieg der erste Schritt, er ist ein Mittel für die Herabkunft. Die Herabkunft eines neuen Bewusstseins, das durch den Aufstieg erreicht wird, ist der Stempel und das Siegel der Sadhana. Selbst Tantra und Vishnuismus enden in der Befreiung vom Leben. Hier ist das Ziel die göttliche Erfüllung im Leben.

2. Weil das Ziel, nach dem gesucht wird, nicht eine individuelle Verwirklichung zum Heile des Einzelnen ist, sondern etwas, das für das Erdbewusstsein hier gewonnen werden muss, eine kosmische, nicht allein eine überkosmische Verwirklichung. Das zu Gewinnende ist das Einbringen einer Bewusstseins-Macht (das Supramental), die bislang noch nicht in der Erd-Natur organisiert und direkt wirksam wurde, nicht einmal im spirituellen Leben, und daher noch organisiert und unmittelbar wirksam gemacht werden muss.

3. Weil eine Methode zur Erreichung dieser Absicht erarbeitet wurde, die so umfassend und ganzheitlich ist, wie dieses Ziel selbst, nämlich der totale und integrale Wandel des Bewusstseins und der menschlichen Natur, wobei alte Methoden aufgegriffen werden, aber nur als ein Teilaspekt und eine vorläufige Unterstützung zu anderen Methoden, die sich von diesen unterscheiden. Ich habe diese Methode (in ihrer Gesamtheit) oder etwas Ähnliches wie diese in den alten Yogasystemen weder verkündet noch verwirklicht gesehen. Wäre dem nicht so, hätte ich meine Zeit nicht damit vergeudet, in dreißigjähriger Suche und innerer Schöpfung einen Weg auszuhauen, wenn ich sicher zu meinem Ziel hätte heimeilen können, leicht galoppierend auf Wegen, die bereits gebahnt, ausgetreten, vollkommen kartographiert, asphaltiert, gesichert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht sind. Unser Yoga ist keine Erneuerung der alten Wege, sondern ein spirituelles Abenteuer.

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Kapitel 8
Der Pfad

Worte Sri Aurobindos

Der supramentale Yoga ist zugleich ein Aufstieg zu Gott und eine Herabkunft der Gottheit in die verkörperte Natur.

Der Aufstieg kann nur durch eine ausschließliche, allumfassende Aspiration der Seele, des Mentals, des Lebens und des Körpers gelingen. Die Herabkunft kann nur durch einen Ruf des ganzen Wesens nach dem unendlichen und ewigen Göttlichen veranlasst werden. Wenn dieser Ruf und diese Aspiration vorhanden sind oder wenn sie irgendwie erweckt werden und ständig wachsen und die ganze Natur erfassen können, dann und nur dann wird eine Erhebung und Umwandlung in und durch das Supramental möglich sein.

Der Ruf und die Aspiration sind nur erste Voraussetzungen. Zugleich mit ihnen und als Ergebnis ihrer wirksamen Intensität muss eine Öffnung des ganzen Wesens zum Göttlichen hin und eine absolute Überantwortung an das Göttliche erfolgen.

Diese Öffnung besteht in einem weiten Offenlegen der ganzen Natur auf all ihren Ebenen und in all ihren Wesensteilen. Sie ermöglicht ihr, das größere göttliche Bewusstsein, das bereits über und hinter dieser sterblichen, halbbewussten Existenz zugegen ist und sie umfängt, ohne Abschwächungen und Begrenzungen in sich aufzunehmen.

Bei dieser Aufnahme darf ihr Fassungsvermögen sich nicht als unzureichend erweisen, darf kein Bestandteil des Systems unter dem Druck der Umwandlung zusammenbrechen, sei es im Mental, in den Nerven oder im Körper. Eine grenzenlose Aufnahmefähigkeit ist erforderlich sowie ein ständig wachsendes Vermögen, das immer stärker und akzentuierter werdende Eingreifen der göttlichen Kraft auszuhalten. Anders kann nichts Großes und Dauerhaftes zustande kommen. Der Yoga würde mit einem Zusammenbruch, einem trägen Anhalten oder einer frustrierenden oder verheerenden Stockung enden – bei einem Vorgang, der absolut und integral zu sein hat, wenn er kein Fehlschlag sein soll.

Da aber kein menschlicher Organismus diese grenzenlose Aufnahmefähigkeit und diese einwandfreie Eignung aufweist, kann der supramentale Yoga nur dann Erfolg haben, wenn die Göttliche Kraft bei ihrer Herabkunft die persönliche Kraft vermehrt und die zur Aufnahme erforderliche Stärke an jene Kraft angleicht, die von oben her in die Natur eindringt, um in ihr zu arbeiten. Dies kann nur geschehen, wenn auf unserer Seite eine fortschreitende Überantwortung in die Hände des Göttlichen erfolgt. Eine vollständige und nie ausbleibende Zustimmung ist vonnöten, eine mutige Einwilligung in alles, was die Göttliche Macht mit uns vornehmen muss, um ihr Werk zu vollbringen.

Der Mensch kann aus eigener Anstrengung nichts aus sich machen, was mehr ist als ein Mensch. Das mentale Wesen kann sich nicht aus eigener Kraft und ohne Hilfe in einen supramentalen Geist verwandeln. Allein die Herabkunft der Göttlichen Natur kann das menschliche Gefäß vergöttlichen.

Die Fähigkeiten unseres Mentals, unseres Lebens und unseres Körpers sind an ihre eigenen Grenzen gebunden, und wie hoch sie sich auch aufschwingen oder wie weit sie sich auch ausdehnen mögen, sie kommen über ihre natürlichen äußersten Grenzen nicht hinaus. Dennoch kann der mentale Mensch sich dem öffnen, was jenseits seiner liegt: Er kann ein supramentales Licht und eine supramentale Wahrheit und Macht herabrufen, auf dass sie in ihm wirken und das tun, was das Mental nicht vermag. Wenn das Mental nicht aus eigener Anstrengung zu dem werden kann, was jenseits seiner liegt, so kann doch das Supramental herabkommen und das Mental in seine eigene Substanz umwandeln.

Wenn umsichtige Einwilligung und wachsame Hingabe des Menschen der supramentalen Macht ermöglichen, entsprechend ihrer eigenen tiefen und klaren Einsicht und vielseitigen Macht zu handeln, wird diese früher oder später eine göttliche Umwandlung unserer derzeit unvollkommenen Natur bewirken...

Nur wenn Mental, Leben und Körper die bewusste integrale Überantwortung an das Göttliche gelernt haben, kann der Weg des Yoga leicht, gerade, schnell und sicher sein.

Und es muss eine Überantwortung an das Göttliche und nur an das Göttliche sein, eine Öffnung zum Göttlichen hin und zu nichts anderem. Es ist nämlich einem verdunkelten Mental und einer unreinen Lebenskraft in uns möglich, sich ungöttlichen und feindlich gesinnten Kräften zu übergeben, ja sogar solche Kräfte für das Göttliche zu halten. Es kann keinen verhängnisvolleren Irrtum geben. Deshalb darf unsere Hingabe keine blinde und widerstandslose Passivität allen Einflüssen oder jedem beliebigen Einfluss gegenüber sein. Vielmehr hat sie aufrichtig, bewusst und wachsam an das Eine und Höchste allein gerichtet zu sein.

Selbstüberantwortung an die göttliche und unendliche Mutter, so schwierig sie auch sein mag, bleibt unser einziges wirksames Mittel und unsere einzige dauerhafte Zuflucht. Selbstüberantwortung an Sie bedeutet, dass unsere Natur ein Werkzeug in Ihren Händen ist und unsere Seele ein Kind in den Armen der Mutter.

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Worte der Mutter

Der Bergweg führt immer in zwei Richtungen, nach oben und nach unten – alles hängt davon ab, was wir hinter uns lassen.

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Worte der Mutter

Das Leben ist eine immerwährende Wahl zwischen Wahrheit und Falschheit, Licht und Dunkelheit, Fortschritt und Rückschritt, der Aufstieg in die Höhe oder der Abstieg in den Abgrund. Es liegt an jedem Einzelnen, frei zu wählen.

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Worte der Mutter

Im Leben eines jeden Menschen kommt ein Moment, in dem er sich zwischen dem Pfad und dem Durcheinander entscheiden muss. Man kann nicht einen Fuß hierhin und einen Fuß dorthin setzen. Wenn man es versucht, wird man in Stücke gerissen.

Ein Herz, das nicht wählt, ist ein Herz, das sterben wird.

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Worte der Mutter

Man nimmt den spirituellen Weg nur dann auf, wenn man das Gefühl hat, nicht anders zu können.

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Worte der Mutter

Wenn der Pfad bekannt ist, ist es leicht, ihm zu folgen.

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Worte der Mutter

Um den Weg bis zum Ende zu gehen, muss man mit einer sehr geduldigen Beharrlichkeit ausgestattet sein.

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Worte der Mutter

Auf dem spirituellen Pfad ist jeder Schritt vorwärts eine Eroberung und das Ergebnis eines Kampfes.

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Worte der Mutter

Der Weg zum Göttlichen: immer lang, oft trocken in der Erscheinung, aber immer reich an seinen Ergebnissen.

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Worte der Mutter

Der Aufstieg: Stufe für Stufe steigt man hinauf zum Bewusstsein.

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Worte der Mutter

Der spirituelle Aufstieg: furchtlos, gleichmäßig, ununterbrochen.

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Worte der Mutter

Man wird so viele Etappen bewältigen, wie es nötig ist, aber man wird ankommen.

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Worte der Mutter

Die intellektuelle Einstellung steht an erster Stelle und die Praxis folgt nach und nach. Entscheidend ist, dass man sehr wachsam den Willen zum Leben und zur Wahrheit aufrechterhält. Dann ist es unmöglich, aufzuhören und erst recht nicht zurückzufallen.

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Worte der Mutter

Alle Menschen haben ein spirituelles Schicksal, das je nach ihrer Bestimmung nah oder fern liegt.

Man muss es in aller Aufrichtigkeit wollen.

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Worte der Mutter

Alles hängt von der Wahl jener Kraft ab, der du erlaubst, dich als ihr Instrument zu benutzen. Und die Wahl muss in jedem Augenblick deines Lebens getroffen werden.

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Worte der Mutter

Es ist der Konflikt in dir zwischen dem, was dem gewöhnlichen Leben anhaftet, und dem, was nach dem göttlichen Leben strebt. Es liegt an dir, zu wählen, was in dir am stärksten ist, und dementsprechend zu handeln.

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Worte der Mutter

Du kannst den Windungen zahlloser Reinkarnationen folgen oder den steilen und schnellen Weg der intensiven „Sadhana“ wählen.

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Worte der Mutter

Wer dem steilen Pfad folgt, der die Höhen erklimmt, kann leicht in den Abgrund abrutschen.

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Worte der Mutter

Für diejenigen, deren Schicksal es ist, die Gipfel zu erklimmen, führt der kleinste falsche Schritt zur tödlichen Gefahr.

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Worte der Mutter

Der perfekte Pfad: für jeden der Pfad, der am schnellsten zum Göttlichen führt.

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Worte der Mutter

Alles war Gold und Gold und Gold, ein Strom von goldenem Licht, der in einem unaufhörlich herabfloss und das Bewusstsein mit sich brachte, dass der Pfad der Götter ein sonnenheller Pfad ist, auf dem Schwierigkeiten jeglicher Wirklichkeit entbehren.

Das ist der Weg, der vor uns liegt, wenn wir uns dafür entscheiden, ihn zu gehen.

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Kapitel 9
Der Sonnenweg zur Göttlichen Gnade

Worte Sri Aurobindos

Um gegen alle Furcht, Gefahr und Unheil gewappnet durchs Leben zu gehen, bedarf es nur zweier Dinge, die stets Hand in Hand gehen – die Gnade der Göttlichen Mutter und von deiner Seite eine innere Haltung des Glaubens, der Aufrichtigkeit und Überantwortung. Lass deinen Glauben rein, ehrlich und vollkommen sein. Ein egoistischer Glaube im mentalen und vitalen Wesen, befleckt von Ehrgeiz, Stolz, Eitelkeit, mentaler Arroganz, vitalem Eigenwillen, persönlichen Forderungen und dem Verlangen nach den armseligen Befriedigungen der niederen Natur, ist eine schwache, rauchige Flamme, die nicht zum Himmel aufsteigen kann. Betrachte dein Leben als etwas, das dir ausschließlich für das göttliche Werk gegeben ist und dafür, der göttlichen Manifestation zu dienen. Begehre nichts als die Reinheit, die Kraft, das Licht, die Weite, die Ruhe und das Ananda des göttlichen Bewusstseins und sein Drängen zur Umwandlung und Vervollkommnung deines Mentals, Lebens und Körpers. Erbitte nichts als die göttliche, spirituelle und supramentale Wahrheit, ihrer Verwirklichung auf Erden und in dir und in allen, die berufen und auserwählt sind, und die nötigen Voraussetzungen für ihre Erschaffung und ihren Sieg über alle gegnerischen Kräfte.

Lass deine Aufrichtigkeit und Überantwortung ernsthaft und vollkommen sein. Wenn du dich gibst, gebe dich ganz, ohne Forderung, ohne Bedingung, ohne Vorbehalt, damit alles in dir der Göttlichen Mutter gehört und nichts dem Ego überlassen bleibt oder einer anderen Macht gegeben wird.

Je vollkommener dein Glaube, deine Aufrichtigkeit und deine Überantwortung sind, desto mehr werden Gnade und Schutz bei dir sein. Und wenn die Gnade und der Schutz der Göttlichen Mutter mit dir sind, was könnte dir dann noch passieren oder wen hättest du noch zu fürchten? Schon ein wenig davon wird dich durch alle Schwierigkeiten, Hindernisse und Gefahren bringen; umgeben von ihrer ganzen Gegenwart kannst du sicher deinen Weg gehen, denn er ist der Ihrige, unbekümmert um jegliche Bedrohung, von keiner noch so mächtigen Feindseligkeit beeinflusst, weder aus dieser Welt noch aus unsichtbaren Welten. Ihre Berührung kann Schwierigkeiten in Gelegenheiten, Fehlschlag in Erfolg, Schwäche in unbeugsame Stärke wandeln. Denn die Gnade der Göttlichen Mutter ist die Zustimmung des Höchsten und ihre Wirkung ist heute oder morgen gewiss, eine beschlossene Sache, unvermeidbar und unwiderstehlich.

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Teil II

Die Mutter

Halte meine Worte nicht für eine Lehre. Stets sind sie eine wirkende Kraft. Sie wurden zu einem ganz bestimmten Zweck geäußert, und sie verlieren ihre eigentliche Macht, wenn sie von diesem Zweck getrennt sind. – Die Mutter

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Kapitel 1
Der Ruf
Das große Abenteuer

Wir sind in einer ganz besonderen Situation, einer höchst besonderen, einer bisher noch nie dagewesenen. Wir werden jetzt zu Zeugen der Geburt einer neuen Welt. Sie ist sehr jung, sehr schwach – nicht in ihrem Wesenskern, sondern in ihrer äußerlichen Manifestation – noch nicht erkannt, nicht einmal gefühlt, ja sogar von der Mehrheit verleugnet. Aber sie existiert. Sie ist hier und bemüht sich zu wachsen. Dabei ist sie sich ihres Erfolges vollkommen sicher. Aber der Weg dorthin ist ein vollständig neuer, einer, der niemals vorher beschritten wurde – dort ist noch niemand gegangen, niemand hat das getan! Es ist ein Anfang, ein universaler Anfang. Deshalb ist es ein völlig unerwartetes und unbestimmbares Abenteuer.

Es gibt Menschen, die das Abenteuer lieben. Diese sind es, die ich rufe, und ich sage ihnen dies: „Ich lade euch ein zu einem großen Abenteuer.“

Es geht nicht darum, spirituell zu wiederholen, was andere vor uns getan haben, denn unser Abenteuer beginnt jenseits davon. Es geht um eine neue Schöpfung, eine ganz und gar neue, mit all den unvorhersehbaren Geschehnissen, den Risiken und Wagnissen, die sie mit sich bringt – ein wirkliches Abenteuer, dessen Ziel der sichere Sieg ist, zu dem wir den Weg jedoch nicht kennen und der im Unerforschten Schritt für Schritt ausfindig gemacht werden muss. Etwas, das es im gegenwärtigen Universum noch niemals gegeben hat und das es niemals auf dieselbe Weise geben wird. Wenn dich das interessiert... nun, lass uns die Reise antreten. Was dir morgen widerfährt – ich weiß es nicht.

Wir müssen alles Vorherberechnete, alles Ersonnene, alles Konstruierte ablegen und dann... aufbrechen in das Unbekannte. Und – komme was wolle! So steht es.

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Das erhabenste aller Abenteuer

Es gibt einen Zeitpunkt, in dem das Leben, so wie es ist, das menschliche Bewusstsein, so wie es ist, als etwas erscheinen, das zu ertragen absolut unmöglich ist. Es verursacht eine Art Abscheu und Widerwillen. Man sagt: „Nein, das ist es nicht, das ist es nicht. Das kann es nicht sein, das kann nicht so weitergehen.“ Nun, wenn man dahin gekommen ist, dann bleibt nur eins, alles von sich hineinzuwerfen – seine ganze Bemühung, seine ganze Kraft, sein ganzes Leben, sein ganzes Sein, in diese Chance, in diese, wenn du so willst, außergewöhnliche Gelegenheit, die sich darbietet, um auf die andere Seite überzuwechseln. Welch` eine Erleichterung, seinen Fuß auf einen neuen Pfad zu setzen, auf den, der dich ganz woanders hinführt! Das ist die Mühe wert, sich von viel Gepäck zu befreien und viele Dinge loszuwerden, um zu diesem Sprung fähig zu sein. So sehe ich das Problem.

Tatsächlich ist es das erhabenste aller Abenteuer, und trägt man die leiseste Spur eines wahren Abenteuergeistes in sich, dann lohnt es sich, alles für alles zu wagen.

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Ein entscheidender Wendepunkt

Im Augenblick sind wir an einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Erde, wieder einmal. Von jeder Seite werde ich gefragt: „Was wird geschehen?“ Überall ist Qual, Erwartung, Angst. „Was wird geschehen?...“ Es gibt nur eine Antwort: „Wenn der Mensch nur einwilligen könnte, spiritualisiert zu werden!“

Und vielleicht reichte es, wenn einige Einzelne zu reinem Gold würden, denn das wäre genug, den Lauf der Dinge zu ändern... Wir sind mit dieser Notwendigkeit in sehr dringender Weise konfrontiert.

Dieser Mut, dieser Heroismus, den das Göttliche von uns verlangt, warum sollten wir ihn uns nicht nutzbar machen, um die eigenen Schwierigkeiten zu bekämpfen, die eigenen Unvollkommenheiten, die eigenen Unklarheiten? Warum nicht heldenhaft das Feuer innerer Läuterung auf sich nehmen, so dass es nicht notwendig wird, noch einmal durch eine dieser furchtbaren, gigantischen Zerstörungen hindurchzugehen, die eine gesamte Zivilisation in die Finsternis stürzt?

Das ist das Problem, das sich uns stellt. Jeder muss es auf seine eigene Weise lösen.

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Kapitel 2
Der Wert der Erziehung
Wir träumen von Wundern

Man träumt von Wundern, wenn man jung ist, man möchte, dass alle Schlechtigkeit verschwindet, dass alles immer leuchtend, schön und glücklich ist, man liebt Geschichten mit gutem Ausgang. Das ist es, worauf man vertrauen sollte. Wenn der Körper seine Nöte, seine Beschränkungen fühlt, dann muss man seinen Traum darauf errichten – auf eine Kraft, der keine Grenzen gesetzt sind, eine Schönheit, der keine Hässlichkeit anhaftet und wunderbare Fähigkeiten: Man träumt, man wäre imstande, sich in die Lüfte zu erheben, zu sein, wo immer es notwendig ist, man träumt, Dinge zurechtzurücken, wenn sie schiefgehen, davon, Krankheiten zu heilen. In der Tat, man hat alle möglichen Träume, wenn man sehr jung ist... Gewöhnlich verbringen Lehrer oder Eltern ihre Zeit damit, kaltes Wasser darüber zu schütten, indem sie dir erzählen: „Oh, das ist ein Traum, das ist nicht die Wirklichkeit.“ Sie sollten das genaue Gegenteil tun! Man sollte Kinder lehren: „Ja, das ist es, was du versuchen musst zu verwirklichen, und es ist nicht nur möglich, sondern eine Gewissheit, wenn du mit dem Teil in dir in Kontakt kommst, der fähig ist, dieses zu tun. Das ist es, was dein Leben führen und woran du es ausrichten solltest, wodurch du dich auf die wahre Realität hin entwickelst, die die gewöhnliche Welt Illusion nennt.“

So sollte es sein, anstatt Kinder zur Mittelmäßigkeit mit jenem stumpfen gewöhnlichen Menschenverstand zu erziehen, der zu einer unausrottbaren Gewohnheit wird und, sobald irgend etwas gut läuft, im Menschen unmittelbar die Vorstellung hervorbringt: „Oh, das hat keine Dauer!“, wenn jemand freundlich ist, den Eindruck: „Oh, es wird sich ändern!“, wenn man eine Fähigkeit zu etwas hat: „Oh, morgen werde ich es bestimmt nicht so gut machen.“ Das ist wie eine Säure, eine zerstörerische Säure im Wesen, die Hoffnung, Gewissheit und Vertrauen in zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten zerfrisst.

Wenn ein Kind von Begeisterung erfüllt ist, schütte niemals kaltes Wasser darauf, sage ihm niemals: „Du weißt, so ist das Leben nicht!“ Du solltest es immer ermutigen, ihm sagen: „Ja, im Augenblick sind die Dinge nicht immer so, sie erscheinen hässlich, aber dahinter ist eine Schönheit, die versucht, sich zu verwirklichen. Das ist es, was du lieben und zu dir hinziehen solltest, was du zum Gegenstand deiner Träume und Sehnsüchte machen solltest.“

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Die Kunst des Lebens

Gewöhnlich lehrt man dich sehr wenige Dinge – man lehrt dich nicht einmal zu schlafen. Leute glauben, sie müssten sich nur in ihr Bett legen und dann schliefen sie. Aber das ist nicht wahr! Man muss lernen zu schlafen, wie man lernen muss, zu essen oder überhaupt irgend etwas zu tun. Und wenn man nicht lernt, nun, dann macht man es schlecht! Oder man braucht Jahre und Jahre, um es zu begreifen, und während all dieser Jahre, in denen man die Dinge schlecht erledigt, geschieht alles mögliche Unangenehme. Und erst, nachdem man viel gelitten, viele Fehler gemacht und viele Dummheiten begangen hat, erst dann beginnt man zu wissen, wie man etwas zu tun hat. Aber wenn sich, als du ganz klein warst, deine Eltern oder die, die sich um dich kümmerten, die Mühe gemacht hätten, dich zu lehren, das, was du tust, richtig zu tun, wie es getan werden sollte, auf die rechte Weise, dann würde dir das helfen, alles zu vermeiden – all diese Fehler, die du im Laufe der Jahre begehst. Und nicht nur, dass du Fehler machst – es sagt dir auch niemand, dass es welche sind! Und deshalb bist du überrascht, dass du krank wirst, müde bist, nicht weißt, wie du tun sollst, was du tun möchtest und was dir niemand gezeigt hat. Einige Kinder unter richtet man in nichts, und deshalb brauchen sie Jahre und Jahre und Jahre, nur um die einfachsten Sachen zu lernen, sogar die absolut elementarste Sache: sauber zu sein...

Auf die rechte Weise zu leben, ist eine sehr schwierige Kunst, und wenn man damit nicht ganz jung anfängt und sich bemüht, dann versteht man es nie sehr gut. Nur die Kunst, den Körper bei guter Gesundheit, sein Mental ruhig und einen guten Willen im Herzen zu bewahren – Dinge, die unentbehrlich sind, um in anständiger Weise zu leben – ich sage nicht in sorgloser, ich sage nicht in bemerkenswerter Weise, ich sage nur in anständiger Weise. Nun, ich glaube nicht, dass es viele gibt, die sich darum bemühen, ihren Kindern das beizubringen.

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Man braucht Erziehung

Du glaubst, man schickt dich zur Schule und lässt dich Übungen machen, nur zu dem Vergnügen, dich zu ärgern? Oh, nein! Es geschieht deshalb, weil ein Rahmen, in dem du lernen kannst, dich zu formen, unentbehrlich für dich ist. Wenn du das Werk der Individualisation, der totalen Gestaltung, selbständig, ganz allein in einer Ecke vollbrächtest, dann würde nichts von dir gefordert. Aber das tust du nicht, das würdest du nicht tun, es gibt kein einziges Kind, das es täte. Es wüsste nicht einmal, wie es das anfangen, wo es beginnen sollte. Wenn man ein Kind nicht lehrte zu leben, könnte es das nicht, es könnte nichts, gar nichts... Wenn jeder durch alle Erfahrungen, die zur Entwicklung einer Individualität notwendig sind, hindurchgehen müsste, wäre er tot, lange bevor er zu leben angefangen hätte! Es ist ein Vorteil, wenn jene, die über die aus Jahrhunderten angesammelten Erfahrungen verfügen, dir sagen: „Nun, wenn du schnell vorankommen und in einigen wenigen Jahren das in Jahrhunderten erworbene Wissen kennenlernen willst, dann tue dies hier!“ Lies, lerne, studiere und dann wird man dich im physischen Bereich lehren, dieses auf diese, jenes auf jene und dieses wieder auf diese Weise zu tun (Gesten). Sobald du über ein wenig Wissen verfügst, kannst du deine eigene Methode erarbeiten, falls du die Begabung dazu hast. Aber zuerst musst du auf deinen eigenen Füßen stehen und laufen können. Es ist sehr schwer, das ganz alleine zu lernen. Das ist für jeden gleich. Man muss sich selbst formen. Deshalb braucht man Erziehung.

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Beherrsche deine Impulse

Die Arbeit deiner Erzieher ist es, dich von jungen Jahren an zu lehren, deine Impulse zu beherrschen und nur jenen zu gehorchen, die sich im Einklang mit den Gesetzen, nach denen du lebst, befinden oder mit dem Ideal, dem du folgen möchtest oder mit den Gebräuchen deiner Umgebung. Der Wert dieser mentalen Konstruktion, welche deine inneren Regungen lenken wird, hängt zu einem großen Teil von dem Umfeld, in dem du lebst, und dem Charakter der Eltern oder der Leute ab, die dich erziehen. Aber ob es gut ist oder schlecht, mittelmäßig oder vortrefflich, es ist immer das Ergebnis einer mentalen Kontrolle über die inneren Impulse. Wenn deine Eltern dir sagen: „Das solltest du nicht tun“, oder: „Das musst du tun“, dann ist das der Anfang der Erziehung zur mentalen Kontrolle über die inneren Regungen.

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Die Vernunft muss der Meister sein

Es ist eine gute Sache, dass wir in einem frühen Alter zu lernen beginnen, dass der Verstand der Herr des Hauses sein muss, wenn wir ein taugliches Leben führen und unserem Körper das Höchstmaß dessen abringen wollen, das er fähig ist zu geben. Und das ist keine Frage von Yoga oder höherer Realisation, sondern etwas, das überall gelehrt werden sollte, in jeder Schule, jeder Familie, jedem Zuhause: Der Mensch wurde erschaffen, ein mentales Wesen zu sein, und nur um ein Mensch zu sein – wir sprechen von nichts anderem, nur davon, ein Mensch zu sein – muss das Leben von der Vernunft, nicht aber von vitalen Regungen beherrscht sein. Darin sollte man alle Kinder von früher Kindheit an unterweisen... Das erste, das man jedem Menschen, sobald er zu denken imstande ist, beibringen sollte, ist, dass er der Vernunft, die ein Über-Instinkt der menschlichen Gattung ist, gehorchen sollte. Die Vernunft ist der Meister der menschlichen Natur. Wir müssen der Vernunft folgen und uns völlig weigern, der Sklave von Instinkten zu sein. Und hier spreche ich zu euch nicht von Yoga oder vom spirituellen Leben, ganz und gar nicht, damit hat es nichts zu tun. Es ist die fundamentale Weisheit menschlichen Lebens, bloßen menschlichen Lebens. Jeder Mensch, der auf irgend etwas anderes hört als auf die Vernunft, ist eine Art Bestie, niederer als ein Tier. Das ist alles. Und das sollte überall gelehrt werden. Das ist die grundlegende Erziehung, die allen Kindern zukommen sollte.

Die Herrschaft der Vernunft darf erst mit dem Erscheinen des seelischen Gesetzes, das den göttlichen Willen offenbart, ein Ende finden.

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Die Vernunft entwickelt sich, indem man von ihr Gebrauch macht

Wie kann man die Vernunft entwickeln?

Oh! Indem man von ihr Gebrauch macht. Die Vernunft entwickelt sich wie die Muskeln, wie der Wille. Alle diese Dinge wachsen durch deren vernünftigen Gebrauch. Vernunft! Jeder besitzt Vernunft, nur wendet man sie nicht an. Einige Leute fürchten sich sehr vor der Vernunft, weil sie zu ihren Impulsen im Widerspruch steht. Deshalb ziehen sie vor, ihr nicht zu folgen. Natürlich, wenn man es sich zur Gewohnheit gemacht hat, der Vernunft nicht zu gehorchen, anstatt sie zu entfalten, dann verliert sie mehr und mehr an Leuchtkraft.

Die Vernunft zu fördern – das musst du aufrichtig wollen. Wenn du dir auf der einen Seite sagst: „Ich möchte meine Vernunft stärker werden lassen“, und auf der anderen Seite dem nicht nachkommst, was sie dir gebietet, dann wirst du es niemals zu etwas bringen, denn natürlich, wenn sie dir befiehlt: „Tu` das nicht!“ oder: „Tu das!“, und du tust das Gegenteil, dann wird sie es sich abgewöhnen, überhaupt irgend etwas zu sagen.

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Erziehung: Vorbereitung des Bewusstseins

Gewöhnlich gehören alle Erziehung, alle Bildung, alle Verfeinerung der Sinne und des Wesens zu den besten Wegen für die Überwindung von Instinkten, Begierden und Leidenschaften. Diese Dinge auszumerzen, befreit nicht von ihnen. Sie zu kultivieren, zu intellektualisieren, zu veredeln, das ist der sicherste Weg. Fortschritt und Wachstum die größtmögliche Entfaltung zu gewähren, einen gewissen Sinn für Genauigkeit und Harmonie zu erwerben, das ist ein Teil der geistigen Bildung des Wesens, der Erziehung des Wesens...

Erziehung ist sicherlich ein besonders geeignetes Mittel zur Vorbereitung des Bewusstseins auf einen höheren Entwicklungsstand. Es gibt Menschen von sehr grober und einfacher Art, deren Aspiration intensiv sein kann und die eine gewisse spirituelle Entwicklungshöhe erreichen können, aber die Grundlage wird immer von minderwertiger Beschaffenheit bleiben, und sobald sie in ihr gewöhnliches Bewusstsein zurückkehren, werden sie dort Hindernisse finden, denn der Stoff ist zu dünn, es gibt in ihrem vitalen und physischen Bewusstsein nicht genügend Elemente, die sie dazu befähigen, der Herabkunft einer höheren Macht standzuhalten.

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Die Wünsche eines Kindes

Liebe Mutter, wie können wir einem Kind dabei helfen, die Gewohnheit des ständigen Forderns abzulegen?

Es gibt viele Möglichkeiten. Aber zuallererst musst du wissen, ob du es nur davon abhältst, frei auszusprechen, was es denkt und fühlt. Denn das ist es, was Leute normalerweise tun. Sie schimpfen, manchmal bestrafen sie es sogar; und auf diese Weise entwickelt das Kind die Gewohnheit, seine Wünsche zu verbergen. Aber es ist ihrer nicht enthoben. Und weißt du, wenn man ihm immer sagt: „Nein, das bekommst du nicht“, dann wird sich nur diese innere Einstellung in ihm festsetzen: „Ah, wenn man klein ist, geben einem die Leute nichts. Ich muss warten, bis ich groß bin. Wenn ich groß bin, werde ich alles haben, was ich will.“ So ist das. Aber das befreit es nicht. Es ist sehr schwierig, ein Kind aufzuziehen. Ein Weg besteht darin, ihm alles zu geben, was es will; und natürlich, in der nächsten Minute will es etwas anderes, denn das ist das Gesetz, das Gesetz des Begehrens: nie zufrieden zu sein. Und deshalb, falls es intelligent ist, kann man dem Kind sagen: „Aber sieh mal, du wolltest dies so gern haben, und jetzt interessierst du dich nicht mehr dafür. Du möchtest etwas anderes.“ Jedoch, wenn es sehr klug ist, würde es antworten: „Nun, die beste Art, mich zu kurieren ist, mir zu geben, wonach ich verlange.“

Einige Leute halten ihr ganzes Leben an dieser Vorstellung fest. Wenn man ihnen sagt, sie sollten ihre Wünsche überwinden, antworten sie: „Die einfachste Art ist es, sie zu befriedigen.“ Diese Art Logik scheint unangreifbar. Tatsache ist, dass nicht der Gegenstand des Wünschens ausgetauscht, sondern der Wunschtrieb und die Wunschregung als solche verändert werden müssen. Hierfür ist eine ganze Menge Wissen erforderlich, und das ist für ein sehr kleines Kind sehr schwierig...

Tatsächlich sollte man damit anfangen, die Bestrebungen auf solche Dinge zu lenken, die zu besitzen vom Standpunkt der Wahrheit aus besser ist und die schwieriger zu beschaffen sind. Wenn man die Triebkraft des Wünschens hinwenden könnte auf... zum Beispiel wenn man einem Kind, das voller Wünsche steckt, zu einem Wunsch höherer Art verhelfen könnte – statt eines Wunsches rein materieller Natur, verstehst du, einer ganz flüchtigen Befriedigung – wenn man in ihm den Wunsch nach Wissen, den Wunsch zu lernen, den Wunsch, ein ungewöhnlicher Mensch zu werden, erwecken könnte – beginne damit, auf diese Weise. Da diese Dinge schwer zu tun sind, wird das Kind seinen Willen allmählich dafür ausbilden. Oder vermittele ihm, aus materieller Sicht, den Wunsch, etwas Schwieriges zu tun, zum Beispiel ein kompliziert herzustellendes Spielzeug zu bauen – oder gib ihm ein Geduldsspiel, das großer Beharrlichkeit bedarf.

Wenn man sie – und das verlangt viel Urteilsvermögen, viel Geduld, aber es ist möglich – wenn man sie auf etwas dieser Art ausrichten kann, wie in sehr schwierigen Spielen erfolgreich zu sein oder etwas auszuarbeiten, das viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordert und sie in diese Richtung zu schieben vermag, so dass sich in ihnen ein ausdauernder Wille übt, dann kann dies Ergebnisse haben: lenke ihr Augenmerk von bestimmten Dingen ab und auf andere hin. Das bedarf ständiger Mühe, und das scheint ein Weg zu sein, der, ich kann nicht sagen, der leichteste, denn er ist sicherlich nicht leicht, aber der wirkungsvollste ist.

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Wahres Bedürfnis und Begehren

Es ist sehr schwierig, den Grenzbereich zwischen wahrem Bedürfnis und Begehren zu finden... Und da stehen wir tatsächlich einem Problem gegenüber, das uns eine außergewöhnliche Aufrichtigkeit abnötigt, denn das Vital tritt im Leben zuallererst durch das Begehren hervor – und dennoch, es gibt Lebensnotwendigkeiten. Aber wie können wir wissen, ob etwas wirklich notwendig und nicht ein Begehren ist? ... Dafür musst du dich selbst sehr, sehr genau beobachten, und wenn es etwas gibt, das in dir so etwas wie ein kleines, intensives Vibrieren hervorruft, dann darfst du sicher sein, dass da ein Begehren begraben liegt. Du sagst zum Beispiel: „Diese Nahrung ist notwendig für mich“, du glaubst, stellst dir vor, denkst, du brauchst dieses oder jenes, und du findest die notwendigen Mittel, dir diese Sache zu beschaffen. Um zu erkennen, ob es ein Bedürfnis oder ein Begehren ist, musst du dich selbst sehr genau anschauen und dich fragen: „Was wird geschehen, wenn ich es nicht bekomme?“ Wenn dann die unmittelbare Antwort ist: „Oh, das wird sehr schlimm sein“, dann kannst du sicher sein, dass es sich um ein Begehren handelt. So ist das mit allem. Bei jedem Problem ziehe dich zurück, betrachte dich und frage: „Lass sehen, werde ich diese Sache erhalten?“ Wenn in diesem Augenblick etwas freudig in dir auffährt, kannst du sicher sein, da besteht ein Begehren. Wenn dir andererseits etwas sagt: „Oh, das werde ich nicht bekommen“, und du dich sehr niedergeschlagen fühlst, dann ist es wiederum ein Begehren.

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Gib die Begierde auf

Buddha hat gesagt, im Überwinden eines Begehrens liege eine größere Freude als in seiner Befriedigung. Es ist eine Erfahrung, die jeder machen kann, und es ist eine, die wahrhaftig sehr interessant ist, sehr interessant...

Es entsteht eine Art innerer Kommunion mit dem seelischen Wesen, wenn man bereitwillig ein Begehren aufgibt, und deshalb empfindet man sehr viel tiefere Freude, als wenn man es befriedigt hätte. Übrigens, meistens, fast ohne Ausnahme, bleibt irgendwo eine Art bitterer Geschmack zurück, wenn einer Begierde nachgegeben wird.

Es gibt nicht ein einziges erfülltes Verlangen, das nicht eine Art Bitterkeit hinterlässt. Es ist die Bitterkeit, die deinen Mund füllt, wenn du etwas zu Süßes gegessen hast. So ist das. Du musst dich aufrichtig bemühen. Natürlich darfst du nicht vortäuschen, ein Begehren aufzugeben und es dann in einem Winkel aufbewahren, denn dann wird man sehr unglücklich. Du musst es aufrichtig tun.

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Erringe deine kleinen Siege

Wenn du durch eine Anstrengung des inneren Bewusstseins und Wissens wahrhaftig ein Begehren in dir bezwingen kannst, das heißt, es auflöst und aufgibst, wenn du durch inneren guten Willen, durch Bewusstsein, Licht und Wissen imstande bist, es verschwinden zu lassen, wirst du, zuallererst in dir persönlich, hundertmal glücklicher sein, als hättest du ihm nachgegeben, und dann wird das wunderbare Wirkung zeigen. Es wird einen Widerhall in der Welt finden, von dem du keine Vorstellung hast. Es wird sich fortpflanzen. Denn die Schwingungen, die du hervorgerufen hast, werden sich ausbreiten. Diese Dinge wachsen zu größerem Umfang als der auslösende Schneeball. Der Sieg, den du in deiner Natur erringst, wie klein er auch sein mag, kann in der ganzen Welt errungen werden...

Wenn du wirklich etwas Gutes tun willst, dann gibt es nichts Besseres, als dir in aller Aufrichtigkeit deine kleinen Siege zu erkämpfen, einen nach dem anderen, und auf diese Weise wirst du für die Welt das dir Bestmögliche tun.

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Ändere dich selbst zuerst

Du kannst an anderen nichts tun, es sei denn, du kannst es an dir selbst tun. Du kannst niemals irgend jemandem einen Rat erteilen, es sei denn, du wärest fähig, ihn dir zuerst selber zu geben und ihn dann zu befolgen. Und wenn du irgendwo eine Schwierigkeit siehst, dann ist die beste Methode, das zu verändern, es zuerst in dir selbst zu korrigieren. Wenn du bei jemandem eine Schwäche siehst, darfst, du sicher sein, sie ist in dir, und du fängst an, sie bei dir selbst zu ändern. Und wenn das geschehen ist, wirst du stark genug sein, dasselbe auch bei anderen zu bewirken. Und das ist eine wunderbare Sache. Menschen begreifen nicht, welche unendliche Gnade es ist, dass dieses Universum so eingerichtet ist, dass eine Ansammlung von Substanz, angefangen vom äußerst Physischen bis zum höchsten Spirituellen, sich insgesamt in einem sogenannten kleinen Individuum konzentriert, aber einem zentralen Willen zur Verfügung steht. Und das gehört dir, es ist dein Arbeitsfeld, niemand kann es dir nehmen, es ist dein Besitz. Und in dem Umfang, in dem du in ihm arbeiten kannst, wirst du eine Wirkung auf die Welt ausüben. Aber nur in dem Umfang. Übrigens, man muss mehr an sich selbst arbeiten als an anderen.

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Kapitel 3
Moral, Religion, Yoga
Spiritualität und Moral

Es besteht ein großer Unterschied zwischen Spiritualität und Moral, zwei Dingen, die ständig miteinander verwechselt werden. Das spirituelle Leben, das Leben im Sinne des Yoga, hat zu seinem Ziel, in das göttliche Bewusstsein hineinzuwachsen und als sein Ergebnis, das zu läutern, verstärken und erstrahlen zu lassen und zu vervollkommnen, was in dir ist. Es macht dich zu einer Kraft, die das Göttliche offenbart. Es hebt die Natur jeder Persönlichkeit zu ihrer vollen Bedeutung empor und verhilft ihr zu ihrem höchsten Ausdruck; denn dies ist Teil des göttlichen Plans. Moral folgt einem mentalen Verfahren und errichtet mit einigen wenigen Vorstellungen davon, was gut ist oder nicht, ein Idealmodell, in welches sich alle hineinzwingen müssen. Diese Idealvorstellung unterscheidet sich zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten in ihren Einzelheiten und in ihrer Gesamtheit. Und dennoch erklärt sie sich selbst zum einzigartigen Vorbild, einem kategorischen Absoluten. Sie erkennt außerhalb ihrer selbst nichts an; sie lässt nicht einmal eine Abweichung innerhalb ihrer selbst gelten. Alle sollen ihrem alleinigen Idealbild entsprechend geformt werden, alle sollen einheitlich und untadelig dieselben sein. Wegen ihrer starren, wirklichkeitsfremden Natur ist die Moral in Prinzip und Wirkensweise das Gegenteil von Spiritualität. Im spirituellen Leben enthüllt sich die eine Wesenheit in allem, aber auch ihre unbegrenzte Mannigfaltigkeit. Sie arbeitet für die Vielfalt im Einssein und für Vollkommenheit in dieser Vielfalt. Moral errichtet einen künstlichen Maßstab, der zur Verschiedenartigkeit des Lebens und der Freiheit des Geistes im Widerspruch steht. Sie erschafft etwas Mentales, Festgesetztes, Beschränktes und verlangt von allen, sich dem anzupassen. Alle müssen sich abmühen, dieselben Eigenschaften und denselben vorbildlichen Charakter zu erwerben. Moral ist nicht göttlich oder vom Göttlichen. Sie ist vom Menschen und menschlich. Ihre Grundlage ist die unveränderliche Spaltung in Gut und Böse. Aber das ist eine willkürliche Setzung. Sie nimmt relative Dinge und versucht, sie als absolute einzuführen; denn dieses Gute und jenes Böse unterscheiden sich in unterschiedlichen Klimagebieten und Zeiten, Epochen und Ländern. Die Moralauffassung geht so weit zu behaupten, es gäbe gute und schlechte Begierden und verlangt von dir, die eine anzunehmen und die andere zurückzuweisen. Aber das spirituelle Leben fordert von dir, überhaupt alles Begehren zurückzuweisen. Gemäß seines Gesetzes musst du alle Bestrebungen, die dich vom Göttlichen entfernen, verwerfen. Du musst sie abwehren, nicht weil sie in sich selbst schlecht wären – denn sie mögen für einen anderen Menschen in einer anderen Umgebung gut sein – sondern weil sie zu jenen Antrieben und Kräften gehören, die, unerleuchtet und unwissend, dir auf deinem Weg zum Göttlichen im Wege stehen. Alles Begehren, ob gut oder schlecht, fällt in diese Darstellung: denn das Begehren selbst entspringt einem unerleuchteten, vitalen Wesen und seiner Unwissenheit. Andererseits musst du alle Regungen annehmen, die dich in Kontakt mit dem Göttlichen bringen. Aber du stimmst ihnen zu, nicht weil sie in sich selbst gut wären, sondern weil sie dich zum Göttlichen leiten. Akzeptiere also alles, was dich zum Göttlichen führt. Weise alles zurück, was dich von ihm fortbringt, aber sage nicht, dies ist gut oder jenes ist schlecht oder versuche nicht, anderen deine Auffassung aufzunötigen; denn das, was du als schlecht bezeichnest, mag für deinen Nachbarn, der nicht versucht, das Göttliche Leben zu verwirklichen, genau das Richtige sein.

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Hat uns die Moral nicht geholfen?

Liebe Mutter, hat uns die Moral nicht geholfen, unser Bewusstsein zu erweitern?

Das hängt von den Leuten ab. Es gibt Leute, denen sie dienlich und andere, für die sie das überhaupt nicht war.

Moral ist etwas ganz und gar Künstliches und Willkürliches und in den meisten Fällen, selbst bei den Besten, hemmt sie echte spirituelle Bemühung durch eine Art moralischer Zufriedenheit, man sei auf dem rechten Weg und ein wahrer Gentleman, man erfülle seine Pflicht und komme allen moralischen Erfordernissen des Lebens nach. Dann ist man so selbstzufrieden, dass man sich nicht mehr von der Stelle rührt oder irgendeinen Fortschritt macht.

Es ist für einen tugendhaften Mann sehr schwierig, den Pfad Gottes zu betreten. Das ist schon oft gesagt worden, aber es ist vollkommen richtig, denn er ist in höchstem Maße selbstzufrieden, er glaubt, er hat verwirklicht, was er verwirklicht haben sollte. Ihm fehlt entweder die Sehnsucht oder sogar jene einfache Demut, die uns nach Fortschritt verlangen lässt. Weißt du, einer, den wir hier als einen Weisen betrachten, hat es sich gewöhnlich in seiner Tugendhaftigkeit sehr bequem eingerichtet und denkt niemals daran, da herauszukommen. Das entfernt dich meilenweit von göttlicher Realisation.

Bis man das innere Licht gefunden hat, hilft es aber wirklich, für sich selbst eine bestimmte Anzahl Regeln aufzustellen, die natürlich nicht zu starr und unveränderlich sein sollten, jedoch genau genug, uns davor zu bewahren, vollständig vom rechten Pfad abzuweichen oder nicht wiedergutzumachende Fehler zu begehen – Fehler, unter deren Folgen wir unser ganzes Leben leiden.

Dazu ist es gut, in sich selbst einige Prinzipien zu errichten, die jedoch jeweils im Einklang mit der eigenen Natur stehen sollten. Wenn man sich eine soziale, kollektive Regel zu eigen macht, wird man sofort zu einem Sklaven dieser Vorschrift, und das hindert uns fast vollständig daran, irgendeine Anstrengung zu unserer Umwandlung zu machen.

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Der Menschheit dienen

Warum möchtest du der Menschheit dienen, welche Vorstellung steckt dahinter? Es ist Ehrgeiz, damit du ein großartiger Mensch unter den Menschen wirst. Das ist schwer zu begreifen?... Das kann ich verstehen!

Das Göttliche ist überall. Deshalb, wenn man der Menschheit dient, dient man dem Göttlichen, ist das nicht so?

Das ist fantastisch! In dieser Angelegenheit ist es das Einleuchtendste zu sagen: „Das Göttliche ist in mir. Wenn ich mir selbst diene, diene ich ebenso dem Göttlichen!“ Tatsächlich ist das Göttliche überall. Das Göttliche wird Sein Werk sehr gut ohne dich tun.

Ich sehe ganz gut, dass du mich nicht verstehst. Aber wirklich, wenn du begreifst, dass das Göttliche da ist, in allen Dingen, worin mischst du dich ein, indem du der Menschheit dienst? Um das zu tun, musst du besser wissen als das Göttliche, was für sie getan werden muss. Weißt du besser als das Göttliche, wie man ihr dient?

Das Göttliche ist überall. Ja. Dinge scheinen nicht göttlich zu sein... Was mich betrifft, so sehe ich nur eine Lösung: Wenn du der Menschheit helfen möchtest, gibt es nur eines zu tun, das heißt nimm dich so vollständig wie möglich und bringe dich dem Göttlichen dar. Das ist die Lösung. Denn auf diese Weise wird wenigstens die physische Realität, die du verkörperst, fähig, dem Göttlichen ein wenig ähnlicher zu werden.

Man sagt uns, das Göttliche ist in allen Dingen. Warum ändern sie sich nicht? Weil das Göttliche keine Erwiderung erfährt, es spricht nicht alles auf das Göttliche an. Man muss die Tiefen des Bewusstseins erforschen, um das zu erkennen. Was willst du tun, um der Menschheit zu dienen? Den Armen zu essen geben? – Du kannst Millionen von ihnen ernähren. Das wird keine Lösung sein, dieses Problem wird dasselbe bleiben. Den Menschen neue und bessere Lebensbedingungen schaffen? – Das Göttliche ist in ihnen, wie kommt es, dass die Dinge sich nicht wandeln? Das Göttliche wird den Zustand der Welt besser kennen als du. Was bist du? Du stellst nur ein klein wenig Bewusstsein und ein klein wenig Materie dar, das ist es, was du „ich selbst“ nennst. Wenn du der Menschheit helfen möchtest, der Welt oder dem Universum, dann ist das einzige, was du tun kannst, dieses kleine Etwas vollständig dem Göttlichen hinzugeben. Warum ist die Welt nicht göttlich?... Es ist offensichtlich, dass die Welt nicht in Ordnung ist. Deshalb ist die einzige Lösung des Problems die, abzugeben, was dir gehört. Gib es vollständig, ganz und gar dem Göttlichen; nicht nur deinetwillen, sondern auch für die Menschheit, für das Universum. Es gibt keine bessere Lösung. Wie willst du der Menschheit nützen? Du weißt nicht einmal, was sie braucht. Vielleicht weißt du noch weniger, welcher Macht du dienst. Wie kannst du irgend etwas ändern, ohne dich selbst wirklich geändert zu haben?

In jedem Fall bist du dazu nicht mächtig genug. Wie kannst du erwarten, einem anderen Beistand leisten zu können, wenn du nicht über ein höheres Bewusstsein verfügst als er? Es ist eine solch kindische Idee! Nur Kinder sagen: „Ich werde ein Wohnheim aufmachen, einen Kinderhort bauen, Armen Suppe austeilen, dieses Wissen verkünden, jene Religion verbreiten...“. Das geschieht nur, weil du dich selbst für besser hältst als andere, glaubst, du weißt besser, was sie sein oder tun sollten. Das ist es, was Der-Menschheit-dienen bedeutet. Du möchtest das alles fortsetzen? Es hat die Dinge nicht viel verändert. Der Menschheit helfen heißt nicht, ein Krankenhaus oder eine Schule zu eröffnen...

Du kannst Millionen Krankenhäuser einrichten, das wird die Leute nicht davor bewahren, krank zu werden. Im Gegenteil, dazu werden sie dann jede Gelegenheit und jede Ermunterung haben. Wir sind durchdrungen von Vorstellungen dieser Art. Das beruhigt unser Gewissen: „Ich bin auf diese Welt gekommen, ich muss anderen helfen.“ Man sagt zu sich selbst: „Wie selbstlos ich bin! Ich werde der Menschheit helfen.“ Aber das ist nichts als Egoismus.

Tatsächlich ist das erste menschliche Wesen, das dich angeht, du selbst. Du möchtest das Leiden vermindern, aber wenn du nicht die Eigenschaft zu leiden in ein von Gewissheit getragenes Glücklichsein verwandeln kannst, wird sich die Welt nicht ändern. Sie wird immer dieselbe bleiben, wir drehen uns im Kreis – eine Zivilisation folgt der anderen, eine Katastrophe der anderen. Aber die Sache wird nicht anders, denn es fehlt etwas, etwas ist nicht da, das ist das Bewusstsein. Das ist alles.

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Religion

Religion gehört der höheren Ebene des menschlichen Mentals an. Es ist die Bestrebung des höheren menschlichen Mentals, sich so weit, wie es in seiner Macht liegt, auf etwas jenseits seiner selbst zuzubewegen, etwas, das die Menschheit Gott oder Geist oder Wahrheit oder Glaube oder Wissen oder das Unendliche nennt, eine Art Absolutes, welches das menschliche Mental nicht erfassen kann und dennoch zu erfassen sucht. Religion mag in ihrem allerletzten Ursprung göttlich sein; in ihrer gegenwärtigen Natur ist sie nicht göttlich, sondern menschlich. Wir sollten wahrlich eher von Religionen sprechen als von Religion; denn es gibt viele von Menschen erschaffene Religionen...

Der erste Hauptglaubenssatz dieser bestehenden herkömmlichen Religionen lautet: „Mein ist die höchste, die einzige Wahrheit, alle anderen befinden sich in Unwahrheit oder sind minderwertig.“ Denn ohne dieses grundlegende Dogma könnten etablierte Religionsbekenntnisse nicht existieren. Wenn du nicht daran glaubst und nicht erklärst, dass du allein im Besitze der höchsten Wahrheit bist, wirst du nicht imstande sein, Leute zu beeindrucken und dazu zu veranlassen, dir zuzuströmen.

Diese Einstellung ist für die Religiosität natürlich. Eben dies lässt aber die Religion einem spirituellen Leben im Wege stehen. Die Glaubens- und Lehrsätze einer Religion sind mental erzeugte Dinge, und wenn du an ihnen klebst und dich in einen für dich aufgestellten Lebenskodex einschließt, dann kennst du nicht und kannst auch nicht die Wahrheit des Geistes kennen, der über alle Regelsysteme und Dogmen hinausreicht, weit und gewaltig und frei. Wenn du bei einer religiösen Überzeugung halt machst und dich dort bindest, indem du sie für die einzige Wahrheit der Welt hältst, dann bereitest du dem Fortkommen und dem Weitwerden deiner Seele ein Ende. Wenn du jedoch die Religion aus einem anderen Gesichtswinkel betrachtest, braucht sie nicht immer und für alle Menschen ein Hindernis zu sein. Wenn du sie als eine der höheren Aktivitäten der Menschheit erachtest und du in ihr das Streben des Menschen erkennen kannst, ohne die Unvollkommenheiten alles Menschenerschaffenen zu übersehen, dann vermag sie wohl eine Art Hilfe für dich auf dem Weg zu einem spirituellen Leben zu sein. Indem du dich in ernsthafter und aufrichtiger Haltung mit ihr befasst, kannst du versuchen herauszufinden, welche Wahrheit sie enthält, welche Sehnsucht in ihr verborgen liegt, welche göttliche Inspiration hier durch den menschlichen Geist und eine menschliches System Umformung und Verformung erfahren hat. Mit geeigneter mentaler Einstellung kannst du die Religion selbst so, wie sie ist, dahin bringen, etwas Licht auf deinen Weg zu werfen und dir etwas Unterstützung bei deiner spirituellen Bemühung zu gewähren.

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Yoga und Religion

Liebe Mutter, was ist der Unterschied zwischen Yoga und Religion?

Ah! Mein Kind... das ist, als fragtest du mich nach dem Unterschied zwischen Hund und Katze!

(Langes Schweigen)

Stelle dir jemanden vor, der irgendwie von etwas wie dem Göttlichen gehört oder ein eigenes Gefühl hat, dass etwas dieser Art existiert und der fängt an, sich auf alle mögliche Weise zu bemühen: Bemühungen des Willens, der Disziplin, der Konzentration, alles mögliche, um das Göttliche zu finden, um zu entdecken, was Er ist, mit Ihm vertraut zu werden und sich mit Ihm zu vereinen. Dann macht dieser Mensch Yoga.

Nun, wenn dieser Mensch alle Verfahren, derer er sich bedient hat, aufgeschrieben hat und ein starres System konstruiert und alles, was er erkannt hat, zu absoluten Gesetzen erklärt – zum Beispiel sagt er: Das Göttliche ist so und so, um das Göttliche zu finden, musst du jenes tun, führe diese besondere Geste aus, übernimm diese innere Haltung, vollziehe diese Zeremonie und du musst gelten lassen, dass dieses die Wahrheit ist, du musst sagen: „Ich erkenne an, dass dies die Wahrheit ist und ich werde mich voll und ganz daran halten; und deine Methode ist die einzig richtige, die einzig bestehende“ – wenn all das niedergeschrieben, gestaltet und nach festen Gesetzen und Zeremonien geordnet ist, dann wird es eine Religion.

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Sri Aurobindos Lehre und Religion

Viele Leute sagen, die Lehre Sri Aurobindos sei eine neue Religion. Würdest du sagen, sie ist eine neue Religion?

Leute, die das sagen, sind Dummköpfe, die nicht einmal wissen, worüber sie reden. Man braucht nur all das zu lesen, was Sri Aurobindo geschrieben hat, um zu begreifen, dass es unmöglich ist, auf seinem Werk eine Religion zu begründen, denn er selbst stellt jedes Problem, jede Frage in all deren Aspekten dar, indem er die in jedweder Sicht der Dinge verborgene Wahrheit aufzeigt; und er erklärt, man muss, um die Wahrheit zu erfahren, eine Synthese verwirklichen, die jeglichen mentalen Begriff überschreitet und in einer Transzendenz jenseits des Denkens aufgeht...

Ich wiederhole, wenn wir von Sri Aurobindo sprechen, dann kann keine Rede von Lehre, noch nicht einmal von Offenbarung sein, sondern von einer Tat des Höchsten; darauf kann keine Religion gegründet werden.

Aber die Menschen sind so dumm, dass sie imstande sind, alles mögliche in eine Religion zu verwandeln, so groß ist ihr Bedürfnis nach einem festen Rahmen für ihr enges Denken und ihr beschränktes Handeln. Sie fühlen sich so lange nicht sicher, bis sie geltend machen können, dies ist wahr und jenes nicht; aber ein solcher Anspruch wird für jemanden, der gelesen und verstanden hat, was von Sri Aurobindo geschrieben wurde, unmöglich. Religion und Yoga gehören nicht der gleichen Seinsebene an, und ein spirituelles Leben kann nur in aller Reinheit bestehen, wenn es von allen mentalen Dogmen frei ist.

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Der Entschluss zum Yoga

Siehst du, man mag einen sehr guten Willen haben, ein Leben, das auf göttliche Realisation ausgerichtet ist, jedenfalls eine mehr oder weniger oberflächliche Hingabe an ein göttliches Werk, und dennoch keinen Yoga praktizieren.

Für Sri Aurobindos Yoga muss man sich selbst integral umwandeln wollen, es bedeutet, ein einziges Ziel im Leben zu verfolgen, in der Art, dass es nichts anderes mehr gibt, das alleine existiert. Und so fühlt man klar in sich selbst, ob man es will oder nicht. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, kann man immer noch ein Leben guten Willens führen, ein Leben des Dienens, des Verstehens. Man kann sich um das Werk mühen, damit es leichter vollbracht wird – alles das – man kann vieles tun. Doch zwischen diesem und dem Yoga besteht ein großer Unterschied.

Den Yoga auszuüben muss man bewusst wollen, du musst zunächst wissen, was das ist. Du musst wissen, was das ist, du musst dich dazu entscheiden. Sobald das hingegen geschehen ist, darfst du nicht länger zaudern. Das ist der Grund, weshalb du in voller Kenntnis der Sache eine Entscheidung fällen musst. Du musst wissen, wofür du dich entschließt, wenn du sagst: „Ich möchte Yoga machen.“ Und deshalb, von diesem Standpunkt aus, habe ich euch, glaube ich, niemals bedrängt...

Doch von dem Tag an, an dem du eine Wahl triffst – wenn du das in aller Aufrichtigkeit getan hast und in dir eine radikale Entschlossenheit fühlst – ändert sich die Lage. Da ist das Licht und der Pfad, denen man folgen muss, ganz geradlinig, und du darfst nicht davon abweichen. Weißt du, es wird niemand zum Narren gehalten. Yoga ist kein Spaß. Du musst wissen, was du tust, wenn du dich dazu entschließt. Wenn das jedoch geschehen ist, dann musst du daran festhalten. Du hast kein Recht mehr zu schwanken. Du musst geradeaus gehen! Da!...

Diesen Yoga der Umwandlung, der obendrein der mühsamste ist, diesen Yoga kann man nur machen, wenn man fühlt, dass man für ihn hierhergekommen ist (ich meine, hier auf die Erde) und dass man nichts anderes tun kann als das und dass das der einzige Grund für die eigene Existenz ist – selbst wenn man sich hart plagen, leiden und kämpfen muss, hat das keine Bedeutung – „Das ist es, was ich will, sonst nichts!“ – dann ist es anders. Sonst werde ich sagen: „Sei glücklich und sei gut, und das ist alles, was von dir verlangt wird. Sei gut im Sinne von verstehend sein und wissend, dass die Bedingungen, in denen du lebst, außergewöhnliche sind und versuche, ein bedeutenderes, trefflicheres und wahrhaftigeres Leben zu führen als der gewöhnliche Mensch, damit sich ein wenig von diesem Bewusstsein, diesem Licht und seiner Güte in der Welt auszudrücken vermag. Das wäre sehr gut.“ So ist es!

Sobald du hingegen deinen Fuß auf den Yogapfad gesetzt hast, musst du über eine stählerne Entschlossenheit verfügen und direkt auf das Ziel zu marschieren, was immer auch der Preis sein mag.

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Ein Ruf für den Pfad

Wozu willst du den Yoga? Um Macht zu gewinnen? Um Frieden und Ruhe zu erlangen? Um der Menschheit zu dienen?

Keiner dieser Beweggründe beweist ausreichend, dass du für den Pfad bestimmt bist.

Die Frage, die du beantworten musst, ist diese: Willst du den Yoga um des Göttlichen willen? Ist das Göttliche die höchste Wirklichkeit in deinem Leben, und zwar so sehr, dass es für dich einfach unmöglich ist, ohne es auszukommen? Fühlst du, dass das Göttliche deine alleinige raison d'etre ist und dass ohne es deine Existenz keinen Sinn hat? Nur wenn das so ist, kann behauptet werden, du hättest einen Ruf für den Pfad.

Das ist die erste Notwendigkeit – ein sehnsuchtsvolles Streben nach dem Göttlichen.

Das nächste, was du tun musst, ist sie zu pflegen, sie immer wach, bewusst und lebendig zu halten. Und dafür ist Konzentration erforderlich – Konzentration auf das Göttliche, ausgerichtet auf eine vollständige und bedingungslose Weihe an seinen Willen und seinen Plan.

Konzentriere dich in deinem Herzen. Gehe dort hinein; begib dich in sein Inneres, tief und weit, so weit wie du kannst. Sammle all die weit versprengten Fäden deines Bewusstseins, wickele sie auf, wage den Sprung und senke dich hinein.

Es brennt ein Feuer dort in dem tiefen Frieden deines Herzens. Es ist die Gottheit in dir – dein wahres Wesen. Höre auf ihre Stimme, folge ihren Geboten.

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Kapitel 4
Hingabe, Selbstdarbringung, Demut
Zwei Pfade des Yoga

Es gibt zwei Pfade des Yoga, der eine ist der der tapasya (Disziplin) und der andere ist der der Hingabe. Der Pfad der tapasya ist mühselig. Hier hängst du einzig von dir selbst ab; du schreitest fort durch deine eigene Kraft. Du steigst empor und bist erfolgreich nach dem Maße deiner Kraft. Es besteht immer die Gefahr des Absturzes. Und bist du einmal gefallen, dann liegst du zerschmettert im Abgrund und es findet sich kaum ein Heilmittel. Der andere Pfad, der der Hingabe, ist sicher und zuverlässig. Genau damit gerät aber der westliche Mensch in Schwierigkeiten. Man hat ihn gelehrt, alles zu fürchten, was seine persönliche Unabhängigkeit bedroht. Mit der Muttermilch hat er seinen Sinn für Individualität aufgesogen. Und Hingabe bedeutet, all das aufzugeben. Mit anderen Worten, du kannst, wie Ramakrishna sagt, entweder dem Pfad des Affen- oder des Katzenbabys folgen. Das Affenbaby hält sich an seiner Mutter fest, um herumgetragen zu werden, und es muss sich entschlossen festhalten, weil es fällt, wenn es loslässt. Das Katzenbaby andererseits klammert sich nicht an seine Mutter, sondern wird von ihr getragen und hat weder Angst, noch Verantwortung; es hat nichts anderes zu tun, als sich von der Mutter tragen zu lassen und ‚Mama‘ zu schreien.

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Zwei Pfade des Yoga

Hingabe ist die Entscheidung darüber, die Verantwortung für dein Leben dem Göttlichen zu überlassen. Ohne diese Entscheidung ist überhaupt nichts möglich. Wenn du dich nicht hingibst, ist der Yoga völlig ausgeschlossen. Alles andere folgt natürlicherweise erst danach, denn der ganze Vorgang beginnt mit Hingabe. Du kannst dich entweder kraft des Wissens oder der Weihung überantworten. Du verspürst vielleicht eine starke Intuition, dass das Göttliche allein die Wahrheit ist und eine lichtvolle Überzeugung, dass du ohne das Göttliche nicht zurechtkommst. Oder vielleicht empfindest du eine unmittelbare innere Ahnung, dass dieser Weg der einzige ist, glücklich zu werden und ein starkes seelisches Verlangen, ausschließlich dem Göttlichen zu gehören: „Ich gehöre nicht mir selbst“, sagst du und übergibst die Verantwortung für dein Wesen der Wahrheit. Dann kommt die Selbstüberantwortung: „Hier bin ich, ein Geschöpf mit verschiedenen Eigenschaften, gut und schlecht, dunkel und erleuchtet. Ich bringe mich dar so wie ich bin, nimm mich mit all meinen Höhen und Tiefen, mit all meinen widerstreitenden Impulsen und Neigungen an – tue mit mir, was immer du magst.

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Wahre Hingabe lässt dich weiter werden

Mit Hingabe meinen wir... ein spontanes Sich-selbst-geben, ein dich selbst ganz an das Göttliche Überlassen, an ein größeres Bewusstsein, von dem du ein Teil bist. Hingabe macht dich nicht kleiner, sondern größer. Sie wird deine Persönlichkeit nicht schmälern oder schwächen oder zerstören, sondern stärken und erhöhen. Hingabe bedeutet ein freies, vollkommenes Sich-Geben mit all der Freude des Gebens. Sie enthält nicht das Gefühl des Opfers. Wenn du auch nur die leiseste Empfindung hast, dass du dich aufopferst, dann ist das nicht länger Hingabe. Denn das heißt, dass du dich zurückhältst oder dass du dich widerwillig, mit Schmerz oder angestrengt bemühst und nicht die Freude des Schenkens erlebst, vielleicht nicht einmal das Gefühl des Gebens. Wenn du irgend etwas im Gefühl einer Einschnürung deines Wesens tust, dann sei sicher, dass du es auf falsche Weise angehst. Wahre Hingabe lässt dich weiter werden. Sie vermehrt deine Fähigkeiten. Sie gibt dir ein größeres Maß an Qualität und Quantität, was du allein durch dich selbst nicht hättest erlangen können. Dieser neue Zuwachs an Quantität und Qualität ist anders als alles, was du vorher durch dich selbst zu erreichen imstande warst: du trittst in eine neue Welt ein, die du ohne Hingabe nicht hättest betreten können. Es ist, als fiele ein Tropfen Wasser ins Meer. Bewahrte er dort seine gesonderte Identität, bliebe er ein kleiner Wassertropfen und nichts mehr, erdrückt von der Grenzenlosigkeit um ihn herum, weil er sich nicht hingibt. Aber indem er sich hingibt, wird er eins mit dem Meer und hat Teil an dessen Wesen, Macht und ganzen Unermesslichkeit.

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Die wichtigste Hingabe

Die wichtigste Hingabe ist die deines Charakters, deiner Art zu sein, so dass sie sich ändern kann. Wenn du nicht deine dir ganz eigene Natur hingibst, dann wird sie sich niemals wandeln. Genau das ist das Wichtigste. Du hast bestimmte Auffassungen, bestimmte Reaktionsweisen, eine bestimmte Art zu fühlen, eine beinahe festgelegte Weise, Fortschritte zu machen und vor allem eine besondere Art, das Leben zu betrachten und gewisse Dinge von ihm zu erwarten – nun, eben das musst du hingeben. Das heißt, wenn du wahrhaftig das göttliche Licht empfangen und dich umwandeln willst, dann musst du deine ganze Art zu sein darbringen – darbringen, indem du dich öffnest, dich so empfänglich wie möglich machst, so dass das göttliche Bewusstsein, das weiß, wie du sein solltest, unmittelbar handeln und alle diese Regungen in solche verwandeln kann, die der Wahrheit näher sind, die mehr mit deiner tatsächlichen Wahrheit übereinstimmen. Das ist unendlich viel wichtiger, als sein Tun hinzugeben.

Nicht das, was man tut, ist das Wichtigste (das ist sehr wichtig, das ist offenkundig), sondern das, was man ist. Nicht einfach die Art, wie man etwas tut, ist bedeutend, wie immer auch die Tätigkeit, sondern der Stand des Bewusstseins, in welchem man handelt. Du magst arbeiten, ein selbstloses Werk ohne jeglichen Gedanken an persönlichen Nutzen tun, arbeiten um der Freude an der Arbeit willen, aber wenn du nicht gleichzeitig bereit bist, diese Tätigkeit aufzugeben, eine andere zu anzunehmen oder die Arbeitsmethode zu verändern, wenn du deiner eigenen Arbeitsweise verhaftet bist, dann ist deine Hingabe nicht vollständig. Du musst einen Punkt erreichen, an dem alles getan wird, weil du innerlich fühlst, sehr klar und in zunehmend gebieterischer Weise, dass genau das und in dieser besonderen Weise getan werden muss und dass du es nur deshalb tust. Du tust es nicht aus irgendeiner Gewohnheit, Bindung oder Vorliebe, nicht einmal aus einer Vorstellung oder sogar, weil du der Idee, dass dieses das Beste sei, den Vorzug gibst – anderenfalls ist deine Hingabe nicht total.

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Yoga wird durch Darbringung wirksam

Yoga bedeutet Einung mit dem Göttlichen, und diese Einung wird durch Selbstdarbringung bewirkt – sie wird begründet auf der Darbringung deiner selbst an das Göttliche. Am Anfang vollziehst du diese Selbstdarbringung in allgemeiner Form, als wäre es ein für allemal. Du sagst: „Ich bin der Diener des Göttlichen. Diesem ist mein Leben vollkommen überlassen. All mein Streben gilt der Verwirklichung des Göttlichen Lebens.“ Aber das ist nur der erste Schritt; denn das reicht nicht aus. Wenn der Entschluss gefasst ist, wenn du entschieden hast, dass dein ganzes Leben dem Göttlichen überantwortet sein soll, dann musst du dessen noch in jedem Augenblick eingedenk sein und es in allen Einzelheiten deiner Existenz leben. Bei jedem Schritt musst du fühlen, dass du dem Göttlichen gehörst. Du musst die beständige Erfahrung haben, was auch immer du tust und denkst, dass es immer das Göttliche Bewusstsein ist, das durch dich handelt. Du besitzt nichts mehr, das du dein eigen nennen kannst. Alles empfindest du als vom Göttlichen herstammend, und du musst es an seinen Ursprung zurückgeben. Wenn du das verwirklichen kannst, dann wird selbst das kleinste Ding, dem du sonst nicht viel Aufmerksamkeit oder Mühe schenkst, aufhören, unbedeutend und nichtssagend zu sein. Es wird zutiefst bedeutungsvoll und eröffnet über sich hinaus einen unermesslichen Horizont.

Das ist es, was du tun musst, nämlich deine ganze allgemeine Selbstdarbringung sich im einzelnen erfüllen lassen. Lebe beständig in der Gegenwart des Göttlichen. Lebe in dem Bewusstsein, dass es diese Gegenwart ist, die dich bewegt und alles bewirkt, was du tust. Bringe ihm alle Regungen dar, nicht nur jede mentale Tätigkeit, jeden Gedanken und jedes Gefühl, sondern sogar die allergewöhnlichsten und äußerlichsten Handlungen, wie zum Beispiel essen. Wenn du isst, musst du fühlen, es ist das Göttliche, das durch dich isst. Wenn du auf diese Weise all deine Bestrebungen in dieses Eine Leben versammeln kannst, dann besteht Einheit in dir statt Zerteilung. Nicht länger gehört ein Teil deines Wesens dem Göttlichen, während der Rest in seiner gewöhnlichen Art verbleibt, verstrickt in gewöhnliche Dinge. Dein ganzes Leben wird erfasst, eine integrale Umwandlung wird allmählich in dir verwirklicht.

Im Integralen Yoga muss sich das gesamte Leben bis in die geringste Kleinigkeit umwandeln, göttlich gemacht werden. Es gibt hier nichts, das unbedeutend, nichts, das gleichgültig wäre. Du kannst nicht sagen: „Wenn ich meditiere, mich mit Philosophie beschäftige oder diesen Gesprächen zuhöre, dann bin ich in dieser Verfassung, in der ich mich zum Licht öffne und nach ihm verlange, aber wenn ich einen Spaziergang unternehme oder Freunde besuche, kann ich mir gestatten, alles zu vergessen.“ In dieser Haltung zu verharren, bedeutet, dass du immer ungewandelt bleiben und niemals wahre Einheit erfahren wirst. Du wirst immer zerspalten bleiben. Bestenfalls wirst du einen bloß flüchtigen Einblick in dieses größere Leben gewinnen. Denn obwohl dir in der Meditation oder in deinem inneren Bewusstsein gewisse Erlebnisse und Realisationen widerfahren mögen, bleiben dein Körper und dein äußeres Leben unverändert. Eine innere Erleuchtung, die den Körper und das äußere Leben nicht berücksichtigt, ist nicht von großem Nutzen, denn sie belässt die Welt so, wie sie ist.

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Leere Kontemplation

Ich habe niemals Leute, die alles zurückgelassen haben, um sich zu mehr oder weniger leerer Kontemplation (denn sie ist mehr oder weniger leer) niederzusetzen, solche Leute habe ich niemals irgendeinen Fortschritt machen sehen, oder ihr Fortschritt ist in jedem Fall sehr geringfügig. Ich habe Leute erlebt, die nicht für sich in Anspruch nahmen, Yoga zu üben, die einfach erfüllt waren von Begeisterung über die Vorstellung irdischer Umwandlung und der Herabkunft des Göttlichen in diese Welt und die ihren kleinen Anteil Arbeit mit dieser Begeisterung im Herzen leisteten, sich selbst vollständig hingebend, ohne Vorbehalt, ohne irgendeinen selbstsüchtigen Gedanken an persönliche Erlösung. Solche habe ich großartigen Fortschritt machen sehen, wahrhaft großartig. Und manchmal sind sie wunderbar. Ich habe Sannyasins gesehen, Leute, die in Klöstern leben, ich habe Leute kennengelernt, die vorgaben, Yogis zu sein, nun, ich würde nicht einen der anderen gegen ein Dutzend solcher Leute eintauschen... Man verändert die Welt nicht, indem man vor ihr davonläuft. Das geschieht dadurch, dass man dort arbeitet, bescheiden, demütig, aber mit einem Feuer im Herzen, das brennt wie eine Opfergabe.

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Asketische Methoden

Mutter, sind nicht manchmal asketische Methoden nützlich für die Selbst-Meisterung?

Nein, das behebt gar nichts. Du verschaffst dir nur die Illusion des Fortschritts, aber du erreichst nichts. Das beweist die Tatsache, dass die Sache, sobald du deine asketischen Methoden aufgibst, noch mächtiger ist als zuvor. Sie kehrt zurück mit Rache. Es hängt davon ab, was du asketische Methoden nennst. Wenn es nicht bedeutet, dass du der Befriedigung all deiner Begierden frönst, dann ist das in der Tat keine Askese, sondern gesunder Menschenverstand. Das ist etwas anderes. Asketische Methoden sind Dinge wie wiederholtes Fasten, sich selbst zu zwingen, die Kälte zu ertragen ... in Wirklichkeit, deinen Körper ein wenig zu foltern. Das verleiht dir nur spirituellen Hochmut, nichts mehr. Es meistert überhaupt nichts. Es ist unendlich viel leichter. Leute tun das, weil es sehr leicht ist, sehr einfach. Gerade weil der Stolz vollständig befriedigt wird und sich die Eitelkeit aufplustern kann, wird es sehr leicht. Man veranstaltet eine großartige Zurschaustellung seiner asketischen Tugenden und hält sich selbst für eine äußerst wichtige Persönlichkeit, und das hilft, viele Dinge zu ertragen.

Es ist sehr viel schwieriger, seine Impulse still, gelassen zu meistern und sie daran zu hindern, sich zu zeigen – sehr viel schwieriger! – ohne asketische Maßnahmen zu ergreifen. Es ist sehr viel schwieriger, den Dingen, die man besitzt, nicht verhaftet zu sein, als nichts zu besitzen. Das ist etwas, das man seit Jahrhunderten weiß. Es verlangt sehr viel größere Fähigkeiten, an die Dinge, die uns gehören, nicht gebunden, als überhaupt besitzlos zu sein oder sein Eigentum auf ein striktes Minimum zu reduzieren. Es ist sehr viel schwieriger. Es ist moralisch von sehr viel höherem Wert. Einfach diese Haltung: wenn dir ein Ding zufällt, nimm, gebrauche es; wenn es aus diesem oder jenem Grunde abhanden kommt, lass es los und bedaure es nicht. Es nicht zu verweigern, wenn du es bekommst, zu wissen, wie du dich darauf einstellst und nicht zu bedauern, wenn es geht.

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Äußere Disziplin

Aber ist ein wenig äußere Disziplin nicht hilfreich?

Wenn du dir eine Disziplin auferlegst und sie nicht zu dumm ist, hilft sie dir vielleicht. Eine Disziplin, so sage ich dir – Disziplinen, Tapasyas, alle asketischen Disziplinen sind, so wie sie gewöhnlich praktiziert werden, die besten Mittel, dich hochmütig zu machen, in dir einen solch ungeheuren Stolz aufzubauen, dass du niemals, niemals bekehrt wirst. Man wird ihn mit Hammerschlägen zertrümmern müssen.

Die erste Bedingung ist eine gesunde Demut, die dich erkennen lässt, dass du gar nichts bist, wenn du nicht vom Göttlichen getragen, genährt, unterstützt, erleuchtet und geführt wirst. So ist das. Wenn du das gefühlt, nicht nur mit deinem Kopf verstanden hast, sondern bis tief in deinen Körper empfindest, fängst du an, weise zu werden, nicht aber vorher.

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Wahre Demut

Welche ist die richtige und welche die falsche Art, demütig zu sein?

Es ist sehr einfach, wenn Leuten gesagt wird: „Seid demütig!“ verbinden sie damit sofort, ,demütig gegenüber anderen Menschen sein‘, und diese Demut ist falsch. Wahre Demut ist Demut gegenüber dem Göttlichen, das heißt ein präzises, genaues, ein lebendiges Gefühl, dass man nichts ist, nichts tun, nichts verstehen kann ohne das Göttliche, dass selbst wenn man außergewöhnlich intelligent und fähig ist, dieses nichts ist im Vergleich mit dem göttlichen Bewusstsein, und dieses Gefühl muss man immer bewahren, weil man dann stets die wahre Haltung der Empfänglichkeit hat – eine demütige Empfänglichkeit, die persönliche Ansprüche nicht in Widerspruch zum Göttlichen setzt.

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Einer, der sehr wenig weiß

Es ist nicht notwendigerweise jemand mit Erfahrung der am meisten fortgeschrittene. Es fehlt ihm ein Element von Schlichtheit, Bescheidenheit und die Formbarkeit, die daher rührt, dass man noch nicht vollständig entwickelt ist. Während man wächst, nimmt etwas im Kopf feste Form an; es wird immer starrer, und wenn man nicht sein Äußerstes versucht, endet man versteinert. Genau das geschieht Leuten gewöhnlich, vor allem solchen, die bis zu einem gewissen Grad nach Realisation gestrebt haben und darin erfolgreich waren oder solchen, die schließlich glauben, ihr Ziel erreicht zu haben. In jedem Fall war es ihr persönliches Ziel. Sie haben es geschafft, sie sind angelangt. Es ist vollbracht, sie bleiben stehen. Sie lassen sich nieder, sie sagen: „Das ist es!“ Und sie tun nichts mehr. Deshalb werden sie sich auch nach vielleicht zehn oder zwanzig oder dreißig Jahren nicht von der Stelle rühren. Dort sind sie, dort werden sie bleiben. Solchen Leuten fehlt jede Formbarkeit der Substanz, die notwendig ist, um weiterzukommen und Fortschritte zu machen. Sie hängen fest. Sie eignen sich sehr gut als Objekte für eine Ausstellung im Museum, aber nicht, um Arbeit zu leisten. Sie sind wie Musterstücke, die beweisen, was getan werden kann, aber sie sind nicht von dem Stoff, aus dem mehr entsteht. Ich persönlich gestehe, dass ich für meine Arbeit jemanden bevorzuge, der sehr wenig weiß, sich nicht zu sehr abgemüht hat, aber über ein beträchtliches Maß an Sehnsucht und einen starken guten Willen verfügt und der in sich diese Flamme fühlt, dieses Bedürfnis voranzukommen. Er mag sehr wenig wissen und vielleicht noch viel weniger realisiert haben, wenn er das jedoch in sich trägt, dann ist das ein sehr gutes Material, mit dem man sehr weit kommen kann, viel weiter.

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Öffne dich, sei bescheiden

Was du tun solltest ist, die Türen deines Wesens weit für das Göttliche aufzustoßen. In dem Augenblick, in dem du etwas verbirgst, läufst du direkt in die Falschheit. Die geringste Verheimlichung von deiner Seite zieht dich unmittelbar hinunter in die Unbewusstheit. Wenn du voll bewusst sein willst, stelle dich immer der Wahrheit – öffne dich vollkommen und versuche dein Äußerstes, um ihr zu erlauben, tief in dich hineinzublicken, in jeden Winkel deines Wesens. Das allein wird Licht und Bewusstsein in dich hineinbringen, und all das ist in höchstem Maße wahr. Sei vollständig bescheiden – das heißt, wisse um den Unterschied zwischen dem, was du bist und dem, was sein soll, indem du nicht zulässt, dass die grobe physische Mentalität glaubt, sie wisse, wenn sie nicht weiß, sie könne urteilen, wenn sie es nicht kann. Bescheidenheit bedeutet, dass du dich mit ganzem Herzen dem Göttlichen hingibst, dass du um Hilfe bittest und durch Unterwerfung die Freiheit und das Fehlen von Verantwortung gewinnst, was äußerste geistige Ruhe verleiht. Auf keine andere Weise kannst du hoffen, Einheit mit dem Göttlichen Bewusstsein und dem Göttlichen Willen zu erlangen.

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Kapitel 5
Aufrichtigkeit, Schwäche, Willenskraft
Aufrichtigkeit

Welche grundlegende Tugend muss herangebildet werden, um sich für ein spirituelles Leben vorzubereiten?

Ich habe es viele Male gesagt, aber dies ist eine Gelegenheit, es zu wiederholen: es ist Aufrichtigkeit.

Eine Aufrichtigkeit, die allumfassend und absolut sein muss, denn Aufrichtigkeit allein ist dein Schutz auf dem spirituellen Pfad. Wenn du nicht aufrichtig bist, wirst du mit Sicherheit beim allernächsten Schritt fallen und dir den Schädel einschlagen. Alle Arten von Kräften, Willen, Einflüssen, Wesenheiten sind da und halten Ausschau nach dem kleinsten Riss in dieser Aufrichtigkeit, und sie dringen unmittelbar durch diesen Spalt und beginnen, dich in Verwirrung zu stürzen.

Deshalb, bevor du etwas tust, irgend etwas beginnst, irgend etwas versuchst, stelle zuallererst sicher, dass du nicht nur so aufrichtig bist, wie du sein kannst, sondern auch die Absicht hast, noch aufrichtiger zu werden. Denn das ist dein einziger Schutz.

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Darmowy fragment się skończył.

Ograniczenie wiekowe:
18+
Data wydania na Litres:
25 maja 2021
Objętość:
345 str. 9 ilustracji
ISBN:
9783963870668
Właściciel praw:
Автор
Format pobierania:

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