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Detlev Reich

Der Lobpreis-Trainer

Basics, Strategien und Konzepte

für einen authentischen Auftritt

Detlev Reich war nach seinem Theologiestudium zwei Jahre lang Mitglied des Leitungsteams der ICF Zürich, einer der größten Freikirchen der Schweiz. Dort verantwortete er die Gestaltung und Durchführung der jeweils vier Sonntagsgottesdienste. Anschließend arbeitete er acht Jahre in einem Hamburger Gemeindegründungsprojekt mit, wo er die Programmgestaltung und Koordination entwickelte und in dieser Zeit das Musik-Team leitete. Heute arbeitet er als freier Bühnen-, Performance- und Gottesdienst-Trainer (www.detlev-reich.de).

Detlev Reich

DER LOBPREIS-
TRAINER

Basics, Strategien und Konzepte

für einen authentischen Auftritt

Der Lobpreis-Trainer

Basics, Strategien und Konzepte für einen authentischen Auftritt

Lektorat: Sabine Müller - www.textglueck.de Druck und Herstellung: AALEXX Buchproduktion GmbH Bildnachweis: ©iStockphoto.com/MiquelMunill -/7io

Bibelzitate: Gute Nachricht Bibel, revidierter Text, durchgesehene

Ausgabe © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Copyright © 2011 Detlev Reich

ISBN 978-3-907316-04-7

Aktuelle Infos unter www.detlev-reich.de

INHALT

Inhalt

Inhalt

Zuallererst

Lobpreis ist…

Was ist Lobpreis, Worship, Anbetung, …?

Deine Art

Deine Begabung

Deine Identität

Vision und Team

Vision

Team

Lobpreisleiter

Planung und Vorbereitung

Repertoire

Probe

Für den Tag des Gottesdienstes

Grundsätzliches zum Auftritt

Wie sehe ich aus?

Wie gehe ich?

Wie stehe ich?

Wie schaue ich?

Wie rede ich?

Wie verhalte ich mich vor dem Auftritt?

Lobpreisleitung

Liedinterpretation

Der Text und die innere Wirkung

Die Musik und die innere Wirkung

Die Außenwirkung des Liedes

Ansagen im Lobpreisteil

Praktische Themen

Umgang mit Lampenfieber

Umgang mit Feedback

Umgang mit Schwierigkeiten

Wie fange ich jetzt an?

Praxis-Anhang

Übungen

Fragen zu den Werten

Vorlage Liedinterpretation

Literaturnachweis

0 ZUALLERERST

Zuallererst

Lobpreis und Anbetung ist ein sehr breites Thema und es gibt dazu die unterschiedlichsten Ideen und Vorstellungen. Ich habe folgende Erfahrung gemacht: Wenn ich zehn Leute frage, was für sie persönlich Lobpreis bedeutet, bekomme ich 20 verschiedene Antworten.

Mir hat die Definition von Darlene Zschech von der Hillsong-Church in Australien am besten gefallen. Sie drückte es einmal so aus: „Lobpreis ist eine Reise.“ Das gefällt mir, denn es stimmt: Lobpreis bedeutet, unterwegs zu sein – und nicht, bereits am Ziel angekommen zu sein. Manchmal ist der Weg schön, manchmal steinig und schwer. Doch wie auf einer Reise wird man immer wieder neue Dinge entdecken. Und gerade, wenn man denkt, mehr und mehr wirklich zu verstehen, worum es eigentlich geht, erwartet einen hinter der nächsten Biegung etwas völlig Neues und Gewaltiges.

Dieses Buch richtet sich in erster Linie an Personen, die in einer Kirche Menschen „im Lobpreis anleiten“ – sei es als Lobpreisleiter/in, Sänger/in, Instrumentalist/in oder als gesamte Band (der Einfachheit halber, möchte ich mich nun im Folgenden auf die Form: Musiker, Sänger, etc. beschränken und damit natürlich Männer und Frauen ansprechen). Ich möchte in diesem Buch weniger auf die geistliche Basis für den Lobpreis eingehen. Denn eine lebendige Beziehung zu Jesus und das Hören auf das, was er will, ist für mich die Grundvoraussetzung jeglicher Lobpreis-Arbeit überhaupt. Soll heißen: Wenn diese Basis fehlt, kann man alles Musikalische und jegliche Performance von vorneherein vergessen. Doch auch wenn ich diesen Punkt nur streifen werde, will ich dich gleichzeitig ermutigen, dich mit diesem Thema zu beschäftigen.

In diesem Buch möchte ich mein Hauptaugenmerk auf die Abläufe richten, die für ein Musik-Team in einer Kirche wichtig sind sowie auf die Performance auf einer Bühne in einem Gottesdienst. Denn gerade das Zusammenspiel einer lebendigen und intensiven Jesus-Nachfolge und guter Kommunikation auf der Bühne, finde ich spannend und notwendig, näher betrachtet zu werden.

Wenn du dieses Buch liest, möchte ich dich bitten, immer deine geistliche Ausrichtung und auch deine persönliche Nachfolge im Auge zu behalten. Es geht viel um Techniken und Kommunikation, die – wenn sie ohne Substanz und Herz daherkommen –, zumindest auf Dauer ziemlich „hohl“ sind und der tiefsten Bestimmung von Lobpreis kaum dienen, ja, ihr manchmal sogar entgegenstehen können.

Gott liebt es, wenn wir ihm von ganzem Herzen nachfolgen. Darum sind für mich auch die Vorbereitung, das Einbringen von Gaben und Talenten und auch jegliche Überlegung, wie man Dinge optimieren könnte, ein Zeichen meiner inneren Haltung. Ich möchte es jeden Tag neu lernen, für Gott und sein Reich das Beste zu geben – und zwar mit dem, was mir zur Verfügung steht. Dies kann bei jedem unterschiedlich aussehen, aber jeder hat sein ganz persönliches „Bestes“, das er geben kann. Ich spreche hier nicht von Perfektionismus, sondern vom großzügigen Geben dessen, was jedem Menschen im Rahmen seiner ganz speziellen Gaben, seiner Ressourcen, Finanzen und seiner Zeit möglich ist – und das natürlich stets im Zusammenspiel mit den anderen Verantwortungen, in denen er steht wie Familie, Beruf usw.

Jeder liebt es, das Beste zu bekommen und echte Qualität zu erleben. Darum bringen wir unsere Herzenshaltung Gott gegenüber auch damit zum Ausdruck, dass wir ihm unser Bestes geben und Wert auf Qualität legen.

Ich wünsche dir für deinen Dienst und deine Aufgabe von Herzen Gottes Segen und immer wieder neue Ideen und Motivation. Dein Dienst im Musik-Team einer Kirche ist ein wertvoller und wichtiger Dienst. Nutze dieses Buch, um dich in den verschiedenen Bereichen fortzubilden. Denn so wie jemand an seiner musikalischen Gabe arbeitet, kann und sollte er auch an seiner Performance und den Abläufen arbeiten.

Die Menschen heute sind es gewohnt, im Fernsehen, im Theater oder bei Musicals hohe Qualität geboten zu bekommen und Moderatoren und Performer zu erleben, die gekonnt kommunizieren. Wenn wir als Kirche diese Menschen erreichen möchten, dann müssen auch wir uns Fragen zur Qualität unseres Auftritts und der Art unserer Kommunikation stellen und daran arbeiten. Denn alles hat nur ein Ziel: Gott anzubeten und den Menschen im Gottesdienst eine Möglichkeit zu bieten, von Herzen mit einstimmen zu können.

1 LOBPREIS IST…

Lobpreis ist …
Was ist Lobpreis, Worship, Anbetung, Musik im Gottesdienst?

Ist Lobpreis das Singen von Liedern? Ist es Beten? Ist Lobpreis das Ineinanderfließen von Musik, Texten und Gebeten? Macht Lobpreis die Gemeinschaft miteinander und mit Gott aus? Worum geht es?

Ich weiß nicht, ob es die richtige Antwort überhaupt gibt. Denn der Begriff „Lobpreis“ ist so vielschichtig und beinhaltet viele unterschiedliche Aspekte. Wie schon erwähnt, spricht mich die Definition, dass Lobpreis „eine Reise“ sei, am stärksten an, da sie sehr viele Möglichkeiten beinhaltet. Man holt die Leute ab und bringt sie an verschiedene „Orte“. Gemeinsam begibt man sich auf einen Weg und steht vor Gott. Dies geschieht durch Lieder, Texte, Bibelverse, kreative Elemente, die Musik und so vieles mehr. So ist für mich der Lobpreis gerade im Gottesdienst eine wunderbare Zeit, bei der Gott näher in den Fokus rückt und ich ihm mit meinem Verstand, meinen Gefühlen und meinem ganzen Sein danken und ihm begegnen kann.

Das Wort „Lobpreis“ ist auch für jeden ganz unterschiedlich besetzt. Die einen nennen es lieber „Worship“, weil es sich moderner anhört. Für andere kommt der Begriff „Anbetung“ der Sache am nahesten.

Ganzheitlicher Lobpreis

Nach meinem Verständnis besteht „Lobpreis“ nicht aus den 15–30 Minuten in einem Gottesdienst, in denen Lieder gesungen und in denen gebetet wird. „Lobpreis“ ist vielmehr eine Einstellung, ein Lebensstil, der mein ganzes Sein umfasst. Anbetung schließt Singen mit ein, beinhaltet aber viel mehr. Darum möchte ich mehr und mehr lernen, Gott mit meinem Leben zu loben. In der Bibel steht dazu:

„Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der ‚vernunftgemäße‘ Gottesdienst.“ Römer 12,1

Wir können Gott nur mit unserem Leben als Ganzes wirklich ehren. Nur so wird unser Lobpreis zu einem Gottesdienst, zu einem Danken und Loben, das „ganzheitlich“ und echt ist. Wir sind dazu aufgefordert, dies mit ganzer Hingabe zu tun. Unser Herz, unsere Haltung Gott gegenüber, drückt sich in dieser Form des „Gottesdienstes“ aus. Darum kann man in einer Kirche eher von einem „Musik-Team“ als von einem „Lobpreis-Team“ sprechen, denn jeder sollte ja auf seine Art und Weise Gott mit seinem Leben loben (ob nun mit oder ohne Musik). Im Gottesdienst wird dieses Loben dann vom „Musik-Team“ angeleitet. So kann die Zeit im Gottesdienst eine geniale Zeit werden, wenn man gemeinsam mit Liedern Gott dankt und ihn feiert.

Was bedeutet es, Gott ganzheitlich anzubeten? Die Lieder, die wir singen, sollten mit unserem Leben übereinstimmen. So kann das eigene Leben die Lieder bekräftigen, indem man von ganzem Herzen Gott nachfolgt und ihm vertraut. Dies kann sich überall, im Großen und im Kleinen, äußern. Gott hat eine wunderbare Idee für unser Leben und er wünscht sich nur das Beste für uns. Das Fragen nach Gottes Willen für unsere Leben drückt eine „dankende“ Haltung ihm gegenüber aus. Der Wunsch, dass Gott im Alltag Leitung, Hilfe und Unterstützung gibt, zeigt mir, dass das Leben mit Gott nicht nur auf einen schönen Sonntag beschränkt ist, sondern tiefer geht. Für die verschiedenen Lebensbereiche nach Gott zu fragen und jeden Tag aufs Neue zu lernen, was seine Gedanken für unser Leben sind, ist nicht nur eine Bereicherung für unser Leben, sondern ein „Gottesdienst“ im Alltag.

Gott ganzheitlich anzubeten hat eine Auswirkung auf den Alltag. Man kann schnell wunderbare Lieder für Gott singen; doch Gott mit dem eigenen Verhalten zu ehren und ihm zu danken, fällt manchmal schwerer.

Denn welche Autorität und Ehrlichkeit spiegelt man auf der Bühne wider, wenn man die schönsten Lieder für Gott singt, sich aber in der anderen Zeit wie „ein Arsch“ verhält? Jeder weiß: Das passt nicht zusammen. Und doch fällt es einem nicht immer leicht, Gott in alle Bereiche seines Lebens hineinzulassen. Wie ernst meinst du es mit den Liedern, die du singst? Wie erkennt man dies an deinem Leben? Wie sieht es in den verschiedenen Lebensbereichen aus (Arbeit, Familie, Beziehung, Sexualität, Internet, Freizeit, etc.)? Passen sie und unterstützen sie die Songs oder stehen sie im Widerspruch dazu?

Ich möchte ganz sicher keinen „Sündenkatalog“ aufstellen. Es geht nicht um einen perfekten Christen, der sündlos lebt, sondern darum, welchen Weg man einschlägt. Ich finde es für das eigene Leben entscheidend, dass man offen und ehrlich vor sich selbst und vor Gott ist. Sich in Schuldgefühle zu verlieren, finde ich ebenso wenig richtig wie alles „Falsche“ auf die leichte Schulter zu nehmen. Habe ich Schwierigkeiten im Leben und trage Schuld mit mir herum, dulde ich bei mir ständig falsches Verhalten – dann sollte ich etwas ändern! Der erste Schritt ist, damit zu Gott zu gehen und es ihm offen und ehrlich zu bekennen. Am besten ist es, dies mit einer anderen Person zu tun, die einen dabei unterstützt. Noch einmal: Es geht nicht um die ständige Suche nach Fehlern oder um das immer wiederkehrende Überprüfen der eigenen Motivation. Es geht vielmehr darum, alle Bereiche im Leben Gott anzuvertrauen und Punkte, die man als falsch erkannt hat, anzugehen.

Als Künstler auf einer Bühne im Gottesdienst dürfen wir uns „halbherziges“ Verhalten nicht erlauben. Nimm die Songs, die in einer Lobpreiszeit gesungen werden, ernst und zeige dies auch mit deinem Leben.

Da Künstler oft sehr leidenschaftlich und mit dem ganzen Herzen musizieren, kann es passieren, dass sie sich auch leidenschaftlich in Schwächen oder Süchten verlieren. Werde wachsam, aufmerksam und schaue, wo du deiner Aufgabe im Lobpreis mehr Autorität und Glaubwürdigkeit verleihst, indem du „sündiges“ Verhalten bei dir selbst nicht duldest (z. B. Süchte, Pornografie, etc.). Ganzheitlich für den Lobpreis einzustehen, kann einen etwas kosten, aber es ist nur ein Gewinn: Für das eigene Leben, für die Nachfolge Jesu, für das Umfeld, für die Aufgabe im Lobpreis-Team und für die Kirche.

Gott wünscht sich für uns ein Leben in Freiheit. Er vergibt uns. Alles! Wir müssen nur zu ihm kommen und ihm unsere Punkte bringen und um Vergebung bitten. Nimm dies in Anspruch und lebe in Freiheit. Sehe dich als Person, die du vor Gott bist: Sein geliebtes Kind!

Wo liegt der Fokus?

Ich denke, dass du sicherlich eine gewisse Vorstellung davon hast, wie man eine Lobpreiszeit im Gottesdienst füllt, wie dudort Gott begegnen möchtest oder auch mit welchen Erwartungen und Wünschen du dort hineingehst.

Mir sind ein paar Punkte in diesem Zusammenhang wichtig, die ich weitergeben möchte. Ich denke, in der Worshipzeit geht es grundsätzlich nicht um uns – es geht um Gott! Oft habe ich Sätze gehört wie: „Ich möchte gerne, dass Gott in der Lobpreiszeit mein Herz berührt!“ Ich sage dann meistens etwas provokant: „Darum geht es doch gar nicht. Es geht vielmehr darum, dass du Gottes Herz berührst.“ Wenn man für Gott Lieder singt, nur um emotional geflasht zu werden, finde ich diese Motivation fragwürdig.

Mit einem Beispiel möchte ich das verdeutlichen: Wenn z. B. ein Mann seiner Verlobten ein Liebeslied singt, bereitet er sich sicherlich vor. Er hat ein tolles Lied ausgesucht und das Beste gegeben, um diese verflixten Griffe auf seiner Gitarre sauber spielen zu können. Dann überrascht er vielleicht seine Liebste bei der Arbeit und ist selber total aufgeregt. Sie steht vor ihm und er zeigt ihr durch den Lovesong sein Herz: seine Liebe und Zuneigung für sie. Er möchte ihr etwas Gutes tun, sie überraschen und ihr seine Liebe bekunden. Ich nehme stark an: Das wird ihr Herz berühren – was wiederum auch ihn automatisch unbeschreiblich bewegt.

Ich mag diesen Vergleich hinsichtlich des Lobpreises in einem Gottesdienst: Wir singen gemeinsam Gott ein Liebeslied, ein Dankeslied, ein Lied, das ausdrücken soll, wie toll er ist. Dabei geht es um Gott und nicht darum, wie wir uns gerade fühlen oder ob wir selbst berührt werden. Natürlich ist es so, dass Gott uns häufig gerade in solch einer Zeit emotional berührt und tief im Herzen begegnet. Aber auch wenn dies ausbliebe, wäre das in Ordnung. Ganz unabhängig von unseren Stimmungen und Gefühlen, fordert uns die Bibel an unzähligen Stellen dazu auf, Gott zu loben und ihm zu danken. Wir sollen Gott danken für die Art, wie er ist, für das, was er tat und auch heute noch tut. Dass wir ihm vertrauen und nachfolgen wollen, drücken wir dabei in Gebeten, in lauteren und leisen Liedern und durch Vieles mehr aus. Lobpreis ist eine aktive Handlung unsererseits. Der Fokus liegt dabei darauf, Gott zu ehren, ihm zu danken und sein Herz zu berühren – und nicht auf der Frage: „Was springt denn für mich dabei raus?“

Was sagt die Bibel über Lobpreis und Danken? Fast immer ist es eine Aufforderung, der wir nachkommen sollen. Und natürlich tut man dies von Herzen, mit seinen Gefühlen und dem Verstand. Von einer Frau (!) habe ich einmal einen derben Satz gehört: „Viele benutzen den Worship bloß, um sich an ihren Emotionen zu befriedigen!“ – Das ist hart! Ob das so ist? Jedenfalls finde ich es wert, darüber nachzudenken.

Wenn der Verlobte seiner Liebsten ein Lied singt und das ohne Gefühl tut, ist das schräg. Und wenn es nur um seine eigenen Gefühle geht, ist es doppelt schräg. Für mich geht es beim Lobpreis eher darum, Gott mein Herz hinzuhalten und ihm zu sagen: „Ich folge dir nach. Ich vertraue dir. Ich danke dir. Ich liebe dich.“

Eine Begebenheit hat meine Vorstellung von Lobpreis sehr beeinflusst. Ich war zu Besuch in einer Gemeinde in den USA. Im Gottesdienst wurde für eine Mutter gebetet und ihr wurden die Hände aufgelegt. Sie hatte in der letzten Woche ihren erwachsenen Sohn beim Absturz eines kleinmotorigen Flugzeugs verloren. Die Gemeinde nahm Anteil und trauerte mit ihr. Es ging allen sehr nahe. Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes gab es auch einen Lobpreisteil mit einer Band. Als ich so mitsang, entdeckte ich auf einmal direkt vorne an der Bühne die Mutter, deren Sohn in der Woche zuvor verstorben war. Sie hatte ihre Hände zu Gott ausgestreckt, betete, sang und tanzte zur Musik für Gott. Ich konnte es kaum glauben. Die Mutter hatte gerade ihren Sohn verloren und nun lobte sie Gott? Mich hat das echt berührt: Wer bin ich, dass ich mich oft nicht danach fühle, Gott zu danken und ihn anzubeten? Und auf der anderen Seite ist diese Mutter, die trauert und trotzdem Gott von Herzen loben und auch noch dabei tanzen kann.

Sicher gehört es dazu die Höhen und Tiefen wie sie z. B. in den Psalmen beschrieben werden, zu Gott zu bringen. Zu ihm können wir kommen und trauern und klagen und weinen und auftanken. Das alles hat seinen Stellenwert. Aber wie oft beschränken wir uns mit der Musik im Gottesdienst auf uns und unsere Bedürfnisse, anstatt damit Gott zu ehren und ihm zu danken?

Lobpreis ist vielschichtig. Die Zeit im Gottesdienst kann dazu dienen, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen Gott begegnen können. Durch die Emotionen der Musik und der Kraft der Texte, kann eine Atmosphäre gestaltet werden, die Glauben fördert. Was für eine besondere Zeit!

Ich möchte dich ermutigen, über deine Erwartungen an solch eine Zeit nachzudenken. Forsche in der Bibel nach, was dort dazu steht. Wir sind häufig so sehr allein von unserem Umfeld geprägt, von der Kirche, in der wir sind und von der Art, wie wir Lobpreis kennengelernt haben. Dabei muss man nur kurz bei Wikipedia unter Lobpreis schauen, um zu sehen, dass die Art und Weise, wie wir heute Lobpreis definieren, noch gar nicht so alt ist (erst wenige Jahrzehnte). Vielleicht ist es an der Zeit, dies genauso fortzusetzen. Aber vielleicht ist es auch an der Zeit, manches zu überdenken oder völlig neue Wege zu gehen. Neue Wege – vielleicht gerade mit dir und deiner ganz eigenen Art?

Die nächsten Schritte

Beantworte doch die folgenden Fragen in deinem Team.

• Was ist für dich Lobpreis?

• Was heißt für dich, ganzheitlich Gott zu ehren?

• Wie kann dein Leben die Lieder unterstützen?

• Wie gehst du mit deinen Schwächen und deinem falschen Verhalten um?

• Welche Person teilst du dich dies bezüglich mit?

2 DEINE ART

Deine Art
Deine Begabung

Neulich habe ich mir auf YouTube Videos verschiedener Sänger und Künstler angeschaut, von denen viele total kreativ und begabt waren. Zum Beispiel sang ein Sänger zunächst mit einer brillanten Männerstimme, und im nächsten Moment – Oktaven höher – mit einer wunderbaren Frauenstimme weiter! Bei anderen faszinierte mich, welche Performance sie auf die Bühne brachten. Und während ich so von einem Video zum anderen klickte, kamen mir die Tränen. Ich bin eigentlich nicht der Typ, der nah am Wasser gebaut hat und dem schnell die Tränen kommen (ehrlich nicht). Aber auf einmal tat mir das Herz weh: So viele begabte Menschen, die ihre Fähigkeiten ausleben! Überall. Mit so unterschiedlichen Liedern und Aktionen und auf so unterschiedlichen Bühnen. Und wie selten sehe ich solche Menschen in den Kirchen! Das tat mir weh.

Es ist für mich wie in folgendem Beispiel: Da ist ein Vater, der seinem Sohn einen Ball schenkt. Der freut sich riesig über das Geschenk, kickt und wirft damit herum, spielt mit seinen Freunden, probiert Tricks und Kniffs aus und hat wirklichen Spaß mit dem Ball. Der Vater freut sich natürlich mit seinem Kind und ist froh, das passende Geschenk gemacht zu haben. Doch wenn sein Kind in seine Nähe kommt, hört es einfach sofort auf zu spielen, obwohl sein Vater so gerne auch mal ein paar Würfe mit ihm machen würde. Er kennt ja auch noch ein paar Tricks und würde sich freuen mit seinem Sohn und mit dem Geschenk zusammen Spaß zu haben. Aber aus irgendwelchen Gründen, spielt das Kind nur ohne seinen Vater mit dem Ball. Es hat einfach Freude an dem Ball und keinen Blick mehr für seinen Vater. Die Möglichkeit, mit ihm zusammen Ball zu spielen, erscheint für es so abwegig und schräg.

Ich sehe so viele begabte Künstler auf diversen Bühnen. Mein Wunsch ist es, dass diese Menschen ihre Begabungen auch in der Kirche und für Gott einbringen. Dies ist für mich so wie das Spielen mit dem Vater. Es ist doch klar: Wir können mit den Begabungen überall Spaß haben und mit Freunden „rumkicken“. Gott freut sich darüber. Und wie ein Vater freut er sich auch, wenn wir genau das mit ihm teilen.

Wenn man heute Kreativität und Qualität sehen oder hören möchte, denkt man leider nicht sofort an Kirche. Man denkt eher an Musicals, Theater, Museen oder auch an die Wirtschaft. Gott ist der Schöpfer der Kreativität. Er hat alles erschaffen und erdacht – auch uns und unsere Begabungen. Darum wünsche ich mir von Herzen, dass wir in unseren Kirchen einen immer größeren Raum schaffen, in dem Künstler sich wohl fühlen, sich einbringen können und ihre Gaben weiter ausbauen. Kunst und Musik zu gestalten ist ein Geschenk. Und ich glaube, dass dieses Geschenk der Kreativität noch schöner erblüht, wenn wir mit dem Schöpfer der Kreativität zusammen „spielen“.

Unser Vater im Himmel hat uns alle beschenkt: mit Gaben, Fähigkeiten und Talenten. Sehr unterschiedlich und sehr einzigartig. An diesen Gaben sollen und dürfen wir Spaß haben und uns damit beschäftigen. Denn warum sonst hat uns Gott befähigt? Um im Bild zu bleiben: Gott hat uns nicht nur beschenkt, er hat jedem von uns auch ganz unterschiedliche Arten von Bällen gegeben. Dem einen gab er einen „Beach-Volleyball“, mit dem man Spaß hat und der einfach für gute Laune steht. Dem anderen einen kleinen „Golfball“, für den nicht nur viel Geschick und Konzentration nötig sind, sondern auch ein ganz anderes Umfeld. Und vielleicht hast gerade du einen „Medizinball“ bekommen und wunderst dich, warum er so schwer ist. Aber auch dieser „Ball“ ist zum Spielen da – und dazu kräftigt er und kann z. B. in einer Reha-Maßnahme sogar den Heilungsprozess beschleunigen.

Darum noch einmal: Wir sind alle unterschiedlich geschaffen und begabt. Vielleicht hast du eine Fähigkeit, die andere einfach erfreut und gute Laune bringt. Deine Musik oder deine Stimme verbreitet mehr als nur eine gute Atmosphäre. Jemand anderes ist vielleicht sehr präzise und konzentriert und kann einen ganz anderen Part im Team ausfüllen. Wiederum jemand anders wundert sich, warum seine Art der Musik immer so „schwer“ daher kommt – vielleicht für ihn, für andere oder beim Üben. Aber dennoch bewirkt seine Art und seine Begabung, dass Menschen gestärkt werden und Heilung erfahren.

Wie immer deine Begabung aussieht und sich anfühlt: Gott hat sie dir geschenkt. Vergleiche dich nicht mit anderen! Denn dadurch wirst du entweder entmutigt oder stolz. Sehr oft wünscht man sich auch solch eine Stimme, die jemand anders hat, oder man würde gerne das Instrument so virtuos spielen können wie Person XY. Was bringt das? Oft mehr Frust als Lust. Finde gerade als Sänger ein Ja zu deiner eigenen Stimme. Sei dankbar für das, was Gott dir gegeben hat und versuche einfach, an deinem eigenen „Spiel“ zu arbeiten. Versuche nicht, mit einem Golfball Beachvolleyball zu spielen. Das geht ins Auge. Darum ist es unendlich wichtig, dass man zum einen erkennt, worin man begabt ist, und zum anderen, dass man seiner Begabung gemäß handelt, darin lebt und daran arbeitet. Nimm deine Begabungen von Gott an. Übe deine „Würfe“ und trainiere deine Fähigkeiten.

Wenn du auf einer Bühne im Gottesdienst stehst, ist es wichtig, dass du in deinen Fähigkeiten lebst. Denn du trägst eine Verantwortung, wenn du im Gottesdienst etwas anleitest. Sei es nun mit deinen Worten, deiner Stimme oder mit deinem Instrument. Wenn du dann hingegen immer unsicher bist und dich im Grunde eher unwohl fühlst, kann es verschiedene Gründe haben: Du bist entweder schlecht vorbreitet, es ist alles neu für dich, oder es entspricht einfach nicht deinen ersten Stärken. Sei ehrlich vor dir und vor Gott. Und vertraue, dass es einen Grund hat, warum du so begabt bist, wie du bist! Nimm es wirklich dankbar an. Wenn du es liebst zu singen oder ein Instrument zu spielen, dann tu es! Hab Spaß daran! Wenn du es liebst, auf der Bühne zu stehen und es genießt, deine Begabungen auszuleben – super! Gott hat dir etwas geschenkt. Nutze es, hab Spaß daran und spiele mit und für ihn. Er freut sich über dich. Wirklich!

Deine Identität

Als Musiker stehst du auf der Bühne und jeder beobachtet dich. So soll es sein. Wenn du auf diese Weise in der Öffentlichkeit stehst, wirst du garantiert auch Rückmeldungen über deinen Auftritt bekommen. Mal positive und auch mal negative Feedbacks. Du machst dich angreifbar, wenn du auf einer Bühne stehst. Sicher ist dies nicht gewollt oder erwünscht, aber es ist trotzdem eine Tatsache. Als Künstler wird von dir erwartet, dass du deinen Auftritt mit dem Herzen aufführst. Das Lied, das du singst oder spielst, soll zu Herzen gehen. Um dies zu erreichen, solltest du auch „mit Herz“ singen und spielen. Wenn dir dann jedoch Kritik entgegenschlägt, trifft das meistens auch mitten ins Herz, und das ist in keiner Weise angenehm.

„Er (der Künstler) steht manchmal ganz allein auf der Bühne, gibt sein Innerstes preis und lässt völlig Fremde einen Blick in seine Seele werfen. Verwundbarkeit ist der Preis, den jeder Künstler bezahlt. Sie lassen ihr Herz und ihre Seele in ein Projekt einfließen und betreuen es mit ihrem Herzblut. Wenn es Zeit wird, der Welt ihr Projekt zu zeigen, dann öffnen sie ihre Hände nur langsam und hoffen inständig, dass niemand das Kind ihrer Gedankenwelt töten wird, noch bevor es überhaupt eine Chance hatte, sich zu entwickeln. Weil die Kunst so eine persönliche Sache ist, ist es auch so schwierig, sich selbst von seinem Werk abzugrenzen.“ 1

Es ist nicht immer einfach, mit Feedback richtig umzugehen. Aber trotzdem ist es notwendig, um zu wachsen: in den Fähigkeiten und auch charakterlich. Einige Tipps bzgl. Feedback möchte ich dir am Ende des Buches noch weitergeben.

Es ist eine Grundvoraussetzung, dass du deine Identität und deinen Selbstwert nicht an den Rückmeldungen für deinen Auftritt fest machst. Das ist nicht immer einfach, aber notwendig. Ich bin davon überzeugt: Je besser du weißt, wer du bist, desto sicherer kannst du auf einer Bühne stehen. Wer darf deinen Wert bestimmen und wer nicht? Was haut dich aus der Bahn und was gibt dir wirkliche Sicherheit? Auf der Bühne und vor allem im ganzen Leben?

Das Thema „Identität“ ist ein großer und sehr wichtiger Bereich. Darum möchte ich dir Mut machen, dir einmal bewusst Zeit dafür zu nehmen. So kann es z. B. hilfreich sein, einmal von Grund auf seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Jeder von uns hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und Dinge erlebt, die uns geprägt und beeinflusst haben. Nutze hier ruhig die Unterstützung eines erfahrenen Seelsorgers oder – falls nötig –, eines (christlichen) Therapeuten. Denn für eine gesunde Identität ist es ratsam, sich vergangene Begebenheiten und auch Verletzungen bewusst zu machen, sie aufzuarbeiten und zu einem Abschluss zu bringen. Dies geschieht normaler Weise nicht ständig, sondern im Idealfall einmalig. Denn sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, kann mit dem Blick in den Rückspiegel beim Autofahren verglichen werden: Der Fokus liegt natürlich geradeaus auf der Straße. Der Blick in den Rückspiegel gibt uns jedoch einen Blick dafür, was hinter uns passiert (ist) und ob evt. Dinge zu beachten sind, die hinter dem Wagen passieren und Einfluss auf die Fahrt haben könnten.

Für deinen musikalischen Dienst im Gottesdienst ist es wichtig, dass du weißt, wer du bist. Denn um ein Lied gut von der Bühne zu kommunizieren und zu interpretieren, ist es notwendig, dass du loslassen kannst. Jedes Lied hat eine Aussage, eine Melodie und einen Text, der etwas auslöst. Je mehr du dich darauf konzentrieren kannst, welche Geschichte und Aussage dahintersteckt, desto eher kommt dies beim Publikum auch an. Bist du jedoch zu sehr damit beschäftigt, dich vor dem Publikum „zu schützen“, gut anzukommen und Bestätigung zu erhalten, wird die Aussage immer flacher. Denn das Publikum wird deine – wenn auch nur leichte Angespanntheit – bemerken (und sei es nur unbewusst erahnen). Hast du jedoch keine Angst, dich sogar lächerlich zu machen, auch mal über die Stränge zu schlagen und loszulassen, kannst du den Inhalt besser transportieren. Hart gesagt: Es geht in erster Linie nicht um dich, wenn du auf der Bühne ein Lied performst! Es geht um das Lied bzw. die Aussage und das Ziel, das damit erreicht werden soll. Aber wenn du „loslässt“ und dich nicht „so wichtig nimmst“, wird das Lied durch dich, deine Begabungen, deine Herzenshaltung und deine Art aufblühen, und es wird Menschen berühren und bleibend verändern.

Ich bin davon überzeugt, dass Gott durch uns wirkt und auch immer mehr wirken wird, wenn wir uns auf ihn verlassen und erkennen, was er in uns hineingelegt hat. Denn nicht ohne Grund hat er dich und mich auf eine bestimmte Art und mit bestimmten Talenten beschenkt. Lebe darin und erkenne immer mehr, wie dadurch auch dein Umfeld aufblüht. Das soll dir Sicherheit und Vertrauen geben. Erkenne immer mehr, wie sehr Gott dich liebt und gebrauchen möchte.


Wie du über dich selbst denkst, hat Auswirkungen bei deinem Auftritt.

Ich weiß, diese beiden Pole erscheinen uns nicht selten ambivalent: Auf der einen Seite sollen wir in den Begabungen leben, die Gott einem gegeben hat. Auf der anderen Seite sollen wir unsere Identität und unseren Wert nicht an dem festmachen, was wir können und leisten. Beides stimmt.

Gott zeigt seine Liebe zu uns, indem er uns an seiner Arbeit beteiligen möchte. Und das Schönste daran: Er will uns genau mit dem einbinden, woran wir selber Spaß haben – mit unseren Begabungen. Wenn wir daran arbeiten, üben und uns verbessern, blühen wir immer mehr in den Talenten auf, die Gott uns gegeben hat. Und wenn wir scheitern – sei es auf der Bühne, in Beziehungen oder an anderen Punkten –, sind wir dennoch geliebt und es mindert nicht im Geringsten den Wert, den wir bei Gott haben. Denn dein Vater ist der Schöpfer des Universums. Du bist sein „eigen Fleisch und Blut“. Du bist geschaffen, damit du Gemeinschaft mit ihm haben kannst. Er wollte dich, so wie du bist.

Wenn du mit dieser Gewissheit auf die Bühne gehst, bist du entspannt. Du gibst das Beste, was dir möglich ist (mit deiner Zeit und deinen Fähigkeiten), und bringst Gott dein Herz. Sei dir bewusst, dass du geliebt und gewollt bist. In diesem Wissen kannst du mit deinen Fähigkeiten auf der Bühne stehen und Menschen näher zu Gott führen.

Die nächsten Schritte

Folgende Fragen und Punkte kannst du mit deinem Team oder auch erst einmal für dich selbst beantworten:

• Was sind deine Begabungen?

• Fällt es dir leicht, diese Fähigkeiten anzunehmen und darin zu leben?

• Was empfindest du, wenn andere Personen „begabter“ sind als du?

• Woran machst du deinen Selbstwert und deine Identität fest?

• Gibt es Momente, in denen du dich minderwertig fühlst? Welche sind das?

• Wann fühlst du dich von Gott geliebt?

• Gibt es Punkte aus deiner Vergangenheit, die dich positiv oder negativ beeinflussen?

• Wäre ein Seelsorger für dich eine Unterstützung?

3 VISION UND TEAM

Vision und Team
Vision

Es könnte sein, dass du dir die Frage stellst, warum man eine Vision für ein Musikteam in der Kirche haben sollte. Geht es nicht nur darum, Gott anzubeten? Wie schon erwähnt, verbindet jeder mit Lobpreis und Musik in einer Kirche etwas anderes. Darum ist es sinnvoll und hilfreich, sich darüber Gedanken zu machen, was IHR als Kirche darüber denkt.

Um eine Richtung für das Team und den Dienst zu definieren, sind verschiedene Aspekte wichtig. Es kann schnell passieren, dass sich das Team inhaltlich von der Gemeinde loslöst und sich in eine andere Richtung bewegt. Darum ist es wichtig, dass die Ausrichtung des Musik-Teams mit der Ausrichtung der Gemeinde harmoniert.

Man spricht heute vom „Mission-Statement“ für eine Kirche oder eine Organisation. Diesem Statement sollte alles untergeordnet sein – auch der Lobpreis in einem Gottesdienst. Dieses Missionsstatement ist idealerweise in deiner Gemeinde schon vorhanden. An diesem Leitbild kann sich euer Musik-Team orientieren. Gibt es eine solche definierte Ausrichtung nicht schriftlich, so ist eine gute Absprache mit der Leitung über eure Ausrichtung im Team überaus wichtig.

Anhand eines Mission-Statements einer Kirche möchte ich zwei Beispiele weitergeben. Diese sind jeweils als eine Möglichkeit gedacht und sollen zur Inspiration dienen. Je nach Kirche und Ausrichtung, wird es für euer Team Variationen und Änderungen geben müssen.

Beispiel 1

Mission-Statement der Kirche

Wir helfen Menschen, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen.

Mission-Statement für das Musik-Team

Das Musikteam dient den Menschen, indem es die Vision der Kirche mit musikalischen Mitteln unterstützt. Das Musik-Team hilft Menschen, Gottes Gegenwart persönlich zu erleben und ihn anzubeten.

• Menschen werden durch die kulturell relevante Musik für Jesus und die Gemeinde begeistert.

• Die Musiker/Sänger setzen ihre Gaben ein, um Gott mit den Liedern und der Musik anzubeten und Raum für sein Wirken zu schaffen.

• Die Musiker/Sänger dienen den Menschen mit ihren Gaben, um sie in die Gegenwart Gottes zu führen.

Eine andere Möglichkeit mit dem gleichen Missionsstatement der Kirche ist folgende:

Beispiel 2

Mission-Statement der Kirche

Wir helfen Menschen, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen.

Mission-Statement für das Musik-Team

Wir möchten Menschen in die Anbetung Gottes führen!

Wir möchten (in einer Einheit) mit ihnen eine mitreißende, kraftvolle und leidenschaftliche Lobpreiszeit erleben, in der wir Gott mit voller Hingabe feiern und gemeinsam mit ihm intime Momente erleben.

• Fokussierung/Ausrichtung auf Gott

• Erkennen der Realität Gottes durch seine spürbare Anwesenheit

• Vermittlung von Freude und Hoffnung

• Förderung der Begeisterung für Gott

• Zeiten fürs Gebet

• Öffnung der Herzen für die Predigt

• Übernatürliches erleben

• Sensibilisierung für Gottes Stimme

Bei allen Überlegungen ist es wichtig, die Gemeindeleitung zu integrieren. Gerade der Stil und die Art der Lobpreiszeit im Gottesdienst sollte sich der Leitung der Kirche unterordnen. Denn es geht nicht in erster Linie darum, seinen eigenen Stil oder den eigenen Geschmack auszuleben, sondern der Kirche zu dienen. Dies ist am besten dadurch möglich, dass man sich der Ausrichtung der Kirche unterordnet. Denn neben der Predigt ist gerade die Musik das stärkste Merkmal hinsichtlich der Ausrichtung einer Kirche. Für jedes Team ist es ein großes Geschenk, wenn die Gesamtleitung nicht nur hinter der Arbeit des Teams steht, sondern auch Orientierung bietet. Damit ist nicht gemeint, dass nun die Gemeindeleitung die Lieder für den Gottesdienst aussucht oder entscheidet, wer welches Instrument spielen soll. Es geht um die „grobe“ Ausrichtung der inhaltlichen und auch musikalischen Richtung im Musik-Team. Die kann z. B. wie folgt aussehen:

• Wir orientieren uns stark an … (Hillsong-Liedern, ICF Zürich, Vinyard, …)

• Eine ausgewogene Mischung zwischen englischen und deutschen Liedern (oder alternativ: nur deutsche/englische Lieder/…)

• Moderner und zeitgemäßer Stil und Arrangements (Welche Musikrichtung? Pop-Rock, Liedermacher, Pop, …)

• Eigene Lieder, die inhaltlich und musikalisch zu den Werten passen, sind besonders erwünscht.

• …

In diesem Zusammenhang möchte ich auch erwähnen, dass die Annahme „Je ruhiger ein Lied ist, desto anbetender ist es“, nicht unbedingt stimmt. Denn das hieße ja, dass z. B. Psalm 150 keine wirkliche Anbetung wäre. Denn dort geht es darum, auf die Pauke zu hauen, Trommeln zu schlagen und zu tanzen („Lobt Gott mit Trommeln und Freudentanz …“). So kann man Gott anbeten und ihm danken.

„…mit lautem Jubel danke ich dem Herrn, mit Singen und Spielen preise ich ihn.“ Psalm 27,6

Allgemein würde ich sagen, dass Männer ihre Gefühle für Gott eher mit Psalm 150 ausdrücken können, als mit sehr ruhigen Liedern. Beachte dies unbedingt in der Liedauswahl und bezüglich der Art der Lobpreiszeit im Gottesdienst. Habe eine gute und klare Definition für den Lobpreis-Stil in deiner Kirche.

Die nächsten Schritte

Entwickelt ein Mission-Statement/eine Vision für euer Team.

• Was ist das Mission-Statement eurer Kirche?

• Was bedeutet dies für euer Team?

Besprecht die Ausrichtung und den Musikstil des Lobpreises mit eurer Kirchenleitung.

• Wie würdet ihr euren jetzigen Stil beschreiben?

• In welche Richtung möchtet ihr als Kirche gehen?

Team

Um Musik in einer Kirche zu gestalten, benötigt es ein Team. Wenn die Vision und die Ausrichtung klar sind, kann man sich gemeinsam daran orientieren. Doch es gibt für ein Team natürlich noch mehr zu bedenken.

In jedem Team gibt es Strukturen, Ziele und Werte, eine Leitung und ähnliche Bereiche. Vielleicht sind diese Punkte nicht immer schriftlich fixiert oder geklärt, trotzdem sind sie in der Regel vorhanden. Oft haben sich diese Strukturen oder Werte einfach nur eingebürgert oder sind unbewusst vorhanden. Besser wäre es jedoch, sich über diese Teampunkte klar zu sein und diese auch für alle hinreichend zu erörtern. Dies kann unterschiedlich aussehen und umgesetzt werden.

Einen Punkt möchte ich aus diesen ganzen Bereichen herausgreifen: Werte. Denn auf dem Hintergrund der Werte, die im Team gelebt werden, werden Entscheidungen getroffen und wird miteinander gearbeitet. Manche Werte ergeben sich aus dem Mission-Statement der Kirche und der Übernahme der Werte der Kirche. Andere wiederum sind eigene Werte, für die man sich als einzelnes Team entschieden hat. Wenn diese Werte definiert sind, kann man leichter miteinander arbeiten. Denn alle Beteiligten können sich an der Art, WIE man zusammenarbeiten möchte, orientieren und sich gegenseitige Hilfestellung geben. Weil jedes Team aus ganz unterschiedlichen Personen besteht, kommen hier jeweils unterschiedliche Werte zusammen, die den Ausschlag dafür geben, was für jeden einzelnen als „normal“ gilt. Durch die gemeinsame Entwicklung der Teamwerte wird für das Miteinander geklärt, was unter ihnen nun als „normal“ gelten soll.

Auch hier möchte ich zwei verschiedene Konzepte vorstellen, die als Anregung dienen sollen.

Beispiel 1

Werte für unser Team

• Geistlicher Austausch

Wir wollen uns über unser Leben mit Gott austauschen und mitteilen.

• Mittragen

Wie wollen einander im Team unterstützen.

• Verbindlichkeit

Wir sind verbindlich im Team und tragen die Vision mit.

• Vorbereitet und pünktlich

Wir kommen zu den Proben und Auftritten pünktlich und vorbereitet.

• Feedbackkultur

Wir haben eine konstruktive Feedbackkultur, um an unseren Gaben zu arbeiten.

• Authentisch

Wir wollen echt und authentisch voreinander und auf der Bühne sein.

• Offene Kommunikation

Wir wollen offen, klar und liebevoll miteinander kommunizieren.

Dies ist eine Liste von Werten, für die sich ein Team entschieden hat. Diese Liste lässt sich ohne weiteres ergänzen oder auch verkürzen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, den gesamten Musik-Bereich auf bestimmte Werte zu stellen. Hierzu ein Beispiel:

Beispiel 2

Werte für unser Team

Wir träumen von einem leidenschaftlichen Musik-Bereich, der von einer positiven, ermutigenden Gemeinschaft geprägt ist. Er ist gabenorientiert, vergrößert sich ständig und jede einzelne Person nimmt ihren spezifischen Platz ein. Geistliches und persönliches Wachstum sind die Frucht, die aus dem Investment jedes Teammitglieds erwächst.

Unser Ziel ist, eine nachhaltige Worshipströmung/-Stil zu entwickeln, die geistlich tief und „Massen-Kirche“ tauglich ist sowie qualitativ ein höchstes Level erreicht. Unsere Musik ist kulturrelevant und Jesus wird durch sie erlebbar.

Werte

• Leidenschaft

• Nachhaltige Worshipströmung/-stil

• Ermutigung/Gemeinschaft

• Gabenorientierung

• Multiplikation

• Wachstum

• Kulturrelevanz 2

(Zu dem zweiten Beispiel findest du im Anhang noch weiterführende Fragen zur Vertiefung.)

Nehmt euch im Team Zeit, um gemeinsame Werte zu finden. Um diese zu entwickeln, gibt es unterschiedliche Ideen und Möglichkeiten. Ihr könnt z. B. einfach beginnen, darüber zu sprechen, wie ihr miteinander gerne arbeiten möchtet. Was ist jedem wichtig? Sammelt diese Punkte auch schriftlich und sortiert diese vor euch auf einem Tisch oder einem Flipchart. Beim Sortieren dieser Punkte ergibt sich so nach und nach ein immer besseres Bild von den eigenen Überzeugungen im Team.

Solche Werte können zu den allgemeinen Werten der Kirche hinzukommen und helfen dabei, gezielt im Hinblick auf das Missionsstatement zu arbeiten.

Neue Mitarbeiter

Wenn neue Mitarbeiter in das Team integriert werden sollen, sind das Mission-Statement sowie die Werte überaus hilfreich. Diese können gleich zu Beginn mitgeteilt werden. So können neue Teammitglieder das Team und deren Ausrichtung schneller kennenlernen und wissen, was auf sie zukommt.

Zur Integration neuer Teammitglieder wäre hinsichtlich der Verantwortung, die diese Personen auf der Bühne der Kirche haben, sicherlich noch viel zu erwähnen. Es gibt ganz unterschiedliche Arten und Weisen, dies zu tun. Jede hat garantiert ihre Vor- und auch Nachteile und kann auch je nach Größe der Kirche variieren. Betonen möchte ich an dieser Stelle, dass Personen nicht einfach mal eben schnell auf die Bühne gestellt werden sollten. Gerade neue „Anwärter“ für das gemeinsame Musizieren im Gottesdienst sollten begleitet werden, wie immer man dies auch gestalten mag (dreimonatige Probezeit, Audition, Mitarbeiterbogen vorab ausfüllen, Mentor, Vorabgespräch usw.). Als Team solltet ihr unbedingt offen sein, neue Personen mit hineinzunehmen. Auf der anderen Seite solltet ihr auch Erwartungen und Anforderungen an die Personen haben und diese nicht zu niedrig ansetzen (musikalisch, charakterlich, geistlich, etc.). Denn es ist ein großes Geschenk, aber auch eine große Verantwortung, diesen Dienst zu übernehmen und den Gottesdienst zu gestalten.

Um das ganze Thema Team und Teambildung zu vertiefen, gibt es gute Fachliteratur. Suche dir für dein Team im ersten Schritt aber nur 2–4 konkrete Punkte aus dem gesamten Bereich Team/Teambilding heraus, an denen ihr gemeinsam arbeiten möchtet. Denn sonst besteht die Gefahr, dass ihr euch verzettelt.

Die nächsten Schritte

Entwickelt eigene Teamwerte.

• Welche Werte hat eure Kirche?

• Was ist euch als Team für die Zusammenarbeit wichtig?

• Wie könnt ihr beginnen, mit diesen Werten gemeinsam zu arbeiten?

Entwickelt eine Strategie/Abläufe zur Integration von neuen Musikern ins Team.

• Welche Erfahrungen habt ihr bei der Integration neuer Mitarbeiter gemacht?

• Welche Möglichkeiten könnt ihr euch dafür vorstellen?

• Wer könnte für die Integration verantwortlich sein?

Lobpreisleiter

Die Musik im Gottesdienst sollte immer angeleitet werden. Es ist wichtig, dass eine Person in einem Lobpreisteil die Gemeinde inhaltlich und musikalisch führt. Dies kann natürlich ganz unterschiedlich aussehen (später dazu mehr). Es sollte diesen Lobpreisleiter jedoch geben. Die Betonung des Lobpreisleiters soll in keiner Weise eine Wertung gegenüber den anderen Musikern darstellen, sondern nur die Notwendigkeit der Aufgabe in einem Musik-Team.

Als Lobpreisleiter hat man eine wunderbare Aufgabe und Verantwortung. Nicht nur direkt am Sonntag auf der Bühne, sondern auch im Team und im eigenen Leben. Denn es geht nicht darum, eine tolle Performance auf der Bühne abzuliefern, sondern echt und authentisch zu sein: in der Nachfolge Jesu, in Beziehungen, im Team, im gesamten Leben. Wie ein Leiter sein soll und welche Voraussetzungen er mitbringen sollte – daran werden in der Regel hohe Anforderungen gestellt. Eigentlich stimme ich da voll mit ein: Die Person sollte charakterlich fest sein, sozial kompetent und vor allem mit aufrichtigem Herzen Gott lieben und ihm dienen. Dazu sollte sie teamfähig sein, begabt für Leitungsaufgaben, erfüllt mit dem Heiligen Geist, u. v. m.

Man kann solch ein Anforderungsprofil beliebig erweitern, denn all dies ist sicherlich richtig und erstrebenswert. Eine Leiter-Aufgabe sollte man nicht so einfach irgendjemandem anvertrauen und übergeben. Und auch man selbst sollte sich überlegen, ob man eine Leiterfunktion jetzt übernehmen kann und will. Es ist sehr wichtig, sich darüber Gedanken zu machen.

Es gibt viele gute Lobpreisleiter- und Leiterschaftsbücher, die gerade diesen Bereich gut ansprechen und analysieren.3 Beschäftige dich mit dem Thema Leiterschaft. Gerade wenn du Verantwortung für ein Team hast, solltest du dein Wissen und deine Erfahrung darüber vermehren.

Allem voran finde ich bei einem Leiter wichtig, dass dieser das Herz Gottes sucht (wobei das eigentlich auch für jeden Mitarbeiter gilt). Was meine ich damit? Ein Leiter trägt eine Verantwortung – zum einen für sich persönlich, und zum anderen auch für die Bereiche, die ihm anvertraut worden sind (Familie, Beruf, Team, Kirche usw.). Darum ist es entscheidend, ob diese Person Gott sucht, Zeit mit ihm verbringt und beständig nach seinen Willen fragt.

Das sieht bei jedem anders aus. Der eine betet sehr lange, der andere verbringt viel Zeit mit der Bibel. Einige gehen mit Gott raus in die Natur, wieder andere treffen sich mit anderen Menschen, um über Gott zu sprechen und ihn zu hören usw. Aber eines ist immer gleich: Sie möchten ganz nah an Gottes Herzschlag sein und ihm nachfolgen. Und das ist nicht nur ihre persönliche Sache, sondern auch die Menschen um sie herum spüren das – meist ganz von alleine und ohne, dass die betreffende Person es bewusst steuert. Man spürt diesen Menschen einfach ab, dass sie es lieben, bei und mit Gott zu sein. Das ist für mich die Basis eines Leiters.

Ein weiterer Punkt ist, dass dieser Leiter nicht stehen bleibt: Nicht in der persönlichen Entwicklung, nicht im Glauben, nicht in seinen Fähigkeiten und auch nicht in Einstellungen und Überzeugungen. Ein Leiter sollte lernbereit und lernfähig sein. Dies geschieht meist in ganz unterschiedlichem Tempo. Der eine stürmt förmlich in seiner charakterlichen Entwicklung voran, aber auf anderen Gebieten ist er vielleicht eher im Schneckentempo unterwegs. Aber das ist in Ordnung, solange die Person als Ganzes nicht stehen bleibt. Denn wenn ein Leiter beständig auf einer Stelle steht, wird es für ihn und vor allem für sein gesamtes Umfeld sehr schwierig. Wenn man z. B. als Teammitglied jedoch sieht, dass der eigene Leiter sich grundsätzlich entwickelt, dann kann man viel entspannter noch nicht so optimale Bereiche stehen lassen und auch Geduld zeigen. Als Leiter sollte man bereit für Veränderungen und Entwicklungen sein. Nicht auf Biegen und Brechen, aber beständig.

Ich persönlich finde diese beiden Punkte sehr wichtig und sie sollten jeden Leiter auszeichnen. (Natürlich sind Leiterfähigkeiten und spezifische Begabungen als Leiter auch nicht schlecht.) Ein Herz, das Gottes Herz sucht, ist so entscheidend. Achte bei dir darauf!

Von einem Lobpreisleiter werden oft Unmengen erwartet und gewünscht. Sei entspannt und suche Gott. Auf deine Art und Weise. Aber tue es beständig und sei offen für persönliche Veränderungen. Das ist schnell gesagt, aber es braucht Zeit, sich das immer wieder neu ins Bewusstsein zu rufen.

Die nächsten Schritte

• Welche Erwartungen und Anforderungen hat eure Gemeindeleitung an den Lobpreisleiter?

• Welche Wünsche habt ihr als Team hinsichtlich des Lobpreisleiters?

• Wie gehst du als Lobpreisleiter mit diesen Anforderungen um?

• Wie bildest du dich als Leiter weiter?

• Auf welche Weise bekommst du von deinem Team und der Gemeindeleitung Unterstützung?

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Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
144 str. 25 ilustracji
ISBN:
9783907316054
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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