Czytaj książkę: «Star Trek - Legacies 2: Die beste Verteidigung»

Czcionka:

STAR TREK™

LEGACIES

BAND ZWEI

DIE BESTE

VERTEIDIGUNG

DAVID MACK

Based on

Star Trek created by Gene Roddenberry

Ins Deutsche übertragen von

Helga Parmiter



Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – LEGACIES 2: DIE BESTE VERTEIDIGUNG

wird herausgegeben von Cross Cult / Andreas Mergenthaler, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Übersetzung: Helga Parmiter; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde;

Lektorat: Katrin Aust; Korrektorat: Peter Schild; Satz: Rowan Rüster;

Cover Artwork: Alan Dingman; Print-Ausgabe gedruckt

von CPI Moravia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – LEGACIES 2: BEST DEFENSE

German translation copyright © 2020 by Cross Cult.

Original English language edition copyright © 2016 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™ & © 2020 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc.

All Rights Reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-96658-327-5 (Dezember 2020) · E-Book ISBN 978-3-96658-328-2 (Dezember 2020)

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Für all jene Architekten der Vorstellungskraft, in deren Fußstapfen ich wandeln darf …

und für Leonard.

Inhalt

HISTORISCHE ANMERKUNG

EINS

ZWEI

DREI

VIER

FÜNF

SECHS

SIEBEN

ACHT

NEUN

ZEHN

ELF

ZWÖLF

DREIZEHN

VIERZEHN

FÜNFZEHN

SECHZEHN

SIEBZEHN

ACHTZEHN

NEUNZEHN

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

DREIUNDZWANZIG

VIERUNDZWANZIG

FÜNFUNDZWANZIG

SECHSUNDZWANZIG

SIEBENUNDZWANZIG

ACHTUNDZWANZIG

NEUNUNDZWANZIG

DREISSIG

DANKSAGUNGEN

HISTORISCHE ANMERKUNG


Die Ereignisse dieser Geschichte finden nach der Mission der Enterprise statt, die sie und ihre Besatzung zur diplomatischen Konferenz nach Babel führte (»Reise nach Babel«), eine Woche nach ihrer Mission zu Argus X (»Tödliche Wolken«) und ungefähr sechs Wochen nachdem ein fremder Spion ein mysteriöses, außerweltliches Artefakt gestohlen hat, das als Transferschlüssel bekannt ist, und von der Enterprise entkam (STAR TREK – LEGACIES »Von einem Captain zum anderen«).

Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.

UNESCO-Verfassung, 1946

EINS


Una humpelte einsam durch ein Land ohne Schatten. Zwei erbarmungslose Sonnen standen hoch am Himmel und versengten die weißen Salzebenen. War es Stunden oder Tage her, seit sie die Dimensionsbarriere zu diesem verlassenen Ort durchschritten hatte? Die Zeit schien langsam und dehnbar zu sein. Die gleißenden Kugeln des Tages schienen sich nie zu bewegen.

Vielleicht befindet sich diese Welt in einer gebundenen Rotation mit ihren Muttersternen.

Das war eine rationale Erklärung für die endlose Mittagszeit, doch sie erklärte nicht, was sich für Captain Una in diesem bizarren fremden Universum wirklich falsch anfühlte. Sie trottete auf eine entfernte Hügelkette zu, hinter der sich schroffe Berge erhoben, und wurde von dem Gefühl geplagt, wie in einem Traum zu rennen und doch nicht von der Stelle zu kommen. Weit vor ihr wippten dunstumhüllte Hügelkuppen mit ihren ungleichmäßigen Schritten und schwankten im Takt ihres hinkenden Gangs, während Salzkristalle unter den Sohlen ihrer staubigen Sternenflottenstiefel knirschten.

Beide Teile ihrer Uniform – die schwarze Hose und die grüne Kommandotunika – waren zerrissen und an mehreren Stellen ausgefranst. Diese Risse stammten noch von ihrer gehetzten Flucht durch Stolperfallen aus Dornengebüsch, Nesseln und Stacheln auf dem Planeten Usilde in ihrem Heimatuniversum. Um die Zitadelle zu erreichen, die von den als Jathor bekannten Eindringlingen aus einem anderen Universum errichtet worden war, hatte Una die Verbote der einheimischen Usildar missachten müssen. Diese fürchteten und verachteten die fremde Festung, die Jahre zuvor ohne Vorwarnung in einem der großen Seen ihres Regenwalds aufgetaucht war. Im Gegensatz zu den Usildar wusste Una, dass der Stützpunkt der Fremden auch der Schlüssel für Reisen zwischen dieser trostlosen Dimension und ihrer Heimat war. Deshalb war diese Festung auch ihre einzige Hoffnung, die anderen Mitglieder eines verunglückten Landetrupps der Enterprise zu retten, die vor achtzehn Jahren hierher verbannt worden waren, während Una dazu verdammt gewesen war, hilflos zuzusehen.

Ich bin nicht länger hilflos. Und ich werde meine Schiffskameraden nach Hause bringen.

Sie strich sich eine Locke ihres schwarzen Haars aus den Augen und bemerkte den dünnen Schweißfilm auf ihrem bleichen Handrücken. Sie spähte geradeaus und entdeckte keine Spuren, denen sie folgen konnte, keine Straße, die ihr den Weg wies. Ihre Ausbildung quälte sie. Diese verlangte, auf der Grundlage sorgfältiger Beobachtung und rationaler Schlussfolgerungen vorzugehen, aber hier gab es keine Fakten, die sie analysieren konnte. Nur Sandflächen und nichtssagende Leere, die sich bis zu einem verblassten Horizont erstreckten. Und doch wusste Una, dass sie in die richtige Richtung ging. Es war nicht so, dass ihre illyrianische mentale Disziplin ihr einen besonderen Einblick in dieses Universum incognita verschafft hätte, es war etwas Grundlegenderes und weniger Rationales. Es war Instinkt. Eine Ahnung. Ein Gefühl.

Zweifel plagten sie. Sie ging langsamer und warf einen Blick zurück. So trostlos sie die vor ihr liegende Landschaft auch empfand, war diese doch ein Augenschmaus verglichen mit der endlos gähnenden Leere hinter ihr. Nichts unterbrach die marmorweiße Leere des Himmels oder die strukturlose Ausdehnung der Wüste, die sich endlos darunter ausbreitete. Wellen von Wärmestrahlung waberten wie ein durchgängiger Vorhang und verliehen der Grenze zwischen Himmel und Erde den Anschein, aus flüssigem Metall zu bestehen. Nichts sonst bewegte sich hier. Nichts Lebendiges flog durch die Luft, lief, kroch oder glitt über das ausgetrocknete Erdreich. Es gab keinen Wind, der auch nur ein einziges ausgebleichtes Staubkorn vom Boden hätte aufwirbeln können.

Die Hügel sahen ebenso karg aus und die Berge dahinter waren unwirtlich. Doch trotz aller drohenden Mühsal versprachen sie auch Schutz und eine Unterbrechung der Monotonie. Und so strebte Una weiter in ihre Richtung und vertraute darauf, dass ihre Schiffskameraden vor achtzehn Jahren dieselbe Entscheidung getroffen hatten. Martinez hätte weder sich noch die anderen in der offenen Wüste umkommen lassen, redete sie sich selbst ein. Er hätte nach Unterschlupf, Wasser und Ressourcen gesucht, die man eher in den Bergen als auf dieser sonnenverbrannten Ebene findet.

Una fragte sich, ob sie ihre alten Schiffskameraden nach so langer Trennung wiedererkennen würde – und umgekehrt. Martinez und die anderen hatten Una das letzte Mal als eifrigen jungen Lieutenant gesehen, der unter Captain Robert April Steuermann der Enterprise war. Damals hatten sie ihren Spitznamen »Nummer Eins« weiterhin verwendet, den sie an der Akademie bekommen hatte, weil sie in fast allen akademischen und athletischen Herausforderungen der Sternenflotte den ersten Platz belegt hatte. Statt sich über diesen zu ärgern, hatte sie ihn in gewisser Weise angenommen. Da ihr Name in ihrer illyrianischen Muttersprache für die meisten humanoiden Spezies so gut wie unaussprechlich war, hatte sie in ihren ersten Tagen an der Sternenflottenakademie beschlossen, unter dem Namen »Una« zu dienen. Später, nachdem sie auf der Enterprise die Rangleiter erklommen hatte und als Erster Offizier unter dem Kommando von Captain Christopher Pike diente, war es ein willkommener Zufall, dass Pike dazu neigte, seinen XO als »Nummer Eins« zu bezeichnen, ein Überbleibsel aus der alten terranischen Seefahrtstradition, die auf die Zeiten der großen Windjammer auf dieser Welt zurückging.

Der einzige ihrer Mannschaftskameraden, der ihren wahren Namen aussprechen konnte, war Commander Spock. Sie bewunderte schon lange, dass er sein kühles, logisches vulkanisches Erbe über seine wesentlich emotionalere menschliche Abstammung stellte. In seinen jungen Jahren hatte er zwar eine beunruhigende Neigung gezeigt, seine aufgewühlten Emotionen zu verraten, indem er auf der Brücke seine Stimme erhob, Una hatte ihm aber dabei geholfen, diese unschickliche Angewohnheit abzulegen, um als Offizier eine bessere Haltung an den Tag zu legen. Viele ihrer Kollegen hätten Unas Belehrungen wahrscheinlich schroff zurückgewiesen, aber Spock hatte ihren Rat fast ohne Befangenheit beherzigt.

Spock und ich haben einander immer besser verstanden als die meisten. Aber seine Hingabe an die Logik macht ihn blind für die Macht der Hoffnung.

Ohne das mitfühlende Verständnis von Spocks Captain, James T. Kirk, dem derzeitigen Kommandanten der Enterprise, hätte Unas Mission bereits ein unrühmliches Ende gefunden. Sie war ein großes Risiko eingegangen, als sie den Transferschlüssel aus seinem langjährigen Versteck im Quartier des Captains auf der Enterprise gestohlen hatte – ein Gerät, das nicht nur aus einer anderen Welt, sondern aus einer anderen Dimension stammte. Vor Kurzem hatte sie nicht nur Kirks Bericht über ein ähnliches Gerät in einem Paralleluniversum gelesen, sondern auch Spocks Bericht darüber, wie eine Transporterfehlfunktion ein Portal zu diesem Universum geöffnet hatte – zunächst versehentlich, dann ein zweites Mal absichtlich. Dadurch hatte sie neue Erkenntnisse über das unbekannte Gerät gewonnen, das sie und Captain April 2249 auf Usilde beschlagnahmt hatten. Nachdem Una diese Informationen zur Verfügung standen, hatte sie geplant, die inzwischen verlassene Anlage der Jatohr auf Usilde wieder in Betrieb zu nehmen und das Tor zwischen ihrem Universum und diesem zu öffnen, in das ihre Schiffskameraden vor langer Zeit von den Jatohr auf so grausame Weise verbannt worden waren. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, hatte sie das Ende ihrer Laufbahn durch ein Militärgericht riskiert und die bevorstehenden Friedensverhandlungen zwischen der Föderation und den Klingonen aufs Spiel gesetzt, indem sie mit dem Transferschlüssel nach Usilde zurückgekehrt war. Das hatte allerdings die Aufmerksamkeit der Klingonen auf den primitiven Planeten und die fortschrittliche unbekannte Technologie, die sich dort befand, gelenkt.

Ungeachtet dessen hatte Una gehofft, sie hätte genug Zeit, um ihre Freunde zu retten und mit dem Transferschlüssel zu entkommen. Zu ihrer Bestürzung waren die fünf Mitglieder ihres Landetrupps von Usilde und die vier anderen Offiziere, die mit einem Aufblitzen von der Brücke der Enterprise verschwunden waren, nirgendwo zu sehen gewesen, nachdem das Tor zwischen den Universen erneut offen war. Und so hatte sie eine schicksalhafte Entscheidung getroffen: Sie hatte ein Abkommen mit Kirk und Spock geschlossen. Die beiden würden den Transferschlüssel sicher vor den Klingonen verwahren und in sechzig Tagen nach Usilde zurückkehren, um das Tor zwischen den Universen erneut zu öffnen. Das bedeutete, Una hatte exakt diesen Zeitraum und nicht einen Tag mehr, um ihre verschollenen Schiffskameraden zu finden und sie für ihre längst überfällige Heimkehr an ihren Ankunftsort in der Wüste zurückzubringen. Diesen hatte sie mit einem X markiert, das sie mit dem Phaser, den sie sich von Kirk geliehen hatte, in das Salz gebrannt hatte.

Es war ein haarsträubendes Vorhaben. Eine Mission, die zum Scheitern verurteilt war. Doch das war Una egal. Sie hatte schon früher scheinbar unüberwindliche Hindernisse bewältigt.

Sie würde entweder ihre Schiffskameraden nach Hause holen … oder hier mit ihnen sterben.

ZWEI


Captain James T. Kirk marschierte zielstrebig durch die Korridore der Enterprise. An den meisten Tagen und unter normalen Umständen achtete er sorgfältig darauf, vor seiner Mannschaft entspannt zu wirken. Hin und wieder sah man sogar, wie er jungen Offizieren und Unteroffizieren, an denen er auf seinem Weg durch das Schiff vorbeikam, ein freundliches Lächeln zuwarf.

Heute war keiner dieser Tage.

Er war merkwürdig geistesabwesend und hing den düsteren Erinnerungen an die jüngsten Ereignisse nach. Erst vor einer Woche hatte die Enterprise Argus X untersucht und dabei ein altes Schreckgespenst aus Kirks Vergangenheit wieder zutage gefördert – eine gasförmige Kreatur, die lebendigen Wesen auf Eisen basierende Blutkörperchen entzog. Im Grunde war sie ein Vampir in Gestalt einer süßlich riechenden Wolke. Es handelte sich um dasselbe fremdartige Monster, das elf Jahre zuvor mehr als zweihundert von Kirks Schiffskameraden, einschließlich seines kommandierenden Offiziers Captain Garrovick, auf der Farragut getötet hatte.

Diese Rechnung war jetzt beglichen. Die Kreatur aus Dikironiumwolken war ausgelöscht. Obwohl er sich weiterhin der Kernmission der Sternenflotte, friedliche Erkundung zu betreiben, zutiefst verpflichtet fühlte, empfand Kirk keine Reue, diesen gasförmigen Unhold getötet zu haben. Dieser war in der Lage gewesen, interstellare Reisen zu unternehmen, was ihn zu einer unberechenbaren Bedrohung für die Sicherheit humanoiden Lebens in der gesamten Galaxis gemacht hatte. Sollte Kirk jemals wieder anderen seines Schlags begegnen, würde er sie genauso gnadenlos erledigen.

Wären doch nur alle meine Führungsentscheidungen so eindeutig.

Wochen waren vergangen, seit er und Spock Captain Una – früher Erster Offizier der Enterprise unter Chris Pike und in jüngster Zeit Captain der Yorktown – geholfen hatten, durch ein Portal in ein Paralleluniversum zu gelangen. Zu dem Zeitpunkt hatte Kirk ihre beinahe fanatische Hingabe ihren verschollenen Schiffskameraden gegenüber skeptisch betrachtet. Als Captain konnte er es ihr nachfühlen. Sie war ein Lieutenant gewesen, der zum ersten Mal einen Landetrupp befehligt hatte, als ihre Kameraden verschwunden waren. Aber sie waren seit achtzehn Jahren verschollen. War es nicht an der Zeit, dass sie nach vorne sah?

Dann war ihm letzte Woche auf Argus X dieser widerlich süße Geruch in die Nase gestiegen und all sein Zorn und seine Trauer von vor zehn Jahren hatten ihn wieder übermannt. Jedes Wort und jede Tat waren davon beseelt gewesen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan war. Im Zuge dieser furchtbaren Ereignisse verstand er Captain Unas Verhalten besser denn je.

Die Vergangenheit gerät nie in Vergessenheit, sie ist immer bei uns.

Jüngere Offiziere bemühten sich sichtlich, Kirks durchdringendem Blick auszuweichen, während er mit schnellen Schritten durch die geschwungenen grauen Korridore des Raumschiffs der Constitution-Klasse ging. Doch ein Offizier wollte unbedingt einen Moment seiner Aufmerksamkeit: sein neuer Yeoman, Ensign Kalliope Dalto. Die dunkelhaarige Frau mit den brauen Rehaugen kam aus der Kolonie auf Rigel IV. Sie wirkte zerbrechlich, war aber blitzgescheit und in ihrem Streben nach Perfektion unnachgiebig. Hartnäckig und mit unermüdlicher Geduld folgte sie Kirk mit einer unter den Arm geklemmten Datentafel, auf der sich der Schreibkram des Schiffs befand.

Wäre Kirk in gnädigerer Stimmung gewesen, hätte er die Verfolgung schon hinten beim Turbolift beendet und ihr gestattet, ihm die Berichte über den Treibstoffverbrauch und die Anforderungen des Quartiermeisters in die Hand zu drücken. Zu Daltos Pech steckte Kirk der Verrat seines letzten Yeomans, Ensign Lisa Bates, immer noch in den Knochen. Sie hatte sich mit einem mächtigen und gefährlichen außerweltlichen Artefakt von der Enterprise abgesetzt. Dem Transferschlüssel. Das Gerät war Kirk von Captain Pike anvertraut worden, der die Verantwortung dafür von Captain April übernommen hatte.

Und ich war derjenige, der ihn verloren hat.

Ein romulanischer Bird-of-Prey hatte Bates von der Enterprise heruntergebeamt, was offenbarte, auf welcher Seite sie wirklich stand. Im Anschluss hatte sie ihm auch noch unter die Nase gerieben, dass er nicht bemerkt hatte, dass ein Spion monatelang an seiner Seite gedient hatte. So kurz nach der Beförderung und Versetzung von Lieutenant Janice Rand – dem vielleicht besten Yeoman, mit dem Kirk jemals gedient hatte – war Bates’ Verrat ein besonders schwerer Tiefschlag gewesen. Natürlich war es nicht fair, seinen Unmut an diesem neuen Yeoman auszulassen, aber die Geschichte lehrte ihn, dass diese Tradition so alt wie das Meer war.

Allerdings wirkte es so, als hätte man Dalto diese Tatsache vorenthalten.

Sie holte Kirk kurz vor der Tür zum Konferenzraum ein. Ihre Stimme war höflich, aber bestimmt und ohne eine Spur von Respektlosigkeit. »Entschuldigen Sie, Captain.« Als er stehen blieb und sich zu ihr umdrehte, hielt sie ihm die Datentafel und den Stift mit einem höflichen Lächeln hin. »Die heutigen Berichte, Sir.«

Er runzelte die Stirn, unterdrückte aber einen Seufzer und unterzeichnete einen Bericht nach dem anderen. Dann gab er ihr Stift und Tafel wieder zurück. »Ich danke Ihnen, Yeoman.«

Sie verstaute den Stift im Einschub an der Seite der Tafel. »Commander Spock und Lieutenant Uhura warten in Besprechungsraum eins auf Sie.«

Kirk hob eine Augenbraue und warf einen Seitenblick auf die Tür hinter sich. Auf der Plakette an der Wand daneben stand eindeutig: BESPRECHUNGSRAUM 1.

Er zwang sich zu einem freudlosen Lächeln. »Danke, Yeoman. Wegtreten.«

Dalto ging ohne Eile und anmutig den Weg zum Turbolift zurück, den sie gekommen waren. Kirk setzte seinen Weg in den Besprechungsraum fort, in dem, wie Dalto ihm so pflichtbewusst mitgeteilt hatte, sein Erster Offizier und der leitende Kommunikationsoffizier auf seine Ankunft warteten. Sie waren ein Bild der Gegensätze: der Halbvulkanier Spock mit seiner blassen, beinahe grünlich schimmernden Haut und dem schwarzen Topfschnitt – und die menschliche Uhura mit ihrer makellosen braunen Haut und ihrer eleganten Frisur. Beide sahen zur Tür, als Kirk eintrat. Er bedeutete ihnen, sich zu entspannen. »Weitermachen.« Sie gingen zu ihren angestammten Plätzen an dem asymmetrischen fünfeckigen Konferenztisch.

Obwohl Kirk den fensterlosen Besprechungsraum mit seinen gebogenen blaugrauen Wänden und dem dunkelblauen Teppich oft als beengend empfand, war er heute für seine Abgeschiedenheit dankbar. Er setzte sich an das schmale Kopfende des Tischs, was das Zeichen für Spock und Uhura war, ihre Plätze einzunehmen.

»Was haben Sie herausgefunden?«

Spocks Antwort war so trocken wie die Wüsten seiner Heimatwelt. »Nicht so viel, wie wir gehofft hatten, Captain. Die Klingonen haben alle Aufklärungssonden der Sternenflotte abgefangen und vernichtet, die in den Korinar-Sektor geschickt wurden.«

»Was ist mit Langstreckenscans?«

»Nicht eindeutig«, erwiderte Spock. »Wir haben ein erhöhtes Raumschiffaufkommen der Klingonen in der Nähe des Usilde-Systems festgestellt, aber wie groß die Präsenz ist, die sie auf der Oberfläche aufgebaut haben, ist unklar.«

Kirk drehte seinen Sessel in Richtung Uhura. »Funkverkehr?«

»Mehr als üblich«, sagte sie. »Wie erwartet, ist alles verschlüsselt.«

»Ich gehe davon aus, dass wir die üblichen Entschlüsselungsverfahren angewendet haben?«

Sie nickte. »Ja, Sir. Bisher ohne Erfolg.«

Ihre Neuigkeiten frustrierten Kirk. »Solange wir nicht wissen, welchen Empfang wir von den Klingonen zu erwarten haben, können wir nicht riskieren, nach Usilde zurückzukehren.«

Seine Ankündigung bereitete Spock Unbehagen. »Captain Una verlässt sich darauf, dass wir ihre Rückkehr aus dem Paralleluniversum ermöglichen.«

»Das ist mir bewusst, Mr. Spock. Aber im Moment scheinen die Klingonen nicht gewillt zu sein, uns einen Besuch zu gestatten. Nicht dass es eine Rolle spielen würde, wenn es uns möglich wäre.« Er fragte Uhura: »Irgendwelche Spuren von dem gestohlenen Transferschlüssel? Oder meinem ehemaligen Yeoman?«

»Berichte vom Geheimdienst der Sternenflotte weisen darauf hin, dass der Bird-of-Prey, der Ensign Bates aufgenommen hat, immer noch im Kaleb-Sektor unterwegs ist. Aber man weiß nicht, ob sie oder der Schlüssel sich noch an Bord befinden.«

»Das ist nicht viel, aber es ist ein Anfang. Bleiben Sie dran, Lieutenant. Wenn irgendein Schiff oder eine Sternenbasis das Schiff entdeckt, will ich die Koordinaten und seine Flugrichtung unverzüglich erhalten.«

»Verstanden, Sir.«

»Was Usilde angeht, haben wir keine Zeit mehr, auf Nummer sicher zu gehen.« Kirk beugte sich vor und öffnete einen Videokanal zur Brücke. Das Gesicht von Commander Montgomery Scott, dem Chefingenieur der Enterprise, erschien auf allen drei Bildschirmen des dreieckigen Tischmonitors. »Mr. Scott? Setzen Sie Kurs zum Korinar-Sektor, Warpfaktor sechs.«

»Aye, Captain«, antwortete Scott in seinem Aberdeen-Akzent. »Warpfaktor sechs.«

Kirk schaltete den Monitor aus. Spock warf ihm einen fragenden Blick zu. »Sind Sie sicher, dass das weise ist, Captain? Die organianischen Friedensverhandlungen auf Centaurus stehen kurz bevor. Solch eine Handlung könnte von den Klingonen als feindliche Provokation ausgelegt werden.«

»Ich habe Captain Una versprochen, wir würden helfen, sie und ihre Leute nach Hause zu holen. Also können die Klingonen das auslegen, wie sie wollen – ob es Ihnen gefällt oder nicht, wir fliegen zurück nach Usilde.«

Falls es einen Namen für die Desorientierung gab, von der Sadira seit ihrer Rückkehr in das Leben unter Romulanern geplagt wurde, so war dieser ihrer Meinung nach wohl am ehesten Tishaal-Rovukam – ein Wort der Rihannsu, das sich am ehesten als »situatives Schleudertrauma« übersetzen ließ.

Sie hatte die letzten Jahre unter dem Alias Lisa Bates gelebt und die Rolle eines eifrigen jungen Sternenflotten-offiziers gespielt. Zuletzt war sie sogar der pflichtbewusste Yeoman von niemand Geringerem als dem profiliertesten jungen Raumschiffkommandanten der Sternenflotte, Captain James T. Kirk, gewesen. Hätte sie eine Bühnenkarriere angestrebt, wäre dies in ihren Augen wahrscheinlich die Rolle ihres Lebens gewesen. Als eingeschworener Offizier des Tal Shiar, dem verdeckten Geheimdienst des Romulanischen Sternenimperiums, hatte sie diese jedoch als erniedrigende Schinderei empfunden.

Wenigstens war meine Sklavenarbeit für Kirk nur von kurzer Dauer, rief sie sich ins Gedächtnis. Und ein uneingeschränkter Erfolg.

Das Klappern von gegeneinanderschlagendem Metall und das Zischen von Plasmabrennern erfüllte den engen Maschinenraum der ChR Velibor. Sadira stand mit dem Rücken zu einer graugrünen Wand und achtete sorgfältig darauf, die Mechaniker und Techniker nicht zu behindern, die unter den wachsamen Augen von Lieutenant Ranimir, dem Chefingenieur des Bird-of-Prey der Vas Hatham-Klasse, arbeiteten. Hinter ihm standen der kommandierende Offizier des Schiffs und der ranghöchste Centurion. Weder Commander Creelok noch Centurion Mirat bemühten sich, ihr Missfallen über das fremdartige Gerät, das mit dem Hauptenergiekern des Bird-of-Prey verbunden wurde, zu verbergen. Diese Aufgabe war ihnen und ihrer Mannschaft von Sadira aufgezwungen worden, die von ihren Vorgesetzten freie Hand erhalten hatte, ihre neueste Beute, den Transferschlüssel, auf die Probe zu stellen.

Creelok vermied es, Sadira in die Augen zu sehen, als er mit wachsender Ungeduld fragte: »Wie lange noch, Ranimir?«

Stirnrunzelnd sah der Ingenieur das fremdartige Gerät an, das sein Team in die Hauptkonsole des Maschinenraums eingebaut hatte. »Schwer zu sagen, Commander. Dieses Gerät ist vollkommen anders als alles, was ich bisher gesehen habe. Bevor wir es eingebaut hatten, hätte ich nicht gedacht, dass es mit unserer Energieversorgung kompatibel wäre – aber es scheint sich in weniger als einem Tag an unser Netzwerk angepasst zu haben.«

Sein Bericht erschreckte den Centurion sichtlich. »Es hat sich angepasst? Wie?«

»Ich wünschte, ich wüsste es, Centurion.« Ranimir zeigte auf eine Reihe von Anzeigen der Hauptsysteme. »Sein Energieverbrauch hat sich verdoppelt, seit wir es aktiviert haben, und er steigt weiterhin an.«

Creeloks steil angestellte Augenbrauen zogen sich besorgt zusammen. »An welchem Punkt wird es zu einer Bedrohung für die Sicherheit von Schiff und Besatzung?«

»Das werde ich erst wissen, wenn ich es sehe.« Ranimir tippte auf einen roten Knopf auf der Konsole. »Ich habe einen Notschalter eingebaut, um die Energiezufuhr zu kappen. Als Vorsichtsmaßnahme.«

»Vernünftig«, sagte der Kommandant.

Sadira kam näher, um sich an der Diskussion zu beteiligen. »Wird es funktionieren, solange wir getarnt sind?«

»Da mir niemand sagen will, was es tut«, entgegnete Ranimir, »oder wie viel Energie es verbraucht, nachdem es aktiviert wurde, kann ich das unmöglich beantworten.«

»Ich bin an Ihren Ausreden nicht interessiert. Das Gerät muss funktionieren, während unsere Tarnung aktiv ist.«

Ranimir wechselte besorgte Blicke mit Creelok und Mirat. »Das kann ich nicht versprechen.«

»Ich habe kein Versprechen verlangt, nur, dass Sie meine Vorgaben einhalten.« Sadira war klar, dass niemand von der Besatzung der Velibor gern Befehle von ihr entgegennahm. Sie fragte sich, ob es die Dinge einfacher machen würde, wenn sie die Verhaltensweisen an den Tag legte, die sie sich für ihre Lisa-Bates-Persona angeeignet hatte – eine Identität, an der sie jahrelang in einer menschlichen Mustersiedlung auf Romulus gefeilt hatte.

Sadira verlieh ihrem Tonfall eine freundlichere Note und fügte hinzu: »Ranimir, ich weiß, ich verlange eine Menge von Ihnen und dem Schiff, aber meine Befehle kommen aus den höchsten Ebenen des Tal Shiar. Also fangen wir doch noch mal von vorne an: Wenn wir davon ausgehen, dass der Transferschlüssel seinen Energieverbrauch nach der Aktivierung erhöht, was können wir tun, um zu verhindern, dass er die Schiffsfunktionen beeinträchtigt?«

Ihre besänftigende Diplomatie schien Ranimirs Besorgnis etwas zu mildern, wenn auch nur geringfügig. »Ich habe die Energieversorgung des Schlüssels auf Reaktor eins beschränkt und die Tarnung wird von Reaktor zwei gespeist. Solange wir während der Benutzung des Schlüssels nicht versuchen, irgendwelche anderen Waffen abzufeuern oder die Schilde hochzufahren, müsste ich in der Lage sein, das hinzubekommen.«

Sie lächelte entwaffnend. »Ausgezeichnete Neuigkeiten, Ranimir.«

Der Kommandant und der Centurion hatten weiter ihre Zweifel. Beide Männer waren grau und weise, Veteranen, die seit einer Generation ihren Dienst im Weltall geleistet hatten. Man konnte sie nicht so einfach mit sanften Worten und leeren Höflichkeitsfloskeln umstimmen. Creelok sah Sadira aus zusammengekniffenen Augen an. »Es ist mir egal, wer den Befehl gegeben hat. Es gefällt mir nicht, dass diese fremdartige Technologie mit meinen Schiffskontrollen verbunden wird.«

Mirat nickte zustimmend. »Das sehe ich auch so. Derartige Tests sollten unter kontrollierten Bedingungen im romulanischen Raum durchgeführt werden. Nicht auf einem Schiff, das sich auf feindlichem Gebiet befindet.«

»Ihre Bedenken sind zur Kenntnis genommen.« An Ranimir gewandt fügte Sadira hinzu: »Arbeiten Sie weiter. Ich will, dass der Schlüssel einsatzbereit ist, wenn wir den Ophiucus-Sektor erreichen.«

Überzeugt davon, sich klar genug ausgedrückt zu haben, ging Sadira davon. Erst nachdem sie den Maschinenraum verlassen hatte und den Korridor zu dem Lift entlangging, der sie in ihr Quartier bringen würde, hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte sich um und stand Creelok gegenüber.

Er senkte seine Stimme zu einem vertraulichen Flüstern, das ihre ätzende Schärfe nicht mildern konnte. »Sie sollten darüber nachdenken, bei Ihren Anfragen der Kommandokette zu folgen.«

»Wieso sollte ich das tun?«

»Weil ich schon Raumschiffe befehligt habe, bevor Sie überhaupt geboren wurden. Es ist mir egal, für wen Sie arbeiten – ich werde nicht dulden, dass ein arrogantes Mädchen mir vor meiner Mannschaft schnippische Befehle erteilt.«

Sie grinste ihn provozierend an. »Ich denke, das werden Sie.«

»Respekt muss man sich verdienen, Major Sadira. Sie wären gut beraten, das nicht zu vergessen.«

»Und die Tal Shiar können Sie jederzeit töten und Ihr Schiff unter mein Kommando stellen, wenn ich das für richtig erachte. Das sollten Sie lieber nicht vergessen.« Sie zog ihren Dolch und presste ihn mit einer blitzartigen Bewegung an Creeloks Kehle. »Und nur, damit wir uns nicht missverstehen, Commander – ich stelle keine Anfragen, ich gebe Befehle. Und ich erwarte, dass diese befolgt werden.« Sie steckte ihren Dolch wieder ein, als die Tür des Aufzugs sich neben ihr öffnete. »Sorgen Sie dafür, dass der Schlüssel aktiviert ist, bevor wir das Ziel erreichen. Und wenn Sie wieder zum Kommandodeck zurückkehren, erhöhen Sie die Geschwindigkeit auf Warp sieben.« Sie ging rückwärts in den Lift und während sich die Tür schloss, fügte sie hinzu: »Ich muss einen Zeitplan einhalten.«

Für die meisten Leute war Sareks strenge vulkanische Miene undurchdringlich, aber er konnte sich immer darauf verlassen, dass seine menschliche Gemahlin, Amanda Grayson, seine Fassade dank ihrer Intuition durchschaute. Sie betrat den diplomatischen Empfang und begab sich sofort an seine Seite, wie eine Erinnerung, die unaufgefordert kam, aber dennoch angenehm war.

Ihr Blick war scharf, ihre Stimme diskret. »Du siehst enttäuscht aus.«

»Ich würde sagen, unzufrieden.« Er zeigte auf die verschiedenen Buffettische, die in gegenüberliegenden Ecken des Hotelballsaals aufgebaut waren. »Ich hatte darum gebeten, die Buffettische mit unterschiedlichen Gerichten im Raum zu verteilen.« Mit verstohlenen Blicken lenkte er ihre Aufmerksamkeit auf die Gruppe aus Föderationsdiplomaten, die sich auf der einen Seite des geschmückten goldenen Saals versammelt hatte, und dann auf das Aufgebot klingonischer Diplomaten, die sich auf der gegenüberliegenden Seite des weitläufigen Raums drängten. »Stattdessen hat das Catering die klingonischen Delikatessen in eine Ecke gestellt und alle irdischen und vulkanischen Gerichte in eine andere. Das ist einem zwanglosen Miteinander von Fremden nicht förderlich.«

»Wem sagst du das. Das ist das politische Gegenstück zu einem Tanz an der Junior Highschool.« Sie hakte sich bei Sarek ein. »Ich schätze, dann liegt es wohl an uns, das Eis zu brechen.«

Wie immer hatte sie recht. Von Sarek als ranghöchstem Mitglied der Föderationsdiplomaten wurde erwartet, den Ton anzugeben und seinen Untergebenen mit gutem Beispiel voranzugehen. Er bezweifelte, dass seine Kollegen es seinen Bemühungen ohne ausdrücklichen Befehl gleichtun würden, doch für den Moment gab er seiner Frau recht: Der Anstand gebot es, dass er seinen Amtskollegen begrüßte.

»Also schön«, sagte er.

Er durchquerte den Raum mit Amanda an seinem Arm. Jeder ihrer Schritte ließ ihr silbernes Kleid im warmen Schein der Kronleuchter schimmern und glitzern. Im Gegensatz dazu war seine Kleidung, obwohl ebenso formell, relativ schlicht: ein maßgeschneiderter schwarzer Talar und ein grauer Umhang. Beide waren hochelegant und schmeichelten seinem schlanken Körperbau. Das einzige bemerkenswerte Accessoire war ein mit Juwelen verziertes goldenes Ornament, das er um den Hals trug. Es war ein uraltes Familienerbstück, das seit zehn Generationen vom Vater an den Sohn weitergereicht wurde. Obwohl in einem Zeitalter, in dem die Wissenschaft Gold und Edelsteine jederzeit reproduzieren konnte, sein objektiver Wert eher gering einzuschätzen war, lag für Sarek sein wahrer Wert in seiner historischen Bedeutung. Für ihn war es das Symbol der Kontinuität. Der Dauerhaftigkeit. Des Lebens.

Dennoch war er nicht überrascht, dass niemand im Raum dem Schmuck an seiner Brust auch nur die geringste Beachtung schenkte. Alle Augen waren auf Amanda und ihr bezauberndes Kleid gerichtet. Ohne seine geistige Disziplin, die er sein ganzes Leben lang kultiviert hatte, hätte Sarek sich einen Moment des Stolzes gestattet, als er bemerkte, dass sogar die Klingonen die Eleganz seiner Frau zur Kenntnis nahmen.

Die Gruppe fremder Würdenträger teilte sich, als er und Amanda sich näherten. Aus ihrer Mitte traten ihr Anführer, Ratsmitglied Gorkon, und sein leitender Attaché, Ratsmitglied Prang, hervor. Gorkon war der größere der beiden. Er hatte eine aristokratische Haltung und seine Gesten waren bedacht und ausladend. Er gehörte zu den Privilegierten, er war mit Macht geboren worden und übte diese mit beinahe kriminellem Gleichmut aus. Prang war da anders. Seine wilden Augen, breiten Schultern, mächtiger Brustkorb und muskulösen Gliedmaße verrieten, dass er ein gefeierter Krieger des klingonischen Militärs war – einer, der durch eine vorteilhafte Eheschließung in die Politik gestolpert war. Seine Hochzeit hatte ihn aus dem gemeinen Volk auf einen Sitz im vielgerühmten Hohen Rat des Reiches katapultiert.

Sarek bedachte Gorkon mit einem langen Nicken. »Willkommen, Ratsmitglied.«

»Ich danke Ihnen, Botschafter.«

Amanda ergriff das Wort: »Hat Ihre neue Gemahlin Sie begleitet?«

Noch bevor Gorkon antworten konnte, entgegnete Prang mit unverhohlener Verachtung: »Wir Klingonen bringen unsere Gefährten nicht zu offiziellen Anlässen mit. Das ist…«

Gorkon unterbrach Prang mit einem theatralischen Räuspern. Dann setzte er ein falsches, aber höfliches Lächeln auf und sagte zu Amanda: »Tatsächlich sind Illizar und ich noch nicht verheiratet. Die Hochzeit wurde kurzfristig verschoben.«

»Verzeihen Sie, Ratsmitglied«, erwiderte Amanda. »Das wusste ich nicht.«

Er wischte die Peinlichkeit mit einer kleinen Handbewegung beiseite. »Das hat nichts zu sagen. Die Hochzeit wurde für nächsten Monat auf Qo’noS anberaumt.« Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Sarek und fragte: »Und was macht Ihre Gesundheit, Botschafter? Wie ich hörte, mussten Sie sich vor nicht allzu langer Zeit auf der Enterprise einer Operation unterziehen.«

»Ja, um kardiologische Beschwerden zu korrigieren. Ich habe mich vollkommen erholt.«

Sarek stellte fest, dass die Gründlichkeit der klingonischen Informationsbeschaffung ungebrochen war – auch nach dem Waffenstillstand, den die Organier ihnen und der Föderation aufgezwungen hatten. Dieser brüchige Frieden sollte durch die Verhandlungen eines gegenseitig bindenden Abkommens beider Seiten hier auf Centaurus gestärkt werden.

Sarek hielt es für das Beste, den Fokus von sich auf den Tisch mit den klingonischen kulinarischen Köstlichkeiten zu lenken. »Ich hoffe, unser Koch konnte diese Gerichte zu Ihrer Zufriedenheit zubereiten.«

»Ja«, sagte Gorkon. »Die Pipius-Klauen sind wirklich sehr saftig. Und ich muss Ihre Küche für das Wissen loben, dass man gagh nicht kühlen soll. Die Würmer sind bei Zimmertemperatur viel lebhafter.« Er warf einen Blick durch den Ballsaal und runzelte die Stirn. »Gestatten Sie mir eine vorsichtige Kritik? Ich hätte vorgeschlagen, die Essenstische verstreut aufzustellen.« Er zeigte ein breites Grinsen. »Um eine zwanglosere Interaktion zwischen unseren Fraktionen zu ermutigen.«

Ein weises, aber bescheidenes Nicken. »Ein vernünftiger Gedanke, Ratsmitglied. Ich werde ihn für zukünftige Veranstaltungen berücksichtigen.« Aus dem Augenwinkel bemerkte Sarek, wie Amanda ihr Bestes tat, ihre Belustigung über die Ironie von Gorkons Kritik nicht zu zeigen.

Das Geplauder wurmte Prang. »Wen kümmern Essen und Bagatellen? Wir sind hergekommen, weil die Föderation um Frieden ersucht. Sagen Sie mir, Botschafter: Was sind Sie bereit aufzugeben, damit das Reich Ihre Leute am Leben lässt?«

Es war lehrreich für Sarek, dass Gorkon jede Spur einer Reaktion auf Prangs rhetorische Herausforderung unterdrückte. Wie ein wahrer Staatsmann schien Gorkon sich damit zufriedenzugeben, Sareks Reaktion auf das polternde Verhalten des jüngeren Klingonen zu beobachten. Sarek gewann Zeit, indem er seine Hände vor dem Bauch faltete, während er seine nächsten Worte abwog. »Die von Ihnen gestellten Fragen sind äußerst direkt, Ratsmitglied Prang. Wenn die Antworten darauf doch auch nur so einfach wären. Dennoch, ich glaube, Sie wissen so gut wie jeder andere, wie kompliziert und heikel die vor uns liegenden Verhandlungen sind.«

Prang lächelte höhnisch. »Sie reden viel, aber sagen wenig.«

Ein bescheidenes Schulterzucken. »Ich strebe nach Präzision.«

»Eine bewundernswerte Eigenschaft«, sagte Gorkon und setzte Prangs verbaler Schikane damit ein Ende. »Und in Zeiten, in denen so viel auf dem Spiel steht, auch notwendig.«

»In der Tat.« Wie es bei diplomatischen Angelegenheiten Usus war, hatten Sarek und Gorkon sich in der Kunst der Untertreibung geübt. Beide Männer wussten – und waren zu weise, um es laut zu äußern –, dass keine Seite profitieren würde, wenn diese Verhandlungen scheiterten. Es war noch keine neun Monate her, seit die Sternenflotte und das klingonische Militär den Fehler gemacht hatten, auf dem Planeten Organia gegeneinander zu kämpfen. Die Einheimischen – Wesen, die sich vor langer Zeit zu Lebensformen aus reiner Energie entwickelt und dabei fast gottartige Fähigkeiten gewonnen hatten – reagierten darauf mit der Drohung, die militärischen Fähigkeiten beider interstellarer Staaten zu neutralisieren, es sei denn, sie einigten sich darauf, die Feindseligkeiten umgehend einzustellen und einen Friedensvertrag zu schließen. An diesem Punkt waren beide Mächte dazu gezwungen gewesen, den alten Groll im Namen der Selbsterhaltung beizulegen.

Leise erteilte Gorkon Prang und den restlichen Klingonen knappe Befehle. Diese verteilten sich prompt im ganzen Raum. Sie versuchten, so zu tun, als würde es ihnen Freude bereiten, sich unter ihre Gastgeber von der Föderation zu mischen. Klassische Musik von der Erde ertönte aus unsichtbaren Lautsprechern irgendwo an der Decke. Gorkon lauschte und lächelte dann. »Debussy. Wunderbar! Botschafter, habe ich Ihre Erlaubnis, Ihre Frau um einen Tanz zu bitten?«

»Meine Erlaubnis ist irrelevant. Meine Frau trifft ihre eigenen Entscheidungen und ich respektiere diese.«

»Ein weiser Grundsatz.« Gorkon gab sich förmlich und verbeugte sich elegant vor Amanda. »Madam, darf ich um die Ehre dieses Tanzes bitten?«

»Sie dürfen.« Amanda ergriff Gorkons Hand. Sie warf Sarek einen amüsierten Blick zu, als der schlaksige Klingone sie auf das Tanzparkett begleitete und sie zu einem klassischen Walzer führte.

Die versammelten Würdenträger beobachteten den Moment, als Gorkon und Amanda elegant durch den Ballsaal wirbelten, mit unterschiedlichen Ausprägungen von Überraschung. Einige VIPs der Föderation fanden die Szene bizarr, aber die finsteren Blicke und hochgezogenen Augenbrauen der Klingonen ließen darauf schließen, dass sie dies eher für eine Perversion hielten.

In jedem Fall hoffte Sarek, dass dies ein gutes Zeichen für den Rest der Konferenz war. Denn so seltsam der Gedanke an eine Freundschaft zwischen der Föderation und dem Klingonischen Reich anmuten mochte, er wusste mit Sicherheit, dass dies die einzige Hoffnung für beide Mächte war, zu überleben.

Die Nacht war zu lang gewesen und Gorkon hatte zu viel getrunken, um eine von Prangs typischen Tiraden zu ertragen. Doch das hitzköpfige, unreife Ratsmitglied war noch nie ein Freund davon gewesen, seine Gedanken für sich zu behalten. Als sie und ihre Delegation zurück in ihre unfassbar luxuriösen Räumlichkeiten in einem zweckentfremdeten Wohnheim auf dem Campus der New Athens Universität zurücktrotteten, lallte Prang: »Mussten Sie sich so zum Narren machen, Gorkon?«

Gorkon war lange nicht so betrunken wie sein Gegenüber. Er drehte sich um und baute sich vor Prang auf. »Wäre Ihre Verleumdung nicht mit dem Geruch von Blutwein parfümiert, würde ich Ihnen die Kehle aufschlitzen.«

Ein mürrisches Starren, dann folgte ein anmaßendes Grinsen. »Gefiel es Ihnen, mit Sareks Frau zu tanzen?« Er schnaubte und torkelte seitwärts. »Duftet sie nach Blumen?«

»Sie ist eine fantastische Tanzpartnerin. Was Ihre zweite, weniger geschmackvolle Frage angeht … Belassen wir es dabei, dass dies ein wunderbares Beispiel dafür ist, warum Sie für diese Art Posten ungeeignet sind.«

»Wenn irgendjemand hier nicht hingehört …« Prang stach mit seinem Zeigefinger nach Gorkons Brust. »Dann sind Sie das. Sie reden wie die. Sie tanzen zu ihrer Musik. Was kommt als Nächstes, Gorkon? Essen Sie ihre gekochte Nahrung? Trinken Sie dieses Gebräu, das sie Kaffee nennen? Servieren Sie ihnen das Reich auf dem Silbertablett?«

Ihre Meinungsverschiedenheit war zu einem Spektakel geworden. Der Rest der Delegation umringte sie und es war offensichtlich, dass mehr als die Hälfte mit Prang und seinem liederlichen Zorn sympathisierte. Gorkon wusste, wenn sie sich gegen ihn wandten, geriet die ganze Mission in Gefahr.

Gorkon rammte Prang die Faust in den Magen. Der jüngere Mann kippte nach vornüber. Gorkon riss das Knie hoch und traf sein Gesicht, dann krachte einer seiner in Rüstung steckenden Ellbogen auf Prangs Rücken nieder. Als das jüngere Ratsmitglied flach mit dem Gesicht voran zu Boden fiel, verpasste Gorkon ihm einen Haken in die Niere und kniete sich auf den Rücken des gestürzten Mannes.

»Jetzt hören Sie mir zu, Sie dummer Welpe. Wir sind hier nicht bei einem Messerkampf in einer schäbigen Gasse. Hier gibt es keine Punkte für Draufgängertum.« Er packte eine Handvoll von Prangs Haaren und riss den Kopf des Mannes scharf nach hinten. »Sie spotten über die Warnung der Organier, aber ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie es geschah. Eine gesamte Flotte bewegungsunfähig in den Tiefen des Weltraums. Sie könnten uns alle vernichten, Sie Dummkopf.«

Gorkon stand auf und zeigte auf einen Mann, der in der Nähe der Flügeltür der Suite stand, die zum Korridor führte. »Schließen Sie die Tür.« Sobald der Eingang verschlossen und die Privatsphäre wiederhergestellt war, fuhr er fort. Er sprach lauter und wandte sich an die anderen zehn Mitglieder des diplomatischen Teams: »Wir sind nicht hergekommen, um einen Streit anzuzetteln. Wir sind hier, um Bedingungen für einen Frieden auszuhandeln, die wir und unser Volk akzeptieren können.«

Er drehte sich langsam um die eigene Achse und suchte nach bekannten Gesichtern. Dann zeigte er nacheinander anklagend mit dem Finger auf sie. »Durok. Sie arbeiten für den Geheimdienst des Reichs. Man hat Ihnen gesagt, Sie sollen die Suiten und Büros der Föderationsdelegierten verwanzen. Orqom. Sie sind kein einfacher Übersetzer. Sie wurden vom Oberkommando hergeschickt, um Überwachungssoftware in das Kommunikationsrelais hier in New Athens einzuschleusen. Marbas. Der Orden des Bat’leth will, dass Sie einen Besuch auf einem Schiff der Sternenflotte arrangieren, damit Sie die Kommandocodes stehlen können. Ich befehle Ihnen allen, Ihre Zweitmissionen sofort fallen zu lassen. Andernfalls erleiden Sie einen schmerzhaften Tod durch meine Hand.«

Er unterstrich seine Rede mit einem schnellen Tritt auf Prangs Rücken. »Und Sie, Prang. Sie sind der schlimmste von allen. Sie haben sich selbst geschickt, weil Sie und Ihre Verbündeten im Hohen Rat diese Verhandlungen sabotieren wollen, noch bevor sie beginnen. Bitte übermitteln Sie Ratsmitglied Duras mein tiefstes Bedauern, dass sein lächerlicher Schachzug gescheitert ist.«

Prang spie einen Mundvoll magentafarbenes Blut auf den Boden und starrte dann wütend zu Gorkon auf. »Sie sind der Dummkopf, Gorkon. Glauben Sie, dass ich die Befehle des Kanzlers nicht kenne? Er will Zugeständnisse von der Föderation – mehr, als wir je durch einen Krieg bekommen hätten.«

»Wir alle wollen Dinge, die wir nicht haben können. Kanzler Sturka ist da keine Ausnahme.« Er entfernte sich von Prang und knurrte den anderen zu: »Die Show ist zu Ende. Geht ins Bett.«

Gorkon wusste, dass es die klügste Entscheidung war, sich aus dem rhetorischen Kampf zurückzuziehen. Prang hatte einen spürbaren Treffer erzielt, auch wenn er es nicht wusste. Es stimmte, dass der Kanzler Gorkon befohlen hatte, ungeheuerliche Forderungen im Austausch für das Friedensabkommen mit der Föderation zu stellen. Es war zu gefährlich für Gorkon, seinen Untergebenen gegenüber zuzugeben, dass der Kanzler erwartete, alles, was er wollte, und mehr zu bekommen – und dass Gorkon keine Ahnung hatte, wie er ihn mit der wesentlich geringeren Ausbeute, die diese Verhandlungen versprachen, zufriedenstellen sollte.

In einem politischen Pokerspiel, bei denen alles auf dem Spiel steht, hat man mich mit einem Verliererblatt an den Tisch geschickt, lamentierte Gorkon, als er sich in sein Privatquartier zurückzog. Schlimmer noch, man hat mir befohlen, den berüchtigten Botschafter Sarek von Vulkan zu bluffen. Der gealterte Klingone runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Wäre ich doch bloß noch Raumschiffkommandant. Damals war die Antwort immer einfach: Töte alle. Sollen die Politiker sich mit den Auswirkungen herumschlagen. Er kicherte leise über die Ironie dieser Zwickmühle. Was das hier, wie die alten Lieder so schön sagen, zu ausgleichender Gerechtigkeit macht.

DREI


Auch im geräuscharmen Betrieb summte die Brücke der Enterprise vor intensiver Energie und Konzentration. Lieutenant Uhuras Stimme durchschnitt die angespannten Hintergrundgeräusche und erregte Kirks Aufmerksamkeit. »Captain? Mr. Spock berichtet, dass die Galileo abflugbereit ist.«

Kirk antwortete über seine Schulter hinweg: »Sagen Sie ihm, er soll sich bereithalten, Lieutenant.«

Er drehte seinen Kommandosessel zur Wissenschaftsstation, wo Ensign Jana Haines sich über die abgeschirmte Sensoranzeigen beugte. Der schlanke Wissenschaftsoffizier mit den blonden Haaren war Anfang vierzig und ein ungewöhnlich später Bewerber an der Sternenflottenakademie gewesen. Sie sah hoch, als Kirk fragte: »Ensign, erfassen wir den klingonischen Kreuzer immer noch mit den Langstreckenscans?«

»Nein, Sir«, sagte sie. »Sein letzter bekannter Kurs führte ihn zurück in den klingonischen Raum.«

»Hoffen wir, dass unser Glück anhält.« Er wandte sich wieder dem Hauptbildschirm zu, auf dem ein statisches Sternenfeld zu sehen war. Einer dieser Lichtpunkte war das Libros-System, in dem der Planet Usilde beheimatet war. Dort befand sich eine fremde Maschine, die das Tor zwischen Universen öffnen konnte, die sich niemals überschneiden sollten.

Grundsätzlich befand sich das Libros-Sonnensystem weder auf Föderations- noch auf klingonischem Territorium, weshalb der offizielle Status auch als »umstrittenes« Hoheitsgebiet definiert war. Zu Kirks Missfallen – und vor achtzehn Jahren zum Nachteil von Captain Una und ihren Schiffskameraden von der Enterprise – neigte die Föderation dazu, den Begriff »umstritten« als Verbotsschild zu interpretieren. Im Gegensatz dazu fasste das Klingonische Reich solche Unklarheiten fast immer als Einladung dazu auf, seine Flagge zu hissen.

Was sie hier auf jeden Fall getan haben, brütete er.

Kirk sah sich auf der Brücke um und fand die Zahl unbekannter Gesichter besorgniserregend. Lieutenant Stiles bemannte den Posten des Navigators – normalerweise Chekovs Station während dieser Schicht – neben Steuermann Lieutenant Beggs Hansen, der den Platz von Lieutenant Hikaru Sulu einnahm. Beide waren für ihre Rolle herausragend qualifiziert, aber in Krisenzeiten war Kirk inzwischen daran gewöhnt, sich auf der Brücke mit den besten Offizieren der Enterprise zu umgeben. Er verzichtete nur widerwillig auf den Rat seiner erfahrensten Offiziere außer einem, wusste aber, dass dies die beste Strategie für einen Erfolg war – nicht zuletzt, weil Spocks ihm versichert hatte, dass es so war.

Das sanfte pneumatische Zischen der sich öffnenden Turbolifttüren veranlasste Kirk, seinen Kopf weit genug herumzudrehen, um die Ankunft von Doktor Leonard McCoy zur Kenntnis zu nehmen. Dieser war Chefarzt der Enterprise und sein verlässlicher Freund und Ratgeber. Obwohl ihm der Ruf emotionaler Ausbrüche vorauseilte, senkte er dieses Mal seine Stimme zu einer vertraulichen Lautstärke, die dennoch seinen Zorn nicht verbergen konnte. »Jim? Hast du den Verstand verloren?«

»Das ist weder die Zeit noch der Ort, Doktor.«

»Da bin ich anderer Meinung. Du bist dabei, vier gute Leute ins Fadenkreuz der Klingonen zu schicken. Jetzt scheint mir der perfekte Zeitpunkt für die Frage zu sein: warum?«

Kirk warf seinem Freund einen vorwurfsvollen Blick zu. »Weil es getan werden muss. Und gerade du solltest wissen, dass auf dieser Brücke meine Befehle nicht zur Diskussion stehen.«

Seine Zurechtweisung veranlasste McCoy dazu, sein Gegenargument flüsternd vorzubringen. »Verdammt, Jim. Wie kannst du so ein Risiko am Vorabend der Vertragskonferenz eingehen?«

»Weil ich ein Versprechen gegeben habe, Pille. Und zwar Captain Una.«

»Aber wenn Spock und die anderen erwischt werden …« McCoy sah sich um, um sicherzugehen, dass niemand seine nächsten Worte belauschte. »Das könnte einen Krieg auslösen. Oder man könnte sie als Spione anklagen …«

»Und sie zum Tode verurteilen«, beendete Kirk den finsteren Gedanken. »Das weiß ich. Und sie auch.«

»Das scheint mir ein schrecklich hoher Preis für ein Versprechen zu sein«, grollte der Doktor.

»Ihre Bedenken sind zur Kenntnis genommen, Doktor.«

Nachdem er abgeblitzt war, hatte McCoy offenbar nichts mehr zu sagen und räumte das Feld. Er gesellte sich zu Uhura auf dem Oberdeck der Brücke und sah ihr über die Schulter. Kirk ließ zu, dass sein Freund sich aus dem Gespräch zurückzog, und brütete über die beunruhigende Wahrheit, die er mit niemand anders auf dem Schiff – außer Spock – teilen konnte. Es war nicht Kirks Entscheidung gewesen, den größten Teil seiner Führungsoffiziere in verdeckter Mission nach Usilde zu schicken. Nachdem er dem Sternenflottenkommando von der Existenz des Transferschlüssels und dessen Diebstahl durch einen romulanischen Schläferagenten berichtet hatte, hatte dieses ihm trotz seiner Einwände diese Mission auferlegt.

Das Ärgerlichste an allem war der Zusatz gewesen, der Kirk anwies, die volle Verantwortung für die Mission zu übernehmen. Sollte sie ins Auge gehen, würde man sie als Operation eines Abtrünnigen abtun, die Schnapsidee eines eigenwilligen Raumschiffcaptains, der ohne Befugnisse handelte. Die Logik hinter dem Befehl war Kirk von Anfang an klar gewesen. Auf diese Weise sollten die Vertragsverhandlungen vor möglichen Rückschlägen geschützt werden, wenn die Mission schiefging. Und da Kirk schlussendlich für das Verhalten des gesamten Personals unter seinem Kommando verantwortlich war, hielt man es für besser, ihn als Abtrünnigen hinzustellen und nicht als einen Kommandanten, der die Kontrolle über sein Schiff und die Mannschaft verloren hatte. Rein theoretisch stimmte Kirk der Denkweise seiner Vorgesetzten zu, doch er hegte Bedenken, dass dies einen falschen Eindruck seines Kommandostils hervorrufen und Nachahmer auf den Plan rufen könnte.

Ich kann mir nicht den Kopf über meinen Ruf zerbrechen, entschied er. Wenn es das ist, was die Sternenflotte von mir braucht, dann wird sie es von mir bekommen. Kirk hatte sich immer für einen loyalen Offizier gehalten, der sich an die Regeln hielt, der seine Mission, sein Schiff und seine Besatzung vor seine eigenen Interessen stellte. Und das würde auch so bleiben – ganz egal welchen falschen Eindruck die Geschichte von ihm in zukünftigen Zeiten haben mochte.

Aber das hieß nicht, dass er leichtsinnig sein musste.

Er wandte sich wieder an Uhura an der Kommunikationskonsole: »Lieutenant? Gibt es Funkverkehr nach oder von Usilde auf klingonischen Militärkanälen?«

Sie drückte ihre Hand sanft an den Empfänger, der in ihrem Ohr steckte, und lauschte aufmerksam einige Sekunden. Dann sah sie Kirk an und schüttelte den Kopf. »Überhaupt nichts, Sir.«

»Also schön. Sagen Sie Mr. Spock, dass die Galileo Abflugerlaubnis hat.«

Während Uhura seinen Befehl an den Shuttlehangar des Schiffs weiterleitete, sagte Kirk: »Mr. Stiles, Hecksicht auf den Schirm, bitte.«

»Aye, Sir.« Stiles tippte den Befehl in die vordere Konsole ein. Das Bild auf dem Hauptschirm veränderte sich und zeigte den Heckbereich des zylinderförmigen Sekundärrumpfes der Enterprise. Ein paar Sekunden später schoss ein kleiner silberner Blitz aus den offenen Hangartoren des Raumschiffs. Innerhalb weniger Momente schrumpfte der gleißende Bewegungsstreifen zu einem Lichtpunkt zusammen, der immer kleiner wurde und zwischen den Sternen verschwand.

Hinter Kirk bestätigte Uhura: »Die Galileo ist unterwegs.«

»Danke, Lieutenant. Überwachen Sie bis zu ihrer Rückkehr jederzeit ihren Notrufkanal.«

Kirk starrte auf die Sterne und war ganz allein mit seinen Gedanken, von denen er wusste, dass er sie niemals teilen konnte. Hatte er das Richtige getan? Hatte er gerade die Friedensverhandlungen und dadurch das Schicksal von Milliarden denkender Wesen in Gefahr gebracht? Und das Schlimmste, hatte er seine Freunde und Schiffskameraden in den sicheren Tod geschickt? Das würde nur die Zeit zeigen, aber vorläufig musste er all seine Befürchtungen für sich behalten.

So war das, wenn man Captain eines Raumschiffs war.

Auch der längste Marsch mochte mit dem Schritt beginnen, aber Captain Una hatte den Schritt, der sie auf ihren unbestimmten Weg geführt hatte, längst vergessen.

In der Eintönigkeit der Wüste war es leicht für die Gedanken abzuschweifen. Sogar mit einem fernen Orientierungspunkt, auf den man den Blick richten konnte, verschworen sich die endlosen Ebenen, der karge Horizont und der leere Himmel dazu, den Betrachter beim Laufen in Hypnose zu versetzen, in einen fortwährenden Traumzustand der Verleugnung.

Una blinzelte und bemerkte, dass sie sich auf einem felsigen Bergpfad mit hohen Felswänden befand. Sie hatte keine Erinnerung daran, wie oder wann sie die Salzebenen verlassen und einen engen Pfad voller scharfkantiger Steine und wabernder beiger Staubschleier betreten hatte. Plötzlich wurde sie sich ihrer neuen Umwelt bewusst und blieb stehen. Dann legte sie den Kopf in den Nacken und drehte sich einmal langsam im Kreis. Windgepeitschte hellbraune Felsspitzen kratzten an dem schneeweißen Himmel über ihr. Zu beiden Seiten ihres einsamen Wegs ragten imposante, schroffe Klippen auf. Sie sah keine Anzeichen von Höhlen oder anderen Zufluchten, weder oben noch unten. Genau wie die Wüste war auch dieser Gebirgspass eine Einöde.

Ihre Ausbildung setzte sich durch. Una wusste, dass sie seit geraumer Zeit gelaufen war, aber sie hatte nur vage Erinnerungen an die Wechsel von Tag und Nacht oder an ihren Schatten, der sie wie der Schattenzeiger einer Sonnenuhr umkreist hatte. Hatte sie sich die Wanderung der Sonnen am Himmel eingebildet? Waren die Sterne über ihrem Kopf nichts als Wahnvorstellungen? Das schien unwahrscheinlich, aber sie konnte das Offensichtliche nicht leugnen: Wäre sie mehrere Tage hintereinander ohne pharmazeutische Hilfe wach gewesen, würde sie jetzt an schweren Symptomen von Schlafentzug leiden. Doch sie fühlte sich fast hellwach und fest verankert in der Gegenwart, so surreal diese auch sein mochte.

Andere unlösbare Rätsel nagten an ihr. Sie hatte sich gut auf ihre Reise jenseits der Dimensionsbarriere vorbereitet. Ihr Rucksack war vollgepackt mit Wasser, Proviant und einem Erste-Hilfe-Kasten. Aber hatte sie seit ihrer Ankunft etwas gegessen? Hatte sie auch nur einen Schluck aus der Feldflasche genommen? Diese baumelte schwer an der Seite ihres Rucksacks, was darauf schließen ließ, dass sie immer noch voll war. Aber wenn dem so war, wie war sie dann den Auswirkungen der Dehydrierung entgangen? Wenn sie ihre Verpflegung noch nicht angebrochen hatte, warum spürte sie dann nicht die Folgen von Unterzuckerung?

Die Einzelheiten ihrer misslichen Lage schienen nicht mit ihren Erfahrungen übereinzustimmen, als wäre sie nur Zuschauerin ihres eigenen Lebens. Vielleicht ist das eine Besonderheit dieses Paralleluniversums. Wenn sich seine physikalischen Gesetzmäßigkeiten von denen unterscheiden, die ich für selbstverständlich halte, könnten diese Eigentümlichkeiten der Beweis für einen Paradigmenwechsel sein.

Auf den ersten Blick schien dies eine vernünftige Erklärung zu sein, aber ein Teil ihres Verstandes weigerte sich, sie zu akzeptieren. Selbst wenn dieses Universum mit anderen physikalischen Gesetzen arbeitet, würde meine Physiologie nicht weiterhin denen gehorchen, unter denen sie entstanden ist? Ist es möglich, dass das Durchschreiten der Dimensionsbarriere mich verändert hat?

Das war eine zutiefst verwirrende Vorstellung. Wie konnte sie ihr Verhalten an physikalische Gesetze anpassen, die sie nicht einmal kannte? Ich kann nur auf die Phänomene eingehen, die ich wahrnehme, entschied Una.

Nachdem sie beschlossen hatte, sich den Umständen dann zu stellen, wenn sie konkret wurden, ging sie auf dem Bergpass weiter und auf einen Himmel zu, der sich scheinbar durch das schwindende Tageslicht verfärbte. Obwohl sie hoffte, dass die vielfältigen Texturen und Geländestrukturen des Passes ihre Gedanken beim Weitergehen beschäftigen würden, bemerkte sie bald, dass sie wieder durch denselben Traumschleier schwebte, der sie auf den Salzebenen schon eingehüllt hatte. Bald sah ein gezackter Stein wie die meisten anderen aus. Jede Hoffnung, in der schwer fassbaren Gegenwart zu bleiben, an die Una sich geklammert hatte, entglitt ihr und verlor sich in den Strudeln und Strömungen eines haltlosen Gedankensturms.

Ihr Geist driftete durch die Tümpel ihrer jüngsten Erinnerungen und tauchte dann in die Tiefen ihres Lebens vor der Sternenflotte ein – in eine Zeit bevor sie als außergewöhnlich gefeiert wurde, in ihre Entwicklungsjahre auf Illyria, in ihre Jugend, die von Unsicherheit und Kampf geprägt gewesen war, in ihre Kindheit, die aus Zurückweisung und Missbilligung bestanden hatte. Niemals gut genug – das war die Lektion ihrer Mutter, die sie verinnerlicht hatte, diese grausame Herrin, in deren rhetorischem Köcher es keinen Pfeil des Wohlwollens für Unas Bemühungen gegeben hatte.

Als Unas Volljährigkeit endlich in greifbare Nähe gerückt war, hatte sie gewusst, dass kein Lebensweg, den sie einschlagen konnte, die Zustimmung ihrer Mutter finden würde. Also hatte sie den Weg gewählt, der sie glücklich machte und der sie in die Lage versetzte, ihre eigenen Träume zu verfolgen. Sie wollte ihr Leben nicht mit bitteren Worten, sondern zu ihren eigenen Bedingungen als erwachsene Frau und freidenkendes Wesen gestalten.

Ironischerweise war das der einzige Tag in Unas Leben, an dem ihre Mutter sie nicht mit einem Stirnrunzeln, sondern mit einem Lächeln empfangen hatte, nicht mit Kritik, sondern mit einem hoffnungsvollen Segenswunsch: »Viel Glück, mein Liebes.«

Rückblickend konnte Una sich keine andere Möglichkeit vorstellen, wie ihre Mutter sie zu der Frau hätte erziehen können, die sie jetzt war.

Es ist beinahe, als hätte sie mir meine ganze Jugend lang beigebracht, mich von ihr zu lösen.

Der Stoß eines scharfkantigen Steins in Unas Rippen unterbrach ihre nostalgischen Tagträume. Sie blieb stehen, hob langsam die Hände und drehte sich, um zu sehen, wer ihr auf dem Pass aufgelauert hatte.

Eine Dreiergruppe Usildar, deren jadegrünes Haar und geschmeidige Körper mit steinfarbigen Staubstreifen getarnt waren, hatte sie aus dem Hinterhalt angegriffen. Sie waren an ein Leben im Wald angepasst und ihre langen Extremitäten hatten opponierbare Daumen an Händen und Füßen. Obwohl sie dazu neigten, offenes Gelände mit tief herabhängenden, schwingenden Armen zu überqueren, kam ihnen ihre schlanke Gestalt in Situationen wie diesen zugute: Zwei der drei Angreifer baumelten kopfüber von Felsvorsprüngen herab und schwangen Speere mit Steinspitzen. Der dritte hatte sich von hinten angeschlichen und ihr das scharfe Ende seiner Waffe in den Rücken gedrückt.

Sie wirken keineswegs besänftigt, als sie sie anlächelte. »So sieht man sich wieder.«

»Erklären Sie sich, Fremde.«

Sie verbarg ihre Enttäuschung. Obwohl nur wenige der Usildar, denen sie auf Usilde begegnet war, sie nach fast zwanzig Jahren Abwesenheit wiedererkannt hatten, hatte sie doch darauf gehofft, dass einer ihrer Verwandten, denen sie hier begegnete, sich an ihr Gesicht erinnerte. Jetzt musste sie darauf hoffen, dass sie sich an ihren Namen erinnerten.

»Sie kennen mich als Una.«

Die drei Usildar wechselten verwirrte Blicke. Derjenige, der ihr den Speer ins Kreuz drückte, sagte: »Wir kennen keine Una.«

»Meine Freunde und ich kamen aus einem fernen Land, um Ihrem Volk im Kampf gegen die Eindringlinge zu helfen.«

Dieses Mal lösten ihre Worte eine andere, weniger feindliche, aber immer noch misstrauische Reaktion aus. Der Usildar in ihrem Rücken zog seinen Speer zurück. »Sie sind mit den Außenweltlern befreundet?«

»Das bin ich.«

Der Anführer stieß seine Speerspitze unter Unas Kinn. »Beweisen Sie es.«

»Ich komme von der Enterprise. Die Namen meiner Freunde sind Martinez und Shimizu.«

In dem Moment, als sie die Namen aussprach, änderte sich die Haltung der Usildar. Der Anführer legte seine Waffe beiseite und das baumelnde Paar hinter ihm neigte die Köpfe. Der Anführer der drei streckte seine Hand nach Menschenart Una entgegen und sagte: »Ich bin Feneb, Waldhüter der Usildar.«

Sie nahm seine Hand. »Ich bin Una von der Enterprise und ich komme als Freundin zu Ihnen.«

»Dann folgen Sie uns, Freundin Una.« Er ließ ihre Hand los und hüpfte den Gebirgspass hinunter. Seine Kameraden folgten ihm auf dem Fuße und seine Stimme hallte von den Steinwänden wider: »Wir gehen zu den Ihren.«

Durch das vordere Sichtfenster des Shuttles Galileo beobachtete Spock die graugrüne Kugel des Planeten Usilde, die langsam vor dem Sternenzelt des Kosmos anwuchs. Er und der Rest des schwarz gekleideten Landetrupps unter seinem Kommando waren beinahe am Ziel.

»Zeit bis zum Eintritt in die Atmosphäre, Mr. Sulu?«

»Dreißig Sekunden, Sir.« Der erfahrene Steuermann flog das kastenförmige Shuttle mit solcher Leichtigkeit, dass er das klobig erscheinende Schiff geradezu anmutig wirken ließ. Spock sah dies als Beweis für das außergewöhnliche fliegerische Können des Mannes.

Hinter dem Steuermann und dem Ersten Offizier der Enterprise stritten sich leise der Chefingenieur, Lieutenant Commander Montgomery Scott, und der jungenhafte neue Navigator, Ensign Pavel Chekov, während sie an einem von Scott zusammengeschusterten Gerät herumbastelten, das dieser mit dem Navigationsdeflektor der Galileo verbunden hatte. »Nein, mein Junge«, sagte der Schotte und die Frustration verstärkte seinen Aberdeen-Akzent. »Das kommt hierhin und das kommt dahin.«

Chekovs russischer Akzent war genauso stark wie Scotts und darüber hinaus schwang ein Unterton von Unmut mit. »In Russland wären diese Verbindungen farbkodiert.«

»So ein Pech, dass wir nicht in Russland sind.«

»Meine Herren«, unterbrach Spock ihren Streit. »Wird der Sensorscrambler bereit sein, wenn wir die Atmosphäre erreichen? Wenn nicht, werde ich Mr. Sulu den Befehl zum Abbruch geben.«

»Aye, er wird bereit sein«, sagte Scott. »Wenn der Junge lernt, Anweisungen zu befolgen.«

Chekov wollte etwas erwidern, doch dann bemerkte er Spocks unerbittlichen Blick und behielt seine Proteste für sich. Er stellte die letzten Verbindungen zu dem Störgerät her. »Scrambler bereit, Mr. Spock.«

»Mr. Scott, wenn Sie dann bitte übernehmen würden?«

»Aye, Sir.« Der Chefingenieur ging zur Hauptkonsole. Spock schlüpfte nach hinten, um neben Sulu Platz zu machen. Nach ein paar Einstellungen an der Steuerkonsole des Shuttles gab Scott Energie auf das Gerät. Die Passagierkabine wurde von einem tiefen Summen und dem spürbaren Kribbeln galvanischer Kräfte erfüllt, die um die Besatzung herumflossen. Scott verließ die Konsole und nickte Spock zu. »System gestartet, Sir.«

Spock kehrte an seine Station neben Sulu zurück. »Gut gemacht, Mr. Scott.«

Es war möglich, dass sein Lob verfrüht war. Erst nachdem die Galileo den kritischen Punkt passiert hatte, würde die Besatzung wissen, ob ihre verdeckte Annäherung, gepaart mit einem eilig eingebauten Sensorscrambler, der sie wie gewöhnliche, in der Atmosphäre verglühende Meteortrümmer aussehen lassen sollte, ausreichten, um die klingonischen Streitkräfte auf der Planetenoberfläche zu täuschen. Wenn ihnen bei ihrem Störgerät auch nur der kleinste Fehler unterlaufen war oder sie den Technologiegrad des Gegners unterschätzt hatten, würden sie alle für diesen Fehler mit ihrem Leben bezahlen.

Die dunkle Seite von Usilde schob sich ins Sichtfeld und verdeckte die Sterne. Im Gegensatz zu den nächtlichen Hemisphären der meisten entwickelten Föderationswelten war die dunkle Hälfte des primitiven Planeten Usilde pechschwarz. Es fehlten jegliche künstliche Lichtquellen. Für Sulu hieß das, allein nach seinen Instrumenten zu fliegen, denn die Oberfläche bot keine sichtbaren Orientierungspunkte, nach denen er sich richten konnte. Zum Glück war dies eine Aufgabe, für die der in San Francisco geborene Steuermann hervorragend geeignet war.

Spock drückte einen Knopf auf der Befehlskonsole und löschte alle Lichter in der Galileo bis auf die Beleuchtung von Sulus Steuerkonsole. »Richten Sie sich nach unserer Landung auf einen sofortigen Ausstieg ein«, sagte er zu Scott und Chekov. Er überzeugte sich, dass sein kompakter Phaser an der richtigen Stelle auf seinem Rücken saß und dass sein Kommunikator gesichert war. Sein Trikorder befand sich in einem kleinen Rucksack, den er aufsetzte und mit einem Zug an den Riemen festschnallte. Obwohl der hintere Teil des Shuttles in Dunkelheit lag, nahmen seine scharfen vulkanischen Ohren das Geräusch von Händen wahr, die über Geräte strichen, während Scott und Chekov ihre eigene Ausrüstung überprüften.

Das Geräusch von brausendem Wind pflanzte sich durch den Rumpf fort und das Schiff bebte – erst leicht, dann immer heftiger –, als die Galileo im Sturzflug auf Usildes Oberfläche zuraste. Je heftiger die Turbulenzen wurden, desto zuversichtlicher war Spock, dass ihre Ankunft von den Klingonen nicht bemerkt worden war. Wenn sie unser Sensorprofil erkannt hätten, hätten sie uns schon längst vom Himmel geschossen. Nachdem Spock alle ihm bekannten Variablen ins Kalkül gezogen hatte, kam er zu dem Ergebnis, dass die Chancen der Galileo, die Oberfläche unversehrt zu erreichen, bei sechsundneunzig Prozent lagen.

Sulu verkündete über seine Schulter hinweg: »Noch dreißig Sekunden bis zum Landeplatz.«

»Achten Sie auf das hiesige Blattwerk, Lieutenant«, warnte Spock. »Es kann ziemlich dicht sein.«

»Aye, Sir. Ich habe klare Sensoranzeigen der Landschaft. Unsere Anflugschneise ist frei.« Sulu hielt Wort und steuerte das Shuttle durch eine Lücke im dichten Blätterdach des Regenwalds auf eine kleine und beinahe ebene Lichtung. Die Galileo setzte sanft auf. Das Schnurren des Impulsantriebs und der Schubdüsen ließ nach und verstummte schließlich. »Gelandet und gesichert, Mr. Spock.«

»Gut gemacht, Lieutenant. Öffnen Sie die Luke.«

Servomotoren sangen, als die Luke aufglitt. Schwüle Hitze strömte in das Innere des Shuttles, gefolgt von Insektenzirpen, schrillem Vogelkreischen und dem Grollen hungriger Tiere, das durch die Nacht hallte.

Spock ging voran. »Folgen Sie mir und bleiben Sie dicht hinter mir.«

Er hörte die Schritte der anderen drei Männer, die ihm nach draußen folgten. Sulu verließ als Letzter das Shuttle und schloss die Luke. Nachdem die Tür geschlossen war, war die einzige Lichtquelle auf der Lichtung das schwache und entfernte Leuchten der Sterne. Sulu zog die Riemen seines Rucksacks nach und Spock sagte: »Schalten Sie auf Nachtsichtgeräte um.«

Er und die anderen hatten das geübt. Jeder zog eine restlichtverstärkende Brille aus einer Außentasche seines Rucksacks. Spock setzte seine auf und schaltete sie ein. Sofort wich das undurchdringliche Schwarz der Nacht einer surrealen Szene. Die Brille verstärkte ultraviolettes Licht und ließ die nächtliche Landschaft in eisblauen Schatten und Schlaglichtern erscheinen. Die anderen Mitglieder des Landetrupps signalisierten Spock mit einem Daumen nach oben, dass ihre Brillen wie vorgesehen funktionierten. Er bedeutete ihnen mit einer Geste, ihm zu folgen.

Über seine holografische Ansicht des Regenwalds wurden unauffällig Daten von seinem Trikorder gelegt, die Richtung und Entfernung bis zum ersten Ziel des Landetrupps anzeigten. Er benutzte die Blickfeldanzeige als Richtungsweiser und führte Sulu, Chekov und Scott über Schlammpfade mit verschlungenen Wurzeln und tief hängenden Ranken, dann einen steilen Abhang hinab, der mit hüfthohen Farnwedeln bedeckt war, und schließlich durch einen Hohlweg auf eine andere Lichtung, die kleiner war als die, auf der Sulu die Galileo gelandet hatte.

»Hier entlang«, sagte Spock und zeigte auf ein Gewirr aus Blättern und Ästen. Die anderen gesellten sich bei dem hastig aufgeworfenen Stapel natürlicher Tarnung zu ihm. »Helfen Sie mir, das zu entfernen.« Gemeinsam brauchten sie nur eine Minute, um die fremdartige Flugkapsel freizulegen. Spock hatte sie vor mehr als einem Monat verborgen, nachdem er sie gestohlen hatte, um eine hektische Flucht mit Captain Kirk aus der Festung, die gleichzeitig ein Dimensionsportal war und die die Jatohr ihre Zuflucht nannten, zu ermöglichen.

Sulu setzte seinen Rucksack ab, zog seinen Trikorder hervor und scannte sorgfältig die Kapsel. Dabei wendete er Protokolle an, die er und Spock gemeinsam entwickelt hatten. »Ihr Sicherheitssystem reagiert immer noch auf externe Signale«, sagte Sulu. »Ich scanne nach den Zugangscodes für die Zitadelle.«

Irgendwo in der Nähe erklang ein gutturales Brüllen. Es klang, als wäre ein riesiges Raubtier mit einem noch größeren Appetit auf der Jagd und wollte aus dem Landetrupp eine Mahlzeit machen. Scott und Chekov zogen ihre Phaser und lauschten, ob sie weitere Warnungen ungebetener Gesellschaft hörten, ob es nun ein Tier oder etwas anderes war.

»Ich hab’s«, sagte Sulu. »Sie hatten recht, Mr. Spock. Die Kapsel überträgt den Zugangscode über eine subharmonische Schwingung der Hauptantwortfrequenz.«

Chekov drehte sich nach links und dann wieder nach rechts. Seine Hand umklammerte seinen Phaser. »Heißt das, wir können jetzt von hier verschwinden?«

»Ja, Ensign«, bestätigte Spock. Mit einem Tippen gegen die äußeren Bedienelemente seiner Brille wies er seinen Trikorder an, sie zum nächsten Ziel zu leiten: der Zitadelle der Jatohr. Sobald dieses erfasst war, ging er ohne Angst oder Zögern tiefer in den Urwald hinein. »Hier entlang, meine Herren. Wir haben vor Tagesanbruch noch viel zu tun.«

»Vorausgesetzt, wir leben so lange«, wandte Sulu ein.

»Wenn alles plangemäß verläuft«, korrigierte Spock, »gibt es keinen Grund anzunehmen, dass wir dies nicht tun werden.«

Scott kicherte leise und flüsterte Chekov dann zu: »Sehen Sie, mein Junge? Was habe ich Ihnen gesagt? Unter dieser kalten, vulkanischen Logik schlägt das Herz eines Optimisten.«

Sulu und Chekov lachten.

Spock konnte nur mit dem Kopf schütteln. »Also wirklich, Mr. Scott. Ich sehe keinen Grund, in Beleidigungen zu verfallen.«

»Tut mir leid, Sir«, sagte Scott – doch Spock argwöhnte, dass der Mann keine Reue empfand.

Ich werde nie das menschliche Bedürfnis nach abfälligem Humor verstehen.

Eine Seele konnte sich leicht in den Klippen und Felsspalten entlang des Gebirgspasses verlieren und Una war so gut wie sicher, die Orientierung verloren zu haben, während ihre Usildar-Begleiter sie durch eine Spalte nach der anderen immer tiefer in das felsige Labyrinth führten.

»Ist es noch weit?«

»Es ist so weit, wie es ist«, sagte Feneb.

Das Einzige, was Una noch nervtötender fand als Fenebs Tautologien, war das endlose Labyrinth aus Steinpfaden und Serpentinen, auf denen er und seine Kohorte sie abwärtsführten.

Ihre Umgebung wiederholte sich ständig und die Bezugspunkte sahen immer gleich aus. Außerdem hatte sie wieder das Gefühl, dass die Zwillingssonnen reglos am Himmel standen. All das führte bald dazu, dass Una gegen die Orientierungslosigkeit kämpfte. Es war, als wäre jede Einzelheit, die sie sah, dazu geschaffen worden, ihren Willen zu untergraben.

Von einem Moment zum anderen fand Una sich in einer Sackgasse am Ende eines Canyons wieder. Höhlen übersäten die roten Steinwände. Provisorische Netze aus Seilen ermöglichten eine Verbindung zwischen den oberen und unteren Etagen. Einige Usildar manövrierten mit übernatürlicher Leichtigkeit durch die Seilnetze. Auf dem Boden der Schlucht war eine kleine Gruppe Zelte aufgeschlagen.

Una erinnerte sich nicht daran, die felsigen Pfade verlassen zu haben. Im einen Moment war sie in dem Labyrinth, im nächsten befand sie sich in der Schlucht. Sie konnte sich das nur so erklären, dass ihre Gedanken wieder abgeschweift waren und sie deshalb den Übergang verpasst hatte. So war es ihr auch in den Gebirgsausläufern ergangen.

Wie lange ist das her? Wann bin ich hier angekommen?

Sie hatte keine Zeit, nach Antworten zu suchen. Halb vertraute Gesichter tauchten aus den Zelten auf. Una hatte sich darauf vorbereitet, gealterten Versionen ihrer ehemaligen Schiffskameraden gegenüberzustehen. Doch die Leute, die zu ihrer Begrüßung herauskamen, sahen noch genauso aus wie ihre verschollenen Freunde vor achtzehn Jahren, als sie getrennt worden waren. Sie stellte ihren Rucksack ab und ging auf sie zu.

Lieutenant Commander Martinez war sonnengebräunt, aber immer noch kräftig – bis auf seine Augen, die unglaublich alt wirkten. Seine einst unbeugsame Haltung wirkte zermürbt und er ging müde vorgebeugt. Neben ihm war Ensign Tim Shimizu. Er hatte den Körperbau und das Gesicht eines jungen Mannes, aber alle Spuren seines jugendlichen Humors und seiner Lebenskraft waren verschwunden. Zurückgeblieben waren die gehetzten Augen eines Mannes, der zu viel gesehen hatte, um seine Hoffnung zu bewahren. Hinter ihnen waren die drei Sicherheitsoffiziere, die 2249 zu dem Landetrupp auf Usilde gehört hatten – Lieutenant Griffin, Ensign Le May und Petty Officer Cambias.

Bei den Zelten hielten sich noch vier weitere verschollene Besatzungsmitglieder der Enterprise auf. Es handelte sich um die Offiziere, die auf grausame Weise von den Jatohr von der Brücke des Schiffs entführt worden waren: die Ablösenavigatorin Ensign Cheryl Stevens, Ensign Bruce Goldberg, der Captain Aprils Yeoman der Beta-Schicht gewesen war, Ensign Dylan Craig aus der Wissenschaftsabteilung und Kommunikationsoffizier Lieutenant Ingrid Holstine.

Sie alle starten Una an, als bemühten sie sich, ihr Bild aus ihren Erinnerungen zu kramen. Una hoffte, dass die Kommandokette trotz ihres langen Exils immer noch existierte, und ging deshalb direkt auf Martinez zu. Sie hob zur Begrüßung eine Hand, als sie einige Meter voneinander entfernt stehen blieben. »Raul? Ich bin es, Una.« Da sie in seinen Augen kein Erkennen sah, griff sie auf ihren Spitznamen an Bord zurück: »Nummer Eins.«

Er neigte seinen Kopf nach vorn und kniff die Augen noch enger zusammen. »Una? Sind Sie das wirklich?«

»Ja, Raul. Ich bin es wirklich.«

Sie war nicht sicher, was sie erwartet hatte. Ein freudiges Wiedersehen vielleicht? Einen festen Händedruck? Vielleicht sogar eine lebhafte, wenn auch platonische Umarmung?

Tränen stiegen Martinez in die Augen. Dann fiel er vor ihr auf die Knie und schluchzte in den Sand. »Es ist so lange her, Una. Eine Ewigkeit. Wir dachten, Sie hätten uns vergessen.«

Konnte das wirklich derselbe Mann sein, den sie gekannt hatte? Der knallharte Zuchtmeister? Der stolze Anführer, der furchtlose Soldat? Er sah so aus, doch dieser Mann war gebrochen und innerlich auf eine Weise zerrissen, die Una niemals für möglich gehalten hätte. Sie kniete sich neben ihn und legte eine Hand auf seine Schulter, auch wenn diese schwache Geste nur wenig Trost spenden würde.

Ein Schatten fiel auf sie. Una sah hoch und blickte in die freudlosen Augen von Shimizu. Sein verdrossener Gesichtsausdruck hellte sich für einen kurzen Moment auf und er sagte: »Schön, dich zu sehen, Nummer Eins. Willkommen in der Hölle.«

VIER


Es gab schnellere Wege, die Festung der Jatohr zu erreichen, als den Regenwald zu Fuß zu durchqueren. Doch Spock wusste, dass sie alle mit ziemlicher Sicherheit die Aufmerksamkeit der Klingonen auf sich ziehen würden. Man konnte ein Shuttle mit technischen Spielereien vor Sensoren verbergen, aber sich selbst oder eine fliegende Transportkapsel der Jatohr vor den Augen eines klingonischen Wächters zu verbergen, der auf den geradezu unheimlich organisch wirkenden gebogenen Außenwänden der Zitadelle stand, war ohne eine Tarnvorrichtung so gut wie unmöglich. Und dieser Vorteil blieb im Moment ausschließlich den Romulanern vorbehalten.

Bewaffnet mit ihren Nachtsichtgeräten hatten er und der restliche Landetrupp der Enterprise sich vorsichtig einen engen Pfad entlanggeschlichen, der sich durch den dichten Dschungel und das tiefste Unterholz wand. Mit Sprühkapseln, die einen konzentrierten Strahl versprühten, hatten sie sich einen Weg gebahnt und dornige, gewundene Ranken mit einer Substanz beseitigt, die Pflanzenfasern auflöste, tierisches Gewebe und andere Materialien aber nicht beeinträchtigte. Im Gegensatz zu Phasern gab das Spray kein Licht ab, das wachsame Augen auf sich lenken konnte. Außerdem hatte es den Vorteil, so gut wie geräuschlos zu sein. Und das Beste war, dass das Gemisch inaktiv wurde, nachdem es die Zweige in ihre Bestandteile zersetzt hatte, und die aufgelösten Pflanzen zu organischem Dünger wurden.

Spock fand es bemerkenswert, dass das Spray seine Wirkung nur auf die einheimische Flora von Usilde entfaltete. Der ständig fortschreitende Befall durch die invasive graue Pflanzenart, die sich an den Ufern angesiedelt hatte und tief in den Dschungel vorgedrungen war, zeigte sich dem Entlaubungsmittel gegenüber unempfindlich. Offensichtlich waren ihre inneren chemischen Vorgänge und die Zellstrukturen ganz anders als alles, was die Wissenschaft der Föderation kannte.

Bald traf der Landetrupp am Waldrand ein und sah sich einem hundert Meter breiten Streifen verbrannter Erde gegenüber, der sich zwischen dem Dschungel und dem dahinter liegenden See erstreckte. Große Bildnisse aus geschnitztem Holz und Ranken, die alle wie Jatohr aussahen, standen überall verstreut in diesem Niemandsland. Die Gesichter der grob gearbeiteten Vogelscheuchen waren dem Dschungel zugewandt. Die Bedeutung hinter ihrer grimmigen Erscheinung war nur zu deutlich: Kehrt um.

»Gehen Sie hier äußerst vorsichtig vor«, warnte Spock. »Captain Una sagte, die Usildar hätten hier Fallgruben und andere Fallen aufgestellt.«

Scott justierte seinen Trikorder. »Scanne nach versteckten Überraschungen. Alles, was wir entdecken, wird auf unsere Brillen übertragen.«

»Gute Arbeit, Mr. Scott.« An die anderen gewandt fügte Spock hinzu: »Ab jetzt bewahren Sie absolute Stille, bis wir den Pilzbereich am Seeufer erreichen.«

Spock wusste, dass die Usildar Wachen am Waldrand postiert hatten, um zu verhindern, dass jemand ihre verbotene Zone durchquerte. Er hoffte, dass die günstige Kombination aus mondloser Finsternis, ihren dunklen Uniformen und dem verkohlten Boden dazu führte, dass ihr Landetrupp für die Usildar fast unsichtbar blieb.

Sie brauchten nur ein paar Minuten, um das offene Gelände zu überqueren, das mit großen Melonen übersät war. Diese sollten offenbar als Hindernisse dienen und Unbefugte in die aufgestellten Fallen treiben. Der Landetrupp wich allem mit Leichtigkeit aus.

Auf der anderen Seite bildeten die stinkenden grauen Pilze einen dichten Teppich. Als die Pilze unter ihren Stiefeln zerquetscht wurden, musste Spock sich anstrengen, sein Missfallen über den abscheulichen Gestank zu verbergen. Zur Bestürzung seiner Schiffskameraden wurde der Verwesungsgestank immer schlimmer, je näher sie dem mit grauen Algen bedeckten See kamen, der wie ein Hexenkessel blubberte und Stickstoff und Methan ausspie.

Am Ufer gingen sie in die Hocke. In der Mitte des Sees erhob sich das Gebäude, das die Einheimischen die Zitadelle nannten. Der Zentralturm war von einer ringförmigen Außenmauer umgeben, deren perlmuttartige Textur an die Gehäuse wirbelloser Tiere erinnerte. Diese Eigenart spiegelte die Physiologie seiner Architekten wider, einer Spezies gigantischer Gastropoden aus einem anderen Universum, die Jatohr genannt wurden. Um die bizarre Festung der Fremden herum ragten aus dem schaumbedeckten See in unregelmäßigen Abständen zerklüftete Finger aus löchrigem Felsen auf.

Sulu scannte die Zitadelle mit seinem Trikorder. »Ich erkenne Bewegungen oben auf den Mauern.« Er zeigte Spock, Chekov und Scott die klingonischen Wächter. »Vier Wachen. Jede allein. In regelmäßigen Abständen auf der oberen Abgrenzung.«

Die vier Klingonen waren selbst mit den lichtverstärkenden Brillen schwer zu erkennen, aber Spock hatte alle innerhalb von Sekunden entdeckt. »Gut gemacht, Lieutenant.« Aus einem Seitenfach seines Rucksacks zog er eine Tauchermaske mit einem kompakten Atemgerät und eingebautem Luftvorrat hervor. »Masken aufsetzen. Mr. Chekov, Mr. Scott: Sobald wir unter Wasser sind, machen Sie die Ultraschallabwehr scharf.«

Der Landetrupp setzte die Tauchermasken auf und folgte Spock, der vorsichtig in den See watete. Sein Körper schnitt eine Schneise durch die übelriechenden, zinnfarbenen Algen, die die Seeoberfläche erstickten. Nachdem alle untergetaucht waren, nahmen Spocks scharfe Ohren das Summen wahr, als Scott und Chekov ihre Ultraschallabwehrgeräte einschalteten. Die pulsierenden Frequenzen stiegen immer weiter an, bis sogar Spocks überlegenes Gehör sie nicht mehr wahrnehmen konnte. Er bemerkte, dass als Ergebnis alle Kreaturen in Sichtweite hastig vor dem Landetrupp flohen.

Genau, wie wir gehofft hatten, stellte Spock fest. Er nahm sich vor, eine Belobigung für die leitende Meeresbiologin, Lieutenant Marina Frants, im Logbuch festzuhalten, wenn er zum Schiff zurückkehrte.

In enger Formation durchquerten die vier Offiziere den See bis zu einem der Unterwassereingänge zur Festung der Jatohr. In einigen Dutzend Metern Entfernung befand sich ein weiterer Eingang zu einer Landebucht. Daneben sah Spock den Durchbruch, den eine fehlgeleitete klingonische Photonengranate während seiner und Kirks eiliger Flucht aus der Stadt in die Grundmauern gerissen hatte, nur Minuten nachdem die Klingonen diese besetzt hatten.

Merkwürdig, dachte er. Ich hatte den Durchbruch größer in Erinnerung. Er schob die Differenz zwischen seiner Erinnerung und seiner Beobachtung auf die Eile während der Flucht. Trotz seiner vulkanischen mentalen Disziplin war Spocks menschliche Hälfte immer noch anfällig für adrenalinbedingte Sinnestäuschungen.

Mit einem Nicken wies er Sulu an, den nächsten Teil der Mission in Angriff zu nehmen. Sulu aktivierte seinen Trikorder, den Mr. Scott praktischerweise vor ihrem Abflug von der Enterprise wasserdicht gemacht hatte. Dann löste er die Sicherheitssequenz aus, die sie der im Regenwald zurückgelassenen Jatohr-Kapsel entlockt hatten. Sulu nahm noch ein paar kleinere Anpassungen vor. Dann öffnete sich vor ihnen eine der unbeschädigten Unterwasserluken der Zitadelle geräuschlos wie eine Iris.

Spock wartete auf grünes Licht von Sulu und führte den Landetrupp hinein. Sie kamen in einem Moonpool an die Oberfläche, einem Hangar für eine Schwadron Amphibienkapseln. Blassblaue Streifen über ihren Köpfen beleuchteten die weitläufige Kammer, in der auch die kleinsten Geräusche widerhallten. Der Landetrupp watete ins flache Wasser und verließ den Moonpool über eine sanft ansteigende Rampe, die zu einem umlaufenden Gang hinaufführte. Das Wasser perlte sofort von ihren imprägnierten Kunststoffanzügen ab. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis der gesamte Landetrupp den Pool verlassen hatte, doch ihre Anzüge waren bereits fast trocken, sodass sie keine verräterischen Fußspuren hinterließen.

Die vier Männer setzten ihre Atemgeräte und Tauchermasken ab und verstauten sie. Spock zeigte auf die Tür einer Luftschleuse. Von dort aus erreichten sie ein Netzwerk aus Korridoren, die zum Kontrollbereich der Zitadelle führten. Er tippte den Zugangscode der Tür auf einem Zahlenfeld daneben ein und auch diese öffnete sich vor ihnen wie eine Iris. Die vier Männer drängten sich in die Luftschleuse. Dann wiederholte Spock den Vorgang, schloss die erste Tür hinter ihnen und öffnete die vor ihnen liegende. »Hier entlang«, sagte er und schlich durch den finsteren Durchgang, dessen Wände und Decke genauso gebogen waren wie die Außenmauern der Zitadelle. Das ließ sie eher wie Lavaröhren oder etwas anderes natürlichen Ursprungs erscheinen und nicht wie etwas, das von einer wissenschaftlich fortschrittlichen Kultur konstruiert worden war.

Niemand sprach, als der Landetrupp durch die Anlage der Fremden schlich. Auf halber Strecke zu ihrem Ziel mussten sie hinter den wie Rippen aussehenden Vorsprüngen der Wände in Deckung gehen, als eine Patrouille der Klingonen vor ihnen über eine Kreuzung zweier Röhrenwege marschierte. Es war unklar, ob die Klingonen sie sofort erschießen oder versuchen würden, die Eindringlinge gefangen zu nehmen. Spock hatte jedoch nicht vor, das herauszufinden.

Sie erreichten eine spiralförmige Rampe in einer Ausbuchtung der Wand. Spock überprüfte, dass sie verlassen war, winkte die anderen an sich vorbei und gab ihnen Rückendeckung. Scott stieg als Erster die Wendeltreppe hinunter, gefolgt von Sulu und Chekov. Spock ging rückwärts hinter ihnen die Rampe hinunter und achtete auf Anzeichen dafür, dass man sie entdeckt hatte oder verfolgte.

Am Fuß der Spirale drängte die Gruppe sich zusammen und alle sahen geradeaus. Gemeinsam betrachteten sie die gewaltige, bizarre Maschinerie, die die Eingeweide des sogenannten Transferfeldgenerators bildete. Zu diesem weitläufigen, mehrstufigen Untergeschoss gab es im Gegensatz zum Hauptkontrollraum, dessen Tür nur mit einem Transporter überwunden werden konnte, Zugänge aus verschiedenen Bereichen der Festung. Genau wie Spock befürchtet hatte, wimmelte es hier nur so von klingonischen Wissenschaftlern und bewaffneten Wachen.

»Da ist Ihr Dingensteil«, sagte Scott. »Aber viel Glück dabei, da hinzukommen.«

Chekov fragte: »Sind die Wachen hier, um uns draußen oder die Wissenschaftler drinnen zu halten?«

Sulu zuckte mit den Schultern. »Vielleicht beides.«

Spock senkte die Stimme, während er sich einen Überblick über die ungünstige taktische Lage verschaffte. »Mr. Scott, können wir von hier aus auf die Computer der Klingonen zugreifen?«

»Nein, Sir. Die haben ihre Schaltkreise abgesichert, absolut wasserdicht.« Er zeigte auf eine abseitsstehende Gruppe Computer, von denen ein Gewirr aus Datenkabeln ausging. »Dort können wir uns einklinken – wenn ich hinkomme.«

»Wir werden eine Ablenkung benötigen«, sagte Spock.

Chekov grinste verschmitzt. »Überlassen Sie das mir.«

Als Ingenieur war Lieutenant Commander Montgomery Scott von Natur aus nicht geneigt, blind auf irgendetwas zu vertrauen. Er kannte gern die Variablen und Spezifikationen einer Situation und plante seine Reaktion entsprechend. Folglich hatten Pavel Chekovs Worte: »Überlassen Sie das mir«, Scott nicht gerade mit Zuversicht erfüllt.

Was hat er jetzt wieder vor? Ich wette, er wird uns alle umbringen.

Nach einer geflüsterten Beratung mit Spock hatte der junge Ensign sich allein in die Schatten davongeschlichen. Er war die Rampe hinauf auf eine Ebene über den großen Maschinenreihen gehuscht, an denen die Klingonen arbeiteten. Scott war immer noch ratlos, was für eine »Ablenkung« Chekov sich ausgedacht haben mochte. Soweit Scott wusste, hatte der Landetrupp keine Sprengladungen dabei und die Medikamente in ihren Erste-Hilfe-Kästen zeigten bekanntermaßen bei den Klingonen keine Wirkung. Also was hatte er vor?

Er warf einen Blick auf das Chronometer seines Trikorders. Chekov war bereits mehr als zehn Minuten unterwegs. Wo war er? Was machte der impulsive Ensign?

Bevor Scott noch eine weitere Minute über diese Fragen nachgrübeln konnte, tauchte Chekov eilends am Fuß der spiralförmigen Rampe auf. Der junge Russe mit der Pilzfrisur verschmolz auf dem Weg zurück zum Landetrupp mit den Schatten entlang der Wände. Als er sich wieder in die Gruppe einreihte, konnte er sich ein spitzbübisches Grinsen nicht verkneifen. »Passen Sie auf.«

Einige Sekunden verstrichen, ohne dass etwas geschah.

Sulu sah Chekov stirnrunzelnd an. »Auf was sollen wir aufpassen?«

»Nur Geduld.«

Scott war versucht, zu glauben, dass Chekov vielleicht den Verstand verloren hatte. Dann bemerkte er Anzeichen für Verwirrung und Erschrecken bei den klingonischen Wachen und Wissenschaftlern um den Generatorapparat herum. Sie schlugen auf ihre Uniformen ein und drehten sich vor und zurück, als suchten sie etwas – und dann begannen ihre Uniformen und ihre gesamte Kleidung, sich aufzulösen.

Ärmel zersetzten sich und verschwanden, gefolgt von Hosenbeinen, dann fielen Oberteile und Jacken auseinander. Verwaiste Gürtel- und Jackenschnallen fielen auf den marmorartigen Boden und verschwanden klappernd in tiefen Rissen. In weniger als einer Minute waren die Klingonen um den Generator herum fast nackt – und vollkommen verdutzt.

Scott war ebenso verblüfft und warf einen Blick nach hinten zu Chekov. »Junge … Was haben Sie gemacht?«

»Genau, wie ich dachte«, sagte Chekov und täuschte Lässigkeit vor, »die Klingonen tragen gerne Naturfasern.« Wieder grinste er breit. »Pflanzenfasern.«

Plötzlich ging Scott ein Licht auf. Chekov hatte den Rest des pflanzenauflösenden Sprays des Landetrupps benutzt, um die Klingonen ihrer aus Pflanzenfasern hergestellten Kleidungsstoffe zu berauben. Unsichtbar, geräusch- und geruchlos, aber unwirksam gegen tierisches Gewebe war das Spray das ideale Mittel für eine nicht tödliche Ablenkung. »Gut gemacht, mein Junge.« Er lachte leise, als die Klingonen aus der Generatoranlage hinauseilten. »Ich wette, das nächste Mal, wenn wir sie sehen, tragen sie nur noch Leder und Metall.«

»Eine faszinierende Vorhersage, Mr. Scott.« Spock nickte in Richtung ihres Ziels. »Aber wir haben dringendere Sorgen.«

»Aye, Sir.«

Nachdem der letzte Klingone den Generatorbereich verlassen hatte, ging Scott voran und führte die Gruppe zu der Ansammlung klingonischer Elektronik. Er zeigte auf einige der gebräuchlicheren Komponenten. »Das ist ein tragbarer Netzwerk-Switch, Mr. Spock. Und der Zylinder? Das ist ein Datensicherungsknoten.«

»Ausgezeichnet«, sagte der Erste Offizier. »Ich werde einige Minuten benötigen, um mich einzuklinken und ihre Sicherungsdateien herunterzuladen. Mr. Sulu, Mr. Chekov: Sie halten Wache an den Punkten, an denen die Klingonen hinausgegangen sind. Mr. Scott, bitte machen Sie einen detaillierten Scan der Kommandokonsole.«

Scott nickte. »Aye, Sir.«

Sulu und Chekov teilten sich auf, um die Eingänge zu bewachen, während Spock in das Datennetzwerk der Klingonen eindrang und ihre Forschungsergebnisse auf seinen Trikorder herunterlud. In der Zwischenzeit untersuchte Scott die Hauptkonsole des Generators. Die Klingonen hatten ihn aufgerissen und dabei wer weiß wie viele wichtige Systeme und Komponenten beschädigt. Als Scott die Misshandlung dieser fortschrittlichen Meisterleistung unbekannter Ingenieurskunst durch solch plumpe Hände sah, schüttelte er frustriert den Kopf.

Ich werde die Klingonen nie verstehen. Sie sagen, sie wollen die Galaxis erobern, aber wenn sie nicht lernen, Technologie zu respektieren, haben sie keine Chance. Was denken die sich nur?

Er beendete gerade seinen Trikorderscan des Generatorkontrollsystems, da warnten Chekov und Sulu mit winkenden Gesten stumm vor der Rückkehr der Klingonen. Innerhalb von Sekunden stand Spock neben Scott und bedeutete den beiden jungen Offizieren, zu ihnen zu kommen. »Wir haben, was wir brauchen«, sagte Spock. »Es ist Zeit, sich zurückzuziehen.«

Sobald Sulu und Chekov bei ihm und Scott waren, zeigte der Erste Offizier auf die Wendeltreppe. »Gehen Sie vor, Mr. Sulu.«

»Aye, Sir.«

Die vier Männer stiegen die spiralförmige Rampe hinauf. Sie hatten die halbe Strecke zu der Etage überwunden, auf der sie hereingekommen waren, als Disruptorschüsse von den Klingonen in der Generatoranlage unten an ihnen vorbeizischten. Die Schüsse prallten an den perlmuttartigen Wänden ab, denen die Energiestöße nichts auszumachen schienen. Sulu rannte los und Chekov folgte ihm auf dem Fuße. Spock und Scott waren gezwungen, kurz in Deckung zu gehen, bevor sie ihre überstürzte Flucht fortsetzten.

Wenig überraschend jaulten klingonische Alarmsirenen durch die geschwungenen Flure der Zitadelle. Das Geheul verfolgte den Landetrupp den ganzen Weg zurück und durch die Luftschleuse bis in den Moonpool. Als die vier Offiziere der Enterprise zum Wasser rannten, öffnete sich eine Tür auf der anderen Seite des Kapselhangars und eine Gruppe klingonischer Soldaten stürmte herein. Ohne Vorwarnung eröffneten die Klingonen das Feuer und zwangen den Landetrupp, hinter einer Kapsel in Deckung zu gehen.

Die Schüsse gingen über ihre Köpfe hinweg, prallten in dem Hangar von einer glänzenden Oberfläche zur nächsten und erzeugten so ein Kreuzfeuer. Chekov presste sich auf den Boden und zuckte bei jedem Beinahetreffer, der ihn kreischend verfehlte, zusammen. »Sie haben uns festgenagelt.«

Spock blieb ungerührt. »Für den Moment.« Er aktivierte seinen Trikorder, betrachtete die Anzeige und visierte eine ovale Wandkontrolltafel in der Nähe an. »Meine Herren, zum Tauchen bereitmachen.«

Scott befolgte den Befehl. Auf der anderen Seite der Kapsel, hinter der der Landetrupp Deckung gesucht hatte, rückten die Klingonen in Zweierformationen vor. Dabei sprinteten sie von einer Kapsel oder einem schweren Ausrüstungsteil zum nächsten. Als Scott seine Maske und sein Atemgerät aufgesetzt hatte, war Spock mit den Feinjustierungen seines Trikorders fertig. »Halten Sie sich bereit«, sagte er.

Eine Lichtergruppe auf der ovalen Wandtafel änderte ihre Farbe. Scott spürte ein Ploppen in seinen Ohren, als die inneren und äußeren Türen der Luftschleuse sich öffneten.

Dann kam das Wasser. Es ergoss sich aus dem Moonpool, breitete sich über das Deck aus und spülte alles in seinem Weg fort, Kapseln, Maschinen – und das klingonische Sicherheitsteam. Mit unglaublicher Geschwindigkeit und Wucht brandete das Wasser gegen die Klingonen, brachte sie zu Fall und ließ sie an die gegenüberliegende Wand des Hangars prallen.

Spock setzte sich in Bewegung. »Tauchen!«

Scott, Chekov und Sulu folgten Spock in die Fluten. Sogar unter Wasser spürte Scott die Strömung, während er sich zurück zu dem offenen Unterwassertor kämpfte. Erst nachdem der Landetrupp in den See hinausgeschwommen war, hatte Scott das Gefühl, sie wären wirklich entkommen.

Vereinzelte Schüsse von den Wächtern oben auf dem Dach begleiteten den Rückzug des Landetrupps, als sie das gegenüberliegende Ufer erreichten und durch die Lücke rannten, die sie in der Dornenwand um den See herum freigelegt hatten. In der Deckung des Regenwalds rannten sie so schnell sie konnten, als wären ihnen Tiger auf den Fersen.

Erst als sie an Bord der Galileo waren und mit voller Impulskraft von Usilde weg zu ihrem Treffpunkt mit der Enterprise flogen, seufzte Scott erleichtert. Sulu und Chekov bemannten die Kontrollen des Shuttles und Spock sah sich die gestohlenen Dateien auf seinem Trikorder an.

In vertraulichem Tonfall fragte Scott den Halbvulkanier: »Haben wir bekommen, was wir brauchen?«

»Es macht den Eindruck, als hätten wir alles erhalten, was die Klingonen über diese Anlage wissen, und auch Informationen darüber, welche Pläne sie damit haben.« Auf Spocks kühler Miene zeigte sich der Anflug eines Stirnrunzelns. »Ich werde mehr wissen, nachdem ich diese Daten auf der Enterprise analysiert habe.« Fragend sah er auf. »Haben Sie Ihren Scan der Kommandokonsole abgeschlossen?«

»Aye.« Scott konnte seine Zweifel nicht verbergen. »Aber ob ich daraus schlau werde? Das bleibt abzuwarten.«

FÜNF


Auf einem so kleinen Schiff wie einem romulanischen Bird-of-Prey war alles jederzeit knapp: frische Nahrung, Hochprozentiges, Medizin, Ersatzteile und Zeit zum Schlafen – aber kein Gut war so selten wie Privatsphäre. Enge Räume, die mit so viel Personal vollgestopft waren, wie die Schiffssysteme bewältigen konnten, verhinderten wirksam jede Abgeschiedenheit, in der Geheimnisse bewahrt werden könnten.

Selbst das Quartier des Kommandanten bot nur wenig Schutz davor, belauscht zu werden. Commander Creelok hatte wie die meisten Mitglieder der imperialen Kriegsflotte keine Klaustrophobie, doch obwohl er sein Leben lang auf Raumschiffen gedient hatte, fand er die Enge in seiner Privatkabine erdrückend. Sie bot ihm kaum genug Platz, um mehr als einen Schritt vom Regal bis zum Tisch zu machen, bevor er umkehren musste. Die Einzelkabine befand sich in der untersten Sektion des scheibenförmigen Primärrumpfs und war fensterlos. Creelok wusste, dass dies seinem Schutz galt, aber in vielen Nächten hätte er gern die Sicherheit gegen eine Aussicht auf die durch den Warp verzerrten Sterne außerhalb der Velibor eingetauscht.

Sein Türsummer erklang. Er betätigte einen Knopf auf seinem Tisch und entriegelte die Tür, die aufglitt. Centurion Mirat kam herein. Der grauhaarige Veteran schloss die Tür hinter sich von Hand und verriegelte sie. In seinen Augen stand Angst. »Sind wir sicher?«

Creelok warf einen verstohlenen Blick zur Decke. »So sicher, wie man unter diesen Umständen sein kann.«

Mirat verzog das Gesicht. Er verstand Creeloks Warnung nur zu gut. Es war wahrscheinlich, dass der Tal Shiar den Raum mit verschiedenen Abhörgeräten ausgestattet hatte. Meistens wurden diese von den Politoffizieren des Imperiums verwendet, um sich der vollen Loyalität und des Gehorsams der höheren Dienstgrade zu versichern. Doch die Überwachungssysteme wurden genauso oft von ehrgeizigen jungen Agenten wie Sadira eingesetzt. Creelok vermutete, dass sie jedes Wort mithörte.

Der Centurion zog ein kleines Gerät unter seinem Oberteil hervor und stellte es auf Creeloks Schreibtisch. Mit einem Fingertippen schaltete er es ein. Eine Leuchtanzeige blinkte schwach grün auf und bestätigte, dass es funktionierte und die Empfänger von einem oder mehreren Abhörgeräten blockiert hatte.

»Sie hat ihren Rang ausgespielt«, sagte Mirat. »Und unseren Kurs während der Nachtschicht geändert.«

Der Kommandant zügelte seinen Ärger über diese Neuigkeiten. »Wohin?«

»Unbekannt. Sie hat neue Koordinaten eingegeben und uns dann aus der Steuerung ausgesperrt.«

Creelok hämmerte seine Faust gegen die Wand. »Dieses verfluchte …! Sie behandelt mich auf meinem eigenen Schiff wie ein Ersatzteil.«

Ein düsterer Ausdruck breitete sich auf Mirats Gesicht aus. »Die Mannschaft ist besorgt, dass sie uns auf feindliches Gebiet führt.« Er musterte das Gesicht des Commanders und wartet auf eine Reaktion. »Ist das so?«

Creelok antwortete mit empörtem Sarkasmus: »Ich bin hier nur der Kommandant. Wieso sollte der Tal Shiar mir sagen, wofür mein Schiff und meine Besatzung benutzt werden?«

»Vielleicht ist es Zeit, dass wir sie fragen.«

»Einen Offizier des Tal Shiar zur Rede stellen? Eine grandiose Idee, Centurion. Aber verraten Sie mir: Haben Sie vor, den Rest Ihres Lebens mit offenen Augen zu schlafen?«

»Den Trick habe ich gelernt, als ich in den Slums von Ki Baratan aufwuchs, Sir.«

»Zweifellos.« Creelok brütete über ihre Zwangslage nach. »Haben Sie mit Ranimir gesprochen? Er könnte sich vielleicht in die Sensoren einklinken und unseren Kurs ausloten.«

Mirat nickte. »Das haben wir versucht. Sadira hat die Einspeisung der Sensoren isoliert, damit nur der Autopilot darauf zugreifen kann. Bis wir unser Ziel erreichen, befindet sich der Rest von uns im Blindflug.«

»Also hat sie erwartet, dass wir Widerstand leisten, wenn wir das Ziel unserer Reise kennen. Für mich sieht es so aus, als ob sie uns in Gefahr bringen will, aber gleichzeitig sichergehen will, dass keiner von uns ihren Plan hintergehen kann.«

»Also sind wir auf der Jagd.«

»Höchstwahrscheinlich. Aber wer oder was ist unsere Beute?«

Es summte an der Tür und beide Männer erstarrten. Sie wechselten besorgte Blicke. Dann erklang das Signal erneut und sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf den einzigen Ein- und Ausgang des Raums. Creelok streckte die Hand aus und drückte den Knopf, um die Tür zu entriegeln. Sie glitt zur Seite und gab den Blick auf Sadira frei. Die schlanke Menschenfrau betrat, ohne auf eine Einladung zu warten, Creeloks Quartier. Sie richtete ihren bohrenden Blick auf den Kommandanten und sagte: »Centurion, gehen Sie hinaus.«

»Der Centurion ist mein Gast«, beharrte Creelok. »Er wird gehen, wenn …«

»Er wird jetzt gehen, Commander.«

Obwohl sie nicht davon ausgehen konnten, dass Sadira leere Drohungen machte, rührte Mirat sich nicht von der Stelle, bis Creelok ihn mit einem Nicken entließ. »Das ist alles, Centurion.«

Mirat schlug sich mit der Faust gegen die Brust und streckte seinen Arm dann zum Gruß vor Creelok aus, bevor er zur Tür ging. Bevor der Centurion den Raum verließ, bedachte er Sadira noch mit einem hasserfüllten Blick.

Sie wartete, bis die Tür sich geschlossen hatte, bevor sie fortfuhr: »Verstehe ich es richtig, dass Sie und der Centurion … Vorbehalte … meinem aktuellen Einsatz gegenüber hegen?«

»Ganz und gar nicht. Das würde voraussetzen, dass wir wissen, wie Ihre Mission aussieht.«

Ein kokettes kleines Lächeln umspielte ihre Lippen. »Ach, kommen Sie, Commander. Müssen wir diese Spielchen spielen?«

»Dafür halten Sie das hier? Ein Spiel?« Creelok zeigte auf die Wände. »Denn ich sehe ein Schiff und eine Besatzung von fast einhundert tapferen Romulanern – die alle von einer größenwahnsinnigen Hevam Wikah in Gefahr gebracht werden.«

Wie er gehofft hatte, zuckte Sadira bei der alten Beleidigung der Rihannsu zusammen. Ihre Lippen wurden schmal, als sich ihr Gesicht anspannte, und ihre Hand glitt zu dem Dolch in ihrem Gürtel. Er hoffte beinahe, sie würde versuchen, ihre Klinge zu ziehen. Das wäre genau die Provokation, die er brauchte, um sie niederzustrecken, ohne seine Laufbahn vor einem Militärtribunal zu beenden.

Erneut verwehrte der Offizier des Tal Shiar ihm seine Rache. Sie gab sich versöhnlich und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. »Wie kann ich Sie beruhigen, Commander?«

»Sagen Sie mir, wohin Sie mit meinem Schiff fliegen.«

»Ich fürchte, das unterliegt der Geheimhaltung.«

Sie würde mir alles sagen, nur nicht das, was ich wissen will. »Durchqueren wir die Neutrale Zone?«

»Ich kann solche Vermutungen weder bestätigen noch bestreiten.«

In diesem Moment wollte er nur noch seine wettergegerbten Hände um ihren schlanken Hals legen und spüren, wie ihre Halswirbel unter seinem Griff brachen. »Es ist mir egal, was man Ihnen beim Tal Shiar erzählt. Ihre Befehlsgewalt auf diesem Schiff hat ihre Grenzen.« Er machte einen Schritt auf sie zu und baute sich vor ihr auf. »Wenn Sie vorhaben, meine Mannschaft in Gefahr zu bringen, habe ich das Recht, das zu wissen. Also sagen Sie mir die Wahrheit, Sie Sussethrai – missbrauchen Sie meine Mannschaft, um einen Krieg anzuzetteln?«

Ihr Lächeln war so kalt und tödlich wie der Weltraum. »Nein, Commander, ich will einen gewinnen – ohne dass jemals jemand erfährt, dass wir dort waren.«

Die hauchzarten Vorhänge des Konferenzraums leuchteten im hellen Sonnenlicht, als Sarek die Besprechung eröffnete. »Verehrte Delegierte und Gäste, ich wünsche Ihnen einen guten Morgen und heiße Sie willkommen. Bitte nehmen Sie Platz.«

Auf der einen Seite des Tischs saß die Delegation der Föderation mit dem Rücken zu den kaum abgedunkelten Fenstern und dem hereinströmenden, hellen Tageslicht. Sarek saß in ihrer Mitte. Zu seiner Linken befand sich seine Wirtschaftsberaterin, Aravella Gianaris, eine Menschenfrau mit schwarzen Haaren und olivfarbener Haut, die es vorzog, als Athenerin, nicht als Terranerin bezeichnet zu werden. Zu seiner Rechten war sein Militärberater, Beel Zeroh, ein aufbrausender Izarianer von fragwürdigem Ruf. Sarek vermutete, dass dieser es im diplomatischen Korps der Föderation nicht weit bringen würde, doch man hatte ihm vorläufig seine zweifelhaften Dienste aufgehalst. Daneben wiederum saßen zu beiden Seiten Attachés und diverse Politikexperten, deren Spezialgebiete von Landwirtschaft über Aquakultur bis hin zu Transportwesen, Verwaltung planetarischer Infrastrukturen und allgemeinen Rechtsfragen reichten.

Auf der anderen Seite des lang gestreckten, leicht ovalen Konferenztischs saßen die Mitglieder der klingonischen Delegation. Ratsmitglied Gorkon saß Sarek direkt gegenüber in der Mitte seiner Gruppe. Ratsmitglied Prang hatte gegenüber von Zeroh Platz genommen und Durok, ein Delegierter mit unbestimmter Funktion, war das Gegenüber von Gianaris. Die Tätigkeitsprofile der restlichen Ratgeber und Assistenten waren im Großen und Ganzen denen der Föderationsdelegation ähnlich.

Nachdem alle Platz genommen hatten, fuhr Sarek fort: »Wenn Sie bitte alle Ihre Datentafeln aktivieren würden«, sagte er und ging mit gutem Beispiel voran. »Ich würde vorschlagen, dass wir uns die heutige Tagesordnung ansehen. Da der erste Schritt zum Frieden – ein dauerhafter und durchsetzbarer Waffenstillstand – bereits von den Organiern für uns eingeleitet wurde, steht es uns frei …«

»Wir sind alles andere als frei«, unterbrach Prang ihn. »Niemand von uns hat diesen Frieden gewählt. Er wurde uns aufgezwungen. Weisen wir ihn zurück, werden die Organier uns alle der Gnade unserer Nachbarn ausliefern, denen sie nicht dieselben Zwänge auferlegt haben!«

Gorkon beugte sich zu Prang und zischte: »Das reicht.«

Statt einzulenken, erhob sich Prang von seinem Stuhl, der hinter ihm umkippte. »Dieses ganze Verfahren ist Heuchelei! Eine Farce! Klingonen verhandeln nicht! Sie nehmen sich, was ihnen gehört!«

»Die Föderation hat den größten Respekt vor den Gepflogenheiten Ihres Volks«, sagte Sarek.

Prang konterte: »Dann stellen Sie sich an unsere Seite. Helfen Sie uns, die Organier zu vernichten.«

»Genauso wenig, wie wir wünschen, Ihr Opfer zu sein, möchten wir Ihr Komplize sein.«

Der Klingone spuckte auf den Tisch. Sarek zuckte zurück, mehr aus Reflex denn aus Ekel. »Ihr Föderierten seid doch alle gleich!«, versetzte Prang. »Schöne Worte, keine Taten! Nutzlose petaQpu’!«

Seine Beleidigung ließ Zeroh von seinem Stuhl aufspringen. Mit wutverzerrtem Gesicht zeigte er mit dem Finger auf ihn. »Sie müssen gerade reden! Sie sind doch nur Schläger! Halb gebildete Wilde! Tiere! Wir sollten der Galaxis einen Gefallen erweisen und Ihresgleichen wie tollwütige …«

»Setzen Sie sich, Zeroh«, sagte Sarek etwas lauter, aber in immer noch ruhigem Tonfall. Obwohl er sein ganzes Leben daran gearbeitet hatte, emotionslos zu handeln, stellte Beel Zeroh seinen vulkanischen Gleichmut auf die Probe.

Von der anderen Seite des Tischs grinste Prang Zeroh höhnisch an. »Ja! Setzen Sie sich, yIntagh. Lassen Sie die Krieger …« Sein Satz endete abrupt, als er merkte, dass sich die Klinge von Gorkons D’k tahg unter seinem Kiefer in einen Punkt direkt hinter seiner Halsschlagader bohrte. Der Anführer der klingonischen Delegation übte gerade genug Druck aus, dass ein kleiner Blutstropfen aus Prangs schutzloser Kehle hervorquoll.

Gorkons Tenorstimme war ebenso eisig ruhig wie Sareks, brachte aber dennoch eine spürbare Drohung unmittelbar bevorstehender Gewalt zum Ausdruck. »Sie haben jetzt genug gesagt, Prang. Setzen Sie sich.«

Mit gemessenen Bewegungen sanken Zeroh und Prang gedemütigt, aber immer noch innerlich schäumend, wieder auf ihre Stühle. Sarek befürchtete, dass dies nicht der letzte giftige Ausbruch der beiden Männer sein würde.

Alles in allem fand Sarek, dass dies ein höchst unheilvoller Beginn der Verhandlungen war. So geschmacklos er Gorkons Lösung für die Streitsucht seines Untergebenen fand, musste er sich selbst gegenüber widerwillig einen gewissen Respekt vor deren Einfachheit und Wirksamkeit eingestehen.

Die Klingonen mögen gewalttätig, grausam und zeitweilig irrational sein, sinnierte er, aber sie wissen, wie sie zügig zum Ziel kommen. Er warf einen kurzen Blick über den Tisch zu Gorkon, der zufällig im selben Moment Sarek ansah.

Ich kann nur hoffen, dass Ratsmitglied Gorkon genauso daran interessiert ist, einen wahren und dauerhaften Frieden zu schließen, wie ich – sonst ist dieser Friedensgipfel so gut wie gescheitert.

Drohungen, die wie Pfeile umherflogen, an Kehlen gedrückte Messer, alles im Namen einer Friedenskonferenz – für Elara war das der Inbegriff der Ironie. Sie hatte nicht erwartet, dass die Gespräche zwischen der Föderation und den Klingonen reibungslos ablaufen würden – das hatte niemand. Auf Orion nahmen Buchmacher Wetten auf das Ergebnis der Konferenz an. Die besten Quoten gab es für eine Pattsituation ohne Abkommen. Abgeschlagen auf dem zweiten Platz lag eine diplomatische Katastrophe, die in offenen Feindseligkeiten endete und lediglich zu einer Ausweitung der romulanischen Kontrolle im hiesigen Raum führen würde.

Nichts davon spielte eine Rolle für Elara. Sie machte sich nichts aus Wetten oder Politik. Sie war nur daran interessiert, für unehrliche Arbeit gut bezahlt zu werden. Der Rest war nur Theater und Ausflüchte.

Bisher hatte niemand im Konferenzraum die passiven Sensoren bemerkt, die sie an den Lampen, den Ecken der Tabletts, auf denen die Getränke serviert wurden, oder in den frischen Blumensträußen, die in den Zimmerecken neben den Fenstern standen, angebracht hatte. Obwohl sie mit den restlichen Angestellten des Cateringservices draußen warten musste, bis sie gerufen wurde, konnte sie sich mithilfe der holografischen Linse in ihrem linken Auge und dem subduralen Implantat in ihrem linken Ohr in die Sensorübertragung einklinken. Mit beinahe unmerklichen Bewegungen ihrer Augen und ihrer Lider konnte sie blitzschnell von einer Übertragung zur anderen umschalten. Dadurch hatte sie immer den besten Blick auf jeden hitzigen Moment des aufkeimenden politischen Fiaskos, das sich hinter verschlossenen Türen abspielte.

Für die Angestellten der Universität von New Athens war sie einfach Elara Soath, ein Flüchtling von Catulla, die ihren Lebensunterhalt als Kellnerin verdiente, während sie dank eines großzügigen Stipendiums der Föderation auf Centaurus studierte. Nachdem sie ihre wilden pinken und violetten Haare zu einem ordentlichen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, um den Gesundheitsvorschriften der Universität für Gastronomiemitarbeiter zu entsprechen, hätte man Elara kaum noch von den anderen Studenten mit ihren bunten Frisuren unterscheiden können – wäre da nicht die grün-gelbe geometrische Tätowierung auf ihrer Stirn gewesen. Das kulturelle Abzeichen verriet ihre catullanische Herkunft.

Niemand auf Centaurus, der sie kannte, hegte den Verdacht, dass sie in Wirklichkeit eine bestens ausgebildete Spionin und Auftragsmörderin war, die für eine interstellare Verbrecherorganisation arbeitete, die als Orion-Syndikat bekannt war.

Ein kurzes Blinzeln und sie war mitten in der Auseinandersetzung zwischen Gorkon und seiner rechten Hand Prang. Sie warfen sich scharfe Beleidigungen an den Kopf und der Izarianer der Föderation machte die Sache nur noch schlimmer. Sogar einem politischen Neuling wie Elara war klar, dass die einzigen Leute im Raum, die versuchten, den Frieden zu wahren, Gorkon und Botschafter Sarek von Vulkan waren.

Wenn den beiden etwas zustieße, würden das Klingonische Reich und die Föderation schneller Krieg führen, als wir die Wassergläser vom Tisch räumen könnten.

Elara war keineswegs in die Pläne ihrer Arbeitgeber oder in die wahre Identität von deren Auftraggebern eingeweiht, aber sie konnte sich ihre Beweggründe vorstellen. Spannungen zwischen den Klingonen und der Föderation schienen ganz oben auf ihrer Wunschliste zu stehen. Sie lauschte dem immer erbitterter werdenden Streit im Konferenzraum und war sicher, dass ihr Verbindungsmann davon sobald wie möglich erfahren wollen würde. Sie würde das Protokoll verletzen, wenn sie den versteckten Datenrekorder im Keller des Gebäudes während des Tages benutzte, solange Sicherheitspersonal in seiner Nähe arbeitete, aber sie war bereit, dieses Risiko einzugehen.

Je eher ich ihnen gebe, was sie wollen, desto eher werde ich bezahlt und kann nach Hause.

Sie schlich sich vom Konferenzraum weg und erregte die Aufmerksamkeit eines weiteren Teilzeitmitarbeiters der Universität, ein junger Bolianer. »Yutt? Kannst du für mich einspringen?«

»Wie lange?«

Sie presste die Hand auf ihren Bauch und täuschte Bauchschmerzen vor. »Fünfzehn Minuten?«

Er sah sich um und runzelte die Stirn. »Also gut. Wir sind ja nicht mitten im Mittagessen. Aber beeil dich. Wenn die Klingonen Lust auf Raktajino bekommen, mache ich nicht zwölf alleine.«

»Ich beeile mich, versprochen.« Sie warf ihm einen Handkuss zu und schlüpfte aus der Tür.

Der Gang im Ehemaligenzentrum der Universität war verlassen. Er war vor Stunden vom Sicherheitspersonal der Sternenflotte geräumt und anschließend von den Sicherheitsspezialisten des klingonischen Militärs untersucht worden. Elara war nicht sicher, was sie amüsanter fand – ihr gegenseitiges, offen gezeigtes Misstrauen oder das Versagen beider Seiten, irgendwelche ihrer illegalen Quantenüberwachungsgeräte aufzuspüren.

Sie unterdrückte den Drang zu lächeln. Wenn sie wirklich Gemeinsamkeiten finden wollten, müssten sie als Erstes zugeben, dass sie beide vollkommen inkompetent sind.

Die meisten Räume entlang des langen Flurs waren leer. Der größte Teil der Universitätsangestellten, die hier arbeiteten, war für die Dauer der Konferenz umgesiedelt worden. Nur sie und die übrige Minimalbesetzung, die für das leibliche Wohl der Delegationen sorgte, durften sich frei in dem leer gefegten Ehemaligenzentrum bewegen, auch wenn ein Großteil des Gebäudeinneren abgesperrt oder hinter verschlossenen Türen gesichert war. Elara hatte praktisch nur Zugang zur Küche, der Vorratskammer, den Kühlkammern und den Lager- und Versorgungsräumen im Keller. Obwohl sie bisher noch keine bewaffneten Sicherheitsleute im Zentrum gesehen hatte, wusste sie ohne jeden Zweifel, dass diese dort waren und auf das kleinste Anzeichen von Ärger warteten.

Halte dich an die Routine, sagte sie zu sich selbst. Tu, was sie schon tausendmal von dir gesehen haben, genauso, wie du es immer getan hast.

Sie schaute kurz in der Küche vorbei und plauderte für ein paar Minuten mit den Köchen. Ihre eigenen passiven Sensoren hatten bestätigt, dass die Sicherheitsleute der Föderation zwar ein duotronisches Auge auf die Küche richteten, es dort aber keine Abhörgeräte gab. Die Gesetze auf Centaurus erlaubten ein gewisses Maß visueller Überwachung aus Sicherheitsgründen, verboten aber die meisten Arten von Lauschangriffen auf Unterhaltungen. Das galt ohne Gerichtsbeschluss auch, wenn es um die nationale Sicherheit ging.

Wenn doch nur die Gesetze der Föderation auch so viel Rücksicht auf die Rechte des Einzelnen nähmen, beklagte Elara, dann könnte ich es beinahe aushalten, dort zu leben.

Als sie sicher war, dass sie genügend Zeit bei den Köchen vertrödelt hatte, ging sie über eine Hintertreppe ins Untergeschoss und schlich sich in den Versorgungsraum. Die verschiedenen Knotenpunkte zur Energieübertragung in diesem Raum störten die meisten Formen von Abwehrtechnologie. Aus diesem Grund hatte sie hier das Aufzeichnungsgerät für ihre Quantensendeempfänger aufgestellt, die von den Plasmarelais, die sich in den vollgestopften Raum hinein- und wieder herauswanden, nicht beeinflusst wurden.

Das Aufzeichnungsmodul war unauffällig. Es war als Überwachungsgerät für den Energieverbrauch getarnt und führte diese Funktion zusätzlich zu seinem heimlichen eigentlichen Zweck aus: jedes empfangene Geräusch und Bild aus dem Konferenzsaal aufzuzeichnen, während die Delegierten tagten.

Das Gerät im Gebäude zu installieren war ein unvermeidliches Risiko gewesen. Um die Konferenz zu schützen, hatte man den klingonischen Streitkräften erlaubt, einen Energieschild über einem Teil des Campus zu errichten. Obwohl dessen Hauptfunktion der Schutz der Konferenz vor Angriffen von außen war, störte es auch unbefugte Signale, die versuchten, es in irgendeine Richtung zu durchdringen. Das Gerät konnte Signale aufzeichnen, die aus dem durch den Schild geschützten Bereich stammten, konnte sie aber nicht weiterleiten.

Und da kam Elara ins Spiel.

Sie tippte ihren Code ein, um Zugriff auf die Speicherbänke des Geräts zu erhalten. Dann lud sie die Aufzeichnungen dieses Morgens auf eine Datenkarte herunter, die sie in einer Tasche ihrer Kellneruniform versteckte. Ihre nächste Aufgabe war es, die Karte zu einem Übertragungspunkt außerhalb des Energieschilds zu bringen und ihren Inhalt über einen verschlüsselten Kanal an ihren Verbindungsmann zu senden. Es gab einen idealen Sender in einem Labor im Ingenieursgebäude der Universität. Sie musste nur mit der Datenkarte dort hingelangen … ohne aufgehalten, durchsucht oder befragt zu werden.

Sie ging wieder die Treppe hinauf und den Hauptflur entlang. Dann aus der Vordertür und über den Hof. Niemand warf ihr auch nur einen zweiten Blick zu. In der tristen Uniform einer Kellnerin war sie hier beinah so sichtbar, wie sie es auf Catulla Prime oder Orion gewesen war. Gewisse Erfahrungen machte man überall, egal wo man hinging: Niemand achtet je auf einen Diener.

Im Ingenieursgebäude legte sie ihre Uniform ab. Sie wusste, dass diese in dieser Umgebung fehl am Platze wirken und ungewollte Aufmerksamkeit erregen würde. In normaler Straßenkleidung war sie wieder leicht zu vergessen und nur eine weitere junge Frau, die durch die Flure der Akademie streifte. Sie fand es lächerlich einfach, Zugang zu einem Forschungslabor für Subraumkommunikation zu erhalten, den Inhalt ihrer Datenkarte auf einen temporären Server hochzuladen und diesen in einer zerstückelten Burst-Übertragung an eine anonyme Signalstation zu übertragen. Von dort würde sie an ihren Verbindungsmann, den rätselhaften Roten Mann, weitergeleitet.

Schauen wir mal, was er davon hält, freute sie sich.

Elara verließ das Ingenieursgebäude und überquerte den Hof, um wieder ihren langweiligen Cateringpflichten nachzukommen. Ein Blick auf ihr Chronometer: Zwei Minuten zu spät. Sie wollte sich gerade selbst tadeln, ließ es dann aber. Warum sollte ich mir Sorgen machen? Yutt verzeiht mir immer.

Sie lächelte und schüttelte den Kopf. Männer. Sie sind so berechenbar.

SECHS


Trotz ihrer Leistungen und ihres schnellen Aufstiegs durch die Ränge in die höheren Ebenen des Sternenflottenkommandos hatte sich Una nie daran gewöhnen können, »Hof zu halten.« An Bord jedes Schiffs, auf dem sie gedient hatte, hatte es immer einen oder mehrere Offiziere gegeben – in einigen Fällen sogar gestandene Unteroffiziere –, die sich dadurch auszeichneten, die Aufmerksamkeit von großen und kleinen Gruppen auf sich zu ziehen und diese mit deftigen Witzen oder Geschichten über waghalsige Abenteuer zu unterhalten. Diese Persönlichkeiten wurden schnell zu Lieblingen ihrer Mannschaftskameraden und Magneten für soziale Aktivitäten an Bord und außerhalb des Schiffs. Una hatte immer nur aus der Entfernung zusehen und zuhören können und leichte Stiche des Neids angesichts der natürlichen Leichtigkeit verspürt, die ihre Kollegen bei sozialen Gelegenheiten an den Tag legten.

Jetzt war sie diejenige, die von eifrigen Gesichtern umgeben war. Ihre neun früheren Schiffskameraden von der Enterprise konzentrierten sich nur auf sie. Keiner von ihnen schien seit ihrer Entführung in dieses seltsame Paralleluniversum gealtert zu sein. Sie alle waren begierig darauf, zu erfahren, was während der Jahre ihres Exils geschehen war. Seit gefühlten Stunden beantwortete sie ihre Fragen nun schon so gut wie möglich.

Was ist mit Captain April geschehen?

Ist Deneva sicher? Hat meine Familie Sie je nach mir gefragt?

Welchen neuen Spezies ist die Sternenflotte begegnet, seit wir weg sind?

Wie viele Mitglieder hat die Föderation jetzt?

Hat dieser Krieg mit den Klingonen je stattgefunden? Haben sie Axanar angegriffen?

Obwohl ihre Fragen trügerisch kurz waren, hatte Una für die Beantwortung jeder einzelnen fast eine Stunde gebraucht. Jede Einzelheit, die sie preisgab, führte zu einem halben Dutzend weiterer Fragen. Schließlich stemmte sie sich mit erhobenen Händen gegen die Fragenflut ihrer alten Freunde. »Genug.«

Die anderen hielten sich nach ihrer Zurechtweisung zurück. Ensign Bruce Goldberg sagte: »Wir wollten Sie nicht verärgern, Captain.«

Ensign Cheryl Stevens schaute verlegen drein. »Es ist nur … es ist so eine lange Zeit.«

»Ich verstehe. Wirklich, das tue ich.«

»Das bezweifle ich«, sagte Ensign Le May. »Es ist länger her, als Sie glauben. Die Zeit vergeht hier anders.« Ihre Stimme bekam einen gequälten Unterton. »Alles ist hier anders.«

»Das mag sein«, erwiderte Una, »aber wir haben …«

Ein merkwürdiger Klang hallte von den Klippenwänden des geschlossenen Talkessels der Flüchtlinge wider: ein unheimliches Trillern elektronischer, atonaler Musik, das an misstönend grenzte. Die seltsam mehrphasige Melodie hob und senkte sich. Ihre Echos verstärken sich oder hoben sich gegenseitig auf, was einen bizarren Dopplereffekt hervorrief.

Una sah zu, wie die Flüchtlinge – Menschen und Usildar gleichermaßen – aus den offenen Bereichen des Lagers flohen und sich eilends unter provisorischen Sonnensegeln, die mit Schmutz und Steinen aus der Umgebung getarnt waren, in Sicherheit brachten. Der Einzige, der lange genug seine Flucht unterbrach, um einen Blick zurück zu Una zu werfen, war Shimizu. »Komm!« Er winkte sie mit einer Bewegung seines Arms zu sich. »In Deckung!«

Über ihren Köpfen wurde die disharmonische, an ein Theremin erinnernde Musik immer lauter und erfüllte den geschlossenen Canyon. Una kramte in ihrem Gedächtnis und erkannte das gespenstische Geräusch: Es war eine Wächterkugel der Jatohr.

Sie rannte hinter Shimizu und Martinez her, kroch dann mit ihnen unter einen Felsüberhang und kauerte sich neben den beiden in den Schatten zusammen. Nur Sekunden nachdem sie sich niedergelassen hatte, schwebte die silberweiße Kugel der Jatohr ein paar Dutzend Meter über dem Boden an ihnen vorbei.

Sie wurde langsamer, als sie über das Lager schwebte. Una fand ihr Summen, das von einem tiefen, klopfenden Geräusch im Unterschallbereich untermalt wurde, verstörend, obwohl sie nicht genau sagen konnte, weshalb.

Vielleicht sollen die Schallemissionen Angst hervorrufen und ihre Beute ins offene Gelände locken, spekulierte sie. Sollte das allerdings der Fall sein, blieb es erfolglos.

Nachdem die Kugel eine halbe Minute stillgestanden hatte, stieg sie hoch und schoss in den Gebirgspass und sein endloses Labyrinth aus Felsspalten davon. Erst als die unheimliche, eindringliche Musik verklungen war, trauten sich die Usildar und die Entführten von der Enterprise wieder aus ihren Verstecken.

Una folgte Martinez und Shimizu unter dem Felsüberhang hervor. In der Mitte des Camps trafen sie wieder auf Goldberg, Stevens, Le May und eine Handvoll Usildar. Sie steckten die Köpfe zusammen und Una fragte Shimizu: »Kommt das Ding oft her?«

»Nein.« Er runzelte die Stirn und blinzelte in die nebelverhangene Ferne, als suche er nach Anzeichen dafür, dass das Gerät der Fremden zurückkehrte. »Nur wenn wir der Stadt der Jatohr auf der anderen Seite der Berge zu nah kommen, aber dort ist seit Ewigkeiten niemand mehr gewesen. Davor kamen sie immer nur, wenn …« Er ließ seinen Gedanken unheilvoll unvollendet.

Una drängte: »Wenn was?«

Le May antwortete: »Wenn ein Neuankömmling von der anderen Seite kam.«

»Woher wusste es, dass ich durch das Portal gekommen bin?«

»Auf dieselbe Weise wie wir«, sagte Martinez. »Jedes Mal, wenn sich das Portal öffnet, laufen Wellen durch diese ganze Welt und sie schimmert ein paar Sekunden lang wie eine Luftspiegelung.«

Goldberg wirkte leicht amüsiert. »Was glauben Sie, wie Feneb und seine Jungs Ihnen in der Schlucht auflauern konnten? Sie wussten, dass Sie kommen.«

Unas Gedanken rasten. »Landen Neuankömmlinge immer an derselben Stelle auf den Salzebenen?« Alle um sie herum nickten – sogar die Usildar. »Dann müssen wir dorthin zurückgehen. Meine Freunde auf der anderen Seite werden das Portal sehr bald wieder öffnen.«

Martinez schüttelte seinen Kopf. »Das wird keine Rolle spielen. Die Jatohr werden das Portal jetzt beobachten, vielleicht für mehrere Jahre. Dorthin zurückzukehren wäre Selbstmord.«

»Aber wir können doch nicht einfach hier herumsitzen«, beharrte Una.

Feneb wischte ihren Protest beiseite, als verscheuche er ein Insekt. »Wir können nichts mehr tun. Wir sind hier für immer gefangen. Das ist unser Schicksal, Anführerin Una.«

»Dort, wo ich herkomme, glauben wir nicht an Schicksal. Oder an Glück. Wir glauben an freien Willen. An Taten.« Una trat ins Zentrum der Gruppe und schlug ihren besten Kommandoton an. »Shimizu, Sie sagten, dass es auf der anderen Seite der Berge eine Stadt der Jatohr gibt?«

»Richtig.«

»Wissen Sie, wie man dort hingelangt?«

Er riss die Augen weit auf. »Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.«

»Beantworten Sie die Frage, Lieutenant. Kennen Sie den Weg?«

Shimizu schluckte seine Angst hinunter und nickte dann. »Aye, Sir.«

»Dann ist es Zeit, sich auf den Weg zu machen. Mr. Martinez, Mr. Shimizu, suchen Sie Waffen und Vorräte zusammen, alles, von dem Sie glauben, dass ich es brauche.« Sie überprüfte ihren Phaser, um sicherzugehen, dass er noch aufgeladen war. Dann wandte sie sich einem Pfad zu, der aus dem geschlossenen Talkessel des Canyons hinausführte. »Es ist Zeit, den Jatohr einen Besuch abzustatten.«

SIEBEN


Die Stimmung im Besprechungsraum der Enterprise war gedrückt. Spock und sein verdeckter Landetrupp waren wohlbehalten von Usilde zurückgekehrt. Dafür war Kirk dankbar, aber er fand den Abschlussbericht alles andere als ermutigend. »Wie viele Leute haben die Klingonen in der Anlage?«

»Mindestens eine volle Kampfkompanie«, sagte Spock. Er schaltete das Bild auf dem dreiseitigen Tischmonitor auf eine Reihe Trikorderscans um, die die Positionen der zahlreichen klingonischen Lebenszeichen zeigten. »Ich schätze, weniger als zehn Prozent ihres Personals sind Wissenschaftler. Der Rest scheint aus bewaffneten Soldaten zu bestehen, von denen die meisten sich in der Generatoranlage und auf der Kommandoebene der Festung aufhalten.«

Kirk richtete seinen Blick auf Chekov. »Ensign, Ihre taktische Einschätzung?«

»Ein sehr schwieriges Ziel, Captain«, sagte Chekov. Sein russischer Akzent verschob Konsonanten und Vokale gleichermaßen. »Jetzt, da sie wissen, dass wir dort waren, wird dieser Trick nicht noch einmal funktionieren. Wenn wir das nächste Mal dort hingehen, werden wir Gewalt anwenden müssen.«

Genau das wollte ich nicht hören. Er sah seinen erfahrensten Steuermann an. »Mr. Sulu, in Ihrem Bericht stand, dass es im Orbit keine klingonischen Unterstützungsschiffe gab, stimmt das?«

»Ja, Sir. Aber basierend auf den Daten der Langstreckensensoren würde ich sagen, dass ein D5-Kreuzer mindestens einmal alle neun Tage im Libros-System vorbeikommt. Er mag momentan nicht dort sein, aber ich bezweifle, dass er weit entfernt ist.«

»Eine vernünftige Annahme.« Als Nächstes wandte sich Kirk seinem Chefingenieur zu. »Mr. Scott. Was haben Ihre Scans über diesen Generator enthüllt? Glauben Sie, dass Sie ein neues Kontrollmodul zusammenschustern können, um das gestohlene zu ersetzen?« Sogar jetzt brachte Kirk es nicht über sich, Bates’ Namen auszusprechen. Er wusste, er würde ihm im Hals stecken bleiben, wenn sein Zorn über ihren Verrat wieder hochkam.

Zweifel standen Scott ins Gesicht geschrieben. »Unwahrscheinlich, Sir. Ich habe gerade erst angefangen, die Daten zu studieren. Vielleicht weiß ich in ein paar Tagen, wie man das ursprüngliche Modul auf kurze Distanz stören kann. Aber ein neues bauen?« Er schüttelte den Kopf. »Ich wüsste nicht, wo ich anfangen sollte, Sir.«

»Dann stehen wir vor einer Reihe neuer Herausforderungen, meine Herren.« Kirk beugte sich vor und faltete die Hände auf dem Tisch. »Wenn wir die verlorene Kontrolleinheit nicht ersetzen können, müssen wir das Original aufspüren – egal wie schwierig diese Aufgabe sein wird. Aber erst müssen wir uns um das Interesse der Klingonen am Generator der Jatohr kümmern. Mr. Spock, Sie haben sich in ihre Datenbank eingeklinkt. Was wissen wir über ihre bisherigen Forschungen?«

»Wie bereits vermutet, haben die Klingonen vor, den Generator waffenfähig zu machen, wenn sie können, Captain. Zum Glück ist ihnen bisher sein Ursprung oder seine beabsichtigte Funktion verborgen geblieben. Aber ich schlage vor, dass wir sie nicht unterschätzen. Sie werden diese und noch viele weitere Tatsachen sehr bald in Erfahrung bringen.«

»Wenn Sie das nicht bereits getan haben«, fügte Scott hinzu.

»Zur Kenntnis genommen.« Kirk warf einen Blick auf das Missionsprofil und sah dann Chekov an. »Ensign, konnten Sie die Klingonen während Ihres Rückzugs aus der Zitadelle weiter mit Ihren Scans erfassen?«

»Ja, Captain.«

»Haben Sie irgendwelche Schwachstellen in ihrer taktischen Reaktion feststellen können?«

»Keine, Sir.«

»Wenn man also ihre Wächter mit einer Ablenkung weglocken würde …«

»Das wäre ein sinnloses Unterfangen«, fiel Spock ihm ins Wort. »Angesichts der Garnisonsgröße in der Festung könnten sie ausreichend Verstärkung herbeirufen, um auf jeden Vorfall zu reagieren, ohne ihre grundlegenden Verteidigungslinien aufzugeben.«

Kirk nickte. Alles, was seine Offiziere ihm mitgeteilt hatten, bestätigte seine schlimmsten Befürchtungen. »Wäre ich der Kommandant dieser Garnison, würde ich Wachen in jedem Unterwasserhangar aufstellen. Und ich würde den gesamten See um die Festung herum verminen.«

»Eine logische Reaktion«, sagte Spock. »Und für sie absolut durchführbar.«

»Nichtsdestotrotz müssen wir einen Weg zurück in diese Zitadelle finden, meine Herren, und zwar einen, der uns nicht in einen Krieg mit den Klingonen stürzt.«

Scott runzelte entmutigt die Stirn. »Das ist viel verlangt, Captain. Die Klingonen erledigen Dinge gern auf die altmodische Art: Vertraue nie einer Maschine, wenn ein warmer Körper es genauso gut erledigen kann.«

»Soll heißen?«

»Wenn sie sich auf automatische Verteidigungssysteme verließen, wäre es eine technische Frage. Aber die Klingonen setzen auf Gürtel und Hosenträger. Sie werden ein Sensornetz verwenden, aber gleichzeitig auch Wachen postieren. Sie werden die Türen mit Sperrcodes versehen, sie höchstwahrscheinlich aber auch mit Fallen sichern.«

»Mr. Scott hat recht«, fügte Spock hinzu. »Die Klingonen haben einen Hang zur doppelten Absicherung.«

In der Hoffnung, dass jüngere Geister vielleicht neue Ideen hervorbrachten, sah Kirk Chekov und Sulu an. »Ensign, wenn ich Ihnen den Befehl erteilen würde, eine Mission zu dieser Festung zu leiten, wie würden Sie das angehen?«

»Wir könnten uns von unten einen Tunnel graben.«

»Das hätte den Vorteil des Überraschungsmoments. Leider würde das Jahre dauern, aber wir haben nur Tage. Mr. Sulu, Ihre Meinung?«

Da er nun auf dem Prüfstand war, lehnte Sulu sich zurück und dachte über die Frage nach. »Wir haben bereits einmal ihre Verteidigung durchbrochen, indem wir von unten durch den Moonpool eines Kapselhangars eingedrungen sind. Dieser Trick wird kein zweites Mal funktionieren. Sie besitzen Energiefelder in der Festung, die Transporterstrahlen zerstreuen, also können wir nicht hineinbeamen.« Er machte eine lange, nachdenkliche Pause. »Der einzige Vorteil, den wir immer noch haben, ist die Fähigkeit, uns vor ihren Sensoren zu verbergen – aber wie Mr. Scott bereits sagte, werden ihre Wächter nach uns Ausschau halten. Also müssten wir aus einer Richtung kommen, die sie nicht erwarten. Da wir nicht von unten her zuschlagen können, bleibt uns nur, von oben her anzugreifen.«

»Erläutern Sie das näher«, sagte Kirk.

»Ein Absprung aus der niedrigen Umlaufbahn, Sir, mit Hitzeschilden und einem Fallschirm. Wenn wir ihre Sensoren blockieren und nach Einbruch der Nacht abspringen, könnten wir oben auf der Zitadelle landen.«

»Und direkt in den Armen der Wachen auf dem Dach«, ergänzte Scott.

Sulu zuckte mit den Schultern. »Ich sagte nicht, dass der Plan perfekt ist.«

Kirk stand auf und seine Offiziere taten es ihm, ohne zu zögern, gleich. »Arbeiten Sie weiter an dem Problem, meine Herren. Wenn die Klingonen dieses Ding waffenfähig machen, bevor wir es zurückholen können, haben wir keine andere Wahl, als es in die Luft zu jagen – und das ist kein akzeptables Resultat. Wegtreten.«

Niemand sprach, als Kirk zur Tür hinausging, aber er spürte ihre Blicke in seinem Rücken – am meisten die von Spock. Und er wusste genau, weshalb.

Wenn sie die Zitadelle zerstörten, könnten Captain Una und ihre Schiffskameraden niemals nach Hause zurückkehren.

ACHT


»Kommt überhaupt nicht infrage!« Prang schlug mit der Faust auf den Tisch, um seinen Gedanken zu unterstreichen. Diese Angewohnheit hielt Sarek für kindisch und irgendwie offensichtlich aufgesetzt. »Die Kontrolle über diese Untersektoren ist für die Sicherheit des Reichs unerlässlich!«

Sein Ausbruch hatte eine ähnlich wütende Reaktion von Sareks korpulentem Berater für interstellare Kommunikationsinfrastruktur, dem weißbärtigen Gesh mor Tov von Tellar zur Folge. »Haben Sie den Verstand verloren, Prang? Wir bitten lediglich um das Recht, ein Relais für Subraumkommunikation zu errichten.«

»Eine Überwachungsanlage, meinen Sie.« Prang zeigte auf die Sternkarte, die auf dem einzigen großen Bildschirm des Raums dargestellt wurde. »Eine einzige Spionageplattform an dieser Stelle könnte Signale von all unseren Hauptsonnensystemen entlang der Föderationsgrenze auffangen, einschließlich derer von Qo’noS selbst.«

Durok, der einer von Gorkons besonneneren Beratern war, fügte hinzu: »Ich fürchte, Ratsmitglied Prang hat recht. Der Föderation die Erlaubnis zu erteilen, eine Relaisstation in diesem Untersektor zu errichten, würde die Sicherheit des Reichs in Gefahr bringen.« Seine Miene hellte sich auf. »Vielleicht könnten wir die Station errichten und unterhalten und Ihren Funkverkehr für Sie weiterleiten.«

Militärberater Beel Zeroh legte seine Stirn in tiefe Falten und sah Durok an. »Sie glauben, wir würden zulassen, dass eine Kommunikationsanlage der Klingonen den Funkverkehr der Föderation verarbeitet? Ist das Ihr Ernst?«

»Ist es Ihrer?«

Zeroh ballte die Faust und brach den Stift in seiner Hand entzwei.

Sarek hielt es für das Beste, die Diskussion auf etwas anderes zu leiten, und benutzte das Bedienfeld vor sich, um andere Informationen auf den Bildschirm des Raums zu legen. »Lassen Sie uns diese Unterhaltung auf später vertagen. Zu diesem Zeitpunkt würde ich vorschlagen, dass wir uns den landwirtschaftlichen Angelegenheiten widmen.«

»Eine blendende Idee«, sagte Gempok, der klingonische Berater für innere Angelegenheiten. »Darf ich darum bitten, dass wir uns zunächst über die invasive Spezies unterhalten, die Ihre Leute nach Homog Drei gebracht haben?«

Seine Frage führte bei den meisten Mitgliedern der Föderationsdelegation zu verwirrten Blicken. Nur nicht bei Sarek, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die klingonischen Namen für die Sternsysteme und Planeten zu lernen, deren Souveränitätszugehörigkeit umstritten war und die deshalb bei diesem Gipfel Verhandlungspunkte waren. »Bei allem Respekt, Lord Gempok, ich glaube Sie sprechen vom Sherman-Planeten. Doch ich muss zugeben, dass mir nicht klar ist, auf welche ›invasive Spezies‹ Sie abzielen. Soweit mir bekannt ist, wurden alle Tribbles erfolgreich von der Planetenoberfläche entfernt.«

»Nicht die Tribbles, Sie toDSaH! Der loSpev!«

Dieses Mal war auch Sarek ratlos. Erst seine Beraterin für landwirtschaftliche Angelegenheiten, Cellinoor sh’Fairoh, verstand die Bedeutung von Gempoks Worten. »Lord Gempok«, begann die andorianische shen, die Stimme so sanft wie nur möglich, »wollen Sie damit sagen, dass das Klingonische Reich das Getreide Quadrotriticale als invasive Spezies betrachtet?«

»Per Definition kann es nichts anderes sein. Ihre Wissenschaftler haben in das natürliche Ökosystem von Homog Drei eingegriffen und mein Volk wird nicht tatenlos zusehen, wie Ihre Föderation ganze Welten mit ihren genetisch veränderten Nutzpflanzen verseucht!«

Sh’Fairoh tat ihr Bestes, um eine Konfrontation zu vermeiden, und antwortete: »Lord Gempok, ich versichere Ihnen, dass die genetisch veränderten Nutzpflanzen, die wir auf dem Sherman-Planeten angesiedelt haben, vollkommen ungefährlich sind und weder direkt noch indirekt eine Bedrohung für das Ökosystem dieser Welt darstellen.«

Gempok warf einen Seitenblick auf seine Kollegin Mardl, deren glatter Kopf beinahe menschlich wirkte. Sie diente ihrer Delegation als Rechtsberaterin. »Diese Lüge haben wir schon früher von der Föderation gehört«, sagte Gempok.

Sarek und seine Kollegen verstanden Gempoks Anspielung auf das berüchtigte Augment-Virus des vorigen Jahrhunderts. Dieses Programm für genetische Veränderungen hatte auf Bemühungen der Menschen beruht, eine »überlegene« Spezies zu erschaffen. Das Virus hatte einige genomische Verbesserungen hervorgebracht, dabei aber das Erscheinungsbild der Patienten zum Menschlichen verändert. Diese Nebenwirkung hatte ihre Opfer, die QuchHa’, der Lächerlichkeit und Unterdrückung innerhalb ihrer eigenen Kultur preisgegeben.

Sogar Getreidekörner sind jetzt schon Gegenstand der Zwietracht, stellte Sarek fest. Erneut änderte er die Informationen auf dem Bildschirm. »Offenbar benötigen die landwirtschaftlichen Angelegenheiten der weiteren Prüfung, bevor wir sie weiter erörtern. In dem Fall schlage ich vor, dass wir mit Themen im Zusammenhang mit dem Währungsaustausch fortfahren.«

»Sie meinen Währungssabotage«, sagte Lord Motas, der Gesandte des Schatzamts des Klingonischen Reichs. Sein langes, dünnes Gesicht passte perfekt zu seinem hoch aufgeschossenen Körperbau und seinem trockenen, zynischen Bariton. »Ihr Wirtschaftssystem hat kein Währungsmodell. Wie können wir da Wechselkurse festlegen?«

Auf ein Zeichen Sareks beantwortete Aravella Gianaris die Frage. »Unsere Überschusswirtschaft mag verwirrend erscheinen, aber ich versichere Ihnen, Lord Motas, sie hat eine rationale Grundlage. Obwohl wir kein Bargeld mehr verwenden, haben wir ein stabiles System von Soll und Haben, das …«

»Eine Fiatwirtschaft«, höhnte Motas.

»Nicht ganz«, entgegnete Gianaris. »Sie stützt sich immer noch auf die Umwandlung von Energie in Materie, also sind begrenzte Ressourcen zu bedenken. Dennoch, durch die Nutzung von ökonomischer Skalierung, die Festlegung von garantiertem Grundeinkommen und die Freistellung bestimmter Unternehmenszweige von der Anbindung an Profitmodelle haben wir erreicht …«

»Dass es eine interstellare Kultur von Schmarotzern gibt«, sagte Motas, offensichtlich angewidert. »Ein Klingone arbeitet für das, was er verdient.«

»Das tun Bürger der Föderation auch«, erklärte Gianaris, »wenn sie mehr wollen als einen vom Staat finanzierten Lebensunterhalt und einfache Wohnungen. Doch nachdem die Bedrohung der Armut beseitigt wurde, haben unsere Einwohner die Freiheit, ein Leben der Selbsterfüllung, der Spitzenleistungen und der Erfolge zu führen.«

»Sie verweichlichen Ihre Leute«, grollte General Orqom, der bei der Konferenz den klingonischen Hohen Rat vertrat. »Sie machen sie abhängig. Schwach.«

»Ganz im Gegenteil«, sagte Gianaris. »Wir erreichen Stärke durch Einheit.«

Prang stand auf. »Ich habe von diesem rührseligen Geschwätz genug für einen Tag. Botschafter Sarek, sagen Sie uns Bescheid, wenn Ihre Leute bereit sind, Ideen vorzulegen, die uns nicht für dumm verkaufen oder von uns verlangen, Ihre chowIQpu’ zu werden.«

Da Sarek mit der Beleidigung, die Prang zum Abschied von sich gegeben hatte, nichts anfangen konnte, warf er der tlhIngan Hol-Übersetzerin Saoirse Liu einen Blick zu. Die dunkelhaarige Frau mit der hellen Haut weigerte sich, die Obszönität zu übersetzen, und bedeutete Sarek mit einem beiläufigen Wink: Fragen Sie nicht.

Auf der anderen Seite des Tischs erhob sich die gesamte klingonische Delegation. Sie verließ geschlossen den Raum – bis auf Ratsmitglied Gorkon, der mit ernstem Blick an seinem Platz verharrte.

Sarek stand auf und sagte zu seinen Begleitern: »Lassen Sie uns bitte allein.«

Seine Mitarbeiter folgten den Klingonen aus dem Konferenzraum. Der letzte schloss die Flügeltür des Raums, um Sarek und Gorkon einen seltenen Moment der Ungestörtheit zu bieten.

»Eine kurze Vertagung könnte vielleicht das Beste sein«, meinte Sarek. »Wenn wir morgen fortfahren, werden die ruhigeren Stimmen vielleicht die Oberhand gewinnen.«

Gorkon seufzte. »Das hoffe ich wirklich, Botschafter. Leider sind viele meiner Kollegen nicht bereit, die Realität unserer Zwangslage oder die Notwendigkeit dieses Verfahrens anzuerkennen.«

»Es ist unsere Aufgabe, sie den von uns Geführten eindringlich deutlich zu machen.«

»Das ist wohl wahr.« Gorkon Schultern sackten herab, als würde ihm die Bürde der Verantwortung jetzt erst richtig bewusst. »Ich werde mein Bestes tun, um meine Leute zu einem Kompromiss zu bewegen, bevor wir fortfahren. Aber um unser aller willen hoffe ich, dass Ihr Ruf als Diplomat wohlverdient ist. Ihre Delegation kann durch Vernunft umgestimmt werden. Aber wenn es nach Prang geht … dann wird sich meine nur dem Schwert beugen.«

Traumlogik. In seinem langen Leben hatte Sarek noch nie zwei Worte gehört, die es weniger verdient hatten, in einem Atemzug genannt zu werden. Seit seiner Jugend war er dazu ausgebildet worden, seine Gedanken durch die strengen vulkanischen Disziplinen zu schärfen. Diese sollten den tiefen und stürmischen Kessel der Emotionen seines Volks im Zaum halten, der vor sehr langer Zeit die Vulkanier beinahe in ihren Untergang geführt hatte. Nur die wenigsten Nichtvulkanier erfuhren jemals, dass das mentale Training seines Volks sich nicht nur auf den Wachzustand bezog. Sogar wenn Vulkanier schliefen, setzte sich ihr Kampf ums emotionale Gleichgewicht fort.

Er hatte gelernt, mit seinem Bewusstsein die Stolperfallen und Pfeile des wachen Lebens meisterlich zu beherrschen und die Beleidigungen von weniger durch Logik bestimmten Personen zu ertragen. Doch wenn er schlief, musste er sich mit der verschlagensten, hinterhältigsten und gefährlichsten Bedrohung auseinandersetzen – seinem Unterbewusstsein und dessen endlosen Bataillonen surrealer Bilder und personifizierter Ängste.

Um sich gegen die Gefahr zu behaupten, hatte Sarek wie die meisten anderen Vulkanier die Kunst der Wachträume erlernt. Er hatte sich darin geübt, sich der Unregelmäßigkeiten des Traumzustands bewusst zu sein und ihre seltsamen Wahrnehmungsveränderungen, ihre irrationale Physik und ihre verblüffenden Zufälle zu bemerken.

An diesem Abend hatte sein Geist ein detailliertes Scheinbild des Konferenzraums einschließlich beider Delegationen an den ihnen zugewiesenen Plätzen heraufbeschworen – und riesige Insekten nagten sich durch Wände, Boden und Decke, sodass der gesamte Raum einzustürzen drohte.

Wie banal und leicht einzuordnen. Ich hatte gehofft, mein Unterbewusstsein würde eine angemessen subtile Vision hervorbringen. Mit einem Gedankenbefehl verbannte er die riesigen Termiten und brachte beide Delegationen – von denen er wusste, dass sie lediglich Manifestationen seiner selbst in der Traumwelt waren – zum Schweigen. Jetzt konnte er den im Traum verlangsamten Zeitablauf dazu nutzen, über die Themen zu meditieren, die am nächsten Tag ganz oben auf der Tagesordnung standen. Wenn ich während meiner Ruhezeit schon durch den Sumpf der Arbeitsangelegenheiten waten muss, dann werde ich das zumindest zu meinen Bedingungen tun.

Der erste Tag am Verhandlungstisch war durch einen Zwischenfall nach dem anderen getrübt worden. Sarek war sicher, dass dies von Anfang an die Absicht der Klingonen gewesen war. Sie waren darauf vorbereitet gewesen, bei jedem Diskussionspunkt einen Streit anzuzetteln. Was Sarek auch versucht hatte, um die Unterhaltung zu leiten, die Klingonen hatten einen Grund für vehementen Widerspruch gefunden. Bei einer derartigen Behinderung konnte man nicht davon ausgehen, dass sie von allein auftrat oder in der Situation verlässlich improvisiert werden konnte. Nein, es brauchte sorgfältige Planung, Monate der Forschung und des Einstudierens. Bis auf Gorkon waren die Klingonen darauf aus, Streit zu provozieren.

Aber warum? Sie müssen wissen, was passieren wird, wenn wir uns den Organiern widersetzen. Sarek fragte sich, ob es genau darum ging. Ihr Gepolter könnte darauf abzielen, uns durch Nachgeben in die Rolle der Friedensstifter zu zwingen. Die Klingonen gehen davon aus, dass wir große Angst davor haben, den Zorn der Organier auf uns zu ziehen. Sie glauben offenbar, dass wir auf all ihre Forderungen eingehen werden, um den Frieden zu wahren.

Im Zusammenhang betrachtet war das eine recht logische Strategie. Aber warum schlug Gorkon dann nicht in dieselbe Kerbe? Waren seine Annäherungsversuche an einen Frieden darauf ausgelegt, das Säbelrasseln seiner Untergebenen einzuschränken, um die Föderation lange genug am Tisch zu halten, bis sie dem Reich gab, was es wirklich wollte? Oder war Gorkon genau das, was er behauptete, zu sein – ein Diplomat, der wirklich einen dauerhaften Frieden schaffen wollte?

Die Antwort auf diese Frage zu finden, so entschied Sarek, würde höchstwahrscheinlich den Ausschlag geben, ob die Friedenskonferenz erfolgreich war oder scheitern würde.

Als Sarek begann, Unterhaltungsstrategien zu formulieren, mit denen er die Gespräche des nächsten Tages eröffnen wollte, wurde er durch schrille Alarmsirenen aus dem Schlaf gerissen. Er schlug die Augen auf und setzte sich im Bett auf. Es war immer noch dunkel draußen. Das Chronometer auf seinem Nachttisch zeigte die lokale Zeit als ungefähr drei Stunden vor Sonnenaufgang. Neben ihm im Bett regte Amanda sich und blinzelte verschlafen zum Fenster. Ihre Stimme war belegt und brüchig. »Sarek? Was ist los?«

»Ich weiß es nicht.« Er stand auf und nahm seine Robe von der Bank am Fußende des Bettes. »Bitte bleib hier, während …« Sein persönlicher Kommunikator summte auf dem Nachttisch. Er nahm ihn und klappte ihn auf. »Hier spricht Sarek.«

Die nervöse Stimme seiner bolianischen Assistentin Isa Frain erklang aus dem Kommunikator: »Verzeihen Sie, dass ich Sie wecke, Botschafter, aber es gibt einen Notfall im Wohnbereich der Klingonen.«

»Was für einen Notfall, Isa?«

»Das wollen sie nicht sagen, aber sie sind wirklich sehr aufgebracht.« Ihre Stimme wurde ängstlicher. »Sir, sie rufen, dass sie in den Krieg ziehen wollen.«

»Ich bin unterwegs. Sarek Ende.« Er schloss den Kommunikator und nahm saubere Kleidung aus seinem Schrank. Nachdem er sich angezogen hatte, verabschiedete er sich mit einem Blick von Amanda. Sie erwiderte diesen mit einem leichten Nicken, da sie sich schon lange an die subtilen Gesten der vulkanischen Höflichkeit gewöhnt hatte. Auf dem Weg hinaus steckte er seinen Kommunikator ein und verließ dann ihre Suite, um eine weitere diplomatische Katastrophe abzuwenden.

Sarek überquerte den in Schatten liegenden Innenhof der Universität von New Athens und ging von einem Laternenlicht zum nächsten, bis er an dem Wohnheim eintraf, in dem die klingonische Delegation untergebracht war. Draußen hatte sich eine Menge versammelt. Als er sich näherte, sah er, dass ortsansässige Friedenshüter und Sicherheitspersonal der Universität die klingonischen Delegierten umzingelt hatten, die Drohungen und Beleidigungen in ihrer Muttersprache ausstießen.

Sarek drängte sich durch die Mauer aus Polizisten. »Lassen Sie mich durch. Ich bin Botschafter Sarek, treten Sie zur Seite.« Als er die Klingonen erreichte, suchte er vergeblich nach ihrer Stimme der Vernunft und sah sich stattdessen Prang gegenüber. Das stämmige Ratsmitglied packte Sarek vorne an seinem Talar und hob ihn fast vom Boden. »Sie, Vulkanier! Sie haben das getan!«

Drei Polizisten schritten ein, um Prang von Sarek zu lösen. Nachdem Sarek aus dem Griff des Verrückten befreit war, fragte er in strengem, aber ruhigem Tonfall: »Wo ist Ratsmitglied Gorkon? Ich wünsche, direkt mit ihm zu sprechen.«

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
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362 str. 4 ilustracji
ISBN:
9783966583282
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Bookwire
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