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Czcionka:

Dan Gronie

Andor - Reise durch das Weltentor

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Erweitertes Impressum

Bücher von Dan Gronie

Widmung

Prolog

Haifischflossensuppe

Nicht lügen, sondern beichten

Unerklärliche Phänomene

Rendezvous mit Hindernissen

Schreck, lass nach!

Noch mehr Geheimnisse

John Smith meldet sich

Da waren es nur noch drei

Das Leben geht zu Ende

Stehaufmännchen

Die Entscheidung

Küss mich endlich

Treten wir den Palets in den Arsch

Plötzlich macht es BUM!

Der wahre Terror

Tatütata, wir sind da

Auf ein baldiges Wiedersehen

Alles ist möglich

Personen-, Orts-, und Sachverzeichnis

Danksagung

Impressum neobooks

Erweitertes Impressum

Alle Rechte liegen beim Autor. Die Verbreitung dieser E-Book-Ausgabe in jeglicher Form und Technik, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

Titel: Andor - Reise durch das Weltentor

Copyright © 2020 by Dan Gronie

Umschlaggestaltung: Dan Gronie

Umschlagabbildungen: © Olivia Grand,

Bild von Felix Mittermeier auf Pixabay,

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

E-Book-Ausgabe: BoD - Books on Demand, Norderstedt

Vollständige E-Book-Ausgabe Juli 2020

entspricht der im BoD - Books on Demand Verlag erschienenen Buchausgabe 1. Auflage Juli 2020

Bücher von Dan Gronie

ANDOR

Band 1: Rätsel der Vergangenheit

Band 2: Reise durch das Weltentor

In Vorbereitung:

Band 3: Feindliche Basis auf Pelos

Weitere Bücher von Dan Gronie

Band 1: Kaspar - Die Reise nach Feuerland

Band 2: Kaspar - Der magische Rubinschädel

Band 3: Kaspar - Das Geheimnis von Eduan

Estalor - Rückkehr der Höllenschlange

Denny entdeckt Köln

Widmung

Reise durch das Weltentor

ist meiner wunderbaren Frau Ursula gewidmet.

Dein und nochmals Dein, für immer!

Prolog

Irgendwo, auf einem weit von der Erde entfernten Planeten, näherte sich eine achtköpfige Gruppe einem kugelförmigen Raumschiff, das eben in dieser kargen, hügeligen Landschaft abgestürzt war. Das sandige und zum Teil steinige Gelände, auf dem nur wenige Bäume und Pflanzen wuchsen, machte den Soldaten schwer zu schaffen. Ganz geheuer war es dem Gruppenführer nicht, aber er hatte nun mal entschieden, ihren Kampfwagen stehen zu lassen und den Weg zu Fuß fortzusetzen.

Hinter einem Sandwall ging die kleine Gruppe in Deckung. Vier Scharfschützen brachten sich sofort in Stellung und nahmen das kugelförmige Raumschiff ins Visier. Sie waren auf der Suche nach einer vermissten Einheit gewesen und hatten ihren erfolglosen Einsatz beendet. Ihr Auftrag lautete dann, auf dem schnellsten Weg zum Stützpunkt zurückzukehren. Doch plötzlich tauchte dieses Ding am blassgrauen Himmel auf und ging nieder, und der Gruppenführer wollte wissen, aus welchem Grund es abgestürzt war.

»Es steckt im Sand fest«, wandte sich ein Soldat an den Gruppenführer.

»Vielleicht«, sagte der Gruppenführer nur. »Aus dieser Entfernung ist das nicht genau zu erkennen«, zweifelte er.

Ein ganzes Stück hinter dem Raumschiff war noch Etwas im Sand zu erahnen. Vielleicht war es ein feindlicher Konvoi. Der Gruppenführer wollte den Stützpunkt verständigen, doch dann verwarf er den Gedanken wieder. Vielleicht würde der Feind dadurch auf sie aufmerksam werden. Der Gruppenführer legte das Lasergewehr beiseite und nahm ein elektronisches Fernglas zur Hand.

»Das ist doch ...«, dem Gruppenführer blieb das Wort im Hals stecken.

»Was ist los?«, fragte der bärtige Soldat neben ihm.

»Das ist unsere vermisste Einheit«, antwortete der Gruppenführer entsetzt.

Der Gruppenführer zählte acht Kampfwagen. Alle waren zerstört. Dann zoomte er einen umgekippten Kampfwagen heran, dessen Unterseite sich in ein Knäuel aus geschmolzenem Metall verwandelt hatte.

»Nicht zu fassen. Ist einfach so geschmolzen«, schüttelte der Gruppenführer den Kopf.

»Minen?«, rätselte der bärtige Soldat.

Der Gruppenführer wandte sich dem Soldat zu.

»Das waren keine Minen. Niemals«, war sich der Gruppenführer sicher. »Das war ein Waver.«

»Dann muss es aber ein verdammt starker Waver gewesen sein«, sagte der bärtige Soldat.

»Kannst du mir sonst eine Waffe nennen, die einen Kampfwagen zum Schmelzen bringt?«, fragte der Gruppenführer.

»Nein«, schüttelte der bärtige Soldat den Kopf.

»Was ist denn das, was sich da neben dem Konvoi aus dem Boden empor wühlt?«, fragte eine Soldatin und deutete in die Richtung des unbekannten Objekts.

Der Gruppenführer hob vorsichtig den Kopf und lugte über den Sandwall. Ein glänzender, rechteckiger Gegenstand war nun mit bloßem Auge neben dem Konvoi zu erkennen.

»Keine Ahnung«, sagte er, steckte das Fernglas weg und griff nach dem Lasergewehr.

»Wir sollten zum Stützpunkt zurückkehren und umgehend Bericht erstatten«, schlug die Soldatin dem Gruppenführer vor. Ihre Stimme war dünn wie ein Flüstern.

»Wir warten noch ab«, sagte der Gruppenführer. »Ich will zuerst wissen, was das da für ein Ding ist«, ergänzte er.

»Scheiß was drauf«, knurrte der bärtige Soldat neben ihm. »Wir sollten zum Stützpunkt ...«

Der Gruppenführer wandte sich dem Soldaten zu. »Wir bleiben hier in Deckung«, befahl er mit strenger Stimme.

Der Soldat schwieg.

Das rechteckige Objekt sendete einen roten Lichtstrahl aus, der auf das Raumschiff gerichtet war.

»Kopf runter«, sagte der Gruppenführer.

»Ja«, hauchte der bärtige Soldat, als der Lichtstrahl an Breite zunahm.

»Ob es eine Waffe ist?«, fragte die Soldatin an den Gruppenführer gewandt, der daraufhin mit der Schulter zuckte.

Der Lichtstrahl erlosch ganz plötzlich. Der Gruppenführer schwieg und versuchte den Kloß, der sich in seiner trockenen Kehl gebildet hatte, herunterzuschlucken.

»Sollen wir angreifen?«, fragte ein junger Soldat.

»Hast du 'nen Knall?«, fauchte die Soldatin ihn an. »Wir werden alle draufgehen.«

»Wir können den Feind doch nicht entkommen lassen«, fauchte er zurück. »Oder hat dich der Mut verlassen?«, warf er ihr an den Kopf.

»Pass mal auf du kleiner Schei... «

»Haltet beide die Klappe!«, befahl der Gruppenführer streng. »Wir werden auf gar keinen Fall angreifen! Wir wissen nicht, womit wir es zu tun haben.«

Der bärtige Soldat räusperte sich nervös. Der Gruppenführer musterte ihn.

»So ein Ding habe ich noch nie gesehen«, hauchte der bärtige Soldat dem Gruppenführer entgegen.

Der Gruppenführer musste an seinen letzten Einsatz denken, bei dem seine komplette Einheit durch den Feind vernichtet worden war. Nach dem Massaker hatte der Feind sich alle Leichname seiner Einheit geholt. Lauerte dieser Feind etwa da vorne, um seine jetzige Einheit ebenfalls zu vernichten und die Leichname an sich zu nehmen? Sollte er vielleicht doch der Aufforderung des jungen Soldaten folgen und den Befehl zum Angriff geben? Er schüttelte sich bei dem Gedanken.

Der Lichtstrahl erschien wieder, viel breiter noch als vorhin. Als er die Hülle des Raumschiffes erreichte, ertönte ein Summton, und es schien so, als würde der Wüstensand anfangen zu dampfen.

»Wow«, staunte die Soldatin.

Der Gruppenführer wusste nicht, was dort geschah, aber er hatte dasselbe ungute Gefühl wie damals, als er seine ganze Einheit verloren hatte. Denk nicht darüber nach, sagte er sich im Stillen vor. Einfach nicht darüber nachdenken! Damals war er der einzige Überlebende gewesen. Hoffentlich wiederholt sich so ein Drama nicht noch einmal.

Der rote Lichtstrahl kreiste langsam über der Oberfläche des Raumschiffes. Ringsum das glänzende, rechteckige Objekt fing der sandige Boden dabei an zu brodeln.

Der Gruppenführer hielt den Atem an. Nadelstiche aus Wärme trafen ihn mitten ins Gesicht. Er fragte sich, ob es seinen Kameraden auch so erging? Er wandte sich dem bärtige Soldaten neben ihm zu.

»Es wird unangenehm heiß«, sagte er.

»Ja«, nickte der Gruppenführer.

Etwas war tief dort unten im Erdboden verborgen ... eine Wärmequelle, tief vergraben im Wüstensand.

»Wir werden alle verbrennen«, jammerte der junge Soldat.

Die Soldatin rümpfte die Stirn und wandte sich ihm mit einem verachtenden Blick zu.

»Hat dich etwa dein Mut verlassen?«, sprach die Soldatin ihn an.

Der junge Soldat warf ihr einen zerschmetternden Blick zurück.

»Seht!«, sagte der Gruppenführer.

Eine Kuppel aus Sand erhob sich neben dem glänzenden Objekt und sprudelte in die Höhe. Ein Gegenstand, der aussah wie ein großer, runder Spiegel, schoss aus der Sandkuppel aufwärts und fing an zu leuchten.

»Was ist das?«, hauchte der junge Soldat.

Rechts neben dem Spiegel schossen Flammen in die Höhe. Eine Druckwelle presste die Soldaten in den Sand.

»Alle in Deckung!«, rief der Gruppenführer, der mit einem Angriff rechnete.

Die Prozedur wiederholte sich ein zweites Mal, und ein weiterer Spiegel schoss aus dem Wüstensand empor. Die beiden leuchtenden Flächen standen sich parallel gegenüber.

Der Summton wurde für die Soldaten unerträglich. Ein Angriff war für sie unmöglich geworden. Es gab nur noch eins, was sie tun konnten: Abwarten bis der Tod sie holte.

Der rote Lichtstrahl war weiterhin auf das Raumschiff gerichtet, das sich wie in Zeitlupe aufwärts bewegte, bis es lautlos über dem Erdboden schwebte. Der Gruppenführer vermutete, dass der rote Lichtstrahl das Anheben des Raumschiffs bewirkte. Der unangenehme Summton verstummte. Blitzschnell steuerte das Raumschiff zwischen die leuchtenden Flächen und verschwand mit einem Mal.

Die Leuchtkraft der Spiegel ließ nach, und die gewaltigen Spiegel versanken wieder im Boden. Sekunden später versank auch das glänzende Objekt. Zurück blieb glühender und geschmolzener Wüstensand.

Der Gruppenführer legte schnell das Lasergewehr beiseite, blickte durch das Fernglas und betätigte eine unscheinbare Taste. Daraufhin erschien eine Reihe von Zahlen und Symbolen im Objektiv.

Jetzt überfiel ein wirklich beschissenes Gefühl den Gruppenführer. Sollte es sich hierbei um ein ..., dachte er und wollte gerade seine Vermutung äußern, doch die Soldatin kam ihm zuvor: »Das ist ein Basrato?«, hauchte sie ehrfürchtig.

»Ja«, bestätigte der Gruppenführer.

»Das ist doch unmöglich«, sagte der junge Soldat. »Wo ist die Station dafür?«

»Könnte sie vielleicht unterirdisch liegen?«, fragte die Soldatin.

»Nein«, schüttelte der Gruppenführer den Kopf. »Ich habe gerade eine Messung durchgeführt, da ist nichts unter der Erde, außer dieses rechteckige Objekt und die beiden Spiegel.«

Ihre Feinde hatten es also geschafft, das Basrato weiterzuentwickeln. Sie brauchten nun keine zwei festen Station mehr und konnten auch Raumschiffe durch ein Basrato transportieren.

»Wir kehren sofort zum Stützpunkt zurück!«, befahl der Gruppenführer.

»Wenn das Ding funktioniert, haben wir den Krieg verloren«, stellte der junge Soldat fest.

»Es funktioniert doch! Oder etwa nicht?«, sagte die Soldatin.

***

»Es geht um Leben und Tod, und dieser verdammte Hurensohn Clayton weiß mehr, als er zugibt«, fluchte Michael Zink leise.

Helmut Berger blieb stumm. Die beiden Männer gingen die Frauenstraße in der Münchner Innenstadt entlang. Ihre dunkelbraunen Mäntel schützten sie vor dem kalten Wind, der durch die Straßen pfiff.

Niemand achtete auf die beiden Männer, die mit finsterer Miene und hochgeschlagenem Mantelkragen an den Geschäftshäusern vorbeigingen. Und niemand ahnte, dass sie beim Militärischen Abschirmdienst in der Abteilung II: Extremismus-, Terrorismus-, Spionage- und Sabotageabwehr arbeiteten.

Berger und Zink bogen nach rechts in die nächste Straße ein. Es fiel immer noch kein Wort zwischen ihnen. Sie waren beide in Gedanken versunken. Als sie an einer Fußgängerampel angekommen waren, sprang sie auf Rot. Berger wandte sich nach links und blickte seinem etwas jüngeren Kollegen ernst ins Gesicht.

»Machen wir einen Fehler, wenn wir diesem Bill Clayton vertrauen?«, fragte Berger mit gedämpfter Stimme.

Zink schüttelte stumm den Kopf und sah an Berger vorbei. Ein junger Mann stand in unmittelbarer Hörweite neben ihnen.

Berger warf einen kurzen Blick nach rechts und schwieg. Die Ampel zeigte Grün. Der junge Mann ging zuerst über die Straße. Berger und Zink warteten kurz.

»Wir wissen noch nicht, welche Gefahr unserer Erde droht«, sagte Zink im Flüsterton an Berger gewandt, dann überquerten sie die Straße.

»Ich habe weitere Nachforschungen über diesen Bill Clayton angestellt«, sagte Berger. Seine blauen Augen leuchteten wissend.

»Was hast du dabei herausgefunden?«, fragte Zink fordernd.

Berger schwieg wieder, als zwei Passanten an ihnen vorbeigingen.

»Was?«, murmelte Zink.

»Viele Hinweise über Clayton gibt es leider nicht«, fing Berger an, »aber er hatte ja vor fünf Jahren einen Verkehrsunfall ...«

»Weiß ich doch schon«, unterbrach Zink seinen Kollegen ungeduldig.

Berger schwieg.

»Mach es doch nicht so spannend, Helmut«, sagte Zink etwas wehleidig. »Sag schon!«, forderte er seinen Kollegen auf.

»Das war's«, lächelte Berger.

»Das war's?«, stutzte Zink.

»Es gibt keine Unterlagen von Clayton vor dem Unfall«, sagte Berger.

»Ich weiß«, nickte Zink. »Durch den Unfall hatte Clayton sein Gedächtnis verloren.«

»Ja«, stöhnte Berger und fuhr sich mit der Hand durch seine graumelierten Haare. »Kein Ausweis. Kein Identitätsnachweis. Neuanfang«, ergänzte er stirnrunzelnd. »Findest du das denn nicht seltsam?«

»Tja, das ist wirklich sehr seltsam«, nickte Zink nachdenklich.

»Nach dem Unfall wurde Clayton im Krankenhaus Blut abgenommen«, sagte Berger.

»Ja, aber die Krankenhausunterlagen sind leider abhanden gekommen«, stellte Zink klar.

»Es gibt noch ein paar handschriftliche Notizen, unter anderem auch über einige Blutwerte von Clayton«, erzählte Berger seelenruhig.

Zink horchte gespannt.

»Ich habe mir eine Kopie der Notizen von den Kollegen in London zukommen lassen«, Berger holte kurz Luft, »und diese mit den Analysen der beiden Blutspuren aus Gillers Büro verglichen.«

»Okay«, nickte Zink.

»Beide Blutanalysen aus Gillers Büro scheinen nicht menschlichen Ursprungs zu sein und eine davon deckt sich nahezu mit der von Clayton.«

»Wow«, staunte Zink und überlegte. »Aber was ist, wenn das Ergebnis der Laboruntersuchung falsch ist?«, hakte Zink nach.

Berger schüttelte den Kopf.

»Es wurden insgesamt drei Tests durchgeführt und alle mit dem gleichen Ergebnis«, erklärte Berger. »Und außerdem wirst du, diese Blutwerte bei keinem Menschen finden«, betonte Berger nochmals.

»Oh!«, sagte Zink und kratzte sich am Ohr. »Soll das heißen, dass Clayton ein Außerirdischer ist?«

Berger nickte.

»Und er war an diesem Kampf in Gillers Büro beteiligt«, stellte Zink weiter fest.

Berger nickte wieder.

»Wenn wir ganz sicher gehen wollen, müssen wir von Clayton eine DNA-Probe nehmen und diese mit den DNA-Spuren aus Gillers Büro vergleichen«, sagte Berger.

»Okay«, nickte Zink.

»Aber ich glaube, das wird nicht nötig sein«, sagte Berger zuversichtlich. »Clayton hat keine andere Möglichkeit mehr, als uns die Wahrheit zu sagen.«

Ein kurzes Schweigen trat zwischen den beiden Agenten ein.

»Warum ist das denn damals bei der Untersuchung im Krankenhaus niemandem aufgefallen«, stutzte Zink, »dass Clayton keine menschlichen Blutwerte hat?«

Berger zuckte mit den Schultern. »Die Unterlagen hatte damals jemand verschwinden lassen«, sagte Berger.

»Aber wer?«, fragte Zink.

»Keine Ahnung«, antwortete Berger. »Vielleicht war es Clayton.«

»Was sollen wir tun?«, fragte Zink.

»Ihn zur Rede stellen!«

»Er ist ein Außerirdischer«, wiederholte Zink ruhig. »Können wir ihm denn vertrauen?«

»Um das herauszufinden, werden wir ihn im Hotel aufsuchen«, sagte Berger.

»Okay«, kam es von Zink. »Finden wir heraus, ob dieser Clayton vertrauenswürdig ist.«

»Scheiß Wetter heute«, brummte Berger leise.

»Ja, das kannst du laut sagen«, schmunzelte Zink. »Soll aber im Laufe des Tages wieder besser werden.«

»Was machen wir, falls Clayton nicht kooperieren will oder sich herausstellt, dass Clayton zu den Bösen gehört?«, fragte Zink.

»Wir nehmen ihn fest!«

»Wir beide allein?«, stutzte Zink.

»Für diesen Fall steht uns eine Einheit zur Verfügung«, lächelte Berger.

Berger warf einen Blick auf seine Armbanduhr.

»Nervös?«, fragte Zink.

»Ja«, gab Berger zu.

»Was ist mit Giller?«, fragte Zink. »Du hast ja eben mit ihm telefoniert.«

»Was soll mit ihm sein?«

»Kommt er auch zum Verhör dazu?«

»Er wollte auch vorbeikommen«, antwortete Berger missmutig.

»Dieser Giller ist ein Idiot«, schimpfte Zink.

»Mag schon sein.«

»Lass uns einen Schritt zulegen!«, schlug Zink vor. »Hast mich ja früh über alles informiert«, warf Zink seinem Kollegen an den Kopf.

»Habe ja auch erst vor einer Stunde alles erfahren«, verteidigte sich Berger.

Berger hob kurz den Kopf. Dunkle Wolken zogen vorüber.

»Das Wetter passt zu meiner Stimmung«, knurrte Berger.

»Mir geht es da nicht anders«, sagte Zink.

Berger holte den Autoschlüssel aus der Jackentasche und öffnete die Türen von seinem Ersatzdienstwagen, der am Straßenrand parkte.

Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen.

Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen z.B. der Relativitätstheorie.

ALBERT EINSTEIN

Haifischflossensuppe

Ich stand wie gelähmt im Hotelzimmer, den Blick starr auf das Fenster gerichtet, und versuchte mich an mein früheres Leben vor dem Gedächtnisverlust zu erinnern.

Nichts.

Gar nichts.

Es war als starrte ich in eine finstere Vergangenheit – einer Vergangenheit ohne Erinnerungen. Ich musste an den Traum denken, den ich vor einigen Minuten hatte. Konnte der Traum eine Erinnerung aus meinem früheren Leben sein? Mir wurde es mulmig im Magen. Oder war der Traum nur ein Hirngespinst? Ich atmete schwer aus und erinnerte mich an diesen Traum – an jedes Detail.

Ich erinnerte mich genau daran, dass ich mitten in der Menge stand und hörte, dass kurzfristig eine Ratsversammlung einberufen worden war. Der karge Saal war erfüllt von grellen Lichtern, die sich an den glatten Metallwänden widerspiegelten. Das ganze Drumherum machte einen trostlosen Eindruck auf mich, außerdem fehlten Stühle und Tische. Das Gedränge im Saal war nicht sonderlich dicht, aber dennoch wirkte es auf mich irgendwie erschlagend.

Die rechte Metallwand flackerte hell auf, und ein Bild erschien. Alle starrten wie angewurzelt auf die zwei Kreaturen, die auf der Metallwand erschienen waren. Sie trugen schwarze Kampfanzüge und waren mit Lichtschwertern bewaffnet. Sie bewegten sich schnell durch das unebene Gelände, direkt auf einen schmalen Pfad zu, der in einen riesigen, zerklüfteten Krater hineinführte.

Von einem Mann, der neben mir stand, erfuhr ich, dass die Aufnahmen auf dem Planeten Pelos gemacht wurden. Dann wurde es still, und ein bärtiger Mann eröffnete die Rede. Er erzählte etwas über einen Krieg und eine feindliche Basis, die sich auf dem Planeten Pelos befinden sollte. Dann erzählte er etwas über ein schreckliches Ereignis und deutete auf die Metallwand rechts von mir. Ich sah ein schneeweißes Gebäude inmitten eines bunten Laubwaldes. Das Gebäude kam mir auch bekannt vor. Woher? Ich überlegte fieberhaft, doch meine Erinnerung daran war verschwunden. Ich zuckte zusammen, als ein greller Blitz das Gebäude zerstörte. Etwas später erfuhr ich, dass es sich um ein Geheimlabor gehandelt hatte.

Dann sprach mich ein jüngerer Mann an, und ich erfuhr von ihm etwas über einen Wissenschaftler namens Reolan Leeonex. Er hatte wohl eine Erfindung gemacht, die in die Hände des Feindes gelangt war. Der Feind hatte diese Erfindung rasant weiterentwickelt und ein sogenanntes Basrato erschaffen, das unbedingt von irgendjemandem zerstört werden musste.

Als Unruhe in den Saal hineinkam, trat eine junge Frau namens Ranja an das Rednerpult und sorgte für Ruhe. Dann erklärte sie kurz und knapp, dass ein gewisser Andor das Kommando übernehmen sollte, um das Basrato zu zerstören. Diese arme Sau, hatte ich gedachte, und jemand neben mir meinte, dass dieses Himmelfahrtskommando niemand überleben würde.

Ranja forderte jemanden mit dem Namen Andor auf nach vorne zu treten und eine Rede zu halten. Ich war gespannt, wer dieser arme Teufel war, der das Kommando über eine aussichtslose Mission führen sollte.

Abermals forderte Ranja den armen Teufel auf, nach vorne an das Rednerpult zu kommen, und in diesem schweißtreibenden Augenblick bemerkte ich, dass sie mich damit meinte.

Ich schüttelte mich. Scheiße, falls das kein Alptraum war, sondern Erinnerungen an mein früheres Leben – Scheiße. Ich schüttelte mich abermals.

Ein kurzer Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass ich in zwanzig Minuten mit Jennifer verabredet war. Ich hatte wohl doch länger geträumt, als ich dachte. Mist, und geduscht hatte ich auch noch nicht. Ich rief Jennifer an und teilte ihr mit, dass es etwas später würde. Wir verabredeten uns in dreißig Minuten in der Hotelbar.

Als ich das geräumige Badezimmer betrat, staunte ich über den erlesenen Luxus. Die schwarze Marmorumrandung des Waschbeckens und der Badewanne hob sich von dem hellen Marmorboden ab. Ich staunte auch über die riesige, separate Dusche aus Marmor. Als ich in den großen Spiegel über dem Waschbecken blickte, ergriff mich ein angstvolles Schaudern.

Mir stellte sich nun die Frage: Duschen oder Baden? Als ich wieder einen kurzen Blick auf meine Armbanduhr warf, entschied ich mich für das Duschen. Also, raus aus den Klamotten und ab unter die Dusche.

Langsam drehte ich das Wasser auf und stellte es auf eine angenehme Temperatur ein. Das tat gut – verdammt gut. Ich schloss die Augen und ließ mir das Wasser über mein Gesicht laufen.

ZISCH!

»Andor ist tot.«

Es war kaum mehr als ein Flüstern, das an meine Ohren drang. Ich wandte mich schnell nach links der männlichen Stimme zu, doch niemand war da.

»Ja, er ist tot«, flüsterte eine Frauenstimme.

Ich wandte mich nach rechts, aber auch dort war niemand.

Wurde ich langsam verrückt oder war ich es schon?

»Äh, na ja, dann bin ich eben tot«, sagte ich leise.

Eine Welle kam direkt von der Seite auf mich zu und überschwemmte mich. Ich wurde unter Wasser gedrückt, mein Mund füllte sich, ich strampelte verzweifelt mit den Beinen und tauchte wieder auf. Hastig spie ich das Wasser aus, schwamm auf der Stelle und hustete.

Mist!

Wie kam ich hierher? Ich überlegte. Vorhin stand ich noch unter der Dusche, und nun war ich irgendwo in einem tosenden Meer. Ich träume mal wieder, ging es mir durch den Kopf.

Die nächste Welle rollte auf mich zu. Es war nur eine Frage der Zeit, bis meine Kräfte versagen und ich ertrinken würde. Ertrinken? So ein Quatsch. Wie sollte ich in einem Traum ertrinken? Ich musste nur warten, bis ich wieder wach wurde. Die Woge kam und trug mich in die Höhe. Ich hustete abermals, als ich Wasser schluckte. Es fühlte sich verdammt lebensecht an. Als ich wieder Wasser schluckte, war ich mir nicht mehr sicher, ob es ein Traum war.

Was sollte ich tun? Wohin sollte ich schwimmen? Die nächste Welle trug mich wieder in die Höhe. Ich hoffte Land oder ein rettendes Schiff zu entdecken, doch ich sah nur unendliche Wassermassen.

Ich war verloren.

Was war das? Dort vor mir schwamm etwas im Wasser. Ein Hai? Das hätte mir zu all meinem Unglück noch gefehlt. Ich versuchte Ruhe zu bewahren. Vielleicht würde mich der Fisch auch gar nicht bemerken.

Die Weite des Meeres, die Einsamkeit, die langsam in meinen Körper kriechende Kälte, die schwindenden Kräfte und das Wissen keine Menschenseele anzutreffen, machten mir Angst. Aufgeben wollte ich aber lange noch nicht. Ich kämpfte ums nackte Überleben. Das Meer sollte mich nicht als Opfer bekommen. Vermutlich waren es diese Vorsätze und Gedanken, die meine Kräfte beflügelten und mich vorantrieben.

Ich schwamm – zügig, gleichmäßig. Der Hai war noch nicht ganz vergessen. Was wäre, wenn diese Bestie mich entdeckt hätte und abgetaucht wäre, um mich unter Wasser anzugreifen? Er könnte mit Leichtigkeit zubeißen und mich mit in die Tiefe ziehen. Ich schwamm weiter und betete, dass der Hai mir nicht folgen würde. Ich hielt wieder Ausschau nach Rettung.

Land sah ich immer noch nicht.

Und auch kein Schiff.

Also war ich weiterhin auf mich allein gestellt. Allein mit dem unendlichen Meer, den Wellen, der aufkommenden Dämmerung – und einem Hai.

Scheiße! Ich war verloren. Dem Tod geweiht. Doch mein Leben kampflos aufgeben wollte ich auf gar keinen Fall.

Rechts von mir sah ich kurz eine Flosse auftauchen. Der Hai war wieder da und lauerte seiner Beute auf. Ich legte eine Pause ein und bewegte die Beine dabei unter Wasser. Ein Fehler, wie mir etwas später bewusst wurde, denn für den Hai gab es nun keinen Halt mehr. Blitzschnell schoss er dicht unter der Wasseroberfläche heran. Er sah mich und meine strampelnden Beine.

Komm nur her du doofer Fisch! Ich mache aus dir eine Haifischflossensuppe, fluchte ich im Stillen.

Ich versuchte mich mit wenigen Bewegungen über Wasser zu halten. Nur nicht die Nerven verlieren, sagte ich mir vor. Etwas schwamm dicht unter mir vorbei – vermutlich der Hai. Ich verharrte und ließ mich von den Wellen treiben.

Ich begriff überhaupt nicht, was geschah. Mit einem Angriff durch einen Hai hatte ich gerechnet, aber nicht damit, dass etwas meinen linken Knöchel umgreifen und mich mit einem kräftigen Ruck mit in die Tiefe zerren würde. Die Augen hatte ich vor Schreck weit aufgerissen, schloss aber zum Glück rechtzeitig den Mund, als das Wasser über mir zusammenschlug. Verzweifelt versuchte ich wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen, doch wer immer mich gepackt hielt, hatte die Kraft eines Bären. Meine Arme und Hände schlugen nur durch das Wasser ohne jeglichen Erfolg, denn ich wurde immer weiter in die Tiefe gezogen.

Als die erste Panik vorbei war, reagierte ich wieder besonnener. Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren und entschloss sich, meinen Körper zusammenzukrümmen. Meine Augen waren weiterhin geöffnet, deshalb glaubte ich zu erkennen, wer mich am Knöchel gepackt hielt.

Es war HORYET.

Wie kam dieser Schurke hierher? Er verfolgte mich immer noch und war hinter einem Kopfgeld her, das angeblich auf mich ausgesetzt war. Der Typ trug immer noch den altmodischen braunen Anzug. Und das hier im Meer, im Wasser. Der hatte ja nicht mehr alle Tassen beieinander.

Spinner!

Scheißkerl!

Scheiß Situation!

Verdammt, Bill, reiß dich zusammen! Es ist ein Traum, sagte ich mir vor.

Ich konnte es immer noch nicht fassen, vor wenigen Minuten stand ich doch noch unter der Dusche, und nun schwamm ich im Meer und kämpfte ums nackte Überleben. Es war ein Traum! Ich stutzte und der Schreck fuhr durch meine Glieder. Ich war nackt. Dann schluckte ich Wasser. Mit diesem Kerl hatte ich schon einige seltsame Begegnungen gehabt. Das hier war kein Traum, schoss es mir durch den Kopf.

Du kriegst mich nicht. Du nicht! Scheißkerl!

Ich war mir sicher: Horyet wollte mich in die Tiefe zerren, um mich zu töten.

Die Gedanken strömten mir in Sekundenschnelle durch mein Gehirn. Sollte ich etwa aufgeben? Doch mein Lebenswille war wie eine lodernde Flamme, die nicht erlöschen wollte. Horyet durfte nicht siegen.

Ich krümmte meinen Körper zusammen und streckte meine Händen aus, um Horyets Finger zu greifen und sie auseinander zu biegen.

Biegen oder brechen? Das war hier die Frage, die mir durch mein Gehirn schoss.

Brechen, jubelte ich im Stillen. Ja, ich wollte ihm jeden einzelnen Finger brechen und ihm in sein dämliches Gesicht blicken, wenn es sich vor Schmerzen verzog. Ich musste mich beeilen, denn jedes weitere Zögern bedeutete den sichern Tod für mich.

Verdammt! Ich kam nicht an seine Hand heran. Langsam wurde es kritisch. Der Luftmangel machte mir zu schaffen. Bei einem erneuten Versuch an die Hand von Horyet zu gelangen, hätte ich mir fast den Rücken verrenkt.

Scheiße! Ich war verloren. Ersoffen im offenen Meer ...

Ein Jubel durchbrach meine düsteren Gedanken, als ich Horyets Handgelenk zu fassen bekam. Ich riss und zerrte mit beiden Händen daran.

Verdammt noch mal! Es tat sich absolut nichts. Wie eine Schraubzwinge blieb Horyets Hand an meinem Knöchel kleben. Ich hatte nicht mehr lange Zeit, um lebendig an die Oberfläche zu kommen.

Was konnte ich tun? Horyets Griff bekam ich nicht gelöst. Dieser verdammte Hurensohn war stark wie ein Bär.

Dick und Doof, schoss es mir durch den Kopf.

Warum mir gerade diese beiden Komiker in meiner Situation durch den Geist schwirrten, wusste ich nicht, doch eine Sekunde später war es mir klar geworden. Ich liebte diese Figuren über alles, und nun konnten sie mir das Leben retten. Ich löste meine Hände von Horyets Handgelenk, spreizte die Finger, zielte damit auf die Augen meines Feindes und stieß zu.

Volltreffer!

Das tat bestimmt weh, denn Horyets eiserner Griff an meinem Fußgelenk löste sich etwas. Mit aller Kraft riss ich mein Bein aus der jetzt lockeren Umklammerung heraus.

Sofort auftauchen und an der Oberfläche Luft holen, sagte mir meine innere Stimme, doch zuvor rammte ich mein Bein mit voller Wucht nach unten und traf Horyets Gesicht mit meinem Fuß.

Wieder ein Volltreffer. Zwar wurde der Aufprall durch das Wasser gebremst, doch der Tritt zeigte Wirkung. Horyet sackte in die Tiefe, und ich versuchte an die Oberfläche zu gelangen. Mir wurde langsam schwarz vor Augen. Bloß nicht das Bewusstsein verlieren, ermahnte ich mich.

Du musst es schaffen!, hämmerte es in meinem Kopf. Du musst am Leben bleiben! Ich nahm meine letzten Kräfte zusammen und durchbrach erschöpft die Wasseroberfläche. Mit weit aufgerissenem Mund, saugte ich die Luft gierig ein.

Plumps!

Ich spürte einen dumpfen Aufprall, hustete, keuchte und spie Wasser, dann schnappte ich wieder nach Luft. Als ich den Blick hob, bemerkte ich, dass ich auf dem Marmorboden in der Duschkabine lag. Das Wasser aus dem Duschkopf spritzte mir ins Gesicht.

Ich versuchte langsam und gleichmäßig zu atmen, dabei blieb ich auf dem Boden liegen. Was für eine abgefahrene Scheiße war das denn? Ein Traum war das auf keinen Fall, oder doch?

Ich betrachtete mir mein linkes Fußgelenk und stellte fest, dass es wirklich kein Traum gewesen war. Wie hatte Horyet das gemacht? War ich vor ihm denn nirgendwo sicher?

Langsam erhob ich mich, stellte das Wasser ab und humpelte aus der Dusche. Dann schnappte ich mir ein frisches Handtuch vom beheizten Handtuchhalter und trocknete mich ab. Meine Hände zitterten leicht. Mein nächster Griff holte den weichen Frottee-Bademantel vom Haken, den ich mir schnell überzog.

Ich blickte rasch in den Spiegel. Soll ich mich noch rasieren? Nein, schüttelte ich den Kopf. Mein Herz hämmerte. Wer weiß, was dann geschehen würde. Ich malte mir aus, wie Horyets Hand aus dem Spiegel hervorschoss und wie er mich am Hals packte, würgte und versuchte mich in den Spiegel hineinzuziehen. Nein danke! Auf diese Tortur hatte ich keinen Bock, also verließ ich das Bad und wollte mich kurz in den Sessel setzen und mich von der Strapaze erholen.

Die Polsterung des Sessels war bequem und der Stoffbezug weich. Ich legte meine Füße auf die gepolsterte Fußbank und wollte kurz die Augen schließen.

NEIN! Bloß das nicht! Meine Augen müssen offen bleiben, sagte ich mir im Stillen vor und versuchte mich mit anderen Gedanken ein wenig abzulenken. Das Zimmer ist ganz nett eingerichtet, nickte ich zufrieden und warf einen Blick auf die flauschigen Teppiche, die auf dem hellbraunen Parkettfußboden lagen. Die braunen Möbel sind im Biedermeier Stil und vermutlich aus Kirschbaumholz, dachte ich. Ich warf einen Blick zur Seite und bewunderte den großen Schreibtisch.

Erinnerungen wirbelten durch meinen Kopf wie ein Blitzgewitter: Mein Leben war eine Lüge, meine Vergangenheit ein Rätsel. Wer war ich in Wirklichkeit? Waren meine Träume Erinnerungen an mein früheres Leben? War ich wirklich von einem anderen Planeten? Es war zum Kotzen. Mein Leben war völlig aus den Fugen geraten. Ich war hier, um ein dämliches Tor zu finden, das in eine andere Welt führen sollte. Und dann? Was sollte ich tun, wenn ich dieses verflixte Tor, wie immer es auch aussehen mochte, gefunden hatte?

Als ich einen Blick auf meine Armbanduhr werfen wollte, stellte ich fest, dass ich sie nicht angezogen hatte. Sie musste noch im Bad liegen. Ich ging sie holen und kehrte in den Sessel zurück. Ein wenig Zeit blieb mir noch.

Natürlich konnte ich eine Bombe bauen und das verdammte Tor in die Luft jagen. Als ich weiter darüber nachdachte, kam mir der Gedanke: Was wäre, wenn dieses verflixte Tor in einem bewohnten Gebiet auftauchen würde? Oder in einem Bahnhof, oder auf einem Flugplatz, oder in einem Park? Sollte ich dann immer noch dieses verfluchte Ding in die Luft sprengen? Nein! Also musste ich mir eine Alternative überlegen. Aber wie sah sie aus? Kommt Zeit, kommt Alternative, sagte ich mir im Stillen vor und erhob mich aus dem Sessel. Langsam wurde es Zeit sich fertig zu machen und in die Bar zu gehen. Also zog ich mich an. Ich entschied mich für das blaue Hemd und den dunkelbraunen Anzug.

Was sollte ich mitnehmen? Die Visitenkarte von John Smith dem Privatdetektiv hatte ich in meinem Portemonnaie verstaut.

Ich nahm die technische Kugel aus meinem Reisekoffer und betrachtete mir die silbrig glatte Oberfläche, die sich kalt anfühlte. Wofür dieses Ding gut war, wusste ich immer noch nicht. Ich wusste nur, dass es einen Ton abgeben konnte. Ich verstaute das Ding wieder im Reisekoffer.

Mein Blick fiel auf den quadratischen Behälter aus Leder, in dem sich ein weiteres technisches Gerät befand. Wozu dieses Gerät benutzt werden konnte, wusste ich auch nicht. Ich ließ das Ding ebenfalls im Reisekoffer liegen.

Okay, die Laptoptasche wollte ich nicht auf dem Zimmer lassen. Darin befand sich unter anderem ein rätselhaftes, goldenes Medaillon mit einer ovalen silbernen Fläche. Noch ein Rätsel, das ich lösen musste.

Ich schnappte mir das Larat aus dem Reisekoffer. Sollte ich es in die Innentasche meines Jacketts stecken? Etwas zu schwer dafür, stellte ich fest und verstaute es in der Laptoptasche.

Bei dem Gedanken, dass jemand in das Zimmer eindringen könnte und den Reisekoffer durchwühlen würde, schauderte es mich. Was wäre, wenn derjenige die technischen Geräte einstecken und damit verschwinden würde? Wozu ich sie brauchte, wusste ich im Moment noch nicht, aber ich vermutete, dass sie irgendwann wichtig sein würden. Also nahm ich schnell die technische Kugel und den quadratischen Lederbehälter mit dem technischen Gerät aus dem Reisekoffer heraus und verstaute sie ebenfalls in der Laptoptasche.

Noch ein kurzer Blick in den Spiegel, dann verließ ich das Zimmer.

Nicht lügen, sondern beichten

Völlig aufgewühlt hastete ich durch den edlen Flur. Meine Armbanduhr verriet mir, dass ich schon vor zwei Minuten in der Hotelbar hätte sein sollen, dennoch ging ich rasch am Aufzug vorbei in Richtung Treppenhaus.

Mit einem Mal hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden und die Vermutung, dass hinter der nächsten Tür mein größter Feind auf mich lauern würde – Horyet.

In letzter Zeit hatte ich schon allerlei ausgeflippten Kram erlebt. Vor ein paar Tagen glaubte ich noch, dass ich vor meinem Gedächtnisverlust ein bürgerliches Leben geführt und eine Familie hatte – eine Frau, vielleicht sogar Kinder. Auch hatte ich nie die Hoffnung aufgegeben, dass meine Eltern vielleicht noch lebten.

Neben mir öffnete jemand eine Zimmertür. Ich erschrak und trat einen Schritt zur Seite. Ein älterer Mann kam aus dem Zimmer heraus, musterte mich und hob die buschigen Augenbrauen. Dann warf er den Kopf ein Stück in den Nacken und grinste mich an.

»Schreckhaft?«, fragte er.

»Einen langen und schlechten Flug gehabt«, log ich ihn an.

»Der Aufzug ist gleich da vorne«, sagte er und deutete in die Richtung, aus der ich gekommen war.

»Ich nehme die Treppe«, sagte ich. »Will mich ein wenig bewegen.«

Er nickte stumm und ging in Richtung Aufzug.

Schreckhaft, dachte ich. Wenn du den Mist erlebt hättest, der mir widerfahren ist, dann wärst du auch ein wenig schreckhaft, alter Mann.

Okay. Alter Mann war jetzt nicht ganz nett von mir, aber im Augenblick lagen meine Nerven blank. Im Treppenhaus stutzte ich, weil mich Jennifer noch nicht auf dem Handy angerufen hatte.

Mir knurrte leicht der Magen. Wir hätten uns besser im Restaurant verabredet. Na ja, gut, dann nehmen wir erst einmal einen Drink, und dann gehen wir in ein schönes Restaurant.

Wieder warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr. Sechs Minuten Verspätung. Der Weg hierhin hatte doch länger gedauert, als ich gedacht hatte. Ich hätte wohl doch besser den Aufzug nehmen sollen. Die elegante, bronzefarbene Ausstattung der Hotelbar war die perfekte Umgebung, um einen inspirierenden Cocktail zu genießen. Und genau das sollte ich auch tun. Vielleicht kam ich dann wieder auf andere Gedanken und konnte so meine Schreckhaftigkeit überwinden.

Jennifer saß an der Bar und sah zu mir hinüber. Ihr Blick verriet mir, dass ihr meine Verspätung wohl nichts ausmachte. Sie hatte sich schon ein Getränk bestellt, einen Martini vermutete ich. Als ich näher kam, sah ich in ihrem Gesichtsausdruck, dass gleich eine Flut von Fragen mich überschwemmen würde. Hoffentlich gelang es mir an der Oberfläche zu bleiben und nicht jämmerlich zu ersaufen.

»Hallo, da bin ich«, sagte ich ein wenig verlegen.

»Wird ja auch Zeit«, warf sie mir an den Kopf, aber zwei Sekunden später zeigte sie zu meinem Glück ein leichtes Lächeln. Gleich würde sie loslegen: Wer bist du in Wirklichkeit? Wer war die Kreatur in dem Büro von Giller? Was wird hier gespielt, Bill? Hast du mich die ganzen Jahre über angelogen? Kann ich dir jemals wieder vertrauen?

»Trinkst du etwas?«, fragte sie mit sanfter Stimme.

Ich musste sie wohl verdutzt angestarrt haben, denn sie fragte sofort: »Hast du irgendetwas, Bill?«

»Nein«, schüttelte ich den Kopf.

Ich stellte die Laptoptasche auf dem Boden vor der Theke ab und nahm links neben Jennifer Platz.

»Ist das jetzt die Antwort auf meine erste oder zweite Frage?« Sie zog die Augenbrauen hoch.

Ich lächelte und sagte, als ich gleichzeitig nach der Getränkekarte griff: »Ich werde mir einen Cocktail bestellen, und es ist alles in Ordnung.«

Ich lehnte mich zurück und studierte die Karte. Obwohl Jennifer, wie ich vermutete, massenweise Fragen auf den Lippen lagen, schwieg sie und ließ mich in Ruhe einen Cocktail aussuchen.

Der Barkeeper kam auf uns zu, und ich bestellte einen Snowball.

»Gute Wahl«, sagte Jennifer.

Wir beobachteten wie der Barkeeper Eiswürfel, Zitronensaft, Zucker und Whisky in einen Shaker gab und ihn kräftig schüttelte.

»Hätte mir statt einen Martini besser auch einen Cocktail bestellt«, sagte sie.

»Kannst dir ja danach noch einen Cocktail bestellen.«

»Okay«, gab sie mir zu verstehen, als der Barkeeper mit dem großen Becherglas Snowball ankam.

»Ihr Drink«, sagte der Barkeeper.

»Danke«, nickte ich ihm leicht zu.

Ich stieß mit Jennifer an.

»Der ist verdammt gut«, schwärmte ich und stellte das Glas wieder auf der Theke ab.

»Und?«, fragte sie nur.

Der Barkeeper bereitete zwei weitere Cocktails zu. Vermutlich für die beiden Gäste am Tisch rechts hinter uns.

»Das Zimmer ist hervorragend«, lenkte ich ab und warf einen kurzen Blick zum Barkeeper hinüber.

»Ja«, sagte Jennifer langsam und merkte wohl, dass ich wegen dem Barkeeper nicht näher auf ihre Frage eingehen wollte.

Wir beobachteten stumm, wie der Barkeeper einen Caipirinha und einen Sunrise zubereitete. Als er die Cocktails auf ein Tablett stellte und an den Tisch brachte, fragte ich: »Was willst du denn wissen?«

»Alles«, sagte sie leise. »Ich will alles wissen.«

»Okay«, flüsterte ich und griff nachdenklich nach meinem Cocktail, dann erzählte ich ihr, wie ich mein Gedächtnis verloren hatte. Obwohl sie das ja bereits wusste, unterbrach sie mich nicht.

Als ich einen Blick zurück über die Schulter warf, sah ich, wie der Barkeeper durch die Tür verschwand.

Dann erzählte ich kurz von der Katastrophe im Verlag und kam schnell auf mein Erlebnis mit Tricia im Aufzug zu sprechen. Jennifer erfuhr von mir, dass dort ein Monster versucht hatte, Tricia in den Spiegel hineinzuziehen.

»Und warum hatte Tricia nichts davon gesagt?«, unterbrach sie mich, als ich ihr gerade von dem Vorfall mit dem Privatdetektiv John Smith erzählen wollte.

»Sie hatte das Bewusstsein verloren«, antwortete ich kurz.

Der Barkeeper kam pfeifend mit zwei Flaschen Rum zurück.

Jennifer trank ihren Martini aus und griff nach der Getränkekarte.

»Passt bei Ihnen noch alles?«, fragte der Barkeeper freundlich, als Jennifer die Karte beiseite gelegt hatte.

»Einen Blackest Russian«, bestellte sich Jennifer.

»Wow«, sagte ich nur.

»Ja, nach deinen Geständnissen brauche ich einen stärkeren Drink.«

Der Barkeeper schaute mir kurz vorwurfsvoll in die Augen, dann fragte er mich: »Möchten Sie auch noch etwas bestellen?«

»Einen Tequila Caliente, bitte.«

Der Barkeeper nickte mir zu und machte sich an die Arbeit.

»Hast aber einen guten Schluck drauf«, lächelte Jennifer breit.

»Schmeckt mir«, nickte ich.

Mist, dachte ich, ausgerechnet jetzt bekomme ich wieder diese verdammten Kopfschmerzen. Ich werde sie einfach nicht los.

»Ist was, Bill?«, fragte Jennifer.

»Wieder diese blöden Kopfscherzen«, sagte ich.

»Hast du keine Tabletten?«

»Oben im Zimmer vergessen.«

Jennifer öffnete ihre Handtasche und gab mir eine Schmerztablette.

»Danke.«

Ich ließ mir vom Barkeeper ein Glas Wasser geben, dann deutete ich auf den Tisch in der hinteren Ecke.

»Sollen wir uns dorthin setzen?«, fragte ich.

Jennifer nickte mir zu.

Wir warteten geduldig auf unsere Cocktails und beobachteten den Barkeeper bei der Zubereitung des Blackest Russian. Er füllte Tequila, Johannisbeerlikör, Limettensaft, Grenadine und Eiswürfel in ein Becherglas und verrührte es. Dann gab er einen Schuss Sodawasser dazu.

»Wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich unbedingt so ein Cocktailseminar besuchen«, schwärmte ich Jennifer vor.

»Ja, das wäre bestimmt interessant und lustig«, lächelte Jennifer vergnügt »Da mache ich sofort mit«, ergänzte sie.

Der Barkeeper bereitete den Tequila Caliente zu und gab Kaffeelikör und Wodka in ein kleines Becherglas, ließ die Eiswürfel vorsichtig hineingleiten und rührte das Ganze mit dem Barlöffel um. Zack, den Trinkhalm ins Glas und fertig war der Cocktail.

»Bitte sehr«, sagte er.

»Vielen Dank«, nickte Jennifer.

»Danke«, sagte ich und schnappte mir anschließend die Laptoptasche.

Zusammen mit den Cocktails gingen wir an den ausgesuchten Tisch. Hier saßen wir etwas ungestörter, außer Hörweite des Barkeepers und der beiden Gäste am Tisch.

Jennifer probierte ihren Cocktail.

»Super«, schwärmte sie und verdrehte leicht die Augen. »So, Bill, jetzt will ich aber alle Informationen von dir bekommen!« Ihre Stimme klang sanft aber fordernd.

Ich erzählte ihr etwas über den Privatdetektiv John Smith und wie er Anfang der Woche mit einem Aktenkoffer vor meiner Haustür gestanden hatte.

Jennifer hörte mir aufmerksam zu.

Dann erzählte ich ihr von meinen Fundstücken und was ich bis zum derzeitigen Zeitpunkt darüber erfahren hatte. Sie hörte mir sehr interessiert zu und unterbrach mich mit der Frage: »Wäre es vielleicht denkbar, dass die technischen Geräte für deine Kopfschmerzen oder das Brummen in deinem Kopf verantwortlich sind?«

Ich stutzte und schlürfte an meinem Cocktail.

»Entschuldigung«, sagte ich gedankenvoll. »Daran habe ich noch gar nicht gedacht«, antwortete ich auf ihre Frage.

An der Geschichte mit dem goldenen Medaillon war sie sehr interessiert und wollte unbedingt wissen, wie es mir gelungen war, in diese Bank einzudringen. Ich erzählte ihr von dem Brief, der mit Geheimtinte geschrieben war, und dem Schließfachschlüssel mit der Nummer 418.

Dann erfuhr ich von Jennifer, dass ihr früher schon so manche Dinge an mir geheimnisvoll vorgekommen waren. Ihre Stimme klang leicht wütend. Welche Dinge meinte sie wohl? Ich wollte sie später danach fragen. Dann machte sie mir Vorwürfe, weil ich sie die ganze Zeit über angelogen hatte.

Ich bemerkte, wie sich ein Gefühl der Unruhe in ihre Wut mischte. Was sollten die Vorwürfe? Ich hatte sie keineswegs angelogen. Obwohl ich doch zugeben musste, dass ich mich ihr wesentlich früher hätte anvertrauen sollen.

»Entschuldigung«, sagte sie leise. »Eigentlich habe ich kein Recht dazu ...«

»Ist schon gut, Jennifer«, winkte ich ab. »Ich hätte dir schon ...«

»Wer war dieser Typ, der wieder von den Toten auferstanden war?«, unterbrach sie mich. »Erzähl mir von ihm«, forderte sie mich auf.

»Dieser Mistkerl«, flüsterte ich und bemerkte, dass ich dabei eine finstere Miene aufgesetzt hatte. »Sein Name ist Horyet«, sagte ich mit fester Stimme.

Jennifer trank an ihrem Cocktail und sah mich erwartungsvoll an. Natürlich wollte ich ihr die Geschichte über diesen mysteriösen Horyet nicht vorenthalten und überlegte, wo ich anfangen sollte.

»Wo ist er dir zum ersten Mal begegnet?«, fragte Jennifer.

Genau, dachte ich. Damit fange ich an. Ich begann damit, wie ich diesem Horyet im Londoner Park begegnet war. Jennifer hörte mir schweigsam zu, und ich wusste in diesem Augenblick nicht, ob sie mir die Geschichte abnahm. Als ich fertig war, trat ein kurzes Schweigen ein.

»Da hattest du aber Glück gehabt, dass diese beiden Männer aufgetaucht waren«, sagte sie. »Wer waren sie?«

Ich zuckte mit den Schultern.

»Vermutlich vom Geheimdienst«, flachste ich und lachte. »Keine Ahnung, wirklich«, sagte ich mit ernster Miene und ergänzte: »Aber, wenn ich so über alles nachdenke, hätten sie von irgendeiner Sondereinheit sein können.«

Zum krönenden Abschluss kamen wir auf den Namen ANDOR zu sprechen. Als sie von mir erfuhr, dass es sich dabei vermutlich um mich handeln könnte, verlor ihr Gesicht an Farbe. Sie wollte sofort etwas über die außerirdischen Monster und den Krieg erfahren, doch darüber konnte ich ihr nichts berichten.

Unsere Cocktails neigten sich dem Ende zu. Ich überlegte, ob ich noch einen Tequila Caliente bestellen sollte. Jennifer entschied sich für ein Wasser. Es war wohl vernünftiger nicht noch mehr Alkohol zu trinken, also wollte ich mir eine Cola bestellen und winkte den Barkeeper an unseren Tisch.

»Du bist also vermutlich, nun ja, dieser mysteriöse Andor?«, fragte sie nach, als der Barkeeper gegangen war.

»Ja«, nickte ich.

»Das ist alles schwer zu glauben«, schüttelte sie den Kopf.

»Kann ich nachvollziehen. Ich selbst verstehe so vieles noch nicht«, antwortete ich und schüttelte leicht den Kopf dabei.

»Warum wird dieser Krieg geführt? In welchem Sonnensystem befindet sich dein Planet?«, fragte sie.

»Es steht ja noch nicht fest, dass ich von einem anderen Planeten komme«, gab ich ihr zu verstehen. »Ich habe bis jetzt nur davon geträumt, einen Beweis gibt es nicht.«

»Aha.«

»Schau mich an, Jennifer. Sehe ich etwa wie ein Außerirdischer aus?«, flüsterte ich ihr zu.

Sie zögerte.

»Nein«, sagte sie schließlich. »Wie sieht denn ein richtiger Außerirdischer aus?«, lächelte sie charmant.

»Tja«, flüsterte ich. »Also ...«

Dann blitzten düstere Gedanken durch meinen Kopf. Konnte ein Außerirdischer einem Menschen ähneln? Die seltsamen Monster, die ich zu Gesicht bekommen hatte, hatten jedenfalls keine Ähnlichkeit mit einem Menschen. Aber dieser Horyet konnte sich verwandeln und war dann äußerlich nicht von einem Menschen zu unterscheiden.

Der Barkeeper brachte die Getränke und stellte sie auf den Tisch.

»Danke«, sagte ich und griff nach der Cola. Das tat gut. Jennifer griff nach dem Wasser und trank.

»Also, weißt du nichts über einen Krieg?«, hakte sie nach und kniff misstrauisch die Augen zusammen.

»Nein ... ehrlich nicht«, antwortete ich. »Ich habe wirklich keine Ahnung«, betonte ich.

»Ich habe da noch eine Frage ... Bill«, sagte sie gedehnt. »Warum gerade München?«

Die Frage kam spät, aber ... sie kam, dachte ich.

»Willst du es mir nicht verraten?«

Natürlich wollte ich Jennifer darüber nicht im Ungewissen lassen und erzählte ihr, dass ich auf der Suche nach irgend so einem Tor zur Ewigkeit war, das sich irgendwo in München auftun sollte. Wie dieses Tor aber genau aussah und wo es sich öffnen würde, konnte ich ihr nicht sagen. Ich wusste es einfach nicht.

Sie nippte nachdenklich an ihrem Wasserglas.

»Alles in Ordnung?«, fragte ich.

Blöde Frage, ging es mir durch den Kopf.

»Ja«, antwortete sie.

»Gut. Dann können wir ja ein Taxi rufen.«

»Taxi?«, fragte Jennifer erstaunt.

»Ich dachte, du bist vielleicht auch hungrig«, sagte ich.

»Okay, und wohin gehen wir?«, fragte sie gespannt.

Ich bemerkte, wie ich die Stirn krauste.

»Möchtest du thailändisch Essen gehen?«, fragte ich.

»Gerne«, nickte sie.

»Sollen wir zahlen?«, fragte ich.

Sie nickte und griff in die Handtasche.

»Ich lade dich ein«, sagte ich.

»Das ist aber nicht nötig.«

»Lass mich zahlen!«, sagte ich.

»Okay«, lächelte sie. »Danke.«

»Ich hab da eine Idee«, sagte ich und winkte dem Barkeeper zu.

Als er mir die Rechnung präsentierte, blieb mir für einen kurzen Moment die Luft weg. Ich wollte doch nicht die Einrichtung hier erwerben, lediglich die Getränke bezahlen. Dann fragte ich den Barkeeper nach einem thailändischen Restaurant. Natürlich empfahl er zuerst das Hotelrestaurant.

»Haben Sie noch einen anderen Tipp?«, fragte ich höflich.

»Das YUM kann ich sehr empfehlen«, sagte er und erzählte uns etwas von dem Restaurant und der thailändischen Küche dort.

Das Restaurant lag nicht weit von unserem Hotel entfernt – ungefähr zehn Minuten zu Fuß. Wir waren begeistert und ließen uns vom Barkeeper den Weg beschreiben. Dann verabschiedeten wir uns von ihm.

Der Barkeeper ging wieder zur Bar und bereitete für einen Gast einen Cappuccino zu.

»So ein Mist!«, fluchte ich leise, als wir gerade aufstehen und gehen wollten und ich hinter Jennifer jemanden auf uns zukommen sah.

Unerklärliche Phänomene

Ich blickte in Jennifers entsetzte Miene, als eine kräftige Männerstimme hinter ihr sagte: »Wo wollen sie beide denn so schnell hin?«

Giller, dieser Vollidiot, ging es mir durch den Kopf, kommt im falschen Moment.

»Wir wollten gerade gehen«, sagte ich ernst.

»Sie sind verhaftet, Clayton!«, sagte Giller in einem scharfen Ton.

Mir blieben die Worte im Hals stecken. Was sollte ich darauf antworten?

Jennifer runzelte die Stirn und betrachtete Giller gründlich, dann sagte sie in einem scharfen Ton: »Sie können nicht einfach jemanden verhaften!«

Die beiden Gäste am Tisch sahen schon zu uns herüber. Dieser dämliche Giller hielt wohl nichts von Diskretion.

»Haben Sie einen Haftbefehl?«, fuhr Jennifer den Polizeibeamten an.

Toll! Ganz toll! Das war mir jetzt aber wirklich peinlich. Damit hatten wir auch die Aufmerksamkeit des Barkeepers auf uns gezogen. Dieser Zwischenfall würde sich im ganzen Hotel herumsprechen. Ich malte mir schon aus, dass wir sicherlich bald von einer Flutwelle hungriger Reporter attackiert würden, die alles über Andor den Außerirdischen erfahren wollten. Ein Fressen für die Geier.

Jennifers stechender Blick, ließ Giller einen langen Augenblick zögern, doch dann sagte er mit fester Stimme zu Jennifer: »Meine Kollegen kommen gleich und bringen den Haftbefehl mit.« Giller wandte sich mir zu und zischte: »Was ist in meinem Büro passiert?«

Ich dachte in diesem Augenblick, dass es keinen Sinn machte, Giller die Wahrheit zu erzählen, denn ich ahnte, dass er mir eh nicht glauben würde, also schwieg ich.

»Sie haben alles demoliert«, fuhr Giller mich an. »Warum?«

Was konnte er schon machen? Er hatte keine Beweise, dass ich damit etwas zu tun hatte. Giller konnte mir nichts anhängen, davon war ich fest überzeugt.

»Sie sind für die Verwüstungen in meinem Büro und«, Giller holte Luft und beugte seinen Kopf vor, »in der Herrentoilette verantwortlich, Clayton.« Giller rümpfte die Nase.

Warum sollte ich die Tat gestehen und allein die Verantwortung für diesen ganzen Mist übernehmen? Schließlich war dieser Horyet an allem Schuld. Wäre er nicht aufgetaucht, wäre auch nichts passiert.

»Sie überlegen sich ein Geständnis«, mutmaßte Giller.

»Wer? Ich?«, stutzte ich und schäumte leicht vor Wut.

Der Typ hatte ja wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

»Ich weiß zwar noch nicht, was hier gespielt wird, aber ich werde es herausfinden«, drohte Giller mir mit einem eiskalten Blick.

Hoffentlich nicht, dachte ich und sagte: »Ich weiß gar nicht, wovon Sie reden.«

Giller schwieg. Dennoch bemerkte ich, dass meine Antwort ihn nicht überzeugt hatte. Giller würde mich und Jennifer abführen lassen. Ich dachte nach. Aber von wem? Giller war allein gekommen. Sollten wir einfach davonlaufen? Ich überlegte kurz. Natürlich, ich konnte vom Stuhl aufspringen, mir Jennifers Hand schnappen, und wir flohen zusammen aus der Bar wie Bonnie und Clyde. Aber was dann?

»Kommen Sie nicht auf dumme Gedanken«, warnte Giller mich eindringlich.

Hatte er etwa meine Gedanken gelesen?

Sein langjähriger Instinkt als Polizeibeamter, dachte ich. Verflucht! Dieser Giller weiß genau, dass ich etwas verschweige.

Ich wandte meinen Blick von Giller ab und Jennifer zu. Sie zuckte nur leicht mit den Schultern und verwickelte Giller rasch in ein Streitgespräch. Sie protestierte und forderte Giller auf, uns in Ruhe zu lassen, weil wir absolut nichts mit der Sache zu tun hatten, die er uns vorwarf.

Giller mein Vertrauen zu schenken, hielt ich für keine gute Idee. Ich könnte ihm sagen: Warten Sie, Giller! Hören Sie mir nur kurz zu. Also, mein Name ist Andor, und vermutlich komme ich von einem anderen Planeten. Natürlich war ich für die Verwüstung in Ihrem Büro mitverantwortlich. Schuld an allem ist aber Horyet. Wer ist Horyet?, würde er mich fragen. Er verfolgt mich schon eine ganze Weile und versucht mich zu töten. Ich habe ihn schon aus dem Flugzeug geworfen. Wie ich das gemacht habe, fragen Sie mich? Horyet ist durch die Flugzeugwand gefallen und hinabgestürzt, auf der Erde aufgeschlagen, hat überlebt und ist mir am Flugplatz auf der Herrentoilette wieder über den Weg gelaufen. Giller alles in Ordnung? Glauben Sie mir etwa nicht?

Also hielt ich es für das Beste den Mund zu halten, wollte ich nicht in der Klapsmühle landen.

Mist, das Brummen in einem Kopf geht wieder los, dachte ich.

Jennifer wandte sich von Giller ab.

»Ist dir nicht gut, Bill?«, fragte Jennifer besorgt, die wohl bemerkt hatte, dass mit mir etwas nicht stimmte.

»Kopfschmerzen«, antwortete ich nur und warf einen Blick auf meine Armbanduhr.

»Haben Sie noch einen wichtigen Termin?«, fauchte Giller mich an.

»Ja«, nickte ich. »Wenn Sie kurz erlauben, würde ich gerne mein Raumschiff umparken. Ich stehe nämlich im Halteverbot.«

»Die dämlichen Bemerkungen werden Ihnen in der Zelle vergehen«, drohte Giller mir mit einem finsteren Blick, der einen Zombie hätte töten können.

»Denken Sie daran, Clayton, bevor Sie den Warp-Antrieb einschalten«, hörte ich eine bekannte und ruhige Stimme hinter mir sagen, »hier gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung.«

Na, das ist ja super. Schlimmer kann es ja wohl nicht mehr kommen, dachte ich. Berger und Zink kommen mit dem Haftbefehl.

»Wie ich sehe, haben Sie schon mit dem Verhör angefangen, Giller«, sagte Berger missgelaunt.

»Ja«, stotterte Giller. »Ich dachte, dass wäre in Ihrem Interesse.«

Berger zog die Augenbrauen hoch, während Zink vorwurfsvoll sagte: »Natürlich war das in unserem Interesse, Giller.«

Das hörte sich für mich so an: Das hast du wirklich gut gemacht, Giller, du Idiot.

»Sie wollten doch nicht gerade gehen?«, sprach Berger mich an.

Ich überlegte kurz und sagte: »Hatten wir eigentlich vorgehabt.«

»Wir hatten gerade vorgehabt, in ein thailändisches Restaurant zu gehen«, sagte Jennifer.

Berger horchte.

»Das YUM«, sagte ich kurz. »Hat uns der Barkeeper empfohlen«, ergänzte ich.

»Eine sehr gute Wahl«, sagte Berger.

»Daraus wird ja wohl jetzt nichts mehr«, warf Giller ein.

Berger ignorierte die Bemerkung und sagte: »Ich habe noch ein paar Fragen an Sie, Clayton.«

Ich horchte.

»Ich nehme dann mal kurz an Ihrem Tisch Platz«, sagte Berger. »Kannst du bitte mit Giller an die Bar gehen?«, wandte sich Berger seinem Kollegen Zink zu.

»Okay«, sagte Zink.

»Was soll denn das?«, empörte sich Giller.

»Ich habe mit Herrn Clayton etwas zu bereden.«

»Ja, aber ...«, fing Giller an. »Kommen Sie!«, forderte Zink Giller auf.

Natürlich war ich in diesem Augenblick etwas verwirrt. Warum wollte Berger mit mir reden? Warum wollte er mich nicht festnehmen und verhören?

Giller und Zink gingen zur Bar. Ich hätte niemals gedacht, dass Berger in der Position war, Giller Befehle zu erteilen. Wie man sich doch irren konnte. Als der Barkeeper Zink ein Glas Wasser servierte, sah ich, wie die beiden Gäste am Tisch aufstanden, uns noch einen kurzen Blick zuwarfen und die Bar verließen.

»Auch Sie, Frau Parker, darf ich bitten, mich mit Herrn Clayton kurz allein zu lassen«, sagte Berger höflich.

»Das kommt nicht in Frage!«, zischte Jennifer ihn mit festem Blickkontakt an.

»Ich habe nicht vor Herrn Clayton zu verhaften«, erwiderte Berger mit gelassener Stimme.

Jennifer sah mich an. Ich nickte ihr zu.

»Okay«, sagte Jennifer und ging zur Bar.

Ich sah, wie sie zögerte, bevor sie sich neben Zink auf einem Barhocker niederließ.

Berger saß mir gegenüber. Sein Blick verriet mir, dass er neugierig war.

»Gab es in den letzten Tagen außergewöhnliche Vorfälle, über die Sie mir berichten möchten?«, fragte er freundlich.

»Was wollen Sie denn hören?«

»Die Wahrheit.«

»Wahrheit?«

»Soll ich Giller zurück an den Tisch bitten?«

Ich wandte mich kurz der Bar zu.

»Nein«, sagte ich nur.

»Gut«, sagte Berger gelassen, »dann fang ich mal an.« Ich erfuhr von Berger, dass er und sein Kollege Zink für den Militärischen Abschirmdienst arbeiteten.

»Ein Geheimagent?«, fragte ich erstaunt.

»Ja, kann man so sagen. Ich und mein Kollege sind in der Abteilung II: Extremismus-, Terrorismus-, Spionage- und Sabotageabwehr tätig«, erklärte Berger mir und musterte mich dabei.

»Sollten wir uns dann nicht ein geheimeres Örtchen für unsere Unterhaltung suchen?«, scherzte ich.

»Außer dem Barkeeper ist ja niemand mehr hier«, sagte Berger mit ernster Miene. »Und er kann uns von hieraus nicht verstehen.«

Seine Stimme klang ruhig. Wenn ich so darüber nachdachte, machte er auf mich einen ehrlichen Eindruck. Berger erzählte, dass beide Blutanalysen aus Gillers Büro nicht menschlichen Ursprungs waren und eine der Blutanalysen nahezu mit der Blutanalyse von meinem damaligen Krankenhausaufenthalt übereinstimmte. Dann sagte er: »Sie sind nicht von hier.«

Natürlich bin ich nicht von hier, dachte ich. »Ich komme aus London«, sagte ich.

»Das meine ich nicht, Clayton«, sagte Berger und beugte seinen Oberkörper vor. »Sie kommen nicht von der Erde.«

Bums.

Ein Schlag ins Gesicht hätte nicht schlimmer sein können. Ich wusste nicht so recht, was ich auf diese Bemerkung antworten sollte. Berger glaubte also, dass ich ein Außerirdischer war. Waren die Blutanalysen wirklich ein Beweis dafür? Eine der Blutanalysen gehörte zu Horyet, und er war ganz bestimmt ein Außerirdischer. Im Moment fühlte ich mich gar nicht wohl in meiner Haut.

»Sprachlos?«, fragte Berger.

»Tja.«

Meine Träume. Die Begegnungen mit Horyet. Andor. Vielleicht hatte Berger ...

»Sie wissen es nicht?«, unterbrach Berger meine Gedanken.

»Ich hab keine Ahnung, wer ich bin«, sagte ich schließlich.

»Dann erzählen Sie mir, was Sie wissen, Herr Clayton.«

Konnte ich Berger und seinem Kollegen wirklich vertrauen? Was wäre, wenn ich ein Außerirdischer wäre, würden Berger und Zink mich dann ...

»Irgendjemandem müssen Sie vertrauen, Herr Clayton«, sprach Berger mich an. »Wenn ich Sie hätte einsperren wollen, wäre ich hier mit einer Einheit aufgetaucht.«

Okay, das klang irgendwie plausibel, ging es mir durch den Kopf.

»Sie würden mir sowieso nicht glauben. Das können wir uns alles sparen«, erwiderte ich.

»Hat sie Ihnen geglaubt?«, fragte Berger und deutete auf Jennifer.

»Wie kommen Sie darauf, dass ich ihr etwas erzählt haben könnte?«

»Nur so ein Gefühl von mir, als ich Sie beide eben zusammen gesehen hatte.«

Dieser Berger war mir ein wenig unheimlich.

»Ich kann Ihnen etwas über meine seltsamen Träume erzählen.«

Berger hob die Augenbrauen. Dann warf er den Kopf in den Nacken und lachte.

»Ich meinte über meine ... wie soll ich es sagen ... meine unerklärlichen Träume.« Ich holte Luft, und mir wurde klar, dass ich wieder nicht die richtigen Worte gefunden hatte. »Ich kann Ihnen etwas über Horyet erzählen und berichten, was wirklich in Gillers Büro passiert ist.«

»Okay, das ist doch schon mal ein Anfang«, sagte Berger mit erwartungsvollem Blick.

Da wir immer noch ungestört und keine Gäste nachgekommen waren, erzählte ich Berger alles, was ich eben auch Jennifer berichtet hatte. Berger war ein aufmerksamer Zuhörer. Er unterbrach mich nur selten.

Ich konnte es kaum glauben und schaute Berger verwundert an. Machte Berger mir etwas vor, oder glaubte er mir tatsächlich? Er hatte immerhin meine Verhaftung verhindert. Als ich Berger alles erzählt hatte, was ich wusste, sagte ich: »Ich hoffe, Sie halten Ihr Wort.«

»Ich kann Ihnen versichern, Herr Clayton, dass niemand etwas hierüber erfahren wird.«

Ich warf einen skeptischen Blick zur Bar.

»Meinen Kollegen muss ich einweihen«, gestand Berger mir, »aber Giller erfährt kein einziges Wort von unserem Gespräch.«

Gut! Ich konnte verstehen, dass er seinem Kollegen meine Geschichte nicht verschweigen konnte.

»Es ist klar, dass ich meinen Vorgesetzten auch informieren muss«, sagte Berger.

»Einverstanden«, sagte ich.

»Aber sonst wird niemand von unserem Gespräch etwas erfahren«, bestätigte Berger mir mit einem festen Blick.

Ich nickte.

»Ich denke, wir sollten zusammenarbeiten. Was halten Sie davon?«, fragte Berger und wartete auf meine Antwort.

»Wieso glauben Sie mir?«, fragte ich.

Irgendwie kam mir das seltsam vor.

»Ich habe Ihnen noch nicht alles erzählt.« Er rückte ein Stück näher. »Ich bin kein Wissenschaftler, deswegen versuche ich es mal mit meinen Worten zu erklären. Also, in der Nähe des Saturns haben unsere Wissenschaftler eine ungewöhnliche Erscheinung entdeckt.« Jetzt hörte ich gespannt zu. »Dort wird an einem Punkt im Weltraum Licht angezogen. Man hat mir erklärt, dass sich dort ein Schwarzes Loch oder ein Wurmloch befinden könnte. Dann tauchte aus diesem Punkt ein Lichtstrahl auf, und danach verschwand das Phänomen wieder. Etwas später haben Wissenschaftler eigenartige Messwerte in der oberen Erdatmosphäre erhalten. Nach all diesen seltsamen Ereignissen, glaube ich Ihnen, Herr Clayton. Sonst wäre ich wohl ein überaus großer Dummkopf.«

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Mit Berger und Zink an meiner Seite, konnte ich mich glücklich fühlen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Giller das Sagen gehabt hätte.

Berger überreichte mir eine Visitenkarte.

Cool! Eine Visitenkarte vom Geheimdienst, dachte ich. Ob ich sie geheim halten muss?

»Ach, noch etwas Herr Clayton.« Ich hörte ihm wieder aufmerksam zu. »Verdrücken Sie sich nicht! Ich finde Sie, darauf können Sie sich verlassen, und dann behüte Sie Gott.«

Warum sollte ich das tun? Aber irgend so eine oder andere Bemerkung musste ein Geheimagent wohl loswerden.

»Dann werde ich mal gehen«, sagte Berger.

»Äh ... okay.«

Berger stand auf und ging an die Bar. Ich folgte ihm schnell. Jennifer sah erwartungsvoll zu mir herüber. Ich konnte ihr die Aufregung ansehen.

»Herr Clayton wird sich wieder mit uns in Verbindung setzen«, sagte Berger, als er seine Kollegen erreicht hatte.

»Nehmen wir ihn nicht mit aufs Revier?«, fragte Giller und machte einen verstörten Eindruck.

»Nein«, antwortete Berger höflich, »das ist nicht mehr nötig.«

Ich sah Giller an, dass er mit dieser Aussage nicht zufrieden war, dennoch gab er keine Widerworte.

Zink schien weniger überrascht zu sein. Er griff in aller Ruhe nach seinem Glas Wasser und trank es aus. Dann verabschiedeten sich Berger und Zink von mir und Jennifer. Giller schwieg.

Bevor sie die Bar verließen, ermahnte Berger mich nochmals: »Vergessen Sie nicht, mich anzurufen!«

»Wie kommt es, dass Berger dich einfach so gehen lässt?«, fragte Jennifer.

»Wir beide haben ein intensives Gespräch geführt«, antwortete ich.

Jennifer sah verwundert aus.

»Ich werde dir beim Essen alles erzählen«, sagte ich.

Sie nickte einverstanden.

»Übrigens, Berger und Zink arbeiten für den Militärischen Abschirmdienst.«

Jennifer machte große Augen.

»Oh!«, sagte sie erstaunt. »Bin gespannt, was du mir zu berichten hast.«

Rendezvous mit Hindernissen

Hunde, die viel bellen, beißen nicht? So war das auch bei Giller. Dieser dämliche Bulle gab sich besonderes lautstark und hatte doch nichts in der Hand, um mich zu verhaften.

Wir verließen etwas bedrückt das Hotel in Richtung Hochbrückenstraße und stürzten uns in das Abenteuer: Entdeckungsreise neues Restaurant. In exotischen Ländern, abseits der touristischen Metropolen, war die Suche nach einem guten Essen wie ein Glücksspiel, wusste man vorher doch nicht, ob man nachher über der Kloschüssel das Essen wieder hergeben musste. Doch wir waren in Deutschland, und da war ich ziemlich zuversichtlich, dass uns hier so eine Sauerei nicht so leicht passieren konnte – jedoch auszuschließen war es nicht. Aber das YUM wird schon gut sein, schließlich hatte der Barkeeper es empfohlen, und auch Berger fand die Wahl sehr gut.

Der Fußweg bis zum YUM würde ungefähr zehn Minuten dauern, also erzählte ich Jennifer, was ich mit Berger eben besprochen hatte. Sie hakte sich bei mir ein und lauschte neugierig. Ich wurde ein wenig nervös, so nahe war ich ihr noch nie gewesen.

Kopf frei machen und weitererzählen, sagte ich mir streng vor. Wir überquerten eine Straße und gingen dann den Radlsteg entlang.

»Wann willst du Rossellini die Wahrheit sagen?«, fragte Jennifer ganz unerwartet.

»Tja«, fing ich langsam an und kam ins Stottern. Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet. »Ich werde wohl noch etwas damit warten, bis ich genaueres erfahren habe.«

War das jetzt eine korrekte Antwort auf ihre Frage?

»Ich denke, Roberto sollte die Wahrheit erfahren.«

»Da bin ich ganz deiner Meinung, Jennifer«, stimmte ich ihr zu. »Doch ich glaube, es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür.«

»Warum?«

Ich zuckte mit den Schulter.

Wir waren am Ende der Straße angekommen.

»Links oder rechts?«, fragte ich.

»Oh!«, sagte Jennifer. »Auf jeden Fall müssen wir in Richtung Viktualienmarkt gehen«, ergänzte sie.

»Ja«, sagte ich langsam und schaute nach links die Westenriederstraße hinunter.

»Nach rechts«, sagte sie.

»Wie kommst du darauf?«

»Weibliche Intuition.«

Ich lächelte leicht, und wir bogen nach rechts in die Westenriederstraße ein. Sollte ich die Passantin fragen, die uns gerade entgegenkam? Ich ließ sie an uns vorbeigehen und wollte mich auf die weibliche Intuition verlassen.

Ein kurzer Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass es schon 19:00 Uhr war.

»Berger hat verdammt viele Fragen gestellt«, knurrte ich.

»Ein Glück, dass er dir geglaubt hat.«

»Ja, sonst hätten wir unser Abendessen hinter Gittern einnehmen können.«

»Hoffentlich ist das Restaurant nicht ausgebucht«, lenkte Jennifer auf ein anderes Thema ab.

Ups. Das wäre nicht so gut. Mein Magen rebellierte schon. Der Hunger quälte mich.

»Hm«, kam es mir über die Lippen.

»Lassen wir uns mal überraschen«, sagte sie lässig. »Ah, der Viktualienmarkt«, sagte sie fröhlich.

Okay, wir waren also auf dem richtigen Weg.

»Jetzt müssen wir zur Blumenstraße«, sagte ich.

Sie nickte mir stumm zu.

»Tja ...«, rätselte ich und fragte den nächsten Passanten nach dem Weg. So kurz vor dem Ziel wollte ich kein Risiko mehr eingehen. Die Blumenstraße war schnell gefunden. Die Spannung in mir wuchs, als wir nach links in die Utzschneiderstraße einbogen.

»Das hier soll es sein?«, fragte ich nachdenklich, als wir vor dem Restaurant standen.

Normales Haus. Normaler Eingang. Was hatte ich mir vorgestellt? Ich wusste es auch nicht, als ich kurz darüber nachdachte. Ich hob den Blick und schaute mir die Aufschrift an: YUM THAI KITCHEN & Bar.

»Was hast du?«, fragte Jennifer.

»Nichts.«

»Nichts?«

»Na ja«, kam es langsam aus mir heraus, »den Eingang hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Pompöser.«

»Lass uns hineingehen.«

»Okay«, sagte ich leise und hoffte, das Richtige zu tun.

Ich öffnete die Eingangstür und ließ Jennifer den Vortritt. Wir betraten den Gastraum.

Oh! Es war wirklich erstaunlich. Der erste Eindruck überwältigte mich. Mein Blick fiel nach links auf die Bar, an der schon vier Gäste saßen. Auch ansonsten war das Lokal gut besucht, und ich hoffte, dass nicht alle freien Tische reserviert waren.

Ein Kellner kam und fragte, ob wir reserviert hätten. Nachdem Jennifer die Frage verneinte, brachte er uns zu einem freien Tisch. Wir folgten dem Kellner durch einen Durchgang, der sich rechts neben der Eingangstür befand. Der kleine Raum war sehr gemütlich eingerichtet, und die Tische waren grün eingedeckt, dennoch bat ich den Kellner um einen anderen Platz. Die großen Wandspiegel sagten mir im Augenblick nicht zu.

Der Kellner lächelte freundlich und zeigte uns einen Tisch am Fenster mit Blick auf die Bar. Okay, der Platz sagte mir zu. Als Jennifer zufrieden nickte, zogen wir unsere Jacken aus. Ich stellte die Laptoptasche auf den freien Stuhl, dann legten wir die Jacken darüber und nahmen Platz. Ich hatte den Stuhl am Fenster gewählt und Jennifer den neben mir.

Hätte ich ihr aus der Jacke helfen sollen?

»Es ist schön hier«, sagte sie.

»Ja«, antwortete ich.

Der Kellner kam mit zwei Speisekarten zurück.

Ich überlegte, wann mein letztes Date gewesen war. Es war schon solange her, dass ich mich nicht daran erinnern konnte.

»Alles in Ordnung, Bill?«

Als ich Jennifers sanfte Stimme hörte, schrak ich zusammen.

»Natürlich«, stammelte ich verlegen.

Ich wandte mich dem Kellner zu.

»Dankeschön«, sagte Jennifer, als sie die Speisekarte entgegennahm.

Ich bedankte mich ebenfalls, als der Kellner mir die Karte gab. Der Kellner verschwand. Der Mann war mir schon mal sympathisch, da er nicht sofort nach unseren Getränkewünschen fragte und uns in Ruhe aussuchen ließ.

An der Theke führte noch ein Gang vorbei. An dieser Wand standen Tische für zwei Personen, soweit ich das erkennen konnte. Ich vermutete, dass sich im hinteren Teil die Küche und Toilettenräume befanden. Die gemauerte Wand mit Nischen war rabenschwarz. Die Dekoration passte gut zu der dunkelbraunen Holzeinrichtung.

»Hast du keinen Hunger?«, fragte Jennifer.

»'tschuldigung«, sagte ich verlegen. »Habe gerade die Einrichtung bewundert«, erklärte ich.

Ich bemerkte, wie der Kellner einen Blick zu uns herüberwarf. Jetzt hatte ich meine Chance vertan. Er würde gleich kommen und fragen, was wir bestellen wollten. Doch er brachte nur Getränke an den Nachbartisch und ließ uns in Ruhe aussuchen. Die Gerichte klangen alle sehr verlockend. Wofür sollte ich mich entscheiden? Auf jeden Fall nahm ich mir vor, das komplette Programm zu bestellen: Vorspeise, Hauptgericht und Dessert.

Wein oder Bier? Ich warf einen kurzen Blick auf den Getränketeil und entschied mich für einen Weißwein. Als ich Jennifer meine Getränkewahl mitteilte, nickte sie mir zu und suchte sich auch einen Weißwein aus.

Okay. Getränke haben wir ausgesucht. Ja, das nehme ich, dachte ich und sagte: »Satay Gai.«

»Wie bitte?«

»Ich nehme als Vorspeise Satay Gai«, antwortete ich freudig und las noch mal im Stillen den Text dazu: Hähnchenfilet-Streifen auf Holzspieß, in Thai-Kräutern und Kokosmilch mariniert, am Tisch gegrillt, dazu Thai-Pickles und hausgemachte Erdnuss-Sauce.

Ich wandte mich Jennifer zu, die sich wohl auch den Text durchgelesen hatte, denn sie schwärmte: »Hört sich verdammt gut an.« Jennifer schwieg. »Ich nehme die Tom Kha Gai Suppe«, teilte sie mir ihre Wahl mit.

Jennifer hatte sich für eine aromatische Hähnchen-Kokos-Suppe mit Galanga, Pilzen, Zwiebeln, Tomaten, Kaffir-Blättern und Limetten entschieden.

Schweigsam studierten wir die Hauptgerichte. Mir fiel die Auswahl schwer. Jennifer war schneller als ich und sagte deutlich: »Ich nehme die Entenbrust mit schwarzen Bohnen.«

Die Entengerichte waren mir auch schon ins Auge gefallen. Ich kratzte mich am Ohr. Was sollte ich bloß bestellen?

»Und du?«, fragte Jennifer.

»Tja, also ...«, sagte ich und las mir gerade die Empfehlungen des Hauses durch.

»Ich glaube ...«, sagte ich langsam und überlegte noch, »... ich nehme die gebratenen Meeresfrüchte mit Chili-Sauce.« Oh, da ist Knoblauch drin!, stutzte ich.

»Hatte ich mir auch zuerst bestellen wollen«, sagte Jennifer.

Knoblauch war bestimmt in allen Gerichten enthalten. Aber in diesem hier war es extra erwähnt. Hatte sich Jennifer wegen der extra Portion Knoblauch ein anderes Gericht ausgesucht?

»Ich nehme doch die gebratene Hähnchenbrust mit Curry und frischem Chili«, entschied ich schließlich.

»Hört sich auch sehr verlockend an«, nickte Jennifer mir zu.

»Bestellst du dir auch einen Nachtisch?«, fragte sie.

»Ja«, antwortete ich. »Und du?«, fragte ich schnell.

»Später«, sagte sie.

»Dann lassen wir uns später noch einmal die Karte geben«, schlug ich vor.

»Ja.«

»Sollen wir bestellen?«, fragte ich.

»Ja, gerne.«

Ich wandte mich der Bar zu und suchte den Kellner. Er bediente gerade an einem Tisch neben der Theke.

Jennifer lächelte mich an und sagte mit glänzendem Blick: » Es gefällt mir hier.«

Der Kellner kam an unseren Tisch und fragte uns freundlich nach unseren Wünschen. Wir gaben die Bestellung auf.

Soll ich mit einem Gespräch über mich oder diesen Horyet beginnen?, überlegte ich. Jennifer schwieg, und ich tat es ihr nach.

Der Kellner brachte die Getränke, danach sagte Jennifer: »Ich komme gleich wieder.«

»Okay.«

Jennifer stand auf und ging in Richtung Toilette. Ich blickte ihr auffällig hinterher.

Was machst du denn da, Bill?, ermahnte ich mich eindringlich.

Nun blieb mir ein wenig Zeit. Sollte ich ein Gespräch über die Arbeit mit ihr anfangen? Nein, dann würden wir sicherlich wieder auf mich und Horyet zu sprechen kommen. Mit einem Mal regten sich Zweifel in mir. Wäre ich doch allein nach München geflogen. Ich hätte bei Rossellini darauf bestehen sollen. Sollte ich Jennifer verlassen und mich allein auf die Suche nach diesem verflixten Tor machen? Was wäre, wenn ich Horyet begegnen würde und Jennifer dann bei mir wäre? Ihr könnte etwas zustoßen. Das würde ich mir nie verzeihen.

»Ja«, sagte ich und hob den Blick.

Ups.

Ich hätte schwören können, dass jemand etwas zu mir gesagt hatte.

Blödsinn.

Hirngespinst.

Doch da war wieder diese Stimme. Sie war in meinem Kopf. Wurde ich langsam verrückt?

Bill, Bill, du musst dich zusammenreißen, dachte ich, sonst landest du eines Tages in der Klapsmühle.

»Du kannst nicht sterben«, sagte die Stimme zu mir.

»Wie bitte?«, flüsterte ich und hoffte, dass ich nicht zu laut gesprochen hatte. »Wer bist du?«

»Deine Mutter«, sagte die Stimme.

Mutter? Ich habe eine Mutter? Natürlich habe ich eine Mutter. Jeder Mensch hat eine Mutter ... Nur war ich kein Mensch. Was waren das wieder für unsinnige Gedanken?

»Du kannst nicht so sterben, wie andere Lebewesen«, bläute mir meine Mutter wieder ein. »Hundertprozentig, Bill.«

War ich vielleicht wie Horyet? Konnte ich aus einem Flugzeug springen und würde überleben? Wahnsinn, Bill, das war ein wahnsinniges Gefühl.

Stopp! Mutter sagte, ich könnte nicht so sterben wie andere Lebewesen. Aber sie sagte nicht, dass ich ein Unsterblicher wäre. Also konnte der Tod auch bei mir zuschlagen. Aus der Traum vom ewigen Leben. Aus und vorbei, Bill!

Ich stutzte plötzlich. Wo blieb Jennifer? Wo waren die anderen Gäste abgeblieben? Ich saß immer noch auf dem Stuhl – jedoch war ich ganz allein im Restaurant. Niemand war hier, außer mir. Ich wandte mich rasch zur Theke. Wo war das ganze Personal? Verschwunden?

HORYET, schoss es mir durch den Kopf.

Hatte dieser Typ seine Finger im Spiel? Würde er gleich auftauchen und mir wieder einen Kampf aufzwingen. Ich musste an mein Erlebnis mit diesem Scheißkerl im Flugzeug denken und beschloss, ihn ein für allemal loszuwerden.

Ich kratzte mich am Ohr und war total verwirrt.

Oder träumte ich etwa wieder?

»Andor«, sagte eine weibliche Stimme.

Ich wandte mich nach rechts der Stimme zu. Wer war diese Frau und woher kam sie so plötzlich? Ich hatte sie irgendwo schon einmal gesehen.

»Ja«, sagte ich gespannt und stand verwundert auf.

Ja, dachte ich. Sie ist mir schon oft in meinen Träumen begegnet.

Also lag die Vermutung nicht fern, dass ich wieder einmal träumte.

Sie kam auf mich zu und umarmte mich stürmisch. Es fühlte sich total echt an. »Ich habe immer fest daran geglaubt, dass du am Leben bist.«

Sie ließ mich wieder los. Ich war so überrascht, dass ich wie angewurzelt dastand und sie anstarrte.

»Komm mit mir, Andor«, sagte sie sanft. »Ich will dir etwas zeigen.« Sie strahlte ein vertrautes Lächeln aus.

Konnte ich ihr denn wirklich vertrauen? Horyet könnte sie geschickt haben, um mir eine tödliche Falle zu stellen. Trotzdem griff ich nach ihrer Hand, und plötzlich standen wir an einem kleinen See. Es war ein warmer Tag, mit einer kühlen Brise, die durch die Laubbäume am Seeufer wehte.

»Erinnerst du dich an diesen Ort?«, fragte sie leise.

»Er kommt mir bekannt vor«, antwortete ich. »Wie ist dein Name?«, fragte ich.

»Ranja«, sagte sie nur.

»Aha«, sagte ich. »Mein Name ist Bill«, stellte ich mich ihr vor. »Bill Clayton.«

»Bill?«, stutzte Ranja und sah mich verwundert an. »Hast du deinen Namen geändert?«, fragte sie nach.

»Nein«, schüttelte ich den Kopf und wunderte mich über ihre Frage, während sie wieder stutzte.

Sie war eine zierliche, junge Frau, mit kurzen blonden Haaren und grünen Augen. Sie lächelte glücklich und sprühte nur so vor guter Laune. Ich betrachtete mir die vielen Sommersprossen auf ihrer Nase.

»Es hat lange gedauert«, sagte sie und hob einen Stein auf und ließ ihn über das Wasser hüpfen.

»Was?«, fragte ich.

»Bis wir dich gefunden haben«, sagte sie, »und mit dir Kontakt aufnehmen konnten.«

Ich verstand nicht ganz und war verwirrt.

»Du bist sehr weit weg von Zuhause, Bill.« Ihre Fröhlichkeit verschwand. »Wir wissen noch nicht, wie wir dich zurückholen können.«

Ich schwieg.

»Aber wenigstens können wir zusammen reden«, sagte sie und zeigte mir ein zartes Lächeln.

»Und wie ist das möglich?«, fragte ich, obwohl mir noch viele andere Fragen durch den Kopf schossen, aber irgendwo musste ich ja anfangen.

»Wir haben eine Sonde durch ein Wurmloch geschickt und dein Signal empfangen ...«, erklärte sie.

Wurmloch? Sonde? Signal?

»... dein Kommunikator«, hörte ich sie sagen.

»Was für ein Kommunikator? Wie sieht er aus?«

»Er ist rund und ...«

»Ah, das Ding«, unterbrach ich sie.

»Du weißt, wovon ich rede?«

»Ja«, nickte ich.

»Wie kommt es, dass ich jetzt an einem See stehe?«

»Ich dachte, es würde dir gefallen.«

»Ja, das tut es«, sagte ich, aber das war eigentlich nicht die Antwort, die ich erwartet hatte.

»Wir haben leider nicht mehr viel Zeit.«

Darmowy fragment się skończył.

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ISBN:
9783752913668
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
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