Czytaj książkę: «Türchen öffne dich»

Czcionka:

Türchen öffne dich

Ein erotischer Adventkalender


Autoren

Emilia Jones, Lilly An Parker, Christiane Gref, Katinka Uhlenbrock, Jennifer Schreiner, Lara Sailor, Jean Sarafin und Tobias Bachmann entführen in »Türchen öffne dich« in lustvolle Adventwelten und erotische Fantasien, zu prickelnden Weihnachtstagen und verführerischen Spielen rund um die (be)sinnlichsten Feiertage.

Probieren Sie Fessel- oder Kerzenwachsspiele, fiebern Sie mit beim »Blind Date« oder lassen Sie sich einfach bei einer gekonnten »Massage« verwöhnen. Haben Sie sich schon immer für unser Business-Angebot vom »Office Escort« interessiert oder wollten erotische Fotos machen? Stehen Sie auf Weihnachtsüberraschungen, -rollenspiele oder zuckersüße Versuchungen?

Dann sind Sie hier genau richtig, denn hinter jedem der 24 Türchen wartet eine neue Geschichte oder eine spannende Fortsetzung darauf gelesen zu werden.

Allein, zu zweit … oder …

Türchen öffne dich

Ein erotischer Adventkalender



ELYSION-BOOKS TASCHENBUCH

BAND 4077

1. Auflage: September 2014

VOLLSTÄNDIGE TASCHENBUCHAUSGABE

ORIGINALAUSGABE

© 2014 BY ELYSION BOOKS, LEIPZIG

ALL RIGHTS RESERVED

UMSCHLAGGESTALTUNG: © Jaqueline Zweck

www.jdesign.at FOTOS: © Bigstock LAYOUT & WERKSATZ: Hanspeter Ludwig www.imaginary-world.de Korrektorat und Lektorat: Inka-Gabriela Schmidt www.das-elfenkind.de

PRINTED IN POLAND

ISBN 978-3-942602-56-3

Inhalt

1.Heißes Kerzenwachs

Emilia Jones

2.Irgendwas mit »M«

Christiane Gref

3.Fesselspiele

Jennifer Schreiner

4.Beratungsgespräch

Jean Sarafin

5.Das Klavier

Lara Sailor

6.Backe, Backe … Weihnachtsüberraschung

Katinka Uhlenbrock

7.Blind Date

Lilly An Parker

8.Massage

Lara Sailor

9.Marias Katze

Tobias Bachmann

10.Das Foto

Christiane Gref

11.Pimp my fuck: Traumsex

Jennifer Schreiner

12.Erotiklesung

Lara Sailor

13.Weihnachtsschleckerei

Katinka Uhlenbrock

14.Ein Weihnachtsrollenspiel

Emilia Jones

15.Fick mich – weil du darfst

Jennifer Schreiner

16.XXX-Mas

Lara Sailor

17.Der Engel der Liebe

Christiane Gref

18.Zuckersüße Verführung

Emilia Jones

19.Blind Date

Lara Sailor

20.Die Weihnachtsüberraschung

Jennifer Schreiner

21.Merry XXX-Mas

Lilly An Parker

22.Merry XXX-Mas

Lilly An Parker

23.Merry XXX-mas

Lilly An Parker

24.Merry XXX-Mas

Lilly An Parker

1.Heißes Kerzenwachs

Emilia Jones


Der Shiraz schmeckte süffig und fruchtig. Nora leckte sich die Lippen. Sie konnte nicht genug davon bekommen. Dabei war es noch früh am Abend – genauer gesagt Heiligabend – und sie hatte soeben ihr zweites Glas Rotwein geleert.

Nora saß allein in ihrer Wohnung. Auf dem Wohnzimmertisch vor ihr standen ein Miniatur-Weihnachtsbaum und eine geleerte Nudelbox vom Asiaten nebenan.

Schuld daran war Moritz. Ihr langjähriger Freund hatte sie kurz vor den Feiertagen sitzen lassen. So kurz vorher, dass Noras gesamter Familien- und Freundeskreis längst Pläne hatte, in die sie einfach nicht mehr hinein passte. Ihre Eltern machten eine Kreuzfahrt, ihre Schwester war bei der Verwandtschaft ihres Mannes eingeladen und ihre Freunde … Nora seufzte … ja, die hatte sie nicht unbedingt der Reihe nach abtelefonieren wollen, um ihnen ihr Leid zu klagen. Die Standpauke ihrer zwei besten Freundinnen, Ariane und Bibbi, hatte ihr gereicht. Sie sollte doch bitte die Arschbacken zusammen kneifen und die Feiertage Feiertage sein lassen. Im nächsten Jahr wird alles anders. Sie würde schon sehen.

Zu allem Überfluss hatte Bibbi ihr dann auch noch geraten, bei ihrem neuen Nachbarn zu klingeln und zu fragen, ob der an Heiligabend noch frei wäre. Nora schnaufte, als sie daran dachte. Das sollte wohl ein Witz sein!

Ein einziges Mal war sie ihrem neuen Nachbarn bisher begegnet, als er beim Einzug seine Klamotten die Treppen hinauf geschleppt hatte. Anstatt zu fragen, ob sie ihm helfen könnte, wäre Nora bei seinem Anblick beinahe ohnmächtig zusammen gebrochen. Sein Körper schien geradezu göttlich durchtrainiert zu sein, soweit sie das durch seine Kleidung hatte beurteilen können. Sein Gesicht war braun gebrannt, als käme er gerade aus dem Sommerurlaub. Die Haare hingen ihm in wilden blonden Locken bis auf die Schultern. Und erst diese strahlend blauen Augen und sein umwerfendes Lächeln!

Allein die Erinnerung an ihre Begegnung ließ Noras Knie weich werden. Ein solcher Mann verbrachte die Weihnachtstage niemals allein. Ganz sicher. Vermutlich hatte er zehn Frauen an jedem Finger und würde sich gar nicht entscheiden können, mit welcher von ihnen er unterm Weihnachtsbaum sitzen wollte.

Nora schenkte sich ihr drittes Glas Rotwein ein. Allmählich spürte sie, wie ihr der Alkohol zu Kopf stieg. Er machte sie ein wenig schwindelig, brachte allerdings auch ihre Fantasien gehörig auf Touren. So begann sie doch ernsthaft zu überlegen, wie es wohl wäre, die Frau unterm Weihnachtsbaum ihres Nachbarn zu sein.

Er hieß Elias, und sie flüsterte seinen Namen vor sich hin, als hingen ihre Lippen an seinem Ohr und als würde sie sanft ihren Atem über seine Wange hauchen. Heiß-kalte Schauder fuhren ihr durch ihre Glieder, als sie sich dann auch noch vorstellte, wie er ihr die Kleider abstreifte.

Sie trug ihren seidenen, rosa Morgenmantel. Darunter hatte sie lediglich ihre weiße Spitzenunterwäsche am Leib. Warum sie an Heiligabend allein mit Rotwein und Nudelbox in ihrem Wohnzimmer saß und dabei derart gekleidet war, wusste sie selbst nicht. Vielleicht hatte sie ja schon vorher ernsthaft über Bibbis Vorschlag nachgedacht, sagte sie sich, verwarf diese Vermutung aber gleich wieder. Sie wusste selbst viel zu gut, dass sie es nach dem Duschen schlichtweg nicht für nötig gehalten hatte, sich etwas »Richtiges« anzuziehen. Wozu auch?

Ein weiterer Schluck Rotwein ließ ihren Körper schwer werden. Sie lehnte sich im Sofa zurück, kuschelte sich tief ein und schloss die Augen. Das Bild von Elias tauchte vor ihr auf, wie er da stand und sie in seine starken Arme nahm. Sie konnte spüren, wie er sich an sie schmiegte, wie hart seine Muskeln waren. Aber nicht nur das. Auch vorne an seiner Hose gab es eine Stelle, die sich ausbeulte und sich fest gegen ihren Unterleib presste.

Nora grinste in sich hinein. Dieser Tagtraum gefiel ihr immer besser. Sie biss sich auf die Unterlippe, als sie sich vorstellte, wie Elias damit anfing, kleine sanfte Küsse in ihrer Halsbeuge zu verteilen. Wie er schließlich mit der Zungenspitze über ihre Haut leckte.

Wieder ein ergreifender Schauder! Nora zitterte bereits vor Erregung.

Mit der einen Hand hielt sie nach wie vor das Rotweinglas, die andere, freie Hand schob sie unter ihren seidenen Morgenmantel. Sie spreizte die Schenkel ein wenig, um ihre Finger über ihren Venushügel tanzen zu lassen. Wellen der Lust strömten durch sie. In diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher, als wahrhaftig von Elias berührt zu werden.

Vor ihren Augen flackerte es. Nora war irritiert und ordnete es zunächst dem Alkohol oder ihrer Erregung zu. Doch dann fühlte sie auf einmal die Dunkelheit um sich herum und schlug erschrocken die Augen auf.

Sämtliche Lichter in ihrer Wohnung waren urplötzlich erloschen. Sie stellte das Weinglas auf dem Tisch neben der Nudelbox ab und ging zum nächsten Lichtschalter. Aber nichts geschah, egal, wie sehr sie darauf herum drückte. In den anderen Räumen war es das gleiche Spiel.

Als sie aus dem Küchenfenster auf die Straße hinaus sah, erkannte sie, dass in den Nachbarhäusern offenbar ebenfalls keine Lichter mehr brannten. Der Tannenbaum, der gegenüber in einem Vorgarten stand und für gewöhnlich immer beleuchtet war, versank im Dunkel des Abends.

Nora wandte sich ab. Sie blickte von der Küche aus in den Flur, konnte aber alles nur schemenhaft erkennen.

»Stromausfall«, kam ihr die grandiose Erkenntnis. Und was sollte sie nun allein mit dem Rest des Heiligabends anstellen? Sie könnte sich ins Bett legen, von Elias träumen und sich dabei selbst verwöhnen. Oder sie könnte bei Elias an der Tür klopfen und ihn wegen des Stromausfalls um Hilfe bitten. Vielleicht würde er ein paar Kerzen für sie übrig haben. Und vielleicht würde er mit ihr gemeinsam Rotwein bei Kerzenschein trinken wollen.

Sie zuckte mit den Schultern. Selbst wenn ihr eine solche Aktion peinlich war und sie vor Scham rot anlaufen würde, fiel das im Dunkeln sicherlich nicht so stark auf.

Kurzerhand öffnete sie ihre Wohnungstür und blickte ins Treppenhaus. Dort war es noch viel dunkler als in ihrer Wohnung. Sie konnte kaum etwas erkennen. Allerdings hörte sie auch keinerlei Geräusch und war sich daher ziemlich sicher, dass außer ihr niemand sonst umher schlich.

Sekunden später fiel die Wohnungstür hinter ihr mit einem Knacken ins Schloss. Nora hatte ihre rosa Plüschpantoffeln an den Füßen, passend zu ihrem Morgenmantel. Sie schlurfte daher, als sie nun die Treppen hinauf stieg. Elias wohnte eine Etage höher, direkt über ihrer Wohnung.

Als sie vor seiner Tür angekommen war, harrte sie einen Moment aus. Sollte sie tatsächlich anklopfen? Und wenn ja, wie würde es dann weiter gehen?

Sie hob eine Hand, ballte sie zur Faust und zögerte wieder.

»Du schaffst das«, sagte sie zu sich selbst und klopfte an. Viel zu zaghaft, um von irgendjemandem gehört zu werden. Sie spürte die Hitze in ihre Wangen steigen und wollte auf der Stelle kehrt machen. Doch im gleichen Moment öffnete sich die Tür.

Der Anblick von Elias kam ihr wie die Erscheinung eines Weihnachtsengels vor. Ihr ganz persönlicher, durchtrainierter Engel, mit nichts als einer abgewetzten Jeanshose am Leib. Nora schluckte einen dicken Kloß im Hals hinunter.

»Oh, ähm … tut mir leid, ich wollte nicht stören«, stammelte sie.

Er lächelte. »Kein Problem. Du störst nicht. – Nora, von unten, richtig?«

Sie nickte wie von Sinnen.

»Kann ich dir irgendwie helfen?« Elias näherte sich einen Schritt und löste damit einen rasenden Herzschlag bei Nora aus. Sie musste sich wirklich sehr um Fassung bemühen.

»Es ist nur … ich wollte …« Es schien unmöglich, einen logischen Anfang für ein Gespräch zu finden. Sie zog die Augenbrauen zusammen und starrte ihm ins Gesicht. Warum zum Teufel leuchtete seine Silhouette eigentlich, als wäre er wahrhaftig ein Engel?

»Möchtest du reinkommen?« Er bewegte sich ein Stück zur Seite und gab die Sicht in seine Wohnung frei.

Nun erkannte Nora eine unfassbare Anzahl an brennenden Kerzen, die überall im Inneren aufgestellt waren. Daher kam also der göttliche Schein. Sie schmunzelte in sich hinein.

»Ist das ein Ja?«, hakte er nach.

»Oh«, meinte Nora, die fühlte, wie sie allmählich etwas lockerer wurde, »eigentlich wollte ich dich ja nur fragen, ob du ein paar Kerzen für mich hast. Wegen dem Stromausfall. Aber wenn es dir nichts ausmacht, komme ich gern mit hinein.«

»Du würdest mir sogar einen großen Gefallen tun.« Elias ließ sie ein und schloss hinter ihr die Tür. Sofort schlug Nora die heimelige Kerzenwärme entgegen, der Duft von Wachs und auch der Moschusgeruch, den ihr Nachbar verströmte. Die Atmosphäre wirkte derart verlockend, dass sie sich am liebsten in diese Umgebung hinein gekuschelt hätte.

»Weißt du, ich bin in diesem Jahr zum ersten Mal an Weihnachten allein.« In seiner Stimme lag jene Traurigkeit, die Nora gerade noch – vor dem zweiten Glas Rotwein – ebenfalls gespürt hatte.

»Da haben wir etwas gemeinsam«, stellte sie fest.

Und ehe sie sich versah, saß sie neben Elias auf seinem Sofa und trank mit ihm gemeinsam ein Glas Wein bei Kerzenschein. Sie erzählten sich gegenseitig ihre Geschichten und munterten einander auf.

Die ganze Zeit über konnte Nora nicht anders, als Elias ununterbrochen zu betrachten. Die Muskeln auf seinem wunderschönen Oberkörper glänzten im Schein der Kerzen. Immer wieder musste sie dem Drang widerstehen, eine Hand nach ihm auszustrecken und ihn zu berühren. Ihr Verlangen machte sie beinahe wahnsinnig.

Da half es auch nichts, die Schenkel wie verrückt gegeneinander zu pressen. Das Pulsieren in ihrem Unterleib ließ sich einfach nicht unterdrücken. Ihr feines Spitzenunterhöschen war sicher schon ganz feucht vor Lust. Lange würde sie es nicht mehr in seiner Nähe aushalten, ohne über ihn herzufallen wie eine Raubkatze.

Sie leckte sich die Lippen.

»Was meinst du dazu?«, hörte sie ihn fragen.

Irritiert blickte sie auf und sah direkt in seine blauen Augen. Sie öffnete den Mund ein winziges Stück, sagte jedoch nichts, denn sie hatte ihm überhaupt nicht zugehört. Wie schaffte er es nur, sie derart zu verzaubern?

»Keine Antwort?«, fragte er nach und schenkte ihr ein charmantes Lächeln.

Sie schüttelte den Kopf, in sehr langsamen Bewegungen.

»Ich liebe das Spiel mit dem Feuer«, sagte Elias daraufhin. Er drehte sich zur Seite und nahm eine brennende weiße Stabkerze aus einem Ständer auf dem Wohnzimmertisch. Dann leckte er Daumen und Zeigefinger seiner freien Hand und löschte damit die Flamme.

Nora beobachtete fasziniert, wie er die Kerze zu seinem Oberkörper hin führte und das spärliche, flüssige Wachs auf seine rechte Brustwarze tropfen ließ. Unfassbar, wie er Nora auf diese Weise ein tiefes Stöhnen entlockte.

»Möchtest du auch?«

Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Doch sie wehrte sich auch nicht, als Elias die erloschene Kerze beiseite legte, Noras Morgenmantel öffnete und den Stoff ihres BHs hinunter schob, in die Falten unter ihren Brüsten. Ihr Atmen ging schwer. Voll freudiger Erwartung hielt sie still.

Er nahm eine weitere Stabkerze aus dem Ständer, blies sie dieses Mal aus und tropfte das Wachs erst auf den einen und dann auf ihren anderen Nippel. Es brannte nur ein klein wenig. Nora bemerkte es kaum. Vielmehr spürte sie, wie ihre Brüste vor Erregung anschwollen. Unzählige Funken der Ekstase schossen von den harten Brustwarzen aus durch ihren Körper.

Sie warf den Kopf in den Nacken und bäumte sich auf. Elias legte die Hände an ihre Schultern. Er drückte sie zurück in die Sofakissen und sie ergab sich willenlos. Sie genoss es, von ihm Stück um Stück entkleidet zu werden, auch wenn sie nicht sehr viel am Leib trug. Er öffnete ihren seidigen Mantel weit zu den Seiten und zog sachte mit den Zähnen an ihrem Spitzenunterhöschen. Nora hätte nichts dagegen, wenn er es einfach zerriss. Doch das tat er nicht.

Zuerst brachte er eine weitere Kerze ins Spiel. Ein heißer Tropfen fiel auf ihren Unterleib. Ein weiterer schlich sich in ihren Bauchnabel. Es waren lediglich kleine heiße Stiche, die sie jedoch nicht schmerzten, sondern ihre Leidenschaft auf ein Höchstlevel schraubten. Elias berührte sie nicht einmal großartig, dennoch glaubte sie, dass bereits ein Orgasmus auf sie zurollte.

»Soll ich weiter machen?«, fragte er mit tiefer, verführerischer Stimme.

»Ja…«, stöhnte sie, »… oh ja …« Das war alles, was sie heraus brachte.

Mit geschickten Händen schob Elias den Spitzenstoff von ihr und legte ihre Scham frei. Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass er im Begriff war, heißes Wachs auf ihre Klitoris zu tropfen. Sie erschrak ein wenig. Vollkommen unnötig, wie sie Sekunden später feststellte. Denn nach dem winzigen Schmerz ging er dazu über, mit der Stabkerze der Länge nach an ihrer feuchten Spalte entlang zu reiben. Die darauf einsetzenden Empfindungen entschädigten sie eindeutig für jede vorherige Pein. Sie war erfüllt von Lust, so sehr, dass in ihrem Inneren ein regelrechter Vulkan zu explodieren drohte. Und dann konnte sie sich tatsächlich nicht mehr zurück halten. Der Höhepunkt erfasste sie wie ein mächtiger Sturm. Sie bäumte sich abermals auf. Ihr Schoss und ihre Schenkel zitterten unkontrolliert und wollten scheinbar gar nicht mehr aufhören.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe Nora es schaffte, sich mit einem Ruck daraus zu lösen und sich aufzusetzen. Keuchend brachte sie die Füße auf den Boden, stützte sich mit den Ellenbogen auf ihren Oberschenkeln ab und rang um Fassung.

Nur ganz langsam registrierte sie ihre Umgebung.

Alles um sie herum lag in Dunkelheit. Vor sich auf dem Wohnzimmertisch konnte sie die Umrisse eines winzigen Weihnachtsbaumes erkennen. Daneben ein Weinglas und eine Nudelbox, die mittlerweile einen unangenehmen Geruch verströmte.

Hatte sie etwa nur geträumt? Das konnte doch unmöglich sein!

Sie stand auf und ging hinüber zum nächsten Lichtschalter. Nichts passierte. Mit einem Blick hinaus auf die Nachbarhäuser versicherte sie sich, dass der Stromausfall durchaus real war.

Um ganz sicher zu gehen, kniff sie sich noch kräftig in den Oberarm.

»Autsch«, fluchte sie.

Der Traum war ausgeträumt, aber die Kerzenspiele sicher noch ausbaufähig. Höchste Zeit, ihrem Nachbarn Elias einen wahrhaftigen Besuch abzustatten.

2.Irgendwas mit »M«

Christiane Gref


Seufzend stellte Arne den Blumentopf ins Regal zurück. Ein junger Verkäufer näherte sich. »Kann ich Ihnen helfen?«

»Ich fürchte, mir kann keiner helfen.«

»Das klingt aber nicht gut.«

Arne strich sich müde über die Augen. »Haben Sie Geschwister?«

Der Verkäufer nickte eifrig. »Einen jüngeren Bruder.«

»Sie Glücklicher«, sagte Arne und seufzte. »Ich habe eine Schwester und wir sind vom Charakter her grundverschieden. Ich bin chaotisch, sie ist krankhaft penibel. Sie hat einen guten Job und ein Haus, ich hause in einer winzigen Wohnung und jobbe mich mehr schlecht als recht durchs Leben. Sie hat einen eigenen Kleiderschrank für ihre Klamotten, die sie in der Firma trägt, während meine Anziehsachen gerade einmal ein Regal füllen. Diese Liste ließe sich noch beliebig weiterführen, aber ich will ja eigentlich nur eine Pflanze kaufen und nicht ins Jammern verfallen.«

Der Verkäufer lächelte Arne aufmunternd an, steuerte auf einen Eimer mit fertig gebundenen Sträußen zu, griff zielsicher ein buntes Gebinde heraus und reichte es an Arne weiter.

»Feldblumen? Um diese Jahreszeit?« Arne war fassungslos.

»Ja, ja, die Globalisierung macht’s möglich. Vertrauen Sie mir«, gab der Verkäufer zurück. »So, wie Sie mir Ihre Schwester beschrieben haben, sehnt sie sich nach etwas Ursprünglichen, etwas Schlichtem mit Raffinesse, die in diesem Fall darin besteht, dass es im Winter keine Feldblumen geben dürfte.«

»Langsam sind Sie mir unheimlich«, stieß Arne hervor. »Kennen Sie meine Schwester etwa?«

Der Verkäufer schüttelte lächelnd den Kopf. »Ich möchte Ihrer Schwester nicht zu nahe treten, aber das sind die Erfahrungen, die ich im Rahmen einer Studie gesammelt habe. Blumen verkaufe ich nur samstags. Ich studiere Wirtschaftspsychologie.«

»Dann machen Sie Ihr Studium bloß zu Ende. Vielen Dank.«

Arne sah auf die Uhr und stellte fest, dass er bis zum Adventsdinner, wie Joanna es genannt hatte, noch genügend Zeit finden würde, sein einziges Hemd zu bügeln. Das Telefon klingelte.

»Denkst du an unser Essen? Mama hat abgesagt, dafür kommt meine … Ma…«

Arne hörte nur noch Rauschen in der Leitung, dann war Joannas Stimme wieder da. »… mitbringen?«

»Was soll ich mitbringen?«, brüllte Arne ins Telefon.

»Gute Laune, schließlich soll meine Freundin ja den bestmöglichen Eindruck von dir be…«

Das Gespräch riss dieses Mal ganz ab. Arne wartete noch eine Minute. Als sich Joanna nicht mehr meldete, ging er ins Bad und stellte die Dusche an.

So, so, da hatte Joanna also wieder eine neue Freundin. Arne hoffte, dass die Beziehung ausnahmsweise länger dauern würde als die letzten Male. Joanna war unerträglich, wenn es in die Brüche ging, besonders, wenn sie verlassen wurde. Alexa war ihre letzte Freundin gewesen. Ein Model, bei dem Arne nicht müde geworden war zu bedauern, dass es seinen Prachtkörper nur Joanna nackt präsentiert hatte. Im Nachhinein stellte sich zwar heraus, dass Alexa mit ihrem Körper auch andere Frauen beglückt hatte, doch dieser Umstand war weder Joanna noch Arne ein Trost.

Arne nahm sich vor, der neuen Flamme seiner Schwester nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Pünktlich hielt er am Abend vor Joannas Haus und bewunderte einmal mehr die Perfektion, mit der seine Schwester den Garten bepflanzt hatte. Die Steinplatten für den Weg waren eigens aus Irland eingeflogen worden, die Büsche stammten aus der Toskana, die Gartenmöbel aus Frankreich, die Solarleuchten aus Amerika und all die Tonfiguren – keine Gartenzwerge, die hätte Joanna niemals geduldet – von diversen Handwerkern aus der Region. Selbstredend handelte es sich um teure Unikate. Arne dachte an seine einzige Pflanze, eine Grünlilie, die ihr trauriges Dasein in einem dunkelbraunen Plastiktopf auf der Fensterbank fristete. Arne betätigte den Klingelzug. Noch eine Extravaganz. Ein profaner Klingelknopf kam nicht in Frage.

Joanna, in einen Kimono gekleidet, öffnete. »Schön, dass du da bist. Ist der für mich? Mensch, Brüderchen, du beweist ja langsam Geschmack. Den Strauß hast du ganz wunderbar ausgewählt, der kommt gleich in die Vase.«

Joanna verschwand in der Küche, aus der herrliche Düfte strömten. Arne ging ins angrenzende Wohnzimmer. Die Dielen knarrten unter seinen Füßen, sofort fühlte er sich geborgen, weil ihn das Geräusch an die elterliche Wohnung erinnerte. Wahrscheinlich hatte sich Joanna deshalb gegen Parkett und für das Knarren entschieden. Die Sitzecke war riesig und passte zum Fernseher, der beinahe Kinoleinwandformat besaß. Fast hätte Arne die zierliche Gestalt übersehen, die sich von der Couch erhoben hatte und sich nun unsicher den Rock glatt strich.

Die passt ja so gar nicht in Joannas Beuteschema, ging es Arne durch den Kopf.

Normalerweise bevorzugte Joanna Frauen ab 1,75 Meter Größe, mit rassigen Kurven. Für diese aparte Frau fiel ihm auf Anhieb das Attribut »lieb« ein. Sie strahlte eine Sanftheit aus, die an Joannas Ansprüchen zerschellen würde, wie ein morsches Boot an einer Klippe.

»Marja«, sagte sie und streckte Arne die Hand entgegen. Die volle Stimme und der feste Händedruck entsprachen allerdings so gar nicht der äußeren Sanftheit. Wider Willen fand Arne sie interessant. Zu interessant dafür, dass sie die Freundin seiner Schwester war. Er räusperte sich, nannte ihr seinen Namen und nahm auf der Couch Platz. Teils erleichtert, teils enttäuscht registrierte er, dass sie sich in einem, auf antik gemachten, Ohrensessel niederließ.

»Seit wann kennen Sie meine Schwester?«, wollte Arne wissen.

»Seit vier Monaten. Ich arbeite in der gleichen Agentur wie Joanna.«

»Ah ja«, sagte Arne. »Und wann haben Sie gemerkt, dass Sie sich … sympathisch sind?«

»Von Anfang an«, gab Marja so inbrünstig zurück, dass Arne auf weitere Fragen verzichtete. Da er fürchtete, sie würde nun intimere Details auspacken, wandte er den Blick ab und schaute sehnsüchtig in Richtung der Küche.

»Ich sehe, ihr habt euch schon bekannt gemacht«, sagte Joanna, ging schnurstracks auf Marja zu und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Beide kicherten.

Arne konnte sich schon denken, um was es in dem Gespräch ging. So etwas wie: Wenn mein dämlicher Bruder weg ist, dann machen wir es uns nackt vor dem knisternden Kaminfeuer gemütlich.

Es versetzte Arne einen Stich, dass Marja beim Flüstern errötet war. Die beiden würden vermutlich über die Weihnachtsfeiertage in einen idyllischen, sündhaft teuren Skiort fahren, während er selbst – wie jedes Jahr – seine Eltern besuchen und sich allein abends vor dem Fernseher eine Flasche Wein aufmachen würde. Er wurde jäh aus seiner trübsinnigen Zukunftsvision gerissen, als Joanna zum Essen rief. Die Frauen musterten ihn amüsiert. Wie lange hatte er mit leerem Blick vor sich hin gestiert?

Allmählich werde ich verschroben, und das mit Ende Dreißig, dachte er verbittert.

Marja reichte ihm eine Platte mit Räucherlachs. Ihre Fingerspitzen berührten seinen Handrücken nur einen winzigen Moment. Dieser Augenblick setzte allerdings eine Kettenreaktion in Gang. Arnes Herz begann im Stakkato zu rasen, seine Hände zitterten so sehr, dass es ihm gerade noch gelang, die Platte scheppernd auf dem Tisch abzusetzen. Er murmelte eine Entschuldigung und flüchtete auf die Gästetoilette. Als die Tür hinter ihm verriegelt war, atmete er tief durch. Was zur Hölle soll das?, schimpfte er mit sich selbst. Sie ist vergeben, nein, schlimmer, sie ist lesbisch. Keine Chance also. Warum benimmst du blöder Kerl dich wie ein verliebter Teenager? Jetzt sei kein Idiot und behandle sie wie ein Neutrum. Arne schaufelte sich mehrere Hände Wasser ins Gesicht, bis er sich besser fühlte und kehrte zum Esstisch zurück.

Es wurde ein bizarres Dinner. Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, schwieg Arne. Irgendwann unterhielten sich die Frauen über seinen Kopf hinweg, versuchten nicht einmal mehr, ihn ins Gespräch einzubeziehen. Sie sprachen über irgendein langweiliges Agentur-Projekt. Anstatt zu essen, trank Arne so viel Wein, dass er schließlich von Joanna und Marja auf die Couch verfrachtet wurde. Eine Decke, die ihn warm umhüllte war das Letzte, das er bewusst mitbekam, dann ereilte ihn der weinselige Schlaf und riss ihn in die Dunkelheit.

»Hey«, hörte er jemanden sagen. Mit einiger Verspätung erkannte er den ungeduldigen Tonfall seiner Schwester. Wie kam die denn in sein Schlafzimmer? Ach nein, er war ja bei Joanna gewesen.

»Trinken«, befahl sie und hielt ihm ein Glas an die Lippen. Gehorsam trank er die bittere Flüssigkeit und sah weidwund zu seiner Schwester auf.

»Guck nicht so«, sagte sie hart. »Ich werde nie mehr was für dich arrangieren, wenn du meine Bemühungen so mit Füßen trittst.«

Arne hob den Kopf. »Das Essen war prima. Und der Wein erst … aua.« Er fühlte einen Stich, der ihm bis ins Hirn drang. Erschöpft ließ er sich in die Kissen zurückfallen.

»Du bist ein Trottel! Ich habe nicht vom Essen geredet. So, Brüderchen. Schlaf dich aus, ich muss jetzt zur Arbeit.«

Arne schlief wieder ein. Erst am Mittag war er soweit wiederhergestellt, dass er aufstehen konnte, ohne dass sich alles um ihn drehte. Er fand eine eingeschweißte Zahnbürste in Joannas Schrank und pries seine Schwester im Stillen für ihre Vorratshaltung. Frisch geduscht setzte er sich vor den Fernseher. Schließlich war es egal, vor welchem Fernseher er seinen ersten Urlaubstag verbrachte. Um 15 Uhr hörte er die Haustür aufgehen.

»Ich habe mir die neue Zahnbürste aus dem Schrank genommen, ich hoffe, das ist okay für dich?«, rief Arne, ohne den Blick vom Fernseher zu wenden.

Keine Antwort, nur eilige Schritte, die sich näherten. »Für mich geht das klar, aber wer bist du? Was machst du in Joannas Wohnzimmer?«

Eine große, schlanke Frau kam ihm entgegen gestöckelt. Sie musterte ihn misstrauisch und kramte in ihrer Handtasche. Arne vermutete, dass sie nach einem Elektroschocker, Pfefferspray oder sonst einer fiesen Abartigkeit tastete. Arne hob die Hände in einer Geste der Unschuld und sagte: »Ich bin Joannas Bruder und Sie … äh … du?«

»Dann bist du Arne, richtig? Ich heiße Marie.«

»Marie«, echote er.

»Joannas Freundin, ja.«

Plötzlich ging Arne ein Licht auf. Er sprang von der Couch, schnappte sich Handy und Autoschlüssel und verließ mit einem »Tschüss« Joannas Wohnung.

Zwei Stunden musste er im Foyer warten, bis das Meeting endlich beendet war. Arne konnte nicht still sitzen, ständig lief er umher, blätterte abwesend in den Zeitschriften, die auf den Tischen verstreut lagen und rang seine Hände. Die Empfangsdame holte ihn und da sah Arne auch schon Marja den Flur entlang kommen.

»Was machst du denn hier?«, fragte sie erstaunt. Sie fragte zumindest nicht sauer, aber richtig freundlich war sie zu Arnes Leidwesen auch nicht.

»Ich habe … ich wollte … es tut mir leid, dass ich mich gestern so blöd benommen habe. Hast du Lust, mit mir heute Abend Essen zu gehen? Als Wiedergutmachung für gestern?«

Einen endlosen Moment sah sie ihn aus halb geschlossenen Lidern an, dann erschienen zwei bezaubernde Grübchen auf ihren Wangen. Arne war hin und weg.

»Gern. Wenn du magst, können wir gleich gehen. Ich bin für heute fertig.« Arne bestand darauf, dass sie vor dem Restaurantbesuch bei ihm vorbeifuhren, damit er sich umziehen und seine Bartstoppeln entfernen konnte. Mit dem Rasierschaum im Gesicht überlegte er halblaut, in welches Lokal er Marja einladen wollte.

»Wie wäre es mit einem schlichten Mahl, das wir uns selbst zubereiten?«, schlug sie vor. Arne erschrak. Er hatte sie nicht ins Bad kommen gehört. Sie stand so dicht hinter ihm, dass er ihre Brüste an seinem Rücken fühlte. Er drehte sich zu Marja um und betrachtete sie das erste Mal aus der Nähe. Wie schön sie war. Ihre grünen Augen wurden von dichten Wimpern umkränzt, die Augenbrauen beschrieben einen aufregenden Bogen und da waren auch wieder die Grübchen in den Wangen. Marja griff zu einem Handtuch und wischte ihm keck den Rasierschaum ab, dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn. Arne verlor beinahe den Boden unter den Füßen. Wie gut sich das anfühlte! Seine Hände glitten an ihrer Taille herab und schlossen sich um ihre festen Pobacken. Marja provozierte sein schwellendes Glied mit kleinen Bewegungen.

»Und ich dachte, du magst gar keine Frauen«, flüsterte sie heiser.

»Und ich war der Ansicht, du verabscheust Männer«, raunte Arne und war entzückt, denn Marja zog ungeniert ihr Oberteil aus. Der BH betonte die straffen Brüste. Sanft zeichnete Arne mit dem Finger die Rundungen nach, dann öffnete er die Häkchen am Rücken. Arne bewunderte die rosigen Brustwarzen, die sich unter seinen Händen zusammenzogen. Marja öffnete geschickt den Knopf seiner Hose, zog behutsam den Reißverschluss auf und strich liebkosend über seine Oberschenkel. Arne waren seine, vor Erregung zitternden Muskeln peinlich, doch Marja schienen sie anzumachen. Sie zog ihm den Slip aus und betrachtete wohlwollend sein Glied, das sich zur vollen Größe aufgerichtet hatte. Er sah zu, wie ihre Finger es erforschten, sanft über die pulsierende Oberfläche glitten, die Vorhaut ein wenig zurückzogen und spielerisch die Eichel umkreisten. Arne biss sich auf die Lippen und bewegte sich nicht. Er hatte Angst, den magischen Moment zu zerstören. Marja küsste seine Brust, züngelte sich zu seinem Bauchnabel weiter und verharrte. Arne grub seine Finger in ihr Haar und stöhnte. Marja erreichte die Region unterhalb des Nabels. Was tat diese Frau? Es war reinste Magie. Arnes Körper schien sich zu entzünden, der Druck in seinen Lenden war süße Qual. Plötzlich wurde sein Glied von feuchter Wärme umschlossen, Marjas Zunge schlug gegen die samtige Haut, umrundete die Spitze. Arne fürchtete, sich nicht lange beherrschen zu können. Er wollte Marja zu sich hochziehen, doch sie bedeutete ihm, stillzuhalten. Arne stützte sich auf das Waschbecken, sonst wäre er vermutlich in die Knie gegangen. Er spürte wie Marja ihre Lippen fester um sein bestes Stück schloss und es immer schneller und fester liebkoste. In Arnes Ohren rauschte das Blut, er wollte diesen Moment für immer festhalten. Viel zu schnell ergoss er sich. Mit fragender Miene schaute Marja zu ihm auf.

»Wahnsinn«, flüsterte er.

Sie legte den Kopf schief. »Du darfst dich gerne revanchieren.«

Das ließ sich Arne nicht zweimal sagen. Er öffnete die Duschkabine und machte eine einladende Geste. Marja zog sich so aufreizend langsam aus, dass Arne erneut das Blut in die unteren Regionen schoss. Arne entledigte sich seines Shirts und stieg in die Dusche.

Die glitschige Seife fühlte sich wunderbar in Kombination mit Marjas Haut an. Sie schnappte sich seine Hand und legte sie auf ihren Venushügel. Wie weich und zart sie war. Ehrfürchtig erkundete er ihre Schamlippen, glitt behutsam dazwischen. Marja legte ihre Hand auf seine und bewegte rhythmisch ihr Becken, sie presste die Schenkel fest zusammen und beschleunigte das Tempo ihrer Bewegungen. Arne drang mit einem Finger in sie ein und griff mit der anderen Hand nach ihrer Brust, knetete fest die Brustwarze, was Marja spitze, kleine Schreie entlockte.

»Noch einen«, stöhnte sie und verringerte den Druck ihrer Schenkel auf seine Hand.

»Sicher?«, fragte er.

»Mach schon!«

Ihr Wunsch war ihm Befehl. Seine Finger füllten sie gut aus. Sein Daumen ertastete ihren Lustknoten und umkreiste ihn. Marja verströmte eine wahnsinnige Energie. Ihr Becken zuckte ekstatisch, sie hielt seinen Unterarm umklammert, als hinge ihr Leben davon ab. Sie schrie auf und ein Beben fuhr durch ihren Leib.

Als die Erschütterungen verebbt waren, schloss er Marja in die Arme. »Es war das erste Mal, dass ich den Höhepunkt einer Frau so intensiv miterlebt habe.«

»Du kannst gerne noch viele dieser Momente miterleben«, sagte sie grinsend und kniff ihn in die Nase.

In dicke Badetücher gewickelt, teilten sie sich den einzigen Sessel, der in Arnes winzigem Wohnzimmer stand. Marja saß auf seinem Schoß, ihr Kopf ruhte an seiner Schulter. Sie schaute zum Fenster. »Weißt du was?«, durchbrach sie die behagliche Stille.

»Hm«, brummte Arne. Zu mehr Konversation fühlte er sich gerade nicht in der Lage.

»Deine Pflanze sieht so traurig aus. Ich glaube, sie fühlt sich allein.«

Arne kicherte.

»Also, ich finde schon, sie sollte Gesellschaft bekommen. Ich bringe dir das nächste Mal eine schöne und pflegeleichte Pflanze mit.«

»Das heißt, du kommst wieder?«

»Wenn ich darf.«

Arne antwortete mit einem langen Kuss.

3.Fesselspiele

Jennifer Schreiner


Mit verbundenen Augen sitzt die hübsche Brünette auf dem niedrigen Hoteltisch, die Hände an die Tischbeine gefesselt. Sie zittert am ganzen Leib. Sie hat Angst. Aber das erregt sie, so hat sie es gewollt.

Es ist ein Spiel, das ich gerne spiele. Das mich mindestens so erregt wie sie. Denn es ist nicht die Lust, sondern das Versprechen von Lust, welches Frauen an den Rand der Ekstase bringt.

Ich löse ihre angespannten Knöchel und lasse meine Hände langsam über ihre Beine nach oben wandern, über ihren perfekten Körper, bis zu den Schultern. Sie ringt nach Luft. An ihren Schultern angekommen zerschneide ich erst den linken, dann den rechten Träger mit der Schere, die ich immer dabei habe. Dann ziehe ich ihr Kleid nach unten, über ihre Hüften. Sie hebt ihren Po an und gestattet mir, sie auszuziehen.

Ich weiß, sie verzehrt sich danach, berührt zu werden. Und das tue ich. Minutenlang lasse ich meine Finger über ihren wundervollen Körper streifen. Aber ich vermeide jede Berührung ihres BHs oder Slips. Meine Berührungen sind so sanft, dass sie glaubt sterben zu müssen, wenn ich ihr nicht mehr zugestehe.

Es ist dieser Kampf, der mich erregt. Immer. Ihre süße Qual, während ich die Frauen an die Grenzen ihrer Lust bringe und dort halte. Am Rand, bis ich ihnen Erlösung gewähre. Das sind die Momente, von denen ich während der Woche träume. Der Sinn meines Lebens.

Ihr trägerloser BH lässt sich vorne öffnen, und das leise Geräusch des Hakens sorgt dafür, dass sie scharf die Luft einsaugt. Ich achte darauf, ihre Brüste nicht zu berühren, als ich sie von ihrem BH befreie.

Sie will, dass ich sie berühre.

Doch das will sie nicht wirklich. Sie will, dass ich dieses Spiel weitertreibe. Ihr die Erlösung schenke, von der sie ihr ganzes Leben geträumt hat. – Von der fast alle Frauen insgeheim träumen.

Und diese Erlösung gibt es nur am Rand. Am Rand sind Frauen jenseits jeder Vernunft, jenseits aller Zurückhaltung. Ihre zivilisierte Maske fällt von ihnen ab. Deswegen darf ich nicht schwach werden. Und das weiß sie.

Ich gehe ins Nebenzimmer und hole Eiswürfel aus dem Hotelkühlschrank.

Als ich zurückkomme fällt mein Blick auf das kleine weiße Stoffdreieck zwischen ihren Beinen. Es ist das einzige, was sie noch am Leib hat. Ich rolle es langsam nach unten, genüsslich langsam. Sie löst ihre übereinander geschlagenen Füße und gestattet mir, sie vollständig zu entblößen.

Als ich ihre Beine gespreizt halte, um ihre Knöchel mit einem weiteren Tuch an die Tischbeine zu binden, stößt sie einen erschrockenen Schrei aus, weil ich ihr jede Bewegungsfreiheit nehme.

Sie glaubt es nicht mehr aushalten zu können, aber sie muss. Ich will alles von ihr haben. Ich will das Wunder des vollkommenen Momentes. In dem Augenblick, an dem die Frau sich aufgibt und sich mir überlässt, bekomme ich meine Unschuld wieder. Frau für Frau, Stück für Stück.

So, dass sie hören kann was kommt, nehme ich den ersten Eiswürfel aus dem Glas. Ich betupfe ihre Stirn. Gerade lange genug, um kleine feuchte Flecken zu hinterlassen, wenn der Eiswürfel verschwindet. Der Wechsel zwischen Anspannung, Entspannung und neuerlicher Anspannung auf ihrem Gesicht ist wunderschön.

Nach dieser Einstimmung halte ich den Eiswürfel, bis er beginnt zu schmelzen und lasse Tropfen um Tropfen auf ihren makellosen Körper fallen.

Sie kann mir nicht entkommen, sich nicht bewegen und die kleinen Schluchzer und erschrockenen Seufzer sind alles, was ihr geblieben ist. Ihre Selbstbeherrschung schwindet.

Den zweiten Würfel bewege ich mit langsamen, kreisenden Bewegungen ihr Bein empor, bis zum Knie. Dasselbe wiederhole ich an dem anderen Bein. Erst dann wandere ich höher, über das Knie hinaus, ihren Schenkel hinauf.

Sie verbrennt innerlich. Ihre Mitte steht in Flammen.

Langsam senke ich den Eiswürfel, bis er ihre Brustwarze berührt, bis sie begreift. Dann beginne ich, ihn hin und her zu bewegen, wobei ich nur die Spitze ihrer Brustwarze berühre.

Sie wölbt sich mir entgegen. Empört über die Unbefriedigung ihrer Wünsche, doch ich hebe meine Hände soweit, dass der Druck der gleiche bleibt.

Ich weiß, sie will mehr Druck, braucht mehr Druck.

Sie sinkt wieder zurück. Ich werde wieder schneller. Als sie keine Anstalten macht, den Druck aus eigenem Willen heraus zu verstärken, senke ich den Eiswürfel ein Stück.

Ein leises Stöhnen entkommt ihr, ein kurzes Seufzen der Dankbarkeit.

Ein bisschen Druck, dann keiner mehr, mehr Druck, dann keiner, dann mehr Druck, dann wieder keiner. Dreißig Sekunden lang.

Wenn ich ihr doch nur mehr geben würde, ein wenig mehr. Viel braucht sie nicht mehr. Ich nehme meine Hände weg.

Sie bäumt sich empor, dorthin, wo sie meine Hände erwartet. Erst als sie merkt, dass dort nur noch Luft ist, stöhnt sie empört.

Ich beginne von vorne, lasse das Eis von ihren Schultern ausgehend über ihre Haut gleiten, von den Füßen ausgehend. Aber immer auf ihre Mitte zu.

Schließlich bewege ich den Eiswürfel in kleineren Kreisen. Beginne an der Taille, in der Mitte des Schenkels, statt bei den Schultern oder den Füßen.

Einmal gibt sie ihren Gefühlen nach und wimmert, was mich dazu bewegt, meine Kreise fürs erste wieder weiter zu ziehen. Es hinauszuzögern.

Ich beobachte ihr Gesicht. Ihre geröteten Wangen, ihr geöffneter Mund. Die Anstrengung und Verzückung auf ihren Zügen. In jeder Faser ihres Körpers liegt ein Ausdruck von äußerster Anstrengung und völlige Auflösung.

Sie ist mit jedem Gedanken bei mir. Bei dem, was ich als nächstes tun werde und kurz davor, ihre Fassung zu verlieren. Sie kippt nur deswegen nicht über den Rand, weil sie nicht glauben kann, was sie fühlt, als ich den letzten Eiswürfel zwischen ihre Beine gleiten lasse und ihn dort bewege.

Ein Beben durchläuft sie und sie schreit auf.

Als ich die richtige Stelle gefunden habe und dort reibe, wird sie von spasmischen Zuckungen hin und her geworfen.

Ihre Schreie sind Schreie der Ekstase. Ich verschaffe ihr endlich Erlösung. Erlösung, weil ich sie nach zwei Stunden endlich dort berühre, wo sie berührt werden muss.

Mit einer Hand löse ich die Knoten, die ihre Beine am Tisch festhalten. Sie bemerkt es nicht und erst als ihre Zuckungen abebben, ziehe sie bis zu mir heran und hebe ihre Füße auf meine Schultern.

Alles in mir will in sie hinein, doch ich halte sie völlig ruhig und sauge den herrlichen Anblick in mich auf. Sie liegt nicht nur unter mir, sondern sie ist meiner Gnade ausgeliefert, hilflos vor Lust.

»Bitte!«, fleht sie, als die Welle in ihr immer höher steigt und droht sie zu überrollen, ohne ihr das letzte Stückchen Rand zu gönnen.

Ich dringe langsam in sie ein. Das ist der echte Kontakt. Wenn ich in sie hineinstoße. Kein Anstand, keine Sozialisation mehr zwischen uns.

Die Geräusche, die über ihre Lippen kommen sind magisch, ebenso wie ihr Gesicht. Ich beobachte jedes Detail ihres Gesichtes, als ich ihr endlich die Freiheit gewähre, sich zu bewegen und gegen die Ursache ihrer Lust zu stemmen.

Sie ist schön. Jede Frau am Rand ist wunderschön, vollkommen wie der Moment, den wir teilen. Und ich beobachte die Frauen immer bis zum Ende. Ich registriere jede Einzelheit ihrer Erregung, jedes Detail ihres Kommens und weiß, wir sind wieder unschuldig in diesem Moment, sie und ich.

4.Beratungsgespräch

Jean Sarafin


Ich spüre, wie sein Blick auf mir ruht und jeder meiner Bewegungen durch die weihnachtlich geschmückte Halle verfolgt.

Dieser Blick begleitet mich, seit Herr Marx in unserer kleinen, einst harmlosen Sparkassenfiliale arbeitet. Der Blick ist nicht jugendfrei und lässt mich wissen, dass er mich für eine schöne Frau hält. Vielleicht auch, dass er Interesse an mir hat, sich aber nicht sicher ist, ob ich sein Interesse erwidere. Kurz, der Blick ist nicht jugendfrei und seine Gedanken sind es vermutlich auch nicht und sollten zensiert werden.

Aber ich bin nicht mehr zensiert, sondern verheiratet und könnte seine Mutter sein.

Trotzdem gefällt mir sein Blick. Außerdem mag ich hübsche Menschen. Wieso auch nicht?

Ein wenig nervös gehe ich zum Empfangsschalter und melde mich an, obwohl ich genau weiß, dass mich mein Bankberater bereits gesehen hat. Und richtig: Sekunden später nimmt er mich seiner Kollegin ab, reicht mir höflich die Hand und macht selbst diese kleine Berührung zu etwas Besonderem, indem er mich einen Moment lang länger als notwendig hält. Seine Kollegin bemerkt nichts von diesem gestohlenen Moment und so folge ich Marx.

Verwirrt bemerke ich, dass er zur Treppe geht, die ins Obergeschoss und zu den Geschäftszimmern mit den Glasfronten in Richtung des Kasseninnenraumes führt.

Die Finanzberater sitzen üblicherweise im Großraumbüro der Bank, nicht oben. Ungewöhnlich.

Trotzdem komme ich nicht umhin, neben den schicken Tannenzweigen und den glitzernden Lichtern auch den Schwung seiner Hüften unter der gutsitzenden Stoffhose zu bewundern. Ein perfekter Schnitt für einen schnittigen jungen Mann und dieser Po erst … wäre ich ein wenig jünger. Ich seufze leise, weil ich mir auf einmal wie eine schmutzige, alte Frau vorkomme und sogar versucht bin, nach einem Mistelzweig zu spähen.

Erst langsam sacken Marx’ Worte in mein Hirn und ergeben noch viel langsamer einen Sinn. Dies hier ist unser letztes Beratungsgespräch, da er nach den Weihnachtsfeiertagen umziehen wird.

»Schade!«, meine ich und ärgere mich, da das Wort vergessen hat, erst vom Verstand abgemildert zu werden.

Trotzdem freut mich der Blick aus seinen warmen, blauen Augen. Mit einem Mal fühle ich mich – trotz meines Alters – herrlich frei und verrucht und ein wenig aufgeregt.

Auch noch, als er die Glastür öffnet.

»Ich wusste gar nicht, dass Sie hier oben ein Büro haben«, sage ich, um meine Verwirrung zu überspielen und meine verräterische Libido unter Kontrolle zu bekommen.

»Es ist nur ausgeliehen.« Marx deutet auf den Stuhl, auf dem ich Platz nehmen soll. Mit dem Gesicht in Richtung Glasfront, so, dass ich zu den anderen Besuchern und Bankangestellten hinabsehen kann. Es ist schön hier. Ein bisschen wie im Zoo, aber Menschen-gucken hat mir schon immer gefallen.

»Hier ist es … intimer«, sagt Marx leise. Dabei stockt er kurz und bewusst und sowohl das Stocken als auch die Wahl seiner Worte lassen meine Fantasie rasen.

Aber wir sitzen hier oben wie auf einem silbernen Präsentierteller, was soll schon geschehen?

Ich setze mich und konzentriere mich auf die Unterlagen, die er schon auf dem Tisch ausgebreitet hat und versuche jeden erotischen Gedanken im Keim zu ersticken. Vergeblich, denn Marx bleibt hinter mir stehen und reicht mir einen weiteren Ordner. Dabei berührt er meinen Rücken, meine Schultern, meinen Hinterkopf. Ich schlucke, fühle mich verlegen, überrumpelt und heiß. Mir ist auf einmal unendlich heiß. Und Marx? Der wirkt wie ein Wolf, der seinem Opfer erfolgreich den Fluchtweg abgeschnitten hat. Sein Lächeln ist beinahe diabolisch, als er ein klein wenig zur Seite rückt, so dass der Stoff seiner weichen Hose meinen bloßen Unterarm berührt. Er ist zu nahe.

Nur mühsam unterdrücke ich meinen Fluchttrieb und atme stattdessen ein. Ein weiterer Fehler, denn sein Duft ist sehr sinnlich.

Marx wendet sich fort von den Unterlagen und mir sein Gesicht zu. Es ist nahe genug für einen Kuss.

Seine Stimme ist heiser, als er fragt: »Ich denke, Sie brauchen in diesem Bereich Ihrer … Anlagen noch eine intensivere Beratung?«

Meine Gedanken rasen und holen langsam meine Fantasie ein. Kann es sein, dass Marx gerade wirklich das tut, wovon ich schon immer geträumt habe? Ich habe keine Ahnung und deswegen wage ich es nicht, meinen Blick zu heben und ihn direkt anzusehen. Wie lächerlich würde ich wirken, wenn ich irre und mich nur in einem Tagtraum befunden habe?

Marx’ Atem liebkost mein Ohr und ein angenehmes Kribbeln läuft meinen Rücken hinunter.

Mit einem Mal erkenne ich meinen grundlegenden Irrtum. Marx ist kein Mittzwanziger, der keine Ahnung hat. Er ist derjenige von uns beiden, der weiß, was er tut – und was er will.

»Soll ich Ihnen ein Beispiel zeigen?« Wieder sein Atem an meinem Ohr.

Die Doppeldeutigkeit seiner Worte lässt mich erkennen, dass er von meinen Fantasien weiß – und sich seiner eigenen Vorstellungskraft sicher sein kann.

»Ja!«, hauche ich.

Marx setzt sich auf den Stuhl neben meinem. Wieder zu nahe. Aber nicht sichtbar. Auf jeden Außenstehenden musste dies hier trotzdem wie ein normales Beratungsgespräch wirken.

Nur unterhalb der Tischplatte, da berührt mich sein Oberschenkel, gleitet langsam an meinem entlang und reibt sich an ihm.

Ich kann spüren, wie ich feucht werde.

Er meint es wirklich ernst!

Und wie gut, dass alles unterhalb der Tischkante Dank der Metallplatte in der Mitte der Sitzgruppe zum Gang und zum Foyer hin quasi unsichtbar ist.

Marx’ Hand gleitet auf meinen Oberschenkel und schiebt meinen Rock langsam und andächtig nach oben. Wie gut, dass ich keine Strumpfhosen trage, sondern halterlose Strümpfe, denn der erste richtige, intime Hautkontakt lässt mich leise seufzen. Marx unterstützt meinen wortlosen Genuss, lässt seine Hand höher wandern, zur Innenseite meiner Schenkel. Zwischen sie. Er verharrt, als eine weibliche Angestellte das Büro betritt, uns grüßt und sich einen Ordner aus einem der Regale schnappt.

Jetzt redet Marx wieder, geschäftsmäßig. Zeigt mir meine Firmenauswertungen, Skizzen und Diagramme, während sich seine Hand ungerührt zwischen meine Beine schiebt und ich schon lange nicht mehr zuhöre.

Als er seine Handfläche auf meine Vulva legt, ignoriert er meinen erschrockenen Blick und schiebt seine Hand tiefer, bewegt die Hand in einem vollkommenen Rhythmus. Druck. Kein Druck. O ja, er weiß, wie man eine Frau verwöhnt.

Ich hebe ein wenig mein Bein und spreize die Oberschenkel noch ein wenig mehr, als ich begreife, dass Marx’ Arbeitskollegin den Raum wieder verlassen wird, ohne etwas zu bemerken.

Im Gegensatz zu Marx, denn der nutzt die Gelegenheit und erforscht mich weiter, kaum dass die Tür hinter der Ordner-Kollegin zugefallen ist. Er schiebt den störenden Stoff meines Strings zur Seite und sein Daumen gleitet über meine Knospe. Grundgütiger! Ich bin schon jetzt fast soweit!

Marx schenkt mir ein wissendes Lächeln, als ich erschrocken meine Beine wieder schließen will, und dringt mit einem Finger in mich ein.

Ich schließe die Augen.

»Sie können sich die Papiere in Ruhe ansehen – ich warte, bis Sie fertig sind!«, meint er. Ein doppeldeutiger Hinweis für mich und die Erlaubnis zu genießen.

Ich nehme einen der Zettel in die Hand. Sie zittert.

Marx, dessen Daumen geschickte Kreise um meinen Lustknoten zieht, während er seinen Finger tief in mir bewegt, schlägt mich völlig in seinen Bann.

»Du hältst es falsch herum!«, flüstert er zufrieden.

Hastig drehe ich das Blatt um.

»Gehöre mir!«, bittet er, immer noch leise. »Sei mein perfektes Weihnachtsgeschenk!«

Seine heiser gemurmelten Worte tragen mich in ungeahnte Höhen. Wehrlos überlasse ich mich ihm und seiner Hand, vergesse den Mistelzweig, den Advent und Heiligabend und verglühe im herrlichen Weihnachtsrausch.

5.Das Klavier

Lara Sailor


Nach seinem Einzug hatte der neue Nachbar zu spielen begonnen. Sanfte Töne, die vollendet durch die Wände hallten und Iris’ Körper ins Schwingen brachten, bis jede Zelle zu vibrieren schien.

Schon nach Tagen gab es keinen Ort in ihrer Wohnung mehr, in dem ihre geschärften Sinne nicht Tonleitern und Fingerübungen erkannten. Selbst wenn sie schlief, träumte sie von sanften Melodien und wunderschönen Elegien.

Doch es gab keinen Grund zur Beschwerde, »J. Anderson« hielt sich an die Regeln und selbst die zänkische Frau Meyer von unten liebte ihn. Genau wie alle Nachbarn berichtete die Alte davon, wie nett der junge Mann war, wie einfühlsam.

Iris jedoch schien er aus dem Weg zu gehen, blieb eine Spukgestalt, die sich hinter Noten und verführerischen Liedern verbarg. Nach zwei Wochen begann Iris ihn zu hassen und zu fürchten, zu lieben und zu verehren.

Seine Musik verfolgte und bedrängte sie. Sie schlich sich in ihre Gedanken und Sehnsüchte. Immer wieder trafen die Spielarten Iris unvermutet und ohne jede Deckung.

Wie Samstagabend im warmen Bad. Schwermütig und verführerisch verlockte die Musik sie dazu, sich hinzugeben. Iris ertappte sich dabei, wie ihre Finger den Rhythmus aufnahmen und auf ihrem Körper spielten. Dabei, wie sie sich die geübten Finger des Musikers auf ihrer weißen Haut vorstellte – und in ihren schwarzen Locken. Weibliche Klavierseiten, die unter gekonnten Berührungen und den sanften, aber bestimmten Fingern meisterhaft gespielt wurden. Er würde ihr Töne entlocken, wie es nur ein wahrhaftiger Künstler konnte.

Sie sank tiefer in das Wasser und nutzte die Melodie, um ihre Hände über ihre Haut gleiten zu lassen, den Rhythmus, um sich zu fingern, und den Takt, um sich tiefer und tiefer in die selbstversunkene Hingabe fallen zu lassen, bis sie eins wurde mit der Musik, der spielerischen Hingabe und der vollkommenen Selbstauflösung in den allumfassenden Noten.

»Du bist verrückt!«, behauptete Nina, als Iris ihren besten Freundinnen beim wöchentlichen Kaffeeklatsch von ihren Fantasien erzählte. Dann lauschten sie der verlockenden Musik, die an diesem Sonntagnachmittag das Haus erfüllte.

Als die Töne abrupt verstummten, maulte Judith: »Und deswegen haben wir uns hier getroffen, statt die halbe Stunde im Café Belagios zu nutzen, um Jorge zu bewundern?«

»Jorge, immer nur Jorge…«, murmelte Iris. Träume von ihm hatte sie schon vor Monaten aufgegeben. Doch erst seit es den neuen Nachbarn gab, fiel es ihr nicht mehr schwer, den gut aussehenden Mittvierziger zu verdrängen. Schließlich hatte er sie nie beachtetet, kannte nach all den Jahren nicht einmal ihren Namen, obwohl sie jeden Sonntag um 16 Uhr mit ihren Freundinnen in sein Café kam. Und jeden Sonntag eine Waffel mit Eis und Kirschen und einen Latte Macchiato bestellte.

Der schöne Jorge … Iris’ Gedanken schweiften ab. Plötzlich waren es Jorges Finger, die sich auf ihrer Haut bewegten, seine Elegien, die sie verzauberten, seine Musik, die sie verführte und sein Rhythmus, der sie zum Schreien brachte.

Entschlossen schüttelte Iris den Kopf und den Tagtraum von Jorge, seinem perfekten Körper, dem perfekten Mund und dem perfekten Sex ab. Schließlich flirtete er mit jeder Frau, nur sie ignorierte er. Wahrscheinlich war Iris ihm nicht schlank genug oder zu durchschnittlich.

»Lade deinen Nachbarn doch zum Kaffee ein«, schlug Nina vor und riss Iris aus ihren Gedanken.

»Jetzt?« Iris sah an sich hinab und musste lachen. Ihr gemütlicher Hausanzug lud wahrlich zu vielem ein – flirten zählte nicht dazu. Auch wusste sie, dass sie ohne Makeup, mit nachlässig zurückgebundenen Haaren eher kuschelig als hübsch aussah.

Für ihren ehrlichen Blick erntete sie einen Ratschlag: »Wenn ein Mann dich mag, dann immer und auch so wie jetzt!«

Gut gelaunt brachte Iris ihre Freundinnen zur Tür, wünschte ihnen Glück mit Jorge und sah ihnen nach. Als plötzlich die Tür der Nachbarwohnung aufgerissen wurde, erschrak sie und drehte sich zur Flucht.

»Ist heute nicht Sonntag?« Die angenehme Stimme und die Frage, die sie nicht in einen Zusammenhang bringen konnte, irritierte Iris genug, um dem Mann einen Blick zu gönnen.

Jorge! Gut aussehend wie immer.

Als er ihre Verwirrung erkannte, ergänzte er: »Du wirst mir untreu kleine Blume?!«

Iris wurde rot, begriff aber nicht, wovon Jorge sprach.

»Ihr seid doch heute immer im Café…«, er musterte sie eingehend, »…oder bist du krank, Blume?«

Die merkwürdige Enttäuschung darüber, dass ausgerechnet Jorge ihr traumhaft-verführerischer Klavierspieler sein sollte und sie nun auch noch abwertend musterte, ließ Iris fauchen: »Wenn du mich so nicht magst, ist das dein Problem!« Sie drehte sich um und stapfte zu ihrer Wohnungstür zurück. »Außerdem habe ich einen Namen!«

»Iris!« Jorges entschuldigende Stimmlage und die Tatsache, dass er ihren Namen kannte, ließen Iris zurückblicken.

Verunsichert fragte er: »Du kommst heute gar nicht?« Er sah an sich hinab und machte eine hilflose Geste, mit der er ihr zu verstehen gab, dass er sich nur wegen ihr so schick machte.

Iris blinzelte und ihre verführerischen Gedanken kamen zurück. – Alle.

»Vielleicht kannst du mir bei mir meinen Sonntagskaffee servieren?«, schlug sie vor und fügte schelmisch hinzu: »Und Klavierspielen?!«

6. Backe, Backe … Weihnachtsüberraschung
(Eine Geschichte aus dem »Männerbacken«-Universum)

Katinka Uhlenbrock


Marios-Super war weihnachtlich geschmückt und sah aus wie eine Märchenwelt. Weißer Kunstschnee bedeckte jede Fläche, die nicht Tisch oder Sitzplatz war, weiß-silbrige Schneeflocken hingen in verschiedenen Größen und in unterschiedlichen Höhen und Abständen von der Decke, die Beleuchtung war in grün-rot gehalten und auf jedem der Tische standen kleine, geschmückte Tannen, die jeweils mit einer beleuchteten Lichterkette versehen waren. Sie waren die kleinen Geschwister der mächtigen Tanne, die im Eingangsbereich stand und unter der verpackte Geschenke schmückend ins Gesamtkonzept passten.

Selbst der Lärmpegel und die vielen Gäste in der Bar kamen nicht gegen die festliche Atmosphäre an, die auch vor den Toiletten nicht haltgemacht hatte. Wochen vor dem ersten Advent war der Chef, Mario, auf die Idee gekommen, Jeannine um Dekorationshilfe zu bitten. Etwas, was seine beste Freundin immer sehr ernst nahm und innerhalb weniger Stunden hatte sie die beiden Räume komplett umgestylt und sogar dem Zigarettenautomaten ein Weihnachtsoutfit verpasst und ihn in Santas Schlitten verwandelt.

Aber auch Geburtstage nahm Jeannine sehr ernst und so hatten die gemeinsamen Freunde ganz harmlos in der Bar Stellung bezogen. An ihrem Stammtisch sitzend, hatten sie eine Weile lang so getan, als wüssten sie von nichts, hatten sich flüsternd mit anderen Gästen unterhalten und als Mario endlich die bestellten Cocktails brachte, sprangen so gut wie alle Besucher der Gaststätte auf und stimmten in Jeannines »Happy Birthday« ein.

Mario guckte überrascht und irritiert, ließ sich hochleben und drücken und ließ sich sogar einen Moment lang auf den leeren Stuhl ziehen. Erst dann schien ihm aufzufallen, dass der ganze Jubel und Trubel ihm galt. Lachend wehrte er das erste Geschenk ab. »Mädels, ich habe heute keine Zeit für einen Geburtstag.«

»Das ändert aber nichts daran, dass du heute Geburtstag hast!«, protestierte Jeannine.

Mario verdrehte die Augen, erkannte aber eine Zwangslage, wenn er eine fand. Seine Freunde würden ihn nicht entkommen lassen, wenn er nicht mitspielte. Und je schneller er mitspielte, desto schneller würde er entkommen. Simple as that.

Mit gespielter Begeisterung, die rasch in echte umschlug, riss Mario das Geschenkpapier auseinander und betrachtete den Inhalt. Einen Karton, auf dem Teig, ein Backförmchen in Frauenform, ein Rezeptbuch und magisches glitzer-rosafarbenes Papier abgebildet war.

»Was ist das?«, erkundigte er sich misstrauisch.

»Eine Traumfrau«, erklärte Jeannine, als seien diese zwei Worte Erklärung genug. Waren sie auch, denn alle am Tisch, einschließlich Mario, hatten mitbekommen, wie Jeannine an ihrem Geburtstag das Glück gefunden hatte. Durch einen selbstgebackenen Traummann, der auch heute neben ihr saß und mit dem sie Händchen hielt, als seien die zwei miteinander verwachsen.

»Hasi«, meinte Mario mitleidig und legte seine Hand auf Jeannines, »ich brauche gar keine Traumfrau, ich brauche eine neue Kellnerin!«

»Wir könnten einspringen«, schlug Jeannine vor, erntete aber einen bösen Blick von ihrem Freund und ein energisches Kopfschütteln.

»Du würdest dem ersten Kerl, der dir auf den Hintern starrt, eine reinhauen und Lucy hier«, Mario zeigte auf Jeannines beste Freundin, aka Schwester des selbstgebackenen Traummannes, »sie würde mit genau demselben Kerl ins Hinterzimmer gehen.«

»Hei!«, machte Lucy, wirkte aber nicht wirklich empört. Seit sie sich von Javier getrennt hatte, war sie chronisch untervögelt und gab zu allem und jedem ihren sexistischen Senf dazu. Sie war wie eine Diva auf Sexentzug.

»Und Anja würde jeden Gast zu einer unserer Veranstaltungen nötigen«, erklärte Mario weiter und zeigte einen weiteren Schwachpunkt in Jeannines Vorschlag auf. Anja grummelte nur leise vor sich hin, widersprach aber nicht.

»Ich könnte einspringen!«, schlug Damon vor.

Mario überlegte einen Augenblick, doch dann schüttelte er den Kopf. »Mir reichen schon die anderen Frauen, da brauche ich nicht noch verliebte Teeniehorden, die wegen dir vor der Theke herumlungern.«

»Du bist einfach zu wählerisch!«, mutmaßte Jeannine und die anderen Freunde am Tisch nickten zustimmend.

»Bei meinen Kellern und Kellnerinnen oder bei einer gebackenen Traumfrau?«, erkundigte sich Mario, während er aufstand, um wieder seinen Platz hinter der Theke einzunehmen.


Fünf Minuten später reichte Jeannine ihrem Freund einen Zettel, den er erst für eine Bestellung hielt, dann erst erkannte er die silbernen Sterne und das rosafarbene Papier.

Er verdrehte die Augen. Trotzdem öffnete er den zusammengefalteten Zettel und las: »Wir haben abgestimmt und sind übereingekommen, dass du bei deinen Kellnerinnen noch wählerischer bist, als bei deiner Traumfrau.«

Widerwillig musste Mario lachen. Klar, seine Traumfrau musste schon Kellnerin sein – oder immerhin gewillt, eine zu werden. Seinetwegen auch Küchenchefin, okay wären auch noch Thekenkraft oder Küchenhilfe, mit allem anderen konnte er nichts anfangen. Er arbeitete hart und das fast rund um die Uhr, und wenn seine Traumfrau ihn zu Gesicht bekommen wollte, musste sie ohnehin in die Bar kommen. Also konnte sie folgerichtig auch gleich mit anpacken.

Grinsend setzte er diese Punkte auf die vorgefertigte Wunschfrau-Liste. Optik war ihm halbwegs egal, er hatte bezüglich von Haar- und Augenfarben keine Präferenzen. Dasselbe galt für die Figur der Frau. Er mochte kleine mollige Frauen genauso gerne wie die großen Modelltypen und Walküren waren bei ihm so willkommen, wie asiatische oder orientalische Frauen. Solange sie nett waren und irgendetwas Besonderes hatten, hatte Mario keine großen Ansprüche. Also setzte er »nett« auf die Liste, »Tier- und Kinderlieb«, »begeisterungsfähig«, »hilfsbereit«, »handelt vorausschauend« und – weil Jeannine gerade von der Toilette zurückkam und ihn in diesem Moment herausfordernd ansah, fügte er »sexy«, »temperamentvoll« und »dynamisch« hinzu.

Er reichte seiner Freundin den Zettel. »Und bevor du auf die Idee kommst, zu fragen: Nein, ich kann heute auf gar keinen Fall und unter gar keinen Umständen noch irgendetwas, irgendwo backen. Nicht einmal ansatzweise!«

»Dann ist ja gut, dass wir die Vorarbeit übernommen haben!«, lachte Jeannine und gab Damon ein Zeichen. Ihr Freund stand auf, nahm etwas mit und stellte es vor Mario auf den Tresen. Ein Teller mit einer weiblich anmutenden Teigfigur.

»Ausreden ziehen nicht, mein Freund!«, lachte Damon und amüsierte sich über Marios skeptischen Blick.

»Genau!« Anja und Lucy waren hinter Damon aufgetaucht und während Lucy das Schnapsgläschen hielt, schüttete Anja aus einer etikettenfreien Flasche eine grüne Flüssigkeit ein. Jeannine zündete das obskure Getränk an.

»Und jetzt den Zettel in die Flamme halten!«, befahl sie.

Unter den aufmerksamen Blicken der Freunde tat Mario wie ihm geheißen.

»Und jetzt ausmachen und trinken!«, erklärte Lucy und reichte Mario einen Bierdeckel.

Der Barbesitzer reichte einer der Kellnerinnen ein Tablett mit frisch gezapften Pils über den Tresen, bevor er den Brand löschte und die grüne Flüssigkeit mit einem Schluck trank.

»Bäh!«, hustete er. »Was war denn das?«

»Eine spezielle Absinthmischung!«, meinte Jeannine, wirkte aber keineswegs schuldbewusst. »Und jetzt iss brav deine Traumfrau!«

»Komisch«, lachte Mario, »für einen Moment hatte ich ganz seltsame Vorstellungen – irgendwie musste ich an den Film American Pie denken, die Szene mit dem Hackfleisch!«

»Bäh!«, machten Jeannine, Lucy, Anja und Damon unisono.

»Du bist echt …«, fügte Jeannine hinzu, war aber so nett, das letzte Wort Marios Fantasie zu überlassen, während sie sich mit den Freunden zurückzog und Mario seinem akuten Kellnerinnen-Chaos überließ.


Als die Tür hinter Mario zufiel, das laute Geräusch aber vor ihm zu hören war, erschreckte er sich so sehr, dass er mit dem Kopf gegen die Kellerdecke stieß und benommen zu Boden ging.

Das Geräusch, oder besser die Füße, von denen es gekommen war, blieben vor ihm stehen und eine besorgte Stimme fragte: »Ist alles in Ordnung mit dir?«

»Nein, nichts ist in Ordnung!«, fauchte Mario, dessen Kopf so laut dröhnte, dass es noch zwei Wohnblöcke weiter zu hören sein musste. »Meine Freunde haben blöde Ideen, ich habe fast vierundzwanzig Stunden lang nonstop gearbeitet, ich bin dreißig geworden und habe mir gerade tierisch den Kopf gestoßen, und dann fragt mich eine dumme Kuh, die in meinem Keller überhaupt nichts zu suchen hat, ob es mir gut geht. Dabei ist es ihre Schuld, dass man mich überhaupt fragen muss.«

»So langsam verstehe ich, warum du keine Freundin hast«, meinte das Geschöpf vor ihm erbost und trat einen Schritt zurück.

Mario öffnete den Mund, um eine weitere Gemeinheit fallen zu lassen, machte aber den Fehler dabei aufzusehen. Sie war nackt und eine Erscheinung wie aus einem feuchten Traum. Das erste, was er wahrnahm, waren ihre Haare. Sie reichten ihr bis zu den Hüften und waren rabenschwarz. Genau wie das kleine Dreieck, das einen sehr interessanten Punkt ihres Körpers verdeckte. Der Rest ihres Körpers war so weiß, dass sie ohne weiteres für die Rolle des Schneewittchens vorsprechen konnte. Zumindest die Stellen, die er sehen konnte.

»… und du auch keine Kellnerin findest, die freiwillig für dich arbeitet.«

»Bist du zufällig Kellnerin?«

»Du hast mich doch gebacken, erzähl du es mir!«, fauchte sie.

Also das mit dem Temperament klappt schon mal, dachte er und grinste innerlich. Vielleicht war diese ganze Traumfrau-Backchose doch ganz gut. Was zum Teufel denke ich denn da?

»Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist«, meinte er, mehr zu sich selbst und mehr, um sich selbst davon zu überzeugen.

»Nein, das ist es nicht. Um genau zu sein, ist es sogar eine saublöde Idee«, stimmte die nackte Schönheit zu.

»Wie heißt du eigentlich?«, versuchte Mario die Kurve zu bekommen und das Gespräch wieder in unverbindlichere Bahnen zu lenken.

»Na endlich, ich dachte schon, er fragt gar nicht«, neckte die Schwarzhaarige und warf ihr Haar nach hinten, so dass nur noch eine dünne Schicht über ihren rosigen Brustwarzen lag.

»Kannst du aufhören in der dritten Person von mir zu reden?«, meinte Mario, dessen Blick sich an dem Rosa festgesaugt hatte und den er nur mit Mühe in Richtung ihrer Augen lenkte. Doch dann blieb er stur und gewann das Blickduell.

»Was macht dein Kopf?«, lenkte sie ein.

»Tut Scheiße weh und Halluzinationen habe ich auch noch – ich unterhalte mich gerade mit einer waschechten Traumfrau in meinem Kühlkeller. Ha!« Mario lachte und nach Sekunden stimmte die Traumfrau ein.

»Vielleicht bist du gar nicht so übel?«, meinte sie.

»Doch, bin ich!«, widersprach Mario. Er musste ein grauenvoller Chef sein, da er keine Kellnerin fand, ein grauenhafter Mensch, da er keine Frau fand, und ein grauenhafter Liebhaber, da ihn seine Freundin für einen anderen hatte sitzenlassen.

»Echt?«, erkundigte sich die namenlose Traumfrau und in ihrer Frage schwang ganz klar mit, dass sie ihm nicht glaubte.

»Schlimmer!«, bestätigte Mario. Besser gar keine Hoffnungen in seinem Geburtstagsgeschenk wecken, dann konnte er sie auch nicht enttäuschen.

»Kannst du kellnern?«, erkundigte er sich.

»Maria«, meinte sie, nickte und fügte »und kochen« hinzu.

»Und gut aussehen tut sie auch noch«, entfuhr Mario, bevor er sein Gehirn einschalten und sich das mit »keine Hoffnung wecken« noch einmal durch den Kopf gehen lassen konnte.

»Und soll ich dir ein Geheimnis verraten?« Sie trat näher und ihr Atem streifte sein Ohr. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie kaum größer war als er selbst – und das auch nur, weil sie trotz ihrer Nacktheit Highheels trug. Eine seiner geheimen erotischen Fantasien, von denen er noch niemals jemanden erzählt hatte. Nicht einmal seiner besten Freundin. Und auch auf seinem Wunschzettel hatte diese Beschreibung nicht gestanden.

Traumfrau Maria bemerkte, wie Mario ihre Füße beäugte und meinte: »Stehe ich drauf!«

»Ich auch«, gab Mario mit belegter Stimme zu.

»Und worauf stehst du noch?«, erkundigte sie sich, hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen und brachte ihn vollkommen aus dem Konzept.

»Das willst du gar nicht wissen!«, lächelte Mario, obwohl ihm kein bisschen nach Lächeln war. Aber zu oft waren ihm seine Wünsche um die Ohren geflogen.

»Will ich doch!«, behauptete seine Traumfrau, glitt langsam an ihm nach unten und öffnete dabei die Knöpfe seines Hemdes, die Schnalle des Gürtels und den Reißverschluss.

»Was glaubst du, tust du da gerade?«, versuchte Mario sie zu stoppen.

»Ich zeige dir, worauf ich stehe!«, hauchte Maria nach oben und leckte sich selbstsicher die Lippen. Eine Frau, der man nicht widerstehen konnte – oder wollte.

»Verdammt!«, fluchte Mario, als sie ihn von seiner Hose befreite und sich seine Erektion überdeutlich unter dem dünnen Stoff der Boxershorts abzeichnete.

»Wir wissen beide, dass das hier nichts mit Liebe zu tun hat oder mit Happily ever after und sind erwachsen, oder?«, fragte sie, Sekunden, bevor sie die Shorts nach unten zog und Marios harten Schwanz in den Mund nahm und – die roten Lippen fest um seinen Schaft geschlossen – zu ihm aufsah.

»Mmmh…«, machte Mario.

Maria nahm den Laut als Zustimmung und begann ihre Zunge zu nutzen und sie in dem Vakuum ihres Mundes um Marios Schwanz tanzen zu lassen. Über die Eichel, die sie ganz im Mund hatte und dann entließ, hinab zum empfindsamen Schwanzbändchen. Ihre Linke um die Peniswurzel schließend, nutzte sie ihre Rechte, um Marios Hoden zu streicheln, zu massieren und sanft an ihnen zu zupfen. Mario stöhnte und war versucht, die Kontrolle komplett abzugeben. Noch nie hatte ihn eine Frau so schnell so sehr angemacht, noch nie genau die richtigen Dinge getan und noch nie, wirklich noch nie hatte sie … Er stöhnte auf, als Maria seinen Schwanz wieder in den Mund nahm und das Vakuum wieder da war – zusammen mit ihren Händen, den Fingern und der Zunge und … sie drückte ihn nach hinten, Richtung Tisch und er folgte ihrem Wunsch, während sie ihn aus ihrem Mund entließ, an Mario hochglitt und sich auf den Tisch setzte. Und dann tat sie etwas, wovon Mario schon immer geträumt hatte: Sie nahm ihn zwischen ihre Füße!

Es war der Wahnsinn. Ein vollkommen fremdes Gefühl und da sie den Druck nicht steuern konnte, unbeholfen, unkoordiniert und gerade deswegen saugeil. Mario starrte wie hypnotisiert auf die perfekt geformten Füße, die Zehen, die rot lackiert waren und die das Auf- und Abgleiten an seinem Schwanz zu einer magischen Zeremonie werden ließ.

Wieder und wieder strichen die Füße an seinem Schwanz entlang, veränderten den Druck, glitten mal mit den Zehen über seine Eichel und mal mit den Hacken über seine Hoden. Wieder und wieder wurde der Druck in seinem Inneren größer, staute sich aus, ebbte ein wenig ab, startete höher als zuvor. Die Welle brandete höher und höher, drohte zu kippen, versackte und verging in dem Rot ihrer Zehennägel, bis sie wieder anwuchs und wuchs und wuchs und Mario benötigte einige Sekunden, bis er begriff, dass das langgezogene Stöhnen aus seinem Mund kam und seine Erleichterung hörbar machte. Eine Erleichterung, die in seinen Adern weiterfloss und sich von Körperzelle zu Körperzelle fortpflanzte, bis er so entspannt war, wie nie zuvor.

»Dafür erwarte ich jeden Abend nach der Schicht eine Fußmassage!«, meinte Maria frech, strahlte aber übers ganze Gesicht.

»Gerne auch zwischendurch!«, behauptete Mario zufrieden, küsste ihre Füße, strich ihr die Haare aus dem Gesicht und nahm dann ein anderes Rot in Beschlag. Das ihrer Lippen.

7.Blind Date

Lilly An Parker


Ich war nervös. Etwas, was ich so selten war, dass ich es erst realisierte, als mich ein Arbeitskollege deswegen ansprach. Muss man sich einmal vorstellen: Man war der Chef und trotzdem meinte der eigene »Sauhaufen«, einem Tipps, Tricks und Ratschläge erteilen zu müssen!

Dabei war ich doch nun wahrlich nicht hässlich, auf den Mund gefallen und auch Kind von Traurigkeit war ich nie gewesen. Trotzdem war das hier für mich absolutes Neuland. Nachdem mich meine Frau für einen Job im Ausland abserviert hatte und ich mich in die Reihe der Ex-Men einreihen konnte, hatte ich kein Date mehr gehabt und keine Ahnung, wie ich auftreten sollte. Harmlos, lässig, charmant, bestimmend? Viele Frauen fuhren ja seit Neuestem auf diesen SM-Kram àla Dorian Grey ab – hatte ich gehört. Das Buch »Shades of Grey« hatte mich nie gereizt, da ich einige Freunde in »der Szene« hatte und auch wenn sie mir seit Jahren versuchten, den Unterschied zwischen Vanilla, Soft SM, SM und 24/7 zu erklären, fand ich die Übergänge einfach nur fließend. Okay, den Unterschied zwischen ersterem und letzterem jetzt nicht unbedingt, aber der Rest? Ich bitte Sie! Wer hatte sich denn noch nie an ein Bett fesseln und die Augen verbinden lassen? Und auch Spanking war jetzt für mich eher Vanilla …

Ich warf einen Blick in den Spiegel und überprüfte mein Outfit. Junge, Junge, eigentlich hatte ich mich wirklich gut gehalten. Außerdem fand ich, dass ich gut zu dem Restaurant passte – dunkel, geheimnisvoll und irgendwie anders. Mir ein Lachen verkneifend, wandte ich mich dem nächsten Gast zu und stutzte. Das musste SIE sein, denn sie war bislang der einzige Gast, der allein gekommen war. Und sie sah zauberhaft aus, mit diesem unsicheren Ausdruck im Gesicht, dem verwaschenen grünen Jeansrock und der engen roten Bluse, die im Stil einer Korsage geschnitten war. Dazu hatte sie hübsche, wenn auch schon etwas ältere rote Stiefel an und bot einen Eindruck aus sexy und weihnachtlich lässig, den nur ihre Augen Lüge straften. Miss Supersüß war nervös und versuchte mit ihren bloßen Blicken durch den roten Vorhang zu blicken, mit dem der Durchgang in den Speisesaal verhangen war.

Irritiert steuerte sie auf den Tresen zu, an dem ich stand und ich konnte nur hoffen, dass ich meinen Mund inzwischen wieder geschlossen hatte. Freunden und Arbeitskollegen zufolge meldeten sich bei »Dating Portalen« nur Looser an und Frauen, die selbst beim »Resteficken« keinen mehr abbekommen hatten. Aber diese Frau war eindeutig ein Hauptgewinn und ihr Profil kein Fake. Im Gegenteil: Sie übertraf ihre Beschreibung bei Weitem.

Erst als sie nach unten sah, erst ihren Rock und dann ihre Füße überprüfte, wurde mir klar, dass ich gestarrt haben musste. Ich schenkte ihr ein Lächeln und ließ sie allein dadurch wissen, was ich gedacht hatte.

Noch verwirrter als zuvor, musterte sie sich in der Spiegelfront.

»Sie sehen toll aus!«, meinte ich, noch bevor sich mein Gehirn einschalten konnte.

Die Blondine sah auf und lächelte. Einen Moment lang schien sie versucht zu sein, das Kompliment zurückzugeben, doch dann meinte sie nur: »Danke!«

Dabei war ihr Lächeln so offen und so ansteckend, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen hatte. Unverbindlich und verführerisch zugleich.

»Können Sie mir verraten, ob mein«, sie gab sich Mühe die zwei Worte nicht überdeutlich zu betonen, »BLIND DATE an Tisch sechs schon da ist?«

Ich musste lachen. Doch bevor ich sie über die Absurdität der Frage aufklären konnte, wurde die Tür aufgerissen und ein junger Mann stürzte herein, an ihr vorbei und blieb vor mir stehen. Dann erst drehte er sich um und warf einer Frau in einem silbernen Porsche einen Kussmund zu.

»Mein Taxi«, erklärte er mir, als wenn es mich interessiert und ich gefragt hätte. Doch ich ließ ihm die Erklärung und das Vordrängeln durchgehen, da er selbst dabei sehr gestresst wirkte. So, als sei er deutlich zu spät zu einer wichtigen Verabredung.

Der Gedanke schien auch der Frau hinter ihm gekommen zu sein, denn sie wirkte mit einem Mal noch unsicherer. Ein wenig betreten und peinlich berührt. Dieser Zustand vertiefte sich noch, als mir der Gehetzte zunickte.

»Alles klar, Samuel?«, erkundigte sich der Stammkunde und schien dann erst zu bemerken, dass ich mit den Gedanken gar nicht bei ihm gewesen war. Mit einem Blick, der mir nicht gefiel, blickte er sich zu Miss Blind Date um und musterte sie von oben bis unten. Ich musste mir wortwörtlich auf die Zunge beißen, um ihn nicht zu maßregeln, als er eine Visitenkarte zückte und ihr mit der Andeutung einer Verbeugung reichte. »Ruf doch mal, dann können wir uns treffen und weggehen.«

Ihm schienen nicht für eine Sekunde Zweifel zu kommen oder die Möglichkeit einzufallen, dass sie gar nicht wollte. Zugegeben, er sah nicht schlecht aus, eigentlich sogar ziemlich gut – aber er wusste es und setzte es schamlos ein. So jemand war doch hoffentlich nichts für eine Frau, die sich für mich interessierte.

»Entschuldige mich, ich habe eine VERABREDUNG!«, meinte mein Stammgast zu »meiner« Blondine und drehte sich zu mir.

»Habe ich dasselbe Separee wie immer?«, erkundigte er sich und er konnte von Glück sprechen, in diesem Moment nicht den Blick in seinem Rücken sehen konnte. Die Mischung aus Panik und Entsetzen, mit dem die Frau ihn bedachte, ging selbst mir durch und durch.

»Ja«, meinte ich ganz erwachsen. Schließlich hatte ich ein Geschäft zu führen und Geld zu verdienen, da konnte ich mir keine persönlichen Aversionen leisten.

»Dann gehe ich schon mal durch?«, erkundigte sich mein Stammgast, dem unter meinem Blick trotzdem klar zu werden schien, dass drei Frauen mindestens zwei zu viel waren.

»Bitte!« Ich deutete Richtung Vorhang, machte aber keine Anstalten, ihn für meinen Gast zur Seite zu halten. So war er gezwungen, sich selbst zu helfen. So viel also zu »erwachsen«.

Erst als der junge, gehetzte Womanizer den Raum verlassen hatte, wandte sich die Frau an mich.

»Tun Sie mir einen Gefallen?« Sie sah mich flehend an. »Gucken Sie, ob ER mein Blind Date ist?«

»Gott sei Dank! Sie ist nicht nur hübsch, sondern hat auch noch Geschmack!«, kommentierte ich, tat ihr aber den Gefallen und prüfte in meiner Gästeliste, welche Namen dort standen. Dabei konnte ich aus den Augenwinkeln erkennen, dass ihre Wangen immer noch glühten.

»Vertrauen Sie mir?«, erkundigte ich mich. Dabei entbehrte meiner Frage jeglicher Grundlage, denn nun wusste ich, dass sie NICHT mein Date war. Leider.

Aber sie bewies abermals ihre Intelligenz, denn sie sah mich prüfend an, hielt meinem Blick stand und nickte schließlich.

»Sie sind zum ersten Mal hier?«, fragte ich, obwohl die Frage überflüssig war. An SIE hätte ich mich natürlich erinnert, aber das konnte ich ihr genauso natürlich nicht sagen, also wartete ich, bis sie den Kopf schüttelte, bevor ich sagte: »Dann folgen Sie mir am besten!«

Galant hielt ich ihr den roten Vorhang zur Seite und ließ sie in den Nebenraum treten. Dabei ignorierte ich mein Handy, das in meiner Tasche vibrierte und mir vermutlich eine Absage meines Dates aufdrängen wollte, und konzentrierte mich auf den Raum. Er war sehr hell und steril, vier mal vier Meter, die Wände weiß, die Beleuchtung von Neonröhren. Nur an der weiterführenden Tür gab es etwas Farbe. Einen detaillierten Tischplan. Doch noch während sie versuchte neugierig darauf zu spähen, trat ich ebenfalls in den Raum und verdeckte das Objekt ihrer Begierde.

»Normalerweise fangen wir im Hellen an, die Gäste anzuleiten, um jedem die Gelegenheit zu geben, sich mit den Räumlichkeiten und dem Aufbau vertraut zu machen … aber Sie sind zu spät dran«, erklärte ich ihr.

Sie sah auf die Uhr und öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch ich kam ihr zuvor und legte meinen Zeigefinger an ihre Lippen. Eine Geste, die sehr intim war, zu intim. Die Berührung ging wie ein elektrischer Schlag durch mich hindurch, prickelte durch meine Adern und versprach in ihrer Intensität bei anhaltender Dauer wirklich weh zu tun – oder sehr sehr gut.

»Was ich annehme ist, dass Ihr Blind Date Sie absichtlich zu spät eingeladen hat«, erklärte ich ein wenig mystisch und nahm nur langsam meine Finger von ihrem Mund.

Jetzt war sie ernsthaft verwirrt. »Wieso absichtlich? Und wieso mit dem Aufbau vertraut machen?«

»Na, ganz einfach! Weil es ein BLIND Date ist«, lachte ich.

An ihrem Gesicht konnte ich ablesen, wann genau sie verstand – und ab wann ihr Verstand ihr Horrorvorstellungen visualisierte.

»Essen mit Augenbinde? Sieht mein Date so schlecht aus?«, erkundigte sie sich.

»Spielt das eine Rolle?«, fragte ich. Klar redeten immer alle von Charakter und »der passt zu mir«, aber in Wirklichkeit ging es immer um Schönheit und sichtbare Qualitäten. Zumindest beim ersten Date.

Doch statt zu protestieren, weil meine Frage ja im Grunde vollkommen unverschämt war, dachte das schöne Blind Date nach, bis sie schließlich »Nein«, meinte und dann die Stirn kritisch in Falten legte.

»Spielt es denn eine Rolle?«, gab sie meine Frage zurück.

»Nein, weil Sie ganz im Dunkeln sitzen, essen, trinken und sich unterhalten«, erklärte ich ihr das Besondere meines Restaurants.

»Wow!«, meinte sie und ich konnte förmlich die Gedanken sehen, die hinter der kleinen, entzückenden Stirn hin und her schossen.

»Deswegen haben wir einen Beispieltisch – zum Üben«, erklärte ich und trat an besagten Tisch. Dort zog ich den Stuhl nach hinten und gab ihr mit einer Geste zu verstehen, dass sie sich setzen sollte, was sie ohne zu Zögern tat.

»Schließen Sie die Augen!«, befahl ich und wieder vertraute sie mir und tat, was ich gesagt hatte. Nach wenigen Sekunden legte ich ihr meine Hände auf die Schultern. »Greifen Sie nach dem Glas …«

Ich beugte mich ein wenig vor, um ihren Arm besser dirigieren zu können, und nahm zum ersten Mal ihr Parfüm wahr. Es war unauffällig und genau richtig dosiert. Jetzt war es an mir, die Augen zu schließen. Die leichte Note nach Tannennadeln unterstrich die Jahreszeit und erinnerte mich an Mistelzweige und Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.

Das leichte Geräusch des Glases lenkte mich wieder zurück in die Gegenwart und machte mir bewusst, dass ich im Job tagträumte.

»Entschuldigung«, murmelte die Blondine. »Der Boden des Glases war schwerer als erwartet.«

»Damit sie nicht sofort bei der kleinsten Berührung umfallen«, erläuterte ich, als sei es meine ganz persönliche Schuld, dass sie sich hatte entschuldigen müssen. »Und die Kellner haben eine Wärmebildbrille auf …«

»Okay …«, meinte sie und tastete weiter nach dem Besteck und dem Teller, »… das ist schon unheimlich … Ich sehe dich nicht, aber du siehst mich …«

Unbewusst war sie zum »Du« übergegangen. Ein Effekt, der mir wieder einmal bewies, dass Dunkelheit vertrauensfördernd wirkte.

»Nicht unheimlicher als die Vorspeise …«, meinte ich und sie lachte leise. Ein Laut, der nicht nur meinen Unterleib in Wallung versetzte, sondern auch meine Fantasie beflügelte.

»… die ist nämlich eine ausnehmend heiße Suppe …«, behauptete ich und fügte hinzu: »Wollen Sie auch eine Brille?«

Trotz der Versuchung schüttelte sie den Kopf und öffnete die Augen. »Das wäre ja geschummelt!«

Ich zwinkerte ihr zu und war entzückt von der Röte, die in ihre Wangen stieg. »Eine Frau mit Prinzipien.«

»Sie sind nicht zufällig mein Kellner, oder?« Sie klang ein wenig unsicher und einen Hauch kläglich. So, als wenn sie am liebsten einen Rückzieher machen würde.

»Tut mir leid, aber ich habe gleich Feierabend.« Entgegen meiner Worte sah ich gespielt erleichtert auf die Uhr an meinem Handgelenk. Eine kleine Strafe dafür, dass sie mich trotz ihres Dates attraktiv und nett fand und gerne um sich haben wollte. Eine Tatsache, die mir natürlich schmeichelte. Selbstverständlich könnte ich ihr einfach die Wahrheit sagen, aber das wäre ja langweilig. Außerdem mochte ich Dunkelheit und Romantik und Überraschungen.

»Aber ich bringe Sie noch zu Ihrem Platz!«, meinte ich und zeigte ihr den Sitzplatz anhand des Plans.


Die Dunkelheit war unglaublich intensiv und irgendwie noch finsterer, als die meisten Leute erwarteten. Selbst für jemanden, der sich tagtäglich durch sie arbeitete, waren die ersten Minuten immer wieder eine Herausforderung.

Ich setzte meine Brille auf und augenblicklich konnte ich wieder etwas erkennen. Menschen zeichneten sich leuchtend ab und leicht verwischte Bewegungen ließen mich wissen, wer was tat.

Sanft dirigierte ich mein Date vorwärts, mal nach links, mal nach rechts, um Tische und andere Kellner herum. Immer weiter voran, in Richtung meines Lieblingsplatzes.

»Achtung, Stufen!«

Vorsichtig tastete ihr Fuß voran, bis sie vor eine Kante stieß und dann eine gefühlte Stufe nach oben stieg.

»Drei Stück!«, erklärte ich, da sie vor der nächsten Stufe wieder mit dem freien Fuß nach vorne tastete. Oben angekommen, streckte sie, blind, wie sie war, beide Hände aus und tastete nach ihrer Umgebung. Rechts befand sich eine halbhohe Mauer, links die Wände. Wie sie von der Zeichnung wusste, war der etwas erhöhte Gang rund und ging um den halben Raum. Ich ahmte ihre Bewegung nach und berührte mit meinen tastenden Fingern ab und zu Stoff. Anscheinend Vorhänge, die dahinterliegende Separees abteilten. Und in genau so ein Separee führte ich sie. Es war ein recht kleiner Raum, mit zwei Liegen, die nebeneinander standen, in der Mitte von einem kleinen Zwischenraum getrennt, der nicht ausgepolstert war. Beide Liegen waren leer.

»Ihr Begleiter ist noch nicht da«, erklärte ich und lektorierte: »Die Mitte zwischen den Liegen ist für Fingerfood und neben den Kopfkissen stehen die Getränke.«

»Und was ist mit dem Tisch und der Suppe?«, fragte sie argwöhnisch. Ein Tonfall wie eine heimliche Liebkosung, der über meinen Körper schmeichelte.

»Das gibt es nur im Innenraum.«

»Und wieso dann die Übung?«, erkundigte sie sich verwirrt.

»Ich habe geschummelt«, gab ich zu und ließ sie durch mein Lachen wissen, dass ich mich entfernte und vielleicht mehr wusste, als ich verraten hatte.

Darmowy fragment się skończył.

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
233 str. 23 ilustracji
ISBN:
9783942602624
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

Podobne książki