Czytaj książkę: «Wanderwissen kompakt»
Christian Hlade
Wander wissen
kompakt

INHALT
Vorwort: Wandern macht glücklich!
Grundgedanken zum Wandern
Wandern, um den Horizont zu erweitern
Meine Glücksregeln für das Wandern
Wandern & Nachhaltigkeit
Nachhaltiges Wandern: Hinweise und Tipps
Vorbereitung einer Wanderung
Planungscheckliste zur Vorbereitung einer Wanderung
Das beste Wander-Training
Wander-Karten richtig lesen
Gehzeiten richtig berechnen
Das Wanderwetter: Tipps zur Wetterdeutung
Wandern 2.0: GPS, Smartphone, Apps & Co
Versicherungen
Ausgezeichnetes Wandern: Wege, Orte & Unterkünfte
Alpine Vereine
Die optimale Wander-Ausrüstung
Von Ausweise bis Zwiebelprinzip: Ausrüstungstipps von A bis Z
Packtipps für Ihre Wanderungen und Wanderreisen
Besser Wandern mit Öko-Labels
Packlisten für das Wandern
Meine Packliste für eine einfache Mittelgebirgswanderung
Meine Packliste für eine längere Tageswanderung im Gebirge
Meine Packliste für eine Mehrtageswanderung im Gebirge
Meine Packliste für eine längere Wanderreise
Meine Abreise-To-do-Liste
Die wichtigsten Wandertipps für unterwegs
Richtiges Gehen & richtiges Pausen machen
Wandern in der Gruppe
Pro und Kontra von Wandern mit einer organisierten Gruppe
Verhalten auf Berghütten
Tipps und Tricks rund ums Wandern mit Kindern
Gesund und sicher unterwegs
Bewegung ist die Medizin des 21. Jahrhunderts
Unfällen und Notfällen vorbeugen
Blasen, Sonnenschutz und Trinken
Erste Hilfe: Was tun bei einem Wanderunfall?
Alpine Notfälle
Die richtige Ernährung beim Wandern
Yoga für Wandernde
Meditationsübungen für Draußen
Vertiefende Infos & Links
Impressum
Wandern macht glücklich!
Viele Menschen entdecken gerade jetzt das Wandern als ideale, bereichernde und sehr gesunde Freizeitaktivität. Erfahrene Wanderprofis wissen ohnehin schon lange, wie gut es tut, auf Bergen, Hügeln oder in Wäldern zu wandern und den Kopf freizubekommen: Wandern macht einfach glücklich!
Die gute Nachricht: Wandern ist keine Raketenwissenschaft. Es braucht dafür weder große theoretische Kenntnisse noch hartes Training. Jede und jeder, der halbwegs gesunde Beine hat, kann wandern.
Das Unspektakuläre des Wanderns ist auch sein unschlagbarer Vorteil: Es ist sehr leicht auszuüben und man muss es nicht auf aufwändige Art und Weise erlernen. Und dennoch gilt es, Fehler zu vermeiden, die einem den Wandergenuss rasch nachhaltig vermiesen können.
Für mich war das Verfassen dieses Buches eine spannende Langstreckenwanderung mit folgendem Ziel: All meine persönliche Wander-Erfahrung in einer sehr konzentrierten und doch gut zugänglichen Form für die praktische Umsetzung aufzubereiten. Ich möchte mein Wissen gerne mit Ihnen teilen.
Einerseits, um bereits erfahrenen Wanderern Inspiration und hilfreiche Anregungen zu geben. Von der Smart Watch mit GPS über Wander-Apps bis hin zu Yoga- & Meditationsübungen und Ernährungstipps ist alles dabei. Andererseits, um auch Menschen, die gerade erst mit dem Wandern beginnen, zu ermutigen und zu animieren – damit nicht Misserfolge wie Blasen, Knieschmerzen oder verschätzte Distanzen ein schönes Wandererlebnis verhindern. Meine praktischen Packlisten werden hoffentlich allen Wandernden das Leben unterwegs auf Tour erleichtern.
Denn auch wenn – wie zuvor beschrieben – Wandern eine relativ einfache Übung ist, kann man auch vieles falsch machen und selbst Profis können durch das Beherzigen einiger Tipps ihren Wandergenuss steigern. Wer auf einer Wanderung schon einmal zu schnell losgegangen ist und sich dann auf der ganzen Strecke nicht mehr erholen konnte, oder wer aufgrund mangelhafter Ausrüstung, falscher Schuhwahl oder schlechter – weil kniebelastender – Haltung beim Bergabgehen am nächsten Tag „all seine Sünden abbüßte“, kann möglicherweise ein schmerzhaftes Lied davon singen und soll in meinem Buch Tipps finden, um solche Fehlschläge in Zukunft zu vermeiden.
Ich hoffe sehr, Sie haben Freude mit meinem Buch, können für sich Nützliches mitnehmen und damit glücklicher und sicherer unterwegs sein.
Ihr Christian Hlade


Unterwegs entlang Irlands einzigem Fjord, Killary Harbour.a
Wandern, um den Horizont zu erweitern
Was Wandern für mich persönlich bedeutet
Wandern heißt für mich Schritt für Schritt neuen Landschaften, anderen Menschen, fremden Kulturen und auch mir selbst zu begegnen. Wandern umfasst unglaublich viele Aspekte, und jeder Schritt bringt immer wieder Neues hervor!
In meiner Jugend war das Wandern für mich eine wichtige Flucht aus dem Alltag: Abenteuer erleben, mich anstrengen und dadurch abschalten. Als ich noch Architekt war – mit viel Sitzen, Baubesprechungen und Deadlines – flüchtete ich immer wieder zum Ausgleich in die Natur, sonst hätte ich dieses Leben nicht ertragen. Für mich selbst ist und war Wandern aber niemals nur eine weitere Freizeitbeschäftigung. Schon seit meiner frühen Jugend nutze ich das Wandern auch zum Entdecken und Erforschen. Wandern ist für mich so vieles: Zufluchtsort, Seelenausgleich, Abenteuer, Sinneserweiterung, Bewegungs- und Problemtherapie und vor allem meine Berufung.
Nach einem langen Studium, der für mich nicht besonders erfüllenden Arbeit als Architekt und anderen „Umwegen“ konnte ich glücklicherweise mein Lebenselixier, das Wandern, zum Beruf machen. Inspiriert von ausgedehnten Wanderungen durch den Himalaya und der Verwirklichung einer solarbetriebenen Schule für das Dorf Lingshed gründete ich 1999 mein Reiseunternehmen „Weltweitwandern“. Seitdem wandere ich mit Gruppen um die Welt und entdecke zusammen mit örtlichen Partnern und Guides spannende Wanderdestinationen wie Madeira, Marokko, Nepal und viele andere mehr. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür! Und wenn es bei mir oder in meinem Unternehmen zwischendurch einmal nicht so gut läuft, dann gehe ich wandern und finde dadurch Wege, wie ich das Problem lösen kann. Und dabei ist mir immer noch etwas Gutes eingefallen.
Wandern als Alltags-Ausgleich
Beim Wandern entkommt man sehr wirkungsvoll und rasch dem Hamsterrad des Alltags. Bereits beim Aufbrechen und Losgehen lässt man schon vieles hinter sich. Beim Wandern hat man im Wesentlichen nur eine klare, einfache Aufgabe: Man muss seine Füße vorwärtsbewegen und kann immer wieder an- und innehalten. Es ist wohltuend, sich im eigenen, selbstbestimmten Tempo zu bewegen und nicht wie im Alltag in einem oft vorgegebenen. Gönnen Sie sich das, es tut gut!
Ist schließlich bei einer Wanderung das Ziel erreicht, oben am Gipfel oder unten in der Hütte, macht sich meist ein Gefühl der Freude über den Erfolg breit. Und: Oben anzukommen bringt einen Perspektivenwechsel mit sich. Durch die Weite der Landschaft und das Hinunterschauen auf die winzigen Dinge im Tal relativiert sich vieles. Wenn man die kleine Welt unten am Fuße des Bergs von oben betrachtet, wird einem bewusst, welche Fülle das Leben bietet und wie verhältnismäßig klein die eigenen Probleme und der eigene Ärger in Wahrheit sind. Problemberge schrumpfen im Nu zu Alltagszwergen.
Wandern schenkt dem Körper das richtige Tempo
Das Gehen erzeugt einen Rhythmus, der zu Geist und Körper passt und Ihnen die Chance gibt, klarer wahrzunehmen. Alle Sinne sind miteinbezogen: Sehen, Riechen, Fühlen, Hören als ganzheitliche Wahrnehmung der Umgebung, die man durchschreitet. Wer wandert, erhöht die Detailschärfe und vertieft seinen Blick auf die Welt um sich. Der Rhythmus der Schritte und des Atmens bringt das Bewusstsein automatisch ins Hier und Jetzt. Dinge, die sonst an einem vorbeirauschen, werden einem Wandernden mit großer Deutlichkeit gewahr. Jeder, der schon einmal längere Strecken gewandert ist, kennt das: Das Ankommen in der Gegenwart und das unmittelbare Erleben des Moments begleiten einen buchstäblich auf Schritt und Tritt.
Wandern ermöglicht Begegnungen
Nirgends kann man sich selbst intensiver begegnen als beim Alleinsein in den Bergen. Die Tiefe der Erfahrung funktioniert auch in Gesellschaft. Wenn man mit anderen Menschen auf einer Wanderung unterwegs ist, entstehen oft besonders gute Gespräche und menschliche Nähe. Wandern in der Natur macht den Kopf frei, die Gedanken werden im Rhythmus des Gehens kreativ und konstruktiv.
Wandern als Wandler und Problemlöser
Wer seinen Körper bewegt, hält auch seinen Geist in Schwung und die Gedanken kommen in neue Bahnen. So weiß man heute, dass der griechische Philosoph Aristoteles seine Vorlesungen vorzugsweise im Gehen abgehalten haben soll. Seine philosophische Schule „Peripatos“ heißt übersetzt „Spaziergang“ bzw. „Wandelhalle“. Wege entstehen bekanntlich im Gehen – im besten Fall auch neue Gedankengänge.
Die inspirierenden und befreienden Effekte des Wanderns auf meinen Geist schätze ich bis heute ungebrochen. Immer wenn es mir im Alltag zu eng wird, wenn ich mich nicht mehr „raussehe“, dann ist ein Spaziergang, die Besteigung eines Hügels oder Berges oder in manchen Fällen eine längere Wander-Tour oder Wanderreise für mich das beste Mittel, um wieder Klarheit und den nötigen Abstand zu bekommen. Das hat nichts mit Davonlaufen zu tun, schließlich ist es unverzichtbar, sich dem Leben und seinen Problemen zu stellen. Aber es ist ein bewusstes Luftholen heraus aus den „Mühen der Ebene“.
In einem Zustand geistiger Enge und Energielosigkeit kann es schwer sein, sich den Problemen gewachsen zu fühlen. Daher empfehle ich allen, beim Auftreten von Problemen und inneren Verstrickungen zuerst Kraft zu schöpfen, innezuhalten, wandern zu gehen – und sich erst dann mit neuer Klarheit und frischen Kräften an die Lösung von Lebensthemen zu wagen.
Wandern erweitert den Horizont
Ich persönlich habe meine bereicherndsten Momente bei Wanderreisen in andere Kulturen erlebt:
•Wie man zum Beispiel mit wenig materiellem Besitz so glücklich sein kann, wie die Menschen, denen ich in Ladakh begegnet bin.
•Wie man ohne Küche nur auf kleinen Gaskochern inmitten der marokkanischen Wüste die herrlichsten Gerichte zaubern kann.
•Wie stark der Zusammenhalt und die persönliche Nähe in einer Wandergruppe sein kann, die sich erst einige Tage kennt.
•Wie starke Freundschaften unter Gleichgesinnten unterschiedlicher Kulturkreise entstehen können – und diese oft enger und tiefer sind als mit Menschen, die mir in meinem Alltag zu Hause begegnen.
•… und vieles mehr.
Gerade beim Wandern in unbekannten Landschaften und der persönlichen, direkten Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen bemerkt man oft, wie vielfältig die Wege und Lösungen auf unserer Erde ausfallen – und wie ähnlich wir uns zugleich als Menschen überall sind. Dabei erfährt man viel über sich selbst und über die eigenen manchmal starren, unreflektierten Muster. Das eröffnet vielfältige Inspirationen. Alte Gewohnheiten werden herausgefordert, unheilsame Denkmuster werden infrage gestellt und können sich neu sortieren.
Was ich auf meinen Reisen zu Fuß durch die Welt am meisten zu schätzen gelernt habe, ist die Vielfalt. Ich bin überzeugt, dass wir dafür kämpfen müssen, Vielfalt in der Welt zu bewahren – den Artenreichtum der Natur genauso wie die Verschiedenheit der Meinungen und die vielfältigen Arten zu leben. Um Vielfalt in unseren Köpfen zuzulassen, ist es für mich unumgänglich, mit einer offenen Haltung in die Welt hinauszugehen.
Vor allem Nepal hat mich in dieser Hinsicht sehr begeistert, wo die Menschen trotz bitterer Armut sehr oft viel fröhlicher und hilfsbereiter sind als wir inmitten unseres materiellen Reichtums. Mein dortiger Freund Sonam Sherpa ist mir ein großes Vorbild. Er stellt – mit großer Bescheidenheit und Umsicht – immer das Wohl seiner Gäste in den Mittelpunkt seines Tuns.
Wandern hat mein Leben bereichert und verändert
Ich persönlich bin durch das Wandern ein anderer Mensch geworden. Wandern hat ganz entschieden zu meiner persönlichen Entwicklung beigetragen. Vor allem das Wandern in anderen Kulturkreisen hat mich seit jeher fasziniert und geprägt und hat letztlich vor über 20 Jahren zur Gründung meines Unternehmens „Weltweitwandern“ geführt.
Bei all meinen Wanderungen treibt mich stets die Neugier im Gepäck an. Ich fragte mich schon früh: „Da muss es noch etwas geben? Das Leben muss doch mehr sein als arbeiten, essen, feiern und schlafen?“ Daran knüpfen sich existenzielle Fragen: „Wo ist der Sinn? Wozu bin ich hier? Und wie kann ich einen Beitrag leisten?“ Unterwegs beim Wandern in der Natur erschließen sich dann persönliche Antworten auf diese Fragen. Diese Antworten muss aber jeder Mensch für sich persönlich erkunden – und das Wandern unterstützt dabei.
Neue Perspektiven, neues Leben, neues Lieben
Am Beginn einer neuen Lebenschance steht bei vielen Menschen oft die Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebenssituation oder eine starke Trauer, einige haben auch einen schmerzhaften Verlust erlitten. Eine längere Wanderung – vielleicht sogar in einem anderen Kulturkreis – schafft den nötigen Abstand und gibt auch wertvolle Impulse für ein In-Angriff-Nehmen neuer Lebensperspektiven. Zu Hause versinkt man leichter in trüben Gedanken und depressiven Stimmungen. Hier wirkt das Rausgehen in die Natur oft wahre Wunder. Auch das Wandern in einer netten Gruppe kann dazu sehr viel beitragen. Fremden Menschen, die nichts von einem wissen, öffnet man sich oft leichter.
Wandern hat eindeutig das Potenzial, Anstöße zu liefern, ausgetretene Denk- und Lebenspfade zu verlassen und neue Horizonte zu erschließen. Wer sich auf eine (längere) Wanderung einlässt, begibt sich möglicherweise in vielerlei Hinsicht auf neues Terrain. Im Rhythmus der Wanderbewegung fließen auch die Gedanken, sortieren sich neu und formieren sich außerhalb gewohnter Denkbahnen.
Wenn man dann gestärkt, klarer und ausgeglichener von der Wanderung in den Alltag zurückkommt, passieren oft die unglaublichsten Dinge, beziehungsweise ist dann viel Kraft für eine Veränderung vorhanden.
Nicht nur mein eigener Lebensweg ist ein perfektes Beispiel für die potenziell lebensverändernde Kraft des Wanderns. Diese disruptive Wirkung – wie es heute in der Businesssprache oft heißt – konnte ich in meinem Umfeld schon an zahlreichen Beispielen persönlich beobachten. Mit den vielen Geschichten von Freunden, Bekannten oder Teilnehmern von Wanderreisen, die Inspiration für neue Lebensziele schöpften, könnte ich wohl ein weiteres Buch füllen.
Meine Glücksregeln für das Wandern
Am Anfang mit einfacheren Touren und Wegen beginnen
Beginnen Sie mit einfachen Wanderungen in Ihrer Umgebung, anstatt sich gleich mit einer anstrengenden Tour zu überfordern. So kommen Sie in Schwung und mit jeder gewanderten Stunde werden Sie – Schritt für Schritt – fitter und Ihre Motivation, Erfahrung und Freude steigen.
Die Vorbereitung der Wandertour ist wichtig für das Gelingen
Investieren Sie ausreichend Zeit in die Planung, Vorbereitung und das Konsultieren der Wetterprognose für Ihre Wanderung. Dieses Buch bietet Ratschläge, Tipps und Anregungen dafür. (Siehe ab Seite 28)
Die richtige Ausrüstung ermöglicht mehr Leichtigkeit und Sicherheit
Auf kurzen Waldspaziergängen unter der Baumgrenze können Sie auch mit handelsüblichen Turnschuhen und einem Werbegeschenk-Rucksack wandern. Für „richtige“ Wandertouren brauchen Sie aber passende Wanderschuhe mit hochwertiger Sohle, einen gutsitzenden Rucksack, ausreichend Trinkwasser und entsprechenden Kälte- und Wetterschutz. (Siehe ab Seite 84)
Der langsame Beginn ist des Wanderns Sieges-Garantie
Meine goldene Regel: Gehen Sie die ersten 30 Minuten bewusst besonders langsam. Wer mit niedrigem Tempo startet, kommt meist viel weiter. Sie werden sehen, mit dem langsamen Schritt zu Beginn werden Sie in den nächsten Stunden einige der Menschen überholen, die zu Beginn an Ihnen vorbeigezogen sind. Auch ich als Profi-Wanderer gehe immer bewusst langsam, auch wenn das zuerst manch einen komischen Blick von Mitreisenden oder Journalisten erntet. Denn ich weiß, es macht sich immer bezahlt, und ich lasse mich nicht aus dem Konzept bringen.
Mit Gleichgesinnten wandert es sich leichter
Haben Sie wanderbegeisterte oder zu begeisternde Kollegen, Kolleginnen oder Bekannte? Wenn ja, fragen Sie doch einfach einmal nach, ob Sie jemand begleiten möchte. Denn mit Bekannten zu wandern erhöht die Freude und man ist nicht alleine, wenn etwas passiert. Vielleicht bringt Ihr Mitwanderer ja auch schon Ideen für die nächsten Touren mit? Wenn Sie niemanden konkret kennen, sind Wandervereine oder Wanderreiseveranstalter eine tolle Möglichkeit in Gruppen zu wandern und in das Wandern einzusteigen. (Siehe ab Seite 144)
Neugierde erweitert den Horizont
Es gibt eine beinahe unüberschaubar große Anzahl an Wanderzeitschriften, Wanderbüchern, Internetplattformen, Blogs, Wanderkarten etc. Durchstöbern Sie, was Ihnen Freude bereitet, erweitern Sie Ihr Wissen über gute Ausrüstung, faszinierende Wandergebiete und vertrauenswürdige Veranstalter. Einige Lektüre-Tipps habe ich in diesem Buch zusammengetragen. (Siehe Seite 220) Tolle Anregungen für lohnende Ziele bekommt man häufig auch von Mitwandernden unterwegs.
Sich Zeit lassen und keine „Unbedingt-Ziele“
Gönnen Sie sich den Luxus, sich Zeit zu lassen! Das Genießen des Unterwegs-Seins und all der kleinen Dinge am Wegesrand schafft viel mehr Wandergenuss, als ein stures Hinauflaufen auf den Gipfel mit der Stoppuhr in der Hand. Die Rücksichtnahme auf gemütlichere Mitwandernde oder Kinder führt oft zu wertvollen Eindrücken und man sieht Dinge, die man ansonsten übersehen hätte. Planen Sie ausreichend Zeitreserven ein und kehren Sie lieber einmal auch vorzeitig um, wenn Zeit oder Bedingungen für den Gipfel nicht mehr passen.
Gelassenheit bei ungeplanten Änderungen
Wenn Sie einmal wegen Schlechtwetter, Konditionsproblemen oder Schwierigkeiten am Weg Ihr geplantes Ziel nicht erreichen, bleiben Sie gelassen. Genießen Sie das, was gerade ist. Die Vorfreude auf ein besseres Wetter, einen leichteren Aufstieg oder Ähnliches bleibt Ihnen immer erhalten.

Unterwegs mit Lahoucine im Hohen Atlas von Marokko
MEINE ERFAHRUNG:
In solchen Situationen finde ich den Blick über den Tellerrand so wichtig, den man auf Reisen in andere Kulturen gewinnt. Zum Beispiel fällt mir die Gelassenheit meines marokkanischen Freundes Lahoucine ein. Wann immer ihn jemand der Wandergäste zu einer klaren Aussage drängt, ob wir diesen oder jenen Gipfel noch erreichen werden, antwortet er mit „Inschallah“. Das bedeutet so viel wie „So Gott will“. Dieser Ausdruck hat nicht nur eine religiöse Komponente, sondern ist vor allem die entwaffnende Antwort auf alle gestressten Nachfragen von Mitteleuropäern zu Höhenmeter, dem Tempo oder den zurückgelegten Kilometern. Nach drei Fragen, die mit „Inschallah“ beantwortet worden sind, gibt auch der hartnäckigste Streckenmesser sein Nachfragen auf. Und plötzlich kann man das Gehen als solches genießen.
Keine Vergleiche und kein Jammern
Stellen Sie unterwegs keine Vergleiche mit schöneren Bergen, besseren Aussichten, tolleren Routen oder netteren Begleitern an. Ärgern Sie sich vor allem nicht über einen eventuell zu steinigen oder zu glatten Weg, unpassendes Wetter oder nervende Mitwandernde. Das verstellt Ihnen jede Möglichkeit, doch noch schöne Augenblicke zu erleben. Humor hilft immer. Gerade über Missgeschicke kann man später lachen, man hat etwas zu erzählen und außerdem erweitern schlechte Bedingungen zudem Ihren Erfahrungshorizont stark! Lernen Sie daraus und machen Sie, was in Ihrer Macht steht das nächste Mal besser. Vielleicht hilft Ihnen bei dem einen oder anderen Thema dieses Buch.
Nicht unterwegs Probleme wälzen
Sorgen und Probleme lassen Sie am besten zu Hause zurück. Laden Sie besser unbeschwert in der Natur Ihre Batterien auf! Dann hat man nach der Heimkehr mehr Energie und Abstand für die Lösung.
Im Hier und Jetzt verweilen
Versuchen Sie, beim Wandern möglichst häufig im Hier und Jetzt zu bleiben. Pausieren Sie zwischendurch auch einmal Ihre Gespräche oder Planungsgedanken, gehen Sie still und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem, den eigenen Gehrhythmus und Ihre unmittelbare Umgebung: Farben, Formen, Geräusche und Gerüche … Wertschätzendes Beobachten bereichert und lässt alle Eindrücke frischer, farbiger und unmittelbarer wirken. Jeder Moment ist für sich kostbar und einmalig, daher sollte man ihn genießen. (Meditationsübungen für das Wandern finden Sie ab Seite 208.)
Zeit beim Heimkommen lassen
Auch beim Heimkommen gilt es, sich etwas Zeit zu lassen. Stürzen Sie sich nach Möglichkeit vor allem nach einer längeren Wanderung nicht gleich voll in den Alltag. Planen Sie eine Übergangszeit ein: zum Ankommen, um die Ausrüstung wieder gut zu versorgen und um die Wandererlebnisse auch innerlich zu sortieren und abzulegen.
ACHTUNG: BEWEGUNG MACHT SÜCHTIG!
Seien Sie gewarnt! Je mehr Sie in der Natur wandern, desto mehr Lebensfreude werden Sie entwickeln und desto öfter werden Sie wandern gehen wollen. Denn wer draußen wandert, findet mehr zu sich selbst und seiner inneren Stabilität.
Wandern & Nachhaltigkeit
Es ist meine innerste Überzeugung, dass man auf unsere Welt, die Natur, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Erde – ob Mensch, Tier oder Pflanze – achtgeben muss. Das große Wort Nachhaltigkeit beinhaltet viele Aspekte, die mich alle ständig beschäftigen: Welche Lebensmittel kaufe ich ein, wie geht man mit anderen Menschen, Wandergästen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Dienstleistern um, welche Werte möchte ich meinen Kindern weitergeben, woher bezieht man seine Waren, welche Produkte sind wirklich nötig, wenn dafür lange Produktionsketten in Gang gesetzt werden, und vieles mehr.
Auch meiner Firma „Weltweitwandern“ – die 1999 aus dem Bauprojekt einer Solarschule für ein entlegenes Bergdorf in Ladakh in Indien entstanden ist – liegt der soziale Anspruch in der DNA. Wir bemühen uns stetig darum, im Bereich Nachhaltigkeit mehr zu machen und besser zu werden. Dass die Menschen in unseren Reiseländern von unseren Reisen profitieren und ein Teil unseres verdienten Geldes auch im Reiseland bleibt, ist für mich selbstverständlich. Auch die Begegnung mit dem Team vor Ort auf Augenhöhe und ein offener Zugang, um voneinander zu lernen, sind Aspekte der Nachhaltigkeit, die ich als normal empfinde.
Nachhaltigkeit ist für mich kein Randthema, denn es sollte in jedem Tun und Handeln mitgedacht und in die Erwägungen miteinbezogen werden. Nachdem wir heutzutage so viele Informationen über globale Zusammenhänge, Umweltverschmutzung und Gefahren wie noch nie zuvor haben, sollte jeder Mensch bewusst und achtsam agieren.
Dazu die guten Nachrichten: Wandern und Wanderreisen sind an sich schon ganz vorne mit dabei, wenn man über sanften Tourismus spricht. Denn was gibt es Besseres, als sich wandernd durch die Natur zu bewegen, keinen Müll und keine Spuren zu hinterlassen. Man kann direkt von zuhause aus losstarten oder auch herrlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Ausgangspunkt gelangen. Wandern ist DIE ideale Freizeitbeschäftigung des 21. Jahrhunderts!
Bei Wanderreisen, zu denen man fliegt, könnte man kritisieren, dass das Fliegen aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes per se schlecht für die Umwelt ist. Aber so leicht ist die Kalkulation nicht. Beschäftigt man sich – wie mein Team und ich – intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit, weiß man, wie komplex das Thema ist.
Durch unsere Wanderreisen bauen wir mit Partnern vor Ort einen nachhaltigen Tourismus auf, geben Menschen in strukturschwachen Regionen Arbeit und Möglichkeiten, etwas Sinnvolles vor Ort aufzubauen.
Ich für mich sehe es so: Es ist im Bereich Nachhaltigkeit wichtig, bewusst und achtsam zu konsumieren. Wenn man reisen möchte – und das sehe ich als wirklich wichtig, um seinen Horizont zu erweitern – dann sollte die Reise bewusst ausgewählt werden. Achten Sie insbesondere auf einen guten Reiseveranstalter und auf eine entsprechend längere Reisedauer, wenn der Flug über eine sehr weite Distanz geht.
Nachhaltiges Wandern: Hinweise und Tipps
Gastbeitrag von Dr. Christian Baumgartner,
Experte im Bereich Nachhaltigkeit und Tourismus
Wandern ist von Natur aus eine äußerst umweltfreundliche Aktivität. Dennoch gibt es ein paar Hinweise, mit deren Hilfe man die Nachhaltigkeit des Wanderurlaubs noch erhöhen kann.
Mobilität
Der Klimawandel ist im vollen Gange. Wir merken das am Rückgang der Gletscher ebenso wie an den zunehmenden Wetterkapriolen: Dürrezeiten werden von plötzlichem Starkregen abgelöst, lange schneefreie Zeiten gehen in Rekordschneefälle über. Das führt insgesamt zu häufigeren Naturkatastrophen und einem mehr und mehr unvorhersehbaren Wetter. Der Klimawandel ist damit zum wichtigsten Umweltthema geworden, dessen Bekämpfung entscheidend für die Zukunft der Menschheit ist.
Der Tourismus trägt durch die hohe Mobilität einen großen Anteil zum Klimawandel bei. Auch der überwiegende Teil der Wanderer fährt mit dem Auto zu den Ausgangspunkten der Wanderungen oder fliegt zu den Wanderurlauben in andere Länder.
Da kann man nichts machen? Wir können schon etwas ändern, wenn wir wollen. Es sind vor allem unsere liebgewonnenen Gewohnheiten und Bequemlichkeiten, die wir verändern müssen. Vielleicht haben Sie schon während der Vorbereitungen bemerkt, dass fast alle Wanderausgangspunkte mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. – Und das ist viel stressfreier, als Sie annehmen. Für die letzten Kilometer stehen so gut wie überall lokale Wanderbusse oder Taxiunternehmen zur Verfügung. Die öffentliche Anreise hat zudem den Vorteil, dass man die Wanderung nicht als Rundtour zum eigenen Auto planen muss.
Die meisten Urlaubsregionen bieten Mobilitätskarten an – mit der Übernachtung gibt es dann eine gratis Benutzung der lokalen Verkehrsmittel. Der Kauf von Jahresermäßigungskarten der Bahn macht die Anreise nicht nur billiger, sondern motiviert auch, häufiger den Zug zu nehmen und das Auto stehen zu lassen.
Die Bahn bietet sich auch bei Reisen in benachbarte Länder an. Der vermeintliche Zeitvorteil des Flugzeugs wird meist durch die Anfahrt zum Flughafen, die Kontrollen dort, das Warten auf das Gepäck usw. deutlich relativiert. Sehr oft gewinnt man bei der Anreise per Bahn bereits am Reisetag durch den Blick durchs Zugfenster erste Einblicke ins Land und durch die Kontakte mit Einheimischen setzt schon ein richtiges Urlaubsfeeling ein.
Wenn sich ein Flug nicht vermeiden lässt, kann man CO2-Kompensation zahlen. Von manchen als „Ablasshandel“ bezeichnet, ist das eine reale Möglichkeit, die Menge an CO2, die eine Reise verursacht, durch ein Klimaschutzprojekt zu kompensieren. Anbieter wie der oftmalige Testsieger Atmosfair (www.atmosfair.de) garantieren durch externe Kontrollen nachhaltige, das heißt ebenso umwelt- wie sozialverträgliche Projekte, die auch den wichtigen Faktor der „Zusätzlichkeit“ besitzen. Das bedeutet, dass sie den Regierungen nicht die Verantwortung abnehmen, ihre in internationalen Verträgen eingegangenen Verpflichtungen umzusetzen, sondern dass es sich eben um „zusätzliche Projekte“ handelt. Beim Schweizer Anbieter Myclimate (www.myclimate.org) lassen sich auch Autofahrten kompensieren. Eine gute Möglichkeit, die gefahrenen Jahreskilometer „klimaneutral“ zu machen.
Proviant und Essen
Der Einkauf von Proviant direkt am Ausgangspunkt der Wanderung bringt eine Win-win-Situation für alle mit sich: Für uns reduziert sich das Anreisegepäck, wir lernen regionale Spezialitäten kennen, die es oft zu Hause nicht gibt, und wir schaffen wichtige Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Zusätzlich haben diese Produkte oft nur geringe Transportwege hinter sich und stellen somit eine weitere Möglichkeit dar, das Klima zu schützen. Auch beim Essen in Restaurants sollten wir aus den gleichen Überlegungen darauf achten, dass lokale Zutaten verwendet werden. Ein Nachfragen bei der Kellnerin oder dem Kellner lohnt sich.
Ein Hinweis, der nicht nur beim Wandern gilt: Fleischprodukte belasten nicht nur das Klima stärker, sondern verursachen auch einen deutlich höheren Wasserverbrauch: Die Produktion eines Kilogramms Tomaten verbraucht etwa 215 Liter Wasser für Bewässerung und Verarbeitung, ein Kilogramm Fleisch hingegen stolze 15.500 Liter. Weniger Fleisch zu essen, ist also aktiver Klima- und Wasserschutz.
Abkürzungen
Nicht zu unterschätzen sind die landschaftlichen Schäden, die durch Trittschäden durch Abkürzungen entstehen. So werden die Serpentinen oberhalb der Waldgrenze im Almbereich gerne beim Bergabgehen in der Falllinie abgekürzt. Dadurch wird oft die Grasnarbe aufgerissen und so entsteht ein Ansatzpunkt für Erosion. Beim nächsten Gewitter kann das Wasser in der Rinne ungehindert talwärts schießen und sich immer tiefer in den Boden graben. Damit wird der dünne fruchtbare Boden abgetragen, die querenden Wege werden geschädigt und es entstehen Gefahrenstellen. Die alpinen Vereine müssen jedes Jahr viel Freiwilligenarbeit leisten, um diese Erosionsschäden zu bekämpfen. Bitte also unbedingt auf den Wegen bleiben, auch wenn es evtl. ein paar Minuten länger dauert. Wir haben keinen Stress auf den Wanderungen.
Hüttenpause und Abfall
Die Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte freuen sich, wenn Sie bei ihnen in der Pause nicht nur den Schatten der Hütte nutzen, sondern auch etwas konsumieren. Meist haben sie Zulieferer aus den umliegenden Ortschaften im Tal – auch so tragen Sie zu lokalen Einkommen bei. Auch wenn vielerorts Mülleimer angeboten werden, sollten wir bedenken, dass auch die Hüttenwirte den Müll ins Tal schaffen müssen. Es ist Ehrensache, alle Überreste und Verpackungen, die Sie auf den Berg hinauftragen, auch selbst wieder hinunterzubringen.
Unterkünfte bei An- und Abreise
Bei vielen Mehrtageswanderungen übernachten die Wandernden nicht nur auf Berghütten, sondern verbringen auch bei der An- und Abreise eine Nacht in den Ortschaften. Hier lohnt es sich, sich vorab im Internet über den Ort zu informieren. Selbst in fernen Ländern sind die meisten Unterkünfte entweder selbst mit einer Homepage im Internet vertreten oder als Teil eines Netzwerks auf anderen Websites zu finden.
Wenn Sie auf Unterkünfte zurückgreifen, die Einheimischen gehören, haben gerade diese manchmal auch Umweltauszeichnungen oder Öko-Labels wie etwa in Österreich das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe (vgl. www.umweltzeichen.at). Solche Labels gibt es auch in vielen anderen Ländern. Die Suche andersherum funktioniert auch: Über die Website der Umweltzeichen lassen sich die zertifizierten Betriebe finden. Solche Unterkünfte sparen Wasser, nutzen erneuerbare Energien, verwenden lokale Produkte und reduzieren den Einsatz von Chemikalien. Oft wird auch eine Abholung vom nächsten Bahnhof angeboten, um eine sanfte Mobilität zu ermöglichen.
Nachhaltigkeit
Zur Nachhaltigkeit gehören bekanntermaßen nicht nur der Umweltschutz, sondern auch der Respekt vor lokalen Kulturen und die Stärkung der örtlichen Wirtschaft. Gerade Begegnungen und Gespräche mit Einheimischen auf gleicher Augenhöhe können zu den Highlights einer Wanderreise werden. Das gilt in den Alpen genauso wie auf Wandertouren in fernen Ländern. Diese Aspekte werden auch in den anderen Kapiteln dieses Buches angesprochen.
Vermeidung von Overtourismus
Einige Gebiete werden an Wochenenden von sehr vielen Wanderbegeisterten buchstäblich „gestürmt“. Hier kommt es häufig zu negativen Begleiterscheinungen, zugeparkten Zufahrten zu Bauernhöfen und Almen, Müll- und Lärmproblemen. Naturlandschaften sind immer auch Lebensräume für Menschen, Nutztiere und Wildtiere. Hier gilt es, durch gegenseitige Rücksichtnahme potenzielle Konflikte zu vermeiden:
•Wo es möglich ist, die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln planen.
•Wenn die vorhandenen Parkplätze bei einem Ausflugsgebiet voll sind, den „Rückzug“ antreten und ein Ausweichziel ansteuern.
•Fahrgemeinschaften (z. B. Treffen auf Park & Ride Parkplätzen am Stadtrand) zur Anreise in Wandergebiete bilden.
•Beliebte und sehr bekannte Ausflugziele, wenn möglich, nicht am Wochenende ansteuern.
•Mit einer guten Vorbereitung finden sich immer weniger bekannte und ruhigere Wege und Gebiete.

Beim Bodenbauer im Hochschwab
Ja: Wandern ist herrlich – wann starten wir endlich los? Sofort, aber zuerst noch ein Kapitel zum Wichtigsten für eine gelungene Wanderung: Eine gute Vorbereitung.
Meine Planungscheckliste hilft Ihnen, die wichtigsten Schritte vor dem ersten Schritt zu setzen.
Dann folgen vielfältige Infos von der Auswahl der passenden Wandertour über eine treffsichere Wetterprognose bis hin zum richtigen Lesen von Wanderkarten und dem richtigen Training für das Wandern. Dazu stelle ich Ihnen technische Unterstützungsmöglichkeiten wie GPS oder Handytracking vor. Den Abschluss bilden nützliche Infos zum Versicherungsschutz, zu ausgezeichneten Wegen, Wanderdörfern und alpinen Vereinen.
Planungscheckliste zur Vorbereitung einer Wanderung
Bei der Planung und Durchführung einer Wanderung gibt es eine Reihe von Faktoren zu bedenken und Fragen, die vorab zu beantworten sind. Hier eine Übersicht:
Auswahl der Tour
•Was erwarten/wünschen Sie sich?
•Möchten Sie lieber die Einsamkeit genießen oder haben Sie auch mit hoch frequentierten Routen kein Problem?
MEIN TIPP
„Modeberge“ bzw. bekannte Wandergebiete (z. B. die Dolomiten in Südtirol) sind häufig sehr überlaufen. Wenn Sie es gerne ruhiger haben, dann halten Sie gezielt Ausschau nach weniger stark besuchten Destinationen – oder planen Sie die Wanderung, wenn möglich, nicht am Wochenende bzw. außerhalb der Hauptsaison!
•Möchten Sie allein, zu zweit oder in einer Gruppe wandern?
•Wie fit und erfahren sind Sie bzw. die Mitglieder der Gruppe?
MEIN TIPP
Mein Tipp: Wählen Sie die Tour immer so, dass ihr jedes Mitglied der Gruppe souverän gewachsen ist.
•Möchten Sie auf einen Berg hinauf und auf derselben Strecke wieder hinuntergehen oder lieber eine Rundwanderung machen?
•Möchten Sie oben auf der Hütte essen oder nehmen Sie sich Proviant mit?
•Möchten Sie übernachten?
•Gibt es mögliche Gefahrenquellen unterwegs: Schneefelder/ Ausgesetztheit/Geröll?
•Gibt es Wasser unterwegs, wann und wo?
MEIN TIPP
Beim Trinkwasser immer Reserven einplanen.
•Wie weit möchten Sie bis zum Ausgangsort fahren?
•Sind Ausgangs- und Endpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar?
•Wie ist die voraussichtliche Wetterprognose?
•In welcher Jahreszeit befinden Sie sich gerade? (Kälte, Gewitterhäufigkeit, Schnee etc.)
•Braucht es noch etwas körperliches Training?
Vor der ausgewählten Tour zu Hause
•Studieren Sie die Tour in Buchform, im Internet und auf Kartenmaterial genau.
•Setzen Sie sich mit möglichen Gefahrenquellen auseinander.
•Reservieren Sie Hüttenplätze rechtzeitig.
•Laden Sie evtl. den ausgewählten Track bzw. Karten auf das Handy, die GPS-Uhr oder das GPS-Gerät.
•Stellen Sie einen genauen Zeitplan für die Tour auf.
•Vereinbaren Sie Treffpunkte mit Mitwanderern und eine geplante Rückkehrzeit.
•Wie wird das Wetter und wie werden die Temperaturen voraussichtlich sein? Ist mit Wind zu rechnen?
•Wie sind die Verhältnisse vor Ort?
MEIN TIPP
Rufen Sie evtl. bei einer Hütte oder einem Gasthaus am Ausgangspunkt an und sehen Sie sich die Bilder von Webcams an.
•Welche Ausrüstung brauche ich? Ausrüstung packen.
•Alpenvereinsausweis bei Übernachtungstouren nicht vergessen!
•Sind die Handy-Akkus geladen?
•Gibt es Wasser oder auch Verpflegung unterwegs oder muss alles mitgetragen werden?
•Wie sind die Straßenbedingungen für die Anreise? Gibt es Parkmöglichkeiten für Pkw?
•Wie sind die genauen Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel? Fahrkarten kaufen.
•Stimmen Sie sich ab, damit alle Mitglieder der Wandergruppe alle notwendigen Infos haben (Ausrüstung, Zeiten, Wasser etc.).
Vor Ort
•Nochmalige Feinabstimmung vor Ort am Ausgangspunkt mit den örtlichen Gegebenheiten.
•Ortsansässige Menschen fragen, Wetter nochmals checken, aktuelle Weg-Infos einholen.
•Wie geht es allen Gruppenmitgliedern aktuell beim Start der Tour? (Blasen, aktuelle gesundheitliche Probleme, letzter Ausrüstungscheck – wurde etwas vergessen? Ist ausreichend Trinkwasser und Proviant vorhanden?)
•Sind evtl. durch neue Infos, z. B. aufgrund eines Wetterumschwungs, Änderungen des ursprünglichen Plans notwendig?
Unterwegs
•Laufender Abgleich: Wie geht es allen Mitgliedern der Gruppe, haben sich der Weg bzw. die Wetterverhältnisse stark geändert?
•Werden evtl. durch neue Infos Änderungen des ursprünglichen Plans notwendig?

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Das beste Wander-Training
Warum Wandern oft die beste Vorbereitung für eine Wanderung ist.
Oft werde ich gefragt: „Wie fit muss ich für eine bestimmte Wanderung oder für eine längere Wanderreise sein, um diese auch zu schaffen?“ Meine Antwort darauf: Zu schaffen ist eine mittellange Wanderung auf einfachen Wegen in der Regel fast immer! Aber je fitter man ist, desto größer sind der Genuss und die Freude daran. Schließlich macht es einen Riesenunterschied, ob man am Abend gerädert am Ziel ankommt oder ob man dort die schönen Momente auch wahrhaft auskosten kann. Auch während der Tour sind Eindrücke wesentlich intensiver, wenn man nicht „aus dem letzten Loch pfeift“. Zudem ist eine gute Kondition die beste Gesundheitsvorsorge und gewährleistet ausreichend Sicherheitsreserven, falls das Wetter einmal umschlagen oder der Weg ungeplant länger werden sollte.
Wenn man einen mehrtägigen Wanderurlaub plant, aber nicht regelmäßig Sport betreibt, ist es ratsam, sich einige Wochen davor körperlich zu betätigen. Allerdings: Ein Trainingseffekt stellt sich erst dann ein, wenn man sich mindestens einmal pro Woche für mehrere Stunden bewegt. Mehr ist natürlich besser. Ideal ist es, mehrere Wochen vor einem Wanderurlaub möglichst täglich ausgedehnte, flotte Spaziergänge zu unternehmen. Zu Beginn in der Ebene, dann aber in hügeligeres Gelände wechseln. Haben Sie weniger Zeit zur Verfügung und sind ohnehin eher sportlich, dann bietet sich regelmäßiges Joggen (2- bis 3-mal pro Woche für jeweils 30 bis 45 Minuten) als effektives und zeitsparendes Training an.
Ebenso eignen sich gezieltes Krafttraining, vor allem der Beinmuskulatur an speziellen Trainingsgeräten in einem Fitnesscenter unter fachlicher Aufsicht, und Ausdauereinheiten am Stepper oder Crosstrainer als gute Vorbereitungsmethoden.
Nutzen Sie auch die kleinen Trainingsmöglichkeiten des Alltags: Nehmen Sie die Treppe anstelle des Lifts, verwenden Sie für kurze Strecken lieber das Fahrrad als das Auto und ersetzen Sie Fernsehabende durch Spaziergänge. Jeder Schritt zählt!
Meine persönlichen Work-outs vier Wochen vor einem mehrtägigen Wanderurlaub:
•mehrmals wöchentlich eine Stunde zu Fuß gehen oder 2- bis 3-mal Jogging pro Woche
•eine Wanderung pro Woche (2 bis 3 Stunden – je mehr und länger, desto besser)
•2- bis 3-mal Yogaübungen pro Woche für die Beweglichkeit
Wie schätze ich ein, ob ich eine geplante längere Wanderung schaffe?
Bei den Höhenmetern lautet mein Tipp, damit Sie sich selbst besser einschätzen können: Probieren Sie diese am eigenen Leib praktisch aus, bevor Sie größere Wanderungen planen! Steigen Sie auf einen nahegelegenen Berg mit 900 oder 1.000 Höhenmetern. Wenn Sie keinen Berg zur Verfügung haben, suchen Sie sich einen Hügel mit 100 Metern und gehen Sie ihn 7- bis 10-mal rauf und runter, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was Ihnen 700 bis 1.000 Höhenmeter ausmachen. Zudem ist das auch gleich ein sehr gutes Training und die „echte“ Tour macht dann mit größerer Fitness noch mehr Freude.
Wander-Karten richtig lesen
Der richtige Maßstab, die wichtigsten Infos, das Wissen um die optimale Anwendung: Wanderkarten bieten einen großen praktischen Nutzen und steigern das Wandervergnügen schon lange vor einer Tour.
Klar, bei Spaziergängen auf bekanntem Terrain oder auch bei sehr gut ausgeschilderten und markierten Kurzwanderungen können Sie die Landkarte getrost zu Hause lassen, ohne die Orientierung zu verlieren. Sobald aber längere Touren in einem etwas weniger bekannten Gebiet auf dem Programm stehen, sollte eine gute Wanderkarte nicht fehlen. Eine Karte leistet wertvolle Dienste – sowohl bei der Vorbereitung und Planung einer Unternehmung als auch während einer Wandertour.
Welche Karte? Welcher Maßstab?
Für alle mittelschweren Wanderungen auf gut markierten Wegen sind die im guten Buchhandel, vor Ort in Hütten oder in Infobüros erhältlichen topografischen Wanderkarten mit eingezeichneten Wanderwegen und Geländestrukturen bestens geeignet. Ideal zum Wandern sind Karten im Maßstab 1:50.000. Das heißt 1 cm auf der Karte entspricht 50.000 cm (= 500 m) in der Natur, bzw. 1.000 m in der Natur entsprechen 2 cm auf der Karte. Noch genauere Karten im Maßstab von etwa 1:25.000 sind gut für Bergwanderungen durch kleinteiliges Hochgebirgsgelände oder Wanderungen ohne Wegmarkierungen, z. B. bei Skitouren oder Schneeschuhwanderungen. Der größere Maßstab ermöglicht eine noch bessere Orientierung. Bei diesen Karten entspricht 1 cm auf der Karte 250 m in der Natur bzw. 1.000 m in der Natur entsprechen 4 cm auf der Karte. Karten im Maßstab 1:100.000 (1 cm auf der Karte = 1 km in der Natur) ermöglichen kaum mehr eine genaue Orientierung im Gelände, sind aber bei sehr gut markierten und ausgebauten Wanderwegen für eine Übersicht über das Gebiet und das Gelände häufig auch noch ausreichend. Karten ab einem Maßstab von 1:200.000 (1 cm auf der Karte entsprechen 2 km in der Natur) sind nur mehr als Straßenkarten für die Anreise zum Ausgangspunkt geeignet.
Topografische Karten
Topografische Karten bilden dreidimensionale Geländeformen zweidimensional ab. Dafür werden sogenannte „Höhenlinien“ verwendet. Je nach Maßstab und Kartenausführung gibt es für alle zehn bis zwanzig Meter Höhenunterschied eine Linie, wobei fettere Linien 100-Meter-Sprünge anzeigen. Je enger die Höhenschichtlinien beieinander liegen, desto steiler ist das Gelände, je weiter auseinander, desto flacher. Ein nach außen gerichteter Bogen in den Linien zeigt einen Geländerücken. Ein nach innen gerichteter Bogen zeigt einen Kessel. Je spitzer der Winkel, desto schmaler ist diese Geländeform.
Durch spezielle Schummerungen (Flächentönungen), Schattierungen, Symbole und Farben wird die Landschaft plastischer – dadurch kann man verschiedene Oberflächen intuitiv erkennen: Grün für Wald, Braun/Grau für Wiesen und Geröll, Schwarz für Felsen.
Satellitenkarten
Moderne Karten, vor allem solche am Computer, aber auch auf Papier, nutzen Satellitenbilder als Grundlage für die Grafik. Bei manchen Apps kann man die Satellitendarstellung ein- oder ausblenden.
Richtiges Kartenlesen
In der Legende am Rand der Karte befinden sich einige Symbole für unterschiedliche Orientierungspunkte wie Quellen, Höhlen, Kirchen oder Wegweiser. Auch die Bedeutung der verwendeten Farben, die Abstände der Höhenschichtlinien und das Datum der letzten Aktualisierung der Karte sind dort angegeben.
Oben auf der Karte ist fast immer Norden, andernfalls kennzeichnet stets eine eingezeichnete Windrose die Himmelsrichtungen. Die Beschriftung der Orte verläuft immer von West nach Ost, also von links nach rechts. Ein Gitternetz zeigt Längen- und Breitengrade.
Die Karte wird dabei entsprechend der Himmelsrichtung grob ausgerichtet. Man sucht dann einige markante eingezeichnete Punkte in der Natur (Hütten, Berggipfel, Aussichtspunkte, Flüsse, Täler etc.) und dreht die Karte so lange, bis die Blickrichtung passt.
Wenn es ganz genau sein soll, kann man mit einem Kompass zwei auseinanderliegende markante Geländepunkte anpeilen, diese Peilung dann in die Karte übertragen und dadurch seinen eigenen Standpunkt auf der Karte sehr genau herausfinden.
Mit einer Karte Wanderungen planen
Unerlässlich ist eine Karte für mich bei der Planung einer Wanderung. Die Länge und ungefähre Geh-Dauer der Wegstrecke, die Höhenmeter im Auf- und Abstieg, das Gefälle des Geländes, die Festlegung, welcher Wanderweg der Beste ist, sowie die Verortung von Schutzhütten und Wasserstellen und vieles mehr können mit etwas Übung direkt aus der Karte herausgelesen werden.
Üben, üben, üben!
Karten richtig zu lesen ist reine Übungssache. Der Anfang ist ganz einfach: Nehmen Sie sich schon vor Ihrer Tour etwas Zeit zum Studieren einer Karte und üben Sie auch die Orientierung unterwegs, indem Sie immer wieder versuchen, markante Berggipfel und Ihren eigenen Standpunkt auf der Karte zu identifizieren bzw. in der Karte eingezeichnete Orte und Gipfel in der Natur zu finden. Mit der Zeit und mit etwas Übung entsteht beim Betrachten der Karte vor dem inneren Auge ein plastisches Landschaftsbild.
MEIN TIPP
Auch wenn heute GPS und digitale Orientierungshilfen bereits selbstverständlich sind, sollten Wandernde meiner Überzeugung nach dennoch auch mit Papierkarten umgehen können. Geht die Batterie des GPS oder Handys einmal zur Neige, wird es in der Frage der digitalen Orientierung schnell zappenduster, aber das „Display“ der Karte aus Papier funktioniert immer noch!
Manche Karten sind wahre grafische Kunstwerke und lassen die Landschaft – lange bevor man jemals dort gewesen ist – schon im Geist entstehen. Ich gebe zu, ich bin ein echter Kartenfan und kaufe mir überall auf der Welt örtliche Wanderkarten.
Darmowy fragment się skończył.