Czytaj książkę: «Jetzt bin ich schwanger»

Angela M.T. Reinders
Jetzt bin ich schwanger
„Familie ist lebenswert“
Herausgegeben von Hubertus Brantzen
Noch vor wenigen Jahren galt sie als Auslaufmodell, jetzt ist Familie wieder „in“. Dabei zeigt sie sich heute vielfältig: Neben traditionellem Eltern-Kind-Modell stehen alternative Formen, zu denen Alleinerziehende, aber auch Patchwork- und zunehmend wieder Mehr-Generationen-Familien gehören.
Heute sieht sich Familie – bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel – vor neue Herausforderungen gestellt. Die Reihe „Familie ist lebenswert“ behandelt alle die Themen, die für die jeweilige Lebenssituation wichtig sind.
Professor Dr. Hubertus Brantzen hat als Theologe und Pädagoge verschiedene Werke zu Fragen der Pädagogik und Spiritualität veröffentlicht. Er ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und vier Enkel und lebt in Mainz.
Weitere Titel der Reihe „Familie ist lebenswert“:
M. Wagener-Esser/T. Esser: Zeitmanagement in der Familie
ISBN 978-3-7666-1475-9
H. Brantzen: So gelingt Erziehung
ISBN 978-3-7666-1226-7
J. Holtkamp: Kinder, Computer & Co.
ISBN 978-3-7666-1481-0
A. M. T. Reinders: Unser Kind soll etwas werden
ISBN 978-3-7666-1480-3
M. Behrent: Kinder haben Vorfahrt
ISBN 978-3-76666-1477-3
F. Schwaiblmair: Mit dem Baby durch das erste Jahr
ISBN 978-3-7666-1476-6
P. Neysters: Gut, dass es Oma und Opa gibt
ISBN 978-3-7666-1474-2
Die Reihe wird fortgesetzt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-7666-4204-2
© 2012 Butzon & Bercker GmbH, 47623 Kevelaer, Deutschland
Alle Rechte vorbehalten.
Umschlagfoto: Valua Vitaly – fotolia.com
Umschlaggestaltung: Christoph M. Kemkes
E-Book-Erstellung: Reemers Publishing Services GmbH, Krefeld
Vorwort
Als meine Freundin mit ihrem ersten Kind schwanger war, stand bei ihrem Mann eine Dienstreise nach Lateinamerika bevor.
Für seine Mutter war es das erste Enkelkind, das in der Familie erwartet wurde. Daher gelang es meiner Freundin und ihrem Mann, die erste Ultraschallaufnahme zu „verkaufen“ als Landkarte des Gebietes, in das die Reise gehen sollte – bevor sie ihr erklärten, was es mit dem schwarz-weißen Bild tatsächlich auf sich hatte.
Das Bild aber ist nicht falsch: Eine Schwangerschaft zu erleben ist, als trete man eine Reise an in ein unbekanntes Land. Darum ist dieser kleine Begleiter für die Zeit der Schwangerschaft als Reiseführer gestaltet, mit hilfreichen Beschreibungen zu Land und Leuten.
Auf dem Reiseweg zur Entstehung dieses Büchleins hatte ich wertvolle „Geburtshilfe“, für die ich mich herzlich bedanke: von einer Hebamme, einer Ökotrophologin, einer Sozialpädagogin, der Internationalen Drillings- & Mehrlings-Initiative ABC-Club e.V. und einer Transfusionsmedizinerin.
Angela M.T. Reinders
1.
Berge und Täler
Brief vom kleinen Hügel unter deinem Nabel
Schwanger! Höhen und Tiefen eines Untersuchungsergebnisses
Ja zum Kind
Fundgrube
Brief vom kleinen Hügel unter deinem Nabel
Liebe Mama – und, ich hoffe, du hörst mich auch, lieber Papa – o ja, ich weiß, die Anrede ist neu für euch. Ich bin neu bei euch. Wir werden uns daran gewöhnen.
Du bist mir am nächsten, Mama. Darum schreibe ich diesen Brief in erster Linie an dich.
Wir beide sind gemeinsam auf Berg- und Tal-Fahrt. Ich habe jede noch so kleine deiner Empfindungen gespürt, das Auf und Ab: die bohrende Ungewissheit, ob ich nun da bin oder nicht. Die Überraschung über meinen beharrlich klopfenden Herzschlag. Die Freude. Und auch den Kummer: Gerade jetzt, gerade ich, gerade er, muss das denn sein. Und dann kam die große Welle, in der ich seither bade: Du liebst mich schon so sehr. Ich freue mich darauf, dass wir uns kennen lernen.
Schwanger! Höhen und Tiefen eines Untersuchungsergebnisses
Ich bin schwanger! Das kleine Herz klopft! Wie groß die Freude über den positiven Schwangerschaftstest oder das Untersuchungsergebnis in der Frauenarztpraxis sein kann, hängt von eigenen Plänen ab, vom Alter, von der Gemeinsamkeit mit dem Kindsvater.
Die immense Hormonumstellung tut ihr Übriges: Wenn sich der Körper auf die Schwangerschaft einstellt, ist die werdende Mutter häufig müde und abgespannt. Schwangere haben besonders in den ersten Wochen manchmal „nah am Wasser gebaut“. Die Umgebung zeigt davon unberührt – ausgesprochen oder durch unausgesprochene Signale – die Erwartung, dass eine schwangere Frau stets ausgeglichen und vor Vorfreude auf das Kind schier überströmend zu sein hat. Viele sind irritiert, wenn stattdessen Tränen strömen. Doch wichtiger, als sich immer fest im Griff zu haben, ist, jemanden zu haben, der während der Schwangerschaft sicheren Halt gibt.
Alle Zweifel, alle Ängste, alle Unsicherheiten dürfen zugelassen werden. Am Anfang jeder Schwangerschaft gehören sie dazu und bedeuten auf keinen Fall, dass man eine schlechte Mutter wird. Wenn das Kind in solchen Momenten durch den Bauch gestreichelt und liebevoll angesprochen wird, spürt es: Meine Mutter ist besorgt, aber sie liebt mich.
In manchen Kulturen ist es Sitte, einer schwangeren Frau nur Schönes und Gutes zu erzählen, sie von schlechten Neuigkeiten fernzuhalten. Doch es gibt kaum Schwangere, bei denen das vierzig Wochen lang gelungen wäre. Wer schwanger ist, ist nicht „aus der Welt“. Das Zusammenleben mit dem Kind wird noch häufig genug vor die Entscheidung stellen, wie man ihm die bedrückenden Seiten der Realität vermittelt – nicht einmal, ob. Denn Kinder muss man auch auf Gefahren hinweisen, damit sie die Welt im Ganzen kennen lernen und darin lebensfähig werden. Die Schwangerschaft lässt Raum, bewusst die eigene Einstellung dazu zu entwickeln.
Vor Leistungsdruck in der Schwangerschaft bewahrt, was die Theologin Christiane Bundschuh-Schramm sagt: „Die Schwangerschaft hängt nicht von uns ab.“
Ja zum Kind
Das „Ja“ zum Kind kann spontan und tief erfreut geäußert worden sein, kann erkämpft und gegen Widerstände durchgesetzt worden sein, kann ein Ja mit mehr Fragezeichen als Punkten, geschweige denn Ausrufezeichen sein – das eigene Ja zum Kind ist immer ein bestimmtes Ja. Es ist ein Ja zum Leben mit Verantwortung.
Ob das Geld reicht, ob die Wohnung groß genug ist, wie es beruflich weitergehen wird, das fragen sich die meisten Mütter gleichermaßen, unabhängig davon, ob sie jetzt von allem viel oder wenig „zu bieten“ haben. Wie stabil ist die Partnerschaft? Die Stabilität der eigenen psychischen und körperlichen Verfassung – hält sie aus, dass das Kind in den ersten Lebensmonaten fast unvorstellbar viel Zuwendung fordert? Die Veränderung des eigenen Lebens durch das Baby – wird es eher als Bereicherung oder als Einschränkung empfunden? Sorge macht auch die zukünftige Rolle als Mutter: Wie geht „erziehen“? Mache ich alles richtig mit dem Kind?
Wenn das Ja zum Kind schwerfällt, die Ängste groß sind und die Hindernisse auf dem Weg unüberwindbar scheinen, darf jede Schwangere von ihrem guten Recht (laut § 2 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes) Gebrauch machen, kostenlos eine Schwangerenberatung aufzusuchen.
Die Autorin Angela Voß zitiert in ihrem Buch „Ein Baby – jetzt, später oder nie?“ die Mut machende Erfahrung von Katja, die mit Ende 30 zum ersten Mal schwanger wurde und mittlerweile zwei Kinder hat: „Ich glaube, wir sind irgendwie alle geborene Mütter, wenn wir erst ein Kind haben und wenn die Umstände uns nicht erdrücken. Vorher und Nachher haben wenig miteinander zu tun.“
Fundgrube
www.schwanger-info.de – Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, mit Beratungsstellensuche.
2.
Bewohner
Zu Gast in meinem Bauch
Entwicklung des Fötus
Noch nicht auf der Welt, doch schon untersucht: Pränataldiagnostik
Übersicht über pränataldiagnostische Untersuchungsverfahren
Mehrlingsschwangerschaften
Fundgrube
Zu Gast in meinem Bauch
Da wächst eine eigenständige Person im eigenen Bauch. Das ist im Empfinden der Mutter ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Für den mütterlichen Organismus ist es eine Riesenaufgabe, diesen „Fremdkörper“ anzunehmen, mitzuversorgen, ihm Schutz zu bieten und ihn zu halten. Da bestärkt ein Wort von Maria Montessori (1870–1952, Begründerin der Montessori-Pädagogik): „Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen.“
Entwicklung des Fötus
Erster Monat: Ei und Samenzelle verschmelzen. Bereits nach zwei bis drei Stunden teilt sich die kleine Zelle, die aus Ei und Samenzelle entstand, immer wieder und wächst auf diese Weise unvorstellbar schnell – erst auf ihrem Weg in die Gebärmutter, dann, wenn sie dort zu Hause ist. Was in der biologischen Literatur manches Mal „der Zellhaufen“ genannt wird, ist in den Augen der Mutter in wenigen Wochen schon „das Kind“. Es arbeitet darauf hin, in der Gebärmutter ein geborgenes Nest zu finden. Mit der Plazenta ist es durch die Nabelschnur verbunden. Geborgenheit findet ihren noch nicht von außen hörbaren Rhythmus: Nach 21 Tagen schlägt das kleine Herz. Schon entstehen Gehirn, Schilddrüse, Lunge, Gallenblase und Nieren. Das Baby heißt in der Fachsprache „Embryo“.
Zweiter Monat: Der Körper der Schwangeren arbeitet mit einer Konsequenz, von der die Schwangere selbst noch gar nichts weiß: Er will das kleine Wesen, nicht größer als ein Apfelkern, beschützen. Die werdende Mutter bemerkt die Schwangerschaft an der ausbleibenden Monatsblutung. Vielleicht sorgt sie sich, dass sie in dieser Zeit noch Alkohol getrunken oder geraucht hat. Der mütterliche Organismus im Zusammenspiel mit dem des Kindes arbeitet in dieser Phase jedoch nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“: Entweder das Kind bleibt, oder es ist nicht zu halten. Einzelne beschädigte Zellen sind noch nicht so mit einer Aufgabe besetzt, dass sie nicht durch gesunde ersetzt werden könnten. Das kleine Geschöpf hat Arme und Beine, erste Konturen seines Gesichtes. Es ist gut, wenn die Mutter sich ausreichend bewegt: Der Gleichgewichtssinn des Kindes entwickelt sich früh.
Dritter Monat: Das Baby bewegt sich nun auch selbst, es kann schon mit seinen Händen greifen und mit den Füßen wackeln. Mit dem Ende dieses Monats sind in der Entwicklung des Embryos alle Organe angelegt, ab jetzt wachsen sie nur noch. Das Baby ist etwa fünf Zentimeter groß und wiegt so viel wie ein Standardbrief, 20 Gramm. Meist ist es jetzt aus der Gefahrenzone heraus, in der noch eine Fehlgeburt drohen kann.
Vierter Monat: Das Baby heißt in der Fachsprache ab jetzt „Fetus“ oder „Foetus“. Es lutscht ab und zu an seinem kleinen Daumen. Wenn es durch die Bauchdecke hindurch berührt wird, gibt es Zeichen, dass es die Berührung spürt. Es wiegt etwa so viel wie zwei Schokoladentafeln.
Fünfter Monat: Das Baby hört – alle Töne durch das Grundrauschen hindurch, mit dem Fruchtwasser und mütterlicher Blutkreislauf seine Kulisse unterlegen. Es lernt, Geräusche einzuordnen, je nachdem, wie die Mutter darauf reagiert. Was sich anfühlt wie „Schmetterlinge im Bauch“ oder so, als würde jemand leicht mit einem Finger gegen die Bauchdecke tippen, lernt die Mutter bald als Bewegung des Kindes zu deuten – Ende des fünften oder Anfang des sechsten Monats spürt sie, wie das Kleine „turnt“.
Sechster Monat: Beim Baby wachsen Härchen, ein dünner Flaum auf dem Kopf. Es wird vermutet, dass das Baby im Mutterleib in seinen Schlafphasen nun träumt. Ungefähr in der 24. Schwangerschaftswoche kann ein Fötus Gerüche im Fruchtwasser aufnehmen; damit beginnt die Entwicklung seines feinen Geruchsinns.
Siebter Monat: Licht ins Dunkel – das Baby kann die Augenlider öffnen, hell und dunkel unterscheiden. Die Lungen reifen. Würde das Baby jetzt geboren, stehen seine Überlebenschancen nicht schlecht.
Achter Monat: Das Baby dreht sich meist von alleine in die „normale“ Schädellage – mit dem Kopf nach unten, wie es am mühelosesten geboren werden kann. Jetzt sieht es schon so aus wie an seinem Geburtstag. Es liebt Spiele durch die Bauchdecke hindurch.
Neunter Monat: Aus dem, was die werdende Mutter isst, legt das Baby noch ein „dickes Fell“ an, sein Körper baut die Fettschicht aus als Kälteschutz nach der Geburt. Die Plazenta hat nun einen Durchmesser von ca. 20 bis 25 Zentimetern und ist etwa drei Zentimeter dick. Alle warten auf das Wunder: Bald wird ein neuer Mensch geboren.
Noch nicht auf der Welt, doch schon untersucht: Pränataldiagnostik
Eine Schwangerschaft ist normalerweise ein gesunder Prozess. Die werdende Mutter ist „guter Hoffnung“, sie leidet nicht unter einer Krankheit. Die Vorsorgeuntersuchungen sind zur Überprüfung da, ob es Mutter und Kind gut geht. Dazu werden Gewicht und Blutdruck der Mutter kontrolliert, ihr Urin auf Eiweiß, Zucker und Bakterien untersucht.
Werdende Mütter und Väter beschäftigt die Frage nach der Gesundheit des Kindes. Jede vorgeburtliche Untersuchung ist eine Möglichkeit, Fehlbildungen und Erkrankungen des Ungeborenen auszuschließen. Gleichzeitig muss klar sein: Weder vor noch nach der Geburt gibt es Garantie auf ein unversehrtes Kind, auch nicht durch den akribisch eingehaltenen Vorsorgeplan.
Das Baby vor der Geburt (aus dem Lateinischen: „pränatal“) zu untersuchen heißt „Pränataldiagnostik“. Je eine Ultraschalluntersuchung pro Schwangerschaftsdrittel ist im Leistungsumfang der Krankenkasse bei der regulären Vorsorge enthalten. Im glücklichen Fall kann man bei diesem „Baby-Fernsehen“ zusehen, wie es wächst und gedeiht. Aber es können sich auch Fehlentwicklungen und Missbildungen zeigen, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder bereits sichtbare Behinderungen. Weitergehende pränataldiagnostische Verfahren suchen gezielt nach bestimmten Behinderungen oder Erkrankungen des Babys im Bauch.
An zwei Punkten der Schwangerschaft ist eine Entscheidung fällig: Erstens, ob die werdende Mutter überhaupt pränataldiagnostische Verfahren in Anspruch nehmen und über das Ergebnis informiert werden will – wobei pränataldiagnostische Methoden nicht als „Gesamtpaket“ gebucht werden müssen, sondern von Mal zu Mal eine neue Entscheidung möglich ist –, zweitens nach einer Untersuchung im Rahmen der Pränataldiagnostik.
Die Nachricht, dass eine Erkrankung, Fehlbildung oder Behinderung beim Kind besteht, stellt werdende Eltern vor Entscheidungskonflikte. Wer den Weg einer solchen Untersuchung geht, muss wissen, dass am Ende die Frage nach einer Abtreibung des Kindes stehen kann, die ab Diagnose bis zur Geburt aufgrund einer medizinischen Indikation gesetzlich erlaubt ist.
85 Prozent aller Schwangeren jeden Alters nehmen mittlerweile Pränataldiagnostik wie einen selbstverständlichen Teil der Schwangerschaftsvorsorge in Anspruch. Frauen unter 34 Jahren entscheiden sich eher für nicht invasive Methoden, ältere Frauen lassen häufiger einen Eingriff in ihren Körper zu.
Insbesondere wird auf Fehlbildungen hin untersucht, die durch eine erbliche Veränderung entstehen. Die Anwendung vorgeburtlicher Untersuchungen regelt das Gendiagnostikgesetz – sie sind ausschließlich zu medizinischen Zwecken erlaubt.
Übersicht über pränataldiagnostische Untersuchungsverfahren
Verfahren ohne Eingriffe in den Bauchraum der Schwangeren (nicht-invasive Untersuchungsmethoden)
Ultraschall (Sonographie, Screening):
Zeitraum: 9. bis 12. Schwangerschaftswoche (vaginal, Schallkopf wird in die Scheide eingeführt), 19. bis 22. und 29. bis 32. Schwangerschaftswoche (durch die Bauchdecke); mehr als drei Ultraschalluntersuchungen werden in Anspruch genommen von 70,4 Prozent aller Schwangeren (Werte aus der Studie „Schwangerschaftserleben und Pränataldiagnostik“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2006).
Was wird gesucht und gefunden?
Ausschluss einer Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft, Bestimmung des Schwangerschaftsstadiums, Wachstum des Babys, Mehrlingserkennung, Beobachtung der Entwicklung von Gliedmaßen, Knochengerüst und Organen; Kontrolle des Herzschlags beim Baby; Messung der Nackenfalte zur Abschätzung, ob ein Down-Syndrom vorliegt; Struktur des Mutterkuchens, Fruchtwassermenge, Hinweise auf eine Stoffwechselkrankheit.
Finanzierung und Besonderheiten:
Drei Ultraschalluntersuchungen werden von der Krankenkasse bezahlt und im Mutterpass dokumentiert. Der Mensch kann Ultraschallwellen nicht hören, aber der Körper der Mutter und der des Kindes reflektieren sie. Auf einem Bildschirm können sie sichtbar gemacht werden. In keinem europäischen Land wird so viel Ultraschall eingesetzt wie in Deutschland – jedoch kommen in Deutschland dadurch nicht insgesamt gesündere Babys zur Welt.
3D- oder 4D-Ultraschall, mithilfe dessen das Baby im Bauch räumlich dargestellt werden kann, sind derzeit nur bei Verdacht auf „offenen Rücken“ oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte („Hasenscharte“ oder „Wolfsrachen“) sinnvoll. In einem Doppler-Ultraschall kann nach der 20. Schwangerschaftswoche die Durchblutung des Babykörpers und der Nabelschnur gemessen werden. Die Krankenkasse trägt die Kosten, wenn die Kontrolle ärztlicherseits angezeigt ist.
Ersttrimester-Test („Ersttrimester“: „erstes Drittel“ der Schwangerschaft): Ultraschalluntersuchung in Kombination mit Untersuchungen des mütterlichen Blutes.
Zeitraum: Nackentransparenz-Test per Ultraschall in der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche, Blutentnahme in der 11. bis 13. Schwangerschaftswoche, in Anspruch genommen von 28,9 Prozent, nur Nackenfaltenmessung von 40,5 Prozent aller Schwangeren.
Was wird gesucht und gefunden?
Vermessung des Gewebes zwischen Haut und Halswirbelsäule im Nackenbereich des Ungeborenen, ggf. Kontrolle der Darstellbarkeit des Nasenbeins und der rechten Herzklappe, in Kombination mit Hormon- und Eiweißwerten im Blut der Mutter zur Risikoeinschätzung: Liegt ein Down-Syndrom, eine andere Chromosomenabweichung, ein Herzfehler vor?
Finanzierung und Besonderheiten:
Keine Diagnose, lediglich Risikoeinschätzung in Kombination mit anderen Werten (Alter der Mutter, Schwangerschaftsdauer, Größe und ggf. Nasenbeinlänge des Fötus), Entscheidungsgrundlage über mögliche weitere Untersuchungen, Falsch-positiv-Rate: zwischen 1 und 5 Prozent (bis zu 5 von 100 Frauen erhalten ein falsches Ergebnis). Die Kosten von 150 € bis 200 € trägt die Krankenkasse nur bei einer Risikoschwangerschaft.
Nackentransparenz, Nasenbein und Funktion der rechten Herzklappe können auch per Ultraschall unabhängig von einem Ersttrimester-Test gemessen werden.
Triple-Test (auch: Quadruple-Test):
Zeitraum: 15. bis 18. Schwangerschaftswoche, Wartezeit auf Ergebnisse ca. eine Woche; in Anspruch genommen von 34,1 Prozent aller Schwangeren
Was wird gesucht und gefunden?
Risikoeinschätzung eines Down-Syndroms, anderer Chromosomenabweichungen, Suche nach Neuralrohrdefekten („offener Rücken“) aufgrund dreier (daher „triple“ = dreifach) oder vierer („quadruple“ = vierfach) Blutbestandteile der Schwangeren in Kombination mit Alter und Schwangerschaftsdauer.
Finanzierung und Besonderheiten:
Test ist medizinisch aufgrund seiner Ungenauigkeit umstritten. Kosten um 45 € bis 80 € tragen Schwangere selbst.
Verfahren mit Eingriffen in den Körper der Schwangeren (invasive Untersuchungsmethoden)
Chorionzottenbiopsie: Entnahme von Gewebe aus dem späteren Mutterkuchen durch einen Katheter durch die Scheide oder durch Einstich mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke der Schwangeren, Isolation des Erbgutes.
Zeitraum: 10. bis 12. Schwangerschaftswoche, Wartezeit auf Ergebnisse ein Tag bis acht Tage, Ergebnisse der Langzeitkultur nach zwei bis vier Wochen, in Anspruch genommen von 3,3 Prozent aller Schwangeren.
Was wird gesucht und gefunden?
Chromosomenabweichung, Muskel- oder Stoffwechselerkrankung, insbesondere, wenn Erbkrankheiten in der Familie vorliegen, nach auffälligem Ersttrimester-Test.
Finanzierung und Besonderheiten:
Kostenübernahme (nach ärztlicher Anordnung) durch die Krankenkasse. Eingriff wird in spezialisierten Zentren vorgenommen. Fehlgeburtsrisiko ca. 0,5 bis 1 Prozent, zweifelhafte Ergebnisse ca. 2 Prozent.
Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese): Entnahme von 15 bis 20 ml Fruchtwasser (und darin gelösten Zellen und Substanzen aus dem Organismus des Babys) mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke der Schwangeren unter Ultraschallsicht und örtlicher Betäubung.
Zeitraum: 14. bis 20. Schwangerschaftswoche, Wartezeit auf Ergebnisse: Schnelltest zu den Chromosomen 13, 18, 21 und Geschlechtschromosomen ein Tag, restliche Ergebnisse inklusive Zellkultur zwei Wochen; in Anspruch genommen von 11,5 Prozent aller Schwangeren; davon 44 Prozent im Alter von über 39 Jahren; zwischen 1991 und 2003 hat sich die Nutzungshäufigkeit dieser Untersuchung verdoppelt.
Was wird gesucht und gefunden?
Chromosomenabweichung, Muskel- oder Stoffwechselerkrankung bei entsprechenden Befunden in einer früheren Schwangerschaft oder bei auffälligen Ultraschall-Untersuchungsergebnissen.
Finanzierung und Besonderheiten:
Sehr genaue Ergebnisse. Die Krankenkasse trägt nach ärztlicher Begründung, z. B. nach Ultraschalluntersuchungsauffälligkeiten und bei Risikoschwangerschaften, die Kosten. Fehlgeburtsrisiko 0,3 bis 1 Prozent. Eingriff wird manchmal als schmerzhaft und für das Baby bedrohlich empfunden.
Nabelschnurpunktion (Cordozentese): Entnahme kindlichen Bluts durch Einstich durch die Bauchdecke der Schwangeren unter Ultraschallsicht.
Zeitraum: ab der 16. Schwangerschaftswoche, Wartezeit auf Ergebnisse zwei bis vier Tage; in Anspruch genommen von 0,7 Prozent aller Schwangeren.
Was wird gesucht und gefunden?
Bei unklaren Ergebnissen aus einer Fruchtwasseruntersuchung Chromosomenabweichung, Muskel- oder Stoffwechselerkrankung, Werte zur Kontrolle der Gefährdung des Kindes bei Blutgruppenunverträglichkeit oder Infektion z. B. mit Röteln. Möglichkeit, dem Kind direkt Medikamente zu verabreichen oder Blut zu übertragen.
Finanzierung und Besonderheiten:
Kostenübernahme (nach ärztlicher Anordnung) durch die Krankenkasse. Fehlgeburtsrisiko etwa 1 Prozent.
Sehr selten werden eine Fetoskopie (Fruchtspiegelung) oder eine Plazentapunktion (Punktion des Mutterkuchens, ähnlich wie Fruchtwasserpunktion) unternommen.
Schwangere Frauen haben das Recht auf Nichtwissen und können Untersuchungen ablehnen, die ihnen empfohlen werden. Manche werdende Mütter vereinbaren hierzu mit Arzt oder Ärztin, ihnen keine Ergebnisse vorzulegen, die zu einer Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung führen – schriftlich, um eine Haftung des Arztes oder der Ärztin auszuschließen. Die Schwangere sollte für sich selbst klären, ob sie sich vorstellen kann, auf pränatale Diagnostik ganz zu verzichten.
Was geschieht nach einer pränataldiagnostischen Untersuchung?
Zunächst muss das Ergebnis abgewartet werden. Viele Frauen empfinden die Zeit bis zur Benachrichtigung aus dem Labor als „Schwangerschaft auf Probe“ und als seelisch belastend; sie haben Hemmungen, ihrer Umgebung von der Schwangerschaft zu erzählen, und das Gefühl, innerlich Abstand vom Kind wahren zu müssen.
Wenn die Untersuchung ein auffälliges – in der Fachsprache genau umgekehrt zum Empfinden der Betroffenen, „positives“ – Ergebnis liefert, folgen ein medizinisches und ein psychosoziales Beratungsgespräch. Das medizinische Beratungsgespräch findet bei der Humangenetikerin oder beim Humangenetiker statt, also bei Ärztinnen bzw. Ärzten, die auf das Fachgebiet der menschlichen Vererbung spezialisiert sind. Medizinisch sinnvoll ist auch das Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin für Kinderheilkunde. Schwangere Frauen und ihre Partner sollen informierte Entscheidungen treffen können – der Fachbegriff dafür ist die „informierte Zustimmung“ (informed consent).
Die psychosoziale Beratung ist einzeln oder in Paarberatung möglich. Beraterin oder Berater sind speziell geschult, können daher andere Sichtweisen ins Gespräch bringen und auch verstehen helfen, was genau dem Baby fehlt, wenn noch medizinische Fragen offen sind. Es lässt sich moderiert klären, welche Einstellung die Schwangere und der Vater zur Frage nach Behinderung und „Normalität“, welches Bild von einem glücklichen Menschen sie haben, ob sie das Anderssein ihres Kindes ertragen könnten. Überforderung, Schuldgefühle oder -zuweisungen werden bearbeitet.
Entscheidung für oder gegen einen Abbruch aufgrund einer „medizinischen Indikation“ im Sinne des § 218a des Strafgesetzbuches:
Bei Diagnose eines schwer behinderten Kindes besteht eine Bedenkzeit von drei Tagen zwischen Beratung und Entscheidung über Schwangerschaftsabbruch – eine Frist, die notwendig ist; eine Entscheidung soll weder während noch unmittelbar nach der Beratung getroffen werden.
Beim Schwangerschaftsabbruch wird die Methode je nach Schwangerschaftsstadium gewählt; da Verdacht und Diagnose einige Zeit in Anspruch nehmen, ist die Schwangerschaft in den überwiegenden Fällen so weit fortgeschritten, dass nur eine eingeleitete Geburt in Frage kommt.
Bei Entscheidung gegen einen Abbruch trägt die Frau die Schwangerschaft aus. Sie endet mit der Lebend- oder Totgeburt eines Kindes mit Behinderung.
Beides, Abbruch und Geburt, sind eine körperliche und seelische Belastung.
Mehrlingsschwangerschaften
„Platz für alles, was kommt“ – so lautete der Slogan, der vor einiger Zeit ein besonders geräumiges Automodell bewarb. Ein Fernsehspot dazu zeigt ein werdendes Elternpaar, das bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung das Unerwartete entdeckt: Die beiden erwarten Drillinge.
Der erste Gedanke wird jedoch nicht das für solche Fälle geeignete Auto sein. Die Nachricht über eine Mehrlingsschwangerschaft löst vielmehr häufig im ersten Moment einen richtiggehenden Schock aus. Da ist nicht nur ein kleines Wesen, auf das sich die eigenen Gefühle richten, sondern der Kreis muss größer gezogen, die Liebe und die Sorgen müssen neu verteilt werden.
Wie aber kommt es überhaupt zu Mehrlingsschwangerschaften? Mehrlinge können ein- oder mehreiig entstehen. Es kann vorkommen, dass bei einer Frau mehr als eine Eizelle zu gleicher Zeit gereift ist. Bei älteren Frauen geschieht das häufiger durch eine funktionelle Störung des Hormons, das die Eizellen stimuliert (FSH). Eine Hormonbehandlung aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches führt häufig ebenfalls zur Reifung mehrerer Eizellen. Hier kommt es 20mal häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften, als wenn eine Frau ohne „Nachhilfe“ schwanger wird. Wenn jede gereifte Eizelle von einer Samenzelle befruchtet worden ist, wachsen mehreiige Zwillinge oder Mehrlinge heran. Jedes von ihnen hat einen eigenen Mutterkuchen.
Wenn Mehrlinge in der Familie liegen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, selbst Mehrlinge zu bekommen: Häufig wird eine Frau mit Zwillingen schwanger, die selbst Zwilling ist oder in deren Familie mütterlicherseits Zwillinge vorkamen.
Entscheidend ist der dritte Schwangerschafts-„Schöpfungstag“. Bis dahin kann jede Zelle sich noch zu jeder Gewebeart entwickeln. Danach wird festgelegt, aus welchen Zellen das Baby und aus welchen anderen Zellen der Mutterkuchen wird. Manchmal entstehen aus nur einer befruchteten Eizelle mehrere solcher Kombinationen. Gut 30 Prozent aller Zwillingsgeburten sind so entstanden. Bei den übrigen gut 60 Prozent geschieht die Teilung erst zwischen dem vierten und dem siebten Tag. Es teilen sich aber nur noch die Zellen des Embryos und werden zu Zwillingen oder Mehrlingen, sie haben den Mutterkuchen gemeinsam. Mehrlinge, die von nur einem Mutterkuchen versorgt werden, wachsen mit einem größeren Risiko heran, bis zur Geburt nicht ausreichend entwickelt zu sein.
Dass die Zeugung von Mehrlingen seit etwa 1980 deutlich zugenommen hat, hängt damit zusammen, dass eine steigende Zahl von Ehepaaren mit unerfülltem Kinderwunsch Verfahren der Reproduktionsmedizin nutzten, also die so genannte „künstliche Befruchtung“. Von Ehepaaren ist hier deshalb die Rede, weil Krankenkassen in der Regel die Hälfte der Kosten bei verheirateten Paaren tragen, bei unverheirateten jedoch nicht.
Meist folgt auf eine lange Zeit, in der die Mutter weder unbeabsichtigt noch gewollt schwanger wurde, der Versuch, ein Kind durch „assistierte Reproduktion“ zu zeugen. Möglicherweise gab es schon Versuche, die Eierstöcke so zu stimulieren, dass die körperliche Bereitschaft zu einer Zeugung größer ist, oder aber es gab mehrere Bemühungen um eine Schwangerschaft, bei der die Zeugung außerhalb des Körpers („extrakorporal“) stattfindet („künstliche Befruchtung“), bis es endlich „klappte“. Statistisch häufig bringen Frauen nach einer künstlichen Befruchtung zum Ende ihrer jeweils ersten Schwangerschaft Mehrlinge zur Welt. Bei diesen Verfahren werden mehrere Eizellen mit dem Samen des Vaters befruchtet – in einem Reagenzglas (lat.: in vitro, daher In-vitro-Fertilisation, IVF, Befruchtung im Glas, das Verfahren, für das sein Erfinder Robert Edwards 2010 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde). Die Chance darauf, dass die Frau tatsächlich schwanger wird, steigt natürlich mit der Zahl der so entstandenen Embryonen, die ihr eingepflanzt werden. Das Embryonenschutzgesetz begrenzt deren Zahl auf drei. Davon können sich möglicherweise alle drei zum Fötus entwickeln und als Baby geboren werden – und manche teilen sich weiter, sodass höhergradige Mehrlinge entstehen.
Machten Drillingsgeburten vor 1980 in Deutschland nur ca. ein Prozent aller Geburten aus, so versechsfachte sich der Anteil bis 1999 und stieg auf 6,4 Prozent. Bis 2008 sank er wieder auf 0,4 Prozent. Gründe für den Rückgang liegen einerseits bei der Reproduktionsmedizin, die in den vergangenen 30 Jahren Fortschritte gemacht hat. Zum anderen liegen sie aber auch im Umgang mit den Babys im Mutterleib. Höhergradige Mehrlingsschwangerschaften werden, so der Fachausdruck, meist um die zehnte bis zwölfte Schwangerschaftswoche „reduziert“. Das heißt im Klartext, dass von vier oder mehr Babys einige abgetötet, also teilabgetrieben werden, um die Schwangerschaft mit weniger Babys fortzusetzen. Dieser Vorgang wird als „Fetozid“ bezeichnet. Von ihm verspricht man sich eine höhere Überlebenschance für die Kinder und weniger Komplikationen für die werdende Mutter. Wird bei einer Untersuchung festgestellt, dass eines der im Bauch wachsenden Geschwisterkinder krank ist, wird das kranke Baby selektiv abgetötet. Ein weiteres Entscheidungskriterium: Meist wird bei der Entscheidung zu einer solchen „Reduktion“ von den Kindern, die sich einen Mutterkuchen teilen, mindestens eines abgetrieben.
Die Vorstellung fällt schwer, wie Elizabeth Bryan von der Internationalen Gesellschaft für Zwillingsforschung beschreibt, „um ein Kind zu trauern und das Leben des anderen zu feiern“. Entsprechend hoch sind die ethischen Probleme und die seelische Belastung der Eltern, besonders der Mutter. Häufig erleben werdende Eltern Druck von außen, die Schwangerschaft zu reduzieren. Vielfach werden dabei die sozialen und familiären Bedürfnisse vorrangig vor medizinischen Gesichtspunkten angesprochen. Dabei entsteht, wie die Gynäkologen Holger Maul und Willibald Schröder formulieren, „eine Diskussion, die das gesamte Spannungsfeld religiöser und ethischer Werte einerseits und der Autonomie der Patientin andererseits umfasst“. Hier ist bei der gesetzlich vorgeschriebenen vorangehenden Beratung ein einfühlsames, offenes und von Elternseite auch mutiges Gespräch wichtig, damit niemand eine Entscheidung gegen den eigenen Willen treffen muss.
Meist ist einer jungen Familie mit Mehrlingen die Bewunderung der Umgebung sicher. Doch die Drillings- und Mehrlingsinitiative ABC-Club e.V. betont, dass mit der Erwartung von Mehrlingen das Leben neu geordnet werden muss. „Freude und Sorge, Glück und Verzweiflung, Optimismus und Angst“ begleiten Mehrlingseltern über eine längere Zeit. Von Anfang an bietet ein Kontakt zu anderen Mehrlingsfamilien Hilfe und Unterstützung. Mehrlingsgeburten stellen eine Mutter bzw. ein Elternpaar vor ganz neue Fragen dazu, wie sie ihr Familienleben gestalten wollen – seelisch, körperlich, sozial und finanziell: Es wird sich schwieriger verwirklichen lassen, dass die Mutter ihren Beruf nach einer Pause wieder ausübt. Sind die Kinder kleiner, kommen auf die Familie höhere Betreuungskosten zu; wenn sie größer werden, brauchen sie einfach mehr Platz. Wie die weitere Familienplanung inklusive weiterhin gewünschter Kinder verlaufen soll, bedarf für das junge Elternpaar einer Korrektur.
Für Mehrlingsschwangerschaften gilt umso mehr, was zu einer Schwangerschaft im Allgemeinen gesagt wird: Die Übelkeit kann stärker sein, auch die Müdigkeit, besonders zu Beginn der Schwangerschaft. Der Bauchumfang wächst entsprechend mehr, wie Platz für weitere Kinder benötigt wird – das schränkt zum Ende der Schwangerschaft die Bewegung ein und kann auch die Atmung erschweren. Das ganze „Kinderpaket“ wiegt bei der Geburt insgesamt fünf bis sechs Kilo. Das Gewicht teilt sich entsprechend auf die Kinder auf.
Es muss mit vorzeitiger Wehentätigkeit gerechnet werden – und das heißt: liegen (und ggf. ein schon vorhandenes Geschwisterkind betreuen lassen). In den Wochen vor der Geburt hat die Schwangere Anspruch auf eine Haushaltshilfe, bei der die Krankenkasse die Kosten übernimmt, wenn damit ein Krankenhausaufenthalt abgewendet werden kann. Manchmal werden Mehrlingsschwangere zu einer frühzeitigen stationären Aufnahme gedrängt. Wenn die eher als Druck denn als entlastende Hilfe empfunden wird, ist ein Austausch mit dem behandelnden Arzt darüber nötig. Wichtig ist, sich bei einer Hebamme und vor allem auch bei anderen Mehrlingsmüttern Tipps und Hilfe zu holen. Eine Mehrlingsschwangerschaft gilt als Risikoschwangerschaft – begleitet durch engmaschigere Vorsorgeuntersuchungen, als für eine Schwangerschaft im Allgemeinen vorgesehen sind: bis zur 28. Woche 14-täglich, ab dann wöchentlich. Ratsam ist, eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt und eine Hebamme zu wählen, die Erfahrung mit der Begleitung von Mehrlingsschwangerschaften haben.
Mindestens in den ersten drei Monaten einer Mehrlingsschwangerschaft sollten die Eltern bei der Gestaltung ihrer Sexualität vorsichtig sein – das Risiko einer Fehlgeburt ist höher, als wenn nur ein Kind erwartet wird.
Bei Mehrlingen ist der Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses früher als bei nur einem Baby im Bauch angeraten: Zum Ende der Schwangerschaft wird er zu beschwerlich – und dieses Ende wird mit Sicherheit früher da sein als errechnet.
Schwangerengymnastik sollte eine werdende Mutter von Mehrlingen nur in Absprache mit dem Arzt wahrnehmen.
Für Eltern von Mehrlingen gibt es besondere finanzielle Hilfsangebote. Das Sozialamt gewährt Zuschüsse zur Anschaffung der Baby-Erstausstattung. Anträge auf einmalige Zahlungen oder jährliche Unterstützung können bei Caritas bzw. Diakonie, der Familienberatungsstelle, dem Ministerpräsidenten, der Gemeinde und auch ggf. beim Arbeitgeber gestellt werden. Immer wieder lassen sich auch Hersteller von Babykleidung, Babynahrung und anderer Ausstattung auf private Anfragen ein, wenn sie nur entsprechend werbewirksam an die Öffentlichkeit dringen. Ob es gleich ein ganzes Auto ist, steht dahin …
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