Czytaj książkę: «Christmas Time»

Czcionka:

Marina Ocean, Sarina Louis, Karina Reiss

Christmas Time

Ein bisschen Weihnachten

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Impressum

Vorwort

Sarina Louis

Shane

Amy

Über die Autorin

Karina Reiß

Über die Autorin

M. Ocean

Über die Autorin

Kate Novella

Erstes Kapitel Marion

Zweites Kapitel Thomas

Drittes Kapitel Marion

Viertes Kapitel Thomas

Fünftes Kapitel Marion

Sechstes Kapitel Marion

Über die Autorin

Amanda Partz

Über die Autorin

Sara C. Schaumburg

Über die Autorin

Samira Wood

Kapitel 1 - Jenny

Kapitel 2 - Zac

Kapitel 3 - Jenny

Kapitel 4 – Zac

Kapitel 5 - Jenny

Kapitel 6 – Zac

Kapitel 7 – Jenny

Über die Autorin

Danksagung

Impressum neobooks

Impressum

© / Copyright: 2021

Marina Ocean & Sarina Louis

Marina Ocean

c/o Autorenservice Gorischek

Am Rinnergrund 14/5

8101 Gratkorn

Österreich

marinaocean.author@gmail.com

Sarina Louis

c/o Barbaras Autorenservice

Tüttendorfer Weg 3

24214 Gettorf

Deutschland

Sarinalouis@gmx.de

1. Auflage

Umschlaggestaltung: Die Bücherfee - Karina Reiß

Bildmaterial: Adope Stock, Deposit Photos, Pixabay

Lektorat, Korrektorat: Sandra Paczulla, Karina Reiß, Marina Ocean, Kate Novella

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Vorwort

Liebe/r Leser/in,

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Gabriel-von-Seidl-Str 81

67550 Worms

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Vielen Dank für Deine Unterstützung! <3

Sarina Louis


Shane

»Und am Weihnachtsmorgen laufen wir immer nackt um den Weihnachtsbaum«, flüstert mir Amy ins Ohr und legt ihre Arme von hinten um meinen Hals.

»Cool«, sage ich und streichele dabei kurz über ihren Unterarm. »Hört sich doch nach einer schönen Weihnachtstradition an, Babe.«

»Hmhm, das machen wir jedes Jahr so. Außerdem spielen wir an Heiligabend immer Strip Poker, wenn die Zwillinge im Bett sind.«

»Was?«, frage ich geistesabwesend, während ich die Unterlagen weiter vor mir auf dem Couchtisch in ihrem Zimmer ausbreite.

»Du hörst mir überhaupt nicht zu.« Amy grinst, was ich an meiner Haut spüre. Anschließend nimmt sie mir das Buch aus der Hand, das ich gerade hochnehmen möchte, und legt es zurück. »Genieße doch die paar freien Tage mal, bevor es mit der Uni weitergeht.«

»Ich kann nicht«, raune ich ihr zu und drücke ihr einen Kuss auf die Wange, bevor ich mir meinen Notizblock und den Kugelschreiber schnappe, um mir weiter Anmerkungen zu machen.

Schnaufend lässt sie mich los und kommt um die Couch herum. Bevor ich reagieren kann, hat sie mir schon die Sachen wieder aus der Hand genommen, legt sie auf den Tisch und klettert anschließend auf meinen Schoß. Als wollte sie in mich hineinkriechen, kuschelt sie sich an mich und legt ihren Kopf an meinen Hals.

»Wieso nicht?«, flüstert sie und platziert dabei kleine federleichte Küsse auf meiner Haut. Wie gerne würde ich mich fallen lassen und die Situation genießen, aber das geht nicht.

»Weil ich deinem Vater beweisen will, dass ich gut genug für dich bin«, spreche ich das erste Mal meine Gedanken aus. Meine Worte verfehlen ihre Wirkung nicht, denn Amy löst sich sofort von mir und lehnt sich auf meinem Schoß ein Stück nach hinten.

»Shane«, kommt es leise aus ihrem Mund. Dieser Blick. Genau deswegen habe ich nichts gesagt. »Du bist gut genug für mich.«

»Und genau da bin ich mir nicht so sicher. Dein Dad hat schon recht, dass er mich hasst.«

»Er hasst dich nicht«, widerspricht sie, doch sie weiß genau, dass es so ist. Auch wenn er mittlerweile akzeptiert, dass wir zusammen sind und es zähneknirschend duldet, dass wir in Sünde in seinem Haus wohnen, wäre es ihm lieber, wenn seine Prinzessin endlich zur Vernunft kommt und den asozialen Tätowierten verlässt. Und ich kann ihn verstehen. Nach allem, was ich Amy in der Vergangenheit angetan habe, ist mir klar, dass ich nicht gerade den Titel »Schwiegersohn des Jahres« verdient habe. »Er hasst dich nicht mehr«, rudert sie schließlich ein kleines Stück zurück.

Ich rutsche mit meinem Hintern etwas weiter nach unten, weshalb sie sich lachend auf meiner Brust abstützt. Meinen Kopf lege ich auf der Rückenlehne der Couch ab und streiche mit meinem rechten Zeigefinger eine ihrer dunklen Locken aus ihrer Stirn.

»Du bist mein Leben. Ohne dich wäre ich in der Gosse gelandet, Babe«, gestehe ich ihr nicht zum ersten Mal, dass sie alles ist, was ich zum Atmen brauche. Und ich danke dem Scheißer da oben im Himmel jeden Tag, dass diese Frau mir noch eine Chance gegeben hat.

»Ich liebe dich auch.« Ihre braunen Augen strahlen mich an, als sie sich zu mir vorbeugt und mich küsst.

Hört es jemals auf, was ich für mein Mädchen empfinde? Ich hoffe es nicht, denn ich kann niemals genug davon bekommen. Ihre Lippen auf meinen, ihre Haut, die meine berührt, als wäre ich etwas Besonderes … als wäre ich ebenfalls ihr Leben. Ganz automatisch rutschen meine Hände auf ihren Hintern, um sie noch näher an mich heranzuziehen. Ein Stöhnen dringt aus ihrer Kehle und lässt meine Selbstbeherrschung immer weiter schwinden, als sie mit ihren Hüften auf meinem Schoß hin- und herwackelt.

»Amy!«, ermahne ich sie, denn sie weiß ganz genau, dass ich nicht mit ihr schlafen werde, solange ihr Vater und Grace noch nicht im Bett sind.

»Ja, Baby?«, haucht sie an meinem Hals, bevor sie mir ins Ohrläppchen beißt.

»Oh, du spielst nicht fair«, beginne ich zu stöhnen, reibe mich aber gleichzeitig an ihr. »Und du weißt, wie schwer ich dir widerstehen kann.«

»Hmhm, das ist mir durchaus bewusst«, ist die kehlige Antwort von dem Wirbelwind auf meiner Erektion, die sich mittlerweile gegen ihre heiße Mitte presst. »Außerdem ist das vielleicht eine gute Ablenkung von dem ganzen Unikram.«

Schwer seufzend gebe ich mich geschlagen, auch wenn der Unikram wichtig ist, um endlich der Mann zu werden, den Amy verdient. Auf der anderen Seite hat sie recht: Ich war schon viel zu lange nicht mehr in meiner Freundin. Das sollte ich schnell ändern.

Auf meinen Lippen bildet sich ein dreckiges Grinsen, als ich meine linke Hand auf ihren Hinterkopf lege und sie somit für einen Kuss zu mir ziehe. Die rechte Hand wandert gleichzeitig unter ihr Shirt und öffnet geschickt den Verschluss ihres BHs.

»Aber wehe … du bist dieses Mal nicht leise … denn ich habe keine Lust … dass dein Dad …«, bringe ich zwischen einzelnen Küssen heraus, während ich zeitgleich Amys Kapuzenpulli über ihren Kopf zerre und hinter mich werfe.

»Dass dein Dad was?«

Fuck! Bitte sag mir, dass nicht Jordan hinter uns steht und uns praktisch dabei erwischt hat, wie ich seine Tochter auf der Couch vögeln wollte!

»Dad! Kannst du nicht anklopfen?«, faucht Amy gleich drauflos, was die Sache nicht besser macht, denn wenn die zwei Streithähne aufeinandertreffen, eskaliert das gerne. Hätte nie gedacht, dass ich mal der ruhige Pol in unserer Beziehung bin, aber Amy macht mich eben zu einem besseren Menschen.

Ohne mich zu Jordan umzudrehen, schnappe ich die Decke, die neben uns auf der Couch liegt und halte sie Amy vor die Brust, schließlich erfüllt der BH nicht mehr ganz seinen Zweck: Die Brüste meiner Freundin vor den Blicken anderer zu verstecken.

»Anklopfen? Das ist immer noch mein Haus und solange …«, geht die Diskussionsrunde auch schon los.

»Du deine Füße unter meinen Tisch stellst …«, giftet meine Curly Sue zurück. Doch gerade, als sie weitersprechen will, lege ich meine Handfläche auf ihren Mund und sehe Jordan nun mit einem zusammengekniffenen Auge an. Er steht im Türrahmen, den Pulli von Amy in seiner Hand.

»Wir kommen gleich«, versuche ich, ihn zu beschwichtigen, erreiche aber genau das Gegenteil, als er zurückkeift: »Vergiss es. Hier kommt niemand. Aber du kannst deinen Arsch nach unten bewegen, Shane. In fünf Minuten in der Küche! Allein!« Keine zwei Sekunden später fliegt die Tür ins Schloss.

»Geil. Wirklich geil. Musst du ihn immer so provozieren? Damit erreichst du nur, dass er mich bald rauswirft.«

»Ach was, das wird er nicht. Bellende Hunde beißen nicht«, sagt Amy kichernd und schließt den BH hinter ihrem Rücken, bevor sie von mir herunterklettert und mir anschließend immer noch halb nackt die Hand entgegenhält. »Wir dürfen ihm nur keinen Grund liefern, es sich anders zu überlegen. Also komm.«

»Na toll. Bellende Hunde beißen nicht? Damit willst du mir Mut machen?«, sage ich, als ich mich von ihr hochziehen lasse. Ein zuckersüßes Nicken ist ihre Antwort. »Dann hab ich News für dich. Es funktioniert nicht.«

****

Bevor ich die Küche betrete, atme ich noch mal tief durch und richte meine Haare. Scheiße, bin ich nervös. Ich fühle mich, als hätte ich ein erstes Date und müsste einen guten Eindruck hinterlassen. Das Problem ist nur, dass der Zug schon lange abgefahren ist.

»Willst du noch lange da draußen stehen bleiben?«, durchdringt Jordan die Stille.

Amy ist mit Grace und ihren Geschwistern im Wohnzimmer, da er mich unbedingt alleine sprechen wollte. Ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich weiß es nicht.

Nach einem Räuspern betrete ich die Küche und bin mir nicht sicher, was ich sehe.

Jordan, Amys Onkel Sam und Georg, Amys Großvater, stehen mir gegenüber, alle mit einem Gesichtsausdruck, den ich absolut nicht deuten kann.

Na klasse. Jeder Einzelne der Williams Männer ist schon angsteinflößend, aber alle auf einem Haufen sorgen dafür, dass ich am liebsten flüchten möchte. Doch das kann ich nicht, denn das würde bedeuten, dass ich Amy verlassen muss, aber diesen Gefallen werde ich ihnen nicht tun. Und daran ändert auch nichts, dass Sam ein Gewehr in der Hand hält. Ein Gewehr? Was zum Teufel haben die vor? Wollen die mich umbringen und anschließend im Wald verscharren?

»Liebst du meine Enkeltochter, Shane?«, beginnt Georg ein Gespräch, als wäre es vollkommen normal, den Freund der Enkelin mit einer Flinte zu bedrohen – am Morgen des 24. Dezember.

»Ja, Sir«, kommt es kratzig aus meiner Kehle, weshalb ich mich erneut räuspere und meine Worte nun fester wiederhole. »Ja, Sir. Ich liebe Amy.«

Jordan kneift die Augen zusammen, Sam umfasst das Gewehr fester und Georg verschränkt die Arme vor der Brust.

»Würdest du auch für sie töten?«, fragt nun Sam.

Erst möchte ich lachen, weil ich vermute, dass das nur ein Scherz sein kann. Aber als ich den Muskel in seinem Kiefer zucken sehe, wird mir klar, dass er diese Frage ernst meint.

Scheiße, was sage ich denn jetzt? Wenn ich Ja sage, denken sie vielleicht, dass ich immer noch der Shane bin, den sie kennengelernt haben. Der Sohn eines Kriminellen und der Typ, der Amy damals … fuck, wenn ich daran denke, was ich ihr alles angetan habe, wird mir immer noch schlecht. Aber der bin ich nicht mehr. Ich habe mich verändert. Für Amy. Für mich.

Wenn ich aber Nein sage, denken sie, dass ich sie doch nicht so sehr lieben könnte, wie ich ihnen weismachen will.

»Denk nicht so viel nach, Junge. Beantworte einfach die Frage. Ja oder Nein?«, will nun Georg wieder wissen. Jordan hat noch keinen Ton gesagt, seit ich die Küche betreten habe, trotzdem ist er es, dem ich bei meiner Antwort in die Augen sehe, denn ich möchte, dass er sieht, wie ernst mir meine Worte sind.

»Ja. Ich würde mein Leben für sie geben. Und ja. Ich würde für sie töten.«

Einen Moment lang ist es still in der Küche, bevor Jordan antwortet: »Gut. Dann hast du gleich die Möglichkeit, es zu beweisen.«

****

Wir fahren tatsächlich in den Wald. Ich sitze auf der Laderampe von Jordans Pick-up und friere mir den Arsch ab, während aus der warmen Fahrerkabine Jingle Bells zu mir nach hinten schallt, in voller Lautstärke wohlgemerkt. Georg fährt und die zwei Williams Brüder singen lautstark mit, als wären sie zwei Jungs, die auf Santa Claus warten. Die haben doch echt einen Knall.

Die wären nicht so gut gelaunt, wenn sie mich um die Ecke bringen würden, oder doch?

Amy hat mich mit einem mitleidigen Blick angesehen, als wir gefahren sind und mir »Viel Glück« gewünscht. Das lässt mich jetzt auch nicht gerade Luftsprünge machen.

»Ist alles okay bei dir?«, ruft Sam nach hinten, woraufhin ein Lachen von meinem zukünftigen Schwiegervater kommt.

»Alles bestens!«, ist meine sarkastische Antwort, während ich zeitgleich meinen Mantel enger um mich ziehe.

Alles super hier hinten. So bequem und kuschelig, denke ich mir meinen Teil. Ist ja nicht so, als wäre auf der Rückbank des geräumigen Pick-ups nicht noch ein Platz für mich frei gewesen.

»Dann ist ja gut. Wir hatten schon Angst, dass du uns da hinten erfrierst.« Keine Ahnung, ob die Worte nun von Sam oder Jordan kommen. Wieder Gelächter.

Genervt rolle ich mit den Augen.

Sie haben mich gefragt, ob ich für Amy töten würde. Ob sie es mir sehr übel nehmen wird, wenn ich mit ihnen anfange?

Gerade, als ich antworten möchte, verlassen wir die befestigte Straße und biegen auf einen Waldweg ab. Also doch verscharren. Ich habe es gewusst.

Auf der anderen Seite würde niemand nach mir suchen, außer Amy, denn ich habe niemanden mehr. Mein Vater, oder besser gesagt mein Erzeuger, wurde erschossen, meine Mutter hat sich umgebracht und ansonsten habe ich keine Verwandtschaft, da beide keine Geschwister hatten. Die Freunde, die ich hatte, habe ich alle in den Wind geschossen, da sie sowieso nur wussten, wo ich war, wenn sie etwas von mir wollten. Und sie wollten alle dasselbe: Geld.

Tja, Geld macht aber nicht glücklich. Wenn das jemand weiß, dann ich.

Nur am Rande bekomme ich mit, dass wir immer tiefer in den Wald fahren, sosehr bin ich in meinen Gedanken versunken.

Ich hatte nie das Gefühl, eine Familie zu haben.

Weihnachten war bei uns ein Tag wie jeder andere, deswegen kann ich nicht verstehen, dass Amy dieses Fest so viel bedeutet. Bei uns gab es kein Baum schmücken, Plätzchen backen, Lieder singen, Geschenke unter den Baum legen. Kein Baum fällen. Baum fällen! Das wird es sein. Deswegen nehmen die mich mit in den Wald. Aber was hat das damit zu tun, ob ich für Amy töten würde?

»Da wären wir!« Mit diesen Worten springt Jordan aus der Fahrerkabine und klopft mir auf die Schulter. »Komm schon, lass es uns hinter uns bringen.«

Widerwillig stehe ich auf und springe von der Ladefläche, indem ich mich mit der rechten Hand auf dem Rand abstütze und seitlich meine Beine drüberschwinge.

»Wen muss ich töten?«, frage ich nur halb im Scherz und nehme Sam das Gewehr aus der Hand, das er mir schon entgegenhält.

»Trudy!«, ist die trockene Antwort von Jordan, als er schon an mir vorbeimarschieren will, doch ich halte ihn am Handgelenk auf.

»Missus Shoumaker?«, stoße ich entsetzt aus, was dafür sorgt, dass alle in schallendes Gelächter ausbrechen.

»Nein, du Idiot, nicht Missus Shoumaker, sondern Trudy, den Truthahn.«

Jordan legt seinen Arm um meine Schulter, wohlwissend, dass ich ein Gewehr in der Hand habe. Er scheint meine Gedanken zu erraten, denn er fährt fort: »Keine Sorge, die ist nicht geladen. Oder denkst du wirklich, dass mein Bruder dir einfach eine geladene Waffe in die Hand drückt?«

»Was machen wir hier?«, will ich nun wissen, obwohl ich inzwischen eins und eins zusammenzählen kann.

»Was denkst du wohl?« Jordan sieht mich von der Seite an, den Arm immer noch um meine Schulter gelegt. »Da meine Tochter dich anscheinend wirklich liebt und ich dich wohl nicht mehr loswerde, wird es Zeit, dich in die Williams-Männer-Familientradition einzuführen. Du willst zur Familie gehören? Dann ist es heute deine Aufgabe, den Truthahn für unser Weihnachtsessen zu schießen. Und ich warne dich, wir haben Hunger, also sieh zu, dass du nicht so einen Mickerling erwischst, von dem niemand satt wird. Am besten sogar zwei, denn wenn die aus dem Ofen kommen, ist nur noch die Hälfte übrig.«

****

»Und ihr seid euch wirklich sicher, dass hier Truthähne rumlaufen?«, frage ich, da ich mir kaum vorstellen kann, dass die hier einfach so durch den Wald laufen und darauf warten, für den Weihnachtsbraten geschossen zu werden.

»Das will ich für dich hoffen, sonst gibt es morgen nur Süßkartoffelauflauf und grüne Bohnen«, stößt Sam entsetzt aus, als hätte ich ihm gerade gesagt, dass es Santa Claus nicht gibt. Auch wenn ich noch nicht lange Teil dieser Familie bin, ist auch mir schon aufgefallen, dass für Amys Onkel Essen nicht einfach nur Essen ist, sondern eher eine Art Passion.

»Wir warten jetzt aber schon seit vier Stunden hier und ich habe bisher noch nichts gesehen, was auch nur annähernd nach einem Truthahn aussieht«, werfe ich meine Bedenken ein, als Jordan mir ein weiteres Bier in die Hand drückt. Wenn ich ehrlich bin, haben wir bisher außer Trinken noch nicht wirklich viel getan.

»Wir überbrücken ja auch nur die Zeit«, gibt er schließlich zu, doch ich verstehe nur Bahnhof. Als er meinen verwirrten Gesichtsausdruck sieht, muss er lachen. »Wenn wir nach einer Stunde zurückkommen, würde uns doch niemand abkaufen, dass wir die selbst geschossen haben.«

Keine Ahnung, ob es am Alkohol liegt oder einfach an seinen wirren Worten, aber jetzt verstehe ich gar nichts mehr.

»Jetzt guck doch nicht so. Hast du schon mal gehört, dass in Virginia Truthähne in selbstmörderischer Absicht durch den Wald laufen, weil sie es so geil finden, Maronen und Speck in ihren Hintern gestopft zu bekommen?«, kommt es lachend von Sam.

Ich sehe abwechselnd von ihm zu Jordan, dann zu Georg, der einfach nur amüsiert den Kopf schüttelt. Er trinkt einen Schluck Sprite, wobei mir nicht zum ersten Mal auffällt, dass er nur sehr selten Alkohol trinkt, eigentlich fast nie.

Da ich immer noch nichts sage, klopft mir Jordan auf den Oberschenkel und setzt sich neben mich.

»Du musst noch viel lernen, Schwiegersohn.« Es ist das erste Mal, dass er mich so nennt, und ohne es zu wollen, sorgt es dafür, dass mein Hals enger wird. Scheiße, das liegt definitiv am Alkohol. Ich möchte den Blick abwenden, doch ich kann nicht. »Wir lieben unsere Frauen. Wirklich. Aber an Weihnachten drehen die immer ein bisschen durch. Ich wette mit dir, wenn wir nach Hause kommen, besteht das Haus aus einer einzigen Lichterkette, im Wohnzimmer steht ein riesiger Tannenbaum und Grace, Liz, Amy und Diane backen mit den Kindern Plätzchen. Also, was ist dir lieber? Der ganze Weiberkram oder wie ein Mann einen Truthahn erlegen. Was willst du sein? Sammler oder Jäger, Shane?«

Ein Grinsen bildet sich auf meinen Lippen, als mir klar wird, dass wir heute wohl keinen Truthahn schießen werden.

»Kann es sein, dass wir heute mit einem Truthahn nach Hause kommen, der schon nicht mehr geatmet hat, als wir hierhergefahren sind?«

Jordan hebt seine Bierflasche und stößt damit gegen meine. »Du lernst schnell. Unsere Vögel hängen bei einem befreundeten Jäger und warten darauf, von dir gerupft und ausgenommen zu werden.«

Meine Augen werden groß, doch er lacht nur wieder und steht auf.

»Komm, Junge. Ich denke, wir sollten unsere Auszeit nicht überstrapazieren, sonst fliegen wir am Ende noch auf.«

Nachdem ich mich ebenfalls aufgerappelt habe, halte ich Jordan am Unterarm fest. »Warum habt ihr mich heute zu eurem Williams-Männerding mitgenommen?« Ich muss es einfach wissen.

Jordan lächelt leicht, bevor er antwortet. »Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich den nächsten Satz mal ausspreche, aber … Ich mag dich, Shane. Wir hatten keinen guten Start, doch ich denke inzwischen, dass du der Richtige für meine Tochter bist. Du hast das Haus verkauft, in dem du aufgewachsen bist, weil du dein altes Leben hinter dir lassen willst. Du hast dich von dem alten Freundeskreis getrennt und mit deinem Studium angefangen. Mir ist klar, dass du mir damit etwas beweisen willst, aber das musst du nicht. Ich bin auch so stolz auf dich.«

Ich schlucke, denn so etwas hat noch nie jemand zu mir gesagt.

»Mir ist klar, dass ich nicht ungeschehen machen kann, was in der Vergangenheit passiert ist, aber ich werde alles dafür tun, um Amy glücklich zu machen.«

»Das weiß ich. Und deshalb … haben Sam und ich uns überlegt …« Jordan nickt in Sams Richtung, der mit Georg ein paar Schritte von uns entfernt gestanden hat, und wartet darauf, dass die beiden zu uns kommen. »Was haltet ihr von der Idee, wenn Amy und du in die alte Wohnung von Sam und Liz zieht?«

»Ist das dein Ernst?«, stoße ich ungläubig aus, denn ich bin immer davon ausgegangen, dass er niemals zulassen würde, dass wir zwei zusammenziehen.

»Ich denke, es ist an der Zeit, loszulassen. Amy ist mein kleines Mädchen, aber ich bin nicht mehr für sie verantwortlich. Dafür hat sie jetzt dich und ich bin mir sicher, dass du dieser Aufgabe inzwischen gewachsen bist.«

»Aber ich will die Wohnung nicht geschenkt haben, ich bezahle dafür.«

»Das musst du mit Sam ausmachen.«

»Danke«, bekomme ich mit einem Kloß heraus, denn als wir hierhergefahren sind, hatte ich wirklich ein bisschen Angst, dass das hier in einem Desaster enden könnte.

Als Antwort nimmt mich Jordan in den Schwitzkasten und verpasst mir eine Kopfnuss.

»Versau es einfach nicht.«

Amy

»Luke auch!«, ruft mein kleiner Bruder und verteilt eine Handvoll Schokostreusel auf zwei Plätzchen.

»Nein, meine Kekse«, protestiert sein Zwilling Derek und schiebt ihn auf die Seite, sodass er fast vom Stuhl fällt, auf dem er steht.

»Hey, ihr zwei, nicht streiten. Wir haben noch genug Teig für alle«, beschwichtige ich die beiden Racker. Ich liebe meine Brüder über alles. Sie können die reinsten Engel sein, doch innerhalb einer Minute kann sich das ganz schnell ändern und sie werden zu wahren Teufelchen. Die zwei werden später mal die Frauenwelt auf den Kopf stellen mit ihrem dunklen Teint und ihren blauen Augen. Wenn man sie nicht kennt, kann man sie nur schwer auseinanderhalten.

Ich drücke beiden einen Kuss auf den Kopf und beuge mich über sie, um ebenfalls ein paar Streusel auf den Plätzchen zu verteilen.

»Amy nicht. Nur Luke und Derek!«, kommt es vorwurfsvoll von Luke. So ist das immer: Die zwei streiten sich, aber sobald sich ein dritter einmischt, halten sie zusammen. Abwehrend hebe ich meine Hände.

Diane, die Freundin von Grandpa, grinst und nickt in Richtung Wohnzimmer. »Möchtest du Grace und Liz vielleicht beim Baum schmücken helfen?«

Dankend streiche ich ihr kurz über den Oberarm und verlasse anschließend die Küche.

Lautes Lachen empfängt mich, doch als ich das Wohnzimmer betrete, verstummen Grace und Liz sofort.

»Muss ich mir Sorgen um ihn machen?«, stelle ich die Frage, die mich schon beschäftigt, seit die drei Männer meinen Freund entführt haben.

Die zwei Frauen wechseln einen vielsagenden Blick, bevor Grace die Christbaumkugel zurück in die Schachtel legt und mich an sich zieht. Mit einem Kuss auf die Stirn beruhigt sie mich etwas.

»Nein, musst du nicht.«

»Denkst du, die erwischen einen Truthahn, so lange, wie die schon weg sind?«

Meine Aussage bringt Liz zum Lachen, weshalb ich mich zu ihr umdrehe. Sie steht mit Miley auf dem Arm vor mir und wiegt sie hin und her. Die Kleine war schon kurz vorm Einschlafen, doch sie zuckt durch das laute Geräusch ihrer Mutter kurz zusammen, bevor sie nun doch wieder ihre Augen schließt.

»Sind sie jemals ohne Truthahn nach Hause gekommen?«, stellt Grace nun eine Gegenfrage.

»Ähm … könnte mich nicht erinnern.«

»Siehst du. Könnte daran liegen, dass sie den Nachmittag mit Trinken, Männergesprächen und Unsinn im Kopf verbringen. Den Vogel kaufen sie anschließend bei Mister Clearwater.«

»Ihr wisst davon und klopft ihnen trotzdem auf die Schulter, wenn sie nach Hause kommen?«

»Natürlich wissen wir das!«, stellt Grace klar und lässt mich los. Dann schnappt sie sich wieder die Christbaumkugel und schmückt den Baum weiter. »Doch wir werden einen Teufel tun und es ihnen verraten. Wir lassen sie im Glauben, dass wir sie für die größten Jäger der Welt halten, schließlich hat es auch seine Vorteile für uns.«

»Und die wären?«

»Sie gehen uns nicht auf den Sack mit ihrer bescheuerten Vorfreude auf Weihnachten. Wenn die nichts zu tun haben, laufen die wie aufgescheuchte Hühner durchs Haus und nerven uns. So können wir in Ruhe das Haus dekorieren und den Baum schmücken.« Grace sieht hinter mich und ein breites Grinsen bildet sich auf ihren Lippen. »Ich denke, deine Sorge war unbegründet.«

Kaum hat sie es ausgesprochen, legen sich feste Arme von hinten um mich und ein Kopf schmiegt sich an meine Halsbeuge.

»Ich liebe dich.« Um Shane besser ansehen zu können, drehe ich mich in seinen Armen um und schlinge nun ebenfalls meine Arme um ihn.

»Alles klar?«

»Aber so was von klar. Ich habe für dich getötet«, kommt es lachend von dem Kerl, der mir alles bedeutet.

»Ist das so?«, frage ich ebenfalls lachend. »Und wen hast du getötet?«

»Trudy!«

»Missus Shoumaker?«, frage ich fassungslos, doch er antwortet nur mit einem Zwinkern. »Nein, nicht Missus Shoumaker, sondern Trudy, den Truthahn.«

Sarina Louis

Ihr wollt mehr aus Blackstone lesen? Dann schaut mal bei der gleichnamigen Buchreihe der Autorin vorbei ;)

Über die Autorin

Sarina Louis wurde 1983 in Worms am Rhein geboren. Gemeinsam mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und ihren Eltern wohnt sie in einem Dreigenerationenhaus.

Lesen war schon immer ihre große Leidenschaft, weshalb sie irgendwann angefangen hat Bücher zu korrigieren. Für Sarina gibt es nichts Besseres, als durch ein Buch in eine andere Welt abzutauchen, die einen vom Alltag mal für ein paar Stunden herausholt. Zum Schreiben ist sie durch Zufall gekommen, da sie eine Plotidee im Kopf hatte, die sie nächtelang beschäftigte und der Laptop sie am Ende magisch angezogen hat.

Karina Reiß


»Es riecht eindeutig nach Schnee. Was meinst du?«

»Hm, ja, kann sein.« Im Grunde ist es mir egal, ob wir weiße Weihnachten bekommen oder nicht. Der ganze Quatsch mit dem Fest der Liebe wird ohnehin überbewertet. Rose hält mir sanft lächelnd die Tür auf und ich trete ins Freie. Sofort erschlägt mich die für New York City so typische Geräuschkulisse.

»Mensch Lucy, du bist wirklich nicht in Weihnachtsstimmung, oder?«

Resigniert zucke ich mit den Schultern, während Rose den Buchladen absperrt. Seit einem Jahr arbeite ich für sie und inzwischen ist sie nicht nur meine Chefin, sondern so etwas wie ein Mutterersatz für mich geworden. Eine Mutter, auf die ich schon sehr lange verzichten musste.

»Dann nimm doch meine Einladung an und feiere mit uns. Du kannst doch nicht über die Feiertage allein zu Hause sitzen und Trübsal blasen.«

»Ich bin ja nicht allein. Ich habe Stella!«, entgegne ich schnell, weil ich unter gar keinen Umständen mit ihrer Familie das Fest der Liebe verbringen möchte. Ich würde mir wie ein Eindringling vorkommen, der versucht, sich in eine fremde Familie einzuschleichen. Aber das sage ich lieber nicht laut, sonst ist Rose wieder beleidigt.

»Stella ist ein Hund. Das ist doch kein Ersatz für menschlichen Kontakt.«

Jetzt bin ich es, die beleidigt die Nase kräuselt. »Sie ist nicht bloß ein Hund. Sie tut mir gut«, presse ich hervor und schlage den Kragen meines Mantels hoch, da ein eisiger Wind durch die Straße fegt. Die süße Mischlingshündin macht meinen Alltag jetzt seit einigen Wochen bunter und aufregender und ich möchte sie nicht mehr missen.

»Jetzt sei nicht eingeschnappt, Lucy. Du darfst den Zwerg auch gern mitbringen, solange er nicht den Weihnachtsbaum anpinkelt.«

Obwohl ich es nicht will, kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen. »Sie wird ihr Beinchen nicht an deinem Baum heben, weil wir Weihnachten zu Hause feiern«, sage ich dann aber trotzig und hoffe, dass die Diskussion damit beendet ist.

»Wie du meinst, Lucy. Du bist jederzeit willkommen. Denk drüber nach.«

Ich nicke, aber Rose hat gerade ihre Mütze so tief ins Gesicht gezogen, dass sie mich kaum noch sehen kann.

»Frohe Weihnachten.«

»Frohe Weihnachten, Lucy.« Rose nimmt mich in den Arm und drückt mich mütterlich an ihre Brust, bevor wir in verschiedene Richtungen nach Hause gehen. Spontan entscheide ich mich gegen die U-Bahn und beschließe, die zwanzig Minuten bis zu meiner Wohnung zu laufen. Denn auch wenn ich mich nach außen hin unbeeindruckt von dem ganzen Festtagstrubel zeige, tief in meinem Inneren sehne ich mich danach, endlich wieder ein friedliches und glückliches Weihnachten feiern zu können. Deshalb schlendere ich an den verspielt dekorierten Schaufenstern vorbei und lasse mich von dem Lichterglanz verzaubern. Die Atmosphäre zu dieser Jahreszeit ist ganz besonders in dieser Stadt, die nie schläft. Meiner Meinung nach fängt keine andere Stadt der Welt diese festliche Stimmung besser ein als New York City. Hinter jeder Ecke scheint es zu glitzern und zu funkeln und stimmungsvolle Musik dringt leise aus verschiedenen Lautsprechern.

Wie fast jedes Mal, wenn ich am Winter Village im Bryant Park vorbeikomme, kann ich dem himmlischen Duftpotpourri nicht widerstehen und kaufe mir eine Tüte der leckersten gebrannten Mandeln der ganzen Stadt. Genussvoll stecke ich mir eine in den Mund und stöhne unwillkürlich vor Wohlbehagen auf, während ich einen Moment lang den kunstvollen Pirouetten der Eisläufer zusehe. Die restlichen Mandeln packe ich schließlich in meine Manteltasche, damit ich sie in Ruhe zu Hause mit einer Tasse heißer Schokolade genießen kann. Die habe ich auch bitter nötig, denn ich bin bis auf die Knochen durchgefroren, als ich endlich meine Straße erreiche.

Verdammt! Warum habe ich nur meine Handschuhe heute Morgen zu Hause vergessen? Mit tauben Fingern versuche ich, den Schlüssel in die Haustür zu stecken, was so lange dauert, dass ich schon darauf warte von einem Cop angesprochen zu werden, weil er mich für einen Einbrecher hält. Noch bevor es mir gelingt, fliegt die Tür auf und ich stolpere einen Schritt nach vorn.

»Lexie! Du hast mich aber erschreckt«, begrüße ich meine Nachbarin aus der Wohnung schräg gegenüber.

»Hi Lucy. Ich wollte gerade mit Stella eine Runde drehen. Sie war so unruhig. Aber das kannst du ja nun selbst machen.« Mit diesen Worten drückt sie mir meinen Welpen in den Arm und wendet sich wieder zum Treppenhaus um, während Stella vor lauter Freude versucht, mein Gesicht abzuschlecken. Welche Laus ist der denn heute über die Leber gelaufen? Normalerweise passt sie gern auf den kleinen Racker auf, während ich arbeiten bin. Lexie ist ein total verrückter Paradiesvogel und legt nachts in einem angesagten Club auf, deshalb ist sie tagsüber zu Hause und hat sich sofort bereit erklärt, auf Stella aufzupassen.

»Geht es dir gut?«, will ich deshalb von ihr wissen, denn sie sieht auch irgendwie blasser aus als sonst.

Lexie dreht sich halb um und winkt ab. »Alles bestens, Lucy. Ich hatte nur vergessen dir zu sagen, dass ich zu Kyle fahre. Ich will gleich los.«

»Oh!« Ich merke, wie ich ein Stück in mich zusammensacke. Natürlich wünsche ich ihr alles Glück der Welt und freue mich für sie und ihr neues Liebesglück, aber trotzdem versetzt mir die Nachricht einen Stich ins Herz. Tief in meinem Inneren wünsche ich mir auch nichts sehnlicher, als Weihnachten nicht mehr allein verbringen zu müssen. Schon seit einiger Zeit ist mein Dad alles, was ich noch an Familie habe, aber er lebt inzwischen mit seiner neuen Frau in Europa und wir sehen uns fast nur noch über Videotelefonie. Zu allem Überfluss hat mich mein Ex vor zwei Jahren wegen einem magersüchtigen Model sitzen lassen und dabei meinem Selbstwertgefühl einen heftigen Knacks verpasst.

»Frohe Weihnachten, Lucy«, ruft sie mir vom Treppenabsatz entgegen, nachdem sie die Stufen hochgesprintet ist.

»Ja, euch auch«, murmele ich vor mich hin, denn gerade in dem Moment fällt schon ihre Wohnungstür ins Schloss.

Nachdenklich öffne ich wieder die Haustür und kehre zurück in die Eiseskälte. Mit Stella auf dem Arm gehe ich die Steintreppe nach unten und setze den Welpen auf dem Gehweg ab. Es dauert keine fünf Sekunden und die kleine Maus verrichtet auch schon ihr dringendes Geschäft.

»Na, das war aber höchste Eisenbahn«, sage ich leise, mehr zu mir selbst, beseitige die Hinterlassenschaft meines Hundes und entsorge alles im nächsten Mülleimer. Etwas kitzelt mich an der Nase und ich blinzle in den Himmel, aus dem ganz feine Flöckchen angeflogen kommen. Tatsächlich, der Schnee kommt pünktlich zu Weihnachten. Da uns beiden Bewegung guttut, entschließe ich mich, in den Central Park zu gehen. Wenn es etwas gibt, das ich zu dieser Jahreszeit an New York City liebe, dann ist es der Central Park mit Schnee. Einfach magisch!

Außerdem hoffe ich insgeheim, dass wir auf Henry und sein Herrchen treffen. Henry ist ein bildschöner Border Collie Rüde, der sich perfekt mit Stella verträgt. Als wir uns vor ein paar Wochen das erste Mal im Park begegnet sind, war es beinahe wie Liebe auf den ersten Blick zwischen den Hunden. Ich muss zugeben, der Anblick seines Herrchens wirbelt bei mir auch ziemlich die Hormone durcheinander. Seine funkelnden grünen Augen sind mir sofort aufgefallen und haben mich in ihren Bann gezogen. Aber mehr als ein paar Worte haben wir bisher nicht miteinander gewechselt und über etwas anderes als die Hunde sprechen wir nie. Ich weiß noch nicht mal seinen Namen. Trotzdem ertappe ich mich die letzten Tage immer wieder dabei, wie meine Gedanken um diesen geheimnisvollen Mann kreisen.

Ein Blick auf die Uhr meines Smartphones sagt mir, dass die Chancen gut stehen, um die beiden anzutreffen, und ich beschleunige unwillkürlich meine Schritte, um schneller im Park zu sein. Ich eile förmlich über die 5th Avenue, vorbei an der St. Patrick’s Cathedral. Diesmal habe ich keine Augen für die liebevollen Dekorationen in den Schaufenstern, meine Gedanken sind bei Henry und seiner menschlichen Begleitung.

Außer Atem erreiche ich den Central Park und steuere unsere übliche Wiese an. Das Schneetreiben ist in der Zwischenzeit dichter geworden und hat die Stadt bereits mit einer dünnen Puderzuckerschicht überzogen. Ich kneife meine Augen zusammen und versuche, durch die immer dichter fallenden Flocken Henry zu entdecken. Doch leider ist von ihm und seinem charmanten Herrchen weit und breit nichts zu sehen. Ich spüre, wie mein Herz schwer wird. Verdammt Lucy, sei mal nicht albern!, schimpfe ich leise vor mich hin. Warum sollte er überhaupt an mir interessiert sein? Ich bin lediglich ein stinknormales, durchschnittliches Mädchen, habe keine wallende, blonde Lockenmähne und auch nicht die Traummaße eines Topmodels. Damit zähle ich zu jenen Menschen, die schlicht in der Masse untergehen. Ich gebe zu, es hat mich schwer getroffen, dass mein Freund mich verlassen hat. Die ersten Monate nach der Trennung wollte ich mich gar nicht mehr im Spiegel anschauen, so hässlich habe ich mich gefühlt. Die einzige Genugtuung, die ich inzwischen spüre, ist, dass Miss Platinblond ihn nach kurzer Zeit in den Wind geschossen hat.

Meine Gedanken driften so weit ab, dass ich kaum bemerke, wie aus dem lockeren Schneefall ein heftiger Blizzard geworden ist. Du meine Güte! Der Park ist inzwischen komplett in einem Schneemantel eingehüllt. Wäre der frostige Wind nicht, könnte ich diesen Anblick sogar genießen. So beschließe ich aber, dass es höchste Zeit wird, nach Hause zu gehen, bevor der Sturm schlimmer wird. Außerdem werden sich Henry und sein Herrchen bei diesem Wetter sicher kaum hierher verirren.

»Komm, Stella! Lass uns in die warme Wohnung zurückgehen.«

Der Wind schlägt mir zusammen mit unendlich vielen Eiskristallen ins Gesicht und meine Hände sind bereits taub, denn meine Handschuhe liegen noch immer zu Hause. Auf dem Weg rechts von mir kämpft ein Obdachloser damit, seinen Einkaufswagen, der mit all seinen Habseligkeiten gefüllt ist, durch den Schnee zu schieben. Er tut mir leid und ich hoffe inständig, dass er einen Unterschlupf hat, in dem er sich vor dem Schneesturm schützen kann. Zum Glück hat die Stadt ausreichend Anlaufstellen für obdachlose Menschen, wo sie eine warme Mahlzeit und einen trockenen Platz zum Schlafen bekommen können. Die Vorstellung, dass dieser arme Mensch bei diesem Wetter allein hier draußen herumirrt und noch dazu an Weihnachten, bricht mir beinahe das Herz. Ob ich ihn ansprechen und fragen soll, ob er Hilfe benötigt?

Ich fasse mir ein Herz, biege auf den Weg ein und gehe zögerlich auf ihn zu, während er fluchend versucht, den Einkaufswagen aus einer Schneewehe zu wuchten. Als ich keine zwei Meter mehr von ihm entfernt bin, kippt plötzlich der Wagen zur Seite und der Inhalt verteilt sich scheppernd auf dem Weg. Dann geht alles furchtbar schnell. Stella zu Tode verängstigt, befreit sich panisch aus ihrem Halsband und rennt blindlings in das dichte Schneegestöber hinein. Hysterisch rufe ich ihr hinterher und renne in die Richtung, in die sie verschwunden ist. Hinter mir höre ich den Obdachlosen weiter vor sich hin fluchen und meine, auch wüste Beschimpfungen gegen mich herauszuhören. Undankbarer Flegel, denke ich mir, schenke ihm jedoch keine weitere Beachtung. Ich muss Stella finden, und zwar schnell. Sie ist doch noch so klein und diesem unschönen Wetter hilflos ausgesetzt. Mein Magen verkrampft sich schmerzhaft und ich kämpfe tapfer gegen die Tränen an. Wie besessen renne ich durch den Park, halb blind, meine Beine schmerzen, meine Lunge brennt, aber von meiner Hündin ist keine Spur zu sehen.

»Stella!« Meine Stimme überschlägt sich, kommt kaum gegen den Schneesturm an. Blindlings renne ich weiter, spüre meine Füße kaum noch und schaue in jedes Gebüsch. Mit jeder Minute wächst meine Verzweiflung und meine Kräfte schwinden immer mehr. Aber ich bin nicht bereit, diesen Park ohne meinen Hund zu verlassen. Sie muss einfach hier irgendwo in der Nähe sein. Wie von einer unsichtbaren Macht getrieben kämpfe ich mich weiter durch das Schneegestöber. Viel sehen kann ich nicht mehr und das Einzige, was ich noch höre, ist der pfeifende Wind und mein rasselnder Atem.

»Um Himmels willen, was machen Sie denn bei diesem Sturm hier?«, höre ich plötzlich eine Stimme hinter mir rufen. Erschrocken wirbele ich herum und erkenne, dass ich mich am Rand des Parks befinde. Ein Streifenwagen hat angehalten und der Cop schaut mich durch das heruntergelassene Seitenfenster an.

»Ich ... Mein Hund ...«, stammele ich atemlos.

»Was ist mit Ihrem Hund?« Der Cop steigt aus, geht um den Streifenwagen herum und kommt auf mich zu.

»Er hat sich ... sie ist mir entwischt«, antworte ich mit zittriger Stimme und streiche mir erschöpft eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

»Jetzt steigen Sie erst mal ein und erzählen mir in Ruhe, was passiert ist.« Vorsichtig legt der Polizist eine Hand auf meine Schulter und versucht mich in Richtung seines Wagens zu schieben. Doch ich halte dagegen.

»Nein! Ich muss weitersuchen.«

»Ms. ...?«

»McBride«, lasse ich ihn schniefend wissen.

»Ms. McBride, Sie können unmöglich weiter hier draußen herumlaufen. Der Schneesturm soll sogar noch schlimmer werden. Bitte, steigen Sie ein.«

Während ich fortwährend den Kopf schüttele, lasse ich mich dennoch von ihm zum Streifenwagen führen und steige wie in Trance ein. Erst jetzt wird mir bewusst, wie erschöpft ich eigentlich bin.

»Soll ich Sie nach Hause fahren oder möchten Sie in ein Krankenhaus?«

»Nach Hause, bitte«, antworte ich kraftlos und gebe ihm noch meine Adresse.

Müde und durchgefroren wie ein Eiszapfen sperre ich meine Wohnungstür auf. Doch auch hier drin empfängt mich nichts als Kälte. Alles, was in der letzten Stunde passiert ist, erscheint mir irreal. Der Gedanke an Stella lässt mein Herz vor Schmerzen beinahe zerspringen. Wie konnte das nur passieren? Kraftlos lasse ich mich auf meine ausladende Couch sinken, wo ich erschöpft nach der Decke greife und sie über meinen schlotternden Körper ziehe. Wie schön wäre es, wenn ich jetzt in einen tiefen, erholsamen Schlaf fallen würde und wenn ich aufwache, würde sich alles nur als ein böser Traum herausstellen. Doch so müde ich auch bin, der erlösende Schlaf will nicht kommen.

Sobald ich meine Arme und Beine wieder spüren kann, stehe ich deshalb wieder auf und fahre meinen Laptop hoch. Da ich sowieso nicht schlafen kann, möchte ich die Zeit nutzen, Suchzettel zu gestalten und auszudrucken. Ich kann und will die Hoffnung nicht aufgeben. Schließlich ist Weihnachten. Ist das nicht auch das Fest der Wunder und der Liebe? Ich lache bitter auf, während ich mir eine Tasse Kaffee koche. Von wegen Wunder und Liebe. Das Wunder der Liebe hat sich schon vor einiger Zeit aus dem Staub gemacht, gemeinsam mit einer anderen. Obwohl es schon über ein Jahr her ist, schmecke ich noch immer den bitteren Beigeschmack dieser Demütigung. Mit einem energischen Kopfschütteln schiebe ich die Gedanken beiseite, denn in diesem Moment zählt nur Stella. Nachdem ich auf meinem Smartphone nach einem passenden Foto gesucht habe, schicke ich es an meinen Laptop, um es in den Flyer einbauen und ausdrucken zu können.

Irgendwann hat mich dann doch die Müdigkeit übermannt und ich bin auf dem Sofa eingeschlafen. Nach ein paar Stunden unruhigem Schlaf bin ich mit höllischen Kopfschmerzen wieder aufgewacht und die Erinnerung an Stellas Verschwinden hat mir einen stahlharten Schlag in die Magengrube verpasst.

Nachdem ich mich endlich geduscht und umgezogen habe, spüle ich noch schnell eine Excedrin herunter und stelle das leere Glas achtlos in die Spüle. In Gedanken bin ich schon wieder im Central Park und verteile die Flugzettel mit Stellas Foto darauf. Im Vorbeigehen ziehe ich mir meinen Mantel über, greife den Stapel Flugblätter und verlasse beinahe fluchtartig die Wohnung. Erst als ich atemlos auf die Straße trete, bemerke ich, dass ich schon wieder meine Handschuhe vergessen habe. Ich dachte immer, aus Schaden wird man klug? Das trifft wohl auf mich nicht zu.

Da der Schneesturm sich gelegt hat und nur noch kleine Flocken durch die Luft schweben, verzichte ich darauf, noch mal die zwei Etagen nach oben zu steigen, und mache mich direkt auf den Weg in den Park.

An einem normalen Wintertag hätte ich diesen atemberaubenden Anblick sehr genossen. Aber heute ist absolut nichts normal und das schreckliche Bild meines womöglich erfrorenen Hundes, das sich jäh vor mein inneres Auge schiebt, lässt mir die Tränen in die Augen schießen. Ich sehe nichts von der Schönheit dieser Winter-Wunderlandschaft, bemerke nicht, wie verzaubert der Park in der Sonne glitzert. Mein Fokus ist auf die Zettel in meiner Hand gerichtet, die ich in einem großen Radius rund um die Stelle, an der gestern mein Hund weggelaufen ist, aufhänge und meine einzige Motivation, mit dieser sinnlosen Tätigkeit weiterzumachen, ist die schwache Hoffnung, dass Stella irgendwo Unterschlupf gefunden hat.

Inzwischen muss über eine Stunde vergangen sein, seit ich von zu Hause losgelaufen bin. Ich habe nicht bemerkt, dass sich erneut mit Schnee gefüllte Wolken vor die Sonne geschoben haben und der Schneefall wieder dichter geworden ist. Meine Finger sind taub vor Kälte und ich kann die restlichen paar Flugblätter kaum noch in den Händen halten. Durchhalten, Lucy!, feuere ich mich still an und will gerade den nächsten Zettel an einen Baum pinnen, als sich zwei düstere Gestalten vor mir aufbauen.

»Hey, Sugarbabe. So ganz allein unterwegs«, spricht mich der größere der beiden an und sein fauliger Atem schlägt mir gnadenlos ins Gesicht. Das hat mir zu meinem Weihnachtswunderglück gerade noch gefehlt! Da ich nicht im Geringsten Lust auf Ärger verspüre, trete ich einen Schritt zur Seite, um an den beiden abgefuckten Typen vorbeizugehen, und hoffe, dass sie betrunken genug sind, um einfach weiterzuziehen. Doch der Kleinere der beiden, offenkundig der Stärkere, packt mich unsanft am Arm und wirbelt mich herum. »Wo willst du so schnell hin, Puppe?«

Der beißende Alkoholgestank vermischt mit der ekligen Feuchtigkeit seiner Aussprache führt dazu, dass mir bitterer Magensaft hochkommt. Ich schlucke kräftig dagegen an und versuche, auch mein mulmiges Gefühl zu unterdrücken.

»Fass mich nicht an«, fauche ich dem Kerl wütend entgegen und zerre kräftig an meinem Arm, um mich aus seinem eisernen Griff zu befreien. Keine Chance. Als Antwort ernte ich nur schallendes Gelächter der beiden.

»Was wollt ihr? Lasst mich los«, starte ich einen weiteren verzweifelten Versuch, die Situation zu entschärfen und schaue mich verstohlen im Park um, ob ich andere Personen ausmachen kann. Doch in unserer unmittelbaren Nähe ist niemand zu sehen, der mir helfen könnte.

»Lass uns doch mal mit deiner Brieftasche anfangen, Babe! Rück sie schon raus!« Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, packt der Größere mich rabiat an der Kehle und drückt zu. Panik, ich bekomme keine Luft, versuche zu schreien, doch aus meiner Kehle dringt nur ein lächerliches Krächzen. In Todesangst rudere ich wild mit den Händen, versuche, mich gegen den Angreifer zu wehren. Der Kleinere greift erstaunlich geschickt nach meinen Armen und dreht sie mir schmerzhaft auf den Rücken. Die mangelnde Luftzufuhr macht sich bemerkbar, mir wird schwindlig und ich habe das Gefühl, jeden Augenblick ohnmächtig zu werden.

Plötzlich höre ich aus der Ferne das Bellen eines Hundes. Habe ich mir das eingebildet? Nein! Denn schon in der nächsten Sekunde erspähe ich aus dem Augenwinkel einen Border Collie, der rasend schnell auf uns zuspringt, dem Größeren ins Hosenbein beißt und kräftig an ihm zerrt. Vor Schreck lässt dieser sofort von mir ab und versucht, das Tier abzuschütteln. Der Hund nutzt diesen Moment und schiebt sich zwischen mich und meine Angreifer, fletscht die Zähne und knurrt bedrohlich. Zu meinem Glück lassen sich die beiden Kerle davon beeindrucken und treten fluchend den Rückzug an.

Zitternd von dem Schock und vor Kälte gehe ich in die Knie, lege einen Arm um Henry und drücke ihn fest an mich.

»Na du, wo kommst du denn her? Du bist doch bestimmt nicht allein unterwegs?« Dankbar kraule ich Henry hinterm Ohr und lasse ihn meine durchgefrorene Hand schlecken. Nur langsam komme ich wieder zu Atem, mein Hals schmerzt, aber die beruhigende Anwesenheit von Henry hilft mir, meinen Puls und das Zittern unter Kontrolle zu bringen. Ich nehme ein paar tiefe Atemzüge, um mich zu sammeln, stehe auf, drehe mich langsam im Kreis und ... erblicke ihn: meinen schönen Unbekannten. Aufrecht und selbstbewusst kommt er mit großen Schritten auf uns zu und ich spüre, wie mir trotz des frostigen Winds heiß wird. Mein Magen fängt an zu kribbeln und meine Knie fühlen sich an, wie Butter, die gerade in der Sonne schmilzt. Das liegt nicht an der Tatsache, dass zwei Kriminelle gerade versucht haben, mich auszurauben. Als Henrys Herrchen uns fast erreicht hat, bemerke ich, dass er etwas im Arm hält und vor der Kälte schützt.

»Stella!« Ich kann meine Tränen nicht zurückhalten, als meine kleine Maus aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd in seinen Armen bellt. Ich nehme sie ihm ab und drücke sie fest an mich.

»Oh Stella! Da bist du ja.«

»Du erdrückst sie ja«, mahnt mich Henrys Herrchen.

»Oh! Ja, ich bin nur so froh, sie wieder zu haben. Wie hast du ...? Wo ...?«

»Bedank dich bei Henry. Er hat sie gestern unter einem Strauch entdeckt. Wir wollten gerade nach Hause gehen, weil der Schneesturm immer heftiger wurde.«

»Henry, du bist mein Held!« Ich knuddle den Border Collie herzlich durch und habe dabei meine Emotionen kaum unter Kontrolle.

»Ich hätte sie dir gern gleich gestern noch vorbeigebracht. Aber ...« Er zuckt mit einem schiefen Grinsen im Gesicht die Schultern. »... Ich kenne ja weder deinen Namen noch deine Telefonnummer, geschweige denn deine Adresse. Deshalb habe ich Stella mit zu uns genommen und gehofft, dass ich dich heute im Park treffe.«

Endlich schaffe ich es, Stellas Retter in die Augen zu schauen und ihn schüchtern anzulächeln. Ich stoße einen Seufzer der Erleichterung aus, bevor ich antworten kann. »Und ohne Henry weiß ich nicht, was diese zwei Idioten mit mir gemacht hätten.«

»Was genau ist eigentlich passiert?«

Mit wenigen Worten berichte ich von dem Überfall und der heldenhaften Rettung durch Henry.

»Dann waren wir ja wie durch ein Wunder genau zur richtigen Zeit im Park. Das muss Schicksal sein.«

Ich nicke zustimmend, krame in meiner Hosentasche nach einem Taschentuch und putze mir meine Nase, die sich so kalt anfühlt, als würde sie jeden Moment aus dem Gesicht fallen.

»Du zitterst. Was hältst du davon, wenn du erst mal mit zu mir kommst, dich aufwärmst und von dem Schreck erholst? Mein Appartement liegt nur fünf Minuten von hier entfernt.«

Für einen Moment zögere ich, aber ein kurzer Blick in seine grünen Augen lässt mein Herz erneut flattern und ich stimme lächelnd zu.

»Na dann, lass uns gehen, bevor wir aussehen wie Frosty. Ich heiße übrigens Ethan.«

»Lucy«, antworte ich, während wir uns in Bewegung setzen.

»Ein so schöner Name wie dein zauberhaftes Lächeln, Lucy.« Sein schelmisches Augenzwinkern startet den Schmetterlingsturbo in meinem Magen und ich befürchte, dass mein Grinsen bei diesen Temperaturen einfriert.

Tatsächlich verlangsamt Ethan schon wenige Minuten später vor einem der schicken Appartementhäuser auf der 5th Avenue seine Schritte und bleibt schließlich stehen. Unsicher lasse ich meinen Blick die Fassade nach oben gleiten und bin beeindruckt von der prachtvollen Architektur.

»Da wären wir.« Mit einer Handbewegung deutet er auf die imposante Glastür, die in diesem Moment von einem Typ in Uniform und mit weißen Handschuhen aufgehalten wird. Er wohnt tatsächlich in diesem noblen Kasten? Wer zur Hölle ist er?

»Beeindruckend«, lasse ich ihn wissen und betrete ehrfürchtig das Gebäude. Ethan folgt mir und ich höre, wie er den Angestellten an der Tür begrüßt. Wie schon von außen vermutet empfängt mich im Inneren der pure Luxus. Unsicher stoppe ich, als mich der Concierge stirnrunzelnd anschaut. Ethan legt sanft einen Arm um meine Schulter und nickt dem Mann zu. Dieser versteht sofort und lächelt.

»Mr. Fletcher. Es ist ein Einschreiben für Sie gekommen.«

»Danke, Benjamin.« Ethan nimmt den Umschlag entgegen und schiebt mich dann sanft in Richtung der glänzenden Fahrstuhltüren. Der herbe Duft seines Aftershaves dringt in meine Nase und vernebelt mir die Sinne. Ich atme tief ein und wünschte, ich könnte diesen Duft für immer in meinem Gedächtnis bewahren. Die Lifttüren schließen sich hinter uns und der Fahrstuhl bewegt sich von einem leisen Surren begleitet nach oben. Die Stille zwischen uns ist nicht unangenehm, auch wenn ich es vermeide, Ethan anzuschauen. Was er wohl gerade denkt? Über mich?

Der Fahrstuhl stoppt in der 33. Etage und wir steigen aus. Von dem hellen Flur gehen nur zwei Türen ab, demnach müssen die Wohnungen hier oben riesig sein. Ehrfurchtsvoll folge ich Ethan zu einer der beiden Türen.

»Nach dir!«, sagt er und lächelt mir unverschämt sexy zu. Doch Henry und Stella sind schneller als ich und stürmen gemeinsam in das Appartement, bevor ich ihnen folgen kann. Ethan schließt hinter mir die Tür, während ich aus dem Staunen nicht herauskomme.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
184 str. 8 ilustracji
ISBN:
9783754178492
Wydawca:
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Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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