Czytaj książkę: «Alles, was Sie über Trading wissen müssen»

Czcionka:

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

The New Trading for a Living

ISBN 978-1-118-44392-7

Copyright der Originalausgabe 2014:

Copyright © 2014 by Dr. Alexander Elder. All rights reserved.

Published by John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, New Jersey.

Published simultaneously in Canada.

Copyright der deutschen Ausgabe 2021:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Egbert Neumüller

Gestaltung Cover: Holger Schiffelholz

Gestaltung, Satz und Herstellung: Sabrina Slopek

Gesamtherstellung: Daniela Freitag

Vorlektorat: Nils Gajowiy

Korrektorat: Claus Rosenkranz

Druck: Firmengruppe Appl, aprinta Druck GmbH, Wemding

ISBN 978-3-86470-712-4

eISBN 978-3-86470-713-1

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

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Im Gedenken an Lou Taylor –

ein weiser Mann, ein kluger Trader und ein wahrer Freund.

INHALT

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Einführung

1. Trading – das letzte unerforschte Land

2. Psychologie ist der Schlüssel

3. Die Chancen stehen gegen Sie

EINSPersönliche Psychologie

4. Warum tradet man?

5. Fantasie und Wirklichkeit

6. Der Hang zur Selbstzerstörung

7. Trading-Psychologie

8. Trading-Lektionen von den Anonymen Alkoholikern

9. Die Anonymen Verlierer

10. Gewinner und Verlierer

ZWEIMassenpsychologie

11. Was ist ein Preis?

12. Was ist der Markt?

13. Die Trader-Szene

14. Die Masse der Marktteilnehmer und der einzelne Trader

15. Die Psychologie von Trends

16. Managen oder vorhersagen?

DREIDie klassische Chartanalyse

17. Charttechnik

18. Unterstützung und Widerstand

19. Trends und Trading-Ranges

20. Kangaroo Tails

VIERComputergestützte Technische Analyse

21. Computereinsatz beim Trading

22. Gleitende Durchschnitte

23. Moving Average Convergence-Divergence: MACD-Linien und MACD-Histogramm

24. Das Directional System

25. Oszillatoren

26. Der Stochastik-Oszillator

27. Der Relative-Stärke-Index

FÜNFHandelsvolumen und Zeit

28. Das Handelsvolumen

29. Volumenbasierte Indikatoren

30. Der Force Index

31. Open Interest

32. Die Zeit

33. Zeitrahmen für das Trading

SECHSAllgemeine Marktindikatoren

34. Der New High-New Low Index

35. Aktien über der 50-Tage-Linie

36. Weitere Marktindikatoren

37. „Consensus“- und „Commitment“-Indikatoren

SIEBENHandelssysteme

38. Systemtests, Paper-Trading und die drei wichtigsten Anforderungen an jeden Trade

39. Das Triple-Screen-Trading-System

40. Das Impuls-System

41. Kanal-Handelssysteme

ACHTHandelsinstrumente

42. Aktien

43. ETFs

44. Optionen

45. CFDs

46. Futures

47. Währungen

NEUNRisikomanagement

48. Emotionen und Wahrscheinlichkeiten

49. Die zwei wichtigsten Regeln der Risikokontrolle

50. Die 2-Prozent-Regel

51. Die 6-Prozent-Regel

52. Das Comeback nach dem Drawdown

ZEHNPraktische Details

53. Wie man Zielkurse setzt: Das Zauberwort lautet „genug“

54. Wie man Stoppkurse setzt: Nein zum Wunschdenken

55. Handelt es sich um einen Einser-Trade?

56. Die systematische Suche nach möglichen Trades

ELF Gute Aufzeichnungen

57. Die täglichen Hausaufgaben

58. Erstellung und Bewertung der Planung eines Trades

59. Das Trading-Journal

Fazit: Eine nie endende Reise: Nie aufhören, zu lernen

Quellen

Danksagungen

Über den Autor

VORWORT
ZUR DEUTSCHEN AUSGABE

Lieber Leser,

danke, dass Sie mein neuestes und wichtigstes Buch aufgeschlagen haben. Es bietet Ihnen die wichtigsten Lektionen, die ich im Laufe mehrerer Jahrzehnte des Tradings gelernt habe. Diese vollständige Anleitung deckt alle Aspekte ab: Psychologie, Marktanalyse, Risikokontrolle und Selbstmanagement.

Um zum erfolgreichen Trader zu werden, muss man Hochs und Tiefs ebenso erkennen wie Trends und Wenden des Marktes. Man muss ein Trading-System für Einstiege und Ausstiege, Gewinnziele und Stop-Losses erstellen und sich daran halten. Man muss auch lernen, das Risiko zu kontrollieren, damit eine Serie schlechter Trades nicht das Depot schädigen kann. Und das Wichtigste: Man muss Disziplin entwickeln und sich selbst managen.

Die Märkte bieten enorme Versuchungen. Trading ist, als würde man durch einen Tresor voller Gold spazieren, aber der Weg zum Erfolg ist dort schmal und von Gefahren umgeben. Dieses Buch wird Sie lehren, einen Satz von Werkzeugen zu verwenden: Chartmuster, Indikatoren und Handelssysteme. Es gibt Ihnen Regeln an die Hand, um das Risiko Ihres Depots zu kontrollieren. Es wird Ihnen helfen, Disziplin zu entwickeln: die Hausaufgaben machen und anhand gut vorbereiteter Pläne handeln.

Zum Gewinner kann man nur werden, wenn man Wissen über die Märkte mit Risikomanagement und Selbstkontrolle kombiniert.

An den Märkten wimmelt es vor Menschen, die ein bisschen Geld verdienen, überheblich werden, leichtsinnig zu traden beginnen und dann ihre Gewinne und ihr Kapital verlieren. Ich habe festgestellt, dass ordentliche Aufzeichnungen die beste Methode sind, um Disziplin zu entwickeln. In diesem Buch werde ich Ihnen genau zeigen, welche Aufzeichnungen Sie führen sollten: tägliche Hausaufgaben, Trading-Pläne und Performance-Bewertungen.

Ich danke Plassen Buchverlage für die Veröffentlichung dieses Buches in Deutschland und meinem Berliner Freund und Trader Nils Gajowiy für das Vorlektorat des deutschen Textes. Auch möchte ich Frau Anna Kljatchko danken, die mir die deutsche Arbeitsweise vorgeführt hat. Sie war eine sogenannte „Volksdeutsche“, die von den Sowjets acht Jahre lang nach Kasachstan verbannt wurde. Bald danach kehrte sie nach Estland zurück, wo meine Familie lebte; meine Eltern stellten sie als Haushälterin an und halfen ihr später, nach Westberlin zurückzukehren. Ihre Lektionen in Sachen „Ordnung“ begleiten mich bis heute.

Um den ersten Absatz meines Buches zu zitieren: Als Trader können Sie frei sein, ohne Chef und Sorgen um Ihre Rechnungen. Sie können irgendwo auf der Welt leben und arbeiten. Sie können der täglichen Routine entbunden und niemandem Rechenschaft schuldig sein. Das ist das Schöne am Trading: Sie brauchen dafür nur das nötige Wissen, die Disziplin und einen Internetzugang mit vernünftiger Geschwindigkeit.

Ich hoffe, dass Ihnen mein Buch helfen wird, zu einem besseren Trader zu werden und zur persönlichen Freiheit zu gelangen.

Dr. Alexander Elder

New Hampshire, USA

Im Oktober 2020

ALLES, WAS SIE ÜBER

Einführung
1. Trading – das letzte unerforschte Land

Sie können frei sein. Sie können irgendwo auf der Welt leben und arbeiten. Sie können der täglichen Routine entbunden und niemandem Rechenschaft schuldig sein.

So sieht das Leben eines erfolgreichen Traders aus.

Viele streben es an, aber nur wenigen gelingt es. Ein Amateur schaut sich auf einem Bildschirm Aktienkurse an und sieht direkt vor seiner Nase Millionen Dollar funkeln. Er streckt die Hand nach dem Geld aus – und macht Verlust. Er greift wieder danach – und verliert noch mehr. Trader machen Verlust, weil das Spiel schwierig ist, aus Unwissenheit oder wegen mangelnder Disziplin. Wenn Sie von einem dieser Faktoren geplagt werden, dann habe ich dieses Buch für Sie geschrieben.

Wie ich mit dem Trading begann

Im Sommer 1976 fuhr ich mit dem Auto von New York nach Kalifornien. Ich packte auch ein paar Bücher über Psychiatrie (ich war gerade in meinem ersten Jahr als Assistenzarzt in der Psychiatrie), ein paar Geschichtsbücher und eine Taschenbuchausgabe des Klassikers „How to Buy Stocks“ von Louis Engel in den Kofferraum meines alten Dodge. Da ahnte ich noch nicht, dass ein von einem befreundeten Anwalt geliehenes zerfleddertes Taschenbuch den Verlauf meines Lebens verändern würde. Zufällig hatte besagter Freund das Gegenteil eines goldenen Daumens – jedes Investment, das er anfasste, soff ab. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich verschlang Engels Buch auf quer durch die Vereinigten Staaten verstreuten Campingplätzen und war an einem Pazifikstrand in La Jolla damit durch. Bis dahin hatte ich nichts über den Aktienmarkt gewusst und nun fesselte mich die Vorstellung, durch Denken Geld zu verdienen.

Aufgewachsen bin ich in der Sowjetunion in jener Zeit, als sie – um es mit den Worten eines ehemaligen US-Präsidenten zu sagen – noch ein „Reich des Bösen“ war. Ich hasste das sowjetische System und wollte weg, aber auszuwandern war verboten. Ich begann mit 16 zu studieren, schloss mit 22 mein Medizinstudium ab, absolvierte meine Zeit als Assistenzarzt und heuerte als Schiffsarzt an. Nun konnte ich entfliehen! In Abidjan in der Elfenbeinküste sprang ich über Bord.

Ich rannte durch die verstopften, staubigen Straßen der afrikanischen Hafenstadt zur US-amerikanischen Botschaft, während meine ehemaligen Mannschaftskollegen hinter mir her waren. Die Botschaft brachte mich in einem „sicheren Haus“ unter und setzte mich dann in ein Flugzeug nach New York. Im Februar 1974 landete ich mit 25 Dollar in der Tasche, aus Afrika kommend, auf dem John F. Kennedy International Airport. Ich sprach zwar ein bisschen Englisch, kannte aber in diesem Land keine Menschenseele.

Ich hatte keine Ahnung, was Aktien, Anleihen, Futures oder Optionen sind, und manchmal wurde mir schon beim Anblick der Dollarscheine in meinem Geldbeutel mulmig. In meiner alten Heimat konnte einem eine Handvoll Dollar drei Jahre Sibirien einbringen.

Die Lektüre von „How to Buy Stocks“ eröffnete mir eine ganz neue Welt. Als ich nach New York zurückgekehrt war, kaufte ich meine erste Aktie – KinderCare. Und dann passierte etwas sehr Schlechtes – ich verdiente mit meinem ersten Aktiengeschäft und auch mit meinem zweiten Geld, sodass ich mich der Wahnvorstellung überließ, es sei leicht, an den Märkten Geld zu verdienen. Ich brauchte ein paar Jahre, um mich von dieser Vorstellung wieder zu verabschieden.

Meine berufliche Laufbahn verlief auf einer ganz anderen Schiene. Ich absolvierte meine Zeit als psychiatrischer Assistenzarzt an einer großen Universitätsklinik, studierte am New York Psychologic Institute weiter und arbeitete bei der größten psychiatrischen Zeitung der Vereinigten Staaten als Fachlektor für Psychiatrie. Meine Approbation habe ich immer noch, aber heutzutage praktiziere ich höchstens eine oder zwei Stunden im Monat. Ich bin mit Trading beschäftigt, ich liebe es, zu reisen, und ich gebe auch ein paar Kurse.

Es war ein langer Weg, das Traden zu lernen, und während ich mich vorwärts – oder im Kreis – bewegte, erlebte ich steile Höhen und schmerzliche Tiefen. Immer wieder wollte ich mit dem Kopf durch die Wand und versenkte mein Trading-Konto. Dann nahm ich jedes Mal wieder eine Stelle in einem Krankenhaus an, sparte ein Sümmchen zusammen, las, dachte nach, machte weitere Tests und begann dann wieder zu handeln.

Nach und nach gelang mir das besser, aber der Durchbruch kam erst, als mir klar wurde, dass sich der Schlüssel zum Gewinnen nicht im Inneren eines Computers befand, sondern in meinem Kopf. Die Psychiatrie lieferte mir die Erkenntnisse über das Trading, die ich nun mit Ihnen teilen möchte.

Wollen Sie wirklich erfolgreich sein?

Ich war viele Jahre lang mit einem Mann befreundet, dessen Frau dick war. Sie kleidete sich elegant und war auf Diät, seit ich sie kannte. Sie sagte, sie wolle abnehmen, und aß vor anderen Leuten weder Kuchen noch Kartoffeln – wenn ich aber zu ihr in die Küche kam, war sie meist mit einer großen Gabel zugange. Sie sagte, sie wolle schlank sein, blieb aber dick.

Bei ihr war die kurzfristige Freude am Essen stärker als die aufgeschobene Freude und die gesundheitlichen Vorteile des Abnehmens. Die Frau meines Freundes erinnerte mich an die zahlreichen Trader, die sagen, sie wollten erfolgreich sein, aber weiterhin impulsiv traden – und sich den kurzfristigen Kicks des Glücksspiels an der Börse hingeben.

Die Menschen betrügen sich selbst und spielen mit sich selbst ihre Spielchen. Andere zu belügen ist schlimm, aber sich selbst zu belügen ist ein hoffnungsloser Fall. Es gibt Läden voller Bücher über Diäten, aber die Welt ist immer noch voller übergewichtiger Menschen.

Dieses Buch wird Ihnen beibringen, wie man die Märkte analysiert und an ihnen handelt, wie man Risiken kontrolliert und mit seinem eigenen Verstand umgeht. Dieses Wissen kann ich Ihnen vermitteln, aber die Motivation können nur Sie beisteuern.

Und bedenken Sie eines: Ein Sportler, der an einer riskanten Sportart seine Freude haben will, muss Sicherheitsregeln beachten. Wenn man die Gefahren reduziert, verleiht einem das ein zusätzliches Gefühl der Errungenschaft und der Kontrolle. Das Gleiche gilt für das Trading.

Man kann nur dann erfolgreich traden, wenn man es als ernsthaftes intellektuelles Unterfangen betreibt. Emotionales Trading ist tödlich. Üben Sie sich in defensivem Money-Management, um den Erfolg zu gewährleisten. Ein guter Trader achtet genauso gewissenhaft auf sein Kapital wie ein professioneller Gerätetaucher auf seinen Luftvorrat.

2. Psychologie ist der Schlüssel

Wissen Sie noch, wie Sie sich gefühlt haben, als Sie zum letzten Mal eine Order aufgegeben haben? Wollten Sie sich unbedingt hineinstürzen oder hatten Sie Angst, Sie könnten damit Verlust machen? Haben Sie die Aufgabe der Order zunächst vor sich hergeschoben? Als Sie aus dem Trade wieder ausstiegen, fühlten Sie sich da beschwingt oder gedemütigt? Die Gefühle von Tausenden Tradern verschmelzen zu riesigen psychologischen Gezeiten, die die Märkte bewegen.

Raus aus der Achterbahn!

Die meisten Trader verbringen den größten Teil ihrer Zeit damit, nach guten Trades Ausschau zu halten. Wenn sie einen Trade eingehen, dann managen sie ihn nicht, sondern winden sich entweder vor Schmerz oder grinsen vor Freude. Sie fahren emotional Achterbahn und dabei entgeht ihnen der wesentliche Bestandteil des Gewinnens – dass man seine Gefühle managt. Ihre Unfähigkeit, sich selbst zu managen, führt zu schlechtem Risikomanagement und zu Verlusten.

Wenn der eigene Verstand nicht auf den Markt abgestimmt ist oder wenn man massenpsychologische Veränderungen ignoriert, hat man keine Chance, mit Trading Geld zu verdienen. Jeder Profi, der Gewinne erzielt, kennt die enorme Bedeutung der Psychologie. Die meisten Amateure, die Verlust machen, kennen sie nicht.

Freunde und Studenten, die wissen, dass ich Psychiater bin, fragen mich oft, ob mir das beim Traden hilft. Gute Psychiatrie und gutes Trading haben einen wichtigen Grundsatz gemeinsam. Beide richten sich auf die Wirklichkeit, darauf, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Um ein gesundes Leben zu führen, muss man mit offenen Augen leben. Um ein guter Trader zu sein, muss man mit offenen Augen traden, tatsächliche Trends und Wendungen erkennen – man darf weder Zeit noch Energie auf Fantasien, Bedauern und Wunschdenken verschwenden.

Männersache?

Die Daten der Brokerhäuser deuten darauf hin, dass die meisten Trader männlich sind. Die Unterlagen meines Unternehmens Elder.com bestätigen, dass etwa 85 bis 90 Prozent der Trader Männer sind. Allerdings hat sich der Anteil der Traderinnen unter meinen Kunden seit der ersten Auflage von „Alles, was Sie über Trading wissen müssen“, die vor 20 Jahren geschrieben wurde, mehr als verdoppelt.

So, wie die deutsche Sprache beschaffen ist, fließt einem „er“ leichter aus der Feder als „er oder sie“ oder der Wechsel zwischen den beiden Pronomina (oder die Ergänzung der weiblichen Wortendung in Klammern oder mit Schrägstrich oder mit einem Großbuchstaben) und im Interesse des Leseflusses verwende ich im gesamten Buch das männliche Fürwort sowie die männliche Bezeichnung. Das soll selbstverständlich keine Geringschätzung gegenüber den vielen Traderinnen ausdrücken.

Tatsächlich stelle ich fest, dass der Anteil erfolgreicher Traderinnen unter den Frauen höher ist als der Anteil erfolgreicher Trader unter den Männern. Als Gruppe betrachtet sind Frauen disziplinierter und weniger arrogant als Männer.

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Die drei Säulen des erfolgreichen Tradings sind Psychologie, Marktanalyse und Risikomanagement. Zusammengehalten werden sie von gewissenhaften Aufzeichnungen. Das vorliegende Buch hilft Ihnen, in allen diesen Bereichen das Wichtigste zu lernen.

Teil 1 zeigt Ihnen, wie man beim Trading die Emotionen managt. Ich habe diese Methode beim Praktizieren als Psychiater entdeckt. Sie hat mein Trading sehr verbessert und kann auch Ihnen helfen.

Teil 2 befasst sich mit der Massenpsychologie der Märkte. Massen verhalten sich primitiver als einzelne Menschen. Wenn man versteht, wie sich Massen verhalten, kann man ihre Stimmungsumschwünge ausnutzen anstatt sich von ihren emotionalen Wellen mitreißen zu lassen.

Teil 3 führt vor, wie sich das Massenverhalten in Chartmustern und Chartformationen niederschlägt. Die klassische Technische Analyse ist angewandte Sozialpsychologie und hat Ähnlichkeiten mit Meinungsumfragen. Unterstützungen, Widerstände, Ausbrüche und andere Muster spiegeln das Verhalten der Masse wider.

Teil 4 bringt Ihnen die modernen Methoden der computergestützten Technischen Analyse nahe. Indikatoren liefern mehr Aufschluss über die Massenpsychologie als klassische Chartformationen. Mithilfe von Trendfolge-Indikatoren kann man Markttrends erkennen und Oszillatoren zeigen an, wann eine Wende des Trends ansteht.

Auch das Handelsvolumen und das Offene Interesse spiegeln Massenverhalten wider. Teil 5 handelt davon und vom Verstreichen der Zeit an den Märkten. Die Aufmerksamkeitsspanne der Massen ist kurz und ein Trader, der Preisänderungen zur Zeit in Beziehung setzt, gewinnt dadurch einen Wettbewerbsvorteil.

Teil 6 befasst sich mit den besten Instrumenten, um den Aktienmarkt als Ganzes zu analysieren. Besonders nützlich sind sie, wenn man mit Futures auf Aktienindizes oder mit Optionen handelt.

Teil 7 stellt mehrere Handelssysteme vor. Wir fangen an mit dem System „Triple Screen“, das inzwischen allgemein anerkannt ist, und beleuchten anschließend das Impuls-System und Kanäle.

Teil 8 bespricht mehrere Arten von Handelsinstrumenten. Er skizziert die Vor- und Nachteile von Aktien, Futures, Optionen und Devisen – und verscheucht den von der Werbung verursachten Nebel, der manche dieser Märkte verhüllt.

Teil 9 führt Sie in das überaus wichtige Thema des Money-Managements ein. Die meisten Nichtprofis vernachlässigen diesen unentbehrlichen Aspekt des erfolgreichen Tradings. Auch wenn man ein brillantes Handelssystem hat, so kann bereits eine kurze Verlustserie das Depot vernichten, wenn das Risikomanagement schlecht ist. Mit dem magischen Dreieck der Risikokontrolle und anderen Instrumenten gewappnet, werden Sie zum sichereren und effektiveren Trader.

In Teil 10 befassen wir uns eingehend mit den praktischen Aspekten des Tradings – wie man Stoppkurse und Zielkurse setzt und wie man geeignete Wertpapiere sucht. Diese praktischen Details werden Ihnen helfen, das Ihnen zusagende System umzusetzen.

Teil 11 geleitet Sie durch die Grundsätze für das Führen ordentlicher Aufzeichnungen und bietet Ihnen Mustervorlagen. Die Qualität Ihrer Aufzeichnungen ist der allerwichtigste Vorhersagefaktor für Ihren Erfolg. Ich biete Ihnen die Mustervorlagen, die ich gern benutze, zum kostenlosen Download an.

Und nicht zuletzt gibt es zu diesem Buch ein separates Arbeitsbuch für das Selbststudium. Es enthält über 100 Fragen, die sich jeweils auf einen bestimmten Abschnitt des Buches beziehen. Alle Fragen sind darauf ausgerichtet, Ihr Maß des Verständnisses zu überprüfen und etwaige Schwachstellen aufzudecken. Es ist sinnvoll, jedes Mal, wenn Sie einen Abschnitt des Buches zu Ende gelesen haben, in dem Arbeitsbuch die Fragen zu beantworten, die sich auf den betreffenden Abschnitt beziehen. Werden Sie nicht hektisch, wenn die Testergebnisse nicht besonders gut ausfallen! Lesen Sie das Kapitel noch einmal und absolvieren Sie den Test noch einmal.

Sie stehen jetzt davor, viele Stunden mit diesem Buch zu verbringen. Wenn Sie darin auf Gedanken stoßen, die Ihnen wichtig erscheinen, überprüfen Sie sie auf die einzige Art, auf die es ankommt: anhand Ihrer Marktdaten und im Rahmen Ihres Tradings. Dieses Wissen wird nur dann zu Ihrem Eigentum, wenn Sie es infrage stellen und überprüfen.

3. Die Chancen stehen gegen Sie

Warum machen die meisten Trader Verlust und werden aus dem Markt gespült? Wichtige Gründe sind emotionales und gedankenloses Trading, aber es gibt noch einen anderen. Die Märkte sind nämlich tatsächlich so angelegt, dass die meisten Trader zwangsläufig Verlust machen. Die Trading-Industrie richtet die Trader durch Gebühren und Slippage langsam zugrunde.

Man bezahlt Gebühren, wenn man einen Trade eingeht, und man bezahlt wieder Gebühren, wenn man aussteigt. „Slippage“ ist die Differenz zwischen dem Preis, zu dem man seine Order aufgibt, und dem Preis, zu dem sie ausgeführt wird. Wenn man eine Limit-Order platziert, wird sie zum gewünschten oder einem besseren Preis ausgeführt oder sie wird überhaupt nicht ausgeführt. Wenn Sie unbedingt mittels einer Market-Order einen Trade eingehen oder daraus aussteigen wollen, dann wird sie häufig zu einem schlechteren Preis als dem ausgeführt, zu dem Sie sie aufgegeben haben.

Die meisten Laien sind sich des Schadens, den Gebühren und Slippage anrichten, genauso wenig bewusst, wie sich die Bauern im Mittelalter vorstellen konnten, dass winzige unsichtbare Keime sie töten konnten. Wenn man die Slippage ignoriert und über einen Broker handelt, der hohe Gebühren verlangt, dann handelt man wie ein Bauer, der während einer Cholera-Epidemie Wasser aus einem gemeinschaftlichen Teich trinkt.

Die Trading-Industrie saugt stets riesige Geldsummen aus den Märkten. Die Börsen, die Regulierungsbehörden, die Broker und die Berater leben von den Märkten, während Generationen von Tradern aus den Märkten gespült werden. Die Märkte benötigen genauso Nachschub an Verlierern, wie die Erbauer der antiken Pyramiden Nachschub an Sklaven benötigten. Die Verlierer bringen das Geld in den Markt hinein, das die Trading-Industrie braucht, um zu gedeihen.

Ein „Minussummenspiel“

Bei einem Nullsummenspiel verdienen die Gewinner so viel, wie die Verlierer verlieren. Wenn Sie und ich um 20 Dollar darauf wetten, in welche Richtung sich der Dow Jones bei seiner nächsten Bewegung um 100 Punkte entwickeln wird, dann nimmt einer von uns 20 Dollar ein, der andere verliert 20 Dollar. Bei einer einzelnen Wette ist Glück im Spiel, aber über einen gewissen Zeitraum gewinnt diejenige Person, die mehr weiß, öfter, als sie verliert.

Die Menschen kaufen der Trading-Industrie die Propaganda ab, Trading sei ein Nullsummenspiel, sie schlucken den Köder und eröffnen Depots. Ihnen ist nicht klar, dass Trading ein „Minussummenspiel“ ist. Da die Industrie Geld aus den Märkten saugt, bekommen die Gewinner weniger, als die Verlierer verlieren.

Ein anderes Beispiel für ein Minussummenspiel ist Roulette im Casino, weil das Casino von jedem Einsatz drei bis sechs Prozent einkassiert. Deshalb lässt sich Roulette auf lange Sicht nicht gewinnen. Sie und ich können in ein Minussummenspiel geraten, wenn wir die Wette um 20 Dollar und die Frage, in welche Richtung die nächsten 100 Punkte des Dow Jones gehen werden, über Broker abschließen. Wenn wir dann abrechnen, wird der Verlierer 23 Dollar los und der Gewinner bekommt nur 17 Dollar, während zwei Broker auf dem Weg zu ihrer Bank grinsen.

Die Gebühren und die Slippage sind für Trader das, was der Tod und die Steuern für uns alle sind. Sie entziehen dem Leben den Spaß und beenden es irgendwann. Der Trader muss seinen Broker und die Börsenmaschinerie unterstützen, bevor er auch nur einen Groschen einnimmt. „Besser als der Durchschnitt“ zu sein reicht noch nicht. Um in einem Minussummenspiel zu gewinnen, muss man die Masse deutlich hinter sich lassen.

Gebühren

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Gebühren stark gesunken. Noch vor 20 Jahren gab es Broker, die für einen Trade ein halbes bis ganzes Prozent des Handelswerts verlangten. Wenn man 1.000 Aktien von General Electric für einen Stückpreis von 20 Dollar, also im Wert von 20.000 Dollar, kaufte, konnte einen das beim Einstieg 100 bis 200 Dollar kosten – und beim Ausstieg noch einmal das Gleiche. Zum Glück für Trader sind die Gebühren regelrecht abgestürzt.

Ganz verschwunden sind die unverschämten Gebühren allerdings nicht. Während ich dieses Buch druckfertig machte, bekam ich eine E-Mail von einem Kunden aus Griechenland mit einem kleinen Depot, dessen Broker – eine europäische Großbank – von ihm bei allen Trades eine Mindestgebühr von umgerechnet 40 Dollar kassierte. Ich nannte ihm meinen Broker, der für 100 Aktien nur eine Mindestgebühr von einem Dollar verlangt.

Wenn man nicht aufpasst, können auch vermeintlich kleine Zahlen eine hohe Erfolgshürde errichten.

Schauen wir uns einen recht aktiven Trader mit einem Depot in Höhe von 20.000 Dollar an, der an vier Tagen die Woche je einen vollständigen Trade – Eröffnung und Schließung – durchführt. Bezahlt er pro Handelsrichtung 10 Dollar, gibt er pro Woche 80 Dollar für Gebühren aus: 40 Dollar für Einstiege und 40 Dollar für Ausstiege. Macht er das 50 Wochen im Jahr (vorausgesetzt, er hält so lange durch), dann hat er am Ende des Jahres 4.000 Dollar für Gebühren aufgebracht. Das wären 20 Prozent seines Depots!

George Soros, einer der besten Vermögensverwalter, erzielt eine durchschnittliche Jahresrendite von 29 Prozent. Er wäre nicht dort, wo er jetzt ist, wenn er jährlich 20 Prozent Gebühren bezahlt hätte! Auch eine „geringe Gebühr“ kann also eine bedeutende Erfolgshürde errichten! Ich habe schon Broker Kunden auslachen hören, die sich abstrampelten, nur um in diesem Spiel keine roten Zahlen zu schreiben.

Erkundigen Sie sich nach den niedrigsten möglichen Gebühren. Scheuen Sie sich nicht, niedrigere Preise auszuhandeln. Ich habe schon viele Broker über einen Mangel an Kunden klagen hören, aber noch nicht viele Kunden über einen Mangel an Brokern. Erklären Sie Ihrem Broker, dass es in seinem Interesse liegt, von Ihnen geringe Gebühren zu verlangen, weil Sie dann überleben und lange sein Kunde bleiben werden. Konstruieren Sie ein Handelssystem, das nicht so oft handelt.

Ich selbst führe ein Depot bei einem Broker, der ohne Umsatzbeschränkung für einen Trade 7,99 Dollar verlangt, und eines bei einem Broker, der einen Cent pro Aktie bei einer Mindestgebühr von einem Dollar verlangt. Wenn ich mit teuren Aktien trade, von denen ich weniger als 800 Stücke kaufe, gebe ich die Order bei dem Broker auf, der einen Cent pro Aktie verlangt, andernfalls bei dem Broker mit den 7,99 Dollar pro Trade. Wer als Trading-Anfänger seine ersten Schritte macht, sollte sich einen Broker mit einem Cent je Aktie suchen. Dann kann man für einen Dollar 100 Aktien handeln. Als Futures-Trader kann man davon ausgehen, dass ein vollständiger Trade – Kauf und Verkauf – nur wenige Dollar kostet.

Slippage

Mit Slippage ist gemeint, dass eine Order zu einem anderen Preis als demjenigen ausgeführt wird, den man auf dem Bildschirm sah, als man die Order aufgab. Das ist, als würde man im Lebensmittelladen für einen Apfel, dessen Preis mit 49 Cent angegeben ist, 50 Cent bezahlen. Ein Cent ist so gut wie nichts, aber wenn man 1.000 Äpfel oder 1.000 Aktien mit einem Cent Slippage kauft, dann sind das schon 10 Dollar pro Order – mehr als die Transaktionsgebühr.

Es gibt zwei Haupttypen von Orders: Market-Orders und Limit-Orders. Ihre Slippage hängt davon ab, welchen dieser beiden Typen Sie nutzen.

Eine Limit-Order sagt gewissermaßen: „Geben Sie mir diesen Apfel für 49 Cent.“ Dabei ist der Preis garantiert, nicht aber die Ausführung. Dabei bezahlt man zwar höchstens 49 Cent, jedoch steht man am Ende womöglich ohne den Apfel da, den man haben wollte.

Eine Market-Order sagt gewissermaßen: „Geben Sie mir diesen Apfel.“ Sie wird garantiert ausgeführt, aber der Preis ist nicht garantiert. Steigt der Apfelpreis, wenn Sie die Order aufgeben, kann es durchaus passieren, dass Sie mehr bezahlen, als Sie auf dem Bildschirm gesehen haben, als Sie auf die Schaltfläche „Kaufen“ klickten. Es kann passieren, dass die Slippage Sie erwischt.

Die Slippage bei Market-Orders steigt mit zunehmender Volatilität des Marktes. Wenn der Markt ins Laufen kommt, geht die Slippage durch die Decke.

Haben Sie eine Ahnung, wie viel die Slippage Sie kostet?

Das können Sie nur auf eine Art herausfinden: Notieren Sie den Preis zu dem Zeitpunkt, zu dem Sie eine Market-Order aufgegeben haben, vergleichen Sie ihn mit Ihrem Ausführungskurs und multiplizieren Sie die Differenz mit der Anzahl der Aktien oder Kontrakte. Es versteht sich von selbst, dass man ein gutes Aufzeichnungssystem braucht, beispielsweise eine Tabellenkalkulation mit Spalten für die soeben erwähnten Zahlen. Wir bieten eine solche Tabelle auf der Website www.elder.com als Dienstleistung für Trader an.

Sie werden in diesem Buch immer wieder lesen: „Protokollieren Sie dieses“ und „Protokollieren Sie jenes“. Vergessen Sie nicht, dass gewissenhafte Aufzeichnungen für Ihren Erfolg unentbehrlich sind. Sie müssen ein Auge auf Ihre Gewinne und ein noch schärferes Auge auf Ihre Verluste haben, weil Sie aus Letzteren viel mehr lernen können.

Hier nun eine schockierende Zahl, die Sie überprüfen können, indem Sie gewissenhafte Aufzeichnungen führen: Ein durchschnittlicher Trader gibt für Slippage dreimal so viel aus wie für Gebühren.

Es war bereits die Rede davon, dass die Gebühren eine Erfolgshürde errichten. Die aus der Slippage entstehende Hürde ist dreimal so hoch. Deshalb müssen Sie es, egal wie verlockend ein Kauf ist, vermeiden, „billigst“ oder „bestens“ – also mittels einer Market-Order – zu kaufen.

Sie sollten die Kontrolle behalten und nur zu Preisen handeln, die Ihnen recht sind. Es gibt Tausende Aktien und Dutzende Terminkontrakte (Futures). Wenn Ihnen ein Trade wegen einer Limit-Order entgeht, wird es noch zahllose andere Gelegenheiten geben. Bezahlen Sie nicht zu viel! Ich verwende fast immer Limit-Orders und greife nur dann auf Market-Orders zurück, wenn ich Stoppkurse setze. Wird ein Stoppkurs erreicht, wird daraus eine Market-Order. Wenn ein Trade in die Hose geht, ist nicht die Zeit zum Sparen. Steigen Sie langsam ein, aber schnell wieder aus.

Um die Slippage zu reduzieren, handeln Sie an liquiden Märkten mit hohen Umsätzen und meiden Sie dünn gehandelte Aktien, bei denen die Slippage meist höher ist. Nehmen Sie Long- oder Short-Positionen dann ein, wenn der Markt ruhig ist, und setzen Sie Limit-Orders ein, um zu bestimmten Preisen zu kaufen oder zu verkaufen. Protokollieren Sie die Preise zu dem Zeitpunkt der Orderplatzierung. Fordern Sie Ihren Broker auf, nötigenfalls auf dem Parkett um einen besseren Ausführungspreis zu kämpfen.

Geld-Brief-Spannen

Während der Handelszeit gibt es zu allen Handelsinstrumenten immer zwei Preise – einen Geldkurs und einen Briefkurs. Der Geldkurs (englisch „Bid“) ist der Preis, den die Menschen für den Kauf des betreffenden Wertpapiers zum betreffenden Zeitpunkt anbieten. Der Briefkurs (englisch „Ask“) ist der Preis, den die Verkäufer für seinen Verkauf verlangen. Der Geldkurs ist immer niedriger, der Briefkurs immer höher und die Spanne zwischen den beiden Preisen (der „Spread“) ändert sich ständig.

Die Geld-Brief-Spannen sind an verschiedenen Märkten unterschiedlich und variieren am selben Markt im Laufe der Zeit. Bei dünn gehandelten Instrumenten sind die Bid-Ask-Spreads größer, weil die Profis, die an solchen Märkten dominieren, hohe Gebühren von denjenigen verlangen, die auch mit von der Partie sein wollen. An ruhigen Tagen sind die Geld-Brief-Spannen lebhaft gehandelter Aktien, Futures oder Optionen hauchdünn und betragen vielleicht nur einen Tick. Sie wachsen, wenn die Preise nach oben oder unten anziehen, und sie können nach einem schweren Kursverfall oder einem rasanten Anstieg riesig werden – Dutzende Ticks.

Market-Orders werden am falschen Ende der Geld-Brief-Spanne ausgeführt. Eine Market-Order kauft zum Briefkurs (teuer) und verkauft zum Geldkurs (billig). Da ist es kein Wunder, dass viele professionelle Händler gut davon leben können, dass sie Market-Orders ausführen. Füttern Sie nicht die Wölfe – verwenden Sie, wann immer möglich, Limit-Orders!

Die Hürden, die dem Erfolg im Wege stehen

Dank Slippage und Gebühren ist Trading so ähnlich, wie wenn man in einem Fluss schwimmt, in dem es vor Piranhas nur so wimmelt. Und es gibt noch weitere Kosten, die das Kapital der Trader aufzehren. Die Kosten für Computer und Daten, Gebühren für Beratungsdienstleistungen und Bücher – auch für dasjenige, das Sie gerade lesen –, all das geht von Ihren Trading-Mitteln ab.

Suchen Sie sich den Broker mit den niedrigsten Gebühren aus und beobachten Sie ihn mit Argusaugen. Konstruieren Sie ein Handelssystem, das relativ selten Signale liefert und es Ihnen ermöglicht, in ruhigen Zeiten in den Markt einzusteigen. Verwenden Sie fast ausschließlich Limit-Orders – außer wenn Sie Stoppkurse setzen. Achten Sie darauf, für welche Tools Sie Geld ausgeben: Magische Lösungen gibt es nicht. Erfolg lässt sich nicht kaufen, man muss ihn sich verdienen.

TEIL 1
Persönliche Psychologie
4. Warum tradet man?

Trading wirkt täuschend einfach. Es kommt vor, dass sich ein Anfänger vorsichtig an die Börse begibt, ein paarmal Gewinne erzielt und sich deshalb brillant und unbesiegbar vorkommt. Doch dann geht er extreme Risiken ein und erleidet schwere Verluste.

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen traden, und manche davon sind rational, manche irrational. Trading bietet die Chance, im Nu viel Geld zu verdienen. Für viele Menschen steht Geld für Freiheit, auch wenn sie häufig gar nicht wissen, was sie damit anfangen sollen.

Wenn man weiß, wie das Traden geht, kann man sich die Zeit frei einteilen, man kann wohnen und arbeiten, wo man will, und man hat keinen Chef vor der Nase. Trading ist ein faszinierendes Spiel: Schach, Poker und ein Videospiel in einem. Die Börse lockt Menschen an, die Herausforderungen lieben.

Sie lockt risikofreudige Menschen an und stößt risikoscheue Menschen ab. Der Durchschnittsbürger steht morgens auf, geht zur Arbeit, macht zwischendurch Mittagspause, trinkt nach dem Heimkommen ein Bier und isst zu Abend, sieht fern und geht schlafen. Hat er ein bisschen Geld übrig, zahlt er es auf ein Sparbuch ein. Ein Trader hingegen hat keinen festen Zeitrahmen und setzt sein Kapital Risiken aus. Viele Trader sind Einzelgänger, sie geben die Gewissheiten der Routine auf und wagen den Sprung ins Unbekannte.

Selbstverwirklichung

Viele Menschen verspüren von Natur aus den Drang, ihr Bestes zu geben und ihre Fähigkeiten zur vollen Entfaltung zu bringen. Dieser Drang, die Freude am Spiel und die Verlockung des Geldes treiben Trader dazu, sich der Herausforderung der Märkte zu stellen.

Gute Trader sind meistens fleißige, gewiefte Menschen, die neuen Ideen offen gegenüberstehen. Paradoxerweise hat ein guter Trader nicht das Ziel, Geld zu verdienen. Sein Ziel ist es, gut zu traden. Tradet er richtig, fließt das Geld fast schon nebenbei. Erfolgreiche Trader hören nie auf, ihre Fähigkeiten auszufeilen, denn sie versuchen, ihre persönlichen Bestleistungen zu erzielen.

Ein professioneller Trader aus Texas lud mich einmal in sein Büro ein und sagte dort zu mir: „Wenn Sie mir gegenübersitzen würden, während ich daytrade, würden Sie mir nicht ansehen, ob ich auf den Tag gesehen gerade 2.000 Dollar im Plus oder im Minus stehe.“ Er hat eine Stufe erreicht, auf der ihn Gewinne nicht mitreißen und Verluste nicht herunterziehen. Er konzentriert sich so sehr darauf, richtig zu traden und seine Fähigkeiten zu verbessern, dass sich das Geld nicht mehr auf seine Gefühle auswirkt.

Das Problem mit der Selbstverwirklichung ist allerdings, dass viele Menschen eine selbstzerstörerische Ader haben. Unfallfreudige Autofahrer fahren immer wieder ihr Auto zu Schrott und selbstzerstörerische Trader ruinieren immer wieder ihr Depot. Die Märkte bieten enorme Chancen, sowohl für Selbstsabotage als auch für Selbstverwirklichung. An der Börse seine inneren Konflikte auszuleben ist ein sehr kostspieliges Unterfangen.

Trader, die nicht mit sich im Reinen sind, versuchen oft, ihre widersprüchlichen Wünsche an den Märkten zu erfüllen. Doch wenn man nicht weiß, wohin man geht, landet man am Ende an einem Ort, an den man gar nicht wollte.

5. Fantasie und Wirklichkeit

Würde Ihnen ein Bekannter, der sich kaum mit Landwirtschaft auskennt, sagen, er wolle sich von einem zehn Ar (1.000 Quadratmeter) großen Acker ernähren, würden Sie erwarten, dass er Hunger leiden wird. Man kann eben aus einem kleinen Stück Land nur einen bestimmten Ertrag herausholen. Es gibt allerdings ein Feld, auf dem Erwachsene ihrer Fantasie Flügel wachsen lassen – Trading.

Ein ehemaliger Mitarbeiter erzählte mir einmal, er wolle seinen Lebensunterhalt damit verdienen, dass er mit einem Konto handelt, auf dem 6.000 Dollar lagen. Als ich ihm die Zwecklosigkeit seines Vorhabens beweisen wollte, wechselte er schnell das Thema. Er war ein glänzender Analyst, weigerte sich jedoch, einzusehen, dass sein Plan des „intensiven Anbaus“ Selbstmord war. In seinem verzweifelten Streben nach Erfolg hätte er große Positionen eingehen müssen – und dann hätte ihn schon die kleinste Kursschwankung schnell ruiniert.

Ein erfolgreicher Trader ist Realist. Er kennt seine Fähigkeiten und seine Grenzen. Er sieht das Marktgeschehen und weiß, wie er darauf reagieren muss. Er analysiert die Märkte nüchtern, beobachtet sich selbst und macht realistische Pläne. Illusionen kann sich ein professioneller Trader nicht leisten.

Wenn ein Amateur ein paar Rückschläge einstecken muss und Nachschussforderungen erhält, schlägt seine Stimmung von übermütig in ängstlich um und er beginnt, seltsame Ideen über die Märkte zu entwickeln. Verlierer folgen beim Kaufen, beim Verkaufen oder beim Meiden von Trades ihren fantastischen Vorstellungen. Sie benehmen sich wie Kinder, die sich davor fürchten, einen Friedhof zu betreten, oder die aus Angst vor Gespenstern abends unter ihr Bett schauen. Das unstrukturierte Umfeld des Marktes macht es einem leicht, Fantasien zu entwickeln.

Die meisten Menschen, die in der westlichen Welt aufwachsen, haben mehrere ähnliche Fantasien. Diese sind derart weitverbreitet, dass es zu meiner Studienzeit am New York Psychoanalytic Institute einen Kurs namens „Universelle Fantasien“ gab. So haben beispielsweise viele Kinder die Fantasie, sie seien adoptiert worden, und erklären sich so die unfreundliche, unpersönliche Welt. Das ist für das Kind zwar tröstlich, aber es verhindert, dass es sich einer Realität bewusst wird, die es lieber nicht sehen möchte – dass seine Eltern so gut gar nicht sind. Unsere Fantasievorstellungen wirken sich auch dann auf unser Verhalten aus, wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind.

In Gesprächen mit Hunderten von Tradern habe ich ein paar universelle Fantasievorstellungen immer wieder zu hören bekommen. Diese verzerren die Wirklichkeit und behindern den Trading-Erfolg. Ein erfolgreicher Trader muss seine Fantasien erkennen und sich ihrer entledigen.

Der Wissens- oder Intelligenzmythos

Verlierer, die unter dem Wissensmythos leiden, erklären einem: „Ich habe verloren, weil ich gewisse Trading-Geheimnisse nicht kannte.“ Viele haben die Fantasievorstellung, erfolgreiche Trader besäßen irgendein geheimes Wissen. Diese Fantasievorstellung trägt dazu bei, dass sich ein lebhafter Markt für Beratungsdienstleistungen und vorgefertigte Handelssysteme halten kann.

Ein demoralisierter Trader reizt womöglich seine Kreditkarte aus, um sich den Zugang zu „Handelsgeheimnissen“ zu kaufen. Vielleicht überweist er einem Scharlatan 3.000 Euro für ein „unfehlbares“ Computer-Handelssystem, das Backtests unterzogen wurde. Hat sich dieses System selbst zerstört, zückt er seine fast völlig ausgereizte Kreditkare erneut und kauft sich eine „wissenschaftliche Anleitung“, die ihm erklärt, wie er dadurch seinen Verlusten ein Ende setzen und stattdessen Gewinne erzielen kann, dass er den Mond, die Sterne oder gar Uranus betrachtet.

In einem Investmentklub, den es früher in New York gab, begegnete ich öfter einem berühmten Finanzastrologen. Er bat oft um kostenlosen Zutritt, weil er sich das bescheidene Eintrittsgeld für die Sitzung und eine Mahlzeit nicht leisten konnte. Seine wichtigste Einnahmequelle ist nach wie vor das Geld, das er von hoffnungsvollen Amateuren für astrologische Börsenprognosen kassiert.

Solchen Losern ist nicht klar, dass Trading intellektuell gesehen recht einfach ist. Es ist längst nicht so anspruchsvoll wie eine Blinddarmoperation, die Errichtung einer Brücke oder das Führen einer Gerichtsverhandlung. Gute Trader sind gewieft, aber nur wenige sind Intellektuelle. Viele haben nicht studiert und manche haben die Highschool abgebrochen.

Oft fühlen sich intelligente, fleißige Menschen, die beruflich erfolgreich sind, zum Trading hingezogen.

Aber warum scheitern sie dabei so oft? Das, was die Gewinner von den Verlierern unterscheidet, ist weder Intelligenz noch sind es Geheimnisse und ganz sicher ist es nicht die Bildung.

Der Mythos des Kapitalmangels

Viele Verlierer meinen, sie würden erfolgreich traden, wenn sie ein größeres Depot hätten.

Die Menschen ruinieren ihre Depots entweder durch eine Serie von Verlusten oder durch einen einzigen abgrundtief schlechten Trade. Es kommt oft vor, dass der Markt, nachdem die Position eines Verlierers geschlossen wurde, weil er eine Nachschussforderung nicht erfüllen konnte, dreht und sich in die Richtung entwickelt, die der Verlierer erwartet hatte. Nun schäumt er vor Wut – hätte er nur eine Woche länger überlebt, hätte er, statt zu verlieren, ein Vermögen verdient!

Solche Menschen schauen sich Trendwenden, die zu spät gekommen sind, an und meinen, diese würden ihre Trading-Methode bestätigen. Vielleicht gehen sie dann wieder ihrer Arbeit nach und sparen sich genug Geld zusammen oder sie leihen sich Geld, um wieder ein kleines Depot zu eröffnen. Und die Geschichte wiederholt sich: Der Verlierer wird ausradiert, der Markt dreht und „beweist“, dass er richtiggelegen hatte, wenn auch zu spät – wieder wurden seine Papiere verkauft. Nun wird eine Fantasievorstellung geboren: „Wenn ich nur ein größeres Depot gehabt hätte, dann hätte ich mich länger halten können und hätte gewonnen.“

Manche Verlierer beschaffen sich bei Freunden und Verwandten Geld, indem sie ihnen eine schriftliche Erfolgsbilanz vorlegen. Diese scheint zu belegen, dass sie große Gewinne erzielt hätten, wenn sie bloß mehr Geld gehabt hätten, mit dem sie hätten arbeiten können. Aber auch das zusätzliche Geld, das sie sich beschaffen, verlieren sie wieder – als würde der Markt sie auslachen!

Einem Verlierer mangelt es nicht an Kapital, sondern an Verstand. Ein Verlierer kann ein großes Depot fast genauso schnell vernichten wie ein kleines. Ein Bekannter von mir hat einmal an einem Tag mehr als 200 Millionen Dollar in die Luft gejagt. Sein Broker liquidierte sein Depot – und dann drehte der Markt. Er verklagte den Broker und sagte zu mir: „Hätte ich doch nur ein größeres Depot …“ Ein Depot mit 200 Millionen Dollar hatte offenbar nicht gereicht.

Das eigentliche Problem eines Verlierers ist nicht die Größe des Depots, sondern dass er sich übernimmt und schlampiges Money-Management betreibt. Er geht Risiken ein, die für sein Depot – mag es klein oder groß sein – zu groß sind. Egal, wie gut sein System auch sein mag, ein paar schlechte Trades hintereinander treiben ihn garantiert in den Bankrott.

Amateure rechnen nicht mit Verlusten und sind nicht auf den Umgang mit Verlusten vorbereitet. Sich über zu wenig Kapital zu beklagen ist eine Ausrede, mit der sie sich vor zwei schmerzlichen Wahrheiten drücken: Sie haben keinen realistischen Money-Management-Plan und es mangelt ihnen an Disziplin.

Ein Trader, der überleben und gedeihen will, muss seine Verluste kontrollieren. Das macht man, indem man für jeden einzelnen Trade nur einen kleinen Bruchteil seines Kapitals einsetzt (siehe Kapitel 9, „Risikomanagement“). Lernen Sie aus wenig kostspieligen Fehlern in einem kleinen Depot!

Einen Vorteil hat ein großes Trading-Depot allerdings: Die Kosten für Ausrüstung und Dienstleistungen machen dann einen kleineren Teil des verfügbaren Geldes aus. Wer ein Vermögen von einer Million besitzt und 5.000 Euro für Kurse ausgibt, steht dadurch nur ein halbes Prozent im Minus. Die gleiche Ausgabe würde für einen Trader, der 20.000 Euro im Depot liegen hat, tödliche 25 Prozent bedeuten.

Der Mythos des Autopiloten

Trader, die an den Mythos des Autopiloten glauben, sind überzeugt, das Streben nach Wohlstand lasse sich automatisieren. Manche Menschen versuchen, selbst ein automatisches Handelssystem zu entwickeln, andere kaufen sich solche Systeme bei entsprechenden Anbietern. Menschen, die jahrelang ihre Fähigkeiten als Rechtsanwälte, Ärzte oder Geschäftsleute verfeinert haben, legen Tausende Euro für Kompetenzkonserven hin. Meistens verleitet sie Gier, Faulheit und mathematische Unterbelichtung dazu.

Früher wurden Systeme auf Papier verbreitet, heutzutage lädt man sie auf einen Computer herunter. Manche sind primitiv, andere sind ausgeklügelt und beinhalten Optimierungsregeln und sogar Regeln für das Money-Management. Viele Trader geben Tausende Euro für die Suche nach einem Zaubermittel aus, das ein paar Seiten Programmcode in einen endlosen Geldstrom verwandelt. Wer Geld für automatische Handelssysteme ausgibt, macht es wie die Ritter, die im Mittelalter Alchemisten für das Geheimnis bezahlten, wie man unedle Metalle in Gold verwandelt.

Komplexe menschliche Aktivitäten lassen sich nicht automatisieren. Die computergestützten Lernsysteme ersetzen die Lehrer nicht und die Steuersoftwares sorgen nicht für Arbeitslosigkeit unter den Steuerberatern. Die meisten menschlichen Aktivitäten erfordern den Einsatz des Urteilsvermögens; dabei können Maschinen und Systeme die Menschen unterstützen, nicht aber sie ersetzen.

Gäbe es ein erfolgreiches automatisches Handelssystem, könnte man sich, wenn man es gekauft hat, auf Tahiti niederlassen und den Rest seines Lebens nach Lust und Laune verbringen, während einem der Broker regelmäßig Geld überweist. Doch bislang sind die einzigen Menschen, die mit Handelssystemen Geld verdienen, diejenigen, die sie verkaufen. Dabei handelt es sich um eine kleine, aber bunte Heimarbeitsbranche. Aber wenn die Systeme funktionieren würden, warum sollten sie sie dann überhaupt verkaufen? Sie könnten doch selbst nach Tahiti ziehen und sich von ihren Brokern Geld überweisen lassen! Dazu hat jeder Systemanbieter einen Spruch parat. Manche sagen, dass sie lieber programmieren als traden, andere behaupten, sie würden ihre Systeme nur zur Kapitalbeschaffung oder gar aus Liebe zur Menschheit verkaufen.

Die Märkte verändern sich ständig und schlagen jedes automatische Handelssystem. Die strengen Regeln von gestern funktionieren heute schon nicht mehr so gut und morgen wahrscheinlich gar nicht mehr. Ein fähiger Trader kann seine Methoden anpassen, sobald er ein Problem bemerkt. Ein automatisches System ist nicht so anpassungsfähig und vernichtet sich selbst.

Fluggesellschaften zahlen ihren Piloten hohe Gehälter, obwohl sie Autopiloten haben. Das tun sie, weil Menschen mit unvorhergesehenen Ereignissen umgehen können. Wenn einem Verkehrsflugzeug über dem Pazifik das Dach wegfliegt oder wegen einer Schar Gänse über Manhattan beide Triebwerke ausfallen, kann nur ein Mensch die Krise bewältigen. Die genannten Notfälle gingen durch die Presse und in beiden Fällen gelang es den erfahrenen Piloten, ihre Flugzeuge mithilfe improvisierter Lösungen zu landen. Kein Autopilot schafft das. Sein Geld auf ein automatisches Handelssystem zu verwetten ist genauso, als würde man sein Leben einem Autopiloten anvertrauen. Das erstbeste unvorhergesehene Ereignis lässt das Depot einbrechen und in Flammen aufgehen.

Es gibt durchaus gute Handelssysteme, aber man muss sie anhand seines persönlichen Urteilsvermögens überwachen und anpassen. Man muss immer am Ball bleiben – man kann die Verantwortung für seinen Erfolg nicht auf ein mechanisches System abwälzen.

Trader mit Autopilot-Fantasien versuchen das Gefühl wieder zu erleben, das sie als Babys hatten. Ihre Mütter befriedigten alle ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Wärme und Behaglichkeit. Jetzt versuchen sie, das Erlebnis nachzubilden, untätig auf dem Rücken zu liegen und die Gewinne wie einen Strom kostenloser warmer Milch zu sich fließen zu lassen. Der Markt ist jedoch nicht ihre Mutter! Er besteht aus toughen Männern und Frauen, die es darauf abgesehen haben, ihnen Geld abzunehmen – nicht, ihnen warme Milch in den Mund zu gießen.

Personenkult

Die meisten Menschen reden gern über ihren Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, aber wenn sie unter Druck geraten, erweist sich das als Lippenbekenntnis, sie singen nun ein anderes Lied und suchen nach einer „starken Führung“. In Not geratene Trader suchen oft bei diversen Gurus nach Anweisungen.

Als ich in der Sowjetunion aufwuchs, wurde den Kindern beigebracht, Stalin sei unser großer Führer. Später merkten wir, welch ein Ungeheuer er war, aber solange er lebte, folgten die meisten Menschen freudig dem Führer. Er entband alle von der Notwendigkeit, selbst zu denken.

In allen Bereichen der Gesellschaft wurden „kleine Stalins“ installiert – Wirtschaft, Biologie, Architektur und so weiter. Als ich in die Vereinigten Staaten kam und an den Märkten zu handeln begann, erstaunte es mich, wie viele Trader auf der Suche nach einem Guru waren – nach ihrem eigenen „kleinen Stalin“. Die Fantasievorstellung, jemand anders könne uns reich machen, begleitet uns stets.

An den Finanzmärkten gibt es drei Sorten von Gurus: Marktzyklus-Gurus, Zaubermethoden-Gurus und tote Gurus. Die Zyklus-Gurus sagen bedeutende Wendepunkte von Märkten voraus. Die Zaubermethoden-Gurus werben für neue Königswege zum Reichtum. Wieder andere sind der Kritik enthoben und haben sich eine gläubige Anhängerschaft verschafft, indem sie schlicht aus dieser Welt geschieden sind.

Marktzyklus-Gurus

Seit vielen Jahrzehnten hält sich der US-amerikanische Aktienmarkt im Allgemeinen an einen 4-Jahres-Zyklus. Normalerweise steigt er zweieinhalb oder drei Jahre lang und fällt dann ein oder anderthalb Jahre. In fast jedem dieser großen Zyklen taucht ein neuer Marktzyklus-Guru auf, also alle vier Jahre einer. Der Ruhm eines solchen Gurus hält meistens zwei oder drei Jahre lang. Die Herrschaftszeit jedes Gurus fällt jeweils mit einer großen Hausse in den Vereinigten Staaten zusammen.

Ein Marktzyklus-Guru sagt Anstiege und Rückgänge voraus. Jede zutreffende Vorhersage mehrt seinen Ruhm und veranlasst noch mehr Menschen, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, wenn er seine Verkündigungen ausspricht. So ein Marktzyklus-Guru pflegt eine Lieblingstheorie über die Märkte. Diese Theorie – ob es dabei nun um Zyklen, um das Handelsvolumen, um Elliott-Wellen oder was auch immer geht – wurde gewöhnlich ein paar Jahre vor dem Zeitpunkt entwickelt, zu dem sie zu Berühmtheit gelangt. Zunächst weigert sich der Markt, der geliebten Strategie eines aufstrebenden Gurus zu folgen. Dann verändert sich der Markt und läuft mehrere Jahre im Einklang mit den Prognosen des Gurus. In dieser Zeit steigt der Stern des Gurus hoch über dem Marktplatz auf.

Vergleichen Sie das einmal mit dem, was mit Models passiert, wenn sich der Geschmack der Allgemeinheit ändert. In einem Jahr sind Blondinen angesagt, im nächsten Jahr Rothaarige. Auf einmal wird der blonde Star vom letzten Jahr nicht mehr für den Titel einer großen Zeitschrift gebucht. Das Model verändert sich nicht – nur der Geschmack ändert sich.

Gurus tummeln sich immer an den Rändern der Marktanalyse. Niemals sind sie etablierte Analysten. Mitarbeiter von Institutionen gehen auf Nummer sicher – sie lehnen sich nicht gern aus dem Fenster – und erzielen fast nie spektakuläre Ergebnisse. Ein Marktzyklus-Guru ist ein Außenseiter mit einer einzigartigen Theorie.

Ein Guru bleibt so lange berühmt, wie sich der Markt seiner Theorie entsprechend verhält – meistens nicht über die Dauer des vierjährigen Marktzyklus. Zu irgendeinem Zeitpunkt ändert sich der Markt und tanzt nach einer anderen Pfeife. Der Guru wendet weiterhin die alten Methoden an, die früher so gut funktionierten, und verliert seine Gefolgschaft. Sobald die Prognosen des Gurus nicht mehr funktionieren, schlägt die allgemeine Bewunderung in Hass um. Ein diskreditierter Marktzyklus-Guru kann unmöglich erneut zum Star werden.

Alle Marktzyklus-Gurus haben ein paar Dinge gemeinsam. Sie werden im Vorhersagegeschäft schon ein paar Jahre vor dem Zeitpunkt tätig, zu dem sie Berühmtheit erlangen. Jeder hat eine einzigartige Theorie, ein paar Anhänger und dank seines schieren Überlebens im Beratungsgeschäft eine gewisse Glaubwürdigkeit. Die Tatsache, dass die Theorie jedes Gurus einige Jahre lang nicht funktioniert hat, wird von seinen Anhängern ignoriert. Wenn die Theorie zutreffend wird, fällt es den Massenmedien auf. Wenn eine Theorie aufhört, zu funktionieren, verwandelt sich die Lobhudelei der Massen in Hass.

Wenn Sie erkennen, dass ein erfolgreicher neuer Guru aufkommt, kann es durchaus gewinnbringend sein, auf seinen Zug aufzuspringen. Noch wichtiger ist allerdings, dass man erkennt, wann ein Guru seinen Höhepunkt erreicht hat. Alle Gurus stürzen irgendwann – und per Definition stürzen sie vom Gipfel ihres Ruhmes ab. Wenn ein Guru bei den Massenmedien auf Akzeptanz stößt, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass er den Scheitelpunkt erreicht hat. Die gängigen Medien hüten sich vor Außenseitern. Wenn mehrere Massenblätter einem angesagten Börsenguru Raum bieten, weiß man, dass sein Ende nahe ist. Es liegt in der Natur der Massenpsychologie, dass weiterhin neue Gurus auftauchen werden.

Zaubermethoden-Gurus

Während Zyklus-Gurus eher am Aktienmarkt zu Hause sind, sind „Methoden-Gurus“ an den Derivatemärkten stärker vertreten. Ein solcher Methoden-Guru taucht unvermutet auf der Bühne der Finanzwelt auf, sobald er eine neue Analysemethode oder Handelsmethode entdeckt hat.

Trader sind immer auf der Suche nach einem Vorsprung, nach einem Vorteil gegenüber ihren Trader-Kollegen. Wie Ritter beim Schwertkauf sind sie bereit, für ihre Trading-Tools ordentlich zu blechen. Kein Preis ist ihnen zu hoch, wenn sie dadurch eine Geldader anzapfen können.

Ein Zaubermethoden-Guru verkauft einen Satz neuer Schlüssel zu Börsengewinnen – Aktionslinien, Zyklen, Marktprofil und so weiter. Er kann anfänglich einen Vorteil bringen, aber sobald sich genug Menschen mit einer neuen Methode vertraut machen und sie an den Märkten ausprobieren, wird sie unweigerlich schlechter und verliert ihre Popularität wieder. Stets schleifen die Märkte den Vorsprung jeder Methode ab und etwas, das gestern noch funktioniert hat, funktioniert heute mit geringerer Wahrscheinlichkeit und in einem Jahr höchstwahrscheinlich gar nicht mehr.

Seltsamerweise verändern sich sogar in unserem Zeitalter der globalen Kommunikation Reputationen nur langsam. Ein Guru, dessen Image im eigenen Land ruiniert ist, kann damit Geld verdienen, seine Theorie im Ausland zu verhökern. Das hat mir einmal ein Guru erklärt, der seine spätere Popularität in Asien mit dem Schicksal verblasster amerikanischer Gesangs- und Filmstars verglich. In den Vereinigten Staaten können sie kein Publikum mehr anlocken, aber von Auftritten im Ausland können sie noch leben.

Tote Gurus

Die dritte Sorte von Börsengurus sind tote Gurus. Die Bücher eines toten Gurus werden neu aufgelegt, seine Börsenlehrgänge werden von neuen Generationen begieriger Trader unter die Lupe genommen und die Legende von den Großtaten und vom Reichtum des teuren dahingeschiedenen Analysten wächst posthum heran. Der tote Guru weilt nicht mehr unter uns und kann aus seinem Ruhm keinen Nutzen mehr ziehen. Nun profitieren andere Werber von seiner Reputation und seinem abgelaufenen Copyright. Einer dieser dahingeschiedenen Gurus ist R. N. Elliott, aber das beste Beispiel für solche Legenden ist W. D. Gann.

Diverse Abstauber verkaufen „Gann-Kurse“ und „Gann-Software“. Sie behaupten, Gann sei einer der besten Trader, die je gelebt haben, er habe 50 Millionen Dollar hinterlassen und so weiter. Ich habe mit W. D. Ganns Sohn gesprochen, der bei einer Bostoner Bank als Analyst arbeitet. Er berichtete mir, sein berühmter Vater habe seine Familie nicht durch das Traden ernähren können, sondern habe sein Geld mit dem Verfassen und Verkaufen von Lehrgängen verdient. Er konnte sich keine Sekretärin leisten und ließ daher seinen Sohn für sich arbeiten. Als W. D. Gann in den 1950er-Jahren verstarb, wurde sein Nachlass einschließlich seines Hauses auf etwas über 100.000 Dollar taxiert. Die Legende von W. D. Gann als Gigant des Tradings wird von denjenigen am Leben erhalten, die ihren leichtgläubigen Kunden Kurse und andere Kultartikel verkaufen.

Die Jünger von Gurus

Ein Guru muss ein paar Jahre lang eigenes Forschungsmaterial produzieren und dann das Glück haben, dass der Markt auf seinen Kurs einschwenkt. Manche Gurus sind tot und bei den lebenden reicht das Spektrum von ernsthaften Wissenschaftlern bis hin zu großartigen Schaustellern. Als Lektüre über Skandale im Zusammenhang mit vielen Gurus empfehle ich „Winner Take All“ von William R. Gallacher.

Wenn man einem Guru Geld bezahlt, rechnet man damit, dafür mehr zurückzubekommen, als man ausgegeben hat. Damit benimmt man sich wie jemand, der an der Straßenecke gegen einen Hütchenspieler wettet und hofft, er werde mehr gewinnen, als er auf die umgedrehte Kiste gelegt hat. Einen solchen Köder schlucken nur Unwissende und Gierige.

Manche Menschen wenden sich auf der Suche nach einer starken Führungspersönlichkeit einem Guru zu. Sie suchen nach einem allwissenden Ernährer, einer Art Elternfigur. Ein Freund hat es einmal so formuliert: „Die laufen mit ihrer Nabelschnur in der Hand durch die Gegend und suchen eine Stelle, an der sie sie einstöpseln können.“ Ein schlauer Verkäufer bietet eine solche Anschlussmöglichkeit gegen eine Gebühr an.

Die Allgemeinheit will Gurus und es werden neue Gurus kommen. Als intelligenter Trader muss einem klar sein, dass einen auf lange Sicht kein Guru reich macht. Daran muss man schon selbst arbeiten.

Manchmal stellt mich, wenn ich einen Vortrag halte oder im Fernsehen auftrete, jemand als „berühmten Guru“ vor. Bei diesem Worten zucke ich zusammen und unterbreche die Vorstellung. Ein Guru ist jemand, der behauptet, er werde die Menschenmengen gegen eine Spende durch die Wüste führen. Bei mir gibt es keine solchen Anpreisungen!

Ich fange immer damit an, zu erklären, dass es keine magischen Methoden gibt und dass das Gebiet des Tradings ebenso riesig und vielfältig ist wie das der Medizin, wo man sich ein Fachgebiet aussuchen und hart arbeiten muss, um darin gut zu werden. Vor langer Zeit habe ich mich für meinen Weg entschieden und wenn ich vor den Kursteilnehmern stehe, denke ich im Grunde einfach laut; so vermittle ich meine Researchmethoden und meine Entscheidungsprozesse.

Mit offenen Augen traden

Wunschdenken ist stärker als Geld. Neuere Forschungen belegen, dass die Menschen eine erstaunliche Fähigkeit besitzen, sich selbst zu belügen und vor der Wahrheit die Augen zu verschließen.

Dan Ariely, Professor an der Duke University, beschreibt ein kluges Experiment: Einer Gruppe von Menschen wird ein Intelligenztest ausgehändigt, aber der Hälfte von ihnen wird „zufällig“ ein Blatt mit Lösungen vorgelegt, sodass sie die richtigen Antworten nachlesen können, bevor sie sie eintragen. Es versteht sich von selbst, dass sie mehr Punkte erzielen als die anderen. Dann werden alle gebeten, ihre Punktzahl beim nächsten Intelligenztest vorherzusagen, bei dem es natürlich keinerlei Spickzettel geben wird – und diejenigen, die eine korrekte Prognose abgeben, sollen dafür Geld bekommen. Überraschenderweise sagte diejenige Hälfte der Gruppe, die dank der Spickzettel besser abgeschnitten hatte, auch für den nächsten Test bessere Ergebnisse voraus. Die Schummler wollten glauben, sie seien sehr klug, obwohl ihre falschen Vorhersagen sie Geld kosten würden.

Ein erfolgreicher Trader kann sich kein Wunschdenken leisten – er muss realistisch sein. An den Märkten gibt es keine Spickzettel – man sieht die Wahrheit in seinen Trading-Tagebüchern und in seinen Kapitalkurven.

Um an den Märkten zu gewinnen, muss man drei wesentliche Komponenten des Tradings beherrschen: robuste Psychologie, ein logisches Handelssystem und einen wirkungsvollen Risikomanagement-Plan. Sie sind wie die drei Beine eines Hockers – nimmt man eines weg, fällt der Hocker um. Sich ausschließlich auf Indikatoren und Handelssysteme zu konzentrieren ist ein typischer Anfängerfehler.

Man muss analysieren, wie man sich beim Traden fühlt, um zu gewährleisten, dass die Entscheidungen, die man trifft, solide sind. Die Trades müssen auf klar festgelegten Regeln beruhen. Man muss sein Money-Management so strukturieren, dass einen eine Verluststrähne nicht aus dem Spiel katapultiert.

6. Der Hang zur Selbstzerstörung

Trading ist sein sehr schweres Spiel. Ein Trader, der gewinnen und auf lange Sicht erfolgreich bleiben will, muss äußerst ernsthaft an sein Handwerk herangehen. Er kann es sich nicht leisten, naiv zu sein oder anhand einer verborgenen psychologischen Agenda zu handeln.

Unglücklicherweise reizt das Trading häufig impulsive Menschen, Glücksspieler und Menschen, die der Meinung sind, die Welt schulde ihnen ihren Lebensunterhalt. Wenn man des Nervenkitzels wegen tradet, geht man unweigerlich Trades mit schlechten Chancen sowie unnötige Risiken ein. Die Märkte sind gnadenlos und emotionales Trading führt immer zu Verlusten.

Glücksspiel

Wenn man auf Glücks- oder Geschicklichkeitsspiele setzt, ist das Spekulation. Glücksspiele gibt es in allen Gesellschaften und die meisten Menschen haben in ihrem Leben schon einmal gespielt.

Freud war überzeugt, das Glücksspiel übe einen universellen Reiz aus, weil es ein Ersatz für die Masturbation sei. Die repetitive und aufregende Aktivität der Hände, der unwiderstehliche Drang, die Vorsätze, aufzuhören, der berauschende Charakter der Lust und die Schuldgefühle verbinden das Glücksspiel mit der Masturbation.

Der prominente kalifornische Psychoanalytiker Dr. Ralph Greenson unterteilt die Glücksspieler in drei Gruppen: „normale Menschen“, die zum Vergnügen spielen und damit wieder aufhören können, wenn sie wollen; die Berufsspieler, die das Glücksspiel als Mittel wählen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen; und die neurotischen Spieler, die spielen, weil sie von unbewussten Bedürfnissen dazu getrieben werden und außerstande sind, damit aufzuhören.

Ein neurotischer Spieler meint entweder, er habe Glück, oder er will sein Glück auf die Probe stellen. Wenn er gewinnt, verschafft ihm das ein Gefühl der Macht. Er empfindet die gleiche Lust wie ein Baby, das gestillt wird. Am Ende verliert ein neurotischer Spieler immer, weil er versucht, das allmächtige Glücksgefühl wieder aufleben zu lassen, anstatt sich auf einen realistischen langfristigen Spielplan zu konzentrieren.

Dr. Sheila Blume, Direktorin des Spielsüchtigen-Programms am South Oaks Hospital in New York, hat des Glücksspiel einmal als „Sucht ohne Droge“ bezeichnet. Die meisten Spieler sind Männer, die um der Action willen spielen. Für Frauen ist das Glücksspiel meist ein Mittel der Flucht. Verlierer verbergen meistens ihre Verluste und versuchen so zu wirken und zu handeln wie Gewinner, werden dabei aber von Selbstzweifeln geplagt.

Der Handel mit Aktien, Terminkontrakten und Optionen verschafft dem Glücksspieler ein Hochgefühl und wirkt dabei respektabler, als wenn er auf Pferde wetten würde. Börsenspekulationen machen einen kultivierteren Eindruck als die Zahlenspiele bei einem Buchmacher.

Spieler sind glücklich, wenn Trades zu ihren Gunsten ausgehen, und sie sind schrecklich deprimiert, wenn sie verlieren. Das unterscheidet sie von erfolgreichen Profis, die sich auf langfristige Pläne konzentrieren und sich über einen einzelnen Trade weder besonders ärgern noch besonders freuen.

Das wichtigste Anzeichen für Glücksspiel ist die Unfähigkeit, dem Drang zum Wetten zu widerstehen. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie würden zu viel traden und Ihre Ergebnisse seien zu schlecht, hören Sie einen Monat lang damit auf. Das gibt Ihnen Gelegenheit, Ihr Trading neu zu beurteilen. Ist der Drang, zu traden, so stark, dass Sie sich keinen Monat lang von der Action fernhalten können, dann wird es Zeit, dass Sie sich an die Anonymen Spieler wenden oder die Grundsätze der Anonymen Alkoholiker anwenden, die in diesem Kapitel später noch vorgestellt werden.

Selbstsabotage

Nachdem ich jahrzehntelang als Psychiater tätig war, gelangte ich zu der Überzeugung, dass die meisten Fehlschläge im Leben der Selbst- oder Eigensabotage geschuldet sind. Wir scheitern in unseren beruflichen, persönlichen und geschäftlichen Angelegenheiten nicht wegen Pech oder Unfähigkeit, sondern um einen unbewussten Wunsch nach dem Scheitern oder Versagen zu erfüllen.

Ein hochintelligenter Freund von mir hat sein Leben lang seine Erfolge zunichtegemacht. Als junger Mann war er erfolgreicher Apotheker, verlor dann aber seine Apotheke; er wurde Broker und stieg fast bis an die Spitze seiner Firma auf, doch dann wurde er verklagt; schließlich verlegte er sich aufs Trading, schmiss aber hin, um sich aus seinen vorherigen Katastrophen herauszuarbeiten. Er schob alle seine Fehlschläge neidischen Vorgesetzten, inkompetenten Regulierungsbehörden und der mangelnden Unterstützung durch seine Ehefrau in die Schuhe.

Schließlich war er ganz unten. Er hatte keinen Job und kein Geld. Von einem anderen Trader, der ausgestiegen war, lieh er sich ein Börseninformationssystem und beschaffte sich von ein paar Leuten Geld, die gehört hatten, dass er früher ein guter Trader gewesen war. Er begann, mit diesem Anlagepool Gewinn zu erzielen, und als sich das herumsprach, investierten noch mehr Menschen bei ihm. Mein Freund hatte einen Lauf. Zu dieser Zeit ging er auf eine Vortragsreise durch Asien, tradete aber von unterwegs weiter. Er machte einen Abstecher in ein Land, das für seine Freudenhäuser berühmt ist, und ließ dabei eine sehr große Position in Anleihe-Futures ohne Sicherheits-Stopp offen. Als er in die Zivilisation zurückkehrte, hatte der Markt eine große Kursbewegung vollzogen und sein Pool war vernichtet. Ob er versuchte, sein Problem zu erkennen? Daraus etwas zu lernen? Nein – er gab seinem Broker die Schuld! Danach verhalf ich ihm zu einem attraktiven Job bei einer großen EDV-Firma, aber dort begann er die Hand zu beißen, die ihn fütterte, und wurde entlassen. Am Ende ging dieser hochintelligente Mann von Haustür zu Haustür, um Fassadenverkleidungen aus Aluminium zu verkaufen – während andere mit seinen Methoden Geld verdienten.

Wenn Trader in Schwierigkeiten geraten, geben sie gern anderen Menschen oder dem Pech oder etwas anderem die Schuld. Es tut weh, die Ursache seines Versagens bei sich selbst zu suchen.

Einmal kam ein prominenter Trader in meine Sprechstunde. Sein Kapital war durch einen Kursanstieg des US-Dollar vernichtet worden, den er massiv leerverkauft hatte. In seiner Jugend hatte er gegen einen beleidigenden, überheblichen Vater angekämpft. Er hatte sich mit den großen Positionen, die er darauf setzte, dass ein etablierter Trend sich umkehren würde, einen Namen gemacht. Dieser Trader hatte seine Short-Position immer weiter aufgestockt, weil er nicht zugeben wollte, dass der Markt – der stellvertretend für seinen Vater stand – größer und stärker ist als er.

Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie Menschen ihre selbstzerstörerischen Neigungen ausleben. Wir sabotieren uns selbst, indem wir uns wie impulsive Kinder benehmen und nicht wie intelligente Erwachsene. Wir klammern uns an unsere selbstzerstörerischen Muster, aber sie lassen sich behandeln – Versagen ist eine heilbare Krankheit.

Der mentale Rucksack aus der Kindheit kann verhindern, dass man an den Märkten erfolgreich ist. Man muss seine Schwächen erkennen und daran arbeiten, etwas daran zu ändern. Führen Sie ein Trading-Tagebuch – schreiben Sie zu jedem Trade die Gründe für den Einstieg und den Ausstieg auf. Suchen Sie nach sich wiederholenden Mustern des Erfolgs und Misserfolgs.

Das Demolition Derby

Alle Mitglieder der Gesellschaft machen kleine Zugeständnisse, um einander vor den Folgen ihrer Fehler zu bewahren. Beim Autofahren versucht man, Zusammenstöße mit anderen Autos zu vermeiden, und die anderen tun das auch. Wenn einen auf der Autobahn jemand schneidet, mag man vielleicht fluchen, aber man tritt auch auf die Bremse. Wenn jemand die Tür eines geparkten Wagens öffnet, weicht man aus. Man vermeidet Zusammenstöße, weil sie für beide Parteien kostspielig sind.

Für die Angehörigen fast aller Berufe gibt es Sicherheitsnetze. Vorgesetzte, Kollegen und Kunden warnen einen, wenn man sich falsch oder selbstzerstörerisch verhält. Beim Trading gibt es kein derartiges Sicherheitsnetz und deshalb ist es gefährlicher als die meisten anderen menschlichen Unterfangen. Die Märkte bieten endlose Gelegenheiten der Selbstzerstörung.

Auf dem Tageshoch zu kaufen ist, als würde man mitten im Verkehr die Fahrertür schwungvoll öffnen. Wenn eine solche Order auf dem Parkett landet, reißen sich die Händler darum, einem das Papier zu verkaufen – also einem die Tür mitsamt dem Arm abzufahren. Die anderen Trader wollen, dass man scheitert, denn wenn man verliert, bekommen sie das Geld.

Die Märkte funktionieren ohne die übliche menschliche Hilfsbereitschaft. Jeder Trader wird von anderen Tradern angefahren. Alle Trader versuchen, anderen Tradern an den Karren zu fahren. Die Trading-Autobahn ist mit Wracks übersät. Abgesehen vom Krieg ist Trading das gefährlichste menschliche Unterfangen.

Die Kontrolle des Selbstzerstörungsdrangs

Die meisten Menschen machen auf ihrem Lebensweg Jahrzehnt um Jahrzehnt die gleichen Fehler. Manche gestalten ihr Leben so, dass sie in einem Bereich erfolgreich sind und ihre inneren Konflikte in einem anderen ausleben.

Sie müssen sich Ihrer Neigung, sich selbst zu sabotieren, bewusst sein. Hören Sie auf, Ihre Verluste dem Pech oder anderen Menschen zuzuschreiben, und übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre Ergebnisse. Fangen Sie an, ein Trading-Tagebuch – oder Trading-Journal – zu führen, in dem Sie alle Ihre Trades sowie die Gründe aufzeichnen, aus denen Sie sie eingegangen sind und aus ihnen ausgestiegen sind. Suchen Sie nach sich wiederholenden Mustern des Erfolgs und Misserfolgs. Wer aus der Vergangenheit nichts lernt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.

Als Trader braucht man ebenso ein Sicherheitsnetz, wie man als Bergsteiger seine Überlebensausrüstung braucht. Ich habe festgestellt, dass die unten dargestellten Grundsätze der Anonymen Alkoholiker in der frühen Entwicklungsphase von Tradern sehr hilfreich sind. Auch strenge Regeln für das Money-Management bieten ein Sicherheitsnetz und das Tagebuch hilft einem dabei, sowohl aus seinen Fehlern als auch aus seinen Erfolgen zu lernen.

7. Trading-Psychologie

Der Erfolg oder Misserfolg als Trader hängt von den eigenen Emotionen ab. Auch wenn man ein glänzendes Handelssystem hat – wenn man überheblich, ängstlich oder aufgewühlt ist, wird das Depot mit Sicherheit darunter leiden. Wenn man merkt, dass man ängstlich oder gierig wird oder dass man in das Hochgefühl eines Glücksspielers gerät, sollte man seine Trades schließen.

Beim Trading tritt man gegen die klügsten Köpfe der Welt an. Die Gebühren und die Slippage arbeiten gegen einen. Und wenn man es zu allem Überfluss auch noch zulässt, dass sich Emotionen in das Trading einmischen, ist die Schlacht schon verloren. Kerry Lovvorn, mein Freund und Partner bei SpikeTrade.com, sagt immer wieder gern: „Es ist ja schon schwer genug, zu wissen, was der Markt tun wird; wenn man aber nicht weiß, was man selbst tun wird, ist das Spiel schon verloren.“

Ein gutes Handelssystem zu haben reicht nicht. Viele Trader mit guten Systemen gehen pleite, weil sie psychologisch nicht auf das Gewinnen vorbereitet sind.

Wenn man die Regeln beugt

Die Märkte halten viele Versuchungen bereit, ähnlich wie wenn man durch einen Tresor voller Gold oder durch einen Harem spaziert. Sie lösen starke Schübe von Habgier und noch stärkere Wellen der Angst aus, das zu verlieren, was man hat. Solche Gefühle vernebeln die Wahrnehmung der Wirklichkeit an den Märkten.

Die meisten Amateure kommen sich nach einer kurzen Gewinnsträhne wie Genies vor. Es ist toll, überzeugt zu sein, man sei so gut, dass einem alle Trades mit Sicherheit Gewinn bringen. Doch in solchen Fällen beginnen Trader, von ihren Regeln abzuweichen und ihre Depots zu schädigen.

Ein Trader lernt ein wenig, macht Gewinn, dann setzen die Emotionen ein und er zerstört sich selbst. Die meisten Trader geben ihre „Mördergewinne“ gleich wieder den Märkten zurück, an denen es vor Geschichten wimmelt, dass jemand vom Tellerwäscher zum Millionär und dann wieder zum Tellerwäscher wurde. Das Gütesiegel eines erfolgreichen Traders ist, dass er in der Lage ist, Kapital anzusammeln.

Man muss das Trading so objektiv wie möglich gestalten. Stellen Sie sicher, dass Sie sich an die Regeln des Money-Managements halten. Führen Sie eine Tabelle, in der alle Ihre Trades aufgeführt sind, und zwar einschließlich Gebühren und Slippage. Führen Sie ein Tagebuch mit allen Ihren Trades und „Vorher-nachher-Darstellungen“. Am Anfang Ihrer Laufbahn als Trader müssen Sie möglicherweise genauso viel Energie für die Analyse Ihrer selbst wie für die Analyse der Märkte aufbringen.

Als ich zu traden lernte, las ich alle Bücher über Trading-Psychologie, die ich finden konnte. Viele Autoren gaben vernünftige Ratschläge. Manche betonten die Disziplin: „Man darf sich nicht von den Märkten mitreißen lassen. Fällen Sie während der Handelszeiten keine Entscheidungen. Planen Sie einen Trade und traden Sie dann nach Plan.“ Andere betonten die Flexibilität: „Begeben Sie sich nicht mit vorgefassten Auffassungen an den Markt. Ändern Sie Ihre Pläne, wenn sich die Märkte verändern.“ Manche Experten empfahlen, sich abzuschotten – keine Wirtschaftsnachrichten, kein Wall Street Journal, sich keine anderen Trader anhören, nur man selbst und der Markt. Andere rieten, für alles offen zu sein, mit anderen Tradern Kontakt zu halten und neue Ideen aufzusaugen. Alle Ratschläge wirkten sinnvoll, aber sie widersprachen einander.

Ich las weiter, ich tradete und konzentrierte mich dabei auf die Entwicklung eines Systems. Dabei praktizierte ich weiterhin als Psychiater. Ich hatte nie gedacht, dass zwischen diesen beiden Gebieten ein Zusammenhang bestünde – bis mich eine plötzliche Erkenntnis traf. Der Gedanke, der die Art, wie ich tradete, veränderte, stammte aus der Psychiatrie.

Die Erkenntnis, die mein Trading veränderte

Wie die meisten Psychiater hatte auch ich immer ein paar Patienten mit Alkoholproblemen. Auch war ich bei einem großen Drogen-Rehabilitationsprogramm als Berater tätig. Ich merkte schnell, dass sich Alkoholiker und Drogensüchtige in Selbsthilfegruppen mit größerer Wahrscheinlichkeit erholen als in klassischen psychiatrischen Konstellationen.

Psychotherapie, Medikamente sowie teure stationäre und ambulante Kliniken können einen Trinker entgiften, aber ihm selten dazu verhelfen, dass er trocken bleibt. Die meisten Süchtigen werden bald wieder rückfällig. Ihre Chancen auf Heilung sind viel größer, wenn sie bei den Anonymen Alkoholikern (AA) oder vergleichbaren Selbsthilfegruppen aktiv werden.

Als mir klar war, dass AA-Mitglieder mit höherer Wahrscheinlichkeit trocken bleiben und ihr Leben wieder in den Griff bekommen, wurde ich zum großen Fan der Anonymen Alkoholiker. Ich begann, Patienten mit Alkoholproblemen zu den AA und ähnlichen Gruppen zu schicken, zum Beispiel zu ACOA (Adult Children of Alcoholics). Wenn ein Alkoholiker wegen einer Behandlung zu mir kam, bestand ich darauf, dass er auch zu den AA ging, andernfalls verschwende er sowohl unsere Zeit als auch sein Geld.

Eines Abends schaute ich auf dem Weg zu einer Party im Büro eines Freundes vorbei. Bis zur Party hatten wir noch zwei Stunden Zeit und mein Freund, der kürzlich mit dem Trinken aufgehört hatte, sagte: „Willst du lieber einen Film schauen oder zu einem AA-Treffen gehen?“ Ich hatte zwar Patienten zu den AA geschickt, war aber noch nie bei einem Treffen gewesen, weil ich noch nie ein Alkoholproblem gehabt hatte. Ich ergriff die Gelegenheit, ein AA-Treffen zu erleben – eine neue Erfahrung.

Die Sitzung fand beim örtlichen YMCA statt. Ein Dutzend Männer und Frauen saßen in einem schmucklosen Raum auf Klappstühlen. Das Treffen dauerte eine Stunde. Ich staunte über das, was ich zu hören bekam – es kam mir vor, als sprächen diese Leute über mein Trading!

Sie sprachen zwar über Alkohol, aber wenn ich für das Wort „Alkohol“ das Wort „Verlust“ eingesetzt hätte, dann hätte das meiste auf mich zugetroffen! In der damaligen Zeit schwankte mein Depot auf und ab. Ich verließ dieses Treffen in dem Wissen, dass ich mit meinen Verlusten so umgehen musste, wie AA-Teilnehmer mit Alkohol umgehen.

8. Trading-Lektionen von den Anonymen Alkoholikern

Fast jeder Trinker kann ein paar Tage lang trocken bleiben – bis der Drang zu trinken ihn wieder zur Flasche treibt. Solange er wie ein Alkoholiker denkt und sich wie einer fühlt, kann er diesem Drang nicht widerstehen. Das Trocken-Werden beginnt im Kopf eines Menschen.

Die Anonymen Alkoholiker (AA) haben ein System, mit dem sie die Denkweise und die Gefühle in Bezug auf das Trinken verändern. AA-Mitglieder verändern ihre Denkweise mithilfe eines 12-stufigen Programms. Im „Blauen Buch“ werden zwölf Schritte beschrieben, die sich auf zwölf Stufen der Persönlichkeitsentwicklung beziehen. Alkoholiker, die gesund werden wollen, teilen bei Versammlungen ihre Erfahrungen mit anderen Alkoholikern auf dem Weg der Besserung und unterstützen einander so gegenseitig dabei, trocken zu werden. Jedes Mitglied kann einen Paten bekommen – ein anderes AA-Mitglied, das es um Unterstützung bitten kann, wenn es den Drang verspürt, Alkohol zu trinken.

Die Anonymen Alkoholiker wurden in den 1930er-Jahren von zwei Alkoholikern gegründet – einem Arzt und einem Handelsvertreter –, die sich regelmäßig trafen, um sich gegenseitig zu helfen, abstinent zu bleiben. Sie entwickelten ein System, das so gut funktionierte, dass sich ihnen andere Alkoholiker anschlossen. Die AA haben nur ein Ziel – ihren Mitgliedern helfen, trocken zu bleiben. Sie verlangen kein Geld, beziehen keine politische Position und betreiben keine Werbekampagnen. Die AA wachsen ausschließlich durch Mundpropaganda und verdanken ihren Erfolg ausschließlich ihrer Wirksamkeit.

Das 12-Schritte-Programm der AA ist so wirkungsvoll, dass es inzwischen auch Menschen mit anderen Problemen anwenden. Es gibt 12-Schritte-Gruppen für Kinder von Alkoholikern, für Glücksspieler und so weiter. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass Trader aufhören können, Geld zu verlieren, wenn sie die Grundprinzipien der Anonymen Alkoholiker auf ihr Trading anwenden.

Verleugnung

Wer in Gesellschaft trinkt, genießt einen Cocktail, ein Glas Wein oder ein Bier, aber er hört auf, wenn er findet, dass es reicht. Die Chemie eines Alkoholikers ist anders. Sobald ein Alkoholiker etwas trinkt, verspürt er den Drang, so lange weiterzutrinken, bis er umkippt oder ihm das Geld ausgeht.

Vielleicht sagt ein Trunkenbold, er müsse das Trinken herunterfahren, kann aber nicht zugeben, dass er es nicht unter Kontrolle hat. Versuchen Sie einmal, einem Verwandten, einem Freund oder einem Mitarbeiter zu sagen, er habe das Trinken nicht unter Kontrolle – Sie werden gegen eine Mauer der Verleugnung anrennen.

Womöglich sagt ein Alkoholiker: „Mein Chef hat mich rausgeschmissen, weil ich einen Kater hatte und zu spät zur Arbeit kam. Meine Frau ist mit den Kindern ausgezogen, weil sie von vornherein keinen Verstand besaß. Mein Vermieter will mich rauswerfen, weil ich mit der Miete ein bisschen im Rückstand bin. Ich muss bloß weniger trinken, dann kommt alles wieder in Ordnung.“

Dieser Mann hat seine Familie und seine Arbeit verloren. Er steht kurz davor, sein Dach über dem Kopf zu verlieren. Sein Leben gerät außer Kontrolle – aber er sagt immer noch, er könne das Trinken herunterfahren. Das ist Verleugnung!

Alkoholiker verleugnen ihre Probleme, während gleichzeitig ihr Leben in Stücke bricht. Solange ein Alkoholiker meint, er habe „das Trinken im Griff“, befindet er sich auf der schiefen Bahn. Bei ihm wird sich nie etwas ändern, selbst wenn er einen neuen Job, eine neue Frau und einen neuen Vermieter findet.

Alkoholiker leugnen, dass der Alkohol ihr Leben bestimmt. Wenn sie davon sprechen, weniger zu trinken, dann sprechen sie über die Beherrschung von etwas, das nicht zu beherrschen ist. Das ist wie bei einem Autofahrer, dem das Fahrzeug auf einer Bergstraße außer Kontrolle gerät. Wenn das Auto über eine Klippe rutscht, ist es zu spät für das Versprechen, vorsichtig zu fahren. Das Leben eines Alkoholikers rutscht unkontrolliert ab, während er leugnet, Alkoholiker zu sein.

Es gibt eine sonnenklare Parallele zwischen einem Alkoholiker und einem Trader, dessen Konto durch Verluste vernichtet wird. Wenn Letzterer seine Trading-Taktik ändert, handelt er wie ein Alkoholiker, der versucht, sein Problem dadurch zu lösen, dass er von Hochprozentigem auf Bier umschwenkt. Ein Verlierer leugnet, dass er die Kontrolle über sein Trader-Leben verloren hat.

Ganz unten

Ein Trinker kann den Weg zur Genesung erst dann antreten, wenn er sich eingesteht, dass er Alkoholiker ist. Er muss erkennen, dass der Alkohol sein Leben im Griff hat und nicht umgekehrt. Die meisten Trinker können diese schmerzliche Wahrheit nicht akzeptieren. Sie können sich ihr erst dann stellen, wenn sie vollständig am Boden liegen.

Manche Alkoholiker kommen am Tiefpunkt an, indem sie eine lebensbedrohliche Krankheit bekommen. Andere erreichen ihn, wenn ihre Familie sie verstößt oder wenn sie ihren Job verlieren. Ein Alkoholiker muss so tief sinken – sozusagen bis in die Gosse –, dass sein Leiden derart unerträglich wird, dass es schließlich seine Verleugnung durchdringt.

Der Schmerz, ganz unten zu landen, lässt einen Alkoholiker erkennen, wie tief er gesunken ist. Er sieht eine einfache drastische Wahl vor sich – sein Leben ändern oder sterben. Erst dann ist ein Alkoholiker bereit, den Weg der Genesung anzutreten.

Gewinne verschaffen Tradern ein emotionales Hochgefühl und ein Gefühl der Macht. Dann versuchen sie, wieder „high“ zu werden, gehen leichtsinnige Trades ein und verlieren das Gewonnene wieder. Die meisten Trader halten das Leiden nicht aus, das schwere Verluste hervorrufen. Wenn sie den Tiefpunkt erreicht haben, „sterben“ sie als Trader und werden aus dem Markt gespült. Die wenigen Überlebenden begreifen, dass das Hauptproblem nicht in ihren Methoden liegt, sondern in ihrer Denkweise. Sie können sich ändern und zu erfolgreichen Tradern werden.

Der erste Schritt

Ein Alkoholiker, der gesund werden will, muss zwölf Schritte durchlaufen – zwölf Stufen der persönlichen Entwicklung. Er muss sein Denken und Fühlen sowie sein Verhältnis zu sich selbst und zu anderen ändern.

Der erste Schritt der Anonymen Alkoholiker ist der schwierigste: eingestehen, dass man gegenüber dem Alkohol machtlos ist. Ein Alkoholiker muss erkennen, dass sein Leben nicht mehr zu bewältigen ist, dass der Alkohol stärker ist als er. Die meisten schaffen diesen Schritt nicht, brechen ab und machen mit der Zerstörung ihres Lebens weiter.

Wenn der Alkohol stärker ist als man selbst, darf man ihn sein Leben lang nie wieder anrühren, nicht einmal ein Schlückchen. Man muss das Trinken für immer aufgeben. Die meisten Trunkenbolde wollen dieses Vergnügen nicht aufgeben. Lieber zerstören sie ihr Leben als den ersten Schritt der Anonymen Alkoholiker zu gehen. Nur der Schmerz, ganz unten zu landen, kann sie zu diesem ersten Schritt motivieren.

Einen Tag nach dem anderen

Vielleicht haben Sie auf Autos schon Aufkleber gesehen, auf denen steht „Einen Tag nach dem anderen“ oder „Sei vorsichtig!“ Das sind AA-Slogans und die Fahrer der betreffenden Autos sind wahrscheinlich Alkoholiker auf dem Weg der Besserung.

Ein Leben ohne Alkohol zu planen kann einen überfordern. Deshalb fordern die Anonymen Alkoholiker ihre Mitglieder auf, immer nur einen Tag abstinent zu bleiben.

Jedes AA-Mitglied setzt sich das Ziel, heute trocken zu bleiben und heute Abend nüchtern ins Bett zu gehen. Nach und nach werden aus den Tagen Wochen, Monate und schließlich Jahre. Die AA-Treffen und sonstigen Aktivitäten helfen den genesenden Alkoholikern, einen Tag nach dem anderen trocken zu bleiben.

Die genesenden Alkoholiker erhalten bei diesen Sitzungen von den anderen – und geben den anderen – unschätzbar wertvolle Unterstützung und ein Gemeinschaftsgefühl. Sie finden zu allen Tageszeiten und auf der ganzen Welt statt. Trader können aus diesen Versammlungen viel lernen.

Ein AA-Treffen

Der Besuch eines AA-Treffens gehört zu den besten Dingen, die ein Trader tun kann. Ganz besonders empfehle ich das jedem Trader, der eine Verluststrähne hat. Rufen Sie die Anonymen Alkoholiker an und fragen Sie nach dem nächsten „offenen“ Meeting oder dem nächsten „Meeting für Neulinge“ in Ihrer Region.

Ein Treffen dauert etwa eine Stunde. Man kann sich in eine hintere Reihe setzen und zuhören. Man wird nicht gedrängt, etwas zu sagen, und niemand fragt einen nach dem Nachnamen.

Jede Sitzung beginnt damit, dass ein langjähriges Mitglied aufsteht und über seinen persönlichen Kampf um die Heilung vom Alkohol spricht. Dann teilen mehrere andere Mitglieder ihre Erfahrungen mit. Schließlich wird Geld für die Deckung der Kosten gesammelt – wenn Sie wollen, spenden Sie einen Euro. Sie brauchen bloß aufmerksam zuzuhören und das Wort „Alkohol“ jedes Mal, wenn Sie es hören, durch „Verlust“ zu ersetzen. Es wird Ihnen vorkommen, als würden die Anwesenden über Ihr Trading sprechen!

9. Die Anonymen Verlierer

Wer in Gesellschaft trinkt, genießt ab und zu ein Gläschen oder eine Flasche, aber ein Alkoholiker sehnt sich nach Alkohol. Dabei leugnet er, dass der Alkohol sein Leben beherrscht und zerstört – bis er in eine persönliche Krise gerät. Das kann eine lebensbedrohliche Krankheit sein, Arbeitslosigkeit, dass ihn die Familie verlässt oder ein anderes unerträglich leidvolles Ereignis. Die AA sprechen davon, dass man „ganz unten landet“.

Der Schmerz beim Aufschlag auf dem Boden durchschlägt die Verleugnung des Alkoholikers. Nun sieht er eine glasklare Wahl – ertrinken oder auftauchen und nach Luft schnappen. Sein erster Schritt zur Genesung ist das Eingeständnis, dass er gegenüber dem Alkohol machtlos ist. Ein genesender Alkoholiker darf nie wieder trinken.

Ein Verlust ist für einen Verlierer das, was der Alkohol für einen Alkoholiker ist. Ein kleiner Verlust ist wie ein Drink. Ein großer Verlust ist wie ein Besäufnis. Eine Serie von Verlusten ist wie ein Saufgelage. Ein Verlierer wechselt zwischen verschiedenen Märkten, Gurus und Handelssystemen hin und her. Sein Kapital schrumpft, während er versucht, das lustvolle Gefühl des Gewinnens erneut zu erzeugen.

Trader, die Verluste erleiden, denken und handeln wie Alkoholiker, nur dass sie dabei nicht lallen. Diese beiden Gruppen sind einander derart ähnlich, dass man vorhersagen kann, was ein Verlierer tun wird, indem man sich dabei an Alkoholikern orientiert.

Alkoholismus ist eine heilbare Krankheit – Verlieren auch. Verlierer können sich ändern, indem sie die Grundsätze der Anonymen Alkoholiker anwenden.

Der Drang, zu traden

Erfolgreiche Trader gehen mit zwischenzeitlichen Verlusten – sogenannten Drawdowns – genauso um wie Gesellschaftstrinker mit Alkohol. Sie nehmen ein bisschen was und hören wieder auf. Wenn sie mehrere Verluste hintereinander einstecken, sehen sie das als Warnsignal, dass etwas nicht funktioniert: Vielleicht passt das System nicht zum derzeitigen Marktumfeld. Dann ist es Zeit für eine Pause und einen frischen Blick auf den Markt. Verlierer hingegen können nicht aufhören – sie traden weiter, weil sie nach dem aufregenden Spiel süchtig sind, und hoffen weiter auf einen großen Gewinn.

Ein prominenter Trading-Berater, der inzwischen aufgegeben hat, hat einmal geschrieben, für ihn sei die Lust am Trading größer als die beim Sex oder beim Steuern eines Düsenflugzeugs. Genauso wie Alkoholiker vom Trinken in Gesellschaft zur Trunkenheit übergehen, so gehen Verlierer immer größere Risiken ein. Sie überschreiten eine enorm wichtige Grenze: die Grenze zwischen dem Eingehen von Geschäftsrisiken und dem Glücksspiel. Viele Verlierer wissen nicht einmal, dass es diese Grenze gibt.

Verlierer verspüren den Drang zu traden, so, wie Alkoholiker den Drang verspüren zu trinken. Sie tätigen impulsive Trades, lassen sich auf Trading-Exzesse ein und versuchen, sich durch Trading wieder aus dem Loch zu ziehen.

Verlierer lassen ihr Depot gewissermaßen ausbluten. Die meisten geben es irgendwann auf, aber manche verlegen sich nach dem Verlust ihres gesamten eigenen Geldes darauf, das Geld anderer Leute zu verwalten. Wieder andere verkaufen Beratungsdienstleistungen – wie abgebrannte Trinker, die in einer Kneipe Gläser spülen.

Die meisten Verlierer verbergen ihre Verluste vor sich selbst und vor allen anderen. Sie führen keine Aufzeichnungen und werfen ihre Depotauszüge weg. Ein Verlierer ist wie ein Alkoholiker, der nicht wissen will, wie viele Schnäpse er getrunken hat.

Der Weg ins Loch

Ein Verlierer tradet im Nebel und weiß nicht, warum er ständig Verlust macht. Wüsste er es, dann hätte er etwas dagegen getan und wäre zum Gewinner geworden. Ein Verlierer versucht auf die gleiche Weise, sein Trading in den Griff zu bekommen, wie ein Alkoholiker versucht, seine Trinkerei in den Griff zu bekommen.

Die verzweifelten Hoffnungen von Verlierern auf magische Lösungen helfen Beratern, ihre Dienstleistungen unter die Leute zu bringen. Sie stellen auf neue Handelssysteme um, kaufen zusätzliche Software und suchen nach Tipps von neuen Gurus.

Wenn die Verluste größer werden und das Kapital schrumpft, gerät ein Verlierer in Verzweiflung und verwandelt direktionale Positionen in Spreads, stockt Verlustpositionen auf, wechselt die Richtung, um in die entgegengesetzte Richtung zu traden, und so weiter. All das bringt ihm genauso wenig, wie es einem Alkoholiker helfen kann, wenn er von harten Sachen auf Wein umstellt.

Einem Trader, der Verlust macht, entgleitet die Kontrolle und er versucht, das Unbeherrschbare zu beherrschen. Alkoholiker sterben vorzeitig und die meisten Trader lassen die Märkte hinter sich und kehren nie zurück. Neue Handelsmethoden, heiße Tipps und verbesserte Software werden jemandem, der sich selbst nicht im Griff hat, nicht helfen.

Ein Verlierer empfindet beim Traden weiterhin ein Hochgefühl, während sein Kapital schrumpft. Wenn man versucht, ihm zu erklären, dass er ein Verlierer ist, dann ist das so, als würde man versuchen, einem Trinker eine Flasche wegzunehmen. Ein Verlierer muss ganz unten landen, bevor er anfangen kann, sich zu erholen. Man muss seine Denkweise ändern, damit man aufhören kann, zu verlieren, und seine Genesung als Trader beginnen kann.

„Ganz unten“ bei Tradern

Am Tiefpunkt zu landen fühlt sich fürchterlich an. Es ist schmerzhaft und beschämend. Man langt dort an, wenn man Geld verliert, dessen Verlust man sich nicht leisten kann. Man langt dort an, wenn man seine Ersparnisse verspielt. Man langt dort an, nachdem man seinen Freunden erzählt hat, wie klug man sei, und dann muss man sie um ein Darlehen bitten. Man landet dann ganz unten, wenn der Markt auf einen zurauscht und einen anbrüllt: „Du Narr!“

Manche Menschen landen schon nach ein paar Wochen Trading am Boden. Andere schießen ihren Depots Geld zu, um die Stunde der Wahrheit aufzuschieben. Es schmerzt, wenn man im Spiegel einen Verlierer erblickt. Man verbringt sein Leben damit, Selbstwertgefühl aufzubauen. Die meisten Menschen haben eine hohe Meinung von sich. Der erste Impuls kann sein, sich zu verstecken, aber man darf nicht vergessen, dass man nicht allein ist. Fast jeder Trader hat das durchgemacht.

Viele Trader, die am Boden landen, verlassen den Markt und drehen sich nicht mehr um. Viele, die heute traden, werden in einem Jahr oder schon früher nicht mehr da sein. Sie werden nach ganz unten abrutschen, zerbröseln und gehen. Sie werden versuchen, das Trading zu vergessen wie einen bösen Traum.

Manche werden ihre Wunden lecken, warten, bis der Schmerz nachlässt, und dann zurückkehren, ohne viel gelernt zu haben. Sie werden ängstlich sein und ihre Angst wird ihr Trading noch mehr beeinträchtigen.

Zum Glück werden manche Trader vom Boden aufspringen und den Prozess der Veränderung und des Wachstums beginnen. Bei diesen Menschen durchbricht der Schmerz, am Boden zu landen, den Teufelskreis, beim Gewinnen ein Hochgefühl zu empfinden, dann alles zu verlieren und zusammenzubrechen. Wenn man sich eingesteht, dass ein persönliches Problem dazu führt, dass man verliert, kann man ein neues Leben als Trader aufbauen. Dann kann man anfangen, die Disziplin eines Gewinners zu entwickeln.

Der erste Schritt des Traders

Ebenso wie ein Alkoholiker eingestehen muss, dass er seine Trinkerei nicht im Griff hat, muss ein Trader zugeben, dass er seine Verluste nicht im Griff hat. Der erste Schritt eines AA-Mitglieds besteht darin, dass es sagt: „Ich bin Alkoholiker und gegen den Alkohol machtlos.“ Als Trader muss man sich im Zuge des ersten Schritts sagen: „Ich bin ein Verlierer und den Verlusten gegenüber machtlos.“

Alkoholiker auf dem Weg der Genesung kämpfen einen Tag um den anderen darum, abstinent zu bleiben. Als Trader kann man sich mithilfe der Grundsätze der AA wieder erholen. Man muss dann einen Tag um den anderen darum kämpfen, ohne Verluste zu traden.

Vielleicht sagen Sie jetzt, das sei unmöglich. Denn was ist, wenn man kauft und der Markt dann sofort fällt? Was, wenn man shortet und sich herausstellt, dass das die Talsohle war, sodass der Markt sofort steigt? Selbst die besten Trader verlieren an manchen Trades Geld.

Die Lösung ist, dass man eine Grenze zwischen unternehmerischem Risiko und Verlust zieht. Als Trader geht man ständig unternehmerische Risiken ein, erleidet aber niemals einen Verlust, der über dieses vorher festgelegte Risiko hinausgeht.

Beispielsweise geht ein Ladenbesitzer jedes Mal ein Risiko ein, wenn er neue Ware lagert. Wenn sie sich nicht verkauft, verliert er dadurch Geld. Ein intelligenter Geschäftsmann geht nur Risiken ein, die ihn auch dann nicht bankrott machen, wenn er mehrere Fehler hintereinander begeht. Zwei Kisten mit Waren zu lagern dürfte ein vernünftiges kaufmännisches Risiko sein, aber einen ganzen Hänger voll zu lagern ist wahrscheinlich ein Glücksspiel.

Als Trader treibt man Handel. Man muss sein kaufmännisches Risiko festlegen – den maximalen Geldbetrag, den man mit einem einzelnen Handelsgeschäft riskieren will. Dafür gibt es genauso wenig einen üblichen Dollarbetrag, wie es kein übliches Geschäft gibt. Welches Risiko für einen Geschäftsmann akzeptabel ist, hängt in erster Linie von der Größe des Trading-Depots ab. Zudem hängt es von der Trading-Methode und von der persönlichen Schmerztoleranz ab.

Das Konzept des unternehmerischen Risikos verändert die Art, wie man mit seinem Geld umgeht (siehe Kapitel 9, „Risikomanagement“). Das absolute Maximum, das ein Trader mit einem einzelnen Trade riskieren sollte, beträgt zwei Prozent des Kapitals in seinem Depot. Hat man beispielsweise 30.000 Dollar im Depot, sollte man höchstens 600 Dollar pro Trade riskieren, und wenn man 10.000 Dollar hat, sollte man höchstens 200 Dollar riskieren. Wenn Ihr Depot klein ist, beschränken Sie sich darauf, mit weniger Aktien, mit weniger teuren Futures oder mit Mini-Kontrakten zu handeln. Wenn Sie einen attraktiven Trade sehen, aber der Logik zufolge ein Stoppkurs so platziert werden müsste, dass mehr als zwei Prozent des Depotbestands auf dem Spiel stünden, dann lassen Sie diesen Trade bleiben. Man kann natürlich weniger riskieren, darf aber nie mehr riskieren. Man muss Risiken über zwei Prozent pro Trade genauso meiden, wie ein Alkoholiker Kneipen meidet.

Ein Trader, der die hohen Gebühren einem Broker und die Slippage einem Parketthändler in die Schuhe schiebt, gibt die Kontrolle über sein Trading-Leben ab. Versuchen Sie, beide gering zu halten, übernehmen Sie aber auch für beide die Verantwortung. Wenn man einschließlich Gebühren und Slippage auch nur einen Dollar mehr als sein unternehmerisches Risiko verliert, ist man ein Verlierer.

Führen Sie ordentliche Aufzeichnungen über Ihr Trading? Schlechte Aufzeichnungen sind ein sicheres Anzeichen für Glücksspiel. Ein guter Geschäftsmann führt gute Aufzeichnungen. Die Trading-Buchhaltung muss Datum und Preis jedes Einstiegs und Ausstiegs angeben, die Slippage, die Gebühren, die Stoppkurse, alle Anpassungen von Stoppkursen, Gründe für den Einstieg, Ziele für den Ausstieg, den maximalen Buchgewinn, den maximalen Buchverlust nach Erreichen eines Stoppkurses sowie alle etwaigen anderen Angaben, die notwendig sein können, um den Trade auch später, in der Zukunft, noch vollständig zu verstehen.

Es gehört zum üblichen Geschäftsgang, dass man aus einem Trade im Rahmen seines geschäftlichen Risikos aussteigt. Da feilscht man nicht, man wartet keinen weiteren Tick ab und hofft nicht, dass sich etwas ändert. Einen Dollar mehr zu verlieren als das festgelegte kaufmännische Risiko ist wie wenn man sich betrinkt, sich auf eine Prügelei einlässt, einem auf dem Heimweg schlecht wird und man morgens im Rinnstein aufwacht. Man würde ja nie wollen, dass einem das passiert.

Einsames Meeting

Wenn man ein AA-Meeting besucht, trifft man auf Menschen, die seit Jahren keinen Alkohol mehr getrunken haben, sich nun hinstellen und sagen: „Hallo, ich heiße Soundso und bin Alkoholiker.“ Warum bezeichnen sie sich nach Jahren der Abstinenz immer noch als Alkoholiker? Weil sie, wenn sie glauben würden, sie hätten den Alkoholismus besiegt, wieder trinken würden. Wenn jemand meint, er sei kein Alkoholiker mehr, darf er ja einen trinken, dann noch einen – und landet vielleicht wieder in der Gosse. Ein Mensch, der trocken bleiben will, muss bedenken, dass er sein restliches Leben lang Alkoholiker bleiben wird.

Es käme Tradern zugute, wenn sie ihre eigene Selbsthilfe-Organisation hätten – ich würde sie als Anonyme Verlierer bezeichnen. Warum nicht Anonyme Trader? Weil ein drastischer Name die Aufmerksamkeit auf die selbstzerstörerischen Neigungen lenkt. Die Anonymen Alkoholiker nennen sich ja auch nicht Anonyme Trinker. Wenn man sich als Verlierer bezeichnet, konzentriert man sich auf die Vermeidung von Verlusten.

Einige Trader argumentieren gegen das ihrer Meinung nach „negative Denken“ in „Anonyme Verlierer“. Eine Rentnerin aus Texas – eine höchst erfolgreiche Traderin – hat ihre Methode beschrieben. Sie ist sehr gläubig, betet jeden Morgen und fährt dann in ein Büro, in dem sie aktiv tradet. Jedes Mal, wenn die Märkte beginnen, gegen sie zu laufen, begrenzt sie sehr schnell ihre Verluste, weil es Gott nicht gefallen würde, wenn sie sein Geld verlieren würde. Ich fand unsere Methoden sehr ähnlich. Das Ziel ist es, Verluste anhand einer objektiven, externen Regel zu begrenzen.

Innerhalb des unternehmerischen Risikos zu traden ist, wie ohne Alkohol zu leben. Ein Trader muss genauso eingestehen, dass er ein Verlierer ist, wie ein Trinker eingestehen muss, dass er Alkoholiker ist. Erst dann kann er seine Reise zur Genesung antreten.

Deshalb schlage ich vor, sich jeden Morgen vor dem Trading zu sagen: „Guten Morgen, ich heiße Soundso und bin ein Verlierer. Es steckt in mir, dass ich meinem Depot schweren finanziellen Schaden zufüge.“ Das ist wie bei einer AA-Sitzung – der Verstand bleibt auf die Grundprinzipien konzentriert. Selbst wenn man am heutigen Tag an den Märkten Tausende Dollar verdient hat, sagt man morgen früh: „Guten Morgen, ich heiße Soundso und bin ein Verlierer.“

Ein Freund von mir hat einmal scherzhaft gesagt: „Wenn ich mich morgens vor den Bildschirm setze, sage ich: ‚Ich heiße John und ich werde euch die Kehle aufschlitzen.‘“ Dieses Denken erzeugt Anspannung. Das Denken nach dem Motto der „Anonymen Verlierer“ erzeugt hingegen Klarheit. Ein Trader, der sich abgeklärt und entspannt fühlt, kann sich auf die Suche nach den besten und sichersten Trades konzentrieren. Wenn ein Nüchterner und ein Betrunkener um die Wette laufen, weiß man, wer mit höherer Wahrscheinlichkeit gewinnt. Gelegentlich mag auch ein Betrunkener gewinnen, aber derjenige, auf den man wetten sollte, ist der Nüchterne. Man will in diesem Rennen der Nüchterne sein.

10. Gewinner und Verlierer

Menschen finden aus verschiedenen Lebenslagen und Gesellschaftsschichten zum Trading und bringen ihr jeweiliges geistiges Gepäck mit. Viele stellen fest, dass sie Geld verlieren, wenn sie am Markt genauso handeln wie im täglichen Leben. Vor allen Dingen hängen Erfolg und Misserfolg von der Fähigkeit ab, eher den Intellekt einzusetzen als emotional zu handeln. Ein Trader, der sich überschwänglich freut, wenn er gewinnt, und den es deprimiert, wenn er verliert, ist den Bewegungen des Marktes ausgeliefert und kann kein Kapital ansammeln.

Um an der Börse zu den Gewinnern zu gehören, muss man mit kühlem Kopf verantwortungsvoll handeln. Der Schmerz des Verlustes veranlasst die Menschen, nach Zaubermethoden zu suchen. Gleichzeitig verwerfen sie vieles, das in ihrem beruflichen oder geschäftlichen Umfeld von Nutzen ist.

Wie ein Ozean

Der Markt ist wie ein Ozean – er steigt und fällt unabhängig von dem, was man sich wünscht. Man mag Freude empfinden, wenn man eine Aktie kauft und sie dann explosionsartig steigt. Man mag in Furcht zerfließen, wenn man short geht, aber der Markt steigt, sodass das Kapital mit jedem Uptick zusammenschmilzt. Aber diese Gefühle haben nichts mit dem Markt zu tun – sie existieren nur in einem selbst.

Der Markt weiß ja nicht, dass es uns gibt. Man kann nichts tun, um ihn zu beeinflussen. Dem Ozean ist das Wohlergehen eines Menschen egal, aber er ist auch nicht darauf aus, ihn zu schädigen. Das Einzige, was man unter Kontrolle hat, ist das eigene Verhalten.

Ein Seemann kann den Ozean nicht beherrschen, aber er kann sich selbst beherrschen. Er kann Strömungen und das Wettergeschehen studieren, die richtigen Techniken der Seefahrt lernen und Erfahrungen sammeln. Er kann lernen, wann man auslaufen und wann man im Hafen bleiben sollte. Ein erfolgreicher Seemann nutzt seine Intelligenz.

Ein Ozean kann von Nutzen sein – man kann darin fischen und seine Oberfläche nutzen, um zu anderen Inseln zu gelangen. Ein Ozean kann auch gefährlich sein – man kann darin ertrinken. Je rationaler der Ansatz, umso wahrscheinlicher bekommt man, was man will. Wenn man hingegen seine Gefühle auslebt, kann man sich nicht auf die Gegebenheiten des Ozeans konzentrieren.

Ein Trader muss Trends und Trendwenden an den Märkten genauso beobachten, wie ein Seemann den Ozean studiert. Er muss im kleinen Maßstab traden und anhand dessen lernen, mit seinem Depot umzugehen. Den Markt kann man niemals kontrollieren, aber man kann sich selbst kontrollieren.

Als Anfänger kann man nach einer Serie profitabler Trades das Gefühl haben, man könne über das Wasser gehen. Man beginnt, extreme Risiken einzugehen, und sprengt sein Depot in die Luft. Hingegen fühlt sich ein Amateur, der mehrere Verluste hintereinander einsteckt, häufig derart demoralisiert, dass er keine Order platzieren kann, obwohl sein System ihm ein Kauf- oder Verkaufssignal anzeigt. Wenn der Börsenhandel dazu führt, dass man sich freudig erregt oder ängstlich fühlt, kann man seinen Intellekt nicht in vollem Maße einsetzen. Wenn einen die Freude vom Hocker reißt, tätigt man irrationale Trades und macht Verlust. Wenn einen die Angst im Griff hat, verpasst man profitable Trades.

Ein Seemann, dessen Schiff von den Winden des Ozeans gepeitscht wird, refft die Segel und verkleinert so die Segelfläche. Das erste Mittel eines Traders, der vom Markt gepeitscht wird, besteht darin, die Größe seiner Trades zu verringern. In der Lernphase oder wenn man unter Stress steht, sollte man nur kleine Positionen traden.

Ein professioneller Trader benutzt seinen Kopf und bleibt ruhig. Nur Amateure geraten in Begeisterung oder Niedergedrücktheit. Emotionales Trading ist ein Luxus, den sich niemand leisten kann.

Emotionales Trading

Die meisten Menschen sehnen sich nach Aufregung und Unterhaltung. Sänger, Schauspieler und Profisportler beziehen höhere Einkommen als so profane Berufstätige wie Ärzte, Piloten oder Professoren. Die Menschen lieben den Nervenkitzel – sie kaufen Lottoscheine, fliegen nach Las Vegas und bremsen, um bei Verkehrsunfällen zu gaffen.

Emotionales Trading kann hochgradig süchtig machen. Selbst Menschen, die am Markt Geld verlieren, bekommen dafür einen fantastischen Unterhaltungswert.

Die Börse ist Zuschauersport und Teilnehmersport in einem. Stellen Sie sich vor, Sie würden zu einem Major-League-Baseballspiel gehen, bei dem sie nicht auf die billigen Plätze beschränkt wären. Für ein paar Hundert Dollar dürften Sie auf das Spielfeld laufen und mitspielen. Und wenn Sie den Ball glücklich träfen, würden Sie dafür bezahlt wie ein Profi.

Bei den ersten Malen werden Sie es sich wahrscheinlich zweimal überlegen, ob Sie aufs Feld gehen. Diese vorsichtige Einstellung ist für das wohlbekannte „Anfängerglück“ verantwortlich. Wenn ein Anfänger den Ball ein paarmal gut getroffen und seine Bezahlung bekommen hat, kommt er wahrscheinlich auf den Gedanken, er sei so gut wie die Profis oder gar noch besser und könne mit dem Spiel seinen Lebensunterhalt verdienen. Gierige Amateure rennen nun zu oft auf das Spielfeld, selbst wenn es keine guten Spielchancen gibt. Bevor sie wissen, wie ihnen geschieht, vernichtet eine kurze Verluststrähne ihre Depots.

Der Markt gehört zu den unterhaltsamsten Orten der Erde, aber emotionale Entscheidungen sind dort tödlich. Falls Sie jemals eine Rennbahn besuchen, drehen Sie sich einmal um und beobachten Sie statt der Pferde die Menschen. Spieler stampfen mit den Füßen, springen auf und nieder, sie brüllen Pferde und Jockeys an. Tausende Menschen leben ihre Emotionen aus. Gewinner umarmen einander, Verlierer zerreißen empört ihre Wettscheine. Die Freude, das Leid und die Intensität des Wunschdenkens sind Karikaturen des Geschehens an den Märkten. Ein Wettspieler mit kühlem Kopf, der von Pferdewetten lebt, regt sich nicht auf, brüllt nicht und verwettet nicht sein gesamtes Geld auf ein Rennen oder auch nur an einem Tag.1

Casinos lieben Betrunkene. Sie spendieren Glücksspielern Getränke, damit sie emotionaler werden und gewagter spielen. Und die Casinos werfen ruhige, intelligente Kartenzähler hinaus. An der Wall Street gibt es zwar weniger kostenlosen Alkohol als im Casino, aber wenigstens wird man dort nicht deswegen hinausgeworfen, weil man ein guter Trader ist.

Verantwortung für das eigene Leben

Wenn sich ein Affe an einem Baumstumpf schmerzhaft den Fuß stößt, bekommt er einen Wutanfall und tritt gegen das Stück Holz. Als Mensch lacht man den Affen aus, aber lacht man sich auch selbst aus, wenn man sich so benimmt wie er? Wenn der Markt fällt, während man eine Long-Position hält, kann man entweder den Verlusttrade aufstocken oder eine Kehrtwende vollziehen und in dem Versuch, den Verlust wieder hereinzuholen, short gehen. Das bedeutet, dass man emotional handelt, anstatt seinen Verstand einzusetzen. Worin unterscheidet sich ein Trader, der versucht, sich am Markt zu rächen, von einem Affen, der gegen einen Baumstumpf tritt? Wenn man aus Wut, Angst oder Begeisterung handelt, macht man seine Erfolgschancen zunichte. Anstatt seine Gefühle auszuleben muss man sein Verhalten analysieren.

Man wird wütend auf den Markt, man bekommt Angst vor dem Markt und kommt auf dämliche abergläubische Ideen. Der Markt jedoch durchläuft stetig seine Zyklen, nach oben und nach unten, wie ein Ozean, der Stürme und Flauten durchmacht. Mark Douglas schreibt in „Der disziplinierte Trader“, am Markt gebe es „keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende – nur das, was man in seinem eigenen Geist erschafft. Selten lernt jemand in seiner Jugend, in einer Arena zu operieren, die vollständige Freiheit des kreativen Ausdrucks gestattet, ohne dass eine äußere Struktur dies irgendwie einschränken würde.“

Wenn man versucht, dem Markt gut zuzureden oder ihn zu manipulieren, dann handelt man wie der Großkönig Xerxes, der seinen Soldaten befahl, das Meer auszupeitschen, weil es seine aus zahlreichen Schiffen bestehende Schwimmbrücke zerstört hatte. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, wie manipulativ sie sind, wie sehr sie feilschen und ihre Gefühle ausleben. Die meisten betrachten sich als Mittelpunkt des Universums und erwarten, dass jede Person oder Personengruppe ihnen gut oder böse gesinnt sei. Am Markt funktioniert das nicht, denn er ist vollkommen unpersönlich.

Leston Havens, Psychiater an der Harvard University, schreibt: „Kannibalismus und Sklavenhaltung sind wahrscheinlich die ältesten Manifestationen von Räuber-Beute-Verhalten und Unterwerfung. Zwar ist beides heutzutage geächtet, doch ihr Fortbestand in psychischer Form zeigt, dass es der Zivilisation sehr erfolgreich gelungen ist, vom Konkreten und Physischen zum Abstrakten und Psychologischen fortzuschreiten, obwohl sie den gleichen Zwecken verhaftet ist.“ Eltern drohen ihren Kindern, böse Buben schlagen sie und Lehrer versuchen, ihren Willen zu brechen. Da ist es kein Wunder, dass sich die meisten Menschen in jungen Jahren entweder in einen Kokon verkriechen oder zur Notwehr lernen, andere zu manipulieren. Unabhängiges Handeln kommt einem nicht natürlich vor – es ist aber die einzige Möglichkeit, am Markt erfolgreich zu sein.

Douglas warnt: „Wenn einem das Verhalten des Marktes rätselhaft vorkommt, dann liegt das daran, dass das eigene Verhalten rätselhaft und nicht beherrschbar ist. Man kann natürlich nicht ermitteln, was der Markt wahrscheinlich als Nächstes tun wird, wenn man nicht einmal weiß, was man selbst als Nächstes tun wird.“ Letztlich gilt: „Das Einzige, was man kontrollieren kann, ist man selbst. Es steht in der Macht eines Traders, entweder sich selbst Geld zu verschaffen oder sein Geld an andere Trader abzugeben.“ Und weiter: „Diejenigen Trader, denen es gelingt, konsequent Geld zu verdienen … gehen aus dem Blickwinkel einer geistigen Disziplin an das Trading heran.“

Jeder hat seine eigenen Dämonen, die er auf dem Weg zum erfolgreichen Trader austreiben muss. Es folgen nun Regeln, die bei mir funktionierten, als ich mich von einem blutigen Amateur zunächst zum unsteten Halbprofi und schließlich zum ruhigen, professionellen Trader entwickelte. Sie können die Aufzählung auf Ihre Persönlichkeit abstimmen.

1. Beschließen, dass man auf lange Sicht am Markt ist – dass man also auch noch in 20 Jahren Trader sein will.

2. So viel lernen, wie man kann. Lesen und auf Experten hören, aber bei allem eine gesunde Portion Skepsis walten lassen. Fragen stellen und den Experten nicht aufs Wort glauben.

3. Nicht gierig werden und sich nicht in das Trading stürzen – man muss sich Zeit zum Lernen nehmen. Die Märkte werden auch in späteren Monaten und Jahren noch da sein und weitere gute Chancen bieten.

4. Eine Methode für die Marktanalyse entwickeln – also „Wenn A passiert, dann passiert wahrscheinlich auch B“. Die Märkte haben viele Dimensionen – verwenden Sie zur Bestätigung von Trades mehrere Analysemethoden. Überprüfen Sie alles anhand historischer Daten und dann mit richtigem Geld an den Märkten. Die Märkte verändern sich ständig – man braucht unterschiedliche Werkzeuge für den Handel in Bullen- und Bärenmärkten, in Übergangsphasen sowie eine Methode, um den Unterschied zu erkennen (siehe die Kapitel über Technische Analyse).

5. Einen Plan für das Money-Management entwickeln. Das oberste Ziel muss das langfristige Überleben sein, das zweite Ziel stetiges Kapitalwachstum und das dritte hohe Gewinne. Die meisten Trader setzen das dritte Ziel an die erste Stelle und wissen gar nicht, dass es das erste und das zweite Ziel gibt (siehe Kapitel 9, „Risikomanagement“).

6. Sich der Tatsache bewusst sein, dass bei allen Handelssystemen der Trader das schwächste Glied in der Kette ist. Gehen Sie zu einem Meeting der Anonymen Alkoholiker, um zu lernen, Verluste zu vermeiden, oder entwickeln Sie eine eigene Methode für den Ausschluss impulsiver Trades.

7. Gewinner denken, fühlen und handeln anders als Verlierer. Man muss in sich selbst hineinschauen, seine Illusionen abstreifen und seine alten Daseins-, Denk- und Handlungsweisen ändern. Sich zu ändern ist schwer, aber wenn man professioneller Trader sein will, muss man daran arbeiten, sich zu ändern und seine Persönlichkeit zu entwickeln.

Um zum Erfolg zu gelangen, braucht man Antrieb, Wissen und Disziplin. Geld ist zwar wichtig, aber nicht so wichtig wie diese Qualitäten. Wenn Ihr Antrieb reicht, um dieses Buch durchzuarbeiten, werden Sie viel Wissen erwerben und dann werden wir gemeinsam den Kreis schließen, indem wir in den letzten Kapiteln noch einmal auf das Thema Disziplin zu sprechen kommen.

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1In meinem Geldbeutel steckt eine lebenslange kostenlose Freikarte für die New Yorker Pferderennbahn Belmont Park, die meinem inzwischen verstorbenen großartigen Freund Lou Taylor gehörte. Sie sieht aus wie ein Mitarbeiterausweis, aber unter „Position“ steht „Gewinner“. Er hat viele Handicap-Meisterschaften gewonnen und verdiente bis wenige Monate vor seinem Tod auf der Rennbahn Geld.

TEIL 2
Massenpsychologie

Die Wall Street ist nach einer Mauer benannt, die landwirtschaftliche Nutztiere davon abhielt, von der Siedlung an der Südspitze von Manhattan auszubüxen. Das landwirtschaftliche Erbe lebt in der Sprache der Trader weiter. Vier Tiere werden an der Wall Street besonders oft genannt: Bullen und Bären, Schweine und Schafe. Die Trader sagen: „Bullen verdienen Geld, Bären verdienen Geld, aber Schweine werden geschlachtet.“

Ein Bulle stößt im Kampf mit den Hörnern nach oben. Ein Bulle ist ein Käufer – jemand, der auf eine Erholung setzt und von einem Kursanstieg profitiert. Ein Bär schlägt im Kampf mit den Tatzen nach unten. Ein Bär ist ein Verkäufer – jemand der auf einen Rückgang setzt und von einem Kursverfall profitiert.1

Schweine sind gierig. Manche von ihnen kaufen oder verkaufen Positionen, die für ihre Depots zu groß sind, und werden dann von einer kleinen Bewegung in die falsche Richtung „geschlachtet“. Andere Schweine bleiben zu lange in ihren Positionen – sie warten auch dann noch auf Gewinne, wenn der Trend schon gewendet hat. Schafe folgen passiv und furchtsam Trends, Tipps und Gurus. Manchmal setzen sie sich Stierhörner auf oder legen ein Bärenfell an und versuchen sich aufzuspielen. Man erkennt sie daran, dass sie kläglich blöken, wenn der Markt zu schwanken beginnt.

Immer wenn die Märkte geöffnet sind, kaufen Bullen, verkaufen Bären, Schweine und Schafe werden niedergetrampelt und die unentschlossenen Trader warten an der Seitenlinie ab. Bildschirme auf der ganzen Welt zeigen einen stetigen Strom der aktuellen Preise aller Trading-Vehikel. Tausende von Augen sind auf jeden Preis gerichtet und die Menschen treffen Trading-Entscheidungen.

11. Was ist ein Preis?

Die Trader lassen sich in drei Gruppen aufteilen: Käufer, Verkäufer und Unentschlossene. Die Käufer wollen so wenig wie möglich bezahlen und die Verkäufer wollen so viel wie möglich kassieren. Dieses ständige Gegeneinander schlägt sich in den Geld-Brief-Spannen nieder, die in der Einführung besprochen wurden. Der Briefkurs ist der Preis, den ein Verkäufer für seine Ware verlangt. Der Geldkurs ist das, was ein Käufer für diese Ware bietet.

Ein Käufer hat die Wahl: abwarten, bis der Preis fällt, oder bezahlen, was die Käufer verlangen. Ein Verkäufer hat eine ähnliche Wahl: warten, bis der Preis steigt, oder ein niedrigeres Gebot für seine Ware annehmen.

Ein Trade kommt zustande, wenn zwei Absichten kurzzeitig zusammentreffen: Ein kauflustiger Bulle geht auf die Bedingungen eines Verkäufers ein und bezahlt ein bisschen mehr oder ein verkaufslustiger Bär geht auf die Bedingungen eines Käufers ein und verkauft ein bisschen billiger.

Durch die vorhandenen unentschlossenen Trader entsteht Druck auf Bullen und Bären. Käufer und Verkäufer agieren schnell, weil sie wissen, dass sie von einer Menge unentschiedener Trader umgeben sind, die jederzeit zuschlagen und ihnen den Deal wegschnappen können.

Der Käufer weiß, wenn er zu lange überlegt, kann ein anderer Trader auftreten und vor ihm kaufen. Ein Verkäufer weiß, wenn er versucht, bis zu einem höheren Preis durchzuhalten, kann ein anderer Trader auftreten und zu einem niedrigeren Preis verkaufen. Die Menge der unentschlossenen Trader sorgt dafür, dass Käufer und Verkäufer eher bereit sind, mit ihren Kontrahenten zu handeln. Ein Handelsgeschäft kommt dann zustande, wenn zwei Absichten kurzzeitig zusammentreffen.

Einigkeit über den Wert

Jeder Tick auf der Kursanzeige stellt einen Geschäftsabschluss zwischen einem Käufer und einem Verkäufer dar.

Käufer kaufen, weil sie erwarten, dass der Preis steigen wird. Verkäufer verkaufen, weil sie erwarten, dass der Preis fallen wird. Umgeben sind Käufer und Verkäufer von Massen unentschlossener Trader, die dadurch Druck auf sie ausüben, dass sie selbst zu Käufern oder Verkäufern werden könnten.

Die Kauftätigkeit der Bullen schiebt Märkte nach oben, die Verkaufstätigkeit der Bären drückt sie nach unten und die unentschlossenen Trader sorgen dafür, dass alles schneller geschieht, indem sie bei Käufern und Verkäufern ein Gefühl der Dringlichkeit auslösen.

Die Trader kommen aus der ganzen Welt auf den Markt: persönlich, mittels Computer oder über ihre Broker. Jeder hat die Chance, zu kaufen und zu verkaufen. Jeder Preis ist eine kurzzeitige Einigung aller Marktteilnehmer auf den Wert, die sich in Form einer Handlung äußert. Die Preise entstehen durch Massen von Tradern – Käufer, Verkäufer und Unentschlossene. Die Verlaufsmuster von Preis und Handelsvolumen geben die Massenpsychologie der Märkte wieder.

Verhaltensmuster

An den Aktien-, Rohstoff- und Optionsbörsen handeln riesige Menschenmassen. Großes Geld und kleines Geld, kluges Geld und dummes Geld, institutionelles Geld und privates Geld, langfristig und kurzfristig orientierte Trader – sie alle treffen an den Börsen zusammen. Jeder Preis stellt eine kurzzeitige Einigung auf den Wert zwischen Käufern, Verkäufern und Unentschlossenen zum Zeitpunkt der Transaktion dar. Hinter jedem Muster auf dem Bildschirm steht eine Menge von Tradern.

Der Wert, auf den sich die Masse einigt – ihr Wertkonsens –, ändert sich von einem Augenblick zum nächsten. Manchmal kommt die Einigung in einem sehr zurückhaltenden Umfeld zustande, zu anderen Zeiten gerät das Umfeld in wilde Aufregung. In ruhigen Zeiten ändern sich Kurse in kleinen Schritten. Wenn eine Masse verschreckt oder euphorisch ist, bewegen sich die Kurse sprunghaft. Stellen Sie sich vor, auf einem sinkenden Schiff würde eine Schwimmweste versteigert – solche Sprünge vollführt ein Preis, wenn Massen von Tradern einen Trend emotional zu sehen beginnen. Ein schlauer Trader ist darauf aus, in ruhigen Zeiten in den Markt einzusteigen und in wilden Zeiten Gewinne mitzunehmen. Das ist natürlich exakt das Gegenteil des Verhaltens von Amateuren: Wenn die Preise zu galoppieren beginnen, springen sie hinein oder heraus, aber wenn sie sich verschlafen entwickeln, langweilt sie das und sie haben kein Interesse.

Chartmuster geben die Ausschläge der Massenpsychologie an den Finanzmärkten wieder. Jeder Handelstag ist eine Schlacht zwischen Bullen, die bei steigenden Preisen Geld verdienen, und Bären, die von sinkenden Preisen profitieren. Ziel eines ernsthaften Technischen Analysten ist es, das Machtgleichgewicht zwischen Bullen und Bären zu ermitteln und auf diejenige Gruppe zu setzen, die gewinnt. Wenn die Bullen viel stärker sind, sollte man kaufen und halten. Wenn die Bären viel stärker sind, sollte man verkaufen und shorten. Sind beide Lager etwa gleich stark, hält sich ein kluger Trader heraus. Er lässt die Bullen und die Bären gegeneinander kämpfen und steigt in einen Trade erst dann ein, wenn er ziemlich sicher zu wissen glaubt, welche Seite wahrscheinlich gewinnen wird.

Kurs und Volumen spiegeln zusammen mit den Indikatoren, die sie verfolgen, das Verhalten der Masse wider. Die Technische Analyse hat Ähnlichkeiten mit Meinungsumfragen. Beide verbinden Wissenschaft und Kunst miteinander: Zum Teil sind sie wissenschaftlich, denn sie verwenden statistische Methoden und Computer; zum Teil sind sie aber auch künstlerisch, denn bei der Interpretation der Ergebnisse setzt man persönliches Urteilsvermögen und persönliche Erfahrung ein.

12. Was ist der Markt?

Welche Wirklichkeit steht hinter Börsenkursen, Zahlen und Diagrammen? Wenn man in der Zeitung Kurse nachschaut, wenn man auf dem Bildschirm Ticks beobachtet oder wenn man einen Chart eines Indikators ausdruckt, was betrachtet man da eigentlich? Was ist der Markt, den man analysieren und an dem man handeln will?

Amateure tun so, als wäre der Markt ein gigantisches Happening, ein Mannschaftsspiel, bei dem sie sich den Profis anschließen und damit Geld verdienen können. Trader mit naturwissenschaftlichem oder technischem Hintergrund betrachten den Markt oft als physikalisches Ereignis und wenden darauf die Grundsätze der Signalverarbeitung, der Rauschunterdrückung und so weiter an. Im Gegensatz dazu wissen alle professionellen Trader sehr gut, dass der Markt eine riesige Menschenmasse ist.

Jeder Trader versucht, den anderen Geld abzunehmen, indem er besser als sie die wahrscheinliche Entwicklungsrichtung des Marktes errät. Die Masse der Marktteilnehmer lebt auf verschiedene Kontinente verteilt, aber die moderne Telekommunikation bringt sie in dem Gewinnstreben auf Kosten anderer zusammen. Der Markt ist eine riesige Menschenmasse. Jedes Mitglied dieser Masse versucht, den anderen Geld abzunehmen, indem es sie überlistet. Der Markt ist das raueste Umfeld, das man sich denken kann, denn jeder ist gegen einen und man selbst ist gegen alle anderen.

Aber der Markt ist nicht nur rau – man muss auch noch jedes Mal bezahlen, wenn man ihn betritt oder ihn verlässt. Bevor man auch nur einen Groschen einnimmt, muss man die Hürden der Gebühren und der Slippage überwinden. Sobald man eine Order aufgibt, schuldet man dem Broker eine Gebühr – man ist ab Spieleintritt im Rückstand. Die Marketmaker versuchen einem Slippage aufzuhalsen, wenn es an die Ausführung der Order geht. Und sie wollen einem noch einmal etwas abknöpfen, wenn man aussteigt. Beim Trading tritt man gegen einige der klügsten Köpfe der Welt an und muss gleichzeitig die Piranhas der Gebühren und der Slippage abwehren.

Weltweite Massen

In früheren Zeiten waren die Märkte klein und viele Marktteilnehmer kannten einander. Die New York Stock Exchange wurde 1792 von zwei Dutzend Brokern als Club gegründet. An sonnigen Tagen versammelten sie sich unter einer Amerikanischen Platane, bei schlechtem Wetter wichen sie in die „Fraunces Tavern“ aus. Sobald diese Broker die New York Stock Exchange gegründet hatten, halsten sie der Allgemeinheit fixe Gebühren auf, die 180 Jahre lang erhalten blieben.

Heutzutage sind die letzten noch verbliebenen Parketthändler bereits Auslaufmodelle. Die meisten Trader sind elektronisch mit der Börse verbunden. Da aber alle auf ihren Bildschirmen dieselben Kurse sehen und in den Finanzmedien dieselben Artikel lesen, sind sie Angehörige der Marktmasse – auch wenn sie Tausende Kilometer voneinander entfernt wohnen. Durch die moderne Telekommunikation wird die Welt immer kleiner, während die Märkte wachsen. Die Euphorie Londons schwappt nach New York hinüber und die gedrückte Stimmung in Tokio steckt Frankfurt an. Wenn man den Markt analysiert, betrachtet man Massenverhalten. Massen verhalten sich in verschiedenen Kulturen auf verschiedenen Kontinenten gleich. Sozialpsychologen haben mehrere Gesetze aufgedeckt, die für das Verhalten von Massen gelten, und als Trader muss man sie verstehen, damit man sieht, wie sich die Marktmasse auf einen auswirkt.

Gruppen, nicht Individuen

Die meisten Menschen verspüren einen starken Drang, sich der Masse anzuschließen und sich „zu verhalten wie alle anderen“. Dieser urtümliche Drang trübt das Urteilsvermögen, wenn man einen Trade platziert. Ein erfolgreicher Trader muss eigenständig denken. Er muss stark genug sein, um den Markt allein zu analysieren und seine eigenen Trading-Entscheidungen umzusetzen.

Massen sind mächtig genug, um Trends zu erzeugen. Die Masse mag nicht die hellste sein, sie ist aber stärker als jeder von uns. Widersetzen Sie sich niemals einem Trend! Zeigt der Trend nach oben, sollte man nur kaufen oder sich heraushalten. Verkaufen Sie niemals nur deshalb leer, weil „die Kurse zu hoch sind“ – streiten Sie nie mit der Menge. Man muss nicht mit den Wölfen heulen – aber man sollte sich ihnen auch nicht entgegenstellen.

Respektieren Sie die Stärke der Masse – aber fürchten Sie sie nicht. Menschenmassen sind mächtig, aber primitiv, ihr Verhalten ist simpel und wiederholt sich. Ein Trader, der eigenständig denkt, kann den Mitgliedern der Masse Geld abnehmen.

Wo das Geld herkommt

Fragen Sie sich manchmal, wo die Gewinne, die Sie erwarten, eigentlich herkommen? Befindet sich Geld im Markt, weil die Unternehmen höhere Gewinne erzielen, weil die Zinsen niedriger sind oder weil die Sojabohnenernte gut ausgefallen ist? Der einzige Grund, aus dem sich Geld im Markt befindet, ist, dass andere Trader es hineingesteckt haben. Das Geld, das Sie verdienen wollen, gehört anderen Menschen, die nicht die Absicht haben, es Ihnen zu schenken.

Traden bedeutet, dass man versucht, anderen Menschen Geld abzunehmen, während diese versuchen, es einem selbst abzunehmen – deshalb ist das solch ein hartes Geschäft. Besonders erschwert wird das Gewinnen dadurch, dass auch noch die Broker und die Parketthändler sowohl den Gewinnern als auch den Verlierern Geld abnehmen.

Tim Slater verglich das Trading mit einem mittelalterlichen Kampf. Damals ging ein Mann mit seinem Schwert auf den Kampfplatz und versuchte, seinen Gegner zu töten, der seinerseits versuchte, ihn zu töten. Der Sieger nahm die Waffen des Verlierers, seine Habe und seine Frau, und die Kinder verkaufte er als Sklaven. Heutzutage begibt man sich nicht mehr auf einen offenen Kampfplatz, sondern an eine Börse. Wenn man einem Menschen Geld abnimmt, dann ist das nicht sehr viel anders, als wenn man sein Blut vergießt. Er verliert womöglich sein Haus, seine Habe und seinen Partner und seine Kinder müssen leiden.

Ein optimistischer Freund von mir spottete einmal, auf diesem Schlachtfeld gebe es viele schlecht vorbereitete Menschen: „90 bis 95 Prozent der Broker haben nicht die geringste Ahnung von Research. Sie wissen nicht, was sie tun. Wir hingegen haben dieses Wissen und ein paar arme Leute, die es nicht haben, spenden einfach ihr Geld für einen guten Zweck.“ Diese Theorie klingt gut, aber mein Freund merkte bald, dass sie falsch ist – leicht verdientes Geld gibt es am Markt nicht.

Natürlich gibt es dort eine Menge einfältiger Schafe, die darauf warten, geschoren oder geschlachtet zu werden. Sie sind eine leichte Beute – aber wenn man ein Stückchen von ihrem Fleisch will, muss man gegen sehr gefährliche Konkurrenten ankämpfen. Es gibt fiese Profis: amerikanische Revolverhelden, englische Ritter, deutsche Landsknechte, japanische Samurai und andere Krieger, die alle hinter den gleichen unglücklichen Schafen her sind. Trading bedeutet, gegen feindselige Menschen zu kämpfen und dabei auch noch für das Vorrecht zu bezahlen, dass man in den Kampf eintreten und ihn wieder verlassen darf – egal, ob lebend, verwundet oder tot.

Insiderinformationen

Es gibt mindestens eine Gruppe von Menschen, die Informationen früher bekommen als unsereins. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass die Unternehmensinsider als Gruppe betrachtet am Aktienmarkt konsequent Gewinn erzielen. Und dabei geht es nur um rechtmäßige Geschäfte, die die Insider an die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission melden. Diese bilden aber nur die Spitze des Eisbergs – denn es gibt auch einen umfangreichen unrechtmäßigen Insiderhandel.

Menschen, die anhand von Insiderinformationen handeln, stehlen unser Geld. Insiderprozesse haben einige berühmt-berüchtigte Insider ins Gefängnis gebracht. Die Verurteilungen wegen Insiderhandel setzen sich stetig fort, besonders nachdem Bullenmärkte zusammenbrechen. Nach dem Debakel 2008 wurde eine Gruppe von Führungskräften des Hedgefonds Galleon Group unter Führung des CEOs zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt, während ein ehemaliges Verwaltungsratsmitglied mehrerer führender US-Konzerne zwei Jahre hinter Gitter kam, und vor Kurzem wurde ein Vermögensverwalter von SAC Capital verurteilt.

Die Menschen, die bei Insiderprozessen verurteilt wurden, wurden erwischt, weil sie gierig und unvorsichtig geworden waren. Die Spitze des Eisbergs wurde abrasiert, aber der Großteil schwimmt weiter und kann jedes Depot heimsuchen, das mit ihm in Berührung kommt.

Der Versuch, den Insiderhandel zurückzudrängen, ist wie der Versuch, auf einem Bauernhof die Ratten loszuwerden. Gift hält sie unter Kontrolle, rottet sie aber nicht aus. Ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Unternehmens hat mir einmal erklärt, ein kluger Mann trade nicht anhand von Insiderinformationen, sondern gebe sie an seine Golfkumpels im Country Club weiter. Diese geben ihnen später Informationen über ihre Unternehmen, sodass beide etwas davon haben, ohne dass es auffällt. Das Insidernetzwerk ist sicher, solange sich seine Mitglieder an die gleichen Verhaltensregeln halten und nicht zu gierig werden. An den Terminmärkten ist Insiderhandel legal und bis vor Kurzem war er auch für Kongressabgeordnete, Senatoren und ihre Mitarbeiter legal.

Charts geben alle Trades aller Marktteilnehmer wieder – auch die der Insider. Sie hinterlassen genau wie alle anderen ihre Fußabdrücke in den Charts – und unsere Aufgabe als technische Analysten ist es, ihnen auf dem Weg zur Bank zu folgen. Die Technische Analyse kann einem helfen, Käufe und Verkäufe von Insidern zu erkennen.

13. Die Trader-Szene

Die Menschen treiben seit dem Morgenrot der Geschichte Handel – es war sicherer, mit den Nachbarn zu handeln, als sie zu überfallen. Während sich die Gesellschaft weiterentwickelte, wurde Geld zum Tauschmittel. Aktien- und Rohstoffmärkte zählten zu den Kennzeichen einer fortgeschrittenen Gesellschaft. Eine der entscheidenden wirtschaftlichen Entwicklungen in Osteuropa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war die Einrichtung von Aktien- und Rohstoffbörsen.

Heute gibt es rund um den Erdball Märkte für Aktien, Futures und Optionen. Der italienische Händler Marco Polo benötigte im Spätmittelalter 15 Jahre, um nach China und wieder zurück zu reisen. Wenn heutzutage ein europäischer Händler in Hongkong Gold kaufen will, kann seine Order innerhalb von Sekunden ausgeführt werden. Es gibt auf der Welt Hunderte von Aktien- und Futures-Börsen. Alle Börsen müssen drei Kriterien erfüllen, die erstmals auf den Agoras des alten Griechenlands und den mittelalterlichen Handelsmessen in Westeuropa entwickelt wurden: ein festgelegter Ort, Regeln für die Einstufung von Waren und festgelegte Vertragsbedingungen.

Private Trader

Privatanleger begeben sich normalerweise an die Börse, nachdem sie eine erfolgreiche berufliche oder freiberufliche Laufbahn absolviert haben. Der durchschnittliche private Futures-Trader in den Vereinigten Staaten ist ein 50-jähriger verheirateter Mann mit College-Abschluss. Die beiden unter den Terminhändlern am stärksten vertretenen Berufsgruppen sind Farmer und Ingenieure.

Die meisten Menschen traden aufgrund einer Mischung aus rationalen und irrationalen Gründen. Zu den rationalen Gründen gehört der Wunsch, mit seinem Kapital eine hohe Rendite zu erzielen. Zu den irrationalen Gründen zählen Glücksspiel und die Suche nach etwas Aufregendem. Die meisten Trader sind sich ihrer irrationalen Motive nicht bewusst.

Traden zu erlernen erfordert Zeit, Geld und Arbeit. Nur wenige Einzelpersonen erreichen das Niveau von Profis, die vom Trading leben können. Profis nehmen ihre Tätigkeit sehr ernst. Ihre irrationalen Ziele befriedigen sie außerhalb der Märkte, während Amateure sie am Markt ausleben.

Die wichtigste ökonomische Rolle eines Traders ist, seinen Broker am Leben zu erhalten – damit dieser die Raten für sein Haus bezahlen und seine Kinder auf Privatschulen schicken kann. Die Rolle eines Spekulanten besteht zudem darin, es den Unternehmen zu ermöglichen, sich am Aktienmarkt Kapital zu beschaffen, und darin, an den Rohstoffmärkten preisliche Risiken zu übernehmen, damit sich die Produzenten auf die Produktion konzentrieren können. Diese hehren ökonomischen Ziele liegen dem Geist eines Spekulanten allerdings fern, wenn er seine Kauf- oder Verkaufsorders platziert.

Institutionelle Trader

Institutionen sind für ein riesiges Handelsvolumen verantwortlich und ihre dicken Brieftaschen verschaffen ihnen mehrere Vorteile. Sie bezahlen die für Institutionen geltenden niedrigen Gebühren. Sie können es sich leisten, die besten Researcher und Trader zu engagieren. Ein Freund von mir, der eine Handelsabteilung einer Bank leitete, richtete sich bei manchen seiner Entscheidungen nach einem Dienst, den eine Gruppe ehemaliger CIA-Beamter anbot. Einige seiner besten Ideen bezog er aus deren Berichten, wobei die beträchtliche Jahresgebühr für seine Firma im Verhältnis zu ihrem riesigen Handelsvolumen Kleinvieh war. Die meisten privaten Trader haben keine solchen Möglichkeiten.

Manche Großunternehmen haben nachrichtendienstliche Netzwerke, die sie in die Lage versetzen, vor der Allgemeinheit zu handeln. Eines Tages, als die Öl-Futures als Reaktion auf einen Brand auf einer Bohrinsel in der Nordsee stiegen, rief ich einen Freund bei einer Ölfirma an. Der Markt war wie rasend, aber er freute sich, dass er eine halbe Stunde vor der Kursexplosion Öl-Futures gekauft hatte. Er hatte von einem Agenten in der Gegend ein Telex über den Brand erhalten, bevor die Berichte über die Nachrichtenagenturen gingen. Zeitnahe Informationen sind unbezahlbar, aber nur ein großes Unternehmen kann sich ein nachrichtendienstliches Netzwerk leisten.

Ein Bekannter von mir, der erfolgreich für eine Investmentbank an der Wall Street tradete, fühlte sich verloren, als er gekündigt hatte, um auf eigene Faust zu traden. Er merkte, dass ihm das Echtzeit-Kursanzeigesystem in seiner Wohnung in der Park Avenue die Meldungen nicht so schnell lieferte wie die Squawk Box in der Handelsabteilung seines früheren Arbeitgebers. Dort hatten ihn Broker aus dem ganzen Land angerufen und ihm die neuesten Ideen mitgeteilt, weil sie Orders von ihm wollten. Er sagte: „Wenn man von zu Hause aus tradet, ist man nie der Erste, der die Neuigkeit erfährt.“

Firmen, die sowohl an den Futures- als auch an den Kassamärkten handeln, haben zwei Vorteile. Sie haben echte Insiderinformationen und sie sind von den Beschränkungen befreit, die an vielen Terminmärkten für spekulative Positionen gelten. Ich habe einmal einen Bekannten bei einem Ölmulti besucht; nachdem ich Sicherheitsbarrieren durchlaufen hatte, die strenger waren als auf einem Flughafen, ging ich durch einen gläsernen Korridor, von dem aus man Räume überblicken konnte, in denen sich Menschenhaufen hektisch um Monitore drängten und mit Öl-Futures handelten. Als ich meinen Gastgeber fragte, ob seine Trader hedgten oder spekulierten, blickte er mir direkt in die Augen und sagte: „Ja.“ Ich fragte noch einmal und bekam die gleiche Antwort. Solche Unternehmen überschreiten mithilfe von Insiderinformationen dauernd die schmale Linie zwischen Hedging und Spekulation. Zusätzlich zu dem Informationsvorsprung haben Mitarbeiter von Trading-Firmen auch noch einen psychologischen Vorteil – sie können entspannter sein, weil nicht ihr eigenes Geld auf dem Spiel steht. Wenn mir junge Leute erklären, dass sie sich für den Wertpapierhandel interessieren, rate ich ihnen, sie sollen sich einen Job bei einer Handelsfirma suchen und mit dem Geld anderer Leute lernen. Solche Firmen stellen fast nie Menschen ein, die älter sind als Mitte 20.

Wie kann eine Privatperson, die später ins Spiel einsteigt, mit Institutionen konkurrieren und gewinnen?

Die Achillesferse der meisten Institutionen ist, dass sie traden müssen, während es einem privaten Trader freisteht, zu handeln oder sich aus dem Markt herauszuhalten. Banken müssen am Anleihemarkt aktiv sein und Getreideproduzenten müssen um fast jeden Preis am Getreidemarkt aktiv sein. Einem privaten Trader steht es hingegen frei, die besten Gelegenheiten abzuwarten.

Die meisten privaten Trader verschenken diesen fantastischen Vorteil, indem sie sich verzetteln und zu viel traden. Wer als Einzelner gegen die Giganten ankommen will, muss Geduld lernen und die Gier loswerden. Bedenken Sie, dass Ihr Ziel darin besteht, gut zu traden, und nicht darin, oft zu traden.

Erfolgreiche institutionelle Händler bekommen Gehaltserhöhungen und Bonuszahlungen. Jemandem, der seiner Firma Millionen einbringt, kann sogar ein hoher Bonus kümmerlich vorkommen. Erfolgreiche institutionelle Händler reden oft davon, zu kündigen und auf eigene Faust zu handeln. Sehr wenige von ihnen schaffen diesen Wechsel.

Die meisten Trader, die Institutionen verlassen, geraten in die Emotionen Angst, Gier und Begeisterung hinein und sie verfallen in Panik, wenn sie erstmals eigenes Geld riskieren. Selten gelingt es ihnen, mit ihren eigenen Depots gut zu traden – ein weiteres Indiz dafür, dass Erfolg oder Misserfolg beim Trading auf Psychologie beruht. Nur wenigen institutionellen Händlern ist klar, in welchem Maße sie ihren Erfolg ihren Vorgesetzten verdanken, die ihre Risikolevels steuern. Wenn man dies auf eigene Faust angeht, muss man sein eigener Vorgesetzter werden – wir werden darauf in einem späteren Kapitel noch einmal zurückkommen, wenn wir uns damit befassen, wie man sein Trading organisiert.

Die Waffenschmiede

Ebenso wie die Ritter im Mittelalter die schärfsten Schwerter kaufen wollten, so wollen die heutigen Trader die besten Trading-Tools kaufen. Die zunehmende Verfügbarkeit guter Software und die sinkenden Handelsgebühren sorgen für ein ebeneres Spielfeld. Mithilfe eines Computers kann man schneller recherchieren und mehr Hinweisen nachgehen. Man kann damit mehr Märkte gründlicher analysieren. Wir werden in Abschnitt 21, „Computereinsatz beim Trading“, noch einmal auf Computer und Software zurückkommen, aber hier ein kurzer Überblick.

Es gibt drei Arten von Trading-Software: Toolboxen, Blackboxes und Gray Boxes. Mit einer Toolbox kann man Daten anzeigen, Charts zeichnen, Indikatoren ausdrucken, ihre Parameter ändern und seine Handelssysteme testen. Toolboxen für Optionshändler beinhalten auch Modelle für die Optionsbewertung. Die Anpassung einer guten Toolbox an die eigenen Bedürfnisse kann so leicht sein, wie wenn man den Fahrersitz eines Autos einstellt.

Im Jahr 1977 kaufte ich die erste Toolbox überhaupt für eine computergestützte Technische Analyse. Sie kostete 1.900 Dollar zuzüglich einer monatlichen Gebühr für den Datendienst. Heute bietet preiswerte und sogar kostenlose Software jedermann problemlos Zugang zu leistungsfähigen Tools. Ich habe die meisten Konzepte in diesem Buch mithilfe von Stockcharts.com illustriert, weil ich wollte, dass mein neues Buch so vielen Tradern wie möglich von Nutzen ist.

Stockcharts.com ebnet das Spielfeld der Trader ein. Es ist klar, intuitiv und hat viele Funktionen. Die Basisversion ist kostenlos, allerdings habe ich die preisgünstige „Mitglieder-Version“ verwendet, damit die Charts eine bessere Qualität haben. Ich erinnere mich noch, wie schwer es am Anfang war, und ich will Ihnen vorführen, wie viel Analyseleistung Sie kostenlos oder zu sehr geringen Kosten bekommen können.

Was in einer Blackbox vor sich geht, ist geheim. Man gibt Daten ein und sie sagt einem, was man wann kaufen oder verkaufen soll. Das ist wie Zauberei – eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, ohne nachzudenken. Blackboxes werden normalerweise anhand hervorragender historischer Erfolgsbilanzen verkauft. Das ist ganz natürlich, denn sie wurden so erstellt, dass sie zu den historischen Daten passen. Die Märkte verändern sich ständig und ständig platzen Blackboxes, aber neue Verlierergenerationen kaufen sie immer wieder. Wenn Sie sich nach einer Blackbox umsehen wollen, bedenken Sie, dass es in Brooklyn jemanden gibt, der eine Brücke zu verkaufen hat.

Gray Boxes sind zwischen Toolboxen und Blackboxes angesiedelt. Solche Softwarepakete werden meistens von prominenten Börsenpersönlichkeiten angeboten. Sie legen die grundsätzliche Logik ihres Systems offen und erlauben die Einstellung einiger Parameter.

Berater

Manche Börsenbriefe beziehungsweise Newsletter bieten nützliche Ideen und verweisen ihre Leser auf Trading-Gelegenheiten. Wenige sind lehrreich. Die meisten verkaufen die Illusion, ein Insider zu sein. Börsenbriefe sind sehr unterhaltsam. Gegen eine Abogebühr verschaffen sie einem einen Brieffreund, der oft amüsante und interessante Briefe schreibt und nie verlangt, dass man sie beantwortet – abgesehen von einer Bestätigung der Verlängerung. Die in den Vereinigten Staaten herrschende Pressefreiheit erlaubt es sogar einem verurteilten Straftäter, online zu gehen und Newsletter mit Finanzberatung zu versenden. Und nicht wenige machen das auch.

Die „Erfolgsbilanzen“ diverser Börsenbriefe sind überwiegend Beispiele für Sinnlosigkeit, denn kaum jemand tätigt alle Trades, die ein solcher Newsletter empfiehlt. Dienstleister, die Börsenbriefe bewerten, sind gewinnorientierte Unternehmungen, die von Kleinunternehmern betrieben werden, deren Wohlergehen vom Wohlergehen der Beratungsbranche abhängt. Gelegentlich kommt es vor, dass ein Ratinganbieter eine Beratungsfirma rügt, aber den größten Teil ihrer Energie verwenden solche Firmen auf lautstarke Lobhudeleien.

Vor Jahrzehnten gab ich selbst einen Börsenbrief heraus: Ich arbeitete hart, lieferte eindeutige Aussagen und bekam gute Ratings. Aus der Innenperspektive sah ich die gewaltigen Möglichkeiten, die Ergebnisse zu frisieren. Das ist ein wohlgehütetes Geheimnis der Beratungsbranche.

Als sich ein prominenter Finanzberater meine Briefe angeschaut hatte, sagte er mir, ich solle weniger Zeit auf Research und mehr auf das Marketing verwenden. Das oberste Prinzip des Börsenbriefschreibers lautet: „Wenn du schon Prognosen abgeben musst, dann am besten ganz viele. Und wenn einmal eine Prognose eintrifft, verdopple die Anzahl der Werbe-E-Mails.“

14. Die Masse der Marktteilnehmer und der einzelne Trader

Märkte sind lose organisierte Menschenmassen, deren Mitglieder darauf wetten, dass Preise steigen oder fallen werden. Da jeder Preis eine Einigung der Masse zum Zeitpunkt der Transaktion darstellt, wetten Trader auf die künftige Meinung und die künftige Stimmung der Masse. Die Masse schwankt stets zwischen Hoffnung und Angst sowie zwischen Gleichgültigkeit, Optimismus und Pessimismus hin und her. Die meisten Menschen halten sich nicht an ihre eigenen Trading-Pläne, weil sie sich von den Gefühlen und Handlungen der Masse mitziehen lassen.

Während am Markt Bullen und Bären einander bekämpfen, steigt oder fällt der Wert der eigenen offenen Positionen in Abhängigkeit von dem, was vollkommen fremde Menschen tun. Man kann die Märkte nicht kontrollieren. Man kann lediglich seine Positionsgröße festlegen und entscheiden, ob und wann man in seine Trades einsteigt oder aus ihnen aussteigt.

Die meisten Trader sind nervös, wenn sie einen Trade eingehen. Nachdem sie sich der Masse angeschlossen haben, trübt sich ihr Urteilsvermögen. Viele Trader, die sich von den Emotionen der Masse vereinnahmen lassen, weichen von ihrem Plan ab und verlieren Geld.

Experten für Menschenmassen

Der schottische Rechtsanwalt Charles Mackay schrieb im Jahr 1841 den Klassiker „Zeichen und Wunder: aus den Annalen des Wahns“. Darin beschrieb er mehrere Beispiele für Massenwahn, unter anderem die Tulpenmanie in Holland im Jahr 1634 und die Südseeblase in England im Jahr 1720.

Der Tulpenwahn begann als Hausse der Preise für Tulpenzwiebeln. Dieser lange Preisanstieg führte bei wohlhabenden Holländern zu der Überzeugung, der Wert von Tulpenzwiebeln werde weiter steigen. Viele gaben ihren Beruf oder ihr Geschäft auf, um Tulpen zu züchten und damit zu handeln oder um Tulpenmakler zu werden. Banken akzeptierten Tulpenzwiebeln als Sicherheit und Spekulanten machten gute Geschäfte. Doch schließlich kollabierte die Manie in mehreren Wellen von Panikverkäufen, Menschen verarmten und die Nation war geschockt. Mackay schrieb seufzend: „Menschen verfallen einem Wahn massenweise und sie kommen erst langsam einer nach dem anderen wieder zur Besinnung.“

Im Jahr 1897 schrieb der französische Philosoph und Politiker Gustave Le Bon das Buch „Psychologie der Massen“. Ein Trader, der es heute liest, sieht in einem mehr als hundert Jahre alten Spiegel sein Spiegelbild.

Le Bon schrieb über Menschen, die sich zu einer Masse versammeln: „Wer immer auch die Menschen sind, aus denen sie sich zusammensetzt, wie ähnlich oder unähnlich einander ihre Lebensweisen, ihre Tätigkeiten, ihr Charakter oder ihre Intelligenz auch sein mögen, die Tatsache, dass sie sich in eine Masse verwandelt haben, verleiht ihr gewissermaßen einen kollektiven Geist, der dazu führt, dass sie in einer Weise empfinden, denken und handeln, die sich sehr von dem unterscheidet, was jeder Einzelne empfinden, denken oder wie er handeln würde, wenn er sich in einem isolierten Zustand befände.“

Wenn sich Menschen einer Masse anschließen, verändern sie sich. Sie werden gutgläubiger und impulsiver, sie suchen ängstlich nach einem Anführer und reagieren auf Emotionen, anstatt ihren Verstand zu benutzen. Eine Person, die in eine Gruppe verwickelt wird, ist weniger als sonst in der Lage, eigenständig zu denken.

Es mag sein, dass Angehörige einer Gruppe ein paar Trends erwischen, aber sie werden vernichtet, wenn Trends drehen. Erfolgreiche Trader denken eigenständig.

Warum sollte man sich einer Masse anschließen?

Seit Anbeginn der Zeit schließen sich Menschen um der Sicherheit willen Massen an. Wenn ein steinzeitlicher Jäger einem Säbelzahntiger begegnete, waren seine Chancen, mit dem Leben davonzukommen, sehr klein, aber wenn die Menschen in Gruppen auf die Jagd gingen, überlebte wahrscheinlich die Mehrheit von ihnen. Einzelgänger wurden getötet und hinterließen weniger Nachkommen. Da Angehörige von Gruppen mit größerer Wahrscheinlichkeit überlebten, ging die Neigung, sich Gruppen anzuschließen, offenbar in unser Erbgut ein.

Unsere Gesellschaft verherrlicht den freien Willen, aber unter der dünnen Fassade der Zivilisation tragen wir viele primitive Impulse in uns. Wir wollen uns um der Sicherheit willen Gruppen anschließen und von starken Anführern geleitet werden. Je größer die Ungewissheit, umso stärker unser Wille, mitzumachen und zu folgen.

In den Schluchten der Wall Street streifen keine Säbelzahntiger umher, aber das finanzielle Überleben ist in Gefahr. Der Wert einer Position steigt und fällt durch die Käufe und Verkäufe von völlig fremden Menschen. Angst kommt auf, weil man die Preise nicht unter Kontrolle hat. Diese Unsicherheit lässt die meisten Trader nach einem Anführer suchen, der ihnen sagt, was sie tun sollen.

Auch wenn man rational beschlossen hat, long oder short zu gehen, wird man in dem Augenblick, in dem man den Trade eingeht, von der Masse aufgesogen. Man verliert nach und nach seine Eigenständigkeit, wenn man mit Adleraugen die Kurse beobachtet und wenn man euphorisch wird, wenn sie sich wie gewünscht entwickeln, oder deprimiert ist, wenn sie gegen einen laufen. Wenn man Verlustpositionen impulsiv aufstockt oder dreht, hat man ein Problem. Man verliert seine Eigenständigkeit, wenn man anfängt, Gurus mehr zu vertrauen als sich selbst, und man sich nicht an den eigenen Trading-Plan hält. Wenn Sie merken, dass Ihnen das passiert, versuchen Sie, wieder zur Vernunft zu kommen. Wenn Sie die Fassung nicht zurückgewinnen können, steigen Sie aus Ihren Trades aus und bleiben Sie neutral.

Die Mentalität der Masse

Wenn sich Menschen Massen anschließen, wird ihr Denken primitiv und sie neigen eher dazu, spontan zu handeln. Massen schlagen von Furcht in Fröhlichkeit um, von Panik in Euphorie. Ein Wissenschaftler kann in seinem Labor cool und rational sein, aber haarsträubende Trades tätigen, nachdem er sich von der Massenhysterie des Marktes hat mitreißen lassen. Eine Gruppe kann einen regelrecht aufsaugen, ob man nun von einem überfüllten Brokerbüro aus oder von einem entlegenen Berggipfel aus tradet. Wenn man seine Trading-Entscheidungen von anderen beeinflussen lässt, gehen die Erfolgschancen in Rauch auf.

Für einen prähistorischen Jäger war die Gruppenloyalität überlebenswichtig. Ein Gewerkschaftsbeitritt kann einem inkompetenten Arbeitnehmer, der keine Leistung bringt, sogar den Job retten. Am Markt ist das anders: Sich einer Gruppe anzuschließen schadet einem eher.

Viele Trader sind verwirrt, wenn die Märkte sofort drehen, nachdem sie eine verlustbringende Position abgestoßen haben. Das passiert, weil die Angehörigen der Masse von der gleichen Furcht ergriffen sind – und alle stoßen ihre Positionen gleichzeitig ab. Sobald der Verkaufsschub vorbei ist, bleibt dem Markt nur noch die Richtung nach oben. Am Markt hält wieder Optimismus Einzug, die Masse vergisst ihre Angst, sie wird gierig und gerät erneut in einen Kaufrausch.

Die Masse ist größer und stärker als man selbst. Egal, wie intelligent man ist, man darf nicht mit der Masse streiten. Man hat nur eine Wahl – sich der Masse anschließen oder eigenständig handeln.

Massen sind primitiv und auch die Trading-Strategien sollten simpel sein. Um eine gewinnbringende Trading-Strategie zu konstruieren, braucht man kein Raketenwissenschaftler zu sein. Wendet sich der Trade gegen einen, muss man seine Verluste begrenzen und sich aus dem Staub machen. Legen Sie sich nie mit der Masse an – setzen Sie einfach Ihr Urteilsvermögen ein, um zu entscheiden, wann Sie mitmachen und wann Sie weglaufen.

Ihre menschliche Natur verleitet Sie dazu, unter Stress Ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Wenn Sie einen Trade eingegangen sind, verspüren Sie den Wunsch, andere nachzuahmen und objektive Signale zu übersehen. Deshalb müssen Sie Ihr Handelssystem und Ihre Regeln für das Money-Management schriftlich festhalten. Sie stellen Ihre rationalen, individuellen Entscheidungen dar, die Sie getroffen haben, bevor Sie einen Trade eingegangen sind.

Wer übernimmt die Führung?

Ein unerfahrener Trader kann intensive Freude empfinden, wenn sich die Kurse in die gewünschte Richtung bewegen. Er kann wütend, deprimiert und ängstlich werden, wenn sich die Kurse gegen ihn wenden, und dann verängstigt abwarten, was der Markt als Nächstes tun wird. Wenn sich Trader gestresst oder bedroht fühlen, werden sie zu Angehörigen der Masse. Unter dem Hagel der Emotionen verlieren sie ihre Eigenständigkeit und fangen an, andere Mitglieder der Gruppe nachzuahmen, vor allem den Anführer der Gruppe.

Wenn Kinder Angst haben, wollen sie von ihren Eltern und anderen Erwachsenen gesagt bekommen, was sie tun sollen. Diese Haltung übertragen sie auf Lehrer, Ärzte, Pfarrer, Chefs und diverse Fachleute. Trader wenden sich Gurus zu, Anbietern von Handelssystemen, Zeitungskolumnisten und anderen „Marktführern“. Aber wie es Tony Plummer in seinem Buch „Forecasting Financial Markets“ so glänzend dargelegt hat, ist die wichtigste führende Kraft am Markt der Preis.

Der Preis ist der Anführer der Börsenmassen. Trader in aller Welt verfolgen die Upticks und Downticks. Es ist, als würde der Preis den Tradern sagen: „Folge mir, dann zeige ich dir den Weg zum Reichtum.“ Die meisten Trader halten sich selbst für unabhängig. Nur wenige begreifen, wie sehr sie sich auf das Verhalten des Anführers ihrer Gruppe konzentrieren.

Ein Trend, der zu den eigenen Gunsten verläuft, steht für einen starken, großzügigen Elternteil, der einen zu einer Mahlzeit ruft. Ein Trend, der gegen einen läuft, fühlt sich an wie ein wütender, strafender Elternteil. Wenn einen solche Gefühle erfassen, kann man leicht objektive Signale übersehen, die einem sagen, dass man an einem Trade festhalten oder aus ihm aussteigen sollte. Man kann glücklich oder erschrocken sein, verhandeln oder um Verzeihung bitten – und dabei den rationalen Akt vermeiden, die Realität zu akzeptieren und aus einem verlustbringenden Trade auszusteigen.

Unabhängigkeit

Man muss seine Trades auf einen sorgfältig vorbereiteten Plan gründen, anstatt sich als Reaktion auf Preisveränderungen hineinzustürzen. Ein ordentlicher Plan ist ein schriftlicher Plan. Man muss genau wissen, unter welchen Bedingungen man in einen Trade einsteigt und wieder aussteigt. Treffen Sie keine spontanen Entscheidungen, wenn Sie dafür anfällig sind, sich von der Masse aufsaugen zu lassen.

Man kann als Trader nur dann erfolgreich sein, wenn man als Individuum denkt und handelt. Das schwächste Glied jedes Handelssystems ist der Trader selbst. Wenn Trader planlos handeln oder von ihren Plänen abweichen, scheitern sie. Pläne werden von vernünftig nachdenkenden Individuen erstellt. Impulsive Trades werden von verschwitzten Gruppenangehörigen getätigt.

Man muss sich beim Traden selbst beobachten und Veränderungen seines geistigen Zustands bemerken. Schreiben Sie den Grund auf, einen Trade einzugehen, und die Regeln für den Ausstieg einschließlich Regeln für das Money-Management. Während Sie eine offene Position haben, dürfen Sie Ihren Plan nicht ändern.

Die Sirenen waren in der griechischen Mythologie Geschöpfe, die so schön sangen, dass die Seefahrer über Bord sprangen und zu ihnen schwammen, dann aber getötet wurden. Als Odysseus den Sirenengesang hören wollte, befahl er seiner Mannschaft, sich die Ohren mit Bienenwachs zu verstopfen, ihn selbst aber an den Mast zu binden. So hörte Odysseus den Sirenengesang, ohne umzukommen, denn er konnte ja nicht über Bord springen. Man sichert sein Überleben als Trader, indem man sich bei schönem Wetter selbst an den Mast eines Trading-Plans und von Money-Management-Regeln kettet.

Eine positive Gruppe

Man braucht kein Einsiedler zu sein – die Impulsivität der Masse zu umschiffen bedeutet nicht, dass man in völliger Einsamkeit traden müsste. Zwar ziehen manche diesen Weg vor, aber es kann auch intelligente und produktive Gruppen geben. Deren wichtigstes Kennzeichen muss sein, dass sie unabhängige Entscheidungen treffen.

Dieses Konzept wird in einem Buch mit dem Titel „Die Weisheit der Vielen“ von dem Finanzjournalisten James Surowiecki deutlich erklärt. Er erkennt an, dass die Mitglieder der meisten Gruppen einander ständig gegenseitig beeinflussen und dadurch Wellen gemeinsamer Gefühle und Handlungen erzeugen. Bei einer intelligenten Gruppe ist das anders: Alle Mitglieder treffen eigenständige Entscheidungen, ohne zu wissen, was die anderen tun. Anstatt gegenseitig aufeinander Einfluss auszuüben und emotionale Wellen zu erzeugen, profitieren Angehörige einer intelligenten Gruppe davon, dass sie ihr Wissen und ihre Kompetenz kombinieren. Die Funktion des Leiters einer solchen Gruppe ist es, diese Struktur aufrechtzuerhalten und individuelle Entscheidungen zur Abstimmung zu bringen.

Im Jahr 2004, ein Jahr, bevor ich „Die Weisheit der Vielen“ las, baute ich eine Gruppe von Tradern in diesem Sinne auf. Diese leite ich nach wie vor gemeinsam mit meinem Freund Kerry Lovvorn – die Gruppe nennt sich SpikeTrade.

Wir veranstalten einen Trading-Wettbewerb, bei dem jede Runde eine Woche dauert. Nach Handelsschluss am Freitag wird der Teil der Website, in dem zu sehen ist, wer welche Aktien auswählt, bis Sonntag 15 Uhr für die Mitglieder unsichtbar gemacht. In dieser Zeit kann jedes Gruppenmitglied eine Lieblingsaktie für die nächste Woche angeben – ohne zu wissen, was die anderen Gruppenmitglieder machen. Am Sonntagnachmittag wird der Bereich mit den ausgewählten Aktien wieder geöffnet, sodass alle Mitglieder alle Aktien sehen. Das Rennen beginnt am Montag und endet am Freitag, dann bekommen die Gewinner ihre Preise.

Die ganze Woche über tauschen die Mitglieder Kommentare aus und beantworten Fragen. Die Website ist so angelegt, dass sie zur Kommunikation ermuntert – außer an den Wochenenden, da muss jeder eigenständig arbeiten. Die Ergebnisse führender Gruppenmitglieder, die auf der Website gepostet werden, sind spektakulär.

Der springende Punkt ist, dass alle Entscheidungen über die Aktienauswahl und die Richtung einsam getroffen werden müssen, ohne dass man sieht, was die Leiter oder die anderen Gruppenmitglieder machen. Der Informationsaustausch beginnt, nachdem alle Stimmen abgegeben sind. Diese Kombination aus unabhängiger Entscheidungsfindung und Austausch bringt die „Weisheit der Vielen“ hervor, sie zapft die kollektive Klugheit der Gruppe und ihrer Leiter an.

15. Die Psychologie von Trends

Jeder Preis stellt einen momentanen Konsens der Marktteilnehmer über den Wert dar. Jeder Tick gibt die neueste Abstimmung über den Wert eines Handelsinstruments wieder. Jeder Trader kann „seinen Senf dazugeben“, indem er eine Kauf- oder Verkaufsorder aufgibt oder indem er sich auf dem aktuellen Niveau zu handeln weigert.

Jeder Kursbalken beziehungsweise jede Kerze gibt einen Kampf zwischen Bullen und Bären wieder. Haben die Käufer ein stark bullishes Gefühl, kaufen sie eifriger und schieben die Märkte nach oben. Haben die Verkäufer ein stark bearishes Gefühl, verkaufen sie aktiver und drücken die Märkte nach unten.

Charts sind Fenster zur Massenpsychologie. Wenn man Charts analysiert, analysiert man das Verhalten von Handel treibenden Massen. Technische Indikatoren tragen dazu bei, diese Analyse objektiver zu machen.

Technische Analyse ist gewinnorientierte Sozialpsychologie.

Starke Gefühle

Wenn man einen Trader fragt, warum ein Preis gestiegen ist, bekommt man wahrscheinlich eine Standardantwort – mehr Käufer als Verkäufer. Das stimmt aber nicht. Die Anzahl der Aktien oder Terminkontrakte, die in einem Markt gekauft und verkauft werden, ist immer gleich.

Wenn man 100 Google-Aktien kaufen will, muss sie einem jemand verkaufen. Wenn man 200 Amazon-Aktien verkaufen will, muss sie einem jemand abkaufen. Deshalb ist die Zahl der gekauften und verkauften Aktien an der Börse gleich. Auch ist die Zahl der Long- und Short-Positionen an den Terminmärkten immer gleich groß. Die Kurse bewegen sich nicht wegen unterschiedlicher Anzahlen nach oben oder nach unten, sondern weil sich die Intensität von Gier und Angst unter den Käufern und Verkäufern ändert.

Zeigt der Trend nach oben, werden die Bullen optimistisch und haben nichts dagegen, ein bisschen mehr zu bezahlen. Sie kaufen teuer, weil sie erwarten, dass die Kurse noch weiter steigen. Die Bären haben in einem Aufwärtstrend Angst und sind erst bei einem höheren Preis zum Verkaufen bereit. Wenn gierige, optimistische Bullen auf ängstliche, defensive Bären treffen, steigt der Markt. Je stärker ihre jeweiligen Gefühle, umso steiler der Anstieg. Der Anstieg endet erst, wenn die Bullen ihren Enthusiasmus zu verlieren beginnen. Wenn die Preise abrutschen, fühlen sich die Bären optimistisch und haben nichts daran auszusetzen, zu niedrigeren Preisen zu shorten. Die Bullen sind dann ängstlich und nur mit Abschlag kaufbereit. Während sich die Bären wie Gewinner fühlen, verkaufen sie weiterhin zu niedrigeren Preisen und der Abwärtstrend setzt sich fort. Er endet, wenn die Bären beginnen, vorsichtiger zu werden und sich zu weigern, zu niedrigeren Preisen zu verkaufen.

Anstiege und Rückgänge

Nur wenige Trader sind rein rationale Menschen. An den Märkten gibt es eine Menge Emotionen. Die meisten Marktteilnehmer äffen andere nach. Von den Wellen der Angst oder Gier lassen sich Bullen und Bären mitreißen.

Wie steil ein Kursanstieg verläuft, hängt davon ab, wie sich die Trader fühlen. Wenn sich die Käufer nur ein bisschen stärker als die Verkäufer fühlen, steigt der Markt langsam. Wenn sie sich viel stärker fühlen als die Verkäufer, steigt der Markt schnell. Aufgabe eines Technischen Analysten ist es, herauszufinden, wann die Käufer stark sind und wann ihnen die Luft ausgeht.

Leerverkäufer haben das Gefühl, in der Falle zu sitzen, wenn die Märkte steigen, denn dann schmelzen ihre Gewinne zusammen und verwandeln sich in Verluste. Wenn die Shortseller hektisch eindecken, kann ein Kursanstieg parabolisch verlaufen. Angst ist eine viel stärkere Emotion als Gier.2 Rallyes, die durch das Eindecken von Shortpositionen angetrieben werden, sind zwar besonders steil, halten sich aber nicht sehr lange.

Märkte fallen, wenn unter den Bullen Angst und unter den Bären Gier herrscht. Normalerweise shorten Bären lieber im Laufe von Rallyes, aber wenn sie damit rechnen, an einem Kursrückgang viel Geld zu verdienen, haben sie auch nichts dagegen, auf dem Weg nach unten zu shorten. Ängstliche Käufer sind nur unterhalb des Marktpreises zu kaufen bereit. Solange die Leerverkäufer bereit sind, diese Nachfrage zu befriedigen, und zum Geldkurs verkaufen, setzt sich der Rückgang fort.

Wenn die Gewinne der Bullen zusammenschmelzen und sich in Verluste verwandeln, werden sie panisch und verkaufen zu fast jedem beliebigen Preis. Sie sind so sehr darauf aus, herauszukommen, dass sie die Geldkurse unterhalb des Marktpreises akzeptieren. Wenn Märkte von Panikverkäufen heimgesucht werden, können sie schnell absacken.

Preisschocks

Treue gegenüber dem Anführer ist der Leim, der Gruppen zusammenhält. Die Gruppenmitglieder erwarten, dass Anführer sie inspirieren und dass sie sie belohnen, wenn sie gut sind, sie aber auch bestrafen, wenn sie böse sind. Manche Anführer sind sehr autoritär, andere ziemlich demokratisch und ungezwungen, aber jede Gruppe hat einen Anführer – eine Gruppe ohne Anführer kann es nicht geben. Der Preis fungiert als Anführer der Massen an der Börse.

Gewinner fühlen sich belohnt, wenn sich die Preise zu ihren Gunsten entwickeln, und Verlierer fühlen sich bestraft, wenn sie gegen sie laufen. Die Angehörigen der Masse leben in dem glückseligen Unwissen, dass sie durch ihre Konzentration auf den Preis ihren eigenen Anführer schaffen. Trader, die sich von Kursen magnetisieren lassen, schaffen ihre eigenen Götzen.

Wenn der Trend nach oben zeigt, fühlen sich die Bullen von einem großzügigen Elternteil belohnt. Je länger ein Aufwärtstrend anhält, umso zuversichtlicher werden sie. Wenn das Verhalten eines Kindes belohnt wird, macht es weiterhin das, was es bisher gemacht hat. Wenn Bullen Geld verdienen, stocken sie ihre Long-Positionen auf. Während neue Bullen den Markt betreten, haben die Bären das Gefühl, für ihre Leerverkäufe bestraft zu werden. Viele von ihnen decken ihre Shorts ein, gehen long und schließen sich den Bullen an.

Die Käufe der glücklichen Bullen und die Eindeckungen der ängstlichen Bären treiben Aufwärtstrends noch weiter in die Höhe, aber dabei ist nur wenigen Tradern klar, dass sie selbst den Aufwärtstrend erzeugen und ihren eigenen Anführer einsetzen.

Irgendwann kommt es zu einem Preisschock – eine große Verkaufswelle sucht den Markt heim und es sind nicht genug Käufer da, um sie zu absorbieren. Der Aufwärtstrend geht in die Knie. Die Bullen fühlen sich schlecht behandelt, wie Kinder, deren Vater ihnen beim Essen eine Ohrfeige verpasst, aber die Bären fühlen sich ermutigt.

Ein Preisschock legt den Keim für die Umkehrung eines Aufwärtstrends. Selbst wenn sich der Markt erholt und ein neues Hoch erreicht, werden die Bullen nervöser und die Bären mutiger. Dieser fehlende Zusammenhalt in der dominierenden Gruppe und der wachsende Optimismus unter den Gegnern machen den Aufwärtstrend reif für die Wende. Mehrere technische Indikatoren zeigen Tops an, indem sie ein Muster bilden, das man als bearishe Divergenz bezeichnet (siehe Kapitel 4). Das passiert, wenn der Preis ein neues Hoch erreicht, der Indikator jedoch ein niedrigeres Hoch als beim vorherigen Preisanstieg markiert. Bearishe Divergenzen markieren das Ende von Aufwärtstrends und einige der besten Short-Gelegenheiten.

Wenn der Trend nach unten zeigt, fühlen sich die Bären wie brave Kinder, die gelobt und belohnt werden, weil sie so klug sind. Sie werden immer zuversichtlicher, sie stocken ihre Short-Positionen auf und der Abwärtstrend setzt sich fort. Weitere Bären betreten den Markt. Die Menschen bewundern Gewinner und die Finanzmedien interviewen im Laufe von Baissen ständig Bären.

Bullen machen in Abwärtstrends Verlust, sodass sie sich schlecht fühlen. Sie fangen an, ihre Positionen abzustoßen, und manche von ihnen wechseln die Seiten und schließen sich den Bären an. Ihre Verkaufstätigkeit drückt die Märkte nach unten.

Nach einer Weile werden die Bären zuversichtlich und die Bullen sind demoralisiert. Plötzlich kommt es zu einem Preisschock. Geballte Kauforders saugen sämtliche vorhandenen Verkaufsorders auf und schieben den Markt nach oben. Jetzt fühlen sich die Bären wie Kinder, deren Vater ihnen mitten in einer fröhlichen Mahlzeit eine gelangt hat.

Ein Preisschock legt den Keim für die bevorstehende Wende eines Abwärtstrends, weil die Bären ängstlicher und die Bullen mutiger werden. Wenn ein Kind zu bezweifeln beginnt, ob es den Weihnachtsmann gibt, fängt es selten an, wieder an ihn zu glauben. Selbst wenn sich die Bären wieder erholen und die Preise auf ein neues Tief fallen, helfen einem mehrere technische Indikatoren, ihre Schwäche zu erkennen, indem sie ein Muster bilden, das man als bullishe Divergenz bezeichnet. Es tritt auf, wenn der Preis auf ein neues Tief fällt, aber ein Indikator einen höheren Boden als nach dem vorherigen Rückgang markiert. Bullishe Divergenzen zeigen einige der besten Kaufgelegenheiten an.

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Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
550 str. 85 ilustracji
ISBN:
9783864707131
Właściciel praw:
Bookwire
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