Czytaj książkę: «Wissenschaftlich formulieren: ein Arbeitsbuch»
Agnes Lieberknecht / Yomb May
Wissenschaftliche Arbeiten formulieren
Ein Arbeitsbuch für Schreibkurse und Selbststudium
Narr Francke Attempto Verlag Tübingen
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© 2019 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen
www.narr.de • info@narr.de
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ISBN 978-3-8233-8267-6 (Print)
ISBN 978-3-8233-0143-1 (ePub)
Inhalt
Vorwort
1 Die Sprache der Wissenschaft 1.1 Was ist Wissenschaft? 1.2 Maximen der Wissenschaftlichkeit 1.3 Merkmale der Wissenschaftssprache Deutsch 1.4 Wissenschaftssprache vs. Alltagssprache Lösungen zu Kapitel 1
2 Thema, Forschungsfrage und Zielsetzung formulieren2.1 Das Thema finden und klar formulierenMetasprachliche Texthandlungen zur Benennung des ThemasDie Relevanz des Themas darlegen2.1.1 Wie grenze ich das Thema sinnvoll ein?2.1.2 Wie begründe ich die Themeneingrenzung sinnvoll?2.2 Eine Forschungslücke finden und formulieren2.3 Die Forschungsfrage formulierenGibt es Kriterien für eine gute Forschungsfrage?2.4 Die Zielsetzung klar formulierenLösungen zu Kapitel 2
3 Argumentationsverfahren – Argumentatives Formulieren3.1 Was ist wissenschaftliches Argumentieren?3.1.1 Wissenschaftlich schreiben heißt kommunizieren3.1.2 Argumentieren in Einleitung, Hauptteil und Schluss3.2 Eine schriftliche Argumentation schlüssig formulieren3.2.1 Elemente wissenschaftlichen Argumentierens und ihre sprachliche Formulierung3.2.2 Deduktive oder induktive Argumentation formulieren3.3 Eigene und fremde Positionen abwägen und formulieren3.3.1 Kritik formulieren: Umgang mit fremden wissenschaftlichen Positionen3.3.2 Position beziehen: Eigene wissenschaftliche Aussagen formulieren und begründen3.4 Schlussfolgerungen formulierenLösungen zu Kapitel 3
4 Wissenschaftssprachliche Strukturen gezielt anwenden4.1 Nominalstil und Verbalstil gezielt einsetzenWelche Funktionen haben Nominal- und Verbalstil beim wissenschaftlichen Schreiben?Verwendungsbereiche von NominalisierungenNebensätze nominalisieren4.2 Funktionsverbgefüge in Verbalphrasen umwandelnEmpfehlungen zum Umgang mit Funktionsverbgefügen beim Verfassen wissenschaftlicher Texte4.3 Relativsätze und Partizipialkonstruktionen funktional verwendenFunktionen von Relativsätzen und PartizipialkonstruktionenPartizipialkonstruktionen und ModalitätWelches Relativpronomen soll verwendet werden? Der/ welcher? Die/ welche? Das/ welches?4.4 Präsens oder Präteritum? Im richtigen Tempus schreibenAnhaltspunkte für den Tempusgebrauch in wissenschaftlichen TextenZeitformen an Texthandlungen ausrichten4.5 Der Modus in wissenschaftlichen Arbeiten: Indikativ und Konjunktiv richtig verwendenModus – was ist das eigentlich?Indikativ und Konjunktiv funktional unterscheidenTypische Stolpersteine: Die Verben sein und habenKonjunktiv II statt Konjunktiv I – Auf die Feindifferenzierung kommt es anWäre „würde“ richtig?4.6 Aktiv und Passiv abwechselnWie viel Passiv verträgt ein wissenschaftlicher Text?Passiversatzformen zur Abwechslung einsetzenLösungen zu Kapitel 4
5 Textkohärenz: Den roten Faden verknüpfen5.1 Was ist ein roter Faden?Der „rote Faden“ als Metapher5.2 Textkohärenz herstellen5.2.1 Textkohärenz auf der Makroebene: Die Gliederung der Arbeit formulieren5.2.2 Textkohärenz auf der Mikroebene: Sprachliche Vertextungsmittel einsetzen5.3 Logische Strukturen formulieren: KonnektorenVergleiche und Kontraste formulieren5.4 Vernetzungsstrategien anwendenThema-Rhema-ProgressionQuerverweise formulierenTextkohärenz prüfenLösungen zu Kapitel 5
6 Der wissenschaftliche Schreibstil: Den richtigen Ton treffen6.1 Was ist wissenschaftlicher Schreibstil?Unterschiedliche Fachkulturen – unterschiedliche Stile6.2 Die richtige Schreibperspektive finden: Ich-/ Man- oder Wir-Perspektive?Die Ich-Referenz„Wir“ statt „Ich“?6.3 Zitieren und Paraphrasieren6.3.1 Zitieren6.3.2 Paraphrasieren6.4 Wissenschaftliche Ausdrucksweise: Formulierungsfehler vermeiden6.4.1 Füllwörter6.4.2 Umgangssprachliche und saloppe Ausdrücke6.4.3 Übertreibungen6.4.4 Ausdrücke der Unschärfe / vage Formulierungen6.4.5 Subjektive Ausdrücke6.4.6 Allgemeinplätze und Trivialaussagen6.4.7 Pleonasmen6.4.8 Formulierungen, die es nicht gibt6.5 Geschlechtsneutral formulierenLösungen zu Kapitel 6
7 Verständlich formulieren7.1 Was bedeutet Verständlichkeit?7.2 Wortwahl und Verständlichkeit7.2.1 Fachterminologie und Fremdwörter gezielt einsetzen7.2.2 Mit Adjektiven die Bedeutung spezifizieren7.3 Satzbau und Verständlichkeit7.3.1 Schachtelsätze auflösen7.3.2 Die Satzklammer verschlanken7.3.3 Satzanfänge variierenLösungen zu Kapitel 7
Literatur
Vorwort
Wissenschaftliche Texte sind selten beliebt und werden meist nicht gern gelesen. Sie gelten als trocken und kompliziert. Doch das liegt nicht so sehr an den Inhalten solcher Texte, sondern vielmehr an der Sprache, in der die Inhalte oft kommuniziert werden. Den Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse sprachlich angemessen zu „verpacken“ und verständlich zu vermitteln, erfüllen nur wenige Wissenschaftler – zum Leidwesen der Leserinnen und Leser: Ein Großteil der Lehrbücher und anderer im Laufe des Studiums relevanten wissenschaftlichen Publikationen zeichnen sich durch eine verschraubte Sprache aus. Und nicht selten verfallen Studierende dem Irrglauben, sprachliche Komplexität sei ein Qualitätsmerkmal der Wissenschaft. Andererseits konzentrieren sich die zahlreichen wissenschaftspropädeutischen Publikationen auf das „wissenschaftliche Arbeiten“, d.h. auf die Arbeitstechniken, sodass „wissenschaftliches Formulieren“ kaum behandelt wird.
Das vorliegende Buch schließt diese Lücke. Es grenzt sich von Publikationen zum wissenschaftlichen Arbeiten durch seine thematische Ausrichtung ab: die Formulierung wissenschaftlicher Arbeiten. Viele Lehrbücher zu wissenschaftlichem Schreiben erschöpfen sich in der Aufstellung und Beschreibung von Kriterien, die eine ideale wissenschaftliche Arbeit ausmachen. Tatsächlich aber kommen Studierende mit diesen Anforderungen nur selten zurecht, weil sie häufig abstrakt bleiben, so zum Beispiel, wenn Studierende „treffsicher“ und „verständlich“ formulieren oder den „roten Faden“ einhalten sollen. Wie man im schreibpraktischen Kontext einen solchen roten Faden herstellt, warum eine treffsichere Formulierung überhaupt notwendig ist und wie man sie erzielt, gibt vielen Studierenden Rätsel auf.
Erfolgreiches Hochschulstudium steht und fällt mit der Beherrschung akademischen Schreibens. Und wissenschaftliche Arbeiten können nur gelingen, wenn sich der Verfasser mit der Sprache der Wissenschaft als seinem wichtigsten Handwerkszeug vertraut macht und sie richtig einsetzt. Deshalb will das vorliegende Buch Studierende für die sprachlichen Besonderheiten des akademischen Schreibens sensibilisieren.
Schreiben lernt man nur durch schreiben, „aber nur dann, wenn es reflektiertes Schreiben ist“ (Otto Kruse). Deshalb ist dieses Buch als Lehrwerk konzipiert, das die akademische Schreibfähigkeit in praktischer Absicht vermittelt, und zwar sowohl durch rezeptive als auch produktive Schreibübungen.
Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel. Jedes Kapitel ist nach folgendem Prinzip aufgebaut:
Aufstellung und Erklärung der Regel (wir sagen, was gilt)
Erläuterung der Relevanz für das wissenschaftliche Schreiben (wir sagen, warum es so geht)
Veranschaulichung durch Beispiele (wir zeigen, wie es geht)
Übung zur Überprüfung der erworbenen Kompetenz (wir lassen ausprobieren, wie es geht)
Dieses Buch ist auf die Vermittlung akademischen Schreibens sowohl für wissenschaftspropädeutische Seminare als auch für Schreibkurse zugeschnitten. Es wendet sich gleichermaßen an Studierende aller Fachrichtungen, die im Selbststudium ihre Fähigkeit zum wissenschaftlichen Formulieren verbessern wollen.
Zugunsten der besseren Lesbarkeit haben wir uns dafür entschieden, in diesem Buch die männliche („Leser“) und weibliche Form („Leserin“) abzuwechseln. Bei beiden Schreibweisen sind jeweils alle Geschlechter mitgemeint.
Bayreuth, im September 2019 Agnes Lieberknecht, Yomb May
1 Die Sprache der Wissenschaft
Inhalt des Kapitels:
1.1 Was ist Wissenschaft?
1.2 Maximen der Wissenschaftlichkeit
1.3 Merkmale der Wissenschaftssprache Deutsch
1.4 Wissenschaftssprache vs. Alltagssprache
Um die Frage zu klären, wie man wissenschaftliche Texte angemessen formuliert, muss zunächst einmal ein wichtiger Zusammenhang erläutert werden: der zwischen Sprache und Wissenschaft. Dafür ist es erforderlich, sich klar zu machen, was Wissenschaft überhaupt ist bzw. was sie leisten muss. Daraus ergibt sich die Vorstellung, dass der Gebrauch einer spezifischen Sprache notwendig ist, um die Ziele wissenschaftlichen Arbeitens erfüllen und die Ergebnisse angemessen kommunizieren zu können.
Das folgende Kapitel klärt deshalb folgende Fragen:
Was ist Wissenschaft?
Welche Maximen muss wissenschaftliches Arbeiten erfüllen?
Welche sprachlichen Ausdrucksmittel sind dafür zweckdienlich?
Um die Spezifik der Wissenschaftssprache zu erfassen, wird schließlich ein Blick auf die Unterschiede zur Alltagssprache geworfen.
1.1 Was ist Wissenschaft?
Wer sich mit der Wissenschaftssprache befassen oder sich diese aneignen will, muss sich zunächst darüber im Klaren sein, was Wissenschaft überhaupt ist. Denn erst wenn man eine Vorstellung davon hat, was Wissenschaft zu leisten hat, kann man den sprachlichen Anforderungen gerecht werden, die an die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse gestellt werden.
Die Frage, was Wissenschaft ist, wird nicht einheitlich beantwortet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass verschiedene Disziplinen unterschiedliche Gegenstände behandeln und je ein eigenes Verständnis von Wissenschaft pflegen. Dennoch gibt es auch Versuche, einen disziplinübergreifenden Minimalkonsens in der Definition des Wissenschaftsbegriffs zu formulieren. Dieser liegt in dem Anspruch aller wissenschaftlichen Disziplinen begründet, „Erkenntnis durch rationale, intersubjektiv explizierbare Methoden zu erreichen.“ (Westmeyer 1994:475)
Die drei folgenden Definitionsansätze bieten ein disziplinübergreifendes Verständnis des Wissenschaftsbegriffs an:
Definition 1:
„Wissenschaft hat das Ziel, die Welt (auch ferne Welten) und das Leben auf der Erde zu erforschen, Unbekanntes zu entdecken und dabei Wissen zu sammeln, auszuwerten, anzureichern und nutzbringend durch Veröffentlichungen und Lehre zu transferieren.“ (Balzert 2011:7)
Definition 2:
„Wissenschaft hat es grundsätzlich mit der Beobachtung, Analyse und Erklärung von Natur-, Geistes- und Kulturphänomenen zu tun.“ (Schiewe 2007:32)
Definition 3:
„Wissenschaftlern [geht es] darum […], Zusammenhänge in der Welt aufzudecken und zu beschreiben, um dadurch allgemeingültige Merkmale und Mechanismen herauszustellen.“ (Auer/Baßler 2007b:12)
Übung 1:
a) In den drei Definitionen werden jeweils Tätigkeiten genannt, die typisch für wissenschaftliches Arbeiten sind. Arbeiten Sie diese heraus und tragen Sie sie in die folgende Tabelle ein.
| wissenschaftliche Tätigkeiten | |
| Definition 1 | |
| Definition 2 | |
| Definition 3 |
b) Erläutern Sie, welches gemeinsame Grundverständnis von Wissenschaft in diesen drei Definitionen ausgedrückt wird.
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Die meisten der genannten Tätigkeiten sind immanent sprachlich. Das heißt, sie sind unmittelbar mit sprachlichen Prozessen verbunden. Es mag möglich sein, ohne Zuhilfenahme von Sprache z.B. Wissen zu sammeln. Spätestens jedoch, wenn es darum geht, das gesammelte Wissen zu erklären und zu beschreiben, also zu kommunizieren, kommt man nicht ohne Sprache aus. Für die Ausführung dieser Tätigkeiten sind spezielle sprachliche Ausdrucksmittel notwendig.
Unabhängig davon, welches Verständnis von Wissenschaft in der jeweiligen Disziplin vorherrscht, gilt: Wissenschaft funktioniert nicht ohne Sprache. Daher ist ein erhöhtes Bewusstsein für den Stellenwert von Sprache in der Wissenschaft Bestandteil wissenschaftlichen Denkens und Schreibens.
1.2 Maximen der Wissenschaftlichkeit
Unser Verständnis von Wissenschaft ist normativ: Das, was als „wissenschaftlich“ gilt, bemisst sich an bestimmten Regeln, deren Einhaltung als Garant für das Erreichen der Ziele wissenschaftlichen Arbeitens gilt. Man spricht daher von „Maximen der Wissenschaftlichkeit“. Diese sind:
Objektivität bzw. Neutralität
Universalität bzw. Kontextunabhängigkeit
Exaktheit bzw. Eindeutigkeit
Gerade für Studierende in den ersten Semestern ist es jedoch häufig schwer, sich etwas Konkretes unter diesen Begriffen vorzustellen. Denn die Ansprüche, die mit diesen Maximen verbunden werden, sind noch allzu abstrakt, als dass sie ohne weiteres in die Schreibpraxis umgesetzt werden könnten. Daher soll zunächst ihre jeweilige Bedeutung reflektiert werden.
| Maxime | Bedeutung |
| Objektivität/Neutralität | Bei dieser Maxime geht es darum, die Inhalte einer wissenschaftlichen Arbeit sachlich und neutral darzustellen. Das heißt, der Text muss frei sein von Wertungen, manipulativer Absicht, ideologischer Färbung und persönlichen Vorlieben des Verfassers. Als objektiv gilt ein Text zudem dann, wenn er unterschiedliche, auch konträre Positionen berücksichtigt. |
| Universalität/Kontextunabhängigkeit | Wissenschaftliche Aussagen müssen – im Idealfall – unabhängig von ihrem kulturellen, historischen und politischen Entstehungskontext nachvollziehbar und überprüfbar sein. |
| Exaktheit/Eindeutigkeit | Der Leser eines wissenschaftlichen Textes muss diesen ohne weitere Erklärungen nachvollziehen können. Dafür müssen wissenschaftliche Aussagen klar und präzise formuliert werden – der Leser kann nicht zurückfragen. |
Zwar ist es hilfreich, sich über die Bedeutung dieser Maximen im Klaren zu sein, doch es kommt beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit darauf an, diese auch sprachlich umzusetzen. Das heißt, es muss die Verbindung zwischen den genannten Maximen und den passenden wissenschaftssprachlichen Mitteln hergestellt werden.
Übung 2:
Überprüfen Sie den folgenden Text im Hinblick auf die genannten Maximen. Erläutern Sie, inwiefern sie eingehalten werden oder nicht.
„Situationen interkultureller Kommunikation werden einerseits beschrieben als Erfahrungen, die von Missverständnissen, kommunikativen Fehlschlägen und Verunsicherungen gekennzeichnet sind; andererseits aber auch als Situationen der Bereicherung, der Anregung und der Faszination. Diese Ambivalenz zwischen Verunsicherung und Faszination kennzeichnet die sogenannte ‚Begegnung mit dem Fremden‘ (Günthner 1993). Zugleich verdeutlichen Studien zur interkulturellen Kommunikation, dass ‚Fremde‘ bzw. ‚Fremdheit‘ keine objektive Beziehung zwischen Gruppen oder Individuen ist, sondern das Ergebnis von interaktiven Prozessen der Attribuierung darstellt (Schütz 1972; Günthner 1993, 1999; Hahn 1994). Folglich ist eine zentrale Frage der ‚Interkulturellen Kommunikationsforschung‘: Wie wird ‚Fremdheit‘ konstruiert und relevant gemacht? Im folgenden soll gezeigt werden, dass kulturelle Differenzen und kulturelle Fremdheit häufig über den Gebrauch unterschiedlicher kommunikativer Praktiken und speziell ‚kommunikativer Gattungen‘ erfolgt. […]
Ich werde zunächst einen Überblick über die Gattungsanalyse geben, um dann ihre Relevanz für die interkulturelle Kommunikationsforschung zu skizzieren. Dabei soll verdeutlicht werden, dass die Gattungsanalyse nicht nur der Beschreibung und Erklärung kommunikativer Praktiken dient, sondern aufgrund ihrer analytischen Verbindung zwischen konkreten sprachlichen Handlungen und dem größeren soziokulturellen Kontext, den kommunikativen Erwartungen und Ideologien kultureller Gruppen, ein wesentliches Instrument der Analyse interkultureller Kommunikation darstellt.“ (Günthner 2007:375)
Objektivität/Neutralität:
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Universalität/Kontextunabhängigkeit:
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Exaktheit/Eindeutigkeit:
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Nur durch ganz konkrete sprachliche Ausdrucksmittel lassen sich die Maximen der Wissenschaftlichkeit beim Verfassen wissenschaftlicher Texte einhalten.
1.3 Merkmale der Wissenschaftssprache Deutsch
Wissenschaftliche Texte sind Träger eines fachspezifischen Wissens und richten sich in der Regel an ein Fachpublikum. Deshalb sind sie in der Wissenschaftssprache verfasst. Wissenschaftssprache ist nicht nur ein Fachjargon, sondern vor allem ein „Funktiolekt“. Damit ist eine Sprachvarietät gemeint, die sich durch spezielle Funktionen von anderen Sprachvarietäten unterscheidet.
Die Wissenschaftssprache hat die Funktion, die Forschungsergebnisse nach den oben genannten Maximen der Wissenschaftlichkeit zu präsentieren und einen konstruktiven Austausch mit anderen Wissenschaftlern zu ermöglichen. Sie soll also objektiv informieren und nicht z.B. unterhalten. Sie soll argumentativ überzeugen und nicht rhetorisch überreden. Wissenschaftssprache ist ein Instrument des Darlegens, Beweisens, Argumentierens, Schlussfolgerns etc. Sie hat zudem die Maßgabe zu erfüllen, auf begrenztem Raum (z.B. Aufsatz) möglichst viele Informationen zu vermitteln. Die Folge von diesem Zwang zur Ökonomisierung ist eine komprimierte Sprache.
Zwischen den Merkmalen der Wissenschaftssprache und den Funktionen, die sie erfüllen soll, besteht ein Zusammenhang. Deshalb ist ein auf diese Funktionen hin ausgerichteter Gebrauch der sprachlichen Ausdrucksmittel notwendig.
Ein wissenschaftlicher Text ist in der Regel an seiner Sprache erkennbar. Wer regelmäßig wissenschaftliche Texte liest, entwickelt ein Gefühl für diese Sprache und ihre Strukturen. Charakteristisch dafür sind unter anderem:
Verwendung von Fachbegriffen und Fremdwörtern„Die operativen Prozeduren gewinnen einen erweiterten Stellenwert, indem sie zur Wiedergabe komplexer Relationen eingesetzt werden“. (Ehlich 2018:17)
Nominalstil„Die operativen Prozeduren gewinnen einen erweiterten Stellenwert, indem sie zur Wiedergabe komplexer Relationen eingesetzt werden“. (Ehlich 2018:17)
Passiv„Die operativen Prozeduren gewinnen einen erweiterten Stellenwert, indem sie zur Wiedergabe komplexer Relationen eingesetzt werden“. (Ehlich 2018:17)
Partizipialkonstruktionen„Zu den Modellierungen von wissenschaftlichem Wissen, die in der AWS (alltäglichen Wissenschaftssprache) abgebunden sind und so dem erfolgreich wissenschaftlich Sozialisierten für seine eigene textuelle Schriftlichkeit zur Verfügung stehen, gehört die elementare Sichtweise von Wissenschaft als Prozess“. (Ehlich 2018:17)
Hypotaxen„Zu den Modellierungen von wissenschaftlichem Wissen, die in der AWS (alltäglichen Wissenschaftssprache) abgebunden sind und so dem erfolgreich wissenschaftlich Sozialisierten für seine eigene textuelle Schriftlichkeit zur Verfügung stehen, gehört die elementare Sichtweise von Wissenschaft als Prozess“. (Ehlich 2018:17)
Übung 3:
Finden Sie im folgenden Textausschnitt typisch wissenschaftssprachliche Merkmale und tragen Sie diese in die unten stehende Tabelle ein.
„Wie Levinson (2006) in seinen Ausführungen zur "human interaction engine" betont, ist die zwischenmenschliche Interaktion geprägt von allgemein menschlichen Fertigkeiten und Verhaltensdispositionen, wie Kooperativität und Ausrichtung am Gegenüber, die Tatsache, dass wir mit Sprache Bedeutung inferieren, der sequenzielle Ablauf von Konversationen sowie der Einsatz multimodaler Ressourcen zur Herstellung und Interpretation kommunikativer Handlungen etc. Diese Faktoren führen u.a. dazu, dass Interaktionen grundlegende sprach- und kulturübergreifende Gemeinsamkeiten aufweisen und Phänomene wie Turn-Taking, Paarsequenzen, Begrüßungen, Reparaturen etc. grundlegende Bestandteile der zwischenmenschlichen Kommunikation darstellen. Dennoch ist die zwischenmenschliche Interaktion keineswegs als invariante, fixierte Maschinerie zu verstehen […]; vielmehr weist sie ein Set an Prinzipien auf, das mit kulturellen Besonderheiten interagiert, "to generate different local flavours" (Levinson 2006:56). Der Erforschung der kulturellen Prägung kommunikativer Praktiken widmete sich auch die in den 1970er Jahren von den Anthropologen und Linguisten Dell Hymes und John J. Gumperz ins Leben gerufene, disziplin-übergreifende Forschungsrichtung der Ethnography of Communication. Ihre empirischen Studien verdeutlichen, dass Kultur kein dem Interaktionsprozess "aufgepfropftes Etwas" ist, sondern integraler Bestandteil jeder menschlichen Interaktion (Silverstein/Urban 1996; Gumperz/Levinson 1996; Günthner/Linke 2006): Kulturelle Prozesse manifestieren sich in der Art, wie wir sprechen und handeln, bzw. wie wir die Äußerungen und Handlungen des Gegenübers interpretieren, wie wir Ereignisse konzeptualisieren und bewerten. Kultur und Interaktion stehen somit in einem reflexiven Verhältnis: Einerseits durchdringen kulturelle Konventionen jede Interaktion; andererseits wird Kultur vor allem durch zwischenmenschliche Interaktion reaktiviert (Knoblauch 2005; Günthner 2015; 2017).“ (Günthner 2018:479f.)
| typisch wissenschaftssprachliches Merkmal | Textbeleg |
1.4 Wissenschaftssprache vs. Alltagssprache
Die Spezifik der Wissenschaftssprache lässt sich besonders anschaulich im Kontrast zur Alltagssprache erfassen. Eine wesentliche Ursache für den Unterschied zwischen Alltags- und Wissenschaftssprache liegt darin begründet, dass Wissenschaftssprache und Alltagssprache unterschiedliche Wissensformen vermitteln.
Übersicht: Wissen im Alltag und in der Wissenschaft
| Wissen im Alltag | Wissen in der Wissenschaft |
| Nach subjektiven Bedeutsamkeiten geordnetes Wissen | Nach paradigmatisch begründeten Kriterien geordnetes Wissen |
| nicht-systematisiertes Wissen | systematisiertes Wissen |
| routiniertes Handeln | reflektiert methodisches Handeln |
| nicht organisierte Erkenntnis | organisierte Erkenntnis |
| Wirklichkeit als unbezweifelbar gegebene „Realität“ | Frage nach den Bedingungen des Wirklichkeitsverständnisses |
| Vermeidung des Zweifels | Systematisierung des Zweifels |
| Sicherung des Erkannten | Zweifel am Erkannten |
| Vermeidung von Alternativen | Aufdeckung von und Suche nach Alternativen |
| Konzentration auf eine Deutung | selbstverständliche Annahme von Mehrdeutigkeiten |
| Unmittelbarkeit der Alltagspraxis | systematisierte Distanz zur Alltagspraxis |
| Ausschließliche Deutung und Bewältigung der unmittelbar gegebenen Realität | hypothetische Vorwegnahme potentieller Problemsituationen |
| pragmatische Motivation | theoretische Motivation |
| erfahrungsnahe Sprache | erfahrungsferne, abstrakte Sprache |
| im subjektiven und / oder kollektiven Bewusstsein aufgehobene und v.a. mündlich kommunizierte Erkenntnisse | vor allem in schriftlicher Form kommunizierte Erkenntnisse |
Quelle: Hierdeis/Hug 1992:56f. (leicht modifiziert)
Diese Gegenüberstellung macht deutlich: Alltagswissen entsteht nicht nach festgelegten Kriterien, sondern ist durch Subjektivität, Flexibilität und Kontextabhängigkeit gekennzeichnet. Die Entstehung wissenschaftlichen Wissens dagegen ist strenger geregelt, systematisch und kriterienorientiert. Für eine zweckmäßige Vermittlung der jeweiligen Wissensform ist daher eine spezifische Sprache notwendig. Daraus lassen sich die unterschiedlichen Merkmale beider Funktiolekte erklären.
| Merkmale der Alltagssprache | Merkmale der Wissenschaftssprache |
| Umgangssprachliche und dialektale Formulierungen | Standardsprache und Fachbegriffe |
| Wertungen | neutrale Ausdrücke |
| implizite Sprechweise | explizite Formulierungen |
| einfache Sätze, Satzabbrüche | hypotaktische Konstruktionen |
| Verbalstil | Nominalisierungen, Funktionsverbgefüge und Partizipialkonstruktionen |
| unpräziser Wortgebrauch | präziser Wortgebrauch |
| Wiederholungen | wenig Wiederholungen |
| Füllwörter und Modalpartikeln | keine Füllwörter und Modalpartikeln |
| Tendenz zu Aktiv | Tendenz zu Passiv |
| grammatische Fehler | idealerweise keine grammatischen Fehler |
| Gedankensprünge | strukturierte Argumentation |
| … | … |
Charakteristisch für die Alltags- bzw. Wissenschaftssprache sind folgende Grundeigenschaften:
| Alltagssprache | Wissenschaftssprache |
| Spontaneität Dialogizität Kontextabhängigkeit | Planmäßigkeit Monologizität Kontextunabhängigkeit |
Das bedeutet: In der Alltagskommunikation spricht man meist „drauf los“, weil Denken und Formulieren nahezu gleichzeitig stattfinden. In der Wissenschaftskommunikation dagegen steht dem Verfasser wesentlich mehr Zeit zur Verfügung, um seine Gedanken gezielt zu formulieren. Diese Grundeigenschaften der beiden Varietäten spiegeln sich in den oben genannten sprachlichen Merkmalen wider.
Die Tatsache, dass in vielen studentischen Arbeiten alltagssprachliche Formulierungen begegnen, rührt nicht zuletzt daher, dass die Alltagssprache der geläufigste Funktiolekt ist. Solche Arbeiten lesen sich dann stellenweise wie eine mündliche Kommunikation.
(aus einer studentischen Abschlussarbeit):
In der heutigen Zeit gibt es zu fast jedem beliebigen Thema Ratgeber in allen möglichen Formen, wie Bücher, Fernseh- und Radiosendungen, Internetforen oder (Online-)Videos. Im Alltag ist man immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen man sich beraten lässt: beim Einkauf, beim Arztbesuch, bei der Finanzberatung der Bank, beim Studium, im Beruf oder bei der Steuerberatung.
Formulierungen wie zu fast jedem beliebigen Thema oder in allen möglichen Formen sind Sprachmuster aus der Alltagskommunikation. Dort haben sie ihre Berechtigung, weil es nicht um die wissenschaftliche Genauigkeit geht. Ihre Verwendung in einem wissenschaftlichen Text wirkt sich jedoch negativ auf dessen sprachliche Qualität aus.

| Nicht so | So formulieren Sie besser |
| Das ist verdammt schwer. | Der Schwierigkeitsgrad ist hoch. |
| Die Entwicklung der Kulturtheorie in den letzten Jahren lässt sich nicht in wenigen Worten erzählen. | Die Entwicklung der Kulturtheorie in den letzten Jahren lässt sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen. |
Die Formulierungen der linken Spalte sind typisch für den Sprachgebrauch im Alltag. Will man den gleichen Inhalt in einem wissenschaftlichen Text kommunizieren, muss man auf wissenschaftssprachliche Ausdrücke wie in der rechten Spalte zurückgreifen.
Zur Vermeidung oder Beseitigung von alltagssprachlichen Formulierungen und Ausdrücken in wissenschaftlichen Texten ist es notwendig, die Unterschiede zwischen der Sprache der Nähe (Alltagssprache) und der Sprache der Distanz (Wissenschaftssprache) in den Blick zu nehmen (vgl. Tabelle oben).
Die Ansprüche an die Wissenschaftssprache Deutsch sind vielfältig. Sie betreffen vor allem drei große Bereiche:
Wortwahl
Satzbau
Stilebene
Übung 4:
a) Ordnen Sie die beiden Texte der Alltagssprache und der Wissenschaftssprache zu.
| Text 1 | Text 2 |
| „Also ich bin sehr ein Sicherheitsmensch und hab auch heute noch ne Tendenz eher zu viel zu lesen zu nem Thema, es gibt ja verschiedene Typen. Die einen haben ne Idee und fangen mal an zu rödeln und zu basteln. Ich fühl mich immer sicherer wenn ich so das Forschungsfeld überblicke und deswegen sammel ich immer, also – fürchterliche Berge von Büchern. Ich weiß noch bei meiner Habilitation hat irgendwann mein Mann sich furchtbar beklagt, weil er immer noch Kisten für mich durch die Gegend geschleppt hat zurück zur Bib und von der Bib, also es waren wirklich – Wagenladungen“ (Krähling 2010:91) | „Konrad Ehlich sieht die wissenschaftssprachliche Kompetenz vor allem als ein „Depositum“, als historische gewachsenen „Speicher“ domänenspezifischer kognitiver Prozeduren (Ehlich 1999:10). Er akzentuiert damit die denotative, die begriffliche Strukturierungsleistung. In sozialsemantischer Perspektive lässt sich die Beherrschung des Ausdrucksinventars im Unterschied dazu als ein Habitus fassen, als ein System verinnerlichter Verhaltensmuster, das dem „Common sense“ in der Wissenschaftskommunikation entspricht. In dieser Sicht ist der konnotative Anspielungswert der Ausdruckstypik mindestens ebenso hoch zu gewichten wie das kognitive Strukturierungspotential.“ (Feilke/Steinhoff 2003:118) |
| Text 1: _________________________________________ | Text 2: _________________________________________ |
b) Nennen Sie die jeweiligen sprachlichen Mittel und ordnen Sie sie den Kategorien in der Tabelle zu.
| Kategorie | Alltagssprache | Wissenschaftssprache |
| Wortwahl | ||
| Satzbau | ||
| Stilebene | ||
| Sonstiges |
Übung 5:
Formulieren Sie die folgenden alltagssprachlichen Sätze in die Wissenschaftssprache um und erklären Sie, nach welchem Kriterium Sie den Satz jeweils verändert haben.
| Alltagssprache | Wissenschaftssprache | Kriterium |
| Man erwartet, dass man beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit mit fremdem Gedankengut korrekt umgeht. | ||
| Immer wenn wir atmen, verbrauchen wir eine recht große Menge Sauerstoff. | ||
| Der Verfasser dieses Artikels schimpft über die angeblich falschen Theorien seiner Vorgänger. | ||
| Der Verfasser des Artikels hat am Ende seines Kapitels keine Zusammenfassung geschrieben. Das ist aber nicht so tragisch. | ||
| Das Inhaltsverzeichnis entspricht nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen, weil es ist nicht vollständig. | ||
| Die genaue Festlegung der Gedankenführung wird natürlich schon im Inhaltsverzeichnis vorgenommen. | ||
| Man muss heute differenzieren und individualisieren, wenn man gut unterrichten will. | ||
| Ich ging eigentlich davon aus, dass dies ein fruchtbarer Ansatz wäre. | ||
| Mein Nachbar hat mir bestätigt, dass Polizeigewalt in Deutschland immer mehr zunimmt. | ||
| Genderforschung ist ja ziemlicher Quatsch. | ||
| Unsere geliebte Bundeskanzlerin hat ganz richtig gesagt, dass wir ein starkes Europa brauchen. | ||
| Diese Blumen da, die blühen so rot-orange. Manchmal auch gelb. | ||
| Das stimmt einfach nicht. | ||
| Nachdem ich die Testphase abgeschlossen hatte, kam nun der nächste Schritt. Ich führte erste Versuche durch. Jetzt unter realistischen Bedingungen. | ||
| Forschungen haben gezeigt, wie ähnlich das Erbgut von Menschen und Menschenaffen ist. Diese müssen nun vertieft werden. | ||
| Ob diese Hypothese zutrifft, liegt im Auge des Betrachters. |
Die Erläuterungen zu den einzelnen Bereichen der Wissenschaftssprache sollen in den folgenden Kapiteln Schritt für Schritt dabei helfen, die jeweiligen sprachlichen Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit zu erfüllen.
Übung 6:
Wie gut sind Sie mit den Anforderungen an die Wissenschaftssprache Deutsch vertraut? Kreuzen Sie an, welche Aussagen zur Wissenschaftssprache Deutsch zutreffen, und welche nicht.
| Aussagen über wissenschaftliches Schreiben | trifft zu | trifft nicht zu |
| Wissenschaftssprache sollte einen möglichst komplizierten Satzbau haben. | ||
| Je mehr Fremdwörter, desto besser. | ||
| Präzision und Verständlichkeit sind die obersten Gebote beim wissenschaftlichen Schreiben. | ||
| Es macht nichts, wenn niemand meinen wissenschaftlichen Text versteht. | ||
| Wissenschaftssprache ist nun mal unverständlich. | ||
| Es ist möglich, komplizierte Inhalte verständlich auszudrücken. | ||
| In wissenschaftlichen Texten dürfen sich ruhig auch mal flapsige Bemerkungen finden. | ||
| Das mit dem Zitieren muss man nicht so genau nehmen, dann spart man sich viel Arbeit. | ||
| In wissenschaftlichen Texten soll man am besten durchgängig den Nominalstil verwenden. | ||
| Der Ich-Gebrauch ist in wissenschaftlichen Texten absolut tabu. | ||
| Fremdwörter und Fachbegriffe sind das gleiche. | ||
| Hauptsache, es klingt kompliziert! | ||
| Wissenschaftliches Schreiben kann man lernen. | ||
| Um besser zu differenzieren, sollte man möglichst mehrdeutige Begriffe verwenden. | ||
| Die Umgangssprache erleichtert die Verständlichkeit eines wissenschaftlichen Textes. | ||
| Fachbegriffe werden gewählt, weil sie treffend und prägnant sind. | ||
| Ein journalistischer Schreibstil unterscheidet sich vom wissenschaftlichen Schreibstil. | ||
| Wissenschaftliche Texte sollten in einer unpersönlichen Sprache formuliert werden. | ||
| Der rote Faden lässt sich in einem wissenschaftlichen Text auch sprachlich herstellen. | ||
| Statt geläufiger Wörter sollte man in einem wissenschaftlichen Text ausschließlich Fach- und Fremdwörter verwenden. | ||
| Eine einfache Darstellung der Inhalte wirkt sich negativ auf die Qualität des Textes aus. |
Lösungen zu Kapitel 1
Übung 1
a)
| wissenschaftliche Tätigkeiten | |
| Definition 1 | erforschen, entdecken, sammeln, auswerten, anreichern, transferieren |
| Definition 2 | Beobachtung, Analyse, Erklärung (beobachten, analysieren, erklären) |
| Definition 3 | aufdecken, beschreiben, herausstellen |
b) Heuristisches (Suche nach neuem Wissen) und kommunikatives (Vermittlung/Weitergabe der neuen Erkenntnisse) Grundverständnis.
Übung 2:
Objektivität/Neutralität:
Ausgewogenheit in der Argumentation, erkennbar an den Ausdrücken einerseits/ andererseits und nicht nur/ sondern auch
Verwendung des Passiv (werden beschrieben, soll gezeigt werden, soll verdeutlicht werden)
Nominalstil (Bereicherung, der Anregung und der Faszination, Prozessen der Attribuierung etc.)
Läuft der Objektivität zuwider: Ich-Referenz (Ich werde zunächst einen Überblick über die Gattungsanalyse geben)
Universalität/Kontextunabhängigkeit:
Grundlage für die Überprüfbarkeit sind Hinweise auf andere Studien und Quellen (Zugleich verdeutlichen Studien zur interkulturellen Kommunikation, dass…)
Exaktheit/Eindeutigkeit:
Verwendung von Fachbegriffen (Interkulturelle Kommunikation, Attribuierung, kommunikative Gattungen, Gattungsanalyse etc.)
Fehlen von Ausdrücken der Unschärfe
Übung 3:
| typisch wissenschaftssprachliches Merkmal | Textbeleg |
| Fachbegriffe und Fremdwörter | Kooperativität, inferieren, sequenziell, Interaktion, multimodal, Turn-Taking, Ethnography of Communication, konzeptualisieren etc. |
| Partizipialkonstruktionen | von den Anthropologen und Linguisten Dell Hymes und John J. Gumperz ins Leben gerufene, disziplin-übergreifende Forschungsrichtung |
| Zitate | “to generate different local flavours” |
| Quellenangaben | (Levinson 2006:56), (Silverstein/Urban 1996; Gumperz/Levinson 1996; Günthner/Linke 2006) etc. |
| Nominalisierungen | Verhaltensdisposition, Kooperativität, Ausrichtung am Gegenüber Einsatz multimodaler Ressourcen zur Herstellung und Interpretation kommunikativer Handlungen |
| Passiv und Passiversatzformen | wird Kultur reaktiviert ist…zu verstehen |
Übung 4:
a) Text 1: Alltagssprache, Text 2: Wissenschaftssprache
b)
| Kategorie | Alltagssprache | Wissenschaftssprache |
| Wortwahl | hab, ne, nem, mal (gesprochensprachliche Verkürzungen) also, ja, so (Partikeln, Füllwörter) rödeln, basteln (Umgangssprache) sehr, furchtbar (wertend, nicht-sachlich) geschleppt (Umgangssprache) Bib (Kopfwort) wirklich (Füllwort) Wagenladungen (metaphorisch, nicht-sachlich) | Kompetenz, Despositum, kognitive Prozeduren, donotativ, Habitus, Common sense, konnotativ (Fremd- und Fachwörter) domänenspezifischer, Strukturierungsleistung, Ausdrucksinventar, Wissenschaftskommunikation, Anspielungswert, Ausdruckstypik, Strukturierungspotenzial (Komposita) |
| Satzbau | kaum Satzverknüpfungen (und) | Satzverknüpfungen (damit, im Unterschied dazu, in dieser Sicht) hypotaktisch (Relativsatz) |
| Stilebene | Umgangssprache (siehe Wortwahl) subjektiv gefärbter Stil salopper Stil | gehobener und sachlicher Stil |
| Sonstiges | willkürliche Interpunktion in Anlehnung an gesprochensprachliche Einheiten | Quellenangaben |
Übung 5:
| Alltagssprache | Wissenschaftssprache | Kriterium |
| Man erwartet, dass man beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit mit fremdem Gedankengut richtig umgeht. | Beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit wird ein korrekter Umgang mit fremdem Gedankengut erwartet. | Passiv statt Aktiv (man) Nominalisierung (Umgang) des dass-Nebensatzes |
| Immer wenn wir atmen, verbrauchen wir eine recht große Menge Sauerstoff. | Beim Atmen wird eine große Menge Sauerstoff verbraucht. | Passiv statt Aktiv Nominalisierung (beim Atmen) des Nebensatzes (immer wenn) Weglassen der Partikel recht |
| Der Verfasser dieses Artikels schimpft über die angeblich falschen Theorien seiner Vorgänger. | Der Verfasser dieses Artikels kritisiert die Theorien seiner Vorgänger als unzutreffend. | Wissenschaftlicher Stil (kritisiert) statt Umgangssprache (schimpft) sachlich-distanziertes Adjektiv (unzutreffend) statt unsachlicher Wertung (angeblich falsch) |
| Der Verfasser des Artikels hat am Ende seines Kapitels keine Zusammenfassung geschrieben. Das ist aber nicht so tragisch. | Der Verfasser des Artikels hat am Ende seines Kapitels keine Zusammenfassung geschrieben. Dies stellt jedoch kein Defizit dar. | sachlich-distanzierter Stil (kein Defizit) statt dem umgangssprachlich-saloppen Ausdruck (nicht so tragisch) Nominalisierung (Defizit) des Adjektivs (tragisch) |
| Das Inhaltsverzeichnis entspricht nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen, weil es ist nicht vollständig. | Das Inhaltsverzeichnis entspricht nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen, weil es nicht vollständig ist. | korrekte Syntax: weil+Nebensatz |
| Die genaue Festlegung der Gedankenführung wird natürlich schon im Inhaltsverzeichnis vorgenommen. | Die genaue Festlegung der Gedankenführung wird schon im Inhaltsverzeichnis vorgenommen. | Weglassen des Füllwortes natürlich |
| Man muss heute differenzieren und individualisieren, wenn man gut unterrichten will. | Für einen guten Unterricht muss heute differenziert und individualisiert werden. oder Differenzierung und Individualisierung sind heute notwendig für einen guten Unterricht. | Passiv, Nominalisierung |
| Ich ging eigentlich davon aus, dass dies ein fruchtbarer Ansatz wäre. | Die ursprünglich positive Bewertung dieses Ansatzes basierte auf einer falschen Annahme. | Verzicht auf Ich-Referenz Weglassen des Füllwortes eigentlich Nominalisierung |
| Mein Nachbar hat mir bestätigt, dass Polizeigewalt in Deutschland immer mehr zunimmt. | Aktuelle Zahlen des Bundesinnenministeriums belegen, dass Polizeigewalt in Deutschland im letzten Jahr um 5 % zugenommen hat. | Gesicherte Quelle statt mein Nachbar Konkrete Zahl (5 %) statt Ausdruck der Unschärfe immer mehr |
| Genderforschung ist ja ziemlicher Quatsch. | Genderforschung ist umstritten. | Weglassen der Partikel ja und des Ausdrucks der Unschärfe ziemlich objektiver Ausdruck umstritten statt umgangssprachlich-unsachlichem Ausdruck Quatsch |
| Unsere geliebte Bundeskanzlerin hat ganz richtig gesagt, dass wir ein starkes Europa brauchen. | Bundeskanzlerin Merkel sagt zu Recht, dass ein starkes Europa wichtig sei. | Weglassen der unsachlichen Formulierung unsere geliebte sachlicher Ausdruck zu Recht statt umgangssprachlicher Formulierung ganz richtig, diese Position muss im Weiteren begründet werden objektiver Ausdruck ist wichtig statt persönlicher Formulierung wir brauchen |
| Diese Blumen da, die blühen so rot-orange. Manchmal auch gelb. | Die Blüte der Phalaenopsis hieroglyphica hat folgendes Farbenspektrum: rot, orange, gelb. | lateinischer Fachausdruck Phalaenopsis hieroglyphica statt der unspezifischen Formulierung diese Blume da Kompositum Farbenspektrum statt Ausdruck der Unschärfe so Nominalisierung Blüte statt blühen |
| Das stimmt einfach nicht. | Diese Aussage ist unzutreffend. | sachlich-objektiver Ausdruck unzutreffend statt der umgangssprachlich-unsachlichen Formulierung stimmt einfach nicht Begründung ist erforderlich |
| Nachdem ich die Testphase abgeschlossen hatte, kam nun der nächste Schritt. Ich führte erste Versuche durch. Jetzt unter realistischen Bedingungen. | Nach Abschluss der Testphase wurden erste Versuche unter realistischen Bedingungen durchgeführt. | Passiv statt Ich-Referenz Reduktion auf einen Satz Nominalisierungen |
| Forschungen haben gezeigt, wie ähnlich das Erbgut von Menschen und Menschenaffen ist. Diese müssen nun vertieft werden. | Forschungen haben gezeigt, wie ähnlich das Erbgut von Menschen und Menschenaffen ist. Diese Forschungen müssen nun vertieft werden. oder Forschungen, die gezeigt haben, wie ähnlich das Erbgut von Menschen und Menschenaffen ist, müssen nun vertieft werden. | klarer Bezug |
| Ob diese Hypothese zutrifft, liegt im Auge des Betrachters. | Ob diese Hypothese zutrifft, muss überprüft werden. | neutraler Ausdruck muss überprüft werden statt Floskel liegt im Auge des Betrachters |
Übung 6:
| Aussagen über wissenschaftliches Schreiben | trifft zu | trifft nicht zu |
| Wissenschaftssprache sollte einen möglichst komplizierten Satzbau haben. | x | |
| Je mehr Fremdwörter, umso besser. | x | |
| Präzision und Verständlichkeit sind die obersten Gebote beim wissenschaftlichen Schreiben. | x | |
| Es macht nichts, wenn niemand meinen wissenschaftlichen Text versteht. | x | |
| Wissenschaftssprache ist nun mal unverständlich. | x | |
| Es ist möglich, komplizierte Inhalte verständlich auszudrücken. | x | |
| In wissenschaftlichen Texten dürfen sich ruhig auch mal flapsige Bemerkungen finden. | x | |
| Das mit dem Zitieren muss man nicht so genau nehmen, dann spart man sich viel Arbeit. | x | |
| In wissenschaftlichen Texten soll man am besten durchgängig den Nominalstil verwenden. | x | |
| Der Ich-Gebrauch ist in wissenschaftlichen Texten absolut tabu. | x | |
| Fremdwörter und Fachbegriffe sind das gleiche. | x | |
| Hauptsache, es klingt kompliziert! | x | |
| Wissenschaftliches Schreiben kann man lernen. | x | |
| Um besser zu differenzieren sollte man möglichst mehrdeutige Begriffe verwenden. | x | |
| Die Umgangssprache erleichtert die Verständlichkeit eines wissenschaftlichen Textes. | x | |
| Fachbegriffe werden gewählt, weil sie treffend und prägnant sind. | x | |
| Ein journalistischer Schreibstil unterscheidet sich vom wissenschaftlichen Schreibstil. | x | |
| Wissenschaftliche Texte sollten in einer unpersönlichen Sprache formuliert werden. | x | |
| Der rote Faden lässt sich in einem wissenschaftlichen Text auch sprachlich herstellen. | x | |
| Statt geläufiger Wörter sollte man in einem wissenschaftlichen Text ausschließlich Fach- und Fremdwörter verwenden. | x | |
| Eine einfache Darstellung der Inhalte wirkt sich negativ auf die Qualität des Textes aus. | x |
2 Thema, Forschungsfrage und Zielsetzung formulieren
Inhalt des Kapitels:
2.1 Das Thema finden und klar formulieren
2.2 Eine Forschungslücke finden und formulieren
2.3 Die Forschungsfrage formulieren
2.4 Die Zielsetzung klar formulieren
Der anfängliche Elan, mit dem man an das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit herangeht, kann schnell einer gewissen Ratlosigkeit weichen, wenn das Thema, die Forschungsfrage und die Zielsetzung der Arbeit nicht klar formuliert sind. Alle drei Aspekte stehen in einem Zusammenhang, bedeuten jedoch nicht dasselbe. Wenn man ein Thema sinnvoll und angemessen formuliert, eine forschungsleitende Fragestellung entwickelt und sich über die Zielsetzung der Arbeit im Klaren ist, hat dies Vorteile sowohl für die Verfasserin, als auch für die Leserin.
Wo aber liegen nun die genauen Unterschiede zwischen Thema, Fragestellung und Zielsetzung und wie findet man jeweils angemessene Formulierungen dafür? Hierfür bietet das folgende Kapitel Orientierung.
2.1 Das Thema finden und klar formulieren
Eine der ersten Herausforderungen, die beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten bewältigt werden müssen, liegt darin, ein geeignetes Thema zu finden und zu formulieren. Aber was ist ein geeignetes Thema und wie lässt es sich richtig formulieren? Bei der Beantwortung dieser Fragen sind einige Grundsätze zu beachten.
Das Thema umfasst den Gegenstandsbereich, mit dem sich eine wissenschaftliche Arbeit inhaltlich befasst. Die Arbeiten, die im Studium oder am Ende des Studiums geschrieben werden, stehen in der Regel im Kontext des jeweiligen Fachgebietes. Daher kann eine Lehrveranstaltung einen sinnvollen thematischen Rahmen bilden. Es empfiehlt sich deshalb, bereits während des Studiums bzw. im Laufe der Lehrveranstaltung Ideen für mögliche Themen zu sammeln.
Allerdings eignet sich nicht jedes beliebige Thema für eine wissenschaftliche Untersuchung. Das kann mehrere Gründe haben: Das Thema ist bereits mehrfach und ausführlich behandelt worden oder das Thema bietet keine Anknüpfungspunkte an das eigene Fach etc. Geeignet ist ein Thema dann, wenn es auf nachvollziehbaren Kriterien beruht. Dazu zählen u.a.:
Interesse: Die Motivation, eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, bleibt länger erhalten, wenn man ein Thema wählt, für das man sich interessiert und dessen Bearbeitung man sich über einen längeren Zeitraum vorstellen kann. Gleichwohl ist von zu persönlichen Themen (z.B. eigene familiäre Probleme) abzuraten, da dabei oftmals die objektiv-wissenschaftliche Distanz verloren geht.
Relevanz: Das Thema sollte einen Bezug zum eigenen Fach und bestenfalls zu den Inhalten des Studiums aufweisen sowie aktuell sein, wobei es nicht darum gehen kann, sich auf „Modethemen“ zu stürzen.
Ressourcen: Zu bedenken sind bei der Themenwahl alle Faktoren, die es einem ermöglichen, das Thema sinnvoll zu bearbeiten: Literatur, Daten, Methode, Zeit, ggf. finanzielle Ressourcen. Stellt einer dieser Aspekte eine zu hohe Hürde dar, so empfiehlt es sich, das Thema zu variieren.
Thema: Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum im Spiegel des deutschen Feuilletons
Interesse: Ich habe in meinem Kunstgeschichts-Studium ein Seminar zur Architektur des frühen 20. Jahrhunderts besucht, das mit einer Exkursion zu den Bauhaus-Städten Weimar und Dessau abgeschlossen wurde. Seitdem fasziniert mich die Wirkung, die der Bauhausstil trotz der kurzen Phase, in der er prägend war, auf die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts hat. Zum 100. „Geburtstag“ des Bauhauses möchte mich genauer damit beschäftigen.
Relevanz: Zum 100-jährigen Jubiläum ist das Thema „Bauhaus“ im deutschen Feuilleton wieder sehr präsent. Es gibt zahlreiche aktuelle Berichte über Ausstellungen und Veranstaltungen im Rahmen des Geburtstags. Aus kunstgeschichtlicher Perspektive ist es interessant, zu analysieren, wie die Wirkung des Bauhausstils bis ins 21. Jahrhundert hinein vom Feuilleton erklärt wird.
Ressourcen : Neben reichhaltiger kunstgeschichtlicher Fachliteratur zum Bauhaus habe ich Zugang zu einer breiten Auswahl an Berichten in Kultursendungen und Zeitungsartikeln zum Jubiläum, die ich für meine Untersuchung auswerten kann.
Bevor es losgeht, prüfen Sie bei der Themenwahl, welche der Punkte aus der Checkliste zutreffen.
| Kriterien für die Themenwahl | trifft zu | trifft nicht zu | muss noch geklärt werden |
| Das Thema steht im Zusammenhang mit den Inhalten meines Studiums. | |||
| Das Thema knüpft an einen aktuellen Diskurs an. | |||
| Das Thema spricht mich an. | |||
| Ich habe leichten Zugang zur Forschungsliteratur. | |||
| Für meine Untersuchung stehen mir ausreichend Daten zur Verfügung. | |||
| Die mir zur Verfügung stehende Zeit reicht aus für die Bearbeitung. | |||
| Ich verfüge über ausreichend methodische Kenntnisse für die Analyse. |
Übung 1:
a) Überlegen Sie sich ein Thema, über das Sie gern eine wissenschaftliche Arbeit verfassen möchten. Prüfen Sie anhand der oben stehenden Checkliste, ob es sich um ein geeignetes Thema handelt.
b) Legen Sie stichwortartig die Gründe für Ihre Themenwahl dar, indem Sie auf die o.g. Kriterien Bezug nehmen.
Thema:
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Relevanz:
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__________________________________________________________________________
Interesse:
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Ressourcen:
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c) Verfassen Sie ein kurzes Exposé, das auf die angegebenen Kriterien für die Themenwahl eingeht. Verwenden Sie dafür ein Extra-Blatt.
Metasprachliche Texthandlungen zur Benennung des Themas
In der Einleitung der Arbeit wird das gewählte Thema dargelegt.
Thema der vorliegenden Arbeit ist das Verhältnis von Schrift und Kultur in der griechischen Antike.
Für diese metasprachliche Texthandlung eignen sich folgende wissenschaftssprachliche Standardformulierungen:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen (das Thema benennen):
| Standardformulierung | Beispiel |
| sich befassen/ beschäftigen mit… | Die vorliegende Arbeit befasst/ beschäftigt sich mit… |
| zum Thema haben | Die vorliegende Abhandlung hat…zum Thema |
| Thema sein | Thema des Aufsatzes ist… |
| Gegenstand sein | Gegenstand der vorliegenden Studie ist… |
| Thema aufgreifen | Der Autor der Studie greift das Thema…auf |
| auf etwas eingehen | Die Autorin geht in der vorliegenden Arbeit auf…ein |
| um etwas gehen | In der vorliegenden Arbeit geht es um… |
| sich etwas widmen | Die Untersuchung widmet sich… |
| sich etwas zuwenden | Die Arbeit wendet sich…zu |
| etwas behandeln | Der Artikel behandelt das Thema… |
Übung 2:
Formulieren Sie 1-2 Sätze für die Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit, mit denen Sie das jeweilige Thema benennen. Verwenden Sie dafür unterschiedliche Standardformulierungen aus der oben stehenden Tabelle.
| Thema | Das Thema benennen |
| Goethes Auseinandersetzung mit dem Islam in seinem Werk „Der West-Östliche Divan“ | Goethe hat sich in seinem Spätwerk nicht nur mit dem Nahen und Fernen Osten als geographischem Ort, sondern auch mit deren kultureller und religiöser Prägung beschäftigt. Thema der vorliegenden Arbeit ist demnach seine Auseinandersetzung mit dem Islam im „West-östlichen Divan“. |
| Die Auslandseinsätze der Bundeswehr in Mali und Afghanistan in den Jahren 2011-2017 | ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ |
| Maßnahmen des Europäischen Währungsfonds nach der Finanzkrise 2008 | ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ |
| Therapieansätze für minderjährige Geflüchtete aus Syrien mit posttraumatischen Belastungsstörungen | ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ |
| Gartenbaukunst im Versailles Ludwigs des XIV | ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ ________________________________________________________________ |
Die Relevanz des Themas darlegen
Nicht nur das Thema muss am Anfang der Arbeit benannt werden, sondern auch dessen Relevanz.
Aufgrund der derzeitigen Bestrebungen, allgemeine Rechte für beeinträchtigte Menschen zu stärken, welche durch die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2006 weltweit eine besondere Dynamik erhalten haben, ist dem Thema „Inklusion durch Leichte Sprache“ eine hohe gesellschaftliche Relevanz zuzuschreiben.
Aus den Ausführungen bezüglich des Themas in der Einleitung muss also auch hervorgehen, warum sich die Beschäftigung mit dem genannten Gegenstand lohnt. Die Relevanz eines Themas lässt sich durch die Beantwortung folgender Fragen darlegen:
Warum ist das Thema interessant/ wichtig?
Welche Erkenntnisse verspricht die Auseinandersetzung mit dem Thema?
Welche Bedeutung hat die Untersuchung für das Fachgebiet, in dem es sich verortet?
An welchen aktuellen (Fach-)Diskurs knüpft das Thema an?
Auch das Aufzeigen der Relevanz des Themas ist eine metasprachliche Texthandlung, für die sich bestimmte Formulierungen eignen:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen (das Thema begründen/Relevanz darstellen):
| Standardformulierung | Formulierungsbeispiel |
| von Relevanz sein für | Das Thema ist von besonderer Relevanz für… |
| von (besonderem/ zunehmendem…) Interesse sein für/weil | Das Thema ist von besonderem Interesse, weil |
| Aktualität besitzen | Das Thema besitzt Aktualität aufgrund von… |
| viel diskutiert sein | Das Thema ist in…viel diskutiert/ …ist ein vieldiskutiertes Thema |
| (zunehmende) Beachtung finden/ (zunehmend) beachtet werden | Das Thema findet zunehmend Beachtung in/ bei… |
| von Bedeutung für etwas sein | Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist von Bedeutung für… |
| sich lohnen | Die Auseinandersetzung mit dem Thema lohnt sich, weil… |
Übung 3:
Nennen Sie ein Thema Ihrer Wahl und begründen Sie anschließend, warum sich die Auseinandersetzung damit lohnt (Relevanz des Themas darstellen). Verwenden Sie dabei die wissenschaftssprachlichen Standardformulierungen aus der oben stehenden Tabelle.
Thema:
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Relevanz:
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2.1.1 Wie grenze ich das Thema sinnvoll ein?
Das formulierte Thema gibt Auskunft darüber, womit sich die vorliegende Untersuchung beschäftigt. Ein präzise formuliertes Thema hat zwei wichtige Vorzüge: Es zwingt den Verfasser dazu, sich auf die im Thema präzisierten Aspekte der Arbeit zu konzentrieren. Zudem wird beim Leser eine genaue Erwartung hinsichtlich des Inhaltes der Arbeit geweckt.
Warum ist es notwendig, ein Thema einzugrenzen? Am Anfang des Schreibprozesses einer wissenschaftlichen Arbeit steht in der Regel nur ein grobes Thema oder eine Idee davon. Solche Themen umfassen naturgemäß viele verschiedene Aspekte, sodass sie im Rahmen einer vom Umfang her klar begrenzten wissenschaftlichen Arbeit kaum bewältigt werden können.

| Nicht ausreichend eingegrenztes Thema | Eingegrenztes Thema |
| Deutschland in der französischen Presse | Die deutsch-französischen Grenzgebiete Elsass und Lothringen in „Le Figaro“ in den Jahren 2000-2018 |
Ein Thema, wie es in der linken Spalte formuliert ist, kann im Rahmen einer überschaubaren wissenschaftlichen Arbeit kaum sinnvoll bearbeitet werden: Sowohl der Untersuchungsgegenstand (Deutschland) als auch das Korpus (in der französischen Presse) sind zu unspezifisch. Deshalb bedarf es einer Eingrenzung. Das Thema in der rechten Spalte kann im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit besser bearbeitet werden, da drei wichtige Eingrenzungen vorgenommen wurden: zum einen die Eingrenzung des Gegenstandsbereiches (die deutsch-französischen Grenzgebiete Elsass und Lothringen), zum anderen die Eingrenzung auf eine Quelle, die hier genau definiert ist (die französische Zeitung Le Figaro) und nicht zuletzt die Eingrenzung des zu betrachtenden Zeitraums (in den Jahren 2000-2018).
Das Beispiel zeigt, dass es für eine sinnvolle Bearbeitung eines Themas notwendig ist, sich auf bestimmte Themenaspekte zu konzentrieren und dafür andere bewusst auszuklammern. Man spricht dann von „Eingrenzung des Themas“.
Es bieten sich mehrere Möglichkeiten an, das Thema einer wissenschaftlichen Arbeit einzugrenzen:
Zeitliche Eingrenzung: Bei dieser Form der Eingrenzung geht es darum, einen Untersuchungszeitraum genau zu bestimmen. Ausgedrückt wird sie durch Formulierungen wie: von…bis…/ im…Jahrhundert/ in den…Jahren/ usw.
Politische Lyrik während der Märzrevolution 1848
Räumliche Eingrenzung: Räumliche Eingrenzungen beziehen sich auf das Wirkungsfeld eines Phänomens. Dieses Wirkungsfeld kann ein Kontinent, ein Land, eine Stadt, eine Region etc. sein. Geeignete Formulierungen dafür sind beispielsweise in Europa/ in Deutschland/ in München/ in Bayern usw.
Auswirkungen des Klimawandels im Südpazifik
Eingrenzung nach Personen oder Institutionen: Auch Personen- bzw. Altersgruppen und Institutionen können den Gegenstandsbereich einer Untersuchung eingrenzen. Dies ist dann ablesbar an Formulierungen wie z.B. bei Erwachsenen/ bei Kindern mit Lernschwäche/ in mittelständischen Unternehmen/ an der Universität usw.
Spracherwerb bei mehrsprachigen Kindern im Vorschulalter
Eingrenzung nach Quellen bzw. empirischem Material (Korpus): Bei Untersuchungen, die sich auf Quellen oder empirisches Material stützen, ist es sinnvoll, das Korpus genau zu bestimmen. Geeignete Formulierungen dafür sind beispielsweise in der modernen deutschen Prosa/ in deutschen wissenschaftlichen Artikeln/ in ausgewählten überregionalen Zeitungen/ in ausgewählten Bilderbüchern usw.
Der Topos des ‚gesellschaftlichen Zusammenhalts‘ in den Weihnachtsansprachen des deutschen Bundespräsidenten
Die obigen Beispiele zeigen: Je mehr Eingrenzungen bei der Formulierung des Themas vorgenommen werden, desto deutlicher stellt sich der genaue Untersuchungsgegenstand heraus. Ein zu allgemein formuliertes Thema erkennt man daran, dass es viele Fragen offen lässt. Zur Präzisierung des Themas eignet sich die Beantwortung von W-Fragen wie wer, was, wie, wo, wann, welche(r/s).
Gewalt in der Literatur
Bei dieser groben Themenformulierung drängen sich folgende Fragen auf:
Welche Form von Gewalt soll betrachtet werden?
Welche Literatur soll betrachtet werden? (Welche Gattung? Welche Epoche? Welcher Autor?)
Die Beantwortung dieser Fragen kann dabei helfen, das Thema präziser zu formulieren: Die Darstellung von Obrigkeitsgewalt im Drama „Emilia Galotti“ von G.E.Lessing
Übung 4:
Formulieren Sie zu den vorgegebenen Schlagwörtern W-Fragen, die zu einer Eingrenzung des Themas führen. Präzisieren Sie anschließend das Thema.
| Schlagwort | W-Fragen | präzises Thema |
| Die Frauenbewegung | Welche Frauenbewegung (in welchem Land) betrachte ich? Welchen Zeitraum betrachte ich? Was sind meine Quellen? | Die europäische Frauenbewegung im Spiegel der deutschen Presse in den Jahren 1914-1924 |
| Umweltverschmutzung in Schwellenländern | __________________________________ __________________________________ __________________________________ | __________________________________ __________________________________ __________________________________ |
| Die Europäische Union | __________________________________ __________________________________ __________________________________ | __________________________________ __________________________________ __________________________________ |
| Sex in der Werbung | __________________________________ __________________________________ __________________________________ | __________________________________ __________________________________ __________________________________ |
| Vegane Ernährungstrends | __________________________________ __________________________________ __________________________________ | __________________________________ __________________________________ __________________________________ |
| Polen und der Katholizismus | __________________________________ __________________________________ __________________________________ | __________________________________ __________________________________ __________________________________ |
Die Eingrenzung benennen
Auch die Eingrenzung des Themas wird in der Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit dargelegt.
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Kommunikation in internationalen Unternehmen. Den Schwerpunkt bildet dabei die interkulturelle Kommunikation in Unternehmen mit deutsch-tschechischer Zusammenarbeit.
Für die Formulierung der Themeneingrenzung eignen sich folgende wissenschaftssprachliche Standardformulierungen:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen (das Thema eingrenzen):
| Standardformulierung | Formulierungsbeispiel |
| sich konzentrieren auf | Der Autor konzentriert sich dabei auf… |
| wichtig sein | Besonders wichtig ist hierbei… |
| sich beschränken auf | Die vorliegende Untersuchung beschränkt sich auf… |
| auf etwas nicht eingehen | Bei der Untersuchung von XY wird jedoch nicht auf… eingegangen |
| den Schwerpunkt legen auf | Der Schwerpunkt wird dabei auf…gelegt |
| der Schwerpunkt liegt auf | Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf… |
| von (besonderem) Interesse sein | …von (besonderem) Interesse ist dabei… |
| von (besonderer) Bedeutung sein | Dabei ist…von besonderer Bedeutung. |
| in den Mittelpunkt stellen | Die Verfasserin stellt…in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung |
| im Mittelpunkt stehen | Im Mittelpunkt der Arbeit steht… |
| im Zentrum stehen | Im Zentrum der Arbeit steht… |
| im Fokus stehen | Im Fokus des Interesses steht dabei… |
Übung 5:
Nennen Sie ein Thema Ihrer Wahl und formulieren Sie eine schlüssige Eingrenzung. Verwenden Sie dafür die wissenschaftssprachlichen Standardformulierungen aus der oben stehenden Tabelle.
Thema:
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Eingrenzung:
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__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
2.1.2 Wie begründe ich die Themeneingrenzung sinnvoll?
Eine Themeneingrenzung muss nachvollziehbar begründet werden. Das bedeutet: Nicht nur die Eingrenzung des Themas selbst, sondern auch die Gründe für genau diese Eingrenzung müssen metakommunikativ dargelegt werden. Argumente für die Eingrenzung liefern die folgenden Kriterien.
Zielsetzung der Arbeit: Um das selbstgesteckte Ziel der Arbeit realistischerweise erreichen zu können, ist eine genaue Bestimmung des Untersuchungsgegenstandes notwendig.
In der vorliegenden Arbeit sollen die Einflussfaktoren frühkindlicher Bildung auf die späteren Berufschancen ausgelotet werden. Dabei stehen Kinder zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr im Fokus der Betrachtung, da in diesen Lebensjahren die frühkindliche Bildung besonders großen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Bildungsweges hat.
Umfang der Arbeit: Für wissenschaftliche Arbeiten gibt es in der Regel Vorgaben hinsichtlich des Umfangs. Diese Vorgaben existieren nicht zufällig. Es besteht eine Korrelation zwischen einer notwendigen inhaltlichen Tiefe und dem Textumfang einer wissenschaftlichen Untersuchung. Damit diese Relation stimmt, sollte das Thema weder zu umfangreich noch zu kleinteilig aufgefasst werden.
Um das Thema ‚Emailkommunikation in mehrsprachigen Unternehmen‘ mit all seinen Aspekten im Rahmen dieser Masterarbeit differenziert betrachten zu können, beschränke ich mich im Folgenden auf das deutsch-niederländische Unternehmen XY.
Formulierungen wie ihre Betrachtung würde den Rahmen der Arbeit sprengen sind floskelhaft und sollten deshalb in einer wissenschaftlichen Arbeit vermieden werden. Der Verfasser umgeht mit solchen Formulierungen eine notwendige Begründung für die Themeneingrenzung.
Zur Verfügung stehende Ressourcen (Methode, Daten, Zeit…): Mit einer gewählten Methode lassen sich nur ganz bestimmte Gegenstandsbereiche bzw. bestimmte Ebenen eines Themas bearbeiten. Die Eingrenzung des Untersuchungsgegenstands lässt sich demnach mit der Anwendung einer ausgewählten Methode rechtfertigen. Ebenso mit dem vorgesehenen Bearbeitungszeitraum, der nur die Betrachtung einer begrenzten Anzahl an Themenaspekten zulässt.
Da es im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht möglich ist, eigene Videoaufnahmen von Unterrichtsinteraktion anzufertigen, wird auf vorhandenes Audiomaterial zurückgegriffen. Dabei beschränkt sich die Betrachtung auf verbale und paraverbale Aspekte der Interaktion.
Forschungsstand: Um einen an anderer Stelle bereits behandelten Aspekt des Themas nicht unnötig zu wiederholen, bietet es sich an, die Kenntnis des Forschungsstandes anzuzeigen und damit die Themeneingrenzung zu begründen.
Die vorliegende Arbeit beschränkt sich auf die Beschreibung und Einordnung der Umweltkatastrophen im südasiatischen Raum in den letzten zwei Jahren. Auf die Untersuchung ihrer Ursachen und Folgen wird dabei nicht eingegangen, da diese Aspekte bei Müller (2018) bereits ausführlich diskutiert wurden.
Relevanz/ Aktualität eines bestimmten Themenbereiches: Ein Thema kann unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Diese Aspekte wiederum können eine unterschiedliche Relevanz besitzen, mit der sich die vorgenommene Eingrenzung des Themas auf einen ganz bestimmten Themenbereich begründen lässt.
Der Nahost-Konflikt und damit einhergehende Vermittlungsversuche sind Gegenstand einer Vielzahl von politologischen Betrachtungen geworden. Mit der Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten und der von ihm angekündigten Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem hat der Konflikt eine neue Wendung genommen. Die vorliegende Untersuchung soll daher die Auswirkungen der neuen US-Außenpolitik in Bezug auf mögliche Lösungsansätze im Nahost-Konflikt diskutieren und sich dabei auf den Zeitraum von September 2017 bis September 2018 beschränken.
Für eine angemessene sprachliche Darstellung der Begründung für die Themeneingrenzung eignen sich folgende wissenschaftssprachliche Standardformulierungen:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen (die Eingrenzung begründen):
| Standardformulierung | Beispiel |
| sich aus einem bestimmten Grund/ daher/ deshalb beschränken auf | Daher beschränkt sich die Betrachtung auf den Aspekt der… |
| um…zu können, ist es notwendig, sich auf…zu fokussieren/ zu konzentrieren. | Um eine umfassende Analyse von…gewährleisten zu können, ist es notwendig, sich auf…zu fokussieren. |
| Im Fokus/ im Mittelpunkt/ im Zentrum der Betrachtung steht…, weil/ da | Im Fokus der Betrachtung steht…, weil/ da hierfür auf eine breite Datenbasis zurückgegriffen werden kann. |
Übung 6:
Die folgende Themeneingrenzung ist unvollständig. Nennen Sie die fehlenden Informationen und verbessern Sie die Ausführungen entsprechend. Die oben genannten Kriterien dienen Ihnen dabei als Orientierung.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Kommunikation in internationalen Unternehmen. Um dieses Problemfeld analysieren zu können, wird in dieser Arbeit ein Ansatz der mehrsprachigen Kommunikation vorgestellt, der die Relevanz der Muttersprache und der Fremdsprachen hervorhebt.
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Bezüge in der Themenformulierung herstellen
Zu einer präzisen Themenformulierung gehört auch, dass die im Thema enthaltenen Begriffe nicht einfach durch ein „und“ nebeneinander gestellt werden. In der Themenformulierung sollte deutlich werden, wie sich die im Thema enthaltenen Begriffe zueinander verhalten. Solche Verhältnisse können sein:
| Bezugsart | Beispiel |
| ein Teil-Ganzes-Verhältnis | Die deutsche Hochschule als interkulturelles Netzwerk |
| ein Grund-Folge-Verhältnis | Der Flächenfraß durch die Versiegelung der Böden |
| ein Bedeutung-für-Verhältnis | Die Rolle der Interkulturellen Kompetenz in der Ausbildung von Pflegefachkräften |
| ein Theorie-Beispiel-Verhältnis | Fremdheitskonstruktionen in rechtspopulistischen Diskursen |
| ein Mittel-Zweck-Verhältnis | Sprachliche Mittel zum Ausdruck religiöser Motive in der Werbung |
Um Bezüge zwischen den im Thema enthaltenen Begriffen aufzuzeigen, eignen sich Ausdrücke wie „als“/ „von“/ „in“/ „zur“/ „zum“/ „durch“/ „bei“/ „auf“ etc.
Übung 7:
Formulieren Sie aus den vorgegebenen Schlagwörtern ein Thema, das klare Bezüge erkennen lässt.
| Schlagwörter | präzises Thema mit Bezügen |
| Gewerkschaft, Macht, Warnstreiks | Die Macht der Gewerkschaften durch das Mittel des Warnstreiks |
| Johann Sebastian Bach, Einfluss, Mendelssohn | ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ |
| Digitalisierung, Chance, Risiko, Arbeitsplätze | ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ |
| Kultur, Identität, Konstruktion | ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ |
| Klimawandel, Agrarpolitik, EU-Subventionen | ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ |
| Schuld, Dostojewski | ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ ______________________________________________________________ |
Einen Fachbezug erkennbar machen
Für ein präzise formuliertes Thema ist außerdem ein klar erkennbarer Fachbezug wichtig. Mit diesem Fachbezug wird die Arbeit in einen Forschungskontext gestellt. Der Verfasser verortet sich damit in der „scientific community“ seiner Disziplin.
| Thema ohne Fachbezug | Thema mit Fachbezug |
| Emailkommunikation | Sprachvarietäten in der Emailkommunikation mehrsprachiger Unternehmen |
Eine Arbeit zum Thema Emailkommunikation könnte in sehr unterschiedlichen Fachrichtungen verortet sein, z.B. in wissenschaftlichen Arbeiten aus den Bereichen Informatik, Psychologie, Pädagogik, Germanistik, Jura, BWL etc. An der Themenformulierung in der rechten Spalte lässt sich ein Bezug zu Mehrsprachigkeit/ Varietätenlinguistik und Unternehmenskommunikation ablesen.
Variante: Titel und Untertitel
Häufig wird der Titel einer Arbeit zweigeteilt in einen Titel und einen Untertitel. Dies verschafft dem Verfasser die Möglichkeit, das Thema im Untertitel zu präzisieren, ohne dass der Titel zu lang wird. Dabei gibt der Untertitel oftmals genauer Auskunft über die Schwerpunkte der Untersuchung, die verwendete Methode oder das untersuchte Korpus.
Das Presseecho auf die Kölner Silvesternacht 2015/16. Eine kritische Diskursanalyse.
Hier gibt der Untertitel Auskunft über die verwendete Methode (kritische Diskursanalyse).
Zur Emanzipation der Frau im Islam. Ausgewählte Texte des deutschen Diskurses.
Bei dieser Themenformulierung werden anhand des Untertitels genauere Angaben zum Untersuchungskorpus (Ausgewählte Texte des deutschen Diskurses) gemacht.
Goethe in China. Eine Untersuchung zur Rezeptionsgeschichte der Balladen des deutschen Klassikers.
Auch hier wird die Methode und damit der Fachbezug deutlich: Rezeptionsgeschichte. Außerdem wird das Thema (Goethe) weiter eingegrenzt (auf seine Balladen).
Weitere Merkmale einer angemessenen Themenformulierung
Neben den Aspekten der klaren Eingrenzung des Gegenstandsbereiches, der Bezüge innerhalb der Themenformulierung sowie der Herstellung eines Fachbezuges gibt es noch einige weitere Kriterien für eine angemessene Themenformulierung:
| Kriterium der Themenformulierung | Nicht so | So formulieren Sie besser |
| Verwenden Sie den Nominalstil. Vermeiden Sie Verben und ganze Sätze in der Themenformulierung | Wie kann man die Bildungschancen im Kindergartenalter erhöhen? | Möglichkeiten der Erhöhung der Bildungschancen im Kindergartenalter |
| Verwenden Sie Fachterminologie. Vermeiden Sie umgangssprachliche Formulierungen | Schnelles Internet auf dem Lande | Der Breitbandausbau in ländlichen Regionen |
| Verwenden Sie einen sachlich-objektiven Stil. Vermeiden Sie tendenziöse/ wertende Formulierungen | Chancen von Arbeitsverweigerern auf dem Arbeitsmarkt | Chancen von Langzeitarbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt |
| Vermeiden Sie metaphorische Formulierungen | Die Debatte um Organspende unter dem Deckmantel von Gesundheitspolitik | Die Debatte um Organspende aus der Perspektive der Gesundheitspolitik |
| Vermeiden Sie Modewörter | Foodporn bei Facebook und Instagram | Selbstdarstellung und Positionierung in sozialen Netzwerken |
Übung 8:
Überprüfen Sie, ob die folgenden Themen angemessen formuliert sind und begründen Sie Ihre Entscheidung. Formulieren Sie das Thema ggf. um.
| Thema | angemessen/ unangemessen | Begründung | Verbesserungsvorschlag |
| Bildung | [ ] / [ x ] | zu kurz kein Fachbezug erkennbar kein genau erkennbarer Gegenstandsbereich | Der Einfluss frühkindlicher Bildung auf die späteren Berufsaussichten. Auswertung erziehungswissenschaftlicher Langzeitstudien |
| Ethnologische Theoriebildungen der Postmoderne. Michel Foucaults Biografie und sein Einfluss | [ ] / [ ] | ||
| Neu erschlossene Industriegebiete erhöhen den Flächenfraß | [ ] / [ ] | ||
| Unternehmensführung 2.0 | [ ] / [ ] | ||
| Welche Auswirkungen hat die theoretische Ausrichtung des Evolutionismus auf die heutige Ethnologie? | [ ] / [ ] | ||
| Der Skeptizismus in der Antike. Seine verschiedenen Versionen und Vertreter | [ ] / [ ] | ||
| Europäische Institutionen | [ ] / [ ] | ||
| Wohlstand und Gesundheit. Inwieweit besteht ein Zusammenhang? | [ ] / [ ] | ||
| Regietheater versus Werktreue | [ ] / [ ] | ||
| Natur und Klima Namibias | [ ] / [ ] | ||
| Wie entsteht Übersäuerung der Böden? | [ ] / [ ] | ||
| Schmerzbehandlung in der Palliative Care. Aufgaben und Funktion der Pflegenden bei der Schmerztherapie | [ ] / [ ] | ||
| Neueste Statistiken zum Konsumverhalten | [ ] / [ ] | ||
| Kernpunkte der Homöopathie | [ ] / [ ] | ||
| Die Nahostfrage in der medialen Berichterstattung. Eine kommunikationswissenschaftliche Betrachtung des israelisch-palästinensischen Konfliktes anhand von Fallbeispielen | [ ] / [ ] |
Übung 9:
Markieren Sie die metasprachlichen Texthandlungen, mit denen die Autorin das Thema benennt, die Relevanz des Themas aufzeigt, das Thema eingrenzt und die Eingrenzung begründet. Tragen Sie die entsprechenden wissenschaftssprachlichen Formulierungen in die Tabelle ein:
„Der folgende Beitrag untersucht unterschiedliche Blickpraktiken von SprecherInnen und AdressatInnen, die systematisch auftreten, wenn diese mittels deiktischer Referenzierungshandlungen einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus auf ein sichtbares Phänomen im Wahrnehmungsraum herstellen. Während eine wachsende Anzahl von Untersuchungen in der multimodalen Konversationsanalyse die zentrale Rolle gestischer Praktiken in deiktischen Referenzierungssequenzen nachgewiesen hat, ist das Blickverhalten bei der Deixis bislang kaum konversationsanalytisch untersucht worden. Die wenigen existierenden Studien basieren auf Videoaufnahmen, die keine präzise Analyse des Blickverhaltens gestatten. Demgegenüber gründen die Ergebnisse der vorliegenden Studie auf mobilen Eye Tracking-Aufnahmen von Beteiligten in natürlichen Alltagsinteraktionen. Der Beitrag erweitert und differenziert bisherige Ergebnisse zu Deixis, Gestik und Blick.“ (Stukenbrock 2018:132)
| Thema benennen | Thema begründen | Thema eingrenzen | Eingrenzung begründen |
2.2 Eine Forschungslücke finden und formulieren
Warum ist es wichtig, eine Forschungslücke zu finden? Forschung findet nie im luftleeren Raum statt, sondern sie knüpft stets an bisherige Forschungen an. Um sich mit der eigenen Arbeit in dieser Forschungslandschaft zu positionieren, ist es unabdingbar, eine eigene Forschungslücke zu finden und klar zu benennen. Voraussetzung dafür ist die genaue Kenntnis des Forschungsstandes. Nach der Wahl eines Themas gilt es also, sich einen Überblick über die Literatur zu diesem Thema zu verschaffen und eine Forschungslücke zu entdecken.
Von einer Forschungslücke spricht man dann, wenn man beim Überblick der repräsentativen Forschungsliteratur feststellt, dass ein Aspekt bisher noch nicht (ausreichend) berücksichtigt bzw. bearbeitet worden ist. In der Formulierung der Forschungslücke muss das bisherige Versäumnis bzw. das Forschungsdesiderat sprachlich sichtbar gemacht werden.
Die bisher vorgestellte Forschungsliteratur zum Thema Klimawandel zeigt, dass sich die meisten Autoren auf die Zeit nach der Jahrtausendwende konzentrieren. Völlig unberücksichtigt bleibt dabei die Betrachtung klimatischer Veränderungen zur Zeit der Industriellen Revolution. Diese könnten verlässlichere Prognosen für Ausmaß und Geschwindigkeit des Klimawandels geben.
An diesem Beispiel wird deutlich: Die Forschungslücke liegt darin, dass ein bestimmter Zeitraum, der für das Verständnis des Untersuchungsgegenstandes (hier: des Klimawandels) relevant ist, bisher nicht berücksichtigt wurde (hier: zur Zeit der Industriellen Revolution).
Aus der identifizierten Forschungslücke generiert sich die eigene Forschungsfrage. Die Formulierung einer Forschungslücke ist wichtig, weil sie
die wissenschaftliche Relevanz der Arbeit deutlich macht
die Möglichkeit einer eigenen Forschungsleistung eröffnet
den innovativen Charakter der Arbeit markiert
Forschungslücken können aus sehr unterschiedlichen Gründen entstehen. Entsprechend ist es wichtig, durch die Formulierung anzuzeigen, um was für eine Forschungslücke es sich handelt. Die folgende Übersicht zeigt, welche Arten von Forschungslücken es gibt und mit welcher Formulierung diese aufgezeigt werden können.
Übersicht: Art und Formulierung von Forschungslücken
| Art der Forschungslücke | Wissenschaftssprachliche Standardformulierung zum Aufzeigen einer Forschungslücke |
| ein bekannter Untersuchungsgegenstand wird mit einer neuen Methode bearbeitet | Die Methodik XY ist bisher noch nicht auf XY angewandt worden. |
| aktuelle Daten machen eine erneute Untersuchung eines bekannten Gegenstandes notwendig | Bisheriges Wissen über XY basiert auf bereits veralteten Daten. Es bedarf einer erneuten Untersuchung, die aktuelle Daten berücksichtigt. |
| ein bestimmter Aspekt eines bekannten Untersuchungsgegenstandes ist bisher vernachlässigt worden | Die bisherigen Forschungen beschränken sich auf XY und übersehen dabei… |
| ein bestimmter Aspekt eines bekannten Untersuchungsgegenstandes ist bisher nur oberflächlich betrachtet worden | Die bisherigen Untersuchungen zu XY bleiben an der Oberfläche und lassen eine vertiefte Auseinandersetzung mit XY vermissen. |
Darüber hinaus kann eine Forschungslücke mithilfe von Ausdrücken wie „bislang noch nicht“/ „derzeit“/ „etwas ist unklar“/ „ungeklärt“/ „unerforscht“/ „etwas ist noch nicht belegt“ formuliert werden.
Übung 10:
a) Wählen Sie drei einschlägige (Zeitschriften-)Reihen aus Ihrem Fachgebiet aus und verschaffen Sie sich einen Überblick über die Themen der letzten 4-5 Ausgaben. Machen Sie sich eine Liste der herausgefundenen Themen.
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
b) Formulieren Sie spontan eine Forschungslücke auf einem der Themengebiete aus Übung a).
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
2.3 Die Forschungsfrage formulieren
Das Thema einer Arbeit umfasst nur den Gegenstandsbereich. Es stellt daher noch lange keine Forschungsfrage dar. Die Forschungsfrage bezeichnet die Auseinandersetzung mit einem Thema unter einer bestimmten Fragestellung. Diese muss erst aus dem Thema entwickelt und formuliert werden. Für die Herausarbeitung einer Forschungsfrage kann man sich an folgenden Leitfragen orientieren:
Was genau ist spannend/ interessant an diesem Thema?
Worauf bin ich neugierig bei diesem Thema?
Was will ich in meiner Arbeit herausfinden?
Die Forschungsfrage gibt demnach Auskunft über das Erkenntnisinteresse, mit dem das Thema betrachtet wird. Zur Formulierung der Forschungsfrage eignen sich W-Fragen wie die folgenden:
Wer/wie/was/wann/wodurch/welche…?

| Thema | Forschungsfrage |
| Prosodie im DaF-Unterricht | Wie können prosodische Merkmale der gesprochenen Sprache im DaF-Unterricht vermittelt werden? |
Der Gegenstandsbereich dieser Arbeit ist der Unterricht im Fach Deutsch als Fremdsprache und dabei ist die Prosodie von Interesse. Oder umgekehrt: Der Gegenstandsbereich ist die Prosodie, und zwar auf den Unterricht im Fach Deutsch als Fremdsprache bezogen. Hierbei wird auch bereits grob das Fachgebiet umrissen, in dem sich die Arbeit verortet: Fremdsprachendidaktik/Philologie. Damit ist aber noch nicht klar, welche Problemstellung sich dabei ergibt. Darüber gibt die Forschungsfrage konkret Auskunft. In der rechten Spalte wird eine W-Frage formuliert, die ein klares Erkenntnisinteresse, nämlich die Vermittlung von Prosodie im DaF-Unterricht, erkennen lässt. Außerdem wird der Gegenstandsbereich weiter eingeschränkt: die Vermittlung prosodischer Merkmale. Das Modalverb können deutet darüber hinaus an, dass neben einer Bestandsaufnahme auch eigene Überlegungen oder Verbesserungsvorschläge in die Arbeit einfließen sollen.
Übung 11:
a) Formulieren Sie ein Thema und eine Forschungsfrage für eine wissenschaftliche Arbeit in Ihrem Fachgebiet. Halten Sie sich dabei an die Vorgaben aus 2.2 und 2.3.
Thema:
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
Forschungsfrage:
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
b) Formulieren Sie zu den vorgegebenen Themen jeweils eine Forschungsfrage.
| Thema | Forschungsfrage |
| Die politische Situation der Maori in Neuseeland | ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ |
| Kinderarmut in Entwicklungsländern | ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ |
| Der demographische Wandel und das deutsche Rentensystem | ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ |
| Dieselfahrverbote als Instrument der Umweltpolitik | ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ |
| Demokratieverständnis in China | ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ |
| Geschlechterstereotype in der Werbung | ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ |
Gibt es Kriterien für eine gute Forschungsfrage?
Auch wenn die Forschungsfrage in einer wissenschaftlichen Arbeit nur eine Frage ist, kann sie sinnvoll oder weniger sinnvoll formuliert werden. Da sie leitend für die gesamte Argumentation der wissenschaftlichen Arbeit ist (vgl. Kapitel 3), sollte man sich ausreichend Zeit nehmen für eine angemessene Formulierung der Forschungsfrage.
Kriterien für eine angemessene Forschungsfrage:
Eindeutigkeit und Ausrichtung auf das Thema
im Rahmen der Arbeit beantwortbar (möglichst keine Entscheidungsfragen)
dem Umfang der Arbeit entsprechend
ohne falsche Vorannahmen
Thema: Unterschiede in der Nutzung von Datingportalen bei Männern und Frauen
Forschungsfrage: Warum benutzen Frauen häufiger als Männer Datingportale?
Diese Forschungsfrage ist aus mehreren Gründen ungeeignet.
1 Sie enthält eine Vorannahme, die noch zu prüfen wäre (dass Frauen häufiger Datingportale benutzen, als Männer)
2 Der Gegenstandsbereich Datingportale ist für eine empirische Untersuchung zu weit gefasst
3 In der Formulierung der Forschungsfrage wird nicht erkennbar, auf welchem Wege diese Frage beantwortet werden könnte
Eine sinnvolle Formulierung ist:
Wie unterscheidet sich die Nutzung der Dating-Plattform parship bei Frauen und Männern in Bezug auf Häufigkeit, Dauer sowie der Altersstruktur der Nutzer?
Diese Forschungsfrage ist präziser formuliert. Hier wird deutlich, welche Schritte zu ihrer Beantwortung nötig sind und welches Erkenntnisinteresse genau beim Thema Nutzung von Dating-Plattformen bei Frauen und Männern besteht.
Übung 12:
Beurteilen Sie, ob die folgenden Forschungsfragen jeweils sinnvoll formuliert sind und machen Sie ggf. Verbesserungsvorschläge.
1 Forschungsfrage: Kann eine Reformierung der europäischen Institution die EU retten?Besser: _______________________________________________________________
2 Forschungsfrage: Warum erhöht sich der Flächenfraß im Großraum München?Besser: _______________________________________________________________
3 Forschungsfrage: Was gibt es für neue Tendenzen in der Unternehmensführung?Besser: _______________________________________________________________
4 Forschungsfrage: Wie funktionieren das deutsche und das amerikanische Gesundheitssystem?Besser: _______________________________________________________________
5 Forschungsfrage: Was sagen die neuesten Statistiken über das Konsumverhalten aus?Besser: _______________________________________________________________
6 Forschungsfrage: Warum bietet die Homöopathie die besseren Heilungschancen bei Krebserkrankungen?Besser: _______________________________________________________________
Eine wissenschaftliche Arbeit kann auch mehrere Forschungsfragen enthalten. Wichtig ist, dass während des Schreibens stets diese Forschungsfrage(n) im Blick behalten werden und der Aufbau der Arbeit auf die Beantwortung dieser Forschungsfrage(n) hin ausgerichtet ist. Dabei sollte stets klar sein, was die einzelnen Kapitel mit der Forschungsfrage zu tun haben und welchen Beitrag sie zu ihrer Beantwortung leisten (vgl. Kapitel „Kohärenz“).
Übung 13:
Lesen Sie die folgende Einleitung zu einer wissenschaftlichen Arbeit und notieren Sie das Thema und die Forschungsfragen.
Der Begriff „Armut“ ist ein in den Medien und in der Politik häufig verwendetes Schlagwort. Es erscheint häufig in Kompositaformen wie „Alters-“ oder „Kinderarmut“ und dient oftmals als Einstieg in Gerechtigkeitsdebatten. Doch was versteht die Sozialwissenschaft unter „Armut“? Welche Konzepte von „Armut“ lassen sich in der sozialwissenschaftlichen Literatur finden und wo liegen deren Unterschiede? Und nicht zuletzt: Welcher dieser Armuts-Begriffe erscheint für unsere globalisierte Welt am sinnvollsten? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Damit soll die Arbeit einen Beitrag dazu leisten, den Armuts-Begriff zu differenzieren und eine Basis für zukünftige Gerechtigkeitsdebatten zu schaffen.
Thema:
__________________________________________________________________________
Forschungsfrage(n):
__________________________________________________________________________
Für die Formulierung einer Forschungsfrage eignen sich folgende sprachliche Ausdrucksmittel:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen für die Forschungsfrage:
| Standardformulierungen von Forschungsfragen | Beispiele |
| Einfluss haben auf | Welchen Einfluss hat…auf… |
| Ursachen sein für | Was sind die Ursachen für… |
| Auswirkungen auf | Welche Auswirkungen von…auf…zeigen sich |
| Konsequenzen für | Mit welchen Konsequenzen ist bei…zu rechnen |
| Chancen und Risiken für | Wie sind die Chancen und Risiken für…zu bewerten |
| Anforderungen/ Bedingungen/ Kriterien/ Voraussetzungen für | Welche Anforderungen werden an…gestellt/ Welche Kriterien müssen für…erfüllt sein |
| Probleme/ Schwierigkeiten/ Herausforderungen bei | Worin bestehen die Herausforderungen bei…/ Was sind die häufigsten Probleme bei… |
| Merkmale/ Eigenschaften von | Welche Eigenschaften weisen…auf |
| Typen/ Arten/ Grundformen von | Was sind die wichtigsten Grundformen von…/ Welche Typen von…lassen sich unterschieden |
| Motive/ Ziele für | Welche Ziele werden bei…verfolgt/ Was sind die Motive für… |
Übung 14:
Ergänzen Sie die Tabelle, indem Sie die vorgegebenen Standardformulierungen verwenden, um eine selbst gewählte Forschungsfrage zu benennen.
| Standardformulierung | Beispiel |
| einer Frage nachgehen | In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden,… |
| eine Frage beantworten | |
| eine Frage stellen | |
| eine Antwort auf die Frage finden | |
| eine Frage erörtern | |
| auf eine Frage eingehen | |
| eine Frage diskutieren | |
| sich mit einer Frage beschäftigen/ befassen | |
| sich einer Frage widmen | |
| eine Frage klären |
Überprüfen Sie regelmäßig, ob Sie beim Schreiben noch mit der Beantwortung der Forschungsfrage beschäftigt sind, damit Sie nicht abschweifen. Spätestens im Schlusskapitel Ihrer Arbeit sollten Sie noch einmal auf Ihre Forschungsfrage zurückkommen und diese beantworten.
2.4 Die Zielsetzung klar formulieren
Die Forschungsfrage ist mit der Zielsetzung einer wissenschaftlichen Arbeit nicht gleichzusetzen. Letztere leitet sich von folgender Überlegung ab:
Was möchte ich mit der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit erreichen?
Während die Forschungsfrage in Form einer W-Frage formuliert wird, enthält die Formulierung der Zielsetzung ein konkretes Verb, das Auskunft darüber gibt, welches Ziel erreicht werden soll und ggf. was zur Erreichung dieses Ziels getan werden muss.
Folgende Auflistung enthält Verben, die eine Zielsetzung definieren können:
Etwas analysieren, d.h. einen Sachverhalt/Gegenstand in seinen Eigenschaften genauer beschreiben
Etwas definieren, d.h. einen Sachverhalt oder Gegenstand genauer bestimmen
Etwas vergleichen, d.h. mehrere Sachverhalte/Gegenstände einander gegenüberstellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufinden
Etwas validieren, d.h. ein bestehendes Verfahren einer praktischen Überprüfung unterwerfen um seine Gültigkeit zu bestätigen, zu verwerfen oder einzuschränken
Etwas prognostizieren, d.h. auf der Basis von vorhandenen und evtl. neuen (eigenen) Forschungserkenntnissen die Entwicklung eines Sachverhaltes/Gegenstandes vorhersagen
Etwas diskutieren, d.h. Argumente für verschiedene Sichtweisen auf einen Gegenstand anführen, einander gegenüberstellen und bewerten
…
Um das Ziel der Arbeit sprachlich korrekt anzuzeigen, eignen sich folgende Standardformulierungen:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen für das Anzeigen der Zielsetzung:
| Standardformulierung | Beispiel |
| Ziel der Arbeit sein | Ziel der vorliegenden Arbeit ist es,… |
| zum Ziel haben | Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel… |
| das Ziel verfolgen | Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel… |
| einen Beitrag leisten | Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zu…leisten |
| soll betrachten/ analysieren/ vergleichen/ untersuchen/ erläutern/ diskutieren… Konkretes Verb, das Auskunft darüber gibt, was in der Arbeit gemacht werden soll | In der vorliegenden Arbeit soll(en)…analysiert/untersucht/erläutert…werden. |
Das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit hängt von der Forschungsfrage ab. Entsprechend muss auch ein Zusammenhang zwischen der Formulierung der Forschungsfrage und der Formulierung der Zielsetzung bestehen.
Die folgende Gegenüberstellung zeigt die Unterschiede in der Formulierung von Forschungsfrage und Zielsetzung:
| Forschungsfrage (Was will ich herausfinden?) | Zielsetzung (Was will ich erreichen?) |
| Wie stellt sich…dar? | etwas soll näher beschrieben werden |
| Warum…/ welche Gründe…? | etwas soll begründet/ erklärt werden |
| Welche Unterschiede/ Gemeinsamkeiten…? | etwas soll verglichen werden |
| Welche Maßnahmen…? | für ein Problem sollen Lösungsansätze aufgezeigt werden |
| Wie werden zukünftig…? | es soll eine Prognose abgegeben werden |
| Welche Bedeutung hat…für…? | die Auswirkungen auf etwas sollen analysiert werden |
| Wie ist…zu beurteilen? | etwas soll bewertet/ evaluiert werden |
Übung 15:
Formulieren Sie zu einem selbstgewählten Thema eine Fragestellung und eine Zielsetzung.
| Thema formulieren | |
| Forschungsfrage formulieren | |
| Zielsetzung formulieren |
Die Zielsetzung einer wissenschaftlichen Arbeit kann aus einem Hauptziel und mehreren Teilzielen bestehen. Während Hauptziele aufzeigen, was mit der Arbeit insgesamt erreicht werden soll, geben die Teilziele Auskunft darüber, welche Etappen zur Erreichung des Hauptziels erforderlich sind.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Möglichkeiten der Vermittlung prosodischer Merkmale der gesprochenen Sprache im DaF-Unterricht auszuloten. Dafür sollen zunächst DaF-Lehrwerke in Hinblick auf die Berücksichtigung prosodischer Merkmale analysiert und anschließend Vorschläge zur Didaktisierung gesprochener Sprache aufgezeigt werden.
| Hauptziel | ||
| Möglichkeiten der Vermittlung prosodischer Merkmale der gesprochenen Sprache im DaF-Unterricht ausloten | ||
| Teilziel 1 | Teilziel 2 | |
| DaF-Lehrwerke im Hinblick auf die Berücksichtigung prosodischer Merkmale analysieren | Vorschläge zur Didaktisierung gesprochener Sprache aufzeigen |
Spätestens im Schlussteil Ihrer Arbeit muss kontrolliert werden, ob die formulierten Ziele im Rahmen der Arbeit tatsächlich erreicht worden sind. Mit Formulierungen wie Das Ziel der vorliegenden Arbeit war…greifen Sie die eingangs formulierte Zielsetzung wieder auf.
Eine gelungene Formulierung der Zielsetzung einer wissenschaftlichen Arbeit ist:
klar und einfach
messbar
zeitlich realistisch
Übung 16:
a) Wählen Sie ein Thema, das sich für eine wissenschaftliche Arbeit in Ihrem Fachgebiet eignet und beantworten Sie die drei folgenden Fragen.
Was will ich herausfinden?
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
Wie will ich es herausfinden?
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
Warum will ich es herausfinden?
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
b) Formulieren Sie daraus eine strukturierte Zielsetzung nach den oben genannten Vorgaben.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
Festzuhalten ist, dass Thema, Forschungsfrage und Zielsetzung einer Arbeit zusammenwirken. Je genauer Sie sich mit der jeweiligen Formulierung befassen, desto zielgerichteter können Sie die Argumentation Ihrer Arbeit aufbauen. Für den Leser hat dies den Effekt, dass er stets den Überblick darüber behält, was Sie an welcher Stelle tun und warum.
Überblick: Zusammenhang von Thema, Forschungsfrage und Zielsetzung
| Komponente | Stellenwert der Komponente | Beispiel |
| Thema | Womit beschäftigt sich die Arbeit? ⇒ Gegenstandsbereich | Zitieren als Problem wissenschaftlicher Arbeiten |
| Forschungsfrage | Was will ich herausfinden? ⇒ Erkenntnisinteresse | Welche Herausforderungen ergeben sich beim Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten und wie können diese schreibdidaktisch bewältigt werden? |
| Zielsetzung: Hauptziel Teilziel 1 Teilziel 2 | Was will ich mit der Arbeit erreichen? ⇒ Forschungsleistung | Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aus schreibdidaktischer Perspektive Probleme und Lösungen im Bereich des Zitierens in wissenschaftlichen Arbeiten zu diskutieren. Dafür soll zunächst ein Überblick über die zentralen Problembereiche beim Zitieren in studentischen Abschlussarbeiten erarbeitet werden, um im Anschluss daran didaktische Ansätze zu entwickeln, mit denen sich die einzelnen Fehlerquellen gezielt beheben lassen. |
Übung 17:
Verfassen Sie eine strukturierte Einleitung für eine wissenschaftliche Arbeit zu einem Thema Ihrer Wahl. Formulieren Sie für jedes Element der Einleitung mehrere Sätze. Nutzen Sie dafür die wissenschaftssprachlichen Standardformulierungen.
| Elemente | ausformulierte Einleitungssätze |
| Das Thema benennen | |
| Die Relevanz des Themas begründen | |
| Das Thema eingrenzen | |
| Die Eingrenzung begründen | |
| Die Forschungslücke aufzeigen | |
| Die Fragestellung formulieren | |
| Die Zielsetzung formulieren |
Lösungen zu Kapitel 2
Übung 1:
Individuelle Lösung je nach Thema
Übung 2:
| Thema | Das Thema benennen |
| Goethes Auseinandersetzung mit dem Islam in seinem Werk „Der West-Östliche Divan“ | Goethe hat sich in seinem Spätwerk nicht nur mit dem Nahen und Fernen Osten als geographischem Ort, sondern auch mit deren kultureller und religiöser Prägung beschäftigt. Thema der vorliegenden Arbeit ist demnach seine Auseinandersetzung mit dem Islam im „West-östlichen Divan“. |
| Die Auslandseinsätze der Bundeswehr in Mali und Afghanistan in den Jahren 2011-2017 | Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Mali und Afghanistan. Dabei wird der Zeitraum zwischen 2011 und 2017 betrachtet. |
| Maßnahmen des Europäischen Währungsfonds nach der Finanzkrise 2008 | Die vorliegende Arbeit widmet sich den Maßnahmen des Europäischen Währungsfonds nach der Finanzkrise 2008. |
| Therapieansätze für minderjährige Geflüchtete aus Syrien mit posttraumatischen Belastungsstörungen | Die vorliegende Untersuchung wendet sich Therapieansätzen für minderjährige Geflüchtete aus Syrien zu. Genauer betrachtet werden dabei posttraumatische Belastungsstörungen. |
| Gartenbaukunst im Versailles Ludwigs des XIV | Gegenstand der vorliegenden Studie ist die Gartenbaukunst im Versailles Ludwigs des XIV. |
Übung 3:
Individuelle Lösung je nach Thema
Übung 4:
| Schlagwort | W-Fragen | präzises Thema |
| Die Frauenbewegung | Welche Frauenbewegung (in welchem Land) betrachte ich? Welchen Zeitraum betrachte ich? Was sind meine Quellen? | Die europäische Frauenbewegung im Spiegel der deutschen Presse in den Jahren 1914-1924 |
| Umweltverschmutzung in Schwellenländern | Welche Schwellenländer werden betrachtet? Welche Art von Umweltverschmutzung ist relevant? | Die Luftverschmutzung in Rio de Janeiro und Kalkutta |
| Die Europäische Union | Wie und wann wurde sie gegründet? | Die Entstehungsgeschichte der Europäischen Union |
| Sex in der Werbung | Welches Werbemedium soll betrachtet werden? Welche Ausdrucksformen von Sex werden betrachtet? | Erotische Konnotationen in der Online-Automobilwerbung |
| Vegane Ernährungstrends | Welches Medium soll betrachtet werden? Welcher Zeitraum soll betrachtet werden? | Vegane Ernährungstrends auf dem deutschsprachigen Kochbuchmarkt der letzten zehn Jahre |
| Polen und der Katholizismus | Welcher Zeitraum soll betrachtet werden? Was ist mit ‚Polen‘ gemeint? | Die Bedeutung des Katholizismus für das polnische Nationalverständnis seit dem Ende der Sowjetunion |
Übung 5:
Individuelle Lösung je nach Thema
Übung 6:
Es fehlt eine Eingrenzung des Themas und die Begründung für die vorgenommene Eingrenzung.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Kommunikation in internationalen Unternehmen. Den Schwerpunkt bildet die interkulturelle Kommunikation in deutsch-tschechischen grenznahen Unternehmen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Kommunikation in Teambesprechungen, da diese Art der Face-to-face-Kommunikation eine besondere Herausforderung für die interkulturelle Kommunikation darstellt. Um dieses Problemfeld analysieren zu können, wird in dieser Arbeit ein Ansatz der mehrsprachigen Kommunikation vorgestellt, der die Relevanz der Muttersprache und der Fremdsprache hervorhebt.
Übung 7:
| Schlagwörter | präzises Thema mit Bezügen |
| Gewerkschaft, Macht, Warnstreiks | Die Macht der Gewerkschaften durch das Mittel des Warnstreiks |
| Johann Sebastian Bach, Einfluss, Mendelssohn | Johann Sebastian Bachs Einfluss auf Mendelssohns geistliche Kompositionen |
| Digitalisierung, Chance, Risiko, Arbeitsplätze | Chancen und Risiken der Digitalisierung für Arbeitsplätze in der Industrie |
| Kultur, Identität, Konstruktion | Die Konstruktion von Kultur und Identität im öffentlichen Diskurs |
| Klimawandel, Agrarpolitik, EU-Subventionen | Die EU-Subventionen in der Agrarpolitik als Maßnahme gegen den Klimawandel |
| Schuld, Dostojewski | Die Schuldfrage in Dostojewskis Roman „Krieg und Frieden“ |
Übung 8:
| Thema | angemessen/ unangemessen | Begründung | Verbesserungsvorschlag |
| Bildung | [ ] / [ x ] | zu kurz kein Fachbezug erkennbar kein genau erkennbarer Gegenstandsbereich | Der Einfluss frühkindlicher Bildung auf die späteren Berufsaussichten. Auswertung erziehungswissenschaftlicher Langzeitstudien |
| Ethnologische Theoriebildungen der Postmoderne. Michel Foucaults Biografie und sein Einfluss | [ ] / [ x ] | Einfluss worauf? | Michel Foucault. Biografie und Einfluss auf die Ethnologischen Theoriebildungen der Postmoderne |
| Neu erschlossene Industriegebiete erhöhen den Flächenfraß | [ ] / [ x ] | keine Themenformulierung in Satzform | Erhöhung des Flächenfraßes durch neu erschlossene Industriegebiete |
| Unternehmensführung 2.0 | [ ] / [ x ] | „2.0“ ist stilistisch unangemessen (werbesprachlich) und zudem nicht aussagekräftig kein Fachbezug erkennbar kein genau erkennbarer Gegenstandsbereich | Moderne Unternehmensführung im Zeitalter von Homeoffice und Digitalisierung |
| Welche Auswirkungen hat die theoretische Ausrichtung des Evolutionismus auf die heutige Ethnologie? | [ ] / [ x ] | Satzform | Auswirkungen der theoretischen Ausrichtung des Evolutionismus auf die heutige Ethnologie |
| Der Skeptizismus in der Antike. Seine verschiedenen Versionen und Vertreter | [ x ] / [ ] | ||
| Europäische Institutionen | [ ] / [ x ] | kein Fachbezug erkennbar kein genau erkennbarer Gegenstandsbereich | Die Rolle des EU-Parlaments unter den Europäischen Institutionen |
| Wohlstand und Gesundheit. Inwieweit besteht ein Zusammenhang? | [ ] / [ x ] | Frageform | Der Zusammenhang von Wohlstand und Gesundheit |
| Regietheater versus Werktreue | [ ] / [ x ] | „versus“ ist stilistisch unangemessen und wenig aussagekräftig | Regietheater und Werktreue als zwei gegensätzliche Aufführungspraxen |
| Natur und Klima Namibias | [ x ] / [ ] | könnte noch präzisiert werden, ist aber ok | |
| Wie entsteht Übersäuerung der Böden? | [ ] / [ x ] | Frageform | Ursachen für die Übersäuerung der Böden |
| Schmerzbehandlung in der Palliative Care. Aufgaben und Funktion der Pflegenden bei der Schmerztherapie | [ x ] / [ ] | ||
| Neueste Statistiken zum Konsumverhalten | [ ] / [ x ] | wessen Konsumverhalten? was wird mit diesen Statistiken gemacht? | Das Konsumverhalten der unter 16-Jährigen. Auswertung der neuesten Statistiken |
| Kernpunkte der Homöopathie | [ ] / [ x ] | kein genau erkennbarer Gegenstandsbereich | XY als Kernpunkte der Homöopathie |
| Die Nahostfrage in der medialen Berichterstattung. Eine kommunikationswissenschaftliche Betrachtung des israelisch-palästinensischen Konfliktes anhand von Fallbeispielen | [ x ] / [ ] |
Übung 9:
| Thema benennen | Thema begründen | Thema eingrenzen | Eingrenzung begründen |
| Der folgende Beitrag untersucht… | Der Beitrag erweitert und differenziert bisherige Ergebnisse zu Deixis, Gestik und Blick. | …die systematisch auftreten, wenn… | Während…ist…bislang kaum konversationsanalytisch untersucht worden. |
Übung 10:
Individuelle Lösung
Übung 11:
a) Individuelle Lösung
b)
| Thema | Forschungsfrage |
| Die politische Situation der Maori in Neuseeland | Wie hat sich die politische Situation der Maori in Neuseeland in den letzten 20 Jahren verändert? |
| Kinderarmut in Entwicklungsländern | Welche politischen und wirtschaftlichen Missstände führen zu Kinderarmut in Entwicklungsländern? |
| Der demographische Wandel und das deutsche Rentensystem | Welche Auswirkungen hat der demographische Wandel auf das deutsche Rentensystem? |
| Dieselfahrverbote als Instrument der Umweltpolitik | Inwiefern stellen Dieselfahrverbote ein Instrument der Umweltpolitik dar? |
| Demokratieverständnis in China | Welcher gesellschaftspolitische Kontext prägt das Demokratieverständnis in China? |
| Geschlechterstereotype in der Werbung | Nach welchen sprachlichen Mustern werden Geschlechterstereotype in der Werbung gestaltet? |
Übung 12:
1 Forschungsfrage: Kann eine Reformierung der europäischen Institution die EU retten?Kommentar: Es handelt sich um eine Entscheidungsfrage, die für eine Forschungsfrage ungeeignet ist. Besser ist eine W-Frage. Zudem ist die Frage durch das Verb „retten“ tendenziös formuliert.Besser: Wie kann eine Reformierung der europäischen Institutionen zu mehr Effizienz und Transparenz der EU beitragen?
2 Forschungsfrage: Warum erhöht sich der Flächenfraß im Großraum München?Kommentar: Das Fragewort „warum“ ist für die Formulierung einer Forschungsfrage ungeeignet, da es zu unkonkret ist.Besser: Welche Ursachen erklären die Erhöhung des Flächenfraßes im Großraum München?
3 Forschungsfrage: Was gibt es für neue Tendenzen in der Unternehmensführung?Kommentar: Die Forschungsfrage ist sehr umgangssprachlich formuliert („Was gibt es für…“) und zudem unspezifisch („neue“).Besser: Welche Tendenzen lassen sich in der Unternehmensführung der letzten zehn Jahre erkennen?
4 Forschungsfrage: Wie funktionieren das deutsche und das amerikanische Gesundheitssystem?Kommentar: Das Fragewort „wie“ ist zu unspezifisch.Besser: Wie unterscheiden sich das deutsche und das amerikanische Gesundheitssystem?
5 Forschungsfrage: Was sagen die neuesten Statistiken über das Konsumverhalten aus?Kommentar: Die Formulierung „was sagen…aus“ ist zu allgemein und zudem salopp.Besser: Welche Rückschlüsse lassen sich aus den aktuellen Statistiken auf das Konsumverhalten ziehen?
6 Forschungsfrage: Warum bietet die Homöopathie die besseren Heilungschancen bei Krebserkrankungen?Kommentar: Die Fragestellung geht von einer falschen Vorannahme aus. Zudem ist das Fragewort „warum“ zu unspezifisch.Besser: Wie begründet der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte den Erfolg der Homöopathie bei der Therapie von Krebserkrankungen?
Übung 13:
Thema: Armuts-Begriffe in den Sozialwissenschaften
Forschungsfrage(n): Welche Konzepte von „Armut“ lassen sich in der sozialwissenschaftlichen Literatur finden und wo liegen deren Unterschiede? Welcher dieser Armuts-Begriffe erscheint für unsere globalisierte Welt am sinnvollsten?
Übung 14:
| Standardformulierung | Beispiel |
| einer Frage nachgehen | In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden,… |
| eine Frage beantworten | Die vorliegende Arbeit beantwortet die Frage,… |
| eine Frage stellen | In dieser Arbeit stellt sich die Frage,… |
| eine Antwort auf die Frage finden | In dieser Arbeit soll die Antwort auf die Frage gefunden werden,… |
| eine Frage erörtern | Die vorliegende Arbeit erörtert die Frage,… |
| auf eine Frage eingehen | In der vorliegenden Arbeit wird auf die Frage eingegangen,… |
| eine Frage diskutieren | In der vorliegenden Arbeit wird die Frage diskutiert,… |
| sich mit einer Frage beschäftigen/ befassen | Die vorliegende Arbeit beschäftigt/ befasst sich mit der Frage,… |
| sich einer Frage widmen | Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage,… |
| eine Frage klären | In dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden,… |
Übung 15:
Individuelle Lösung je nach Thema
Übung 16:
Individuelle Lösung je nach Thema
Übung 17:
Individuelle Lösung je nach Thema
3 Argumentationsverfahren – Argumentatives Formulieren
Inhalt des Kapitels
3.1 Was ist wissenschaftliches Argumentieren?
3.2 Eine schriftliche Argumentation schlüssig formulieren
3.3 Eigene und fremde Positionen abwägen und formulieren
3.4 Schlussfolgerungen formulieren
Sind Thema, Fragestellung und Zielsetzung formuliert, wurde die relevante Literatur ausgewertet und ggf. eine empirische Untersuchung durchgeführt, besteht die nächste Aufgabe beim wissenschaftlichen Schreiben darin, die Argumentation zu strukturieren und zu formulieren. Die Argumentation einer wissenschaftlichen Arbeit spiegelt den Gedankengang der Verfasserin wider und soll den Leser von der Schlüssigkeit des Gedankenganges überzeugen.
Doch was genau tun wir beim Argumentieren und wie ist eine schlüssige Argumentation aufgebaut? Wie werden grundlegende Elemente beim Argumentieren (Hypothesen, Einwände, Schlussfolgerungen) formuliert? Ziel des Kapitels ist es, Schreibenden das Werkzeug für geschicktes Formulieren von Argumenten an die Hand zu geben und Wege zur Vermeidung von Formulierungsfehlern beim Argumentieren aufzuzeigen.
3.1 Was ist wissenschaftliches Argumentieren?
„Argumentieren“ (von lat. „arguere – erhellen, beweisen“) bedeutet, Argumente und Begründungen vorzubringen, um eine Aussage zu untermauern oder zu entkräften. Der Begriff „Argumentieren“ bezieht sich auf die Vorgehensweise beim Formulieren und kritischen Bewerten strittiger Positionen. Argumentieren begleitet uns in nahezu jeder kommunikativen Situation. Allerdings unterscheidet sich wissenschaftliches Argumentieren von alltäglichem Argumentieren in mehrfacher Hinsicht. In der folgenden Übersicht sind die wesentlichen Unterscheidungsaspekte zwischen den beiden Formen des Argumentierens zusammengefasst:
| Argumentieren im Alltag ist | Argumentieren in der Wissenschaft ist |
| spontan: Beim alltäglichen, meist mündlichen Argumentieren entwickeln sich Argumente im Laufe eines Gesprächs. Die Diskussionspartner formulieren ihre Standpunkte spontan. Dabei kommt es häufig zu Korrekturen, Wiederholungen oder Abschweifungen. | vorgeplant: In wissenschaftlichen Texten ist die Argumentation vorstrukturiert und alle Argumente und ihre Formulierungen werden vorgeplant. Dadurch kann eine stringente und schlüssige Argumentation entstehen, die frei von Widersprüchen formuliert ist. |
| dialogisch: Beim alltäglichen Argumentieren stehen sich zwei oder mehr Beteiligte gegenüber, die ihre Argumente austauschen und aufeinander reagieren. Dadurch kommen mehrere Sichtweisen zum Tragen und Argumente und Gegenargumente können direkt aufeinander bezogen werden. | monologisch: Beim schriftlichen wissenschaftlichen Argumentieren muss der Verfasser alle Argumente und Gegenargumente selbst entwickeln und darlegen. Mögliche Einwände gegen die eigene Position müssen vom Verfasser antizipiert und in die Argumentation mit aufgenommen werden. |
| subjektiv und emotional: Wenn Menschen im Alltag miteinander diskutieren, ist dies meist mit einer hohen inneren Beteiligung verbunden. Alltägliche Argumentationen bestehen daher häufig aus persönlichen Meinungen und subjektiven Urteilen, die sich nicht immer rational begründen lassen. | nachprüfbar und rational: In der Wissenschaft gibt es feste Kriterien dafür, was als Argument für oder gegen eine Position angeführt werden kann. Hier spielt der Begriff der „Intersubjektivität“ eine Rolle: Argumente müssen unabhängig von Einzelpersonen überprüfbar und nachvollziehbar sein. |

| Argumentieren im Alltag | Argumentieren in der Wissenschaft |
| Sie: und ICH zum beispiel ich eh ich finde finde es SCHRECKlich wenn ich geHÖRT habe, ja gut in in RUSSland da hat hat man natürlich keine trauung vorm alTAR mehr, da geht man in ein schön hEIratspaLAST, da beZAHLT man na wEIß nich wie viel GELD dafür, dann hat man bisschen bisschen muSIK und dann hält irgend ne beZIRKSleiter noch ne ANsprache und dann werden pro Tach vierzich EHen geschlossen.alles KÜHL und SACHlich ER: ja das geNÜCHT ja auch SIE: ja? MIR nich ER: also mir genücht die formaliTÄT, dass es auf m paPIER steht, SCHÖN, also geHÖRT mir nun endlich, JA? Das geNÜCHT mir SIE: ja? Äh ja vieLLEICHT? Aber ich meine ER: ich brauch da nich noch großartich eine eine beSTEtigung von vom pasTOR oder so SIE: nEIn, pass mal AUF ER: eh SIE: eh GUT ER: dass sie dass sie mir geHÖRT. Ja? SIE: AU ja also die frau gehört DIR ER: dazu brauch SIE: das ist ja überHAUPT mal die frage. das is nach deiner vorigen definiTION ER: ja ich meine SIE: darf die DIR die frau gar nich geHÖren ER: nein nein verSTEH das nich SIE: ihr gehört zuSAMMEN. ja ER: ja also dass wir zuSAMMENgehörn. Äh das wird durch eine formaliTÄT bestätigt, ja SIE: oh das ist für DICH nur ne formaliTÄT (leicht modifiziertes und vereinfachtes Transkript nach Schwitalla 2003:47) | „Statt Grammatik als fertiges Produkt zu betrachten, beabsichtigt die vorliegende Studie, die Produktion syntaktischer Strukturen in ihrer echtzeitlichen Emergenz zu behandeln. Am Beispiel von Pseudoclefts im Englischen und Deutschen […] soll der Versuch unternommen werden, die syntaktische Konstruktion in ihrer zeitlichen Produktion in konkreten Interaktionskontexten zu analysieren. Wir werden argumentieren, dass die zeitliche Dimension bei einer Beschreibung der formalen und funktionalen Merkmale wie auch der interaktionalen Realisierung von Pseudoclefts im gesprochenen Englisch und Deutsch deshalb nicht ausgeblendet werden kann, da sie die formalen wie auch funktionalen Charakteristika der Konstruktion im Gebrauch prägt. Pseudoclefts (wie zahlreiche andere grammatische Konstruktionen) sind geradezu auf Aspekte der Zeitlichkeit in Interaktionen hin ausgerichtet (Hopper 2001a,b, 2004, 2008; Auer 2007; Günthner 2006b, 2008a,b,c). Zugleich wird ersichtlich, dass eine Analyse, die grammatische Strukturen in ihrer zeitlichen Entfaltung betrachtet, zu teilweise anderen Ergebnissen kommt als traditionelle linguistische Studien, die sprachliche Konstruktionen als feste, dekontextualisierte Entitäten beschreiben.“ (Günthner/ Hopper 2010:5) |
3.1.1 Wissenschaftlich schreiben heißt kommunizieren
Wissenschaftler verstehen sich als Teil einer „scientific community“ und nutzen wissenschaftliche Publikationen dafür, miteinander in einen Diskurs zu treten. Auch wenn das Schreiben etwas Monologisches ist und der Leser einen nur sehr abstrakten Adressaten darstellt, sollte wissenschaftliches Argumentieren auf diese potenziellen Adressaten hin ausgerichtet sein. Konkret heißt das: Mögliche Gegenpositionen und Einwände müssen berücksichtigt und in die eigene Argumentation mit aufgenommen werden.
„Sicherlich ist eine "Nachverbrennung" (Schwitalla 2006) mit deswegen der emergenten on-line-Prozessierung von Sprache geschuldet (vgl. Auer 1997;2006 zu Expansionen); allerdings werden in den hier genannten Beispielen keine Elemente nachgeschoben, die sich ohne eine Bedeutungsveränderung in die direkt vorhergehende syntaktische Struktur einbinden ließen. Die Verwendung von syntaktisch und prosodisch desintegriertem deswegen stellt also bei der Prozessierung des Gesagten hohe Anforderungen an die RezipientInnen.“ (König 2012:66)
Die Argumentation in diesem Beispiel ist folgendermaßen aufgebaut:
| Argumentative Elemente | Textpassage |
| Eingeleitet wird die Argumentation hier durch das Adverb „sicherlich“. Mit dieser Formulierung wird ein (möglicher) Einwand markiert. | sicherlich ist […] |
| Im Folgenden wird der Einwand formuliert. | eine "Nachverbrennung" (Schwitalla 2006) mit deswegen der emergenten on-line-Prozessierung von Sprache geschuldet. |
| Im Anschluss wird dieser Einwand entkräftet, markiert durch das Adverb „allerdings“. | allerdings werden in den hier genannten Beispielen keine Elemente nachgeschoben, die sich ohne eine Bedeutungsveränderung in die direkt vorhergehende syntaktische Struktur einbinden ließen |
| Als Beleg dafür wird auf Beispiele verwiesen, die die eigene Sichtweise illustrieren sollen. | in den hier genannten Beispielen |
| Abschließend formuliert die Verfasserin eine Schlussfolgerung, markiert durch „also“. | Die Verwendung von syntaktisch und prosodisch desintegriertem deswegen stellt also bei der Prozessierung des Gesagten hohe Anforderungen an die RezipientInnen |
Mit dieser argumentativen Formulierung greift die Verfasserin einen (möglichen) Einwand gegen ihre Aussagen auf und entkräftet ihn anhand eigener Forschungsergebnisse.
Wenn Sie beim schriftlichen Argumentieren auf einen Einwand eingehen, können Sie folgende wissenschaftssprachliche Formulierungen verwenden:
Wissenschaftssprachliche Standardformulierungen (auf einen Einwand eingehen)
| Standardformulierung | Beispielformulierung |
| sicherlich…allerdings/ aber/ jedoch | Es ist sicherlich so, dass…Allerdings… |
| einwenden können, aber/ jedoch | Hier könnte man einwenden,…jedoch… |
| zwar…, aber/jedoch/allerdings | Zwar hat…gezeigt, dass…Die hier untersuchten Daten ergeben jedoch… |
| einen Einwand entkräften | Der Einwand, es sei…lässt sich dadurch entkräften, dass… |
Übung 1:
Formulieren Sie eine schlüssige Argumentation, bei der Sie die vorgegebenen Elemente sprachlich sinnvoll in einen Zusammenhang bringen. Verwenden Sie die Standardformulierungen aus der Tabelle oben.
Eigene Position: Um den erneuerbar erzeugten Windstrom vom Norden in den Süden Deutschlands zu transportieren, müssen neue Leitungen gebaut werden.
möglicher Einwand: Statt auf neue Stromtrassen sollte besser auf eine dezentrale Stromversorgung gesetzt werden.
Entkräften des Einwandes: Dezentrale Stromversorgung ist derzeit technisch nicht mit der gewünschten Versorgungssicherheit möglich.
Argumente für die Entkräftung des Einwandes: Es fehlt bisher an effizienter Speichertechnik z.B. für Strom, der aus Solaranlagen gewonnen wird.
Schlussfolgerung: Bis zur Weiterentwicklung von Speichertechnik und der flächendeckenden Versorgung mit dezentral erzeugter Energie muss der Strom von Norden nach Süden über leistungsstarke Leitungen transportiert werden.
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3.1.2 Argumentieren in Einleitung, Hauptteil und Schluss
An welchen Stellen in der Arbeit wird argumentiert? Das Argumentieren hat in den einzelnen Teilen einer wissenschaftlichen Arbeit einen unterschiedlichen Stellenwert. Es wird jedoch mitnichten erst im Hauptteil relevant. Streng genommen muss jeder Schritt auf dem Weg zu den Forschungsergebnissen dargelegt und argumentativ begründet werden. In allen Teilen der Arbeit wird also argumentiert.
Argumentatives Formulieren in der Einleitung: In der Einleitung zielt die Argumentation unter anderem darauf ab, die wissenschaftliche Relevanz der Fragestellung und die in der Arbeit verwendete Methode zu begründen. Hier hat Argumentieren einen rechtfertigenden Charakter. Das heißt, man beantwortet damit Fragen wie: Warum wird diese und nicht jene Methode angewendet? Warum wird der Untersuchungsgegenstand genau auf den ausgewählten Aspekt eingegrenzt? Und inwiefern ist die Auseinandersetzung mit dem Thema für das Fach relevant? Bei der Beantwortung dieser Fragen werden oftmals unterschiedliche Alternativen abgewogen und die eigenen Entscheidungen möglichst einleuchtend begründet.
Beispiel 1: „Für eine Untersuchung, die das Medienprodukt aus Sicht einer TV-Zuschauerin auf die Herstellung von Informations- und Unterhaltungspotenzialen hin abklopft, bietet es sich an, nach der Methode der modalitätsspezifisch erweiterten Gesprächsanalyse (im Sinne von Hausendorf/Mondada/Schmitt 2012:8) vorzugehen, da neben der sequenziellen Dimension verbaler Handlungen auch die simultane Koordination körperlich-visueller Modalitäten wie Gestik, Mimik und Blickverhalten etc. von den Interagierenden relevant gesetzt wird.“ (Weidner 2017:5f.)
Argumentatives Formulieren im Hauptteil: Der Hauptteil einer wissenschaftlichen Arbeit ist der Ort, an dem die Argumentation sowohl quantitativ als auch qualitativ voll entfaltet werden muss. Hier findet u.a. eine Auseinandersetzung mit fremden wissenschaftlichen Positionen statt, es werden eigene Hypothesen aufgestellt und begründet, Argumente, Belege, Beispiele angeführt usw. Die Argumentation dient hier dem Ziel, der Leserin die Schlüssigkeit der Gedankengänge vor Augen zu führen. Dafür sind oftmals mehrere Argumente notwendig. Unabhängig davon, welches Argumentationsverfahren für die eigene Arbeit gewählt wird, sollte vorher geklärt werden, welche Belege für die eigene Argumentation nötig sind, und wie sich diese Belege finden lassen: Durch Verweise auf Forschungsliteratur? Durch eine empirische Analyse? Durch das Auswerten von Statistiken? Durch hermeneutische Auslegungsprozesse?
Beispiel 2: „Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich mit der Untersuchung von desintegriertem deswegen im gesprochenen Deutsch also zunächst nur auf ein Pronominaladverb. Dies ergibt sich zum Teil durch die Datenlage: Es wurden beispielsweise nur vereinzelt Belege für syntaktisch desintegriertes deshalb gefunden.“ (König 2012:48)
Argumentatives Formulieren im Schluss: Im Schlussteil werden die Ergebnisse der Argumentation aus dem Hauptteil zusammenfassend vorgestellt. Hier sollten also keine neuen Argumente vorgebracht, sondern eine Gesamtschlussfolgerung formuliert werden, die eine gedankliche Verbindung mit der Einleitung der Arbeit herstellt. In diesem Teil sollte auch ausgeführt werden, welche Bedeutung die Ergebnisse der eigenen Untersuchung für einen größeren Forschungskontext haben und wo weitere Forschungsdesiderate liegen.
Beispiel 3: „Aus den vorherigen Beispielanalysen ist deutlich geworden, dass sich syntaktisch desintegrierte Verwendungsweisen von deswegen für "knappes Sprechen" […] besonders eignen […]. Auch in Bezug auf die projektive Relationierung konnte gezeigt werden, dass syntaktisch desintegriertes deswegen in Vor-Vorfeldposition gerade an übergaberelevanten Stellen genutzt wird, um eine möglichst konzise Kontextualisierung mitzuliefern, die eine eventuelle Unterbrechung und Rederechtsübernahme für den Zuhörer nachvollziehbar macht.“ (König 2012:65)
Übung 2:
Unterstreichen Sie in den Beispielen 1-3 die Formulierungen, die eine argumentative Funktion haben. Tragen Sie diese in die Tabelle ein und weisen Sie ihnen ihre argumentative Funktion zu.
| Formulierung | argumentative Funktion | |
| Beispiel 1 | ________________________________________ ________________________________________ | ________________________________________ ________________________________________ |
| Beispiel 2 | ________________________________________ ________________________________________ | ________________________________________ ________________________________________ |
| Beispiel 3 | ________________________________________ ________________________________________ | ________________________________________ ________________________________________ |
Darmowy fragment się skończył.