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Das große Sutherland-Kompendium

ABB. 1: WILLIAM GARNER SUTHERLAND D. O. (1873–1954)
Gemälde aus dem Still National Osteopathic Museum, Kirksville, MO., 2003.
IMPRESSUM
TITEL
Das große Sutherland-Kompendium, enthält: I. Unterweisungen in der Wissenschaft der Osteopathie II. Einige Gedanken III. Die Schädelsphäre IV. Mit klugen Fingern
Copyright © 2013 bei JOLANDOS© JOLANDOS©, Am Gasteig 6, 82396 D-Pähl www.jolandos.de, info@jolandos.de ISBN 978-3-936679-27-4 (Print) ISBN 978-3-941523-11-1 (Ebook / MOBI) ISBN 978-3-941523-33-3 (Ebook / EPUB)
TITEL DER ORIGINALAUSGABEN
Teachings in the Science of Osteopathy. © Sutherland Cranial Teaching Foundation Inc., 1990, ISBN 0-930298-00-5, hrsg. durch Anne Wales. Previously published by Rudra Press, ISBN 0-915801-26-4.
Contribution of Thoughts. © Sutherland Cranial Teaching Foundation Inc. Rudra Press, 1967, hrsg. durch Rachel Brooks, ISBN 0-915801-74-4.
The Cranial Bowl – A Treatise Relating To Cranial Articular Mobility, Cranial Articular Lesions and Cranial Technic. © Dr. William G. Sutherland D.O., 1939, Mankato, Minnesota. Free Press Company. Reprinted 1994.
With Thinking Fingers. © Adah S. Sutherland, 1962. The Cranial Academy, ISBN 1-141430-25-8.
ÜBERSETZUNG
Eva Möckel, D.O., Noori Mitha, D.O.
BEARBEITUNG
Christian Hartmann, Dr. Martin Pöttner (1.A.), Elisabeth Melachroinakes, Wulf Gehrmann (2.A.)
UMSCHLAGGESTALTUNG & SATZ
Christian Hartmann
DRUCK / PRINTVERSION
Buchproduktion Thomas Ebertin
www.buchproduktion-ebertin.de
EBOOK-GESTALTUNG
Corinna Rindlisbacher
www.ebokks.de
VERTRIEB ÜBER
HEROLD Auslieferungsservice GmbH
Raiffeisenalle 10, 82041 Oberhaching, BESTELLUNG: order@jolandos.de
Jede Verwertung von Auszügen der deutschen Ausgabe ist ohne Zustimmung des JOLANDOS -Verlags unzulässig und strafbar. Dies gilt für Vervielfältigungen und Verbreitung in welcher Form auch immer.

BILDVERZEICHNIS
Abb. 1: William Garner Sutherland D. O. (1873–1954) Abb. 2: Anne L. Wales
I. UNTERWEISUNGEN IN DER WISSENSCHAFT DER OSTEOPATHIE
ALLGEMEIN
Abb. I-1: Eine der Apparaturen Sutherlands Abb. I-2: Ausstellungsstücke im Still National Osteopathic Museum Abb. I-3: Sutherland inmitten seiner Unterrichtsmittel Abb. I-4: W. G. Sutherland, ca. 1950 Abb. I-5: Das Fulkrum-Prinzip Abb. I-6: Sutherland während des Unterrichts
ZEICHNUNGEN
Zeichnung I-1: Das Os occipitale, dargestellt als ein Rad Zeichnung I-2: Das Os spheoidale als Rad dargestellt Zeichnung I-3: Koaxialkabel Zeichnung I-4: Der kraniale Anteil der Reziproken Spannungsmembran Zeichnung I-5: Die Schädelbasis in Flexionsposition Zeichnung I-6: Das Gehirn im Querschnitt Zeichnung I-7: Querschnitt durch den Bereich des dritten Ventrikels Zeichnung I-8: Das Os sphenoidale. Zeichnung I-9: Die hintere Gelenkfläche der Ossa palatina Zeichnung I-10 (a): Seitenansicht des Ganglion sphenopalatinum Zeichnung I-10 (b): Mediale Ansicht des Ganglion sphenopalatinum Zeichnung I-11: Ansicht des Schädels mit der Sutura palatomaxillaris Zeichnung I-12: Das Os occipitale bei der Geburt Zeichnung I-13:Das Os sphenoidale zum Zeitpunkt der Geburt Zeichnung I-14: Die Anwendungsbereiche für die Lymphbehandlung Zeichnung I-15(a): Anteriore Ansicht der hinteren Thoraxwand Zeichnung I-15(b): Transversalschnitt des kostovertebralen Gelenks Zeichnung I-16: Muster der sphenobasilaren Verbindung Zeichnung I-17: Muster der sphenobasilaren Verbindung Zeichnung I-18: Das Diaphragma und damit verbundene Strukturen
BEHANDLUNGSBILDER
Abb. I-A1: Halswirbelsäulen-Technik Abb. I-A2: Atlantookzipitale Dysfunktion Abb. I-A3: Brustwirbel Abb. I-A4: Brustwirbelsäule: Konvexität links Abb. I-A5: Lendenwirbelsäulenbereich Abb. I-A6: Lumbale Korrektur Abb. I-A7: Rippentechnik Abb. I-A8: Die erste Rippe Abb. I-A9: Rippen-Technik am Krankenbett Abb. I-A10: Elfte und zwölfte Rippe Abb. I-A11: Rippen-Dysfunktion mit spinaler Hyperextension Abb. I-A12: Respiratorische Flexions-Dysfunktion des Sakrum Abb. I-A13: Respiratorische Extensions-Dysfunktion des Sakrum Abb. I-A14: Haltungsbedingte iliosakrale Dysfunktion, Diagnostik Abb. I-A15: Korrektur einer anterioren Rotation des Os coxae Abb. I-A16: Korrektur einer posterioren Rotation Abb. I-A17: Spreizen der Ossa pubes Abb. I-A18: Clavicula Abb. I-A19: Test der Außenrotation des Humerus Abb. I-A20: Test der Innenrotation des Humerus Abb. I-A21: Korrektur-Technik: Außenrotation des Humerus Abb. I-A22: Korrektur-Technik: Innenrotation des Humerus Abb. I-A23: Ulna Abb. I-A24: Radius Abb. I-A25: Handgelenk Abb. I-A26: Hand Abb. I-A27: Stills Handgelenk-Technik Abb. I-A28: Test der Außenrotation des Femur Abb. I-A29: Test der Innenrotation des Femur Abb. I-A30: Test der Außenrotation des Femur Abb. I-A31: Test der Innenrotation des Femur Abb. I-A32: Korrektur-Technik Außenrotation des Femur Abb. I–A33: Korrektur-Technik: Innenrotation des Femur Abb. I-A34: Tibiofemurale Dysfunktion Abb. I-A35: Fibula Abb. I-A36: Fußgewölbe Abb. I-A37: Vorbereitung für die ‚Stiefelknecht‘-Technik Abb. I-A38: Tibio-calcaneo-talare Abb. I-A39: Fascia cervicalis anterior, erste Position Abb. I-A40: Die Fascia cervicalis anterior anheben Abb. I-A41: Lift des Diaphragma Abb. I-A42: Ligamenti arcuata Abb. I-A43: Drehen der Leber Abb. I-A44: M. psoas major Abb. I-A45: Lift des Beckenbodens Abb. I-A46: Die Drainage des poplietalen Bereichs
II. EINIGE GEDANKEN
Abb. II-1: W. G. Sutherland, ca. 1949 Abb. II-2: Bild 2: W. G. Sutherland, ca. 1950 Abb. II-3: Des Moines Iowa-Lerngruppe Abb. II-4: Karnialosteopathen der ersten Stunde Abb. II-5: Sutherland - kraniale Technik Abb. II-6: Dr. Sutherland, ca. 1947
III. DIE SCHÄDELSPHÄRE
Abb. III-1: Umschlagentwurf für die Erstausgabe von Die Schädelsphäre Abb. III-2: Zeichnung der Falx cerebri Abb. III-3: Der Anteil des Tentorium cerebelli
IV. MIT KLUGEN FINGERN
Abb. IV-1: William Garner und Adah Strand Sutherland Abb. IV–2: Adah S. Sutherland, ca. 1946 Abb. IV-3: W. G. Sutherland, 1900 Abb. IV-4: Sutherland-Schaukasten Abb. IV-5: W. G. Sutherland mit seiner Frau Adah Abb. IV-6: Die Sutherlands in Pacific Grove Abb. IV-7: Grabstein von W. G. Sutherland
Bilder mit freundlicher Genehmigung der Sutherland Cranial Teaching Foundation, Fort Worth, Texas, USA, und des National Still Osteopathic Museum in Kirksville, MO., USA (Abb. 1, I–1, I–2, II–2, III–1, IV–1, IV–3, IV–4)
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort (Brooks)
Vorwort des Herausgebers
Abkürzungen
Bildverzeichnis
Allgemein
Behandlungsbilder
I. UNTERWEISUNGEN IN DER WISSENSCHAFT DER OSTEOPATHIE
Vorwort (Becker)
Vorwort (Wales)
Einführung (Wales)
W. G. Sutherland – Biografische Informationen
1. Wissen erlangen, nicht Informationen sammeln
2. Primärer Atemmechanismus
3. Die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit
4. Die Reziproke Spannungsmembran
5. Die Motilität des Neuralrohrs
6. Die gelenkige Beweglichkeit der Schädelknochen
7. Die angewandte Anatomie des menschlichen Gesichts
8. ‚Krumme Zweige‘: Kompression der kondylären Anteile des Os occipitale
9. Strains der membranösen Gelenke
10. Dysfunktionen im vaskulären System
11. Engpass-Neuropathie
12. Trauma
13. Diagnose und Behandlung
14. Klinische Erfahrung bei der Anwendung der Osteopathie
15. Osteopathie in der Allgemeinmedizin: Einige allgemeine Behandlungsmethoden
16. Probleme bei Säuglingen und Kindern
17. Die Reise der Elritze
Anhang: Die osteopathische Behandlung von William Garner Sutherland D.O.D.Sc. (hon.)
Halswirbel
Brustwirbel
Lendenwirbel
Rippen
Der Beckenring
Fazit
Bibliografie
Über die Herausgeberin
Über die Sutherland Cranial Teaching Foundation, Inc.
II. EINIGE GEDANKEN
Vorwort(Becker)
Vorwort zur zweiten Ausgabe (Brooks)
Biografisches
Vorwort zur ersten Ausgabe (A. S. Sutherland)
1. Frühe Schriften
Auf geht‘s, lassen Sie uns Fühlen!
Behandeln mithilfe des Unterarms
Sparen Sie Ihre Kräfte
Großvaters Stiefelknecht-Methode gegen Plattfüße
Eine Hängekappe für die antlantookzipitale Behandlung
Erreichen des Colon ascendens ohne Einlauf
Occiput-posterior-Dysfunktion
Röntgenaufnahmen eines Tortikollis
Mit Wasser Feuer löschen
Radiologischer Beweis für osteopathische Dysfunktionen
2. Nachdenken, nicht herumprobieren
Teil I: Februar 1925
Teil II: März 1925
Laienerklärung für das ‚Gewebegespür‘
Pathologien der oberen Rippen
Korrektur der zweiten Rippe
Teil III: Juni 1925
Achten Sie auf das elfte und zwölfte Rippenpaar
3. Technik am Krankenbett
4. Neue Möglichkeiten, eröffnet durch die Basilaren Gelenke der ‚Schädelschale‘
5. Schädel-Ideen
6. Strains der membranösen Schädelgelenke
7. Kraniale membranöse Gelenkstrains erkennen
Teil I
Teil II
Teil III
8. Korrespondenz 1933
9. Die Behandlung der ‚modifizierten Wirbel‘ bei Influenza mit Beteiligung der Atemwege
10. ‚Modifiziert Wirbel‘ bei Trigeminusneuralgie
11. Eine neue Vorrichtung für die kraniale Technik
12. Korrespondenz 1935
13. Spinale Technik
14. Der kraniale Atemmechanismus
15. Kraniale Dysfunktionen aufgrund dentaler Traumen
16. Behandlung am stehenden Patienten
17. Die Kernverbindung zwischen Schädel- und Beckenschale
18. Behandlung des iliosakralen Gelenkes im Stehen
19. Die Behandlung des Pelvis
20. Undatierte Korrespondenz
21. Korrespondenz vom November 1943
22. Korrespondenz 1943
23. Vortrag von 1944 – ohne Titel
24. Die Schädelsphäre
25. Vorträge in Des Moines über Kraniale Osteopathie
Einführung
Die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit und die Motilität des Zentralen Nervensystems
Techniken zur Anregung und zur Hemmung der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit
Diagnose und Behandlung unter Nutzung der Tide
‚Krumme Zweige‘: Säuglinge und Kinder
Abschließende Vorlesung
26. Die Philosophie der Osteopathie und ihre Anwendung im Kranialen Konzept
27. Die Kernverbindung zwischen Becken- und Schädelschale
28. Wissen erlangen, statt Informationen sammeln
29. Ein Hundertstelmillimeter
30. Der Lichtstrahl des Leuchtturms
4. August 1951
September 1951
Oktober 1951
31. Die Wissenschaft der Osteopathie
32. Vorträge auf der klinischen Konferenz in Kirksville, Missouri
Der hemmende Zug auf die Faszien und das Fulkrum
Der fasziale Strain und das Os sacrum
Flüssiges Licht
33. Besondere Aufnahmen
Der primäre Atemmechanismus
Die Reziproke Spannungsmembran
Die kranialen Gelenkflächen
Typen kranialer Dysfunktion
Das Loch im Baum
34. Die Reise der Elritze
III. DIE SCHÄDELSPHÄRE
1. Einleitung
2. Kraniale artikuläre Mobilität
3. Kraniale Gelenkflächen
4. Reziproke Spannungsmembran
5. Ventrikel, Wirbelkanal und subarachnoidale Räume
6. Diagnose kranialer Dysfunktionen
7. Grundgedanken der kranialen Technik
8. Technik zur Anregung der Zerebrospinalen Flüssigkeit
9. Schädeldach-Lift-Technik
10. Sphenobasilare Technik
11. Pars Petrosa-Technik
12. Vier-Hände-Technik
13. Temporomandibulare Technik
14. Strukturelle oder modellierende Technik
15. Dysfunktionen traumatischen Ursprungs
16. Dysfunktionen dental-traumatischen Typs
17. Dysfunktionen der Gesichtsknochen
IV. MIT KLUGEN FINGERN
Vorwort
Danksagung
Prolog
1. Erzähle mir mehr
2. Kleine Saatkartoffeln
3. Aber warum diese Abschrägung?
4. In Schwung kommen
5. Es ließ mich nicht los
6. Zwischenspiel
7. Neue Tage, neue Wege
8. Ist dies der einzige Weg, auf dem ich erfahren kann?
9. In was gerate ich da?
10. Sans peur (Ohne Angst)
11. Das Sutherland-Fulkrum
12. Warum dies, warum das?
13. Auf dem Weg nach Irgendwo
14. Ich schoss einen Pfeil in die Luft
15. Wie der Zweig gekrümmt ist
16. Tiefen und Höhen
17. In die Umlaufbahn
18. Es gibt jene, die sagen…
19. Warum nicht?
20. Sonne Schatten und Entscheidung
21. Eine Reise und ein Vermächtnis
22. Auszeichnungen
Aufzeichnungen
DAS GROSSE SUTHERLAND-KOMPENDIUM
I.
UNTERWEISUNGEN IN DER WISSENSCHAFT DER OSTEOPATHIE
II.
EINIGE GEDANKEN
III.
DIE SCHÄDELSPHÄRE
IV.
MIT KLUGEN FINGERN
AUS DEM AMERIKANISCHEN VON
Eva Möckel, D.O. und Noori Mitha, D.O.
BEARBEITET VON
Christian Hartmann und Dr. Martin Pöttner (1.A.)
Elisabeth Melachroinakes und Wulf Gehrmann (2.A.)
TITEL DER ORIGINALAUSGABE
Teachings in the Science of Osteopathy. © Sutherland Cranial Teaching Foundation Inc., 1990. ISBN 0-930298-00-5, hrsg.durch Anne Wales. Previously published by Rudra Press, ISBN 0-915801-26-4.
Contribution of Thoughts. © Sutherland Cranial Teaching Foundation Inc. Rudra Press, 1967. Hrsg. durch Rachel Brooks, ISBN 0-915801-74-4.
The Cranial Bowl – A Treatise Relating To Cranial Articular Mobility, Cranial Articular Lesions and Cranial Technic. © Dr. William G. Sutherland D.O., 1939. Mankato, Minnesota. Free Press Company. Reprinted 1994.
With Thinking Fingers. © Adah S. Sutherland, 1962. The Cranial Academy, ISBN 1-141430-25-8.
VORWORT (BROOKS)
Dieses Kompendium ist ein wichtiger Schritt, um W. G. Sutherlands Lehre der osteopathischen Gemeinschaft auf der ganzen Welt zugänglicher zu machen. Der Übersetzungsprozess war sorgfältig, die Übersetzung der zwei größeren Werke wurde sowohl von deutsch- als auch englischsprachigen Osteopathinnen überprüft. Dies geschah, um sicher zu sein, dass der Sinn von Dr. Sutherlands Worten durchgängig erhalten bleibt.
Einige Punkte in Bezug auf den Übersetzungsprozess möchte ich hier gerne erwähnen. Als Dr. Anne Wales ursprünglich Unterweisungen in der Wissenschaft der Osteopathie herausgab, wollte sie keinesfalls Dr. Sutherlands Worte ändern, auch an Stellen, wo die Bedeutung nicht ganz offensichtlich war. Sie wollte, dass die Leser Dr. Sutherlands Absichten selbst interpretierten. Genauso haben wir in den Übersetzungen für dieses Kompendium mehrdeutige Aussagen dort im Text belassen, wo der Sinn nicht ganz klar ist.
Eine andere Herausforderung bei der Übersetzung dieser Werke war, dass Dr. Sutherland viele umgangssprachliche Ausdrücke benutzte und so sprach, wie es Anfang 1900 üblich war. Sein Stil wurde so weit wie möglich belassen. Bei einigen Gelegenheiten, wo wir keine präzise Übersetzung für das Englische finden konnten, beließen wir das englische Wort oder gaben sowohl ein englisches Wort als auch ein ihm nahestehendes deutsches Äquivalent an.
Der Begriff Potency ist dafür ein Beispiel. Die deutschen Wörter Kraft bzw. Macht oder Potenzial schienen nicht in ausreichender Weise die Bedeutungen zu reflektieren, welche Dr. Sutherland sinngemäß darin enthalten sah, obwohl es eine wörtliche Übersetzung ist. Daher haben wir das Wort Potency im Text belassen und überlassen es dem Leser, seine Bedeutung zu ergründen.
In Bezug auf Einige Gedanken gibt es einen wichtigen Kommentar von Rollin E. Becker D.O.in seinem Bericht als Präsident für die Sutherland Cranial Teaching Foundation 1964. Er schrieb Folgendes:
„Meiner Meinung nach ist es am einfachsten (Dr. Will Sutherlands Texte) zusammenzutragen, indem Adah (Sutherland) und Anne Wales sie in der historischen Zeitfolge zusammenstellen […] Auf diese Weise deutet man auf die stetige Entwicklung und das Wachstum bei Dr. Sutherland hin […] Ein Nachteil dabei ist, dass Dr. Will die Potency in der Zerebrospinalen Flüssigkeit schon kannte und benutzte, während er sein Verständnis des Kranialen Konzeptes zwischen 1900 und 1925 entwickelte; uns aber gab er diese Information erst 1946 oder 1947. Jedoch können Fußnoten in dem zusammengestellten Material diesen und andere Punkte dort klären, wo sie auftreten.”
Dr. Sutherland ermunterte seine Studenten ständig, sowohl bei Dr. Still als auch in seinen Texten ‚zwischen den Zeilen zu lesen‘. Ich möchte alle Leser ermutigen, das Gleiche zu tun. Sorgfältiges Lesen und noch einmal Lesen dieser Texte wird immer neue Erkenntnisse mit sich bringen. Da es nun über 50 Jahre her ist, seitdem Dr. Sutherland ein Lehrerkollegium bildete, um seine Arbeit weiterzugeben, hat es sowohl eine Evolution als auch eine Verbreitung des von ihm gelehrten Konzeptes gegeben, aber auch eine gewisse Entstellung. Dies ist ein unvermeidlicher Prozess in jeder Lehre, die weitergegeben wird; und dieser Prozess macht es dringend notwendig, den originalen Gedanken und Behandlungsansatz zu verstehen. Nur mit diesem Verständnis kann man darauf folgende Ansätze richtig einschätzen.
Die Sutherland Cranial Teaching Foundation möchte Christian Hartmann von JOLANDOS und Eva Möckel D.O.für ihre Arbeit danken, mit der sie zu der Qualität dieser Übersetzung beigetragen haben. Dank geht auch an Noori Mitha D.O.für ihre Überprüfung der zwei kürzeren Werke in diesem Kompendium und an Herrn Prof. Dr. Martin Pöttner für die sorgfältige Überarbeitung.
Rachel E. Brooks M.D.,
Mitglied des Board of Trustees, Portland, 2004.
Sutherland Cranial Teaching Foundation, Inc.
VORWORT DES HERAUSGEBERS
Wie schon bei den Texten seines großen Vorbilds, Andrew Taylor Still (1828–1917), dem Entdecker der Osteopathie, geht es auch bei Sutherlands Werken um eine ganz besondere Lese- und Lernerfahrung. Neben einer detaillierten Darlegung der Kranialen Osteopathie eröffnen sich beim intensiven Studium der kompakten und bisweilen lyrischen Beschreibungen vollkommen neue Dimensionen für die osteopathische Behandlung. Mit Stills Osteopathie vergleichbar wächst auch Sutherlands Kraniale Osteopathie auf dem Boden fundierter anatomischer Kenntnis und exakter naturphilosophischer Beobachtungen sowie aus einem spirituellen Wesenskern, aus dem alles andere entsteht. Diese ‚therapeutische Dreifaltigkeit‘ – Wissen, Philosophie und Spiritualität – sind maßgeblich für die immense Dichte und Tiefe in den Werken dieser beiden wohl bedeutendsten Osteopathen. Insbesondere die letzten beiden Punkte sucht man in den aktuellen osteopathischen Lehrbüchern zumeist vergeblich.
Ein kleiner Tipp: Lesen Sie die einzelnen Kapitel nicht analytisch-deskriptiv, sondern reflektieren Sie stets offen und vorurteilsfrei, was Sutherland Ihnen mit seinen Ausführungen für eine tiefere Einsicht vermitteln möchte. Nur so werden Sie die Bedeutung seines Lebenswerks gänzlich erschließen und großen Nutzen für Ihre Behandlungen erfahren.
Das Sutherland-Kompendium enthält ausschließlich historisch unverfälschte Originaltexte. Nur an ihnen lässt sich ermessen, ob die Geschichtsschreibung im Laufe der Zeit – sei es aus Nachlässigkeit oder aus Absicht – verfälscht wurde. So steht heute der Name des amerikanischen Osteopathen John E. Upledger stellvertretend für die Kraniosakrale Osteopathie. Sutherland hingegen scheint der eigentliche Begründer dieser Therapieform zu sein.
Die größte Herausforderung bei der Übersetzung stellte erwartungsgemäß die medizinische Terminologie dar. Sutherland mischt lateinische und amerikanische Ausdrücke in jener für Amerika so typischen Art und Weise. Der deutschsprachige Leser würde durch den ständigen Wechsel hingegen im Lesefluss erheblich beeinflusst werden. Daher habe ich mich entschieden, in den meisten Fällen die gängige medizinische Terminologie nach dem aktuellen Gegenstandskatalog des Medizinstudiums zu wählen. Dies mag bei einigen Begriffen etwas ungewohnt erscheinen, gewährleistet aber eine innere Konsistenz und damit ein besseres Verständnis der Texte. Für Leser, die in Anatomie nicht so bewandert sind, empfiehlt es sich, bei der Lektüre ein anatomisches Nachschlagewerk griffbereit zu halten.
Das ‚c‘ wurde – mit wenigen Ausnahmen – in lateinischen Fachausdrücken wie Os occipitale belassen und ansonsten dem deutschen Sprachgebrauch angepasst. Ein Beispiel hierfür wäre okzipitale Strains.
Spezialausdrücke wie etwa Potency blieben unübersetzt und unkommentiert, da es sich um vollkommen eigenständige Begriffe der Kranialen Osteopathie handelt. Um Sutherlands Werk entsprechend zu würdigen, wurden in diesem Kompendium zusätzlich und erstmalig bei einigen Kernbegriffen auch die vorangestellten Adjektive mit großem Anfangsbuchstaben gesetzt: Kraniale Osteopathie, Reziproke Spannungsmembran, Zerebrospinale Flüssigkeit, Primäre(r) Respiratorische(r) Atmung/Mechanismus.
Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte – auf Kosten eines bequemen Leseflusses – bewusst nah am amerikanischen Originaltext, denn bei einer ‚Glättung‘ der Passagen wären wesentliche Bestandteile der ursprünglichen Aussagen Sutherlands verloren gegangen. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass insbesondere Unterweisungen in der Wissenschaft der Osteopathie, aber auch große Teile von Einige Gedanken auf Tonbandmitschnitten basieren und sich daher sprachlich per se ungeschliffener darstellen.
Christian Hartmann
Pähl, März 2004
DANKSAGUNG
Wie beim Still-Kompendium verdanke ich die Umsetzung des ‚Sutherland-Projektes‘ der Mithilfe zahlreicher Menschen. Eine zentrale Rolle spielten hierbei Frau Eva Möckel D.O.M.R.O., Noori Mitha D.O.und Prof. Dr. Martin Pöttner, welche die vier Einzelwerke in monatelanger akribischer Arbeit immer und immer wieder überarbeitet haben. Frau Möckel stand dabei stets in engem Kontakt mit Rachel Brooks von der Sutherland Cranial Teaching Foundation, um eine absolut korrekte und im Sinne der SCTF gebilligte Übersetzung zu gewährleisten.
Bei der Produktion der Erstauflage wurde ich von Sarah Spitzer, der Buchproduktion Ebertin und dem Berufsbildungswerk für Hör- und Sprachgeschädigte unter der Leitung von Herrn Gerhard Strobl vorbildlich beraten.
Die hervorragende Qualität der Zweitauflage verdanke ich der kritischen und verständigen Durchsicht der Texte durch Frau Melachroinakes und der hervorragenden Gestaltung des Inhalts durch Herrn Färber. Zahlreiche Korrekturhinweise erhielt ich auch von Herrn Wulf Gehrmann, der sich unaufgefordert die Mühe einer sorgfältigen Durchsicht machte und dessen sachlich kritische Bemerkungen ich in dieser Ausgabe größtenteils berücksichtigen konnte.
Abschließend möchte ich noch an jene drei Frauen erinnern, ohne die es keine einzige in Buchform veröffentlichte Zeile von W. G. Sutherland geben würde: Adah S. Sutherland, Anne L. Wales und Rachel Brooks. Ohne sie würde die Kraniale bzw. Kraniosakrale Osteopathie in ihrer heutigen Form nicht existieren. Allein aufgrund dieser enormen Leistung verdienen sie unseren allerhöchsten Respekt.
Christian Hartmann
Pähl, Februar 2008

ABB. 2: ANNE L. WALES (1904–2005)
Zusammen mit Dr. Sutherlands Frau Adah erstellte Anne Wales zwischen 1961–66 das Manuskript für Einige Gedanken, das aber erst 1972 auf betreiben von Herb Miller, einem Fakultätsmitglied des Kirksville College of Osteopathic Medicine gedruckt und bei der Sutherland Cranial Teaching Foundation veröffentlicht wurde. 1983–84 folgte ein weiteres Manuskript auf der Basis von 27. Tonbandkasetten aus zwei Seminaren, die Sutherland 1949 bzw. 1950 hielt. Daraus entstand schließlich Unterweisungen in der Wissenschaft der Osteopathie, das in enger Zusammenarbeit mit Rachel Brooks 1990 bei der Sutherland Cranial Teaching Foundation veröffentlicht wurde.
ABKÜRZUNGEN
INSTITUTIONEN
A.A.A.O. = American Association for the Advancement of Osteopathy
A.A.O. = American Academy of Osteopathy
A.C.O. = Associated Colleges of Osteopathy
A.M.A. = American Medical Association
A.O.A. = American Osteopathic Association
A.S.O. = American School of Osteopathy
B.A.O. = British Association of Osteopathy
B.M.A = British Medical Association
C.S.O. = Chicago School of Osteopathy
C.C.O. = Chicago College of Osteopathy
M.S.O.A. = Minnesota State Osteopathic Association
F.A.A.O. = Fellow of the American Academy of Osteopathy
S.C.T.F. = Sutherland Cranial Teaching Foundation Inc.
TITEL
B.D. = Bachelor of Divinity
D.O. = Doctor of Osteopathy
D.Sc.O. = Doctor of Science of Osteopathy
F.R.C.S. = Fellowship of the Royal College of Surgeons
F.S.Sc. = Fellowship of the Society of Science
LL.B. = Bacherlor of Laws
M.A. = Master of Art
M.D. = Medical Doctor
MEDIEN
J.A.M.A. = Journal of the American Medical Association
J.O. = Journal of Osteopathy
I.
UNTERWEISUNGEN IN DER WISSENSCHAFT DER OSTEOPATHIE
TITEL DER ORIGINALAUSGABE
Teachings in the Science of Osteopathy. © Sutherland Cranial Teaching Foundation Inc., 1990, ISBN 0-930298-00-5. Hrsg. durch Anne Wales. Previously published by Rudra Press, ISBN 0-915801-26-4. All rights reserved.
von
WILLIAM GARNER SUTHERLAND, D.O. D.SC. (HON.)
Herausgeberin der amerikanischen Originalversion
ANNE L. WALES, D.O.
SUTHERLAND CRANIAL TEACHING FOUNDATION
VORWORT (BECKER)
OSTEOPATHIE IM BEREICH DES SCHÄDELS
Die Wissenschaft der Osteopathie umfasst das Wissen der Philosophie, Anatomie und Physiologie des gesamten Körpers und die klinische Anwendung dieses Wissens sowohl bei Diagnose als auch bei Behandlung – so hat sie ihr Begründer, Dr. Andrew Taylor Still, konzipiert.1 Die Osteopathie im Bereich des Schädels ist ein Teil dieses Konzepts der ganzheitlichen Sorge für die Gesundheit des gesamten Körpers. Dr. Still, der Arzt an der vordersten Grenzlinie Amerikas war, führte die Wissenschaft der Osteopathie 1874 nach langjähriger intensiver Forschung ein. Die erste Schule der Osteopathie wurde 1892 in Kirksville, Missouri, eröffnet.
William Garner Sutherland war Schüler an dieser ersten Schule, der American School of Osteopathy. An einem Tag im Jahr 1899, betrachtete er während seines letzten Studienjahres einen auf einem Sockel aufgestellten, präparierten Schädel. Die kompliziert abgeschrägten Kanten, die an den großen Flügeln des Os sphenoidale und den Partes squamosae der Os temporale im Bereich der Sutura sphenosquamosa zu sehen waren, erregten seine Aufmerksamkeit. Wie ein Blitz kam ihm der Gedanke, „[…] abgeschrägt wie die Kiemen eines Fisches; und das weist auf einen mobilen, einer Atembewegung dienenden Gelenkmechanismus.“
Dr. Sutherland verbrachte die nächsten 30 Jahre damit, die genauen anatomischen und physiologischen Beziehungen des kraniosakralen Mechanismus, so wie er ihn sah, zu untersuchen. Seine Sicht der Dinge war wiederum ein Teil der gesamten Wissenschaft der Osteopathie, so wie sie von Dr. A. T. Still gesehen wurde.
Dieser stellte in seinen Schriften fest:
„Alle Teile des gesamten Körpers gehorchen dem einen ewigen Gesetz von Leben und Bewegung.“
Das Kraniale Konzept, wie es von Dr. Sutherland entwickelt und gelehrt wurde, schließt folgende Prinzipien ein:
1. Die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit oder die Potency der Gezeiten.
2. Die Funktion der Reziproken Spannungsmembran
3. Die Motilität des Neuralrohrs
4. Die gelenkvermittelte Mobilität der Schädelknochen
5. Die unwillkürliche Mobilität des Sakrum zwischen den Hüftknochen
Dr. Sutherland nannte die zusammengehörige Struktur und Funktion dieser fünf Komponenten den Primären Atemmechanismus. Dabei spricht die Anwesenheit von physiologischen Zentren am Boden des vierten Ventrikels, die für die Lebensprozesse notwendig sind, für seine Einschätzung des gesamten Mechanismus als von primärer Bedeutung. Dr. Sutherland betrachtete die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit als erstes und fundamentalstes Merkmal des Primären Atemmechanismus.
Der Primäre Atemmechanismus hält einen eigenen, rhythmischen, automatischen und unwillkürlichen ‚Lebens- und Bewegungs-Kreislauf‘ aufrecht, der in gesundem Zustand eine Mobilität und Motilität von 10–12 Mal pro Minute aufweist. Dies führt zu einer rhythmischen Flexion sämtlicher Strukturen entlang der Körpermittellinie zusammen mit einer Außenrotation aller paarigen lateralen Strukturen im Wechsel mit der Extension derselben Strukturen der Körpermittellinie mit einer Innenrotation aller paarigen lateralen Strukturen. Jede Zelle und alle Körperflüssigkeiten drücken dieses rhythmische unwillkürliche Prinzip von ‚Leben und Bewegung‘ ihr ganzes Leben hindurch aus. Diese Mobilität und Motilität sind wichtige Faktoren zur Erhaltung der Gesundheit in der lebenswichtigen Homöostase von Struktur und Funktion für das Zentrale Nervensystem, das endokrine System und andere, zur Physiologie des Körpers gehörige Funktionseinheiten.
Klinisch gesehen gibt es im gesamten Ablauf der Körperfunktionen zwei grundlegende Arten von Mobilität und Motilität: willkürliche und unwillkürliche. Willkürlich ist das, was wir durch unseren sensorischen Input und motorischen Output projizieren. Das Unwillkürliche ist sogar noch bemerkenswerter, da es nur aus Flexion und Extension der Strukturen entlang der Körpermittellinie und einer Außen- und Innenrotation der bilateralen Strukturen besteht. Es schließt von den Flüssigkeiten über die weichen Gewebe bis zum knöchernen Skelett alles mit ein; in der Tat ist jede einzelne Zelle des Körpers daran beteiligt. Demzufolge ist es notwendig, die Beziehungen all dieser Elemente untereinander zu untersuchen. Jeder einzelne Bestandteil der Anatomie und Physiologie ist aufgrund seiner ihm eigenen Form und Gestalt so angelegt und koordiniert, dass diese wechselnde rhythmische Bewegung zustande kommt. Diese rhythmische Bewegung des unwillkürlichen Mechanismus bleibt unverändert, egal ob der Körper sich im Ruhezustand oder in willkürlicher Bewegung befindet.
Für den Behandler ist es notwendig, eine denkende, fühlende und wissende Berührung zu entwickeln, durch welche die unwillkürliche Mobilität und Motilität wiederhergestellt wird, sodass das volle Funktionspotenzial in der grundlegenden Anatomie und Physiologie der Gesundheit erreicht werden kann. Wenn sich die unwillkürliche Funktion wiederherstellt, geschieht dies auch mit der willkürlichen Funktion.
Strukturelle und funktionelle Probleme in irgendeinem Teil des Körpers können den Primären Atemmechanismus beeinträchtigen. Umgekehrt trifft es auch zu, dass strukturelle und funktionelle Probleme im Primären Atemmechanismus den übrigen Körper beeinflussen können. Der gesamte Körper in seiner Struktur und Funktion ist davon betroffen.
Die Osteopathie im Bereich des Schädels lässt sich bei allen Altersgruppen anwenden, vom Neugeborenen bis zum Hochbetagten. Sie kann in alle Disziplinen der medizinischen Wissenschaft eingebettet werden. Sie kann die erste Versorgung sein, die bei einem bestimmten Trauma oder einer Krankheit nötig ist, oder sie kann eine zusätzliche Therapie in bestimmten Fällen sein, die noch weitere medizinische oder chirurgische Maßnahmen erfordern. Probleme, die im Bereich des Schädels auftauchen, verlangen klarerweise nach einer Lösung für diesen speziellen Mechanismus. Zudem gibt es Probleme, die an anderen Stellen im Bereich der Körperphysiologie auftreten. Sie lassen sich leichter lösen, wenn die kranialen Mechanismen mit einer anderen Therapie koordiniert werden.
Es gibt viele Prinzipien, die in der Behandlung angewendet werden können, wenn ‚Leben und Bewegung‘ durch Trauma oder Krankheit eingeschränkt sind. Eines dieser Prinzipien stellte Dr. Sutherland 1947 auf, als er sagte:
„Erlaube der physiologischen Funktion im Innern, ihre eigene unfehlbare Potency zu zeigen, anstatt eine blinde Kraft von außen anzuwenden.“
Sein Gedanke handelte spezifisch von den Mustern der Gesundheit und Krankheit im Kraniosakralen Mechanismus, er kann aber auch auf die Physiologie des gesamten Körpers angewandt werden.
Ein Arzt oder Zahnarzt, der Interesse daran hat, die Osteopathie im Bereich des Schädels zu studieren, sollte die darin integrierte Philosophie, Anatomie und Physiologie des Primären Atemmechanismus kennen. Sie stellen eine Grundlage für die Entwicklung palpierender und manueller Fähigkeiten dar, die man benötigt, um die rhythmische unwillkürliche Mobilität und Motilität des ‚Lebens in Bewegung‘ innerhalb des Kraniosakralen Mechanismus zu ‚lesen‘ und sie in Diagnose und Behandlung anwenden zu können.
Rollin E. Becker D.O.
VORWORT (WALES)
Dieses Buch ist eine Sammlung von Vorträgen, die William Garner Sutherland D.O.D.Sc. (hon.) während einiger Seminare in Providence, Rhode Island, hielt. Die Seminare fanden im Mai 1949, Mai 1950 und Juni 1950 statt und schlossen zwei zweiwöchige Einführungskurse und einen zusätzlichen einwöchigen Kurs über das Os occipitale ein.
In diesen Kursen hielt Dr. Sutherland mindestens eine Vorlesung am Tag. Die übrigen Vorträge wurden von Mitgliedern der Fakultät gehalten, die auch die von Dr. Sutherland geplanten praktischen Übungen didaktisch begleiteten. Dr. Sutherland. Er hielt es für notwendig, das Wissen um die manuellen Behandlungsmethoden der Osteopathie ‚von Hand zu Hand‘ weiterzugeben. Um diese Von-Hand-zu-Hand-Anleitung zu ermöglichen, hatte jedes Mitglied der Fakultät die Aufgabe, jeweils vier Teilnehmer des Seminars an den Behandlungsbänken zu betreuen. Jeder Seminar-Teilnehmer machte die Erfahrung, sowohl Patient als auch Behandler zu sein. Die Leitung dieser Kurse in Providence übernahm Chester L. Handy D.O.
Im Laufe der Jahre hielt Dr. Sutherland viele Seminare an anderen Orten ab. Obwohl die Leiter dieser Seminare und die Mitglieder der dazugehörigen Fakultäten wechselten, blieb der Kursaufbau weitestgehend unverändert. Dr. Sutherland unterrichtete auch zu Hause und in seiner Praxis in St. Peter, Minnesota, wo er kleinere Gruppen persönlich anleitete.
Bei den in Providence veranstalteten Kursen wirkten folgende Mitarbeiter aus Dr. Sutherlands Fakultät mit:
Chester L. Handy D.O., Direktor
(1911–1963) Philadelphia College of Osteopathy, 1935
Howard A. Lippincott D.O.
(1893–1983) American School of Osteopathy, 1916
Rebecca C. Lippincott D.O.
(1894–1986) Philadelphia College of Osteopathy, 1923
Anne L. Wales D.O.
(1904–2005) Kansas City College of Osteopathy and Surgery, 1926
Ward C. Bryant D.O.
(1885–1975) Still College of Osteopathy, 1907
Elsie W. Weeks D.O.
(1891–?) Massachusetts College of Osteopathy, 1922
Edith Tordoff D.O.
(? – 1978) American School of Osteopathy, 1924
Anna L. Slocum D.O.
(1903–1988) Des Moines Still College of Osteopathy, 1938
1939 veröffentlichte Dr. Sutherland ein kleines Buch, Die Schädelsphäre, das er in der Absicht schrieb, Anfragen von seinen Kollegen anzuregen. Es hatte bald seinen gewünschten Effekt, und so wurde er eingeladen, seine Gedanken bei zahlreichen Konferenzen vorzutragen. Eine besonders wichtige Präsentation, die ihm viele Türen öffnen sollte, war ein 20-minütiger Vortrag mit dem Titel Die Kernverbindung zwischen Schädel- und Beckenschale, den er im Juli 1940 auf der Konferenz de International Society of Sacro-Iliac Technicians in St. Louis, Missouri, hielt.2 Danach kam es zu zahlreichen Anfragen bezüglich einer Ausbildung.
Als Dr. Sutherland zu unterrichten begann, fing er mit Bereichen an, von denen er glaubte, dass sie seinen Berufskollegen am vertrautesten waren. Dann führte er nach und nach Bereiche seiner Gedanken ein, von denen er wusste, dass sie ihnen neu waren.
Weil so viele seiner Schriften und Ansprachen lediglich darauf ausgerichtet waren, anderen Menschen seine Gedanken vorzustellen, schrieb Dr. Sutherland für die Wissenschaft der Osteopathie nie ein formelles, alles zusammenfassendes Buch über sein Kraniales Konzept. Viele Artikel schrieben seine Studenten auf der Basis der Erfahrungen, die sie bei der Anwendung seiner Lehre gemacht hatten. Harold Ives Magoun Sr. D.O.stellte einen Text zusammen und gab ihn unter dem Titel Osteopathie in der Schädelsphäre3 heraus. Dieser Text war eine wertvolle Ergänzung zum üblichen Lehrprogramm, weil er eine Änderung im Aufbau der Seminare, nämlich eine Reduzierung ihrer Dauer von zwei Wochen auf fünf Tage, ermöglichte. Im Jahre 1945 verfassten Howard A. Lippincott D.O.und Rebecca C. Lippincott D.O.eine Broschüre: Compression of the Condylar Parts of the Occiput. (Vorträge von den Dres. Howard und Rebecca Lippincott zu diesem Thema sind im vorliegenden Buch enthalten.) Obwohl diese Werke äußerst nützlich waren, sind sie doch nicht Dr. Sutherlands eigene Darstellung.
Die Veröffentlichung der vorliegenden Vorträge von Dr. Sutherland kommt einer vollständigen Darstellung seines Konzepts und seiner Lehre am nächsten. Sie enthält nicht alles, was er dachte oder lehrte, ist aber die umfassendste uns zur Verfügung stehende Präsentation.
Bei der Arbeit mit Aufzeichnungen von Vorträgen wird klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort. Dies macht eine Art Übersetzung nötig. Während des Prozesses, lesbare Sätze daraus zu machen, wurden seine ausgesprochenen Gedanken mit aller Sorgfalt ausgewählt, um sicherzugehen, dass ihre Bedeutung erhalten blieb. Außerdem habe ich versucht, die Art und Weise, wie Dr. Sutherland die Gedanken seiner Lehre ausdrückte, beizubehalten.
Der Prozess der Buchveröffentlichung machte auch die Entwicklung einer Einteilung notwendig. Die Themenbereiche in den Skripten wurden in Kapitel aufgeteilt. In einigen Fällen entstanden aufgrund der Natur des Materials Wiederholungen. In anderen Fällen kam es vor, dass Dr. Sutherland über bestimmte Themen keine Vorträge gehalten hat. In diesen Fällen habe ich stattdessen seine Schriften verwendet. An einigen Stellen entstanden inhaltliche Lücken, da die Mitglieder der Vereinigung dazu angehalten waren, diese zu präsentieren. Die Hauptquelle seiner schriftlichen Abhandlungen stellt Einige Gedanken dar, eine Sammlung seiner Schriften zwischen 1914 und 1954.
Da und dort fehlende Hintergrundinformationen habe ich aus verschiedenen Lehrbüchern ergänzt. In einigen Fällen wurde die anatomische Terminologie und Rechtschreibung der modernen Form angepasst.
Um die Beschreibung vieler im Buch erwähnter Techniken zu vertiefen, findet sich im Anhang ein Artikel mit dem Titel The Osteopathic Technique of Wm. [sic] G. Sutherland. Dieser von Dr. Howard Lippincott verfasste Beitrag wird mit Erlaubnis der American Academy of Osteopathy abgedruckt. Ich habe auch ein Glossar erarbeitet, um nicht vertraute Fachbegriffe und Begriffe zu definieren, die Dr. Sutherland auf besondere Art verwendete. Die Illustrationen des Textes wurden von Rachel Brooks M.D. konzipiert und von Marcia Williams aus Newton, Massachusetts, gezeichnet.
Viele glückliche Begebenheiten führten zu der Veröffentlichung dieser Vorträge von Dr. Sutherland: Erstens liefen 1949 und 1950 zwei Tonbandgeräte im Seminarraum mit, zweitens wurden die Aufnahmen aufbewahrt und nach und nach auf Kassetten überspielt und drittens brachten Freunde seine Worte von den Kassetten zu Papier und stellten mir die Aufzeichnungen zur Verfügung.
Im Herbst 1983 bot mir Dr. Rachel Brooks an, den Text mehrerer Kassetten aufzuschreiben. Der Zustand der Aufnahmen erschwerte die Arbeit, aber ihre Bemühungen ergaben Aufzeichnungen, mit denen man arbeiten konnte. Dann, im Jahre 1984, bot mir Rev. Elyn Maclnnis an, weitere Tonbandaufnahmen schriftlich aufzuzeichnen, und schließlich arbeitete ihr Ehemann, Rev. Peter Maclnnis, auch mit. Am Ende leisteten all diese Freunde fachmännische Hilfe und so lag schließlich der Inhalt aller 27. Tonbänder niedergeschrieben vor.
Ohne diese Hilfe hätte dieses Projekt nie begonnen und ohne beträchtliche Unterstützung nie zu Ende geführt werden können. Rollin E. Becker D.O.und John H. Harakal D.O.F.A.A.O. standen mit Ratschlägen und Feedback während des gesamten Projekts zur Verfügung. Unterstützung bei einer Vielzahl von technischen Aspekten leisteten James Gronemeyer D.O., Duncan Soule M.D. und Edgar Miller D.O. F.A.A.O. Einige Leute förderten aufgrund ihrer Wertschätzung für das Werk von Dr. Sutherland die Arbeit auch finanziell. Allen voran stellte Swami Chetanananda einen beträchtlichen Betrag für die Herausgabe dieses Werkes zur Verfügung.
Im Verlauf der Arbeit und nach Vervollständigung sämtlicher Manuskriptentwürfe machten Dr. Harakal und Dr. Brooks ihre durchdachten und kritischen Kommentare. Nach meinem dritten Entwurf übernahm Dr. Rachel Brooks schließlich die wichtige Aufgabe, das Manuskript für den Verlag aufzubereiten. Diese Arbeit bedeutete, für Illustrationen zu sorgen und beim Auffinden und Korrigieren von schwierigen und unklaren Stellen zu helfen. Ich möchte all diesen Leuten danken, die freiwillig so viel von ihrer Zeit geopfert haben.
Diese Vorträge sind für die Arbeit der Sutherland Cranial Teaching Foundation, Inc. gedacht. Sie stellen kein Lehrbuch dar. Bei Seminaren wird heutzutage das Lehrbuch Osteopathie in der Schädelsphäre von Harold I. Magoun Sr. D.O. F.A.A.O. verwendet. Wir hoffen aber, dass das vorliegende Werk in Dr. Sutherlands eigenen Worten verfasste Buch im Unterricht hilfreich sein wird und den Leser unterstützt, sein Kraniales Konzept in der Wissenschaft der Osteopathie zu verstehen.
Anne L. Wales D.O.,
Herausgeberin
EINFÜHRUNG (WALES)
Man kann Dr. Sutherlands Gedankengänge innerhalb der Wissenschaft und Anwendung der Osteopathie mitverfolgen von seinen Studententagen an der American School of Osteopathy in Kirksville, Missouri, bis hin zu den letzten Vorträgen, die er auf einem Seminar im Januar 1953, erneut in Kirksville, hielt. Diesen Sachverhalt verdanken wir der Tatsache, dass Mrs. Sutherland eine Biografie ihres Ehemannes schrieb, Mit klugen Fingern, und dass sie seine Aufzeichnungen in einem anderen Buch sammelte, das sie Einige Gedanken nannte.
Vor diesem so gut dokumentierten Hintergrund kann man erkennen, dass Dr. Sutherland als Arzt und Osteopath das praktizierte, was er gelernt hat. Durch sein Verständnis von Dr. Stills Lehre war er überzeugt, dass Dr. Andrew Taylor Still den lebenden menschlichen Körper als eine Einheit, einen Gesamtorganismus, betrachtete. Er erkannte auch, dass Dr. Still seinen Unterricht auf das beschränkte, was die Studenten seiner Meinung nach im ersten Jahrzehnt der Lehre der Osteopathie erfassen und sinnvoll anwenden konnten. Ebenso erkannte er, dass Dr. Still in seiner Lehre und in seinen Schriften die Saat einer umfassenderen Sichtweise pflanzte. Und natürlich drückte Dr. Still sein Verständnis der Anatomie, des Skelettsystems und des Konzepts der Osteopathie in der Sprache seiner Zeit aus.
Dr. Sutherland bemerkte oft, dass das Kraniale Konzept nicht seines wäre, sondern das von Dr. Still. Jener hatte behauptet, dass es in einem gesunden, lebenden menschlichen Körper keine Synarthrosen gäbe. Zu jener Zeit glaubte die Mehrheit, dass das Iliosakralgelenk eine Synarthrose und daher unbeweglich sei. In seiner Lehre analysierte Dr. Still nur die Iliosakralgelenke; Dr. Sutherland erkannte jedoch später, dass diese Betrachtungsweise auch auf den knöchernen Schädel angewandt werden konnte.
Dr. Still sprach oft von einem besonderen Entwurf, der die Bewegung in den Gelenken ermöglichte. Um dies besser darzustellen, waren anatomische Ansichtsexemplare im College ausgestellt. Sie konnten von den Studenten genau studiert werden. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so wäre Dr. Sutherland nie zu dem Augenblick in seinem Leben gelangt, als ihn ein Geistesblitz überfiel und er die Artikulation der Sutura sphenosquamosa als einen Entwurf für Beweglichkeit erkannte, die auf einen Atemmechanismus schließen ließ – ähnlich wie die ‚Kiemen eines Fisches‘. Da er in anatomischen Lehrbüchern gelesen hatte, dass die Suturen und andere Gelenke im Bereich des Schädels und des Gesichts beim Erwachsenen verschmelzen oder verknöchern, begegnete er seiner Einsicht jahrelang mit Skepsis und Zurückhaltung.
Schließlich wollte Dr. Sutherland die Unsicherheit ausräumen, indem er die Fakten in seinem Gehirn ordnete und begann, die Gelenkflächen der einzelnen Knochen genau zu untersuchen. Damit wollte er sich selbst beweisen, dass eine Beweglichkeit zwischen den Knochen des Schädels an den Suturen unmöglich sei. Diesen Beweis konnte er nicht erbringen, und so musste er sich der Tatsache stellen, dass eine Beweglichkeit dennoch möglich ist, die nicht durch Muskeln hervorgerufen wird.
In seinen Vorträgen erklärte er, dass jeder, der die gleichen Untersuchungen anstelle, den gleichen Schock bekäme, wenn er diese Realität verstehe. Die Untersuchung der Bewegungslehre von Gelenken im lebendigen menschlichen Körper ließ ihn in seinen Patienten Kräfte erkennen, die Probleme und gesundheitliche Beanspruchungen beseitigen konnten. Die Natur der Gelenkmechanismen im Endo-Skelett, die mechanischen Prinzipien in Bezug auf bestehende Probleme und auf deren Selbstkorrektur führten zur Entdeckung neuer Diagnose- und Behandlungsmethoden am Patienten.
Im zunehmenden Verständnis der Osteopathie, wie sie von Dr. Still gelehrt und vorgestellt wurde, wurzelte die Entwicklung seiner Fähigkeiten als Arzt. Gegründet auf das, was ihn die Patienten lehrten, entwickelte Dr. Sutherland viele verschiedene Wege, Osteopathie zu praktizieren. Als seine Patienten von seinen Behandlungsmethoden zumindest profitierten und im besten Falle wieder gesund wurden, schloss er daraus, dass er sich eine grundlegende Wissenschaft zunutze machte, die dabei war, ihre Wahrheiten zu entfalten. Als Behandler besaß er die Fähigkeit, das jeweilige Problem ausfindig zu machen. In seinen Vorträgen betonte er, dass die Diagnose das Schwierigste sei. Sobald man das versteht, ist die Behandlung einfach.
Viele seiner Kollegen studierten bei ihm, da sie lernen wollten, die Osteopathie so zu praktizieren, wie er es tat. Dieser Wunsch war Grundlage für jene Kurse, die er in den 1940ern und 1950ern abhielt. Er begründete auch eine dazugehörige Fakultät, deren Mitglieder von ihm ausgebildet wurden.
Fast alle Teilnehmer an diesen Studiengängen spürten die Notwendigkeit, ihr Wissen in Anatomie und Physiologie nochmals zu überdenken. Sie fanden es in diesem Zusammenhang einfacher und interessanter, gemeinsam zu lernen. Als Konsequenz daraus bildeten sich landesweit Studiengruppen, und einige von ihnen beschlossen, ihre Aufmerksamkeit ganz auf den Schädel und die Lehre von Dr. Sutherland zu richten.
Die meisten der Kursteilnehmer bei Dr. Sutherland waren Mitglieder der Academy of Applied Osteopathy. Diese Organisation stellte eine Quelle der Unterstützung für seinen Unterricht dar. Im Juli 1946 versammelte sich eine Gruppe jener Interessierten auf der Konferenz und dem wissenschaftlichen Seminar der American Osteopathic Association in New York City. Dort wurde der Anstoß zur Gründung der Osteopathic Cranial Association als einer Tochter der Academy of Applied Osteopathy4 gegeben. Im Juli 1947, beim Jahrestreffen in Chicago, wurde dieser Organisationsprozess abgeschlossen.
Die Arbeit der Osteopathic Cranial Association umfasste auch das Organisieren von Konferenzen und das Aufbereiten von Material für Veröffentlichungen und Studienzwecke. Während dieser ganzen Zeit lief Dr. Sutherlands Unterrichtsprogramm weiter und schloss die Nutzung der Räumlichkeiten des Des Moines Still College of Osteopathy und des Chicago College of Osteopathy5 ein. Zusätzlich reiste Dr. Sutherland in Gegenden, die für jene, die sein Kraniales Konzept studieren wollten, günstig lagen. Kurse, die er in Providence, Rhode Island, in den Jahren 1948, 1949 und 1950 abhielt, gehörten zu diesen regionalen Ausbildungsprogramm.
Im Lauf der Zeit erkannte Dr. Sutherland die Notwendigkeit zur Schaffung einer Einrichtung, die es seinem Ausbildungsprogramm erlauben würde, unter Leitung seiner Fakultät weiterzulaufen. So veranlasste er im September 1953 die Gründung der Sutherland Cranial Teaching Foundation in Denver, Colorado.
Die Sutherland Cranial Teaching Foundation, Inc. stellt eine Ausbildungseinrichtung dar, deren Zweck die Weiterführung des von Dr. Sutherland organisierten Unterrichtsprogramms ist. 1960 organisierte sich die Academy of Applied Osteopathy neu und änderte ihren Namen in American Academy of Osteopathy. Zeitgleich änderte die Osteopathic Cranial Association ihre Verbindung zur Akademie von einer lediglich angegliederten Gesellschaft zu einem festen Bestandteil und änderte ihren Namen in Cranial Academy.
Den Mitgliedschaften in all diesen Organisationen ist eines gemeinsam: Das kontinuierliche Studium der Wissenschaft der Osteopathie und die Weiterentwicklung der Fähigkeiten in ihrem Anwendungsbereich. Es gibt Veröffentlichungen, Studiengemeinschaften, Seminare und Konferenzen. Ebenso stehen klinisch tätigen Behandlern, die osteopathische Colleges oder Krankenhäuser besuchen, Programme zur Verfügung.
Die Sutherland Cranial Teaching Foundation unterrichtet Studenten und bildet Mitglieder der medizinischen und zahnmedizinischen Berufe in den Einzelheiten der Philosophie, Anatomie und Physiologie des Primären Atemmechanismus aus. Der Unterricht lehrt die Kursteilnehmer Palpation und andere manuelle Fähigkeiten im Bereich der klinischen Anwendung des Kranialen Konzepts in Gesundheit und ebenso bei Problemen, die den Primären Atemmechanismus negativ beeinflussen, wie Krankheiten und Traumen. Dabei wird das Zusammenspiel mit der Anatomie und der Physiologie des gesamten Körpers betont.
Anne L. Wales D.O.
Herausgeberin
W. G. SUTHERLAND – BIOGRAFISCHE INFORMATIONEN
William Garner Sutherland D.O.D.Sc. (hon.) (1873–1954) wurde in Portage County, Wisconsin, geboren. Er lebte mit seiner Familie in Minnesota und zog später mit ihr nach South Dakota. In Blunt war er ein Druckerjunge bei der lokalen Zeitung, dem Blunt Advocate. Bis 1890 hatte er sich zum Vorarbeiter emporgearbeitet. September 1893 ging er nach Fayette, Iowa, um die Upper Iowa University zu besuchen. Anschließend kehrte er zur Zeitung zurück und wurde schließlich der Herausgeber des Daily Herald in Austin, Minnesota. In dieser Stellung hörte er 1898 von Dr. Still und seinem Osteopathie-Unterricht in Kirksville, Missouri. Noch im selben Jahr schrieb er sich in der American School of Osteopathy ein und schloss seine Ausbildung mit dem Jahrgang 1900 ab.
1. WISSEN ERLANGEN, NICHT INFORMATIONEN SAMMELN
Hatten Sie jemals einen Gedankenblitz? Ich habe schon oft von jenem Gedankenblitz erzählt, der mir kam, bevor ich meinen Abschluss an der American School of Osteopathy im Jahre 1900 machte. Als ich den präparierten Schädel betrachtete, der sich in Dr. Stills Besitz befand, weckten die Details an den Gelenkflächen der Sutura sphenosquamosa mein Interesse. Die Vorstellung, dass diese Sutur ein Hinweis auf einen für Bewegung konzipierten Entwurf war, prägte sich mir ein.
Die Squama occipitalis sah den Kiemen eines Fisches so ähnlich, dass der nächste Gedanke nur allzu logisch war. Es traf mich wie ein Blitz, dass dieser Bewegungsentwurf auch eine Funktion repräsentieren musste. So kam ich zu dem Schluss, dass eben diese Funktion zwingend einen Atemmechanismus darstellte. Wenn Sie die Schriften von Dr. Andrew Taylor Still genau lesen, auch zwischen den Zeilen, werden Sie feststellen, dass seine Denkweise derselben Spur folgte. Sie werden bemerken, dass das Kraniale Konzept in der Wissenschaft der Osteopathie seine Entdeckung war, und nicht meine.
Die Wissenschaft der Osteopathie begegnete Dr. Still in einem der traurigsten Abschnitte seines Lebens. Er schickte ein Gebet an seinen SCHÖPFER und bat IHN um Führung. Von dort kam die Osteopathie, vom MEISTER DER BEWEGUNGSLEHRE.
Dies ist der Bezugspunkt in all seinen Schriften. Er fragte sich: „Wie alt ist die Osteopathie?“ und seine Antwort lautete: „So alt wie der Schädel selbst.“ Er erklärte, dass die Wissenschaft der Osteopathie, so wie andere Wahrheiten zuvor, zum Nutzen der Menschheit entstanden war. Dieser Gedanke, der mich jäh überfiel, „abgeschrägt wie die Kiemen eines Fisches und Hinweis auf einen Primären Atemmechanismus“, überraschte mich nicht nur, er blieb bei mir. Deshalb, um mir selbst zu beweisen, dass die Beweglichkeit zwischen den Schädelknochen beim Erwachsenen ein Ding der Unmöglichkeit ist, begann ich mit meinen Untersuchungen. Obwohl es damals als anerkannt galt, dass es zum Zeitpunkt der Geburt keine anderen Gelenkverbindungen außer den atlantookzipitalen Gelenken gibt, lehrten sämtliche anatomischen Bücher jener Zeit, dass die Suturen erst dann verschmelzen oder verknöchern, wenn der Körper zum adulten Menschen herangewachsen ist. Viele Osteopathen stehen der erwähnten Beweglichkeit skeptisch gegenüber. Sie sind aber nicht skeptischer, als ich es am Anfang war.
Ich begann meine Studien am Schädel eines menschlichen Skelettes, welches sich in meinem Besitz befand. Glücklicherweise handelte es sich um einen normaleren Kopf als die meisten, die uns heutzutage zur Verfügung stehen. Ich wurde wie ein Uhrmacher, der eine schwierige Technik entwickelte. Nachdem ich den Mechanismus verstanden hatte, lernte ich, den Schädel in seine Einzelteile zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen.
Es kam der Tag, an dem ich an einen Professor am College von Kirksville eine Arbeit mit der Bitte zur Überprüfung schickte. Seine Reaktion erfolgte prompt. Er behauptete, dass man die Knochen des Schädels nicht einmal mit einem Brecheisen auseinanderbekommen könne. Das zeigt uns deutlich, dass der menschliche Schädel zum Zwecke des Schutzes sehr stabil ist. Zu dem Zeitpunkt, als ich diese Antwort erhielt, hatte ich jedoch bereits zwei kleine Ossa temporalia inklusive Partes petrosae lediglich mit der kleinen Klinge eines Taschenmessers von einem Schädel entfernt.
Ich gebe zu, dass ich sie mit einem Brecheisen nicht herausbekommen hätte. Das wäre ein viel zu großes Werkzeug für diesen feinen Mechanismus gewesen. Wenn man den Mechanismus versteht, erwarten einen wunderbare Möglichkeiten. Denjenigen, die ihn noch entdecken müssen, entging bisher einiges. Hätte ich nicht meine eigene Nase hineingesteckt und nachgeforscht, wäre ich wahrscheinlich noch heute skeptisch.
Aufgrund meiner eigenen Zweifel an der Beweglichkeit der Schädelknochen, musste ich viele ernsthafte Experimente an meinem eigenen Schädel durchführen. Diese Experimente konnte ich nicht an den Köpfen anderer Menschen durchführen. Sie mussten jedoch an einem lebendigen Kopf stattfinden, da es notwendig war, das Wissen zu erlangen, das sich einem bei der Untersuchung eines toten Exemplars in einem anatomischen Labor nicht offenbart. Um zu beweisen, dass eine Beweglichkeit zwischen den Schädelknochen eines lebenden Erwachsenen unmöglich ist, musste ich mir Wissen über viele Dinge aneignen. Hätte ich zudem die Experimente an einer anderen Person durchgeführt, wäre ich lediglich an die Informationen gelangt: Sie hätte gewusst, was es bedeutet.6
Meine Berufung ist die funktionelle Anatomie. Informationen, die ich in Büchern fand, leiteten mich und gaben mir viele Hinweise. Die Feststellung, dass sämtliche physiologischen Zentren im Bodenbereich des vierten Ventrikels lokalisiert sind, auch das der Atmung7, war ausgesprochen wichtig für mich. Ich erkannte, dass dieser Boden die Medulla oblongata bildet und dass der Ventrikel nicht nur einen Boden, sondern auch ein Dach besitzt. Ich hatte also einen Hinweis und Informationen, um mit dem Ausdruck zu beginnen: ‚die Atmung eingeschlossen‘. Hier fing ich an, etwas herauszufinden in Bezug auf den Atemmechanismus des lebendigen menschlichen Körpers. Ich erlangte Wissen über die Tide und etwas der Tide Innewohnendes, das ich den ‚ATEM DES LEBENS‘ nenne – nicht das Einatmen von Luft.
Es gelang mir nicht, zu beweisen, dass es keine Mobilität zwischen den Knochen des lebendigen menschlichen Schädels gibt. Nun musste ich weiterforschen, um mehr über die Beweglichkeit der Schädelgelenke und über den Primären Atemmechanismus herauszufinden. Um etwas über die Bildung der Knochen zu lernen, ging ich in meinen Studien bis in die pränatale Phase zurück. Das Knochengewebe wird dort von der Dura mater und Knorpel zusammengehalten. Es ist so angeordnet, dass sich der kindliche Kopf dem mütterlichen Geburtskanal anpassen kann. Die Ossa parietalia können sich über das Os frontale und Os occipitale und zwischen die Ossa temporalia schieben, um dem Kind so einen einfacheren Weg in die Welt zu ermöglichen. Bezweifelt irgendjemand, dass zu jenem Zeitpunkt eine Beweglichkeit vorhanden ist? Die Knochen weisen zwar keine Beweglichkeit aufgrund von Gelenken auf, aber dennoch besteht eine Beweglichkeit. Der normale Schädel bei Säuglingen und Kindern hat Raum für Wachstum, aber bis zum Alter von 10 Jahren finden wir dort, außer in kleineren Ansätzen hier und da, keine bedeutenden Gelenkvorrichtungen. Ab dem 10. Lebensjahr und die Adoleszenz hindurch bilden sich, während die Kinder wachsen, allmählich die Gelenke als Schaltstellen, bis sie die ausgereifte Anatomie der Erwachsenen erreicht haben.
Wenn Sie beginnen, einen älteren Schädel zu erforschen, können Sie etwas über die verschiedenen Sorten von Verschaltungen, die nun entstanden sind, herauslesen. Es gibt sowohl innere als auch äußere Abschrägungen mit Kontakt zur gegenüberliegenden Seite. Dies lässt auf eine Gleitbewegung schließen. Es gibt auch gewellte Suturen, die quer, diagonal usw. verlaufen. Die Suturen sind so angelegt, dass sich wurmförmige, konische, kompensierende, kryptische, reibende und schraubenförmige Schaltungen finden. Man begegnet Gelenkvorrichtungen wie Kugel und Pfanne, kurbel-, wellen-, wiegen-, rollen- und grubenförmigen Gelenken.
Ausgleichende Führungs- und Hemmelemente, flexible Schäfte, Kraftpumpen, Siebe und das Fulkrum sind ebenfalls zu finden. Es ist verwunderlich, wenn man einige dieser anatomischen Exemplare betrachtet, egal ob sie ganz oder auseinandergenommen sind und jeden Alters, sobald die Verschaltungen der Gelenke sich gebildet haben. Die Vielfältigkeit im Detail, wenn ein Schädel mit einer Asymmetrie gewachsen ist, ist erstaunlich. Solche pathologischen Exemplare dienen als Verständnisgrundlage für das, was wir bei einigen unserer Patienten vorfinden. Einige ‚krumme Zweige‘, wie ich sie nenne, haben ihren Ursprung in einer falschen Ausrichtung kurz nach der Geburt oder vielleicht sogar schon vor der Geburt und wuchsen nach ihren Möglichkeiten. Dies entspricht zwar mechanisch betrachtet nicht gerade dem Idealbild eines normalen menschlichen Kopfes, aber der Schädel hat dennoch die Fähigkeit, zu funktionieren, und er tut es auch – so lange jedenfalls, bis das Wachstum auf Widerstand stößt und so an einer beliebigen Stelle zu Fehlfunktionen führt. Sie müssen Ihre Vorstellungskraft oft erweitern, um zu verstehen, was das Normale für Ihren Patienten ist. Ein perfektes Bild der Anatomie bildet die notwendige Grundlage, um zu verstehen, was wir an vielen lebendigen Köpfen zu sehen bekommen. Es ist ein Prozess und im Grunde einfach, wenn wir mit Verständnis dafür, welche Adaptionen möglich sind, hinsehen und fühlen. Das Ziel ist, mit Ihren Patienten den Weg zu einem gesunden Funktionieren des Mechanismus, so wie sie ihn mitbringen, zu finden. Um sich leiten zu lassen, benötigt man eine mental vollkommene Vorstellung; dennoch ist es keineswegs gut, dem Kopf, so wie man ihn vorfindet, dieses Ideal aufdrücken zu wollen. Wenn Sie das Sakrum untersuchen, welches zwischen den Ilia an Bändern aufgehängt ist, findet man Hinweise auf eine Beweglichkeit der Gelenke, die sich anders darstellt als die haltungsbedingte Beweglichkeit der Ilia gegenüber dem Sakrum. Dann denken Sie an das unter dem Os frontale befestigte Os sphenoidale und beginnen zu experimentieren. Ich fand heraus, dass das Anbringen eines kleinen Polsters unter dem Apex sacralis, selbiges in Rückenlage in seine Flexionsposition8 brachte. Dementsprechend konnte ich es in Extension bringen, sobald ich das Polster zur Basis hinaufbewegte. Als Nächstes stellte ich fest, dass etwas im Kopf vor sich ging, sobald ich das Polster dort beließ. Dies wies auf eine Verbindung zwischen dem Sakrum und der normalen Fluktuation der Tide hin. So fand ich Wissen – es waren nicht einfach nur Informationen.
Lernen Sie Informationen im kranialen Bereich der Osteopathie, und hier besonders über die Zerebrospinale Flüssigkeit, sorgfältig zu prüfen, sodass Sie in der Lage sind, Kritik im wissenschaftlichen Sinn zu üben. Gründen Sie Ihr Denken nicht auf Feststellungen, die Jahrhunderte lang ohne kritische Prüfung weitergegeben wurden. Studieren Sie den lebenden menschlichen Körper ebenso wie den Leichnam. Studieren Sie das Prinzip des Lebens und kommen Sie dem Verständnis dessen näher, was ich mit dem ‚ATEM DES LEBENS‘ meine. Dr. Still tat sein Bestes, um uns in dieses Phänomen einzuführen, aber wir waren noch nicht dazu bereit.
Erkennen Sie die physiologische Funktion in der Fossa cranii posterior? Können Sie sich den Primären Atemmechanismus bei jedem beliebigen Patienten im Bereich jener Zentren in der Medulla oblongata vorstellen? Hier eine Demonstration: Der Patient liegt auf der Behandlungsbank auf dem Rücken. Meine Hände liegen unter dem Os occipitale und den Ossa temporalia. Meine Finger verschränken sich unter der Pons. Wenn ich stehe, stellen meine Arme das Cerebellum dar.
Ich führe meine Arme zusammen nach oben, sodass der vierte Ventrikel verkleinert wird. So wird seine Ausdehnung modifiziert. Bemerken Sie eine kontrahierende Motilität im Cerebellum, im Brachium pontis, der Pons und dem vierten Ventrikel? Diese jedenfalls spürte ich während zahlreicher Experimente, die ich an mir selber durchführte. Ist es Ihnen möglich zu erkennen, dass die Motilität im Truncus cerebri auf diese Weise den Vorgang des Primären Atemmechanismus reflektiert?
Ich fand heraus, wie ich die Begrenzungen meines eigenen Supraocciput mithilfe eines Baseballhandschuhs leicht medial biegen konnte. Ich nahm zwei Handschuhe, einen linken und einen rechten, band sie an den Enden zusammen, platzierte auf dem einen eine Schnalle, auf dem anderen einen Riemen und legte sie in Form eines V hin, sodass das Supraocciput an den äußeren Begrenzungen nur auf dem V auflag. Dann zog ich den Riemen durch die Schnalle, wodurch ich allmählich die Spannung erhöhen konnte.
Unterhalb des Pivotpunktes in der Sutura lambdoidea sind die Kanten nach außen abgeschrägt. Das Cerebellum befindet sich vor dem Supraocciput. Was geschieht nun mit dem Cerebellum, wenn man die Begrenzungen der Squama occipitalis gegeneinander bewegt? Was geschieht mit der Pons, der Medulla und dem vierten Ventrikel, wenn das Cerebellum seine Gestalt ändert, weil die Begrenzungen des Supraocciput leicht gebogen worden sind? An jenem Tag, an dem ich dieses Experiment an meinem eigenen Kopf ausführte, erfuhr ich einiges darüber.
An diesem Tag ging ich so weit, dass ich nicht wusste, ob ich jemals wieder zurückkommen würde. Als Antwort auf Fragen dazu möchte ich einen kleinen Spruch vorlesen, der mir an meinem 77. Geburtstag geschickt wurde:
„Wie du sehen wirst, besteht das große Geheimnis darin, nicht an dich zu denken, an deinen Mut oder deine Verzweiflung, an deine Stärke oder Schwäche, sondern an IHN, für den du diese Reise unternimmst.“
Ich habe Ihnen bereits mitgeteilt, dass diese Arbeit meine Berufung ist. Ich musste diese Dinge also tun. Nun werden Sie verstehen, dass ER Ihnen keine Aufgabe stellen kann, ohne Sie auch dazu zu befähigen, diese zu erfüllen.
Da war ich nun, ziemlich weit weg, und versuchte etwas darüber herauszufinden, was dieser Mechanismus eigentlich ist. Ich fand es tatsächlich heraus, doch wie sollte ich da wieder herauskommen? Es gelang mir schließlich – ich weiß nicht wie – meine Vorrichtung zu lösen. Sobald ich sie gelöst hatte, spürte ich plötzlich Wärme durch mein gesamtes Supraocciput strömen. Mir wurde auch die Bewegung meines Schädels bewusst, die Bewegung des Sakrum und die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit – die Fluktuation der Tide.
Ich könnte Ihnen mehr und mehr erzählen von den Erfahrungen, die ich hatte, wie man sie benennen könnte und was man von ihnen lernen kann. Nachdem ich etwas über den Primären Atemmechanismus erfahren hatte, führte ich so präzise, wie es ging, Experimente durch, welche die Effekte von traumatischen Ereignissen nachstellten. Eines dieser Experimente brachte mich so durcheinander, dass ich fast bereit für einen Aufenthalt in der Psychiatrie gewesen wäre. Aber ich fand auch da einen Weg heraus. Bevor ich aber von einem der frühen Experimente erzähle, wollen wir den Schädel betrachten. Anatomische Lehrbücher sagen uns, dass die Knochen der Schädelbasis aus Knorpel und die Knochen des Schädeldeckels aus Deckknochen entstanden sind. Wenn man die Schädelbasis betrachtet, welche aus einer chondralen Matrix verknöchert ist, ist es logisch zu denken, dass es im Falle einer Beweglichkeit zwischen den Knochen der Basis auch eine Beweglichkeit zwischen den Knochen des Schädeldeckels geben muss. Wenn Sie im Schädeldach eine Art Deckel9 haben, der aus Membran verknöchert ist, muss es eine Kompensationsmöglichkeit für die Beweglichkeit in der Schädelbasis geben, oder die Beweglichkeit im Dach wäre gestört. Die besondere Verzahnung innerhalb der Sutura sagittalis des Schädeldeckels ist der Beweis für eine solche Kompensation. Betrachten Sie nun zum Beispiel die Ossa parietalia: Beim Erwachsenen haben sie zwei Wände, mit einer Diploe dazwischen.
Außerdem sind die beiden Knochen an der Sutura sagittalis eng miteinander verzahnt. Die Diploe innerhalb der Knochen des Schädeldaches ist ein Teil des Blutungssystems und die Ossa parietalia besitzen interne Flexibilität zusätzlich zu ihrer gegensinnigen Beweglichkeit an der Sutura. Ich erkannte, dass ich die Schädelbasis nicht im körperlichen Sinne berühren konnte, ebenso wenig, wie ich die Wirbelkörper berühren konnte.
Über die Kontakte an den uns zugänglichen Wirbeln kann man jedoch etwas über die Wirbelkörper erfahren. So erschien es mir nur vernünftig, anzunehmen, dass ich die Position der Knochen der Schädelbasis durch Untersuchungen am Schädeldach fühlen konnte.
Ich suchte eine Art Instrument, durch welches ich etwas nachstellen konnte, was ich die Inhalationsposition der sphenobasilaren Verbindung nenne. In einem Sportgeschäft fand ich einen Football-Helm. Ich entfernte die Anhängsel, indem ich sie einfach abschnitt. Dann suchte ich nach einem guten Stück Leder, nach etwas, das sich weder dehnen noch drücken ließ. Nachdem ich den Helm an meinen Kopf angepasst hatte, wickelte ich eine etwa fünf Zentimeter breite Bandage darum, wobei ich zwei Enden überstehen ließ, welche nach oben über den Helm gezogen werden konnten. Ich befestigte die Enden mit Klemmen, sodass ich die Bandage aufrollen und einspannen konnte. Stellen Sie sich die Bandage außen herum und darunter vor, mit den Enden, die nach oben und darüber gehen. Sobald ich die Klemmen drehte, würde der Helm die Ossa parietalia seitlich und nach oben anheben. Anschließend reduzierte ich die Spannung wieder. So brachte ich den Schädel in die Inhalationsposition. Ich brauchte nichts zu unternehmen, um die Extensionsstellung während der Exhalation nachzustellen, weil der Schädel einfach von selbst in diese Position zurückging.
Wie konnte ich nun die Sidebending/Rotationsstellung untersuchen? Mit dem Helm war mir das nicht möglich. So suchte ich nach anderen Hilfsmitteln. Ich schaute mich um und fand eine alte hölzerne Butterschüssel, die eine Farmerfrau benutzt hatte, um die Butter nach dem Schlagen zu mischen. Ich schnitt diese Schüssel auf die gleiche Größe wie den Helm zu, beließ ihre konvexe Seite auf der einen Seite und gestaltete die andere konkav.
Dann schuf ich entsprechend dem Clivus in der Schädelbasis mit einem biegsamen Lineal, wie es Bauzeichner benutzen, eine nach oben gerichtete Konvexität. Sobald ich es zu einer Seite bog, tat es dies nicht ohne Rotation. So hatte ich also ein Anschauungsobjekt für die Sidebending/Rotation der Schädelbasis. Aufgrund der Rotation liegt die konvexe Seite tiefer als die konkave Seite. Ich benannte diese Stellung nach der konvexen Seite. Nun war ich auch bereit, die Butterschüssel zu benutzen.
Ich befestigte die Schüssel mit einer Bandage an meinem Schädel und legte die Bandage herum bis zur konkaven Seite. Durch das Festziehen der Bandage schuf ich auf der einen Seite eine konkave und auf der anderen eine konvexe Form. So spürte ich die Sidebending/Rotation der sphenobasilaren Verbindung nach rechts und nach links. Ich spürte sie tatsächlich. Ich wusste es und ich musste einfach Gewissheit erhalten.
Dann wollte ich eine Drehung sehen. Ich nahm wieder den Helm und befestigte die Bandage diesmal so, dass auf einer Seite vorne und auf der anderen Seite hinten ein Zug nach oben entstehen würde. Ich zog an ihr und befestigte sie mit einer Klemme. Als ich diese Anordnung ausprobierte, bewegte sich auf der rechten Seite die Ala major des Os sphenoidale nach oben, während sich der Proc. basilaris des Os occipitale auf der linken Seite nach oben bewegte. So hatte ich ein Muster für die Torsion bei elevierter Ala major rechts. Auf diese Art und Weise lernte ich, die Basis vom Schädeldach aus zu bewegen.
Vor einiger Zeit durften Dr. Howard Lippincott und ich ein altes Skelett benutzen, das lange Zeit im College in einem Koffer gelegen hatte. Wir schnitten ein paar Fenster in das Schädeldach, sodass wir die Bewegung der Reziproken Spannungsmembran sehen konnten. Ich legte meine Finger auf die Alae majores des Os sphenoidale und brachte sie in Flexionsstellung. Dr. Lippincott legte seine Finger so auf die Ossa temporalia, dass er sie in Extension bringen konnte. Wir bemerkten, dass sich die Dura mater – die Reziproke Spannungsmembran des Schädels, dieses alten vertrockneten Exemplars – bewegte. Bei einem lebendigen Menschen muss man lediglich die Alae majores des Os sphenoidale berühren und sie nach vorne in Flexion bringen und die Reziproke Spannungsmembran wird sich bewegen. Bringen Sie das Os sphenoidale zurück in die Ausgangsstellung und sie wird sich wieder bewegen, es sein denn, etwas hält die Bewegung zurück. Sie wissen es genau, wenn sie sich richtig bewegt – oder etwa nicht?

ABB. I–1: EINE DER APPARATUREN, MIT DENEN SUTHERLAND SEINE BERÜHMTEN SELBSTVERSUCHE DURCHFÜHRTE
Die gezeigte Konstruktion bestand aus zwei zusammengeklappten Baseball-Handschuhen, die mit Riemen so am Schädel befestigt wurden, dass man eine geregelte Kompression des Supraocciput und damit auch des vierten Ventrikels applizieren konnte.

ABB. I–2: AUSSTELLUNGSSTÜCKE IM STILL NATIONAL OSTEOPATHIC MUSEUM
Links erkennt man eine Weiterentwicklung der zuvor beschriebenen Vorrichtung aus einem Football-Helm vor einer handsignierten Erstausgabe The Cranial Bowl. Rechts hinten befindet sich die aus Baseball-Handschuhen gebaute Apparatur zur Kompression des Supraocciput und des vierten Ventrikels. Davor sehen Sie eine Kurzbeschreibung beider Vorrichtungen.
2. PRIMÄRER ATEMMECHANISMUS
Ich möchte, dass Sie sich nun mit dem Primären Atemmechanismus auseinandersetzen. Um zu analysieren, was ich unter dem Primären Atemmechanismus verstehe, wollen wir seine Merkmale untersuchen. Das erste Merkmal ist die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit – die Potency der Tide. Das nächste Merkmal, das zweite Prinzip, ist die Funktion der Reziproken Spannungsmembran. Als drittes Prinzip bezeichnen wir die Motilität des Neuralrohrs – das heißt, die dem Gehirn und dem Rückenmark innewohnende Motilität. Das vierte Prinzip besteht schließlich in der gelenkähnlichen Mobilität der Schädelknochen und der unwillkürlichen Mobilität des Sakrum zwischen den Ilia. Diese unwillkürliche Mobilität darf nicht mit der schwerkraftbedingten Einstellungsmobilität der Ilia gegenüber dem Sakrum verwechselt werden.
DIE FLUKTUATION DER ZEREBROSPINALEN FLÜSSIGKEIT
Die Definition des Wortes Fluktuation in meinem Konzept entspricht jenem in Websters Wörterbuch:
„Die Bewegung einer Flüssigkeit, welche sich in einem natürlichen oder künstlichen Hohlraum befindet und durch Palpation oder Perkussion beobachtet werden kann.“
Die Fluktuation, das erste Merkmal des Primären Atemmechanismus, repräsentiert die Bewegung der Zerebrospinalen Flüssigkeit in ihrem natürlichen Hohlraum. Ich möchte auf folgende Bemerkung in Die Philosophie und mechanischen Prinzipien der Osteopathie von Dr. Still hinweisen:
„Ein Gedanke kommt ihm, dass die Zerebrospinale Flüssigkeit das höchste bekannte Element ist, das der menschliche Körper enthält. Solange das Gehirn diese Flüssigkeit nicht in großer Menge liefert, bleibt der invalide Zustand des Körpers erhalten.“
Innerhalb dieser Zerebrospinalen Flüssigkeit gibt es ein unsichtbares Element, das ich als den ‚ATEM DES LEBENS‘ bezeichne. Visualisieren Sie diesen ‚ATEM DES LEBENS‘ als eine Flüssigkeit innerhalb der Flüssigkeit, etwas, das sich nicht vermischt, etwas, was diese Potency hat als die Kraft, die es sich bewegen lässt. Ist es wirklich nötig zu wissen, was die Flüssigkeit in Bewegung bringt? Stellen Sie sich eine Potency vor, eine intelligente Kraft, die intelligenter ist als Ihr eigener menschlicher Verstand.
Sie wissen aus Ihrer Erfahrung als Patient, dass die Tide wechselt; sie ebbt ab und flutet an, sie kommt herein und geht hinaus – die Meeresgezeiten. Sie werden auch ihre Potency und ihre Intelligenz beobachtet haben. Verlassen Sie sich darauf, dass sie Ihre Arbeit für Sie tut. Mit anderen Worten: Versuchen Sie nicht, den Mechanismus durch irgendeine äußere Kraft anzutreiben. Verlassen Sie sich auf die Tide.
Sie als intelligenter Techniker oder Ingenieur des menschlichen Körpers können den Tonus, den rhythmischen Tonus der Reziproken Spannungsmembran, welche durch die Fluktuation der Tide bewegt wird, durch Ihre kluge, fühlende, sehende und wissende Berührung spüren. Sie können die Tide auch dazu benutzen, um eine Betonung im Rhythmus des Gleichgewichts innerhalb dieser Membran zu erfassen, was wiederum notwendig bei der Reduzierung von Strainmustern ist. Bei der Arbeit mit der Tide müssen Sie lediglich einen kleinen ‚Anstoß‘ geben, um die Bewegung in eine gegebene Richtung anzuregen.
Wenn sie sich in einem kleinen Boot weit draußen auf dem Ozean befänden und die Wellen hoch auf die Küste zurollten, würden sie die Spannung des Fulkrum in Übereinstimmung mit dem Balancepunkt bringen. In spiritueller Intelligenz, in einem spirituellen Fulkrum, würden Sie in Ihrem kleinen Boot von der Tide gelenkt werden. Sie können sich auf die Intelligenz der Tide und auf die Potency dieser Flüssigkeit, die Fluktuation dieser Flüssigkeit verlassen.
Stellen Sie sich nun die Wände des Gehirns als Rahmen eines Hauses vor und verfrachten Sie dieses Haus nun mitten in den Ozean. Beachten Sie, dass die Wände des Gehirns – ebenso wie jene des Hauses – Räume umschließen. Dann beobachten Sie, dass es offene Türen gibt und eine kleine Verlängerung, wie eine an das Haus angebaute Garage. Diese repräsentiert das Rückenmark. Die Räume stellen die Ventrikel innerhalb der Wände des Gehirns dar: die beiden seitlichen Ventrikel, der dritte und der vierte Ventrikel. Es gibt auch Gänge: den Aquaeductus cerebri und den Canalis centralis des Rückenmarks. Ebenso gibt es dann offene Türen, die aus dem vierten Ventrikel herausführen, offene Türen in der Wand des Gehirns.
Wo befindet sich das Gehirn? Worin ist es eingeschlossen? In einem knöchernen Gewebe. Hier trifft man auf die Bewegung einer Flüssigkeit, welche sich in einem natürlichen Hohlraum befindet. Die Höhle befindet sich innerhalb des Gelenkmechanismus des Schädels und auch innerhalb der Kammern des Gehirns mit ihren offenen Türen. Die Flüssigkeit ist dieselbe innerhalb wie außerhalb der Ventrikel. Derselbe Flüssigkeitskörper existiert um das Gehirn herum ebenso wie innerhalb der Kammern. Die Zerebrospinale Flüssigkeit umgibt das Neuralrohr, das Gehirn und das Rückenmark innen wie außen.
Beachten Sie nun die Fluktuation der Tide – eine Bewegung, die durch Inhalation anflutet und durch Exhalation verebbt. Sind die Wellen, welche die Küste entlangrollen – sind sie die Gezeiten? Nein. Die Bewegung der Tide ist die Bewegung des gesamten Wasserkörpers namens Ozean. Betrachten Sie die Potency in den Gezeiten; da ist mehr Kraft und ist mehr Potency in dieser Tide als in den einzelnen Wellen, die sich an der Küste brechen.
Erinnern Sie sich daran, wie das Wasser aus jenem breiten Fluss unten bei Fort Myers, Florida, während eines Hurrikans abfloss; es lief hinaus und ließ das Flussbett trocken zurück. Dann kam es zurück – nicht die Wellen, sondern die Tide. Und diese Potency? Ich möchte, dass Sie die Potency in der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit verstehen. Und vor allem, dass der ATEM DES LEBENS in diese Gestalt aus Lehm geblasen und der Mensch so zu einer lebendigen Seele wurde.10
Wenn Sie ein Glas Wasser nehmen, es auf einen Tisch stellen und diesen rütteln, dann wird das Wasser verschüttet. Wenn ich aber meine Hand zu Hilfe nehme und den Tisch mit meiner Schulter vibrieren lasse, könnten Sie feststellen, dass das Wasser mit einem kleinen Beben in der Mitte des Glases nach oben steigt. Dies sollen Sie über die Potency der Tide in der Zerebrospinalen Flüssigkeit verstehen. Nicht diese Fluktuation nach oben und unten durch Inhalation und Exhalation, sondern den Zustand, in welchem die Bewegung an einen Balancepunkt zwischen In- und Exhalation gelangt, ein Punkt in der Mitte. Dieser Mittelpunkt ist es, an dem Sie eine kurze Zeitspanne zur Verfügung haben, in der wir beobachten können, dass sich das Diaphragma sanft auf einem Fulkrum bewegt. Dann bemerken Sie die Vibration zum Zentrum der Tide, diesem Punkt, an dem Sie vielleicht sagen könnten, dass sie an Etwas angelangt seien, das in einer Hymne als The Still Small Voice11 bezeichnet wird. Sie kennen dieses Loblied Be Still and Know that I am.12 Verstehen Sie, worum es hier geht? Es ist die Stille der Tide, es sind nicht die stürmischen, an der Küste sich brechenden Wellen, welche die Potency, die Macht besitzt. Wenn Sie das mechanische Prinzip der Fluktuation der Tide wirklich verstanden haben, können sie als Mechaniker des menschlichen Körpers die Fluktuation an diese kurze rhythmische Periode, diese Stille, heranführen.
Dann erst beginnen Sie, das tiefe Anschwellen des Ozeans, die Verschiedenheiten der Tide, der Wellen etc. zu begreifen. Dort begegnet man einer spiralförmigen Bewegung. Sie haben bereits von den unterschiedlichen Bewegungen des Gehirns gehört. Lassen Sie uns nun eine andere untersuchen – die spiralförmige Bewegung der Tide. Zeichnen Sie ein Diagramm mit einem Stift auf ein Stück Papier. Machen Sie an einer bestimmten Stelle einen Punkt. Beginnend an diesem Punkt zeichnen Sie eine spiralförmige Linie immer weiter um ihn herum.
Zeichnen Sie anschließend eine unterbrochene Linie um die erste Linie zurück zum Ausgangspunkt. Dies soll eine spiralförmige Bewegung illustrieren.
Falls Sie dieses Diagramm verwenden wollen, um etwas Materielles darzustellen, bestimmen Sie einen positiven und einen negativen Pol. Dann erhalten wir etwas zwischen dem positiven und dem negativen Pol, was uns die langsame Bewegung der Tide, diese Spirale, dieses Hinausbewegen und Zurückkommen erkennen lässt. Wie viele spiralförmige Bewegungen können Sie sich in der Tide vorstellen? Wie viele kleine Spiralen?
Gehen sie mit mir eine Küste entlang, an der viel Seetang wächst. Beobachten Sie, wie sich dieser Seetang rhythmisch mit dem Wasser bewegt – einer im Uhrzeigersinn, der andere gegen ihn. Der Seetang dreht sich spiralförmig mit dem tiefen Anschwellen des Ozeans.
Betrachten Sie einen Hurrikan. Sehen Sie die Potency im Auge des Hurrikans, nicht die Zerstörung an der Außenseite. Erkennen Sie die Potency des Auges, die Stille der Tide, die spiralförmige Bewegung.

ABB. I–3: SUTHERLAND INMITTEN SEINER UNTERRICHTSMITTEL, CA. 1948
An der Wand hängen einige der von Adah S. Sutherland gezeichneten anatomischen Lehrtafeln. Vor ihm sehen Sie eine Schädelreihe vom Fötus bis zum Erwachsenen. Auf der Tafel hinter ihm steht: Tiefer hinein in die Zerebrospinale Flüssigkeit; Flüssigkeit in der Flüssigkeit; Katzenpfote; Lateral = Alternierend; Das Schwellen vom Grund; Die beiden zweispurigen Spiralen sind mit den Begriffen Krankheit und Änderung gegensinnig gekennzeichnet und zeigen Sutherlands Vorstellung der Entstehung und Behebung von Störungen im menschlichen Körper.
DIE REZIPROKE SPANNUNGSMEMBRAN
Mein nächster Vortrag besteht aus zwei Teilen. Im ersten geht es um die Reziproke Spannungsmembran, mit Betonung auf Spannung. Im zweiten Teil geht es um das Fulkrum. Die Funktion dieser beiden stellt das zweite Prinzip im Primären Atemmechanismus dar. Nachdem es keine muskuläre Unterstützung gibt, die eine Bewegung zwischen den Schädelknochen an den Suturen begründen könnte, muss es eine andere Erklärung dafür geben. Die knochenverbindende Struktur ist die intrakraniale beziehungsweise Dura spinalis.
Der verstorbene Ray G. Hulburt D.O.13, Herausgeber des J.A.O.A., war so freundlich und las sich die Kapitel des Buches Die Schädelsphäre vor ihrer Drucklegung durch. Er machte wertvolle Vorschläge, und nach einigen Diskussionen verstand er wie einfach die Terminologie ist, die diese Funktion beschreibt. Als Beispiel wählten wir das Tauziehen mit einer Gruppe an jedem Ende des Seils. Das Seil sollte die Reziproke Spannungsmembran darstellen.
Sie können das Seil hierhin ziehen, Sie können es dahin ziehen, egal – es bleibt kontinuierlich unter Spannung. Dann kommen die Gruppen vielleicht an einen Punkt der Balance, zu einem Punkt der Stille. Dies entspräche dem Fulkrum einer Waage. Nicht einem Hebel. Ein Hebel bewegt sich über ein Fulkrum, zurück und nach vorn.
Das Fulkrum stellt in der Aktivität der Reziproken Spannungsmembran im membranösen Gelenkmechanismus des lebendigen menschlichen Schädels einen Punkt der Stille dar, um den oder über den die ständig angespannte Membran die Pole der Befestigung am Knochen bewegt.
Sie werden bemerken, dass ich die Stellen der Befestigung der Reziproken Spannungsmembran schematisch dargestellt habe – als Anheftung der Falx cerebri und des Tentorium cerebelli: Ich habe einen hinteren Pol (Os occipitale), zwei seitliche Pole (Kanten der Partes petrosae), einen vorderen oberen Pol (Crista galli) und einen vorderen unteren Pol (Proc. clinoidei) bestimmt (Zeichnung I–4).
Beachten Sie einen weiteren, durch diesen Mechanismus bewegten Gelenkpol am Sakrum. Ich habe die Betonung auf die Anspannung, also den Zug der Reziproken Spannungsmembran zwischen den Polen der Knochenansätze im Mechanismus des Schädels gelegt. Diese schematischen Namen dienen allein dazu, zu zeigen, dass alle Knochen des Neurocranium mit jenem Mechanismus verbunden sind, der sie in Bewegung bringt. Sie können die Aktion spüren, wenn Sie kraniale membranöse artikuläre Strainmuster lösen. Es ist das gleiche mechanische Prinzip wie an der Wirbelsäule, wenn Sie dort ein ligamentäres Strainmuster der Gelenke lösen. Sie können dort die Aktivität der Bänder spüren, die ein Gelenk zwischen den Wirbeln zusammenhalten und dessen Bewegungsradius zulassen.
DIE MOTILITÄT DES NEURALROHRS
Das dritte Prinzip des Primären Atemmechanismus betrifft Gehirn und Rückenmark – das Zentrale Nervensystem. Dieses System bildet sich im frühen Embryonalstadium als Rohr und behält diese Form später bei. Schon allein diese Feststellung zeigt, dass es sich um ein einfaches System handelt. Betrachtet man es einfach als Neuralrohr, ist das Gehirn nicht so schwer zu verstehen.
Wenn die Großhirnhemisphären im Kopf nach oben wandern, bedeutet dies nur eine Drehung von unten nach oben. Das ist alles. Aber da gibt es noch etwas anderes – die Motilität. Physiologische Aktivität manifestiert sich als Bewegung der Zellen und des Gehirns, die mechanische Merkmale besitzen, also Motilität. Diese Motilität übernimmt im Ausdruck des Primären Atemmechanismus eine mechanische Funktion. Deshalb hat das Neuralrohr neben seiner neurophysiologischen Aktivität, der Übermittlung von Nachrichten, auch eine mechanische Aktivität. Die Mobilität der Schädelknochen passt sich dieser Motilität innerhalb des Gehirns und des Rückenmarks und der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit an.
Jedes einzelne Merkmal der Gelenkflächen an den Schädelknochen bedeutet einen Hinweis auf Gelenkbeweglichkeit. Derartige Gelenkflächen existieren während der Entwicklung der Schädelknochen vor dem dritten, vierten und fünften Lebensjahr noch nicht. Zum Zeitpunkt der Geburt stellt das Gelenk zwischen Os occipitale und Atlas das einzig ausgebildete Gelenk des Schädels dar. Es scheint, als habe der SCHÖPFER DER MECHANIK für die Konfiguration des knöchernen Mechanismus am Schädel gesorgt, damit bei einer normalen Geburt eine sichere Passage durch den Geburtskanal gewährleistet ist.
Später beginnt die Motilität des Neuralrohrs, knöcherne Gelenkführungen für den Mechanismus zu gestalten. Diese Motilität von Gehirn und Rückenmark beschreibt also das dritte Prinzip in unserer Analyse des Primären Atemmechanismus. Motilität. Was geschieht innerhalb der Wirbelsäule? Das Rückenmark bewegt sich während der Inhalation nach oben wie der Schwanz einer Kaulquappe. Während der Exhalation wandert es nach unten. Und was macht das Gehirn zur gleichen Zeit? Die Ventrikel, welche den Körper der Zerebrospinalen Flüssigkeit enthalten, dehnen sich aus und ziehen sich zusammen. Nicht nur das, es gibt Nervenbahnen, die sowohl Motilität als auch die Funktion der Leitung von Nervenimpulsen besitzen. Andernfalls wäre die Flüssigkeit auf ihrem Weg vom vierten zum dritten Ventrikel oder umgekehrt behindert. Diese Wände erlauben eine Ausdehnung und eine Verengung des Aquaeductus cerebri.
Betrachten Sie nun das Innere des Gehirns. Sehen Sie sich dieses Ventrikelmodell an. Man erkennt, wie der dritte und vierte Ventrikel den Körper eines Vogels bilden.
Der Canalis centralis des Rückenmarks soll der Schwanz des Vogels sein. Die beiden seitlichen Ventrikel sehen aus wie seine Flügel. Woran sind sie befestigt?
Dort, wo die Flügel an einem Vogel befestigt sind: am vorderen oberen Winkel des Corpus. Der dritte Ventrikel, der vordere Anteil des Corpus, ist eine Flüssigkeitskammer. Während der Inhalation möchte ich nun, dass Sie sehen, wie sich diese Ventrikel ebenso bewegen, wie ein Vogel, der zum Flug ansetzt. Sobald sich die Flügel ausbreiten, gleiten sie hinten ein wenig mehr nach oben als vorne. Und was passiert mit dem Flügel eines Vogels, wenn dieser sich auf einem Ast niederlässt? Er faltet sich in Exhalation zusammen.
DIE REISE DER ELRITZE14
Die kleine Elritze15 in meiner Vorstellung sieht die Formation, die wir Cerebellum nennen. Sie betrachtet die beiden Hemisphären und denkt über den Entwurf dieses Mechanismus nach. Er scheint ungefähr wie der Blasebalg eines Schmiedes zu arbeiten. Mit anderen Worten: Die Konvoluten der Hemisphären des Cerebellum sehen wie ein Blasebalg aus. Dann gibt es da noch die Nervenbahnen, die vom Cerebellum aus vor die Medulla oblongata und die Brücke, die auch Pons genannt wird, verlaufen.
Die kleine Elritze beginnt, sich über zusätzliche Funktionen Gedanken zu machen, physiologische Funktionen neben der Ūbertragung von Nervenimpulsen. Diese Funktionen werden durch den lebendigen, aktiven Körper angedeutet, durch die Motilität der Wände. Durch den kleinen, aufwärtsführenden Aquädukt gelangt sie an das obere Ende einer Spalte. Sie bemerkt enge Wände und als Nächstes erkennt sie, dass sich diese Wände bewegen, um eine V–Form aus dem Spalt zu machen. Sie bewegen sich erneut, um sie zu schließen. Die V–Form erscheint während der Inhalation, die Verengung während der Exhalation. Sie möchte das untere Ende (dieser Spalte) betrachten, also taucht sie durch die Flüssigkeit ab und stößt auf den Hypothalamus. Wir wollen sie hier verlassen. Besser doch nicht. Sie soll noch etwas anderes tun:
Wir lassen sie zur Reziproken Spannungsmembran hinaufschwimmen, zur Falx cerebri; dort soll sie das Os ethmoidale wie eine Glocke läuten. Dazu kann sie die Crista galli benutzen, mit der sie das Os ethmoidale wie die Glocke einer Lokomotive schwingt. Während der schaukelnden Bewegung können wir erkennen, was mit den Bulbi olfactorii geschieht, die auf der Lamina cribrosa ruhen und von welcher die Geruchsnerven herabhängen. Sie wissen, dass es Zerebrospinale Flüssigkeit in diesen Bulbi gibt und in diesen Bahnen, von denen man sagt, sie gehören zum Gehirn. Es handelt sich dabei um einen anderen Aufbau als bei den übrigen Hirnnerven. Sie können über die Experimente, die Speransky16 auf diesem Gebiet machte, nachlesen. Ich möchte Sie auf dieses System, welches die Nasenschleimhaut schützt, aufmerksam machen.
Lassen Sie uns zurück zum dritten Ventrikel gehen, jene enge Spalte, die sich bei der Inhalation weitet. Ich möchte, dass sie die tatsächliche Ausdehnung des Daches während der Inhalation visualisieren. Richten Sie ihre Aufmerksamkeit auf den Plexus choroideus im Dach, nicht auf jenen innerhalb des Ventrikels. Ich möchte, dass Sie sehen, wie er sich während der In- und Exhalation abwechselnd ausdehnt und wieder verknäult. So begegnet uns das mechanische Prinzip des Austauschs zwischen Blut und Zerebrospinaler Flüssigkeit. Machen Sie sich die Motilität des Gehirns und die Motilität des Plexus bewusst. Letzterer ist ein Anteil der Pia mater und des Blutgefäßsystems, nicht aber des Nervensystems. Gehen Sie nun in die Wände der seitlichen Ventrikel und Sie werden den gleichen Aufbau vorfinden, einen Vorhang zwischen Plexus choroideus und Ventrikel. Kehren Sie in den vierten Ventrikel zurück und erkennen Sie die gleiche mechanische Struktur.
Ich habe Ihnen eine Beschreibung jenes materiellen Mechanismus gegeben, welchen der Mensch nutzt, während er auf der Erde ist. Ich möchte Sie nun auf die Lage der physiologischen Zentren am Boden des vierten Ventrikels aufmerksam machen. Sie regulieren die sekundären Mechanismen im lebenden Körper. Die Lokalisation dieser lebenswichtigen primären Zentren zeigt meinen Beweggrund, den Primären Atemmechanismus primär zu nennen. Die große Batterie, die Tide, wirkt durch dieses Gebiet. Verstehen Sie, dass das ‚höchste bekannte Element‘ diese physiologischen Zentren transmutiert. Auch die Hirnnervenkerne erfahren eine Transmutation von diesem ‚höchsten bekannten Element‘, von jener Batterie, die den ‚Saft‘ enthält.
DIE GELENKIGE BEWEGLICHKEIT DER SCHÄDELKNOCHEN UND DIE UNWILLKÜRLICHE MOBILITÄT DES SAKRUM
Das vierte Prinzip bei der Analyse des Primären Atemmechanismus beschreibt die Beweglichkeit der Schädelknochen an den Suturen und die unwillkürliche Beweglichkeit des Sakrum zwischen den Ilia. Beachten Sie bitte, dass ich hier nicht von der haltungsbedingten Mobilität der Ilia in Bezug auf das Sakrum spreche. Es gibt eine Bewegung, die durch die Reziproke Spannungsmembran vermittelt wird. Sie sehen, dass die Dura mater wie eine Membrana interossea sämtliche Teile miteinander verbindet, das Sakrum eingeschlossen.
Nachdem die Führungen der Gelenkflächen an den Schädelknochen sich gebildet haben, ist die volle Mobilität des Ganzen da. Sie können behaupten, dass das Gehirn keine muskuläre Unterstützung braucht, um diesen Mechanismus zu bewegen. Sie können das jedem Skeptiker jederzeit und zur vollsten Zufriedenheit beweisen. Wenn jene also das Modell ihres Schädelmechanismus kritisieren, so wie sie es bei mir getan haben, und fragen: „Wo sind denn die Muskeln, die für diese Bewegung der Gelenke verantwortlich sind?“, brauchen Sie lediglich auf das Sakrum verweisen.
Dr. Still bewies die Gelenkbeweglichkeit der Iliosakralgelenke sogar zu einer Zeit, als sie in den Lehrbüchern noch als Synarthrosen bezeichnet wurden.
Fragen Sie Ihre Kritiker, ob sie irgendein Muskelgewebe finden können, das vom Sakrum zu den Ilia verläuft. Lassen Sie sie danach suchen. Es existiert keinerlei muskuläre Unterstützung für die Bewegungen der Gelenke zwischen Ilia und Sakrum.
Sie werden aber feststellen, dass das Sakrum durch Bänder zwischen den Ilia aufgehängt ist. Die Gelenkflächen sind L-förmig. In zwei Artikeln im J.A.O.A. machte Walford A. Schwab D.O., ein Professor am Chicago College of Osteopathy, auf die Form dieser Gelenkflächen aufmerksam. Er stellte nicht nur ihre L-Form fest, sondern bemerkte zudem eine dezente Vertiefung auf einer Oberfläche und eine kleine Erhebung auf der anderen. Beide haben einen funktionellen Sinn.17
Setzen Sie sich mit der Beschreibung der Schale des knöchernen Schädels in den Standardwerken auseinander. Sie stoßen auf die Feststellung, dass die Knochen der Schädelbasis aus Knorpel und die Knochen des Schädeldeckels aus Membranen hervorgehen. Wenn Sie die aus Knorpelgewebe entstandenen Knochen betrachten, sagt Ihnen die Vernunft: „Eine gelenkartige Beweglichkeit der Schale des Schädels“. Nun setzen Sie eine Kappe auf die Schale. Wäre keine Kompensation durch die Suturen gegeben, würde der membranöse Schädeldeckel die gelenkige Beweglichkeit der Knochen an der Schädelbasis stören. Zum Beispiel ist die auffallend übereinstimmende fingerförmige Verzahnung der Ossa parietalia an der Sutura sagittalis ein Merkmal, welches auf eine Anpassungsfähigkeit an die Knochen der Schädelbasis, die in der chondralen Matrix vorgeformt werden, hinweist. Beim Erwachsenen besitzen die Knochen des Schädeldaches zwei Wände mit der Diploe dazwischen. Sie sind an den Suturen sowohl in sich flexibel als auch anpassungsfähig.
Der lebende menschliche Körper ist ein Mechanismus. Dazu gehören die knöchernen Gelenke, der Blutfluss in Arterien und Venen, der feine und komplizierte Mechanismus des Lymphsystems und dieses große hydraulische System, die Zerebrospinale Flüssigkeit.
Diese intrakranialen Bilder müssen Sie sich für Diagnostik und Behandlung vor Augen halten. In der Wissenschaft der Osteopathie, wie sie von Dr. Still vorgestellt wurde, liefert uns das Kraniale Konzept ein Bild, dessen sich der Therapeut ständig bewusst sein muss, um das eigentliche Problem diagnostizieren und behandeln zu können.
Dann schaue ich weiter und begegne einem venösen Kanal, der anders ist als sonst. Das Bild membranöser Gewebe, die venöse Kanäle bilden, legt nahe, dass eine dortige Restriktion zu einem pathologischen Befund im Gehirn führen könnte.
Meine Überlegungen sind nun folgende: Falls es im Mechanismus des Schädels keine Mobilität gibt, die das venöse Blut vorwärtsbewegt, wird es eine Stauung im Blutkreislauf geben. Da es eine Kompensation für die Bewegung in der Schädelbasis geben muss, betrachtete ich den Mechanismus im Schädeldach. Ich fand heraus, dass die Dura mater aus zwei Wänden besteht, einer Inneren und einer Äußeren. Dazwischen befinden sich die venösen Blutleiter. Die Suturen des Schädeldaches können sich bewegen und diese kompensierende Bewegung bewegt das venöse Blut.
Als ich den Angulus posterior-inferior des Os parietale und den Angulus mastoideus untersuchte, fand ich heraus, dass die Sinus laterales exakt über der Innenseite dieser Anguli verlaufen. Unmittelbar danach werden sie zu den Sinus sigmoidei, welche das venöse Blut zu den Foramina jugulares weitertransportieren. Dann bemerkte ich die gewellte Verzahnung in den parietomastoidalen Gelenken. Sie zeigen die Bewegungsrichtung der Ossa parietalia nach innen und nach außen. Ich verstand, dass die Bewegung der Anguli mastoidei und der Ossa parietalia, zusammen mit der Bewegung der Ossa temporalia die Wände der Sinus laterales bewegen – jener aus Dura mater gebildeten Hirnleiter.
Was bewegt das Blut die Sinus petrosi entlang, die sich ebenfalls in der Dura mater befinden? Ich dachte mir also weiter, dass die Partes petrosae der Ossa temporalia in einer schaukelnden Bewegung nach innen und anschließend nach außen rotieren. Dann gibt es noch den Sinus cavernosus, der seinerseits membranöse Wände besitzt. Und was bewegt das Blut hier entlang? Ich überlegte, dass das Os sphenoidale nach vorne und zurück zirkumrotiert,18 und dass die bereits erwähnten Wände durch diese Bewegung ebenfalls bewegt werden.
Sie können den Mechanismus sehen, der das venöse Blut vorwärts- bewegt, wenn die mit den Knochen verbundene Reziproke Spannungsmembran sich verändert und dabei die Bewegung des einen oder anderen Knochen reguliert.
***
Unser nächstes Studienobjekt ist das Os occipitale. Zunächst müssen wir uns mit dem Umfang des Os occipitale befassen. Dazu gehören der Proc. basilaris, die Kondylen und die gebogene Squama. Das Os occipitale nimmt den größten Anteil der Rückseite des Kopfes und einen großen Anteil der Schädelbasis ein. Das Foramen magnum befindet sich beim Menschen im unteren Bereich. Betrachten Sie den Knochen als ein Rad. Nehmen Sie bestimmte Bereiche als Speichen des Rades oder als Punkte auf dem Umfang. Sobald das Os occipitale während der Inhalation rotiert, bewegt es sich nach vorne und ein wenig nach oben, sodass die sphenobasilare Verbindung im Clivus nach vorne und oben bewegt wird. Das Foramen magnum bleibt nicht in der tiefen Stellung (Zeichnung I–1).

ZEICHNUNG I–1: DAS OS OCCIPITALE, DARGESTELLT ALS EIN RAD
Die verschiedenen Punkte wechseln ihre Position, während sich das Os occipitale um seine Achse dreht.
Ich hebe das Foramen magnum besonders hervor, da die Dura mater fest an seinem Rand befestigt ist. Hier ist die obere Aufhängung der intraspinalen Dura mater, einer Fortsetzung der inneren Schicht der Dura mater des Schädels. Die intraspinale Dura mater ist nicht am Atlas befestigt. Sie ist am zweiten und zuweilen auch am dritten Halswirbel fixiert. Von dieser Region hängt sie einem hohlen Rohr vergleichbar quasi lose hinab bis zum Sakrum, an dem sie ebenso fest am Knochen befestigt ist.19 Wenn sich das Os occipitale bei der Inhalation nach vorne bewegt, kann man feststellen, dass sich das Foramen magnum nach oben in eine höhere Position bewegt. Sie sehen, wie sich die intraspinale Dura mater hebt und das Sakrum mitnimmt. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?
Es gibt eine Bewegung in der Reziproken Spannungsmembran des Canalis spinalis, die das Sakrum in eine Position mitnimmt, in der sich die Basis sacralis nach oben und der Apex nach vorne bewegt (Flexion).
Nehmen Sie die Alae majores des Os sphenoidale als Speichen eines weiteren Rades. Betrachten Sie den kleinen Grat des Os ethmoidale als eine weitere Speiche, welche zusammen mit den Procc. pterygoidei und der Sella turcica auf dem Os sphenoidale-Rad sitzt. Diese Knochen, also Os occipitale und Os sphenoidale, rotieren. Die Speichen des Rades bewegen sich auf unterschiedlichen Höhen, sobald sich die Räder drehen. Dieses Bild vor Augen kann Ihnen helfen, den Mechanismus zu verstehen.
Das nächste Thema ist das Os temporale. Ich beschreibe diesen Knochen oft als ein wackeliges Rad. Sie können sich ein wackeliges Rad bestimmt vorstellen. Das Os temporale bewegt sich auf diese Art. Nehmen Sie die Pars petrosa des Os temporale als Achse. Wenn ich in diesem Konzept von der Innen- und Außenrotation des Os temporale spreche, beziehe ich mich dabei auf die Pars petrosa. Ich tue dies, da die Partes petrosae der Ossa temporalia sich am Boden der Schädelbasis befinden und mit dem Proc. basilaris des Os occipitale eine Gelenkverbindung vom Zungen- und Furchen-Typ aufweisen. So wie auch die Wirbelkörper ist der Proc. basilaris des Os occipitale für den Therapeuten unerreichbar. Sie können beide nicht berühren und Sie können beide nicht sehen. Aus diesem Grund sind Sie gezwungen, sich die Situation bildlich vorstellen, ebenso wie Sie es bei den Wirbelkörpern und den Rippenköpfchen machen.
Ich spreche von den Partes petrosae in Außen- oder Innenrotation. Die physiologische Bewegung während der Inhalation, wenn sich das Os occipitale also in seine Flexionsposition bewegt, bringt die Partes petrosae in Relation zum Proc. basilaris in eine Außenrotation. Deshalb nenne ich die Pars petrosa auch die Achse, um die sich das Os temporale bewegt. Vergessen Sie nicht, dass die Partes petrosae sich vorne einander annähern und nach hinten auseinandergehen. Damit folgen sie dem physiologischen Design sämtlicher Gelenke der Wirbelsäule und des Schädels.
Diese Achse, die Pars petrosa des Os temporale, dreht sich auf dem Proc. jugularis des Os occipitale wie auf einem Pivotpunkt. Die Pars squamosa des Os temporale ist so situiert, dass sie sich bei einer Außenrotation der Pars petrosa nach außen bewegt, wohingegen der Proc. mastoideus nach innen wandert. Stellen Sie sich das Rad vor, die Scheibe des Rades, wie es wackelt. Bei der Gegenbewegung, der Innenrotation, bewegt sich die Pars squamosa entsprechend nach innen und der Proc. mastoideus nach außen. Dies ist das Bild des wackeligen Rades bei der Innen- und Außenrotation der Pars petrosa als Achse des Os temporale.
Ich nenne das Os temporale den ‚Unruhestifter‘ oder den ‚Clown‘ im Gelenkmechanismus des Schädels. Diese Bemerkung bedeutet, dass ich auf mehr Probleme gestoßen bin, die von diesem kleinen Os temporale verursacht wurden, als von irgendeinem anderen Knochen des Schädels.
Wenn Sie in Dr. Stills Sinne ‚osteopathisch denken‘, denken Sie nicht nur über Knochengewebe nach, sondern auch über die Ursprünge und Ansätze der weichen Gewebe, Muskeln und Faszien. Berücksichtigen Sie Zug an den Faszien und die Menge von Muskelgewebe an bestimmten Stellen der Partes petrosae. Rufen Sie sich ins Gedächtnis, dass sobald der Proc. basilaris des Os occipitale lateral angehoben wird, die Pars petrosa auf der betreffenden Seite immer nach innen rotiert.
Daraus folgt, dass die Pars petrosa der Gegenseite, der abgesenkten Seite, immer nach außen rotiert. Wenn der Proc. basilaris an der sphenobasilaren Verbindung in einer extremen Flexionsposition steht, werden sich beide Ossa temporalia in starker Außenrotation befinden.20
Stellen Sie sich bildlich vor, wie unter diesen Umständen das gesamte Bindegewebe zwischen dem Os sphenoidale, dem Proc. basilaris des Os occipitale und den Partes petrosae an der Außenseite der Schädelbasis, unterhalb dieser Knochen zusammengedrängt und komprimiert wird. Es gibt kein Ende für die Tiefe dieses Bildes, weder nach innen noch nach außen.
Betrachten Sie die Procc. pterygoidei des Os sphenoidale, die Alae majores und minores des Os sphenoidale. Stellen Sie sich die unterschiedlichen Positionen der Speichen des Rades vor, den Grat des Os ethmoidale eingeschlossen, sobald sich das Rad des Os sphenoidale in Bewegung setzt.
Sie nehmen zur Kenntnis, dass das Promontorium des Os sphenoidale sich nicht vor oder zurück bewegt, es bleibt auf seiner Position. Es ist wie ein aufgehängtes Rad, welches zirkumrotiert, sodass seine kleinen Speichen oder deren Projektionen an verschiedene Positionen bewegt werden. Folgen Sie diesen Projektionen. Das wird Ihnen helfen, sich bei Ihrer Arbeit die Stelle der Dysfunktion besser vorzustellen.
Auf diese Art und Weise können Sie den gesamten Mechanismus des Schädels studieren. Sie werden auf Probleme stoßen und Lösungen für die Probleme finden. Beweisen Sie jedem Skeptiker, auch wenn er noch skeptischer ist, als ich es am Anfang war, dass der lebendige menschliche Kopf nicht nur schützende Stabilität, sondern auch eine gelenkartige Beweglichkeit besitzt. Wenn diese Leute dann versuchen zu beweisen, dass die Knochen des erwachsenen menschlichen Schädels unbeweglich sind, werden sie, je mehr sie sich damit befassen, ebenso geschockt sein, wie ich es damals war. Sie werden an jeder Gelenkfläche dieses Mechanismus Hinweise auf Mobilität finden.

ZEICHNUNG I–2: DAS OS SPHENOIDALE ALS RAD DARGESTELLT
Die Orientierungspunkte und Processi wechseln ihre Position, während sich das Os sphenoidale um seine Achse dreht.
3. DIE FLUKTUATION DER ZEREBROSPINALEN FLÜSSIGKEIT
Wir wollen uns nun weiter mit der Zerebrospinalen Flüssigkeit im Schädel und ihrer Beziehung zum gesamten Körper beschäftigen. Bedienen wir uns dafür mehrerer mentaler Bilder. Für mich ist der ATEM DES LEBENS, und ich meine dabei nicht das Einatmen von Luft, das wichtigste davon. Das Einatmen von Luft ist nur einer jener stofflichen Bestandteile, das die menschliche Seele während ihres Erdenlebens nutzt.
Wie ich herausfand, besitzt das erste Prinzip im Primären Atemmechanismus, die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, eine Potency, die intelligent ist. Diese Potency ist eine unsichtbare Flüssigkeit innerhalb der Zerebrospinalen Flüssigkeit. Die Potency der Tide müssen wir berücksichtigen – etwas mit mehr Stärke, um Strainmuster im Membran- und Gelenksystem des Schädels zu reduzieren, als jede andere Kraft, die Sie sicher von außen anwenden können.
Ihre Funktionsweise ist ausgesprochen intelligent. Behalten Sie dieses im Gedächtnis und auch das mentale Bild, welches als Antwort auf die Frage entsteht: ‚Wie halten diese Membrangewebe die Fluktuation der Tide zurück?‘
Was sind Knochen anderes als Flüssigkeit, eine andere Form von Flüssigkeit? Was ist jenes kleine Hagelkorn, das vom Himmel fällt, anderes als Flüssigkeit? Was ist diese Erde hier, diese Welt, in der wir leben, anderes als Flüssigkeit? Es sind alles materielle Erscheinungen und dahinter: Flüssigkeit – wenn wir lernen, wie Dr. Andrew Taylor Still zu denken. Er lebte näher bei seinem SCHÖPFER als rein materielles Atmen. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?
Die Tide. Sie beobachten die Gezeiten des Meeres, und Sie beobachten das Fährschiff, das von Oakland aus über die San Francisco Bay fährt. Kommt die Fähre in die Nähe von Treasure Island, trifft sie auf etwas. Zeit oder Gezeiten? Sie werden feststellen, dass der Kapitän das Steuerrad so hält, dass sich das Boot an einem Balancepunkt befindet und nur durch die Potency der hereinkommenden Flut herumgedreht wird. Dann, auf der nächsten Fahrt, fragen wir uns, warum der Kapitän einen anderen, etwas weiter von Treasure Island gelegenen Kurs einschlägt? Es liegt einfach eine andere Gezeitensituation vor.
Oder vielleicht trifft er auf das tiefe Anschwellen der Dünung, ein Emporkommen und Fallen der Wellen. Es gibt so viele Dinge, die man bei den Gezeiten des Meeres lernen muss.
Vergleichen Sie das mit der Flüssigkeit im lebenden Körper, jener Tide im Körper mit der ihr eigenen Potency. Dies ist es, was wir in diesem ersten Prinzip vor uns haben: Die INTELLIGENZ, die in der Potency der Tide liegt. Wir sprechen von der kraftvollen Fluktuation dieser Tide und von etwas Unsichtbarem und Intelligentem. Wir sprechen vom ATEM DES LEBENS in dieser Tide.
Sie können sich einen Röntgenstrahl vorstellen, der von einem positiven zu einem negativen Pol springt. Zwar sehen Sie den Apparat, aber der Strahl, der den Film belichtet und das Bild, das Schattenbild, herstellt, bleibt unsichtbar für Sie. Es gibt hier eine Potency in etwas Unsichtbarem. Dies entspricht dem grundlegenden Prinzip des Primären Atemmechanismus, jenem ‚höchsten bekannten Element‘, auf das Dr. Still bereits aufmerksam machte. Er meinte nicht die materielle Flüssigkeit, die wir sehen können, sondern dieses Element in der Tide, innerhalb dieser Flüssigkeit.
Ich möchte Sie auf das Wasser, das klare Wasser, in der Batterie Ihres Autos hinweisen. Es befinden sich Chemikalien in diesem Wasser, materielle Chemikalien. Aber Sie können das unsichtbare Element, den elektrischen ‚Saft‘, der aus diesem Wasser kommt und das Kabel entlangläuft, welches zum Motor ihres Autos führt, nicht sehen. Das ist die Potency, die Kraft, die aus der Batterie kommt. Von Zeit zu Zeit müssen Sie das Wasser der Batterie austauschen.
Es gibt interessante Fragen und Anmerkungen in dem von Robert E. Truhlar D.O. verfassten kleinen Text Dr. Still in the Living21.
An einer Stelle heißt es:
„Der GROßE ARCHITEKT DES UNIVERSUMS baut ohne den Lärm von Hämmern, die Natur tut ihre Arbeit leise.“
An anderer Stelle:
„Elektrizität ist eine Erscheinung, die von Natur aus benötigt wird, um Muskeln zusammenzuziehen und Gase aus dem Körper auszustoßen.“
Können Sie sich die Tide als eine Art Batterie mit einer Flüssigkeit, in der sich Chemikalien befinden, vorstellen? Was haben Sie in dieser Verbindung? Den ‚Saft‘, diese unsichtbare Potency, die Batterie des menschlichen Körpers.

ZEICHNUNG I–3: KOAXIALKABEL
Ein Koaxialkabel dient zur gleichzeitigen Übertragung und Verstärkung einer Vielzahl von Radio-, Fernseh- oder Telefonsignalen. In einem Kabel können 20 oder mehr Koaxiale untergebracht sein, die jeweils aus einem äußeren, röhrenförmigen Leiter bestehen, der einen inneren Leiter umgibt, welcher von elektrisch isolierendem Material umgeben ist. Das Rohr schirmt das Signal von äußeren elektrischen Störungen ab und verhindert, dass das Signal abgeschwächt wird.
Um ein anderes mentales Bild zu nehmen, mit dem wir arbeiten können, denken Sie einmal an all die Fasern in einer Nervenbahn. Haben Sie jemals ein Kabel oder eine Abbildung eines Kabels gesehen, das dem transatlantischen Kabel entspricht, und wissen Sie, wie es funktioniert? Viele kleine Kupferrohre umschließen jeweils einen stromdurchflossenen Leiter. Zwischen diesem von Strom durchflossenen Leiter und dem Kupferrohr befindet sich die Information, kleine Stückchen an Information. Sie könnten hier oder dort am Kupferrohr einen Knopf herunterdrücken, wie bei einem Radio, und Sie bekämen Zugriff auf das jeweils gewünschte Programm. Alle Programme laufen über dieses Kupferrohr. Die ‚feineren Nerven, die sich innerhalb der Lymphbahnen befinden‘ könnten dem Übertragungsmechanismus dieser Rohre ähneln und sich so von der üblichen Nachrichtenübermittlung von Nervenbahnen unterscheiden.22 Dieses Bild schließt auch eine Transmutation der Zerebrospinalen Flüssigkeit ein, jenem ‚höchsten bekannten Element‘, das im ‚Kupferrohr‘ gebildet wird. Und es gibt auch die ‚Schalter‘, wenn Sie sie so nennen möchten, die mit dieser oder jener Station im Rohr eine Verbindung herstellen. Es ist einfach ein wundervoller Prozess.
Stellen Sie sich jenes ‚Etwas‘ in der Zerebrospinalen Flüssigkeit vor, das in den Nervenzellen oder -bahnen eine Transmutation durchläuft. Es fließt nicht die Nervenbahnen entlang, als ob sie Drähte wären. Es handelt sich um eine Zustandsänderung, wenn Sie so wollen. Es ist nicht so, dass es etwas funktionieren lässt. Dieses ‚Etwas‘ befindet sich in den Rohren, etwa so wie sich eine Einheit zwischen verschiedenen Radiostationen befindet.
Was meint Dr. Still damit, wenn er davon spricht, dass ‚in den Lymphgefäßen noch feinere Nerven sind als im Auge?‘ Finden Sie Lymphbahnen in den Nerven? Nein. Er deutet auf etwas anderes hin. Er möchte, dass wir dieses ‚Kupferrohr‘ und den Draht darin, die elektrische Kraft, erkennen. Dieses Prinzip findet Verwendung bei jenen Kabeln, welche die Nachrichten über den Atlantischen Ozean transportieren. Nachrichten, viele verschiedene Nachrichten, laufen über dieses Kupferrohr.
Was wissen Sie über Wetterleuchten? Sie können seine Erscheinung durch die ganze Wolke hindurch sehen, obwohl es die Wolke nicht berührt. Ich möchte, dass Sie dieses unsichtbare ‚flüssige Licht‘ betrachten oder dass Sie den ATEM DES LEBENS als eine Art Wetterleuchten und als eine Transmutation verstehen; ein Wetterleuchten durch die Nerven hindurch, ohne dass das ‚Kupferrohr‘ berührt wird. Die Transmutation ist das, was Dr. Still seinerzeit als ‚Nervenkraft‘ bezeichnete. Er versuchte, uns das verständlich zu machen, indem er das Beispiel der elektrischen Kraft beziehungsweise des elektrischen ‚Safts‘ verwendete, welcher einen Draht entlangläuft. Das entlanglaufende Signal braucht eine Bahn, auf dem es laufen kann.23
Es handelt sich um eine Schaltvorrichtung, eine Einstellung innerhalb des menschlichen Körpers. Aber eingestellt auf was? Auf das ‚höchste bekannte Element‘, den ATEM DES LEBENS – nicht das Atmen von Luft. Ich will einen anderen Text zitieren: Bei der Schaffung des Menschen wurde der ATEM DES LEBENS in die aus Lehm geformten Nasenlöcher geblasen und der Mensch wurde eine lebende Seele.24
Ich beginne zu verstehen, was er mit einem feineren Element innerhalb des Lymphsystems meint. Betrachten Sie die Lymphbahnen und ihre Knoten. Sie transportieren Gewebeflüssigkeit und Lymphe in das venöse System zurück, bevor das venöse Blut das Herz erreicht. Liegt eine Infektion vor, vergrößern sich die Lymphknoten, sie schwellen an, da sie etwas zurückhalten. Sie halten es so lange zurück, bis eine Nachricht kommt und eine Elektrolyse stattfindet, die den Lymphknoten so beeinflusst, dass sich die Lymphe verändert, bevor sie in das Blut befördert wird. Nun können Sie verstehen, wie das Lymphsystem arbeitet, und noch besser, wie die Viszera arbeiten.
Sie werden in der Lage sein, den Inhalt von vergrößertem Lymphgewebe zu verteilen, ohne dass es zu spontanen Ausbrüchen oder Abszessbildungen kommt. Die Stauung wird verschwinden, so wie in jenen Situationen, in denen die Fluktuationen der Zerebrospinalen Flüssigkeit unter der Kontrolle eines kranialen Behandlers waren. Dies ist nicht einfach nur eine Behauptung. Die Möglichkeiten, welche Ihnen die Wissenschaft der Osteopathie bietet, entsprechen folgendem Still’schen Zitat: „In den Lymphgefäßen gibt es noch feinere Nerven als im Auge.“ Können Sie das glauben?
Werfen Sie einen Blick auf das Infundibulum, das den Hypothalamus mit der Hypophyse in der Sella turcica verbindet. Stellen Sie sich das Infundibulum als ein Kupferrohr mit einem Spannungspotenzial darin vor, einem elektrischen Strom auf einem Leiter und einer Isolierung darum – das heißt, zwischen ihm und dem Kupferrohr. Dann denken Sie an eine Transmutation der elektrischen Spannung und Kraft in einer Batterie, die in das Kupferrohr hinausläuft.
Sobald Sie Nachrichten über dieses Rohr versenden, stehen Ihnen Schalter zur Verfügung wie jene, mit denen Sie die vielen Radiostationen einstellen können. Nur ein ‚Kupferrohr‘ also, mit vielen Drähten darin. Vielleicht wird Ihnen das helfen, das Infundibulum zu verstehen.
***
Lassen Sie mich von einem Erlebnis erzählen, das ich im Zusammenhang mit dem ATEM DES LEBENS hatte25. Es geschah am Ufer des Lake Erie, dessen Wassertiefe seewärts einen Kilometer oder länger kaum über Kniehöhe hinausgeht. Ein Mann und sein Freund gingen ins Wasser hinaus, um zu baden. Sie hatten irgendeinen Fusel getrunken – was in jenen Tagen der Prohibition eben gerade zu bekommen war.
Der Mann wurde krank, er brach im Zustand eines meningealen Schocks zusammen und sein Begleiter trug ihn zum Ufer. Er war nicht ertrunken, denn es war kein Wasser in seinen Lungen. Die Leute dort machten sich mit den üblichen Methoden der Wiederbelebung erfolglos an ihm zu schaffen. Ich bemerkte den Aufruhr und ging hin.
Ich fand ihn vor wie einen toten Menschen, steif wie ein Stock und blau wie ein Wetzstein. Es gab keine Anzeichen von Atmung. Ich griff nach den Ossa temporalia und brachte die Partes petrosae in Außenrotation, während ich das Os occipitale in Flexionsposition bewegte. (Sie werden später lernen, diese Positionen besser zu verstehen.) Was war die Folge?
Das Tentorium cerebelli ist an den oberen Enden der Partes petrosae der Ossa temporalia und an der Innenseite der Squama occipitalis befestigt. Die vorderen Bereiche des Tentorium cerebelli sind an den Procc. clinoidei der Sella turcica des Os sphenoidale fixiert. Als ich die Knochen mit meinen Händen bewegte, wurde demnach das Zelt bewegt.
Unter dem Tentorium cerebelli ist ein Zerebrospinaler Flüssigkeitskörper anzutreffen, der den Truncus cerebri und das Cerebellum umgibt und auch innerhalb des Truncus cerebri zu finden ist. In diesem Flüssigkeitskörper befindet sich jenes ‚höchste bekannte Element‘, auf das Dr. Still hinwies; innerhalb des Truncus cerebri wiederum, innerhalb der Medulla oblongata, trifft man auf jene primären Zentren, welche die Körperfunktionen, allen voran das Atemzentrum, kontrollieren.
Nachdem ich diese Knochen bewegt hatte, spürte ich ein Gefühl der Wärme in meinen Händen. Die Atmung begann. Als ich den Mechanismus losließ, hörte sie wieder auf. Jemand sagte freundlich: „Warum rufen Sie keinen Arzt?“ Ich versuchte das Experiment nochmals und das gleiche Gefühl der Wärme kam zurück. Sein Kopf zuckte plötzlich und er begann zu seiner Schwester zu sprechen.
Der physische Mechanismus des Mannes war bereits tot gewesen. Er war in einem meningealen Schock blockiert; die Membrana arachnoidea hatte sich über dem Gehirn blockiert. Glücklicherweise befand sich aber der ATEM DES LEBENS in diesem Flüssigkeitskörper. Alles, was ich tat, war ‚den Motor wieder anzukurbeln‘. Ich weiß von zwei anderen kranialen Behandlern, die in einer ebenso kritischen Situation ein ähnliches Experiment durchführen konnten.
Wenn Sie über einen solchen kritischen Zustand nachdenken, werden Sie verstehen, warum ich von Zeit zu Zeit sage: „Wenn Sie nicht wissen, was Sie sonst tun sollen, komprimieren Sie den vierten Ventrikel.“ Behalten Sie die Tide mit ihrer intelligenten Potency im Gedächtnis. Sie ist etwas, auf das Sie sich verlassen können. Etwas, das weiß, wie es läuft. Wenn Sie sich in einigen Fällen nicht ganz sicher in der Diagnose sind, denken Sie an die Tide und komprimieren Sie den vierten Ventrikel.

ABB. I–4: W. G. SUTHERLAND, CA. 1950
Demonstration einer Technik vermutlich am Os temporale.
4. DIE REZIPROKE SPANNUNGSMEMBRAN
Wenn Sie die Wirbelsäule betrachten, sehen Sie die Bänder, die ihre Gelenke zusammenhalten und ihnen einen gewissen Bewegungsradius ermöglichen. Dann werfen Sie einen Blick in den Schädel, um jene Strukturen zu finden, welche dort genau die gleiche Funktion übernehmen wie die Bänder der Wirbelsäule. Im Schädel befindet sich eine Membrana interossea, welche die Knochen des Neurocranium zusammenhält und an den Artikulationen einen gewissen normalen Bewegungsradius erlaubt.
Die Membrana interossea im Schädel wird Dura mater genannt. Es handelt sich um eine derbe, nicht dehnbare, faserige Membran, die sich aus einer äußeren und einer inneren Wand zusammensetzt. Die äußere Wand dient als Periost. Die innere Wand besitzt die Besonderheit, dass sie zwischen einzelnen Anteilen des Gehirns in Falten herunterhängt. Die Falte, die zwischen den Hemisphären in Richtung der Sagittalebene herabhängt, wird als Falx cerebri bezeichnet. Jene Falte wiederum, die sich über das Cerebellum spannt, nennt man Tentorium cerebelli. Die gesamte Dura mater mit ihren Falten ist an sämtlichen Knochen des Neurocranium befestigt. Der Name Falx bezieht sich auf die Sichelform der Falx cerebri. Wenn Sie sich eine Seite des Tentorium cerebelli anschauen, sehen Sie ein weiteres sichelförmiges Gebilde. Die gegenüberliegende Seite sieht entsprechend aus. Auf diese Weise betrachtet, können Sie somit drei Sicheln sehen, die sich im hinteren Anteil der Schädelinnenseite treffen.
Die Falx cerebri ist an der Crista galli des Os ethmoidale befestigt, am Os frontale, an den beiden Ossa parietalia und am interparietalen Anteil des Os occipitale. Sie ist zäh, kräftig und gespannt.
Normalerweise behaupte ich, dass Sie das Os ethmoidale wie eine Glocke läuten können, wenn Sie nur dort hineinkämen und an der Falx zögen. Das bedeutet, das Os ethmoidale vor und zurück zu schwingen wie die Glocke einer Lokomotive. Das ist der vordere obere Pol der Befestigung der Falx cerebri.
Betrachte ich das Tentorium cerebelli, fällt mir dabei auf, dass es die Form zweier Sicheln hat. Dadurch bin ich geneigt von einer ‚Falx tentorium‘ zu sprechen. Da es sich oberhalb des Cerebellum befindet, könnte man auch von einer ‚Falx cerebelli‘ sprechen, dennoch bevorzuge ich den Begriff ‚Tentorium‘, so wie ich ihn auch bisher benutzt habe.
Die zwei Sicheln bilden ein ‚Zelt‘. Dieses ‚Zelt‘ ist diagonal entlang der gesamten Innenseite der Squama occipitalis auf halber Höhe befestigt und bildet so die Sinus laterales.26

ZEICHNUNG I–4: DER KRANIALE ANTEIL DER REZIPROKEN SPANNUNGSMEMBRAN
Mit der schematischen Darstellung seiner Befestigungspole.
Von dort verläuft die ‚Falx tentorium‘ über die Innenseite der hinteren unteren Ecken der Ossa parietalia. Dies entspricht dem Winkel des Proc. mastoideus genau über den Suturae parietomastoideae. Von dort verläuft das ‚Zelt‘ weiter auf den oberen Begrenzungen der Partes petrosae der Ossa temporalia. Diese an den Partes petrosae befestigten Enden werden, schematisch betrachtet, die seitlichen Pole der Befestigung des Tentorium cerebelli genannt. Weiter nach vorne sind sie an den hinteren Procc. clinoidei der Sella turcica des Os sphenoidale fixiert. Aufgrund der Sichelform hat das Zelt eine freie Begrenzung. Sie bildet die Einbuchtung des Zeltes. Dieser innere Saum beschreibt einen Bogen, bevor er nach vorne hin verläuft zu den vorderen Procc. clinoidei der Sella turcica des Os sphenoidale.
Dieses Gebiet, an dem die vorderen Ausläufer des Tentorium cerebelli an den vier Procc. clinoidei der Sella turcica befestigt sind, bezeichnet den vorderen unteren Pol der Befestigung. Das Diaphragma sellae bedeckt die Sella turcica, in welcher sich wiederum die Hypophyse befindet. Vom Hypothalamus aus verläuft das Infundibulum in den hinteren Anteil der Hypophyse. Diese Anordnung ist eine jener kleinen Dinge, die in der osteopathischen Wissenschaft eine große Sache sein können.
Wenn wir die zwei sichelförmigen Hälften des ‚Zelts‘ zusammen mit der Falx cerebri betrachten, sehen wir drei Sicheln, die sich genau in dem Bereich des Sinus rectus treffen, dort also, wo die Falx sich mit dem ‚Zelt‘ verbindet. An den beiden Hälften des ‚Zelts‘ können Sie feststellen, dass die Kurve genau an den Befestigungsstellen der Partes petrosae der Ossa temporalia abgeschnitten ist. Beide Seiten entsprechen sich, und diese seitlichen Aufhängungspole sind ein wichtiger Anteil des gesamten Innenraums des Neurocranium. Beachten Sie, dass die Partes petrosae nach vorne zusammenlaufen und nach hinten auseinandergehen. Mit anderen Worten, sie verlaufen diagonal nach vorne.
Wenn Sie die Innenseite des Schädels betrachten, sehen Sie, wie die Falx cerebri und die ‚Falx tentorium‘ (Tentorium cerebelli) an allen Knochen des Neurocranium befestigt sind. In der Sagittalebene der Falx cerebri verläuft der Sinus sagittalis superior. Das Tentorium cerebelli bildet vom Sinus confluens aus die Sinus laterales. An der inneren Protuberantia des Os occipitale transportiert der Sinus rectus venöses Blut vom Sinus sagittalis inferior und der Vena magna (V. Galena) heran, damit es weiter in die Sinus laterales fließen kann. Dieses Gebiet stellt in meiner schematischen Beschreibung den hinteren Pol der Befestigung sowohl der Falx als auch des ‚Zelts‘ dar.
Beachten Sie, dass die drei Sicheln als Besonderheit der inneren Schicht der Dura mater auf der Schädelinnenseite eine Struktur bilden, die sämtliche Knochen zusammenhält. Diese Struktur bezeichne ich als Reziproke Spannungsmembran des menschlichen Schädels. Sie erlaubt den Knochen an den Suturen einen normalen Bewegungsradius. Die Spannung in dieser Membran wird betont, da es ohne ihre dauerhafte Anspannung keinen reziproken Mechanismus geben kann. Dies trifft nicht nur für eine normale Position, sondern auch auf Strainmuster zu. Die Spannung bleibt ebenso kontinuierlich erhalten, wie das Neuralrohr das ganze Leben hindurch ein Rohr bleibt.
Betrachten Sie ein Modell, das die drei Sicheln zeigt, wie sie aneinander befestigt sind. Solch ein Modell kann die schematische Idee zwar gut veranschaulichen, was aber bedeutet diese Struktur im Schädel tatsächlich für uns? Was bedeutet die Sichelform? Wenn Sie eine Sense haben, die ja nichts anderes ist als eine große Sichel: Wie benutzen Sie sie? Sie benutzen sie nicht dazu, das Gras einfach umzuhauen. Sie benutzen sie wie vorgesehen als ein Werkzeug, das man in einem großen Kreis nahe über dem Boden herumschwingt. Sie selbst bewegen sich dabei nach hinten, sobald das Ganze nach vorne geht. Wenn Sie an die vorderen Enden der Falx und des ‚Zelts‘ kommen, stellen Sie fest, dass diese sich nach hinten bewegen. Dies ist der Vorteil der Sichelform für jene inneren Strukturen.
Die Falx cerebri zieht das Os ethmoidale posterior, wenn die Crista galli nach oben steigt. Die Procc. clinoidei des Os sphenoidale kommen im gleichen Moment nach hinten, sobald die ‚Falx tentorium‘ nach vorne kommt.
Dies zeigt uns, wie die Reziproke Spannungsmembran an diesen Gebieten zieht. An den seitlichen Befestigungspolen werden die Partes petrosae der Ossa temporalia angehoben und in Außenrotation gebracht. Der hintere Pol der Befestigung an der Squama occipitalis bewegt sich nach vorne.
Der gesamte Effekt auf das Neurocranium ist eine Formveränderung, die ich Flexion nenne, da die sphenobasilare Verbindung am Clivus verstärkt nach oben konvex wird.
Sie können die Wirkung auf das Ganze an dieser schematischen Beschreibung erkennen. Der Abstand von vorne nach hinten verkürzt sich, ebenso die Strecke von oben nach unten, und der Abstand von einer Seite zur anderen verlängert sich.
Wenn die Formveränderung eintritt, die ich Extension nenne, gibt es eine entgegengesetzte Bewegung: Der Abstand von vorne nach hinten und von oben nach unten verlängert sich, und die Strecke zwischen der einen und der anderen Seite wird kürzer.

ZEICHNUNG I–5: DIE SCHÄDELBASIS IN FLEXIONSPOSITION UND DIE DAMIT VERBUNDENE ROTATION UM PARALLELE TRANSVERSALE ACHSEN
Zu beachten ist, dass sich Os ethmoidale und Os occipitale gleichsinnig drehen, während das Os sphenoidale entgegengesetzt dreht, so wie es bei drei ineinandergreifenden Zahnrädern der Fall ist. Die gestrichelte Linie stellt jenen Kraftvektor dar, der aufgrund der Bewegung des Os sphenoidale durch das Vomer übertragen wird.
In der Extensionsstellung nimmt die nach oben gerichtete Konvexität der sphenobasilaren Verbindung im Clivus ab. Diese sich abwechselnde Formveränderung stellt eine normale physiologische Aktivität dar, die von der Reziproken Spannungsmembran in Bewegung gesetzt und kontrolliert wird.
Wie funktioniert das? Ich verwende dafür die Bezeichnung sich automatisch verlagerndes Fulkrum. Um sich vorstellen zu können, was diese Worte ausdrücken sollen, betrachten Sie bitte einmal den Mechanismus dieser kleinen hängenden Waage, die ich hochhebe. Wo ist das Fulkrum, über das die Hängewaage arbeitet? Genau hier, an jenem Punkt, an welchem der Balken aufgehängt ist. So wie ich sie jetzt halte, reagiert die hängende Waage automatisch auf die Luftströmungen in diesem Raum. Jetzt ändere ich meinen Griff und damit auch die Position des Balkens, worauf sich die Waage in eine andere Stellung bewegt; jeder einzelne Punkt befindet sich nun an einer anderen Stelle, dennoch arbeitet das Ganze noch immer über das Fulkrum. Das Fulkrum ist also ein Ruhepunkt, um den die Waage weiterhin auf Luftströmungen reagiert.
Wenn Sie einmal die Gelegenheit dazu haben, versuchen Sie ein kleines Experiment mit einer Waage, indem Sie einen Finger unter dem Fulkrum positionieren. Wir fanden einmal eine große Waage, die in einem Laden in Aptuxet unten am Cape Cod von der Decke hing. Als jeder von uns abwechselnd seinen Finger unter das Fulkrum dieses Mechanismus legte, spürte er die Vibration; man konnte die Betonung in der Hin-und-Her-Bewegung lesen. Wir alle spürten den Rhythmus, als die Waage sich in den Luftströmungen bewegte. Damit wurde uns die Bedeutung eines schwebenden Fulkrum deutlicher.
Edith Dovesmith D.O.27 aus Niagara Falls, New York, verglich die Hin-und-Her-Bewegung mit einem Square Dance. Dieses Bild bringt jenen Rhythmus ins Spiel, welcher um den notwendigen Balancepunkt in der Reziproken Spannungsmembran besteht. Der Balancepunkt ist zugleich das Fulkrum, um das sich die Handlung abspielt, und das sich automatisch von Position zu Position verlagert. Dennoch bleibt das Fulkrum still – das Fulkrum, an welchem Sie einen Blick auf die Balance bekommen.
Was meine ich mit Aufhängung? Ich meine damit nicht, dass das Fulkrum an seinen Befestigungen aufgehängt ist. Nein. Das Fulkrum befindet sich an jenem Punkt, an dem sich die Falx dem ‚Zelt‘ nähert. Beachten Sie, dass ich nicht sage, wo sie Zusammentreffen. Es liegt dazwischen, im Bereich des Sinus rectus. Stellen Sie sich die Aufhängung vor, wenn Sie einen Kopfstand machen und Ihre Falx cerebri von Ihrem Tentorium cerebelli hängt. Wenn Sie sich auf die Seite drehen, ist die eine Hälfte des Zelts an der anderen Hälfte und an der Falx cerebri aufgehängt. Die gleiche Situation ergibt sich, wenn Sie sich auf die andere Seite drehen. Stehen Sie aufrecht, hängt das Tentorium cerebelli an der Falx cerebri. Meiner Ansicht nach hängen die zwei ‚Falces tentoria‘ von der Falx cerebri. Schauen Sie sich die Stelle der Annäherung der drei Sicheln an und Sie verstehen die automatische Veränderung in der Balance.

ABB. I–5: DAS FULKRUM-PRINZIP
Die engsten Vertrauten von W. G. Sutherland demonstrieren 1948 das Prinzip des Fulkrum an einer kleinen Waage. V.l.n.r.: Howard Lippincott (1893–1983), Chester Handy (Ehemann von Anne Wales; 1911–1963); Rebecca Lippincott (1894–1986).
Die drei Sicheln werden durch eine Reduplikation der inneren Wand der Dura mater, der duralen Membran, gebildet. Schauen Sie, wie sie sich über das Cerebellum und zwischen den Hemisphären ausbreiten. Beobachten sie den Spannungszustand in der Membran. Sie ist immerzu angespannt. Es gibt eine Umlenkung, um einen Sinus venosus entlang der Sutura sagittalis superior zu bilden. Sie sehen den Kanal für den Sinus rectus, an welchem sich die Sicheln einander nähern. Dieser venöse Kanal ist der wichtigste, da er die tiefe venöse Drainage aus dem Gehirn ermöglicht. Dieser Bereich verändert automatisch seine Position. Wenn nicht, gäbe es eine Verletzung an der Stelle, an der die Vena magna in den Sinus rectus eintritt.
Es war Harold I. Magoun Sr. D.O.ein Bedürfnis, diesen wichtigen funktionellen Punkt das ‚Sutherland-Fulkrum‘ zu nennen, als er das automatisch sich verändernde, schwebende Fulkrum in der Mechanik der Reziproken Spannungsmembran verstanden hatte.
Ich war mit dieser Idee lange Zeit nicht einverstanden. Jetzt, da ich es bin, möchte ich ihre Bedeutung betonen.
Versuchen Sie, diesen Balancepunkt, den Punkt der Stille, zu spuren, wenn Sie Strainmuster der Membranen und Gelenke des kranialen Mechanismus behandeln. Ich mochte, dass Sie diese sich verändernde, wechselnde Stellung erfahren. Wenn Sie den Balancepunkt fühlen, schauen Sie, was mit den Hebeln über dem Fulkrum, über dem Dreifuß, geschieht. Es handelt sich um eine fließende Angelegenheit. Behalten Sie dieses wichtige mentale Bild des sich automatisch verlagernden Fulkrum im Gedächtnis. Es passt sich den verschiedenen Mustern des Mechanismus an.
Fühlen Sie. Sie erkennen wieder, was Sie im Schädel fühlen, ebenso wie Sie die Spannung im Gewebe der Bänder in Beziehung zu den Synovialgelenken spuren.
Sie lassen Ihre Finger ständig fühlen, sehen, wissen und denken und kennen so Ihren Mechanismus. Sie brauchen diese kluge und fühlende Berührung, um zu wissen, was Sie spuren, wenn Sie eine Innen- oder Außenrotation am Humerus diagnostizieren wollen. Dann besteht Ihre Therapie nicht aus einem bloßen Rucken hier oder einer Manipulation dort. Die Bänder werden für Sie in der externen oder internen Rotation des Humerus die Korrektur übernehmen, wenn Sie den Mechanismus zu einem Balancepunkt bringen.
Wie aber können Sie sich sicher sein, ob Sie das Gelenk in den Punkt der Balance gebracht haben, wenn Ihre Finger gar nicht da an da an der Stelle sind, um die Bänder zu ertasten, die das Gelenk zusammenhalten und ihm einen bestimmten Bewegungsradius erlauben?
Es ist das Gleiche, wenn Sie die Strainmuster der Bänder und Gelenke in der Wirbelsäule diagnostizieren und behandeln. Es ist eine Kunst. Diese Wissenschaft kam von Dr. Still.
Sehen Sie nun, was Sie bei diesem sich automatisch verlagernden Fulkrum in der Reziproken Spannungsmembran haben. Sie haben die Zerebrospinale Flüssigkeit und das Neuralrohr. Sie haben die Tide. Sie können nicht nur die physiologischen Zentren der Medulla oblongata erreichen, Sie können sogar bis zu einem gewissen Grad die Bewegung des Fulkrum, an dem so viele Strainmuster des Mechanismus ihren Ursprung haben, kontrollieren.
Indem Sie einfach die Tide im vierten Ventrikel kontrollieren oder auch vom Sakrum aus, können Sie die Reduktion einiger Zustande im Knochengewebe dieses Mechanismus aktivieren. Indem Sie die Fluktuation herunterbringen zu der kurzen rhythmischen Periode, zeigt Ihnen die Tide mit ihrer intelligenten Potency, dass sie etwas ist, auf das Sie sich verlassen können, etwas, das weiß, wie es funktioniert.
Bei einem Befund in frühen Lebensabschnitten unterscheidet sich Ihre Art, zu arbeiten. Der besagte Mechanismus arbeitet ab einem gewissen Alter mit ‚Schaltungen die sich an den Gelenkflächen gebildet haben. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass vor der Ausprägung dieser Merkmale zunächst eine Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit existiert. Erst im Anschluss daran gehen die Membranen ans Werk und ziehen die Knochen in ihre Position.
Betrachten Sie diese zwei Pole, vielleicht Telefonmasten, mit einem zwischen den Masten verlaufenden Draht. Überlegen Sie, was bei einem Schneesturm geschieht.
Versuchen Sie, diesen Balancepunkt, den Punkt der Stille, zu spüren, wenn Sie Strainmuster der Membranen und Gelenke des Kranial en Mechanismus behandeln. Ich möchte, dass Sie diese sich verändernde, wechselnde Stellung erfahren. Wenn Sie den Balancepunkt fühlen, schauen Sie, was mit den Hebeln über dem Fulkrum, über dem Dreifuß, geschieht. Es handelt sich um eine fließende Angelegenheit. Behalten Sie dieses wichtige mentale Bild des sich automatisch verlagernden Fulkrum im Gedächtnis. Es passt sich den verschiedenen Mustern des Mechanismus an.
Fühlen Sie. Sie erkennen wieder, was Sie im Schädel fühlen, ebenso wie Sie die Spannung im Gewebe der Bänder in Beziehung zu den Synovialgelenken spüren.
Sie lassen Ihre Finger ständig fühlen, sehen, wissen und denken und kennen so Ihren Mechanismus. Sie brauchen diese kluge und fühlende Berührung, um zu wissen, was Sie spüren, wenn Sie eine Innen- oder Außenrotation am Humerus diagnostizieren wollen. Dann besteht Ihre Therapie nicht aus einem bloßen Rucken hier oder einer Manipulation dort. Die Bänder werden für Sie in der Außen- oder Innenrotation des Humerus die Korrektur übernehmen, wenn Sie den Mechanismus zu einem Balancepunkt bringen.
Wie aber können Sie sich sicher sein, ob Sie das Gelenk in den Punkt der Balance gebracht haben, wenn Ihre Finger gar nicht da an der Stelle sind, um die Bänder zu ertasten, die das Gelenk zusammenhalten und ihm einen bestimmten Bewegungsradius erlauben?
Es ist das Gleiche, wenn Sie die Strainmuster der Bänder und Gelenke in der Wirbelsäule diagnostizieren und behandeln. Es ist eine Kunst. Diese Wissenschaft kam von Dr. Still.
Sehen Sie nun, was Sie bei diesem sich automatisch verlagernden Fulkrum in der Reziproken Spannungsmembran haben. Sie haben die Zerebrospinale Flüssigkeit und das Neuralrohr. Sie haben die Tide. Sie können nicht nur die physiologischen Zentren der Medulla oblongata erreichen, Sie können sogar bis zu einem gewissen Grad die Bewegung des Fulkrum, an dem so viele Strainmuster des Mechanismus ihren Ursprung haben, kontrollieren.
Indem Sie einfach die Tide im vierten Ventrikel kontrollieren oder auch vom Sakrum aus, können Sie die Reduktion einiger Zustände im Knochengewebe dieses Mechanismus aktivieren. Indem Sie die Fluktuation herunterbringen zu der kurzen rhythmischen Periode, zeigt Ihnen die Tide mit ihrer intelligenten Potency, dass sie etwas ist, auf das Sie sich verlassen können, etwas, das weiß, wie es funktioniert.
Bei einem Befund in frühen Lebensabschnitten unterscheidet sich Ihre Art, zu arbeiten. Der besagte Mechanismus arbeitet ab einem gewissen Alter mit ‚Schaltungen‘, die sich an den Gelenkflächen gebildet haben. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass vor der Ausprägung dieser Merkmale zunächst eine Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit existiert. Erst im Anschluss daran gehen die Membranen ans Werk und ziehen die Knochen in ihre Position.
Betrachten Sie diese zwei Pole, vielleicht Telefonmasten, mit einem zwischen den Masten verlaufenden Draht. Überlegen Sie, was bei einem Schneesturm geschieht.
Die Drähte, beladen mit Schnee und Eis, ziehen die Masten aus ihrer Stellung. Sie sehen die gleiche Situation vor sich, wenn während der Geburt oder später bei Stürzen irgendeine traumatische Kraft intrakranial am Draht der Mutter Dura zieht und die Knochen aus ihrer Stellung bringt.
Es ist notwendig, die Membrane, also die Drähte, zu benutzen, um diese Dysfunktionen zu behandeln und so diese kleinen Knochen wieder in ihre korrekte Stellung und Beziehung zueinander zu bringen.
Auch nach einer normalen Geburt, bei welcher sich die Knochen zusammengeschoben haben, um dem Neugeborenen einen sicheren Durchtritt zu ermöglichen, werden Sie das Kind schreien und tief einatmen lassen, damit die Zerebrospinale Flüssigkeit hinauf in den Schädel fluktuiert. Jetzt fangen die Membranen an zu arbeiten, um die Knochen in ihre richtige Stellung zu bringen. Die Kraft liegt im Fulkrum, der rhythmischen Balance. Der Ausdruck Reziproke Spannungsmembran sagt Ihnen also etwas. Diese Terminologie bedurfte eines genauen Studiums, bevor sie Verwendung finden konnte.
Er muss nicht notwendigerweise ausschließlich für die Membranen des Schädels verwendet werden; es gibt auch eine Reziproke Spannungsmembran des Canalis vertebralis.
Wo befindet sich die Reziproke Spannungsmembran des Canalis vertebralis? Sie ist eine Weiterführung der inneren Schicht der Dura mater des Schädels, sie ist am Rand des Foramen magnum im Os occipitale befestigt und verläuft bis zum Sakrum. Kleine Neugeborene und Kinder brachten mich dazu, ihren Nutzen zu verstehen. Alles, was ich bei der Behandlung eines Kleinkinds, das alt genug war, um auf dem Behandlungstisch zu krabbeln, zu tun hatte, war, das Sakrum zu halten. Sehen Sie die Reziproke Spannungsmembran im Canalis vertebralis, wie sie das Sakrum mit dem Os occipitale verbindet? Sobald sich das Neugeborene vorwärtsbewegt, wird auch die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit beeinflusst. Das gleiche Prinzip ist auch beim erwachsenen Patienten anwendbar, wenn wir ihn auf unsere Knie setzen, ihn sich nach vorne beugen, die Arme auf die Behandlungsbank legen und schließlich mit seinen Ellbogen vorwärtskrabbeln lassen, wobei der Therapeut das Becken zurückhält.
Sie verstehen, was dabei geschieht. Die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit ist aktiv, die intraspinale Reziproke Spannungsmembran ist damit beschäftigt, die Stellung des Sakrum und des Os occipitale zu verändern. Die firme Befestigung der Dura mater um das Foramen magnum des Os occipitale und die Befestigung am Sakrum im Canalis vertebralis macht beide zu zwei miteinander verbundenen Knochen.
Wenn das Rad des Os occipitale in Flexion zirkumrotiert, wird das Foramen magnum höher positioniert (Zeichnung I–1). Dies liegt daran, dass sich alles in die Richtung bewegt, die auch die Flexionsposition an der sphenobasilaren Verbindung verursacht.
Beobachten Sie, wie diese Spannung das Sakrum am anderen Ende anhebt. Dann, wenn sich das Rad des Os occipitale zurück in die Extensionsposition dreht, bewegt sich das Foramen magnum zurück und lässt das Sakrum in seine Extensionsposition absinken. Stellen Sie sich den ganzen Weg entlang – den Proc. basilaris, den Proc. jugularis, und so weiter – die Speichen an einem Rad vor. Beachten Sie die unterschiedlichen Höhen während der Inhalations- und der Exhalationsposition.
Die Funktion der Reziproken Spannungsmembran ist ein weiteres Prinzip des Primären Atemmechanismus. Die Befestigung an den Knochen ist dabei nicht der springende Punkt. Diese entspricht der Befestigung von Bändern an den Knochen eines Synovialgelenkes. Die Spannung liegt dazwischen, so wie ich es bei der Beschreibung des Fulkrum – des sich automatisch verändernden, schwebenden Fulkrum – erklärt habe.
5. DIE MOTILITÄT DES NEURALROHRS
Mit der Analyse des dritten Prinzips des Primären Atemmechanismus kommen wir zu einem Thema, das in einer einzigen Vorlesung nicht ausreichend behandelt werden kann. Die Motilität des Neuralrohrs, das heißt die Motilität von Gehirn und Rückenmark, ist jedoch eine wichtige Aktivität des lebendigen Körpers. Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, ist es sinnvoll, mit der Entwicklung des Embryos zu beginnen. Die Entwicklung des Neuralrohrs beginnt beim Embryo sehr früh.
Sobald eine Keimplatte mit Ektoderm, Mesoderm und Endoderm angelegt ist, wird das Ektoderm zum Entwicklungsfeld für das Nervensystem und die Haut. Zuerst erscheint entlang der Mitte ein verdicktes, flaches Band. Dieses Band bildet dann Schichten heraus, und die seitlichen Ränder wachsen schneller als der zentrale Bereich. Das Ergebnis dieses ungleichen Wachstums ist die Bildung der neuralen Rinne. Die Rinne selbst wird auf jeder Seite durch eine erhöhte neurale Falte begrenzt. Während sich die Rinne vertieft, treffen die neuralen Falten aufeinander und verschmelzen dorsal. Dieses Stadium etabliert das Neuralrohr. Bei Beendigung dieses Prozesses liegt das Rohr unterhalb der Oberfläche des Ektoderms und separat. Der neurale Kamm teilt sich und kommt in einer dorsolateralen Position zu liegen. Die Ganglionzellen sowohl der Gehirn- als auch der Rückenmarksganglien gehen aus dem neuralen Kamm hervor.
Das primitive Neuralrohr bildet sich durch die Faltung der neuralen Rinne zu einem Epithelrohr.
Die Rinne beginnt sich an der Mitte des Körpers sehr bald zu bedecken und schließt sich dann fortschreitend in beide Richtungen. Das kaudale Ende verschließt sich kurz nach dem rostralen Ende; und in dieser Zeit ist dann die Bildung des Neuralrohrs vollendet. Die drei primären Gehirnbläschen (Prosencephalon, Mesencephalon und Rhombencephalon) werden durch die Schließung und Vergrößerung des rostralen Endes gebildet. Das Neuralrohr unterhalb dieser Bereiche besitzt einen kleineren Durchmesser und wird zum Rückenmark.
In diesem frühen Stadium kann das gesamte Neuralrohr durch konzentrische Ringe und Längsstreifen analysiert werden. Die primitiven Vorder- und Rückwände sind von ihrer Struktur her primär ependymal und tragen nicht zur Verdickung der seitlichen Wände bei. Sie werden zur Boden- und zur Deckenplatte. Der Sulcus limitans markiert die Teilung in die sensorische rückseitige Platte und die motorische vordere oder Basisplatte.
Während sich das Neuralrohr in diese grundlegenden Anlagen des Zentralen Nervensystems formt, verdichtet sich das umgebende Mesenchym und wird zur äußeren Decke des Gehirns und des Rückenmarks. Dies sind die Meningen und das knöcherne Neurocranium.

ZEICHNUNG I–6: DAS GEHIRN IM QUERSCHNITT
Die Dura mater ist eine harte, aus Fasern bestehende, umschließende Membran direkt unter dem knöchernen Schädel. Die Membrana arachnoidea bedeckt die vielen Spalten des Gehirns. Die Pia mater legt sich in einer festen Verbindung an jede Unregelmäßigkeit der Oberfläche des Gehirns.
Auf der Oberfläche des Gehirns gibt es Hügel und Täler, die als Gyri und Sulci bezeichnet werden. Die Zerebrospinale Flüssigkeit verteilt sich an der Außenseite des Neuralrohrs unterhalb der Membrana arachnoidea im Spatium subarachnoidale. Innerhalb des Neuralrohrs ist sie im Rohrlumen und in den Ventrikeln vorhanden.
Wenn sich das Neuralrohr entwickelt hat und innerhalb des Schädels angelegt ist, hat es zwei Hemisphären und in jeder Hemisphäre vier Lobi. Diese sind wie voneinander getrennte Kontinente, die durch drei Fissuren abgegrenzt werden. Es ist hilfreich, sich diese Gehirngeographie im Gedächtnis zu behalten, solange man nicht vergisst, dass diese Landkarte nicht das Land selbst ist.28
Unterhalb der Großhirnhemisphären befindet sich der Truncus cerebri und das Rückenmark. Das Cerebellum liegt oberhalb jener Teile des Truncus cerebri, die Pons und Medulla oblongata genannt werden. Die Medulla oblongata befindet sich gerade noch innerhalb des Schädels dort am Foramen magnum, wo sich das Rückenmark an seiner Eintrittsstelle erweitert.29 Dort sind die Kontrollzentren lokalisiert, die den Blutdruck, die Herzfrequenz, das Schlucken, Erbrechen, die Atmung, Sprechen und Singen regulieren. Die kleinste Abteilung des Truncus cerebri ist das Mesencephalon, welches oberhalb der Pons liegt und mit dem Diencephalon verbunden ist, dem ersten Anteil des Prosencephalons.
Mit dieser kurzen Übersicht richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die physiologischen Zentren am Boden des vierten Ventrikels, in jener Schlüsselzone (dem ‚magischen Zentimeter‘) der Medulla oblongata. Das Atemzentrum hier ist von primärer Bedeutung für das Diaphragma und die Physiologie von Herz und Lunge. Ich bewies dies zu meiner eigenen Zufriedenheit an meinem eigenen Körper. Es war klar, dass die Zentren am Boden des vierten Ventrikels von primärer Bedeutung sind, und dass die Funktion von Diaphragma, Herz und Lunge sekundär ist.
Innerhalb des Truncus cerebri werden der dritte und der vierte Ventrikel durch den Aquaeductus cerebri im Mesencephalon verbunden. Der Canalis centralis des Rückenmarks liegt unterhalb des vierten Ventrikels, der ein ziemlich geräumiger kleiner Ventrikel mit offenen Türen in den Wänden ist. Es befindet sich auch eine ganze Menge Zerebrospinale Flüssigkeit darin. Am Boden verteilt und daneben befinden sich die Nuclei des dritten bis zum XIII. Hirnnerven. Diese sind für Funktionen zuständig, ohne die wir nicht leben könnten. Die Medulla oblongata und die Pons bilden den Boden des vierten Ventrikels.
Der vierte Ventrikel hat ein Dach und das Cerebellum liegt darüber. All diese Bereiche füllen die Fossa cranii posterior unterhalb des Tentorium cerebelli. Das Mesencephalon liegt in der Einbuchtung des Zelts und genau oberhalb der sphenobasilaren Verbindung auf dem Clivus der knöchernen Schädelbasis.
Die offenen Türen in den Wänden des vierten Ventrikels lassen eine Verbindung zu zwischen der innen befindlichen Zerebrospinalen Flüssigkeit – der ventrikulären – und der außerhalb verteilten Flüssigkeit – der subarachnoidalen.
Die Ansammlung von Flüssigkeit in den Spatia subarachnoidea unterhalb des Gehirns wird Cisterna basalis genannt, die um den Truncus cerebri herum Cisterna magna. John Hilton nannte diese Cisternae das ‚Wasserbett‘, auf dem das Gehirn ruht.
In der Tat ruhen die zentralen Teile der Gehirnbasis nicht auf den Knochen des Schädels, sondern auf dieser Ansammlung Zerebrospinaler Flüssigkeit, die ein wunderschönes, wirkungsvolles und perfekt angepasstes Wasserbett für sie bildet.30
Gehirn und Rückenmark sind von ihrer Konsistenz her wie weicher Pudding. Das gesamte Neuralrohr wird zum Schutz von Zerebrospinaler Flüssigkeit umgeben, sowohl innen als auch außen. Dieser gesamte Komplex, der in die Leptomeninx eingehüllt ist (Membrana arachnoidea – Pia mater), lebt innerhalb des knöchernen Neurocranium, welches sich aus Knochen bildet, die durch die Dura mater und ihre Spezialisierungen, die Falx cerebri und das Tentorium cerebelli zusammengehalten werden. Bei der Geburt ähnelt der gesamte Schädel einem Ei mit weicher Schale, denn es gibt zwischen den Knochen keine Gelenke außer jenem einen zwischen Atlas und Os occipitale.
Durch die Funktionen des Primären Atemmechanismus hängen die physiologischen Zentren in der Medulla mit der sekundären Physiologie des lebenden menschlichen Körpers zusammen. Durch diese große Batterie, die Tide, kommt es, dass das ‚höchste bekannte Element‘ zu diesen physiologischen Zentren transmutiert. Die Nuclei der Hirnnerven werden auch von dieser Tide transmutiert, von der Batterie, die den ‚Saft‘ enthält, der aus den materiellen Elementen herausgefiltert wurde, derer sich der Mensch bedient. Sehen Sie all diese Dinge statisch daliegen wie bei einem Toten? Nein. Sie sehen sie in Inhalation und Exhalation, in mechanischer Funktion.
Der lebende menschliche Körper ist ein Mechanismus, der nicht nur aus den Gelenken zwischen den Knochen besteht, sondern auch aus dem Fluss des Blutes in den Arterien und Venen, dem feinen Mechanismus, der als Lymphsystem bekannt ist, den weichen Geweben, den Eingeweiden und jenem großen hydraulischen System, der Zerebrospinalen Flüssigkeit.
Das Zentrale Nervensystem ist nicht nur ein Netzwerk, das Nervenimpulse weiterleitet, sondern es ist auch eine Struktur, welche die physiologische Funktion der Motilität ausdrückt31. Es gibt Bahnen, die durch den Boden des vierten Ventrikels verlaufen. Innen, außen und in den Wänden bewegt es sich – in jenen gebogenen Wänden und in den Pedunculi und Bahnen, die zum Cerebellum hinauf verlaufen. Stellen Sie sich die Seitenwände des Neuralrohrs bildlich vor, sie besitzen sowohl Motilität als auch die Funktion, motorische Impulse übertragen zu können.
Visualisieren Sie nun die Formveränderung des Neuralrohrs innerhalb des Neurocranium und des Rückenmarkskanals, die ich als Inhalation und Exhalation bezeichne. Bedenken Sie zum Beispiel, wie sich das Rückenmark während der Inhalation hochzieht wie der Schwanz einer Kaulquappe und während der Exhalation wieder herunterkommt. Sie können einen Mechanismus erkennen, der die ganze Zeit über mit der gelenkigen Beweglichkeit des knöchernen Mechanismus zusammenarbeitet.
Als Nächstes möchte ich, dass Sie den Aufbau des Cerebellum im Gegensatz zum Cerebrum kennenlernen. Sehen Sie sich den Cortex cerebelli an, weit entfernt von Nervenbahnen, mit Zellen, die dort wie Antennen aufgestellt sind, so wie die Antennen, die einige Käfer vor sich ausstrecken. Dort oben im Kortex des Cerebellum gibt es keine Nervenkerne. Wenn man die Zellen von dort oben unter dem Mikroskop betrachtet, sieht man, dass sie den Zellen der Nervenkerne nicht gleichen. Man kann sehen, wie sie sich bewegen und zucken wie Zilien, nicht wie von Menschen gemachte Mechanismen.
Ich beginne etwas dort oben zu sehen – vielleicht eine Radiostation? Wir kennen die langen Wellen, die Nachrichten übertragen, und die Antennen, die von unseren Häusern oder Scheunen aus senden und empfangen, und die Empfangsgeräte, mit denen wir Sendungen auswählen können. Haben wir hier eine Anleitung für diese von Menschen gemachten Geräte vor uns?
Ich möchte, dass Sie sich die Motilität im Cerebellum vorstellen. Es ist dem Blasebalg vergleichbar, den ein Schmied verwendet, um sein Feuer anzufachen. Während der Inhalation hat es eine Form, während der Exhalation eine andere. Motilität, nicht Mobilität, ist dafür verantwortlich. Folgen Sie jenen kleinen, in Schichten aufgebauten Bahnen, die Pedunculi genannt werden. Sie sehen, wie sie das Rückenmark hinunter verlaufen, unterhalb der Pons und um sie herum herum, um den vierten Ventrikel herum und hinauf entlang dem Mesencephalon bis zu den Verbindungen mit der Epiphyse.
Stellen Sie sich vor, dass meine ausgestreckten Arme jeweils einen der Pedunculi des Cerebellum (Brachium pontis) darstellen. Die Pons befindet sich in meinen Fingern; meine Ellbogen können eine Kontraktion des vierten Ventrikels verursachen; dann kann ich sie lockern und er erweitert sich wieder.
Hier im Primären Atemmechanismus haben wir eine Motilität, die sich kontrahieren kann. Nehmen Sie diese Motilität wahr, die getrennt ist von der Bewegung, die mit dem Hin-und-her-Fließen des Blutes zusammenhängt. Das ist auch eine physiologische Bewegung. Chirurgen sehen die Bewegungen des lebenden Gehirns, die mit dem Blutfluss zusammenhängen; davon spreche ich aber nicht.
Ich spreche über eine physiologische Motilität – über die Bahnen, die sich dort drinnen bewegen und auch über die Bewegungen der Gehirnwindungen. Zusätzlich zu ihrer Funktion der Weiterleitung von Nervenimpulsen besitzen die Bahnen Motilität.

ZEICHNUNG I–7: QUERSCHNITT DURCH DEN BEREICH DES DRITTEN VENTRIKELS
Nehmen Sie zum Beispiel den Aquaeductus cerebri; Sie sehen, dass es sich nicht um ein hohles, unbewegliches Rohr handelt. Achten Sie auf die Aktivität seiner Wände. Er kann seine Form verändern und damit der Zerebrospinalen Flüssigkeit erlauben, hindurchzufließen. Betrachten Sie andere Bahnen und die Gehirnwindungen mit ihren lokalen Verbindungen. Sie können sich über den Mechanismus viele Gedanken machen, ohne auf Grenzen zu stoßen.
Am Dach des dritten Ventrikels, an der Verbindung des Mesencephalon mit dem Diencephalon, befindet sich ein kleines Ding, das Epiphyse genannt wird. Verschiedene Namen und Funktionen werden ihm zugesagt, aber dass es sich um ein materielles Ding an einem bestimmten Ort handelt, an welchem es eine mechanische Funktion haben kann, wird nicht erwähnt. Wenn ich sie mir so ansehe, sehe ich einen kleinen Zapfen mit einem Stamm. Sie besitzt eine Nische, die sich zum dritten Ventrikel hin öffnet. Wenn Sie sich innerhalb des dritten Ventrikels vorstellen, können Sie die Epiphyse oben auf dem Dach sehen.
Es herrscht die gleiche Situation wie unten, wo das Infundibulum durch das Diaphragma sellae hindurch zur Innenseite des hinteren Lobus der Hypophyse (der Neurohypophyse) verläuft.
Hypophyse und Epiphyse haben sowohl eine Außenseite als auch eine Innenseite. Ihre Innenseite ist die Innenseite des Neuralrohrs, und direkt mit dem dritten Ventrikel verbunden. Die Außenseite der Epiphyse liegt in der Cisterna subarachnoidea, die sich in der großen Querfurche des Gehirns befindet. Diese wird Cisterna superior genannt. Die Vena magna verläuft auch dort, bevor sie in den Sinus rectus eintritt. Der kleine Zapfen befindet sich genau über den Colliculi superiores auf dem Dach des Mesencephalon. Er kann sich bewegen, wenn sich das dritte Ventrikel bei Inhalation zu seiner V–Form erweitert und bei Exhalation wieder ein schmaler Spalt wird. Das bedeutet, dass sich die Epiphyse durch die Motilität des Neuralrohrs locker hin und her bewegen kann. Beim lebenden Menschen findet man ein anderes Bild vor als bei einer Leiche.
Ich möchte, dass Sie verstehen, wie dieser Zapfen, die gesamte Außenseite der Epiphyse, locker herunterhängt auf die Colliculi superiores, sodass die Position bei einer Leiche nicht die gleiche ist wie die in einem lebendigen Gehirn, wenn sich das Dach des dritten Ventrikels während der Inhalation weitet. Bei der Reise der Elritze stelle ich fest, dass der kleine Fisch, wenn er in den dritten Ventrikel schwimmt, die Nische der Epiphyse finden und hineinblasen kann (siehe Kapitel 17).
Am Dach des dritten Ventrikels gibt es einen Plexus choroideus mit der Tela choroidea. Dieser liegt an der Außenseite des Neuralrohrs. Zwischen diesem und der Innenseite des dritten Ventrikels gibt es einen Vorhang. Manche sagen, dass die Zerebrospinale Flüssigkeit dort produziert wird. Wenn man jedoch einen Toten untersucht, sieht man, dass dort dieser Plexus choroideus völlig zusammengedrückt ist.
Bei bestimmten Experimenten fand ich heraus, dass während der Inhalation eine Veränderung in den Wänden und im Dach des dritten Ventrikels stattfindet. Diese Veränderung besteht darin, dass sich das Dach weitet, während der Ventrikel die Form eines V annimmt. Der dortige Austauschprozess könnte eine kleine Prozedur sein, die derjenigen der Nieren ähnelt, in welcher auch ein Austausch zwischen den Körperflüssigkeiten stattfindet.
In den Plexi choroidei erfolgt ein Austausch zwischen Blut und Zerebrospinaler Flüssigkeit, keine Produktion von Flüssigkeit. Es wäre schwierig, wenn wir die Flüssigkeiten des Gehirns durch solch einen Prozess wieder auffüllen müssten. Es handelt sich hier um eine Prozedur des Austausches zwischen allen Flüssigkeiten des Körpers. Wenn Sie etwas der Zerebrospinalen Flüssigkeit hinzufügen, werden Sie es später im Blut wiederfinden.
Das Dach des Diencephalon wird zum großen Teil durch eine ependymale Schicht gebildet, die übergangslos übergeht in diejenige, die den übrigen Teil des dritten Ventrikels auskleidet. Diese ependymale Schicht ist eng verbunden mit der darüberliegenden vaskulären Pia mater.
Im kaudalen Anteil des Daches und in den angrenzenden seitlichen Wänden des Diencephalon befinden sich die Nuclei habenularum und ihre Commissura, die Epiphyse oder Zirbeldrüse, und die Commissura posterior. Sie alle zusammen bilden den Epithalamus. Die Commissurae habenularum und posteriores kreuzen die Mittellinie in den kranialen und kaudalen Laminae des Epiphysenstammes.
Die Epiphyse ist ein kleines, erbsenförmiges, rötlich-graues Organ, das in der Senke zwischen den Colliculi superiores sitzt. Die Epiphyse ist etwa 8 Millimeter lang, und ihre Basis, die nach vorne verläuft, ist durch ein Pedunculus oder einen Stamm, befestigt, der sich nach vorne in zwei Laminae aufteilt, eine obere und eine untere, die durch die Nische der Epiphyse im dritten Ventrikel voneinander getrennt sind. Die Lamina inferior enthält die Commissura posterior und die Lamina superior enthält die Commissura habenularum. Nervenfasern treten in die rückwärtigen und rückwärtig-seitlichen Wände der Epiphyse aus dem Bereich des Tentorium cerebelli ein und bilden dort einen einzelnen oder paarigen N. conarii. Dieser verläuft subendothelial in der Wand des Sinus rectus und seine Fasern stammen von den Zellen des oberen Halsganglions. Die Nervenfasern sind sympathischen Ursprungs und verlaufen in Verbindung mit Blutgefäßen und parenchymalen Zellen.32
Sehen Sie, wie die Wurzeln der Strukturen der Epiphyse verknüpft sind mit den Wänden des Aquaeductus cerebri? Es sind Nervenzellen in den Wänden, die in den Wurzeln des vorderen Lobus, des alten Bereichs des Cerebellum, vor- und zurückverlaufen.
Es handelt sich dabei um eine mechanische Gangschaltung, wenn Sie es so nennen möchten. Ich meine damit eine strategische Verlagerung der Mechanik des Truncus cerebri, das Cerebellum eingeschlossen, die in Verbindung mit der Motilität des Cerebellum arbeitet und den Aquädukt erweitert. Dies funktioniert alles in Verbindung mit dem dritten Ventrikel.
Betrachten Sie den unteren Bereich des dritten Ventrikels und das Infundibulum. Das Infundibulum verbindet den Hypothalamus mit der Hypophyse. Die Hypophyse ist in der Sella turcica durch das Diaphragma sellae festgezurrt. Dies alles sitzt oben auf dem Corpus sphenoidalis, welches auf seiner transversalen Achse hin und her rotiert.
Wenn sich der untere Bereich des dritten Ventrikels wie der Schwanz einer Kaulquappe nach oben bewegt, während der Ventrikel in der Inhalationsphase die V–Form annimmt, bewegt sich das Infundibulum in einem Bogen nach oben mit der Sella turcica. Gleichzeitig dreht sich das Os sphenoidale in seine Flexionsposition. Dies ist ein weiterer Bereich vieler wichtiger Nuclei. Es gibt sowohl funktionelle als auch strukturelle Verbindungen. Es gibt eine Verknüpfung von Nervenzellen, welche die Wand des Aquäductus entlang und sogar zurück ins Cerebellum laufen. Denken Sie daran, wie die Motilität im Truncus cerebri und im Cerebellum die Bereiche mit einschließt, in denen sich die physiologischen Zentren und Hirnnerven befinden.33
Erweitern Sie nun Ihre Vorstellungskraft. Ich sage nicht, dass Sie es sofort können, aber Sie können erkennen, dass dieser Bereich den materiellen Mechanismus für Ihren Weg auf der Erde darstellt. Denken Sie, dass es möglich ist, diese ‚Gangschaltung‘ mental in Gang zu setzen? Ist es möglich, die Epiphyse sich rein als Mechanismus locker hin und her bewegen zu lassen? Wenn Sie wollen, dann können Sie dort oben hingehen und den Bereich blockieren, sodass die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit zum Stillstand kommt und die Motilität im Körper aufhört. Die Folge wäre ein Zustand, den Dr. Still ein ‚vertrocknendes Feld‘ nannte.
„Wer vernünftig denken kann, wird sehen, dass dieser große Fluss des Lebens angezapft und das verdorrte Feld auf der Stelle gewässert werden muss, sonst ist die Ernte der Gesundheit für immer verloren.“
Denken Sie an die Verteilung der Zerebrospinalen Flüssigkeit an der Außenseite des Truncus cerebri und des Cerebellum. Sie fließt überall um es herum und läuft in jede Nische; sie rollt hinauf und herum und hinaus, immer im Spatium subarachnoidale an der Außenseite des Gehirns. Denken Sie an die Cisterna basalis, die Cisterna chiasmaticus, die Cisterna interpeduncularis und die Cisterna magna.
Denken Sie an die Motilität des Cerebellum in jenen kleinen geschichteten Bahnen, die Pedunculi genannt werden, im Dach des Mesencephalon und in der Epiphyse.
Denken Sie an die Motilität in den Bahnen, die das Rückenmark hinunter, um den vierten Ventrikel und unterhalb der Pons verlaufen. Können Sie nun die mechanische Physiologie in den Funktionen des Primären Atemmechanismus erkennen?
Als Nächstes denken Sie an das Bild der Membrangewebe, welche die venösen Kanäle bilden. Denken Sie an Restriktionen in diesen Kanälen, die zu einem pathologischen Befund im Gehirn führen können. Diese Denkweise weist auf viele der Möglichkeiten hin, die sich bei der Anwendung der Wissenschaft der Osteopathie, wie sie Dr. Andrew Taylor Still eingeführt hat, bieten. Behalten Sie dieses Bild in Ihrem beruflichen Gedächtnis, als Hilfe bei der Diagnose und Behandlung der Probleme, mit denen Ihre Patienten zu Ihnen kommen.
***
Ein anderer Ort, an dem Sie die Tide kontrollieren können, sind die lateralen Ventrikel. Diese beiden Ventrikel befinden sich in den parietalen Großhirnbereichen. Sie eröffnen sich im Bereich der Lamina terminalis an den Foramina interventriculares. Die Motilität des Truncus cerebri und des Rückenmarks endet an der Lamina terminalis. Die besagten Foramina befinden sich hoch in der abschließenden Wand des dritten Ventrikels. Die lateralen Ventrikel erstrecken sich vom dritten Ventrikel aus entlang dem Neuralrohr.
Beobachten Sie die Spiralform, in der sich der Cortex cerebri, das Telencephalon, an jeder Seite ausdrückt, wo er sich oberhalb des Tentorium cerebelli in den Schädel einpasst. Erinnern Sie sich, dass die Falx cerebri in der Mitte zwischen den Hemisphären platziert ist.
Was ist die mechanische Bedeutung der Spiralform? Sehen Sie, welche Veränderungen durch ihr Ein- und Ausrollen entstehen können? Sie verstehen, dass die Zerebrospinale Flüssigkeit in den Ventrikeln sich innerhalb des Neuralrohrs befindet und dass die Flüssigkeit im Spatium subarachnoidale außerhalb des Neuralrohrs fließt. All dies befindet sich genau unterhalb des Schädeldaches, welches leicht manuell erreichbar ist. Sie können das Schädeldach in der Exhalationsphase halten, indem Sie die hinteren unteren Winkel der Ossa parietalia medial halten und ihren Patienten ausatmen lassen. Das Prinzip entspricht der Kompression des vierten Ventrikels. Es ist im Allgemeinen höchst praktisch den vierten Ventrikel zu komprimieren, weil Sie dort einen Einfluss auf sämtliche physiologischen Zentren haben, eingeschlossen das Atemzentrum. Denken Sie nun an die Apotheke, von der Dr. Still in seiner Autobiografie schrieb:
„Ich erklärte weiterhin, dass der menschliche Körper Gottes Apotheke sei und alle Flüssigkeiten, Medikamente, feuchtende Öle, Opiate, Säuren und Laugen und überhaupt alle Arten von Medikamenten in sich trage, welche die Weisheit Gottes für menschliches Glück und Gesundheit als nötig erachtet hat.“34
Betrachten Sie die Plexi choroidei, an denen der Austausch zwischen all den chemischen Stoffen, zwischen der Zerebrospinalen Flüssigkeit und dem arteriellen Blutfluss, stattfindet. Was haben Sie hier? Einen Austausch zwischen den chemischen Stoffen in der Zerebrospinalen Flüssigkeit und jenen des Blutes, wenn Sie es so betrachten können. Sie werden zum Apotheker, der in seinem Labor die chemischen Stoffe in der Zerebrospinalen Flüssigkeit und im Blut mischt, alles zur gleichen Zeit.
Dann vergessen Sie nicht jenes ‚höchste bekannte Element‘, jene ‚Flüssigkeit innerhalb einer Flüssigkeit‘, die was nährt? Die Nervenzellen, welche die Impulse entlang der Nervenbahnen durch eine Transmutation weiterleiten.
Vergessen Sie auch nicht jene ‚feineren Nerven, die sich in den Lymphgefäßen befinden‘. Wenn Sie die Wasser des Gehirns anregen, indem Sie den vierten Ventrikel komprimieren, schauen Sie, was im Lymphsystem geschieht. Stellen Sie sich den Lymphknoten vor, der einiges Gift enthält, das sich dort angesammelt hat, und wie sich die Zusammensetzung ändert, bevor die Lymphe in das venöse System transportiert wird.
Denken Sie noch einmal an das Gehirn und an das Rückenmark, das Zentrale Nervensystem, als Teil des Primären Atemmechanismus. Sie sind sich der Motilität des gesamten Neuralrohrs bewusst, sowohl der Bahnen als auch der Konvoluten, im lebendigen Zusammenhang mit all den Bewegungen des Gehirns. Sie sehen die Veränderungen im Rückenmark, Cerebellum und Truncus cerebri bis hoch zur Lamina terminalis. Sehen Sie das Ein- und Ausrollen der Spiralen der Hemisphären, welche ihren Ursprung an den Foramina interventriculares haben.
Berücksichtigen Sie auch den Aquaeductus cerebri und Sie verstehen, dass es sich nicht um ein hohles unbewegliches Rohr handelt, sondern um den Ventrikel des Mesencephalon Seine Wände bewegen sich, sodass, bedingt durch seine Formveränderung, Flüssigkeit durch ihn hindurchfließen kann. Wie ich schon gesagt habe, Sie können sich über diesen Mechanismus Gedanken machen, ohne auf Grenzen zu stoßen.
Ein Modell des Ventrikelsystems des menschlichen Gehirns sieht für mich wie ein Vogel aus. Es spiegelt das Innere des Gehirns wieder. Der dritte und vierte Ventrikel können der Körper des Vogels sein und der Canalis centralis des Rückenmarks der Schwanz. Die seitlichen Ventrikel sehen wie die Flügel eines Vogels aus und sind dort befestigt, wo es auch die Flügel eines Vogels sind – am vorderen oberen Winkel des Körpers. Legen Sie eine Hemisphäre um jeden Ventrikel und Sie haben zwei Flügel für diesen Vogel. Diese sind an der Spitze der Lamina terminalis befestigt, der vorderen Wand des dritten Ventrikels, welches eine Flüssigkeitskammer ist.
Ich möchte, dass Sie diese Dinge in der Inhalationsphase betrachten, wie sie das Gleiche tun, was ein Vogel tut, der zum Flug ansetzt. In jenem Augenblick heben sich die Flügel hinten ein wenig mehr nach oben als vorne. Was tut der Vogel bei der Landung auf einem Zweig anderes, als sich in Exhalation zusammenzufalten?
6. DIE GELENKIGE BEWEGLICHKEIT DER SCHÄDELKNOCHEN UND DIE UNWILLKÜRLICHE MOBILITÄT DES SAKRUM
Dieses Kapitel handelt von dem Thema, das Dr. Sutherland in seinem Kranialen Konzept in der Wissenschaft der Osteopathie als erstes zum Ausdruck brachte. In späteren Jahren überließ er es oft Mitgliedern seiner Fakultät, dieses Thema zu unterrichten. So kommt es, dass auf den zwischen 1949 und 1950 aufgenommenen Bändern über dieses Thema nur wenig aus seinem eigenen Munde zu finden ist. Als Konsequenz daraus habe ich sein geschriebenes Wort35 dort verwendet, wo es keine mündlichen Aufzeichnungen gab.
Meine Aktivitäten in Bezug auf die gelenkige Beweglichkeit des Schädels reichen in das Jahr 1899 zurück, als ich ein Student an der American School of Osteopathy in Kirksville, Missouri, war. Die Idee wurde geboren, als ich die einzelnen Knochen eines Schädels betrachtete, der Dr. Andrew Taylor Still gehörte und in der North Hall des A.-T.-Still-Hospitals ausgestellt war. Die Gelenkflächen jener Knochen schienen mir darauf hinzuweisen, dass sie für eine gelenkige Mobilität entworfen wurden. Ich stellte fest, dass anatomische Lehrbücher die Knochen bezüglich ihrer Gestalt und ihrer äußeren und inneren Oberflächen zwar genau beschrieben, jedoch nur wenig über jene Oberflächen zu sagen hatten, welche für die Studenten der Osteopathie am allerwichtigsten sind – die Oberflächen der Gelenke.
Das Studium des lebendigen Schädels und der angewandten Anatomie lässt einen großen Unterschied zwischen der Beschaffenheit der Gewebe im lebenden Körper und deren Beschaffenheit im toten Körper erkennen.
Ich betrachte die Gelenkstruktur des Schädels und die unwillkürliche Beweglichkeit des Sakrum zwischen den Ilia als einen Funktionsmechanismus des lebenden menschlichen Körpers.36
Gelenkige Beweglichkeit existiert im Bereich der Schädelbasis und auch der Gesichtsknochen; das Schädeldach kompensiert durch Ausdehnung und Zusammenziehen für die basilare Beweglichkeit.
Ich betrachte die Gelenkstruktur des Schädels als Teil eines Primären Atemmechanismus, und stelle fest, dass er in Verbindung mit dem Gehirn, den Ventrikeln und den intrakranialen Membranen funktioniert.
Die Summe der Gelenkflächen des Schädels ist größer als die der Iliosakralgelenke. Es gibt zahlreiche einzelne Gelenkflächen im Bereich des Craniums, während es an den Iliosakralgelenken nur zwei gibt. Die einzelnen Gelenkflächen müssen im mentalen Bild des kranialen Mechanismus als Einheit betrachtet werden. Dieses Wissen kann man nur durch intensives Studium der Gelenkflächen, wie wir sie an den einzelnen Knochen eines auseinandergenommenen Schädels sehen können, bekommen. In anatomischen Lehrbüchern fehlen hier Informationen.
Am besten beschreibt man die gelenkige Beweglichkeit des Schädels in drei Bereichen; dabei muss man aber im Gedächtnis behalten, dass das Ganze alle einzelnen Teile umfasst und dass die Bewegung in allen Teilen gleichzeitig auftritt.
1. Die Schädelbasis besteht aus Os occipitale, Os sphenoidale, Os ethmoidale und den zwei Ossa temporalia.
2. Das Schädeldach umfasst den interparietalen Anteil des Os occipitale, das Os frontale, die beiden Ossa parietalia, einen Anteil der Partes squamosae ossium temporalia und die Spitzen der Alae majores des Os sphenoidale.
3. Die Knochen des menschlichen Gesichts sind das Vomer, die Mandibula, je zwei Ossa zygomatica und Ossa palatina, das Os lacrimale und das Os nasale sowie die Ossa maxillaria und die zwei Conchae nasales inferiores.
[Anm. d. am. Hrsg.:] Die folgenden Ausschnitte aus verschiedenen Texten verweisen auf das grundlegende anatomische Wissen, das Dr. Sutherland gewöhnlich vermittelte, bevor er das Thema der Beweglichkeit zwischen den Schädelknochen an den Suturen unterrichtete.
Das Chondrocranium, wie es in der Fachsprache heißt, beschränkt sich also hauptsächlich auf die Schädelbasis, während sich die Knochen der Seiten, des Daches und des Gesichts aus Bindegewebe37 bilden […] Die Verknöcherung des Chondrocranium beginnt schon früh im dritten (intrauterinen) Monat; einige aus Bindegewebe hervorgegangene Knochen verknöchern sogar noch früher.38
Es ist offensichtlich, dass, obwohl die Knochen der Basis hauptsächlich aus Knorpel entstehen, sie auch einen substanziellen Anteil aus Membranen enthalten.
Die übrigen Knochen der Seiten und des gesamten Schädeldachs gehen vollständig aus Membranen hervor.39
Im Allgemeinen bildet sich der ältere Schädelanteil aus Knorpel, während die jüngeren Knochen des Gesichts und des Daches intramembranös gebildet werden.40
DAS OS SPHENOIDALE
Das Os sphenoidale befindet sich an der Schädelbasis vor den Ossa temporalia und der Pars basilaris des Os occipitale. Es ähnelt irgendwie einer Fledermaus mit ausgebreiteten Flügeln und besteht aus einem mittleren Bereich oder dem Corpus, zwei Alae majores und zwei Alae minores, die sich von den Seiten des Corpus nach außen erstrecken, und zwei Procc. pterygoidei, die unten aus ihm herausragen. Das Os sphenoidale hat Gelenkverbindungen mit 12 Knochen: mit dem Vomer, dem Os ethmoidale, dem Os frontale, dem Os occipitale und den paarigen Ossa parietalia, Ossa temporalia, Ossa zygomatica und Ossa palatina.41
Das Os sphenoidale ist für die gelenkige Beweglichkeit des kranialen membranösen Mechanismus von großer Wichtigkeit. Wenn man diesen Knochen richtig herauslöst, zeigt die Verbindungsstelle der Hinterseite des Os sphenoidale mit der Pars basilaris des Os occipitale die sphenobasilare Verbindung, ein wichtiges Gelenk. Es scheint mir die Modifikation eines typischen Gelenks zwischen den Wirbelkörpern zu sein. Ich habe ein wertvolles Exemplar, das ich benutze, um kraniale Techniken zu demonstrieren, und das die Existenz eines Discus intervertebralis eindeutig beweist. Dieses Exemplar stammt wahrscheinlich von einem Erwachsenen im Alter von ungefähr 25–30 Jahren.42
Die besagte sphenobasilare Verbindung, jener gelenkige Bereich, befindet sich am nach oben konvexen Clivus. Hier sind Flexion, Extension, Sidebending/Rotation und Torsion mögliche Bewegungen. Ich habe mehrere Schädel von Erwachsenen gefunden, bei denen ich lediglich durch Druck mit den Händen eine Bewegung zwischen Os sphenoidale und Proc. basilaris des Os occipitale bewirken konnte.
Gleichzeitig bemerkte ich eine gleitende Bewegung der Partes squamosae ossium temporalia gegenüber den Ossa parietalia und eine Erweiterung der Fissura sphenomaxillaris am Boden der Orbita.
Ich konnte die Bewegungen von Flexion, Extension, Sidebending/Rotation und Torsion zwischen dem Os sphenoidale und dem Proc. basilaris des Os occipitale auch an älteren, lebenden Personen demonstrieren.
Bei jüngeren Erwachsenen stelle ich mir einen Discus am sphenobasilaren Übergang vor, und später im Leben einfach eine bewegliche Verbindung, welche nach dem gleichen Schema funktioniert.
Die oberen Gelenkflächen der Alae majores des Os sphenoidale sind im Kontakt mit zwei kleinen, L-förmigen Gelenkflächen an der Unterseite des Os frontale. Diese beiden frontosphenoidalen Gelenke gleichen den beiden Iliosakralgelenken, wenn sie auch viel kleiner sind. Es scheint, dass das Os sphenoidale zwischen den beiden Teilen des Os frontale hängt, so wie das Sakrum zwischen den Ilia.
[Anm. d. am. Hrsg.:] Dr. Sutherland hielt es für sinnvoll, zwischen dem Os frontale als einer Struktur und seinen beiden Hälften, die mechanisch gesehen wie zwei Teile funktionieren, zu unterscheiden. So wie die Einheit aus Ala major und Procc. pterygoidei des Os sphenoidale in Relation zum Corpus sphenoidalis mobil sein kann, ist es klar, dass die Beziehung zu den Ossa frontalia mit paarigen lateralen Strukturen zu vergleichen ist. Eine Wiederholung der Anatomie des Os frontale ist vielleicht bei dieser Unterscheidung nützlich.
Die Verknöcherung findet innerhalb des membranösen Gewebes statt und beginnt in der siebten intrauterinen Woche, ausgehend von den Tubera frontalia. Bei der Geburt besteht das Os frontale aus zwei Hälften; diese verschmelzen etwa im fünften Lebensjahr an der interfrontalen oder metopischen Sutur. Überreste dieser Sutura bleiben an der Glabella bestehen.43
Die hinteren Gelenkflächen der Alae majores des Os sphenoidale beginnen mit einem steilen Winkel am Ende der oberen Fläche des Os sphenoidale. Wenn Sie die einzelnen Schädelknochen studieren, achten Sie darauf, an welchen Stellen die Wechsel der Abschrägung in der Sutura auftreten. In der Mitte dieser hinteren Gelenkfläche gibt es einen Wechsel.
Danach verläuft die Abschrägung in der unteren Hälfte unverändert. In der Mitte befindet sich eine kleine Einbuchtung. Die hintere Gelenkfläche der Alae majores des Os sphenoidale bildet ein Gelenk mit der vorderen Gelenkfläche der Partes squamosae der Ossa temporalia. Diese Einbuchtung im Winkel des Os sphenoidale korrespondiert mit einem entsprechenden Vorsprung am Winkel der Pars squamosa des Os temporale.
Oberhalb dieses Punktes in der Mitte sind die Alae majores auf Kosten der äußeren Oberfläche, die Partes squamosae hingegen auf Kosten der inneren Oberfläche abgeschrägt. Unterhalb dieses Punktes in der Mitte ist die Abschrägung genau anders herum. Die Bedeutung dieser Charakteristik an den sphenosquamösen Verbindungen sollte genauestens studiert werden.

ZEICHNUNG I–8: DAS OS SPHENOIDALE
Hier werden die L-förmigen Gelenkflächen für die Verbindung mit dem Os frontale gezeigt. Ebenso ist der Wechsel in der Abschrägung der Sutura zwischen dem Os sphenoidale und der Squama temporalis sichtbar.
Dieser Kontakt an der Sutura zwischen Os sphenoidale und Os temporale zeigt uns ein mechanisches Prinzip, das schon für sich alleine, ohne Hinweis auf andere Merkmale, eine Anordnung zur gelenkigen Bewegung zwischen den Knochen der Schädelbasis demonstriert. Es war diese interessante Gelenkfläche, die bei mir den ersten Gedanken aufkommen ließ, dass hier die Möglichkeit einer gelenkigen Mobilität am Schädel besteht. Man muss diese kleinsten Details genau studieren, um sich ein mentales Bild zu schaffen, das schließlich zur Diagnose und Behandlung von Strainmustern des membranösen Schädelmechanismus führt.
DIE OSSA TEMPORALIA
Die beiden Ossa temporalia sind für die gelenkige Mobilität der Schädelbasis von einzigartiger Bedeutung und kommen deshalb in unseren Studien als Nächstes an die Reihe. Die Betrachtung eines Knochens kann für beide gelten. Die Sutura squamosa erregt zuerst unsere Aufmerksamkeit. Sie ist vom Mittelpunkt der Sutura sphenosquamosa aus auf Kosten der inneren Fläche durchgehend abgeschrägt und verläuft so weiter lateral am Kopf entlang nach hinten, um das Os parietale an der Sutura squamosa zu überlappen.
Dieser Aufbau weist auf eine Gleitmobilität zwischen der Seite der Ossa parietalia und der Squama temporalis hin, die sich bis zur Incisura parietale und zur Sutura parietomastoidea erstreckt.
Wenn sich das Os temporale bewegt, trägt die obere Gelenkfläche der Pars mastoidea den hinteren unteren Winkel des Os parietale, den Angulus mastoideus. Dieses parietomastoidale Gelenk hat Wellen oder Rillen, die darauf hindeuten, welche Art von Bewegung hier stattfindet. Sie geben auch einen Hinweis auf die Richtung der Bewegung. Es handelt sich um eine Art schaukelnde Bewegung.
Geht man um das Os temporale herum weiter nach hinten, ändert sich die Richtung der oberen Gelenkfläche mit einem scharfen Winkel, um die hintere Gelenkfläche als Verbindung mit dem Os occipitale zu bilden.
Die hintere Gelenkfläche zum Os occipitale hin hat eine Abschrägung nach innen an der Pars mastoidea des Os temporale. Am Proc. jugularis des Os occipitale verläuft die Abschrägung nach außen.
Hier finden wir Rinnen und Verzahnungen, die ein Fulkrum bilden, damit eine Anpassung an die schaukelnde Bewegung des Os temporale möglich ist.
Die Ausrichtung der Gelenkfläche der Pars mastoidea des Os temporale und der Gelenkfläche des Os occipitale an der Sutura occipitomastoidea ist ein wichtiger Punkt, den wir gründlich studieren müssen. Am lateralen Anteil des Os occipitale ist der Knochen konkav und die Gelenkfläche ist nach außen gerichtet. Die Pars mastoidea des Os temporale ist entsprechend elliptisch geformt und die Gelenkfläche nach medial gerichtet.
Am Endpunkt dieses elliptischen Bereichs befindet sich unmittelbar im Anschluss an die Incisura jugularis eine Rinne. Am Proc. basilaris des Os occipitale gibt es einen Fulkrum-Kontakt mit dieser Rinne. Ich bezeichne ihn als Fulkrum aufgrund des mechanischen Dienstes, den die kreuzweise Platzierung der Rinne und des Fulkrum der schaukelnden Bewegung des Os temporale leistet. In meinen frühen Aufzeichnungen nannte ich diesen Bereich und jenen der Sutura lambdoidea eine ‚aus Kardanwelle und Drehzapfen kombinierte mechanische Vorrichtung‘ für die gelenkige Beweglichkeit der Schädelbasis.44
DIE KNOCHEN DES SCHÄDELDACHES
Wenn wir das Schädeldach studieren, beobachten wir zuerst die Suturen um die Ossa parietalia herum. Die Verbindung mit den Ossa temporalia an den Squamae und im parietomastoiden Bereich haben wir bereits betrachtet.
Sehen Sie sich nun die Suturae lambdoideae zwischen dem Os occipitale und den beiden Ossa parietalia an. Sie führen vom oberen Winkel des Squama occipitalis im Lambda-Bereich in einer Kurve nach außen und unten. Zusammen ähneln sie einem Wunschknochen. Die Gelenkfläche am oberen Anteil jeder Sutura lambdoidea ist nach innen hin abgeschrägt, sodass die Squama occipitalis die beiden Ossa parietalia in dieser mittleren Region überlappt. Im unteren Anteil der Sutura lambdoidea findet man die umgekehrte Anordnung. Beobachten Sie sorgfältig, wie diese Wechsel in der Abschrägung dazu dienen, eine gelenkige Beweglichkeit zwischen den Knochen der Schädelbasis zu ermöglichen. Es gibt bei den Knochen dieses Bereichs Variationen. Manchmal ist der interparietale Anteil des Os occipitale ein separater Knochen und öfters gibt es zahlreiche Suturaknochen. Diese Variationen scheinen die Flexibilität noch zu erhöhen.
Wenn wir die Sutura sagittalis studieren, die beiden Ossa parietalia gemeinsam ist, bekommen wir besondere Hinweise auf eine Bewegung zwischen ihnen. Am Bregma beginnend, dem Treffpunkt von Sutura sagittalis und Sutura coronaris, sind die Zacken fein und eng aneinanderliegend. Dies zieht sich etwa über ein Drittel der Sutura hin. Dann stehen die Zacken vereinzelter und weiter voneinander entfernt. Kommt man schließlich in die Nähe der Lambdanaht im hinteren Drittel, stehen die Zacken sogar noch weiter auseinander. Meiner Meinung nach weist diese Unterschiedlichkeit darauf hin, dass im hinteren Drittel der Sutura sagittalis ein Gebiet von größerer Expansion ermöglicht wird, zusammen mit einer Erweiterung im Bereich der Lambdanaht.
Die gezackten Gelenkflächen der Sutura coronalis zwischen der Squama frontalis und den beiden Ossa parietalia weisen die gleichen Wechsel in der Abschrägung auf, wie sie an der Sutura lambdoidea zu finden sind. Als Resultat daraus überlappt in der Mitte die Squama frontalis die Ossa parietalia. Die Ossa parietalia dagegen überlappen das Os frontale im lateralen Bereich bis hin zum Angulus sphenoidalis.
Sie können die Ossa frontalia also so sehen, als ob sie am Bregma von den Ossa parietalia hängen und so ein Scharnier bilden, sodass sie im unteren Bereich nach vorne und hinten schwingen können.
Diese Tatsache kann in Situationen sehr wichtig sein, in denen eine Krafteinwirkung von außen auf die Stirn das Os frontale an der Sutura coronalis zwischen die Ossa parietalia geschoben hat.
In einem solchen Fall bewirkt das Os frontale eine gelenkige Fixation der Alae majores des Os sphenoidale. Dieser Zustand begrenzt das normale Bewegungsausmaß der Schädelbasis.
Wir betrachten hier die Squama frontalis als einen Knochen, wie er bei den meisten Erwachsenen anzutreffen ist. Beim Kleinkind befindet sich dort die vordere Fontanelle, und es ist deutlich, dass das Os frontale noch aus zwei Hälften besteht.
Erinnern Sie sich an Dr. Stills Aussage:
„Ein Osteopath schließt vor dem Hintergrund seines anatomischen Wissens. Er vergleicht die Arbeit eines anormalen Körpers mit der Arbeit eines normal funktionierenden Körpers.“
Er sagte auch, dass wir die Position und den Zweck eines jeden Knochens kennen und mit jedem seiner Gelenke vertraut sein müssen. Wir müssen ein vollkommenes Bild des normalen Zustandes der Gelenke vor Augen haben, die wir korrigieren wollen. Der Schädel ist ein komplexer Mechanismus und verlangt ein gründliches Studium seiner komplizierten Gelenkflächen.
Beobachten Sie die L-Form der frontosphenoidalen Gelenke, jeweils eine für jede Ala major. Bei der Geburt gibt es am Kopf keine ausgebildeten Gelenke, lediglich das Gelenk zwischen Os occipitale und Atlas, und es gibt, realistisch gesehen, zwei Ossa frontalia. Manchmal, wenn die Sutura metopica erhalten bleibt, findet man diese zwei auch noch beim Erwachsenen.
In Verbindung mit den Alae majores des Os sphenoidale ist die Unterteilung des Os frontale in zwei Hälften funktionell bedeutsam. Wir werden nun unsere Überlegungen auf der Basis von zwei Ossa frontalia anstellen. Wir können die Bewegung von Os sphenoidale und Sakrum in Bezug auf die Mittellinie betrachten, indem wir einige Ähnlichkeiten in ihren Zusammenhängen feststellen.
Das Os sphenoidale ist an den L-förmigen Gelenken zwischen den beiden Ossa frontalia aufgehängt. Das Sakrum ist zwischen den beiden L-förmigen Iliosakralgelenken aufgehängt. Diese beiden Knochen der Mittellinie bewegen sich vor und zurück. Beide haben auch eine drehende Bewegung in ihrer gelenkigen Mobilität.45
DER MECHANISMUS DES GESICHTS
Beobachten Sie die Spina ossis ethmoidalis, jenen kleinen flachen Fortsatz in der Mitte des vorderen oberen Bereichs des Corpus sphenoidalis. Sie passt in eine kleine Furche im hinteren, oberen Bereich der Mitte des Os ethmoidale. Das ist eine mechanische Konstruktion für die Bewegung des Os ethmoidale, sobald sich das Os sphenoidale vorne nach unten bewegt. Direkt an der Seite der Spina ethmoidalis, auf der oberen Gelenkfläche der Alae minores des Os sphenoidale, hat das Os sphenoidale eine artikuläre Verbindung mit den hinteren Gelenkflächen der Laminae orbitales des Os frontale/der Ossa frontalia.
Die Incisura ethmoidalis des Os frontale befindet sich zwischen den beiden Hälften der Laminae orbitales. Dieses Gelenk zwischen den Alae minores des Os sphenoidale und dem Os frontale/den Ossa frontalia ist ein Anzeichen dafür, dass es eine laterale Bewegung während der Inhalation und eine mediale Bewegung während der Exhalation gibt. Die Spitzen der Alae minores haben keine Gelenkverbindung. Die Crista sphenoidalis auf der Mittellinie der vorderen Oberfläche des Corpus sphenoidalis hat eine Gelenkverbindung mit der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale, die einen Anteil des Septum nasi bildet.
Das Vomer bildet ein Gelenk mit dem Rostrum an der Unterfläche des Corpus sphenoidalis. Es bildet einen zusätzlichen Anteil des Septum nasi und hat eine Gelenkverbindung mit der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale. Das Rostrum ist ein schnabelähnlicher Fortsatz, der die tassenähnliche Oberfläche, die durch die Alae des Vomer gebildet wird, aufnimmt. Die Bewegung zwischen Vomer und Rostrum ähnelt einem Universalgelenk.
Das Vomer und die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale erstrecken sich nach vorne über den Gaumen, der durch die Laminae horizontales der Ossa palatina und der Maxilla gebildet wird. Der Nasenknorpel vervollständigt das Septum nasi. Diese Strukturen komplettieren die Mittellinie in der Schädelbasis und im Gesicht.
Das Os sphenoidale erbringt die Bewegung, die zwischen den Knochen des Gesichtsmechanismus auftritt. Es besitzt im Regelfall kein Gelenk mit der Maxilla. Ebenso haben die Ossa temporalia keinen artikulären Kontakt mit den Maxillen. Die Ossa zygomatica und palatina dienen in dieser Region als Vermittler.
Die Ossa zygomatica hängen an den seitlichen Enden der Margo supraorbitalis des Os frontale und bilden so ein Drittel der Orbitaränder. Die Maxillen hängen mit ihren Procc. frontales in der Incisura nasalis vom Os frontale und bilden Gelenke mit den Ossa nasalia, welche zwischen ihnen sitzen. Die Procc. zygomatici der Ossa temporalia bilden Gelenke mit den Procc. temporales der Ossa zygomatica. So werden die Jochbögen an der Seite des Kopfes gebildet.
Die Alae majores des Os sphenoidale artikulieren an den seitlichen Wänden der Orbita mit den Ossa zygomatica. Die Ossa zygomatica sind mit der Oberseite des Corpus maxillaris als Gelenk verbunden.
Wenn sich das Os sphenoidale während seiner Flexionsphase nach vorne, unten und außen bewegt, schwingen die Alae majores die Ossa zygomatica in Außenrotation, und erweitern damit die Orbita. Sobald sich der vordere Bereich des Os sphenoidale in seiner Extensionsbewegung nach oben bewegt, ziehen die Alae majores die Ossa zygomatica nach innen und verengen und vertiefen die Orbita.
Das Gelenk zwischen Os zygomaticum und Os temporale dient auf verschiedenste Weise als Vermittler, als Zwischenstück zwischen Maxillen und Ossa temporalia. Das Zusammenspiel zwischen den Ossa zygomatica und den Knochen der Schädelbasis lässt sich am Orbitaboden an den Änderungen im Bereich der Fissurae sphenomaxillaris erkennen.
Die Ossa palatina befinden sich an der Rückseite der Nasenhöhlen zwischen den Maxillen und den Procc. pterygoidei des Os sphenoidale. Sie tragen zu den Wänden dreier Höhlen bei: am Boden und der Seitenwand der Nasenhöhlen, bei dem Dach des Mundes und dem Boden der Orbita. Sie kommen in diesen drei Fossae und in einer Fissur – der Fissura sphenomaxillaris – vor. Auf der hinteren Oberfläche bilden zwei Furchen ein Gelenk mit den Enden der Procc. pterygoidei.
Die Procc. pyramidei vervollständigen den unteren Anteil der Fossa pterygoidea. Den senkrechten Anteil am hintersten Anteil des Orbitabodens bezeichnet man als Proc. orbitalis. Der waagerechte Teil, zusammen mit dem waagerechten Anteil der Maxilla, bildet den Nasenboden und das Dach des Mundes.
Die Lamina pterygoidei sind auf beiden Seiten, medial und lateral, in ihrer Form konvex und hängen nach unten am Corpus des Os sphenoidale. Wenn sich das Os sphenoidale im Bereich der Alae majores nach vorne und unten dreht, dann bewegen sich diese Procc. nach hinten. Auf jeder Seite bewegen sich die Enden der Procc. pterygoidei wie die Kufen von Schaukelstühlen in ihren Furchen auf der Rückseite der Ossa palatina. Wenn sich das Os sphenoidale im Bereich der Alae majores nach hinten und oben dreht, dann bewegen sich die Enden der Procc. pterygoidei in den Furchen auf der Rückseite der Ossa palatina nach vorne (Zeichnung I–9).
Studieren Sie die anatomischen Details dieses Gelenkbereiches und ebenfalls die Oberflächen zwischen den Ossa palatina und den Maxillen.
Die Ganglia pterygopalatina befinden sich in den Fossa pterygopalatina (Zeichnungen I–10(a) und I–10(b)). Sie hängen mit zwei Wurzeln an den Nn. maxillares, welche über die Oberseite der Fossa und anschließend um die Procc. orbitales der Ossa palatina herum verlaufen, bevor sie als Nn. infraorbitales in die Maxillen eintreten.
Denken Sie in Begriffen von Bewegung und studieren Sie die Mechanik dieser Bereiche. Mit etwas Verständnis für den Normalzustand werden Sie erkennen, dass eine Gelenkfixierung das Ganglion pterygopalatinum bedrängen und somit seine Funktion stören kann.
Eine mechanische Aufgabe der Ossa palatina ergibt sich aus der Tatsache, dass sie zwischen das Os sphenoidale und die Maxillen eingepasst sind. Diese drei Knochen sitzen hintereinander an der Rückseite des Gesichts. Das Os sphenoidale liegt höher als die Ossa palatina und diese liegen ihrerseits höher als die Maxillen. Das Vor- und Zurückdrehen des Os sphenoidale hat ein größeres Bewegungsausmaß als die Bewegung der Ossa palatina; diese wiederum bewegen sich mehr als die Maxillen. Also erfüllen sie die Aufgabe einer ‚Geschwindigkeitsbremse‘. Die anderen zwischengeschalteten Knochen, die Ossa zygomatica, hatten wir bereits untersucht.
Die Orbitahöhlen sind nicht mit dem Acetabulum der Ilia zu vergleichen. Sie sind für Bewegung konstruiert. Vier der extrinsischen Muskeln des Augapfels, die geraden Augenmuskeln, sind an dem Ursprung der Alae minores des Os sphenoidale an einem Ring um die Foramina optici befestigt. Bewegt sich das Os sphenoidale nach vorne, bewegen sich die Augäpfel ebenfalls nach vorne. Bewegt es sich nach hinten, bewegen sich die Augäpfel entsprechend nach hinten. Beobachten Sie die Fissura orbitalis superior zwischen den Alae majores et minores des Os sphenoidale und dann die Fissura sphenomaxillaris zwischen Os sphenoidale und Maxilla. Beachten Sie dabei, dass die Vv. ophthalmicae in beide Sinus cavernosi führen, die bei den Fissurae orbitalis superiores liegen. Machen Sie sich Gedanken darüber, wie die Funktion der Mobilität in den Wänden der Orbita mit der venösen Drainage in Verbindung steht.
Rufen Sie sich in Erinnerung, dass die Tubae auditivae einen aus dem Mittelohr herausführenden knöchernen Anteil besitzt, und dann einen chondralen Teil, der zwischen den Partes petrosae der Ossa temporalia und den hinteren Rändern der Alae majores des Os sphenoidale liegt, und einen bindegewebigen Anteil in den Pharynxwänden, der zu den Fossa Rosenmüller führt. Ich glaube, dass die Innen- und Außenrotation der Partes petrosae der Ossa temporalia die Funktion haben, die Öffnung der Tubae auditivae zu öffnen und zu schließen.
Im Falle einer Dysfunktion, die eine Bewegung zwischen den Partes petrosae der Ossa temporalia und den Alae majores des Os sphenoidale einschränkt, kann die Auswirkung auf den chondralen Bereich der Tuba auditiva diese Öffnung geöffnet oder verschlossen halten.
7. DIE ANGEWANDTE ANATOMIE DES MENSCHLICHEN GESICHTS
Das menschliche Gesicht ist ein besonders empfindlicher und komplizierter Mechanismus. Ich muss dabei an einen Ausspruch von Dr. Andrew Taylor Still denken:
„Es sind die kleinen Dinge, die in der Wissenschaft der Osteopathie von großer Bedeutung sind.“
Studieren Sie die zarten, komplizierten, kleinen Dinge im Gesichtsmechanismus und beginnen Sie dann, die mechanische Physiologie in diesem Bereich einzusetzen. Das ist angewandte Anatomie. Dieses ist das Fach, welches wir früher bei Dr. William Smith an der American School of Osteopathy in Kirksville, Missouri, studierten. Wenn jemand damals nicht im osteopathischen Sinne über die Physiologie nachdachte, war Dr. Still mit seinem hölzernen Stock oft da, um dafür zu sorgen, dass die Mitglieder der Fakultät regelmäßig den osteopathischen Standpunkt vertraten.
[Anm. d. am. Hrsg.:] In den Kursen, die auf Band aufgenommen wurden, hielt Dr. Sutherland zwei einzelne Vorlesungen über das Thema ‚Gesichtsmechanismus‘. Die beiden Vorträge überschneiden sich teilweise; hier sind jedoch beide einbezogen, um ein möglichst vollständiges Bild zu schaffen.
DER BEREICH DES OS ETHMOIDALE
Hinter dem Gesicht befindet sich eine kleine Sache, die eigentlich eine große Sache ist, nämlich das, was wir die Spina ethmoidalis auf der vorderen oberen Fläche des Corpus sphenoidalis nennen. Dieser kleine ‚Jigger‘ passt in eine Rinne in der Mitte der Rückseite der oberen Fläche des Os ethmoidale. Dieser Mechanismus wird durch das Os sphenoidale betrieben.
Sie wissen, dass das Os ethmoidale zu den Knochen der Schädelbasis gehört. Dieses Arrangement alleine verdeutlicht uns schon ein mechanisches Prinzip, das auf eine gelenkige Beweglichkeit der Schädelknochen hinweist, ganz zu schweigen von der Vielzahl anderer Gelenkflächen, die Ähnliches zeigen.
Wenn Sie die Lamina cribrosa des Os ethmoidale betrachten, bemerken Sie, dass sobald sich die Vorderseite des Körpers des Os sphenoidale nach unten bewegt, sich auch die Rückseite des Os ethmoidale nach unten bewegt. Die kleine Spina ethmoidalis verdeutlicht uns diesen Vorgang (Zeichnung I–5). Wenn sich diese Lamina hinten nach unten bewegt, geht es vorne nach oben. Was befindet sich auf dieser Lamina cribrosa? Die Bulbi olfactorii, die eine Verlängerung des Gehirns sind. Die Bezeichnung cribrosa bedeutet Sieb, und die Geruchsnerven kommen von der oberen Nasenschleimhaut durch dieses Sieb. Inwiefern trägt die schaukelnde Bewegung der Lamina cribrosa zur physiologischen Funktion dieser Strukturen bei?
Die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale artikuliert mit der Crista sphenoidalis auf der Vorderseite des Corpus sphenoidalis. Die Crista galli des Os ethmoidale ist die Verlängerung der Lamina perpendicularis nach oben. Dies ist der vordere obere Pol der Befestigung der Reziproken Spannungsmembran, jene Stelle, an der die Falx cerebri vorne fixiert ist. Wenn die Falx an der Crista galli zieht, senkt sich während der Inhalation das hintere Ende jener Lamina nach unten. Entsprechend hebt es sich während der Exhalation. Ohne diese Bewegung kann der Mechanismus in den Bulbi olfactorii – sie stellen ihrerseits einen eigenen Mechanismus dar – nicht normal funktionieren. Die Hirnhäute umhüllen die Bulbi olfactorii und umschließen sie mit einer Schicht von Zerebrospinaler Flüssigkeit. Wenn Sie jemanden niesen hören, sagen Sie ihm nicht, dass er sich erkältet hat. Er schützt vielmehr seine Nasenschleimhaut mit Liquor. Dieser Dienst ist eine der physiologischen Funktionen der Bulbi olfactorii.
Obwohl das Os ethmoidale zur Schädelbasis gehört, funktionieren seine Conchae innerhalb des Gesichtes. Die Conchae nasales sind bei Nebenhöhlenbeschwerden oft expandiert. Man könnte in einem solchen Fall sagen, dass sich die frontoethmoidalen Gelenke ebenso in Expansion befinden.
DIE REGION DER ORBITA UND DER NEBENHÖHLEN
Studieren Sie die verschiedenen Teile, aus denen sich die Orbita zusammensetzt. Sie sehen das Gelenk zwischen den Alae majores des Os sphenoidale und den Ossa zygomatica. Das ist ein weiterer wichtiger Mechanismus, den wir beachten müssen, wenn wir das Gesicht beobachten. Wenn ein kleines Kind einen Schlag auf den Proc. zygomaticus bekommt, behandeln Sie das bitte. Ansonsten könnte es zu einer pathologischen Situation am Auge kommen. Das Os zygomaticum wird häufig in einer Fehlstellung vorgefunden und da es seine Funktionen in der Mechanik der Orbita hat, kann eine Verletzung hier möglicherweise das Auge beeinträchtigen.
Denken Sie an das Weiter- und Engerwerden der Fissura pterygomaxillaris. Denken Sie auch an jene andere Fissur, die Fissura orbitalis superior, welche durch die Alae minores et majores des Os sphenoidale gebildet wird. Auch sie wird während Inhalation und Exhalation weiter und enger. Erinnern sie sich daran, was an ihnen befestigt ist: die Wände des Sinus cavernosus. Eine Restriktion des venösen Rückflusses jenes gut durchbluteten Organs, des Augapfels, könnte die Folge eines kleinen Schlags, einer kleinen traumatischen Krafteinwirkung auf das Os zygomaticum sein. Manche ernsthafte Augenerkrankungen waren Folge solcher Vorkommnisse.
Betrachten wir nun den Hohlraum im Körper der Maxilla. Hier sehen wir noch mehr funktionelle Anatomie des Gesichts. Da sich die Maxillen aus Bindegewebe entwickeln, sind die Wände der Sinus maxillares knöchernes Bindegewebe. Es gibt Conchae oder Muscheln an den Innenwänden der Nase, die sich einrollen und ausrollen. Die oberen und die mittleren Conchae gehören zum Os ethmoidale. Die Conchae sphenoidalis und die Conchae inferiores sind eigenständige Knochen. Das Nasennebenhöhlensystem besteht aus dem Hohlraum im Corpus sphenoidalis, den Stirnhöhlen, den Luftzellen im Os ethmoidale, den Sinus maxillares, dem Mittelohr und den pneumatischen Zellen des Proc. mastoideus. Es handelt sich in allen Fällen um luftgefüllte Hohlräume, die kontinuierlich mit Schleimhaut ausgekleidet sind. Anscheinend gibt es irgendeinen Prozess, durch welchen die Luft in diesem System während der Inhalation und Exhalation ausgetauscht wird, sonst kommt es zu einer Stauung der Luft. Mikroorganismen könnten sich dann ungehindert vermehren. Welcher Mechanismus kann einen solchen Prozess bewerkstelligen?
Betrachten Sie das Gelenk des Os zygomaticum mit der Maxilla. Es befindet sich genau an der Spitze des Proc. zygomaticus, an der Spitze die pyramidenförmigen Maxillen. Ein L-förmiger Bereich auf der Maxilla ist mit einem L-förmigen Bereich am Os zygomaticum gelenkig verbunden.
Das Os Zygomaticum funktioniert als eine interossale mechanische Vorrichtung zwischen Os sphenoidale und Maxilla und ebenso zwischen den Ossa temporalia und Maxilla.
Schauen Sie nun das Vomer an. Seine Wände, welche die Alae bilden, passen exakt über das Rostrum des Os sphenoidale. Von dort erstreckt es sich über die horizontalen Laminae der Ossa palatina und die Maxillen (das Dach des Mundes) und bildet einen Anteil des Septum nasi. Während der Inhalation bearbeiten die Ossa zygomatica und das Vomer den Sinus sphenoidalis und die Sinus maxillares ungefähr wie die Saugglocke eines Klempners. Diese Funktion sieht in meinen Augen wie ein Mechanismus zum Austausch von Luft aus.
DER AUGAPFEL
Kleine Dinge wie Ursprung und Ansatz der extrinsischen Muskeln des Augapfels werden Ihre Fähigkeiten als Osteopath herausfordern. Einer der Muskeln hat seinen Ursprung im Dach der Orbita, ein anderer an ihrem Boden. Die übrigen vier entspringen einer Manschette um das Foramen opticum, mit Ansatzstellen zwischen den Wurzeln der Alae minores et majores des Os sphenoidale. Nn. optici und Aa. ophthalmicae treten durch dieses Foramen in die Kegelspitze der Orbita ein. Die Nerven, welche diese vier Muskeln versorgen, nämlich der dritte und der VI. Hirnnerv, verlaufen durch die Fissura orbitalis superior.
Die Form dieser Fissur wechselt, wenn sich die Beziehung zwischen den Alae minores et majores des Os sphenoidale während der Inhalation und Exhalation verändert.
Wäre die Orbita ein Hohlraum mit festen knöchernen Wänden, wo könnte dann dem gesundem Menschenverstand nach eine Anpassung an die zirkulatorische Physiologie des Augapfels, eines vaskulären Organs, stattfinden? Sie sehen in den kegelförmigen Raum und bemerken diese zwei auffallenden Spalten – die Fissurae orbitalis superiores und inferiores. Fragen Sie sich, ob es dort nicht den Beweis für eine Einrichtung gibt, die mechanische Veränderungen aufgrund von Bewegung möglich macht.
Ich denke an einen Tag zurück, als ich von draußen auf dem Land mit den Worten angerufen wurde: „Unser Sohn hat eine spinale Meningitis.“ Man erzählte mir, der Hausarzt habe gesagt, er wäre sich in der Diagnose nicht sicher, da der Patient kein Fieber habe. Lediglich seine Augäpfel waren nach hinten oben verdreht. Man machte mich mit der Vorgeschichte vertraut: Eine dieser altmodischen Türen, die aus einer oben angebrachten Angel schwingen, war heruntergefallen und hatte den Jungen direkt oberhalb seiner Stirn getroffen. Ich stellte fest, dass das Os frontale beidseitig zurückgedrückt und auf die Alae minores et majores des Os sphenoidale getrieben worden war.
So entstand in diesem Bereich eine mechanische Blockierung. Es war eine kleine Sache in diesem zarten, komplizierten Mechanismus, die sich leicht korrigieren ließ. Die Augäpfel kehrten in ihre normale Position und zu ihrer normalen Beweglichkeit zurück. Es hört sich einfach an und ist es auch, wenn Sie gut verstehen, was durch diesen Schlag passiert ist. Um das Problem zu beseitigen, bediente ich mich jener Technik, die ich den ‚Kanthaken‘ nenne.46 Wenn Sie bei dieser Technik einen guten Kontakt mit dem Os frontale haben, vergewissern Sie sich, dass Sie zuerst das Os frontale nach oben und weg von sowohl dem großen wie auch kleinen Ala des Os sphenoidale anheben, bevor Sie ihn in seine Ursprungsposition bringen.
DIE BLUTVERSORGUNG
Es gibt beim Gesichtsmechanismus und seiner Beziehung zur Schädelbasis eine Menge zu bedenken. Frischen Sie Ihr Wissen über Anatomie in diesem Bereich auf. Achten Sie darauf, welche Nerven durch bestimmte Foramina und Kanäle verlaufen. Folgen Sie dem Verlauf der Nerven bis zur extrinsischen Augenmuskulatur und überlegen Sie, welchen Vorteil die Passage durch den Sinus cavernosus hat.
Beachten Sie, dass die A. carotis Wände wie alle Arterien besitzt und den Verlauf durch den Sinus cavernosus. Denken Sie an den Schutz der arteriellen Blutversorgung des Gehirns und den unterschiedlichen Verlauf im Vergleich mit dem venösen Blut auf seinem Weg aus dem Schädel.
Es wird behauptet, dass 95 Prozent des venösen Blutes den Schädel durch die Foramina jugulare verlassen. Jedes Foramen jugulare wird durch die Anatomie und die Artikulation zwischen Pars petrosa des Os temporale und Proc. basilaris des Os occipitale gebildet. Sie haben also ein Foramen vor sich, das mittels einer Gelenkverbindung zweier Knochen gebildet wird. Eine Luxation an dieser Stelle könnte den venösen Blutfluss aus dem gesamten Kopf einschränken. Auch die Plexi choroidei wären davon betroffen. Es liegt eine tiefe Bedeutung darin, dass ein Foramen von zwei Knochen gebildet wird.
Vergessen Sie auch nicht die Sinus petrosae, sowohl den oberen als auch den unteren. Überlegen Sie, in welcher Beziehung sie zum Sinus cavernosus stehen, dem venösen Hauptkanal der Augen. Eine Restriktion dieses Kanals irgendwo zwischen den Orbitae und den Foramina jugulare, könnte einen Zustand hervorrufen, der ein Glaukom in seiner Entstehung begünstigt. Denken Sie bei Ihrem nächsten Glaukom-Fall daran.
DER OROPHARYNX UND DIE TUBA AUDITIVA
Neulich fragte mich jemand wegen Stotterns. Ich erzählte daraufhin dem Arzt über meine Erfahrungen, die ich in einer Klinik für Stotternde gemacht habe. Dort gab es eine therapeutische Übung, bei der die Zunge eingerollt werden sollte, aber manche Menschen waren dazu nicht in der Lage. Nachdem ich das kleine Os palatinum so bearbeitet hatte, dass die Beziehung zwischen dem Ursprung und dem Ansatz des vorderen Stützpfeilers47 verändert wurde, bereitete es ihnen keine weiteren Schwierigkeiten, die Zunge einzurollen.
Unterhalb der Partes petrosae der Ossa temporalia und des Os sphenoidale gibt es zahlreiche anatomische Details, die man beachten muss. Der Ursprung der beiden folgenden kleinen Muskeln, M. levator veli palatini und M. tensor veli palatini, ist auf Knochen. Der Ansatz liegt im muskulären Gewebe des weichen Gaumens. Von diesem geht ein weiterer Muskel, der vordere Stützpfeiler, hin zur Zunge. Ein weiterer Muskel, der hintere Stützpfeiler,48 verläuft zum Pharynx. Überlegen Sie, wie ein Strainmuster auf den Ursprung und Ansatz jener Muskeln in Verbindung mit dem weichen Gaumen, dem Pharynx und den Tonsillen wirken könnte.
Denken Sie nun an die Anatomie unterhalb der sphenobasilaren Verbindung. Achten Sie besonders darauf, was passiert, wenn die sphenobasilare Verbindung sich in einer extremen Flexionsposition befindet und beide Ossa temporalia in starker Außenrotation stehen. Sie sehen, wie sämtliches Weichgewebe unter der Schädelbasis nun zusammengedrängt ist.
Sehen Sie auch das Bild, wie der Proc. basilaris des Os occipitale die Partes petrosae der Ossa temporalia trägt, wenn das Os occipitale auf seiner Anterior-posterior-Achse gedreht wird. Wenn es also auf einer Seite oben und auf der anderen unten steht. Erinnern Sie sich daran, dass, wann immer der Proc. basilaris des Os occipitale auf einer Seite hoch steht, die Pars petrosa auf derselben Seite in Innenrotation geht. Die Pars petrosa auf der tiefer liegenden Seite wird deutlich in Außenrotation stehen. Deshalb kann man aus der Position des Os temporale auf die Stellung des Proc. basilaris schließen. Die Tiefe dieses Bildes ist unermesslich, ob von außen oder innen.
Die Bildung des chondralen Anteils der Tuba auditiva findet am distalen Ende des knöchernen Bereichs statt. Sowohl der vordere Bereich der Pars petrosa des Os temporale als auch der hintere Bereich der Ala major des Os sphenoidale sind daran beteiligt. Deshalb ist die Beziehung von Os temporale und Os sphenoidale von mechanischer Bedeutung. Der bindegewebige Bereich der Tuba auditiva befindet sich in der Wand des Pharynx und endet in der Fossa von Rosenmüller. Die Öffnung ist gerade oberhalb des weichen Gaumens.
Wenn die Pars petrosa des Os temporale nach außen rotiert, folgt die Tuba auditiva und ihr Eingang öffnet sich. Dementsprechend können wir feststellen, dass er sich schließt, sobald die Pars petrosa nach innen rotiert. Verstehen Sie, dass das Mittelohr ein luftgefüllter Sinus ist. Wenn die Pars petrosa entgegen der Norm in Außenrotation gehalten und der Ausgang der Ohrtrompete so offengehalten wird, können Sie das Rauschen hören. Sie können es möglicherweise ebenso wie der Patient hören. Andererseits, wenn sie nur teilweise, wie eine Flöte, verdreht wird, kann es zu einem pfeifenden Ton kommen.
Wird die Pars petrosa in Innenrotation und somit die Öffnung der Tuba auditiva geschlossen gehalten, beklagt sich der Patient über ein Gefühl, als hätte er Watte in den Ohren. Schwimmer und Taucher kommen oft mit solchen Beschwerden zu Ihnen. Sie können sich als Osteopath auf Probleme des Auges, des Ohres, der Nase und des Pharynx spezialisieren, wenn Sie die Funktion der Pars petrosa des Os temporale verstehen.
Beim Treffen der International Society of Sacro-Iliac Technicians wurde ich gebeten, einen jungen Mann zu behandeln, der im Dunkeln von einem Brett ins Wasser gesprungen war, das nicht so tief war, wie er es erwartet hatte. Er war gegen etwas gestoßen. Seine Hauptbeschwerde war das Gefühl, Watte im Ohr zu haben. Meine Behandlungsdemonstration vor der Gruppe verlief erfolgreich. Der Pars petrosa des Os temporale, der die Öffnung der Tuba auditiva verschlossen hielt, wurde korrigiert und diese Entspannung hatte zur Folge, dass das seltsame Gefühl in seinem Ohr verschwand.
Um im Sinne von Dr. Still osteopathisch zu denken, gehört die vollständige Betrachtung und Untersuchung des gesamten Körpers dazu. Dies schließt den Ursprung und Ansatz von Muskeln, weichen Geweben und Faszien ein, nicht nur die Knochen. Dr. Still erklärte, dass er seine Denkweise ‚Osteopathie‘ nannte, weil man mit den Knochen beginnt. Wenn Sie an die Faszien denken, betrachten Sie sie von allen Gesichtspunkten: innen, außen, an beiden Enden der Knochen, Muskeln oder jede andere Struktur. Denken Sie daran, dass zur Kunst des Wissens nicht nur die Faszien gehören, sondern auch, welche Resultate ein Zug auf die Faszien hat. Können Sie erkennen, dass in bestimmten Positionen der Partes petrosae der Ossa temporalia Muskelgewebe zusammengedrängt wird?
DER N. FACIALIS
Lassen Sie mich vom N. facialis erzählen. Wo beginnt er? Wo befindet sich sein Nucleus? Welchen Verlauf nimmt er? Wo führt er hin? Haben Sie ihn je durch die Ossa temporalia behandelt? Können Sie sich an seine Verbindungen mit anderen Nerven erinnern? Sie wissen, dass er die mimische Muskulatur im Gesicht versorgt.
Im Falle einer Facialisparese wissen Sie, dass der siebte Nerv seine Aufgabe nicht erfüllt oder so gereizt ist, dass dies zu einem Krampf führt. Das Entrapment-Syndrom erklärt beide Probleme. Lassen Sie uns die Osteopathie im Sinne von Dr. Still studieren, und konzentrieren wir uns dabei nun auf den N. facialis.
Der N. facialis ist efferent von seinem motorischen Nucleus in der Pons. Die Fasern verlaufen lateral und verlassen das Gehirn medial vom Ganglion acusticus. Von dort aus führen sie kaudal weiter und verlieren sich im Gewebe des Hyoidbogens. Die sensorischen Fasern des N. facialis entstammen den Zellen des Ganglion geniculatum.
Der N. facialis versorgt Abkömmlinge des zweiten Kiemenbogens. Bei Säugetieren handelt es sich dabei um jene Muskeln, die Haut und Knorpel der Augenlider, Nasenflügel, Mund und Ohren bewegen. Der M. stylohyoideus, der hintere Bauch des M. digastricus, und die Mm. stapedii des Mittelohres werden ebenfalls vom N. facialis versorgt. Im inneren Gehörgang begleitet der N. acusticus den N. facialis. Wo die beiden sich trennen, macht der N. facialis innerhalb des Os temporale einen scharfen Knick nach hinten, um in den Kanal des Nervus facialis einzutreten, der bogenförmig über dem superioren und dorsalen Aspekt des Mittelohres verläuft. Er verlässt das Os temporale an dessen Unterseite durch das Foramen stylomastoideus.
Innerhalb des Kanals des Nervus facialis gibt es eine winzige Abzweigung zum M. stapedius, welcher das ovale Fenster des Mittelohrs zur Anpassung an laute Geräusche anspannt. Der Hauptnerv beschreibt eine Kurve vorwärts und lateral über den Unterkiefer in der Substanz der Glandula parotis. Er verzweigt sich dort, um den M. frontalis, M. buccinator und jene Muskeln, die sich um Auge, Nasenflügel und Mund herum befinden, zu versorgen. Er kann verletzt werden, was zu einer Facialisparese führt. In einem solchen Fall hängt der Mundwinkel nach unten, die Nasenlippenfurche glättet sich und die Lidspalte erweitert sich. Ein Gesichtskrampf ist das Gegenstück zur Facialisparese und kann als Resultat einer Reizung des N. facialis irgendwo in seinem Verlauf entstehen. Er beginnt mit ungewolltem Zwinkern und dehnt sich auf andere Muskeln aus, wobei es zu einem charakteristischen schnellen Zucken kommt.
DER N. TRIGEMINUS
An Vorderseite der Spitze der Partes petrosae der Ossa temporalia liegt in einer kleinen Vertiefung das wichtige Ganglion trigeminale. Ich nenne das Ganglion trigeminale ein ‚Rolypoly‘, weil es in die eine und dann die andere Richtung gerollt wird, wenn die Pars petrosa sich während der Inhalation und Exhalation in Außen- und Innenrotation dreht. Es gehört zum V. Hirnnerv und entspricht dem dorsalen Spinalganglion eines Spinalnervs.
Der V. Hirnnerv wird N. trigeminus genannt, da er drei Äste besitzt. Alle Äste schließen sensorische Nerven für allgemeine Empfindungen von Gesicht, Kopfhaut und den Schleimhäuten der oralen und nasalen Pharynx ein. Der die Kaumuskulatur versorgende motorische Anteil verläuft mit dem N. mandibularis nach unten durch das Foramen ovale.
Eine Restriktion der Innen- und Außenrotation der Partes petrosae des Os temporale hat zahlreiche Probleme zur Folge, welche sich im Gesicht zeigen.
Betrachten Sie die Zirkumrotation des Os sphenoidale. Das Promontorium bewegt sich weder vor noch zurück. Das Ganze entspricht einem aufgehängten Rad (Zeichnung I–2). Folgen Sie dem Umfang des Rades und betrachten Sie die verschiedenen Punkte darauf als Speichen. Es wird Ihnen bei Ihrer Arbeit helfen, den Punkt der Dysfunktion zu visualisieren, wenn Sie an die Stellung eines jeden Teils des Rades denken. Betrachten Sie die Höhenunterschiede zwischen Sella turcica, Spina ethmoidalis, Alae minores, den Spitzen der Alae majores, den Wurzeln der Procc. pterygoidei, Rostrum, und der Spina angularis auf der Unterseite der Alae majores. Erinnern Sie sich daran, dass in der Wissenschaft der Osteopathie die kleinen Dinge große Dinge sind.
Eines jener kleinen Dinge am kleinen Os palatinum ist seine orbitale Oberfläche. Es ist eine kleine, dreieckige, glatte Fläche, die ganz hinten im Boden der Orbita heraussteht.
Man beginnt sich zu fragen, wozu sie eigentlich da ist. Denken Sie sich zurück, entlang des N. maxillaris bis hin zum Ganglion trigeminale. Wenn Sie dem mittleren Ast des V. Hirnnervs geradewegs hinaus durch das im Os sphenoidale gelegene Foramen rotundum folgen, werden Sie feststellen, dass er genau um jene glatte Oberfläche auf dem Proc. orbitalis des Os palatinum herum verläuft.
Als N. infraorbitalis tritt er anschließend in eine Rinne der Maxillen ein, um an der Vorderseite der Maxillen durch das Foramen infraorbitalis auszutreten.
Beachten Sie den Verlauf dieses Nervs von der Spitze des vorderen Aspektes der Pars petrosa des Os temporale bis zum Foramen rotundum, von dort weiter bis zum Proc. orbitalis des Os palatinum, in den Körper der Maxilla hinein und hindurch – vier Knochen sind hintereinander aufgereiht in Aktion, wobei sich jeder einzelne auf seine ihm eigene Art bewegt. Betrachten Sie dann die Fissura sphenomaxillaris, die durch das Os sphenoidale, das Os palatinum und die Maxilla gebildet wird. Hier findet sich kein Gelenk, lediglich ein Raum, der sich mit der Bewegung der Knochen ändert. Sie erkennen, dass dieser aus dem Os sphenoidale austretende Nerv die Fossa kreuzt, jene kleine Oberfläche auf dem Os palatinum umfährt, um dann an der Rinne in die Maxilla einzutreten. Wenn wir Ihnen nun von der Mobilität der Orbitae berichten, von einer Erweiterung und Verengung während der Inhalation und Exhalation: Was, denken Sie, hat das für eine Wirkung auf diesen Nerv?
Ohne diese kleine Vorrichtung, den Proc. orbitalis des Os palatinum, gäbe es eine Spannung mit einer erschöpfenden Wirkung auf den N. maxillaris. Haben Sie sich schon einmal die Funktionsweise einer Dreschmaschine angesehen, wie dort ein Band läuft und ein kleiner Spannungsregulator dieses Band begleitet? Der kleine Proc. orbitalis des Os palatinum dient als Spannungsregulator, der verhindert, dass der Nerv durch Inhalation und Exhalation allmählich zerstört wird.
DAS OS PALATINUM
Ein weiteres kleines Ding in der funktionellen Anatomie des Gesichts ist das kleine Os palatinum. Dieser empfindliche kleine Knochen ist ein Mediator zwischen Os sphenoidale und Maxilla. Auf der Rückseite des senkrechten Teils befinden sich zwei Furchen, die eigenartig konkav geformt sind.
Eine ist medial, die andere lateral. Der Proc. pyramidalis der Ossa palatina passt genau zwischen die Laminae pterygoideae des Os sphenoidale. Seine Funktion kann man mit dem ‚Herzstück‘ einer Weiche bei der Eisenbahn vergleichen, das bei einem Umstellen der Weiche die Ausrichtung der Schiene ermöglicht.
Die Mechanik der Bewegung zwischen den konvexen Enden der Procc. pterygoidei und den konkaven Furchen auf der Rückseite der Ossa palatina ist vergleichbar mit dem Schiffchen einer Nähmaschine, das vor und zurück gleitet.
Die beiden Furchen auf der Rückseite des Os palatinum machen nicht den gesamten Mechanismus aus. Der gesamte Mechanismus ähnelt dem einer Nähmaschine. In der Mechanik einer Nähmaschine gibt es eine kleine Art Schiffchen, die Spulenkapsel, welche in einer Konkavität verläuft und dabei vor und zurück gleitet. Die Procc. pterygoidei verhalten sich in den konkaven Furchen auf den Ossa palatina wie diese Schiffchen. Beide Procc. pterygoidei hängen vom Corpus des Os sphenoidale herunter. Jeder besitzt eine mediale und laterale Lamina. Ihre Enden sind glatt und passen in die medialen und lateralen Furchen der Ossa palatina. Die Enden konvergieren anterior und divergieren posterior.
Die empfindliche kleine Gleitbewegung zwischen den Enden der Laminae pterygoideae auf dem Os sphenoidale und den Furchen auf dem Os palatinum ist eines der großen Dinge in der osteopathischen Wissenschaft. Es ist eines der wichtigen mechanischen Prinzipien, die Sie verstehen müssen. Es muss zu Ihrem Wissen über den kranialen Mechanismus dazugehören.

ZEICHNUNG I–9: DIE HINTERE GELENKFLÄCHE DER OSSA PALATINA UND IHRE BEZIEHUNG ZU DEN PROCC. PTERYGOIDEI
Es werden die Furchen posterior auf dem Os palatinum gezeigt, in denen die Laminae pterygoideae gleiten. Beachten Sie den Proc. orbitalis des Os palatinum.
Wenn Sie den menschlichen Kopf in seiner Gesamtheit anschauen, sehen Sie, dass er anterior konvergiert und posterior divergiert. Denken Sie an all die kleinen Stellen im Kopf, an denen dieses mechanische Prinzip im Entwurf zur Wirkung kommt. Von den Facetten der Gelenke auf dem Atlas und den Kondylen des Os occipitale bis hin zu den Alae majores des Os sphenoidale, von der Incisura ethmoidalis in den Ossa frontalia bis zur Mandibula sind anteriore Konvergenz und posteriore Divergenz deutlich sichtbar. Bedenken Sie die strukturellen und mechanischen Vorteile dieses Entwurfs in Hinsicht auf Stabilität und Mobilität.
***
Als Nächstes möchte ich, dass Sie mich zum Bereich des kleinen Os palatinum begleiten. Es befindet sich unterhalb der Fossa nasalis, in einer Linie mit dem Dach des Mundes. Auf der Rückseite des senkrechten Teils sehen Sie zwei kleine Rinnen oder Furchen, die dem mechanischen Prinzip der Konvergenz nach vorne und Divergenz nach hinten folgen. Es gibt zwei Ossa palatina und jedes von ihnen besitzt doppelte Furchen. Stellen Sie sich einen Lastwagen mit Doppelbereifung vor. Wenn er auf einer schlammigen Straße fährt, hinterlassen die zwei Reifen auf ihrem Weg ähnliche Furchen.
Wenn Sie nun rückwärtsfahren wollten, bewegen sich die Räder in diesen Furchen zurück. Ein Reifen befindet sich in der einen Rille und der andere in der anderen. Innerhalb dieser Furchen können die Räder rotieren.
Sie sehen nun die Enden der medialen und lateralen Procc. pterygoidei des Os sphenoidale. Hier gibt es einen Knochen, der zwei Procc. pterygoidei besitzt, und jeder hat wiederum zwei Laminae. Diese Procc. pterygoidei konvergieren vorne und divergieren hinten.
Sie sind wie die Reifen auf den Rädern jenes Lastwagens. Der Mechanismus des Os palatinum ist dort, wo die Enden der Procc. pterygoidei sich in den Furchen auf der Rückseite der kleinen Ossa palatina bewegen. Dieses Os palatinum artikuliert mit der Maxilla auf jeder Seite des Gesichts.
Wenn das Os sphenoidale zirkumrotiert, können Sie die Procc. pterygoidei als Speichen des sphenoidalen Rades sehen. Dreht sich das Rad in eine andere Position, machen sie mit den kleinen Ossa palatina das Gleiche, was die Alae majores mit dem Os ethmoidale und den Ossa frontalia tun: die Bewegung des Os sphenoidale lässt sie weiter werden. Wenn die Procc. pterygoidei in den Furchen auf den Ossa palatina reiten, drehen sie diese nach außen in Außenrotation. Die Ossa palatina drehen ihrerseits die Maxillen, die vom Os frontale herabhängen, in Außenrotation.
Dreht das Os sphenoidale um sich selbst in Extension, fahren die Procc. pterygoidei in den Furchen der Ossa palatina zurück und ziehen die Ossa palatina und die Maxillen in Innenrotation. Können Sie sich das bildlich vorstellen? Erkennen Sie den Mechanismus? Es ist ein Mechanismus, der häufig auf mechanische Weise gebremst wird.
Wenn Sie den Mechanismus des Os palatinum unten stören, beeinträchtigen Sie damit auch den Mechanismus im oberen Bereich. Andere Zusammenhänge werden dann gestört, am häufigsten die physiologische Funktion des Ganglion sphenopalatinum. Am wahrscheinlichsten ist eine Störung an jener Stelle, an welcher der N. maxillaris um den kleinen Proc. orbitalis des Os palatinum hinten in der Orbita verläuft. So sieht es aus, wenn Sie einige der mechanischen Strainmuster im Mechanismus der Gesichtsknochen angehen.
Ich habe die Behauptung aufgestellt, dass Sie eine erfolgreiche Fachpraxis eröffnen können, wenn Sie nichts anderes tun, als Beeinträchtigungen des Os palatinum zu diagnostizieren und angemessen zu behandeln. Ist Ihnen nun klar, wieso es sich so verhält? Sie als Mechaniker in der Kunst, diesen Mechanismus zu kennen und das Wissen mithilfe des Gesetzes der Arterien und der Nährstoffversorgung auch technisch umzusetzen, könnten das Ganglion sphenopalatinum beeinflussen.
Die meisten Infektionen gelangen in das System, indem sie in den materiellen Atemapparat eindringen. Dazu gehören der Hals, der Larynx und so weiter. Was ist an diesen kleinen Ossa palatina anderes befestigt, als das, was wir den weichen Gaumen, ein muskuläres Gewebe, nennen? Von dort ausgehend haben wir ein muskuläres Gewebe, das sich bis zu den Stützpfeilern erstreckt, welche die Tonsillen umgeben; jene kleinen Unruhestifter, die voller Infektionen sein können.
Der vordere Stützpfeiler erstreckt sich bis zur Zunge und der hintere Stützpfeiler erstreckt sich bis zum Pharynx – muskuläres Gewebe. In eben diesen weichen Gaumen treten auch die Mm. levator veli palatini und die Mm. tensor veli palatini ein, Muskeln, die an und unterhalb der chondralen Bereiche der Tubae auditivae entspringen. Mit anderen Worten: direkt an und unterhalb der Partes petrosae des Os temporale und den Alae majores des Os sphenoidale. Sie wissen, dass Ursprung und Ansatz von Muskeln durch Distorsion positionell verändert sein können. Dieses spezielle Problem tritt zum Beispiel bei einem Armbruch auf. Was bedeutet es für die Funktion dieses Mechanismus, wenn die damit verbundenen Muskeln in ihrem Ursprung und ihrem Ansatz beeinträchtigt sind?
Sehen Sie sich die Situation bei einer Tonsillitis an, nachdem sich die Infektion dort eingenistet hat. Dies kann bei einer Grippe, dem Beginn einer Pneumonie oder irgendeinem akuten Infekt der Atemwege der Fall sein, sobald sich die kleinen ‚Bazillen‘ vermehren. Erfassen Sie das mechanische Prinzip der Lage der Tonsilla, die zwischen diesem muskulären Gewebe der beiden Stützbögen liegt. Das ist der Moment, in dem Sie Ihre Kunst des Wissens auf jenes kleine Os palatinum anwenden und sehen, wie der Mechanismus den Prozess aufhalten und die kleinen Bazillen in diesem Gebiet loswerden kann. Ich möchte, dass Sie das ausprobieren. Ich spreche aus Erfahrung. Dies ist nicht einfach nur so eine Behauptung, die ich ohne Grund aufstelle.
DAS GANGLION SPHENOPALATINUM
Der mittlere Ast des N. trigeminus, der N. maxillaris, verlässt das Innere des Schädels durch das Foramen rotundum. Nach seinem Durchtritt überquert er die Fossa pterygopalatina oben. Während er sie überkreuzt, gibt er zwei Wurzeln nach unten ab, an denen das Ganglion sphenopalatinum in besagter Fossa hängt. Im Anschluss daran verläuft er auf der Rückseite des Orbitabodens um den Proc. orbitalis des Os palatinum. Dann tritt er in den Sulcus infraorbitalis ein und wird zum N. infraorbitalis. Die beiden Wurzeln, von denen das Ganglion sphenopalatinum in der Fossa pterygopalatinum hängt, hängen wie jene Kabel, an denen die großen Ampeln an Straßenkreuzungen befestigt sind. Wie diese Verkehrsampel kann auch das Ganglion im Raum vor und zurück schwingen.
Vom Ganglion haben wir Abzweigungen zur Schleimhaut, die das gesamte obere Atemsystem auskleidet, inklusive der Öffnung der Tuba auditiva, der Tonsillen und weiterer Bereiche.
Nehmen wir an, Sie bekommen einen Schlag auf die Ossa frontalia oder auf die Ossa zygomatica: sehen Sie, wie ein solcher Schlag das kleine Os palatinum zurück auf das Ganglion sphenopalatinum drückt und es ebenso beeinflusst, wie ein Kontakt mit dem unpaarigen Ganglion, dem Ganglion coccycealis, die Funktionen stimuliert. Versuchen Sie ein kleines Experiment an sich selbst. Platzieren Sie einen Zeigefinger innen an Ihrer Wange und führen Sie ihn um den Körper der Maxilla, um die laterale Lamina pterygoidea zu berühren. Lassen Sie dann Ihren Kopf hinunter auf Ihre Fingerspitze sinken. Dies bringt Ihren Berührungspunkt nahe an die Wurzel des Proc. pterygoideus. Lassen Sie Ihren Kopf so verweilen, während Ihre Atmung für Bewegung sorgt. Beachten Sie die prompte Reaktion, besonders der Gll. lacrimales, auf diese Stimulation. Ich nenne diese reichliche Versorgung mit Tränen ‚Zwiebeltränen‘, weil sie die Reaktion auf eine Irritation sind.
Diese Reaktion auf eine experimentelle mechanische Stimulation zeigt uns die Auswirkung eines Traumas auf das Ganglion sphenopalatinum. Es handelt sich dabei auch um einen Effekt, den man in der Praxis nutzen kann.
Sie verstehen, dass das Kraniale Konzept nichts Außergewöhnliches ist. Es wirkt gemäß der osteopathischen Wissenschaft zum Nutzen Ihrer Patienten. Wenn Sie die mechanischen Probleme im Gesichtsmechanismus beherrschen, können Sie damit wunderbare Arbeit leisten.
Fehlstellungen der Maxilla können bei Beschwerden der Nase, den Bereichen hinter der Nase und des Pharynx als ätiologische Faktoren angesehen werden. Der Proc. frontalis kann so gedreht sein, dass die oberen und mittleren Conchae des Os ethmoidale sowie die unteren Conchae zusammengedrängt werden. Eine solche Fehlstellung verengt die Fissura sphenomaxillaris in der Orbita. In Extremfällen wird das Os palatinum bedrängt und so die Funktion des Ganglion pterygopalatinum gestört.

ZEICHNUNG I–10 (A): SEITENANSICHT DES GANGLION SPHENOPALATINUM (PTERYGOPALATINUM)
Die Zeichnung zeigt, wie das Ganglion innerhalb der Fossa pterygopalatina vom N. maxillaris hängt.

ZEICHNUNG I–10 (B): MEDIALE ANSICHT DES GANGLION SPHENOPALATINUM (PTERYGOPALATINUM)
Gezeigt wird seine Beziehung zu den knöchernen Orientierungspunkten und seine Innervation von Strukturen im oralen und nasalen Pharynx. Beachten Sie den Ast, der absteigt, um zur Innervation der Gl. lacrimalis beizutragen.
Die Ossa palatina sind gewöhnlich bei einem Trauma der Maxilla betroffen. Sie bilden zudem einen Anteil der Gelenkbereiche der Orbita und müssen demzufolge auch bei Augenbeschwerden beachtet werden.
In Extremfällen wird das Os palatinum bedrängt und so die Funktion des Ganglion pterygopalatinum gestört.
Die Gaumenbeine sind gewöhnlich bei einem Trauma der Maxilla betroffen. Sie bilden zudem einen Anteil der Gelenkbereiche der Orbita und müssen demzufolge auch bei Augenbeschwerden beachtet werden.
Das Ganglion pterygopalatinum ist eines jener kleinen Dinge im Mechanismus des Gesichtes. Zwischen dem kleinen Os palatinum und dem Corpus des Os sphenoidale liegend hängt es wie die Verkehrsampeln an einer Kreuzung von zwei Kabeln herunter. Sie sehen es in der Fossa pterygopalatinum vor und zurück schwingen. Vergleichen Sie dieses Schwingen, das Schaukeln der Bulbi olfactorii und die rollende Bewegung des Ganglion trigeminale miteinander. Erkennen Sie die Unterschiede in den Bewegungen? Denken Sie an das Wesentliche all dessen, was diese kleinen Dinge uns zeigen: Motilität.
Dies ist der Punkt, den ich herausarbeiten möchte. Alles ist in Bewegung. Die Lamina cribrosa des Os ethmoidale schaukelt die Bulbi olfactorii und die Rotation der Partes petrosae der Ossa temporalia rollt die Ganglia trigeminale. Die Beziehung zwischen dem Os sphenoidale und den Ossa palatina erlaubt es den Ganglia pterygopalatini zu schwingen. Diese Ganglia sind Relaystationen der Nn. petrosi majores. Sie verbinden sich mit vasomotorischen und sensorischen Wurzeln, und, was am wichtigsten ist, sie versorgen die Schleimhaut des oberen Atemapparates mit Nährstoffen.
Sie können einen Kontakt herstellen, der das Ganglion pterygopalatinum beeinflusst.49 Sie können einen Finger nahe an die Wurzel der Laminae pterygoideae bringen und den Patienten bitten, seinen Kopf auf ihren Finger sinken zu lassen. Die Wirksamkeit des Einflusses zeigt sich durch erhöhten Tränenfluss von der Gl. lacrimalis. Die Sekretion der Gl. lacrimalis ist eines der besten Antiseptika oder Reinigungsmittel für die Augen. Außerdem ernährt sie die Augen. Diese reichliche Sekretion ist beinahe ebenso stark wie jenes Tränenfließen, welches beim Zwiebelschälen vorkommt. Deshalb nenne ich diese Reaktion auch ‚Zwiebeltränen‘.
Stellen Sie sich bildlich vor, was geschieht, wenn Sie diese Reaktion bekommen. Ausläufer des Ganglion laufen hinaus in die Conchae nasales und hinunter zum Pharynx. Das Ausmaß des Einflusses jenes kleinen Ganglion pterygopalatinum wird Ihnen mehr und mehr bewusst, wenn Sie über funktionelle Physiologie nachdenken, jenes Fach, auf das Dr. Still so großen Wert legte.
Denken Sie noch einmal über die Situation nach, wenn sich die Maxillen in einer Fehlstellung befinden, dadurch auf das kleine Os palatinum drücken und jenen Raum, in dem das kleine Ganglion sitzt, verkleinern. Ein solcher Druck kann etwas Stärkeres bewirken als der leichte Druck ihres Fingers, der es nicht einmal richtig berührt. Ein solcher Druck kann die normale physiologische Funktion (des Ganglion) verändern.
Betrachten Sie die Sache aus einem anderen Blickwinkel und stellen Sie sich das Corpus des Os sphenoidale bildlich vor. Es könnte eine Fehlstellung mit einer Kompression nach vorn vorliegen, in Richtung der Fossa, in der das kleine Ganglion liegt. Je länger Sie diesen Mechanismus studieren, umso zahlreicher werden die Einflüsse und Möglichkeiten, die mit jenem Ganglion pterygopalatinum verbunden sind. Angewandte Physiologie ist ein lebendiger Teil meines Berufslebens. Die Tiefe all dieser kleinen Dinge, wie sie in der Wissenschaft der Osteopathie gesehen werden, führt zur Erkenntnis von Möglichkeiten, die so großartig sind wie der unendliche Himmel.
ÜBERLEGUNGEN ZUR BEHANDLUNG
Behandlung des Os palatinum
Die Kunst, diese Behandlungsmethode beim Ganglion sphenopalatinum anzuwenden, entspricht der Kunstfertigkeit eines Uhrmachers, der eine kleine Damenuhr zu reparieren hat, im Vergleich zu den Fähigkeiten eines Mechanikers, der Autos repariert.
Es handelt sich um ein kleines Ding, das mit Fingerspitzengefühl behandelt werden muss, nicht mit einer entschiedenen Manipulation. In der Kunst Ihres Wissens um den Mechanismus benutzen Sie einen so leichten, sanften Kontakt, wie Sie ihn beobachten können, wenn ein Vogel auf einem Zweig landet, ohne die Rinde zu verletzen.
Dann erlauben Sie den Kräften der Natur, eine Korrektur durchzuführen. Verstehen Sie? Wie viele aus der Profession der Osteopathen sind sich dessen wirklich bewusst?
Warum habe ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Divergenz jener kleinen Furchen gelenkt, die mit den Enden der Procc. pterygoidei artikulieren und die gleichermaßen nach hinten divergieren und nach vorne konvergieren? Als Uhrmacher müssen Sie dieses mechanische Prinzip berücksichtigen.
Wenn Sie die Spur nehmen, in der ein Lastwagen fährt und diese Spur ist am Ende schief, hätten Sie Schwierigkeiten, durch diese Spur zu kommen. Das ist das Prinzip. Betrachten Sie die mechanische Situation, wenn diese Furche entweder in Außen- oder Innenrotation gedreht wird. Sie sehen die Störung im Bewegungsablauf der Procc. pterygoidei oder der Lastwagenräder, die in der Spur laufen sollen.
Als Nächstes müssen Sie verstehen, wie man das besagte Os palatinum in die richtige Richtung drehen kann, sodass es mit den Procc. pterygoidei übereinstimmt. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass sie posterior divergieren. Demnach müssen Sie sich bemühen, den hinteren Rand des Os palatinum lateral zu drehen, um es an die Divergenz der Procc. pterygoidei anzupassen. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Wenn Sie das Os palatinum medial drehen, induzieren Sie es in die falsche Richtung. Sie könnten die Bewegung des Proc. pterygoideus in der Furche blockieren und somit die Bewegung des Os sphenoidale.
Ich möchte, dass Sie die Kunst, die osteopathische Kunst, anwenden, um das Problem des kleinen Os palatinum in seiner Beziehung zum Proc. pterygoideus des Os sphenoidale zu lösen. Ich möchte, dass Sie nachdenken und so lange üben, bis Sie die Kunst beherrschen, die mechanischen Probleme der Ossa palatina zu lösen. Es wird Ihnen viel Arbeit ersparen und Ihren Patienten nutzen. Als Erstes werden Sie bemerken, dass Patienten von nah und fern kommen.
Ich möchte Ihnen nun ein paar Anleitungen für die meines Erachtens korrekte Behandlungsmethode zur Behebung einer Fehlstellung des Os palatinum geben:
1. Als Erstes nehmen Sie einen Schädel und betrachten die Unterseite, um sich die Verbindung des Os palatinum mit der Maxilla und mit den Enden des Proc. pterygoideus des Os sphenoidale vor Augen zu führen (Zeichnung I–11).
2. Zweitens untersuchen Sie das Os palatinum von allen Seiten, vor allem die schmale Kurve auf der hinteren Oberfläche der waagerechten Platte. Unsichtbar dahinter verlaufen jene doppelten Furchen, die posterior in seitlicher Richtung divergieren. Diese Richtung entspricht dem Verlauf der Procc. pterygoidei.
3. Drittens benötigen Sie eine sanfte Behandlungsmethode, die es ermöglicht, das Os palatinum nach lateral zu drehen: nicht rückwärts, vorwärts oder aufwärts, sondern lateral. Das muss so sein, damit die Kufe und die Rille in der Furche aufeinanderpassen. Die Furche auf der Rückseite des Os palatinum passt genau zu den Enden der Procc. pterygoidei, die darin hin und her laufen, wie ein Schiffchen.
4. Wenn Sie das Os palatinum lateral drehen, drehen Sie es in die gleiche Richtung, in welcher der Proc. pterygoideus hängt. Das Os sphenoidale ist ein einziger Knochen. Beim Os palatinum haben wir jedoch zwei Knochen, einen auf jeder Seite.
So drehen Sie die Rille, nicht den Proc. pterygoideus, um eine glatte gelenkige Beweglichkeit zu haben. Wie werden Sie das tun?
Wenn Sie sich die Unterseite des Schädels an der Rückseite der Choanen anschauen, sehen Sie etwas herunterhängen. Das ist der Hamulus an der Lamina medialis des Proc. pterygoideus. Seien Sie vorsichtig.
Gehen Sie dort nicht hinein. Es gab einen Vorfall, bei dem jemand ihn abbrach. Er ist jedoch ein Hinweis. Sie brauchen nun nicht in den Mund zu sehen. Wenn Sie auf der Seite des Patienten stehen, an der Sie gerade arbeiten, nehmen Sie Ihren Zeigefinger und führen Sie ihn auf der Kaufläche der oberen Zähne so weit entlang, bis Ihr Finger auf den Hamulus trifft, den Führer, der Ihnen zeigt, dass Sie weit genug gegangen sind.
Den Patienten macht es im Allgemeinen nichts aus, wenn Sie sie an der Kaufläche der Zähne berühren. Alles, was Sie als Nächstes tun müssen, ist, Ihren Finger auf dem Fulkrum der Zähne zu drehen und die Fingerspitze an die hintere Begrenzung der Lamina horizontalis des Os palatinum, an die Kurve, sinken zu lassen. Dies ist ein praktischer Kontakt für Ihre Fingerspitze.

ZEICHNUNG I–11: ANSICHT DES SCHÄDELS MIT DER SUTURA PALATOMAXILLARIS
Beachten Sie die Lage des Hamulus auf der Lamina pterygoidea medialis.
Der weiche Gaumen beginnt an dieser Kurve. Wenn Ihr Finger dort hingesunken ist, haben Sie das Weichgewebe etwas zusammengefaltet, sodass Sie etwas oberhalb des Bogens sind. Jetzt drehen Sie Ihren Finger herum, indem Sie das Fulkrum benutzen, um den Bogen zu erreichen. Nun müssen Sie lediglich Ihren Finger so drehen, dass er das Os palatinum lateral dreht.
Wenn Sie Ihren Mechanismus verstehen, brauchen Sie nicht in den Mund zu sehen, denn Sie wissen genau, wo Sie sich befinden und was Sie zu tun beabsichtigen. Während Sie Ihren Zeigefinger auf den Zähnen entlangführen, bleibt der proximale Anteil Ihres Fingers auf den Zähnen, um als Fulkrum zu dienen. Besitzt der Patient keine Zähne mehr, können Sie den Finger auch auf dem Zahnfleisch entlangführen.
Benutzen Sie das Fulkrum, das durch Ihren auf den Zähnen balancierten Zeigefinger entsteht. Sobald Sie Ihren Finger auf dem Fulkrum drehen, lassen Sie ihn über diesen Bogen auf den hinteren Rand des Gaumens sinken.
Sie können den Bogen fühlen. Ebenso können Sie den Strain in den Nebenhöhlen fühlen und auch die Veränderung, die durch diese Art von Strain entstanden ist. Alles, was Sie nun tun müssen, ist, Ihren Finger drehen.
Schieben Sie nichts, manipulieren Sie nichts – das ist nicht die Wissenschaft. Drehen Sie Ihren Finger nur ganz und Sie werden wissen, wann sich der Knochen lateral dreht.
Sie werden auch wissen, wann und ob Sie Ihren Finger in die falsche Richtung gedreht haben. Sie sind erfahrene Behandler in dieser Kunst und Sie werden wissen, wie Sie diesen Knochen durch die Drehung Ihres Fingers seitlich drehen können. Es spielt keine Rolle, ob die Dysfunktion sich in Innen- oder Außenrotation zeigt; Sie müssen den Knochen lediglich lateral drehen, um ihn an die Divergenz nach posterior des Proc. pterygoideus anzupassen. Das ist der springende Punkt. Sie können dazu Atemkooperation oder die Tide zu Hilfe nehmen. Seien Sie einfach, sanft und schnell. Benutzen Sie die Ossa frontalia, um das Os sphenoidale mit Ihrer anderen Hand gleichzeitig in Flexion zu bringen.
Wenn Sie diese Vorgehensweise in der Praxis anwenden und herausfinden, welch eine Hilfe es bei Ihrer gesamten Behandlung darstellt, besitzen Sie eine zuverlässige Methode, um Probleme, in denen es um die Verbindungen der Ossa palatina geht, schnell zu beseitigen. Bei sämtlichen Dysfunktionen im Bereich des Schädels ändert sich der Faktor vordere Konvergenz und hintere Divergenz nicht. Das Os palatinum ist Torsionstraumen und Fehlstellungen ausgeliefert. Das versteckte Problem, dem abgeholfen werden muss, verlangt Wiederanpassung und Berichtigung. Wenn Sie die Alae majores mit einem Kontakt an den Ossa frontalia drehen, können Sie die Bewegung oder die fehlende Bewegung der Procc. pterygoidei in den Furchen auf der Rückseite der Ossa palatina spüren. Sie wissen es, wenn Sie die richtige Position haben.
Untersuchen und studieren Sie, ob die Ursache eines Problems am Os palatinum nicht ein Problem der Maxilla gewesen sein könnte. Dann beobachten Sie das Os zygomaticum in der Relation zur Maxilla.
Stellen Sie sich den Mechanismus zwischen Os zygomaticum und Maxilla, der den Sinus maxillaris lüftet, bildlich vor. Erinnern Sie sich daran, dass ein L-förmiger Bereich auf beiden Knochen die Gelenkfunktion darstellt. Ist Ihnen aufgefallen, wie viele L-förmige Bereiche an diesen zahlreichen Mechanismen beteiligt sind? Nicht nur im Gesicht, sondern auch an den Iliosakralgelenken.
DIE BEHANDLUNG DES VOMER
Wenn wir über die Pumpenfunktion des Os zygomaticum am Sinus maxillaris nachdenken, kommt uns die Beziehung des Vomer zum Sinus sphenoidalis in den Sinn. Das Vomer ähnelt von der Gestalt her einer Pflugschar.
Es ist dünn, besteht aber aus zwei Schichten, die sich aufspalten, um Alae zu bilden, die glatt über das Rostrum des Os sphenoidale passen. Diese Verbindung befindet sich unterhalb des Corpus sphenoidalis mit dem Sinus sphenoidalis. Dieser luftgefüllte Hohlraum braucht Bewegung zum Luftaustausch, andernfalls gibt es eine Stauung der Luft. Sie sehen, dass das Vomer eine weitere Pumpe auf der zentralen Linie der beiden Kammern im Corpus des Os sphenoidale ist, die Luft ansaugt und wieder hinausdrückt.
Betrachten Sie nun die nasenseitigen Conchae im lebenden Körper, wie sie sich während In- und Exhalation eindrehen und ausdrehen. Sie verstehen ihre Funktion des Luftaufwärmens und -anfeuchtens, bevor diese in die Lungen strömt. Sie denken an die mechanische Aktion der Ossa frontalia in ihrer Beziehung zum Os ethmoidale. Verstehen Sie, was hier während Inhalation und Exhalation passiert?
Denken Sie dann an die unterschiedlichen Beschwerden, mit denen Ihre Patienten zu Ihnen kommen. Zu diesen Beschwerden gehören Stauungen im der Nase angrenzenden sinoidalen System mit übermäßiger Sekretbildung, Entzündungen, Stasis und Polypen. Denken Sie an den physiologischen Einfluss des Os sphenoidale auf den gesamten Mechanismus des Gesichtes. Was bedeutet eine Fehlstellung des Os sphenoidale für die Physiologie des Gesichts? Sehen Sie sich das Septum nasi an und denken Sie über Abweichungen und Ausbuchtungen der Lamina perpendicularis des Os ethmoidale und des Vomer nach. Wenn die ‚Wagendeichsel‘ sich verbiegt, warum wechseln wir nicht den ‚Wagen‘ und betrachten, wie sich die ‚Deichsel‘ wieder auf ihre richtige Spur begibt?
Es gibt eine Behandlung der Ossa palatina und des Vomer, die ich die ‚Wagendeichsel‘ nenne. Dies lässt sich durch das Bild eines Wagens mit Rädern und einer Deichsel veranschaulichen. Wenn Sie ein hölzernes Pferd nehmen und unter die Deichsel stellen, entsteht ein Fulkrum. Dann setzen Sie sich auf das Ende der Deichsel und gehen die Räder des Wagens hinauf. Lassen Sie uns die Procc. pterygoidei die Räder nennen, das Vomer die Deichsel, und den Finger des Therapeuten das hölzerne Pferd oder das Fulkrum.
Legen Sie einen Finger im Bereich der Sutura cruciata an das Munddach. Bitten Sie den Patienten, seinen Kopf vorsichtig auf Ihren Finger sinken zu lassen. Wenn er dies tut, wirkt das Fulkrum so, dass die Procc. pterygoidei nach oben in ihre Extensionsposition angehoben werden (Zeichnung I–5). Sie können den Patienten beibringen, das bei sich selbst auszuführen. Sie können am Ende der ‚Wagendeichsel‘ auch hinaus- und am Dach des Mundes nach vorne entlanggehen und es sanft anheben, um eine Bewegung am anderen Ende auszulösen.
Während wir über diesen Bereich nachdenken, führen Sie sich noch etwas anderes vor Augen: Wenn das Os sphenoidale sich in Exhalation so bewegt, dass es die Anguli laterales der Ossa frontalia nach innen zieht, tritt die Sutura metopica nach vorne. Gleichzeitig verengen und verlängern sich die Orbitae. Dies verändert ihre Gestalt ähnlich charakteristisch, wie dies auch bei Kurzsichtigkeit der Fall ist. Die Incisura ethmoidalis ist in diesem Moment verengt, und die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale hebt sich zusammen mit der Spina ethmoidalis des Os sphenoidale. Während also alles enger wird, was passiert nun mit den Conchae nasales? Was machen die Bulbi olfactorii? Was geschieht mit all den luftgefüllten Hohlräumen? Wenn Sie sich das alles vor Augen geführt haben, sehen Sie, was Sie Ihren Patienten zeigen können, was diese alles für sich selbst tun können. Sie werden überrascht sein, zu erfahren, wie diese einfachen Techniken Ihren Patienten nützen können.
8. ‚KRUMME ZWEIGE‘: KOMPRESSION DER KONDYLÄREN ANTEILE DES OS OCCIPITALE
Der Ausdruck ‚krumme Zweige‘ basiert auf Dr. Stills Ausspruch ‚das Loch im Baum‘.50 Ich nehme an, dass er mit jenem ‚Loch im Baum‘ das Foramen magnum meint und dass er sich darauf bezieht, dass das Os occipitale bei der Geburt aus vier Anteilen besteht – zwei Partes laterales oder condylares, Pars sqamosa und Procc. basilaris. Diese Teile sind um das Foramen angeordnet und tragen direkt zur Form des ‚Loches‘ bei. Zum Zeitpunkt der Geburt besteht das Os sphenoidale aus drei Teilen – dem Corpus und den beiden Einheiten, die jeweils aus einem Ala major und Proc. pterygoideus bestehen. Das Os temporale besteht bei der Geburt ebenfalls aus drei Teilen: dem Pars petrosa, dem Pars sqamosa und dem tympanischen Ring.
Wenn man darüber nachdenkt, ist der lebendige menschliche Kopf zum Zeitpunkt der Geburt schon eine bemerkenswerte Struktur. In diesem Alter kann man ihn leicht als ein weichschaliges Ei oder einen modifizierten Globus bezeichnen, wohingegen es später im Leben schwieriger ist, ihn sich so vorzustellen. Alle Knochenanteile werden durch die Dura mater, die ‚Mutter Dura‘, zusammengehalten, die wie eine Membrana interossea funktioniert. So hält der Kopf des Neugeborenen zusammen und passt sich gleichzeitig an, um eine sichere Passage durch den Geburtskanal möglich zu machen. Denken Sie darüber nach!
Das Gelenk zwischen den Kondylen des Os occipitale und den Facetten des Atlas ist das einzige Gelenk, das bereits bei der Geburt voll ausgebildet ist. Sonst gibt es keine Gelenkflächen, da es zum Zeitpunkt der Geburt noch keine Gelenke mit ‚Führungen‘ gibt.
In der Tat wachsen die unterschiedlichen Teile der einzelnen Knochen der Schädelbasis, bis die einzelnen Knochen verknöchert und ihre Teile miteinander verschmolzen sind. Als Teil des Wachstumsvorganges treffen die verschiedenen Knochen aufeinander, und so beginnen sich zwischen ihnen allmählich Gelenke und Gelenkflächen zu entwickeln. Gelenkführungen für die gelenkige Bewegung zwischen den Knochen des menschlichen Schädels, an den Suturen, werden um das siebte bis neunte Lebensjahr oder sogar noch später gebildet.
Diese Tatsachen erfordern eine Analyse der vorherrschenden Bedingungen im Skelettsystem und insbesondere im Kopfbereich während des Säuglingsalters und der frühen Kindheit. Der von der Dura mater geführte Mechanismus ähnelt dem Bild zweier Telefonmasten mit einem von Mast zu Mast gespannten Kabel. Bei einem Schneesturm werden die Kabel vom Schnee so beladen, dass die Masten aus der Senkrechte geneigt werden, aber miteinander verbunden bleiben, sodass sie im gleichen Winkel schief stehen.
Ich möchte, dass Sie dieses Bild auf den Kopf des Kleinkindes übertragen, wenn äußere Kräfte seine Gestalt beeinflussen. Denken Sie an irgendein Trauma, entweder aufgrund der Anpassung an den Geburtskanal oder aufgrund späterer Stürze. Stellen Sie sich einen Zug an der ‚Mutter Dura‘ vor, der die Knochen aus ihrer normalen Stellung und ihren normalen Beziehungen herauszieht. Man muss die Membranen benutzen, um diese kleinen Knochen wieder in ihre normale Position zu bringen. Die Membranen werden bei der Wiederherstellung der normalen Stellung wie die Kabel zwischen den Masten funktionieren.
Sogar nach einer normalen Geburt finden wir eine Situation vor, die beachtenswert ist. Der Kopf des Kindes hat sich während der Geburt an den Geburtskanal mechanisch angepasst. Wenn das Neugeborene schreit und unter Mithilfe des atmosphärischen Drucks einatmet, ist der Schrei normalerweise kräftig, ein besonderer Schrei, mit oder ohne Klaps auf das Sakrum. Dieser Vorgang bringt die Zerebrospinale Flüssigkeit in Bewegung. Im Anschluss daran machen sich die Membranen an die Arbeit und ziehen die Knochen in Position.
Die Merkmale der okzipitoatlantalen Gelenke sind bei diesem Vorgang wichtig. Die Facetten des Atlas sind konkav. Sie konvergieren anterior und divergieren nach hinten. Sie konvergieren ebenfalls inferior und divergieren superior. Das Lig. transversum des Atlas hält sie in dieser Position. Die kleinen Kondylen auf der unteren Oberfläche der kondylären Teile des Os occipitale sind konvex und passen in die Facetten des Atlas. Die Kondylen laufen ihrerseits anterior zusammen und posterior auseinander, inferior zusammen und superior auseinander. Denken Sie daran, dass die Gelenke zwischen den Kondylen des Os occipitale und den Facetten des Atlas in diesem Lebensabschnitt die einzigen am Kopf bestehenden Gelenke sind.
Oberflächlich betrachtet ähneln jene Gelenke bikondylären Gelenken, die zwei Gelenkaktivitäten haben, sich jedoch funktionell als Einheit verhalten. Die atlantookzipitalen Gelenke etwa sind paarig angelegt. Man betrachtet sie aber besser als ein einzelnes Eigelenk mit einem großen zentralen Defizit an seinen Gelenkflächen.51
Die konkaven Facetten des Atlas nehmen die Kondylen des Os occipitale auf. Die Gelenke reichen auf beiden Seiten vom vorderen Ende der kondylären Anteile bis zum Proc. basilaris des Os occipitale.
Die Squama occipitalis grenzt an die hinteren Enden der Partes condylares. Die okzipitoatlantalen Gelenke sind bandgestützte Gelenkmechanismen.
[Anm. d. am. Hrsg.:] Die folgenden Informationen wurden während des Kurses von Howard A. Lippincott D.O.52 präsentiert. Dr. Sutherland beschrieb diese Lektion so: Sie liefert Informationen, die für das Verständnis einiger Probleme notwendig sind, welche in diesem Mechanismus unter verschiedenen Umständen vorkommen.“
Dieses Zusammentreffen der vorderen Enden der Kondylen und des hinteren Endes des Proc. basilaris ist keine transversale Gelenkverbindung. Die Gelenkfläche auf dem Proc. basilaris orientiert sich nach lateral; diejenige des Pars condylaris zeigt nach medial.
In vielen Fällen befindet sich die Verbindungsstelle beinahe auf der Sagittalebene. Der Pars basilaris ist zum Zeitpunkt der Geburt ziemlich gut ausgebildet: Er ist bereits verknöchert, aber zwischen den drei Teilen befindet sich Knorpel. Wenn die Partes laterales zusammenkommen, zusammengedrückt aufgrund der Konvergenz der Facetten des Atlas, beginnen sich die Kondylen gegen den zwischen dem Proc. basilaris und den Partes condylares liegenden Knorpel hineinzudrücken. Sie neigen dazu, aufeinander zuzugleiten. Da das Lig. transversum den Facetten des Atlas nicht erlaubt, nachzugeben, ist ein bestimmter Grad von Kompression die Folge.
Asymmetrien des Foramen magnum erscheinen häufig als Verengung des vorderen Anteils. Manchmal ist die Verformung nur minimal; in anderen Fällen zeigen seine Umrisse jedoch Variationen mit beträchtlichen Asymmetrien. Diese werden direkt durch die Position beeinflusst, in welcher sich der Proc. basilaris befand, während er komprimiert wurde. Selten gibt es in diesem Bereich Fälle von Entwicklungsanomalien. Abgesehen davon gibt es kaum etwas, was eine Divergenz der Kondylen verursachen kann, wenn sie in die Konvergenz des Atlas hineingedrückt wurden.
Eine Kompression oder ein Abknicken kann auch am posterioren Ende der kondylären Teile, also an der condylosquamalen Verbindung auftreten. Die Squama occipitalis ist kreisförmig, mit dem Inion als Zentrum. Der zentrale Orientierungspunkt am hinteren Rand des Foramen magnum befindet sich am Ende eines Radius vom Inion. Er wird als Ophisthion bezeichnet. Die Squama kann sich im oder gegen den Uhrzeigersinn um das Inion herum drehen. Diese Bewegung positioniert das Ophisthion nach rechts oder nach links. Diese Information sollte Teil einer strukturellen Untersuchung sein.
Abhängig davon, wie sich das Squama gedreht hat, kann man den Druck auf das hintere Ende der Partes condylares analysieren. Es besteht ein anterior-posteriorer Druck auf einer und ein mediolateraler Druck auf der anderen Seite. Die condylosquamale Verbindung kann auch in Beziehung zu den kondylären Teilen abgeknickt sein. Mit anderen Worten: Der Winkel zwischen Squama und Partes condylares kann spitzer oder stumpfer sein als gewöhnlich.
Die verschiedenen Zustände, die sich durch die Beziehungen zwischen den vier Teilen des Os occipitale ergeben können, genügen, um die unterschiedlichen Formen des Foramen magnum zu erklären.
Wenn diese Asymmetrien während des Wachstums im Säuglings- und Kindesalter weiterbestehen, lassen sie das Prinzip ‚So wie der Zweig gebogen wird, krümmt sich der Baum‘ Wirklichkeit werden.
Deshalb ist es äußerst wichtig, ein Neugeborenes genau und sorgfältig zu untersuchen. Zu jenem Zeitpunkt ist es einfach, die bereits handelnden Kräfte des Primären Atemmechanismus zu unterstützen, damit sich zwischen den einzelnen Schädelknochen, besonders zwischen den vier Anteilen des Os occipitale, normale Positionen und Beziehungen einstellen können.

ZEICHNUNG I–12: DAS OS OCCIPITALE BEI DER GEBURT, BESTEHEND AUS VIER TEILEN INNERHALB EINER CHONDRALEN MATRIX
Beachten Sie, dass die Gelenkkondylen teils auf den Partes condylares, teils auf der Pars basilaris des Os occipitale sitzen.
Vielerlei Behandlungsmethoden kann man benutzen, um Probleme zu beseitigen, die von solchen Asymmetrien des Säuglingsschädels, wie sie Dr. Lippincott beschreibt, hervorgerufen werden. Sie alle aber hängen vom richtigen Verständnis des Mechanismus und besonders der Reziproken Spannungsmembran ab, da diese die Knochen bewegt.
Ich habe schon auf die Ähnlichkeit des Tentoriums cerebelli mit der Falx cerebri aufmerksam gemacht und erklärt, dass es diese drei Sicheln gibt, die sich um ein Fulkrum herum bewegen. Das können Sie sich nun zunutze machen, um die Kompression auf die kondylären Anteile zu verringern, bevor die ‚Führungen‘ gebildet werden. Die Reziproke Spannungsmembran wird ebenso genutzt als eine der Kräfte, welche die Kompression im erwachsenen Schädel reduzieren.
Ich möchte, dass Sie Folgendes verstehen: Wenn man auf das Os frontale einer Seite eine kleine Spannung in eine bestimmte Richtung – sagen wir rechts – induziert, kommt es hinten bei der Squama occipitalis zu einer Bewegung, die sie nach links herumschwenken lässt, sodass das anteriore Ende des kondylären Anteils sich nach außen bewegt. Es ist von Nutzen, das Bild der Membranen an einem anatomischen Modell eines Neugeborenenschädels zu studieren. Dort können Sie sehen, dass sich der hintere Befestigungspol der Reziproken Spannungsmembran an der Innenseite der Squama occipitalis befindet. Wir nutzen die Membranen in Verbindung mit der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, um eine Dekompression zu bekommen und die besagten kondylären Anteile vom Proc. basilaris zu entfernen, sodass er seinen normalen Platz und seine normalen Relationen wieder einnimmt. Wenn die Kondylen nach unten oder anterior in die Facetten des Atlas gedrückt werden, wird die Beziehung zwischen den Kondylen und dem Atlas gestört. Dadurch ist eine Belastung der okzipitoatlantalen Bänder und Gelenke entstanden. Zuerst muss man diese Dysfunktion korrigieren. Um diese Korrektur durchzuführen, werden die Bänder genutzt.
Da man den Atlas manuell unmöglich erreichen kann, zielt die Behandlung darauf ab, den Atlas zum Therapeuten zu führen. Der Therapeut lässt seinen Mittelfinger vom Inion bis nach unten zum Opisthion das Os occipitale hinuntergleiten. Der Kopf des Patienten liegt in der Hand des Therapeuten wie in einer Wiege. Die Hand des Therapeuten bleibt ruhig, die Kuppe seines Mittelfingers ist einfach unten nahe dem Rand des Foramen magnum platziert.
Wenn es dem Patienten möglich ist, arbeitet er mit, indem er das Kinn ein wenig Richtung Brust sinken lässt, ohne seinen Hals zu beugen. Während er so nickt, bewegt sich das Opisthion zurück und das Tuberculum posterior auf dem hinteren Bogen des Atlas bewegt sich auf den Finger des Therapeuten zu.53 Dies stabilisiert den Atlas und ermöglicht es den Kondylen des Os occipitale, sich auf die Divergenz des Atlas hinzubewegen, wodurch die Dysfunktion gelöst wird. Die okzipitoatlantalen Bänder bringen den Mechanismus des Gelenks wieder ins Gleichgewicht. Der Therapeut kann im Anschluss daran fortfahren, die Kompression der kondylären Anteile entsprechend der Diagnose zu lösen. Danach kann die Behandlung des Gelenks zwischen Os occipitale und Atlas, wenn nötig, noch einmal wiederholt werden, um noch einmal auszubalancieren.
Nützlich ist es, ein geistiges Bild von jener Stelle vor Augen zu haben, an der die Kondylen des Os occipitale auf das hintere Ende des Proc. basilaris treffen, denn man kann unmöglich direkt feststellen, wie der Proc. basilaris auf die Kompression reagiert hat. Ein kleiner Anteil des Gelenks mit seiner synovialen Membran befindet sich tatsächlich auf dem Proc. Basilaris (Zeichnung I–12). Wir können nicht wissen, wie sich die kompressiven Kräfte verteilt haben. Deshalb besteht das Ziel jeder Behandlungstechnik lediglich darin, die Anteile voneinander zu lösen. Am Kopf eines Neugeborenen sind die hinteren Enden der kondylären Teile dem Therapeuten zugänglich.
Sind die vorderen Enden beider kondylären Teile des Os occipitale symmetrisch in Richtung hinteres Ende des Proc. basilaris komprimiert, ist eine bilaterale Dekompression möglich. Dies kann durch die Korrektur der okzipitoatlantalen Dysfunktion geschehen, aber es kann auch einfacher sein, jede Seite einzeln zu behandeln.
Nehmen Sie Kontakt mit einer Seite auf und stabilisieren Sie sie. Dann, mit Ihrem Kontakt auf der anderen Seite, rotieren Sie diese Seite weg und dirigieren dabei die Tide von der gegenüberliegenden Seite des Schädeldaches. Dies ist eine delikate Vorgehensweise, die durch die Wahrnehmung des Therapeuten, von seinem Kontakt und von der Spannung am anderen Ende des kondylären Teils geleitet wird.
Falls nötig, kann dies auf der anderen Seite wiederholt werden. Eine präzise Atemkooperation findet oft durch ein gesundes und kräftiges Schreien des Patienten statt. Danach sollte das Ausbalancieren des Gelenks zwischen Os occipitale und Atlas folgen.
Das Prinzip ‚krummer Zweig‘ zeigt sich am deutlichsten beim Erwachsenen. Asymmetrie des Foramen magnum, hervorgerufen im Säuglings- oder Kindesalter, wird durch das Wachstum noch verstärkt und durch Stürze oder andere Verletzungen eventuell noch komplizierter gemacht.
Dieses Problem erfordert oft auch bei einem erwachsenen Patienten eine Lösung. Die Vorgehensweise bei der Dekompression ist die gleiche, nur dass die Kooperation sowohl durch Haltung als auch durch Atmung möglich ist. Um eine bilaterale Wirkung oder eine Wirkung auf die Mittellinie zu erreichen, bietet die Dorsalflexion beider Füße zur Stabilisierung des Behandlungsbereichs eine gute Möglichkeit. Bei der Behandlung eines unilateralen Problems bitten Sie den Patienten, den gegenüberliegenden Fuß dorsal zu flektieren. Bauen Sie die Spannung in Ihrer Berührung langsam auf und lösen Sie sie entsprechend langsam. Nach der Behandlung Erwachsener ist es sogar noch wichtiger, den Atlas wieder ins Gleichgewicht zu bringen, als bei Kindern.
Die Behandlung von Asymmetrien zwischen der Squama und den hinteren Enden der kondylären Anteile des Os occipitale folgt den gleichen Grundprinzipien: Wir nutzen die Dura mater, die Tide und die Atem- und Haltungskooperation des Patienten.
Die genaue Planung eines jeden Schrittes der manuellen Vorgehensweise ist notwendig für eine erfolgreiche Behandlung. Es werden in der medizinischen Literatur zahlreiche Asymmetrien in den Beziehungen der Knochenanteile der Schädelbasis bei der Geburt beschrieben. Die Folgen für die Zukunft eines solchen Kindes wurden jedoch weder ausreichend beachtet noch wurde eine Behandlung entwickelt, um die normalen Beziehungen wiederherzustellen. Ein grundlegendes Verständnis derartiger Probleme gibt es in der Wissenschaft der Osteopathie.
Mütter sind oft in Sorge aufgrund der Kopfform ihres Kindes direkt nach der Geburt. Meist werden sie dann von den Krankenschwestern und Ärzten beruhigt, dass sich solche Asymmetrien innerhalb von ein paar Tagen wieder geben.
Oft ist es auch so, dass die Form wieder so normal wird, wie es die Eltern gerne sehen.
Es ist äußerst interessant, darüber nachzudenken, was hier arbeitet, um eine solche Veränderung zu bewerkstelligen.
Schreien und Saugen des Säuglings haben auf verschiedenartige Weise die Funktion, die Knochen und Knochenteile wieder in die richtige Position zu bringen. Zudem unterstützt die regelmäßige Atemtätigkeit die Bewegung der Zerebrospinalen Flüssigkeit. Das hydraulische Liften, welches die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit dem Kopf des Kindes von innen gibt, ist ebenso sanft wie kräftig. Seine Arbeit wird durch das Schreien des Säuglings verstärkt. Die Probleme, die durch diese natürlichen Vorgänge verhindert werden, können nur dann verstanden werden, wenn bestimmte Umstände deren Wirksamkeit einschränken.54
Wenn Trauma den Kopf von oben oder hinten trifft, pränatal, postnatal und zuweilen während des normalen Durchtritts des Säuglings durch den Geburtskanal, kommt es zu einer bestimmten Anpassung. Beim normalen Geburtsverlauf schieben sich die Ossa parietalia während der Passage über die Ossa frontalia und das interparietale Os occipitale und der Kopf als Gesamtes passt sich so an, dass er ganz natürlich durch das mütterliche Becken hindurchtreten kann. Nach der Geburt kann es jedoch vorkommen, dass sich diese Adaptionen nicht wieder in die normale Position zurückbewegen.
WEITERE INTRAOSSÄRE BEZIEHUNGEN
Zusätzlich zu den Verbindungen durch Membranen und Knorpel während der pränatalen und kindlichen Entwicklungsphase besitzen Os occipitale und Os sphenoidale auch intraossäre epiphysäre Einheiten, die ich beim Studium des Kranialen Konzepts äußerst wichtig finde. Diese intraossären epiphysären Einheiten sind häufig Luxationen unterworfen. Diese entwickeln sich leicht zu prädisponierenden Faktoren, die zu schweren Störungen innerhalb des Zentralen Nervensystems führen, sofern sie nicht auf eine gekonnte und intelligente Art behandelt werden. Im Os sphenoidale gibt es zwei Einheiten oder Verbindungen innerhalb des Knochens:
Eine zwischen dem oberen Bereich des Corpus und den Alae minores. Die andere zwischen dem Corpus und den Alae majores mit den Procc. pterygoidei.
Wenn die Verbindung mit den Alae minores eine Verschiebung der Alae minores gegenüber der Laminae orbitalis der Ossa frontalia zulässt, kann der Effekt des ‚krummen Zweiges‘ das Erscheinungsbild der Augen beeinflussen oder Fehlstellungen in den Wänden der Orbita verursachen, wie sie beim Strabismus häufig anzutreffen sind. Bei den verschiedenen Arten des Strabismus zieht ein kranialer Diagnostiker die Ursprünge der extrinsischen Muskeln des Augapfels um das Foramen opticum und am Boden und Dach der Orbita mit in Betracht.

ZEICHNUNG I–13: DAS OS SPHENOIDALE ZUM ZEITPUNKT DER GEBURT, BESTEHEND AUS DREI TEILEN
Corpus und Alae minores sind eine Einheit, die Alae majores und die Procc. pterygoidei sind eine Einheit. Beide Einheiten sind chondral verbunden.
Mechanische Faktoren der Orbitastruktur, so wie sie mit der Augenmuskulatur in Relation stehen, muss man zusammen mit anderen Aspekten berücksichtigen, die mit Problemen des Strabismus assoziiert werden.
Während der pränatalen und frühkindlichen Entwicklungsphase bezeichnet man die intraossäre Verbindung zwischen dem unteren Bereich des Corpus sphenoidalis und der Einheit von Alae majores und Procc. pterygoidei als Gomphosis. Dies ist eine mechanische Verbindung, die der von Zahn und Zahnfach gleicht.
Diese Verbindung wird später von einer knochigen Formation umgeben, die ein ovales Pivotarrangement zurücklässt, sodass eine mechanische Anpassung bei einer normalen rotatorischen Bewegung der Einheit in Relation zum Körper möglich ist.
Diese Verbindung unterliegt auch Verschiebungen durch traumatische Kräfte, insbesondere Kompressionen. In diesem Falle halten Sie Ausschau nach Auswirkungen auf das Os palatinum und nach einer Irritation des Ganglion pterygopalatinum. Komprimierende Kräfte, welche die intraossären Verbindungen im Os sphenoidale beeinträchtigen, haben eine tiefe Wirkung auf Sinus sphenoidalis, maxillaris, ethmoidalis und auch auf die Tuba auditiva.
Das Os temporale kann auch Probleme intraossären Ursprungs haben, die während oder vor der Geburt oder während des kindlichen Wachstums entstehen. Dies kann Entwicklungsanomalien der Ohren, verbunden mit einer angeborenen Taubheit und der Anfälligkeit für Mittelohrentzündungen erklären. Anormale Verdrehungen in den Partes petrosae können die Ursache für Krankheiten des Innenohres sein. Die Ossa temporalia müssen bei unserer Betrachtung traumatischer und komprimierender Kräfte auf intraossäre Anteile mit eingeschlossen werden.
Am Schädeldach können verschiedene Asymmetrien auftreten, die durch Anpassung an Asymmetrien oder Deformierungen der Schädelbasis hervorgerufen werden. Anomalien, Unzulänglichkeiten, Verletzungen und mechanische Belastungen des Sakrum und der Beckenknochen können zu Problemen führen, sobald ein kleines Kind sitzt, steht oder herumläuft. Intraossäre Luxationen und epiphysäre Distorsionen können zu einem funktionellen Ungleichgewicht führen. Daher können Dinge, die im Frühstadium noch tolerierbar sind, mit dem Wachstum zu einem größeren Problem werden.
9. STRAINS DER MEMBRANÖSEN GELENKE
Dr. Sutherland erklärt hier sein Verständnis von den Strains, die an verschiedenen Stellen der membranösen und ligamentären Gelenkmechanismen auftreten können. Dieses Kapitel besteht zum Teil aus Auszügen, die seinen Schriften entnommen und bearbeitet wurden. Dies liegt daran, dass bei den Vorträgen, auf denen das Buch ja basiert, der Unterricht über dieses Thema hauptsächlich von anderen Mitgliedern der Fakultät übernommen wurde.
In der Ankündigung von Dr. Sutherlands Vorträgen beim Treffen der A.O.A. in Detroit, Michigan, im Jahre 1932, war Folgendes zu lesen:
„Dr. W. G. Sutherland beschreibt die Anatomie und die Physiologie, die den Dysfunktionen der Gelenke im Schädelbereich zugrunde liegen. Seiner Meinung nach sind diese osteopathischen Dysfunktionen in anderen Bereichen des Körpers sehr ähnlich und einer Behandlung ebenso zugänglich.“
Bei der Beschreibung von Dysfunktionen der Wirbelsäule bevorzuge ich den Ausdruck ligamentäre Strains der Gelenke; für Dysfunktionen im Schädelbereich den Begriff membranöse Strains der Gelenke. Eine Dysfunktion der Wirbelsäule betrifft sowohl Bänder als auch Gelenke. Eine Dysfunktion am Schädel betrifft sowohl die Membranen innerhalb des Schädels als auch die Gelenke.
Die Bänder als Kontrolleure der willkürlichen muskulären Bewegung regulieren durch ihre Spannung die Bewegung an den Gelenken der Wirbelsäule.
Man könnte sie reziproke Spannungsbänder nennen. Die Gelenke des Kopfes besitzen nur eine unwillkürliche Beweglichkeit; ihre Bewegung kommt nicht durch Muskelarbeit zustande. Sie haben aber ein spezielles membranöses Gewebe innerhalb des Schädels, das nicht nur als Vermittler agiert, sondern auch als reziproker Spannungsausgleich funktioniert, welcher den normalen Bereich der Gelenkmobilität begrenzt.
Dieser Vermittler der Gewebespannung funktioniert ungefähr wie die Unruhe einer Uhr, welche die Hin-und-Her-Bewegung des Mechanismus reguliert oder einschränkt. Um die Funktion der Membranen innerhalb des menschlichen Schädels zusammen mit der spinalen Dura mater zu beschreiben, wurde aus diesem Grund der Begriff Reziproke Spannungsmembran gewählt.
Es ist wichtig, die besonderen Befestigungspole der Falx cerebri und des Tentorium cerebelli zu beachten (Zeichnung I–4). In meiner schematischen Darstellung gibt es einen anterioren superioren Befestigungspol an der Crista galli des Os ethmoidale und einen anterioren inferioren Befestigungspol an den Procc. clinoidei des Os sphenoidale. Die lateralen Pole der Befestigung befinden sich am Margo superior der partes petrosae der Ossa temporalia. Der posteriore Befestigungspol befindet sich an der Innenseite der Squama occipitalis.
Während der Inhalationsphase bewegen sich diese Befestigungspole auf charakteristische Art und Weise. Während der Exhalationsperiode tritt an den verschiedenen Befestigungspolen eine entgegengerichtete Bewegung auf. Dies ist das normale Ausmaß der Hin-und-Her-Bewegung im Mechanismus der Membranen und Gelenke des Schädels. Es handelt sich um einen anatomisch-physiologischen Mechanismus, der das gesamte Leben hindurch anhält.
Am lebenden Schädel findet sich an allen Gelenken im Bereich der Basis und des Gesichts eine normale Mobilität. Diese Mobilität wird durch eine Anpassung der Gelenkfunktion kompensiert, welche im Bereich der Suturen des Schädeldeckels aufgrund ihrer gezackten und exakt passenden Form geleistet wird. Solange wir leben, verknöchern diese Suturen nicht vollständig.
Die Falx cerebri und das Tentorium cerebelli besitzen weder elastische noch muskuläre Fasern.
Sie bestehen aus zähem fibrösem Bindegewebe, sind straff und gespannt. Sie schaffen eine Balance, die sich zwischen den verschiedenen Gelenkpolen abwechselnd vor und zurück bewegt. In ihrer reziproken Bewegung erkennen wir einen Rhythmus, der ein wichtiges Merkmal der materiellen Erscheinungsform des Lebens ist.55
Die Dura des Schädels ist jener Anteil des gesamten Mechanismus, der dem gleichen Zweck dient wie die Bänder in den ligamentären Mechanismen der Gelenke. Sowohl die Dura als auch die Bänder bewegen Knochen an Gelenken.
Die Osteopathie kennt ligamentäre Strains der Gelenke der Wirbelsäule. Ebenso gibt es membranöse Strains der Gelenke am Schädel. Diese verursachen eine Einschränkung der normalen membranös gelenkigen Funktion. Solche Einschränkungen verändern die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, die Physiologie des arteriellen und venösen Blutstroms im Cranium und die Physiologie der Lymphe in Hals und Kopf. Mit der Einschränkung der Funktionen beginnt der pathologische intrakraniale Zustand.
Das Sakrum ist durch die intraspinale Reziproke Spannungsmembran (die Kernverbindung zwischen Schädel- und Beckenschale) mit dem Os occipitale verbunden. Deshalb können sich den Beckenmechanismus betreffende Traumen, hervorgerufen durch Stürze, und Situationen, wo ein schwunghafter Impuls auf Trägheit trifft, als Dysfunktion zeigen, die sich mehr im Cranium offenbart als im Becken.
Dies ist besonders der Fall bei Wochenbettdepression oder Psychosen. In der Tat ist es für einen Arzt und Osteopathen unmöglich, das betreffende Problem bei seinem Patienten ausfindig zu machen, ohne sämtliche Gelenke des menschlichen Körpers in Betracht zu ziehen und zu analysieren.
***
Um die Bewegung des Os sphenoidale und des Os occipitale zu verdeutlichen, wollen wir uns Räder mit Speichen vorstellen. Stellen Sie sie sich vor, wie sie sich vor und zurück drehen – das heißt, sich um sich selbst drehen. Sobald sich das Os sphenoidale dreht, bewegen sich die unterschiedlichen Punkte auf dem Rad, wie es Speichen tun. Das Os occipitale dreht sich ebenfalls und die Punkte darauf bewegen sich im Raum. Beide Räder drehen sich gleichzeitig.
Folglich bewegen sich die Sella turcica und das anteriore Ende des Proc. basilaris des Os occipitale in der Flexionsphase nach oben und die nach oben gerichtete Konvexität des Clivus wird verstärkt. In der Extensionsphase bewegen sich beide nach unten und so wird die Konvexität des Clivus verringert. In der Extension geschieht einfach das Entgegengesetzte wie in der Flexion.
Die Verbindung des Os sphenoidale und des Os occipitale am Clivus hat die Form eines Bogens. Sie ähnelt der Brücke über den Chicago River, die sich auf beiden Seiten gleichzeitig bewegt, entweder zum Öffnen oder zum Schließen. Obwohl sie sich schließt, bleibt die Brücke ein Bogen, wenn sie nach unten geht. Dieser Punkt ist wichtig, wenn man sich bei der Behandlung die Bewegung an der sphenobasilaren Verbindung vorstellt. Die erwähnte Verbindung ist ein Bereich im kranialen Mechanismus, den man nicht direkt palpieren kann. Sie müssen ihn visualisieren. Es ist wie bei den Wirbelkörpern der Wirbelsäule: Sie können einen Wirbelkörper nicht ertasten, aber Sie haben ein mentales Bild von ihm. Sie können die Procc. spinosi und die Procc. transversi der Wirbelsäule berühren und dabei eine Beobachtung machen, die Ihnen die Position des Wirbelkörpers verrät. Sie können lernen, die Position an der Verbindung zwischen dem Corpus sphenoidalis und dem Proc. basilaris des Os occipitale durch Tastsinn und Propriozeption wahrzunehmen. Das ist nicht schwierig, obwohl es zunächst so aussieht.
Wir könnten uns die Falx cerebri und das Tentorium cerebelli so vorstellen, dass sie mit den kranialen Gelenken in physiologischen Bewegungen zusammenarbeiten, und zwar rhythmisch mit denen des Diaphragma. Bei dieser Bewegung kann man die Procc. mastoidei der Ossa temporalia während der Exhalation nach außen rotieren und bei der Inhalation nach innen zurückkehren sehen, wobei andere kraniale Gelenke daran beteiligt sind. Diese Bewegung unterstützt den Strom des Blutes und der Lymphe im Körper. Die Betrachtung der in einigen Fällen verzahnten und in anderen Fällen abgeschrägten Schädelsuturen und die eigene Erfahrung führen einen immer näher an die Möglichkeit heran, in die Wissenschaft der Osteopathie des Alten Doktors vorzudringen.56
Wenn wir weiter und weiter in den ‚Löchern‘ graben, uns mit den Gelenken der Schale des Schädels immer mehr befassen, kriegen wir möglicherweise den Schwanz des ‚Eichhörnchens im Baumloch‘ des Alten Doktors zu fassen.
Wenn wir uns daranmachen, die beiden Ossa temporalia in ihrem Zusammenhang mit der Bewegung an der Schädelbasis zu untersuchen, denken wir zunächst über ihre Form und ihre Position zwischen Os sphenoidale und Os occipitale nach. Sodann beobachten wir, was uns die Untersuchung der Gelenkflächen über den Mechanismus ihrer Bewegung sagt, wenn sich Os sphenoidale und Os occipitale an der sphenobasilaren Verbindung in der Flexions- und Extensionsphase um sich selbst drehen. Dieses mentale Bild wird uns ein Verständnis der normalen Bewegung, die andauernd in der Schale des Schädels vor sich geht, ermöglichen.
Ausgehend von unserem Verständnis der Normalität werden wir in der Lage sein, Abweichungen und Anormales festzustellen und mechanisch zu interpretieren, wenn sie bei unseren Patienten auftauchen. Wir brauchen schließlich eine praktikable Diagnose, bevor wir über Dysfunktionen in diesem Bereich und ihre Behandlungsmöglichkeiten nachdenken können.
Die Ossa temporalia bewegen sich wie zwei wackelige Räder. Denken Sie daran, dass die Partes petrosae in einer Diagonale angeordnet sind, deren Ausrichtung nach vorne in den Kopf hinein zeigt. Wenn Sie einen zerlegten Schädel untersuchen, positionieren Sie an der Schädelbasis die Ossa temporalia zwischen Os occipitale und Os sphenoidale. Kombinieren Sie die Rillen an den Partes petrosae mit den zungenförmigen Fortsätzen an den Seiten des Proc. basilaris am Os occipitale. Dies ist das Bild für Bewegung – oder besser: für das gleitende Muster jener Bewegung, die ein Nut- und Federgelenk erlaubt.
Wenn sich Os sphenoidale und Os occipitale in Flexion bewegen, rotieren die Partes petrosae nach außen. Wenn sich Os sphenoidale und Os occipitale in Extension bewegen, rotieren die Partes petrosae nach innen. Die relative Rotation der Partes petrosae im Inneren des Schädels ist auch an der Außenseite des Schädels spürbar. Man kann dies ertasten und damit ein mentales Bild der Positionen im sphenobasilaren Bereich erstellen.
Aufgrund der Zungen-und-Rillen-Gelenke zwischen dem Proc. basilaris und den Partes petrosae der Ossa temporalia können wir die Stellung des Proc. basilaris des Os occipitale von den Ossa temporalia aus wahrnehmen. Der Bewegungsmechanismus zwischen Os occipitale und Ossa temporalia ist komplex.
Man muss ihn eingehend studieren. Bis zu einem bestimmten Grad bewegen sich die Ossa temporalia mit dem Os occipitale, da sie auf dem Proc. jugularis mitgetragen werden. Merkwürdig daran ist, dass sich die Partes petrosae der Ossa temporalia mit dem Proc. basilaris drehen, sobald sich dieser als Speiche im okzipitalen Rad dreht. Und doch gibt es gleichzeitig eine Bewegung zwischen den beiden Knochen, die der Bewegung zwischen einem Marmeladenglas und seinem Deckel ähnelt.
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Was ist eine kraniale Dysfunktion? Was ist ein membranöser Gelenkstrain? Um dies zu beantworten, nehmen wir die Flexion als Beispiel. Wenn die sphenobasilare Verbindung sich ein wenig über ihren normalen Bewegungsradius in Richtung Flexion hinausbewegt hat und in dieser Position fixiert wird, kommt es zu einer Einschränkung der Bewegung in Extensionsrichtung. Bei Ihrer Diagnose werden Sie all die Erscheinungsbilder vorfinden, die mit der Flexionsposition einhergehen. Wenn Sie die Bewegung überprüfen, werden Sie feststellen, dass der Bereich sich in Richtung Flexion und nicht in Extension bewegen kann. Man nennt diese Situation eine Flexionsdysfunktion. Das Gegenteil ist eine Extensionsdysfunktion.
Zudem sind weitere Muster bei den Bewegungen der Schädelbasis möglich. Die Bewegung der Sidebending/Rotation an der sphenobasilaren Verbindung umfasst ein Muster, das Os sphenoidale und Os occipitale auf einer Seite nach oben und auf der anderen Seite nach unten bringt. Auf der höheren Seite nähern sie sich an, während sie auf der tieferen Seite auseinandergehen. Folglich gibt es eine relative Konkavität auf der oberen und eine relative Konvexität auf der unteren Seite. In der schematischen Darstellung benenne ich diese Positionen nach der Seite der Konvexität. Es gibt demzufolge ein Muster, das Sidebending/Rotation mit der Konvexität auf der rechten Seite, und eines, das Sidebending/Rotation mit der Konvexität auf der linken Seite genannt wird. Wenn wir unsere diagnostischen Bewegungstests anwenden, folgen wir dem für Flexion gegebenen Beispiel.
Das Torsion genannte Muster ist einfach eine Verdrehung an der sphenobasilaren Verbindung. Das bedeutet, das Os sphenoidale dreht sich auf einer anteriorposterioren Achse in eine Richtung, und das Os occipitale dreht sich entgegengesetzt. Deshalb gibt es zwei Torsionsmuster, die nach der Position der höheren Ala major des Os sphenoidale benannt werden. Es gibt eine Torsion mit einer erhöhten Ala major auf der rechten Seite und eine Torsion mit einer erhöhten Ala major auf der linken Seite. Das gleiche Prinzip, wie es am Beispiel der Flexion aufgezeigt wurde, wird bei den diagnostischen Bewegungstests angewendet (Zeichnung I–16). Dies sind die grundlegenden Muster von Position und Bewegung, mit denen Sie es zu tun haben, wenn Sie membranöse Gelenkstrains des Schädels erfassen. Die Bezeichnungen lauten Flexion, Extension, Sidebending/Rotation mit der Konvexität rechts oder links und Torsion mit einer Ala major hoch rechts oder links.57
Obwohl es der membranöse Anteil ist, der den Strain oder die Belastung aufgenommen hat, zeigt sich der Gesamteffekt an den Beziehungen zwischen den Knochen. In der Praxis werden unterschiedliche Dysfunktionen und Strains am Cranium vorgefunden. Gewöhnlich sind diese an der sphenobasilaren Verbindung anzutreffen, mit Folgen für alle Gelenke im gesamten Mechanismus.
Die Einwirkung einer äußeren Kraft auf den lebenden Schädelmechanismus muss in Bezug auf alle ihre individuellen Details analysiert werden.
Es ist gut, wenn man sich daran erinnert, dass es in solchen Fällen sehr wahrscheinlich mehr als nur eine Folge geben wird. Diese Dysfunktionen bezeichnet man als traumatischen Ursprungs. Die Analyse der beteiligten Kräfte und der Trägheit in der jeweiligen Situation stellen ein weites Untersuchungsfeld dar. Spezifische Strains können im Körper des Patienten möglicherweise als Nebeneffekt bei Operationen durch Chirurgen oder Zahnärzte oder bei Bewusstlosigkeit auftreten. Strains können auch nach einer extremen Anstrengung erfolgt sein oder wenn sich der Patient in einer überlastenden Haltung befand.
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Der Mechanismus ist einfach, wie das bei allen physiologischen Prinzipien ist, die ‚nicht von Menschenhand geformt‘ wurden.
„Ich nehme nicht für mich in Anspruch, Autor der Wissenschaft Osteopathie zu sein. Keine menschliche Hand hat ihre Gesetze geformt. Ich erwarte keine größere Ehre als diejenige sie entdeckt zu haben.“ 58
Wenn man den Mechanismus richtig versteht, ist er der Schlüssel für ein einfaches Lösen der membranösen Strains an den Schädelgelenken. Mir gefällt der Gedanke an einen Rhythmus in der Dura. Daraus ergibt sich notwendigerweise, dass man die Tensionsqualität eher durch den Tastsinn erkennt, und nicht eine reine Gewebemanipulation durchführt. Wenn wir in harmonischer Balance mit den Prinzipien des Mechanismus arbeiten, haben wir den Ausdruck einer nicht-schneidenden chirurgischen Fähigkeit.
Ich möchte mich noch einmal auf Dr. Stills Lehre berufen: Wir müssen die Position und den Zweck eines jeden Knochens kennen und mit jedem seiner Gelenke völlig vertraut sein. Wir müssen eine perfekte Vorstellung von der Normalität der Gelenkverbindungen besitzen, die wir korrigieren wollen.59
Wir als Mechaniker des menschlichen Körpers sind zugleich Mechaniker in der Wissenschaft des Verstehens, wenn wir die grundlegenden Prinzipien des Primären Atemmechanismus durchdringen. Deshalb ist es so wichtig, die Grundlagen dieses Teils des lebendigen menschlichen Körpers vom Blickwinkel der osteopathischen Wissenschaft aus zu begreifen: die membranösen Strains der Schädelgelenke und ihr Einfluss auf den Rest des Körpers.
10. DYSFUNKTIONEN IM VASKULÄREN SYSTEM
Die Wissenschaft der Osteopathie ist einfach. Sie verstehen, dass Sie nicht nur ein Mechaniker des Skelettsystems, sondern auch der Körperflüssigkeiten sind. Das Knochengewebe besteht ebenfalls aus Flüssigkeit. Sie können der Apotheker sein, weil Sie die Chemikalien in ‚Gottes Apotheke‘ mischen, wie es Dr. Still nannte. Er sagte,
„[…] dass der menschliche Körper Gottes Apotheke sei und alle Flüssigkeiten, Medikamente, feuchtende Öle, Opiate, Säuren und Laugen und überhaupt alle Arten von Medikamenten in sich trage, welche die Weisheit Gottes für menschliches Glück und Gesundheit als nötig erachtet hat.“
Er hatte diese Dinge erkannt und wie ich schon gesagt habe, war es nicht immer leicht für ihn, andere dazu zu bringen, dies zu verstehen. Es geht also darum, die Vision von Dr. Still zu begreifen und nicht die meinige. Wie auch immer, der Boden muss vorbereitet werden, um wieder zur Wissenschaft der Osteopathie zurückzukehren.
Lernen Sie, nicht einfach jede Information zu schlucken, die Ihnen unter die Augen kommt. Untersuchen Sie den menschlichen Körper, sowohl den lebendigen als auch den toten. Studieren Sie das Prinzip des Lebens und Sie kommen dem Verständnis dessen näher, was wir unter dem ATEM DES LEBENS verstehen. Dr. Still tat sein Bestes, diesen vorzustellen und begreiflich zu machen, aber wir waren noch nicht so weit.
Denken Sie an jene Apotheke, den Plexus choroideus, in welcher der Austausch zwischen all den Chemikalien, der Zerebrospinalen Flüssigkeit und dem arteriellen Blutstrom stattfindet. Sie finden dort den Austausch zwischen den Chemikalien in der Zerebrospinalen Flüssigkeit und jenen im Blut, wenn Sie es sich auf diese Weise vorstellen können.
Ich möchte, dass Sie in den dritten Ventrikel hineinsehen, oben am Dach, und diesen Plexus choroideus visualisieren. Am Sektionsexemplar finden Sie alles zusammengedrückt vor. Warum? Der Patient starb während der Exhalation und der Mechanismus zog sich zurück. Der dritte Ventrikel fiel in sich zusammen.
Was machen die flügelförmigen ersten und zweiten Ventrikel während der Inhalation? Sie schwingen nach außen und der dritte Ventrikel nimmt eine V–Form an. Während der Inhalation dehnt sich der Plexus choroideus, der sich auf dem Dach und nicht innerhalb des dritten Ventrikels befindet, aus. Das Dach ist ein Schurz zwischen der Innen- und der Außenseite, und der Plexus choroideus befindet sich auf der Außenseite des Gehirns. Es ist dieses Dach, das sich während der Inhalation ausdehnt und während der Exhalation zusammenbauscht, wenn die Wände des dritten Ventrikels zusammenkommen.
Erkennen Sie den Mechanismus – einen Mechanismus, der sich durch das Ganze hindurch erstreckt? Folgen Sie dann dem kleinen arteriellen Blutstrom, der zum Plexus choroideus hinaufläuft, um ihn mit arteriellem Blut zu versorgen. Folgen Sie dem Strom der Zerebrospinalen Flüssigkeit – wohin strömt sie? Folgen Sie der Arterie, die an der Außenseite des Gehirns oberhalb des dritten Ventrikels geradewegs zum Plexus choroideus verläuft und denken Sie darüber nach, was die Fachleute sagen. Sie behaupten, dass sich hier die Stelle befindet, an der der chemische Austausch zwischen der Zerebrospinalen Flüssigkeit und dem Blut stattfindet.
‚Aha!‘, sagen Sie. Wäre es für einen kranialen Behandler möglich, die Bewegung dieses Mechanismus zu ändern? Könnte er dadurch einen physiologischen Austausch herbeiführen? Wenn der Mechanismus blockiert wäre, könnten Sie seine Bewegung so wiederherstellen, dass eine normale physiologische Funktion besteht, um einen normalen Austausch zwischen der Zerebrospinalen Flüssigkeit und dem Blut an allen Plexi choroidei zu gewährleisten?
Auf diese Möglichkeit hat Dr. Still Sie in allen seinen Schriften hingewiesen. Woher kam denn die Wissenschaft der Osteopathie zu Dr. Still, wenn nicht von unserem SCHÖPFER, der den gesamten Mechanismus durchschaut? Darum verfügen wir über so viele Möglichkeiten, weit jenseits jeder anderen Wissenschaft, welche behauptet, alles für die Reparatur dieses menschlichen Mechanismus zu tun. Wir können verstehen, warum wir Mechaniker sind. Wir behandeln einen Mechanismus. Unsere Behandlung bedeutet nicht, irgendetwas einfach zu ölen oder so ähnlich.
Es handelt sich um eine ‚Apotheke‘; wenn wir den Mechanismus so wiederherstellen, dass wir eine normale Funktionsweise beziehungsweise einen chemischen Austausch am Plexus choroideus haben, dann werden wir zum Apotheker im Gehirn, der das Rezept ausfüllt. Ist Ihnen das verständlich?
Dann sehe ich mich um und stoße auf einen venösen Kanal, der sich von den üblichen venösen Kanälen innerhalb des lebenden Körpers unterscheidet. Ich stelle fest, dass er durch eine Membran im Schädel gebildet wird, die zwei Wände besitzt: eine innere und eine äußere Membran. Meine Überlegungen sind folgendermaßen: Falls es im Mechanismus des Schädels nicht irgendeine Mobilität gibt, um dieses venöse Blut in Bewegung zu bringen, wird es eine Stauung im Blutkreislauf geben.
Im Schädel gibt es die äußere Membran, in welcher sich die Knochen bilden. Sie ist auf der Außenseite rau und innen glatt. Beim Erwachsenen befindet sich Blut zwischen den Wänden des Schädeldeckels, der aus der Membran vorgeformt wurde. Die Wände der Dura mater teilen sich, um in den Falten, die durch die Verdoppelung der inneren Schicht entstehen, venöse Blutgefäße zu bilden. Die äußerste Wand (das knöcherne Schädeldach) hat kleine, gezackte Suturen, die so ineinanderpassen, dass sie die Expansion zur Kompensierung der Gelenkbeweglichkeit zwischen den Knochen der Basis ermöglichen. Die Knochen der Basis werden aus Knorpel vorgeformt. Diese gleiche kompensatorische Bewegung ermöglicht den Transport des venösen Blutes.
Meine Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Rinnen, die lateral entlang der Innenseite der Squama occipitalis verlaufen. Zunächst einmal bin ich ratlos. Diese Rinnen gehören zu den Sinus laterales bzw. transversales. Es gibt in jenem Bereich keine Kompensation, um das venöse Blut in dieser membranösen Wand weiterzubewegen.
Ein Stückchen weiter komme ich zum posterior-inferioren Angulus der Ossa parietalia und finde auf seiner Innenseite eine Rinne. Der Sinus lateralis verläuft direkt über diesen Angulus des Os parietale, bevor er zum Foramen jugulare hinunterzieht. Betrachte ich die Gelenkfläche der posterior-inferioren Anguli der Ossa parietalia, entdecke ich eine Wellenform – und die Partes mastoidei der Ossa temporalia passen dazu. Dieses Arrangement zeigt, dass sich die Ossa parietalia hier in Konjunktion mit den Ossa temporalia nach innen und außen bewegen. Diese Bewegung nimmt die Wände der Sinus laterales mit, also jene membranösen Kanäle, die das venöse Blut transportieren.
Woher kommt das Blut in den Sinus laterales? Das Confluens sinuum auf der Innenseite der Squama occipitalis erhält venöses Blut aus dem Sinus sagittalis superior. Dieser Sinus formiert sich am vorderen Ende der Falx cerebri und wird allmählich größer, während er über den höchsten Punkt des Kopfes und hinunter zur inneren Protuberantia occipitalis verläuft. Außerdem erhält der Sinus lateralis Blut vom Sinus rectus. Der Sinus rectus bildet sich dort, wo die Falx cerebri und das Tentorium cerebelli aufeinandertreffen.
Woher kommt das Blut, das in den Sinus rectus eintritt? Es kommt vom Sinus sagittalis inferior am freien Rand der Falx cerebri und von der V. cerebri magna. Diese Vene besitzt Wände, die den Venen außerhalb des Schädels ähneln.
Die Gewebe der Wände der V. cerebri magna bzw. des Sinus rectus sind also deutlich unterschiedlich. Letztere bestehen aus zähen faserigen Wänden der Dura mater.
Die V. cerebri magna erhält das venöse Blut von den tiefen Hirnvenen, von den Venen des Cerebellum und von den Plexi choroidei, die wir schon erwähnt haben. Sie beginnen sich zu fragen, ob der besagte Bereich, in welchem die große V. cerebri magna in den Sinus rectus eintritt, nicht empfindlich gegen mechanische Belastungen reagiert. Besonders, wenn sich der Kopf des Säuglings während der Geburt an das mütterliche Becken anpasst. Befindet sich dort die Stelle, an der Risse eine subdurale Blutung zur Folge haben können? Ist dies ein Ort, an welchem bestimmte Ereignisse auftreten können, aus der eine Art zerebrale Parese resultiert?
Aufgrund solcher Möglichkeiten muss ich Ihnen davon abraten, zu versuchen, die Position des Proc. basilaris des Os occipitale zu verändern, indem man ihn auf seiner unteren Oberfläche durch Mund und Nasopharynx kontaktiert. Denn Sie können Ihr Vorhaben nicht durchführen, da er sich nur als Ganzes zurückschieben lässt.
Sie haben in dieser Situation keinerlei Kontrolle über die Folgen einer solchen Technik. Außerdem riskiert man einen Riss, der eine subdurale Blutung zur Folge haben kann. Ich kenne zwei Fälle, bei denen dies geschehen ist. Zudem ist es auch nicht notwendig. Einfacher, wissenschaftlicher und intelligenter ist es, die Spannung des Fulkrum der Reziproken Spannungsmembran an diesem dreipoligen Arrangement zu nutzen.
Dann wird die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, die natürlicherweise der Agent der Reduktion ist, die Korrektur ausführen. Vermeiden Sie es, den Mechanismus weiter zurückzuschieben und damit die Möglichkeit einer Verletzung zu riskieren.
Dieses System, das venöses Blut innerhalb des Schädels zu den Ausgängen an den Foramina jugulares transportiert, ist nicht das Einzige, welches auf diesen Ausgang hinarbeitet. Es gibt noch die Sinus cavernosi, gleichfalls mit membranösen Wänden ausgestattet, die an den Fissurae orbitalis superiores beginnen, dort, wo die Vv. ophtalmicae eintreten. Sie führen entlang der Seiten des Corpus sphenoidalis nach hinten und befördern Blut zu den Sinus petrosi. Was bewegt das Blut entlang dieser großen Kanäle? Wir beginnen zu überlegen, dass die Rotation des Os sphenoidale, wenn es während der Inhalation nach vorne abtaucht, zusammen mit der ein- und auswärts gerichteten Schaukelbewegung der Partes petrosae der Ossa temporalia diese Wände bewegen könnte. Spüren Sie, wie dieser Mechanismus der Reziproken Spannungsmembran, der die Beweglichkeit der Schädelknochen reguliert, auch als Mechanismus dafür dient, das venöse Blut entlang der Falx cerebri und des Tentorium cerebelli zu bewegen.
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Hier eine Übung, die für die Gehirnzellen eine saubere arterielle Erfrischung bringt, wenn nicht noch mehr.
Gehen Sie hinaus an die frische Luft und atmen Sie tief und langsam aus. Wenn sich das Diaphragma nach oben bewegt, lassen Sie den Kopf zur Brust sinken und drehen Sie gleichzeitig die Procc. mastoidei der Ossa temporalia lateral. Halten Sie einen Moment inne. Jetzt atmen Sie langsam ein. Wenn das Diaphragma nach unten sinkt, richten Sie den Hals auf und nehmen Sie gleichzeitig die Procc. mastoidei nach innen.
Meiner Ansicht nach bedeutet eine Anspannung in der Falx cerebri und im Tentorium cerebelli mit einer Einschränkung der physiologischen Beweglichkeit am Foramen jugulare und in den postnasalen Geweben eine unvollständige Drainage von Gehirn und Gesichtsbereich. Eine vollständige Drainage ist aber ebenso notwendig wie das vollständige Entfernen von Altöl aus einem Motor, bevor frisches Öl eingefüllt wird. Darum ist eine Pause nach dem Ausatmen so wichtig, um das venöse Blut vollständig ausfließen zu lassen, bevor der ‚Denktank‘ wieder aufgefüllt wird. In der Pause wird das Foramen jugulare weit geöffnet und die postnasalen Gewebe sind entspannt. Eine vollständige Drainage ist möglich.60
Da sich das Foramen jugulare jeweils zur Hälfte zwischen dem Ossa temporalia und dem Os occipitale befindet, ist es wahrscheinlich, dass dies das physiologische Expansionsarrangement liefert, welches sich durch eine Rotationsbewegung seiner Gelenke öffnet. Das Foramen jugulare kann man mit den Foramina intervertebrales in ihrer Gelenkformation vergleichen. Augenscheinlich muss eine Einschränkung der Expansionsfunktion an den Foramina jugulares, die durch die Rotation an den Gelenken geschieht, vom Osteopathen ebenso beachtet werden, wie eine okzipitoatlantale knöcherne Dislokation. Meiner Meinung nach ist eine Restriktion am Foramen jugulare von größerer Bedeutung für die Beeinträchtigung der venösen Drainage aus der inneren Region des Schädels als eine im okzipitoatlantalen Bereich.61
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Lateral zur sphenobasilaren Verbindung sehen wir die Foramina lacera und die inneren Aa. carotis, wie sie durch einzelne Kanäle in den Partes petrosae der Ossa temporalia in den Schädel einfließen. Wie bereits erwähnt, glaube ich, dass das venöse Blut durch die Aktivität der Membran zu den Ausgängen an den Foramina jugulares transportiert wird.
Behalten Sie im Gedächtnis, dass die venösen Hauptkanäle innerhalb des Schädels deutlich andere Wände besitzen als jene außerhalb des Schädels. Das venöse Blut findet seinen Weg aus dem Schädel durch Ausgänge, welche durch die Gelenkverbindung zweier Knochen gebildet werden; die Foramina jugulares sind Beispiele dafür. Die Arterienwände jedoch sind innerhalb und außerhalb des Schädels gleich und besitzen die gleiche Innervation. Zusätzlich werden die Wände der Arterien auf ihrem Weg in den Schädel geschützt, da sie durch jeweils eigene Kanäle in den einzelnen Knochen hindurchtreten.
Daraus können wir schließen, dass eine Restriktion der Membranen den venösen Blutfluss und die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit beeinträchtigt. Während kraniale Dysfunktionen die primäre Ursache sein mögen, sind die intrakranialen Membranen, einschließlich der Dura mater und der Membrana arachnoidea, die eigentlich beeinträchtigenden ursächlichen Faktoren, die zu einer Krankheit oder Störung in der Hirnfunktion führen können.
Zum Beispiel treten heftige Vibrationen auf einem Kriegsschauplatz auf. Sie finden danach den Mechanismus ebenso blockiert vor, wie es manchmal zu einer Blockierung des hydraulischen Bremssystems Ihres Autos kommen kann. In einem plötzlichen Notfall verriegelt es buchstäblich. Bei den Erschütterungen auf dem Schlachtfeld kann es zu einem Schock der Dura mater kommen, sodass sie sich abschottend über alle Fissuren und Sulci des Gehirns legt. Darauf folgt eine Störung der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit in diesem Bereich, dem kortikalen Bereich.
Ich sah viele junge Soldaten, die von den Kriegsschauplätzen zurück nach San Francisco kamen. Es waren junge Männer mit grauem Haar. Ich interpretiere dies als einen Block der Membrana arachnoidea über die äußeren Fissuren des Neuralrohrs. Was würde dies mit der Pia mater anstellen, die für die Blutversorgung zu den Perivaskulärräumen zuständig ist?
Studieren Sie die Auswirkungen des ‚Absenken des Sakrum‘ und eines ‚faszialen Zugs‘ auf das gesamte Gefäßsystem, einschließlich der Rückkehr der Lymphe zum Herzen. Haben Sie von Dr. Stills Parabel von der Ziege und dem Felsbrocken gehört? Die Ziege kommt einen Bergpfad heruntergelaufen und rennt kopfüber in einen Felsbrocken. Ihr Schwanz fliegt hoch. Sie geht zurück und läuft noch einmal los.
Als sie dieses Mal gegen den Felsbrocken anrennt, fliegen ihre Hinterbeine nach oben. Sie geht noch einmal zurück, ganz weit hoch, kommt den Bergpfad heruntergerast und rammt den Felsbrocken, sodass „[…] das ganze verdammte Ding nach oben fliegt.“
In dieser Parabel ist der Bergpfad die Aorta. Der Felsbrocken sind die Crura diaphragmaticae in ihrer Kreuzung oberhalb der Aorta und der Cisterna chyli. Die Ziege stellt die Herzklappen dar, die das Blut vorantreiben, das die Aorta hinunterfließt.
Wenn wir die Crura studieren, lässt sich viel finden: Ein Zug auf die Faszien, auf das Centrum tendineum des Diaphragma, auf die mediastinalen Faszien, die zwischen dem Herzen und den Lungen verlaufen und sich dann hinten um die Halsmuskulatur legen. Haben Sie je innegehalten, um darüber nachzudenken, dass die prävertebrale Faszie oben um die gleichen Muskeln verläuft? Dieselbe Faszie befindet sich im Bereich der sympathischen Ganglien, welche vasomotorische Regulatoren sind. Jene gleiche Faszie ist an der Außenseite des Proc. basilaris des Os occipitale befestigt. Sie sehen, wir sind Ingenieure des mechanischen menschlichen Körpers, Ingenieure höchster Qualität.
Wenn wir ein Blutdruckmessgerät anlegen, pumpen wir das Gerät auf und bremsen den arteriellen Blutstrom ab. Was finden Sie dort oben im Falle einer Hirnblutung anderes vor als einen arteriellen Blutfluss? Die einzigen Gelegenheiten, bei denen ich jenes Gerät gebraucht habe, waren nötig, um die Lebensversicherungsgesellschaften mit Zahlen für ihre Akten zufriedenzustellen.
DAS LYMPHSYSTEM
Betrachten Sie nun ein weiteres Schutzsystem im grundlegenden Prinzip der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, das durch die Funktion der Transmutation an den Lymphknoten wirkt. Das bedeutet, sie62 kümmert sich um das Gift, das im Lymphsystem gesammelt wurde. Fühlen Sie, wie Sie die Tide mit Ihren 10 Fingern und mit Ihrem Verstand kontrollieren können. Mit der Kunst, diesen Mechanismus zu verstehen, können Sie das grundlegende Prinzip des Primären Atemmechanismus mit seiner höheren Intelligenz und mit seiner Potency zu dieser kurzen rhythmischen Periode seiner Fluktuation bringen.
Wenn Sie die Fluktuation zu diesem stillen, ruhigen Punkt gebracht haben, erreichen Sie einen sofortigen Austausch zwischen allen Körperflüssigkeiten. Dazu gehört auch die Elektrolyse in den Lymphknoten, welche die Lymphe auf ihre Rückkehr in den Blutstrom vorbereitet. Dies entspricht der Demonstration, welche ich Ihnen bereits mit dem Wasserglas und der übertragenen Vibration vorführte. Versuchen Sie einmal, dieses Prinzip bei Ihrem nächsten Fall von entzündlichem Rheumatismus oder rheumatischer Arthritis anzuwenden.
Sie werden nicht viele Fälle von Morb. Hodgkin sehen, aber ein solcher Zustand stellt Ihnen die Aufgabe, mit sehenden, klugen und wissenden Fingern nachzudenken. Vielleicht haben Sie die Informationen vergessen, die Sie über die damit verbundene Pathologie gelernt haben. Wenn der ‚Widder der Vernunft‘ des Alten Doktors Ihr Frontalhirn zu rammen beginnt, denken Sie an einige dieser Ströme, die aufgestaut werden, weil sich irgendwo am Ausgang des Flusses eine Blockade befindet.
Hier haben wir eine vaskuläre Störung. Ich würde sagen, ein Aufstauen von etwas – ein Aufstauen von Lymphe. Es gibt einen starken Stau und dieser wird zu einem ziemlich großen ätiologischen Faktor in jener Pathologie. Irgendwann muss es einen allgemeinen Zug auf die Faszien gegeben haben – nicht nur einem lokalen, spezifischen Zug auf die Faszien, sondern einen allgemeinen Zug auf diese wichtige Reziproke Spannungsmembran.
Wo würden wir nach einer Obstruktion der hauptsächlichen Lymphdrainage suchen? Die Drainage des gesamten Körpers außer der des rechten oberen Quadranten? Denken Sie an den Ductus thoracicus, der von der Cisterna chyli wegführt, in welche die Lymphe von unterhalb drainiert. Die Lymphe wird im Anschluss daran den Ductus hinauf transportiert und in die linke V. subclavia entleert. Denken Sie wieder an die Ziege des Alten Doktors auf dem Bergpfad, die an jener Stelle gegen den Felsbrocken läuft, an der sich die Crura diaphragmatica oberhalb der Aorta und der Cisterna chyli kreuzen. Können Sie es sich nun bildlich vorstellen?
Lassen Sie uns jetzt über die Anwendung der Wissenschaft der Osteopathie sprechen. Wie können wir den normalen Fluss des Lymphstromes regulieren und sicherstellen? Ich möchte diese Anwendung als eine Demonstration nicht-schneidender Medizin bezeichnen.
Es ist bei jeder Behandlung notwendig, sich als ersten Schritt des Vorgehens ein mentales Bild des Mechanismus zu machen. Beachten Sie, dass das physikalische Ausleeren des Lymphstromes in das venöse System am Eintrittsort des Ductus thoracicus in die V. subclavia sinistra passiert. Diese physiologische Entleerung verlangt einen sanften und ziemlich einzigartigen siphonartigen, ansaugenden Vorgang im Ductus thoracicus.
Dieser Vorgang kann mithilfe fühlender, sehender, kluger und wissender Finger unterstützt und erleichtert werden. Eine solche Unterstützung unterscheidet sich eindeutig von manueller Manipulation. Während der Behandlung stellen die Finger der einen Hand den Kontakt zu den Lymphknoten her, während durch die andere Hand, die darüber gelegt wird, eine sich übertragende Vibration verursacht wird. Zwischen den Anwendungen sollte eine Ruhepause erfolgen.
Die erste Anwendung wird am oberen linken Thorax nahe der Axilla durchgeführt. Die zweite geschieht mit einem Lift im Bereich oberhalb der Cisterna chyli. Die dritte Anwendung erfolgt mit einem Lift am großen Omentum.
Diese sich übertragende Vibration setzt einen siphonartigen, saugenden Prozess in Gang. Der erste ansaugende Vorgang tritt an jener Stelle im oberen linken Bereich des Thorax auf der Ebene der Axilla auf, wo sich Lymphknoten befinden Wenn Sie sie nicht finden, schauen Sie nach den Chapman-Reflexen. Dann gehen Sie hinunter zum Epigastrium. Dort befinden sich weitere Lymphknoten. Als Nächstes gehen Sie zum Omentum hinunter und heben es an. Das Ziel beim Liften des großen Omentum ist, es umzudrehen.
Auch dort befinden sich Lymphknoten, diese kleinen Dinge, durch die ‚feinere Nerven verlaufen als sogar im Auge‘. Das gilt für das gesamte Lymphsystem des Körpers. Ich kann mich an einen Patienten erinnern, einen Kriegsveteranen, mit einem schlimmen Fall von Lymphstau und all den daraus resultierenden Folgen. Nachdem der Stau aufgehoben war, kam es zu einem der überraschendsten Ergebnisse, die sich je vor den Augen eines Behandlers abgespielt haben.
Alles, was dazu gehört, ist das Ziel, die Lymphe durch ihre normalen Kanäle und all die kleinen Knoten fließen zu lassen. Das System sammelt ständig Stoffe an. Es handelt sich um das Klärsystem des Körpers, welches die Stoffwechselabfälle abtransportiert, die Gifte und die Moleküle, denen die Kapillaren verschlossen sind. Es ist ein wunderbares System.
Sie haben sicherlich schon von Millers lymphatischer Pumpe gehört.63 Sie macht das Gleiche mithilfe des sekundären Atmungssystems.
Mit der von mir beschriebenen Methode zur Erleichterung des Lymphstromes und der Kontrolle der Tide, indem man die Fluktuation auf ihre kurze rhythmische Periode herunterbringt, haben Sie einen Austausch sämtlicher Körperflüssigkeiten. Wenn Sie den Primären Atemmechanismus nutzen, müssen Sie keinen mechanischen Aufwand betreiben. Durch das Halten der Wände des vierten Ventrikels bekommen Sie eine Transmutation. Sie haben es mit dem Motor zu tun, der die Arbeit durch die primären Atemzentren am Boden des vierten Ventrikels übernimmt. Über diese physiologischen Zentren können Sie das gesamte System erreichen.

ZEICHNUNG I–14: DIE ANWENDUNGSBEREICHE FÜR DIE BEHANDLUNG DER LYMPHE NACH DR. SUTHERLAND
Gezeigt werden das Gebiet der Verbindungsstelle zwischen Ductus thoracicus und V. subclavia, der Verlauf des Ductus thoracicus und das Omentum.
Von Zeit zu Zeit werden Sie mich sagen hören, dass der arterielle Blutstrom übergeordnet ist; aber die Zerebrospinale Flüssigkeit hat das Kommando. Ich hoffe, Sie werden verstehen, dass das Kraniale Konzept ein Gedankenbeitrag ist, der die Aufmerksamkeit auf einen bis dahin unerforschten Bereich oder Zweig der Wissenschaft der Osteopathie lenkt. Es ist ein Gedanke, der sich in keiner Weise von der Wissenschaft der Osteopathie entfernt. Machen Sie sich das klar. Keine Trennung. Es handelt sich nicht um eine Spezialisierung an sich; es ist nicht einfach eine Behandlungsmethode. Wir haben es mit einer Wissenschaft zu tun.
11. ENGPASS-NEUROPATHIE
Es ist wichtig, die Nervenfasern und Ganglien in ihrer Beziehung zur Bewegung der Knochen zu visualisieren, um ein komplettes diagnostisches Bild der Probleme Ihrer Patienten zu bekommen. Ich möchte mit Ihnen einige meiner Erfahrungen in bestimmten Situationen teilen. Denken Sie aber daran, dass die Möglichkeiten endlos sein können. Lernen Sie, mit Ihrem Wissen über den Verlauf, den die Nerven von ihren Nuclei zu ihrem jeweiligen Ziel nehmen, zu arbeiten. Berücksichtigen Sie dabei vor allem, dass unendlich kleine Strains im kranialen Bereich möglich sind.
Betrachten Sie die durale Umhüllung des V. Hirnnervs an seiner Verzweigung, dort wo die einzelnen Zweige das Ganglion trigeminale verlassen. Fokussieren Sie ihre Aufmerksamkeit auf einen unendlich kleinen Strain der duralen Umhüllung des mittleren Zweiges, dem N. maxillaris, wenn eine Rotation der Pars petrosa des Os temporale die Spannung in diesem Bereich erhöht. Eine solche Situation besteht häufig im Falle einer Trigeminusneuralgie. Stellen Sie sich vor, wie unangenehm es für einen Menschen ist, eine enganliegende Ärmelmanschette zu tragen. Dies ist ein passendes Bild für einen Vergleich mit dem unangenehmen Gefühl im Gesicht, das man bei einer Trigeminusneuralgie verspürt.
Es gibt eine weitere kleine Situation, die man bei einer Trigeminusneuralgie erkennen muss. Es handelt sich dabei um einen besonderen Strain im Verlauf des N. infraorbitalis, der durch eine Überdehnung hervorgerufen wird. Die enganliegende durale Umhüllung ist möglicherweise beeinträchtigt im Verlauf des Nervs, um die schmale Rinne am Proc. orbitalis des Os palatinum und weiter durch die Rille in der Maxilla, bis zu seinem Ausgang am Foramen infraorbitale unterhalb des Os zygomaticum.
Ich rate zu einer genauen Untersuchung, um zu wissen, ob winzige Strains in der Beziehungsmechanik zwischen den Ossa palatina und den Maxillen vorkommen. Denken Sie dabei immer an Auswirkungen auf das Ganglion pterygopalatinum. Diese Art Strain, hervorgerufen durch Überdehnung, kann auch im Verlauf des N. ischiadicus vorkommen. Es gibt spezifische Stellen im Verlauf all dieser Nerven, an welchen dieses Entrapment-Problem auftauchen kann.
Stellen Sie sich die Auswirkung von Bewegung auf die physiologische Funktion des Ganglion trigeminale vor. Letzteres befindet sich in der Nähe der Spitze der Partes petrosae der Ossa temporalia, an der diese spezielle rollende, rotierende Bewegung die gesamte Zeit regelmäßig stattfindet. Fühlen Sie die schaukelnde Bewegung der Lamina cribrosa des Os ethmoidale in Verbindung mit den Bulbi olfactorii. Sehen Sie nun die ‚Bewegungsvision‘ in der Aufhängung des Ganglion ciliare in den Orbitae.
Strains dieser Art treten möglicherweise auch im Bereich des Truncus cerebri zwischen dem Aquaeductus cerebri und dem Canalis centralis des Rückenmarks auf – das heißt im Bereich des vierten Ventrikelbodens64.
Erinnern Sie sich an die Position der Nuclei und daran, wie die Hirnnerven verlaufen. Mit Ausnahme der ersten beiden verlassen alle Hirnnerven den Schädel, also denken Sie auch besonders an die Foramina. Sie verstehen den Mechanismus des lebenden Gehirns, der in einem beweglichen Schädel sitzt und unter bestimmten Umständen allen möglichen Strains ausgesetzt ist. Betrachten Sie alle Austrittslöcher der Hirnnerven, um zu sehen, ob für ihre Passage genügend Raum vorhanden ist.
Denken Sie insbesondere an die Foramina jugulares. Man kann sie mit intervertebralen Foramina und die Partes petrosae der Ossa temporalia mit Rippenhälsen vergleichen. Was befindet sich dort am Foramen jugulare außer der V. jugularis interna? Der neunte, X. und XI. Hirnnerv auf ihrem Weg aus dem Schädel heraus. Können Änderungen der Größe und der Gestalt jenes Foramen, das durch zwei Knochen geformt wird, zu einer Entrapment-Neuropathie führen? Das ist möglich.
Nun wollen wir die Rippen und ihre dazugehörigen Wirbel betrachten. Denken Sie über die Auswirkung eines winzigen Strains im normalen Gelenkspiel der Rippenköpfchen nach. Dies könnte die nahegelegenen sympathischen Ganglien stören. Gleichzeitig halten Sie Ausschau nach Strains zwischen Wirbeln, die zusammen gehören und die Auswirkung auf die interkostalen Nerven, wobei Sie an die Gesamtverteilung jener Nerven denken. Prüfen Sie den gesamten Nervenverlauf eines Schmerzsignals zum dorsalen Wurzelganglion auf mechanische Faktoren, welche die Funktion und das Wohlbefinden stören können. In Fällen von Interkostalneuralgie, Neuritis und Herpes Zoster ist dies eindeutig nötig.
Eine Rippe rotiert während der Inhalation und Exhalation in Bezug auf die Mittellinienstrukturen nach innen und außen, ebenso wie alle paarigen lateralen Strukturen überall sonst im Körper. Stellen Sie sich den Rippenhals bildlich vor. Erinnert er Sie an die Bewegung einer Jalousie? Wenn die Jalousie geschlossen ist, gibt es noch Platz zwischen ihr und der Fensterscheibe. Sehen Sie sich sämtliche Rippenhälse beidseits der hinteren Thoraxwand an. Drehen Sie die Rippen in Gedanken, wie sich Jalousien drehen. Achten Sie dabei auf die Änderung des Raumes zwischen der Rippe und dem Gewebe davor – namentlich den Lungen. Visualisieren Sie die prävertebrale Faszie, die nahe an den sympathischen Ganglien und Blutgefäßen verläuft. Was geschieht, wenn die Jalousien, die Hälse der Rippen, nach innen oder außen rotieren? Die Bewegung verändert den Raum, den prävertebralen Raum zwischen Rippen und Lungen.
Nehmen wir an, eine dieser Jalousien (Rippen) luxiert entweder in Außen- oder Innenrotation, zusammen mit einer Störung der funktionellen Physiologie der Grenzstrangganglien – der sympathischen Ganglien. Was geschieht in der Nähe dieses Ganglion mit dem Rippenköpfchen, wenn die Rippe in einer Position festgehalten wird? Sie haben dann die gleiche Art von Störung vor sich, als ob jenes kleine Ding, das Ganglion pterygopalatinum genannt wird, nicht richtig arbeitet.
Angenommen Sie haben einen Patienten mit einer Hyperextension im Bereich der oberen oder mittleren Brustwirbelsäule: Sie haben sich bemüht, eine Änderung herbeizuführen, aber Sie haben keine Fortschritte gemacht. Warum bekommen Sie nicht das Ergebnis, um welches Sie sich bemüht haben? Weil der Kopf einer Rippe die zu ihr gehörigen Wirbel in dieser Position hält.

ZEICHNUNG I–15(A): ANTERIORE ANSICHT DER HINTEREN THORAXWAND
Gezeigt wird die Beziehung der sympathischen Grenzstrangganglien zu den kostovertebralen Gelenken.

ZEICHNUNG I–15(B): EIN TRANSVERSALER QUERSCHNITT DES KOSTOVERTEBRALEN GELENKS
Mit seiner Beziehung zu einem sympathischen Grenzstrangganglion.
Um diesen Zustand zu behandeln, müssen Sie lediglich die Schraube – also die Rippe – in einer Position halten. Es macht keinen Unterschied, ob Sie sie in Innen- oder Außenrotation halten. Sie halten die Schraube und bitten den Patienten die Mutter zu drehen – das heißt das Facettengelenk oder die Facettengelenke der dazugehörigen Wirbel. Der Patient tut dies, indem er die gegenüberliegende Schulter wegdreht oder vielleicht nur seinen Kopf. Wenn Atemkooperation zusätzlich zur Haltungskooperation angewandt wird, werden die mit den betroffenen Gelenken verbundenen Bänder, welche das Rippenköpfchen im Gelenk halten, es wieder in eine normale Position zurückführen.
Sie wenden die gleiche Haltungs- und Atemkooperation bei der entsprechenden Rippe der Gegenseite an. Was geschieht nun mit jener sogenannten chronischen Extensionsdysfunktion im Bereich des Thorax, wenn die normale Bewegungsfreiheit wiederhergestellt ist? Die gleichen Ergebnisse, die Sie vorfanden, als Sie bei Strains im kranialen Bereich Erleichterung verschafften. Die Entrapment-Neuropathie ist beseitigt.
12. TRAUMA
Es gibt drei verschiedene wichtige Aspekte, wenn wir über den lebendigen menschlichen Körper inklusive Schädel nachdenken. Der erste ist die Betrachtung der unwillkürlichen Physiologie, so wie sie ununterbrochen abläuft, mit ihren dazugehörigen mechanischen Aspekten. Hier beobachten wir die Flexion und Extension der Mittellinienstrukturen zusammen mit der Außen- und Innenrotation der paarigen lateralen Strukturen.
Der zweite wichtige Aspekt ist die Anpassung, die diese lebendige Struktur aufgrund von haltungsbedingten und diversen Belastungen durchführen muss. Dadurch entstehen Muster, die bei einer strukturellen osteopathischen Untersuchung bemerkt werden. Solche Muster sind beim Erwachsenen Ausdruck kleiner Strains, die zuerst in der Kindheit entstanden sind und sich später mit dem Wachstum vergrößert haben, das Phänomen des ‚krummen Zweiges‘.
Der dritte Aspekt sind die Traumen, im Sinne einer Verletzung durch die Einwirkung einer Kraft von außen auf den lebendigen Schädel. Falls sich der Kopf während der Übertragung einer solchen Kraft als Ganzes bewegen kann, werden die Auswirkungen auf den Mechanismus minimiert. Aber die Auswirkungen eines schwunghaften Impulses auf Trägheit (sobald also ein sich bewegendes Objekt auf ein stehendes trifft) zeigen ein Spektrum schwerwiegender Folgen und auch eine unbegrenzte Vielzahl damit verbundener Konsequenzen. Dieser kurze Vortrag von Dr. Sutherland vermittelt längst nicht alles, was er in den vielen Jahren seiner Unterrichtszeit zu diesem Thema zu sagen hatte.
Die Folgen eines Schädeltraumas sind in der osteopathischen Praxis sehr häufig anzutreffen. Strains im Bereich der kranialen membranösen Gelenke sind oft die Auswirkung von Operationen, die aufgrund eines anderen Problems durchgeführt wurden. Eine einfache Prozedur wie die Extraktion eines Zahnes kann ungewollt einen Strain des Gesichtsmechanismus oder sogar in der Fossa cranii posterior hervorrufen.
Die großen Verbesserungen im Transport verletzter Personen verhindern die vielen Sekundärverletzungen, die es früher noch häufiger gab. Man hat erkannt, dass ein verletzter oder bewusstloser menschlicher Körper unabsichtlichen Überlastungen eher ausgesetzt ist, weil der Muskeltonus, der die Gelenke sonst schützt, nicht arbeitet. Die Bänder erlauben unter solchen Umständen einen größeren Bewegungsradius, was dazu führen kann, dass es zu einem Strain durch Überbeanspruchung kommt.
In Notfällen, die vorrangige Aufmerksamkeit in einem anderen Bereich benötigen, gibt es häufig geringfügigere Traumen, die nicht vergessen werden sollten. Bei einem einzelnen Zwischenfall können oft viele Verletzungen auftreten. Ärzte müssen sich zuallererst um die dringendsten kümmern. Es gibt aber viele Folgeerscheinungen, die sich erst nach einiger Zeit manifestieren. Wenn sie nicht zu gegebener Zeit behandelt werden, können sie die Basis für spätere Beschwerden sein. Eine vollständige Untersuchung, welche all die kleinen, mit dem Unfall verbundenen Verletzungen berücksichtigt, sollte zum langfristigen Wohl des Patienten rechtzeitig durchgeführt werden.
Es gibt zahllose traumatische Folgen bei Unfällen, bei denen es um das Zusammentreffen eines schwunghaften Impulses und Trägheit geht. Zudem gibt es verschiedene Typen von Strains im kranialen membranösen Gelenkbereich aufgrund einer direkten äußeren Krafteinwirkung. Solche lokal begrenzten Geschehnisse müssen mithilfe lokaler Anatomie analysiert werden. Sollte hier auch noch mentaler und emotionaler Stress hinzukommen, werden die Auswirkungen noch verstärkt. ‚Schützengrabenschock‘ und heftige Erschütterung in der Umgebung sind ebenfalls äußere Kräfte, die sich auf den kranialen Mechanismus auswirken.
Wenn die Art der Entstehung eines traumatischen Zwischenfalls bekannt ist, wird bei der Benennung der Dysfunktion zunächst der Knochen genannt, der als erster von der äußeren Einwirkung betroffen wurde, und an zweiter Stelle dann der benachbarte Knochen. Zum Beispiel kann ein Schlag auf die Stirn das (die) Os frontale (Ossa frontalia) auf die Sutura coronalis zwischen die Ossa parietalia schieben. Das nennt man frontoparietale Dysfunktion. Erfolgte der Aufprall auf das Os parietale, spricht man von parietofrontaler Dysfunktion.
Als ich noch sehr jung war, hatte ich einen Bruder, Steve, der mich in Schwierigkeiten brachte. Er hatte die Gewohnheit, auf irgendeinen hohen Baum zu steigen und herunterzuspringen. Er landete leichtfüßig. Ich dagegen fiel auf meine Sitzhöcker. Wenn Sie aus größerer Höhe hinunterspringen und auf gestreckten Beinen landen oder auch wenn Sie hinunterfallen und auf Ihren Sitzhöckern landen, sind Sie beim Aufprall einem schwunghaften Impuls, der auf Trägheit trifft, ausgesetzt – und das nicht nur an einer Stelle.
Denken Sie an die Cisterna magna, an die Masse der Zerebrospinalen Flüssigkeit im Spatium subarachnoidale der Fossa cranii posterior. Wenn dort der durch Trägheit abgebremste Impuls ankommt, kann die Medulla oblongata in das Foramen magnum absinken, während das Cerebellum von oben darübersackt und die Zerebrospinale Flüssigkeit hinausgedrückt wird. Mit diesem Bild wird angedeutet, was bei einer solchen Art von Gelenkstrain im kranialen Bereich passieren kann. Man könnte sagen, dass das Cerebellum auf den vierten Ventrikel hinuntersackt und ihn komprimiert oder vielleicht, dass eine okzipitomastoidale Dysfunktion entsteht.
Drehen Sie die Wörter um und nennen Sie es eine mastoidokzipitale Dysfunktion. Dies ist eine andere Möglichkeit, da eine Kraft von außen auch zuerst die Ossa temporalia treffen kann. Man hat die gleichen Folgen. Es kommt zu einer Kompression in jenem wichtigen Bereich. Und was für ein träges Gefühl ergibt sich daraus. Sie werden dieses Problem (eine okzipitomastoidale Dysfunktion) auch bei vielen Patienten mit psychiatrischen Beschwerden antreffen.
Es gibt noch eine weitere Cisterna, die wir Cisterna interpeduncularis nennen. Sie liegt direkt über der Sella turcica. Ein Schlag von oben auf den Kopf kann dort eine ähnliche Kompression hervorrufen, welche die Flüssigkeit herausdrückt. Hier kann dies zu einer Einengung des Chiasma opticum führen. Manchmal wird dadurch die Retina des Augapfels beeinträchtigt und es kommt zu einem Papillenödem.
Die Membrana arachnoidea legt sich nicht wie die Pia mater in die Fissuren und Sulci des zerebralen Kortex. Diese Leptomeningen sind für die Verteilung der Zerebrospinalen Flüssigkeit an der Außenseite des Neuralrohrs zuständig. Die Membrana arachnoidea erstreckt sich über die Fissuren. Wenn es nun zu heftigen Vibrationen wie auf einem Kriegsschauplatz oder zu einer anderen heftigen Erschütterung kommt, blockiert diese Membran über dem zerebralen Kortex, der ja eine Konsistenz wie weicher Pudding hat. Daraus ergibt sich eine Störung der Fluktuation der Flüssigkeit im Bereich des Kortex. Bei Unfällen, bei denen es einen schwungvollen Impuls und dann einen Zusammenprall mit einem stehenden Objekt gibt, was ein ‚Schleudertrauma‘ mit sich bringt, gibt es normalerweise eine Erschütterung innerhalb des Schädels und einen Contrecoup-Effekt. Arbeit mit der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, die den Normalzustand kurz nach so einem traumatischen Zwischenfall wiederherstellt, kann die Entwicklung eines postkommotionalen Syndroms verhindern. Zwar ist es auch noch lange nach einem Unfall möglich, den bei diesem Syndrom auftretenden Zustand zu verbessern, aber vorzubeugen ist besser.
Nehmen wir an, Sie bekommen einen Schlag auf das Os frontale in der Nähe des Angulus frontozygomaticus. Können Sie sich vorstellen, wie dies das kleine Os palatinum auf das Ganglion pterygopalatinum schieben kann? Je nach Richtung einer solchen Krafteinwirkung kann es zur Blockierung der sphenozygomatischen Gelenkverbindung in der lateralen Orbitawand kommen. Wenn der Schlag sehr heftig ist, kann es sogar zur Fraktur in der lateralen Orbitawand kommen. Solch ein Faktor in diesem Bereich kann auch die Bewegung des Os sphenoidale blockieren.
Man tut gut daran, die Tatsache zu berücksichtigen, dass die Pars petrosa des Os temporale nicht nur nach innen und außen in Relation zum Proc. basilaris des Os occipitale rotiert, sondern auch medial und lateral gleitet. Es kam schon vor, dass ein Golfball, der durch die Luft geflogen kam und auf dem mastoidalen Bereich des Os temporale genau hinter der Ohrmuschel landete, die Pars petrosa medial in die Schädelbasis schob. Daraus können komplizierte medizinische Probleme für den Patienten resultieren. Auf der anderen Seite kann ein Sturz, bei dem der Kopf mit der Squama occipitalis auf dem Gehsteig landet, zu einer Situation führen, in der das Os temporale lateral hinausgleitet. Die vorsichtige Anwendung des Prinzips der ausgeglichenen Membranspannung wird die prompte Wiederherstellung des Normalzustandes unterstützen. Der Patient wird über den plötzlichen Unterschied staunen.
***
Im Folgenden sind anatomische Charakteristika aufgeführt, die normalerweise die Effekte von Gewalteinwirkung auf den Schädel minimieren:
1. Die Dichte und Beweglichkeit der Kopfhaut.
2. Die kuppelartige Schädelform, wodurch relativ starke Schläge ausgehalten werden und auch abgleiten können.
3. Die Anzahl der Knochen, wodurch sich normalerweise die Kraft eines Schlages verteilt.
4. Die Suturen, welche die Übertragung der Gewalteinwirkung unterbrechen.
5. Die Membran zwischen den Suturen, die bei kleinen Kindern als linearer Puffer fungiert.
6. Die Elastizität der äußeren Schicht.
7. Das Überlappen einiger Knochen (z. B. das Os parietale durch die Squama temporalis) und die wechselnde Abschrägung benachbarter Knochen (z. B. an der Sutura coronalis).
8. Das Vorhandensein von Rippen oder Leisten (z. B. von der Crista galli bis zur Protuberantia interna des Os occipitale, von der Nasenwurzel bis zum Proc. zygomaticus, vom temporalen Grat der Orbita bis zum Os mastoideum, von einem Os mastoideum zum anderen, von der Protuberantia externa bis zum Foramen magnum).
9. Pfeiler (z. B. Proc. zygomaticus und Ala major des Os sphenoidale).
10. Die Beweglichkeit des Kopfes auf der Wirbelsäule.65
13. DIAGNOSE UND BEHANDLUNG
DIAGNOSE
Es gibt mehrere Grundsätze, die ich angewandt habe, um die Situation am lebendigen Kopf zu diagnostizieren. Der erste wichtige Punkt in diesem Prozess ist der Gebrauch Ihrer Hände bei der Palpation und den Bewegungstests. Dabei können Sie Ihren Tastsinn ebenso nutzen wie Ihr Sehvermögen, um Beobachtungen zur Schädel und Gesichtsform als Ganzes und auch im Detail anzustellen. Sie können zahlreiche Orientierungspunkte, die Größe und Form einzelner Knochen erspüren und den Verlauf der Suturen ertasten. Diese erste Untersuchung ist relativ oberflächlich, aber sie ist die Basis für Ihre weiteren Befunde.
Bei der Palpation legen Sie Ihre Finger sanft auf den Schädel, das Abdomen oder eine andere Stelle des Körpers des Patienten. Lassen Sie Ihre Hände sein wie ein Vogel, der auf einem Ast landet, ihn still berührt, um sich schließlich auf dieser Stelle niederzulassen. Während Ihre Finger dort fühlen, sehen, denken und wissen, können sie Ihnen in einer Minute mehr erzählen, als ein fester Griff in einer ganzen Stunde erfassen kann. Sie werden sich darin üben, zu beobachten ohne einzugreifen. Wenn Sie versuchen, das Schädeldach fest anzufassen, erfahren Sie nicht viel, da Sie den Tastsinn, den Propriozeptions-Sinn, mit der Bewegungskraft Ihrer Hand vermischen werden.
Jetzt möchte ich Ihnen etwas darüber erzählen, wie man die Berührung am Schädeldach nutzen kann, um die Vorgänge im Gelenkmechanismus der Schädelbasis zu erkennen und zu verstehen.
Zunächst muss ich erwähnen, dass Sie die Gelenkverbindungen der Knochen der Schädelbasis nicht direkt ertasten können. Deshalb wird Ihnen die Berührung des Schädeldachs zwei Dinge sagen: erstens Fakten über das Schädeldach selbst und zweitens Fakten über die Schädelbasis, die Sie über das Schädeldach wahrnehmen können.
Den manuellen Kontakt, den ich bei der Untersuchung des Schädeldachs zur Diagnose der Bewegung in der Schädelbasis am nützlichsten finde, kann man sich wie eine Zange vorstellen. Das heißt, Hände und Arme funktionieren gemeinsam wie besagtes Werkzeug. Es handelt sich hierbei um eine Modifikation jener Art des Kontakts, die Dr. Still bei seiner ‚Handgelenk-Technik‘ lehrte. Um das Schädeldach zu berühren, sitzt der Therapeut am Ende der Behandlungsbank und der Patient liegt auf dem Rücken. Der Therapeut platziert die Handinnenflächen auf den Ossa parietalia, also dem Schädeldach seines Patienten. Seine Daumen sind oberhalb des Vertex gekreuzt und seine Arme hängen entspannt von den Schultern. Dieses Arrangement kann man mit einer Zange vergleichen. Die Innenflächen der Finger passen sich dem Kopf des Patienten so an, dass man sie gut nutzen kann. Das Überkreuzen der Daumen schafft ein kleines Fulkrum, wie das Fulkrum einer Zange. Die Unterarme des Therapeuten entsprechen den Griffen der Zange.
Dann lernen Sie die Muskeln des Unterarms, die Flexoren, zu benutzen, um Ihren Kontakt am Patienten zu beeinflussen. Der Therapeut benutzt den M. flexor digitorum profundus und den M. flexor pollicis longus bei der Entwicklung seiner manuellen Fähigkeiten. Beachten Sie, dass meine Finger bei meiner Demonstration dieses Kontakts am Schädeldach nicht zu weit unten an der Seite des Patientenkopfes liegen. So kann ich nämlich die Schädelbasis nicht erreichen. Die Kontaktaufnahme mit den Ossa parietalia erfolgt durch die Innenflächen der proximalen Fingeranteile auf und hinter den Tubera parietalia.
Die Berührung ist plastisch, nicht fest, und erlaubt mir ein leichtes Liften, sobald sich die Ossa parietalia lateral bewegen. Die Anguli posteriores inferiores bewegen sich anterolateral. Die Bewegung an diesem Angulus verläuft auch nach oben und ist weiträumiger als die Bewegung der Anguli anteriores inferiores. Die Gelenkführungen tragen die Bewegung einfach weiter, sobald diese in Richtung Außenrotation begonnen hat. Die Bewegung in diese Richtung findet statt, wenn sich die sphenobasilare Verbindung in ihre Flexionsposition begibt.
Sie müssen also das Schädeldach lediglich in seine Flexionsposition bewegen – ihm sozusagen einen kleinen ‚Anstoß‘ geben. Die Flüssigkeit, die Tide, trägt es dann weiter zu seinem vollen Ausmaß der Flexionsbewegung. Sie zwingen also die Bewegung nicht über diesen Punkt im Bewegungsausmaß hinaus, welcher sich ergibt, wenn die Flüssigkeit weiterführt, was Sie begonnen haben. Die gleiche Vorgehensweise wird angewendet, um die Bewegung in Extension zu initiieren. Sie brauchen nur das Fulkrum, die gekreuzten Daumen, durch die Griffe, also die Unterarme, zu verändern. Wenden Sie eine geringe Kompression an, der ein Drehen der Ossa parietalia in Richtung Innenrotation folgt. Dies initiiert eine Extensionsbewegung an der sphenobasilaren Verbindung. So können Sie diagnostizieren, ob die Schädelbasis sich weiter in Flexion als in Extension bewegt oder umgekehrt. Sie werden es wissen, da Sie nichts erzwungen haben. Sie haben lediglich der Tide erlaubt, das Schädeldach in seinem normalen Bewegungsausmaß in Flexion und Extension zu bewegen.
DIE SIDEBENDING/ROTATIONS- UND TORSIONSMUSTER
Die nächste diagnostische Untersuchung, die ich demonstrieren möchte, betrifft das Sidebending/Rotationsmuster an der sphenobasilaren Verbindung. Die Hände liegen auf dem Schädeldach, genauso wie beim Testen der Flexion und Extension. Die Daumen sind oberhalb des Vertex so gekreuzt, dass meine Arme wieder als Griffe dienen können. Platzieren Sie nun einen Zeigefinger auf der Squama frontalis und einen weiteren Finger – vielleicht den Ringfinger – auf dem Angulus posterior inferior der Ossa parietalia.
Sidebending/Rotation mit Konvexität auf der linken Seite. Sowohl die Alae majores des Os sphenoidale als auch das Os occipitale stehen auf der Seite der Konvexität tiefer.
Torsion mit der Ala major oben rechts. Das Os occipitale steht auf der Seite der hoch liegenden Ala major tiefer.
Indem Sie die beiden Finger auf der Seite der Konkavität annähern und die anderen beiden Finger auf der Seite der Konvexität auseinandergehen lassen, schaffen Sie eine Krümmung. Beobachten Sie den Kontakt der Daumen an ihrem Kreuzungspunkt. Fühlen Sie, dass das Fulkrum sich verlagert, sobald sich die aufspreizenden Finger nach unten bewegen, wenn die Rotation zusammen mit dem Sidebending stattfindet.
Wieder geben Sie nur einen Anstoß und die Tide trägt alles weiter in die Sidebending/Rotation.
Bei diesem Muster bewegt sich die Ala major des Os sphenoidale auf der Seite, auf welcher Sie Ihre Finger zusammengeführt haben, nach oben. Die Ala major geht auf jener Seite, auf der Sie Ihre Finger auseinandergeschoben haben, der Seite der Konvexität, nach unten. An der sphenobasilaren Verbindung heben sich das Corpus des Os sphenoidale und der Proc. basilaris des Os occipitale gemeinsam auf einer Seite an und gehen auf der anderen Seite gemeinsam nach unten. Diese Rotation findet statt, weil der Clivus leicht bogenförmig ist. Sidebending kann nicht ohne eine gewisse Rotation erfolgen.
Was machen die Ossa temporalia, wenn sich die sphenobasilare Verbindung in das Muster der Sidebending/Rotation, konvex auf der rechten oder der linken Seite, bewegt? Sie können die Ossa temporalia mit Ihren Fingern an den mastoidalen Winkeln der Ossa parietalia fühlen, da die Pars mastoidea der Ossa temporalia mit dem posterioren inferioren Angulus der Ossa parietalia artikuliert. Sie können erfühlen, wie sie sich an der parietomastoidalen Gelenkverbindung nach innen und außen bewegen. Da Sie den Mechanismus kennen, können Sie die Innen- und Außenrotation der Partes petrosae durch das, was Sie an der parietomastoidalen Gelenkverbindung fühlen, nachvollziehen.
Wollen Sie nun einen Test für das Muster der Torsion durchführen, behalten Sie Ihren Zeigefinger auf der Squama frontalis und berühren mit Ihrem kleinen Finger die Squama occipitalis, das interparietale Os occipitale. Lediglich der Zeigefinger auf der einen Seite und der kleine Finger auf der gegenüberliegenden Seite werden arbeiten. Die anderen Finger ruhen, während sie auf dem Kopf liegen; die Daumen sind gekreuzt. Das Torsionsmuster bedeutet eine Verdrehung an der sphenobasilaren Verbindung. Es wird nach der höher liegenden Ala major des Os sphenoidale benannt, denn das Os sphenoidale hat sich auf seiner anterior-posterioren Achse gedreht und eine Ala major liegt höher als die andere. Daraus folgt, dass sich das Os occipitale gedreht hat, um auf jener Seite, auf der sich die Ala major abgesenkt hat, nach oben zu gehen.

ZEICHNUNG I–16: SCHEMATISCHE DARSTELLUNGEN DER MUSTER DER SPHENOBASILAREN VERBINDUNG
Beachten Sie, dass bei Sidebending/Rotation und Torsion das Os sphenoidale und das Os occipitale in entgegengesetzten Richtungen um die angegebenen Achsen rotieren. a) Sidebending/Rotation mit Konvexität auf der linken Seite. Sowohl die Alae majores des Os sphenoidale als auch das Os occipitale stehen auf der konvexen Seite tiefer. b) Torsion der Ala Major oben rechts. Das Os occipitale steht auf der Seite der hoch liegenden Ala major tiefer.
In diesem Fall bringen Sie die Bewegung einfach in Gang und beobachten, dass der Mechanismus sie in die begonnene Richtung zu ihrem vollen Ausmaß weiterführt. Mit dem einen Zeigefinger heben Sie die Ala major des Os sphenoidale auf der einen Seite an, mit dem kleinen Finger der anderen Hand heben Sie das Os occipitale auf der anderen Seite an.66 Falls dieses Torsionsmuster auf Ihr Vorgehen anspricht, spüren Sie sofort eine Antwort an der sphenobasilaren Verbindung. Dann erlauben Sie dem Mechanismus, wieder in den neutralen Zustand zurückzukehren, und testen danach die Torsion in die andere Richtung. Die Reaktion lässt sich auf die gleiche Weise beobachten.
Wenn diese Reaktionen abgeklungen sind und der Mechanismus wieder in den Neutralzustand zurückgekehrt ist, vergleichen Sie die Schnelligkeit,67 freie Beweglichkeit und Bewegungsausmaß, um Ihre diagnostischen Schlüsse zu ziehen. Ihre Schlussfolgerungen hängen von den Richtungen ab, in welche die Knochen sich am schnellsten, ungehindertsten und weitesten bewegen. Existieren Strains, zeigt sich eine größere Beweglichkeit in die eine Richtung und eine Einschränkung in die andere. Das Strainmuster wird nach der Richtung der freieren, ausladenderen Bewegung benannt. Ich habe dieses Diagnoseschema angewendet, damit mir meine Aufzeichnungen die diagnostischen Fakten eines jeden Patientenbesuchs liefern können. Dieses Schema ist auch nützlich für den Unterricht. Es drückt jedoch keinesfalls die absolute Art und Weise aus, wie der Mechanismus arbeitet.
Das Beobachten von Bewegung, Position und Form ist dann möglich, wenn Sie mit den normalen Orientierungspunkten vertraut werden. Sie können sich den lebendigen menschlichen Kopf anschauen und sehen, wie die Knochen sich bewegen. In der Flexionsposition sehen Sie, wie sich die Ossa parietalia nach außen bewegen. Während der Extension sehen Sie, wie sie in Innenrotation gehen. Wenn Sie das Gesicht betrachten, können Sie sehen, wie sich die Orbitae erweitern und verengen und wie die Augäpfel hervortreten, wenn die Schädelbasis sich in Flexion befindet, und wie sie zurücktreten, wenn die Basis sich in Extension bewegt.
Achten Sie beim Muster des Sidebending/Rotation an der Schädelbasis darauf, wie sich das Os zygomaticum auf der Seite der höher gelegenen Ala major nach außen bewegt. Dann können Sie beobachten, wie das Os zygomaticum auf der Gegenseite – hier liegt die Ala major tiefer – nach innen rotiert.68
Sie können sehen, wie es sich bewegt, und sehen, wie die Veränderung entlang der Sutura metopica stattfindet. Sie können diese Bewegungen und die darauffolgenden Veränderungen auch erspüren. Visuelle Beobachtung und Palpation geben uns Informationen über Position und Bewegung. Diagnostizieren Sie das Muster, indem Sie einfach Ihre Hände auf das Schädeldach legen.
Während Sie die Muster der Flexion, Extension, Sidebending/Rotation und Torsion auf diese Art untersuchen, können Sie zur gleichen Zeit auch die Fluktuationen der Zerebrospinalen Flüssigkeits-Tide beobachten. Sie können die Tide diagnostizieren. An jener Stelle, an welcher sich eine Art Einschränkung befindet, können Sie ein Klopfen spüren. Dabei handelt es sich nicht um einen Pulsschlag. Sie können diesen Effekt auf verschiedene Art und Weise verstärken, indem der Patient durch Haltungskooperation oder Atemkooperation unterstützt. Dies alles und noch mehr ist durch das Arbeiten mit unseren Schädeldachkontakten möglich.
[Anm. der am. Hrsg.:] Im Verlauf der aufgezeichneten Kurse hielt Dr. Sutherland eine weitere Vorlesung über das Themengebiet der Diagnose. Sie wird hier eingeschlossen, um einige Schlüsselkonzepte weiter herauszuarbeiten.
Wie sieht das Prinzip aus, das ich bei der Diagnose und Behandlung so nützlich finde? Es ähnelt der von Dr. Still gelehrten ‚Handgelenk-Technik‘. Das Prinzip besteht darin, die Hände sanft auf das Schädeldach, das Handgelenk, den Fuß oder irgendeinen anderen Bereich anzulegen und sich derart in die Berührung einzufinden, dass man die Vorgänge innen wahrnimmt und so erspürt, was passiert. Diese lebendigen Vorgänge werden spürbar, wenn Ihre Hände ruhig sind und Ihre Aufmerksamkeit auf das gerichtet ist, was es wahrzunehmen gilt. Wenn Sie bei Ihrem Kontakt kräftig zupacken, bringen Sie die Bewegung, die Sie eigentlich spüren wollen, zum Stillstand. Sie haben sie durcheinandergebracht. Wenn Sie sich nicht einmischen, werden Ihre Hände von der inneren Bewegung in ausreichendem Maße bewegt, sodass Sie sie über Ihre propriozeptiven sensorischen Bahnen spüren können. Dann kennen Sie die Bewegung, weil Sie sie gespürt haben.
Auf was habe ich hingewiesen, als ich sagte, Sie müssten die Sehnen Ihrer Finger und den einen Muskel, der sie bewegt, benutzen? Der Bauch des M. flexor digitorum profundus liegt auf der Flexorenseite der Membrana interossea radioulnaris. Die Sehnen kreuzen das Handgelenk und die Handinnenfläche, überqueren dann die palmare Fläche der proximalen interphalangialen Gelenke der Hand, um an den distalen Phalangen anzusetzen. Ein Muskel bewegt die Finger. Die Gelenke, über die er verläuft, werden deshalb in ihrem Bewegungsablauf durch diesen einen Muskel kontrolliert. Die praktische Anwendung bei Überlastungen im Handgelenk ist klar.
Ich habe sie modifiziert, indem ich das Prinzip auf das Schädeldach anwandte, wenn ich die Bewegung der Gelenke der Schädelbasis beobachtete. Es handelt sich um eine präzise wissenschaftliche Vorgehensweise. Es ist keine vage Manipulation.69
Was tun Sie, wenn Sie über den Kontakt am Schädeldach ein Sidebending-/Rotationsmuster in der Schädelbasis induzieren wollen? Sagen wir, Sie wollen die Ala major des Os sphenoidale auf der rechten Seite sich nach oben bewegen lassen und ebenfalls den Proc. basilaris des Os occipitale auf derselben Seite.70 Nehmen wir an, Sie haben schon herausgefunden, dass sich die Schädelbasis des Patienten in Richtung Extension freier bewegt. Mithilfe des Kontakts zum Schädeldach schwingen Sie die Ossa parietalia einfach nach innen und führen Ihre Finger auf der rechten Seite des Kopfes zusammen.
Sie können wahrnehmen, wie sich die parietalen ‚Vorsprünge‘ einwärts bewegen, während sich die Sutura sagittalis erhebt, um einen kleinen Grat zu bilden. Sie fühlen, wie sich die zygomatischen Winkel der Squama frontalis nach innen bewegen und wie sich die Sutura metopica nach vorne bewegt.
Die Ossa zygomatica bewegen sich in Richtung Innenrotation und vielleicht werden Sie beobachten, wie sich die Procc. frontalen der Maxillen weiter in die Sagittalebene drehen. Dann spüren Sie, wie sich die rechte Seite des Kopfes anhebt und die linke Seite absinkt, sobald in der sphenobasilaren Verbindung Sidebending und Rotation mit einer Konvexität zur linken Seite stattfinden. Wenn diese Reaktion abgeklungen ist, erlauben Sie dem Mechanismus, in seinen neutralen Zustand zurückzukehren.
Was machen Sie, wenn Sie die Bewegung an der sphenobasilaren Verbindung in Bezug auf ein Torsionsmuster mit einer auf der linken Seite höher liegenden Ala major testen wollen? Wieder stellen Sie zuerst fest, ob sich die Basis freier in Flexion oder Extension bewegt, da die anderen Muster klarer erscheinen, wenn wir diesen Befund berücksichtigen. Die Bewegung des Os sphenoidale und des Os occipitale in ihrem physiologischen Ausmaß verläuft normalerweise um eine transversale Achse. Die Bewegung im Torsionsmuster geschieht um eine anterior-posteriore Achse, die durch das Corpus des Os sphenoidale und den Proc. basilaris des Os occipitale verläuft. Daher senkt sich eine Ala major, sobald sich die andere hebt. Während der Torsion, die eine Verdrehung an der sphenobasilaren Verbindung bedeutet, dreht sich zeitgleich der Proc. basilaris, sodass er auf der Seite der tiefer liegenden Ala major nach oben gekippt ist. Daraus folgt, dass das Os occipitale auf der Seite der höher liegenden Ala major tiefer liegt.
Beim Torsionsmuster dreht sich der Proc. basilaris aufgrund der Rotation des Os occipitale auf seiner anterior-posterioren Achse, sodass er auf der einen Seite oben und auf der anderen unten steht. Die Ossa temporalia bewegen sich normalerweise zusammen mit dem Os occipitale. Wann immer der Proc. basilaris des Os occipitale auf der einen Seite hochgekippt ist, trägt dies das Os temporale in Innenrotation. Auf der Seite, auf der sich der Proc. basilaris nach unten neigt, rollt die Pars petrosa in die Position der Außenrotation.
Ebenso werden Sie beim Torsionsmuster feststellen, dass dort, wo sich die Ala major nach oben bewegt, das Os zygomaticum in Außenrotation getragen wird. Auf der Seite der nach unten absinkenden Ala major fühlen Sie, wie das Os zygomaticum in Innenrotation bewegt wird. Sie können zudem noch etwas anderes feststellen: Der betreffende Augapfel verengt und verlängert sich, eine Form, die mit Kurzsichtigkeit in assoziiert ist.
Auf der anderen Seite, der Seite der höher liegenden Ala major, tritt der betreffende Augapfel nach vorne und die Orbita erweitert sich. Folglich ist es schwierig für den Optiker, der versucht, Linsen für ein besseres Sehvermögen anzupassen.
Wenn die normalen physiologischen Flexions- und Extensionsmuster dominieren, fällt die Diagnose leichter. Das heißt, Os sphenoidale und Os occipitale drehen sich auf ihren parallelen transversalen Achsen. Beim Flexionsmuster erweitern sich die Orbitae und die Augäpfel treten nach vorne, was Weitsichtigkeit begünstigt. Bei Dominanz des Extensionsmusters verlängern und verengen sich die Orbitae und bringen damit jenes vaskuläre Organ, den Augapfel, in eine Form, die Kurzsichtigkeit begünstigt.
Sie haben gespürt, wie sich Os sphenoidale und Os occipitale auf einer vertikalen Achse drehen, wenn sie sich ins Sidebendingmuster bewegen, und dass sie sich auch auf der anterior-posterioren Achse drehen müssen, was ihre Rotation verursacht. Das Muster Sidebending/Rotation manifestiert sich mit einer Konkavität auf der höher liegenden Seite und einer Konvexität auf der tiefer liegenden Seite. Aus diesem Grund bringt der Therapeut seine Finger auf der höher gelegenen Seite zusammen und lässt sie auf der tiefer liegenden Seite auseinandergleiten, um jenen Mechanismus ‚anzustoßen‘, mit dem er dieses Muster testen kann. Dieses wird in meiner schematischen Darstellung nach der Seite der Konvexität benannt.
Sie können fühlen, wie das Ossa temporale auf der höher liegenden Seite, der Seite der Konkavität, in Innenrotation geht. Ebenso können Sie spüren, wie jenes auf der Seite der Konvexität in Außenrotation geht. Dann werden Sie auch die Rotation spüren, wobei sich das Os sphenoidale und der Proc. basilaris des Os occipitale auf der Seite der Konvexität nach unten bewegen.
Wenn Sie ganz genau beobachten, können Sie sehen, wie sich das Os zygomaticum auf der Seite der höher liegenden Ala major in Außenrotation bewegt. Das Os zygomaticum auf der tiefer liegenden Seite wird dann in Innenrotation gehen. Beobachten Sie in dieser Situation die Augäpfel. Sie sehen, wie der Angulus des Os frontale auf der Seite der höher liegenden Ala major sich nach vorne und außen bewegt, während der Angulus auf der Seite der tiefen Ala sich nach innen und zurück bewegt. Ich habe die Tubera frontalia noch nie dabei beobachtet, aber ich habe gespürt, wie sich die Procc. frontales der Maxillen drehten. Sie drehen sich bei Außenrotation mehr innerhalb der Transversalebene und bei Innenrotation mehr innerhalb der Sagittalebene.
Eine Anwendung dieser Bewegungstests bei den verschiedenen Mustern über das Schädeldach ist leicht durchzuführen. Wie bei der Flexion und Extension brauchen Sie den Mechanismus nur in die Richtung hin in Gang zu setzen, die Sie untersuchen wollen. Daher möchten wir, dass Sie sich darin üben, sodass Sie in der Kunst des Wissens, in der Kunst der osteopathischen Wissenschaft, präzise und perfekt werden.
LATERALE UND VERTIKALE STRAINS
Wir kommen nun zur Untersuchung von Mustern, die das Ergebnis der Einwirkung einer oder mehrerer Kräfte von außen auf den Mechanismus sind. Solche Kräfte können möglicherweise während des Geburtsvorgangs zwischen dem hindurchtretenden Kind und dem Durchgang oder erst kürzlich im Leben eines erwachsenen Patienten aufgetreten sein. Auf jeden Fall reagiert der Kopf so wie jeder andere Bereich des Körpers auf eine äußere Krafteinwirkung. Die Reaktion hängt ab von der Intensität der einwirkenden Kraft und der Mechanik des Ortes, auf den die Einwirkung stattfindet. Ebenso davon, ob die Kraft übertragen und dadurch gestreut oder in den Mechanismus absorbiert wird und dadurch einen Strain hervorruft.
Es gibt bestimmte Möglichkeiten der Bewegung als Antwort auf eine äußere Krafteinwirkung auf die Schädelbasis. Diese Muster sind nicht physiologisch, aber innerhalb bestimmter Grenzen können sie toleriert werden, ohne dass sie wichtige Funktionen beeinträchtigen. Ich habe sie nach den Vorgängen an der sphenobasilaren Verbindung benannt; aber das, was Sie bei der Diagnosestellung in der gesamten Kopfform sehen, ist oft ein Rätsel.
Eines der Rätsel, die Sie bei Ihrer Diagnose manchmal antreffen werden, sind diese widersprüchlichen Informationen. Möglicherweise finden Sie unten einen Kopf vom Extensions-Typ und oben ein Schädeldach vom Flexions-Typ. Oder Sie treffen das genaue Gegenteil an, eine Basis in Flexion mit einem Dach in Extension. Was ist da passiert? Die Antwort liegt darin, die kondylären Anteile des Os occipitale und deren Einfluss auf den gesamten Mechanismus zu verstehen.
Anatomische Anschauungsexemplare von Schädeln geben Ihnen eine Vielzahl von Hinweisen. Die wichtigste Information ist die Gestalt des Foramen magnum. Analysieren Sie an allen Exemplaren, die Sie finden, die Bedingungen, die an der Formung des Foramen magnum beteiligt sind. Sie erkennen die Vielgestaltigkeit des ‚Loches im Baum‘ (Das Foramen magnum). Visualisieren Sie, was die von Ihnen beobachteten und analysierten Verhältnisse an der Schädelaußenseite für die Räume im Inneren jedes einzelnen Cranium bedeuten. Lokalisieren Sie in Ihren mentalen Bildern die Falx cerebri und das Tentorium cerebelli, wie sie dazu beitragen, den Raum zu formen, der Truncus cerebri, Cerebellum und die zerebralen Hemisphären enthält.
Ein asymmetrischer Schädel kann beispielsweise auf einer Seite eine zusammengedrängte und auf der anderen Seite eine ausgedehnte Hirnhälfte zeigen. Die Situation kann so analysiert werden, dass die funktionellen Auswirkungen diagnostizierbar sind. Die Wissenschaft der Osteopathie zeigt uns einen Weg, wie man Veränderungen in der Gestalt der Räume derart klar sieht, dass man sich eine Möglichkeit, die dazugehörigen Funktionen zu verbessern, ausdenken kann.
Wenn Sie verwirrt sind, was diese widersprüchlichen Informationen bedeuten, können Sie daraus schließen, dass ein ganz spezielles Muster an der sphenobasilaren Verbindung vorliegt. Das kann die Situation eines ‚krummen Zweiges‘ sein oder eine Reaktion auf eine Kraft von außen.
Denn es sind zusätzlich zu den Mustern von Sidebending/Rotation und Torsion auch Strains in andere Richtungen möglich. Ich nenne diese möglichen Muster laterale Strains und vertikale Strains. Dies bedeutet, dass das Corpus sphenoidalis und der Proc. basilaris des Os occipitale so bewegt wurden, dass sie in Bezug zueinander entweder nach oben, nach unten oder zu einer Seite hin geschoben worden sind.
Es kann zum Beispiel einen vertikalen Strain geben, wobei die Basis des Os sphenoidale erhöht und die Basis des Os occipitale gesenkt ist. Oder das Os sphenoidale ist tiefer und das Os occipitale steht höher. Es kann auch einen lateralen Strain geben. Dann befindet sich die Basis des Os sphenoidale links und die Basis des Os occipitale rechts oder das Os sphenoidale rechts und das Os occipitale links. Man benennt diese Muster am einfachsten nach der Stellung des Corpus sphenoidalis, da dies dann die Position des Proc. basilaris des Os occipitale impliziert.
Unter bestimmten Umständen kann die Schädelbasis durch traumatische Kräfte komprimiert sein. Diese Kräfte zeigen sich am Schädel des Erwachsenen als Kompression an den Gelenkverbindungen. Bei Neugeborenen und Kindern können Traumen ebenfalls eine Kompression hervorrufen. Zusätzlich können diese Kräfte, die mit dem Wachstum akkumulieren, dafür sorgen, dass ein schon bestehendes Muster komprimiert wird. Diese Patienten werden manchmal ‚Kinder mit festen Köpfen‘ genannt. Wenn Ihre diagnostische Vorgehensweise einen derartigen Zustand aufdeckt, spricht man ganz einfach von Kompression der Schädelbasis.

ZEICHNUNG I–17: SCHEMATISCHE MUSTER DER SPHENOBASILAREN VERBINDUNG
Beachten Sie, dass bei vertikalen und lateralen Strains Os sphenoidale und Os occipitale in der gleichen Richtung um parallele Achsen rotieren.
Vertikaler Strain hoch: Als Folge der Knochenrotation steht die Basis des Os sphenoidale relativ erhöht, wohingegen der basilare Anteil des Os occipitale relativ abgesenkt ist.
Lateraler Strain rechts: Als Folge der Knochenrotation ist die Basis des Os sphenoidale relativ nach rechts verschoben, der basilare Anteil des Os occipitale dagegen relativ nach links.
Ich nutze den Kontakt am Schädeldach für eine systematische Diagnose des Zustands und der Muster an der Schädelbasis. Das heißt, ich wende sämtliche Bewegungstests aller von mir beschriebenen Muster an. Sie können auch andere Kontakte benutzen, Ihre eigene diagnostische Vorgehensweise entwickeln und dadurch jederzeit zum gleichen Verständnis des Mechanismus Ihres Patienten kommen. Ihre visuelle und palpatorisch beobachtende Routine liefert Ihnen zahlreiche Details. So wird Ihnen klarer, was man durch die Diagnose der Außenseite über die Gestalt der Innenräume erfahren kann.
Ich möchte nochmals betonen, wie wichtig es ist, Os sphenoidale und Os occipitale als Räder zu visualisieren. Bei diesem Bild können Sie einen bestimmten Ort auf einer Speiche des Rades oder auf seinem Umfang bestimmen. Lokalisieren Sie das Foramen magnum auf dem Rad des Os occipitale. Sie fühlen, dass sich das Foramen magnum nach vorne und ein wenig nach oben bewegt, sobald sich das Os occipitale in Flexion dreht. Gleiches gilt, sobald das Os sphenoidale zirkumrotiert. Sämtliche Speichen des Rades werden auf einen anderen Platz gedreht. Diese Tatsache kann Sie bei Ihrem Verständnis unterstützen.
DAS SAKRUM UND SEINE BEZIEHUNG ZUR SCHÄDELBASIS
Richten Sie nun Ihre Aufmerksamkeit auf das Foramen magnum des Os occipitale. Die intraspinale Dura mater, eine Fortsetzung der inneren Schicht der Dura mater des Schädels und ihrer Verdoppelungen, ist am Rand des Foramen magnum solide befestigt. Weiter ist sie nicht am Atlas, sondern an den Körpern des zweiten und dritten Halswirbels befestigt – das heißt, auf dieser Höhe am Lig. longitudinale posterior.
Von dort hängt sie wie ein hohles Rohr den Rückenmarkskanal hinunter, bis sie das Sakrum erreicht.71 Im Canalis sacralis ist die intraspinale Dura mater am Lig. longitudinale posterior auf der Höhe des zweiten sakralen Segments befestigt. Da die Membran nicht dehnbar ist, leuchtet es Ihnen ein, dass bei einer kleinen Bewegung des Os occipitale nach vorne und oben während der Inhalation das Foramen magnum und die damit verbundene Membran ihrerseits ein wenig nach vorne und oben gezogen werden. Sie können sehen, wie die Membran aufsteigt und das Sakrum mitnimmt. Dies ist die Reziproke Spannungsmembran des Rückenmarkskanals, die intraspinale Reziproke Spannungsmembran.
Welche Auswirkung hat dieses Geschehen auf das Sakrum? Das Sakrum ist zwischen den Ilia in zwei L-förmigen Gelenkverbindungen aufgehängt. Während der Inhalation wird die Basis sacralis nach posterior angehoben, und der Apex wird nach vorne bewegt. Anschließend, während der Exhalation, fällt die Speiche – das Foramen magnum – zurück auf einen tieferen Stand und die Basis sacralis sinkt nach vorne in ihre Extensionsposition. Dabei bewegt sich der Apex sacralis posterior. Hier diskutieren wir das Prinzip der Reziproken Spannungsmembran im Rückenmarkskanal, die das Foramen magnum am Os occipitale mit dem zweiten sakralen Segment verbindet. Sie werden diese Information noch benötigen.
Aufgrund der unmittelbaren Verbindung des Os occipitale mit dem Sakrum können Sie verstehen, dass es eine unwillkürliche Beteiligung des Sakrum an der physiologischen Aktivität des kranialen Mechanismus gibt. Ein Studium des Sakrum, das zwischen den Ilia aufgehängt ist, zeigt uns die Ähnlichkeit mit dem Os sphenoidale, das unterhalb der beiden Ossa frontalia aufgehängt ist. Das Sakrum zeigt in seinem Mechanismus eine Einheitlichkeit in Bezug auf seine unwillkürliche Bewegung zwischen den Ilia und der Bewegung des Os sphenoidale. Ein intensives Studium der Anatomie der Verbindung von Ilia und Sakrum zeigt uns transversal und quer verlaufende Bänder, aber keine Muskeln.
Diese Information weist auf eine gelenkartige Mobilität hin, welche sich von der haltungsbedingten Beweglichkeit der Ilia in Bezug auf das Sakrum unterscheidet.
Die Experimente, die zu der Schlussfolgerung führten, dass Schädel und Sakrum innerhalb eines Primären Atemmechanismus als Einheit funktionieren, waren von außen her betrachtet nicht dramatisch, aber überzeugend und klinisch wertvoll.
Ich entdeckte bei meinen Experimenten, dass ich ein kleines Kissen unter dem Apex sacralis so platzieren konnte, dass das Sakrum in seine Flexionsposition angehoben wurde (Basis sacralis posterior und Apex sacralis anterior). Ich konnte das Kissen auch unter die Basis sacralis legen und das Sakrum damit in seine Extensionsposition bringen. Dann fand ich heraus, dass, wenn ich das Kissen dort unten beließ, etwas im Schädel passierte, das auf eine Verbindung zwischen Sakrum und der normalen Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeits-Tide hinwies. Dies vermittelte mir mehr als bloße Informationen. Es war eine Erweiterung meines Wissens.
DIE ZEREBROSPINALE FLÜSSIGKEIT IN DIAGNOSE UND BEHANDLUNG
Unser nächstes Thema ist die Diagnose und Behandlung des Schädels mithilfe der Zerebrospinalen Flüssigkeits-Tide. Ich hatte gezögert, dieses Phänomen in meiner Fakultät zu erwähnen, weil es mir als das Unheimlichste erschien, das man sich vorstellen kann. Ich habe Sie gebeten, Ihre Aufmerksamkeit auf die Potency der Tide zu richten. Sie besitzt mehr INTELLIGENZ und Potency als jede blinde Kraft, die ohne Schaden anzurichten von außen angewandt werden kann. Die Zerebrospinale Flüssigkeit mit jenem ‚höchsten bekannten Element‘ kann für Sie arbeiten. Sollten Sie im Zweifel über die richtige Diagnose sein, lassen Sie die Tide für sich arbeiten. Sie können die Tide zu einem Bereich des Schädels dirigieren und die Wirkung mit Ihrer empfangenden Hand spüren. Wenn Sie einen Rebound feststellen, stößt sie gegen etwas, das ihre Fluktuation behindert. Wenn es an einer bestimmten Stelle eine Blockade gibt, kommt es wieder und wieder zu einem Rückprall. Liegt keine Blockade vor, spüren Sie lediglich ein sanftes Nachgeben mit der Bewegung. Sie können sich darauf verlassen, dass dies etwas ist, was Ihnen die Wahrheit sagt. Sie können dieses Phänomen sowohl in der Behandlung als auch in der Diagnostik verwenden. Es kann auch eine weitere Person die Fußsohlen anfassen, während Sie die Tide dirigieren, und dabei den gleichen Rückprall spüren. Eine Deutung des Rückpralls der Tide gibt Ihnen Informationen.
Angenommen Sie dirigieren zum Beispiel die Tide vom rechten Fuß zur gegenüberliegenden Seite des Kopfes, sagen wir zur linken Sutura okzipitomastoidea. Bitten Sie den Patienten, den rechten Fuß dorsal zu flektieren. Wenn der Patient einen membranösen Strain des Gelenks der linken okzipitomastoidalen Gelenkverbindung hat und Sie in Kontakt mit dem Fuß sind, werden Sie etwas spüren, was sich anfühlt, wie stürmische Wellen, die an eine Felsküste schlagen. Die Tide hat sich aufgestaut und Sie können dies unten am rechten Fuß ganz deutlich spüren, nicht am linken. Verstehen Sie, worum es hier geht?
Nehmen wir als weiteres Beispiel an, dass es einen membranösen Strain im frontosphenoidalen Bereich gibt, der sowohl kleine als auch große Alae des Os sphenoidale betrifft. Sollte sich der Strain auf der rechten Seite befinden, dirigieren Sie die Tide von der tieferen linken Seite des Os occipitale, der diagonal gegenüberliegenden Seite also, oder vielleicht vom linken dorsalflektierten Fuß aus. Der diagnostische Rebound ist spezifisch. Sie brauchen nicht einmal das Bewegungsmuster an der sphenobasilaren Verbindung zu testen. Die Tide wird Ihnen alles erzählen. Es ist unheimlich; deshalb habe ich gezögert, davon zu sprechen. Doch ‚Probieren geht über Studieren‘. Überraschungen dieser Art sind mir öfter begegnet. Sie müssen auch Ihnen begegnen, um Ihnen zu zeigen, dass sie wahr sind. Hier lernen Sie etwas, was Sie noch nicht kennen. Wenn Sie die Potency der Tide draußen an einer Felsküste betrachten, können Sie sich fragen, was sie tut. Sie wäscht die Felsküste aus. Sie können jene Tide dazu benutzen, Strains zu reduzieren und Diagnosen zu stellen.
Ich möchte die Arbeit mit der Tide anhand der Fallstudie eines 15-jährigen Jungen veranschaulichen, der von sachkundigen Ärzten sechsmal behandelt worden war. Als ich ihn mithilfe der Tide untersuchte, um eine Diagnose zu stellen, spürte ich keinerlei Rebound. Stattdessen gab es eine schöne weiche Bewegung der Tide, die sich ohne Rebound in den Bereich des Strains hineinbewegte. Dies war mir zunächst ein Rätsel. Dann wurde mir klar, dass man dieses Prinzip nutzen kann, um festzustellen, ob die Behandlung anschlägt. Die andere Qualität der Reaktion zeigt, dass im Bereich des Strains eine Veränderung eingetreten ist.
Wie lenke ich die Tide? Dies ist sogar noch unheimlicher. Sie würden erwarten, dass dieser Fluss unmittelbar zu einem Punkt strömt, aber das tut er nicht. Ich werde Ihnen nicht sagen, wie sie dorthin gelangt, da ich es selbst nicht weiß; aber sie kommt dort an. Sie scheint direkt durch das Gehirn und durch alles andere hindurchzugehen.
Anders ausgedrückt, Sie dirigieren die Tide von einem Punkt des Schädels aus und von dort geht sie geradewegs zu einem anderen Punkt. Wie kommt sie dorthin?
Die Tide wird sanft durch die Berührung mit einem Finger dirigiert. Von einem Ort auf der Stirn können Sie sie hinüber in den okzipitalen Bereich leiten, vom linken Stirnbereich zur rechten Seite der Squama occipitalis. Sie können sie von zwei Richtungen hinunter zum sphenobasilaren Bereich schicken. Sie können die Tide vom linken Tuber des Os parietale hinunter zur rechten Sutura okzipitomastoidea leiten; oder Sie können sie vom rechten parietalen Bereich, nahe dem hinteren Teil der Sutura sagittalis, hinunter zur linken petrobasilaren Gelenkverbindung lenken.
Noch etwas Merkwürdiges ist vorgekommen: Während man den kranialen membranösen Gelenkmechanismus ausbalanciert, kann sich eine andere Person ein Stück weit entfernt hinsetzen und die Tide zu einem Fuß dirigieren, ohne diesen zu berühren. Ich weiß, das klingt fantastisch, aber ich erzähle Ihnen diese Tatsachen aus eigener Erfahrung. Ich habe zudem Berichte von anderen gehört, die es ausprobiert haben.
Eine Kompression des vierten Ventrikels lenkt die Tide, nicht wahr? Es geht darum, die Fluktuation auf jenes kurze rhythmische Intervall herunterzubringen. Ich habe schon etwas über diese Flüssigkeit gesagt, diese INTELLIGENTE Flüssigkeit. Denken Sie daran. Etwas, das die Nervenzellen mit dem ATEM DES LEBENS ernährt. Eine Transmutation durch den ATEM DES LEBENS, der die Nervenfasern entlangläuft, hinunter zu jenen ‚feineren Substanzen, die sich in der Lymphe befinden‘.
Es kommt zu einer Umwandlung des Giftes in den Lymphknoten, bevor die Lymphe wieder in das Blutgefäßsystem, in die V. subclavia, ausgeschüttet wird. Das passiert, wenn Sie den vierten Ventrikel komprimieren. Probieren Sie diese Behandlungsweise in Fällen mit vergrößerten Lymphknoten aus. Beobachten Sie diese Umwandlung, die sich in den Lymphknoten vollzieht. Auch dabei handelt es sich auch um ein Lenken der Tide.
Wo befindet sich diese Zerebrospinale Flüssigkeit? Gibt es sie nur in meinem Körper? Nein. Sie befindet sich im Körper eines jeden von uns. Es gibt ein ganzes Meer von Zerebrospinaler Flüssigkeit in diesem Raum. Hier ist eine Flüssigkeit innerhalb einer Flüssigkeit. Dort ist eine Flüssigkeit innerhalb einer Flüssigkeit. Der ATEM DES LEBENS befindet sich in jedem. Sie wissen doch etwas über Kurzwellen? Sie verlaufen von einem Pol zu einem anderen. Sie dringen geradewegs durch einen Menschen hindurch. Sie haben das vielleicht mit Kurzwellengeräten ausprobiert, indem Sie sich genau dazwischen gestellt haben. Sie berühren gar nichts. Sie können aber spüren, wie dieser Strom geradewegs durch Sie hindurchgeht, nicht wahr? Kurzwellen? Es gibt Kurzwellen zwischen zwei Kontakten, wenn man die Tide lenkt. Während Sie den Geschäften Ihres täglichen Lebens nachgehen, gibt es einen Ursprung der Tidenbewegung – das heißt, sie geht von einem Individuum zum anderen. Sagen wir, vom positiven Pol zum negativen und so weiter.
Möglichkeiten, wo sind sie? In Dr. Stills Wissenschaft der Osteopathie. Es gab einige Dinge, die Dr. Still wusste, aber er zögerte, darüber zu sprechen. Bevor der Same gesät werden konnte, musste erst der Boden vorbereitet werden. Und doch hat Dr. Still die Saat für das Kraniale Konzept gepflanzt und sie begann sogar schon zu keimen, noch bevor er das aktive Erdenleben verließ.
Vielleicht haben Sie schon einige Erfahrungen damit gemacht bei Ihren Mobilitätstests, der Tide einen ‚Anstoß‘ zu geben. Sie sind der Tide gefolgt. Eines Tages wird Ihnen ein Kopf in die Hände kommen, der anders reagieren wird. Er wird sich richtig von Ihnen wegdrehen. Sie können spüren, wie sich diese sphenobasilare Verbindung in eine andere Position dreht, beispielsweise in Sidebending/Rotation. Sie werden nicht in der Lage sein, dies aufzuhalten. Der Mechanismus dreht sich als Ganzes richtig von Ihnen weg. Wer oder was macht das? Die Tide.
BEHANDLUNG
Die Themen Diagnose und Behandlung werden in diesem Kapitel zusammen erörtert, da Dr. Sutherland sie als untrennbar betrachtete. In dieser Behandlungsmethode beginnt der Behandlungsprozess nach einer einleitenden Diagnostik. Sobald der Mechanismus des Patienten auf den Behandlungskontakt anspricht und sich zu verändern beginnt, kann eine neue Diagnose gestellt werden.
Die Technik der Osteopathie besteht in einer intelligenten Anwendung des taktilen Empfindens und der propriozeptiven Sinne, mit denen wir das relevante Problem im Körper des Patienten aufspüren. Es ist unmöglich, die für ein erfolgreiches Arbeiten in diesem Bereich nötigen Diagnose- und Behandlungsfähigkeiten durch das Beobachten der Manipulationen eines anderen Kollegen zu erreichen.
Der Osteopath ist ein Behandler, der denkt, nicht einer, der herumprobiert. Aus diesem Grund kann die Behandlungstechnik nicht durch das Vorführen einer Reihe von Manipulationen gelehrt werden. Der Student kann diese Fähigkeiten erlernen, indem er direkt neben einem Lehrer oder einer Lehrerin arbeitet. Eine Unterweisung von Hand zu Hand ist dann möglich, wenn die lebenden Gewebe genau studiert und sanft, aber mit Nachdruck, auf wissenschaftliche Art und Weise in normale Beziehungen geleitet werden. Feinfühligkeit ist sowohl für die Behandlung als auch für die Diagnose essenziell. Der Behandler muss ein Gefühl für die verschiedenen Mechanismen der Patienten bekommen und ein Verständnis für das Normale, um vergleichen zu können.
Es gibt viele Arten, osteopathische Behandlungen durchzuführen, seit Osteopathie das erste Mal von Dr. Still gelehrt wurde. Es haben sich Vorgehensweisen eingeschlichen, die nicht so sorgfältig durchdacht sind wie andere Behandlungsweisen. Einige davon werden Manipulation anstatt Technik genannt. Da gibt es einen Unterschied.
Welchen? Einige Ärzte lassen den Patienten sich auf die Behandlungsbank legen, ergreifen mithilfe des frontookzipitalen Kontakts seinen Kopf, drehen ihn herum und ziehen einmal kräftig daran. Hat das etwas mit Wissenschaft zu tun? Dr. Still sagte, dass er seine Studenten lehrte, zu denken, bevor sie handelten.
Wenn Sie den Mechanismus nicht kennen, bevor Sie eine Diagnose stellen und einen Behandlungsplan aufstellen, praktizieren Sie keine Osteopathie. Halten Sie inne, um über den möglichen Strain nachzudenken, den Sie vielleicht auf jene ligamentären Gewebe ausüben, die Gelenke zusammenhalten und ein normales Bewegungsausmaß erlauben.
Ich möchte die Wichtigkeit der Anwendung des manuellen Kontakts betonen und hier insbesondere bei jenen Techniken, die mit dem lebendigen menschlichen Schädel zu tun haben. Wenn Sie bei einer Technik versuchen, mit Ihrem Daumen am Os temporale zu schieben oder mit den Fingern am Schädeldach herumzudrücken, wissen Sie nicht, wozu diese klugen, fühlenden, sehenden, wissenden Muskeln in der Lage sind. Seien Sie sich der möglichen Kräfte bewusst, die Sie damit in die Mechanismen des Patienten einbringen können. Machen Sie sich klar, was Sie vorhaben und was Sie gemacht haben. Achten Sie auf Ihr eigenes Gewicht. Benutzen Sie Ihr Gewicht auf präzise Art und Weise. Lassen Sie es nicht zu, dass Ihr Gewicht oder irgendeine andere Kraft zufällig in den Körper des Patienten eintritt. Erkennen Sie, was im Patienten vor sich geht, wenn der Therapeut schiebt, zieht oder manipuliert. Inwieweit ist sich der Therapeut der Gewebe des Patienten bewusst? Stellen Sie die wissenschaftliche Frage: ‚Was passiert hier?‘
Der Mechanismus von Unterarm, Handgelenk und Hand ist ein gutes Beispiel, wenn man sich mit den Grundsätzen der von Dr. Still gelehrten Behandlungsmethode beschäftigt, die vorzuziehen ist. Der Muskel, der jene Sehnen bewegt, die an den distalen Phalangen der Finger befestigt sind, heißt M. flexor digitorum profundus. Er liegt auf der Beugeseite der Membrana interossea articulatio radioulnaris. Sobald ein membranöser Gelenkstrain in dieser Membrana interossea vorliegt, wird der auf diesen Muskel wirkende Mechanismus – Sehnen, Handgelenk und Hand – Schwierigkeiten bekommen. Der Therapeut, der diesen Mechanismus versteht, ist in der Lage, die richtige Ursache herauszufinden. Er kann sich anschließend die adäquate Technik überlegen, um dem Mechanismus des Patienten dabei zu helfen, sein Problem zu lösen. Dies ist ein zuverlässiges Prinzip, um die spezifischen Probleme zu behandeln, mit denen unterschiedliche Patienten zu Ihnen kommen.
Sie können Ihr Wissen über den M. flexor digitorum profundus zudem nutzen, um Ihre Fähigkeiten zu entwickeln, die ossa temporalia zu diagnostizieren und zu behandeln.
Wenn Sie diesen Muskel zusammen mit dem M. flexor pollicis longus bei Ihren manuellen Kontakten nutzen, ermöglicht Ihnen das, die komplizierten Mechanismen der Schädelstrukturen zu ertasten und den Zustand einer ausbalancierten ligamentären Spannung in den synovialen Verbindungen der Wirbelsäule zu erspüren.
DIE KONTROLLE DER FLUKTUATION DER ZEREBROSPINALEN FLÜSSIGKEIT
Wenn Sie Ihre Daumen und Daumenballen entlang der mastoidalen Anteile und der Processus der Ossa temporalia platzieren, vermeiden Sie es bitte, die Suturae okzipitomastoideae oder die Ossa temporalia als Ganzes zu komprimieren. Deshalb halten Sie Ihre Hände auf Ihren gekreuzten Fingern unterhalb des Nackens im Gleichgewicht. Während Sie die Positionen beobachten und Bewegungstests durchführen, werden Sie Informationen über die Partes petrosae und das Os occipitale bekommen. In diesem Zustand des manuellen Gleichgewichts erlauben Sie es den Knochen, Ihre Hände zu bewegen oder eine Bewegungseinschränkung zu offenbaren. Ihre Information ist zuverlässig, da Sie sich nicht in den aktuellen Zustand eingemischt haben.
Mit diesem Kontakt an den Ossa temporalia ist der Therapeut in der Lage, mehrere Fähigkeiten für spezielle Zwecke zu entwickeln. Man benutzt häufig die Ossa temporalia für Techniken, welche die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit kontrollieren.72 Beim Kontrollieren der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit suchen Sie nach einer rhythmischen Balance. Stellen Sie sich die Rotation der Partes petrosae der Ossa temporalia bildlich vor. Sehen Sie, wie das Tentorium cerebelli an ihren Margines superiores befestigt ist. Das ist es, was ich in meiner schematischen Darstellung jenes Teils des Primären Atemmechanismus als laterale Befestigungspole der Reziproken Spannungsmembran des Schädels bezeichnet habe.
Sie alle kennen die Wasserwaage, jenes Werkzeug, das die Schreiner verwenden. Bei der Wasserwaage gibt es eine Stelle, an der Flüssigkeit eingeschlossen ist, die sich verändert, sobald das Werkzeug bewegt wird. Die Flüssigkeit bewegt sich vor und zurück, je nachdem, wie der Schreiner die Wasserwaage bewegt.
Wenn Sie Ihren Mechanismus kennen, können Sie als Therapeut die Flüssigkeit innerhalb des Schädels durch Ihren Kontakt an der Außenseite der Ossa temporalia oder der Squama occipitalis bewegen. Sie bewegt sich wie die Tide im Ozean. Diese Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit ist ein Grundprinzip im Primären Atemmechanismus, das Sie verwenden können, um die Tide zu kontrollieren. Daher habe ich gesagt, dass die Zerebrospinale Flüssigkeit die Dinge leitet.
Wenn Sie das aufnehmen und interpretieren, was Ihnen Ihre Hände durch den Kontakt mit den Knochen mitteilen, können Sie die Bewegung der Tide und die Zeichensetzung und Akzentuierung dieser Bewegung wahrnehmen. Sie sind in der Lage, die Strains der Knochen und Gelenke zu spüren. Gibt es einen Widerstand, können Sie fühlen, wie die Wellen an die ‚Felsküste‘ schlagen. Es gibt dort kein Dehnen der Membran. Es handelt sich um ein automatisches Shifting des Fulkrum im Mechanismus. Der Punkt des Fulkrum ist es, den Sie bei Ihrer Technik visualisieren müssen. Sie lesen die Akzentuierung, die Zeichensetzung, durch das Gebiet des Fulkrum. Rufen Sie sich in Erinnerung, was ich über die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit gesagt habe. Es handelt sich um eine Bewegung innerhalb eines natürlichen Hohlraums – das heißt im kranialen Gelenkmechanismus und auch innerhalb der Kammern des Gehirns mit ihren offenen Türen. Die Flüssigkeit umgibt das Gehirn innen und außen, und das innerhalb der knöchernen Wände, die als Periost die äußere Schicht der Dura mater haben.
Ich möchte, dass Sie sich die Situation vorstellen, in der Sie eine laterale Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit etabliert haben und sie zu einem Punkt der Balance, einem Mittelpunkt zwischen Inhalation und Exhalation, gebracht haben. Da gibt es diese kurze Zeitspanne, in der sich das Diaphragma des Patienten lediglich sanft um einen Fulkrum-Punkt herum bewegt. Hier bekommen Sie diese leichte Vibration im Zentrum der Tide. Die Stille der Tide ist das Ziel dieser Technik, es sind nicht die stürmischen Wellen, die an die Küste schlagen. Als Mechaniker des menschlichen Körpers, der das mechanische Prinzip dieser Fluktuation der Tide versteht, stehen Sie in Verbindung mit der Potency, jener Kraft, die Probleme behandeln und lösen kann.
Denken Sie an die verschiedenen Bewegungen der Tiden: das Anschwellen des Ozeans vom Grund der Kontinentalplatten, die unterschiedlichen Wellen und Strömungen und die Art, wie sich die Tide in verschiedenen Tidebecken verhält. Sie erkennen eine Art spiralförmiger Bewegung in Verbindung mit den Bewegungen des Gehirns. Sie sehen, wie sich die Verwirbelung der Spirale in eine Richtung hinausbewegt und anschließend wieder zusammenkommt. Wie viele spiralförmige Bewegungen können Sie sich in dieser Tide vorstellen? Wie viele kleine Spiralen können Sie sehen?
Ich bin eine ruhige Küste entlangspaziert, an der viel Seetang im Wasser trieb. Ich habe diesen Seetang beobachtet, wie er sich rhythmisch mit dem Anschwellen des Ozeans, mit der Tide, bewegte. Ein Teil bewegte sich spiralförmig in die eine und ein Teil in die andere Richtung. Für das große Muster betrachten Sie den Hurrikan; beachten Sie die Potency im Auge des Hurrikans, nicht die Zerstörung an der Außenseite. Sie sehen die Stille im Zentrum und die spiralförmige Bewegung. Wie der Kapitän jener Fähre, welche die Bucht von San Francisco überquert, können Sie den Punkt der Balance erreichen und sich von der Potency tragen lassen.
***
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man an die Kontrolle der Zerebrospinalen Flüssigkeit herangehen kann. Ich benutze die Ausdrücke ‚Katzenpfote‘ und ‚Samtpfötchen‘, um zu betonen, dass die Partes petrosae beim Drehen verschieden weit bewegt werden, und dass es verschiedene Geschwindigkeiten gibt, wenn es um die Kontrolle der Fluktuationen geht. Wenn Sie eine alternierende laterale Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit in Gang bringen möchten, denken Sie vielleicht an ‚Vater Tom‘, einen Kater, der einen Zaun aufgeregt hochjagt, sobald sich ein anderer Kater in der Nähe aufhält. Wenn ich an ‚Mutter Mieze‘ denke, wie sie ihre Jungen sanft anschnurrt, visualisiere ich eine kleinere, schnellere Auslenkung, die sich einem Stillpunkt nähert. Diese Vergleiche lassen uns an den Unterschied zwischen einer stimulierenden und einer beruhigenden Behandlung denken. Durch die Anregung von ‚Vater Tom‘ drängen Sie die Fluktuation zur Aktivität, und durch die Beruhigung von ‚Mutter Mieze‘ kontrollieren Sie die Fluktuation so, dass sie zum Stillpunkt gebracht wird.
Eine Variante, um die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit von einer Seite zur anderen mit abwechselnder Kontrolle durch die Ossa temporalia zu aktivieren, besteht darin, diese gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen zu drehen. Das heißt, Sie drehen ein Os temporale in Außenrotation, während Sie das andere zur gleichen Zeit nach innen rotieren. Das Ziel der aktivierenden oder anregenden Techniken ist es, eine Fluktuation innerhalb des Schädels von einer Seite zur anderen in Gang zu setzen. Sobald Sie eine entsprechende Wirkung beobachten können, sind Sie in der Lage, die Aktivität anschließend so zu leiten, dass sie zu einem Stillpunkt heruntergebracht wird.
Bei der Anwendung zur Linderung oder Beruhigung lassen Sie Ihre Hände sich derart sanft bewegen, dass die Drehung kaum wahrnehmbar ist. Tatsächlich könnten Sie vielleicht sogar denken, dass Sie gar nichts tun. Während der Kopf des Patienten in Ihren Händen ruht, bewegen sich die Ossa temporalia nur deshalb, weil sie sich in Ihrem Griff wiegen und der Patient atmet. Sie gebrauchen Ihre Bewegungskraft nur für Ihre Hände, nicht für den Kopf des Patienten. Ihre Hände bewegen sich in ganz geringer Auslenkung um das Fulkrum Ihrer gekreuzten Finger. Darum wird dies eine palliative Anwendung genannt.
Wir bekommen die gleiche physiologische Antwort wie die, welche auftritt, wenn Sie den vierten Ventrikel komprimieren. Dies geschieht, wenn Sie die Squama occipitalis, das Supraocciput, nach medial federn lassen und es so halten, dass sich die Gestalt der Fossa cranii posterior verändert. Diese Veränderung senkt das Cerebellum auf das Dach des vierten Ventrikels und hebt die Pons nach oben, sodass die Ventrikelgröße verkleinert wird. Da die Zerebrospinale Flüssigkeit nicht komprimiert werden kann, bewegt dieses Verfahren die Flüssigkeit; mit anderen Worten: Es verlagert sie.
Ich möchte, dass Sie sich Gedanken darüber machen, was geschieht, wenn Sie diese Vorgehensweise zur Kontrolle der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit anwenden. Wenn jene kurze Periode vibriert, fühlen Sie dies als eine rhythmische Balance in der Flüssigkeit. Dies ist der Punkt der Veränderung. Es ist ein Zustand beinahe wie ein Film, der kurz angehalten wird. Aus diesem Grunde ist die Arbeit des Therapeuten beendet, sobald dieses Ziel erreicht ist. Nach dem Stillpunkt übernimmt der Körper des Patienten die Arbeit. Sie können möglicherweise beobachten, wie dies geschieht, aber Ihre Behandlung ist vorbei.
Sie haben den Körper der Zerebrospinalen Flüssigkeit in einen Zustand gebracht, in dem er in seiner Gesamtheit – um das Gehirn herum, innerhalb des Gehirns, um das Rückenmark herum, innerhalb des Rückenmarks – einfach nur bebt oder vibriert. In dem Stillpunkt, der sich durch die Anwendung dieser Behandlungsmethoden einstellt, befindet sich der Motor im Leerlauf und es gibt einen Austausch zwischen allen Flüssigkeiten des Körpers.
Von diesem Beben geht etwas aus; eine Veränderung oder eine Transmutation findet in der Flüssigkeit statt, ein unsichtbares Etwas. Es handelt sich nicht um ein Ausfließen über die Nerven, obwohl die Veränderung bis zu jenem Bereich fortschreitet, in dem die Enden des peripheren Nervensystems mit den Lymphgefäßen zusammenkommen. Die Veränderung durch Transmutation findet in den einzelnen Bestandteilen oder Elementen statt. Dies ist nicht das Gleiche wie eine Übertragung oder ein Ausströmen.
Ich möchte, dass Sie jenes ‚höchste bekannte Element‘ im menschlichen Körper sehen, wie es ausstrahlt in der Transmutation, von der Nervenzelle, die Fasern entlang und bis zu den Nervenendigungen. Dann erfassen Sie möglicherweise deutlicher, was Dr. Still meinte, als er davon sprach, dass die Lymphe mehr von den Flüssigkeiten des Gehirns verbraucht als sämtliche Viszera.
„Die Lymphgefäße sind eng und universell mit der Wirbelsäule und allen anderen Nerven verbunden. Sie alle trinken von den Wassern des Gehirns.“ 73
Ich möchte noch einmal besonders betonen, dass ich die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit als das grundlegende Prinzip im Kranialen Konzept betrachte. Der ‚Saft des Baumes‘ ist etwas, das den ATEM DES LEBENS enthält, nicht den Atem der Luft – etwas Unsichtbares. Dr. Still bezeichnete es als eines der höchsten bekannten Elemente im menschlichen Körper, das sich von Zeit zu Zeit wieder auffüllt. Glauben Sie, dass wir jemals erfahren werden, woher es kommt? Wahrscheinlich nicht. Aber es ist da. Das ist alles, was wir wissen müssen.
Wenn Sie das Lenken der Tide zur Korrektur und Behandlung verwenden, benutzen Sie den gleichen Prozess des Lenkens wie bei Ihrer Diagnosestellung. Sie lenken die Tide von jenem Bereich aus, der Ihrem zu untersuchenden Gebiet diagonal gegenüberliegt. Wenn Sie nichts anderes machen als die Tide zu lenken, wird sich mit der Zeit die Dysfunktion korrigieren.
***
Hier ist noch etwas anderes, das Sie bei einer Behandlung tun können. Nehmen Sie beispielsweise das Os temporale und das Os occipitale; während Sie die Bewegung an der okzipitomastiodalen Gelenkverbindung visualisieren, drehen Sie das Os temporale äußerst sanft in eine Richtung und das Os occipitale in die andere. Halten Sie sanft diese Stellung, während Sie die Tide vom diagonal gegenüberliegenden Stirnbereich lenken. Sie werden unter Ihren sanften, fühlenden, sehenden, klugen, wissenden Fingern einige überraschende Erfahrungen machen. Sie werden es bei Ihrer Arbeit mit vielen unterschiedlichen Arten von Traumen zu tun haben. Deshalb betone ich bei der Diagnostik und den Behandlungstechniken so stark dieses Lenken der Potency in der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit.
Sie müssen lernen, das durchzuführen, was ich eine Aktivierung oder Anregung der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit nenne. Dieses wohlüberlegte Verfahren ist nur im Notfall angebracht. Solche Situationen kommen nicht oft vor, aber wenn in solchen Fällen ein fähiger Osteopath anwesend war, hat diese Methode schon erfolgreich die physiologische Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit innerhalb ihres natürlichen Hohlraums wieder in Gang gesetzt. Ich habe mehrere Berichte erhalten, die dies bestätigen. Die betreffende Behandlung wird durchgeführt, indem die Partes petrosae der Ossa temporalia in die gleiche Richtung, das heißt in Außenrotation, gedreht werden, während Sie das Os occipitale zur gleichen Zeit in Flexion bewegen. Dies ist ein schwieriges manuelles Unterfangen und in Notfällen besonders kompliziert. Es handelt sich um eine weitere Möglichkeit, das Tentorium cerebelli zur Kontrolle der Zerebrospinalen Flüssigkeit zu verwenden.
Platzieren Sie die Daumen und die Daumenballen entlang der Procc. mastoidei der Ossa temporalia. Verschränken Sie die Finger locker unterhalb des Nackens.
Die gekreuzten Finger dienen als Fulkrum für die Aktivität der Daumenballen und der Daumen. Drehen Sie dann beide Partes petrosae mithilfe der Daumen und der Daumenballen in Außenrotation, während Sie das Os occipitale mit den Handkanten in Flexion bewegen. Dies bringt die Schädelbasis in ihre Flexionsposition. Lassen Sie den Mechanismus für eine Zeit in den neutralen Zustand zurückgehen und wiederholen Sie dann die Induktion der Flexion.
BEHANDLUNG DER OKZIPITOATLANTALEN GELENKE
Im Falle eines ligamentären Strains am okzipitoatlantalen Gelenk wird eine reine Extension oder Flexion des Os occipitale auf dem Atlas keine Ergebnisse liefern. Das liegt daran, dass sich die Facettengelenke des Atlas bei Dysfunktionen normalerweise gemeinsam mit den Kondylen des Os occipitale nach vorne bewegen. Es ist notwendig, den Atlas zu halten, während sich das Os occipitale dreht – das heißt, die Schraube zu halten, während die Mutter gedreht wird. Eine Methode, welche die Gewebe zusammenführt, und zwar mit Gefühl, ist dem Versuch, sie auseinanderzuziehen, vorzuziehen.
Sie werden die Kondylen nicht direkt ertasten können, denn wie beim Chirurgen mit seiner Sonde wird die Bewegung der Kondylen durch den geschulten Tastsinn erspürt. Die veränderte Beweglichkeit des Gelenks, wenn es sich wieder im Normalzustand befindet, ist besonders eindrucksvoll. Das Gewebe zu fühlen und wahrzunehmen, während man es bewegt, das ist als kunstvolle osteopathische Behandlungsweise bekannt, wenn man sie bei Fehlstellungen der Knochen anwendet.
Dieses wichtige Gelenk ist ein ligamentärer Gelenkmechanismus, eine Diarthrose. Begreifen Sie, was an diesem Gelenk geschieht, während der Patient ein- und ausatmet. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auch auf das Drehgelenk, das dabei ins Spiel kommt. Das Os occipitale bewegt sich auf dem Atlas, wenn wir mit dem Kopf nicken. Außerdem bewegen sich Os occipitale und Atlas auf dem Axis gemeinsam in einer weiten Rotation. Die atlantoaxialen Ligamente, die Membrana tectoria und die intraspinale Dura mater kommen alle mit ins Spiel.
Es ist eine einfache Angelegenheit, Ihren Zeige- oder Mittelfinger unterhalb des Os occipitale in der Nähe des Opisthion zu platzieren, nicht auf dem Arcus des Atlas.
Am besten beginnt man am Inion und folgt der Mittellinie auf dem Supraocciput in Richtung dieses Punktes auf dem posterioren Rand des Foramen magnum. Das ist so nahe, wie Sie dem Tuberculum posterior auf dem Arcus posterior des Atlas kommen können, ohne zu weit zu gehen. Bitten Sie dann den Patienten, mit dem Kopf leicht zu nicken, ohne dabei den Hals zu beugen, da es das okzipitoatlantale Gelenk ist, welches eine nickende Bewegung zulässt.
Der einfache Teil dieser Technik besteht darin, den Atlas einfach nur zu halten, während das Tuberculum posterior Ihrer Fingerspitze entgegenkommt, sobald der Patient mit dem Kopf nickt. Da der Atlas stabilisiert ist, können die Kondylen des Os occipitale sich in die Divergenzen der Gelenkflächen des Atlas hineinbewegen. Die Atemkooperation trägt automatisch dazu bei, die Kondylen zu liften und so die Verbindung wieder zu normalisieren. Der Behandler bemerkt die Veränderung in der Gelenkbewegung. Es besteht keine Kontraindikation für eine Wiederholung dieser Technik, falls eine Kompression der kondylären Anteile des Os occipitale vorliegt, selbst innerhalb einer einzigen Behandlung.
BEHANDLUNG AM KRANKENBETT
Patienten, die aus irgendeinem Grund ans Bett gebunden sind, sollten bei der Anwendung einer anatomisch-physiologischen Berührung mit besonderer Behutsamkeit behandelt werden. Wenn der Patient wie in einer Hängematte in Flexionsposition auf der Seite liegt, kann die Kraft der Gravitation sich sammeln, um die Wirbelsäule nach posterior zu ziehen. Damit werden die ventralen Gewebe des Rückgrats entlastet. Diese generelle Flexionshaltung ist auch von Vorteil, um jenem Zug entgegenzuwirken, der durch die vertikale Haltung während des Arbeitstages auftritt. Wenn man diese Positionierung beim bettlägrigen Patienten anwendet, führt die Entspannung der ventral zur spinalen Achse liegenden Gewebe auch zu einer Entspannung der Gewebe, die dorsal davon liegen. Es ist deshalb nicht nötig, Methoden anzuwenden, die das Ziel haben, Kontraktionen und Versteifungen ‚aufzubrechen‘.
Wenn man Patienten, die aufgrund akuter Krankheit im Bett liegen müssen, osteopathisch behandeln möchte, braucht man dafür eine besondere Fähigkeit, um das Gewebe zu palpieren und die Information zu deuten.
Ein spezielles Ziel, welches wir bei unserem Vorgehen im Auge behalten, ist Folgendes: Die anterioren spinalen Ligamente der Wirbelsäule und andere ventral liegende Gewebe werden entlastet, damit eine normale Blutversorgung und die Funktionsfähigkeit der Lymphbahnen des Rückenmarks gewährleistet ist. Es ist wichtig, störende reflexartige Einflüsse durch die sympathischen Ganglien zu vermeiden. Dieses Verfahren ist auch förderlich, um dem Diaphragma eine freie Bewegung zu ermöglichen.
Wenn es bei der primären Erkrankung zu Begleitkomplikationen kommt, ist es besonders wichtig, die Probleme anzugehen, welche die Beweglichkeit des Diaphragma einschränken können. Bei einer Atemwegserkrankung kommt es leicht zu Komplikationen. Der Schlüssel zu einem Zug auf das Diaphragma liegt möglicherweise in der hinteren abdominalen Wand. Eine erhöhte Spannung der Arci lumbocostales oder der Ligg. arcuati kann eine Behandlung erfordern.
Die Crura diaphragmatica sind am Lig. longitudinale anterior auf Höhe des ersten und zweiten Lendenwirbels und am dritten Lendenwirbel auf der rechten Seite befestigt (Zeichnung I–18). Sie überkreuzen auf der Mittellinie die Aorta und das Receptaculum chyli. Von den Seiten kommen zwei faszienartige Strukturen, die als Ligamente bezeichnet werden und über den M. quadratus lumborum und den M. psoas major verlaufen. Diese Arci lumbocostales sind an den zwölften Rippen und den Procc. transversi befestigt und gehen in die Crura diaphragmatica über. Dieser Bereich der hinteren abdominalen Wand wird üblicherweise nicht besonders beachtet, aber die normale Aktion muss hier stattfinden können. Geschieht das nicht, bringt es dem Patienten Erleichterung, die erhöhte Spannung zu lösen.
Eine Behandlungsmöglichkeit besteht darin, die zwölfte Rippe als Kontaktpunkt zu benutzen, während der Patient auf dem Rücken liegt. Sie machen bei dieser Rippe eine Traktion nach lateral und halten sie. Der Patient kann durch Atemkooperation oder Haltungskooperation mitarbeiten. Dies kann je nach Umständen in Form von Lagerung oder Bewegung erfolgen.
Ich hatte die Gelegenheit, zu beobachten, dass durch das Reiten auf einem Pferd, mit Sattel, ein Lösen von iliosakralen Strains hin zum Normalzustand geschehen kann. Gelegentlich fand ich es nützlich, den Mechanismus dieser Bewegung nachzuahmen.
Durch meine Analyse stellte ich fest, dass das Sakrum ausbalanciert wird und wieder seinen Platz zwischen den Ilia einnimmt, wenn die Ilia lateral bewegt werden. Im Sattel halten die Flanken des Pferdes die Oberschenkelknochen lateral, während der Sattel das Sakrum dazwischen rhythmisch bewegt. Am Krankenbett kann der Behandler zwar die Ilia nach lateral nehmen oder drehen, aber er braucht eventuell eine Krankenschwester, um das Sakrum zu drehen.
Die Satzung der American School of Osteopathy, der ersten Schule für Osteopathie, legte es als ihr Ziel fest, Methoden zu unterrichten, welche die Ausübung der Chirurgie, der Geburtshilfe und der Behandlung von Krankheiten im Allgemeinen verbessern. Sind Sie sich der vollen Bedeutung dieser Aussage bewusst? Sie haben diese guten Methoden zur Verfügung, denn die Fähigkeiten ihrer klugen, sehenden, fühlenden und wissenden Finger brauchen kein Messer. Sie sind Operateure, die nicht schneiden müssen.
14. KLINISCHE ERFAHRUNG BEI DER ANWENDUNG DER OSTEOPATHIE
Als ich mich zuerst auf das Feld der praktischen Anwendung begab, hatte ich nichts in Händen. Als zu mir einige jener alten, trockenen, chronischen Fälle kamen, war die Wissenschaft der Osteopathie alles, womit ich arbeiten konnte. Alles was ich besaß, um mit dem medizinischen Beruf und dessen damaligen Können zu konkurrieren, war das, was ich an der American School of Osteopathy gelernt hatte. Ich hatte Erfolg und begann bei einigen dieser alten chronischen Fälle Fortschritte zu verzeichnen. Deshalb habe ich gesagt:
„Wenn jemand Osteopathie denken kann, wird er auch viel darin finden. Spielen Sie nicht mit irgendetwas anderem herum. Graben Sie so lange immer und immer weiter, bis Sie das relevante Problem gefunden haben.“
Wenn Sie weitergraben, werden Sie das ‚Eichhörnchen im Baumloch‘ des Alten Doktors finden. Ich betrachte das Kraniale Konzept als das ‚gerade mal angedeutete Hervorkommen‘ dieses Eichhörnchens.
Das Wort Osteopathie wurde als Fehlbezeichnung verspottet. Jene, die diese Ansicht vertreten, verstehen Dr. Stills Denkweise und die Wahrheiten in seiner Lehre nicht. Als Dr. Still jenes Konzept, zu dessen Ausübung er sich entschloss, ‚Osteopathie‘ benannte, sagte er, dass er diese Bezeichnung gewählt habe, weil ‚man bei den Knochen beginnt.‘ Er betrachtete diese Entscheidung als den Geburtstag der Osteopathie. Das war am 22. Juni 1874.
ERFAHRUNGEN MIT DER KONTROLLE DER FLÜSSIGKEITSMECHANISMEN
Denken Sie an die weichen Gewebe und Flüssigkeiten im Körper. Zum Beispiel bei einer Knochenfraktur ist die Anwendung der Kontrolle der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit wichtig in der Betreuung des Falles.
Ich nutze die laterale Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit, um Ödeme zu verringern, bevor eine Immobilisation, wie zum Beispiel mit Gips, durchgeführt wird. Das unterstützt den chemischen Prozess der Beseitigung von Abfallstoffen um die Bruchstelle herum und es hilft bei der Kallusbildung. Wenn Sie das Ödem erst reduzieren, nachdem der Gips angelegt wurde, kann es Ihnen passieren, dass dieser nach ein oder zwei Tagen fast abfällt. Alle Methoden, die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit zu einem Stillpunkt zu bringen, können angewandt werden, um die Entspannung der Muskeln und eine Verringerung der Muskelübersäuerung zu fördern. Die normalen chemischen Vorgänge im Körper werden normalerweise wiederhergestellt.

ABB. I–6: SUTHERLAND WÄHREND DES UNTERRICHTS, CA. 1950
Man erkennt Sutherlands typische Unterrichtsmittel: Schädel auf dem Tisch, die von seiner Frau Adah gezeichneten Lehrtafeln und die Tafeln mit einigen Kernaussagen der Kranialen Osteopathie: ‚Wenn Sie Osteopathie denken können, sind Sie auch in der Lage, Osteopathie zu praktizieren‘, oder ‚So wie der Zweig gebogen ist, krümmt sich der Baum.‘
Die Kontrolle der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit ist auch von Nutzen bei problematischen Erkrankungen der Viszera. Deutliche Auswirkungen hat sie auf Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse. Sie dient auch dazu, die Effektivität des Immunsystems zu steigern. Der Patient immunisiert sich selbst gegen eine Infektion, die sich bereits im Körper befindet. In kreislaufbedingten Akutfällen werden Ödeme reduziert, Stauungen aufgelöst und die Blutversorgung an den Orten, an denen sie gebraucht wird, verbessert. Wenn eine Person eine verschlechterte Zirkulation in einem bestimmten Bereich hat und Sie diesen Zustand verbessern wollen, wenden Sie die Kompression des vierten Ventrikels an. Diese Vorgehensweise wirkt auf die betreffenden vasomotorischen Zentren. Bei Erkrankungen der Atemwege habe ich in der Vergangenheit Millers lymphatische Pumpe verwendet. Aber mit der Kompression des vierten Ventrikels habe ich eine Methode zur Hand, die einfacher und effektiver ist, weil ich dabei auf den grundlegenden Kontrollmechanismus einwirke. Ich lasse den Körper des Patienten seine eigene Regulation vornehmen, ganz so, wie es für ihn gerade notwendig ist.
Denken Sie nur einmal an den Wert einer Methode, die Auswirkungen auf die Funktion des Geburtszentrums in der Medulla oblongata hat. Es ist eine einfache Technik, die einen großen Zweck verfolgt – eine Wehenschwäche zu überwinden und den Geburtsvorgang zu erleichtern. Einige der anderen physiologischen Zentren am Boden des vierten Ventrikels sind ein kardialer Inhibitor und ein kardialer Beschleuniger zur homöostatischen Kontrolle der Herzaktivität.
Die hemmende Kontrolle erfolgt auf parasympathischen Weg: durch den N. vagus. Die Beschleunigung erfolgt über das sympathische Nervensystem. Sie wissen, dass die Vagusnerven den Schädel durch die Foramina jugulares zusammen mit dem neunten und XI. Hirnnerv und den inneren Jugularvenen verlassen. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass die Foramina jugulares durch die Verbindung von Os temporale und Os occipitale gebildet werden. Wenn es hier zu einem Strain kommt, gibt es offensichtliche Veränderungen von Größe und Form der Foramina jugulares. Ein Entrapment-Syndrom kann die Folge sein.
Weitere physiologische Zentren am Boden des vierten Ventrikels sind: ein Zentrum für Schwitzen; ein Temperaturkontrollzentrum; das Atemzentrum; Funktionskontrollen für Niesen und Husten; zudem Zentren für die Regulierung des Speichelflusses, des Erbrechens, des Blutzuckerspiegels und des Verdauungstrakts. Beachten Sie, dass die Nervenkerne der VIII. Hirnnerven im Truncus cerebri liegen und dass das Cerebellum über dem Dach des vierten Ventrikels liegt. Folglich sind auch die Funktionen des Hörens, der Gleichgewichtskontrolle und der Körperhaltung in diesem Bereich konzentriert.
Was kann ein Osteopath mehr verlangen, als dass es ihm möglich ist, von außen Kontakt mit einem Bereich aufzunehmen, an dessen Innenseite sich derart viel Regulierungskraft befindet? Wenn die Behandlung für ein klinisch relevantes Problem ansteht, braucht er nur sein Wissen über jene Funktionen anzuwenden, die mit der Medulla oblongata, der Pons und dem Tentorium cerebelli in Zusammenhang stehen. Mit seinen operativen Fähigkeiten, die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit innerhalb der Fossa cranii posterior zu lenken, hat er die Zügel geradewegs in seinen Händen. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, wie nützlich die Kontrolle der Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit ist, wenn Sie chronische Dysfunktionen der Wirbelsäule behandeln. Ich nenne es, in alte rostige Gelenke ‚Öl als Gleitmittel‘ bringen. Ein Mechaniker, der es mit einer alten, verrosteten Mutter und Schraube zu tun hat, wird keinen Schraubenschlüssel nehmen, um sie zu drehen. Er gibt zunächst einen oder zwei Tropfen Öl darauf, die sich zwischen den Windungen verteilen. Nachdem das Öl einwirken konnte, nimmt er lediglich seine Finger, um Mutter und Schraube zu drehen und verletzt dann weder die Windungen der Mutter noch jene der Schraube. Indem Sie die Tide auf jene kurze rhythmische Periode und zu jenem wichtigen Austausch zwischen allen Körperflüssigkeiten verlangsamen, können Sie besagte chronische Zustände schrittweise so ‚einölen‘, dass sie zum normalen funktionellen Zustand zurückkehren. Eine Fibrose verschwindet so ebenfalls langsam, und allmählich bildet sich wieder normales muskuläres Gewebe.
Sie können die Tide vom Sakrum aus untersuchen, wenn Sie einen Fall vor sich haben, bei dem ein Schlaganfall zu drohen scheint, eine akute Kopfverletzung oder möglicherweise ein Schädelbruch vorliegt.74 Mithilfe des Sakrum bringen Sie die Fluktuation der Tide herunter auf jene kurze rhythmische Periode und schaffen damit eine Möglichkeit der Ruhe. John Hilton schreibt in Rest and Pain:
„Ich denke, dass die Art und Weise, wie man eine äußere Verletzung behandelt, uns auch darauf hinweist, wie man möglichst bei einer Gehirnerschütterung vorgehen sollte. Hier sollte zweifellos unsere Pflicht liegen: dem Gehirn absolute Ruhe zu verschaffen; sich zu verlassen auf … die Kraft der Natur, die Verletzung oder Störung zu reparieren; Stimulanzien zu vermeiden, die eine unmittelbare Reaktion hervorrufen, und sehr dazu neigen, Schaden anzurichten […]“ 75
ERFAHRUNGEN MIT LIGAMENTÄREN GELENKMECHANISMEN
Als ich im Jahre 1920 Mitglied im ersten House of Delegates der American Osteopathic Association war, blieb mir nur wenig Zeit außerhalb des Konferenzraumes. Dennoch benutzte ich jede Gelegenheit, um Virgil Halladay D.O., damals Professor der Anatomie an der American School of Osteopathy in Kirksville, Missouri, aufzusuchen. Er hatte ein kleines Buch mit dem Titel The Applied Anatomy of the Spine geschrieben, welches auf jenem speziellen anatomischen Modell basierte, das er zur Konferenz mitbrachte.76
Das Modell bestand aus sämtlichen Knochen des Beckens, der Wirbelsäule und des Thorax, durch Bänder zusammengehalten und so präpariert, dass sie federnd und funktionsfähig erhalten blieben. Die gesamte Muskulatur war entfernt worden.
Während ich das Modell studierte, pflegte ich die Ossa ischii federnd zusammenzudrücken, um zu studieren, wie die iliosakralen Gelenke funktionierten. Sobald ich die Sitzhöcker zusammenschob, bewegten sich die Ilia im oberen Bereich auseinander. Wenn ich die Sitzhöcker auseinanderzog, kamen die Ilia im oberen Bereich zusammen. Ich sah, dass die Bänder das Becken zusammenhalten und auch den Bewegungsradius in diesem Bereich regulieren.
Durch das Studium des ligamentären Gelenkmechanismus im Becken lernte ich genug, um mit der Nadel und den Methoden der ambulanten Proktologie innerhalb meiner eigenen Profession konkurrieren zu können. Was geschieht, wenn Sie die Gewebe im kleinen Becken zusammendrücken? Was geschieht, wenn Menschen auf das Gesäß fallen und das Colon ascendens oder das Sigmoid unten im kleinen Becken blockieren? Sehen Sie einen Zug auf die Faszien? Oder Schwierigkeiten beim venösen Rückfluss aus den Venen des Beckens? Oder einen Strain des Diaphragma pelvis, aufgrund dessen sich Hämorrhoiden, ein Gebärmutterprolaps oder eine Prostatavergrößerung entwickeln können? Mit dieser Sichtweise der Anatomie, indem ich wie Dr. Still Osteopathie dachte, entwickelte ich mehrere Methoden, die ich die ‚Schoß-Techniken‘ nannte. Dabei saß ich vor der Behandlungsbank und ließ den Patienten sich auf meine Knie setzen. Nun musste ich nur noch abhängig vom Beckenbefund die Ossa ischii zusammen- bzw. auseinanderziehen. Es ist einfach, aber um ein guter Mechaniker zu sein, müssen Sie etwas über den Mechanismus wissen.
Etwa um diese Zeit war bei den Osteopathen neues Interesse an Fußproblemen erwacht. Viele dachten sich Techniken für den Mechanismus der Füße aus. Wenn Sie schmerzhafte Fußprobleme erfolgreich diagnostizieren und behandeln können, haben Sie schon einiges über den Mechanismus des lebenden menschlichen Fußes verstanden.
Ich habe Therapeuten gesehen, die das Os cuneiforme laterale attackierten und versuchten, es mit Gewalt an den richtigen Platz zu schieben oder es mithilfe der Zehen herauszuziehen, wenn es abgesunken war.
Wenn Sie aber den Mechanismus und den Platz des Os cuneiforme laterale im Mechanismus begreifen, können Sie sich einfach in dieses Gebiet begeben und spüren, wann Sie den Balancepunkt erreicht haben. Sie brauchen sich lediglich in Erinnerung rufen, dass die Bänder einen bestimmten Bewegungsradius zulassen. Es ist einfach, ihnen die Neuanordnung der Knochen zu überlassen. Sie können auch die Funktion jenes kleinen Lig. talocalcaneum wahrnehmen und sehen, dass Sie es zur Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Talus und Calcaneus nutzen können.
Das Bein ist ein membranöser Gelenkmechanismus. Ebenso der Unterarm. Es gibt dort die Membrana interossea cruris und entsprechend die Membrana interossea antebrachii. Sie können diese Membranen wie die Bänder zum Wiederherstellen der Beziehungen zwischen den Knochen nutzen. Dies liegt daran, dass sie in ihren lokalen Mechanismen wie Bänder funktionieren.
Dr. Still erteilte mir einmal zusammen mit dem Rest unserer Klasse eine Lektion. Ein Mitstudent war in einen rostigen Nagel getreten. Die übliche Wundversorgung und Reinigung war durchgeführt worden, aber die Wunde wollte nicht heilen. Sie begann sich zornig rot zu verfärben, also riefen wir den Alten Doktor. Er sagte: „Ihr verdammten Narren!“ Und das waren wir auch. Wir hatten keinen Gedanken daran verschwendet, dass der Patient sein Bein nach oben zurückgezogen hatte, als er auf den Nagel getreten war. Was war geschehen? Die kleine Articulatio tibiofibulare proximalis zeigte nach posterior und das Gelenk am distalen Ende in die entgegengesetzte Richtung. Aus diesem Grunde war die Blutversorgung unten im Fuß gestört, an welchem der rostige Nagel seinen Schaden angerichtet hatte. Das anhaltende Problem war nicht der Nagel oder die ursprüngliche Wunde, sondern das, was geschehen war, als der Patient plötzlich seinen Fuß zurückzog. Dies verursachte einen membranösen Gelenkstrain zwischen Fibula und Tibia. Es lag ein Strain an beiden Seiten vor, der auch einen Strain der Membrana interossea dazwischen verursachte.
Sie können die zwei Enden der Fibula anfassen und die beiden Knochen durch die Aktion der Membrana interossea cruris ausbalancieren. Die Membrana interossea antebrachii wird ebenfalls für Sie arbeiten, sobald Sie den Mechanismus mittels zweier Kontaktpunkte ausbalancieren.
In gleicher Weise können Sie mit der Clavicula, die auch zwei gelenkige Ansätze hat, arbeiten. Die Clavicula kann möglicherweise am sternalen Ende nach innen und am akromialen Ende nach außen gekippt sein oder umgekehrt. Während der Patient sitzt, brauchen Sie lediglich jeweils einen Daumen unter die beiden Enden der Clavicula zu schieben, den Patienten zu bitten, sich nach vorne zu beugen und auf diese Weise beide Enden zu liften. Die Bänder sorgen für den Ausgleich. Aus diesem Grund behandele ich Dysfunktionen der Fibula über einen Kontaktpunkt an beiden Enden. Es handelt sich um eine doppelte Dysfunktion, so wie sie auch im Unterarm vorkommen kann. Speiche und Elle bilden zusammen ein doppeltes Drehgelenk. Wenn beide Enden einem Strain ausgesetzt sind, wird die Membrana interossea dadurch nicht nur auch überlastet, sondern sie ist auch der Mittler, um den Strain mittels unserer zwei Kontaktpunkte aufzuheben.
Wenn ein Patient an der Ansatzstelle des M. deltoideus über Beschwerden klagt, betrachten Sie den Ursprung des Muskels sowohl auf der Clavicula als auch auf der Scapula. Sie erkennen, dass diese Art von Dysfunktion weniger eine Irritation des N. axillaris als eine Verdrehung der Muskelsehne ist. Sie spüren das In-sich-Verdrehte des Muskels und eine Abstandsänderung zwischen Ursprung und Ansatz.
DAS SCHRAUBEN-MUTTER-PRINZIP
Es gibt ein mechanisches Prinzip, das ich besonders nützlich finde, wenn es um die Gelenkverbindungen zwischen den Wirbeln und den Rippenköpfchen geht. Es handelt sich um das Prinzip von Schraube und Mutter. Was ist einfacher, als die Mutter auf die Schraube oder die Schraube in die Mutter zu drehen? Oft ist der Patient selbst die Mutter. Dies trifft dann zu, wenn der Patient durch seine Position mitarbeitet und Sie als Therapeut die Schraube festhalten können, während der Patient die Mutter dreht. Rippen sind beispielsweise Knochen, die man leicht erreicht und die gehalten werden können.
Einige Wirbel besitzen zwei Gelenkflächen für die Rippen. Auf was achten wir, wenn wir uns mit den Rippen beschäftigen? Schauen wir uns die Winkel an? Falls ja, ist das nicht besonders hilfreich. Der Vorgang der Rotation erfolgt am Rippenköpfchen innerhalb der Gelenkfläche des Wirbelkörpers.
Das Rippenköpfchen steht oft nach vorne und ist assoziiert mit einer sogenannten anterioren spinalen Dysfunktion. Bei Ihrem Versuch, sie zu korrigieren, stellen Sie möglicherweise fest, dass Sie die betreffende Rippe nicht bewegen können.
Wenn Sie die Wirbelkörper festhalten und den Patienten bitten, sich wegzudrehen, halten Sie die Mutter und der Patient dreht die Schraube, nämlich das Rippenköpfchen. Sie können die Rippe auch halten und den Patienten die Wirbelsäule drehen lassen. Egal auf welche Art: Sie und der Patient bringen die Bänder dazu, die Knochen so zu bewegen, dass sie aus eigenem Antrieb wieder in ihre normalen Beziehungen zueinander gelangen.
Durch den Einfluss des sympathischen Nervensystems, über die Grenzstrangganglien, welche auf die Korrektur der Strains zwischen Wirbelkörper und Rippen reagieren, mangelt es dem Osteopathen nicht an Möglichkeiten, dem Körper des Patienten zu helfen, seine normalen Lebensprozesse wieder zu reorganisieren.
15. OSTEOPATHIE IN DER ALLGEMEINMEDIZIN: EINIGE ALLGEMEINE BEHANDLUNGSMETHODEN
Durch das Betrachten von leblosen Körpern im anatomischen Labor können wir viel lernen. Aber wenn es dann an der Zeit ist, sich in unserer Arbeit mit dem lebendigen Körper zu beschäftigen, müssen wir unsere Vorstellungskraft bemühen. Wir arbeiten als Osteopathen und haben dabei den traditionellen Grundsatz vor Augen, dass die Tendenz im Körper des Patienten immer in Richtung Normalität geht. Die selbstregulierenden, selbstkorrigierenden und selbstheilenden Vorgänge sind gewöhnlich erfolgreich. Daher wollen wir in unserer Art zu denken ein vollkommenes und präzises Wissen haben, welches auf dem vollkommenen lebendigen Körper beruht. Das ist notwendig, um ein klares Bild der Normalität, insbesondere der intrakranialen und intraspinalen Mechanismen, zu bekommen.
Wenn etwas im Körper nicht stimmt, ist es meist entweder ein Zuviel oder ein Zuwenig von dem, was normalerweise vor sich geht. Viele Patienten wissen einiges über den menschlichen Körper und seine mechanischen Prinzipien. Sie wissen, ob Sie den Mechanismus verstehen oder nicht, besonders wenn sie ein Problem haben, das Schmerzen bereitet. Sie kommen zu Ihnen, wenn sie ein Problem haben und nicht damit fertig werden, es also nicht durch Ruhe und mit der Zeit verschwindet. Es gibt in der Wissenschaft der Osteopathie viel zu entdecken, wenn man mit jenen Kräften im Körper arbeitet, welche die Heilungsprozesse in Gang setzen. Es ist besser, mit diesen Kräften zu arbeiten, als irgendwie von außen einzuwirken.
Die Atmung des Patienten ist ein Prozess, der ständig stattfindet. Sie wird mit Ihnen zusammenarbeiten, sobald Sie einen Gleichgewichtszustand in der Funktion der Bänder, Membranen und Faszien herstellen.
Sie können Haltungskooperation dazunehmen und den Patienten für Sie die Korrektur durchführen lassen.
Übergehen Sie die alten chronischen Bereiche nicht, welche durch Fibrosierung statisch und unbeweglich sind. Erspüren Sie die Geschichte, die Ihnen das Gewebe erzählen kann und lassen Sie sich die damit verbundene Krankengeschichte so gut wie möglich erzählen. Patienten neigen dazu, sich an die wichtigen Ereignisse zu erinnern, nachdem Sie an einem alten Problem gearbeitet haben. Ordnen und verstehen Sie die Details der Geschichte, so wie sie der Patient erzählt, und setzen Sie alles in Bezug zu dem, was Sie bei einer strukturellen Untersuchung vorfinden. So kommen Sie schließlich zu einer Interpretation, die Ihnen eine Diagnose liefert, mit der Sie arbeiten können. In diesem Fall haben Sie eine wissenschaftliche Grundlage für Ihren Behandlungsplan. Außerdem haben Sie damit auch eine Grundlage für eine Prognose.
Bei jedem Besuch können Sie beurteilen, was im Problembereich des Patienten passiert ist und was dort nicht geschehen ist. Sie verstehen, dass Sie ein Mechaniker der Körperflüssigkeiten und auch der knöchernen Gewebe sind, die ebenfalls aus Flüssigkeit bestehen. Sie sind zum Apotheker geworden, da Ihre Behandlungen die Chemikalien in ‚Gottes Apotheke‘ mischen, wie es Dr. Still nannte. Wir müssen zur Wissenschaft der Osteopathie zurückkehren. Wir können nirgendwo anders hingehen. Wir haben großartige Möglichkeiten in unserer Arbeit für die leidende Menschheit. Ich sage Möglichkeiten, weil wir keine Wunder vollbringen.
Bei der Korrektur bestimmter Probleme können Sie wie Operateure sein; Operateure, die kein Blut vergießen. Es ist eine Kunst; die Kunst, im Sinne von Dr. Stills Wissenschaft der Osteopathie zu praktizieren. Wenn Sie feststellen, dass ein Faszienmechanismus nach unten zieht, anstatt sich anzuheben, studieren Sie, was oberhalb und was unterhalb davon geschehen ist. Die ventralen Faszien sind an der Wirbelsäule befestigt, oberhalb ihres Funktionsbereichs. Wenn Sie eine Dysfunktion zwischen den Rippenköpfchen und ihren Gelenkverbindungen mit den Wirbelkörpern vorfinden, können Sie auf eine sehr alte Blockierung stoßen. Dies findet man oft im oberen Bereich des Thorax. Die wirksamste Vorgehensweise, um hier eine Veränderung zu erreichen, liegt in einer Behandlungsreihe, welche die Kooperation des Patienten und den Gebrauch von ‚Öl als Gleitmittel‘ einschließt. Solch eine Behandlungsreihe darf man nicht mit dem wiederholten Durchkneten des weichen Gewebes vergleichen, welches lediglich Folgen bekämpft, namentlich die Auswirkung chronischer Muskelverspannung oder Kontraktur. Ein gewaltsames ‚Aufbrechen‘ der schützenden Muskelkontraktion und Fibrose wird nicht von dauerndem Nutzen sein, da es der Rückentwicklung des Prozesses keinen zeitlichen Spielraum lässt.
Nehmen Sie die Lig. longitudinale anterior und posterior, die vom Proc. basilaris des Hinterhaupts zum Sakrum verlaufen und die Wirbelkörper und die Disci intervertebrales zu einer segmentierten flexiblen Stange verbinden. Betrachten Sie im Anschluss daran die Gelenke in den Wirbelbögen, die den Bewegungsspielraum zwischen den einzelnen Wirbelkörpern beschränken. Sie sehen hier die muskulären Mittler des Rückens, welche die Wirbelsäule bewegen und ihren Bewegungsradius regulieren. Sie erkennen ebenfalls, dass diese Muskeln die Gelenke schützen.
Beachten Sie die Funktionen des Thorax, der die Wirbelsäule stützt und den Raum für Herz und Lunge schafft. Sehen Sie die Crura diaphragmatica, die am Lig. longitudinale anterior befestigt sind und die Wirbelsäule mit jedem Atemzug bewegen, egal ob Sie schlafen oder wach sind. Ich versuche, Sie alle dazu zu bringen, Osteopathie zu denken und sowohl den haltungsbedingten, willkürlichen und sekundären Teil der Beweglichkeit zu erkennen als auch den Teil, der unwillkürlich und primär ist.
Wir haben bei unserem osteopathischen Denken herausgefunden, dass es im Becken eine unwillkürliche Bewegung gibt, die mit der unwillkürlichen Bewegung im Schädel zusammenhängt. Wir wissen, dass es im Becken keine muskulären Verbindungen zwischen Sakrum und Ilia gibt. Wir finden hingegen eine muskuläre Verbindung vom Sakrum zum Trochanter major femoris und darunter den N. ischiadicus. Wir verfügen mittels des Muskelsystems über eine haltungsbedingte Mobilität.
AUSGEGLICHENE LIGAMENTÄRE SPANNUNG ERREICHEN
Man bezeichnete Dr. Sutherlands Behandlungsmethoden in Bereichen außerhalb des Schädels als ‚allgemeine Techniken‘. Einige dieser Methoden beschreibt Dr. Howard Lippincott in einem Artikel, für dessen Bebilderung er auch zahlreiche Fotoaufnahmen machte, die Dr. Sutherland beim Demonstrieren jener Vorgehensweisen zeigen.
In den nun folgenden Beschreibungen dieser Technik wird häufig auf den Anhang des vorliegenden Buches verwiesen, der Dr. Lippincotts Artikel enthält.
DAS BECKEN: SCHOSS-TECHNIK
In allen Fällen einer vergrößerten Prostatadrüse stellte ich bei der Untersuchung des Beckens fest, dass die Ossa ischii zu nahe beieinanderstanden. Zur Behandlung eines solchen Zustands verwende ich die Methode, die ich als Schoß-Technik bezeichne. Dabei lassen Sie den Patienten sich auf ein Kissen und auf Ihre Knie setzen. Dann nehmen Sie Ihre Knie etwas auseinander. Falls Sie für den Ausgleich des ligamentären Gelenkmechanismus im Becken mithilfe der Schoß-Technik noch mehr tun wollen, heben Sie einfach die Ferse auf der Seite, auf der Sie den Beckenknochen kontrollieren möchten. So können Sie gut in Kombination mit dem Auseinandernehmen oder Zusammenschieben Ihrer Knie beide Beckenknochen kontrollieren. Sie können beide Fersen nur ein bisschen anheben und so das Becken kippen. Ihre Hände haben Sie frei, um andere Berührungspunkte herzustellen (Abb. I–A12 bis I–A14).
Wenn der Patient sich auf das Kissen auf Ihren Knien gesetzt hat, bitten Sie ihn um Mitarbeit. Der Patient legt seine Hände auf die Behandlungsbank, während Sie das Becken mit Ihren Knien und Händen führen. Indem Sie eine Ferse ein wenig anheben, bewegen Sie diese Seite des Beckens nach oben, und auch indem Sie ein Knie lateral oder medial bewegen, können Sie die Position kontrollieren. Ihre Hände haben Sie frei, um zusätzlich zu diesem Einfluss von unten zu führen. Wenn Sie den Patienten bitten, sich mit den Ellenbogen auf die Behandlungsbank zu stützen, können Sie die Konturen seiner Wirbelsäule betrachten und ihn dann bitten, mit seinen Ellenbogen von Ihnen wegzulaufen. Diese Kombination, wenn der Patient auf seinen Ellenbogen über die Behandlungsbank läuft, während der Behandler die Beckenknochen zurückhält, ist eine Möglichkeit, das Sakrum in Richtung Kopf anzuheben. Dies ist eine sehr hilfreiche Anwendung bei einem Spasmus der Psoasmuskulatur bei Erwachsenen oder Kindern. Bei Kleinkindern kann diese Methode direkt auf der Behandlungsbank angewendet werden. In der Tat gibt es zahlreiche Kombinationen, die bei der Anwendung der Schoß-Technik von praktischem Nutzen sind, um eine ausgeglichene ligamentäre Spannung zu erreichen. Korrekturen werden unter der Leitung des Behandlers und mittels aktiver Patientenkooperation vorgenommen.
DIE UNTEREN EXTREMITÄTEN
Sie können das Prinzip des Fulkrum und der Haltungskooperation auch bei der Behandlung von Tibia- oder Fibula-Dysfunktionen am Knie nutzen (Abb. I–A34 und I–A35). Der Patient legt den betroffenen Unterschenkel über das andere Knie. Das Fulkrum befindet sich am Auflagepunkt des Unterschenkels. Der Behandler sitzt etwas niedriger vor dem Patienten. Er ergreift das proximale Ende der Fibula mit einer Hand und das distale Ende mit der anderen. Dann platziert der Patient seine übereinandergelegten Hände auf das Knie und schiebt es Richtung Boden, während er den Fuß dorsal flektiert. Dieses kombinierte Manöver wirkt über dem Fulkrum, um so die Beziehungen von Tibia, Fibula und Femur wieder auszubalancieren.
Auf ähnliche Weise können Sie die Mitarbeit des Patienten mit dem Gebrauch eines Fulkrum bei der Behandlung eines ligamentären Gelenkstrains am Hüftgelenk kombinieren (Abb. I–A32 und I–A33). Der Patient sitzt auf der Behandlungsbank, der Behandler vor ihm. Der Behandler schafft das Fulkrum, indem er seine flache Hand an der medialen Seite des Oberschenkels so nah wie möglich am Gelenk platziert. Der Patient legt seinen Unterschenkel auf den anderen Oberschenkel und seine Hände auf das dazugehörige Knie. Dann lehnt er sich nach vorne, lässt sich in einer Kreisbewegung zur Seite und nach hinten fallen, und kommt wieder nach vorne, während der Behandler sein Gewicht in den Kontaktpunkt an der Oberschenkelinnenseite nahe des Hüftgelenkes legt. Oder der Patient kann sich um seinen Femur herum in die andere Richtung bewegen, je nachdem, ob der Strain in Innen- oder Außenrotation auftrat. Dies ist eine weitere Art, das Prinzip von Schraube und Mutter zu gebrauchen. Sie halten die Schraube (den Femur) und der Patient dreht die Mutter (das Acetabulum). Ich lernte diese Vorgehensweise vom Alten Doktor. Er kannte die anatomisch-physiologischen Mechanismen dermaßen gut, dass er in der Lage war, einen Patienten, egal wo er diesem begegnete, gegen einen Baum oder gegen irgendetwas anderes zu lehnen, und das betreffende Problem geschickt zu korrigieren.
DIE OBEREN EXTREMITÄTEN
Der Unterarm ist ein membranöser Gelenkmechanismus mit zwei Drehgelenken. Während das distale Gelenk sich in Pronation und Supination dreht, erlaubt die Articulatio radioulnaris proximalis eine zeitgleiche Drehung des proximalen Radiusköpfchens. Bei einem membranösen Strain dieser Gelenke setzen Sie sich hin und bitten Ihren Patienten, Ihnen gegenüber Platz zu nehmen. Sie ergreifen das Radiusköpfchen am proximalen Gelenk mit Daumen und Zeigefingern. Am distalen Ende halten Sie den Radius mit Ihrer anderen Hand. Lassen Sie dann den Unterarm von diesen zwei Griffen aus hängen und erlauben Sie der Membrana interossea radioulnaris, die normalen Beziehungen wiederherzustellen. Alternativ können Sie den Radius proximal anfassen und die Ulna distal, sodass Sie zwischen den beiden einen Gleichgewichtszustand etablieren können (Abb. I–A24). Lassen Sie den Patienten anschließend den Ellbogen beugen und strecken, während Sie das Gleichgewicht halten. Lassen Sie den Patienten die Arbeit machen. Das ist viel wissenschaftlicher, als mit einem Ruck herumzupfuschen.
Lassen Sie Ihren Patienten den Ellenbogen in Pronation und Supination hin und her drehen und fühlen Sie, wie einfach es ist, einige dieser Dysfunktionen des Radius zu korrigieren. Eine Tendosynovitis, auch Tennisarm genannt, ist ein solcher Fall. Es handelt sich dabei nicht um eine einzige Dysfunktion, sondern um eine doppelte Dysfunktion, die deutlich hinunterreicht bis zur distalen Gelenkverbindung. Eine Dysfunktion am Ellenbogen zwischen Os olecrani und Humerus ist ebenfalls möglich. Wird der Ellbogen gebeugt, passt der Proc. coronoideus in die Fossa coronoidea. Wird der Arm gestreckt, passt der Proc. olecrani in die Fossa olecrani. Daher sollte die Ulna, wenn sie in ihrer Beziehung zum Humerus behandelt wird, am Ellbogen rechtwinklig eingestellt werden.
Wenn Sie das nächste Mal mit einer jener schwierigen Situationen konfrontiert werden, in denen der Patient den Ellbogen weder sehr weit beugen noch strecken kann, versuchen Sie den Punkt zu finden, an dem Sie gerade noch die Ulna nach unten ziehen können, und lassen Sie anschließend die Bänder die Ulna wieder auf ihren Platz bringen (Abb. I–A23).
Die Bänder werden das für Sie übernehmen. Um das Problem verstehen und es mit seinen eigenen mechanischen Möglichkeiten behandeln zu können, müssen Sie den Mechanismus verstehen. Wenn Sie die Ulna rechtwinklig anbeugen, können Sie den Processus so berühren, dass Sie ihn an einem gewissen Punkt einfach nur in die richtige Stellung herauszuziehen brauchen. Mit dem Proc. olecrani innerhalb seiner Fossa können Sie die betreffenden Teile nicht in ihre richtige Position bringen.
Nutzen Sie das gleiche Prinzip für ein Problem am anderen Ende des Humerus, nämlich für die Behandlung die Art. humeri. Sie brauchen nur den Mechanismus zu verstehen, wie man ein Fulkrum unter dem Humerus benutzt. Schaffen Sie ein Fulkrum, indem Sie Ihre Hand nahe am Gelenk zwischen Arminnenseite und der Seite des Thorax platzieren. Lassen Sie Ihren Patienten seine Hand auf die andere Schulter legen, was den Arm über das Fulkrum nimmt. Er kann den Ellbogen langsam anheben oder absenken. Dies wird es Ihnen erlauben, eine Position der ausgeglichenen ligamentären Spannung in der Art. humeri zu finden und die Bänder werden die Arbeit übernehmen.
DIE CLAVICULA
Wie schon erwähnt, ist die Clavicula ein Knochen, der an beiden Enden ein Gelenk hat. Eines befindet sich am sternalen und das andere am akromialen Ende. Das Lig. coracoclaviculare dient als Fulkrum, wenn Sie einen Daumen an jedem Ende unter die Clavicula platzieren und nach oben schieben, indem Sie sich mit Ihrem Gewicht in Ihre Daumen hineinlegen, während sich der Patient von seiner sitzenden Position aus nach vorne lehnt. Auf diese Weise wird das Gewicht sowohl des Patienten als auch des Behandlers mit der Clavicula um das Fulkrum herum im Gleichgewicht gehalten. Der Patient bewegt die gegenüberliegende Schulter nach hinten und dreht so das Sternum weg. Die natürliche Atmung reicht zur respiratorischen Mitarbeit. Schnell ist die Clavicula entlastet und steht wieder in richtiger Beziehung zu Sternum und Scapula (Abb. I–A18).
Der Behandler stellt vor und nach der Behandlung eine Diagnose, indem er die Orientierungspunkte an den sternalen Enden beider Claviculae miteinander vergleicht. Während der Behandlung geschieht eine Korrektur von Fehlstellungen der Clavicula in allen drei Dimensionen. Bei Grünholzfrakturen an der Clavicula junger Menschen wird der sich Knochen möglicherweise schon korrigieren, wenn sich das Gewicht des Behandlers auf seine an beiden Enden platzierten Daumen legt. Selbstverständlich sollte eine angemessene orthopädische Behandlung durchgeführt werden, um die Reduktion aufrechtzuerhalten.
DER THORAX: DIE RIPPEN
Die oberen Rippen werden oft überlastet, wenn eine Person etwas hochhebt oder zu weit greift, während sie sich in einer Position befindet, in der die Arme über Schulterhöhe angehoben sind. Dies kann im Stehen oder beim Bücken geschehen. Gewöhnlich stehen bei einem Strain die Rippen nach oben und hinten. Dies verursacht eine Traktion auf den M. serratus anterior, der auf die Rippe oder die Rippen einwirkt. Möglicherweise muss man den Muskel behandeln, noch bevor man das Rippenproblem angeht. Meist gibt es eine Muskelverspannung unterhalb der Scapula, die dazu neigt, die Rippe oder Rippen in ihrer Fehlstellung zu fixieren (Abb. I–A7 bis I–A10).
Der Behandler kann hier eine Technik im Sitzen oder auch im Stehen anwenden. Von vorne sich annähernd legt er die Finger einer Hand vorsichtig und sanft unterhalb der Schulter unter die Scapula. Seine Finger gehen dabei so weit wie möglich nach hinten und fixieren die betreffende(n) Rippe(n). Seine andere Hand liegt über dem Acromioclaviculargelenk. Der Patient wird daraufhin gebeten, sich gegen den Behandler zu lehnen und die gegenüberliegende Schulter zuerst nach vorne und dann nach hinten zu nehmen. Der Behandler führt die Bewegung, wobei er aufmerksam darauf achtet, was an den Facettengelenken der Wirbelsäule vor sich geht.
Während sein subscapularer Kontakt allmählich nach hinten unter die Scapula wandert, findet der Behandler gewöhnlich eine Kontraktion der Fasern des M. serratus anterior vor. Vor der Korrektur der Rippe sollte ein solcher Zustand behandelt werden, indem man die Scapula nach außen nimmt. Dysfunktionen der unteren Rippen können gut am stehenden oder aufrecht sitzenden Patienten behandelt werden.
Um Strains dieser Art vorzubeugen, empfehlen Sie Ihren Patienten, eine Überdehnung zu vermeiden, indem sie mit ihren Armen nicht höher als auf Schulterhöhe arbeiten. Mit angebeugten Ellenbogen kann eine Arbeit oberhalb des Kopfes durchgeführt werden. Wenn die Aufgabe in dieser Haltung nicht durchzuführen ist, sollten sie sich anders positionieren.
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