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Kasimir Edschmid
Stehe von Lichtern gestreichelt: Gedichte

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021
EAN 4064066116088
Inhaltsverzeichnis
RUMÄNISCHE BALLERINA
FISCHERBOOTE IN ETRETAT
PERSEUS UND ANDROMEDA
ABSCHIED
TO
ORPHEUS
ROSITTA MAURY
SPRUCH
DEM GEDÄCHTNIS DER TÄNZERIN ANGELIQUE HOLOPAINEN
DER FREIER
SCHLUSS
SAPHO
GAM
VERKÜNDIGUNG
MONTAU DON: ENUEG
MONTAU DON: PLAZER
VERFOLGTER KRIEGER
DIE NACHT DES ANGESCHOSSENEN
Nun glänzen orangen der Herbstsee und die Birken entflammt wo entfernt.
Mit den silbernen Achsen der Scheiben nur ist unser Zimmer besternt.
Nelken und Zimt deiner Kleider durchwellt in Gerüchen den Raum.
Blind durch das Bleiche der Dämmrung glitzern die Spiegel kaum.
Über dem Goldweiß der Wände schwemmt die Laterne draus nur
Welle auf schimmernde Welle schweigend mit trübem Kontur.
Nun liegt meine Hand, die noch gestern die Haut eines andern durchschnitt,
an der ich am Haar dich emporzog am Sandbruch beim ersten Ritt;
auf der alle Punkte ich zählte, wie sie deine Säure verbrannt,
vor der du in Demut dich knietest, als ich die Pistole gespannt — —
Nun liegt meine Hand wie ein Kreisel, der torkelt und nicht mehr schrillt,
an deines Leibes erglühtem und auf sich wölbendem Schild.
Seh deine Augen brechen schräg aus der Kissen Granit:
Gläsern geschliffene Teiche, an denen ich wandernd litt.
Vage erschimmern die Hüften, wenn du im Wiegen sie hebst,
der Schenkel geduckte Exstase, in die du mich sanft sonst verwebst.
Ich fühle das Hämmern des Blutes, hinauf nicht heiß und nicht lau,
wo unter den seidenen Decken mit Geiern in Gelb und aus Blau
gleich gereckten Raubtieren lagert das elfenbeinerne Paar.
O Tupfen des rosanen Marmor . . . . . Ihr Kränze von flaumigem Haar,
Sieh, du willst höhnen nun: Starker, endlich nun bist du matt . . . . .
Lachend laß ich das Lager, schaue hinab auf die Stadt.
Seh, wie mit weißen Flammen die Nacht die Straßen durchstieß.
Schnee deckt sprühend und schaumig Schorne und Gärten und Fries.
O nun braust in die Helle der Frühe mein Wildsein voll neuem Erglühn,
stehe von Lichtern gestreichelt, gerötet, Hochstapler und kühn,
werfe den Arm hoch im Rausche — höre den Sperberschrei.
Purpur durchrast schon der Fenster flammendes Mondrund und Blei.