Tabu Liebe verlässt dich nie

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Z serii: Tabu #4
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*

Am nächsten Morgen planten sie beim Frühstück die gemeinsamen Tage mit Cora und Michel.

Daniel fragte Cora: „Wie lange könnt ihr denn bleiben?“

„Übermorgen ist Heiligabend. In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir Urlaub. Michel muss am dritten Januar wieder arbeiten. Ich habe noch frei bist zum achten. Also dachten wir, bleiben wir bis zum zweiten Januar, wenn es euch nicht zu lange ist.“

„Nein, ach Gott“, rief Katja, „es ist eher zu kurz. Aber nein, ich freue mich, dass ihr bis zum nächsten Jahr bleiben könnt.“

„Da haben wir ja Glück. Sonst hätten wir den Flug umbuchen müssen.“

Alle lachten und nun wurde der Tag mit einem Ausflug in den Ort begonnen. Später wollten sie zum Weihnachtsmarkt nach Marseille. Karim sagte, er müsste etwas Wichtiges erledigen. Dabei zwinkerte ihm Daniel zu. Katja lächelte, denn sie ahnte, dass es eine Überraschung geben würde. Sie war gespannt.

Sie machten sich zu viert mit Maries Auto auf den Weg. Alles war herrlich geschmückt, nur der Schnee fehlte. In den Schaufenstern wurden die allerschönsten Krippenfiguren ausgestellt, die sie je gesehen hatten.

Katja kaufte für Daniels Eltern und Karim Geschenke. Dann zog sie Cora ins Schmuckgeschäft. Sie sollte sich dort ein paar neue Ohrringe aussuchen. Zuerst wollte sie protestieren, aber als sie Katjas traurige Augen sah, ging sie mit. Es wurden ein Paar wunderschöne Ringe aus Gold, an denen eine kleine schwarze Perle hing.

Die Männer waren in ein Café eingekehrt und hatten sich einen Cappuccino und ein Wasser bestellt.

Michel fragte: „Wie geht es euch denn nach der aufregenden Zeit?“

„Es war am Anfang sehr schlimm. Katja hat sehr schlecht geschlafen und ist ständig hochgeschreckt. Es hat auch hier eine Weile gedauert, bis sie angekommen war. Im Inneren angekommen, wenn du verstehst, was ich meine. Sie hatte sogar Probleme mit dem Kaminfeuer. Aber ich denke, seit Karim hier ist, ist die Welt nun wieder völlig in Ordnung.“

„Wer will ihr das verdenken. Wer so etwas erlebt hat … und wie gut, dass du da warst, um sie zu retten.“

Daniel erwiderte nachdenklich: „Ich hätte nicht weiterleben können, wenn sie gestorben wäre. Daran darf ich gar nicht denken. Wenn er nicht verunglückt wäre … Ich weiß, so soll man nicht reden, aber …“

Er schaute zu Michel. Der hatte sehr viel Verständnis für Daniels Gedanken. Wenn jemand seiner Cora etwas antun würde, dann würde er genauso denken.

Daniel berichtete von Paris und den ersten Tagen bei Marie und wie Katja langsam aber sicher ruhiger und entspannter wurde. Es war eine schwere Zeit gewesen, die nun hinter ihnen lag. Daniel hatte sich noch oft gefragt, wie er sich jemals von Katja trennen konnte. Erst durch seine Fehler hatte alles begonnen. Dabei hatte er sie immer mehr geliebt als sein Leben.

Michel hatte seine Gedanken erraten.

„Nein, Daniel, du musst dir keine Vorwürfe machen. Das mit dem Schicksal ist eigentlich Quatsch, aber vielleicht musste erst so viel passieren, damit ihr endgültig zusammenfindet. Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist.“

Katja war noch in der Parfümerie gewesen und hatte für Michel und Daniel ein teures Parfüm gekauft. Nun hatte sie alle Weihnachtsgeschenke beisammen und obwohl die Temperaturen nicht weihnachtlich waren, so war ihr doch ganz heimelig zumute. Als sie bei Marie nach einer Lichterkette gesucht hatte, war ihr Weihnachten mit Maurizio wieder eingefallen. Das war ein wunderbares Fest gewesen. Sie hatte wehmütig daran gedacht, wie sie damals gehofft hatte, dass alles gut werden würde. Und dann kam alles ganz anders.

Nun wollte sie daran nicht mehr denken. Das hatte sie beim Einkaufen auch Cora gesagt.

„Richtig so“, meinte Cora entschlossen. „Ab jetzt wird nur noch nach vorne geschaut. Wir sind beide mit den besten Männern der Welt verheiratet. Das kann uns niemand mehr nehmen.“

Sie umarmten sich und betraten das Café, in dem die Männer schon den zweiten Cappuccino tranken. Beide bekamen einen Kuss. Jetzt bestellten sich auch Cora und Katja einen Café au lait.

Danach machten sie sich auf den Weg nach Marseille. Die Innenstadt, wo sie in einer Seitenstraße einen Parkplatz gefunden hatten, war festlich geschmückt. Dort fand jedes Jahr einer der berühmtesten französischen Weihnachtsmärkte statt. Er er­streckte sich auch in diesem Jahr wieder am alten Hafen entlang, vom Place Gabriel Péri, der Canebière bis zum Place Charles-de-Gaulle.

Katja, Daniel, Cora und Michel fanden sich wieder zwischen wunderbaren, kleinen Marktständen, wo Künstler und Handwerker ihre Waren anboten. Überall duftete es nach Lavendel, Kräutern und anderen Köstlichkeiten wie Gebäck. Besonders verwirrend für die Nase waren die Düfte der zahlreichen Seifen, die hier in Marseille eine Kostbarkeit waren. Neben Keramik-Geschirr, Gemälden und Schokolade fanden sich auch die kleinen Krippenfiguren aus Ton, Figuren aus dem täglichen Leben, von Hand bemalt, wie man sie nur hier finden konnte. Man nennt diese Figuren Savons. Dafür war Marseille berühmt.

Sie schlenderten über den Markt, schnupperten, probierten, naschten und fuhren nach dem Hereinbrechen der Dunkelheit zurück in die Villa.

Dort wurden sie von Marie begrüßt und Cora konnte gar nicht aufhören zu schwärmen von diesem besonderen Tag. Nach einem kleinen Imbiss saßen sie noch bis in die Nacht zusammen. Karim war zu ihnen gestoßen, zeigte Daniel den erhobenen Daumen und beide grinsten.

*

Am kommenden Morgen lud Marie Katja, Cora und Michel zum Frühstück in den Ort ein.

„Es muss sein, meine Lieben“, erklärte sie mit geheimnisvollem Blick. „Wir müssen jetzt bis zum Mittag weg sein. Lasst euch überraschen. Am Nachmittag kommen auch Thea und Richard und dann ist Bescherung und ich lasse Abendessen kommen.“

Katja lachte nur.

„Ich liebe Überraschungen.“

Auch Cora und Michel waren gespannt.

„Schade, dass wir hier keinen Weihnachtsbaum haben. Das vermisse ich am meisten“, sagte Katja zu Cora. „Aber ich habe meine liebsten Menschen um mich und das ist genauso gut.“

„Und du musst nicht ständig saugen, weil er nadelt wie verrückt. Den letzten Baum habe ich schon am zweiten Feiertag rausgeworfen. Da hatte Michel ein furchtbares Ding angeschleppt.“

„Ich nehme alles auf mich“, sagte Michel ruhig. „Das Problem haben wir ja nun in diesem Jahr nicht. Wollen wir mal Elli anrufen?“

Cora legte ihr Besteck zur Seite, nickte und suchte nach ihrem Handy.

Elli hatte einen Freund, der wieder mal der Richtige war und wohnte schon eine Weile bei ihm. Coras Tochter hatte immer noch ihren eigenen Kopf und setzte den auch rigoros durch. Michel hatte sie bei allem unterstützt. Cora hatte sich zurückgehalten und sie lebten in Frieden und Harmonie.

„Hallo, mein Kind“, rief sie in den Hörer. „Wie geht es dir?“

Am anderen Ende wurde gesprochen.

„Wir sitzen hier gemütlich in Südfrankreich in einem netten, kleinen Café beim Frühstück und lassen es uns gut gehen. Michel sitzt neben mir und will auch etwas sagen. Warte.“

Sie reichte das Handy weiter. Michel berichtete vom Besuch auf dem Weihnachtsmarkt.

Dann sagte er mit einem Blick auf Katja: „Ja, es geht ihr wieder gut und sie hat den besten Mann der Welt. Wir reden übermorgen noch einmal. Ich habe dir ein tolles Weihnachtsgeschenk in dein Zimmer gelegt. Da kannst du schauen, wenn du die Blumen gießt. Bis dann.“

Er richtete Katja und Marie die Grüße aus und gab Cora das Handy zurück.

Cora lächelte versonnen.

„Er ist ihr ein toller Freund. Besser als ihr Vater. Danke, Schatz.“

Dann küsste sie Michel.

Marie wischte eine kleine Träne aus ihrem Augenwinkel und seufzte.

„Ach, wie schön. Mir ist so richtig nach Weihnachten zumute. Ich glaube, es ist spät genug. Wir fahren zurück.“

*

Mitten im Wohnzimmer stand ein zwei Meter hoher Weihnachtsbaum. Er war ganz und gar mit roten und goldenen Kugeln geschmückt und erstrahlte im hellen, warmen Licht hunderter kleiner Lämpchen. Daneben standen Daniel und Karim und strahlten ebenso.

Als Katja den Baum erblickte, brach sie in Tränen aus und stand nur wortlos und weinend davor. Daniel nahm sie in den Arm.

Er erklärte: „Ich wusste doch, wie sehr du dir einen richtigen Weihnachtsbaum wünschst. Also haben wir ihn aus der Schweiz einfliegen lassen. Ist er nicht ein Prachtstück?“

Katja schluchzte.

„Er ist so wunderschön. Ich kann gar nichts sagen, ich muss nur heulen. Ich liebe dich.“

Sie küsste Daniel und ging dann zu Karim, um ihn ebenfalls zu umarmen.

„Danke, danke, ihr seid der Hammer“, sagte sie, nachdem sie sich die Tränen abgewischt hatte.

Auch die anderen lobten den Baum ausgiebig. Cora stieß Michel an.

„Das ist mal ein Baum. Im nächsten Jahr will ich auch so einen.“

Michel legte einen Arm um sie und küsste sie nur. Sie setzten sich zu einem kleinen Mittagessen in die Küche. Das richtige Essen sollte erst am Abend kommen, bis dahin wollten sie alle noch einen Spaziergang am Strand machen, der um diese Jahreszeit menschenleer war. Wind war aufgekommen und wehte ihnen ordentlich um die Nase.

Als sie die Treppen zur Villa wieder hinaufgestiegen waren, warteten dort schon Thea und Richard und alle tranken Kaffee. In der Küche wirbelte Francoise und gab den beiden Männern von der Catering-Firma Anweisungen. Unterdessen saßen alle beim schönen Weihnachtsbaum.

 

Jeder hatte seine beschrifteten Geschenke unter den Baum gelegt. Im Hintergrund lief das Weihnachtsoratorium und verbreitete eine feierliche Stimmung. Thea und Richard ließen sich von Cora die wichtigsten Neuigkeiten aus Deutschland erzählen.

„Ich werde mich jetzt mal zum großen Abendessen schick machen“, sagte Katja.

Daniel folgte ihr ins Zimmer und auch Cora und Michel gingen sich umziehen. Alleine im Zimmer schob Daniel Katja auf das Bett und begann sie auszuziehen. Katja ließ es geschehen und gab sich ihm ganz hin. Danach duschten sie zusammen. Katja zog ein Kleid an, Daniel einen Anzug.

Cora und Michel waren auch fertig und so setzten sie sich an den reichlich gedeckten Tisch. Es gab Lachs, Salate, Hähnchen und einen Rinderbraten und noch viele leckere Dinge. Dazu eilte Francoise hin und her und schenkte Wein ein. Als Dessert hatte sie eine zarte Créme brûlée gezaubert, deren Karamell-Kruste herrlich knackte. Alle schwärmten von dem guten Essen und setzten sich an den Weihnachtsbaum, um die Bescherung einzuläuten. Francoise erhielt von Marie einen Umschlag mit Geld, das sie für ihre Familie ausgeben sollte. Dann ging sie heim, um mit ihren Lieben Weihnachten zu feiern.

Alle hatten ihre Geschenke ausgepackt, da fiel Cora etwas auf.

„Katja, was hat dir denn Daniel geschenkt?“

Katja sah ihren Mann an. Er lächelte umwerfend und spitzbübisch. Plötzlich stand er auf, zog sie in seinen Arm und küsste sie lange.

„Komm mit, Schatz“, sagte er.

„Oh, das hatten wir doch schon einmal.“

Daniel führte sie um das Haus herum zu den Garagen. Als sie vor einer verschlossenen Tür standen und er ihr den Schlüssel gab, heulte sie schon wieder.

In der Garage stand genau so ein kleiner roter Flitzer, wie er ihr schon einmal geschenkt hatte und wie er bei dem Feuer mit verbrannt war.

„Oh nein, wie verrückt du doch bist. Ach, Daniel, ich liebe dich!“

„Ja, ich bin verrückt nach dir und auch sonst. Ich hoffe, du hast deine Freude an dem kleinen Flitzer und wünsche dir allzeit gute Fahrt.“

Die anderen waren dazugekommen und applaudierten. Katja fühlte sich wunderbar. Und nun war es Mitternacht.

„Frohe Weihnachten, mein Engel“, sprach Daniel feierlich.

*

Die Feiertage verbrachten sie alle zusammen, nur Thea und Richard waren zwischendurch nach Hause gefahren. Mit Bea und Hannes hatten sie telefoniert. Sie liefen gemeinsam am Strand, besuchten am Tag nach Weihnachten das Weingut in Fréjus, deckten sich dort mit Champagner und Wein für Silvester ein und verbrachten wunderbare Abende am Kamin.

Katja hatte sich gewünscht, dass sie Silvester in der Villa verbringen könnten. Keiner hatte etwas dagegen. Die Knallerei war ihnen nicht so wichtig. So aßen sie erst schön in Maries Lieblingsrestaurant und saßen dann bei schönen Erinnerungen daheim zusammen und tranken Wein. Thea und Richard kamen dazu.

„Ich bin daheim“, sagte Katja zu Thea. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal ohne die Schule leben könnte, aber im Moment vermisse ich nichts.“

Cora lachte und meinte: „Eines Tages wirst du dich hier als Lehrerin bewerben. Davon bin ich fest überzeugt. Du kannst doch auf Dauer nicht ohne die Kinderchen.“

Katja winkte ab. Da klingelte das Telefon. Es war Bea, die allen einen guten Rutsch wünschen wollte. Der Telefonhörer wurde herumgereicht.

Daniel stieß kurz vor Mitternacht Karim an. Der stand sofort auf und ging hinaus. Er kam kurze Zeit später wieder herein und zwinkerte Daniel zu. Katja hatte nichts bemerkt, nur Cora schaute zwischen den beiden hin und her. Daniel legte seinen Zeigefinger auf die Lippen. Cora dachte: Aha, eine Überraschung.

Die Sekunden bis Mitternacht zählten sie gemeinsam runter und dann stießen sie mit dem mitge­brachten Champagner an. Daniel drängte zur Eile und schob alle auf die Terrasse. Sie standen am Rand der Klippen und schauten auf den Strand. Plötzlich knallte es dumpf und an einem nicht erkennbaren Punkt auf dem Meer begann ein leuchtendes Feuerwerk in allen Farben.

Daniel hielt Katja im Arm und flüsterte in ihr Ohr: „Damit auch die letzten bösen Geister der Vergangenheit verschwinden.“

Katja war gerührt und mit Ah und Oh wurde der Lichterregen bestaunt und bejubelt. Es war ein wirklich gelungener Jahresanfang, alle umarmten sich und wünschten sich alles Gute. Nach und nach gingen sie schlafen. Das neue Jahr hatte begonnen.

*

Der Abschied von Cora und Michel fiel Katja schwerer als gedacht. So war sie überglücklich, als Daniel sagte, sie würden Ostern in Potsdam verbringen. Am Nachmittag setzte sich Karim zu Katja.

„Bist du bereit, mit mir über die Angelegenheiten zu deinem Haus zu reden?“

Katja schluckte, aber sie konnte sich nicht ewig drum herum drücken. Sie musste dieses Kapitel abschließen. Dazu gehörten die Formalitäten. Als Karim noch in Deutschland war, hatte sie ihm die Vollmacht erteilt, alles zu regeln, ohne dass sie dort erscheinen musste.

Daniel nickte ihr aufmunternd zu.

„Dann los“, sagte sie entschlossen. „Hast du das Grundstück verkaufen können?“

Karim erklärte: „Der Abriss und die Entsorgung waren der erste Schritt, aber das war nicht so kompliziert. Es war ja nicht mehr viel übrig. Das Auto war schon direkt von der Feuerwehr herausgeholt worden und wurde entsorgt. Dann habe ich eine Anzeige geschaltet, aber der Bürgermeister kam auf mich zu und bot an, das Grundstück zu kaufen.“

„Der Bürgermeister?“

„Ja, es wurde wieder als Bauland ausgeschrieben und somit war ich eine Sorge los. Einen Teil des Geldes brauchte ich für den Abriss und den Austausch von einem Teil des Bodens, aber es ist noch genug übrig geblieben. Das habe ich auf ein Sparkonto eingezahlt, das ich für dich angelegt habe. Du kannst jederzeit über das Geld verfügen, es ist eine fünfstellige Summe.“

„Sehr gut“, sagte Katja. „Das wird mein Notgroschen, obwohl ich nicht denke, dass ich ihn brauche. Vielleicht gebe ich es auch meinen Freundinnen. Mal sehen. Danke, Karim, dass du das für mich getan hast.“

„Ach Schatz, das habe ich gerne getan. Für dich doch immer. Und nun fahre ich mal heim. Am Wochenende erwarte ich euch zum Essen.“

Er umarmte Daniel, küsste Katja und ging. Katja setzte sich zu Daniel auf die Couch. Das war besser gelaufen, als sie gedacht hatte. Es tat nicht mehr so weh. Das sagte sie auch zu Daniel.

„Siehst du“, meinte er zufrieden. „Alles ist gut, weil wir zusammen sind. Lass uns die Zukunft in vollen Zügen genießen.“

Sie aßen zu Abend und danach verabschiedete sich Marie, weil sie am Morgen ganz früh zu ihrer Freundin nach Mailand fliegen wollte. Katja und Daniel gingen ins Bett und liebten sich, um danach in einen festen, traumlosen Schlaf zu fallen.

*

Der Winter war mild und sonnig. Katja vermisste die Kälte Deutschlands und den Schnee überhaupt nicht. Sie gingen nach der Arbeit jeden Tag am Strand spazieren. Es fühlte sich eher wie ein ewiger Frühling an oder wie ein steter Wechsel zwischen Frühling und Sommer. Das gute Klima trug auch dazu bei, dass Katja gesund und fit war.

Daniels Geburtstag feierten sie mit der Familie.

Katjas Französisch wurde immer besser, sodass Daniel ihr mehr Aufgaben übertragen konnte, in denen auch Kommunikation nötig war. Wenn etwas nicht sofort klappte, griff Giselle dezent ein.

Ende Februar sagte Giselle zu Katja: „Sie haben sich gut eingelebt und nun alles im Griff. Ich werde im Sommer in Rente gehen. Mein Mann fragt schon jeden Tag, denn er will reisen.“

„Oh, wie lieb von Ihnen“, erwiderte Katja stolz. „Ich hoffe, dass ich bis dahin alles alleine managen kann. Ich habe sehr viel bei Ihnen gelernt. Danke für alles. Ich bin glücklich und zufrieden.“

Giselle umarmte Katja herzlich und wischte an ihrem Augenwinkel herum. Die beiden Frauen waren gerührt. Katja hatte in diesem Moment beschlossen, ihr einen großzügigen Reisescheck zukommen zu lassen. Damit war ein Teil des Geldes vom Grundstücksverkauf gut angelegt.

Als sie Daniel beim Spaziergang am Abend davon erzählte, runzelte der die Stirn, aber Katja schien so entschlossen, dass er sich zurückhielt.

„In Ordnung, Schatz“, sagte er sanft. „Ich werde die Summe verdoppeln, dann können die beiden eine schöne Reise unternehmen. Ich bin stolz auf dich. Du bist gütig, großzügig und hast dein Herz am rechten Fleck.“

Katja griff seine Hand und hielt sie fest.

„Das habe ich von dir gelernt.“

Hand in Hand kehrten sie in die Villa zurück. Marie war schon wieder unterwegs bei Freunden. Sie hatte kurz angerufen und mitgeteilt, dass sie noch zwei Wochen weg sein würde. So lebten Katja und Daniel dort wie in ihrem eigenen Haus.

Zwei Tage später fragte Daniel beim Frühstück: „Sag mal, was denkst du denn darüber, im Sommer ein ganz eigenes Haus für uns zu suchen?“

Katja machte große Augen. Sie fühlte sich hier wie in einem eigenen Haus und die Option auszuziehen war seit langer Zeit vom Tisch gewesen.

„Ich bin da glücklich, wo du bist. Wenn du mit mir in einem eigenen Haus leben möchtest, soll es so sein. Aber können wir Marie alleine lassen?“

„Karim könnte wieder hier einziehen. Ich finde seine Wohnung scheußlich. Es ist zwar in der Nähe der Firma, aber zu klein, zu ungemütlich, zu viel Lärm und nicht am Meer. Das kann nichts für die Ewigkeit sein.“

„Du hast recht“, erwiderte Katja. „Es ist eine laute Bruchbude. Nur seine Möbel machen es wohnlich. Lass uns das gemeinsam besprechen. Wir hören uns an, was die beiden zu sagen haben und treffen eine Entscheidung. Einverstanden?“

„Kluge Idee. Wenn Marie wieder da ist, denken wir weiter darüber nach.“

Er sah plötzlich traurig aus. Katja seufzte.

„Ach, mein Liebster, ich weiß, du hättest gerne deinen Sohn in deinem Leben. Willst du noch einmal versuchen, Kontakt aufzunehmen? Ich würde dich gerne unterstützen.“

Daniel flüsterte: „Ich vermisse ihn so sehr. Er gehört doch zu mir, aber wie soll ich an ihn herankommen?“

„Wie wäre es denn, wenn wir den Anwalt um Rat fragen? Der kann doch sicher herausfinden, wie es steht.“

„Willst du das wirklich?“

Katja nickte.

„Gut“, meinte Daniel. „Dann rufe ich Carsten Froehdes an und frage, wie wir das machen können. Es wäre toll, wenn Tom uns hier wenigstens einmal besuchen könnte, in den Sommerferien vielleicht.“

Katja streichelte seine Hand und küsste ihn auf die Stirn.

„Ich weiß doch, wie viel es dir bedeutet.“

*

Am Wochenende war Karim bei ihnen zu Besuch. Daniel erzählt ihm von ihren Plänen, Tom zu finden und mit in ihr Leben einzubeziehen. Karim fand die Idee gut und versprach seine Unterstützung. Gemeinsam riefen sie Dr. Carsten Froehdes an. Der wollte sich informieren, wo sich Eva und Tom zurzeit aufhielten und sich dann umgehend melden. Daniel war aufgeregt.

Katja sagte: „Mein Leben ist wieder komplett, lass uns deines auch vervollständigen. Ich liebe dich und ich will, dass es dir gut geht.“

„Danke. Ich liebe dich auch. Und es geht mir gut, weil du bei mir bist, aber ich bin ehrlich. Tom fehlt mir. Dass Eva jeden Kontakt unterbunden hat, ist schon dumm. Es ist eigentlich gegen unsere Abmachung.“

Zwei Tage später klingelte abends das Telefon. Dr. Froehdes war dran und hatte Neuigkeiten.

„Eva Beckert und ihr Sohn halten sich wieder in Deutschland auf. Sie wohnen in Wismar. Sie lebt dort mit einem Mann.“

Daniel zitterte vor Aufregung und hatte Katjas Hand ganz festgehalten. Der Anwalt erklärte, dass es die Möglichkeiten gäbe, sie per Anwaltsschreiben dazu aufzufordern, den Kontakt zuzulassen oder aber er würde sich persönlich an sie wenden.

„Aber um die Rechte als leiblicher Vater geltend zu machen, müsste nun endlich ein Vaterschaftstest gemacht werden“, forderte er.

„Ja, das sehe ich ein. Tom ist jetzt zwölf Jahre alt, der wird das verstehen. Fahr doch bitte hin und kläre das persönlich.“

Dr. Froehdes versprach, alle Termine zu verlegen, bei denen das möglich war und sich sofort um die Angelegenheit zu kümmern.

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