Faust

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Faust
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Vor dem Thor.

Spaziergänger aller Art

ziehen hinaus.

Einige Handwerksbursche.

Warum denn dort hinaus?

Andre.

Wir gehn hinaus auf’s Jägerhaus.

Die Ersten.

Wir aber wollen nach der Mühle wandern.

Ein Handwerksbursch.

Ich rath’ euch nach dem Wasserhof zu gehn.

Zweyter.

Der Weg dahin ist gar nicht schön.

Die Zweyten.

Was thust denn du?

Ein Dritter.

Ich gehe mit den andern.

Vierter.

Nach Burgdorf kommt herauf, gewiß dort findet ihr

Die schönsten Mädchen und das beste Bier,

Und Händel von der ersten Sorte.

Fünfter.

Du überlustiger Gesell,

Juckt dich zum drittenmal das Fell?

Ich mag nicht hin, mir graut es vor dem Orte.

Dienstmädchen.

Nein, nein! ich gehe nach der Stadt zurück.

Andre.

Wir finden ihn gewiß bey jenen Pappeln stehen.

Erste.

Das ist für mich kein großes Glück;

Er wird an deiner Seite gehen,

Mit dir nur tanzt er auf dem Plan.

Was gehn mich deine Freuden an!

Andre.

Heut ist er sicher nicht allein,

Der Krauskopf, sagt er, würde bey ihm seyn.

Schüler.

Blitz wie die wackern Dirnen schreiten!

Herr Bruder komm! wir müssen sie begleiten.

Ein starkes Bier, ein beizender Toback,

Und eine Magd im Putz das ist nun mein Geschmack.

Bürgermädchen.

Da sieh mir nur die schönen Knaben!

Es ist wahrhaftig eine Schmach,

Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben,

Und laufen diesen Mägden nach!

Zweyter Schüler zum ersten.

Nicht so geschwind! dort hinten kommen zwey,

Sie sind gar niedlich angezogen,

’s ist meine Nachbarin dabey;

Ich bin dem Mädchen sehr gewogen.

Sie gehen ihren stillen Schritt

Und nehmen uns doch auch am Ende mit.

Erster.

Herr Bruder nein! Ich bin nicht gern genirt.

Geschwind! daß wir das Wildpret nicht verlieren.

Die Hand, die Samstags ihren Besen führt,

Wird Sontags dich am besten caressiren.

Bürger.

Nein, er gefällt mir nicht der neue Burgemeister!

Nun, da er’s ist, wird er nur täglich dreister.

Und für die Stadt was thut denn er?

Wird es nicht alle Tage schlimmer?

Gehorchen soll man mehr als immer,

Und zahlen mehr als je vorher.

Bettler singt.

Ihr guten Herrn, ihr schönen Frauen,

So wohlgeputzt und backenroth,

Belieb’ es euch mich anzuschauen,

Und seht und mildert meine Noth!

Laßt hier mich nicht vergebens leyern!

Nur der ist froh, der geben mag.

Ein Tag den alle Menschen feyern,

Er sey für mich ein Aerndetag.

Andrer Bürger.

Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feyertagen,

Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrey,

Wenn hinten, weit, in der Türkey,

Die Völker auf einander schlagen.

Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus

Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;

Dann kehrt man Abends froh nach Haus,

Und segnet Fried’ und Friedenszeiten.

Dritter Bürger.

Herr Nachbar, ja! so laß ich’s auch geschehn,

Sie mögen sich die Köpfe spalten,

Mag alles durch einander gehn;

Doch nur zu Hause bleib’s beym Alten.

Alte zu den Bürgermädchen.

Ey! wie geputzt! das schöne junge Blut!

Wer soll sich nicht in euch vergaffen? –

Nur nicht so stolz! es ist schon gut!

Und was ihr wünscht das wüßt’ ich wohl zu schaffen.

Bürgermädchen.

Agathe fort! ich nehme mich in Acht

Mit solchen Hexen öffentlich zu gehen;

Sie ließ mich zwar, in Sanct Andreas Nacht,

Den künftgen Liebsten leiblich sehen.

Die Andre.

Mir zeigte sie ihn im Krystall,

Soldatenhaft, mit mehreren Verwegnen;

Ich seh’ mich um, ich such’ ihn überall,

Allein mir will er nicht begegnen.

Soldaten.

Burgen mit hohen

Mauern und Zinnen,

Mädchen mit stolzen

Höhnenden Sinnen

Möcht’ ich gewinnen!

Kühn ist das Mühen,

Herrlich der Lohn!

Und die Trompete

Lassen wir werben,

Wie zu der Freude,

So zum Verderben.

Das ist ein Stürmen!

Das ist ein Leben!

Mädchen und Burgen

Müssen sich geben.

Kühn ist das Mühen,

Herrlich der Lohn!

Und die Soldaten

Ziehen davon.

Faust und Wagner.

Faust.

Vom Eise befreyt sind Strom und Bäche,

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

Im Thale grünet Hoffnungs-Glück;

Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises

In Streifen über die grünende Flur;

Aber die Sonne duldet kein Weißes,

Ueberall regt sich Bildung und Streben,

Alles will sie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlts im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

Nach der Stadt zurück zu sehen.

Aus dem hohlen finstren Thor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feyern die Auferstehung des Herrn,

Denn sie sind selber auferstanden,

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Straßen quetschender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluß, in Breit’ und Länge,

So manchen lustigen Nachen bewegt,

Und, bis zum Sinken überladen

Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden

Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet groß und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s seyn.

Wagner.

Mit euch, Herr Doctor, zu spazieren

Ist ehrenvoll und ist Gewinn;

Doch würd’ ich nicht allein mich her verlieren,

Weil ich ein Feind von allem Rohen bin.

Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben,

Ist mir ein gar verhaßter Klang;

Sie toben wie vom bösen Geist getrieben

Und nennen’s Freude, nennen’s Gesang.

Bauern unter der Linde.

Tanz und Gesang.

Der Schäfer putzte sich zum Tanz,

Mit bunter Jacke, Band und Kranz,

Schmuck war er angezogen.

Schon um die Linde war es voll

Und alles tanzte schon wie toll.

Juchhe! Juchhe!

Juchheisa! Heisa! He!

So ging der Fiedelbogen.

Er drückte hastig sich heran,

Da stieß er an ein Mädchen an,

Mit seinem Ellenbogen;

Die frische Dirne kehrt sich um

Und sagte: nun das find’ ich dumm

Juchhe! Juchhe!

Juchheisa! Heisa! He!

Seyd nicht so ungezogen.

Doch hurtig in dem Kreise ging’s,

Sie tanzten rechts sie tanzten links

Und alle Röcke flogen.

Sie wurden roth, sie wurden warm

Und ruhten athmend Arm in Arm,

Juchhe! Juchhe!

Juchheisa! Heisa! He!

Und Hüft’ an Ellenbogen.

Und thu mir doch nicht so vertraut!

Wie mancher hat nicht seine Braut

Belogen und betrogen!

Er schmeichelte sie doch bey Seit’

Und von der Linde scholl es weit:

Juchhe! Juchhe!

Juchheisa! Heisa! He!

Geschrei und Fiedelbogen.

Alter Bauer.

Herr Doctor, das ist schön von euch,

Daß ihr uns heute nicht verschmäht,

Und unter dieses Volksgedräng’,

Als ein so Hochgelahrter, geht.

So nehmet auch den schönsten Krug,

Den wir mit frischem Trunk gefüllt,

Ich bring’ ihn zu und wünsche laut,

Daß er nicht nur den Durst euch stillt;

Die Zahl der Tropfen, die er hegt,

Sey euren Tagen zugelegt.

Faust.

Ich nehme den Erquickungs-Trank,

Erwiedr’ euch allen Heil und Dank.

Das Volk sammelt sich im Kreis umher.

Alter Bauer.

Fürwahr es ist sehr wohl gethan,

Daß ihr am frohen Tag erscheint;

Habt ihr es vormals doch mit uns

An bösen Tagen gut gemeynt!

Gar mancher steht lebendig hier,

Den euer Vater noch zuletzt

Der heißen Fieberwuth entriß,

Als er der Seuche Ziel gesetzt.

Auch damals ihr, ein junger Mann,

Ihr gingt in jedes Krankenhaus,

Gar manche Leiche trug man fort,

Ihr aber kamt gesund heraus,

Bestandet manche harte Proben;

Dem Helfer half der Helfer droben.

Alle.

Gesundheit dem bewährten Mann,

Daß er noch lange helfen kann!

Faust.

Vor jenem droben steht gebückt,

Der helfen lehrt und Hülfe schickt.

Er geht mit Wagnern weiter.

Wagner.

Welch ein Gefühl mußt du, o großer Mann!

Bey der Verehrung dieser Menge haben!

O! glücklich! wer von seinen Gaben

Solch einen Vortheil ziehen kann.

Der Vater zeigt dich seinem Knaben,

Ein jeder fragt und drängt und eilt,

Die Fiedel stockt, der Tänzer weilt.

Du gehst, in Reihen stehen sie,

Die Mützen fliegen in die Höh’;

Und wenig fehlt, so beugten sich die Knie,

Als käm’ das Venerabile.

Faust.

Nur wenig Schritte noch hinauf zu jenem Stein,

 

Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.

Hier saß ich oft gedankenvoll allein

Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.

An Hoffnung reich, im Glauben fest,

Mit Thränen, Seufzen, Händeringen

Dacht’ ich das Ende jener Pest

Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.

Der Menge Beyfall tönt mir nun wie Hohn.

O könntest du in meinem Innern lesen,

Wie wenig Vater und Sohn

Solch eines Ruhmes werth gewesen!

Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,

Der über die Natur und ihre heilgen Kreise,

In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,

Mit grillenhafter Mühe sann.

Der, in Gesellschaft von Adepten,

Sich in die schwarze Küche schloß,

Und, nach unendlichen Recepten,

Das Widrige zusammengoß.

Da ward ein rother Leu, ein kühner Freyer,

Im lauen Bad, der Lilie vermählt

Und beyde dann, mit offnem Flammenfeuer,

Aus einem Brautgemach ins andere gequält.

Erschien darauf, mit bunten Farben,

Die junge Königin im Glas,

Hier war die Arzeney, die Patienten starben,

Und niemand fragte: wer genas?

So haben wir, mit höllischen Latwergen,

In diesen Thälern, diesen Bergen,

Weit schlimmer als die Pest getobt.

Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,

Sie welkten hin, ich muß erleben

Daß man die frechen Mörder lobt.

Wagner.

Wie könnt ihr euch darum betrüben!

Thut nicht ein braver Mann genug;

Die Kunst, die man ihm übertrug,

Gewissenhaft und pünctlich auszuüben.

Wenn du, als Jüngling, deinen Vater ehrst,

So wirst du gern von ihm empfangen;

Wenn du, als Mann, die Wissenschaft vermehrst,

So kann dein Sohn zu höhrem Ziel gelangen.

Faust.

O! glücklich! wer noch hoffen kann

Aus diesem Meer des Irrthums aufzutauchen.

Was man nicht weiß das eben brauchte man,

Und was man weiß kann man nicht brauchen.

Doch laß uns dieser Stunde schönes Gut,

Durch solchen Trübsinn, nicht verkümmern!

Betrachte wie, in Abendsonne-Glut,

Die grünumgebnen Hütten schimmern.

Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,

Dort eilt sie hin und fördert neues Leben.

O! daß kein Flügel mich vom Boden hebt,

Ihr nach und immer nach zu streben.

Ich säh’ im ewigen Abendstrahl

Die stille Welt zu meinen Füßen,

Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Thal,

Den Silberbach in goldne Ströme fließen.

Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf

Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;

Schon thut das Meer sich mit erwärmten Buchten

Vor den erstaunten Augen auf.

Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;

Allein der neue Trieb erwacht,

Ich eile fort ihr ew’ges Licht zu trinken,

Vor mir den Tag, und hinter mir die Nacht,

Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.

Ein schöner Traum, indessen sie entweicht.

Ach! zu des Geistes Flügeln wird so leicht

Kein körperlicher Flügel sich gesellen.

Doch ist es jedem eingeboren,

Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,

Wenn über uns, im blauen Raum verloren,

Ihr schmetternd Lied die Lerche singt;

Wenn über schroffen Fichtenhöhen

Der Adler ausgebreitet schwebt,

Und über Flächen, über Seen,

Der Kranich nach der Heimat strebt.

Wagner.

Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,

Doch solchen Trieb hab’ ich noch nie empfunden.

Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt,

Des Vogels Fittig werd’ ich nie beneiden.

Wie anders tragen uns die Geistesfreuden,

Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!

Da werden Winternächte hold und schön,

Ein selig Leben wärmet alle Glieder,

Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen;

So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.

Faust.

Du bist dir nur des einen Triebs bewußt,

O lerne nie den andern kennen!

Zwey Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,

Die eine will sich von der andern trennen;

Die eine hält, in derber Liebeslust,

Sich an die Welt, mit klammernden Organen;

Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust,

Zu den Gefilden hoher Ahnen.

O giebt es Geister in der Luft,

Die zwischen Erd’ und Himmel herrschend weben,

So steiget nieder aus dem goldnen Duft

Und führt mich weg, zu neuem buntem Leben!

Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein!

Und trüg’ er mich in fremde Länder,

Mir sollt’ er, um die köstlichsten Gewänder,

Nicht feil um einen Königsmantel seyn.

Wagner.

Berufe nicht die wohlbekannte Schaar,

Die, strömend, sich im Dunstkreis überbreitet,

Dem Menschen tausendfältige Gefahr,

Von allen Enden her, bereitet.

Von Norden dringt der scharfe Geisterzahn

Auf dich herbey, mit pfeilgespitzten Zungen;

Von Morgen ziehn, vertrocknend, sie heran,

Und nähren sich von deinen Lungen;

Wenn sie der Mittag aus der Wüste schickt,

Die Glut auf Glut um deinen Scheitel häufen,

So bringt der West den Schwarm, der erst erquickt,

Um dich und Feld und Aue zu ersäufen.

Sie hören gern, zum Schaden froh gewandt,

Gehorchen gern, weil sie uns gern betrügen,

Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,

Und lispeln englisch, wenn sie lügen.

Doch gehen wir! ergraut ist schon die Welt,

Die Luft gekühlt, der Nebel fällt!

Am Abend schätzt man erst das Haus. –

Was stehst du so und blickst erstaunt hinaus?

Was kann dich in der Dämmrung so ergreifen?

Faust.

Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?

Wagner.

Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.

Faust.

Betracht’ ihn recht! für was hältst du das Thier?

Wagner.

Für einen Pudel, der auf seine Weise

Sich auf der Spur des Herren plagt.

Faust.

Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise

Er um uns her und immer näher jagt?

Und irr’ ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel

Auf seinen Pfaden hinterdrein.

Wagner.

Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel,

Es mag bey euch wohl Augentäuschung seyn.

Faust.

Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen,

Zu künft’gem Band, um unsre Füße zieht.

Wagner.

Ich seh’ ihn ungewiß und furchtsam uns umspringen,

Weil er, statt seines Herrn, zwey Unbekannte sieht.

Faust.

Der Kreis wird eng, schon ist er nah!

Wagner.

Du siehst! ein Hund, und kein Gespenst ist da.

Er knurrt und zweifelt, legt sich auf den Bauch,

Er wedelt. Alles Hunde Brauch.

Faust.

Geselle dich zu uns! Komm hier!

Wagner.

Es ist ein pudelnärrisch Thier.

Du stehest still, er wartet auf;

Du sprichst ihn an, er strebt an dir hinauf;

Verliere was, er wird es bringen,

Nach deinem Stock ins Wasser springen.

Faust.

Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur

Von einem Geist, und alles ist Dressur.

Wagner.

Dem Hunde, wenn er gut gezogen,

Wird selbst ein weiser Mann gewogen.

Ja deine Gunst verdient er ganz und gar

Er, der Studenten trefflicher Scolar.

Sie gehen in das Stadt-Thor.

Studirzimmer.

Faust mit dem Pudel hereintretend.

Verlassen hab’ ich Feld und Auen,

Die eine tiefe Nacht bedeckt,

Mit ahndungsvollem heil’gem Grauen

In uns die bessre Seele weckt.

Entschlafen sind nun wilde Triebe,

Mit jedem ungestümen Thun;

Es reget sich die Menschenliebe,

Die Liebe Gottes regt sich nun.

Sey ruhig Pudel! renne nicht hin und wieder!

An der Schwelle was schnoperst du hier?

Lege dich hinter den Ofen nieder,

Mein bestes Kissen geb’ ich dir.

Wie du draußen auf dem bergigen Wege,

Durch Rennen und Springen, ergetzt uns hast,

So nimm nun auch von mir die Pflege,

Als ein willkommner stiller Gast.

Ach wenn in unsrer engen Zelle

Die Lampe freundlich wieder brennt,

Dann wird’s in unserm Busen helle,

Im Herzen, das sich selber kennt.

Vernunft fängt wieder an zu sprechen,

Und Hoffnung wieder an zu blühn,

Man sehnt sich nach des Lebens Bächen,

Ach! nach des Lebens Quelle hin.

Knurre nicht Pudel! Zu den heiligen Tönen,

Die jetzt meine ganze Seel’ umfassen,

Will der thierische Laut nicht passen.

Wir sind gewohnt, daß die Menschen verhöhnen

Was sie nicht verstehn,

Daß sie vor dem Guten und Schönen,

Das ihnen oft beschwerlich ist, murren;

Will es der Hund, wie sie, beknurren

Aber ach! schon fühl’ ich, bey dem besten Willen,

Befriedigung nicht mehr aus dem Busen quillen.

Aber warum muß der Strom so bald versiegen,

Und wir wieder im Durste liegen?

Davon hab’ ich so viel Erfahrung.

Doch dieser Mangel läßt sich ersetzen,

Wir lernen das Ueberirdische schätzen,

Wir sehnen uns nach Offenbarung,

Die nirgends würd’ger und schöner brennt,

Als in dem neuen Testament.

Mich drängt’s den Grundtext aufzuschlagen,

Mit redlichem Gefühl einmal

Das heilige Original

In mein geliebtes Deutsch zu übertragen.

Er schlägt ein Volum auf und schickt sich an.

Geschrieben steht: »im Anfang war das Wort!« Hier stock’ ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muß es anders übersetzen, Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin. Geschrieben steht: im Anfang war der Sinn. Bedenke wohl die erste Zeile, Daß deine Feder sich nicht übereile! Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft? Es sollte stehn: im Anfang war die Kraft! Doch, auch indem ich dieses niederschreibe, Schon warnt mich was, daß ich dabey nicht bleibe. Mir hilft der Geist! auf einmal seh’ ich Rath Und schreibe getrost: im Anfang war die That!

Soll ich mit dir das Zimmer theilen,

Pudel, so laß das Heulen,

So laß das Bellen!

Solch einen störenden Gesellen

Mag ich nicht in der Nähe leiden.

Einer von uns beyden

Muß die Zelle meiden.

Ungern heb’ ich das Gastrecht auf,

Die Thür’ ist offen, hast freyen Lauf.

Aber was muß ich sehen!

Kann das natürlich geschehen?

Ist es Schatten? ist’s Wirklichkeit?

Wie wird mein Pudel lang und breit!

Er hebt sich mit Gewalt,

Das ist nicht eines Hundes Gestalt!

Welch ein Gespenst bracht’ ich ins Haus!

Schon sieht er wie ein Nilpferd aus,

Mit feurigen Augen, schrecklichem Gebiß.

O! du bist mir gewiß!

Für solche halbe Höllenbrut

Ist Salomonis Schlüssel gut.

Geister auf dem Gange.

Drinnen gefangen ist einer!

Bleibet haußen, folg’ ihm keiner!

Wie im Eisen der Fuchs,

Zagt ein alter Höllenluchs.

Aber gebt Acht!

Schwebet hin, schwebet wieder,

Auf und nieder,

Und er hat sich losgemacht.

Könnt ihr ihm nützen,

Laßt ihn nicht sitzen!

Denn er that uns allen

Schon viel zu Gefallen.

Faust.

Erst zu begegnen dem Thiere,

Brauch’ ich den Spruch der Viere:

Salamander soll glühen,

Undene sich winden,

Silphe verschwinden,

Kobold sich mühen.

Wer sie nicht kennte

Die Elemente,

Ihre Kraft

Und Eigenschaft,

Wäre kein Meister

Ueber die Geister.

Verschwind’ in Flammen

Salamander!

Rauschend fließe zusammen

Undene!

Leucht’ in Meteoren-Schöne

Silphe!

Bring’ häußliche Hülfe

Incubus! incubus! Tritt hervor und mache den Schluß.

Keines der Viere

Steckt in dem Thiere.

Es liegt ganz ruhig und grins’t mich an,

Ich hab’ ihm noch nicht weh gethan.

Du sollst mich hören

Stärker beschwören.

Bist du Geselle

Ein Flüchtling der Hölle?

So sieh dies Zeichen!

Dem sie sich beugen

Die schwarzen Schaaren.

Schon schwillt es auf mit borstigen Haaren.

Verworfnes Wesen!

Kannst du ihn lesen?

Den nie entsprossnen,

Unausgesprochnen,

Durch alle Himmel gegossnen,

Freventlich durchstochnen.

Hinter den Ofen gebannt

 

Schwillt es wie ein Elephant,

Den ganzen Raum füllt es an,

Es will zum Nebel zerfließen.

Steige nicht zur Decke hinan!

Lege dich zu des Meisters Füßen!

Du siehst daß ich nicht vergebens drohe.

Ich versenge dich mit heiliger Lohe!

Erwarte nicht

Das dreymal glühende Licht!

Erwarte nicht

Die stärkste von meinen Künsten!

Mephistopheles

tritt, indem der Nebel fällt, gekleidet wie ein fahrender Scholastikus, hinter dem Ofen hervor.

Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?

Faust.

Das also war des Pudels Kern!

Ein fahrender Scolast? Der Casus macht mich lachen.

Mephistopheles.

Ich salutire den gelehrten Herrn!

Ihr habt mich weidlich schwitzen machen.

Faust.

Wie nennst du dich?

Mephistopheles.

Die Frage scheint mir klein,

Für einen der das Wort so sehr verachtet,

Der, weit entfernt von allem Schein,

Nur in der Wesen Tiefe trachtet.

Faust.

Bey euch, ihr Herrn, kann man das Wesen

Gewöhnlich aus dem Namen lesen,

Wo es sich allzudeutlich weis’t,

Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.

Nun gut wer bist du denn?

Mephistopheles.

Ein Theil von jener Kraft,

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Faust.

Was ist mit diesem Räthselwort gemeynt?

Mephistopheles.

Ich bin der Geist der stets verneint!

Und das mit Recht; denn alles was entsteht

Ist werth daß es zu Grunde geht;

Drum besser wär’s daß nichts entstünde.

So ist denn alles was ihr Sünde,

Zerstörung, kurz das Böse nennt,

Mein eigentliches Element.

Faust.

Du nennst dich einen Theil, und stehst doch ganz vor mir?

Mephistopheles.

Bescheidne Wahrheit sprech’ ich dir.

Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt,

Gewöhnlich für ein Ganzes hält;

Ich bin ein Theil des Theils, der Anfangs alles war,

Ein Theil der Finsterniß, die sich das Licht gebar,

Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht

Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,

Und doch gelingt’s ihm nicht, da es, so viel es strebt,

Verhaftet an den Körpern klebt.

Von Körpern strömt’s, die Körper macht es schön,

Ein Körper hemmt’s auf seinem Gange,

So, hoff’ ich, dauert es nicht lange

Und mit den Körpern wird’s zu Grunde gehn.

Faust.

Nun kenn’ ich deine würd’gen Pflichten!

Du kannst im Großen nichts vernichten

Und fängst es nun im Kleinen an.

Mephistopheles.

Und freylich ist nicht viel damit gethan.

Was sich dem Nichts entgegenstellt,

Das Etwas, diese plumpe Welt,

So viel als ich schon unternommen

Ich wußte nicht ihr beyzukommen,

Mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand,

Geruhig bleibt am Ende Meer und Land!

Und dem verdammten Zeug, der Thier- und Menschenbrut,

Dem ist nun gar nichts anzuhaben,

Wie viele hab’ ich schon begraben!

Und immer zirkulirt ein neues, frisches Blut.

So geht es fort, man möchte rasend werden!

Der Luft, dem Wasser, wie der Erden

Entwinden tausend Keime sich,

Im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten!

Hätt’ ich mir nicht die Flamme vorbehalten;

Ich hätte nichts apart’s für mich.

Faust.

So setzest du der ewig regen,

Der heilsam schaffenden Gewalt

Die kalte Teufelsfaust entgegen,

Die sich vergebens tückisch ballt!

Was anders suche zu beginnen

Des Chaos wunderlicher Sohn!

Mephistopheles.

Wir wollen wirklich uns besinnen,

Die nächstenmale mehr davon!

Dürft’ ich wohl diesmal mich entfernen?

Faust.

Ich sehe nicht warum du fragst.

Ich habe jetzt dich kennen lernen,

Besuche nun mich wie du magst.

Hier ist das Fenster, hier die Thüre,

Ein Rauchfang ist dir auch gewiß.

Mephistopheles.

Gesteh’ ichs nur! daß ich hinausspaziere

Verbietet mir ein kleines Hinderniß,

Der Drudenfuß auf eurer Schwelle –

Faust.

Das Pentagramma macht dir Pein?

Ey sage mir, du Sohn der Hölle,

Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?

Wie ward ein solcher Geist betrogen?

Mephistopheles.

Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen;

Der eine Winkel, der nach außen zu,

Ist, wie du siehst, ein wenig offen.

Faust.

Das hat der Zufall gut getroffen!

Und mein Gefangner wärst denn du?

Das ist von ohngefähr gelungen!

Mephistopheles.

Der Pudel merkte nichts als er hereingesprungen,

Die Sache sieht jetzt anders aus;

Der Teufel kann nicht aus dem Haus.

Faust.

Doch warum gehst du nicht durchs Fenster?

Mephistopheles.

’s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster:

Wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus.

Das erste steht uns frey, beym zweyten sind wir Knechte.

Faust.

Die Hölle selbst hat ihre Rechte?

Das find’ ich gut, da ließe sich ein Packt,

Und sicher wohl, mit euch ihr Herren schließen?

Mephistopheles.

Was man verspricht, das sollst du rein genießen,

Dir wird davon nichts abgezwackt.

Doch das ist nicht so kurz zu fassen,

Und wir besprechen das zunächst;

Doch jetzo bitt’ ich, hoch und höchst,

Für diesesmal mich zu entlassen.

Faust.

So bleibe doch noch einen Augenblick,

Um mir erst gute Mähr zu sagen.

Mephistopheles.

Jetzt laß mich los! ich komme bald zurück,

Dann magst du nach Belieben fragen.

Faust.

Ich habe dir nicht nachgestellt,

Bist du doch selbst ins Garn gegangen.

Den Teufel halte wer ihn hält!

Er wird ihn nicht sobald zum zweytenmale fangen.

Mephistopheles.

Wenn dir’s beliebt, so bin ich auch bereit

Dir zur Gesellschaft hier zu bleiben;

Doch mit Bedingniß, dir die Zeit,

Durch meine Künste, würdig zu vertreiben.

Faust.

Ich seh’ es gern, das steht dir frey;

Nur daß die Kunst gefällig sey!

Mephistopheles.

Du wirst, mein Freund, für deine Sinnen,

In dieser Stunde mehr gewinnen,

Als in des Jahres Einerley.

Was dir die zarten Geister singen,

Die schönen Bilder die sie bringen,

Sind nicht ein leeres Zauberspiel.

Auch dein Geruch wird sich ergetzen,

Dann wirst du deinen Gaumen letzen,

Und dann entzückt sich dein Gefühl.

Bereitung braucht es nicht voran,

Beysammen sind wir, fanget an!

Geister.

Schwindet ihr dunkeln

Wölbungen droben!

Reizender schaue,

Freundlich, der blaue

Aether herein!

Wären die dunkeln

Wolken zerronnen!

Sternelein funkeln,

Mildere Sonnen

Scheinen darein.

Himmlischer Söhne

Geistige Schöne,

Schwankende Beugung

Schwebet vorüber.

Sehnende Neigung

Folget hinüber;

Und der Gewänder

Flatternde Bänder

Decken die Länder,

Decken die Laube,

Wo sich für’s Leben,

Tief in Gedanken,

Liebende geben.

Laube bey Laube!

Sprossende Ranken!

Lastende Traube

Stürzt in’s Behälter

Drängender Kelter,

Stürzen in Bächen

Schäumende Weine,

Rieseln durch reine,

Edle Gesteine,

Lassen die Höhen

Hinter sich liegen,

Breiten zu Seen

Sich ums Genügen

Grünender Hügel.

Und das Geflügel

Schlürfet sich Wonne,

Flieget der Sonne,

Flieget den hellen

Inseln entgegen,

Die sich auf Wellen

Gauklend bewegen;

Wo wir in Chören

Jauchzende hören,

Ueber den Auen

Tanzende schauen,

Die sich im Freyen

Alle zerstreuen.

Einige glimmen

Ueber die Höhen,

Andere schwimmen

Ueber die Seen,

Andere schweben;

Alle zum Leben,

Alle zur Ferne

Liebender Sterne

Seliger Huld.

Mephistopheles.

Er schläft! So recht, ihr luft’gen, zarten Jungen!

Ihr habt ihn treulich eingesungen!

Für dies Concert bin ich in eurer Schuld.

Du bist noch nicht der Mann den Teufel fest zu halten!

Umgaukelt ihn mit süßen Traumgestalten,

Versenkt ihn in ein Meer des Wahns;

Doch dieser Schwelle Zauber zu zerspalten

Bedarf ich eines Rattenzahns.

Nicht lange brauch’ ich zu beschwören,

Schon raschelt eine hier und wird sogleich mich hören.

Der Herr der Ratten und der Mäuse,

Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse,

Befiehlt dir dich hervor zu wagen

Und diese Schwelle zu benagen,

So wie er sie mit Oel betupft –

Da kommst du schon hervorgehupft!

Nur frisch ans Werk! Die Spitze, die mich bannte,

Sie sitzt ganz vornen an der Kante.

Noch einen Biß, so ist’s geschehn. –

Nun Fauste träume fort, bis wir uns wiedersehn.

Faust erwachend.

Bin ich denn abermals betrogen?

Verschwindet so der geisterreiche Drang?

Daß mir ein Traum den Teufel vorgelogen,

Und daß ein Pudel mir entsprang.

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